Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
zurück
#324#
-----
Friedrich Engels
An das Direktorium der Schiller-Anstalt [206]
Manchester, 16. September 1868
Wie mir Herr Davisson mitteilt, hat das Direktorium in seiner
Sitzung vom 7. Sept. den Beschluß gefaßt, Herrn Karl Vogt einzu-
laden, eine Vorlesung in der Anstalt zu halten.
So sehr ich dies bedaure, so versetzt mich dieser Beschluß doch
in die Notwendigkeit, meine Stelle als Vorsitzender wie als Mit-
glied des Direktoriums niederzulegen.
Auf die sachlichen Gründe, aus denen ich, wäre ich gegenwärtig
gewesen, gegen diesen Beschluß gestimmt haben würde, brauche ich
hier nicht einzugehen. Diese Gründe sind es nicht, welche mir
meinen Entschluß zur Pflicht machen.
Mein Austritt erfolgt lediglich aus Gründen, die die Anstalt
nicht berühren. In den Jahren 1859 und 1860 haben meine politi-
schen Freunde und ich gegen Herrn Vogt unter Beibringung von Be-
weisen schwere Beschuldigungen politischer Art erhoben. (Siehe
die Schrift "Herr Vogt" von Karl Marx, London 1860. 1*)) Herr
Vogt hat auf diese, seitdem von andren Seiten wiederholten Ankla-
gen bis jetzt geschwiegen.
Diese ganze Angelegenheit sowie die damals darüber geführte Pole-
mik ist wahrscheinlich den übrigen Mitgliedern des Direktoriums
unbekannt oder von ihnen vergessen. Sie haben das volle Recht,
von Herrn Vogts politischem Charakter abzusehn und ihn als den
mehr oder weniger angenehmen Popularisierer der naturwissen-
schaftlichen Entdeckungen anderer zu betrachten. Mir ist das
nicht gestattet. Bliebe ich, nach obigem Beschluß, noch im Direk-
torium, so würde ich dadurch meine ganze politische Vergangenheit
und meine politischen Freunde verleugnen. Ich würde damit
-----
1*) Siehe Band 14 unserer Ausgabe
#325# An das Direktorium der Schiller-Anstalt
-----
einem Manne ein Vertrauensvotum geben, von dem ich es für bewie-
sen halte, daß er im Jahre 1859 ein bezahlter bonapartistischer
Agent gewesen.
Nur eine solche zwingende Notwendigkeit konnte mich bewegen, aus
einer Stellung zu scheiden, in der ich unter jetzt glücklich
überwundenen Schwierigkeiten [207] auszuharren für meine
Schuldigkeit hielt.
Ich danke den Herren Mitgliedern des Direkt[oriums] herzlich für
das Vertrauen, das sie mir m so reichem Maße geschenkt haben, und
scheide von ihnen mit der Bitte, mir dieselben freundschaftlichen
Gesinnungen zu bewahren, welche ich stets für sie hegen werde.
Hochachtungsvoll
F. E.
Nach dem handschriftlichen Entwurf.
zurück