Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
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Karl Marx
Bericht des Generalrats der Internationalen Arbeiter-Assoziation
an den IV. allgemeinen Kongreß in Basel [262]
Die Delegierten der verschiedenen Sektionen werden Euch ausführ-
liche Berichte abstatten über den Fortschritt unserer Assoziation
in ihren resp. Ländern. Der Bericht Eures Generalrates bezieht
sich hauptsächlich auf die Guerillagefechte zwischen Kapital und
Arbeit, wir meinen die Strikes, welche im vergangenen Jahre den
Kontinent von Europa beunruhigt haben und von denen man be-
hauptet, sie seien weder aus dem Elend des Arbeiters entsprungen,
noch aus dem Despotismus des Kapitalisten, sondern aus den gehei-
men Intrigen unserer Assoziation.
Einige Wochen nach Abhaltung unseres letzten Kongresses brach un-
ter den Bandwebern und Seidenfärbern in Basel ein denkwürdiger
Strike aus. Basel ist ein Platz, der bis auf unsre Tage viele
Züge einer mittelalterlichen Stadt mit ihren lokalen Über-
lieferungen, ihren engen Vorurteilen, ihren börsenstolzen Patri-
ziern und ihrem patriarchalischen Verhältnis zwischen Arbeitgeber
und Arbeiter bewahrt hat. Noch vor wenigen Jahren prahlte ein
Basler Fabrikant gegenüber einem englischen Gesandtschafts-
sekretär,
daß "die wechselseitige Stellung von Meister und Leuten hier un-
gleich günstiger sei als in England", daß "m der Schweiz ein Ar-
beiter, der einen guten Meister für bessere Löhne verließe, von
seinen eigenen Mitarbeitern verachtet werden würde" und daß
"unser Vorteil England gegenüber hauptsächlich in der langen Ar-
beitszeit und den mäßigen Löhnen besteht".
Man sieht, das patriarchalische Regime in seiner durch moderne
Einflüsse veränderten Gestalt kommt darauf hinaus, daß der Mei-
ster gut und sein Arbeitslohn schlecht ist, daß der Arbeiter wie
ein mittelalterlicher Vasall fühlt und wie ein moderner
Lohnsklave schanzt.
Diesen Patriarchalismus mag man ferner beurteilen aus einer offi-
ziellen schweizerischen Untersuchung über den Kinderverbrauch in
den Fabriken
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und den Zustand der öffentlichen Elementarschulen. Es stellte
sich heraus, daß
"die Basler Schulatmosphäre die schlechteste in der Welt ist,
daß, während in freier Luft die Kohlensäure 4 Teile auf 10 000
bildet und in geschlossenen Räumen 10 Teile nicht überschreiten
sollte, sie in den Basler gewöhnlichen Schulen auf 20-81 Teile
des Vormittags und auf 53-94 Teile des Nachmittags steigt".
Hierauf bemerkte ein Mitglied des Basler Großen Rates, Herr Thur-
neysen, sehr kühl:
"Laßt Euch nicht schrecken. Die Eltern haben in ebenso schlechten
Schulräumen gesessen als jetzt die Kinder, und dennoch sind sie
mit heiler Haut davongekommen."
Man wird nun sofort verstehen, daß eine ökonomische Revolte sei-
tens der Basler Arbeiter Epoche in der sozialen Geschichte der
Schweiz macht. Nichts ist charakteristischer als der Ausgangs-
punkt dieser Bewegung! In Basel haben die Arbeiter nach altem Ge-
brauch am letzten Tage der Spätjahrmesse 1/4 Tag Feierstunden.
Als nun am 9. November 1868 die Arbeiter der Bandfabrik Debary
und Söhne denselben wie gewohnt in Anspruch nahmen, erklärte ih-
nen einer der Fabrikherren in barschem Ton und mit gebieterischer
Miene:
"Wer weggehe und nicht fortarbeite, sei sogleich und für immer
entlassen."
Nach einigen vergeblichen Protestationen verließen 104 von 172
Webern sofort die Fabrik. Sie glaubten jedoch nicht an die defi-
nitive Entlassung, weil gegenseitige vierzehntägige Aufkündi-
gungsfrist durch schriftlichen Vertrag bedingt war. Bei ihrer
Rückkehr am nächsten Morgen fanden sie die Fabriken mit Gendarmen
umstellt, welche die Rebellen ausschlössen. Auch die Weber, wel-
che den 1/4 Tag nicht gefeiert hatten, wollten nun ebenfalls
nicht eintreten. Das allgemeine Losungswort war: "Alle oder kei-
ner."
So plötzlich arbeitslos gemacht, wurden die Weber mit ihren Fami-
lien zugleich aus den Wohnungen herausgeworfen, welche sie von
ihren Fabrikanten gemietet. Letztere sandten zugleich Rundschrei-
ben an Metzger, Bäcker, Krämer, den Aufständigen allen Kredit für
Lebensmittel abzuschneiden. Der so eröffnete Kampf währte vom 9.
November 1868 bis Frühling 1869. Die Grenzen unseres Berichts er-
lauben uns nicht, auf weitere Details einzugehen. Genug, die Be-
wegung entsprang aus einem frivol-gehässigen Akt kapitalistischer
Despotie, aus einem grausamen Lockout, mündete in Strikes, von
Zeit zu Zeit unterbrochen durch Kompromisse, wieder und wieder
verletzt durch die Meister, und gipfelte in dem vergeblichen Ver-
such des hochmächtigen Basler Großen Rates, die Arbeiter
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durch militärische Maßregeln und eine Art von Belagerungszustand
einzuschüchtern.
Während dieses Aufstands wurden die Arbeiter unterstützt durch
die Internationale Arbeiter-Assoziation. Diese Gesellschaft hatte
nach der Meinung der Meister den modernen Rebellengeist zuerst in
die gute alte Reichsstadt Basel eingeschmuggelt. Diesen frechen
Eindringling wieder aus Basel herauszuwerfen, wurde nun das Ziel
ihres Strebens. Sie versuchten, den Austritt aus der Gesellschaft
ihren Untertanen als Friedensbedingung aufzuherrschen. Jedoch um-
sonst. Als sie überhaupt in dem Krieg mit der Internationalen den
kürzeren zogen, machten sie ihrer übeln Laune in possierlichen
Sprüngen Luft. Diese Republikaner, welche größere Fabriken in dem
Basel nahegelegenen badischen Grenzorte Lörrach besitzen, bewogen
den dortigen Amtmann 1*), unsere dortige Sektion aufzulösen, eine
Maßregel, die jedoch bald wieder von der badischen Regierung zu-
rückgenommen wurde. Als die Augsburger "Allgemeine Zeitung" sich
herausnahm, unparteiisch über die Basler Ereignisse zu berichten,
drohte die "Ehrbarkeit" in närrischen Briefen mit Abonnementskün-
digung. Nach London sandten sie einen Emissär mit dem phantasti-
schen Auftrag, die Dimensionen der internationalen Generalgeldki-
ste auszumessen. Hätten diese guten orthodoxen Christen in den
ersten Zeiten des Christentums gelebt, sie hätten vor allem des
Apostels Paulus Bankkredit zu Rom nachgespäht.
Ihr unbeholfen barbarisches Verfahren zog ihnen einige ironische
Vorlesungen über Weltweisheit von Seiten der Genfer Kapitalisten
zu. Einige Monate später hatten die Basler Pfahlbürger die Genug-
tuung, mit Wucherzins den Genfer Weltmännern zurückzahlen zu kön-
nen.
Im Monat März brachen in Genf 2 Strikes aus, auf Seite der Bauar-
beiter und der Setzer, deren beide Gesellschaften Sektionen der
Internationalen bilden. Der Strike der Bauarbeiter wurde provo-
ziert durch die Meister, welche den das vorige Jahr mit ihren Ar-
beitern feierlich abgeschlossenen Vertrag brachen. Der Setzer-
strike war das letzte Wort eines 10jährigen Streits, den die Ar-
beiter vergeblich durch 5 aufeinanderfolgende Kommissionen zu
schlichten versucht hatten. Wie in Basel verwandelten die Meister
sofort ihre Privatfehde mit den Arbeitern m einen Kreuzzug der
Staatsgewalt gegen die Internationale Arbeiter-Assoziation.
Der Genfer Staatsrat verwandte Polizeidiener, um aus der Ferne
durch die Meister importierte Arbeiter an der Eisenbahnstation
abzuholen und
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1*) Im englischen Text: großherzoglichen Beamten
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von aller Berührung mit den Strikers abzuschließen. Er erlaubte
der Genfer Jeunesse dorée 1*), mit Revolvern bewaffnet Arbeiter
und Arbeiterinnen auf den Straßen und anderen öffentlichen Plät-
zen zu überfallen. Er schleuderte seine eignen Polizeihalunken
bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Arbeiter und namentlich
am 24. Mai, wo zu Genf, auf kleiner Stufenleiter, die Pariser
Szenen aufgeführt wurden, welche Raspail gebrandmarkt hat als
"les orgies infernales des casse-têtes" [264]. Als die Genfer Ar-
beiter in öffentlicher Versammlung eine Adresse an den Staatsrat
beschlossen, worin eine Untersuchung über diese infernalen Poli-
zeiorgien verlangt wird, wies der Staatsrat ihr Gesuch schnöde
zurück. Man beabsichtigte offenbar, die Genfer Arbeiter zu einer
Erneute aufzustacheln, die Erneute gewaltsam niederzustampfen,
die Internationalen vom Schweizer Boden wegzufegen und die Prole-
tarier einem Dezemberregime zu unterwerfen. Der Plan ward verei-
telt durch die energischen Maßregeln und den mäßigenden Einfluß
unseres Schweizer Föderalkomitees. [2654] Die Meister hatten
schließlich nachzugeben.
Hört nun einige der Invektiven der Genfer Kapitalisten und ihrer
Preßbande gegen die I n t e r n a t i o n a l e n! In öffent-
licher Versammlung erließen sie eine Adresse an den Staatsrat,
worin es unter anderm heißt:
"Man ruiniert den Kanton Genf durch Dekrete von London und Paris,
man will hier alle Arbeit und alle Industrie unterdrücken."
Und ein Schweizer Blatt druckte, die Leiter der Internationalen
seien
"Geheimagenten des Kaisers Napoleon, die im gelegenen Augenblick
als öffentliche Ankläger gegen unsre kleine Schweiz auftreten
werden".
Und dies von Seite derselben Herren, die sich ebenso eifrig ge-
zeigt, das Dezemberregime auf den Schweizer Boden zu verpflanzen;
von seilen jener Finanzenagenten, welche Genf wie andre Schweizer
Städte beherrschen und von denen ganz Europa weiß, daß sie sich
seit lange aus Bürgern der Schweizer Republik in Lohnsträger des
Crédit mobilier [266] und anderer internationaler Schwindelasso-
ziationen verwandelt haben!
Die Metzeleien, wodurch die belgische Regierung im Monat April
auf die Strikes der Puddlers zu Seraing und der Kohlengräber der
Borinage antwortete, wurden ausführlich bloßgelegt in einer
Adresse des Generalrats an die Arbeiter Europas und der Vereinig-
ten Staaten 2*). Wir betrachteten eine solche Adresse um so drin-
gender, als in diesem konstitutionellen
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1*) Im englischen Text eingefügt: den hoffnungsvollen Nichtstuern
der Jeune Suisse [263] - 2*) siehe vorl. Band, S. 350-354
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Musterstaat ein Arbeitermassakre kein Zufall, sondern eine Insti-
tution ist. Dem abscheulichen Militärdrama folgte auf dem Fuß die
gerichtliche Farce. In seinen Untersuchungen gegen unser belgi-
sches General-Komitee zu Brüssel, dessen Wohnungen brutal von der
Polizei überfallen und dessen Mitglieder teilweise arretiert wur-
den, fand der Untersuchungsrichter den Brief eines Arbeiters, der
"500 Internationale" verschreibt. Er schließt sofort, man ver-
lange 500 Klopffechter nach dem Kampfplatz. Die "500 Internatio-
nalen' waren 500 Exemplare der "Internationale", des Wochenorgans
des Brüsseler Komitees. Er stiebert dann ein Telegramm nach Paris
auf, worin eine gewisse Quantität Pulver verlangt wird. Nach lan-
ger Haussuchung wird die gefährliche Substanz in Brüssel ent-
deckt. Es war Rattenpulver. Schließlich schmeichelt sich die bel-
gische Polizei, das Schatzgespenst gepackt zu haben, welches im
Hirn der kontinentalen Kapitalisten spukt, dessen Hauptstock in
London lagert und wovon Ableger beständig über die See nach allen
Zentralsitzen unserer Gesellschaft spediert werden. Der belgische
offizielle Forscher wähnt es versteckt in einer eisernen Kiste in
einem finstern Winkel. Seine Schergen stürzen auf die Kiste los,
erbrechen sie gewaltsam und finden - ein paar Stücke Kohle. Viel-
leicht, berührt von Polizeihand, verwandelt sich das reine inter-
nationale Gold sofort in Kohle.
Von den Strikes, die im Dezember 1868 verschiedene Sitze der
französischen Baumwollenindustrie heimsuchten, war der wichtigste
der in Sotteville-lès-Rouen. Die Fabrikanten des Departements der
Somme hatten nicht lange vorher eine Zusammenkunft zu Amiens, um
zu beraten, wie sie ihre englischen Rivalen auf dem englischen
Markt selbst unterkaufen (undersell) könnten. Man war darüber ei-
nig, daß neben den Zöllen die verhältnismäßige Niedrigkeit des
Arbeitslohns Frankreich hauptsächlich gegen englische Baumwollwa-
ren geschützt habe. Man schloß natürlich, daß eine noch größere
Senkung des Arbeitslohns erlauben würde, England mit französi-
schen Baumwollwaren zu überfallen. Man zweifelte keinen Augen-
blick, daß die französischen Baumwollarbeiter stolz darauf sein
würden, die Kosten eines Eroberungskriegs zu bestreiten, den ihre
patriotischen Meister auf der ändern Seite des Kanals zu führen
beschlossen. Kurz nachher verlautete, daß die Fabrikanten von
Rouen und Umgegend in geheimem Konklave ein ähnliches Übereinkom-
men getroffen. Bald darauf fand plötzlich eine bedeutende Lohn-
herabsetzung statt in Sotteville-lès-Rouen, und nun erhoben sich
die normannischen Weber zum ersten Mal gegen die Übergriffe des
Kapitals. Sie handelten in der Aufregung des Augenblicks. Sie
hatten weder vorher Trade-Unions
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gebildet, noch für Widerstandsmittel irgendeiner Art gesorgt. In
ihrer Verlegenheit appellierten sie an das International-Komitee
zu Rouen, welches ihnen die erste notwendige Hülfe von den Arbei-
tern Rouens, der Nachbarorte und von Paris verschaffte. Gegen
Ende Dezember wandte sich das Rouener Komitee an den Generalrat,
in einem Augenblick äußerster Not in den englischen Sitzen der
Baumwollindustrie, beispiellosen Elends in London und allgemeinen
Drucks in allen Produktionszweigen. Dieser Zustand dauert bis zu
diesem Augenblick in England fort. Trotz so durchaus ungünstiger
Umstände glaubte der Generalrat, daß der eigentümliche Charakter
des Rouener Konflikts die englischen Arbeiter zu besondern An-
strengungen aufstacheln würde. Es war dies eine große Gelegen-
heit, den Kapitalisten zu beweisen, daß ihr internationaler Indu-
striekrieg, geführt durch Niederschrauben des Arbeitslohns bald
in diesem Lande, bald in jenem, sich endlich brechen werde an der
internationalen Vereinigung der Arbeiterklassen. Die englischen
Arbeiter antworteten unserm Aufruf sofort durch einen ersten Bei-
trag für Rouen, und der Londoner Generalrat der Trade-Unions be-
schloß, mit uns zusammen ein Monstremeeting zugunsten der norman-
nischen Brüder zu berufen. Die Nachricht vom plötzlichen Aufhören
des Sotteville-Strikes verhinderte weiteres Vorgehen.
Für den materiellen Fehlschlag dieser ökonomischen Revolte ent-
schädigten große moralische Resultate. Sie warb die normannischen
Baumwollarbeiter für die revolutionäre Armee der Arbeit, gab den
Anstoß zur Stiftung von Trade-Unions zu Rouen, Elbeuf, Darnetal
usw. und besiegelte von neuem den Bruderbund zwischen englischen
und französischen Arbeiterklassen. Während des Winters und Früh-
lings 1869 blieb unsre Propaganda in Frankreich gelähmt durch die
1868 erfolgte Unterdrückung unsres Pariser Komitees, die Poli-
zeischikanen in den Departements und das überwältigende Interesse
der allgemeinen Wahlen.
Die Wahlen waren kaum vorüber, als zahlreiche Strikes ausbrachen
in den Minendistrikten der Loire, zu Lyon und an vielen ändern
Plätzen. Die starkgefärbten Phantasiegemälde von der Prosperität
der Arbeiter unter dem Zweiten Kaiserreich verschwammen wie Ne-
belbilder vor den ökonomischen Tatsachen, welche diese Kämpfe
zwischen den Kapitalisten und Arbeitern ans Licht brachten. Die
Forderungen der Arbeiter waren so bescheiden und so unabweisbar,
daß sie nach einigen oft schamlosen Versuchen des Widerstands
alle eingeräumt werden mußten. Es war durchaus nichts Auffallen-
des an diesen Strikes außer ihrer plötzlichen Explosion nach
scheinbarer Windstille und der Geschwindigkeit, womit sie Schlag
auf Schlag einander folgten. Dennoch war die Ursache davon hand-
greiflich
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einfach. Während den Wahlen hatten die Arbeiter sich mit Erfolg
aufgelehnt wider ihren öffentlichen Despoten. Was natürlicher,
als sich nach den Wahlen aufzulehnen gegen ihre Privat-Despoten?
Die Wahlen hatten die Geister in Bewegung gesetzt. Es ist in der
Ordnung, daß die Regierungspresse, bezahlt wie sie ist für Ver-
fälschung der Tatsachen, den Schlüssel fand in den geheimen Kom-
mandoworten des Londoner Generalrats, der seine Emissäre von Ort
zu Ort schicke, um den vorher ganz und gar zufriedengestellten
französischen Arbeitern das Geheimnis zu offenbaren, daß ein bö-
ses Ding ist, überarbeitet, unterzahlt und brutal behandelt zu
werden. Ein französisches Polizeiorgan, welches in London er-
scheint, "L'International" [267], enthüllt der Welt in seiner
Nummer vom 3. August die geheime Triebfeder unsrer heillosen
Tätigkeit.
"Das Sonderbarste", sagt es, "ist, daß den Strikes verordnet
wurde, in solchen Ländern auszubrechen, wo das Elend noch weit
davon entfernt ist, sich fühlbar zu machen. Diese unerwarteten
Explosionen kamen so außerordentlich gelegen für einen gewissen
Nachbar Frankreichs, der gerade Krieg zu befürchten hatte, daß
viele Leute sich fragen, ob diese Strikes nicht vorfielen auf
Verlangen eines auswärtigen Machiavelli, der sich die Gunst die-
ser allmächtigen Gesellschaft zu erringen wußte".
Zur selben Zeit, wo dieser französische Polizeiwisch uns an-
klagte, die französische Regierung zu Haus mit Strikes zu belä-
stigen, um dem Grafen Bismarck die Last eines auswärtigen Kriegs
abzuwälzen, deutete ein rheinpreußisches Fabrikantenblatt an, wir
erschütterten den Norddeutschen Bund [268] mit Strikes, um die
deutsche Industrie zum Vorteil fremder Fabrikanten lahmzulegen.
Die Verhältnisse der Internationalen zu den französischen Strikes
werden wir nun beleuchten an zwei Fällen von einem typischen Cha-
rakter. In dem einen Fall, dem Strike von Saint-Étienne und dem
folgenden Massakre bei Ricamarie, wird die französische Regierung
selbst nicht mehr wagen, irgendeine Einmischung der Internationa-
len zu behaupten.
In den Ereignissen zu Lyon war es nicht die Internationale, wel-
che die Arbeiter in Strikes warf, sondern umgekehrt die Strikes,
welche die Arbeiter in die Arme der Internationalen warfen. '
Die Kohlenarbeiter von Samt-Etienne, Rive-de-Gier und Finniny
hatten ruhig, aber fest von den Direktoren der Minen-Kompanien
eine Revision des Lohntarifs und eine Beschränkung des Arbeitsta-
ges verlangt, der 12 volle Stunden harter, unterirdischer Arbeit
zählte. Erfolglos in ihrem Versuch eines gütlichen Vergleichs,
erklärten sie einen Strike am 11. Juni. Es war für sie natürlich
eine Lebensfrage, die Kooperation ihrer Kameraden zu sichern, die
noch fortarbeiteten. Um dies zu verhindern,
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verlangten und erhielten die Direktoren vom Präfekten der Loire
einen Wald von Bajonetten. Am 12. Juni fanden die Strikers die
Kohlengruben unter starker, militärischer Besetzung. Um sich des
Eifers der Soldaten, welche die Regierung ihnen so lieh, zu ver-
sichern, zahlten die Minen-Kompanien jedem Soldaten täglich einen
Franken per Kopf. Die Soldaten zahlten den Kompanien zurück durch
Einfangung von ungefähr 60 Kohlengräbern, welche zu ihren Kamera-
den in den Gruben vorzudringen suchten. Diese Gefangenen wurden
am Nachmittag desselben Tags nach Saint-Etienne eskortiert durch
150 Mann vom vierten Linienregiment. Vor dem Aufbruch der tapfern
Krieger verteilte ein Ingenieur der Kompanie, Dorian, 60 Flaschen
Kognak unter sie und legte ihnen eindringlich ans Herz, ein
scharfes Auge auf die Gefangenen zu haben. Diese Bergleute seien
Wilde, Barbaren, entlassene Galeerensträflinge. Durch den Brannt-
wein und die Predigt war eine blutige Kollision eingeleitet. Auf
ihrem Marsch, gefolgt von einem Haufen Kohlenarbeiter mit Frauen
und Kindern, umringt von denselben in einem Engpaß auf den Höhen
des Moncel, Quartier Ricamarie, angegangen, die Gefangenen auszu-
liefern, auf ihre Weigerung mit einem Steinhagel angegriffen,
feuerten die Soldaten ohne vorläufige Warnung mitten in den eng-
gedrängten Haufen, töteten 15 Personen, darunter 2 Weiber und
einen Säugling, und verwundeten eine große Menge. Die Torturen
der Verwundeten waren furchtbar, unter ihnen befand sich ein ar-
mes Mädchen von 12 Jahren, Jenny Petit, deren Name unsterblich in
der Martyrologie der Arbeiterklasse leben wird. Sie ward von hin-
ten getroffen von zwei Kugeln, wovon die eine in der Lende fest
sitzen blieb, die andre den Rücken durchflog, den Arm zerbrach
und durch die rechte Schulter herausfuhr. "Les chassepots avaient
encore fait merveille." [269]
Diesmal fand jedoch die Regierung bald aus, daß sie nicht nur ein
Verbrechen, sondern einen Fehler begangen. Sie wurde nicht von
der Mittelklasse als Gesellschaftsretter begrüßt. Der Munizipal-
rat von Saint-Etienne gab seine Entlassung in Masse in einem Do-
kument, worin er die Soldateska der Unmenschlichkeit zieh und die
Verlegung des Regiments von der Stadt forderte. Die französische
Presse brach in einen Schrei des Entsetzens aus. Selbst solche
konservativen Blätter wie der "Moniteur universel" [270] sammel-
ten für die Opfer. Die Regierung hatte das gehässige Regiment von
Saint-Étienne zu entfernen.
Unter diesen schwierigen Umständen war es ein lichter Einfall,
einen Sündenbock auf dem Altar der öffentlichen Entrüstung zu op-
fern - die Internationale Arbeiter-Assoziation. Bei den Gerichts-
verhandlungen gegen die angeblichen Aufrührer teilte der Ankla-
geakt sie in 10 Kategorien, die
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Grade ihrer Schuld sehr kunstreich schattierend. Die erste
Klasse, die dunkelste, bestand aus 5 Arbeitern, besonders des
Verdachts verdächtig, ihr geheimes Losungswort von außen, von der
Internationalen erhalten zu haben. Die Beweise waren natürlich
überwältigend, wie der folgende Auszug aus einer französischen
Gerichtszeitung zeigt:
"Das Zeugenverhör hat nicht erlaubt, die Teilnahme der Interna-
tionalen Assoziation genau festzusetzen. Die Zeugen versichern
nur, daß sich an der Spitze der Banden Unbekannte befanden, mit
weißen Kitteln und Mützen. Aber ferner dieser Unbekannten ist ar-
retiert worden, und keiner sitzt auf der Anklagebank. Auf die
Frage: Glauben Sie an die Einmischung der Internationalen Asso-
ziation? antwortete ein Zeuge: Ich glaube daran, aber ich habe
durchaus keine Beweise."
Kurz nach dem Ricamarie-Massakre ward der Tanz der ökonomischen
Revolten zu Lyon eröffnet durch die Seidenhaspler, meist weibli-
chen Geschlechts. In ihrer Not appellierten sie an die Interna-
tionale, die namentlich durch ihre Mitglieder in Frankreich und
der Schweiz zum Sieg verhalf. Trotz aller Einschüchterungsversu-
che der Polizei erklärten sie öffentlich ihren Anschluß an unsre
Gesellschaft und traten ihr formell bei durch Zahlung der statu-
tenmäßigen Beiträge an den Generalrat. Zu Lyon wie vorher zu
Rouen spielten die Arbeiterinnen eine hochherzige und hervorra-
gende Rolle.
Andre Geschäftszweige von Lyon folgten den Seidenhasplern auf dem
Fuß nach. So gewann unsre Gesellschaft in wenigen Wochen mehr als
10 000 neue Anhänger in dieser heroischen Bevölkerung, welche vor
mehr als 30 Jahren das Losungswort des modernen Proletariats auf
ihr Banner schrieb: "Vivre en travaillant ou mourir en combat-
tant!" (Arbeitend leben oder kämpfend sterben!) [271]
Unterdes fuhr die französische Regierung fort mit ihren kleinli-
chen Quengeleien gegen die I n t e r n a t i o n a l e. Zu Mar-
seille verbot sie unsern Mitgliedern zusammenzukommen zu der Wahl
eines Delegierten für den Basler Kongreß. Derselbe Streich ward
in ändern Städten wiederholt, aber die Arbeiter des Kontinents,
wie anderswo, beginnen endlich einzusehen, daß man seine natürli-
chen Rechte am sichersten erwirbt, wenn man sie ohne Erlaubnis
ausübt, jeder auf seine persönliche Gefahr.
Die Arbeiter Östreichs, besonders Wiens, nehmen bereits den Vor-
dergrund ein, obgleich sie erst nach den Ereignissen von 1866
[272] in die Bewegung eintraten. Sie sammelten sich sofort unter
der Fahne des Sozialismus und der Internationalen, in welche sie
massenhaft durch ihre Delegierten an dem neulichen Eisenacher
Kongreß [273] eintraten. Wenn irgendwo, hat die liberale Mittel-
klasse in Östreich ihre selbstischen Instinkte, ihre geistige In-
feriorität und ihren kleinlichen Groll gegen die Arbeiterklasse
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zur Schau gestellt. Ihr Ministerium, welches das Reich zerrissen
und bedroht sieht durch den Racen- und Nationalitätenkampf, ver-
folgt die Arbeiter, welche allein die Verbrüderung aller Racen
und Nationalitäten proklamieren. Die Mittelklasse selbst, welche
ihre neue Stellung nicht ihrem eigenen Heroismus, sondern aus-
schließlich den Unglücksfällen der östreichischen Armee verdankt
[274], welche kaum imstande ist, wie sie selbst weiß, ihre neuen
Errungenschaften wider die Angriffe der Dynastie, der Aristokra-
tie und des Klerus zu verteidigen, diese Mittelklasse vergeudet
nichtsdestoweniger ihre Kräfte in dem elenden Versuch, die Arbei-
terklasse auszuschließen vom Recht der Koalition, der öffentli-
chen Meetings und der Presse.
In Östreich, wie in allen ändern kontinentalen Staaten, hat die
Internationale das weiland rote Gespenst verdrängt. Als am 13.
Juli ein Arbeitermassakre auf kleinem Maßstab zu Brunn, der Baum-
wollhauptstadt Mährens, aufgeführt wurde, erklärte man das Ereig-
nis durch die geheimen Aufhetzungen der Internationalen, deren
Agenten jedoch im Besitz der Nebelkappe sind, die sie unsichtbar
macht. Als einige Wiener Volksführer vor Gericht standen, brand-
markte der öffentliche Ankläger sie als Agenten des Auslands. Zum
Beweis seiner tiefen Sachkenntnis beging er nur den kleinen Irr-
tum, die bürgerliche Freiheits- und Friedensligue von Bern mit
der proletarischen Internationalen zu verwechseln.
Wird die Arbeiterbewegung so in dem zisleithanischen Östreich
[275] verfolgt, so wird sie offen und schamlos gehetzt in Ungarn.
Über diesen Punkt liegen dem Generalrat die zuverlässigsten Be-
richte von Pest und Preßburg vor. Ein Beispiel der Behandlung der
ungarischen Arbeiter seitens der Behörden genüge.
Herr von Wenckheim, königlicher Minister des Innern in Ungarn,
befand sich gerade bei der ungarischen Delegation in Wien. Die
P r e ß b u r g e r Arbeiter, welche seit Monaten keine Versamm-
lungen mehr abhalten dürfen und denen sogar untersagt wurde, ein
Fest zu veranstalten, dessen Reinertrag dem Gründungsfonds einer
Krankenkasse zufallen sollte, sandten vor einigen Tagen mehrere
Arbeiter, darunter den bekannten Agitator Niemtzik, nach Wien, um
bei dem Herrn Minister des Innern Beschwerde zu führen. Es ko-
stete Mühe, Zutritt zu dem hohen Herrn zu erhalten, und als sich
endlich das ministerielle Zimmer öffnete, wurden die Arbeiter von
dem Minister in einer allem Anstände widersprechenden Weise
empfangen:
"Sind Sie Arbeiter? Arbeiten Sie fleißig?" fragte der Minister,
indem er die dampfende Zigarre im Mund herumdrehte. - Nun, weiter
haben Sie sich um nichts zu bekümmern, Sie brauchen keine Ver-
eine, und wenn Sie Politik treiben, so werden wir Mittel dagegen
wissen. Ich werde gar nichts für Sie tun. Mögen die Arbeiter im-
merhin murren!"
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Auf die Frage, ob also alles der Willkür der Behörden überlassen
bleibe, antwortete der Minister:
"Ja, unter meiner Verantwortung."
Nach langen vergeblichen Auseinandersetzungen verließen die Ar-
beiter endlich den Minister mit der Erklärung:
"Da die staatlichen Verhältnisse die Lage der Arbeiter bedingen,
so nässen sich die Arbeiter mit Politik beschäftigen, und sie
Werden es tun."
In Preußen und dem übrigen Deutschland zeichnete sich das vergan-
gene Jahr aus durch die Bildung von Trade-Unions über das ganze
Land. Auf dem neulichen Kongreß zu Eisenach stifteten die Dele-
gierten von mehr als 150 000 Arbeitern vom eigentlichen Deutsch-
land, Östreich und der Schweiz eine neue Sozialdemokratische Par-
tei mit einem Programm, dem die leitenden Prinzipien unserer Sta-
tuten wörtlich einverleibt sind. Durch das Gesetz verhindert,
förmliche Sektionen unserer Assoziation zu bilden, beschlossen
sie, individuelle Mitgliedschaftskarten vom Generalrat zu nehmen.
1*)
Neue Zweige der Assoziation haben sich in Neapel, Spanien und
Holland gebildet. In Barcelona und Amsterdam werden Wochenorgane
ausgegeben. [277]
Die Lorbeeren der belgischen Regierung auf den glorreichen
Schlachtfeldern von Seraing und Frameries scheinen den Schlaf un-
serer Großmächte zu stören. Kein Wunder denn, daß auch England
dieses Jahr sich seines Arbeitermassakres zu rühmen hat. Den wel-
schen Kohlengräbern bei dem Leeswood Great Pit in der Nähe von
Mold in Denbighshire wurde plötzlich Notiz einer Lohnverkürzung
gegeben durch den Verwalter des Bergwerks, der ihnen seit lange
als ein kleiner und unverbesserlicher Tyrann verhaßt war. Sie
sammelten Leute von den benachbarten Werken, verjagten ihn aus
seinem Hause, schleppten alle seine Möbel zur nächsten Eisenbahn-
station. Diese Unglücklichen wähnten in ihrer kindischen Unwis-
senheit, auf diese Weise ihn für immer loszuwerden. 2*) Am 28.
Mai wurden 2 Führer zum Gericht nach Mold von der Polizei und un-
ter der Eskorte einer Abteilung des 4. Infanterieregiments, "the
Kings Own" 3*),
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1*) Im englischen Text ist hier folgender Satz eingefügt: "Der
Allgemeine Deutsche Arbeiterverein versicherte auf seinem Kongreß
zu Barmen [276] ebenfalls sein Einverständnis mit den Prinzipien
unserer Assoziation, erklärte aber gleichzeitig, daß das preußi-
sche Gesetz ihm verbiete, sich uns anzuschließen." - 2*) im eng-
lischen Text ist hier folgender Satz eingefügt: "Gegen die Auf-
rührer wurden natürlich gerichtliche Untersuchungen eingeleitet;
einer von ihnen wurde jedoch von einer tausendköpfigen Menge be-
freit und aus der Stadt geleitet." - 3*) "des Leibregiments des
Königs"
#381# Bericht des Generalrats an den IV. Kongreß der I.A.A.
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transportiert. Unterwegs suchte ein Haufen von Kohlengräbern sie
zu befreien. Auf den Widerstand der Polizei und der Soldaten ha-
gelte es Steine auf sie. Ohne vorläufige Warnung erwiderten die
Soldaten den Steinhagel mit einem Kugelhagel von ihren Hinterla-
dern 1*). Fünf Personen, darunter zwei Frauen und ein Kind, wur-
den getötet und eine große Menge verwundet. Bis hierin existiert
große Analogie zwischen den Massakres von Mold und Ricamarie, von
da hört sie auf. In Frankreich waren die Soldaten nur ihren Kom-
mandanten verantwortlich, in England hatten sie durch das Feg-
feuer einer Coroner's Jury 2*) zu passieren, aber der Coroner war
ein tauber, halb versimpelter alter Mann, dem die Zeugenaussagen
durch eine Ohren-trompete eingetrichtert werden mußten, und die
welsche Jury war eine engherzig vorurteilsvolle Klassenjury. Sie
erklärten den Mord für "erlaubten Totschlag". In Frankreich wur-
den die Aufrührer zu Gefängnisstrafe von 3 bis zu 18 Monaten ver-
urteilt und bald darauf amnestiert, in England wurden sie zu 10
Jahren Zwangsarbeit mit Eisen verurteilt.
In der ganzen französischen Presse e i n Wutschrei gegen die
Truppen. In England hatte die Presse nur Schmunzeln für die Sol-
daten und nur Runzeln für ihre Opfer. Dennoch haben die engli-
schen Arbeiter viel gewonnen durch den Verlust einer großen und
gefährlichen Illusion. Bis jetzt glaubten sie sich mehr oder min-
der beschützt durch die Formalität der Riot Acts [278] und die
Unterordnung des Militärs unter die Zivilbehörde. Sie sind nun
eines Bessern belehrt. Herr Bruce, der liberale Minister des In-
nern, erklärte im Hause der Gemeinen, jeder Magistrat, der erste
beste Fuchsjäger oder Pfaffe, könne ohne vorherige Verlesung der
Riot Acts auf ihm aufrührerisch scheinende Haufen feuern lassen.
Zweitens aber könnten die Soldaten auch auf eigene Faust feuern
unter dem Vorwande der Selbstverteidigung. Der liberale Minister
vergaß hinzuzufügen, daß unter so bewandten Umständen jedermann
auf Staatskosten mit einem Hinterlader bewaffnet werden müßte zu
seiner Selbstverteidigung gegen die Soldaten.
Der folgende Beschluß wurde am 30. August auf dem allgemeinen
Kongreß der Trade-Unions zu Birmingham verfaßt:
"In Anbetracht, daß die lokale Organisation der Arbeit fast ver-
schwunden ist vor einer Organisation mit nationalem Charakter;
daß die Ausdehnung des Prinzips des Freihandels eine solche Kon-
kurrenz der Kapitalisten hervorruft, daß in dieser internationa-
len Hetzjagd das Interesse des Arbeiters aus dem Gesicht verloren
und aufgeopfert wird; daß die Arbeiterorganisation noch weiter
ausgedehnt und international gemacht werden muß; in Anbetracht
ferner, daß die Internationale Arbeiter-Assoziation die gemein-
same Vertretung der Arbeitennteressen bezweckt und daß die Inter-
essen
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1*) Im englischen Text eingefügt: (Snider-Flinten) - 2*) Toten-
schau-Jury
#382# Karl Marx
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der Arbeiterklassen überall i d e n t i s c h sind, empfiehlt
dieser Kongreß jene Assoziation herzlich der Unterstützung der
Arbeiter des Vereinigten Königreichs und namentlich den organi-
sierten Arbeiterkörpern und geht sie aufs dringendste an, sich
mit jener Assoziation zu affiliieren. Der Kongreß ist zugleich
überzeugt, daß die Verwirklichung der Prinzipien der Internatio-
nalen zum dauernden Frieden unter den Nationen der Erde führen
wird." [279]
Letzten Mai drohte Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und
England. Euer Generalrat sandte daher eine Adresse an Herrn Syl-
vis, den Präsidenten der amerikanischen National Labor Union
[205], worin er die amerikanische Arbeiterklasse aufrief, gegen-
über dem Kriegsgeschrei der herrschenden Klasse Frieden zu
kommandieren. 1*)
Der plötzliche Tod des Herrn Sylvis, dieses tapfern Vorkämpfers
unsrer Sache, berechtigt, zur Erinnerung an ihn unsern Bericht
mit seinem Antwortschreiben zu schließen:
"Philadelphia, 26. Mai 1869
Ihre Adresse vom 12. Mai habe ich gestern empfangen. Ich bin sehr
glücklich, solche herzliche Worte von unsern Arbeitergenossen
jenseits des Ozeans zu erhalten. Unsere Sache ist eine gemein-
schaftliche: Es ist der Krieg zwischen Armut und Reichtum. Die
Arbeit nimmt überall dieselbe niedrige Stellung ein, und das Ka-
pital ist derselbe Tyrann in allen Teilen der Welt. Darum sage
ich: Unsere Sache ist eine gemeinsame. Ich reiche Euch im Namen
der Arbeiterklassen der Vereinigten Staaten die Hand der Kamerad-
schaft. Ich reiche sie durch Euch allen denen, die Ihr repräsen-
tiert, und allen niedergetretenen und unterdrückten Söhnen und
Töchtern der Mühsal in Europa. Seht voran in dem guten Werk, das
Ihr unternommen habt, bis der glorreichste Erfolg Eure Anstren-
gungen krönt. Das ist auch unser Entschluß. Unser letzter Krieg
hat resultiert in dem Aufbau der infamsten Geldaristokratie auf
dem Antlitz der Erde. Diese Geldmacht zehrt das Mark des Volkes
aus. Wir haben ihr den Krieg erklärt und fühlen uns des Sieges
gewiß. Wenn möglich, wollen wir durch Stimmzettel siegen, wenn
nicht, müssen wir zu ernstern Mitteln greifen. Ein kleiner Ader-
laß ist manchmal notwendig in verzweifelten Fällen."
Im Auftrag des Generalrats:
Robert Applegarth, Vorsitzender
Cowell Stepney, Kassierer
J. George Eccarius, Generalsekretär
London, den 1. September 1869
Office: 256, High Holborn, W.C.
Nach der Ausgabe in deutscher Sprache.
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1*) Siehe vorl. Band, S. 355-357
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