Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
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Karl Marx
Der Generalrat an den Föderalrat der romanischen Schweiz [283]
In seiner außerordentlichen Sitzung vom 1. Januar 1870 hat der
Generalrat beschlossen:
1. Wir lesen in der "Égalite", vom 11. Dezember 1869:
"Es ist sicher, daß er" (der Generalrat) "äußerst wichtige Dinge
vernachlässigt ... Wir erinnern ihn an sie" (die Pflichten des
Generalrats) "durch den Artikel l des Reglements etc.: 'Der Gene-
ralrat ist verpflichtet, die Kongreßbeschlüsse auszuführen.' ...
Wir hätten genug Fragen an den Generalrat, so daß seine Antworten
ein ziemlich langes Dokument ergäben. Sie werden später kommen
... In der Erwartung ... etc."
Der Generalrat kennt weder in den Statuten noch im Reglement
einen Artikel, der ihn verpflichtete, sich in eine Korrespondenz
oder eine Polemik mit der "Égalité" einzulassen oder "Fragen" ir-
gendwelcher Zeitungen zu "beantworten".
Allein der Föderalrat der romanischen Schweiz vertritt die Zweig-
gesellschaften der romanischen Schweiz vor dem Generalrat. Wenn
der Romanische Föderalrat Anfragen oder Vorwürfe an uns richtet,
und zwar auf dem einzig legitimen Wege, das heißt durch seinen
Sekretär, wird der Generalrat immer bereit sein, darauf zu ant-
worten. Aber der Romanische Föderalrat hat weder das Recht, seine
Funktionen an die "Égalite" und den "Progrès" [284] abzutreten,
noch seine Funktionen von diesen Zeitungen usurpieren zu lassen.
Allgemein gesprochen: die Korrespondenz des Generalrats mit den
nationalen und lokalen Komitees könnte nicht veröffentlicht wer-
den, ohne den Interessen der Assoziation großen Schaden zuzufü-
gen. Wenn also die anderen Organe der Internationale dem
"Progrès" und der "Égalité" nachahmen würden, sähe sich der Gene-
ralrat vor die Alternative gestellt, sich entweder durch sein
Schweigen vor der Öffentlichkeit zu diskreditieren oder seine
Pflichten durch eine öffentliche Antwort zu verletzen. *)
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*) [In der Handschrift gestrichen:] Der "Progrès", der dem Gene-
ralrat nicht zugeschickt wird, obwohl dies entsprechend den Be-
schlüssen dreier aufeinander folgender
#385# Der Generalrat an den Föderalrat der romanischen Schweiz
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Die "Égalité" hat sich dem "Progrès" (einer Zeitung, die dem Ge-
neralrat nicht zugeschickt wird) beigesellt, um den "Travail"
[285] (eine Pariser Zeitung, die sich bis jetzt noch nicht zu ei-
nem Organ der Internationale erklärt hat und dem Generalrat nicht
zugeht) aufzufordern, vom Generalrat Erklärungen zu verlangen. *)
Das ist beinahe eine Liga für das öffentliche Wohl [286]!
2. Angenommen, die von der "Égalité" gestellten Fragen gehen vom
Romanischen Föderalrat aus, so wollen wir sie beantworten, aber
nur unter der Bedingung, daß solche Fragen an uns nicht wieder in
dieser Weise gestellt werden.
3. Die Frage des Bulletins.
Die Beschlüsse des Genfer Kongresses, die in das Reglement aufge-
nommen wurden, schreiben vor, daß die nationalen Komitees dem Ge-
neralrat Dokumente über die proletarische Bewegung einzusenden
haben und daß der Generalrat dann ein Bulletin in den verschie-
denen Sprachen veröffentlichen soll, "sooft seine Mittel es ihm
erlauben" ("As often as its means permit, the General Council
shall publish a report etc.")
Die Verpflichtung des Generalrats war demnach an B e d i n-
g u n g e n geknüpft, die niemals erfüllt wurden. Selbst die in
den Statuten vorgeschriebene statistische Untersuchung, die von
mehreren aufeinander folgenden allgemeinen Kongressen beschlossen
und Jahr für Jahr vom Generalrat verlangt wurde, ist niemals
durchgeführt worden. Dem Generalrat wurde kein einziges Dokument
vorgelegt. Was die M i t t e l anbelangt, so hätte der Gene-
ralrat ohne die regionalen Beiträge aus England und ohne die
persönlichen Opfer seiner Mitglieder schon längst aufgehört zu
existieren.
So ist das vom Genfer Kongreß angenommene Reglement ein toter
Buchstabe geblieben. **)
Was den Kongreß zu Basel betrifft, so hat er nicht über die Aus-
führung
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allgemeiner Kongresse geschehen müßte, ergriff die Initiative in
der Usurpation der Funktionen des Generalrats.
*) [In der Handschrift gestrichen:! Wahrlich, es scheint, daß
dieselben Personen, die im vergangenen Jahr unmittelbar nach ih-
rem verspäteten Eintritt in unsere Assoziation das gefährliche
Projekt ausheckten, innerhalb der Internationalen Arbeiterasso-
ziation eine andere internationale Assoziation unter ihrer per-
sönlichen Kontrolle und mit dem Sitz in Genf zu gründen, ihr Pro-
jekt wieder aufgegriffen haben und noch immer daran glauben, daß
ihre besondere Mission die Usurpation der obersten Leitung der
Internationalen Assoziation sei. Der Generalrat erinnert den Ro-
manischen Föderalrat daran, daß er für die Leitung der "Égalité"
und des "Progrès" verantwortlich ist. [In der Handschrift gestri-
chen:] So schätzte es auch der Baseler Kongreß ein.
#386# Karl Marx
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dieses bestehenden Reglements, sondern nur über die Opportunität
eines zu schaffenden Bulletins diskutiert und keinen Beschluß
darüber gefaßt (siehe den deutschen Bericht, der in Basel unter
den Augen des Kongresses gedruckt wurde [287]).
Übrigens glaubt der Generalrat, daß der ursprüngliche Zweck des
Bulletins zur Zeit vollkommen von den verschiedenen Organen der
Internationale erfüllt wird, die in verschiedenen Sprachen er-
scheinen und auf dem Wege des gegenseitigen Austauschs verbreitet
werden. Es wäre absurd, durch kostspielige Bulletins erreichen zu
wollen, was bereits ohne Kosten erreicht wird. Andererseits würde
ein Bulletin, das Dinge veröffentlicht, die in den Organen der
Internationale nicht gedruckt werden, nur dazu dienen, unsere
Feinde hinter die Kulissen sehen zu lassen.
4. Die Frage der Trennung des Generalrats vom Föderalrat für Eng-
land.
Lange vor der Gründung der "Égalité" wurde dieser Vorschlag wie-
derholt im Generalrat selbst von einem oder zwei seiner engli-
schen Mitglieder eingebracht. Man hat ihn aber stets fast ein-
stimmig abgelehnt. Obgleich die revolutionäre Initiative wahr-
scheinlich von Frankreich ausgehen wird, kann allein England als
Hebel für eine ernsthafte ökonomische Revolution dienen. Es ist
das einzige Land, wo es keine Bauern mehr gibt und wo der Grund-
besitz in wenigen Händen konzentriert ist. Es ist das einzige
Land, wo die kapitalistische Form - d.h. die auf großer Stufen-
leiter kombinierte Arbeit unter kapitalistischen Unternehmern -
sich fast der gesamten Produktion bemächtigt hat. Es ist das ein-
zige Land, wo die große Mehrheit der Bevölkerung aus Lohnarbei-
tern (wages labourers) besteht. Es ist das einzige Land, wo der
Klassenkampf und die Organisation der Arbeiterklasse durch die
Trade-Unions einen gewissen Grad der Reife und der Universalität
erlangt haben. Dank seiner Herrschaft auf dem Weltmarkt ist Eng-
land das einzige Land, wo jede Revolution in den ökonomischen
Verhältnissen unmittelbar auf die ganze Welt zurückwirken muß.
Wenn der Landlordismus und der Kapitalismus ihren klassischen
Sitz in diesem Lande haben, so sind andererseits die materiellen
Bedingungen ihrer Vernichtung dort am meisten herangereift. Der
Generalrat ist jetzt in der glücklichen Lage, seine Hand direkt
auf diesem großen Hebel der proletarischen Revolution zu haben;
welche Torheit, ja, man könnte fast sagen, welches Verbrechen
wäre es, ihn (englischen Händen allein zu überlassen!
Die Engländer verfügen über alle notwendigen materiellen Voraus-
setzungen für eine soziale Revolution. Woran es ihnen mangelt,
ist der Geist der Verallgemeinerung und die revolutionäre Leiden-
schaft. Dem kann nur der Generalrat abhelfen und somit- eine
wahrhaft revolutionäre Bewegung in
#387# Der Generalrat an den Föderalrat der romanischen Schweiz
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diesem Land und folglich überall beschleunigen. Die großen Er-
folge, die wir bereits in dieser Hinsicht erzielt haben, werden
von den klügsten und angesehensten Zeitungen der herrschenden
Klassen bezeugt, wie z.B. von der "Pall Mall Gazette", der
"Saturday Review", dem "Spectator" [288] und der "Fortnightly Re-
view", ganz abgesehen von den sogenannten radikalen Mitgliedern
des Unterhauses und des Oberhauses, die noch vor kurzem einen
großen Einfluß auf die Führer der englischen Arbeiter ausübten.
Sie klagen uns öffentlich an, wir hätten den englischen Geist der
Arbeiterklasse vergiftet und fast erstickt und sie zum revolutio-
nären Sozialismus getrieben.
Die einzige Methode, diese Veränderung zu erreichen, besteht
darin, daß wir als Generalrat der Internationalen Assoziation
handeln. Als Generalrat können wir Maßnahmen veranlassen (wie
z.B. die Gründung der Land! and Labour League [289]), die dann
später, bei ihrer Ausführung, vor der Öffentlichkeit als spontane
Bewegungen der englischen Arbeiterklasse erscheinen.
Würde ein Föderalrat außerhalb des Generalrats gebildet, welche
unmittelbaren Auswirkungen hätte dies? Der Föderalrat befände
sich zwischen dem Generalrat der Internationale und dem Allgemei-
nen Rat der Trade-Unions [215] und besäße keinerlei Autorität.
Andererseits würde der Generalrat diesen großen Hebel aus den
Händen lassen. Wenn wir laute Marktschreierei ernster und un-
sichtbarer Arbeit vorzögen, dann hätten wir vielleicht den Fehler
begangen, öffentlich auf die Frage der "Égalité" zu antworten,
warum "der Generalrat sich in diese so lästige Häufung von Funk-
tionen fügt".
England darf nicht einfach den anderen Ländern gleichgesetzt wer-
den. Man muß es als die Metropole des Kapitals betrachten.
5. Die Frage der Resolution des Generalrats über die irische
Amnestie. 1*)
Wenn England das Bollwerk des europäischen Landlordismus und Ka-
pitalismus ist, so ist Irland der einzige Punkt, wo man den
großen Schlag gegen das offizielle England führen kann.
Erstens ist Irland das Bollwerk des englischen Landlordismus.
Wenn er in Irland fiele, so fiele er auch in England. In Irland
kann dies hundertmal leichter erreicht werden, weil sich der öko-
nomische Kampf dort ausschließlich auf den Grundbesitz konzen-
triert, weil dieser Kampf dort gleichzeitig ein nationaler ist
und weil das Volk dort revolutionärer und erbitterter ist als in
England. Der Landlordismus in Irland wird ausschließlich durch
die
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*) Siehe vorl. Band, S. 383
#388# Karl Marx
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englische Armee aufrechterhalten. In dem Moment, wo die Zwangs-
union [290] zwischen den beiden Ländern aufhört, wird in Irland
sofort eine soziale Revolution ausbrechen, wenn auch in veralte-
ten Formen. Der englische Landlordismus wird nicht nur eine be-
deutende Quelle seiner Reichtümer verlieren, sondern auch seine
größte moralische Kraft - die Kraft, die Herrschaft Englands über
Irland zu repräsentieren. Andererseits macht das englische Prole-
tariat seine Landlords in England selbst unverwundbar, solange es
ihre Macht in Irland aufrechterhält.
Zweitens hat die englische Bourgeoisie das irische Elend nicht
nur ausgenutzt, um durch die erzwungene Einwanderung der armen
Iren die Lage der Arbeiterklasse in England zu verschlechtern,
sondern sie hat überdies das Proletariat in zwei feindliche Lager
gespalten. Das revolutionäre Feuer des keltischen Arbeiters ver-
einigt sich nicht mit der soliden, aber langsamen Natur des an-
gelsächsischen Arbeiters. Im Gegenteil, es herrscht in allen
großen Industriezentren Englands ein tiefer Antagonismus zwischen
dem irischen und englischen Proletarier. Der gewöhnliche engli-
sche Arbeiter haßt den irischen als einen Konkurrenten, der die
Löhne und den Standard of life 1*) herabdrückt. Er empfindet ihm
gegenüber nationale und religiöse Antipathien. Er betrachtet ihn
fast mit denselben Augen, wie die poor whites 2*) der Südstaaten
Nordamerikas die schwarzen Sklaven betrachteten. Dieser Antago-
nismus zwischen den Proletariern in England selbst wird von der
Bourgeoisie künstlich geschürt und wachgehalten. Sie weiß, daß
diese Spaltung das wahre Geheimnis der Erhaltung ihrer Macht ist.
Dieser Antagonismus wiederholt sich auch jenseits des Atlantik.
Die von ihrem heimatlichen Boden durch Ochsen und Hammel vertrie-
benen Iren finden sich in Nordamerika wieder, wo sie einen an-
sehnlichen und ständig wachsenden Teil der Bevölkerung bilden.
Ihr einziger Gedanke, ihre einzige Leidenschaft ist der Haß gegen
England. Die englische und die amerikanische Regierung (das heißt
die Klassen, welche sie repräsentieren) nähren diese Leidenschaf-
ten, um den geheimen Kampf zwischen den Vereinigten Staaten und
England zu verewigen, und behindern somit eine aufrichtige und
ernsthafte Allianz zwischen den Arbeiterklassen zu beiden Seiten
des Atlantik und folglich deren gemeinsame Emanzipation.
Außerdem ist Irland der einzige Vorwand der englischen Regierung
um eine große stehende Armee zu unterhalten, die im Bedarfsfalle,
wie es sich gezeigt hat, auf die englischen Arbeiter losgelassen
wird, nachdem sie in Irland zur Soldateska ausgebildet wurde.
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1*) Lebensstandard - 2*) armen Weißen
#389# Der Generalrat an den Föderalrat der romanischen Schweiz
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Schließlich wiederholt sich im England unserer Tage das, was uns
das Alte Rom in ungeheurem Maßstab zeigte. Das Volk, das ein an-
deres Volk unterjocht, schmiedet seine eigenen Ketten.
Der Standpunkt der Internationalen Assoziation in der irischen
Frage ist also klar. Ihre erste Aufgabe ist es, die soziale Revo-
lution in England zu beschleunigen. Zu diesem Zwecke muß man den
entscheidenden Schlag in Irland führen *).
Die Resolution des Generalrats über die irische Amnestie soll nur
dazu dienen, andere Resolutionen einzuleiten, in denen zum Aus-
druck gebracht werden wird, daß es, abgesehen von jeglicher in-
ternationaler Gerechtigkeit, eine Vorbedingung für die Emanzipa-
tion der englischen Arbeiterklasse ist, die Zwangsunion (das
heißt die Versklavung Irlands) in eine gleiche und freie Konföde-
ration umzuwandeln, wenn das möglich ist, oder die völlige Tren-
nung zu erzwingen, wenn es sein muß. **)
Übrigens sind die naiven Doktrinen der "Égalité" und des
"Progrès" über den Zusammenhang oder vielmehr über das Nichtvor-
handensein eines Zusammenhangs zwischen der sozialen und politi-
schen Bewegung unseres Wissens auf keinem unserer internationalen
Kongresse anerkannt worden. Sie stehen im Gegensatz zu unseren
Statuten. Dort heißt es:
"That the economical emancipation of the working classes is the-
refore the great end to which every political movement ought to
be subordinate as a means" 1*)
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*) [In der Handschrift gestrichen:] und auf jede mögliche Art und
Weise den ökonomischen und nationalen Kampf der Iren fördern.
**) [In der Handschrift gestrichen:] Die Schwierigkeiten, ja so-
gar die persönlichen Gefahren, denen sich die Mitglieder des Ge-
neralrats aussetzen, indem sie sich auf dieses Terrain begeben,
kann man schon aus der einfachen Tatsache ersehen, daß der "Bee-
Hive" in seinen Berichten über unsere Sitzungen nicht nur unsere
Resolutionen unterschlagen, sondern überhaupt die Tatsache nicht
erwähnt hat, daß sich der Generalrat mit der irischen Frage be-
schäftigt. Dadurch war der Generalrat gezwungen, seine Resolutio-
nen drucken zu lassen, um sie an alle Trade-Unions einzeln ver-
schicken zu können. Es steht der "Égalité" frei, zu sagen, daß
dies eine "lokale politische Bewegung" sei, daß sie es durchaus
einem Föderalrat überlassen würde, sich mit derartigen Bagatellen
zu beschäftigen, und daß es nicht nötig sei, "die bestehenden Re-
gierungen zu verbessern". Sie hätte aus demselben Grunde sagen
können, daß wir die Absicht hätten, die belgische Regierung zu
verbessern, da wir deren Metzeleien brandmarken.
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1*) "Daß die ökonomische Emanzipation der Arbeiterklasse daher
der große Endzweck ist, dem jede politische Bewegung, als Mittel,
unterzuordnen ist." (Siehe vorl. Band, S. 14.)
#390# Karl Marx
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Diese Worte "as a means", "als Mittel", wurden in der französi-
schen Übersetzung, die 1864 vom Pariser Komitee angefertigt wurde
[291], weggelassen. Auf die Anfrage des Generalrats hin ent-
schuldigte sich das Pariser Komitee mit den Schwierigkeiten sei-
ner politischen Situation. Es gibt noch andere Verstümmelungen
des authentischen Textes der Statuten. Der erste Erwägungsgrund
der Statuten hat folgenden Wortlaut: "The struggle for the eman-
cipation of the workmg classes means ... a struggle ... for equal
rights and duties, and the abolition of all class rule." 1*) Die
Pariser Übersetzung spricht von "den gleichen Rechten and Pflich-
ten", das heißt sie gebraucht die allgemeine Phrase, die man in
fast allen demokratischen Manifesten seit einem Jahrhundert fin-
det und die von den verschiedenen Klassen verschieden ausgelegt
wird, aber sie läßt die konkrete Forderung "the abolition of all
class rule" ("Vernichtung der Klassen") weg. Dann liest man im
zweiten Absatz der Erwägungen zu den Statuten:
"That the economical subjection of the man of labour to the mono-
polizer of the means of labour, that is the sources of life etc."
2*) Die Pariser Übersetzung setzt "Kapital" an Stelle von "the
means of labour, that is the sources of life" 3*), obwohl der
letztere Ausdruck den Grund und Boden ebenso einschließt wie die
übrigen Arbeitsmittel.
Der ursprüngliche und authentische Text wurde übrigens in der
französischen Übersetzung wiederhergestellt, die 1866 in Brüssel
von der "Rive Gauche" veröffentlicht wurde. [292]
6. Die Frage Liebknecht-Schweitzer.
Die "Égalité" sagt: "Diese beiden Gruppen gehören der Internatio-
nale an." Das ist falsch. Die Gruppe der Eisenacher (die der
"Progrès" und die "Égalité" in eine Gruppe des Bürgers Liebknecht
zu verwandeln geruhen) gehört zur Internationale. Die Gruppe
Schweitzers gehört ihr nicht an. Schweitzer selbst hat in seinem
Blatt, dem "Social-Demokrat", ausführlich erklärt, warum die Las-
salleanische Organisation sich nicht der Internationale anschlie-
ßen könne, ohne sich selbst zu vernichten. Er hat die Wahrheit
gesagt, ohne es zu wissen. Seine künstliche Sektenorganisation
steht im Gegensatz zur historischen und spontanen Organisation
der Arbeiterklasse.
Der "Progrès" und die "Égalité" haben den Generalrat aufgefor-
dert, öffentlich seine "Meinung" über die persönlichen Differen-
zen zwischen
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1*) "Der Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse ist... ein
Kampf... für gleiche Rechte und Pflichten und für die Vernichtung
aller Klassenherrschaft." (Siehe vorl. Band, S. 14.) - 2*) "Daß
die ökonomische Unterwerfung des Arbeiters unter den Aneigner der
Arbeitsmittel, d.h. der Lebensquellen etc." (Siehe vorl. Band, S.
14.) - 3*) "der Arbeitsmittel, d.h. der Lebensquellen"
#391# Der Generalrat an den Föderalrat der romanischen Schweiz
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Liebknecht und Schweitzer zu äußern. Da der Bürger Johann Philipp
Becker (der in dem Blatte Schweizers ebenso verleumdet wird wie
Liebknecht) zu den Mitgliedern des Redaktionskomitees der
"Égalité" gehört, erscheint es wirklich recht sonderbar, daß
seine Redakteure über die Tatsachen nicht besser unterrichtet
sind. Sie mußten wissen, daß Liebknecht im "Demokratischen Wo-
chenblatt" Schweitzer öffentlich aufgefordert hat, den Generalrat
als Schiedsrichter ihrer Differenzen anzuerkennen, und daß
Schweitzer es nicht weniger öffentlich abgelehnt hat, die Autori-
tät des Generalrats anzuerkennen [293]. Der Generalrat hat von
seiner Seite aus nichts unversucht gelassen, um diesem Skandal
ein Ende zu machen *). Er hat seinen Sekretär für Deutschland be-
auftragt, mit Schweitzer in Korrespondenz zu treten, die dann
auch zwei Jahre lang geführt wurde, doch alle Versuche des Rats
scheiterten an dem festen Entschluß Schweizers, mit der Sektenor-
ganisation um jeden Preis seine autokratische Macht aufrechtzuer-
halten.
Es ist Sache des Generalrats, einen günstigen Moment zu bestim-
men, wo seine ö f f e n t l i c h e I n t e r v e n t i o n in
diesem Streit mehr nützen als schaden wird.
7. Da die Anklagen der "Égalité" öffentlich erhoben werden und
man annehmen könnte, daß sie vom Romanischen Föderalrat in Genf
herrühren, wird der Generalrat diese Antwort allen mit ihm korre-
spondierenden Komitees mitteilen.
Im Auftrag des Generalrats
Geschrieben um den 1.Januar 1870.
Nach der handschriftlichen Kopie von Jenny Marx.
Aus dem Französischen.
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*) [In der Handschrift von Hermann Jung hinzugefügt:], der der
proletarischen Partei in Deutschland Schande macht.
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