Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       Karl Marx
       
       Die englische Regierung und die eingekerkerten Fenier [301]
       
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       ["L'Internationale" Nr. 59 vom 27. Februar 1870]
       London, den 2I.Februar 1870
       Das Schweigen,  das man  in der  europäischen Presse über die Ge-
       meinheiten dieser  oligarchisch-bourgeoisen Regierung  wahrt, ist
       auf verschiedene  Ursachen zurückzuführen. Vor allem ist die eng-
       lische Regierung   r e i c h   und  die Presse,  wie Sie  wissen,
       u n b e s t e c h l i c h.   Außerdem ist die englische Regierung
       eine Musterregierung  und als solche von den Grundherren, den Ka-
       pitalisten des  Kontinents und  selbst von  Garibaldi (siehe sein
       Buch [302])  anerkannt; man  darf also  dieser idealen  Regierung
       nichts Böses  nachsagen. Und  schließlich sind  die französischen
       Republikaner beschränkt  und egoistisch  genug, um  ihren  ganzen
       Zorn gegen  das Kaiserreich aufzusparen. Es wäre ja auch ein Ver-
       brechen an  der Freiheit  des Wortes,  wenn sie ihren Landsleuten
       mitteilten, daß  man in   d e m   L a n d e   d e r  b ü r g e r-
       l i c h e n   F r e i h e i t   mit 20  Jahren  Zwangsarbeit  be-
       straft, was  man   i m   L a n d e  d e r  K a s e r n e n  mit 6
       Monaten Gefängnis  bestraft. Nachstehend  einige Einzelheiten aus
       englischen Zeitungen  über die Behandlung, der die eingekerkerten
       Fenier ausgesetzt sind.
       Mulcahy,  den  stellvertretenden  Redakteur  des  "Irish  People"
       ("Irischen Volks")  [303], der  wegen der  Teilnahme an  der Ver-
       schwörung der  Fenier verurteilt  wurde, hat  man in Dartmoor mit
       einer eisernen  Kette um  den Hals an einen mit Steinen beladenen
       Karren gespannt.
       O'Donovan Rossa,  Herausgeber des  "Irish People",  ward 35  Tage
       lang in eine Dunkelzelle geworfen, die Hände Tag und Nacht hinter
       dem
       
       #402# Karl Marx
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       Rücken angekettet.  Man befreite ihn nicht einmal von seinen Fes-
       seln, damit  er seine  Nahrung zu  sich nehmen konnte, eine dünne
       Suppe, die man ihm auf den Fußboden des Gefängnisses stellte.
       Kickham, einer  der Redakteure  des "Irish People", wurde, obwohl
       er seinen rechten Arm wegen eines Abszesses nicht bewegen konnte,
       gezwungen, sich  mit seinen Kerkergenossen auf einen Schutthaufen
       zu setzen  und mitten  im Nebel  und in der Novemberkälte mit der
       linken Hand Steine und Ziegel zu zerkleinern. Er kehrte nachts in
       seine Zelle  zurück und  bekam als Nahrung nicht mehr als 6 Unzen
       Brot und eine Finte warmes Wasser.
       O'Leary, ein  eingekerkerter Greis  zwischen 60  und  70  Jahren,
       wurde 3  Wochen lang  auf Wasser  und Brot gesetzt, weil er nicht
       auf sein  H e i d e n t u m  (so bezeichnet ein Kerkermeister of-
       fenbar das  Freidenkertum) verzichten und weder Anhänger des Pap-
       stes noch Protestant, weder Presbyterianer noch gar Quäker werden
       oder etwa  eine der  zahlreichen Religionen  annehmen wollte, die
       der Gefängnisdirektor dem irischen Heiden zur Wahl stellte.
       Martin H.  Carey ist in einem Irrenhaus in Millbank eingekerkert.
       Das Schweigen und die sonstige grausame Behandlung, der er ausge-
       setzt war, haben ihm den Verstand geraubt.
       Oberst Rickard  Burke ist in keinem besseren Zustande. Einer sei-
       ner Freunde  schreibt, daß sein Verstand getrübt, sein Gedächtnis
       geschwunden sei,  und daß  sein Verhalten, sein Gebaren und seine
       Sprache deutliche  Anzeichen von Geistesgestörtheit erkennen lie-
       ßen.
       Die politischen  Gefangenen werden von einem Gefängnis ins andere
       gezerrt, als  wären sie wilde Tiere. Man zwingt ihnen die Gesell-
       schaft der übelsten Schurken auf; man zwingt sie, das Geschirr zu
       reinigen, das  diese Elenden benutzt haben, Hemden und Flanellun-
       terwäsche dieser  Verbrecher zu  tragen, von  denen viele mit den
       abstoßendsten Krankheiten  behaftet sind,  und sich in dem Wasser
       zu baden, das diese benutzt haben. Alle diese Kriminellen konnten
       vor der  Ankunft der  Fenier in  Portland mit den Besuchern spre-
       chen. Für die eingekerkerten Fenier wurde ein Besuchskäfig einge-
       richtet. Er  besteht aus  drei durch dicke Eisengitter getrennten
       Abteilen: der  Kerkermeister sitzt  im mittleren  Abteil, und der
       Gefangene und  seine Freunde können sich nur durch diese doppelte
       Reihe von Gitterstäben sehen.
       In den  Docks gibt es Gefangene, die alle Arten von Schnecken es-
       sen, und  Frösche werden  in Chatham  als Leckerbissen angesehen.
       General Thomas  Burke erklärt,  daß er nicht erstaunt war, als er
       eine tote Maus in
       
       #403# Die englische Regierung und die eingekerkerten Fenier
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       der Suppe  fand. Die  Verurteilten sagen, daß der Tag, an dem man
       die Fenier  ins Gefängnis  warf, für sie ein Unglückstag war (das
       Regime ist viel härter geworden).
       
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       Ich möchte den obenangeführten Auszügen einige Worte hinzufügen:
       Im vergangenen Jahre interpellierte man Herrn Bruce, den Minister
       des Innern,  den großen  Liberalen, den  großen Mann der Polizei,
       den großen  Bergwerksbesitzer in  Wales, den  grausamen Ausbeuter
       der Arbeit,  wegen der  schlechten Behandlung  der eingekerkerten
       Fenier und  insbesondere O'Donovan Rossas. Zuerst leugnete er al-
       les, dann  war er  gezwungen zu gestehen. Daraufhin forderte Herr
       Moore, irisches  Mitglied des Unterhauses, eine Untersuchung die-
       ser Dinge.  Sie wurde  von diesem   r a d i k a l e n    M i n i-
       s t e r i u m  - dessen Haupt der halb heilige (er ist öffentlich
       mit Jesus  Christus verglichen  worden) Herr Gladstone ist und zu
       dessen einflußreichsten Mitgliedern der alte bürgerliche Demagoge
       John Bright zählt - glatt verweigert.
       Da in letzter Zeit die Gerüchte über die schlechte Behandlung er-
       neut aufkamen,  baten mehrere Parlamentsmitglieder Minister Bruce
       um die  Genehmigung, die  Gefangenen besuchen  zu  dürfen,    u m
       s i c h   v o n   d e r   U n w a h r h e i t   d i e s e r  G e-
       r ü c h t e   ü b e r z e u g e n   z u  k ö n n e n.  Herr Bruce
       verweigerte diese  Genehmigung,  weil,  wie  er  sagte,  die  Ge-
       fängnisdirektoren befürchteten, daß sich die Gefangenen durch Be-
       suche dieser Art zu sehr erregen würden.
       In der vergangenen Woche wurde der Innenminister erneut interpel-
       liert. Man  fragte ihn,  ob es wahr sei, daß O'Donovan Rossa nach
       seiner Nominierung  als  Abgeordneter  für  Tipperary  körperlich
       (d.h. mit  der Peitsche) gezüchtigt worden sei. Der Herr Minister
       erklärte, daß  dies mit  O'Donovan Rossa seit 1868 nicht mehr ge-
       schehen sei  (damit gestand  er also  ein, daß  man zwei bis drei
       Jahre lang politische Gefangene mit der Peitsche gestraft hatte).
       Ich schicke  Ihnen Auszüge  (wir werden  sie in  unserer nächsten
       Nummer veröffentlichen),  in denen  von Michael  Terbert die Rede
       ist, der  als Fenier  zu Zwangsarbeit  verurteilt wurde und seine
       Strafe im Strafgefängnis von Spike Island in der Grafschaft Cork,
       Irland, abbüßte. Sie werden sehen, daß selbst der Coroner (Unter-
       suchungsbeamter) seinen  Tod auf  die erlittenen  Foltern zurück-
       führt. Die  Untersuchung hat in der vergangenen Woche stattgefun-
       den.
       Innerhalb von  zwei Jahren  sind   m e h r   a l s  z w a n z i g
       Arbeiter, alles  Fenier, gestorben  oder wahnsinnig geworden dank
       der Menschenfreundlichkeit  dieser  guten  Bourgeois,  denen  die
       guten Grundherren zur Seite stehen.
       
       #404# Karl Marx
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       Sie wissen  wahrscheinlich, daß  die englische  Presse Entrüstung
       heuchelt wegen  der abscheulichen Gesetze über die allgemeine Si-
       cherheit, die  das schöne  Frankreich verzieren. Aber die Gesetze
       über die  allgemeine Sicherheit bilden doch - abgesehen von eini-
       gen kurzen  Unterbrechungen -  die Charta  von Irland.  Seit 1793
       hebt die englische Regierung bei jeder Gelegenheit regelmäßig und
       periodisch in Irland die Habeas-Corpus-Bill (Gesetz, das die per-
       sönliche Freiheit garantiert) [304] auf, in Wirklichkeit aber je-
       des Gesetz außer dem der brutalen Gewalt. Auf diese Weise sind in
       Irland Tausende  von Männern,   l e d i g l i c h  w e i l  m a n
       s i e   d e s   F e n i a n i s m u s    v e r d ä c h t i g t e,
       eingesperrt worden,  ohne jemals  verurteilt oder vor ein Gericht
       gestellt, ja  ohne auch  nur angeklagt worden zu sein. Die engli-
       sche Regierung  begnügte sich jedoch nicht damit, sie ihrer Frei-
       heit zu berauben, sondern ließ sie aufs grausamste foltern. Hier-
       für ein Beispiel:
       Eines der  Gefängnisse, worin  die verdächtigten  Fenier lebendig
       begraben sind,  ist das Moantjoy-Gefängnis in Dublin. Der Inspek-
       tor dieses  Gefängnisses, Murray, ist eine abscheuliche Kanaille.
       Er mißhandelte  die Gefangenen  auf eine  so barbarische Art, daß
       mehrere  von  ihnen  den  Verstand  verloren.  Der  Gefängnisarzt
       M'Donnell, ein  trefflicher Mann,  der auch  bei der Untersuchung
       des Todes von Michael Terbert eine ehrenhafte Rolle gespielt hat,
       schrieb mehrere  Monate lang  Protestbriefe, die  er zunächst  an
       Murray selbst  richtete. Da Murray darauf nicht antwortete, rich-
       tete er  brieflich Anzeigen  an die übergeordneten Behörden; aber
       Murray als erfahrener Kerkermeister fing diese Briefe ab.
       Schließlich wandte  sich M'Donnell direkt an Lord Mayo, den dama-
       ligen Vizekönig  von Irland. Das geschah zu der Zeit, als die To-
       ries (Derby-Disraeli)  an der  Macht waren.  Was war das Ergebnis
       seiner Demarchen?  Die Dokumente, die sich auf diese Affäre bezo-
       gen, wurden  auf Anordnung des Parlaments veröffentlicht, und ...
       Doktor M'Donnell  wurde abgesetzt!!!  Murray aber  behielt seinen
       Posten.
       Dann kommt  das sogenannte  radikale Ministerium  Gladstones, des
       zartfühlenden, salbungsvollen,  hochherzigen Gladstone,  der  vor
       ganz Europa  so heiße  und aufrichtige  Tränen über das Schicksal
       Poerios und anderer von König Bomba mißhandelter Bürger vergossen
       hat [305].  Und was  tat dieses  Idol der fortschrittlichen Bour-
       geoisie? Zur  gleichen Zeit,  da er  die Iren  durch seine unver-
       schämten Antworten  auf ihre  Amnestieforderungen beleidigte, be-
       stätigte er nicht nur das Ungeheuer Murray in dessen Amt, sondern
       fügte, um  seine besondere  Zufriedenheit mit Murray zu bezeugen,
       dessen Posten  als Oberkerkermeister  eine fette  Sinekure hinzu!
       Das ist der Apostel der bürgerlichen Philanthropie!
       
       #405# Die englische Regierung und die eingekerkerten Fenier
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       Aber man  muß doch  der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen;
       man muß den Anschein erwecken, als täte man etwas für Irland, und
       so verkündet  man mit  großem Trara  ein Gesetz  zur Regelung der
       Landfrage (Land Bill) [306]. Doch das Ganze ist lediglich ein Be-
       trug, das  dem schließlichen Zweck dient, Europa zu täuschen, die
       irischen Richter  und Advokaten  durch die  Aussicht auf  endlose
       Prozesse zwischen  den Grundherren und Pächtern zu gewinnen, sich
       die Gunst  der Grundherren durch das Versprechen finanzieller Un-
       terstützung seitens des Staates zu sichern und die wohlhabenderen
       Pächter durch einige halbe Konzessionen zu ködern.
       In der langen Einleitung zu seiner großspurigen und konfusen Rede
       gesteht Gladstone  ein, daß  selbst die  "wohlwollenden" Gesetze,
       die das  liberale England im Laufe von hundert Jahren Irland auf-
       gezwungen hat,  stets zur Ruinierung des Landes führten. Und nach
       diesem naiven Eingeständnis beharrt der gleiche Mann darauf, jene
       Menschen zu  foltern, die  dieser schädlichen  und unsinnigen Ge-
       setzgebung ein Ende machen wollen.
       
       II
       
       ["L'Internationale" Nr. 60 vom 6. März 1870]
       Wir bringen im folgenden nach einer englischen Zeitung die Ergeb-
       nisse der  Untersuchung über  den Tod  von Michael Terbert, einem
       eingekerkerten Fenier,  der im  Gefängnis von Spike Island an den
       Folgen schlechter Behandlung gestorben ist.
       
       Am Donnerstag,  dem 17. Februar, hat Herr John Moore, Coroner für
       den Distrikt Middleton, im Gefängnis von Spike Island eine Unter-
       suchung in  der Sache  des verurteilten Michael Terbert vorgenom-
       men, der im Krankenhaus gestorben ist.
       Peter Hay, der Gefängnisdirektor, wurde als erster vernommen. Das
       ist seine Aussage:
       Der verstorbene  Michael Terbert  ist im Juni in dieses Gefängnis
       eingeliefert worden;  ich weiß  nicht, wie es damals um seine Ge-
       sundheit stand; er war am 12. Januar zu 7 Jahren Gefängnis verur-
       teilt worden; vor einiger Zeit fühlte er sich nicht wohl, denn es
       geht aus  einem der Gefängnisbücher hervor, daß er auf Empfehlung
       der Amtsärzte in einen anderen Raum überführt werden mußte, da er
       nicht imstande  war, die Einzelhaft zu ertragen. Der Zeuge schil-
       dert dann  die häufigen  Bestrafungen, die  der Verstorbene wegen
       Verletzung der  Disziplin erleiden  mußte, oft  deshalb, weil  er
       sich einer  respektlosen Sprache  gegenüber  den  Amtsärzten  be-
       diente.
       Jeremiah Hubert  Kelly. Soweit ich mich erinnere, hat man bereits
       damals, als  Michael Terbert  aus den  Mountjoy-Gefängnis hierher
       überführt wurde, festgestellt,
       
       #406# Karl Marx
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       daß er  die Einzelhaft  nicht ertragen könne; eine diesbezügliche
       Bescheinigung war  von Doktor  M'Donnell unterschrieben. Ich fand
       ihn nichtsdestoweniger  bei guter Gesundheit und schickte ihn zur
       Arbeit. Ich  erinnere mich,  daß er vom 31. Januar bis zum 6. Fe-
       bruar 1869 im Krankenhaus war; er litt damals an Herzbeschwerden,
       und seit dieser Zeit verwandte man ihn nicht mehr bei den öffent-
       lichen Arbeiten, sondern ließ ihn im geschlossenen Raum arbeiten.
       Vom 19.  bis 26. März war er wegen seines Herzleidens im Kranken-
       haus, vom 24. April bis 5. Mai wegen Blutspeiens, vom 19. Mai bis
       1. Juni,  vom 21.  bis 22.  Juni und  vom 22. Juli bis 15. August
       wegen seines  Herzleidens, vom 9. November bis 13. Dezember wegen
       Schwäche; schließlich  blieb er  zum letztenmal  vom 20. Dezember
       bis 8.  Februar 1870  im Krankenhaus, wo er an Wassersucht starb.
       Die ersten  Symptome dieser Krankheit hatten sich am 13. November
       gezeigt, waren dann aber wieder verschwunden.
       Ich besuche jeden Tag die Zellen der Einzelhäftlinge, und ich sah
       ihn von Zeit zu Zeit unter Strafarrest; es ist meine Pflicht, den
       Strafarrest zu  verschieben, wenn  ich der  Ansicht bin,  daß der
       Kranke nicht  imstande ist,  die Strafe zu ertragen; das habe ich
       bei ihm zweimal getan.
       - Sind  Sie als  Arzt der  Meinung, daß  fünf Tage bei Wasser und
       Brot eine  übermäßige Bestrafung  für ihn  waren, selbst wenn man
       von seinem Gesundheitszustand in Mountjoy und hier absieht?
       - Ich denke nicht, der Verstorbene war bei gutem Appetit, und ich
       denke nicht, daß diese Behandlung die Wassersucht verursacht hat,
       an der er gestorben ist.
       Martin O'Connell,  Apotheker, wohnhaft in Spike Island. Der Zeuge
       sagte im  vergangenen Juli zu Doktor Kelly, daß Terbert nicht ge-
       straft werden  dürfe, da  er an  einer  Herzkrankheit  leide;  er
       glaube, daß  sich diese Bestrafungen schädlich auf die Gesundheit
       des Gefangenen  ausgewirkt haben,  zumal dieser  in  den  letzten
       zwölf Monaten  zur Klasse  der Invaliden zählte; er hätte nie ge-
       glaubt, daß man auch die Invaliden so bestrafe, wenn er nicht ei-
       nes Tages  m Abwesenheit Doktor Kellys die Einzelzellen hätte be-
       suchen müssen: es sei völlig klar gewesen, daß dem Kranken in An-
       betracht seines Gesundheitszustandes fünf Tage Einzelhaft schaden
       würden.
       Danach erhebt  der Coroner  energisch Einspruch gegen eine derar-
       tige Behandlung des Gefangenen. Dieser, sagte er, befand sich ab-
       wechselnd im Krankenhaus und in der Einzelzelle.
       Die Jury fällt folgendes Urteil:
       "Wir erklären,  daß Michael  Terbert im  Gefängnisspital zu Spike
       Island am 8. Februar 1870 an Wassersucht gestorben ist; er war 36
       Jahre alt  und Junggeselle.  Da Terbert  nach Ansicht  von Doktor
       M'Donnell die  Einzelhaft nicht  ertragen konnte,  müssen wir auf
       das energischste  die häufigen  Bestrafungen mit  mehreren  Tagen
       Einzelzelle bei  Wasser und  Brot mißbilligen, die während seines
       Aufenthalts in  Spike Island, wohin er im Juni 1866 vom Mountjoy-
       Gefängnis gebracht  worden war,  gegen ihn  angewandt wurden; wir
       verurteilen eine derartige Behandlung der Häftlinge." [307]
       
       Aus dem Französischen.

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