Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       #409#
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       Karl Marx
       
       Konfidentielle Mitteilung [309]
       
       Der Russe Bakunin (obgleich ich ihn seit 1843 kenne, übergehe ich
       hier alles  nicht absolut  zum Verständnis  des Folgenden Nötige)
       hatte kurz  nach Stiftung  der Internationale  eine Zusammenkunft
       mit Marx  zu London.  Letztrer nahm  ihn dort in die Gesellschaft
       auf, für  welche B[akunin]  nach besten  Kräften zu  wirken  ver-
       sprach. B.  reiste nach Italien, erhielt dort von M[arx] die pro-
       visorischen Statuten  und Adresse  an die arbeitenden Klassen 1*)
       zugeschickt, antwortete,  "sehr enthusiastisch", tat nichts. Nach
       Jahren, worin  man nichts  von ihm  hört, taucht er wieder in der
       Schweiz auf.  Dort schließt  er sich  an nicht an die Internatio-
       nale, sondern  an die  Ligue de  la Paix  et de la Liberté [150].
       Nach dem  Kongreß dieser Friedensligue (Genf 1867) bringt B. sich
       in den Vollziehungsausschuß derselben, findet hier jedoch Gegner,
       die ihm  nicht nur keinen "diktatorischen" Einfluß erlauben, son-
       dern ihn  als "russisch  verdächtig" überwachen.  Kurz  nach  dem
       Brüßler Kongreß  (September 1868)  der Intern[ationale]  hält die
       Friedensligue ihren  Kongreß zu  Bern. Diesmal tritt B. als fire-
       brand 2*)  auf und  - was en passant zu bemerken - hält seine De-
       nunziation der  okzidentalen Bourgeoisie  in dem  Ton, worin  die
       moskowitischen  Optimisten   die  westliche  Zivilisation  -  zur
       Beschönigung ihrer  eignen Barbarei  -  anzugreifen  pflegen.  Er
       schlägt  eine   Reihe  von   Beschlüssen  vor,   die,   an   sich
       abgeschmackt, darauf  berechnet sind,  den  bürgerlichen  Kretins
       Schrecken einzujagen,  und Herrn  Bakunin erlauben, mit Eklat aus
       der Friedensligue  aus- und in die Internationale einzutreten. Es
       genügt zu  sagen, daß  sein  dem  Berner  Kongreß  vorgeschlagnes
       Programm solche  Absurditäten enthält  wie die  "Gleichheit"  der
       "Klassen", "Abschaffung  des Erbrechts  als Anfang der sozial[en]
       Rev[olution]" etc.  - gedankenlose  Schwätzereien, ein Rosenkranz
       von hohlen  Einfallen, die schauerlich zu sein prätendieren, kurz
       eine insipide Improvisation, die bloß
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 14-16 - 2*) Aufwiegler
       
       #410# Karl Marx
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       auf einen  gewissen Tageseffekt berechnet war. Die Freunde B's in
       Paris (wo ein Russe Mitherausgeber der "Revue Positiviste" [310])
       und London zeigen der Welt den Austritt B's aus der Friedensligue
       als un  événement 1*)  an und  künden sein  groteskes Programm  -
       diese Olla podrida abgeschlißner Gemeinplätze - als etwas wunder-
       lich Grauses und Originelles an.
       B. war  unterdes in  die Branche  Romande 2*) der Internationalen
       (zu Genf)  eingetreten. Es  hatte Jahre  gekostet, bis er sich zu
       diesem Schritt  entschloß. Aber es kostete noch keine Tage, bevor
       Herr Bakunin beschloß, die Intern, umzuwälzen und sie in sein In-
       strument zu verwandeln.
       Hinter dem  Rücken des  Londoner Generalrats  - dieser wurde erst
       unterrichtet, nachdem alles anscheinlich  f e r t i g  war - bil-
       dete er  die sog.  Alliance des Democrates Socialistes [311]. Das
       Programm dieser  Gesellschaft war  kein andres als das von B. dem
       Berner Friedenskongreß  vorgelegte. Die Gesellschaft kündete sich
       damit also  von vornherein  an als  Propagandagesellschaft spezi-
       fisch B'scher Geheimweisheit, und B. selbst, einer der unwissend-
       sten Menschen  auf dem  Feld der sozialen Theorie, figuriert hier
       plötzlich als Sektenstifter. Das theoretische Programm dieser Al-
       liance war  jedoch bloße  Farce. Die  ernste Seite  lag in  ihrer
       praktischen Organisation.  Diese Gesellschaft  sollte nämlich in-
       ternational sein,  mit ihrem  Zentralkomitee in  Genf, d.h. unter
       B's  persönlicher   Leitung.  Zugleich   aber  sollte   sie   ein
       "integraler" Bestandteil  der Intern.  Arbeiterassoziation  sein.
       Ihre branches  3*) sollten  einerseits  vertreten  sein  auf  dem
       "nächsten Kongreß"  der Intern, (zu Basel) und zugleich ihren ei-
       genen Kongreß  neben dem ändern in Separatsitzungen abhalten etc.
       etc.
       Das Menschenmaterial, worüber B. zunächst verfügte, war die dama-
       lige Majorität des Comité Fédéral Romand 4*) der Intern, zu Genf.
       J.Ph. Becker,  dessen Propagandaeifer  zuweilen mit  seinem  Kopf
       durchbrennt, wurde  vorgeschoben. In Italien und Spanien hatte B.
       einige Alliierte.
       Der Generalrat  zu London  war vollständig  unterrichtet. Er ließ
       jedoch Bakunin ruhig vorangehn bis zu dem Augenblick, wo letztrer
       genötigt war,  durch J.Ph.  Becker die  Statuten (nebst Programm)
       der Alliance  des Dem. Soc. dem Generalrat zur Genehmigung zukom-
       men zu  lassen. Darauf  erfolgte ein  weitläufig motivierter  Be-
       scheid - ganz "richterlich" und "objektiv" gehalten, aber in sei-
       nen "Erwägungsgründen" voller Ironie -, der damit schloß:
       1. Der Generalrat läßt die Alliance nicht als branche der Intern,
       zu.
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       1*) ein Ereignis  - 2*) den  Romanischen Zweig - 3*) Zweiggesell-
       schaften - 4*) Romanischen Föderalkomitees
       
       #411# Konfidentielle Mitteilung
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       2. Alle Paragraphen  des Statuts  der Alliance,  die sich auf ihr
       Verhältnis zur  Intern, beziehn,  sind für  null und  nichtig er-
       klärt.
       In den  Erwägungsgründen war klar und schlagend bewiesen, daß die
       Alliance nichts  als eine  Maschine zur  Desorganisation der Int.
       sei. 1*)
       Dieser Schlag kam unvermutet. B. hatte bereits die "Égalité", das
       Zentralorgan der  französisch sprechenden  Mitglieder der Int. in
       der Schweiz,  in sein  Organ verwandelt,  außerdem zu  Lade  sich
       einen kleinen  Privatmoniteur  gestiftet  -  den  "Progrès".  Der
       "Progrès" spielt bis heute noch diese Rolle unter Redaktion eines
       fanatischen Anhängers B's, eines gewissen Guillaume.
       Nach mehrwöchentlichem  Bedenken schickt endlich das Zentralkomi-
       tee der  Alliance -  unter der  Signatur Perrons, eines Genfers -
       Antwortschreiben an  den Generalrat.  Die Alliance will aus Eifer
       für die gute Sache ihre selbständige Organisation aufopfern, aber
       nur  auf   eine  Bedingung   hin,  nämlich   auf  Erklärung   des
       Generalrats, daß er ihre "radikalen" Prinzipien anerkennt.
       Der Generalrat  antwortete: Es  sei nicht seine Funktion, theore-
       tisch über die Programme der verschiednen Sektionen zu Gericht zu
       sitzen. Er  habe nur  zu sehn, daß in denselben nichts direkt den
       Statuten und ihrem Geist Widersprechendes enthalten sei. Er müsse
       daher darauf bestehn, daß aus dem Programm der Alliance die abge-
       schmackte Phrase über die "égalité des classes" 2*) weggestrichen
       und statt  dessen "abolition  des classes" 3*) gesetzt werde (was
       auch geschah).  Im übrigen  könnten sie  eintreten nach Auflösung
       ihrer selbständigen intern. Organisation und nachdem sie (was no-
       tabene nie  geschah) dem  Generalrat eine Liste über ihre sämtli-
       chen branches zugestellt. 4*)
       Damit war  dieser incident  5*) erledigt. Die Alliance löste sich
       nominell auf  und blieb  faktisch unter  B's Leitung fortbestehn,
       der zugleich das Genfer Comité Romand Fédéral 6*) der Intern. be-
       herrschte. Zu  ihren bisherigen Organen kam noch die "Fédéracion"
       zu  Barcelona   hinzu  (nach   dem  Basler   Kongreß   noch   die
       "Eguaglianza" [312] zu Neapel).
       B. suchte  nun seinen  Zweck - die Internationale in sein Privat-
       werkzeug zu  verwandeln -  auf andre  Weise zu erreichen. Er ließ
       durch unser  Genfer Romanisches  Komitee dem Generalrat vorschla-
       gen, die "Erbschaftsfrage" auf das Programm des Basler Kongresses
       zu setzen.  Der Generalrat  ging darauf ein, um B. direkt auf den
       Kopf schlagen  zu können. B's Plan war der: Indem der Basler Kon-
       greß die  von B.  zu Bern aufgestellten "Prinzipien" (?) annimmt,
       wird der Welt gezeigt, daß B. nicht zur Intern., sondern
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 339-341 -2 "Gleichheit der Klassen"- 3*)
       "Abschaffung der  Klassen" -  4*) siehe  vorl. Band, S. 348/349 -
       5*) Zwischenfall - 6*) Romanische Föderalkomitee
       
       #412# Karl Marx
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       die Intern, zu B. übergetreten ist. Einfache Konsequenz, der Lon-
       doner Generalrat  (dessen Gegnerschaft  gegen die  Aufwärmung der
       vieillerie Saint-Simoniste  1*) dem B. bekannt war) muß abtreten,
       und der  Basler Kongreß  wird den  Generalrat nach Genf verlegen,
       d.h. die Internationale wird der Diktatur B. anheimfallen.
       B. setzte eine völlige Konspiration ins Werk, um sich die Majori-
       tät auf  dem Basler  Kongreß zu  sichern. Sogar an falschen Voll-
       machten fehlte  es nicht,  wie die  des Herrn Guillaume für Locle
       etc. B.  selbst bettelte  sich Vollmachten  von Neapel  und Lyon.
       Verleumdungen aller  Art gegen den Generalrat wurden ausgestreut.
       Den einen  sagte man, das élément bourgeois 2*) wiege in ihm vor,
       den ändern, er sei der Sitz des communisme autoritaire 3*) etc.
       Das Resultat  des Basler  Kongresses ist  bekannt. B's Vorschläge
       drangen nicht durch, und der Generalrat blieb in London.
       Der Ärger  über diesen  Fehlschlag - mit dessen Gelingen B. viel-
       leicht allerlei  Privatspekulationen verknüpft  hatte in  "seines
       Herzens Geist und Empfindung" - machte sich in gereizten Äußerun-
       gen der  "Égalité" und  des "Progrès"  Luft. Diese Blätter nahmen
       unterdes mehr und mehr die Form offizieller Orakel an. Bald wurde
       diese, bald  jene Schweizer  Sektion der Intern, mit Bann belegt,
       weil sie  gegen B's  ausdrückliche Vorschrift sich an der politi-
       schen Bewegung  beteiligt hatten etc. Endlich brach die lang ver-
       haltne  Wut   gegen  den  Generalrat  offen  aus.  "Progrès"  und
       "Égalité" mokierten  sich, griffen  an, erklärten, der Generalrat
       erfüllte seine  Pflichten nicht, z.B. in betreff des dreimonatli-
       chen Bulletins;  der Generalrat müsse sich der direkten Kontrolle
       über England  entledigen und neben sich ein englisches Zentralko-
       mitee, das  sich nur  mit englischen  Angelegenheiten  [befasse],
       gründen lassen;  die Beschlüsse des Generalrats über die gefange-
       nen Fenier  seien eine  Überschreitung seiner  Funktionen, da  er
       sich nicht  mit lokalpolitischen  Fragen zu beschäftigen habe. Es
       wurde ferner in "Progrès" und "Égalité" Partei für Schweitzer ge-
       nommen und  der Generalrat kategorisch aufgefordert, sich offizi-
       ell und  publiquement 4*) über die Frage Liebknecht-Schweitzer zu
       erklären. Das  Journal "Le Travail" (in Paris), worin die Pariser
       Freunde Schweizers  ihm günstige  Artikel eingeschmuggelt,  wurde
       darüber belobt  von "Progrès"  und "Égalité" und in letztrer auf-
       gefordert, gemeinsame Sache gegen den Generalrat zu machen.
       Die Zeit  war jetzt  daher  gekommen,  wo  eingeschritten  werden
       mußte. Folgendes ist wörtliche Kopie des Sendschreibens des Gene-
       ralrats an das
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       1*) des Saint-Simonistischen  Kohls -  2*) bürgerliche Element  -
       3*) autoritären Kommunismus - 4*) öffentlich
       
       #413# Konfidentielle Mitteilung
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       Genfer Romanische Zentralkomitee. Das Dokument zu lang, um es ins
       Deutsche zu übersetzen. 1*)
       
       "Der Generalrat  an den  Föderalrat der  romanischen  Schweiz  in
       Genf. In  seiner außerordentlichen Sitzung vom l. Januar 1870 hat
       der Generalrat beschlossen:
       1. Wir lesen in der 'Égalité', vom 11. Dezember 1869:
       
       'Es ist  sicher, daß  der Generalrat  äußerst wichtige Dinge ver-
       nachlässigt... Wir  erinnern den  Generalrat an  seine  Pflichten
       durch den  Artikel l  des Reglements:  "Der Generalrat  ist  ver-
       pflichtet, die Kongreßbeschlüsse auszuführen." ... Wir hätten ge-
       nug Fragen an den Generalrat, so daß seine Antworten ein ziemlich
       langes Dokument  ergäben. Sie werden später kommen. In der Erwar-
       tung etc.'
       
       Der Generalrat  kennt weder  in den  Statuten noch  im  Reglement
       einen Artikel,  der ihn verpflichtete, sich in eine Korrespondenz
       oder eine Polemik mit der 'Égalité' einzulassen oder 'Fragen' ir-
       gendeiner Zeitung zu 'beantworten'.
       Allein der Föderalrat der romanischen Schweiz vertritt die Zweig-
       gesellschaften der  romanischen Schweiz  vor dem Generalrat. Wenn
       der Föderalrat  Anfragen oder  Vorwürfe an  uns richtet, und zwar
       auf dem  einzig legitimen  Wege, das heißt durch seinen Sekretär,
       wird der  Generalrat immer bereit sein, darauf zu antworten. Aber
       der Romanische  Föderalrat hat  weder das Recht, seine Funktionen
       an die 'Égalité und den 'Progrès' abzutreten, noch seine Funktio-
       nen von diesen Zeitungen usurpieren zu lassen.
       Allgemein gesprochen:  die Korrespondenz  des Generalrats mit den
       nationalen und  lokalen Komitees könnte nicht veröffentlicht wer-
       den, ohne den allgemeinen Interessen der Assoziation großen Scha-
       den zuzufügen.
       Wenn also die anderen Organe der Internationale dem 'Progrès' und
       der 'Égalité'  nachahmen würden, sähe sich der Generalrat vor die
       Alternative gestellt,  sich entweder durch sein Schweigen vor der
       Öffentlichkeit zu  diskreditieren oder seine Pflichten durch eine
       öffentliche Antwort zu verletzen.
       Die 'Égalité  hat sich dem 'Progrès' beigesellt, um den 'Travail'
       aufzufordern, vom  Generalrat Erklärungen  zu verlangen.  Das ist
       beinahe eine Liga für das öffentliche Wohl!
       2. Angenommen, die  von der 'Égalité' gestellten Fragen gehen vom
       Romanischen Föderalrat  aus, so  wollen wir sie beantworten, aber
       nur unter
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       1*) Wir bringen  im folgenden  das in  französischer Sprache ver-
       faßte Dokument  in deutscher  Sprache, (vgl.  auch vorl. Band, S.
       384-391).
       
       #414# Karl Marx
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       der Bedingung,  daß solche  Fragen an  uns nicht wieder in dieser
       Weise gestellt werden.
       3. Die Frage des Bulletins.
       Die Beschlüsse des Genfer Kongresses, die in das Reglement aufge-
       nommen wurden, schreiben vor, daß die nationalen Komitees dem Ge-
       neralrat Dokumente  über die  proletarische Bewegung  einzusenden
       haben und  daß der  Generalrat dann ein Bulletin in den verschie-
       denen Sprachen  veröffentlichen soll,  'sooft seine Mittel es ihm
       erlauben'. ('As  often as  its means  permit, the General Council
       shall publish a report etc.')
       Die Verpflichtung  des Generalrats war demnach an Bedingungen ge-
       knüpft, die  niemals erfüllt  wurden. Selbst  die in den Statuten
       vorgeschriebene statistische  Untersuchung, die von mehreren auf-
       einander folgenden  allgemeinen Kongressen  beschlossen und  Jahr
       für Jahr  vom Generalrat verlangt wurde, ist niemals durchgeführt
       worden. Was  die Mittel  anbelangt, so  hätte der Generalrat ohne
       die regionalen Beiträge aus England und ohne die persönlichen Op-
       fer seiner Mitglieder schon längst aufgehört zu existieren.
       So ist  das vom  Genfer Kongreß  angenommene Reglement  ein toter
       Buchstabe geblieben.
       Was den Kongreß zu Basel anbelangt, so hat er nicht über die Aus-
       führung eines bestehenden Reglements, sondern nur über die Oppor-
       tunität eines  zu schaffenden Bulletins diskutiert und keinen Be-
       schluß darüber gefaßt.
       Übrigens glaubt der Generalrat, daß der ursprüngliche Zweck eines
       von ihm  herausgegebenen Bulletins  zur Zeit  vollkommen von  den
       verschiedenen Organen  der Internationale  erfüllt wird,  die  in
       verschiedenen Sprachen  erscheinen und auf dem Wege des gegensei-
       tigen Austauschs  verbreitet werden.  Es wäre absurd, durch kost-
       spielige Bulletins  erreichen zu  wollen, was bereits ohne Kosten
       erreicht wird.  Andererseits würde ein Bulletin, das Dinge veröf-
       fentlicht, die  in den  Organen der Internationale nicht gedruckt
       werden, nur  dazu dienen, unsere Feinde hinter die Kulissen sehen
       zu lassen.
       4. Die Frage der Trennung des Generalrats vom Föderalrat für Eng-
       land.
       Lange vor  der Gründung der 'Égalité' wurde dieser Vorschlag wie-
       derholt im  Generalrat selbst  von einem  oder zwei seiner engli-
       schen Mitglieder  eingebracht. Man  hat ihn  aber stets fast ein-
       stimmig abgelehnt.
       Obgleich  die   revolutionäre   Initiative   wahrscheinlich   von
       Frankreich ausgehen  wird, kann allein England als Hebel für eine
       ernsthafte ökonomische  Revolution dienen.  Es  ist  das  einzige
       Land, wo  es keine Bauern mehr gibt und wo der Grundbesitz in we-
       nigen Händen konzentriert ist. Es ist das
       
       #415# Konfidentielle Mitteilung
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       einzige Land,  wo die  kapitalistische Form  - das  heißt die auf
       großer Stufenleiter kombinierte Arbeit unter kapitalistischen Un-
       ternehmern - sich fast der gesamten Produktion bemächtigt hat. Es
       ist das  einzige Land,  wo die große Mehrheit der Bevölkerung aus
       Lohnarbeitern (wages labourers) besteht. Es ist das einzige Land,
       wo der Klassenkampf und die Organisation der Arbeiterklasse durch
       die Trade-Unions  einen gewissen Grad der Reife und der Universa-
       lität erlangt haben. Dank seiner Herrschaft auf dem Weltmarkt ist
       England das  einzige Land, wo jede Revolution in den ökonomischen
       Verhältnissen unmittelbar  auf die  ganze Welt  zurückwirken muß.
       Wenn der  Landlordismus und  der Kapitalismus  ihren  klassischen
       Sitz in  diesem Lande haben, so sind andererseits die materiellen
       Bedingungen ihrer  Vernichtung dort  am meisten herangereift. Der
       Generalrat ist  jetzt in  der glücklichen Lage, seine Hand direkt
       auf diesem  großen Hebel  der proletarischen Revolution zu haben;
       welche Torheit,  ja, man  könnte fast  sagen, welches  Verbrechen
       wäre es, ihn englischen Händen allein zu überlassen!
       Die Engländer  verfügen über alle notwendigen materiellen Voraus-
       setzungen für  eine soziale  Revolution. Woran  es ihnen mangelt,
       ist der Geist der Verallgemeinerung und die revolutionäre Leiden-
       schaft. Dem kann nur der Generalrat abhelfen und somit eine wahr-
       haft revolutionäre  Bewegung in  diesem Land und folglich überall
       beschleunigen. Die großen Erfolge, die wir bereits in dieser Hin-
       sicht erzielt  haben, werden  von den  klügsten und angesehensten
       Zeitungen der  herrschenden Klassen bezeugt, wie zum Beispiel von
       der 'Pall  Mall Gazette',  der 'Saturday Review', dem 'Spectator'
       und der  'Fortnightly Review', ganz abgesehen von den sogenannten
       radikalen Mitgliedern  des Unterhauses  und des  Oberhauses,  die
       noch vor  kurzem einen  großen Einfluß  auf die Führer der engli-
       schen Arbeiter ausübten. Sie klagen uns öffentlich an, wir hätten
       den englischen  Geist der  Arbeiterklasse vergiftet  und fast er-
       stickt und sie zum revolutionären Sozialismus getrieben.
       Die einzige  Methode, diese  Veränderung  zu  erreichen,  besteht
       darin, daß  wir als  Generalrat der  Internationalen  Assoziation
       handeln. Als Generalrat können wir Maßnahmen veranlassen (wie zum
       Beispiel die  Gründung der Land and Labour League), die dann spä-
       ter, bei  ihrer Ausführung,  vor der  Öffentlichkeit als spontane
       Bewegungen der englischen Arbeiterklasse erscheinen.
       Würde ein  Föderalrat außerhalb  des Generalrats gebildet, welche
       unmittelbaren Auswirkungen  hätte dies?  Der  Föderalrat  befände
       sich zwischen dem Generalrat der Internationale und dem Allgemei-
       nen Rat der Trade-Unions und besäße keinerlei Autorität. Anderer-
       seits würde der Generalrat der Internationale diesen großen Hebel
       aus den Händen lassen. Wenn
       
       #416# Karl Marx
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       wir laute  Marktschreierei ernster und unsichtbarer Arbeit vorzö-
       gen, dann  hätten wir  vielleicht den Fehler begangen, öffentlich
       auf die  Frage der  'Égalité' zu antworten, warum 'der Generalrat
       sich in diese so lästige Häufung von Funktionen fügt'.
       England darf nicht einfach den anderen Ländern gleichgesetzt wer-
       den. Man muß es als die Metropole des Kapitals betrachten.
       5. Die Frage  der Resolution  des Generalrats  über  die  irische
       Amnestie.
       Wenn England  das Bollwerk des europäischen Landlordismus und Ka-
       pitalismus ist,  so ist  Irland der  einzige Punkt,  wo  man  den
       großen Schlag gegen das offizielle England führen kann.
       Erstens ist  Irland das  Bollwerk des  englischen  Landlordismus.
       Wenn er  in Irland  fiele, so fiele er auch in England. In Irland
       kann dies hundertmal leichter erreicht werden, weil sich der öko-
       nomische Kampf  dort ausschließlich  auf den  Grundbesitz konzen-
       triert, weil  dieser Kampf  dort gleichzeitig  ein nationaler ist
       und weil  das Volk dort revolutionärer und erbitterter ist als in
       England. Der  Landlordismus in  Irland wird  ausschließlich durch
       die englische  Armee aufrechterhalten.  In  dem  Moment,  wo  die
       Zwangsunion zwischen  den beiden  Ländern aufhört, wird in Irland
       eine soziale  Revolution ausbrechen, wenn auch in veralteten For-
       men. Der  englische Landlordismus  wird nicht nur eine bedeutende
       Quelle seiner Reichtümer verlieren, sondern auch seine größte mo-
       ralische Kraft  - die  Kraft, die Herrschaft Englands über Irland
       zu repräsentieren.  Andererseits macht  das englische Proletariat
       seine Landlords  in England  selbst unverwundbar, solange es ihre
       Macht in Irland aufrechterhält.
       Zweitens hat  die englische  Bourgeoisie das  irische Elend nicht
       nur ausgenutzt,  um durch  die erzwungene  Einwanderung der armen
       Iren die  Lage der  Arbeiterklasse in  England zu verschlechtern,
       sondern sie hat überdies das Proletariat in zwei feindliche Lager
       gespalten. Das  revolutionäre Feuer des keltischen Arbeiters ver-
       einigt sich  nicht mit  der soliden, aber langsamen Natur des an-
       gelsächsischen Arbeiters.  Im Gegenteil,  es  herrscht  in  allen
       großen Industriezentren Englands ein tiefer Antagonismus zwischen
       dem irischen  und englischen  Proletarier. Der gewöhnliche engli-
       sche Arbeiter  haßt den  irischen als einen Konkurrenten, der die
       Löhne und  den standard of life 1*) herabdrückt. Er empfindet ihm
       gegenüber nationale  und religiöse Antipathien. Er betrachtet ihn
       fast mit  denselben Augen, wie die poor whites 2*) der Südstaaten
       Nordamerikas die  schwarzen Sklaven  betrachteten. Dieser Antago-
       nismus zwischen den Proletariern in England selbst
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       1*) Lebensstandard - 2*) armen Weißen
       
       #417# Konfidentielle Mitteilung
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       wird von der Bourgeoisie künstlich geschürt und wachgehalten. Sie
       weiß, daß  diese Spaltung das wahre Geheimnis der Erhaltung ihrer
       Macht ist.
       Dieser Antagonismus  wiederholt sich  auch jenseits des Atlantik.
       Die von ihrem heimatlichen Boden durch Ochsen und Hammel vertrie-
       benen Iren  finden sich in den Vereinigten Staaten wieder, wo sie
       einen ansehnlichen  und ständig  wachsenden Teil  der Bevölkerung
       bilden. Ihr  einziger Gedanke,  ihre einzige Leidenschaft ist der
       Haß gegen England. Die englische und die amerikanische Regierung,
       das heißt  die Klassen,  welche sie  repräsentieren, nähren diese
       Leidenschaften, um  den Kampf zwischen den Nationen zu verewigen,
       der jede  ernsthafte und  aufrichtige Allianz zwischen den Arbei-
       terklassen zu  beiden Seiten  des Atlantik und folglich deren ge-
       meinsame Emanzipation behindert.
       Irland ist  der einzige Vorwand der englischen Regierung, um eine
       große stehende  Armee zu unterhalten, die im Bedarfsfalle, wie es
       sich gezeigt  hat, auf  die englischen Arbeiter losgelassen wird,
       nachdem sie  in Irland zur Soldateska ausgebildet wurde. Schließ-
       lich wiederholt  sich im  England unserer  Tage das,  was uns das
       Alte Rom  in ungeheurem Maßstab zeigte. Das Volk, das ein anderes
       Volk unterjocht, schmiedet seine eigenen Ketten.
       Der Standpunkt  der Internationalen  Assoziation in  der irischen
       Frage ist  also völlig  klar. Ihre  erste Aufgabe ist es, die so-
       ziale Revolution  in England  zu beschleunigen.  Zu diesem Zwecke
       muß man den entscheidenden Schlag in Irland führen.
       Die Resolution des Generalrats über die irische Amnestie soll nur
       dazu dienen,  andere Resolutionen  einzuleiten, in denen zum Aus-
       druck gebracht  werden wird,  daß es, abgesehen von jeglicher in-
       ternationaler Gerechtigkeit,  eine Vorbedingung für die Emanzipa-
       tion der  englischen Arbeiterklasse  ist, die  bestehende Zwangs-
       union -  das heißt  der Versklavung Irlands - in eine gleiche und
       freie Konföderation  umzuwandeln, wenn  das möglich ist, oder die
       völlige Trennung zu erzwingen, wenn es sein muß.
       Übrigens sind  die Doktrinen der 'Égalité' und des 'Progrès' über
       den Zusammenhang  oder vielmehr über das Nichtvorhandensein eines
       Zusammenhangs zwischen  der sozialen und politischen Bewegung un-
       seres Wissens  auf keinem unserer Kongresse anerkannt worden. Sie
       stehen im Gegensatz zu unseren Statuten. Dort heißt es:
       'That the  economical emancipation  of the working classes is ...
       the great  end to which every political movement ought to be sub-
       ordinate as a means.' 1*)
       -----
       1*) 'Daß die  ökonomische Emanzipation der Arbeiterklasse ... der
       große Endzweck ist, dem jede politische Bewegung, als Mittel, un-
       terzuordnen ist.' (Siehe vorl. Band, S. 14.)
       
       #418# Karl Marx
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       Diese Worte  'as a  means' ('als Mittel') wurden in der französi-
       schen Übersetzung,  die  1864  vom  Pariser  Komitee  angefertigt
       wurde, weggelassen. Auf die Anfrage des Generalrats hin entschul-
       digte sich das Pariser Komitee mit den Schwierigkeiten seiner po-
       litischen Situation.
       Es gibt  noch andere Verstümmelungen des authentischen Textes der
       Statuten. Der  erste Erwägungsgrund  der Statuten  hat  folgenden
       Wortlaut:
       'The struggle  for the  emancipation of the working classes means
       ... a struggle ... for equal rights and duties, and the abolition
       of all class rule.' 1*)
       Die Pariser  Übersetzung spricht  von 'den  gleichen Rechten  und
       Pflichten', das  heißt sie  gebraucht die  allgemeine Phrase, die
       man in  fast allen  demokratischen Manifesten seit einem Jahrhun-
       dert findet  und die  von den  verschiedenen Klassen  verschieden
       ausgelegt  wird,   aber  sie  läßt  die  konkrete  Forderung  der
       'Vernichtung der Klassen' weg.
       Dann liest man im zweiten Absatz der Erwägungen zu den Statuten:
       'That the economical subjection of the man of labour to the mono-
       poliser of the means of labour, that is the sources of life etc.'
       2*).
       Die Pariser  Übersetzung setzt  'Kapital' an Stelle von 'means of
       labour, that  is the  sources of  life' 3*),  obwohl der letztere
       Ausdruck den  Grund und  Boden ebenso einschließt wie die übrigen
       Arbeitsmittel.
       Der ursprüngliche  und authentische  Text wurde  in der französi-
       schen Übersetzung  wiederhergestellt, die  1866 in Brüssel veröf-
       fentlicht wurde.
       6. Die Frage Liebknecht - Schweitzer.
       Die 'Égalité' sagt: 'Diese beiden Gruppen gehören der Internatio-
       nale an.'  Das ist  falsch. Die  Gruppe der  Eisenacher (die  der
       'Progrès' und die 'Égalité' in eine Gruppe des Bürgers Liebknecht
       zu verwandeln  geruhen) gehört  zur  Internationale.  Die  Gruppe
       Schweitzers gehört ihr nicht an.
       Schweitzer selbst  hat in  seinem Blatt,  dem  'Social-Demokrat',
       ausführlich erklärt,  warum die Lassalleanische Organisation sich
       nicht der  Internationale anschließen  könne, ohne sich selbst zu
       vernichten. Er  hat die Wahrheit gesagt, ohne es zu wissen. Seine
       künstliche Sektenorganisation  steht im  Gegensatz zur wirklichen
       Organisation der Arbeiterklasse.
       Der 'Progrès'  und die  'Égalité' haben  den Generalrat aufgefor-
       dert, öffentlich  seine 'Meinung' über die persönlichen Differen-
       zen zwischen  Liebknecht und  Schweitzer zu äußern. Da der Bürger
       J.Ph. Becker  (der in  dem Blatte  Schweitzers ebenso  verleumdet
       wird wie Liebknecht) zu den Mitgliedern
       -----
       1*) 'Der Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse ist... ein
       Kampf ...  für gleiche  Rechte und Pflichten und für die Vernich-
       tung aller  Klassenherrschaft.' (Siehe  vorl.  Band,  S.  14.)  -
       2*) 'Daß die ökonomische Unterwerfung des Arbeiters unter den An-
       eigner der  Arbeitsmittel, d.h.  der Lebensquellen  etc.'  (siehe
       vorl. Band, S. 14) - 3*) 'Arbeitsmittel, d.h. der Lebensquellen'
       
       #419# Konfidentielle Mitteilung
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       des Redaktionskomitees  der 'Égalité'  gehört, erscheint es wirk-
       lich recht  sonderbar, daß  seine Redakteure  über die  Tatsachen
       nicht besser unterrichtet sind. Sie mußten wissen, daß Liebknecht
       im 'Demokratischen  Wochenblatt' Schweitzer  öffentlich aufgefor-
       dert hat, den Generalrat als Schiedsrichter ihrer Differenzen an-
       zuerkennen, und  daß Schweitzer es nicht weniger öffentlich abge-
       lehnt hat, die Autorität des Generalrats anzuerkennen.
       Der Generalrat  hat nichts unversucht gelassen, um diesem Skandal
       ein Ende zu machen. Er hat seinen Sekretär für Deutschland beauf-
       tragt, mit  Schweitzer in  Korrespondenz zu  treten, was auch ge-
       schah, doch alle Versuche des Rats scheiterten an dem festen Ent-
       schluß Schweizers,  mit der  Sektenorganisation  um  jeden  Preis
       seine autokratische Macht aufrechtzuerhalten.
       Es ist  Sache des  Generalrats, einen günstigen Moment zu bestim-
       men, wo seine öffentliche Intervention in diesem Streit mehr nüt-
       zen als schaden wird.
       Im Auftrag des Generalrats etc."
       
       Die französischen  Komitees (obgleich  Bakunin stark  in Lyon und
       Marseille intrigiert und einige junge Brauseköpfe gewonnen hatte)
       ebenso wie der Conseil [Général] Belge 1*) (Bruxelles) haben sich
       ganz einverstanden mit diesem Reskript des Generalrats erklärt.
       Die Abschrift  für Genf (weil der Sekretär für die Schweiz, Jung,
       sehr beschäftigt war) wurde etwas verzögert. Sie kreuzte sich da-
       her unterwegs  mit einem offiziellen Schreiben von Perret, Sekre-
       tär des Genfer Romanischen Zentralkomitees, an den Generalrat.
       Die Krise war nämlich in Genf vor Ankunft unsres Briefs ausgebro-
       chen. Einige  Redakteure der  "Égalité." hatten sich der von Bak.
       diktierten Richtung widersetzt. Bakunin und seine Anhänger (wovon
       6 Redakteure der "Égalité") wollten das Genfer Zentralkomitee zur
       Entlassung der  Widerspenstigen zwingen. Das Genfer Komitee dage-
       gen war  längst die  Despotie B's  müd und  sah sich mit Unwillen
       durch ihn  in Gegensatz  zu den übrigen deutschen Schweizer Komi-
       tees, zu  dem Generalrat  etc. hineingezogen.  Es bestätigte also
       umgekehrt die B. mißfälligen Redakteure der "Égalité". Darauf ga-
       ben seine 6 Mann ihre Entlassung von der Redaktion, indem sie da-
       durch das Blatt stillzusetzen glaubten.
       In Antwort  auf unsre  Missive erklärt das Genfer Zentralkomitee,
       daß die Angriffe der "Égalité" wider seinen Willen stattgefunden,
       daß es die in
       -----
       1*) Belgische Generalrat
       
       #420# Karl Marx
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       derselben gepredigte  Politik nie  gebilligt, daß das Blatt jetzt
       unter strenger Aufsicht des Komitees redigiert wird usw.
       Bakunin zog  sich darauf  von Genf nach Tessin zurück. Er hat nur
       noch -  was die  Schweiz betrifft  - im  "Progrès" (Locle)  seine
       Hand.
       Bald darauf  starb Herzen.  Bakunin, der seit der Zeit, wo er als
       Lenker der  europ. Arbeiterbewegung sich aufwerfen wollte, seinen
       alten Freund  und Patron  Herzen verleugnet  hatte, stieß  sofort
       nach dessen  Tod in die Lobesposaune. Warum? Herzen, trotz seines
       persönlichen Reichtums, ließ sich jährlich 25 000 frs. für Propa-
       ganda von der ihm befreundeten pseudosozialistischen panslawisti-
       schen Partei  in Rußland  zahlen. [313]  Durch sein Lobesgeschrei
       hat Bakunin  diese Gelder  auf sich  gelenkt und  damit "die Erb-
       schaft Herzens"  - malgré  sa haine  de l'héritage 1*) - pekuniär
       und moralisch sine beneficio inventarii [314] angetreten.
       Gleichzeitig hat sich in Genf eine junge russische refugee colony
       2*) angesiedelt,  flüchtige Studenten,  die es  wirklich  ehrlich
       meinen und ihre Ehrlichkeit dadurch beweisen, daß sie die Bekämp-
       fung des Panslawismus als Hauptpunkt in ihr Programm aufgenommen.
       Sie publizieren zu Genf ein Journal: "La voix du peuple".
       Sie haben  vor about  3*) 2 Wochen sich nach London gewandt, ihre
       Statuten und  Programm eingesandt,  Bestätigung zur Bildung einer
       russischen branche verlangt. Ist gegeben worden.
       In einem  besondern Brief  an Marx  haben sie ihn ersucht, sie im
       Zentralrat provisorisch zu repräsentieren. Dies ditto akzeptiert.
       Sie haben  zugleich angezeigt  - und  schienen sich  deswegen bei
       Marx entschuldigen zu wollen -, daß sie nächstens dem Bakunin öf-
       fentlich die Maske abreißen müßten, indem dieser Mensch zweierlei
       ganz verschiedne  Sprachen führe, eine andre in Rußland, eine an-
       dre in Europa.
       So wird das Spiel dieses höchst gefährlichen Intriganten - wenig-
       stens auf  dem Terrain  der Internationalen  -  bald  ausgespielt
       sein.
       Geschrieben um den 28. März 1870.
       
       Nach der Handschrift.
       -----
       1*) trotz seiner  Abneigung gegen das Erbrecht - 2*) Flüchtlings-
       kolonie - 3*) ungefähr

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