Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870
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Karl Marx/Friedrich Engels
An den Ausschuß der Sozialdemokratischen
deutschen Arbeiterpartei [321]
["Der Volksstaat" Nr. 51 vom 26. Juni 1872]
86, Mornington Street,
Stockport Road, Manchester
London, 14. Juni 1870
Liebe Freunde!
Ich erhalte heute einen Brief von Stumpf (Mainz), worin es u.a.
heißt:
"Liebknecht beauftragt mich. Dir zu schreiben, daß es wegen der
Reichtagswahlen, die gerade in diese Zeit fallen, besser sein
dürfte, am 5. Oktober den Kongreß hier abzuhalten. Der Kongreß in
Stuttgart [322] hat auch letzten Montag beschlossen, für den 5.
Oktober zu wirken. Geib soll beauftragt sein, Dir dieserhalb zu
schreiben."
Liebknecht sowohl als die übrigen Mitglieder der Internationalen
sollten wenigstens mit den Statuten derselben bekannt sein, in
welchen es ausdrücklich heißt:
"§ 3. Der Generalrat kann nötigenfalls den Ort ändern, ist aber
nicht befugt, den Termin der Zusammenkunft hinauszuschieben."
Als ich Eure dringende Einladung zur Verlegung des Kongresses
nach Deutschland im Generalrat befürwortete, unterstellte ich na-
türlich, daß Ihr alle Umstände in Betracht gezogen. Von einer
Verschiebung des Termins kann statutengemäß nicht die Rede sein.
Ein anderer Passus in Stumpfs Brief ist auch keineswegs beruhi-
gend.
Es heißt darin:
"Eben komme ich vom Bürgermeister. Er will einen solventen Bürger
als Bürgen dafür, daß, wenn es von Schweitzerschen Prügeleien
gäbe, die Stadt Regreß hat für etwaige Beschädigungen im Kur-
fürstlichen Marmorsaale, der uns zugesagt ist für den Kongreß
etc."
#428# Karl Marx/Friedrich Engels
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Ihr habt die Städte Mainz, Darmstadt oder Mannheim vorgeschlagen,
also in der Tat dem Generalrat gegenüber die Verantwortlichkeit
übernommen, daß der Kongreß in jeder dieser Städte abgehalten
werden kann ohne Skandalszenen, welche die Internationale und die
deutsche Arbeiterklasse ganz speziell vor den Augen aller Welt
lächerlich machen würden. Ich hoffe, daß in dieser Beziehung alle
nötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen werden.
Welches ist das numerische Verhältnis der Schweitzerianer in
Mainz und Umgegend zu Euren Leuten?
Im Fall Skandal nicht zu vermeiden ist, muß im voraus dafür ge-
sorgt werden, daß er auf seinen Urheber zurückfällt. Es müßte im
"Volksstaat", "Zukunft" und sonst zugänglichen deutschen Blättern
der Plan der preußischen Polizei denunziert werden, den interna-
tionalen Kongreß in Mainz, dessen Zusammenkunft sie nicht direkt
verhindern kann, durch ihr Werkzeug, die Schweitzersche Organisa-
tion, unmöglich zu machen oder an der ruhigen Abhaltung seiner
Sitzungen zu verhindern. Sobald dies in Deutschland geschehen,
würde der Generalrat dann dafür sorgen, daß ähnliche Notizen in
London, Paris etc. publiziert würden. Einen Konflikt mit Herrn
Bismarck kann sich die Internationale schon gefallen lassen, nur
nicht angeblich spontane "deutschnationale Arbeiterprügeleien"
unter der Etikette von "Prinzipienkämpfen".
Stumpf wird wohl - im Zusammenhang mit Euch - dafür sorgen, daß
die Deputierten wohlfeile Logis finden.
Salut et fraternité 1*)
Karl Marx
Ich benutze die Gelegenheit, dem Ausschuß meine besten Grüße mit-
zuschicken. Seitdem die Herren Schweitzerianer in Forst dem Bür-
germeister vorher die Absicht anzeigten, Keilerei anzustiften,
und dieser der Sache auch ihren Verlauf ließ, ist der Zusammen-
hang dieser Herren mit der Polizei konstatiert. Vielleicht könnte
Stumpf durch den Mainzer Bürgermeister bei den Herren Schweitze-
rianern anfragen lassen, ob sie den Auftrag haben, "zu hauen".
Übrigens wäre es an der Zeit, daß diese Leute überall in der
Presse als reine Polizeiagenten bloßgestellt und, wo sie wieder
zu "hauen" versuchen, ganz gehörig wiedergehauen werden. Beim
Kongreß geht das natürlich nicht, bis dahin können sie aber doch
schon so viel
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1*) Gruß und Brüderlichkeit
#429# An den Ausschuß der Sozialdemokratischen dt. Arbeiterpartei
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Prügel besehen, daß sie genug daran haben. Wie Herr Bismarck
diese Sachen in der englischen Presse darstellt, zeigt der inl.
Ausschnitt, der die Runde durch alle Blätter macht. Der "North
German Corr[espondence]" ist ein mit Welfengeld gegründetes Organ
des Bismarck. [323]
Mit besten Grüßen
F. Engels
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