Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       Beilagen
       
       #504#
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       Verzeichnis der Beilagen
       A. Aufzeichnungen und Dokumente
       B. Artikel von Jenny Marx zur irischen Frage
       
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       A. Aufzeichnungen und Dokumente
       
       #506#
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       #507#
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       1
       
       [Aufruf des Zentralrats an die Arbeitergesellschaften [380]]
       International Working Men's Association
       Central Council
       18, Greek Street, London, W.
       Gewerksgenossenschaften, Gesellschaften  der gegenseitigen  Hilfe
       und andere  Arbeitergesellschaften sind  eingeladen,  geschlossen
       beizutreten; die  einzige Bedingung hierfür ist, daß die Mitglie-
       der die  Prinzipien der  Assoziation anerkennen und für ihre Bei-
       trittserklärung (die lackiert und auf Leinwand mit Leisten aufge-
       zogen ist)  5 sh.  bezahlen. Von beitretenden Gesellschaften wird
       kein Beitrag  gefordert; es bleibt ihnen überlassen, entsprechend
       ihren Mitteln und nach ihrem Ermessen Beiträge zu zahlen oder die
       Assoziation von  Zeit zu  Zeit zu unterstützen, wenn sie glauben,
       daß deren Anstrengungen eine Unterstützung rechtfertigen.
       Der Zentralrat  ist gern  bereit, die Adresse und Statuten, worin
       die Prinzipien  und Ziele  der Assoziation  ausführlich dargelegt
       sind, jeder Gesellschaft zu schicken, die dies wünscht; innerhalb
       des Londoner Distrikts werden bereitwillig Abordnungen geschickt,
       die jede  weitere gewünschte  Auskunft erteilen.  Beitretende Ge-
       sellschaften erhalten  das Recht, einen Vertreter in den Zentral-
       rat zu delegieren. Der Beitrag für Einzelmitglieder beträgt 1 sh.
       im Jahr  zuzüglich 1  d. für  die Mitgliedskarte. Die Karte sowie
       alle Auskünfte  über die  Assoziation kann man vom ehrenamtlichen
       Sekretär erhalten oder auf den Sitzungen des Zentralrats, die je-
       den Dienstag von acht bis zehn Uhr abends in der Greek Street Nr.
       18 stattfinden.
       E. Dupont, korrespondierender Sekretär für Frankreich
       K. Marx, korrespondierender Sekretär für Deutschland
       E. Holtorp, korrespondierender Sekretär für Polen
       H. Jung, korrespondierender Sekretär für die Schweiz
       L. Lewis, korrespondierender Sekretär für Amerika
       
       G. Odger, Präsident des Zentralrats
       G. W. Wheeler, ehrenamtlicher Schatzmeister
       W. R. Cremer, ehrenamtlicher Generalsekretär
       
       #508# Beilagen
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       Antragsformular für Gesellschaften, die der Internationalen
       Arbeiterassoziation beitreten möchten
       Wir, die Mitglieder der.......................................,
       versammelt in ................................................,
       erklären unsere  völlige Übereinstimmung  mit den  Prinzipien und
       Zielen der  Internationalen Arbeiterassoziation  und verpflichten
       uns, sie zu verbreiten und in die Tat umzusetzen. Zum Zeichen un-
       serer Aufrichtigkeit  ersuchen wir hiermit den Zentralrat, uns in
       den brüderlichen  Bund als  angeschlossene Zweiggesellschaft  der
       Assoziation aufzunehmen.
       Unterschrieben im Auftrag von.........Mitgliedern
                               ......................Sekretär
                               ......................Präsident
                               ......................186...
       Nach dem Flugblatt.
       
       Aus dem Englischen.
       
       2
       
       Bericht des Subkomitees über die Abhaltung eines Kongresses
       und einer Konferenz, verbessert und angenommen vom Zentralrat
       auf der Sitzung am 25.Juli 1865 [381]
       
       Entsprechend dem  dringenden Ersuchen  unserer französischen  und
       Schweizer  Korrespondenten   -  die  den  Zentralrat  auffordern,
       Schritte zu  unternehmen zur  Erfüllung der  bei der Gründung der
       Assoziation abgegebenen  Verpflichtung, in diesem Jahr einen Kon-
       greß in  Brüssel einzuberufen,  um Fragen zu beraten, die für die
       Proletarier Europas von allgemeinem Interesse sind - hat euer Ko-
       mitee diese  Frage geprüft  und unterbreitet  euch jetzt folgende
       Vorschläge:
       1. Da es  gegenwärtig nicht möglich ist, einen Kongreß in Brüssel
       oder London  einzuberufen, schlagen  wir vor,  statt dessen  eine
       Konferenz für Montag, den 25.September, in London einzuberufen.
       2. Folgende Erklärung  soll in  den kontinentalen  und britischen
       Zeitungen, die  mit unserer  Sache sympathisieren, veröffentlicht
       werden:
       "Der Zentralrat  der  Internationalen  Arbeiterassoziation  teilt
       mit, daß  er beschlossen  hat, die  Einberufung eines allgemeinen
       Arbeiter-Kongresses in  Brüssel oder  an einem beliebigen anderen
       Ort aus folgenden Gründen zu verschieben:
       
       #509# Aufzeichnungen und Dokumente
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       erstens, weil  er zu der Überzeugung gelangt ist, daß es zweckmä-
       ßiger sei, eine Vorkonferenz mit einer kleineren Zahl Delegierter
       der wichtigsten Zweiggesellschaften des Kontinents abzuhalten, um
       das Programm  zu beraten, welches dem bevorstehenden Kongreß vor-
       gelegt werden soll;
       zweitens, weil die Reformbewegung, die allgemeinen Wahlen und die
       Industrie-Ausstellung in  Großbritannien  sowie  die  Strikes  in
       Frankreich die Energie und Aufmerksamkeit der Arbeiterklasse der-
       art in  Anspruch genommen haben, daß darunter die Entwicklung der
       Assoziation gelitten hat;
       drittens, weil  das belgische  Parlament in diesem Jahr ein Frem-
       dengesetz erlassen hat, das die Ausführung des Plans der Assozia-
       tion, einen  Kongreß in  der Hauptstadt Belgiens abzuhalten, ver-
       hindert und  jede Möglichkeit  ausschließt, dort  eine  Konferenz
       einzuberufen."
       3. Die Zusammensetzung  der Konferenz soll folgende sein: von je-
       der zentralen  Leitung sollen  zwei Delegierte eingeladen werden,
       nebst zwei  Delegierten aus Lyon. Die Reisekosten der Delegierten
       werden von  den Zweiggesellschaften  getragen, die sie vertreten;
       ihre Ausgaben in London werden vom Zentralrat bestritten.
       4. Was die  Bestreitung dieser Kosten anbelangt, so hat das Komi-
       tee von  dem Bürger Jung das großzügige Angebot erhalten, den De-
       legierten aus der Schweiz Unterkunft und Verpflegung zu gewähren.
       Zur Deckung der übrigen Ausgaben empfiehlt das Komitee:
       erstens, daß die Mitglieder des Zentralrats ihren Beitrag für das
       kommende Jahr im September, noch vor Zusammentritt der Konferenz,
       bezahlen;
       zweitens, daß  der Generalsekretär angewiesen wird, die Sekretäre
       jener Gesellschaften,  welche sich  der Assoziation bereits ange-
       schlossen haben, aufzurufen, daß sie sich bemühen sollen, an Ein-
       zelmitglieder Mitgliedskarten  abzusetzen, damit  die Kosten  der
       Konferenz gedeckt werden können;
       drittens, daß  den Mitgliedern  des Zentralrats  empfohlen  wird,
       Mitgliedskarten zur  Verbreitung entgegenzunehmen  und diese  dem
       Rat bar  zu bezahlen, um die unmittelbaren Auslagen mit dem Erlös
       aus den Mitgliedskarten abzurechnen.
       5. Das Komitee  schlägt dem Zentralrat vor, das folgende Programm
       anzunehmen und  der Konferenz zu unterbreiten. Das Programm wurde
       vom Zentralrat in folgender Form ergänzt und angenommen:
        1. Fragen, die den Kongreß betreffen.
        2. Fragen, die die Organisation der Assoziation betreffen.
        3. Vereinigung der  Anstrengungen im  Kampf zwischen  Arbeit und
       Kapital in den verschiedenen Ländern mit Hilfe der Assoziation.
        4. Gewerksgenossenschaften, ihre  Vergangenheit,  Gegenwart  und
       Zukunft.
        5. Kooperativarbeit.
        6. Direkte und indirekte Steuern.
       
       #510# Beilagen
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        7. Beschränkung des Arbeitstages. ,
        8. Frauen- und Kinderarbeit.
        9. Die moskowitische Gefahr für Europa und die Wiederherstellung
       eines unabhängigen und einheitlichen Polens.
        10. Stehende Heere; ihr Einfluß auf die Interessen der produkti-
       ven Klassen.
       6. Vorbereitende  Sitzungen der  Delegierten sollen  zusammen mit
       dem Komitee,  entscheidende Sitzungen mit dem Zentralrat durchge-
       führt werden.
       7. Am  28. September wird aus Anlaß dreier Ereignisse eine Soiree
       gegeben: erstens  zur Feier des Jahrestags der Gründung der Asso-
       ziation; zweitens zur Ehrung der kontinentalen Delegierten; drit-
       tens zur  Feier des Sieges des Föderalismus und der freien Arbeit
       in Amerika.  Das Programm der Soiree soll bestehen aus einem Tee,
       Ansprachen, Unterhaltung und Tanz.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       3
       
       [Aus einem Brief von Jenny Marx an Johann Philipp Becker
       vom 29. Januar 1866 [382]]
       
       ["Der Vorbote" Nr. 2, Februar 1866]
       Einem Londoner  Brief vom  29. Januar entnehmen wir folgende Zei-
       len: "In  religiöser Hinsicht  geht jetzt in dem verdumpften Eng-
       land eine  bedeutungsvolle Bewegung  vor sich.  Die ersten Männer
       der Wissenschaft,  Huxley (Darwins  Schule) an  der  Spitze,  mit
       Charles Lyell, Bowring, Carpenter usw. geben in St. Martin's Hall
       höchst aufgeklärte,  wahrhaft kühne, freigeistige Vorlesungen für
       das Volk,  und zwar  an Sonntagabenden,  gerade zu der Stunde, wo
       sonst die  Schäflein zur Weide des Herrn pilgerten; die Halle war
       massenhaft voll  und der  Jubel des Volkes so groß, daß am ersten
       Sonntagabend, wo  ich mit  meiner Familie  zugegen war,  mehr als
       2000 Menschen keinen Einlaß mehr in den zum Ersticken angefüllten
       Raum finden  konnten. Dreimal ließen die Pfaffen das Entsetzliche
       geschehen.  -   Gestern  abend   jedoch  wurde   der  Versammlung
       angekündigt, daß  keine Vorlesungen mehr gehalten werden dürften,
       bis der  Prozeß der  Seelsorger gegen die Sunday evenings for the
       people (Sonntagsvorträge  für das  Volk) erledigt sei. Die Entrü-
       stung der  Versammlung sprach  sich entschieden aus, und mehr als
       100 Pfund Sterling wurden sofort zur Führung des Prozesses gesam-
       melt. Wie  dumm von  den Pfäfflein,  sich einzumischen. Zum Ärger
       der
       
       #511# Aufzeichnungen und Dokumente
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       Frömmlerbande schlossen die Abende auch noch mit Musik. Chöre von
       Händel, Mozart, Beethoven, Mendelssohn und Gounod wurden gesungen
       und mit Enthusiasmus von den Engländern aufgenommen, denen bisher
       an Sonntagen  nur erlaubt  war,  'Jesus,  Jesus  meek  and  mild'
       (Jesus, Jesus  sanft und  mild) zu  grölen oder  in den Ginpalast
       (Schnapsschenke) zu wandern."
       Diese Vorgänge  mögen wohl  den Anlaß  geben, daß die zahlreichen
       Freidenkervereine Englands  [388] nun  sämtlich aus  ihrer bisher
       mehr zurückhaltenden Stellung zur Nutzanwendung ihrer Forschungen
       vor das Volk treten werden.
       Auch ist  es ein Zeichen der Zeit, daß die Sache der Fenier [162]
       bei der englischen Arbeiterklasse tiefe Sympathien findet, sowohl
       weil sie gegen die Pfaffen gerichtet, als weil sie republikanisch
       ist.
       
       4
       
       [Brief an das "Echo de Verviers" [384]]
       
       ["L'Echo de Verviers" Nr. 43 vom 20. Februar 1866]
       18, Bouverie Street, Fleet Street, London
       An den Redakteur des "Echo de Verviers"
       Monsieur,
       wir rechnen  mit  Ihrem  Gerechtigkeitssinn  und  Ihrem  Wunsche,
       "Wahrheit und  Aufklärung in  der Arbeiterklasse  zu verbreiten",
       wenn wir Sie bitten, nachfolgenden Brief zu veröffentlichen; eine
       Kopie des Briefes wurde an den Bürger V. 1*) gesandt.
       Ihr ergebener
       Jung
       
       Herr V.,
       in Nr.  293 des  "Echo de Verviers" vom 16. Dezember 1865 ist ein
       Artikel erschienen,  der vorgeblich  bezweckt, die  Arbeiter über
       den Geist aufzuklären, von dem die Mitglieder des Zentralrats der
       Internationalen Arbeiterassoziation  erfüllt seien; der Bürger Le
       Lubez, der  ihn dem  Rat vorgelegt  hat (wozu er beauftragt war),
       hat, obwohl  der Artikel anonym erschienen ist, erkannt, daß die-
       ser Ihrer Feder entstammt.
       Der Zentralrat  hat nach Erörterung des Artikels folgende Resolu-
       tion in der Sitzung vom 9. Januar 1866 angenommen:
       -----
       1*) Vésinier
       
       #512# Beilagen
       -----
       "Der Bürger  V. wird aufgefordert, die von ihm vorgebrachten Fak-
       ten zu  begründen; falls  er sich  weigert oder die Beweise nicht
       geben kann,  wird er  aus der Internationalen Arbeiterassoziation
       ausgeschlossen."
       Da sich  Ihr Artikel  gänzlich von  der Wahrheit entfernt, hat es
       der Zentralrat für seine Pflicht gehalten, die Tatsachen in ihrer
       vollen Wahrheit  zu retablieren;  der Zentralrat  ist sich seiner
       Aufgabe und  des ihm  anvertrauten Mandats  bewußt; er wird weder
       Verleumdungen mit  Verleumdungen beantworten,  noch Lügen mit Lü-
       gen; er wird sich nicht zu persönlichen Anschuldigungen erniedri-
       gen, sondern wird es den Beschuldigten selbst überlassen, sich zu
       rechtfertigen; er  wird vor  keinem Hindernis zurückschrecken und
       den falschen  Freunden zum  Trotz keinerlei  Makel und Schande an
       sich haften lassen.
       Besondere Beachtung verdienen die folgenden Passagen:
       
       I
       
       "Bald reichten  alle französischen  und italienischen  Mitglieder
       ihren Rücktritt  ein, der mit der Zugehörigkeit der Herren Tolain
       und Fribourg zum Komitee und mit ihren Intrigen begründet wurde."
       ("L'Echo de Verviers", Nr. 293.)
       
       Von 9 französischen Mitgliedern traten nur zwei zurück - die Her-
       ren Denoual  und Le  Lubez, und  letzterer trat sogar kurz danach
       wieder ein;  was die  Italiener betrifft, so begründete einer von
       ihnen (der  Bürger Wolff) seinen Rücktritt nicht "mit der Zugehö-
       rigkeit der  Herren Tolain und Fribourg zum Komitee und mit ihren
       Intrigen", sondern  mit einer  vom Subkomitee vorgelegten Resolu-
       tion des  Zentralrats bezüglich  des Bürgers  Lefort 1*),  der er
       selber wenige  Stunden zuvor  als Mitglied  des Subkomitees zuge-
       stimmt hatte.
       
       II
       
       "Das Komitee  setzte seine  Tätigkeit bis  zum heutigen Tage ohne
       sie fort." ("L'Echo de Verviers", Nr. 293.)
       
       Von den  beiden zurückgetretenen französischen Mitgliedern kehrte
       der Bürger Le Lubez, ehemals Sekretär für Frankreich, nach kurzer
       Zeit als Delegierter der Sektion von Deptford zurück; das Komitee
       war also nicht lange ohne ihn tätig.
       
       III
       
       "Es" (das  Komitee) "veröffentlichte  ein Manifest und Provisori-
       sche Statuten;  ersteres entstammt  der Feder  eines  bedeutenden
       Publizisten lateinischer  Race usw."  ("L'Echo de  Verviers", Nr.
       293.)
       
       Das Manifest  und die  Statuten wurden vor dem Rücktritt der ita-
       lienischen und  der beiden  französischen  Mitglieder  veröffent-
       licht; das Manifest
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 81-83
       
       #513# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       entstammt der  Feder nicht eines bedeutenden Publizisten lateini-
       scher Race  1*), sondern  eines Schriftstellers teutonischer Race
       2*); das Manifest wurde einstimmig von allen Mitgliedern des Zen-
       tralrats, einschließlich der Franzosen und Italiener, angenommen,
       noch ehe  der Publizist  lateinischer Race  von ihm  Kenntnis er-
       hielt; weit  davon entfernt,  sein Verfasser  zu sein,  hätte er,
       wenn er  es gekannt  hätte, auf Grund der antibourgeoisen Tendenz
       des Manifests  die italienischen  Mitglieder  dagegen  opponieren
       lassen; aber  er kam  zu spät  und konnte letztere nur noch daran
       hindern, das Manifest ins Italienische zu übersetzen. Offensicht-
       lich haben  Sie dieses  Manifest niemals  gelesen, und der bedeu-
       tende Publizist  lateinischer Race  wird Ihnen wenig Dank wissen,
       daß Sie ihm die Vaterschaft dieses Werkes zuschreiben.
       
       IV
       
       "Hat es"  (das Komitee)  "das Ziel verfolgt, das es sich gesteckt
       hatte - die völlige Emanzipation der Arbeiter?
       Nein! Statt  dessen hat  es ein  Jahr kostbare  Zeit verloren, um
       eine Konferenz  einzuberufen und ein Programm des Kongresses aus-
       zuarbeiten, der  in Genf  stattfinden soll usw." ("L'Echo de Ver-
       viers", Nr. 293.)
       Der Zentralrat begann mit seiner Tätigkeit erst Anfang 1865. Also
       vergingen 9  Monate bis zur Konferenz; er benutzte diese 9 Monate
       "kostbarer Zeit",  um internationale  Verbindungen zu knüpfen und
       seine Verbindungen  in England  auszudehnen. Mehrere  Monate hin-
       durch wurden allwöchentlich Abordnungen, die sich aus Mitgliedern
       des Zentralrats zusammensetzten, zu den verschiedenen Arbeiterge-
       sellschaften entsandt,  um diese  zum Anschluß an die Assoziation
       zu veranlassen.  Hier ist  das Resultat: Zum Zeitpunkt der Konfe-
       renz zählte  die Internationale  Arbeiterassoziation  in  England
       14 000 Mitglieder; unter anderen hatten sich solch bedeutende Ge-
       sellschaften angeschlossen,  wie die der Schuhmacher und der Mau-
       rer; die  einflußreichsten und bedeutendsten Männer dieser gewal-
       tigen Arbeiterorganisationen  (Trade-Unions) waren Mitglieder des
       Zentralrats; es  wurde eine  Zeitung gegründet, deren Titel schon
       ("Workman's Advocate")  ihre Aufgabe  anzeigt, eine  Zeitung, die
       stets und überall die Interessen der Arbeiterklasse verteidigt.
       Es wurde  eine Gesellschaft  für das allgemeine Wahlrecht in Eng-
       land (Reformliga)  gegründet, eine Gesellschaft, die Tausende von
       Mitgliedern zählt;  ihr Sekretär  und die Mehrheit der Mitglieder
       ihres Exekutivkomitees wurden aus unserer Mitte gewählt.
       In Frankreich gibt es mehrere tausend Anhänger.
       In Paris gibt es eine starke, aktive und untadelige Leitung einer
       Organisation, die über 2000 Mitglieder zählt; Zweiggesellschaften
       gibt es in Lyon,
       -----
       1*) Giuseppe Mazzini - 2*) Karl Marx
       
       #514# Beilagen
       -----
       Rouen, Nantes,  Caen, Neufchâteau,  Pont-l'Evêque, Pantin, Saint-
       Denis, Lisieux, Puteaux, Belleville usw. usw. usw.
       In der  Schweiz: In  Genf gibt  es eine Leitung, die sich aus den
       besten Kräften zusammensetzt. Sie steht an der Spitze einer Orga-
       nisation, die  500 Mitglieder zählt; Zweiggesellschaften bestehen
       in Lausanne, Vevey, Montreux und im Kanton Neuchâtel.
       In Belgien  formierte sich  die Bewegung unter den besten Vorzei-
       chen; das  Zentralkomitee hatte  allen Grund zu glauben, daß Spa-
       nien nicht zögern würde, Belgien zu folgen.
       
       V
       
       "Nein! Es"  (das Komitee)  "hat zu seiner Konferenz vom September
       1865 nicht einen einzigen Delegierten aus Deutschland eingeladen,
       das so  viele Arbeitervereine  zählt, nicht  einen  einzigen  der
       zahlreichen Gesellschaften  in England,  nicht einen einzigen der
       so gut  organisierten Gesellschaften Italiens und auch nicht eine
       einzige der  in Frankreich  bestehenden Gesellschaften,  denn To-
       lain, Fribourg und Co. sind nicht die Delegierten einer französi-
       schen Arbeitergesellschaft;  sie haben  sich selbst delegiert und
       haben keinerlei  Beweise irgendeines  Mandats geliefert,  mit dem
       man sie  betraut hätte.  Sie sind weit davon entfernt, Delegierte
       der französischen Arbeitergesellschaften zu sein, und so war ihre
       Anwesenheit  die   einzige  Ursache,   die  diese  Gesellschaften
       gehindert hat, Delegierte zu der Londoner Konferenz zu entsenden.
       Wir könnten  mehrere solcher  Gesellschaften nennen, die sich aus
       diesem Grunde  geweigert hatten,  an der  Konferenz  teilzunehmen
       usw. usw." ("L'Echo de Verviers", Nr. 293.)
       
       Prinzipiell konnten  nur die Sektionen der Internationalen Arbei-
       terassoziation und  die Gesellschaften,  die sich zu ihren Grund-
       sätzen bekannt  hatten, auf  der Konferenz  vertreten  sein;  der
       Stand unserer  Finanzen gebot  uns, die  Zahl der Delegierten auf
       ein Minimum zu beschränken.
       Von Deutschland, "das so viele Arbeitervereine zählt", hätten nur
       die von Schulze-Delitzsch gegründeten Konsumgenossenschaften ver-
       treten sein  können und  die lassalleanischen Vereine, der Allge-
       meine Deutsche  Arbeiterverein; die  ersteren waren,  ohne Wissen
       ihrer Mitglieder,  nur ein  Instrument der  liberalen preußischen
       Bourgeoisie, zu  deren Matadoren  Schulze-Delitzsch  gehört;  die
       lassalleanischen Vereine  waren und  sind noch  heute in völliger
       Auflösung; ein  Teil von ihnen hatte sich mit Bismarck verbündet,
       der andere  Teil, solange er sich noch nicht reorganisiert hatte,
       anerkannte die  Leitung J.Ph.  Beckers, des Schweizer Delegierten
       auf der  Konferenz. Während  der Sitzungen  der Konferenz erhielt
       Becker ein Mandat von den Fabrikarbeitern Solingens, und auch die
       deutsche Gesellschaft  in Genf (Deutscher Arbeiterbildungsverein)
       wurde durch  ihn vertreten;  die deutsche  Gesellschaft in London
       (Deutscher Arbeiterbildungsverein) wurde durch ihre eigenen Dele-
       gierten vertreten,  die gleichzeitig  Mitglieder des  Zentralrats
       waren [385].
       Außer den  Hindernissen, denen  die Arbeiter  bei der Bildung von
       Vereinen in  Deutschland begegnen,  hindert sie auch noch die Ge-
       setzgebung,
       
       #515# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       sich ausländischen Gesellschaften anzuschließen; indes wurden ei-
       nige Sektionen der Assoziation in Nord- und Süddeutschland gebil-
       det.
       Ist es  angesichts all  dieser  Schwierigkeiten  außergewöhnlich,
       wenn Deutschland nicht so gut vertreten war, wie das der Zentral-
       rat hätte erwarten können?
       Die englischen  Gesellschaften waren sehr gut vertreten durch die
       englischen Mitglieder des Zentralrats: Odger, sein Präsident, ist
       Sekretär des Trades Council (des obersten Rats aller Trade-Unions
       in England);  Cremer, der Generalsekretär, gehört dem Exekutivko-
       mitee der  Zimmerleute an;  Howell, Sekretär  der Reformliga  und
       Mitglied des  Exekutivkomitees der Maurer; er und Coulson, Sekre-
       tär der  Gesellschaft der  Maurer, sind  beide von  dieser in den
       Zentralrat delegiert  worden; Wheeler,  Geschäftsführer einer Le-
       bensversicherungsgesellschaft auf  Gegenseitigkeit, ist ebenfalls
       Mitglied des Zentralrats.
       Die Schuhmacher  (5500 Mitglieder stark) sind durch Odger, Morgan
       und Cope vertreten, während Shaw die Maler vertritt usw. usw.
       Dem Bürger Wolff, der 1865 dem Kongreß der italienischen Arbeiter
       in Neapel  beiwohnte, und  den anderen  italienischen Mitgliedern
       des Rats,  gelang es jedoch niemals, wenngleich sie sich sehr ak-
       tiv an  der Arbeit  des Zentralrats  beteiligten, in Italien auch
       nur ein Mitglied zu gewinnen; der Zentralrat bedauert es überaus,
       daß die italienischen Mitglieder, selbst vor ihrem Rücktritt, bei
       diesen "so gut organisierten Gesellschaften Italiens" nicht genug
       Vertrauen genossen,  um auch nur eine einzige von ihnen zu veran-
       lassen, sich der Internationalen Assoziation anzuschließen.
       
       "... nicht  einen einzigen  der in Frankreich bestehenden Gesell-
       schaften, denn  Tolain, Fribourg und Co. sind nicht die Delegier-
       ten einer französischen Gesellschaft; sie haben sich selbst dele-
       giert."
       
       Die Mitglieder  der Lyoner  Sektion bedauerten, daß der Mangel an
       Geldmitteln sie  daran hinderte,  Delegierte zu  entsenden,  aber
       ebenso wie  die Mitglieder der Sektionen von Caen und Neufchâteau
       sandten auch  sie ein  Manifest und bekundeten dadurch ihre Teil-
       nahme an der Arbeit des Zentralrats.
       Tolain, Fribourg,  Limousin und  Varlin wurden in allgemeiner Ab-
       stimmung von  der Pariser  Sektion gewählt;  diese Sektion  setzt
       sich aus Arbeitern aller Berufe und aus mehreren hundert Mitglie-
       dern der Assoziation Crédit au Travail 1*) zusammen. Auch Beluze,
       der Leiter dieser Assoziation, gehört dazu; sie alle haben an der
       Wahl der  Delegierten teilgenommen oder konnten daran teilnehmen;
       Limousin, einer  der vier  Pariser Delegierten,  ist Sekretär der
       Leitung der  "Association", des internationalen Organs der Koope-
       rativgesellschaften.
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       1*) Kredit für die Arbeit
       
       #516# Beilagen
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       Herr Clariol  wurde vom  Verband der  Pariser Schriftsetzer dele-
       giert. Auf  Einladung des  Zentralrats kamen aus Paris zur Konfe-
       renz die  Herren Schily,  Du Mesnil-Marigny  und andere, die sich
       sehr aktiv an ihrer Arbeit beteiligten.
       Welche der  anderen Gesellschaften,  von denen Sie sprechen, hin-
       derte die Anwesenheit von Tolain, Fribourg und Co., Delegierte zu
       der Konferenz  zu entsenden? Etwa die Gesellschaft des 10. Dezem-
       ber [386],  die einzige,  die unter  dem gegenwärtigen  Regime in
       Frankreich zugelassen ist?
       Der Bericht  über die Konferenz erschien in allen liberalen Pari-
       ser Zeitungen, ohne eine einzige Beschwerde oder Reklamation sei-
       tens der  Mitglieder der  Internationalen  Assoziation  oder  der
       französischen Kooperativgesellschaften  hervorzurufen;  die  Man-
       date, welche  die Delegierten  erhielten, sind vom Subkomitee des
       Zentralrats überprüft und bestätigt worden.
       Gleich zu  Beginn der Konferenz erstatteten die Pariser Delegier-
       ten einen detaillierten und genauen Bericht über ihre Leitung und
       die Verwaltung  ihrer Finanzen. Zur Bestätigung des Berichts leg-
       ten sie  dem Zentralrat ihre Bücher vor und stellten ihm ihre ge-
       samte Korrespondenz  zur Verfügung.  Der Zentralrat kann die Maß-
       nahmen nur  begrüßen, welche die Pariser Leitung zur Gründung und
       Propaganda der  Internationalen Assoziation in Frankreich mit Er-
       folg unternommen hat.
       
       VI
       
       "Belgien hatte  einen überaus  fähigen Delegierten geschickt, den
       Bürger De Paepe, aber er war der einzige Vertreter dieses Landes,
       das so  viele Gesellschaften  zählt." ("L'Echo  de Verviers", Nr.
       293.)
       
       Es ist  bedauerlich, daß  Belgien nur einen Delegierten geschickt
       hatte und  daß dieser Delegierte gerade der Vertreter mit den we-
       nigsten Wählerstimmen  war; nichtsdestoweniger war dieses Land in
       der Person Cesar De Paepes würdig vertreten.
       
       VII
       
       "Die Schweiz,  oder vielmehr  Genf, hatte  zwei geschickt,  beide
       keine Schweizer, nämlich: einen französischen und einen badischen
       Flüchtling, die  zu der Konferenz mit den beiden obigen sogenann-
       ten französischen  Delegierten angekommen waren; insgesamt also 5
       oder 6 von der gleichen Sorte und nur ein wirklicher und ernst zu
       nehmender Delegierter,  der Vertreter Belgiens." ("L'Echo de Ver-
       viers", Nr. 293.)
       
       Die Delegierten  der Schweiz  wurden in einer allgemeinen Abstim-
       mung gewählt,  und zwar  von allen  Mitgliedern der verschiedenen
       Sektionen der  Internationalen Assoziation  in der  Schweiz,  vom
       Grütlivereint [387],  der nur aus Schweizern besteht, und von der
       deutschen Gesellschaft.
       Der Deutsche Arbeiterbildungsverein nahm durch seine Vertreter in
       den Organisationen der Internationalen Assoziation in der Schweiz
       ebenfalls
       
       #517# Aufzeichnungen und Dokumente
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       an den  Wahlen teil.  Durch die Wahl ihrer Delegierten haben sich
       die Schweizer  Mitglieder der Assoziation einen ehrenvollen Platz
       in der Geschichte der Internationalen Assoziation erworben.
       Die Schweizer Delegierten kamen zur Konferenz nicht "mit den bei-
       den sogenannten  französischen Delegierten", sondern mit den vier
       Pariser Delegierten.
       Der Bürger  Becker, einer der Delegierten der Konferenz, ist seit
       über 20  Jahren naturalisierter Schweizer; ihm wurden die Bürger-
       rechte der  Stadt Biel  verliehen in Anerkennung der Dienste, die
       er der  weltweiten Sache der Demokratie erwiesen hat; er, der Ar-
       beiter, hat  sich auch  als  Agitator,  Soldat,  Organisator  und
       Schriftsteller ausgezeichnet;  seine so vielfachen Talente hat er
       immer für die Sache der Arbeiter eingesetzt; es ist lächerlich zu
       sehen, wie Pygmäen derartige Riesen angreifen, und es steht fest,
       daß über  deren Verdienste nur Männer von anerkannter Redlichkeit
       und Uneigennützigkeit urteilen können.
       
       VIII
       
       "Wir fragen,  kann dieses Resultat befriedigen?" ("L'Echo de Ver-
       viers". Nr. 293.)
       
       Der Zentralrat  besteht fast  ausschließlich aus  Arbeitern;  sie
       sind gewohnt,  Hammer und  Feile zu  handhaben, und es kostet sie
       stets persönliche  Opfer, diese durch die Feder zu ersetzen; wenn
       sie zur  Feder greifen, so immer, um eine edle Sache zu verteidi-
       gen oder  zu propagieren, und nicht, um ihre Dienste dem Bonapar-
       tismus anzubieten.  Und wenn  das Resultat  nicht so befriedigend
       ist, wie  es sich  die Arbeiter im allgemeinen wünschten, so sind
       wir überzeugt,  daß sie  die Nachtarbeit in Rechnung stellen wer-
       den, die nach einem langen Tag ermüdender Arbeit geleistet wurde,
       und die  Qualen, die  ihre Brüder ausstehen mußten, ehe die Sache
       an den
       gegenwärtigen Punkt gelangte.
       
       IX
       
       "Schädlichen Einflüssen  nachgebend, hat  es in  das Programm des
       Genfer Kongresses Punkte aufgenommen, die den Zielen der Assozia-
       tion fremd  sind, wie  z.B. die  Frage der Beseitigung des russi-
       schen Einflusses in Europa." ("L'Echo de Verviers", Nr. 294.)
       
       Welchen schädlichen  Einflüssen also hat der Zentralrat nachgege-
       ben, als  er in  sein Programm schrieb, daß es notwendig sei, den
       moskowitischen (nicht  den russischen, was etwas ganz anderes be-
       deutet) Einfluß  in Europa zu beseitigen? Die Notwendigkeit, "den
       moskowitischen Einfluß  in Europa zu beseitigen", wird im Prinzip
       in unserem  Manifest anerkannt, das gewiß nicht unter schädlichem
       Einfluß veröffentlicht worden ist.
       Welche Fragen  wurden noch auf Grund schädlicher Einflüsse in das
       Programm aufgenommen?
       
       #518# Beilagen
       -----
       X
       
       "Dieser ungeheure  Fehler hat  bereits verhängnisvolle Folgen ge-
       zeitigt: die Polen haben in Masse verlangt, ins Komitee aufgenom-
       men zu  werden und  werden bald darin die große Mehrheit bilden."
       ("L'Echo de Verviers", Nr. 294.)
       
       Die Polen  haben nicht in Masse gefordert, in den Zentralrat auf-
       genommen zu  werden, und  anstatt dann eine große Mehrheit zu be-
       sitzen, bilden sie nicht einmal den zwanzigsten Teil davon.
       Kann man  sich überhaupt  noch mit einem Autoren unterhalten, der
       erklärt, "das Komitee habe ein Programm von zwölf Fragen ausgear-
       beitet und  darüber abstimmen  lassen, Fragen,  die fast allesamt
       die allgemeinsten  Probleme der  politischen Ökonomie  enthalten,
       ohne dabei  aber auch  nur eine wissenschaftliche Frage aufzuwer-
       fen", und der einige Zeilen tiefer im gleichen Atemzuge "die wis-
       senschaftliche Bedeutung" dieser gleichen Fragen anerkennt?
       Der Zentralrat nimmt keinerlei Ausschließlichkeit für sich in An-
       spruch und  ist immer  bestrebt gewesen,  die Erkenntnisse  aller
       aufrichtigen Freunde  der Arbeitersache zu nutzen; er hat mit al-
       len in  seiner Macht  stehenden Mitteln  danach  gestrebt,  seine
       großen Prinzipien zu propagieren und die Arbeiter aller Länder zu
       vereinigen. Zu  diesem Zwecke  sind drei Zeitungen in der Schweiz
       gegründet worden:  das "Journal  de l'Association  Internationale
       des Travailleurs"  und die  "Voix de l'Avenir" [388] in französi-
       scher Sprache,  der "Vorbote" in deutscher Sprache und in England
       der "Workman's  Advocate", die einzige englische Zeitung, die un-
       ter Anwendung  des Selbstbestimmungsrechts  der Völker anerkennt,
       daß die Iren das Recht haben, das englische Joch abzuschütteln.
       Der Zentralrat  kann nicht  Richter über seine eigenen Handlungen
       sein. Der  Genfer Kongreß  wird entscheiden,  ob der Rat des Ver-
       trauens würdig ist, mit dem er beehrt wurde, oder ob er das erha-
       bene Ziel, das ihm gesteckt wurde, leichtfertig preisgegeben hat.
       Ich verbleibe, Monsieur, Ihr sehr ergebener
       H. Jung
       Im Namen des Zentralrats der
       Internationalen Arbeiterassoziation
       15. Februar 1866
       
       Aus dem Französischen.
       
       #519# Aufzeichnungen und Dokumente
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       5
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über die Beziehungen
       Mazzinis zur Internationalen Arbeiterassoziation [389]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Zentralrats vom 13. März 1866]
       Bürger Marx befaßte sich in seiner Rede mit dem Verfahren auf der
       letzten Sitzung.  Er sagte,  die Erklärung Major Wolffs, daß Maz-
       zini unsere Statuten verfaßt habe, entspreche nicht der Wahrheit.
       Er selbst,  Marx, habe  sie geschrieben,  nachdem im Komitee ver-
       schiedene Entwürfe, unter anderem auch der von Wolff [390], erör-
       tert worden  seien. Die  Entwürfe hätten  sich  in  zwei  Punkten
       grundlegend voneinander unterschieden. Er, Marx, habe von der Un-
       terdrückung der  Arbeit durch  das Kapital gesprochen. Wolff habe
       sich für  Zentralisation ausgesprochen, unter Arbeiterassoziatio-
       nen aber  nur Gesellschaften  der gegenseitigen Hilfe verstanden.
       Mazzinis Statuten seien zur Zeit der Konferenz in Neapel gedruckt
       worden.
       Mazzini könne  Marx' Adresse  schwerlich gesehen haben, bevor sie
       gedruckt worden  sei, da sie sich in der Tasche von Marx befunden
       habe, es  sei denn,  Mazzini habe sie gesehen, nachdem sie in die
       Hände von  Le Lubez gelangt sei und ehe sie an den "Bee-Hive" ge-
       geben wurde.
       Ferner habe Mazzini nach Brüssel an Fontaine einen Brief gesandt,
       welcher für  die belgischen  Gesellschaften bestimmt  gewesen sei
       und in  dem er  sie vor  Marx' sozialistischen  Ansichten gewarnt
       habe; das habe De Paepe auf der Konferenz berichtet [391].
       Major Wolff  sei nicht Mitglied des Rats. Er hätte den Rat brief-
       lich informieren  müssen, daß  er beabsichtige,  seine Beschwerde
       vorzutragen. Marx  protestierte in  seinem Namen und im Namen der
       anderen Sekretäre  für den  Kontinent gegen  das Verfahren in der
       letzten Sitzung  und bat,  dies im Protokoll zu vermerken, da die
       Frage vielleicht  auf dem  Genfer Kongreß  zur  Sprache  gebracht
       werde.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       #520# Beilagen
       -----
       6
       
       [Statuten und Reglement der Internationalen
       Arbeiterassoziation [392]]
       
       Statuten der Internationalen Arbeiterassoziation,
       angenommen auf der Sitzung des Genfer Kongresses
       vom 5. September 1866
       
       In Erwägung,
       daß die  Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse
       selbst erobert werden muß; daß der Kampf für die Emanzipation der
       Arbeiterklasse kein  Kampf für neue Klassenvorrechte ist, sondern
       für gleiche  Rechte und  Pflichten und  für die Vernichtung aller
       Klassenherrschaft;
       daß die ökonomische Unterwerfung des Arbeiters unter den Aneigner
       der Arbeitsmittel,  d.h. der  Lebensquellen, der  Knechtschaft in
       allen ihren Formen zugrunde liegt - dem gesellschaftlichen Elend,
       der geistigen Verkümmerung und der politischen Abhängigkeit;
       daß die  ökonomische Emanzipation  der Arbeiterklasse  daher  der
       große Endzweck ist, dem jede politische Bewegung, als Mittel, un-
       terzuordnen ist;
       daß alle  Versuche in dieser Richtung bisher gescheitert sind aus
       Mangel an  Einigung unter  den mannigfachen  Arbeitszweigen jedes
       Landes und an der Abwesenheit eines brüderlichen Bundes unter den
       Arbeiterklassen der verschiedenen Länder;
       daß die  Emanzipation der  Arbeiter weder  eine lokale, noch eine
       nationale, sondern  eine soziale  Aufgabe ist, welche alle Länder
       umfaßt, in  denen die moderne Gesellschaft besteht, und deren Lö-
       sung vom praktischen und theoretischen Zusammenwirken dieser Län-
       der abhängt;
       daß die  gegenwärtig sich  erneuernde Bewegung der Arbeiterklasse
       in den industriellsten Ländern Europas, während sie neue Hoffnun-
       gen wachruft,  zugleich feierliche  Warnung erteilt  gegen  einen
       Rückfall in die alten Irrtümer und zur sofortigen Zusammenfassung
       der noch zusammenhangslosen Bewegungen drängt;
       aus diesen Gründen
       erklärt der vom 3. bis 8. September 1866 in Genf versammelte Kon-
       greß, daß  diese Assoziation  und alle Gesellschaften und Indivi-
       duen, die sich ihr anschließen, Wahrheit, Gerechtigkeit und Sitt-
       lichkeit anerkennen  als die Regel ihres Verhaltens zu allen Men-
       schen, ohne Rücksicht auf Farbe, Glauben oder Nationalität.
       
       #521# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Der Kongreß  erachtet es  als Pflicht,  die Rechte eines Menschen
       und Bürgers  für alle  zu fordern.  Keine Rechte  ohne Pflichten,
       keine Pflichten ohne Rechte.
       Und m  diesem Geist hat der Kongreß nachfolgende Statuten der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation definitiv angenommen:
       Art. I.  Die Assoziation ist gegründet zur Herstellung eines Mit-
       telpunktes der Verbindung und des Zusammenwirkens für die in ver-
       schiedenen  Ländern  bestehenden  Arbeitergesellschaften,  welche
       dasselbe Ziel  verfolgen, nämlich:  den gegenseitigen Schutz, den
       Fortschritt und die vollständige Emanzipation der Arbeiterklasse.
       Art. II.  Der Name dieser Gesellschaft ist: Internationale Arbei-
       terassoziation.
       Art. III.  Der Generalrat  wird gebildet aus Arbeitern, angehörig
       den verschiedenen,  in der  Internationalen Assoziation repräsen-
       tierten Ländern.  Er besetzt  aus seiner Mitte die zur Geschäfts-
       führung nötigen  Stellen, wie  die des Präsidenten, Generalsekre-
       tärs, Schatzmeisters und der Sekretäre für die verschiedenen Län-
       der.
       Der Kongreß  bestimmt jährlich Zeit und Ort für die Zusammenkunft
       des nächsten  Kongresses, bestimmt  den Sitz  des Generalrats und
       wählt dessen Mitglieder. Der Generalrat ist ermächtigt, sich neue
       Mitglieder beizufügen.
       Die Abgeordneten  versammeln sich  zu der  vom Kongreß bestimmten
       Zeit und Stelle, ohne daß dazu eine besondere Einladung erheischt
       wäre. Der  Generalrat kann  im Vorfall  den Ort der Zusammenkunft
       verlegen, aber nicht ihren Zeitpunkt aufschieben.
       Art. IV. Auf seinen jährlichen Zusammenkünften erhält der Kongreß
       einen öffentlichen Bericht über die Jahresarbeit des Generalrats.
       Letzterer kann  in dringenden  Fällen den Kongreß vor dem festge-
       setzten Termin berufen.
       Art. V.  Der Generalrat  wirkt als Agentur zwischen den verschie-
       denen Assoziationen, so daß die Arbeiter eines Landes fortwährend
       unterrichtet bleiben  über die  Bewegungen ihrer  Klasse in allen
       anderen Ländern;  daß eine Untersuchung über den sozialen Zustand
       gleichzeitig und  unter gemeinsamer Leitung stattfindet; daß Fra-
       gen von  allgemeinem Interesse,  angeregt von einer Gesellschaft,
       von allen ändern aufgenommen werden und daß sich die Assoziation,
       wenn praktische Vorschläge oder internationale Zwiste ihre Einmi-
       schung erfordern,  gleichförmig betätigen kann. Bei jeder passen-
       den Gelegenheit  ergreift der  Generalrat die  Initiative der den
       verschiedenen nationalen  oder lokalen  Gesellschaften zu  unter-
       breitenden Vorlagen.
       Zur Erleichterung  seines Verkehrs  mit  den  Zweiggesellschaften
       gibt der Generalrat ein Bulletin heraus.
       Art. VI.  Da der  Erfolg der  Arbeiterbewegung in jedem Lande nur
       gesichert werden  kann durch  die Macht der Einigung und Kombina-
       tion,
       
       #522# Beilagen
       -----
       während andrerseits  die Wirksamkeit des Generalrats um so größer
       sein wird,  je weniger  er seine Aktionen zersplittert, so sollen
       die Mitglieder  der Internationalen  Assoziation alle ihre Kräfte
       aufbieten zur  Vereinigung der  lokalen Gesellschaften  ihrer be-
       treffenden Länder  in nationale  Körper, repräsentiert durch Zen-
       tralräte. Es  versteht sich  von selbst, daß die Anwendung dieses
       Artikels von den Sondergesetzen jedes Landes abhängt und daß, ab-
       gesehen von  gesetzlichen Hindernissen, keine lokale Gesellschaft
       von direkter Korrespondenz mit dem Generalrat ausgeschlossen ist.
       
       Reglement 1*)
       1. Der Generalrat  ist gehalten,  die Kongreßbeschlüsse auszufüh-
       ren.
       a) Zu diesem  Behufe sammelt  er die ihm von den Zentralräten der
       verschiedenen Länder  übersandten und auf ändern Wegen ihm zukom-
       menden Materialien.
       b) Er ist beauftragt mit der Organisierung der Kongresse und soll
       den Zweiggesellschaften  vermittelst der Zentralräte das Kongreß-
       programm mitteilen.
       2. Sooft seine  Mittel es erlauben, wird der Generalrat einen Be-
       richt veröffentlichen, der sich über alles erstreckt, was von In-
       teresse für  die Internationale  Arbeiterassoziation ist.  Dieser
       Bericht wird  sich hauptsächlich befassen mit Nachfrage und Ange-
       bot von  Arbeit, mit  kooperativen Gesellschaften  sowie mit  der
       Lage der Arbeiterklasse in allen Ländern usw.
       3. Der Bericht wird in verschiedenen Sprachen aufgesetzt und gra-
       tis an  alle mit  dem Generalrat korrespondierenden Komitees ver-
       sandt, welche jeder ihrer Sektionen ein Exemplar davon vermachen.
       4. Um dem Generalrat die Ausführung dieser Beschlüsse zu ermögli-
       chen, wird  für das  Jahr 1866/1867 ausnahmsweise ein Beitrag von
       30 Centimes (3 Pence) von jedem Mitgliede der Internationalen Ar-
       beiterassoziation erhoben.
       Diese Beiträge  sind hauptsächlich bestimmt zur Deckung der zahl-
       reichen Kosten  des Generalrats,  wie z.B.  für die Besoldung des
       Generalsekretärs, Druckschriften,  Korrespondenz,  Publikationen,
       Veranstaltungen und andere Vorbereitungen für Kongresse usw.
       5. Überall, wo  es die  Umstände erlauben, werden Zentralräte ge-
       bildet. Die  Funktionäre derselben,  welche von  den betreffenden
       Sektionen gewählt werden und jederzeit durch sie abberufen werden
       können, schicken  ihre Berichte  dem Generalrat mindestens monat-
       lich einmal und wenn nötig noch öfters.
       6. Die Kosten  der Zentralräte werden von verschiedenen mit ihnen
       verbundenen Zweiggesellschaften gedeckt.
       -----
       1*) Im Original: Règlements spéciaux
       
       #523# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       7. Die mit  dem Generalrat in Korrespondenz stehenden Zentralräte
       sowie der  Generalrat sind  nur dann  verpflichtet, den Kredit zu
       garantieren, der  den Mitgliedern  der Assoziation von ihren Sek-
       tionen ausgestellt  wird, wenn ihr Mitgliedsbüchlein vom Sekretär
       derjenigen Sektion,  welcher  der  Überbringer  angehört,  unter-
       schrieben ist.
       Im Falle  die Sektion, in welcher der Überbringer von seinem Kre-
       dit Gebrauch  machen will,  nicht über die Mittel verfügt, so ist
       sie berechtigt,  auf das Büro oder die Sektion, welche den Kredit
       ausgestellt haben, einen Wechsel auf Sicht zu ziehen.
       8. Die Zentralräte und Sektionen müssen jedem Mitgliede der Asso-
       ziation, auf  sein Verlangen,  Einsicht in die Berichte des Gene-
       ralrats unentgeltlich gestatten.
       9. Jede Sektion,  welches immer  die Zahl  ihrer Mitglieder, kann
       einen Delegierten  zum Kongreß senden. Ist eine Zweiggesellschaft
       außerstande, einen  Delegierten zu senden, so kann sie sich wegen
       Ernennung eines  gemeinsamen Delegierten mit ändern Zweigen eini-
       gen.
       10. Die Unkosten  der Delegierten  werden bestritten  von den sie
       ernennenden Zweiggesellschaften oder Gruppen.
       11. Jedes Mitglied  der Internationalen  Arbeiterassoziation  ist
       stimmfähig und wählbar.
       12. Jede Zweiggesellschaft  oder Gruppe von mehr als 500 Mitglie-
       dern kann  für je 500 zuschüssige Mitglieder einen weiteren Dele-
       gierten ernennen.
       13. Jeder Delegierte hat nur eine Stimme auf dem Kongreß.
       14. Jede Sektion  hat das Recht, sich ihr Reglement und ihre Sta-
       tuten je  nach den  Lokalumständen und  Landesgesetzen zu  geben.
       Dieselben dürfen  jedoch nichts  den Allgemeinen Statuten und dem
       Allgemeinen Reglement Widersprechendes enthalten.
       15. Die gegenwärtigen Statuten und das Reglement können durch je-
       den Kongreß abgeändert werden, sobald zwei Drittel der anwesenden
       Delegierten sich dafür erklären.
       Nach der Handschrift von
       Karl Marx und Paul Lafargue.
       
       Aus dem Französischen.
       
       #524# Beilagen
       -----
       7
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx auf dem Stiftungsfest
       des Deutschen Bildungsvereins für Arbeiter in London
       am 28. Februar 1867 [393]]
       
       ["Der Vorbote" Nr. 3. März 1867]
       Karl Marx sprach über die Lohnarbeit und das Kapital und wies mit
       großer Klarheit  nach, wie  die Arbeiter das Kapital verschaffen,
       wie sie  durch das  Produkt ihrer eigenen Arbeit in der Sklaverei
       erhalten wurden  und wie  das Kapital  fortwährend benutzt werde,
       ihre Ketten  fester zu  schmieden. Der  sogenannte freie Arbeiter
       habe wohl das Bewußtsein, freier Arbeiter zu sein, aber er sei um
       so mehr  in der  Gewalt der  Kapitalmacht, als  er gezwungen sei,
       seine Arbeit für einen elenden Lohn zu verkaufen, um die allernö-
       tigsten Lebensbedürfnisse  dafür zu  erhalten. Der freie Arbeiter
       stehe materiell  in den  meisten Fällen unter dem Sklaven und dem
       Leibeigenen. Die Arbeiterklasse brauche nicht das persönliche Ei-
       gentum abzuschaffen, das sei längst abgeschafft und werde tagtäg-
       lich abgeschafft,  was jedoch  abgeschafft werden  müsse, sei das
       bürgerliche Eigentum, welches doch nur auf Betrug gegründet sei.
       In betreff  der sozialen  Verhältnisse  in  Deutschland  bemerkte
       Marx, daß das deutsche Proletariat noch am ersten fähig sei, eine
       Radikalkur siegreich durchzuführen. Erstens hätten sich die Deut-
       schen am  meisten von  allem religiösen  Unsinn befreit; zweitens
       brauchten sie  nicht die  langwierige bürgerliche Bewegung durch-
       zumachen wie  die Arbeiter anderer Länder, und drittens werde sie
       ihre geographische  Lage zwingen,  dem östlichen  Barbarismus den
       Krieg zu  erklären, denn  von dort aus, von Asien, sei alle Reak-
       tion gegen den Westen ausgegangen. Dadurch werde die Arbeiterpar-
       tei auf  den revolutionären  Boden hingedrängt,  auf welchem  sie
       handeln müsse, um sich gänzlich zu befreien.
       
       #525# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       8
       
       Aufruf des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation
       an die Sektionen, mitgenossischen Gesellschaften und alle
       Arbeiter [394]
       
       Proletarier!
       Laut den  Korrespondenzen, welche  wir erhalten, ersehen wir, daß
       die Mitglieder der Assoziation fortfahren, die Grundsätze zu ver-
       breiten und  die Zahl  der Zweige  der Internationalen  Genossen-
       schaft zu vermehren. Diese Leistung ist namentlich in der Schweiz
       erheblich, wo die Mehrzahl unserer Zweige eifrig beschäftigt ist,
       Arbeitergesellschaften jeder  Art zu errichten und sie mit uns in
       Verbindung zu setzen.
       Belgien macht  seit der Niedermetzelung der Marchiennen [395] die
       anerkennungswertesten Anstrengungen,  alle Proletarier  unter un-
       sern Schutz und Schirm zu bringen.
       Doch in  den ändern  Ländern haben  verschiedene Ursachen  solche
       Propaganda gehemmt:
       Deutschland, welches  vor 1848 so tiefes Interesse an den Studien
       der sozialen  Frage genommen hatte, sieht seine Kräfte fast gänz-
       lich durch  die Einheitsbewegung,  welche sich  in seinem  Innern
       vollzieht, in Anspruch genommen.
       In Frankreich  hat sich bei der geringen Freiheit, welche die Ar-
       beiterklasse genießt,  die Verallgemeinerung  der Grundsätze  und
       die Ausdehnung  unserer  Assoziation  lange  nicht  in  dem  Maße
       vollzogen, als  es sonst zu erwarten gewesen wäre; denn wir durf-
       ten glauben, daß die Beihülfe, welche den französischen Arbeiter-
       gesellschaften durch unsere Vermittlung von den englischen Arbei-
       tergesellschaften, bei  den Greven 1*) jener [396], zuteil wurde,
       alle französischen  Arbeiter für uns gewonnen haben würde. Jetzt,
       wo in  Frankreich der Kampf zwischen der Kapitalisten- und Arbei-
       terklasse in die Phase, welche wir die "englische" nennen, getre-
       ten, d.h.  einen klar  gezeichneten Charakter angenommen, dürften
       die Arbeiter  bald begreifen, daß, um mit Erfolg gegen die Gewalt
       der Kapitalisten  zu ringen, ein mächtiger Bund, der alle Glieder
       der Arbeitergemeinschaft in sich vereinigt, notwendig ist.
       England, das mit der Wahlreform beschäftigt war, hatte die ökono-
       mische Bewegung  für einen  Augenblick beiseite  gelassen.  Jetzt
       aber, wo  die Reformfrage  einstweilen erledigt,  durch die ange-
       stellten Untersuchungen  der Gewerksverbände [397] sich die Macht
       der Arbeiterklasse bestätigt und zum Bewußtsein gelangt, gedenken
       wir, daß die Stunde gekommen,
       -----
       1*) Streiks
       
       #526# Beilagen
       -----
       wo die  Arbeitergesellschaften die  Nützlichkeit unserer Assozia-
       tion begreifen. Schon bei oft wiederholten Anlässen wurde auf den
       Arbeiterdelegierten-Versammlungen der  Wert  unserer  Assoziation
       richtig erkannt  und haben sich bereits zahlreiche Gesellschaften
       in unserem Schöße gebildet. England ist vermöge der mächtigen Or-
       ganisation der  Arbeiterklasse ganz  dazu berufen,  eine  unserer
       festesten Stützen zu sein.
       Die Vereinigten  Staaten Amerikas  scheinen  durch  den  blutigen
       Krieg, welchen  sie durchgemacht,  eine neue  Jugend empfangen zu
       haben: die  Arbeiterklasse hat sich schon zentralisiert und, ihre
       Tätigkeit auf  die dort  geltende  Bourgeoisherrschaft  ausübend,
       mehrere Staatsgesetzgebungen gezwungen, das Achtstundengesetz an-
       zunehmen. Bei  Gelegenheit der Wahl des künftigen Präsidenten sa-
       hen sich  die verschiedenen  politischen Parteien  genötigt,  ihr
       Glaubensbekenntnis abzulegen;  die radikale  Partei hat durch den
       Mund Wades  die Notwendigkeit  anerkannt, sich ganz besonders mit
       der Frage  der Arbeit und des Kapitals zu befassen, und sich auf-
       richtig für die Umgestaltung des Kapital- und Grundeigentums aus-
       gesprochen. Da die Arbeiterklasse in diesem Lande eine erhebliche
       Kraft der  Organisation besitzt,  so ist sie auch befähigt, ihren
       Willen zur Geltung zu bringen.
       Zur Stunde  ist in  allen zivilisierten  Ländern die Erhebung der
       Arbeiterklasse in  gutem Gange  und ist vornehmlich dort, wo, wie
       in Amerika und England, die Industrie am fortgeschrittensten, die
       Organisation der  Arbeiterklasse die  festgeschlossenste und  der
       Kampf mit der Bourgeoisie der hartnäckigste.
       Gegenüber der  Kapitalkraft ist  die  individuelle  Menschenkraft
       verschwunden und  ist der Arbeiter in den Manufakturen nicht mehr
       als wie ein Räderwerk der Maschine. Für die Wiedergewinnung ihrer
       Individualität mußten  die Arbeiter sich vereinigen und Genossen-
       schaften bilden  zur Verteidigung  ihres Lohnes und ihres Lebens.
       Bis jetzt  blieben diese  Assoziationen mehr  lokaler Art; allein
       das Kapital  sieht vermöge  neuer industrieller Erfindungen seine
       Kraft täglich  wachsen, wodurch  eine große Anzahl der nationalen
       Genossenschaften in eine ohnmächtige Lage geraten; die Kämpfe der
       englischen Arbeiterklasse studierend gewahrt man, wie die Fabrik-
       herrn, um  ihren Arbeitern zu widerstehen, sowohl fremde Arbeiter
       kommen, als  auch die  Waren dort  anfertigen ließen,  wo die Ar-
       beitslöhne billiger stehen. Gegenüber dieser Sachlage muß die Ar-
       beiterklasse, wenn  sie ihren  Kampf mit einiger Aussicht auf Er-
       folg fortsetzen  will, ihre  nationalen Assoziationen in interna-
       tionale umgestalten.
       Mögen alle  Arbeiter diesen  neuen Standpunkt  der Frage mit Auf-
       merksamkeit betrachten und einsehen, daß, wenn sie sich unter un-
       serer Fahne  sammeln, sie ihr Brot und das ihrer Kinder verteidi-
       gen.
       Wir, Generalrat,  appellieren an alle, damit der nächste Kongreß,
       welcher am  2. September 1867 in Lausanne stattfindet, zur glanz-
       vollen Kundgebung der Arbeiterklasse werde.
       
       #527# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       (In dem  auf dem  ersten Kongreß  angenommenen Reglement heißt es
       Art. 9:  Jede Sektion,  ob groß  oder klein, hat das Recht, einen
       Delegierten auf  den Kongreß  zu schicken. Ist eine Sektion nicht
       imstande, einen  Delegierten zu  schicken, so soll sie mit ändern
       Sektionen eine  Gruppe bilden,  welche als denn einen Delegierten
       ernennt. Art.  12: Jede  Sektion oder Gruppe, welche mehr als 500
       Mitglieder zählt,  hat für jedes weitere 500 je einen Delegierten
       zu ernennen. [398])
       Die Kongreßfragen sind:
       1. Welches sind die praktischen Mittel, um die Internationale Ar-
       beiterassoziation zu  befähigen, der  Arbeiterklasse  (männlichen
       und weiblichen  Geschlechts) einen  gemeinsamen  Mittelpunkt  der
       Handlung im Befreiungskampfe vom Kapitaljoche zu bieten?
       2. Wie können  die Arbeiterklassen  den Kredit,  welchen sie  der
       Bourgeoisie und  den Regierungen verleihen, zu ihrer Emanzipation
       benutzen?
       London, im Juli
       Mit brüderlichem Gruß:
       Die korrespondierenden Sekretäre:
       E. Dupont, für Frankreich;
       K. Marx, für Deutschland;
       Zabicki, für Polen;
       H. Jung, für die Schweiz;
       P. Fox, für Amerika;
       Besson, für Belgien;
       Carter, für Italien;
       P. Lafargue, für Spanien;
       Hansen, für Holland und Dänemark
         G. Odger, Präsident
         G. Eccarius, Vizepräsident
         W. Dell, Tresorier
         Shaw, Sekretär-Tresorier
         Peter Fox, Generalsekretär
       16, Castle-Street, Oxford Street
       Nach dem Flugblatt in deutscher Sprache.
       
       #528# Beilagen
       -----
       9
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
       über die Statistik des neuen Blaubuchs [399]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 23. Juli 1867]
       Bürger Marx  lenkte die Aufmerksamkeit des Rats auf ein parlamen-
       tarisches Blaubuch - "Reports by Her Majesty's Secretaries of em-
       bassy and  legation on the manufactures and commerce of the coun-
       tries in which they reside", 1867 - und zitierte daraus folgenden
       Auszug:
       
       "In den ersten elf Monaten von 1864 importierte Belgien 7200 Ton-
       nen unbearbeitetes  Gußeisen, davon  5300 Tonnen  aus Großbritan-
       nien. Im entsprechenden Zeitraum von 1865 stieg dieser Import auf
       18 800 Tonnen, davon kamen 17 000 Tonnen aus Großbritannien; 1866
       stieg der Import auf 29 590 Tonnen, wovon 26 200 Tonnen aus Groß-
       britannien. Andererseits  betrug der  belgische Gußeisenexport in
       den ersten elf Monaten von 1864  24 400 Tonnen, wovon 17 200 Ton-
       nen nach  Frankreich und 5900 Tonnen nach England gingen, während
       der Export  im entsprechenden  Zeitraum von  1866 nicht  mehr als
       14 000 Tonnen  betrug; davon  wurden 9600  Tonnen nach Frankreich
       und nur  241 Tonnen  nach Großbritannien  exportiert. Die Exporte
       belgischer Schienen fielen ebenfalls von 75 353 Tonnen in den er-
       sten elf Monaten von 1864 auf 62 734 Tonnen im Jahre 1866.
       Es folgt eine Tabelle mit genauen Angaben über den belgischen Im-
       port von Eisen und Stahl aller Sorten aus Großbritannien und über
       den belgischen  Export von Eisen und Stahl nach Großbritannien in
       den ersten  elf Monaten  von 1866 im Vergleich zum entsprechenden
       Zeitraum von 1864.
       
       Belgische Importe aus Großbritannien
       
                                                  Die ersten elf Monate
                                                     1866         1864
                                                  in Tonnen    in Tonnen
       
       Erz- und Feilspäne                                 0           1
       Roh-, Guß- und Alteisen                       26 211       5 296
       Bearbeitetes Eisen (Nägel, Draht etc.)         1 031       1 777
       Gußwaren                                          41          24
       Schmiedeeisen                                    255         203
       Stahlbarren, -platten und -draht               3 219       1 227
       Schmiedestahl                                    522           0
                                                     ------------------
                                    Insgesamt        31 289       8 528
       
       #529# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Belgische Exporte nach Großbritannien
       
                                                  Die ersten elf Monate
                                                     1866         1864
                                                  in Tonnen    in Tonnen
       
       Erz- und Feilspäne                             1 768       5 555
       Roh-, Guß- und Alteisen                          241       5 920
       Bearbeitetes Eisen (Nägel, Draht etc.)         6 727       9 436
       Gußwaren                                           5           7
       Schmiedeeisen                                     12           0
       Stahlbarren, -platten und -draht                  50          56
       Schmiedestahl                                     16           5
                                                       ----------------
                                       Insgesamt      8 819      20 979
       
       So kann als Ergebnis kurz festgestellt werden:
       Belgien exportierte 1864 (in den ersten elf Monaten) nach England
       20 979 Tonnen  Eisen und Stahl, 1866 jedoch nur 8819 Tonnen, wäh-
       rend der  britische Export  von Eisen  und Stahl nach Belgien von
       8528 Tonnen im Jahre 1864 auf 31 289 Tonnen im Jahre 1866 stieg."
       Marx erinnerte daran, daß sich im vergangenen Jahr einige bürger-
       liche Zeitungen  über die  verderblichen Folgen  der Existenz von
       Trade-Unions ereiferten  und behaupteten,  daß durch deren Tätig-
       keit die  englische Eisenindustrie  ihre Positionen  verliere und
       von der  belgischen Eisenindustrie  verdrängt werde. Keine dieser
       Zeitungen, die  diesen Lärm  erhoben hatten,  habe das Erscheinen
       dieses Blaubuches  mitgeteilt, geschweige denn über dessen Inhalt
       berichtet.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       10
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über die Stellung der
       Internationalen Arbeiterassoziation zum Kongreß der Friedens-
       und Freiheitsliga [400]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
       vom 13. August 1867]
       Bürger Marx  lenkte die  Aufmerksamkeit auf  den Friedenskongreß,
       der in  Genf stattfinden soll. Er halte es für wünschenswert, daß
       soviel Delegierte  wie möglich als Privatpersonen am Friedenskon-
       greß teilnähmen; es wäre
       
       #530# Beilagen
       -----
       jedoch unklug,  offiziell als Vertreter der Internationalen Asso-
       ziation daran  teilzunehmen. Der  Kongreß der Internationalen Ar-
       beiterassoziation sei  an sich  schon ein Friedenskongreß, da die
       Vereinigung der  Arbeiterklasse der verschiedenen Länder interna-
       tionale Kriege schließlich unmöglich machen müsse. Hätten die In-
       itiatoren des  Genfer Friedenskongresses  den Kern  dieser  Frage
       wirklich verstanden,  dann wären sie der Internationalen Assozia-
       tion beigetreten.
       Die jetzige Verstärkung der großen Armeen in Europa sei durch die
       Revolution von 1848 hervorgerufen; große stehende Heere seien das
       zwangsläufige Ergebnis  des gegenwärtigen  Zustands  der  Gesell-
       schaft. Sie würden nicht unterhalten, um internationale Kriege zu
       führen, sondern  um die Arbeiterklasse niederzuhalten. [401] Aber
       nicht immer  gäbe es Barrikaden, die man bombardieren, und Arbei-
       ter, die man erschießen könne; dann bestünde die Möglichkeit, in-
       ternationale Konflikte  vom Zaune  zu brechen, damit die Soldaten
       nicht aus  der Übung kommen. Die Verfechter eines Friedens um je-
       den Preis  seien auf  dem Kongreß zweifellos in der Mehrzahl. Sie
       ließen gern Rußland allein im Besitz der Mittel zur Führung eines
       Krieges gegen  das übrige  Europa; indes  wäre schon die Existenz
       einer solchen Macht wie Rußland für alle anderen Länder Anlaß ge-
       nug, ihre Armeen bestehen zu lassen.
       Es sei  mehr als wahrscheinlich, daß einige französische Radikale
       die Gelegenheit  benützten, um  deklamatorische Reden  gegen ihre
       eigene Regierung  zu halten, doch diese Reden hätten eine größere
       Wirkung, wenn sie In Paris gehalten würden.
       Wer es  ablehne, mitzuwirken an einer Veränderung der Beziehungen
       zwischen Arbeit und Kapital, lasse die wirklichen Voraussetzungen
       für einen allgemeinen Frieden außer acht.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       11
       
       Bericht des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation
       an den Lausanner Kongreß 1867 [402]
       
       I. Vom Genfer Kongreß (September 1866) gestellte Aufgaben
       
       Der Genfer  Kongreß stellte dem Generalrat die folgenden Aufgaben
       [403]:
       
       1. Der Kongreß  ermächtigte durch  eine Resolution die englischen
       Delegierten,  über   die  Postdirektoren   in  der   Schweiz,  in
       Frankreich und in England die notwendigen
       
       #531# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Schritte zu  unternehmen, um  eine Herabsetzung  der Gebühren für
       die Beförderung von Briefen und Drucksachen zu erreichen.
       
       Der Schweizer  Minister stimmte  mit der  Delegation in allen von
       ihr vorgeschlagenen  Punkten überein,  wies aber  darauf hin, daß
       die französische  Regierung jede Reform in dieser Hinsicht behin-
       dere.
       In Frankreich  konnten die Delegierten keine Audienz beim Postdi-
       rektor erlangen.
       In England  erklärte sich  die Regierung  nur bereit,  eine Denk-
       schrift entgegenzunehmen,  in welcher  die Tatbestände  dargelegt
       sind. Die  Denkschrift wurde  vom Generalrat verfaßt, der nun auf
       eine Antwort wartet,
       
       2. Die Veröffentlichung  der Kongreßmaterialien in mehreren Spra-
       chen samt Briefen und Berichten.
       3. Die Publikation  eines periodischen Bulletins in verschiedenen
       Sprachen, das  alles enthält,  was die Internationale Assoziation
       interessieren könnte;  Gewährung jeder Art von Informationen über
       die Arbeit  in den einzelnen Ländern und Zusammenstellung von Be-
       richten über  die Kooperativgesellschaften  und über  die soziale
       Lage der Arbeiter.
       4. Der Generalrat  wurde auch aufgefordert, eine statistische Un-
       tersuchung der  Lage der Arbeiter durchzuführen, die detaillierte
       und spezielle  Berichte über  jeden Zweig  der Industrie  und der
       Landwirtschaft enthalten  und alle  zivilisierten Länder umfassen
       sollte.
       
       Um den  Rat in die Lage zu versetzen, seine Aufgaben zu erfüllen,
       setzte der  Kongreß einen  jährlichen Beitrag  von 30 Centimes je
       Mitglied fest sowie eine Vergütung von wöchentlich 2 Pfd. St. für
       den Generalsekretär;  die Wahl des letzteren wurde dem Generalrat
       überlassen.
       Als nach  der Rückkehr  der Delegierten der Rat mit seiner Arbeit
       begann, erhielt er die Nachricht, daß Polizeiagenten an der fran-
       zösischen Grenze  bei Jules  Gottraux mehrere  wichtige Dokumente
       beschlagnahmt hatten.
       Der Generalsekretär  wurde aufgefordert, an den Innenminister von
       Frankreich zu  schreiben, um  die Herausgabe  der genannten Doku-
       mente zu erreichen. Da dieser Brief ohne Antwort blieb, wurde ein
       Gesuch an  den englischen  Außenminister gerichtet;  Lord Stanley
       wies Lord  Cowley, den  englischen Botschafter in Paris, entspre-
       chend an, die Herausgabe der Dokumente zu erwirken.
       Nach wenigen  Tagen schon  wurden uns diese Dokumente nebst einem
       Paket mit  Nummern der "Tribüne du Peuple" zurückerstattet, einem
       Paket, das  offensichtlich bei einer anderen Person beschlagnahmt
       worden war.
       Dieser Zwischenfall  verzögerte die Veröffentlichung der Kongreß-
       materialien durch den Rat um mehrere Monate.
       Die Dokumente  wurden dem Subkomitee zugestellt, damit es den of-
       fiziellen Bericht vorbereite.
       
       #532# Beilagen
       -----
       Da der Generalrat nicht über die Mittel verfügte, um den General-
       sekretär zu  bezahlen, oblag  diese Arbeit  den  Mitgliedern  des
       Rats, die  der Sache  genügend ergeben  waren, um neben ihrer ge-
       wöhnlichen Tätigkeit auch diese Arbeit auszuführen, was aber mehr
       Zeit beanspruchte.
       Als diese  Arbeit beendet  war, stellte  es sich  heraus, daß der
       Mindestpreis, der für den Druck dieses Berichts in einer einzigen
       Sprache gefordert wurde, 1000 frs. für 1000 Exemplare betrug.
       Wollte der  Generalrat die Resolution des Kongresses durchführen,
       war eine  sofortige Ausgabe von 3000 frs. notwendig; in der Kasse
       befanden sich aber in jenem Augenblick nur 22 frs. 90 cts.
       Der Generalrat rief die angeschlossenen englischen Gesellschaften
       zur Zahlung von Beiträgen auf.
       Die Zigarrenmacher  von London und die Bandweber Von Coventry und
       Warwickshire waren die einzigen, die antworteten.
       Der Exekutivrat  der Bandweber  zeigte bei  der Erfüllung  seiner
       Pflichten einen  Eifer, den  wir hervorheben  müssen; da  er kein
       Geld verfügbar  hatte und  die meisten seiner Mitglieder ohne Ar-
       beit waren,  veranstaltete er  eine spezielle  Geldsammlung unter
       denen, die arbeiteten.
       Als der  Generalrat sowohl in Frankreich als auch im Ausland alle
       Möglichkeiten erschöpft hatte, um den Bericht über den Kongreß zu
       veröffentlichen, nahm er von dem Bürger Collet, dem Redakteur des
       "Courrier international"  und des  "Working man" [404], das Aner-
       bieten an,  den Bericht in beiden Wochenblättern in französischer
       und in  englischer Sprache  zu veröffentlichen; Collet erbot sich
       außerdem, Stereotypen  anzufertigen, um  diesen Bericht  als Bro-
       schüre veröffentlichen zu können; auch verpflichtete er sich, mit
       dem Generalrat alle Gewinne zu teilen, während er es von vornher-
       ein auf sich genommen hatte, alle Verluste zu tragen.
       Als die  Veröffentlichung der  Materialien des  Genfer Kongresses
       von diesen  Blättern angekündigt wurde, fand die englische Regie-
       rung,  die  ähnlichen  Veröffentlichungen  seit  mehreren  Jahren
       nichts in  den Weg  gestellt hatte,  einen Vorwand, um die Veröf-
       fentlichung aufzuhalten,  indem sie  von dem  Bürger Collet  ver-
       langte, daß er zwei Kautionen von mehreren tausend Francs hinter-
       lege. Diese Formalität verzögerte die Veröffentlichung bis zum 9.
       März. Inzwischen hat der Bürger Collet aus sicherer Quelle erfah-
       ren, daß dieser Zwischenfall von der französischen Regierung ver-
       anlaßt worden war.
       Dies sowie  die Beschlagnahme  der Denkschrift  der Pariser Dele-
       gierten [193] läßt klar erkennen, welche Haltung die französische
       Regierung gegenüber der Internationalen Assoziation einnimmt.
       Die Nummern  des "Courrier  international",  die  diesen  Bericht
       enthielten, wurden  allen Korrespondenten  der Assoziation gratis
       geschickt. Die  Übersetzung ins Deutsche mußte umständehalber un-
       terbleiben, da der Generalrat keine Möglichkeit hatte, sie vorzu-
       nehmen.
       
       #533# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Obgleich alle  Stereotypen hergestellt sind, verhinderte das Feh-
       len von  Geldmitteln bis  zum heutigen  Tage die Veröffentlichung
       des Berichts  in Form einer Broschüre, die jedoch von allen unse-
       ren Korrespondenten dringend gefordert wird.
       Um diese  Schwierigkeiten zu  beheben, hat  ein Mitglied des Rats
       100 Francs  vorgestreckt für  den Druck von 1000 Mitgliedsbüchern
       mit dem  Text der  Statuten und  des Reglements;  800 dieser Mit-
       gliedsbücher wurden  versandt, aber von der französischen Polizei
       beschlagnahmt; dieser Verlust erschwerte die Lage des Generalrats
       noch, eine  Lage, die um so prekärer war, als er von allen Seiten
       wegen der  1865 und  1866 gemachten  Schuld von  mehr als tausend
       Francs behelligt  wurde; denn  obwohl der Genfer Kongreß die kol-
       lektive Verantwortlichkeit  für diese  Schuld  übernommen  hatte,
       nannte er kein wirksames Mittel, sie zu tilgen.
       Unter diesen  Umständen war der Rat völlig außerstande, irgendei-
       nen Bericht  oder ein  periodisch erscheinendes  Bulletin, wie es
       der Kongreß beschlossen hatte, zu veröffentlichen; die Folge war,
       daß die  statistische Untersuchung  für 1.867  aufgegeben  werden
       mußte, weil  diese Untersuchung,  um wirksam  zu sein, sich nicht
       nur auf die angeschlossenen Gesellschaften beschränken kann, son-
       dern alle  Produktionszweige an  allen Orten  erfassen muß. Diese
       Arbeit, die beträchtlichen Zeitaufwand und sehr hohe Ausgaben er-
       fordert, konnte  vom Generalrat  in der  pekuniären Situation, in
       der er sich befand, nicht ausgeführt werden.
       
       II. Die Rolle der Internationalen Arbeiterassoziation
       in dem Kampf zwischen Kapital und Arbeit
       
       Die mannigfache  Hilfe, welche  die Assoziation  in den verschie-
       denen Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit in einer Reihe von Län-
       dern geleistet hat, zeigt zur Genüge die Notwendigkeit einer sol-
       chen Assoziation. Als die Arbeiter sich weigerten, die willkürli-
       chen Bedingungen  der  englischen  Kapitalisten  zu  akzeptieren,
       drohten diese,  sie durch eingeführte Arbeitskräfte vom Kontinent
       zu ersetzen.  Die Möglichkeit  einer derartigen  Importation  hat
       mehrere Male  genügt, um  die Arbeiter  zum Nachgeben zu zwingen.
       Die Tätigkeit des Rats hat verhindert, daß diese Drohungen so of-
       fen wie  früher gemacht  wurden. Ständen  heute ähnliche Vorfälle
       bevor, so  genügte die kleinste Andeutung, um die Pläne der Kapi-
       talisten zu  vereiteln. Kommt  es  zu  einem  Strike  oder  einem
       Lockout *)  bei den  der Assoziation angeschlossenen Gesellschaf-
       ten, so  werden die  Arbeiter aller  Länder sofort  vom Stand der
       Dinge informiert und infolgedessen gewarnt vor den Angeboten sei-
       tens der Agenten der Kapitalisten. Indes ist diese
       ---
       *) So nennen  die Engländer  das Schließen  der Werkstätten durch
       die Besitzer.
       
       #534# Beilagen
       -----
       Tätigkeit nicht  nur auf  die angeschlossenen  Gesellschaften be-
       schränkt, denn  die Hilfe  der Assoziation wird allen zuteil, die
       sie fordern.
       Mitunter gelingt  es den  Kapitalisten, einige  Unwissende zu kö-
       dern, doch diese verlassen die Kapitalisten, sobald sie über ihre
       Rechte und Pflichten belehrt werden.
       Das Kapital  betrachtet den  Arbeiter nur als eine Produktionsma-
       schine und nichts weiter; der letzte Lockout der Londoner Korbma-
       cher bietet  hierfür ein schlagendes Beispiel. Dies sind die Tat-
       sachen. Die  Londoner Korbfabrikanten  erklärten ihren Arbeitern,
       daß sie innerhalb von drei Tagen ihre Gesellschaft aufzulösen und
       eine Lohnsenkung  anzunehmen hätten,  anderenfalls,  nach  Ablauf
       dieser Frist,  sie ihre  Werkstätten schließen würden. Angesichts
       eines derart  brutalen Vorgehens  empörten sich  die Arbeiter und
       erklärten, daß  sie diese Bedingungen nicht annähmen; die Fabrik-
       herren hatten dies vorausgesehen: ihre Agenten waren bereits nach
       Belgien gereist  und brachten  Arbeiter herbei...  Diese Arbeiter
       wurden in  einem der  Londoner Viertel  (Bermondsey) unter Eisen-
       bahnbögen zusammengepfercht.  Dort mußten sie arbeiten, essen und
       schlafen, ohne sich entfernen zu können, um jeden Kontakt mit den
       anderen Arbeitern  zu vermeiden.  Aber dem  Generalrat gelang es,
       den von  den Fabrikherren  errichteten sanitären Kordon zu durch-
       brechen und  durch eine  Kriegslist bei  den belgischen Arbeitern
       einzudringen; tags  darauf kehrten  diese Arbeiter,  da sie  ihre
       Pflicht begriffen hatten, nach Belgien zurück und wurden für ihre
       verlorene Zeit  von der Gesellschaft der Londoner Korbmacher ent-
       schädigt. Als sie abreisten, kam gerade ein weiteres, mit anderen
       Arbeitern beladenes Schiff an; aber diesmal wurden sie von uns in
       Empfang genommen  und reisten  mit dem nächsten Schiff zurück. Es
       war den  Fabrikherren danach  unmöglich, sich  andere Arbeiter zu
       beschaffen; sie  sahen sich deshalb gezwungen, alles so zu belas-
       sen, wie es vorher gewesen war. [405]
       Dank eines  Aufrufs des Rats an die englischen Gesellschaften er-
       hielten die  Pariser Bronzearbeiter moralische und materielle Un-
       terstützung in  ihrem Strike; andererseits erhielten die Londoner
       Schneider ähnliche  Unterstützung von  den Arbeitern  des  Konti-
       nents.
       Mit demselben  Erfolg griff  der Rat ein in den Strike der Erdar-
       beiter, der Gitterwerkemacher, der Friseure, der Zinkarbeiter und
       der Holzschneider.
       
       III. Die englische Sektion
       
       A. Propaganda
       
       Wenn in  England die Propaganda nicht so aktiv gewesen ist wie im
       vergangenen Jahre,  so sind die Gründe dafür leicht aus folgendem
       abzuleiten: Ein  Schritt in liberaler Richtung wird niemals durch
       die Initiative der Regierung getan; erst wenn fortgesetzte Agita-
       tion die Massen entflammt hat,
       
       #535# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       weicht die  Regierung schließlich  dem Druck  des Volkes;  Beweis
       hierfür ist  die Frage der Wahlrechtsreform und des Versammlungs-
       rechts in den Parks [406].
       Die englischen Arbeiter messen der Wahlrechts frage berechtigter-
       weise eine große Bedeutung bei; sie opfern ihre Zeit und ihre En-
       ergie, um  imposante Kundgebungen  zu organisieren, deren morali-
       sche Kraft  die Regierung  beeindruckt und sie zwingt, dem Volks-
       willen nachzugeben.
       Solange die  Arbeiter energisch  ihre Bürgerrechte forderten, war
       es dem Generalrat unmöglich, ihre Aufmerksamkeit auf die sozialen
       Fragen zu  lenken, von denen sie glaubten, daß sie erst in ferner
       Zukunft gelöst werden könnten.
       Die englischen  Mitglieder des Generalrats, die vor allen anderen
       die Pflicht  hatten, unsere  Propaganda zu  unterstützen, konnten
       sich dieser Bewegung, die wir ins Werk, gesetzt hauen und die sie
       lenken sollten,  nicht fernhalten. Der Erfolg hat ihre Bemühungen
       belohnt, und das Jahr 1867 wird für immer in die Annalen der eng-
       lischen Arbeiterklasse eingehen als eine ruhmvolle Zeit.
       Wenn auch  die Propaganda  nicht so  aktiv gewesen  ist, wie  sie
       hätte sein  müssen, aus Gründen, die wir oben angegeben haben, so
       hat sie  doch keinen  einzigen Augenblick  aufgehört. Die für den
       Anschluß von  Arbeitergesellschaften notwendigen Formalitäten er-
       fordern viel  Zeit; die demokratische Verfassung der Trade-Unions
       gestattet dem  Exekutivkomitee nicht,  einen  Beschluß  zu  einer
       wichtigen Frage  zu fassen,  ohne daß  vorher alle Zweige darüber
       diskutiert hätten.
       Um den  Anschluß einer Gesellschaft zu erreichen, muß man sich an
       folgenden Weg  halten. Man  teilt dem  Komitee brieflich Ziel und
       Zweck des  Anliegens mit. Das Komitee bestimmt einen Tag zum Emp-
       fang einer  Abordnung. Wenn  die Frage  in Erwägung gezogen wird,
       unterbreitet sie  das Komitee  den Zweiggesellschaften;  dann muß
       man ein,  zwei, zuweilen auch drei Monate warten, ehe man das Er-
       gebnis erfährt.  Aus dem  soeben Gesagten  darf man  jedoch nicht
       schließen, daß  allein das  Komitee einer Gesellschaft einen Vor-
       schlag unterbreiten  oder zurückweisen kann; schon oft haben sich
       Zweiggesellschaften der  Internationalen Assoziation ohne Mitwir-
       kung des Komitees angeschlossen.
       Seit dem  Genfer Kongreß haben mehr als zwanzig große Arbeiterge-
       sellschaften die  Abordnungen des Generalrats wohlwollend empfan-
       gen; das Ergebnis erwartet er von Tag zu Tag. Andere Gesellschaf-
       ten haben  ihren Anschluß bis zu einem geeigneteren Moment aufge-
       schoben; eine einzige nur hat den Anschluß mit der Begründung zu-
       rückgewiesen, daß sich die Internationale Assoziation mit politi-
       schen Fragen befasse.
       
       #536# Beilagen
       -----
       B. Beiträge
       
       Diese Frage  hat den  Generalrat lange beschäftigt. Noch als dar-
       über beraten  wurde, schloß  sich das  Exekutivkomitee der Maurer
       der Assoziation  an und faßte den Beschluß, einen jährlichen Bei-
       trag von 1 Pfd. St. zu entrichten.
       Im März  1865 entsandte  der Generalrat eine Abordnung zur Konfe-
       renz der englischen Schuhmacher, wo folgende, von den Delegierten
       aus Birmingham  und Hull vorgeschlagene Resolution einstimmig an-
       genommen wurde:
       
       "Die Konferenz  akzeptiert die Prinzipien der Internationalen As-
       soziation, erklärt ihren Anschluß an sie und verpflichtet die an-
       wesenden Mitglieder,  alles zu tun, um diese Prinzipien zu propa-
       gieren,"
       
       Die Beitragsfrage  wurde beraten,  aber nicht gelöst. Bald danach
       beschloß der Generalrat, daß jeder Gesellschaft, die sich der As-
       soziation anschließt,  eine Urkunde  über den  erfolgten Beitritt
       ausgestellt wird;  die Gesellschaft soll eine Eintrittsgebühr von
       5 Shilling  *) zahlen, ansonsten blieb es dem freien Ermessen der
       Gesellschaften überlassen, zu entscheiden, in welchem Ausmaße sie
       dem Generalrat helfen könnten. 1*)
       Das von  den Gesellschaften eingebrachte Geld war ihrerseits eine
       Gabe, womit  die Kosten des Generalrats für das Entsenden der De-
       legation zum Genfer Kongreß gedeckt werden sollten.
       Das Komitee der Schuhmacher gab zu diesem Zweck 5 Pfd. St.
       Um diese  Frage zu regeln, schlug der Generalrat einen einheitli-
       chen Beitrag für jedes Mitglied vor.
       Der Genfer Kongreß beschloß, den jährlichen Beitrag auf 30 Centi-
       mes festzusetzen.
       Diese hohen  Beitragssummen waren  ein unüberwindbares  Hindernis
       für die  Delegationen, die der Rat nach dem Kongreß zu den engli-
       schen Gesellschaften entsandte.
       In dieser Situation beschloß der Rat in seiner Sitzung vom 9. Ok-
       tober, den  jährlichen Beitrag  auf 5 Centimes herabzusetzen. Die
       Gesellschaft der  Schuhmacher (Amalgamated  cordwainers  Associa-
       tion) teilte uns mit, daß die auf der Konferenz von 1865 angenom-
       mene Resolution,  die einem jährlichen Beitrag von 5 Pfd. St. zu-
       gestimmt hatte,  durch die  Konferenz von  1867 aufgehoben worden
       ist.
       Das Exekutivkomitee  der Maurer  gab für das Jahr 1867, wie schon
       für 1866,  1 Pfd.  St.; aber es hat uns noch nicht mitgeteilt, ob
       sich die ganze Gesellschaft angeschlossen hat oder nicht.
       ---
       *) 1 Shilling  gilt 1  fr. 25  cts., das  Pfund Sterling  gilt 25
       frs., der Penny 10 cts.
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 507/508
       
       #537# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Die Gesellschaft der Schuhmacher zählte im vergangenen Jahre 5000
       Mitglieder, die der Maurer 3000 bis 4000.
       Zweimal rief  der Rat alle angeschlossenen Gesellschaften auf zur
       Entrichtung der Beiträge für das Jahr 1867. Einige haben bezahlt,
       andere haben  es noch  nicht getan; aber keine, außer der Gesell-
       schaft der Schuhmacher, hat sich ihren Verpflichtungen entzogen.
       Die vereinigte Gesellschaft der Zimmerleute und Tischler hat erst
       kürzlich den  Beschluß gefaßt, jährlich 2 Pfund an den Generalrat
       zu entrichten.  Im Augenblick wird in den Sektionen die Frage er-
       örtert, ob  die ganze  Gesellschaft ein  Teil der Internationalen
       Assoziation wird.  Diese Gesellschaft, die mehr als 9000 Mitglie-
       der zählt,  hat Zweiggesellschaften  in ganz  England und auch in
       Wales, Schottland und Irland.
       Wir bringen nun eine Liste der angeschlossenen englischen Gesell-
       schaften und  der Beträge,  die sie im Laufe des Jahres, das seit
       dem letzten Kongreß verflossen ist, an den Rat gezahlt haben.
       
       Von der britischen Sektion eingezahlte Beträge
       
                                          1866               1867
                                    Pfd.  Shil-        Pfd.  Shil-
                                    St.   ling  Pence  St.   ling  Pence
       
       Arbeiterbildungsverein 1*)    2
       Französische Sektion in London                           4     9
       Zentralsektion der polnischen Emigranten                 4    10
       Exekutivkomitee der Maurer                       1
       Erste Zweiggesellschaft der Maurer    8
       Die Kunsttischler (vereinigte
        Gesellschaft)               10                  1      13     4
       Die Kunsttischler (West End)  5                  1       7
       Die Buchbinder                        8     3           17     6
       Die Böttcher                  6                          6
       Exekutivkomitee der
        Schuhmacher                  5
       Sektion der Schuhmacher (Darlington)  5
       Sektion der Schuhmacher (Nottingham)  5                  2     1
       Die Zigarrenmacher            5                  1       9
       Die Bandweber von Coventry            5          1       9
       Die Koffermacher              1       5     4
       Die Schuhmacher von Kendal            5                  1     8
       Die Damenschuhmacher
        (West End)                   6                         10
       Die Schneider von London      3
       Die Schneider von Darlington          5                  1     8
       -----
       1*) Arbeiterbildungsverein: in "Rapports..." deutsch
       
       #538# Beilagen
       -----
       Gesellschaften, die sich nach dem Kongreß angeschlossen haben
       
                                    Eintrittsbeiträge       Beiträge
                                    Pfd.  Shil-        Pfd.  Shil-
                                    St.   ling  Pence  St.   ling  Pence
       
       Die Korbmacher von London             5
       Die Stoffdrucker von Lancashire       5          2      1     8
       Die Wagenmacher von London            5
       Die Wagentapezierer (Taverne "Globe") 5                 1  10 1/2
       Dieselben (Taverne "Crown")           5                 5
       Die Weber (elastische Stoffe)         5                 5
       Die vereinigten Erdarbeiter           5
       Die Möbelpolierer                     5
       Orgelbauer                            5                 2     1
       Musterzeichner und Holzschneider      5
       Exekutivkomitee der Zimmerleute                  2
       Vereinigte Gerber
       Klempner
       
       Für die Delegation eingezahlte Beträge
       
       Damenschuhmacher (West End)   4      10
       Zigarrenmacher von London     1       1
       Die Weber (elastische Stoffe) 1
       
       Die Differenz  in den  Beträgen zwischen  den beiden  Jahren läßt
       sich wie folgt erklären: Im Jahre 1866 wurden die Summen zur Ent-
       sendung der  Delegierten nach  Genf eingezahlt, während in diesem
       Jahre die Mittel nur für Verwaltungskosten bestimmt sind.
       Im vergangenen Jahr sind uns, wie schon gesagt, Schulden entstan-
       den; diese  Schulden hat  der Generalrat  getilgt, soweit ihm das
       möglich war.
       Die Gründe,  weshalb angeschlossene  Gesellschaften ihre Beiträge
       noch nicht  gezahlt und  andere noch keine Mittel für den Kongreß
       bewilligt haben, sind die Stagnation in der Produktion, die zahl-
       reichen Strikes,  die Lockouts und besonders die Bewegung für die
       Wahlrechtsreform; schließlich  der Strike der Londoner Schneider,
       der im Augenblick die Ressourcen der Trade-Unions aufzehrt.
       Der Generalrat  erhielt von den Gesellschaften zahlreiche Briefe,
       die diese  Lage der  Dinge bestätigen und in denen bedauert wird,
       daß man uns finanziell nicht helfen kann.
       
       IV. Kontinentale und amerikanische Sektionen
       
       Frankreich
       
       Es zählt  zu den  Aufgaben des Generalrats, mit den selbständigen
       Zweigen in  jenen Ländern  zu korrespondieren,  wo einschränkende
       Gesetze es
       
       #539# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       nicht erlauben,  ungehindert ein Aktionszentrum zu bilden; so ist
       zum Beispiel die Situation in Frankreich.
       Es wurde weiter oben schon gesagt, daß alle Versuche des General-
       rats, die  Mitgliedsbücher mit den darin enthaltenen Statuten und
       dem Reglement  der Internationalen Assoziation nach Frankreich zu
       bringen, daran  gescheitert waren, daß sich die französischen Be-
       hörden[unseres Eigentums  bemächtigt hatten, obwohl diese Rechts-
       verletzung durch nichts gerechtfertigt ist. Aber die Hindernisse,
       welche uns  die französische  Regierung  bereitete,  beschränkten
       sich nicht hierauf. Vergeblich erbaten unsere Korrespondenten die
       Genehmigung zum  Druck unserer Statuten und des Reglements: stets
       war hartnäckigste Ablehnung die einzige Antwort.
       Das Komitee in Lyon, das 1866 Versammlungen mit mehr als 500 Mit-
       gliedern veranstalten  konnte, durfte  nach  dem  Genfer  Kongreß
       keine Generalversammlung abhalten.
       Die mutige  Ausdauer der Mitglieder von Lyon gegenüber den Regie-
       rungsbeamten hatte zum Ergebnis, daß sogar die Blindesten erkann-
       ten, inwieweit  der französischen  Regierung an der Befreiung des
       Arbeiters gelegen ist.
       Es ist wichtig festzustellen, daß diese Hindernisse, diese klein-
       lichen Schikanen  nicht einen  Augenblick den Fortschritt unserer
       Assoziation aufgehalten haben.
       In Vienne (Departement Isère), wo die Zahl der Mitglieder kaum 80
       erreichte, gibt es deren heute über 500.
       In Neuville-sur-Saône  hat eine  unserer Zweiggesellschaften eine
       Konsumgenossenschaft gegründet  und dadurch die Landarbeiter, von
       denen man  bis dahin glaubte, daß sie der Sache mit Abneigung be-
       gegnen würden,  zur praktischen  Teilnahme am  gesellschaftlichen
       Leben herangezogen.
       Unser Korrespondent  in Caen  teilt uns  mit, daß  sich in dieser
       Stadt der  Bund der  Arbeiter mit jedem Tage festigt. Dank dieser
       Solidarität konnten  die Polsterer,  die Mechaniker,  die Gerber,
       die Sattler,  die Schmiede etc. die Verkürzung der Arbeitszeit um
       täglich eine Stunde ohne Lohnabzug durchsetzen.
       In Fuveau (Departement Bouches-du-Rhône) zählt die Internationale
       Assoziation zahlreiche  Anhänger unter  den Bergarbeitern,  deren
       kürzlicher Strike soviel Aufsehen erregt hat.
       Am 5.  August d.J.  erhielt der  Generalrat die Nachricht von der
       Bildung eines  Komitees in  Fuveau selbst.  Dieser Erfolg ist der
       mutigen Propaganda des Bürgers Vasseur, eines Mitglieds des Komi-
       tees in Marseille, zu danken, der uns am 21.Juli d.J. schrieb:
       
       "Zwischen Kapital  und Arbeit  ist ein  Kampf  ausgebrochen,  der
       traurig und  komisch zugleich ist: Auf der einen Seite reist eine
       Bande von Beamten und Angestellten umher und macht Propaganda, um
       die Arbeiter von der Internationalen Assoziation abzubringen, und
       auf der anderen Seite eine Handvoll Männer, die sich voller Ener-
       gie
       
       #540# Beilagen
       -----
       und Hingabe unaufhörlich dem Ansturm unserer Gegner entgegen wer-
       fen und die Ideen der Unabhängigkeit und der Gerechtigkeit in den
       Reihen der Arbeiter verbreiten."
       
       Und er fügt abschließend hinzu:
       
       "Keine menschliche  Macht wird die Emanzipationsideen, die wir im
       Lande gesät  haben, ausmerzen  können, denn  unsere Gegner müssen
       gegen zwei  Dinge ankämpfen,  die schwer  zu besiegen  sind:  das
       Recht und den Willen."
       Kurz, der Arbeiter versteht, daß, wo ein Wille, auch ein Weg ist,
       und daß  er nur auf sich selbst rechnen darf, will er seine volle
       politische und soziale Befreiung erringen.
       Wir bringen  eine Liste der Zweiggesellschaften, die zur Zeit des
       letzten Kongresses  bestanden, und  der von  ihnen 1866  und 1867
       eingezahlten Beträge.
       
                                         Eingezahlte Beträge
                                      Pfd. St.  Shilling  Pence
       
       Paris                             4
       Caen                              1
       Lyon                             11         12
       Bordeaux                          3          9
       Rouen                                        4        5
       Guadeloupe
       Vienne                            5          7        6
       Neuville-sur-Saône                1          5        3
       Pantin
       Saint-Denis
       Puteaux
       Neufchâteau
       Lisieux
       Condé-sur-Noireau
       Thury-Harcourt
       Granville
       Argentan
       
       Neue Zweiggesellschaften,
       die seit dem Kongreß
       gebildet wurden                Pfd. St.  Shilling  Pence
       
       Die Buchbinder von Paris                    14        4
       Castelnaudary
       Auch
       Orléans
       Nantes
       Villefranche
       Marseille
       Fuveau
       Le Havre
       Alger
       
       #541# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Schweiz
       
       Aus der Schweiz gingen uns nur die Korrespondenzen des Zentralko-
       mitees zu.  Ebenso wie in England besteht dort die Arbeit der In-
       ternationalen Assoziation darin, die Arbeitergesellschaften, aber
       auch möglichst  viele Einzelpersonen zu veranlassen, sich ihr an-
       zuschließen; wir möchten allerdings darauf hinweisen, daß die Ar-
       beitergesellschaften in der Schweiz im einzelnen weniger Mitglie-
       der haben als in England.
       Hier sind  die Städte,  wo  Zweiggesellschaften  gebildet  worden
       sind: Genf,  Carouge, Lausanne,  Vevey, Montreux,  Neuchatel,  La
       Chaux-de-Fonds,  Locle,  Sainte-Croix,  Saint-Imier,  Sonvillier,
       Biel, Moutier, Beau-court, Zürich, Wetzilcon, Basel, Bern, Trame-
       lan, Les Breuleux und Les Bois.
       
       Von diesen Zweiggesellschaften 1866 und 1867 erhaltene Gelder
       
       
                                         Eingezahlte Beträge
                                      Pfd. St.  Shilling  Pence
       
       Genf (romanische Sektion)         4
       Genf (deutsche Sektion)           1          7        9
       La Chaux-de-Fonds                 2          4
       Locle                                       17       10
       
       Belgien
       
       Bericht des korrespondierenden Sekretärs für Belgien an
       den Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
       
       Bürger!
       Meine Korrespondenz  mit Belgien  datierte seit  dem  Strike  der
       Korbmacher. Ich schrieb aus diesem Anlaß an den Bürger Vandenhou-
       ten einen  Brief, der acht Tage später in der "Tribune du Peuple"
       erschien [407];  ich teilte ihm im Namen des Generalrats mit, daß
       ein Agent der Korbfabrikanten von London abgereist war, um belgi-
       sche Korbmacher anzuwerben; ich schrieb ihm, daß unsere Organisa-
       tion mit  ihrer ganzen  Kraft die  Pläne dieses Agenten vereiteln
       müsse und  daß  die  Solidarität  die  belgischen  Arbeiter  ver-
       pflichte, jede Anwerbung zurückzuweisen, um den Sieg ihrer engli-
       schen Brüder zu sichern.
       Ich informierte dann den Bürger Vandenhouten von der Rückkehr ei-
       niger belgischer  Korbmacher, die  nach London  gekommen waren im
       Glauben an  die Versprechungen,  die ihnen  gemacht, doch von den
       Fabrikherren schließlich  nicht gehalten wurden; auch schrieb ich
       von den  brüderlichen Gefühlen der englischen Korbmacher; ich hob
       in diesem  Briefe hervor,  wie sehr die Maßnahmen des Generalrats
       zum Triumph der Arbeiter über die Fabrikherren beigetragen haben.
       
       #542# Beilagen
       -----
       Mit dem  Bürger Brismée  führte ich  eine Korrespondenz  über den
       Druck des  Berichts des  Genier Kongresses.  Diese  Korrespondenz
       konnte insofern  zu nichts  führen, als ich im Auftrage des Gene-
       ralrats von  ihm einen  Kredit erbat,  den er  aber  nicht  geben
       konnte. Mein  letzter diesbezüglicher  Brief blieb unbeantwortet;
       zweifellos wurde  es dem  Bürger Brismee,  dessen Ergebenheit gut
       bekannt ist,  zu schwer,  unser Anliegen förmlich zurückweisen zu
       müssen; so deute ich jedenfalls sein Schweigen.
       Ich habe  dem Bürger Vandenhouten einen Brief des Generalrats be-
       treffs der  belgischen Zigarrenmacher  geschickt und ihn gebeten,
       diesen Brief  der breitesten  Öffentlichkeit bekanntzugeben; das-
       selbe tat  ich hinsichtlich  der Resolution  des Generalrats über
       den Besuch  des Zaren in Paris [408]. Ich habe das Brüsseler Büro
       von dem  Beschluß des Generalrats zum Strike der Londoner Schnei-
       der informiert, der den belgischen Schneidern nahelegt, in keinem
       Falle nach  London zu kommen, um in den vom Strike erfaßten Werk-
       stätten zu  arbeiten, und alle belgischen Arbeiter aufruft, Soli-
       darität zu  üben und  die Londoner  Schneider materiell zu unter-
       stützen.
       Ich habe dem Bürger De Witte in Lüttich, Vorort Saint-Gilles, Nr.
       6, und  dem Bürger  Vandenhouten in  Brüssel das Zirkular des Ge-
       neralrats über den Lausanner Kongreß geschickt mit der Bitte, ihm
       die größte Aufmerksamkeit zu schenken und es so weit wie nur mög-
       lich zu verbreiten.
       Ich habe  somit alles  getan, was  mir der Rat aufgetragen hatte,
       und ich wage zu sagen, daß nie ein Vorwurf aus Belgien gegen mich
       erhoben wurde.  Ich füge diesem kurzen Bericht einige Briefe bei,
       die ich  empfangen habe.  Was die  Kosten der Korrespondenz anbe-
       langt, so  habe ich geglaubt, der Assoziation dieses kleine Opfer
       wohl bringen zu können.
       Gruß und Brüderlichkeit!
       Besson
       
       Deutschland und Italien
       
       Die Situation  in Deutschland  ist immer  noch anomal und für die
       Entwicklung unserer  Assoziation wenig  günstig. Indes ist es dem
       Bürger J.  Ph. Becker,  dem Präsidenten  der deutschen Sektion in
       Genf, geglückt, dort mehrere Zweiggesellschaften zu gründen, über
       die wir Näheres jedoch noch nicht erfahren haben.
       In Italien  bestehen reguläre  Arbeitervereine in Neapel, Mailand
       und Genua; wir stehen mit ihnen in Korrespondenz, haben aber noch
       keine Beträge von ihnen erhalten.
       
       #543# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Amerika
       
       In Amerika  haben sich  der Internationalen Assoziation zwei neue
       Organisationen angeschlossen;  wir korrespondieren  mit dem Labor
       National Union's  Committee (der  Nationalen Arbeiterunion) [205]
       sowie mit  dem Vorsitzenden der International Ironmoulders' Union
       (Internationalen Union der Eisengießer) [409].
       
       Jahresbericht des Sekretärs für Amerika
       beim Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
       (September 1866 bis 27. August 1867)
       
       Nachdem ich  das Amt des korrespondierenden Sekretärs für Amerika
       angetreten hatte, war das erste in meinen Bereich fallende Ereig-
       nis, daß  die Septembernummer 1866 des "Ironmoulders' Internatio-
       nal Journal"  (der "Internationalen  Zeitung der Eisengießer") in
       England eintraf.  Die Zeitung  wird in Philadelphia herausgegeben
       von W.H.  Sylvis, der gleichzeitig Vorsitzender der Internationa-
       len Union der Eisengießer ist.
       Diese Nummer enthielt einen ausführlichen Bericht über den ersten
       Nationalkongreß der Arbeiter der Vereinigten Staaten, der im vor-
       hergegangenen Monat in Baltimore stattgefunden hatte. Eine Zusam-
       menfassung der  Protokolle und der Resolutionen dieses Kongresses
       ist im  Oktober 1866  in der Londoner "Commonwealth" ("Republik")
       erschienen. Es  ging daraus  hervor, daß der Kongreß in Baltimore
       von der  bevorstehenden Tagung  eines analogen Kongresses der Ar-
       beiter der Alten Welt in Genf erfahren und einstimmig beschlossen
       hatte, die  auf diesem  Kongreß gebildete  Exekutivkommission der
       Nationalen Arbeiterunion zu ermächtigen, einen Delegierten zu dem
       europäischen Arbeiterkongreß 1867, d.h. nach Lausanne, zu entsen-
       den.
       Aus derselben Zeitung erfuhr ich, daß der Sekretär der Nationalen
       Arbeiterunion für  das Ausland  ein Bürger  namens William Gibson
       sei, der in New Haven, Connecticut, lebe. Erst Anfang August d.J.
       habe ich entdeckt, daß man sich in der Adresse des Bürgers Gibson
       geirrt hatte;  sie ist  Norwich (Connecticut),  nicht New  Haven.
       Dieser Irrtum  der Verfasser  des Kongreßberichts  wäre für meine
       Tätigkeit beinahe verhängnisvoll gewesen.
       Übrigens habe ich nicht sofort versucht, mit Sekretär Gibson eine
       Korrespondenz aufzunehmen, weil ich meinte, man sollte diese Kor-
       respondenz mit  dem Übersenden  des offiziellen Berichts über die
       Arbeit des  Genfer Kongresses  beginnen. Die Ursachen, welche die
       Veröffentlichung dieses  Berichts verzögerten,  sind schon in dem
       allgemeinen Bericht des Generalrats dargelegt worden.
       Anfang Dezember  1866 trat  der Bürger  Orsini an  den Generalrat
       heran, teilte  uns die  Namen fünf in New York lebender, europäi-
       scher Sozialisten
       
       #544# Beilagen
       -----
       mit, und  bat uns,  mit ihnen  in Korrespondenz zu treten. Er bat
       uns außerdem, ihnen Vollmachten zu übersenden, die sie berechtig-
       ten, im  Interesse der Assoziation in den Vereinigten Staaten tä-
       tig zu sein.
       Fünf Briefe  samt den  entsprechenden Vollmachten  wurden an  die
       fünf von Orsini benannten Personen abgesandt, aber weder ich noch
       der Generalrat  haben jemals auf einen dieser Briefe eine Antwort
       erhalten.
       So blieb mein erster Versuch ohne Erfolg. Orsini hat übrigens den
       Generalrat wissen lassen, daß man in New York großes Interesse an
       unserer Assoziation  zu nehmen  beginnt und  daß der große Redner
       Wendell Phillips,  ein Abolitionist aus Massachusetts, sich erbo-
       ten habe,  öffentliche Vorträge zugunsten des Fonds unserer Asso-
       ziation zu halten, nachdem man ihn davon überzeugt hatte, daß die
       Ziele und  die Führer der Assoziation dieser Unterstützung würdig
       seien.
       Orsini teilt außerdem mit, der irische Demokrat und Patriot James
       Stephens habe  sich in  New York als Mitglied unserer Assoziation
       einschreiben lassen.
       Im März  1867 begann  der Bericht über die Arbeit des Genfer Kon-
       gresses in englischer Sprache im Londoner "International Courier"
       zu erscheinen. Sobald vier Nummern dieser Serie erschienen waren,
       d.h. im  April, sandte ich diese an vier Personen, und zwar: eine
       Serie an die vermeintliche Adresse des Sekretärs Gibson, eine an-
       dere Serie  an W.  H. Sylvis,  eine dritte  an den  Redakteur der
       "Voice", einer  in Boston  (Massachusetts) erscheinenden  und den
       Interessen der  Arbeiter ergebenen  Tageszeitung, und eine vierte
       an den  Redakteur des  "Workingman's Advocate"  [410] in  Chicago
       (Illinois), des  Hauptorgans der  Arbeiter in den Weststaaten der
       Amerikanischen Union. Ich habe den Zeitungen, die ich an Sekretär
       Gibson sandte,  einen Brief beigefügt, worin ich auf die hohe Be-
       deutung hinwies, die der Generalrat einem engen Kontakt und einer
       ständigen Verbindung  mit der  Exekutivkommission der  Nationalen
       Arbeiterunion beimißt.
       Dieser Brief  ist unbeantwortet  geblieben, und  auch der Empfang
       der Zeitungen  ist mir  nicht bestätigt  worden. Dieser Mißerfolg
       erklärt sich  sehr einfach  daraus, daß  Brief und Zeitungen nach
       New Haven adressiert waren statt nach Norwich.
       Die Absendung dieser Dokumente hatte nur ein gutes Ergebnis. Der.
       Redakteur des  Londoner "International  Courier" begann  seit Mai
       Exemplare des  Chicagoer "Workingman's Advocate" zu erhalten, und
       es hat ein Austausch zwischen beiden Zeitungen stattgefunden. Von
       diesem  Zeitpunkt   an  hat  Joseph  Collet,  der  Redakteur  des
       "International Courier",  für seine  Leser allwöchentlich Auszüge
       aus dem Chicagoer "Workingman's Advocate" veröffentlicht.
       Die Veröffentlichung des Berichts über die Arbeit des Genfer Kon-
       gresses wurde  am 1. Mai beendet; ich sandte die Fortsetzung die-
       ses Berichts an die vier obengenannten Adressen.
       
       #545# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Auszüge aus diesem Bericht sind vom Chicagoer "Workingman's Advo-
       cate" nachgedruckt worden. Es war mir nicht möglich, zu erfahren,
       ob eine  der beiden  anderen Zeitungen  Auszüge daraus veröffent-
       licht oder sich darüber geäußert hat.
       Im Frühjahr hat sich der Generalrat auf eine Bitte des Lyoner Bü-
       ros hin mit den Möglichkeiten der Auswanderung für eine große An-
       zahl von Seidenwebern aus dieser Stadt in die Vereinigten Staaten
       befaßt. Das  Lyoner Büro  hatte uns wissen lassen, daß viele Sei-
       denweber, unzufrieden  mit ihrem  Schicksal in der Heimat, in die
       Vereinigten Staaten auswandern und ihr Handwerk dorthin verpflan-
       zen möchten. Sie wüßten nur gern, ob einige amerikanische Kapita-
       listen bereit  wären, die  Kosten für die Reise und für die erste
       Einrichtung vorzustrecken.  Mittlerweile hat  mich der Generalrat
       beauftragt, deswegen  an mehrere  Zeitungen Amerikas  und an ver-
       schiedene Staatsmänner  zu schreiben. Ich folgte diesem Auf trag.
       Die Briefe  wurden von  einem Polen  namens Koszek,  der nach New
       York abreiste, nach Amerika gebracht. Wiederum keine Antwort! Ich
       habe von Koszek seit seiner Abfahrt niemals wieder eine Nachricht
       erhalten.
       Im Juni  wurde ich  vom Generalrat  beauftragt, an W.H. Sylvis zu
       schreiben, um für die in den Streik getretenen Londoner Schneider
       Hilfe zu erwirken. Ich habe am 11. Juni geschrieben. Ich benutzte
       diese Gelegenheit,  um Sylvis mein Bedauern darüber auszudrücken,
       daß ich  niemals eine  Antwortzeile von  Sekretär Gibson erhalten
       habe. Ich  bat ihn,  mir den  Namen und die Adresse eines anderen
       Komiteemitglieds der Nationalen Arbeiterunion mitzuteilen.
       In seiner vom 25. Juni datierten Antwort teilte er mir die Gründe
       mit, weshalb  die amerikanischen  Eisenarbeiter  den  streikenden
       Londoner Schneidern  nicht hatten  helfen können.  Er nannte  mir
       auch Namen und Adresse William J. Jessups in New York, eines eif-
       rigen Vorkämpfers der Nationalen Arbeiterunion.
       Als ich dem Generalrat von diesem Brief Mitteilung machte, beauf-
       tragte mich  der Rat,  William Jessup unverzüglich von dem Termin
       des Lausanner  Kongresses in Kenntnis zu setzen und ihm mitzutei-
       len, daß sich der Generalrat freuen würde, in Lausanne einen ame-
       rikanischen Delegierten  begrüßen zu können. Folglich schrieb ich
       ihm am 19. Juli. In meinem Briefe erzählte ich von meinen vergeb-
       lichen Bemühungen,  mit dem Sekretär Gibson in Verbindung zu tre-
       ten. Gleichzeitig  sandte ich  Jessup den offiziellen Bericht des
       Genfer Kongresses.
       Auf diesen Brief erhielt ich eine vom 9. August datierte Antwort.
       Aus dieser  Antwort geht  hervor, daß Jessup mit Befriedigung den
       Plan aufgenommen  hat, ein  Band zu  den Arbeitern des Kontinents
       und Großbritanniens  zu knüpfen. Er bedauert die Verzögerung, die
       durch die  falsche Adresse des Sekretärs Gibson verursacht wurde.
       Er bedauert auch, daß der Zeitpunkt des Chicagoer Kongresses (der
       19. August) dem des Lausanner
       
       #546# Beilagen
       -----
       Kongresses so  nahe liegt,  daß Zeitmangel  nicht erlauben  wird,
       einen Delegierten  nach Europa  entsenden zu können. Ich habe je-
       doch kürzlich  einen Artikel im Chicagoer "Workingman's Advocate"
       gelesen, worin  es heißt,  daß die  Entsendung eines  Delegierten
       nach Lausanne  eine der ersten Fragen sein wird, mit der sich der
       Chicagoer Kongreß beschäftigen wird.
       Jessup verspricht  mir, meinen  Brief vom  19. Juli "wegen seiner
       Wichtigkeit" auf  dem Chicagoer Kongreß zu verlesen und dem Gene-
       ralrat die Zeitungen zu schicken, die den besten Bericht über den
       Chicagoer Kongreß  enthalten werden.  Er schreibt,  daß er  seine
       Korrespondenz mit  dem Generalrat  auch dann  fortsetzen  möchte,
       wenn er nicht wieder zum Vizepräsidenten der Nationalen Union ge-
       wählt werde, weil er außerdem korrespondierender Sekretär der Ar-
       beiterunion von  New York [411] ist. Er begrüßt meinen Vorschlag,
       Zeitungen mit  ihm auszutauschen,  die Organe  der Arbeiterklasse
       sind. Soweit  die kurze  und unvollständige Wiedergabe seines in-
       teressanten und herzlichen Briefes.
       Anfang dieses  Monats übergab mir der Bürger Marx einen Brief von
       F.A. Sorge,  worin die  Bildung eines Zweiges unserer Assoziation
       in Hoboken, New Jersey, angezeigt wurde. [412]
       Etwa zur  selben Zeit  zeigte  mir  der  Redakteur  des  Londoner
       "International Courier"  einen als  Broschüre erschienenen Aufruf
       der Exekutivkommission  der Nationalen Arbeiterunion, der die Ar-
       beiter der  Vereinigten Staaten aufforderte, Vertreter zum Chica-
       goer Kongreß zu entsenden. Auf dem Umschlag dieser Broschüre fand
       ich handschriftlich eingetragen den Namen und die Adresse des Se-
       kretärs William  Gibson, und  erst da begriff ich, daß ich bezüg-
       lich seines  Wohnorts in  einem Irrtum  befangen gewesen war. Ich
       bedaure die  kostbare Zeit,  die ich durch diesen Irrtum verloren
       habe. Doch  tröste ich mich mit dem Sprichwort: "Besser spät, als
       nie!"
       Dies ist  die Geschichte  meiner Versuche, die bis jetzt kaum von
       Erfolg gekrönt  waren. Jedoch  hinterlasse ich die Dinge in einem
       Stadium, das für die Zukunft viel verspricht.
       Zwei Fragen noch sind zu erwähnen.
       Die Bemühungen  der amerikanischen Arbeiter, sich mehr freie Zeit
       zu erobern,  Bemühungen, die  unter dem  Namen "Bewegung  für den
       Achtstundentag" bekannt sind, lenkten die Aufmerksamkeit des Gen-
       fer Kongresses  auf sich.  Daher halte  ich es  nicht für unange-
       bracht, sehr  bündig zu  rekapitulieren, was  mir von  den  Fort-
       schritten bekannt  ist, die  in dieser  Hinsicht in  den  letzten
       zwölf Monaten  erzielt worden  sind. Die  Agitation hat  sich mit
       großer Geschwindigkeit entwickelt und ein sofortiges Echo im Kon-
       greß zu  Washington und  in den  gesetzgebenden Versammlungen der
       einzelnen Staaten  gefunden. Im  Repräsentantenhaus der Union ist
       ein Gesetzentwurf über den Achtstundentag für die im Auftrage der
       Unionsregierung unternommenen  Arbeiten nur  wegen Stimmengleich-
       heit vertagt worden.
       
       #547# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       In mehreren  der Staaten  haben die  gesetzgebenden Versammlungen
       beschlossen, daß  bei Fehlen  eines besonderen  Kontrakts der Ar-
       beitstag auf  acht Stunden  beschränkt wird.  Auch im  Staate New
       York ist ein solches Gesetz angenommen worden, doch haben die Ar-
       beiter New Yorks noch nicht zu fordern gewagt, daß es auch durch-
       geführt werde.  Die Arbeiter dieses Staates haben sich erst kürz-
       lich auf  einem besonderen  Kongreß zusammengefunden, um zu bera-
       ten, wie  sie sich  unter diesen  Umständen zu  verhalten  haben.
       Schließlich wurde  beschlossen, daß  am 1.  November d.J. überall
       und  zur  gleichen  Zeit  die  Forderung  nach  Durchführung  des
       Gesetzes erhoben  wird, wobei  diese Durchführung  möglichst ohne
       Lohnsenkung erfolgen  solle. Falls  jedoch eine Lohnsenkung nicht
       zu umgehen  sei, so  solle diese  akzeptiert werden. Die Mehrheit
       der Delegierten  gab, nach  den Diskussionen  zu  urteilen,  ihre
       Zustimmung zu einer Lohnsenkung kund.
       Im Staate Kalifornien ist ein Gesetz über den Achtstundentag noch
       nicht angenommen  worden. Indes  hat dort  während der 19 Monate,
       die dem  Juli d.J.  vorausgegangen sind, das System des Achtstun-
       dentags überwogen.  Die letzten  Informationen aus  diesem Staate
       besagen, daß  die Fabrikherren gegen diese Neuordnung den Lockout
       erklärt haben  und daß es infolge dieser reaktionären Versuche zu
       großen Arbeitseinstellungen gekommen ist.
       Ich bin  überaus erfreut,  dem Rat mitteilen zu können, daß ab 1.
       Januar nächsten Jahres die Frankierung eines gewöhnlichen Briefes
       um die  Hälfte, d.h. von einem Shilling auf 6 Pence, herabgesetzt
       wird. Ich  spreche ausschließlich  von Briefen,  die zwischen dem
       Vereinigten Königreich  und den  Vereinigten  Staaten  gewechselt
       werden. Ein  Vertrag hierüber  ist soeben zwischen den beiden Re-
       gierungen abgeschlossen worden.
       Peter Fox
       Sekretär für Amerika beim Generalrat
       der Internationalen Arbeiterassoziation
       
       V. Allgemeine Bemerkungen
       
       Das seit dem letzten Kongreß verflossene Jahr war durch einen un-
       aufhörlichen Kampf zwischen Kapital und Arbeit gekennzeichnet: in
       Amerika, England, Frankreich, Belgien waren Strikes, Lockouts und
       Verfolgungen der Arbeiter an der Tagesordnung.
       Hartnäckig und  voll rasender Wut verfolgt das Kapital den Arbei-
       ter, denn  es fühlt  instinktiv, daß der Tag nahe ist, da die Ar-
       beit den ihr rechtmäßig zukommenden Platz einnehmen wird.
       In den  Vereinigten Staaten  hat eine  Gesellschaft 70 000 Dollar
       ausgegeben, um  ihr Existenzrecht  gegen die Übergriffe des Kapi-
       tals zu verteidigen. [413]
       
       #548# Beilagen
       -----
       In England  ist von den Courts of Law (Gerichtshöfen) entschieden
       worden,  daß   die  Veruntreuung   der  Gelder  der  Trade-Unions
       (Arbeitervereinigungen) nicht  strafbar sei. Eine offizielle Kom-
       mission zur  Untersuchung der Trade-Unions ist eingesetzt worden,
       um sie zugrunde zu richten oder zumindest zu behindern.
       Der letzte  Prozeß, der  den Arbeitern durch die Londoner Schnei-
       dermeister gemacht  wurde, die  Verurteilung der Schneider in Pa-
       ris,  die  Metzeleien  unter  den  Bergarbeitern  in  Marchiennes
       (Belgien) - alle diese Tatsachen zeigen deutlich, daß die Gesell-
       schaft nur aus zwei einander feindlichen Klassen besteht, den Un-
       terdrückern und den Unterdrückten, und daß allein die Solidarität
       aller Arbeiter  der Welt  uns die  vollständige Befreiung bringen
       kann. Diese Befreiung ist denn auch das Ziel, nach dem die Inter-
       nationale Arbeiterassoziation strebt.
       Wir schließen mit dem Ruf: "Arbeiter aller Länder, vereinigen wir
       uns!"
       Im Namen des Generalrats:
       Odger, Präsident
       Eccarius, Generalsekretär
       W. Dell, Schatzmeister
       Shaw, Schatzmeistersekretär
       Korrespondierende Sekretäre:
       E. Dupont für Frankreich
       K. Marx für Deutschland
       Zabicki für Polen
       H. Jung für die Schweiz
       P. Fox für Amerika
       Besson für Belgien
       Carter für Italien
       P. Lafargue für Spanien
       Hansen für Dänemark
       Nach: "Rapports lus au congrès ouvrier
       réuni du 2 au 8 septembre 1867
       à Lausanne", Chaux-de-Fonds 1867.
       
       Aus dem Französischen.
       
       #549# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       12
       
       [Aus einem Brief von Jenny Marx an Johann Philipp Becker
       um den 5. Oktober 1867 [414]]
       
       ["Der Vorbote" Nr. 10, Oktober 1867]
       Wir schließen  hier den Auszug des Briefes einer Freundin in Lon-
       don an,  worin unter  anderm Bezug  auf  den  Arbeiterkongreß  in
       Lausanne und Friedenskongreß in Genf und auf das neueste Werk von
       Marx genommen ist:
       "...Sie glauben  nicht, welch  großes Aufsehen der Lausanner Kon-
       greß hier  in der  ganzen Presse gemacht hat. Nachdem die 'Times'
       den Ton  angegeben, täglich Korrespondenzen gebracht hatte, hiel-
       ten es  auch die ändern Blätter nicht mehr unter ihrer Würde, der
       Arbeiterfrage nicht  nur Notizen, sondern sogar lange Leitartikel
       zu widmen.  Nicht nur in allen täglichen, sondern auch in sämtli-
       chen Wochenblättern  war der Kongreß besprochen. Daß darunter ihn
       viele vornehm  und ironisch  behandelten, ist ganz natürlich. Hat
       nicht jede  Sache neben  der erhabenen  auch ihre komische Seite,
       und warum  sollte unser  guter Arbeiterkongreß neben seinen plau-
       dersüchtigen Franzosen  ganz frei  davon sein? Aber trotz alledem
       und alledem  wurde er  im ganzen  sehr anständig behandelt und au
       sérieux 1*)  genommen. Selbst  der 'Manchester Examiner', das ei-
       gentliche Organ  John Brights und der Manchesterschule [415], hat
       ihn in einem sehr guten Leitartikel als wichtig und epochemachend
       hingestellt. Wurde er mit seinem Stiefbruder, dem Friedenskongreß
       [416], verglichen,  so fiel  der Vergleich  stets zum Vorteil des
       altern Bruders aus, und man sah in dem einen drohende Schicksals-
       tragödie und in dem ändern nichts als Farce und Burleske.
       Wenn Sie  schon in  den Besitz des Buches von Karl Marx [417] ge-
       kommen sind,  so rate ich Ihnen, sofern Sie sich nicht schon, wie
       ich, durch  die dialektischen  Spitzfindigkeiten der  ersten  Ab-
       schnitte durchgearbeitet haben, jene über ursprüngliche Akkumula-
       tion des  Kapitals und moderne Kolonisationstheorie zuerst zu le-
       sen. Ich  bin überzeugt, daß Sie diesen Teil, wie ich selbst, mit
       größter Befriedigung  aufnehmen werden.  Natürlich hat Marx keine
       spezifischen Heilmittel  - wonach  die Bourgeois  weit, die  sich
       jetzt auch  sozialistisch nennt,  so gewaltig  schreit  -  parat,
       keine Pillen,  keine Salben,  keine Scharpie,  um die klaffenden,
       blutenden Wunden  unserer Gesellschaft zu heilen; aber es scheint
       mir, daß  er, nach der naturhistorischen Entwickelung des Entste-
       hungsprozesses moderner  Gesellschaft, die  praktischen Resultate
       und Nutzanwendungen bis zu den kühnsten Konsequenzen
       -----
       1*) ernst
       
       #550# Beilagen
       -----
       gezogen hat und daß es keine Kleinigkeit war, den erstaunten Phi-
       lister durch  statistische Tatsachen und dialektische Manöver auf
       die schwindelnde Höhe folgender Sätze zu bringen: 'Die Gewalt ist
       der Geburtshelfer  jeder alten  Gesellschaft, die mit einer neuen
       schwanger geht.  Sie ist selbst eine ökonomische Potenz ... Manch
       Kapital, das  heute in den Vereinigten Staaten ohne Geburtsschein
       auftritt, ist  gestern in  England kapitalisiertes Kinderblut ...
       Wenn das  Geld "mit  natürlichen Blutflecken  auf einer Backe zur
       Welt kommt",  so das  Kapital von  Kopf bis Zeh, aus allen Poren,
       blut- und  schmutztriefend.' Oder  der  ganze  Passus  von:  'Die
       Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt usw.' 1*) bis
       zum Schluß.
       Ich muß  aufrichtig gestehen, daß mich dieser einfache Pathos der
       Sache ergriffen  und daß  mir die  Geschichte  klar  wie  Sonnen-
       schein."
       Geschrieben um den 5. Oktober 1867.
       
       13
       
       [Aufzeichnung eines Vertrages von Karl Marx zur irischen Frage,
       gehalten im Deutschen Bildungsverein für Arbeiter in London
       am 16. Dezember 1867 [418]]
       
       Am 16. Dezember hielt Karl Marx eine Vorlesung im Londoner Arbei-
       terbildungsverein über  die Zustände Irlands, aus welcher hervor-
       geht, daß alle Versuche, welche die englische Regierung in frühe-
       ren Jahrhunderten  gemacht, die  irische Bevölkerung zu englisie-
       ren, fruchtlos  waren. Die bis zur Zeit der Reformation eingewan-
       derten Engländer,  einschließlich der  Aristokraten, wurden durch
       die irischen  Weiber in  Irländer verwandelt, und ihre Nachkommen
       kämpften gegen  England. Die Grausamkeiten der Kriegführung gegen
       die Irländer unter der Königin Elisabeth, Vernichtung der Saaten,
       Versetzung der  Bevölkerung aus  einer Gegend  in die  andere, um
       Platz für  englische Kolonisten zu finden, änderten nichts an der
       Sache. Zu  jener Zeit erhielten gentlemen 2*) und merchant adven-
       turers 3*)  große Stücken  Land unter der Bedingung, sie mit Eng-
       ländern zu  kolonisieren. Zur Zeit von Cromwell fochten die Nach-
       kommen dieser  Kolonisten mit den Iren gegen die Engländer. Crom-
       well verkaufte viele derselben als Sklaven nach Westindien. Unter
       der Restauration  wurde Irland vielfach begünstigt. Unter Wilhelm
       III. kam eine Klasse an die Herrschaft, die nur
       -----
       1*) Siehe Band  23 unserer  Ausgabe, S.  779,  784,  788,  791  -
       2*) Edelleute - 3*) spekulierende Kaufleute
       
       #551# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Geld machen  wollte, und um die Irländer zu zwingen, ihre Rohpro-
       dukte um jeden Preis an England zu verkaufen, wurde die Industrie
       Irlands unterdrückt. Mit Hülfe des protestantischen Strafgesetzes
       [348] erhielten die neuen Aristokraten freies Spiel unter der Kö-
       nigin Anna.  Das irische  Parlament [343] war ein Unterdrückungs-
       mittel. Wer  katholisch war, konnte kein öffentliches Amt beklei-
       den, konnte  kein Landeigentümer  sein, durfte kein Testament ma-
       chen, konnte  keine Erbschaft  erheben; katholischer  Bischof  zu
       sein, war  Hochverrat. Alles  dieses waren  Mittel, die  Irländer
       ihres Landes  zu berauben;  dennoch ist  mehr als  die Hälfte der
       englischen Nachkommenschaft  in Ulster  katholisch geblieben. Das
       Volk wurde  in die Arme der katholischen Geistlichkeit getrieben,
       sie erhielt  dadurch ihre Macht. Alles, was der englischen Regie-
       rung gelungen,  ist, eine Aristokratie in Irland zu pflanzen. Die
       von den  Engländern erbauten  Städte sind  irisch geworden. Daher
       gibt es unter den Feniern so viele englische Namen.
       Zur Zeit des amerikanischen Befreiungskriegs wurden die Zügel et-
       was nachgelassen.  Weitere Konzessionen wurden zur Zeit der Fran-
       zösischen Revolution nötig. Irland erhob sich so rasch, daß seine
       Bewohner die  Engländer zu überflügeln drohten. Die englische Re-
       gierung trieb  sie zur  Rebellion, und  durch Bestechung erwirkte
       [sie] die  Union. [419]  Durch die Union erhielt die wiederaufle-
       bende irische  Industrie den  Todesstoß. Meagher  sagte bei einer
       Gelegenheit, alle irischen Industriezweige sind zerstört, nur das
       Fabrizieren von Särgen ist uns geblieben. Land zu haben wurde Le-
       bensbedingung, die  großen Grundeigentümer verpachteten ihre Län-
       dereien an  Spekulanten, es ging durch vier oder fünf Abstufungen
       von Pachtkontrakten,  bis es an den Bauer kam, wodurch die Preise
       unverhältnismäßig hoch  wurden. Die Ackerbaubevölkerung lebte von
       Kartoffeln und  Wasser; Weizen und Fleisch wurde nach England ge-
       schickt; die Rente wurde in London , in Paris und in Florenz ver-
       zehrt. Im  Jahre 1836  wurden 7 000 000  Pfd.  St.  an  abwesende
       Grundeigentümer ins  Ausland geschickt. Mit den Produkten und der
       Rente wurde auch der Dünger exportiert, das Land wurde erschöpft.
       Partielle Hungersnot  fiel häufig  vor, aber durch die Kartoffel-
       krankheit von  1846  kam  es  zu  einer  allgemeinen  Hungersnot,
       1 000 000 Menschen  verhungerten. Die Kartoffelkrankheit war eine
       Folge der  Erschöpfung des  Bodens, ein  Produkt  der  englischen
       Herrschaft.
       Durch die  Abschaffung der  Korngesetze verlor Irland das Monopol
       des englischen Markts, die alte Pacht konnte nicht länger bezahlt
       werden. Hohe Fleischpreise und der Bankrott der noch übriggeblie-
       benen kleinen  Grundeigentümer haben  dazu beigetragen,  daß  die
       kleinen Bauern  vertrieben und ihr Land in Schafweiden verwandelt
       wird. Seit  1860 sind über eine halbe Million Ackerland außer Be-
       bauung gesetzt.  Der Ertrag  per Acker hat sich vermindert: Hafer
       16 Prozent,  Flachs 36 Prozent, Kartoffeln 50 Prozent. Jetzt wird
       nur Hafer für den englischen Markt gebaut, und Weizen wird einge-
       führt.
       
       #552# Beilagen
       -----
       Mit der  Erschöpfung des Bodens hat sich die Bevölkerung physisch
       verschlechtert. Die  Lahmen, die Blinden, die Taubstummen und die
       Geisteskranken haben  sich bei  abnehmender  Bevölkerung  absolut
       vermehrt.
       Über 1 100 000  Menschen sind durch 9 600 000 Schafe ersetzt wor-
       den. In  Europa ist etwas Ähnliches unerhört. Die Russen ersetzen
       die transportierten  Polen durch  Russen, nicht durch Schafe. Nur
       unter den  Mongolen in  China wurde  die Frage einst beraten, die
       Städte abzureißen, um Platz für Schafe zu machen.
       Die irische  Frage ist  daher keine  einfache Nationalitätsfrage,
       sondern eine  Land- und  Existenzfrage. Untergang oder Revolution
       ist das  Losungswort; die Irländer sind alle überzeugt, daß, wenn
       etwas geschehen  soll, so muß es schnell geschehen. Die Engländer
       sollten Trennung  verlangen und  den Irländern allein überlassen,
       die Frage  des Grundeigentums zu lösen. Alles andere ist nutzlos.
       Geschieht es  nicht bald,  so wird  die irische  Emigration einen
       Krieg mit  Amerika herbeiführen.  Die  Beherrschung  Irlands  ist
       heute das Pachteintreiben für die englische Aristokratie.
       Nach der Handschrift von Eccarius.
       
       14
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über die Folgen
       der Anwendung von Maschinen durch die Kapitalisten [420]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 28. Juli 1868]
       Bürger Marx eröffnete die Diskussion zu dem Thema "Die Folgen der
       Anwendung von  Maschinen durch  die Kapitalisten".  Er sagte,  am
       meisten setze  uns in  Erstaunen, daß  das Ergebnis der Anwendung
       von Maschinen allem widersprochen habe, was für unvermeidlich ge-
       halten wurde.  Statt der  erwarteten Verkürzung  der  Arbeitszeit
       habe es eine Verlängerung des Arbeitstages auf sechzehn bis acht-
       zehn Stunden  gegeben. Früher  habe der  normale Arbeitstag  zehn
       Stunden betragen,  in den letzten hundert Jahren sei die Arbeits-
       zeit sowohl  in England  als auch  auf dem Kontinent durch Gesetz
       verlängert worden.  Die ganze Fabrikgesetzgebung der letzten hun-
       dert Jahre  drehe sich  darum, die Arbeiter mit Hilfe der Gesetze
       zu zwingen, länger zu arbeiten.
       Erst 1833  sei die  Arbeitszeit für Kinder, auf zwölf Stunden be-
       schränkt worden. Infolge von Überarbeit sei für die geistige Ent-
       wicklung keine Zeit
       
       #553# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       geblieben. Der  physische Zustand habe sich ebenfalls verschlech-
       tert; ansteckende Krankheiten seien unter ihnen ausgebrochen, und
       dies habe einige Vertreter der oberen Klassen veranlaßt, sich mit
       dieser Frage  zu befassen.  Sir Robert Peel, der Ältere, habe als
       einer der  ersten die  Aufmerksamkeit auf  dieses schreiende Übel
       gelenkt, und Robert Owen sei der erste Fabrikant gewesen, der die
       Arbeitszeit in  seiner Fabrik beschränkt habe. Das Zehnstundenge-
       setz sei  das erste  Gesetz gewesen,  welches die Arbeitszeit für
       Frauen und  Kinder auf  zehneinhalb  Stunden  täglich  beschränkt
       habe, doch es habe sich nur auf bestimmte Fabriken erstreckt.
       Dies sei  ein Fortschritt  gewesen, da  die Arbeiter dadurch mehr
       Freizeit erhalten  hätten. Was  die Produktion  anbelange, so sei
       diese Beschränkung  schon bald wieder kompensiert worden. Infolge
       der vervollkommneten Maschinen und der erhöhten Arbeitsintensität
       der Arbeiter werde heute während des kurzen Arbeitstages mehr Ar-
       beit geleistet  als früher  während des  langen Arbeitstages. Die
       Menschen seien  wiederum überarbeitet,  und es werde bald notwen-
       dig, den Arbeitstag auf acht Stunden zu beschränken.
       Eine weitere Folge der Anwendung von Maschinen habe darin bestan-
       den, daß  sie die  Frauen und  Kinder in  die Fabriken  getrieben
       habe. Dadurch sei die Frau zu einer aktiven Kraft unserer gesell-
       schaftlichen Produktion geworden. Früher sei die Frauen- und Kin-
       derarbeit im  Familienkreis  angewandt  worden.  Ich  sage  damit
       nicht, daß es schlecht ist, wenn Frauen und Kinder an unserer ge-
       sellschaftlichen Produktion  teilnehmen. Ich  glaube,  daß  jedes
       Kind von  neun Jahren  an einen  Teil seiner Zeit mit produktiver
       Arbeit beschäftigt  werden sollte, doch der Weg, auf dem die Kin-
       der unter den gegenwärtigen Umständen gezwungen werden, zu arbei-
       ten, ist abscheulich.
       Eine weitere  Folge der  Anwendung von  Maschinen sei die völlige
       Veränderung der  kapitalistischen Verhältnisse  im Lande gewesen.
       Früher habe  es reiche Arbeitgeber und arme Arbeiter gegeben, die
       ihre eigenen  Arbeitsinstrumente benutzt  haben. Sie seien gewis-
       sermaßen freie Agenten gewesen, die die Möglichkeit hatten, ihren
       Arbeitgebern wirksamen  Widerstand entgegenzusetzen.  Für den mo-
       dernen Fabrikarbeiter,  für die  Frauen und  Kinder gebe  es eine
       solche Freiheit nicht, sie seien Sklaven des Kapitals.
       Unaufhörlich erklinge  des Kapitalisten Ruf nach einer Erfindung,
       die ihn  vom Arbeiter unabhängig machen könnte; die Spinnmaschine
       und der  Dampfwebstuhl haben  ihn unabhängig  gemacht, haben  die
       Triebkraft der  Produktion in seine Hände gelegt. Dadurch sei die
       Macht des  Kapitalisten ungeheuer  gestiegen. Der  Fabrikherr sei
       zum Strafgesetzgeber innerhalb seines eigenen Betriebes geworden.
       Er verhänge  willkürlich Strafen, oft zu seiner eigenen Bereiche-
       rung. Der  Feudalherr  sei  in  seinem  Verhalten  gegenüber  den
       Leibeigenen durch  Traditionen gebunden und bestimmten Regeln un-
       terworfen gewesen; der Fabrikherr unterstehe keiner Kontrolle.
       
       #554# Beilagen
       -----
       Zu den  wichtigsten Folgen  der Anwendung von Maschinen zähle die
       organisierte Arbeit, die früher oder später Früchte tragen müsse.
       Der Einfluß  der Maschinen  auf die  Arbeiter, mit  deren  Arbeit
       diese Maschinen  in Konkurrenz  treten, sei direkt verheerend. In
       England und  in Indien seien viele Handweber durch die Einführung
       des Dampfwebstuhls im wahrsten Sinne des Wortes getötet worden.
       Man sage  uns oft, daß die Not, die durch die Maschinen hervorge-
       rufen wird,  nur vorübergehend  sei, doch die Entwicklung der Ma-
       schinen schreite  ständig vorwärts,  und wenn  diese  Entwicklung
       auch gleichzeitig  viele Menschen  zur Produktion  heranziehe und
       ihnen Arbeit gebe, so beraube sie andererseits doch ständig viele
       Menschen ihrer  Arbeit. Es gebe einen ständigen Überschuß an Ver-
       drängten und  nicht, wie die Malthusianer behaupteten, eine Über-
       völkerung im  Verhältnis zur  Produktion des Landes, sondern eine
       Übervölkerung, deren  Arbeit durch  produktivere Maschinen  über-
       flüssig geworden sei.
       Die Anwendung  der Maschinen  auf dem Lande erzeuge eine ständige
       Übervölkerung, die  schon keine Beschäftigung mehr findet. Dieser
       Überschuß ströme  in die Städte und übe einen ständigen Druck auf
       den Arbeitsmarkt  aus, einen  Druck, der  zur Senkung  der  Löhne
       führe. Der  Zustand im Londoner Osten sei ein Beispiel für diesen
       Einfluß. [421]
       Die tatsächlichen Folgen der Anwendung von Maschinen könne man am
       besten in  den Arbeitszweigen sehen, in denen keine Maschinen an-
       gewandt werden.
       Zum Abschluß könne man sagen, daß die Anwendung von Maschinen ei-
       nerseits zur assoziierter), organisierten Arbeit und andererseits
       zur Auflösung aller bisher bestehenden gesellschaftlichen und fa-
       miliären Beziehungen führe.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       15
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über die Verkürzung
       der Arbeitszeit [422]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
       vom 11. August 1868]
       Bürger Marx  konnte nicht  mit Milner [423] darin übereinstimmen,
       daß die Verkürzung der Arbeitszeit zu einer Verringerung der Pro-
       duktion führe; dies sei unrichtig, weil dort, wo die Beschränkung
       des Arbeitstages
       
       #555# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       durchgeführt worden  sei,  die  Produktionsinstrumente  bedeutend
       stärker entwickelt  worden seien als in anderen Gewerben. Die Be-
       schränkung des  Arbeitstages werde zur Anwendung von mehr Maschi-
       nen führen  und die  Produktion in kleinem Maßstab immer unmögli-
       cher machen, was übrigens für den Übergang zur gesellschaftlichen
       Produktion notwendig  sei. Die sanitäre Seite der Frage sei klar.
       [424] Doch  eine Verkürzung  der Arbeitszeit  sei unerläßlich, um
       der Arbeiterklasse  mehr Zeit für die geistige Entwicklung zu ge-
       ben. Gesetzliche  Beschränkungen des Arbeitstages seien der erste
       Schritt zum geistigen und physischen Aufschwung und zur endgülti-
       gen Befreiung  der Arbeiterklasse. Heutzutage leugne niemand, daß
       eine Einmischung  des Staates  im Interesse der Frauen und Kinder
       erforderlich sei;  eine Beschränkung  ihrer Arbeitszeit aber habe
       in den  meisten Fällen  auch zu  einer Verkürzung der Arbeitszeit
       für Männer  geführt. England  habe zuerst  den Weg der Verkürzung
       der Arbeitszeit  beschritten, andere Länder seien gezwungen gewe-
       sen, seinem  Beispiel mehr oder weniger zu folgen. In Deutschland
       sei ernsthaft mit der Agitation begonnen worden, und vom Londoner
       Rat erwarte  man, daß  er die  Führung dieser Bewegung übernehme.
       Prinzipiell sei die Frage auf den vorangegangenen Kongressen ent-
       schieden worden; jetzt sei die Zeit zum Handeln gekommen.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       16
       
       Aufruf an die deutschen Arbeiter Londons [425]
       
       ["Hermann" Nr. 502 vom 15. August 1868]
       Arbeiter!
       Am 7.  September d.J.  versammelt sich  der dritte internationale
       Arbeiterkongreß zu Brüssel.
       Auf diesem  Kongreß sollen  die besten  Mittel  zur  Ausbreitung,
       Kräftigung und gemeinsamen Wirksamkeit des internationalen Bundes
       der Arbeiter beraten werden; ferner solche Fragen, die den Inter-
       essen der  Arbeiterklasse am nächsten hegen und nach Lösung drän-
       gen. Endlich soll man sich gegenseitig über die Mittel der Propa-
       ganda verständigen.
       Die Fragen,  die dem Kongreß von dem Generalrat vorgelegt werden,
       sind folgende:
       1. Abkürzung und Regelung des Arbeitstages;
       2. Der Einfluß der Maschinerie in den Händen der Kapitalisten;
       3. Die Natur des Grundeigentums; ,
       
       #556# Beilagen
       -----
       4. Die Erziehung der Arbeiterklasse;
       5. Errichtung von  Kreditanstalten, um  die soziale Befreiung der
       Arbeiterklasse zu fördern;
       6. Die besten Mittel zur Gründung von kooperativen Produktionsge-
       sellschaften.
       Um an  der Durchführung des durch Zeit und Umstände gebotenen Un-
       ternehmens mitzuwirken,  fordern wir euch auf, zu tun, was in eu-
       ren Kräften  steht, als  Vereine oder auch als einzelne Personen.
       Es gilt, durch freiwillige Beiträge soviel zusammenzubringen, daß
       die deutschen  Arbeiter Londons durch einen oder mehrere Abgeord-
       neten vertreten  werden können.  Es wäre schmachvoll, wenn in der
       jetzigen so  bewegten Zeit  unter den Tausenden von deutschen Ar-
       beitern in London nicht genug Gemeinsinn für die eigenen Klassen-
       interessen herrschte,  um ihre  Vertretung auf dem Brüsseler Kon-
       greß zu sichern.
       Darum Hand  ans Werk!  Es ist  hohe Zeit,  daß die Arbeiter aller
       Länder sich  vereinigen  und  begreifen,  daß  zum  erfolgreichen
       Kampfe gegen  die Herrschergewalt  der Kapitalisten ein mächtiger
       Bund aller Glieder der Arbeiterklasse nötig ist.
       Laßt uns nicht vergessen, daß in den Vereinigten Staaten Nordame-
       rikas der achtstündige Arbeitstag bereits als Gesetz für alle Re-
       gierungswerkstätten proklamiert worden ist.
       Erinnern  wir  uns  auch  jener  geschichtlichen,  inhaltsreichen
       Worte, welche  Karl Marx  in der Vorrede seines Werkes "Das Kapi-
       tal. Kritik der politischen Oekonomie" 1867 niederschrieb:
       "Wie der  amerikanische Unabhängigkeitskrieg des 18. Jahrhunderts
       die Sturmglocke  für die europäische Mittelklasse läutete, so der
       Amerikanische Bürgerkrieg  des 19.  Jahrhunderts für die europäi-
       sche Arbeiterklasse." 1*)
       Beiträge  werden  im  Deutschen  Arbeiterbildungsverein  montags,
       mittwochs und  samstags abends  von 9  Uhr an in Empfang genommen
       vom Sekretär und Kassier.
       Windsor Castle, 27, Long Acre, W.C.
       Im Namen des Deutschen Arbeiterbildungsvereins,
       deutscher Zweig der Internationalen Arbeiter-Assoziation:
       Der Vorstand
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 15
       
       #557# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       17
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über den Einfluß
       der Konkurrenz in der Baumwollindustrie auf die Lage der
       Arbeiter in Frankreich [426]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
       vom 5. Januar 1869]
       Es zeige  sich, daß die Baumwollfabrikanten Frankreichs ein Bünd-
       nis eingegangen  seien, um  die englischen  Fabrikanten auf ihren
       eigenen Märkten zu unterbieten. Die französischen Fabrikanten gä-
       ben zu,  daß sie sich trotz der besseren Maschinen und des größe-
       ren Kapitals  der englischen  Fabrikanten infolge  der  niedrigen
       Löhne, die  den Arbeitern in Frankreich gezahlt werden, behaupten
       konnten. Sie hofften, ihre Waren durch weitere Lohnsenkungen bil-
       liger als  die englischen Fabrikanten produzieren zu können. Herr
       Bertel, Bürgermeister  von  Sotteville-lès-Rouen  und  einer  der
       größten Fabrikanten  dieser Stadt,  habe als  erster diesen neuen
       Kreuzzug gegen  die Arbeiterklasse eröffnet. Er habe eine Senkung
       der Löhne um täglich 3 1/2 Pence vorgeschlagen. Diejenigen Arbei-
       ter, welche diese Bedingungen ablehnten, seien ausgesperrt worden
       und hätten  sich jetzt  an die Internationale Arbeiterassoziation
       um Hilfe gewandt.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       18
       
       [Resolution des Generalrats über das Programm
       des Baseler Kongresses [427]]
       
       In Übereinstimmung  mit dem  Bericht des  Ständigen Komitees wird
       für den bevorstehenden Kongreß das folgende Programm angenommen:
       1. Frage des Grundeigentums;
       2. Das Erbrecht;
       3. In welchem Umfang die Arbeiterklasse unmittelbar Kredit benut-
       zen kann;
       4. Frage der allgemeinen Bildung;
       
       #558# Beilagen
       -----
       5. Der Einfluß  der Gewerksgenossenschaften auf die Befreiung der
       Arbeiterklasse;
       Ferner wurde folgende Tagesordnung beschlossen:
       1. Bestätigung der Mandate;
       2. Wahl der Personen für den Kongreßdienst;
       3. Bericht des  Generalrats und  Berichte der Zweiggesellschaften
       und Sektionen;
       4. Diskussion zu Fragen, die auf dem Programm des Kongresses ste-
       hen;
       5. Bestimmung des Sitzes des Generalrats für das folgende Jahr;
       6. Wahl der Mitglieder des Generalrats;
       7. Bestimmung von Zeit und Ort des folgenden Kongresses.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       19
       
       [Aufzeichnung zweier Reden von Karl Marx
       über das Grundeigentum [428]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 6. Juli 1869]
       
       I
       
       Bürger Marx  war der  Meinung, Milner  habe das Wesen des Streits
       nicht völlig verstanden. Es gäbe keinen Einwand gegen die Umwand-
       lung der Bergwerke und Wälder in Gemeineigentum. Der Schaden, der
       durch die Anhäufung von Grund und Boden in den Händen weniger an-
       gerichtet wird,  werde von  allen anerkannt. Meinungsverschieden-
       heiten gebe es nur hinsichtlich des Ackerlandes. Die Einwände kä-
       men von  Seiten der  Anhänger des  kleinen Ackerbaus;  das kleine
       Grundeigentum sei der Streitgegenstand.
       Der Hinweis auf die gesellschaftliche Notwendigkeit sei ein stär-
       keres Argument  als die  Forderung nach  abstraktem Recht. Alles,
       jede mögliche  Form der  Unterdrückung, sei  durch das  abstrakte
       Recht gerechtfertigt worden; es sei höchste Zeit, mit dieser Agi-
       tation Schluß  zu machen.  Die Frage  sei, in welcher Form dieses
       Recht verwirklicht  werden solle.  Es sei  eine gesellschaftliche
       Notwendigkeit gewesen,  Feudaleigentum in Bauerneigentum umzuwan-
       deln. In England habe der Eigentümer bereits aufgehört, eine Not-
       wendigkeit in der Landwirtschaft zu sein.
       Was das natürliche Recht anbelange, so habe auch das Tier ein na-
       türliches Recht  auf den  Boden, ohne  den es  nicht leben könne.
       Wenn man
       
       #559# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       dieses natürliche  Recht zu  seinen logischen Konsequenzen führe,
       werde man  bei der  Behauptung anlangen, daß jeder einzelne seine
       eigene Parzelle bebauen solle.
       Gesellschaftliches Recht  und gesellschaftliche Notwendigkeit be-
       stimmten, auf  welche  Weise  die  Subsistenzmittel  zu  erlangen
       seien. Die  gesellschaftliche Notwendigkeit setzt sich durch, und
       dort, wo  Kooperation unerläßlich werde, entständen Fabriken. Die
       Tatsache, daß niemand allein etwas herstellen könne, habe die Ko-
       operation zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit gemacht.
       Er sei nicht dagegen, wenn der Resolution eine vollkommenere Form
       gegeben werde.
       
       II
       
       Die Kleinbauernschaft  sei auf  den Kongressen nicht zugegen, sei
       dort jedoch  durch ihre  Ideologen vertreten.  Die  Proudhonisten
       hielten an  diesem Punkt  sehr hartnäckig  fest, und sie seien in
       Brüssel gewesen.  Der Generalrat  sei für  die Resolution verant-
       wortlich. Sie sei von der Brüsseler Kommission [429] verfaßt wor-
       den, von  Leuten, die die Einwände, mit denen sie es zu tun haben
       würden, gut gekannt hätten. Ich bin nicht dagegen, die Resolution
       umzuarbeiten. Bürger  Weston habe  nur von der gesellschaftlichen
       Notwendigkeit gesprochen. Wir haben gesehen, daß beide Formen des
       Eigentums an  Grund und  Boden zu  schlechten Ergebnissen geführt
       haben. Der  kleine Bauer  sei nur ein nomineller Eigentümer, doch
       sei er  um so gefährlicher, weil er sich noch immer einbilde, daß
       er tatsächlicher  Eigentümer sei;  in England könne der Grund und
       Boden innerhalb  von vierzehn  Tagen durch einen Parlamentsakt in
       Gemeineigentum umgewandelt werden. In Frankreich könne dies durch
       die Verschuldung  der Landeigentümer  und ihre  Steuerlasten  zu-
       stande gebracht werden.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       20
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über das Erbrecht [430]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 20. Juli 1869]
       Bürger Marx  eröffnete die  Diskussion über  die  Frage  des  Er-
       brechts. Er  sagte, diese  Frage sei von der Allianz der soziali-
       stischen Demokratie
       
       #560# Beilagen
       -----
       in Genf  aufgeworfen worden,  und der  Rat habe  einer Diskussion
       darüber zugestimmt. Die Allianz von Genf habe in erster Linie die
       völlige Abschaffung des Erbrechts verlangt.
       Es gebe  zwei Formen  der Erbschaft.  Das testamentarische  Recht
       oder die Erbschaft durch Testamentsverfügung sei aus Rom gekommen
       und sei charakteristisch für Rom gewesen. Das Oberhaupt der römi-
       schen Familie  habe absolute  Macht über  alles ausgeübt,  was zu
       seinem Haushalt  gehörte. Das  Oberhaupt  der  römischen  Familie
       dürfe man  nicht mit dem Familienoberhaupt von heute vergleichen.
       Zum römischen  Haushalt hätten Sklaven und Klienten gehört, deren
       Angelegenheiten und Interessen das Familienoberhaupt wahrzunehmen
       und in  der Öffentlichkeit zu vertreten verpflichtet gewesen sei.
       Es habe der Aberglaube bestanden, daß nach dem Tode des Familien-
       oberhaupts sein Geist als Wächter im Haus verbleibe, um darauf zu
       achten, daß  alles seinen rechten Gang gehe, oder die Lebenden zu
       quälen, wenn  die Dinge schlecht gehandhabt würden. In den frühen
       Zeiten Roms  hätten die  Menschen diesem Hausgott Opfer gebracht,
       selbst Blutfeste  seien ihm  zu Ehren und zur Besänftigung seines
       Zornes gefeiert worden. Nach und nach sei es Brauch geworden, mit
       diesem Geist durch einen Testamentserben einen Vergleich einzuge-
       hen. Das sei die römische Vorstellung von der Unsterblichkeit der
       Seele gewesen.  In der Person dieses Erben sei der Wille des Ver-
       storbenen in  einem Testament verewigt worden, doch dieses Testa-
       ment habe  dem Nachfolger  nicht unbedingt  ein  Vermögen  einge-
       bracht, sondern ihn nur verpflichtet, den Willen des Verstorbenen
       zu erfüllen,  was als religiöse Pflicht betrachtet worden sei. Im
       Laufe der  Zeit hätten diese Erben durch Testamentsverfügung auch
       Anspruch auf  das Vermögen erhoben, doch selbst zur Zeit des Kai-
       serreichs sei  ihnen durch  Gesetz nie mehr als ein Viertel zuge-
       sprochen worden. Dieser heidnische Aberglaube sei auf die christ-
       lichen Länder  übertragen worden  und habe  die Grundlage für das
       testamentarische Recht  gebildet, wie  es gegenwärtig  in England
       und den Vereinigten Staaten existiere.
       Das deutsche Erbrecht sei das untestamentarische Recht, das Fami-
       lienerbrecht gewesen, welches das Vermögen als eine Art Mitbesitz
       der Familienmitglieder  betrachtet habe, dessen Verwalter das Fa-
       milienoberhaupt gewesen  sei. Nach dessen Tode sei der Besitz auf
       alle Kinder  übergegangen. Die Deutschen hätten kein anderes Erb-
       recht gekannt.
       Die römische  Kirche habe  das römische Recht eingeführt, und das
       Feudalsystem habe  das deutsche Recht verfälscht, da Feudaleigen-
       tum, mit Militärdienst belastet, nicht geteilt werden konnte. Die
       Französische Revolution sei zum deutschen Erbrecht zurückgekehrt.
       In England  existierten alle  möglichen unsinnigen  Bestimmungen;
       die Einzelperson  habe das unumschränkte Recht, über ihr Eigentum
       zu verfügen,  selbst ihre eigenen Nachkommen zu enterben, und da-
       durch könne  sie über  ihr Vermögen noch lange nach ihrem Ableben
       verfügen. Sich mit diesem testamentarischen
       
       #561# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Recht zu  befassen, könne  man der  Bourgeoisie überlassen, da es
       gegen den  Adel ausgenutzt werden könne. In Preußen könne man nur
       einen kleinen Teil seines Eigentums testamentarisch vererben.
       Für die  Arbeiterklasse, die  nichts zu  vererben habe, sei diese
       Frage nicht von Interesse.
       Die Allianz  der sozialistischen Demokratie wolle die soziale Re-
       volution mit  der Abschaffung  des Erbrechts  beginnen. Es erhebe
       sich die Frage: Wäre diese Politik richtig?
       Der Vorschlag  sei nicht  neu. Saint-Simon habe dies bereits 1830
       vorgeschlagen. [431]
       Als ökonomische Maßnahme wäre dies nutzlos. Das würde eine derar-
       tige Verärgerung  hervorrufen, daß  es bestimmt  auf einen schier
       unüberwindlichen Widerstand  stoßen würde,  der unvermeidlich zur
       Reaktion führe.  Sollte diese Forderung zur Zeit einer Revolution
       proklamiert werden,  so glaube er nicht, daß der Stand des allge-
       meinen Bewußtseins die Unterstützung dieser Forderung garantieren
       könne. Wenn  die Arbeiterklasse  andererseits genügend  Macht be-
       säße, das  Erbrecht abzuschaffen, dann wäre sie auch stark genug,
       zur Expropriation überzugehen, was ein viel einfacherer und wirk-
       samerer Schritt wäre.
       Die Abschaffung  des Erbrechts  in bezug  auf Grund  und Boden in
       England würde  die Erbfunktionen  berühren, die mit dem Grund und
       Boden verbunden  sind, mit  dem Oberhaus  etc. etc., 15 000 Lords
       und 15 000  Ladies müßten  sterben, ehe  sich ein Ergebnis zeigen
       würde. Wenn  dagegen ein  Parlament aus  Arbeitern verfügte,  die
       Pacht an  das Schatzamt  statt an  den Grundherrn  zu zahlen, er-
       hielte die  Regierung sofort  und ohne  soziale Erschütterung die
       Geldmittel, während  durch die  Abschaffung des  Erbrechts  alles
       verwirrt und nichts gewonnen würde.
       Unsere Bemühungen  müßten darauf  gerichtet sein, keine Produkti-
       onsinstrumente in  Privateigentum zu belassen. Das Privateigentum
       an den  Produktionsinstrumenten sei eine Fiktion, da die Eigentü-
       mer sie  nicht selbst  benutzen könnten; sie gebe den Eigentümern
       nur die  Macht über  die Produktionsmittel,  durch die sie andere
       Menschen zwingen,  für sie zu arbeiten. In einem halbbarbarischen
       Zustand mag  dies notwendig  gewesen sein, doch heute nicht mehr.
       Alle Produktionsmittel müßten vergesellschaftet werden, damit je-
       dem das  Recht und  die Möglichkeit gesichert sei, seine Arbeits-
       kraft anzuwenden. Hätten wir einen solchen Zustand, wäre das Erb-
       recht nutzlos.  Solange das  nicht der  Fall sei, könne das Fami-
       lienerbrecht nicht abgeschafft werden. Wenn die Menschen für ihre
       Kinder sparen, so sei es ihr Hauptziel, diesen die Subsistenzmit-
       tel zu sichern. Wenn die Kinder nach dem Tode der Eltern versorgt
       wären, würden  die Eltern sich nicht darum sorgen, ihnen die Mit-
       tel zum  Leben zu  hinterlassen; aber solange dies nicht der Fall
       sei, würde  die Abschaffung  des Erbrechts nur zu Schwierigkeiten
       führen, sie würde die Menschen reizen und ängstigen und
       
       #562# Beilagen
       -----
       keinen Nutzen  bringen. Statt  des Beginns einer sozialen Revolu-
       tion könne  sie nur  deren Ende sein. Zu Anfang müßten die Bedin-
       gungen für  die Vergesellschaftung der Produktionsmittel geschaf-
       fen werden.
       Das testamentarische  Erbrecht sei der Bourgeoisie verhaßt, da es
       dem Staat die Möglichkeit gebe, sich jederzeit in die Privatange-
       legenheiten einzumischen.  Wir  haben  bereits  eine  Erbschafts-
       steuer, sie müßte nur erhöht und zu einer progressiven Steuer ge-
       macht werden wie die Einkommensteuer, wobei wir die kleineren Be-
       träge, beispielsweise von 50 Pfd. St., nicht besteuerten.
       Nur in diesem Sinne betreffe diese Frage die Arbeiterklasse.
       Alles, was  mit der bestehenden Ordnung zusammenhänge, müsse ver-
       ändert werden, doch schaffte man die Testamente ab, so würden sie
       durch Schenkungen  zu Lebzeiten umgangen werden. Folglich wäre es
       besser, sie  unter gewissen  Bedingungen zu dulden, als die Dinge
       noch schlimmer  zu machen.  Erst müsse  man in der Lage sein, die
       bestehende Ordnung  zu verändern,  dann werde  das  Erbrecht  von
       selbst verschwinden.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen. '
       
       21
       
       [Aufzeichnung zweier Reden von Karl Marx über die allgemeine
       Bildung in der modernen Gesellschaft [432]]
       
       [Aus den Protokollen der Sitzungen des Generalrats
       vom 10. und 17. August 1869]
       
       I
       
       Bürger Marx sagte, mit dieser Frage sei eine Schwierigkeit beson-
       derer Art  verbunden. Einerseits  sei eine  Änderung der sozialen
       Bedingungen erforderlich, um ein entsprechendes Bildungssystem zu
       schaffen, und  andererseits sei ein entsprechendes Bildungssystem
       erforderlich, um  die sozialen Bedingungen ändern zu können. Des-
       halb müßten wir von der bestehenden Lage ausgehen.
       Auf den  Kongressen sei die Frage erörtert worden, ob die Bildung
       staatlich oder  privat sein solle. [433] Staatliche Bildung werde
       als Bildung  unter Kontrolle  der Regierung betrachtet, doch dies
       sei nicht  unbedingt notwendig. In Massachusetts sei jede Munizi-
       palität verpflichtet,  allen Kindern  einen  Elementarschulunter-
       richt zu sichern. In Städten mit mehr als
       
       #563# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       5000 Einwohnern  müßten mittlere  Schulen für polytechnische Bil-
       dung unterhalten  werden, in größeren Städten höhere Schulen. Der
       Staat steuere  etwas zu, doch nicht viel. In Massachusetts werden
       1/8 der  lokalen Steuern  für die Bildung ausgegeben, in New York
       1/5. Die  Schulkomitees, die  die Schulen verwalten, seien lokale
       Organisationen; sie ernennen die Lehrer und wählen die Lehrbücher
       aus. Der  Mangel des amerikanischen Systems bestehe darin, daß es
       zu lokalen Charakter trage und die Bildung vom kulturellen Niveau
       in jedem  Distrikt abhängig  sei. Deshalb  sei die Forderung nach
       zentraler Kontrolle  erhoben worden.  Die Besteuerung  zum Nutzen
       der Schulen  sei obligatorisch, der Schulbesuch der Kinder jedoch
       nicht. Das  Eigentum werde  besteuert und  die Menschen,  die die
       Steuern bezahlen,  wünschten, daß das Geld nutzbringend angewandt
       werde.
       Die Bildung  könne staatlich  sein, ohne  unter der Kontrolle der
       Regierung zu  stehen. Die  Regierung könne  Inspektoren ernennen,
       deren Pflicht es wäre, auf die Einhaltung der Gesetze zu achten -
       ohne daß  sie das Recht hätten, sich in die Bildung selbst einzu-
       mischen -,  so wie  die Fabrikinspektoren  auf die Einhaltung der
       Fabrikgesetze achteten.
       Der Kongreß könne ohne Zögern beschließen, daß Schulbildung obli-
       gatorisch sein  müsse. Was den Umstand betreffe, daß Kinder nicht
       zur Arbeit  gedungen werden  dürften, so  sei eines  sicher: dies
       würde nicht zu Lohnsenkungen führen, und die Menschen würden sich
       daran gewöhnen.
       Die Proudhonisten behaupteten, daß unentgeltliche Bildung ein Wi-
       dersinn sei,  da der Staat sie bezahlen müsse. Selbstverständlich
       müsse sie jemand bezahlen, aber nicht diejenigen, die dazu am we-
       nigsten in  der Lage seien. Der Redner war nicht für unentgeltli-
       che höhere Bildung.
       Was das  preußische Bildungssystem betreffe, über das so viel ge-
       sprochen! worden sei, so wolle er abschließend bemerken, daß die-
       ses System nur das Ziel verfolge, gute Soldaten heranzubilden.
       
       II
       
       Bürger Marx sagte, daß wir uns in bestimmten Punkten einig seien.
       Die Diskussion  habe mit dem Vorschlag begonnen, die Genfer Reso-
       lution zu  bestätigen, welche fordere, die geistige Erziehung mit
       körperlicher Arbeit, gymnastischer Übung und polytechnischer Aus-
       bildung zu  verbinden. Dagegen  seien keine Einwände erhoben wor-
       den.
       Die polytechnische  Ausbildung, die  von proletarischen  Schrift-
       stellern befürwortet werde, solle die Mängel ausgleichen, die aus
       der Arbeitsteilung  entspringen, welche  die Lehrlinge daran hin-
       dere, sich gründliche Kenntnis ihres Berufs anzueignen. Dabei sei
       man immer  davon ausgegangen, was die Bourgeoisie unter polytech-
       nischer Bildung verstehe und habe das dementsprechend falsch aus-
       gelegt.
       
       #564# Beilagen
       -----
       Was den  Vorschlag Frau Laws wegen des Kirchenbudgets [434] anbe-
       lange, so  wäre es  politisch zu  begrüßen, wenn sich der Kongreß
       gegen die Kirche ausspräche.
       Bürger Milners Vorschlag [435] sei nicht geeignet, daß man ihn in
       Verbindung mit  der Schulfrage diskutiere; diese Erziehung müßten
       die Jugendlichen von den Erwachsenen im täglichen Lebenskampf er-
       halten. Der Redner würde Warren nicht als eine Bibel akzeptieren,
       dies sei eine Frage, in der man nur schwer eine einheitliche Mei-
       nung erzielen  könnte. Es  ließe sich hinzufügen, daß eine solche
       Ausbildung nicht  die Schule vermitteln könne, sie müsse vielmehr
       von den Erwachsenen gegeben werden.
       Weder in  die Elementar-  noch in  die höheren  Schulen dürfe man
       Lehrfächer einführen,  die eine Partei- oder Klassenauslegung zu-
       ließen. Nur  Fächer wie Naturwissenschaften, Grammatik usw. könn-
       ten in  den Schulen  gelehrt werden. Die grammatikalischen Regeln
       zum Beispiel veränderten sich nicht, gleich, ob sie von einem re-
       ligiösen Tory  oder einem  Freidenker erklärt würden. Fächer, die
       unterschiedliche Schlußfolgerungen  zuließen,  sollten  nicht  im
       Schulunterricht gelehrt  werden; damit könnten sich die Erwachse-
       nen unter der Anleitung solcher Lehrer wie Frau Law beschäftigen,
       die Vorlesungen über Religion halte. 1*)
       Der Brüsseler  Kongreß habe  eine Resolution über die Abschaffung
       der Armee  [436] angenommen. Es wäre nicht zweckmäßig, diese noch
       einmal zu diskutieren.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       22
       
       Adresse der  Land and  Labour League an die Arbeiter und Arbeite-
       rinnen von Großbritannien und Irland [437]
       
       Arbeiter!
       Die unbegründeten  Hoffnungen, die man den schwer arbeitenden und
       leidenden Millionen  Englands vor  30 Jahren  gemacht hat,  haben
       sich nicht  erfüllt. Man  hatte ihnen gesagt, daß die Abschaffung
       der Zollbeschränkungen  das Los  der Armen der Arbeiterklasse er-
       leichtern werde; wenn sie dieser
       -----
       1*) Im "Bee-Hive"  heißt es an Stelle dieses Satzes: "Was politi-
       sche Ökonomie,  Religion und andere Fächer betreffe, so könne man
       sie weder  in den  Elementar- noch in den höheren Schulen einfüh-
       ren. Diese Art der Bildung betreffe die Erwachsenen und sollte in
       Form von Lektionen vermittelt werden durch solche Lehrer wie Frau
       Law."
       
       #565# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Schritt nicht  glücklich und  zufrieden machte,  so werde er doch
       zumindest die Hungersnot für immer aus ihrer Mitte verbannen.
       Es begann  eine mächtige Bewegung für den großen Laib Brot [438];
       die Landlords  wurden wütend,  die Geldmänner konfus, die Fabrik-
       herren frohlockten  - ihr Wille geschah: das Schutzzollsystem er-
       hielt den coup de grâce 1*). Eine Periode unglaublicher Prosperi-
       tät folgte.  Zuerst drohten  die Tories, diese Politik zu ändern.
       Als sie  jedoch 1852  die Ministersessel bestiegen, schlössen sie
       sich, statt  ihre Drohung auszuführen, dem Lobgesang der Anhänger
       der unbeschränkten Konkurrenz an. Sie, die auf einen finanziellen
       Verlust gefaßt  waren, stellten  zu ihrem größten Erstaunen fest,
       daß die  Rentrollen mehr als 2 000 000 Pfd. St. jährlich stiegen.
       Noch niemals in der Geschichte der Menschheit gab es solch großen
       Reichtum -  d.h. solch  große Mittel zur Befriedigung der Bedürf-
       nisse des Menschen -, der von so wenigen Händen und in solch kur-
       zer Zeit erzeugt wurde, wie seit der Abschaffung der Korngesetze.
       Im Verlauf  von 20  Jahren stieg der deklarierte Wert des jährli-
       chen Exports  britischer und  irischer landwirtschaftlicher  Pro-
       dukte und Industrieerzeugnisse - der Früchte eurer eigenen Arbeit
       - von  60 000 000 Pfd. St. auf 188 900 000 Pfd. St. Innerhalb von
       20 Jahren  erhöhte sich  das steuerpflichtige Einkommen der Lords
       und Ladies des britischen Grund und Bodens, wie sie selbst einge-
       stehen, von 98 000 000 Pfd. St. im Jahr auf 140 000 000 Pfd. St.;
       das der  großen Fabrikanten  und Industrieherren  von  60 000 000
       Pfd. St. im Jahr auf 110 000 000 Pfd. St. Konnten menschliche An-
       strengungen mehr erreichen?
       Oh, es  gibt Stiefkinder  in der britischen Familie. Kein Schatz-
       kanzler hat  bisher das Geheimnis enthüllt, wie diese 140 000 000
       Pfd. St.  unter den Landmagnaten aufgeteilt sind, doch dafür wis-
       sen wir alles über die Industrieherren. Die Zahl der Erfolgreich-
       sten unter  ihnen stieg  von 16  im Jahre  1846 auf  133 im Jahre
       1866. Das  jährliche Durchschnittseinkommen  jedes einzelnen  von
       ihnen stieg von 74 300 Pfd. St. auf 100 600 Pfd. St. In 20 Jahren
       eigneten sie  sich ein Viertel der Zunahme des Einkommens an. Die
       nächste Kategorie  stieg von  319 auf 959 Personen; das jährliche
       Durchschnittseinkommen jedes einzelnen von ihnen stieg von 17 700
       Pfd. St.  auf 19 300  Pfd. St.;  sie eigneten  sich ein  weiteres
       Viertel an.  In die restliche Hälfte teilten sich 346 048 ehrbare
       Bourgeois, deren Jahreseinkommen zwischen 100 und 10 000 Pfd. St.
       liegt. Die Millionen Arbeitenden aber, die Erzeuger dieses Reich-
       tums - Britanniens Aschenbrödel - erhielten Schläge und Fußtritte
       statt Halbpennystücke.
       Im Jahre  1864 stieg das steuerpflichtige Einkommen unter der Ru-
       brik D  [439] um  9 200 000 Pfd. St. Von dieser Zunahme schluckte
       die Hauptstadt  mit weniger  als  einem  Achtel  der  Bevölkerung
       4 266 000 Pfd.  St., d.h. fast die Hälfte. 3 123 000 Pfd. St. da-
       von, mehr als ein Drittel der Zunahme
       -----
       1*) Gnadenstoß
       
       #566# Beilagen
       -----
       ganz Großbritanniens,  schluckte die Londoner City, d.h. die Pri-
       vilegierten, die  1/179 der  britischen  Bevölkerung  darstellen:
       Mile  End  und  Tower  mit  einer  Arbeiterbevölkerung,  die  das
       Vierfache davon  beträgt, erhielten  175 000  Pfd. St. Die Bürger
       der City ersticken in Gold; die Hausbesitzer in den Tower Hamlets
       werden von  Armensteuern erdrückt.  Die City lehnt natürlich eine
       Zentralisierung der  Armensteuern ab, weil sie ausschließlich vom
       Prinzip der lokalen Selbstverwaltung ausgeht.
       Im Laufe von 10 Jahren bis einschließlich 1861 stieg die Zahl der
       in der Baumwollindustrie beschäftigten Arbeiter um 12%; ihre Pro-
       duktion stieg um 103%. Die Zahl der Arbeiter in den Eisenbergwer-
       ken stieg um 6%, die Produktion der Bergwerke um 37%. Zwanzigtau-
       send Bergarbeiter  arbeiteten für zehn Bergwerksbesitzer. Während
       dieser zehn  Jahre sank die Zahl der Landarbeiter von England und
       Wales um  88 147, und  doch wurden  in diesem Zeitraum viele Hun-
       derttausende Acres  Gemeindeland eingehegt  und in Privateigentum
       verwandelt, um die Güter der Aristokratie zu vergrößern, und die-
       ser Prozeß dauert noch an.
       In zwölf  Jahren stieg  der Pachtzins, nach dem die Armen in Eng-
       land und  Wales laut Gesetz besteuert werden, von 86 700 000 Pfd.
       St.  auf   118 300 000  Pfd.   St.;  die  Zahl  der  erwachsenen,
       arbeitsfähigen Pauper stieg von 144 500 auf 185 600.
       Das sind keine Phantasiegemälde, die ihren Ursprung in der erreg-
       ten Einbildungskraft  unverbesserlicher Hitzköpfe  haben; es sind
       die Eingeständnisse  der Landlords  und Geldmänner,  die in ihren
       eigenen Blaubüchern enthalten sind. Einer ihrer Experten erklärte
       kürzlich im  Oberhaus, daß  die besitzenden Klassen, die herrlich
       und in  Freuden leben,  vom Produkt  eurer Arbeit  jährlich  etwa
       150 000 000 Pfd.  St. für sich anlegen können. Wenige Wochen spä-
       ter berichtete der Präsident der Königlichen chirurgischen Fakul-
       tät einer  Jury, welche  die Ursache  für den vorzeitigen Tod von
       acht Menschen  feststellen sollte,  was er in dem schmutzigen Ar-
       menhaus von St. Pancras gesehen hat.
       Die Zahl  der Privilegierten in Irland hat sich ebenfalls vergrö-
       ßert, und  ihr Einkommen ist gestiegen, während ein Sechstel sei-
       ner schwer  arbeitenden Söhne und Töchter durch Hunger und Krank-
       heiten, die mit diesen einhergehen, umgekommen ist, und ein Drit-
       tel der  Übriggebliebenen von verbrecherischen Usurpatoren exmit-
       tiert, vertrieben und aus dem Vaterland verbannt wurde.
       Diese Periode  beispielloser industrieller  Prosperität hat  Tau-
       sende unserer Arbeitskameraden - ehrliche, unverdorbene, hart ar-
       beitende Männer und Frauen - ins Arbeitshaus gebracht; das Roast-
       beef ihrer  Träume hat sich in Armensuppe verwandelt. Hunderttau-
       sende, Männer,  Frauen und Kinder, irren in dem Lande, in dem sie
       geboren wurden,  umher -  obdachlose, erniedrigte  Verstoßene  -,
       überfüllen die Städte und bevölkern die Landstraßen auf der Suche
       nach Arbeit, um Nahrung und Unterkunft zu
       
       #567# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       erhalten, ohne  daß sie  sie finden können. Weitere Tausende, die
       mehr waghalsig  als ehrlich  sind, verbüßen  Gefängnisstrafen für
       kleine Diebstähle, weil sie die Gefängnisvorschriften dem Aufent-
       halt im Arbeitshaus vorziehen, während die großen Schwindler frei
       umherlaufen und  verbrecherische Landlords  auf den Sitzungen der
       Friedensgerichte den  Vorsitz führen,  um Gericht zu halten. Tau-
       sende junger und gesunder Menschen überqueren die Meere, entflie-
       hen ihrem  heimatlichen Herd  wie einer Seuche, und die Alten und
       Schwachen kommen am Wege vor Hunger und Kälte um. Die Spitale und
       Krankenhäuser sind  überfüllt mit Fieberkranken und Menschen, die
       vor Hunger  umfallen: der  Hungertod ist  zu einem  gewöhnlichen,
       alltäglichen Ereignis geworden.
       Alle sind  sich darüber  einig, daß die Qual der Armen der Arbei-
       terklasse niemals  größer war  als jetzt  und die Not noch nie so
       weit verbreitet;  noch nie  waren jedoch  auch die Mittel zur Be-
       friedigung der  Bedürfnisse des  Menschen in  derartigem Überfluß
       vorhanden. Das  beweist vor allem, daß das moralische Prinzip je-
       der Regierungsgewalt,  wonach "das Wohlergehen der ganzen Gesell-
       schaft höchstes Gesetz ist und Zweck, und Ziel jeder Zivilgesetz-
       gebung sein muß", völlig mißachtet worden ist. Diejenigen, welche
       über die  Geschicke der  Nation  bestimmen,  haben  ihre  höchste
       Pflicht entweder  leichtfertig vernachlässigt,  indem sie den be-
       sonderen Interessen  der Reichen  dienten, um sie noch reicher zu
       machen, oder  waren auf  Grund ihrer sozialen Stellung, ihrer Er-
       ziehung und  ihrer Klassenvorurteile unfähig, ihre Pflicht gegen-
       über der  ganzen Gesellschaft  zu erfüllen  oder die  notwendigen
       Maßnahmen durchzuführen;  in beiden  Fällen haben  sie das in sie
       gesetzte Vertrauen mißbraucht.
       Klassenherrschaft ist  nur dann  möglich, wenn  die Unterdrückten
       vor äußerster Not geschützt sind. Den herrschenden Klassen ist es
       nicht gelungen,  den industriellen  Lohnarbeiter in seinen besten
       Jahren vor  Not und  Hungertod zu  schützen. Ihre  Maßnahmen sind
       vollständig gescheitert,  ihre Versprechungen  nicht erfüllt wor-
       den. Sie  versprachen Einschränkung  der  öffentlichen  Ausgaben,
       statt dessen  haben sie  diese ungeheuer erhöht. Sie versprachen,
       die Steuerlast  von euren  Schultern zu  nehmen, doch die Reichen
       zahlen nur  einen Bruchteil  der erhöhten Ausgaben; der Rest wird
       von euren  Bedarfsartikeln erhoben-selbsteure Pfandscheine werden
       besteuert -,  um ein stehendes Heer zu unterhalten, das aus euren
       eigenen Reihen  gebildet wird, um euch niederzuschießen, wenn ihr
       Zeichen der Unzufriedenheit zeigt. Sie versprachen, den Pauperis-
       mus auf  ein Minimum  zu reduzieren, doch sie haben Armut und Not
       zum gewohnten  Los eures Lebens gemacht - der große Laib Brot ist
       zu einem  Nichts zusammengeschrumpft.  Jedes Mittel,  das sie an-
       wandten, hat  das Elend  nur noch verschlimmert, und so haben sie
       denn nichts  mehr vorzuschlagen  - ihre Herrschaft ist dem Unter-
       gang geweiht.  Sie fortzusetzen hieße, alle gemeinsam ins Verder-
       ben zu  führen. Es  gibt nur  ein  einziges  Mittel.  Helft  euch
       selbst! Beschließt,
       
       #568# Beilagen
       -----
       daß ihr  diesen abscheulichen Zustand nicht länger dulden werdet;
       handelt nach  eurem Ermessen,  und ihr  werdet diesem Zustand ein
       Ende bereiten.
       Vor einigen  Wochen hat eine Gruppe Londoner Arbeiter diese Frage
       beraten. Die Arbeiter kamen zu dem Schluß, daß die jetzige ökono-
       mische Basis  der Gesellschaft  die Wurzel  allen Übels  sei, daß
       nichts außer  einer Umwandlung der bestehenden sozialen und poli-
       tischen Ordnung  helfen könne  und daß eine solche Umwandlung nur
       von den  Millionen Arbeitenden selbst herbeigeführt werden könne.
       Sie legten ihre Schlußfolgerungen in einer Reihe von Resolutionen
       nieder und  beriefen eine  Konferenz von  Arbeitervertretern ein,
       auf der  die Resolutionen  vorgelegt wurden. In drei aufeinander-
       folgenden Versammlungen  wurden diese Resolutionen diskutiert und
       einstimmig angenommen.  Um diese  durchzuführen, wurde  eine neue
       Arbeiterorganisation mit dem Namen Land and Labour League gegrün-
       det. Ein  Exekutivkomitee von  mehr als 40 bekannten Arbeiterver-
       tretern ward ernannt, um ein Prinzipienprogramm auf der Grundlage
       der ersten,  von der Konferenz angenommenen Resolutionen auszuar-
       beiten, das als ein Aktionsprogramm gedacht ist, mit dem eine ra-
       dikale Veränderung herbeigeführt werden kann.
       Nach reiflicher Überlegung stimmte das Komitee Folgendem zu:
       1. Nationalisierung des Bodens.
       2. Kolonisierung im Innern.
       3. Allgemeine, weltliche,  unentgeltliche und obligatorische Bil-
       dung.
       4. Aufhebung der  privaten Emissionsbanken. Allein der Staat darf
       Banknoten ausgeben.
       5. Ersetzung aller  Steuern durch  eine direkte  und  progressive
       Vermögenssteuer.
       6. Liquidierung der Staatsschuld.
       7. Abschaffung des stehenden Heeres.
       8. Verkürzung der Arbeitszeit.
       9. Gleiches Wahlrecht bei Bezahlung der Abgeordneten.
       Der Erfolg unserer Anstrengungen wird von dem Druck abhängen, der
       auf die  Machthaber ausgeübt  wird;  er  erfordert  zahlenmäßiges
       Übergewicht, Zusammenschluß, Organisation und Kombination der Ak-
       tionen. Deshalb  rufen wir euch auf, euch zusammenzuschließen, zu
       organisieren und  eure Aktionen  zu koordinieren  und in ganz Ir-
       land, Schottland, Wales und England in den Ruf einzustimmen: "Das
       Land dem Volke!" - dem rechtmäßigen Erben der Gaben der Natur. In
       einem rationellen Zustand der Gesellschaft kann der Grund und Bo-
       den, die  Quelle des  Lebens, nicht  der Kontrolle und den Launen
       und Kapricen  einiger weniger  Privatpersonen überlassen  werden.
       Die einzige Macht, die den Grund und Boden zum
       
       #569# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Nutzen der  ganzen Gesellschaft  verwalten  kann,  ist  eine  Re-
       gierang, die  vom ganzen Volke gewählt ist und sein Vertrauen ge-
       nießt.
       Besteht darauf,  daß der Staat das unbebaute Land zurückfordert -
       womit er  den Grundstein  zur Nationalisierung  des Bodens  legen
       würde - und darauf die Arbeitslosen ansiedelt. Nicht ein Acre Ge-
       meindeland darf  mehr für  die Privatzwecke  der Nichtproduzenten
       eingehegt werden.  Zwingt die  Regierung, die  Armee bis zu ihrer
       endgültigen  Auflösung  als  Pioniertruppe  einzusetzen,  um  das
       brachliegende Land  von Unkraut  zu säubern, den Boden zu dränie-
       ren, planieren  und kultivieren, statt Lager zu errichten, welche
       die Vernichtung des Lebens vorbereiten. Wenn grüne Felder und Ge-
       müsegärten mit  dem edlen Sport der Jagd unvereinbar sind, so mö-
       gen die Jäger auswandern.
       Macht die  neun Punkte  der Liga  zum Programm  der Arbeiter, zum
       Prüfstein für die Parlamentskandidaten, und meint ihr, diese ent-
       sprächen nicht  ihrer Bestimmung,  so weist  sie zurück  wie eine
       falsche Münze, denn wer nicht für euch ist, ist gegen euch.
       Man betrügt  euch um  die Früchte eurer Arbeit durch Gesetze über
       den Grund und Boden, durch Finanzgesetze und alle möglichen ande-
       ren Gesetze.  Außer dem  armseligen Hungerlohn,  der euch bleibt,
       habt ihr die Zinsen für eine Schuld zu zahlen, die gemacht wurde,
       um eure Vorfahren in Unterwerfung zu halten; ihr habt ein stehen-
       des Heer  zu unterhalten,  das in  bezug auf  eure Generation den
       gleichen Zielen  dient; ihr  seid, wenn  ihr Arbeit  habt,  durch
       Überarbeitung systematisch erschöpft, und immer seid ihr unterer-
       nährt. Nur  eine Reihe  solcher radikaler Reformen, wie sie unser
       Programm vorsieht,  wird euch aus der hoffnungslosen Verzweiflung
       herausführen, in der ihr euch jetzt befindet. Die Schwierigkeiten
       können durch  die Einheit  des Ziels und Handelns überwunden wer-
       den. Wir sind viele und unsere Gegner wenige. Darum, Arbeiter und
       Arbeiterinnen aller Glaubensbekenntnisse und Berufe, fordert ein-
       mütig eure  Rechte, schließt  euch zusammen  und  vereinigt  eure
       Kräfte unter  dem Banner  der Land and Labour League, um eure ei-
       gene Befreiung zu erobern!
       John Weston, Schatzmeister
       Martin T. Boon,
       J. Georg Eccanus, Sekretäre
       Nach der Broschüre.
       
       Aus dem Englischen.
       
       #570# Beilagen
       -----
       23
       
       [Aufzeichnung zweier Reden von Karl Marx über die Politik
       der britischen Regierung gegenüber den irischen Gefangenen [440]]
       
       [Aus den Protokollen der Sitzungen des Generalrats
       vom 16. und 23. November 1869]
       
       I
       
       Bürger Marx  eröffnete dann  die Diskussion  über die Haltung der
       britischen Regierung in der irischen Frage. Er sagte:
       Politische Amnestie  kann zweierlei Ursachen haben: Amnestie wird
       gewährt, 1.  wenn eine  Regierung durch die Stärke der Waffen und
       die öffentliche  Meinung stark genug ist und der Feind seine Nie-
       derlage eingesteht,  wie dies  in Amerika  der Fall  war; 2. wenn
       Mißregierung die  Ursache des  Konflikts ist  und die  Opposition
       sich durchsetzt,  wie das  in Öterreich  und Ungarn der Fall war.
       Das hätte auch in Irland geschehen müssen.
       Sowohl Disraeli  als auch  Gladstone haben gesagt, daß die Regie-
       rung für  Irland das tun müsse, was in anderen Ländern eine Revo-
       lution tue. Bright behauptete wiederholt, daß in Irland jederzeit
       eine Revolution  ausbrechen könne, wenn nicht eine radikale Ände-
       rung erfolge. In der Wahlperiode rechtfertigte Gladstone den Auf-
       stand der Fenier, indem er sagte, daß jede andere Nation sich un-
       ter ähnlichen  Umständen erhoben hätte. Als man im Unterhaus über
       ihn herfiel, redete er sich damit heraus, seine flammenden Erklä-
       rungen gegen  die Eroberungspolitik  hätten nur bedeutet, daß Ir-
       land nach irischen Vorstellungen regiert werden müsse. Um der Er-
       oberungspolitik ein  Ende zu  machen, hätte er, sofort nachdem er
       Minister geworden war, mit einer Amnestie beginnen müssen, wie es
       in Amerika  und Österreich  geschah. Er  tat nichts  dergleichen.
       Daraufhin hat  die Amnestiebewegung in Irland durch die Munizipa-
       litäten eingesetzt.  Als schon  eine Abordnung mit einer Petition
       von 200 000 Unterschriften für die Freilassung der Gefangenen ab-
       reisen wollte,  kam er ihr durch die Freilassung einiger Personen
       zuvor, damit  nicht der  Anschein erweckt werde, daß er dem Druck
       von Seiten  Irlands nachgebe. Die Petition wurde eingereicht; sie
       war nicht  von Feniern organisiert worden, doch er gab keine Ant-
       wort darauf.  Dann wurde  im Unterhaus  zur Sprache gebracht, daß
       die Gefangenen  schändlich behandelt  würden. In  dieser Hinsicht
       wenigstens ist die englische Regierung unparteilich und behandelt
       Iren und Engländer gleich. In keinem europäischen Land werden po-
       litische Gefangene so behandelt wie in England und Rußland. Bruce
       war gezwungen, die Tatsache zuzugeben. Moore verlangte
       
       #571# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       eine Untersuchung,  sie wurde  abgelehnt.  Daraufhin  setzte  die
       Volksbewegung für  die Amnestie  in Limerick  ein. Es  fand  eine
       Kundgebung statt,  an der  30 000 Menschen teilnahmen und auf der
       eine Denkschrift  angenommen wurde,  die die bedingungslose Frei-
       lassung forderte.  In allen Städten im Norden fanden Kundgebungen
       statt. Dann  wurde die große Kundgebung in Dublin angekündigt, an
       der 200 000  Menschen teilgenommen haben. Sie wurde Wochen vorher
       für den  10. Oktober angekündigt. Die Gewerksgesellschaften woll-
       ten einen  Umzug durchführen.  Am 8. wurde eine Verordnung erlas-
       sen, die bestimmte Straßen für den Umzug verbot. Isaac Butt legte
       dies als  Verbot des Umzuges aus. Man wandte sich deshalb mit ei-
       ner Anfrage  an Fortescue,  doch dieser  war nicht  zu Hause, und
       sein Sekretär Burke wußte von nichts. Man hinterließ einen Brief,
       auf den eine Antwort erwartet wurde, aber Fortescue wich aus. Die
       Regierung wollte einen Zusammenstoß. Man nahm Abstand von dem Um-
       zug, und  später stellte sich heraus, daß für diesen Anlaß an die
       Soldaten je 40 Schuß ausgegeben worden waren.
       Danach beantwortete  Gladstone ausweichend die Petition aus Lime-
       rick vom  August. [280] Er schrieb, das Benehmen der Menschen sei
       sehr unterschiedlich.  Es gebe  loyale Menschen  und andere,  die
       eine grobe  Sprache sprächen und als Recht forderten, was nur ein
       Akt der Milde sein könnte.
       Es ist  überaus anmaßend  von einem  bezahlten öffentlichen Ange-
       stellten, eine  öffentliche Kundgebung  lehren zu wollen, wie man
       sprechen muß.
       Der nächste  Einwand Gladstones  war,  daß  die  Gefangenen  ihre
       Pläne, die  durch ihre Verhaftung durchkreuzt worden seien, nicht
       aufgegeben hätten.
       Wie kann  Gladstone ihre Pläne kennen und wissen, daß sie noch an
       ihnen festhalten?  Hat er  ihnen durch Folterungen ein Geständnis
       abgezwungen? Er  will sie zwingen, sich von ihren Prinzipien los-
       zusagen, will sie moralisch erniedrigen. Napoleon machte den Ver-
       zicht auf  die republikanischen  Prinzipien nicht  zur  Bedingung
       seiner Amnestie, und auch Preußen forderte nichts dergleichen.
       Weiter erklärte Gladstone, die Verschwörung bestehe noch immer in
       England und Amerika. Wäre das der Fall, so wäre Scotland Yard ihr
       bald auf die Schliche gekommen. Es ist aber nur eine Unzufrieden-
       heit, die schon 700 Jahre währt. Die Iren haben erklärt, sie faß-
       ten bedingungslose Freiheit als einen Schritt zur Versöhnung auf.
       Gladstone kann  die Verschwörung  der Fenier in Amerika nicht un-
       terdrücken, er fördert sie nur durch sein Verhalten. Eine Zeitung
       nennt ihn  das Head Centre [441]. Er ist mit der Presse unzufrie-
       den. Er  besitzt nicht  den Mut, die Presse zu verfolgen, deshalb
       möchte er  die Gefangenen  verantwortlich machen. Will er sie als
       Geiseln festhalten, um ein gutes Betragen der Leute außerhalb der
       Gefängnismauern zu  erreichen? Er behauptet, es sei "unser Wunsch
       gewesen, äußerste  Toleranz  zu  üben".  Dies  ist  folglich  die
       Grenze.
       
       #572# Beilagen
       -----
       Als das  Mountjoy-Gefängnis mit Gefangenen ohne Gerichtsverfahren
       überfüllt war,  schrieb Dr.  M'Donnell an  Joseph Murray Brief um
       Brief wegen  ihrer Behandlung. Lord Mayo sagte später, daß Murray
       die Briefe  unterschlagen habe.  M'Donnell schrieb deshalb an den
       Gefängnisinspektor, einen  höheren Beamten.  Er  wurde  daraufhin
       entlassen, Murray aber wurde befördert.
       Weiterhin sagte Gladstone, daß "wir empfohlen haben", die kleine-
       ren Verbrecher  freizulassen, die Anführer und Organisatoren aber
       könne man nicht auf freien Fuß setzen.
       Das ist  eine offensichtliche Lüge. Unter den Gefangenen befanden
       sich zwei  Amerikaner, die  zu je 15 Jahren verurteilt waren. Die
       Furcht vor  Amerika veranlaßte  die Regierung,  sie freizulassen.
       Carey wurde  1865 zu 5 Jahren verurteilt, er befindet sich in der
       Irrenanstalt; seine  Familie möchte  ihn nach Hause haben, ist er
       doch nicht in der Lage, die Regierung zu stürzen.
       Ferner sagte Gladstone, daß Aufruhr gegen die öffentliche Ordnung
       in England  immer als  Verbrechen betrachtet worden sei. Der Auf-
       ruhr von  Jefferson Davies  sei gerechtfertigt  gewesen, weil  er
       nicht gegen die Engländer und ihre Regierung gerichtet war. [281]
       Die Regierung, fuhr Gladstone fort, dürfe sich von keinen anderen
       Erwägungen leiten lassen, als von der Bestrafung der Verbrechen.
       Die Regierung  dient den Unterdrückern Irlands. Gladstone möchte,
       daß die  Iren auf die Knie fallen, weil ein aufgeklärter Souverän
       und das  Parlament einen  großen Akt  der Gerechtigkeit vollzogen
       hätten. Doch gerade sie sind diejenigen, welche die Verbrechen am
       irischen Volk  begehen. Die irische Frage war die einzige Losung,
       mit deren  Hilfe Gladstone und Bright Minister werden, die Dissi-
       denten ergreifen  und den  irischen Postenjägern  die Möglichkeit
       geben konnten, ihre Käuflichkeit zu rechtfertigen. Die Kirche war
       nur der Vorwand für die Eroberung. Der Vorwand ist beseitigt, die
       Knechtschaft aber  geblieben. Gladstone  hat erklärt, daß die Re-
       gierung bestrebt  sei, auch  weiterhin jeden Anlaß zur Beschwerde
       zu beseitigen,  daß sie jedoch entschlossen sei, Leben und Eigen-
       tum zu schützen und die Integrität des Reichs zu erhalten.
       Die Gefahr für Leben und Eigentum geht von der englischen Aristo-
       kratie aus.  Kanada gibt sich seine eigenen Gesetze, ohne die In-
       tegrität des  Reichs zu  verletzen, die  Iren aber werden von der
       Regelung ihrer  eigenen Angelegenheiten  ferngehalten, sie müssen
       sie der Fürsorge des Parlaments überlassen, d.h. derselben Macht,
       die sie  in ihre  jetzige Lage  gebracht hat. Die größte Dummheit
       wäre es,  zu glauben,  daß die Freilassung der Gefangenen aus dem
       Gefängnis gefährlicher wäre, als die Beleidigung einer ganzen Na-
       tion. Der  alte englische  Eroberergeist kommt  in der Behauptung
       zum Ausdruck: Wir wollen ja geben, aber ihr müßt darum bitten.
       
       #573# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       In einem Brief an Isaac Butt schreibt Gladstone:
       
       "Sie erinnern mich daran, daß ich einmal für die Ausländer einge-
       treten sei.  Gleichen sich  denn diese  beiden Fälle?  Die Fenier
       wurden nach  geltendem Gesetz  gerichtet und von einer Jury ihrer
       Landsleute für schuldig erklärt. Die Gefangenen von Neapel wurden
       verhaftet und  nicht vor  Gericht gestellt; als das dann aber ge-
       schah, wurden sie vor ein Sondergericht gestellt und von Richtern
       verurteilt, die ihr Gehalt von der Regierung beziehen."
       
       Wenn ein  Plünderer von einer aus Landedelleuten bestehenden Jury
       verurteilt wird, so wird er von seinen Landsleuten verurteilt. Es
       ist allgemein  bekannt, daß  die irischen Schwurgerichte sich aus
       Schloßlieferanten zusammensetzen, deren Lebensunterhalt von ihrer
       Rechtsprechung abhängt.  Unterdrückung ist stets die übliche Pra-
       xis der  Gerichte. In England können die Richter unabhängig sein,
       in Irland nicht. Ihre Beförderung hängt davon ab, wie sie der Re-
       gierung dienen.  Der Staatsanwalt  Sullivan ist  zum Oberaufseher
       des Gerichtsarchivs befördert worden.
       Dem Alten  Orden der  Förster in  Dublin antwortete Gladstone, er
       sei sich  nicht bewußt, ein Versprechen gegeben zu haben, daß Ir-
       land nach  irischen Vorstellungen regiert werden solle. [442] Und
       nach all dem erscheint er im Rathaus und beklagt sich, daß er der
       Aufgabe nicht gewachsen ist.
       Infolgedessen werden  alle Meetings  zur Verteidigung  der Rechte
       der Pächter  abgesagt, und  die Irländer  fordern die Freilassung
       der Gefangenen.  Sie haben  mit der  klerikalen Partei gebrochen.
       Sie fordern jetzt die Selbstverwaltung für Irland. Moore und Butt
       haben sich  dafür ausgesprochen.  Sie haben  beschlossen, die Be-
       freiung O'Donovan  Rossas dadurch  zu erreichen,  daß sie ihn zum
       Parlamentsmitglied wählen.
       
       II
       
       Bürger Mottershead  hat einen  Überblick über die Tätigkeit Glad-
       stones gegeben,  ich hätte  einen anderen  gegeben, doch  das hat
       nichts mit  der uns  beschäftigenden Frage  zu tun.  Die auf  den
       Kundgebungen angenommenen  Petitionen waren  völlig korrekt, aber
       Gladstone nahm Anstoß an den Reden, die zur Unterstützung der Pe-
       titionen gehalten  wurden. Gastlereagh  war nicht  schlechter als
       Gladstone, und  ich fand heute im "Political Register" [443], daß
       er, als  er gegen  die Iren sprach, die gleichen Worte gebrauchte
       wie Gladstone, und Cobbett antwortete ihm geradeso wie ich.
       Als die  Wahlkampagne begann, haben alle irischen Kandidaten eine
       Amnestie gefordert, doch Gladstone hat nichts getan, bis sich die
       irischen Munizipalitäten gerührt haben.
       Ich spreche  nicht von  den Opfern  der ausländischen Ereignisse,
       weil man  den ungarischen Krieg nicht mit dem Aufstand der Fenier
       vergleichen kann.  Wir könnten ihn mit 1798[444) vergleichen, und
       dann würde der Vergleich nicht zugunsten der Engländer ausfallen.
       
       #574# Beilagen
       -----
       Ich wiederhole, daß politische Gefangene nirgends so schlecht be-
       handelt werden wie in England.
       Bürger Mottershead  ist nicht  bereit, uns seine Meinung über die
       Iren zu  sagen; wenn  er wissen möchte, was andere Völker von den
       Engländern halten, soll er Ledru-Rollin und andere Schriftsteller
       des Kontinents lesen. Ich habe die Engländer immer verteidigt und
       werde das auch weiterhin tun.
       Diese Resolution  soll nicht angenommen werden, um die Gefangenen
       zu befreien,  selbst die  Iren haben das aufgegeben. Es soll eine
       Resolution sein,  welche die  Sympathie mit den Iren zum Ausdruck
       bringt und  zu der  Haltung der  Regierung  Stellung  nimmt;  sie
       bringt vielleicht  die Engländer und die Iren zusammen. Gladstone
       muß mit  der Opposition  der "Times",  der "Saturday Review" usw.
       zusammenstoßen, wenn wir furchtlos unsere Meinung sagen; anderer-
       seits können wir ihn auch gegen eine solche Opposition unterstüt-
       zen, die  ihn sonst  zu Fall  bringen könnte.  Er war während des
       Bürgerkriegs im Amt und zeichnete verantwortlich für das, was die
       Regierung tat,  und wenn  es um  den Norden  schlecht stand,  als
       Gladstone mit  seiner Erklärung  auftrat, so  gereicht das seinem
       Patriotismus nicht zur Ehre.
       Bürger Odger hat recht: wenn wir die Befreiung der Gefangenen an-
       strebten, so  wäre das nicht der geeignete Weg, um dies zu errei-
       chen. Doch  es ist  wichtiger, auf  das irische Volk Rücksicht zu
       nehmen als auf Gladstone. [445]
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       24
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über den "Bee-Hive" [446]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
       vom 26. April 1870]
       Bürger Marx  schlug vor,  der Rat solle jede Verbindung zum "Bee-
       Hive" abbrechen.
       Er sagte,  diese Zeitung habe unsere Resolutionen totgeschwiegen,
       unsere Berichte  verstümmelt und  ihre Veröffentlichung  so  weit
       hinausgezögert, daß  sie zur  Fälschung der  Daten Zuflucht nahm.
       Selbst die  Mitteilung über  die Diskussion einiger Fragen bezüg-
       lich der irischen Gefangenen sei nicht veröffentlicht worden.
       
       #575# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       Überdies widerspreche der Ton des "Bee-Hive" den Statuten und dem
       Programm der  Assoziation. Die  Zeitung predige  Harmonie mit den
       Kapitalisten, während  die Assoziation der Herrschaft der Kapita-
       listen den Krieg angesagt habe.
       Außerdem haben  sich unsere Sektionen im Ausland beklagt, daß wir
       den "Bee-Hive"  durch Übersendung  unserer Berichte moralisch un-
       terstützten und diesen Leuten dadurch Anlaß gäben zu glauben, daß
       wir ihre  Politik billigten. Es wäre besser für uns, ohne ein öf-
       fentliches Organ  zu sein,  als daß wir uns dieses Blattes bedie-
       nen.
       Im Zusammenhang mit der Diskussion über die irische Coercion Bill
       habe die Zeitung nicht ein Wort gegen die Regierung gesagt.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.
       
       25
       
       [Wiedergabe eines Briefes von Karl Marx
       an den Ausschuß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei [447]]
       
       Der zweite  Brief betrifft  geschäftliche Angelegenheiten der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation, insbesondere die Verlegung des
       Kongresses. Marx  weist darin den Antrag Liebknechts, den Kongreß
       bis zum  Oktober zu verschieben, entschieden zurück, obwohl diese
       Verschiebung dem  Generalrat selbst  sehr  wünschenswert  gewesen
       wäre, da  die Kongreßvorlagen  noch nicht  fertig seien. Aber die
       Franzosen wären schon verstimmt darüber, daß der Kongreß in Mainz
       tagen solle und nicht wenigstens in Verviers, während die Pariser
       speziell ihn  gern in  Paris gehabt  hätten. Es  dürfe kein Bewe-
       gungsferment geliefert werden. Marx befürchtet bei einem Eingehen
       auf den Liebknechtschen Hinausschiebungsplan einen Minoritätskon-
       greß der  Franzosen und  romanischen Schweizer  unter Bakunin und
       sagt: "Die  nationalen Eifersüchteleien  sind zu tief in das Blut
       gedrungen, um in einem Tage wegräsoniert werden zu können."
       Nach: "Leipziger Hochverrathsprozeß", Leipzig 1872
       
       #576# Beilage
       -----
       26
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx über die Spaltung
       in der Romanischen Föderation [448]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 28. Juni 1870]
       Bürger Marx war der Meinung, daß der Rat nur eins tun könne, näm-
       lich das  Genfer Komitee, das die Assoziation seit ihrer Gründung
       unterstützt habe, so zu lassen, wie es ist. Es habe seine Pflicht
       in jeder  Hinsicht erfüllt,  und wenn  es auch weniger Delegierte
       auf dem  Schweizer Kongreß habe, so vertrete es doch eine größere
       Mitgliedschaft als  die andere  Seite. Man solle ihm auch die Ab-
       stimmung über  die Aufnahme der Allianz mitteilen. Das neue Komi-
       tee könne einen lokalen Namen annehmen.
       Nach dem Protokollbuch.
       
       Aus dem Englischen.

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