Quelle: MEW 16 September 1864 - Juli 1870


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       Vorwort
       
       Der sechzehnte  Band der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels
       enthält die  Arbeiten, die  von September 1864 bis Juli 1870, von
       der Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation (I. Interna-
       tionale) bis zum Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71
       geschrieben wurden.
       Im Zusammenhang  mit dem Wiederaufleben bürgerlich-demokratischer
       Bewegungen in  den sechziger Jahren, der Verstärkung des nationa-
       len Befreiungskampfes  der unterdrückten  Völker, dem politischen
       Erwachen der  Arbeiterklasse und dem Heranreifen eines revolutio-
       nären Aufschwungs in einer Reihe europäischer Länder entwickelten
       die Begründer  des wissenschaftlichen  Kommunismus  eine  äußerst
       breite theoretische  und praktische  revolutionäre Tätigkeit,  um
       das internationale  Proletariat auf neue Klassenschlachten vorzu-
       bereiten.
       Die gewaltige  Arbeit zur Vollendung des ersten Bandes des ökono-
       mischen  Hauptwerkes   des  wissenschaftlichen  Kommunismus,  des
       "Kapitals", verband  Marx in dieser Zeit mit unermüdlicher, rast-
       loser Tätigkeit bei der Leitung der Internationalen Arbeiterasso-
       ziation, die,  wie Engels  einmal schrieb, die Krönung seiner ge-
       samten parteipolitischen Tätigkeit war.
       Die theoretische  Arbeit Engels',  der an dem Wirken der Interna-
       tionale lebhaften  Anteil nahm  und Marx  ständig bei der Leitung
       dieser internationalen  Organisation des Proletariats half, hatte
       eine Reihe  aktueller historischer und militärischer Probleme so-
       wie die  nationale und  die Bauernfrage zum Gegenstand. Seit 1869
       widmete sich Engels besonders dem Studium der Geschichte Irlands,
       um die internationalistische Haltung des Proletariats in der iri-
       schen Frage,  die zu dieser Zeit eine besondere Zuspitzung erfuhr
       und große  politische Bedeutung  gewann, wissenschaftlich  zu be-
       gründen. Marx'  und Engels'  Tätigkeit in  diesen Jahren  ist ein
       hervorragendes Beispiel  der für den wissenschaftlichen Kommunis-
       mus charakteristischen
       
       #VI# Vorwort
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       Verbindung der  revolutionären Theorie mit der revolutionären Po-
       litik und der Praxis des Klassenkampfes.
       Die vielseitige  wissenschaftliche und  politische Tätigkeit  von
       Marx und  Engels spiegelt  sich in den Arbeiten wider, die in den
       vorliegenden Band  aufgenommen wurden.  Der größte Teil davon ist
       eng mit  ihrem Wirken  in der Internationale verknüpft, mit ihrem
       Kampf um  eine proletarische  Partei. Mehrere der in diesem Bande
       veröffentlichten Materialien sind Marx' Hauptwerk, dem "Kapital",
       gewidmet.
       Nach dem  Erscheinen des  Werks "Zur Kritik der Politischen Oeko-
       nomie" im  Jahre 1859  setzte Marx  mit  einigen  Unterbrechungen
       seine ökonomischen  Untersuchungen fort.  Das umfangreiche  Manu-
       skript aus  den Jahren  1861 bis  1863 ist  ein erster systemati-
       scher, wenn  auch noch  konzeptartiger und  unvollendeter Entwurf
       aller Teile des von Marx geplanten Werks. Im weiteren Verlauf der
       Arbeit zog  Marx mit  der ihm  eigenen außerordentlichen  wissen-
       schaftlichen Gewissenhaftigkeit  immer neues Material heran, prä-
       zisierte Plan und Aufbau der Arbeit, schrieb neue Kapitel und ar-
       beitete schon fertige mehrmals um.
       In den  Jahren 1863  bis 1865  erarbeitete Marx  eine neue  Manu-
       skriptfassung der  drei Bände  des "Kapitals". Als Marx im Januar
       1866 daranging,  den ersten  Band endgültig zum Druck vorzuberei-
       ten, begann  er, wie er Engels schrieb, "das Kind nach soviel Ge-
       burtswehn glattzulecken".  Die Arbeit am "Kapital" erforderte von
       Marx eine  gewaltige Anspannung der Kräfte, zumal er daneben viel
       Zeit der  Internationalen Arbeiterassoziation widmete und schwere
       materielle Not und Krankheiten zu überwinden hatte. Im April 1867
       brachte Marx  das fertige  Manuskript des  ersten Bandes  zu  dem
       Verleger nach  Hamburg. Am  16. August  1867  beendete  Marx  die
       Korrektur des letzten Bogens.
       Die Veröffentlichung  des ersten  Bandes des  "Kapitals" war  von
       größter historischer Bedeutung für den Befreiungskampf des Prole-
       tariats, für  die Entwicklung seiner revolutionären Theorie - des
       wissenschaftlichen Kommunismus.  "Solange es Kapitalisten und Ar-
       beiter in der Welt gibt", schrieb Engels, "ist kein Buch erschie-
       nen, welches  für die  Arbeiter von  solcher Wichtigkeit wäre wie
       das vorliegende." (Siehe vorl. Band, S. 235.)
       Die ökonomische  Lehre von  Marx, deren  Grundlage in  Werken wie
       "Das Elend  der Philosophie", "Lohnarbeit und Kapital", "Manifest
       der Kommunistischen Partei" und "Zur Kritik der Politischen Oeko-
       nomie" gelegt  wurde, erhielt  im "Kapital" ihren entwickeltsten,
       geschlossensten und klassischsten Ausdruck.
       
       #VII# Vorwort
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       Die von  Marx geschaffene ökonomische Lehre bewirkte einen grund-
       legenden Umschwung, eine wahre Revolution in der politischen Öko-
       nomie. Nur ein Ideologe des Proletariats - einer Klasse, die frei
       ist von  der Beschränktheit und den eigennützigen Vorurteilen der
       Ausbeuterklassen -  konnte die  Gesetze der  kapitalistischen Ge-
       sellschaft erforschen und den wissenschaftlichen Nachweis für die
       Unvermeidbarkeit ihres  Untergangs sowie des Triumphs einer höhe-
       ren  Gesellschaftsordnung,   des   Kommunismus,   erbringen.   Im
       "Kapital" erhielt der wissenschaftliche Kommunismus seine tiefste
       und allseitige  Begründung. Dieses  unsterbliche  Werk  bedeutete
       einen gewaltigen  Schritt in der Weiterentwicklung aller Bestand-
       teile des  Marxismus - der politischen Ökonomie, der Philosophie,
       der Lehre von der sozialistischen Revolution und von der Diktatur
       des Proletariats.  Das "Kapital" wurde zu einer mächtigen und un-
       besiegbaren theoretischen  Waffe des  Proletariats im Kampf gegen
       die kapitalistische Sklaverei.
       An den  ersten Band des "Kapitals" von Marx knüpft eine Reihe von
       Arbeiten der Begründer des wissenschaftlichen Kommunismus an, die
       in den  vorliegenden Band  aufgenommen wurden:  "Lohn, Preis  und
       Profit" von Marx, der von Engels angefertigte "Konspekt über ,Das
       Kapital' von Karl Marx, Erster Band", die Rezensionen, welche En-
       gels nach dem Erscheinen des "Kapitals" schrieb u.a.
       Marx" "Lohn,  Preis und  Profit" zählt  zu den wichtigsten Werken
       der marxistischen  politischen Ökonomie.  Hierin legte  Marx zwei
       Jahre vor  dem Erscheinen des ersten Bandes des "Kapitals" in ge-
       drängter und  populärer Form  die Grundlagen  seiner ökonomischen
       Lehre dar.  Gleichzeitig ist diese Arbeit ein hervorragendes Bei-
       spiel dafür, wie die Schlußfolgerungen der revolutionären Theorie
       zur Bestimmung  der praktischen Aufgaben der Arbeiterbewegung ge-
       nutzt werden.
       Diese Arbeit, ein Vortrag, den Marx im Zentralrat der Internatio-
       nale hielt,  richtete sich unmittelbar gegen die fehlerhaften An-
       schauungen Westons, eines Mitglieds der Internationale, versetzte
       aber gleichzeitig  auch den  Proudhonisten einen Schlag und eben-
       falls den  Lassalleanern, die  im Geiste des Lassalleschen Dogmas
       vom "ehernen  Lohngesetz" dem ökonomischen Kampf der Arbeiter und
       den Gewerkschaften  ablehnend gegenüberstanden.  Marx wendet sich
       in seinem  Vortrag entschieden gegen diese reaktionäre Propaganda
       der Passivität  und Unterwerfung  der Proletarier unter das Kapi-
       tal. Nachdem  Marx das ökonomische Wesen des Arbeitslohns und des
       Mehrwerts enthüllt  hat, beweist er, daß das Kapital nach maxima-
       lem Profit  dürstet und  daß die Arbeiter, wenn sie auf ihren Wi-
       derstand gegen die Gewalttaten des Kapitals verzichten, "zu einer
       unterschiedslosen
       
       #VIII# Vorwort
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       Masse ruinierter  armer Teufel"  degradiert werden,  "denen keine
       Erlösung mehr  hilft" (siehe  vorl. Band,  S. 151). Ausgehend von
       seiner ökonomischen Lehre begründet Marx in dieser Arbeit theore-
       tisch die Rolle und Bedeutung des ökonomischen Kampfes der Arbei-
       ter und  betont, daß  dieser Kampf dem Endziel des Proletariats -
       der Vernichtung des Systems der Lohnarbeit - untergeordnet werden
       muß.
       "Lohn, Preis  und Profit"  hat große  Bedeutung für  das richtige
       Verständnis der  Marxschen Theorie der Verelendung des Proletari-
       ats. Marx beweist hierin, daß es die allgemeine Tendenz der kapi-
       talistischen Produktionsweise  ist, den Lohn zu senken, den Preis
       der Arbeitskraft bis zu seiner Minimalgrenze zu drücken, d.h. bis
       zu dem  Wert der  Existenzmittel, die  für den Arbeiter und seine
       Familie zum  Leben absolut  unentbehrlich sind. Diese Tendenz ist
       jedoch keineswegs  schicksalhaft und  unaufhörlich, sie stößt auf
       den Widerstand und die entschiedenen Abwehraktionen der Arbeiter,
       je nach den verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Be-
       dingungen, je nach den verschiedenen Phasen des industriellen Zy-
       klus tritt  in den  verschiedenen Ländern  diese Tendenz  stärker
       oder schwächer zutage.
       Im Band werden mehrere Rezensionen veröffentlicht, die Engels für
       die demokratische, bürgerliche und proletarische Presse anläßlich
       des Erscheinens  des ersten Bandes des "Kapitals" schrieb, um dem
       Totschweigen dieses genialen Werkes durch die bürgerliche Wissen-
       schaft und  Presse ein  Ende zu setzen und um das "Kapital" unter
       den Massen  zu popularisieren.  In den für die bürgerliche Presse
       anonym  geschriebenen  Rezensionen  kritisiert  Engels  das  Buch
       scheinbar  "vom   bürgerlichen  Standpunkt",   um  durch   dieses
       "Kriegsmittel", wie  Marx es nannte, die bürgerlichen Ökonomen zu
       zwingen, sich über das Buch zu äußern.
       Der von Engels angefertigte "Konspekt über 'Das Kapital' von Karl
       Marx,  Erster   Band"  schließt   mit  dem   dreizehnten  Kapitel
       "Maschinerie und  große Industrie"  (nach der  ersten Ausgabe mit
       dem 4.  Abschnitt des vierten Kapitels). Er hilft, die schwierig-
       sten Probleme  des "Kapitals",  besonders die Wert- und die Mehr-
       werttheorie, zu verstehen.
       In dem  Artikel "Plagiarismus" entlarvt Marx die lassalleanischen
       Vulgarisatoren seiner  ökonomischen Lehre, die dem "Kapital" ein-
       zelne Stellen  fast wörtlich  entlehnten, sie  überdies noch ent-
       stellten und den Namen des Autors nicht nannten.
       Marx' Artikel  "Mein Plagiat  an F. Bastiat" setzt sich mit den -
       später noch  oft wiederholten  - Versuchen  bürgerlicher  Wissen-
       schaftler auseinander, bestimmte Leitsätze des "Kapitals" Vorgän-
       gern oder Zeitgenossen
       
       #IX# Vorwort
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       von Marx zuzuschreiben, um damit die weltgeschichtliche Bedeutung
       dieses Werkes herabzusetzen.
       Den Hauptinhalt  des sechzehnten  Bandes bilden Artikel und Doku-
       mente von  Marx und Engels, die ihre Tätigkeit in der Internatio-
       nale widerspiegeln.
       Aus der  historischen Situation,  die um  die Mitte der sechziger
       Jahre heranreifte, ergaben sich günstige Voraussetzungen zur Ver-
       wirklichung der großen Idee der Einheit und kämpferischen Solida-
       rität des internationalen Proletariats, die Marx und Engels uner-
       müdlich  propagierten.   Die   Weltwirtschaftskrise   der   Jahre
       1857/1858 und  die ihr  folgenden Streikkämpfe  in  verschiedenen
       Ländern Europas  führten den Arbeitern deutlich die Notwendigkeit
       brüderlicher Solidarität der verschiedenen nationalen Abteilungen
       des internationalen  Proletariats im  Kampf gegen das Kapital vor
       Augen. Mit  dem Anwachsen  der ökonomischen Kämpfe wuchs auch die
       politische Aktivität  des Proletariats.  Der neue  Aufschwung der
       bürgerlich-demokratischen Bewegungen  in Deutschland und Italien;
       das Heranreifen der Krise des Zweiten Kaiserreichs in Frankreich;
       der selbstlose  Kampf der englischen Arbeiter gegen die Pläne der
       herrschenden Klassen  Englands, eine  Intervention in die USA zur
       Unterstützung der  sklavenhaltenden Südstaaten  zu  organisieren;
       der Kampf  in England  für eine  Wahlrechtsreform; der  polnische
       Aufstand von  1863/64, der  im europäischen Proletariat die voll-
       sten Sympathien  fand -  all das  förderte die  Einbeziehung  der
       breiten Arbeitermassen  in den  politischen Kampf  und verstärkte
       den Drang  nach koordinierten  Aktionen der  Proletarier der ver-
       schiedenen Länder.
       Der Erfolg  der Internationalen Arbeiterassoziation lag nicht al-
       lein in  der damaligen  historischen Situation begründet, sondern
       vor allem  dann, daß  Karl Marx an der Spitze dieser Organisation
       stand. Unter  allen Beteiligten  an der internationalen Arbeiter-
       versamrnlung in  St. Martin's  Hall in  London vom  28. September
       1864, die  den Grundstein  der Internationale legte, war Marx der
       einzige, "der  sich klar war über das, was zu geschehen hatte und
       was zu  gründen war,  das war der Mann, der schon 1848 den Ruf in
       die Welt geschleudert: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!"
       (Engels.)
       Marx war  der eigentliche  Organisator, der  Führer und die Seele
       der Internationale.  Er verfaßte  ihre programmatischen Dokumente
       und eine  große Anzahl  von Aufrufen,  Erklärungen, Resolutionen,
       Berichten und  anderen Dokumenten, die die wichtigsten Marksteine
       der ruhmvollen Geschichte der Internationale darstellen. Marx war
       faktisch das Haupt des Generalrats,
       
       #X# Vorwort
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       des führenden  Organs der  Internationale und  des Kampfstabs der
       internationalen Arbeiterbewegung.  Gestützt  auf  Engels'  Hilfe,
       lenkte Marx  persönlich und  - wenn  es ihm  nicht  möglich  war,
       selbst teilzunehmen - durch seine Kampfgenossen die Tätigkeit der
       Konferenzen und  Kongresse der  Internationalen  Arbeiterassozia-
       tion, verfaßte  die  wichtigsten  Beschlüsse  der  Kongresse  und
       führte den  Kampf um den Sieg der ideologischen und organisatori-
       schen Prinzipien  des revolutionären Proletariats in der Interna-
       tionale.
       Bei der  Gründung der Internationale mußte Marx die verschiedenen
       Kampfbedingungen des  Proletariats, die  ungleichen Entwicklungs-
       stufen und das unterschiedliche theoretische Niveau der Arbeiter-
       bewegung in den verschiedenen Ländern berücksichtigen. Er sah die
       vorrangige Aufgabe  der Internationale  darin, durch die Vereini-
       gung der  verschiedenen Strömungen  der Arbeiterbewegung in einen
       einzigen großen  Strom die Lösung des Proletariats von der klein-
       bürgerlichen Demokratie,  die Bildung  wirklich selbständiger Ar-
       beiterorganisationen und  die Schaffung  der  Aktionsgemeinschaft
       der verschiedenen  Abteilungen des  internationalen  Proletariats
       voranzutreiben. Marx  errichtete die Internationale auf der brei-
       ten Grundlage der verschiedenartigen Arbeiterorganisationen jener
       Zeit und  verfolgte das Ziel, gestützt auf die praktischen Erfah-
       rungen der  Arbeitermassen, diese zur Erkenntnis ihrer revolutio-
       nären Aufgaben  zu bringen, sie Schritt für Schritt zu einem ein-
       heitlichen theoretischen  Programm zu  führen und auf diese Weise
       den Sozialismus mit der Arbeiterbewegung zu vereinigen.
       Diese biegsame  und  konsequent  revolutionäre  Taktik  von  Marx
       zeigte sich  schon sehr  deutlich, als er die ersten programmati-
       schen Dokumente  der Internationale  ausarbeitete. In einem Brief
       an Engels  vom 4.  November 1864,  worin Marx die Schwierigkeiten
       schilderte, auf  die er  beim Verfassen  der Inauguraladresse und
       der Provisorischen  Statuten der Internationalen Arbeiterassozia-
       tion stieß,  schrieb er:  "Es war sehr schwierig, die Sache so zu
       halten, daß  unsre Ansicht  in einer  Form erschien,  die sie dem
       jetzigen Standpunkt  der Arbeiterbewegung  acceptable [annehmbar]
       machte... Es  bedarf Zeit,  bis die  wiedererwachte Bewegung  die
       alte Kühnheit der Sprache erlaubt. Nötig fortiter in re, suaviter
       in modo [stark in der Sache, gemäßigt in der Form]."
       In der Inauguraladresse gelangt Marx auf der Grundlage einer kon-
       kreten Analyse der ökonomischen Entwicklung sowie der Veränderung
       in der  Lage der  Arbeiter während der Jahre 1848 bis 1864 zu der
       außerordentlich wichtigen  Schlußfolgerung, daß,  "auf der gegen-
       wärtigen falschen Grundlage, jede frische Entwicklung der Produk-
       tivkräfte der Arbeit dahin
       
       #XI# Vorwort
       -----
       streben muß, die sozialen Kontraste zu vertiefen und den sozialen
       Gegensatz zuzuspitzen" (siehe vorl. Band, S. 9).
       Anhand zweier  großer Siege der Arbeiterklasse - der Durchsetzung
       der Zehnstundenbill  in England  und der Entwicklung der Koopera-
       tivbewegung -  beweist Marx, daß die ohne Kapitalisten betriebene
       kooperative Produktion "der Entwicklung auf nationaler Stufenlei-
       ter und der Förderung durch nationale Mittel" bedürfe, um die Ar-
       beiterklasse befreien  zu können.  Das  werden  die  herrschenden
       Klassen aber  unter Ausnutzung ihrer politischen Macht zu verhin-
       dern suchen.  "Politische Macht  zu erobern  ist daher  jetzt die
       große Pflicht  der Arbeiterklassen".  (Siehe vorl.  Band, S. 12.)
       Ferner begründet  Marx, daß  die Schaffung  einer  proletarischen
       Partei sowie der brüderliche Bund zwischen den Arbeitern der ver-
       schiedenen Länder  notwendige Bedingungen  für die  Befreiung des
       Proletariats sind.
       Gestützt auf  die praktischen Erfahrungen der Arbeiter, untermau-
       ert Marx  die Schlußfolgerungen  von der weltgeschichtlichen Mis-
       sion des Proletariats, der Notwendigkeit des Kampfes für die pro-
       letarische Revolution und von der Errichtung der Diktatur der Ar-
       beiterklasse, die  im "Manifest der Kommunistischen Partei" theo-
       retisch begründet worden war.
       Im einleitenden Teil der Provisorischen Statuten formulierte Marx
       die Losung,  die nach  den Worten Lenins das Grundprinzip der In-
       ternationale war:  "Die Emanzipation der Arbeiterklasse muß durch
       die Arbeiterklasse  selbst erobert werden." (Siehe vorl. Band, S.
       14.) In dieser denkbar knappen Formulierung, die zum Kampfruf der
       Arbeiter aller  Länder wurde,  ist der  bedeutende Gedanke ausge-
       drückt, daß das Proletariat die fortschrittlichste und konsequen-
       teste revolutionäre  Klasse ist,  die dem Kapitalismus unversöhn-
       lich gegenübersteht,  eine Klasse, deren politische und ideologi-
       sche Selbständigkeit  die notwendige  und wichtigste Vorbedingung
       ihrer Befreiung ist.
       Bei der  Ausarbeitung der  Provisorischen Statuten beachtete Marx
       sorgfältig die  historisch entstandenen  Formen der Arbeiterbewe-
       gung in  den verschiedenen  Ländern. Die  Internationale  stellte
       sich nicht  den schon existierenden Arbeiterorganisationen entge-
       gen, sondern strebte danach, sich auf sie zu stützen und ihre Tä-
       tigkeit auf  ein einheitliches, gemeinsames Ziel zu lenken. Diese
       geschmeidige organisatorische  Struktur entsprach  ihrer Aufgabe,
       "die gesamte  streitbare Arbeiterschaft  Europas und  Amerikas zu
       e i n e m  großen Heereskörper zu verschmelzen" (Engels).
       Die "Instruktionen  für die  Delegierten des  Provisorischen Zen-
       tralrats zu  den einzelnen  Fragen", die  Marx anläßlich  des für
       1866  nach   Genf  einberufenen   Kongresses  der  Internationale
       schrieb, sind eine Konkretisierung
       
       #XII# Vorwort
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       und Weiterentwicklung  der ersten  programmatischen Dokumente der
       Internationale. Marx  begrenzte sie  auf die Fragen, die aufs un-
       mittelbarste die  Interessen der  Arbeiter berühren,  und verband
       sie mit  dem Endziel  des Kampfes des Proletariats. Er hielt sich
       hier an das im "Manifest der Kommunistischen Partei" aufgestellte
       taktische Grundprinzip,  nämlich in  der  gegenwärtigen  Bewegung
       zugleich die Zukunft der Bewegung zu vertreten.
       Als eine der Grundaufgaben der Internationale bezeichnete Marx in
       den "Instruktionen"  die Vereinigung  der Aktionen  der  Arbeiter
       verschiedener Länder  in ihrem ökonomischen Kampf gegen das Kapi-
       tal.
       Welche Bedeutung Marx der Hilfe der Internationale für den ökono-
       mischen Kampf  der Arbeiter,  der sich  besonders im Zusammenhang
       mit der  Krise von 1866 verstärkte, sowie der wachsenden interna-
       tionalen Solidarität  des Proletariats  in diesem  Kampf  beimaß,
       zeigen auch  die von ihm verfaßten Aufrufe und Artikel "Warnung",
       "Die belgischen  Metzeleien", "Die Aussperrung der Bauarbeiter in
       Genf" und  der von  Engels auf Marx' Bitte verfaßte "Bericht über
       die Knappschaftsvereine  der  Bergarbeiter  in  den  Kohlenwerken
       Sachsens". Von  dieser Seite  der  Tätigkeit  der  Internationale
       zeugt auch  umfangreiches Tatsachenmaterial  in dem  von Marx ge-
       schriebenen "Vierten  jährlichen Bericht  des Generalrats der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation"  und im  "Bericht des General-
       rats der  Internationalen Arbeiter-Assoziation  an den IV. allge-
       meinen Kongreß  in Basel". Die ständige materielle und moralische
       Unterstützung, die  die Internationale den streikenden und ausge-
       sperrten Arbeitern  erwies, erhöhte  ihre Autorität  und förderte
       die Ausdehnung ihres Einflusses unter den Arbeitern der verschie-
       denen Länder.
       Besondere Beachtung  schenkte Marx  in  den  "Instruktionen"  dem
       Kampf für die Beschränkung des Arbeitstages, die er als eine not-
       wendige Bedingung  für die Wiederherstellung der physischen Kraft
       der Arbeiterklasse,  für ihre  geistige Entwicklung  und  gesell-
       schaftliche und  politische Tätigkeit  betrachtet. Er  verteidigt
       diese überaus  bedeutsame Forderung  gegen die  Proudhonisten und
       andere Gegner  einer gesetzlichen  Beschränkung des  Arbeitstages
       und erläutert  die Bedeutung dieser Forderung auch in anderen von
       ihm später  verfaßten Dokumenten  (siehe "Resolutionsentwurf über
       die Beschränkung  des Arbeitstages, dem Brüsseler Kongreß vom Ge-
       neralrat vorgeschlagen"  und "Aufzeichnung  einer Rede  von  Karl
       Marx über die Verkürzung der Arbeitszeit", S. 317 und 554/555 des
       vorl. Bandes). Die in den "Instruktionen" erhobene Forderung nach
       einem achtstündigen  Arbeitstag wurde eine der wichtigsten Kampf-
       losungen des Proletariats in allen kapitalistischen Ländern.
       
       #XIII# Vorwort
       -----
       Eine wesentliche  Aufgabe der  Arbeiter sah  Marx auch darin, für
       den Schutz der Arbeit der Kinder und Jugendlichen und für die Er-
       ziehung der  Arbeiterkinder Sorge zu tragen, da "die Zukunft" ih-
       rer "Klasse  und damit  die Zukunft der Menschheit völlig von der
       Erziehung der  heranwachsenden Arbeitergeneration abhängt" (siehe
       vorl. Band,  S. 194).  Die harmonische Verbindung produktiver Ar-
       beit der Kinder oder Jugendlichen mit ihrer geistigen und körper-
       lichen Erziehung  u n d  polytechnischen Ausbildung war, wie Marx
       feststellte, eines der wichtigsten Mittel des geistigen Aufstiegs
       der Arbeiterklasse.  Über Erziehung  und Bildung  hielt Marx auch
       einige Reden  im Generalrat (die Aufzeichnung von zwei dieser Re-
       den siehe vorl. Band, S. 562-564).
       Im Abschnitt  der "Instruktionen" über die Kooperalivarbeit weist
       Marx entgegen  den Proudhomsten und anderen kleinbürgerlichen Re-
       formern nach, daß die Kooperativbewegung von sich aus die kapita-
       listische Gesellschaft  nicht .umgestalten  kann und daß grundle-
       gende Änderungen  der Gesellschaftsordnung "nur verwirklicht wer-
       den können  durch den  Übergang der  organisierten Gewalt der Ge-
       sellschaft, d.h. der Staatsmacht, aus den Händen der Kapitalisten
       und Grundbesitzer  in die  Hände der  Produzenten selbst"  (siehe
       vorl. Band, S. 196).
       Große Bedeutung  haben in den "Instruktionen" die Abschnitte über
       die Gewerkschaften, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In
       Fortführung der  von ihm  schon im "Elend der Philosophie" formu-
       lierten und in "Lohn, Preis und Profit" weiterentwickelten Gedan-
       ken stellt  Marx fest, daß die Gewerkschaften nicht nur notwendig
       sind für "den Guerillakrieg zwischen Kapital und Arbeit", sondern
       auch als  Organisationszentren der  Arbeiterklasse für  den Kampf
       zur Vernichtung  des Systems der Lohnarbeit überhaupt. Zu der auf
       Grundlage der  "Instruktionen" angenommenen Resolution des Genfer
       Kongresses über  die Gewerkschaften  und den  ökonomischen  Kampf
       schrieb Lenin: "Die Resolution dieses Kongresses zeigte genau die
       Bedeutung des ökonomischen Kampfes auf, wobei sie die Sozialisten
       und die  Arbeiter einerseits vor einer Übertreibung seiner Bedeu-
       tung (die  zu jener Zeit bei den englischen Arbeitern zu bemerken
       war), anderseits vor einer Unterschätzung seiner Bedeutung warnte
       (die sich  bei den Franzosen und bei den Deutschen, besonders bei
       den Lassalleanern, bemerkbar machte) ... Die Überzeugung, daß der
       einheitliche Klassenkampf  notwendigerweise den  politischen  und
       den ökonomischen  Kampf in  sich vereinigen muß, ist der interna-
       tionalen Sozialdemokratie  in  Fleisch  und  Blut  übergegangen."
       (W.I. Lenin, Werke, Band 4, Berlin 1955, S. 169/170.)
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       Im Gegensatz zu den Proudhonisten und anderen Gegnern des politi-
       schen Kampfes  sind in  den "Instruktionen" zwei konkrete politi-
       sche Aufgaben  gestellt: Der  Kampf für die Wiederherstellung Po-
       lens auf  demokratischer Grundlage und der Kampf gegen Raubkriege
       und ihre Werkzeuge - die stehenden Heere.
       Die "Instruktionen"  von Marx waren ein konkretes Aktionsprogramm
       der Internationale,  das auf  den praktischen Erfahrungen der Ar-
       beiterbewegung beruhte.
       Marx, Engels und ihre Anhänger mußten die Grundprinzipien der In-
       ternationale gegen die verschiedenen sozialistischen oder halbso-
       zialistischen Sekten verteidigen, die ihre Dogmen der Internatio-
       nale aufzuzwingen  suchten. Obwohl  bereits die  Revolutionen von
       1848/49 den vielfältigen Formen des kleinbürgerlichen Sozialismus
       einen vernichtenden Schlag versetzt hatten, begünstigten das Ver-
       gessen der  Traditionen der  Revolutionsjahre,  die  Einbeziehung
       neuer Massen  in die  Arbeiterbewegung sowie der ständige Einfluß
       des kleinbürgerlichen  Milieus besonders  in den  Ländern, wo die
       Kleinproduktion noch überwog, eine zeitweilige Belebung verschie-
       denster Sekten. In dem Maße, wie sich die wirkliche Arbeiterbewe-
       gung entwickelte, wurden diese Sekten immer reaktionärer.
       Eine Reihe von Artikeln und Dokumenten im vorliegenden Band rich-
       tet sich gegen die proudhonistischen Ideen, die in Frankreich und
       Belgien bedeutenden Einfluß hatten.
       Im Artikel "Über P.-J. Proudhon" zog Marx gleichsam das Fazit der
       im "Elend der Philosophie" und in anderen seiner Arbeiten geübten
       Kritik der philosophischen, ökonomischen und politischen Anschau-
       ungen  Proudhons   und  enthüllte  die  ganze  Haltlosigkeit  des
       Proudhonismus. Auf  die praktischen Projekte Proudhons eingehend,
       die eine  "Lösung der  sozialen Frage"  bringen sollten, unterzog
       Marx Proudhons  Idee des  "zinslosen Kredits"  und der darauf ba-
       sierten "Volksbank"  einer vernichtenden  Kritik. Er nannte diese
       Idee, die von den Schülern Proudhons verstärkt angepriesen wurde,
       "eine durchaus   s p i e ß b ü r g e r l i c h e   Phantasie". In
       einer zusammenfassenden  Einschätzung charakterisiert Marx Proud-
       hon als einen typischen Ideologen der Kleinbourgeoisie.
       Im Gegensatz zu den Proudhonisten, die jede politische Aktion der
       Arbeiterklasse ablehnten  und die  Interessen der Proletarier auf
       einen Kreis "reiner Arbeiterfragen" beschränken wollten, sah Marx
       die Aufgabe der Sektionen der Internationale in den verschiedenen
       Ländern darin, "nicht allein als Mittelpunkt für die Organisation
       der Arbeiterklasse zu dienen, sondern auch alle politischen Bewe-
       gungen, welche unser Endziel, die  ö k o n o m i s c h e
       
       #XV# Vorwort
       -----
       E m a n z i p a t i o n   d e r  A r b e i t e r k l a s s e,  zu
       verwirklichen streben,  in ihren  verschiedenen Ländern zu unter-
       stützen" (siehe vorl. Band, S. 422). Marx strebte danach, die Ar-
       beiterklasse zu  befähigen, die ehrenvolle Rolle einer Avantgarde
       in der  allgemeindemokratischen Bewegung zu spielen und als selb-
       ständige politische  Kraft auf dem nationalen und internationalen
       Schauplatz aufzutreten.
       Anschauliche Beispiele  für diese  Politik von  Marx sind die von
       ihm verfaßten Adressen der Internationalen Arbeiterassoziation an
       die Präsidenten  der USA  Abraham Lincoln  und Andrew Johnson. In
       diesen Adressen  hob Marx die gewaltige Bedeutung des Krieges ge-
       gen die  Sklaverei in Amerika für das Schicksal des internationa-
       len Proletariats hervor.
       Marx und  Engels, die  sich für  die  Unterstützung  jeder  fort-
       schrittlichen, demokratischen  Bewegung einsetzten,  lehrten  das
       Proletariat und  seine Vorkämpfer  in  der  Internationale,  eine
       wahrhaft internationalistische  Haltung zum  Befreiungskampf  der
       unterdrückten Völker  einzunehmen. Sie traten sowohl dem Nationa-
       lismus der  Anhänger Mazzinis  in Italien und der Lassalleaner in
       Deutschland entgegen  wie auch  der  Ignorierung  der  nationalen
       Frage durch  die Proudhonisten und ganz besonders deren negativen
       Haltung zum Unabhängigkeitskampf des polnischen Volkes.
       Unter den  konkreten historischen  Bedingungen der  vierziger bis
       sechziger Jahre  des 19.  Jahrhunderts maßen  Marx und Engels der
       Schaffung eines  unabhängigen demokratischen Polens, das ein Ver-
       bündeter der  europäischen Demokratie im Kampf gegen den reaktio-
       nären Einfluß des Zarismus gewesen wäre, besondere Bedeutung bei.
       "Solange die Volksmassen Rußlands und der meisten slawischen Län-
       der noch  in tiefem  Schlaf lagen,  solange es  in diesen Ländern
       k e i n e   selbständigen demokratischen Massenbewegungen  g a b,
       solange  hatte   die  Befreiungsbewegung  der    S c h l a c h t-
       s c h i t z e n   in Polen,  vom Standpunkt nicht nur der gesamt-
       russischen, nicht  nur der  gesamtslawischen,  sondern  auch  der
       gesamteuropäischen Demokratie aus gesehen, gewaltige, erstrangige
       Bedeutung." (W.I. Lenin, Werke, Band 20, Berlin 1961, S. 437.)
       Die in  diesem Band  veröffentlichte Notiz "Berichtigung" und die
       "Rede auf  dem Polenmeeting  in London am 22. Januar 1867" zeugen
       von Marx'  Haltung in  der polnischen Frage; diese Haltung bringt
       Marx in  der dem Meeting vorgeschlagenen Resolution kurz und bün-
       dig zum Ausdruck: "Ohne Unabhängigkeit Polens kann keine Freiheit
       in Europa etabliert werden." (Siehe vorl. Band, S. 200.)
       In der  gegen die Proudhonisten gerichteten Artikelserie "Was hat
       die Arbeiterklasse  mit Polen  zu tun?" begründete Engels die un-
       versöhnliche
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       Haltung der  Arbeiterklasse zur Politik der nationalen Unterdrüc-
       kung und  hob hervor, daß das Proletariat in der ersten Reihe der
       Kämpfer für  die Befreiung der unterdrückten Völker stehen müsse.
       Gleichzeitig warnte Engels vor der Gefahr, daß reaktionäre Kräfte
       die nationale  Bewegung besonders  der kleinen Völker ausnutzten.
       Er enthüllte in seinen Artikeln das wahre Wesen des bonapartisti-
       schen "Nationalitätsprinzips",  das von den Machthabern des Zwei-
       ten Kaiserreichs,  vom russischen  Zarismus und  den herrschenden
       Kreisen anderer Länder benutzt wurde, um den nationalen Kampf der
       unterdrückten Völker  den Interessen  der reaktionären Mächte un-
       terzuordnen. Der  Kampf des polnischen Volkes um Freiheit und Un-
       abhängigkeit war,  wie die  Begründer des  Marxismus lehrten, Be-
       standteil des Kampfes für eine revolutionäre, demokratische Umge-
       staltung Europas, die für den Emanzipationskampf des Proletariats
       günstigere Bedingungen schaffen würde.
       Einige der  in  diesem  Band  aufgenommenen  Dokumente  (wie  die
       "Resolutionen des  Generalrats über  den Konflikt  in der Pariser
       Sektion", "Resolution des Generalrats zum Auftreten Felix Pyats",
       die "Proklamation des Generalrats der Internationalen Arbeiteras-
       soziation über  die Verfolgungen der Mitglieder der französischen
       Sektion" u.a.)  zeugen davon, daß Marx an der Führung der franzö-
       sischen Arbeiter,  die der Internationale angehörten, unmittelba-
       ren Anteil  hatte. Marx  verurteilte ganz  entschieden die linken
       Phrasen und die Abenteurertaktik der kleinbürgerlichen Demokraten
       vom Schlage  eines Félix  Pyat; gleichzeitig war er bestrebt, die
       französischen Arbeiter  von dem Einfluß der reformistischen Ideen
       Proudhons loszureißen und in den allgememdemokratischen Kampf ge-
       gen das Zweite Kaiserreich einzubeziehen.
       Breiten Raum  nehmen im  vorliegenden Band  Artikel und Dokumente
       über Deutschland und die deutsche Arbeiterbewegung ein. In diesem
       Lande drängten  in den  sechziger Jahren  die von  der Revolution
       1848/49 nicht  gelösten Fragen,  vor allem  die Einigung Deutsch-
       lands, erneut  mit Macht  ihrer Lösung  entgegen. Im Gegensatz zu
       Lassalle, der  dafür eintrat,  Preußen bei  der Einigung Deutsch-
       lands von  oben zu  unterstützen, kämpften Marx und Engels ebenso
       wie in  den Jahren  1848 und  1849 für eine Einigung Deutschlands
       von unten,  auf revolutionärem Wege. Die wichtigste Voraussetzung
       für eine Einigung auf revolutionär-demokratischem Wege sahen Marx
       und Engels  in der  Organisiertheit, Geschlossenheit  und politi-
       schen Bewußtheit  der fortschrittlichsten  Klasse Deutschlands  -
       des Proletariats.  Der 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbei-
       terverein aber  konnte, obwohl  er zur Loslösung der Arbeiter vom
       Einfluß der bürgerlichen
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       Fortschrittsspartei beitrug,  nicht die dem deutschen Proletariat
       von der  Geschichte gestellten Aufgaben lösen. Lassalle, der die-
       sen Verein  leitete, begann mit der Bismarck-Regierung zu paktie-
       ren. Zwar  kannten Marx  und Engels nicht alle Tatsachen über die
       Beziehungen Lassalles  zu Bismarck (deren Briefwechsel wurde erst
       1928 veröffentlicht),  doch sie erkannten sehr klar, daß Lassalle
       mit dem "eisernen Kanzler" liebäugelte. Nach Lassalles Tod erfuh-
       ren Marx und Engels, daß er Bismarck als Gegenleistung für dessen
       Versprechen, das  allgemeine Wahlrecht  einzuführen,  seinerseits
       versprochen hatte,  daß der  Allgemeine  Deutsche  Arbeiterverein
       Preußen bei  der Annexion Schleswig-Holsteins unterstützen werde.
       Marx und Engels bewerteten das als einen Verrat an den Interessen
       der Arbeiterklasse.
       Nach Lassalles  Tod unternahmen die Begründer des wissenschaftli-
       chen Kommunismus ernste Anstrengungen, um die Folgen der zutiefst
       falschen und  schädlichen Taktik  Lassalles zu überwinden und den
       Allgemeinen Deutschen  Arbeiterverein auf  den richtigen, revolu-
       tionären Weg  zu lenken.  Da Marx  und Engels zu dieser Zeit über
       keine anderen  Möglichkeiten verfügten,  den  Lassalleanismus  zu
       kritisieren und  ihre eigenen Anschauungen in Deutschland zu pro-
       pagieren,  erklärten  sie  sich  bereit  zu  einer  Mitarbeit  am
       "Social-Demokrat", einer Zeitung, die Schweitzer zu gründen beab-
       sichtigte. Hierzu  bewog sie  auch die Tatsache, daß in dem ihnen
       übersandten Prospekt der Zeitung "Lassalle... weder mit Wort noch
       Namen" figurierte  (siehe vorl.  Band, S. 86), sowie der Umstand,
       daß ihr  alter Kampfgenosse  Wilhelm Liebknecht,  ein  ehemaliges
       Mitglied des  Bundes der Kommunisten, als inoffizieller Redakteur
       an der Zeitung mitwirken sollte.
       Marx schickte an den "Social-Demokrat" den oben erwähnten Artikel
       über Proudhon, in dem, wie er Engels schrieb, einige der bitteren
       Hiebe, die  er Proudhon versetzte, auch für Lassalle bestimmt wa-
       ren. Marx  meinte hierbei  die Stelle  seines Artikels, wo er vom
       wissenschaftlichen Scharlatanismus  und von der politischen Akko-
       modation als  vom Standpunkt  des Kleinbürgers  untrennbaren  Er-
       scheinungen spricht. Engels seinerseits hob in einem Kommentar zu
       dem altdänischen Volkslied "Herr Tidmann", das er dem "Social-De-
       mokrat" übersandte,  die gewaltige  revolutionäre  Bedeutung  des
       Kampfes der  Bauernschaft gegen  die Grundherren  hervor.  Engels
       wandte sich  damit gegen  die Lassalleaner, die von der lassalle-
       schen Theorie  der "einen  reaktionären Masse"  ausgingen und die
       revolutionäre Rolle der Bauernschaft verneinten.
       Als sich  Marx und  Engels davon überzeugt hatten, daß der Redak-
       teur des  "Social-Demokrat", Schweitzer,  ungeachtet aller  ihrer
       Warnungen den
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       Spuren Lassalles  folgte und  die Zeitung auf den Weg des Paktie-
       rens mit  der Junkerregierung  Bismarcks leitete,  erklärten Marx
       und Engels  öffentlich ihren  Bruch mit der Zeitung. In einer Er-
       klärung, die  im vorliegenden Band veröffentlicht wird, charakte-
       risierten sie  den Lassalleanismus als "königlich preußischen Re-
       gierungssozialismus" (siehe vorl. Band, S. 79).
       Mit der  politischen Haltung der Lassalleaner setzt sich auch En-
       gels' Schrift  "Die preußische  Militärfrage und die deutsche Ar-
       beiterpartei" kritisch  auseinander. Hierin  wird eine gründliche
       Analyse der  Verteilung der  Klassenkräfte in Deutschland gegeben
       und die  Stellung der politischen Parteien im Verfassungskonflikt
       untersucht, der  zwischen der preußischen Regierung und der libe-
       ralen Bourgeoisie  über die Frage einer Heeresreorganisation ent-
       standen war.  Von den  militärischen und  politischen Bedingungen
       ausgehend, unterwirft  Engels das Regierungsprojekt für eine Hee-
       resreorganisation einer  gründlichen und  allseitigen Kritik. Bei
       der Analyse der Haltung der Fortschrittspartei im Verfassungskon-
       flikt geißelt  Engels die  feige und schwankende Politik der bür-
       gerlichen Opposition, die aus Angst vor dem Volke bereit ist, mit
       den Kräften  der Reaktion einen Kompromiß einzugehen. Ausführlich
       begründet Engels  die Taktik  der Arbeiterklasse unter den Bedin-
       gungen der im Lande entstandenen revolutionären Situation. Engels
       beweist, wie falsch alle Hoffnungen sind, daß die Bismarck-Regie-
       rung den  Arbeitern Zugeständnisse  machen werde. Er entlarvt die
       soziale Demagogie der Bismarck-Regierung, wobei er auf die Erfah-
       rungen Frankreichs,  auf die  analoge Politik  des Bonapartismus,
       insbesondere auf  die Ergebnisse  des von  Louis Bonaparte einge-
       führten allgemeinen Wahlrechts hinweist. Engels warnt dadurch die
       Arbeiter vor  der  lassalleschen  Idealisierung  des  allgemeinen
       Wahlrechts, die  das allgemeine  Wahlrecht zum  Allheilmittel er-
       hebt, das  unter beliebigen Umständen das Proletariat von der po-
       litischen  Unterdrückung  und  ökonomischen  Ausbeutung  befreien
       könne.
       Die Hauptaufgabe  des deutschen  Proletariats bestand nach Engels
       darin, eine  wirklich selbständige Arbeiterpartei zu gründen, die
       frei ist  von jedem  bürgerlich-liberalen Einfluß  und erst recht
       von dem  noch schädlicheren Einfluß der preußischen Reaktion. Die
       Politik der  Arbeiterpartei im  Verfassungskonflikt sollte  darin
       bestehen, die  bürgerliche Fortschrittspartei  im Kampf um allge-
       meines  Wahlrecht  und  politische  Freiheiten  zu  unterstützen,
       gleichzeitig aber  jede ihrer  Inkonsequenzen und Schwächen scho-
       nungslos zu geißeln und der Reaktion auf ihre heuchlerischen Loc-
       kungen zu  antworten: "Mit  dem Speere  soll man  Gabe empfangen,
       Spitze gegen Spitze." (Siehe vorl. Band, S. 78.)
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       Der Kampf  von Marx  und Engels  gegen den Lassalleanismus ebnete
       den Weg  für das Eindringen der Ideen des wissenschaftlichen Kom-
       munismus und für die Ausweitung des Einflusses der Internationale
       in Deutschland.  Zum Erfolg  dieses Kampfes trug auch der Umstand
       bei, daß sich die Arbeiter anhand der praktischen Erfahrungen der
       Arbeiterbewegung in Deutschland und anderen Ländern von der Halt-
       losigkeit der  lassalleschen Dogmen  überzeugten. In  Marx' Brief
       "An den Präsidenten und Vorstand des Allgemeinen Deutschen Arbei-
       tervereins" und in Engels' Artikeln "Zur Auflösung des Lassallea-
       nischen Arbeitervereins"  wird mit Befriedigung vermerkt, daß das
       Leben selbst,  der Druck  der Arbeiter  den Verein gezwungen hat,
       Fragen aufzugreifen,  "welche in der Tat die Ausgangspunkte aller
       ernsten Arbeiterbewegung  bilden müssen"  (siehe vorl.  Band,  S.
       316): Agitation  für volle  politische Freiheit, Regelung des Ar-
       beitstages und internationale Zusammenarbeit der Arbeiterklasse.
       Das Wirken August Bebels und Wilhelm Liebknechts bei der Gründung
       einer wahrhaft  proletarischen Partei  in Deutschland  erfuhr von
       Marx und  Engels die  größte Aufmerksamkeit, Sympathie und Unter-
       stützung. Im  Unterschied zu  den Lassalleanern bezogen Bebel und
       Liebknecht in der politischen Grundfrage Deutschlands trotz eini-
       ger - von Marx und Engels kritisierter - Fehler eine richtige re-
       volutionäre Stellung.  "Lassalle und  die Lassalleaner,  die  die
       schwachen Chancen des proletarischen und demokratischen Weges sa-
       hen, waren schwankend in ihrer Taktik und paßten sich der Hegemo-
       nie des  Junkers Bismarck  an. Ihre  Fehler liefen darauf hinaus,
       die Arbeiterpartei  auf eine  bonapartistisch-staatssoziahstische
       Bahn zu  lenken. Bebel  und Liebknecht hingegen traten konsequent
       für den  demokratischen und  proletarischen Weg  ein und kämpften
       gegen die  geringsten Zugeständnisse  an das  Preußentum, an  die
       Bismarcksche Politik,  an den Nationalismus." (W.I. Lenin, Werke,
       Band 19, Berlin 1962, S. 287/288.)
       In einer  "Erklärung an den Deutschen Bildungsverein für Arbeiter
       in London"  spricht Marx  mit Hochschätzung von der Bedeutung des
       Nürnberger Kongresses der deutschen Arbeitervereine, der 1868 un-
       ter Leitung  von Bebel  und Liebknecht stattgefunden und sich für
       den Anschluß an die Internationale ausgesprochen hatte.
       Gewaltige Bedeutung  für die gesamte weitere Geschichte der deut-
       schen Arbeiterbewegung  hatte die  Gründung der  Sozialdemokrati-
       schen Arbeiterpartei  1869 in  Eisenach. Zwar offenbarte sich bei
       den Eisenachern  noch eine  gewisse theoretische Unreife, was be-
       sonders bei der Ausarbeitung ihres theoretischen Programms zutage
       trat, in  dem sich zum Teil Einflüsse des Lassalleanismus zeigen.
       Es gelang ihnen jedoch mit Hilfe von Marx und Engels,
       
       #XX# Vorwort
       -----
       "ein festes  Fundament für  eine wahrhaft sozialdemokratische Ar-
       beiterpartei zu legen. Und es ging damals eben um das  F u n d a-
       m e n t   der Partei."  (W.I. Lenin, Werke, Band 19, Berlin 1962,
       S. 288.)
       Die Gründung  der Sozialdemokratischen  Arbeiterpartei, die  sich
       der Internationalen Arbeiterassoziation anschloß, bedeutete einen
       großen Sieg  der Ideen der Internationale in der deutschen Arbei-
       terbewegung.
       Verschiedene der  im vorliegenden Band veröffentlichten Schriften
       spiegeln das  unentwegte Streben  von Marx  und Engels wider, zur
       Festigung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei beizutragen und
       das theoretische  Niveau der  deutschen Arbeiter durch die Propa-
       gierung der Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus zu heben.
       In dem  Artikel "Karl  Marx" tritt  Engels gegen die Legende auf,
       wonach Lassalle  der Urheber  der deutschen  Arbeiterbewegung und
       ein origineller Denker sei. Engels erinnert an die revolutionären
       Traditionen von  1848/49, an  die  wichtigsten  Momente  der  Ge-
       schichte des  Bundes der  Kommunisten und  betont,  daß  Lassalle
       "einen Vorgänger  hatte und  einen intellektuellen  Vorgesetzten,
       dessen Dasein  er freilich verschwieg, während er seine Schriften
       vulgarisierte, und  dieser intellektuelle  Vorgesetzte heißt Karl
       Marx" (siehe vorl. Band, S. 362). In dieser kurzen, aber inhalts-
       reichen Marx-Biographie  charakterisiert Engels  die  Entwicklung
       der Marxschen Ideen, schätzt dessen bedeutendste theoretische Ar-
       beiten, seine  parteipolitische Tätigkeit  und schließlich  seine
       führende Rolle  in der  Internationale ein, "dieser in... der Ar-
       beiterbewegung epochemachenden  Gesellschaft" (siehe  vorl. Band,
       S. 366).
       Um die revolutionären Traditionen von 1848/49 wachzurufen und die
       deutschen Arbeiter mit den wichtigsten Werken des wissenschaftli-
       chen Kommunismus  vertraut zu  machen, bereiteten Marx und Engels
       die Neuausgabe zweier ihrer Werke vor - des "Achtzehnten Brumaire
       des Louis Bonaparte" und des "Deutschen Bauernkriegs".
       Im Vorwort  zur Zweiten  Ausgabe des  "Achtzehnten  Brumaire  des
       Louis Bonaparte" beschäftigt sich Marx nochmals mit dem Wesen des
       Bonapartismus, wobei er sich gegen jeden Versuch wendet, die kon-
       krete Klassenanalyse der historischen Ereignisse durch oberfläch-
       liche historische  Analogien zu  ersetzen. Marx'  Bemerkungen  zu
       dieser Frage richteten sich vor allem auch gegen die falschen An-
       schauungen einiger Führer der deutschen Sozialdemokratie, die un-
       kritisch die damals landläufige Phrase vom sogenannten Cäsarismus
       übernommen hatten.
       In der  Vorbemerkung zum  Zweiten Abdruck  des "Deutschen Bauern-
       kriegs" analysiert  Engels die  Veränderungen im ökonomischen und
       politischen Leben Deutschlands seit 1848 sowie die Rolle der ver-
       schiedenen
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       Klassen und  Parteien in  Deutschland während dieser Periode. Bei
       der Einschätzung  der Ergebnisse  des  Preußisch-Österreichischen
       Krieges von  1866, dessen  Verlauf er  in den "Betrachtungen über
       den Krieg  in Deutschland"  (siehe vorl. Band, S. 167-189) schil-
       derte, charakterisiert  Engels äußerst  prägnant die  Haltung der
       preußischen Bourgeoisie  und enthüllt die Ursachen ihrer Feigheit
       und Bereitschaft  zu Kompromissen mit der Reaktion. Er untersucht
       die während  der letzten zwanzig Jahre vor sich gegangenen Verän-
       derungen in der deutschen Arbeiterbewegung sowie die Zukunft die-
       ser Bewegung  und weist  darauf hin, daß das Wichtigste die Frage
       nach den  Bundesgenossen des Proletariats sei. Die Arbeiterklasse
       müsse um die Führung der Bauernmassen kämpfen. Die überaus bedeu-
       tende theoretische und politische Schlußfolgerung von der Notwen-
       digkeit des Bündnisses des Proletariats mit der Bauernschaft, die
       anhand der  Erfahrung der  Revolution 1848/49  in Marx' "Klassen-
       kämpfen in  Frankreich" und  im "Achtzehnten  Brumaire des  Louis
       Bonaparte" sowie  in Engels'  Arbeit "Der  deutsche  Bauernkrieg"
       formuliert worden  war, wurde  hier weiterentwickelt  und konkre-
       tisiert. Engels  zeigt, daß man an die Bauernschaft differenziert
       herangehen muß,  und untersucht,  welche Bauernschichten  zu Ver-
       bündeten im  revolutionären Kampf  des Proletariats werden können
       und weshalb dies möglich ist.
       Engels hob  die große  Bedeutung des Beschlusses des Baseler Kon-
       gresses der Internationale über das Grundeigentum hervor und half
       damit der  Sozialdemokratischen Arbeiterpartei,  deren Führung in
       gewissem Maße  die Bedeutung  dieses so wichtigen Beschlusses für
       Deutschland unterschätzte,  eine politisch richtige Linie festzu-
       legen.
       Die Resolution des Baseler Kongresses über die Notwendigkeit, das
       Privateigentum an  Grund und  Boden zu  beseitigen und in gesell-
       schaftliches Eigentum zu verwandeln, hatte gewaltige theoretische
       und politische  Bedeutung für  die gesamte  Internationale. Diese
       Resolution, an  deren Vorbereitung Marx selbst unmittelbar Anteil
       nahm (siehe die "Aufzeichnung zweier Reden von Karl Marx über das
       Grundeigentum" im vorl. Band, S. 558/559), zeugte von dem ideolo-
       gischen Sieg  des Marxismus über die Verteidiger des Privateigen-
       tums, die Proudhonisten, zeugte von dem Sieg des Sozialismus über
       den kleinbürgerlichen Reformismus.
       Von den  ersten Tagen  der Internationalen Arbeiterassoziation an
       scheute Marx  keine Mühe, um das englische Proletariat in Gestalt
       seiner mächtigsten Organisationen, der Trade-Unions, in die Asso-
       ziation einzubeziehen  (siehe die  "Resolutionsentwürfe über  die
       Aufnahmebedingungen für Arbeiterorganisationen in die Internatio-
       nale Arbeiterassoziation"
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       im vorl.  Band, S.  17). In dem Artikel "Die Verbindungen der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation  mit den englischen Arbeiteror-
       ganisationen" vom  Oktober 1868  schreibt Marx: "... es existiert
       keine irgendwie  bedeutende Bewegungspartei des britischen Prole-
       tariats, die  nicht direkt,  durch ihre eigenen Führer, im Schöße
       des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation vertreten
       wäre." (Siehe vorl. Band, S. 332.)
       Marx hoffte,  daß es unter dem ideologischen Einfluß der Interna-
       tionale, der  durch die  eigenen Erfahrungen  der  Arbeiterklasse
       noch verstärkt wurde, gelingen werde, die Zunftbeschränktheit der
       Trade-Unions, die Begrenztheit ihrer Kampfziele, die sich nur auf
       die Verteidigung  der unmittelbaren  ökonomischen Interessen  der
       Arbeiter beschränkten,  sowie ihre ablehnende Haltung zum politi-
       schen Kampf  der Arbeiterklasse, durch die das englische Proleta-
       riat politisch  zu einem  Anhängsel der Liberalen Partei geworden
       war, zu  überwinden. Marx strebte danach, die englischen Arbeiter
       von der  Vormundschaft der liberalen Bourgeoisie zu befreien, die
       opportunistischen Führer  der Trade-Unions zu isolieren und damit
       dem englischen  Proletariat zu  helfen, sich als selbständige ge-
       sellschaftliche und  politische Kraft  zu formieren. Die Kampagne
       für eine neue Wahlreform, die sich zu dieser Zeit in England ent-
       wickelte, trug  fördernd zur  Lösung dieser Aufgaben bei. Auf In-
       itiative  von   Marx  unternahm   die  Internationale  energische
       Schritte zur  Gründung einer Reformliga, die das führende und or-
       ganisierende Zentrum  der englischen  Arbeiter im  Kampf für  das
       allgemeine Wahlrecht  werden sollte. Marx war der Auffassung, daß
       das allgemeine Wahlrecht in England, wo das Proletariat die Mehr-
       heit der Bevölkerung bildete und der Militärklüngel sowie die Bü-
       rokratie noch keine so bedeutende Rolle spielten, von dem revolu-
       tionären Proletariat  als Hebel  zu seiner  Befreiung  ausgenutzt
       werden könnte  - im Unterschied zu Frankreich und Deutschland, wo
       die bäuerliche  Bevölkerung überwog  und bürgerlich-demokratische
       Freiheiten fehlten.
       Die von dem Ausmaß der Wahlrechtsreform-Bewegung erschreckten op-
       portunistischen Führer der Trade-Unions taten alles, um die Bewe-
       gung einzuengen,  ihre Losungen in engbegrenztem Rahmen zu halten
       und einen  Kompromiß mit der Regierung zu erreichen. Verschiedene
       der im  vorliegenden Band veröffentlichten Materialien ("Beschluß
       des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation bezüglich
       des 'Beehive'"  u.a.) zeugen  von Marx' entschiedenem Kampf gegen
       das in den wichtigsten Fragen zum Ausdruck kommende Versöhnlertum
       der Führer  der  Trade-Unions,  jener  Vertreter  der  "Arbeiter-
       aristokratie", die  mit einem  Teil der  Überprofite  großgezogen
       wurde, welche die Bourgeoisie infolge des englischen Industrie-
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       und Kolonialmonopols  erzielen konnte.  Die Kompromißpolitik  der
       opportunistischen Führer  der Trade-Unions  war die  Hauptursache
       dafür, daß  diese machtvolle  Bewegung mit  einer  unzulänglichen
       Wahlreform endete,  bei der die Mehrheit der werktätigen Bevölke-
       rung Englands ohne politische Rechte blieb.
       Eine ernste  Ursache für  den geringen  Erfolg des Kampfes um die
       Wahlrechtsreform sah  Marx in  der Weigerung  der Reformliga, den
       nationalen Befreiungskampf  des irischen  Volkes zu unterstützen.
       Das vertiefte  die für  die Arbeiterbewegung so unheilvolle Spal-
       tung zwischen  den irischen und englischen Arbeitern. Der stürmi-
       sche Aufschwung  des  revolutionären  Unabhängigkeitskampfes  des
       irischen Volkes  veranlaßte Marx,  sich intensiv mit der irischen
       Frage zu  beschäftigen, der  er große theoretische und politische
       Bedeutung beimaß.  Marx analysierte das Kräfteverhältnis zwischen
       den Klassen  in England  selbst sowie die revolutionären Möglich-
       keiten der  irischen Befreiungsbewegung  und änderte  auf  dieser
       Grundlage seine  frühere Anschauung  in der  irischen Frage. Wenn
       Marx früher  den Standpunkt  vertrat, daß  Irland seine  Freiheit
       durch die  Arbeiterbewegung der unterdrückenden englischen Nation
       erhalten werde,  so kam er jetzt zu dem Schluß, daß die nationale
       Befreiung Irlands und revolutionär-demokratische Veränderungen in
       der Agrarstruktur  der "Grünen  Insel" eine  "Forbedingung  f ü r
       d i e   E m a n z i p a t i o n   d e r   englischen   A r b e i-
       t e r k l a s s e"   sein muß  (siehe vorl.  Band, S. 389). Indem
       Marx die  Forderung begründete,  Irland die nationale Unabhängig-
       keit einschließlich  des Rechts  auf völlige Trennung von England
       zu gewähren  - eine  Forderung, die  zur  Losung  der  englischen
       Arbeiterbewegung werden sollte -, trug er in bedeutendem Maße zur
       Weiterentwicklung   der   Prinzipien   der   proletarischen   Na-
       tionalitätenpolitik bei.  Anhand der Erfahrung mit Irland entwic-
       kelt Marx seine Gedanken zur nationalen und kolonialen Frage wei-
       ter und  gelangt zu  der bedeutsamen Schlußfolgerung, daß es not-
       wendig sei,  die nationale  Befreiungsbewegung in  dieser  ersten
       englischen Kolonie  mit dem  Kampf des Proletariats um den Sozia-
       lismus in der Metropole zu verbinden. Entsprechend diesem theore-
       tischen Grundsatz  erzog Marx  die englischen  Arbeiter und  ihre
       Führer im Generalrat im Sinne einer entschiedenen und aktiven Un-
       terstützung der irischen Befreiungsbewegung. Gleichzeitig entlar-
       vte er  die opportunistische Haltung der vom bürgerlichen Chauvi-
       nismus infizierten  Führer der  englischen Trade-Unions. Marx war
       Seele und Inspirator der Kampagnen, Meetings und Diskussionen zur
       Verteidigung und Unterstützung des kämpfenden Irlands, er war In-
       itiator und Verfasser der Resolutionen zur irischen Frage.
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       Marx trat entschieden für die Verteidigung der von der englischen
       Regierung grausam  verfolgten irischen  kleinbürgerlichen Revolu-
       tionäre, der  Fenier, ein, obwohl er deren Verschwörertaktik kri-
       tisierte. Die  von ihm  verfaßte Resolution  des Generalrats "Die
       eingekerkerten Fenier in Manchester und die Internationale Arbei-
       terassoziation" vom 20. November 1867 bewertete das über vier Fe-
       nier verhängte  Todesurteil als  einen politischen  Racheakt  der
       englischen Regierung  und entlarvte  die Gerichtsfälschungen, auf
       deren Grundlage  das Urteil gefällt worden war. Den "Resolutions-
       entwurf  des   Generalrats  über  das  Verhalten  der  britischen
       Regierung in  der irischen  Amnestiefrage" vom  16. November 1869
       schlug Marx  in der  von ihm  eröffneten Diskussion  zur irischen
       Frage vor,  während der  er zweimal das Wort ergriff (siehe vorl.
       Band,  S.   570-574).  In  dieser  Resolution  entlarvte  er  die
       heuchlerische und volksfeindliche Politik der liberalen Regierung
       und wies  nach, daß  sich diese  Politik ungeachtet der demagogi-
       schen Versprechungen  und kümmerlichen Reformen der Gladstone-Re-
       gierung dem Wesen nach in nichts von der Kolonialpolitik der Kon-
       servativen unterschied.  Marx' Artikel  "Die englische  Regierung
       und die  eingekerkerten Fenier"  sowie die  Artikel zur  irischen
       Frage, die  Marx' Tochter  Jenny mit seiner Unterstützung für die
       französische Zeitung  "La Marseillaise"  schrieb, enthüllten  vor
       der europäischen  Öffentlichkeit, wie  grausam  die  herrschenden
       Klassen Englands  mit den Teilnehmern der irischen nationalen Be-
       freiungsbewegung abrechneten,  welch barbarische  Behandlung  den
       eingekerkerten Feniern  in den Gefängnissen des von Gladstone re-
       gierten "menschenfreundlichen" Englands widerfuhr.
       In den  Dokumenten der  Internationale "Der Generalrat an den Fö-
       deralrat der  romanischen Schweiz" vom Januar 1870 und "Konfiden-
       tielle Mitteilung"  vom  März  1870  begründet  Marx  die  inter-
       nationale Bedeutung  der irischen Frage, wobei er hervorhebt, wie
       wichtig die  Lösung des irischen Problems für die Entwicklung der
       internationalen Arbeiterbewegung  sei, vor  allem für  einen  er-
       folgreichen Kampf  des englischen  Proletariats. Er  weist darauf
       hin, daß  zu den Grundlagen der ökonomischen Macht der herrschen-
       den Klassen  Englands die koloniale Ausbeulung Irlands zählt. Ir-
       land sei "das Bollwerk des englischen Landlordismus" (siehe vorl.
       Band, S.  387). In diesen Dokumenten, worin Marx sehr ausführlich
       auf den  Standpunkt der  Internationale  in  der  irischen  Frage
       einging, schrieb  er: "Ihre erste Aufgabe ist es, die soziale Re-
       volution in  England zu  beschleunigen. Zu  diesem Zwecke muß man
       den entscheidenden Schlag in Irland führen."(Siehe vorl. Band, S.
       389.) Marx  rief die Arbeiterklasse der unterdrückenden Nation zu
       entschiedenem Kampf gegen jede nationale Unterdrückung auf. Eine
       
       #XXV# Vorwort
       -----
       der Hauptursachen  für die  Schwäche der englischen Arbeiterbewe-
       gung, trotz  ihrer Organisiertheit,  war, wie  Marx nachwies, die
       nationale Zwietracht  zwischen den englischen und irischen Arbei-
       tern, die  von der englischen Bourgeoisie auf jede Weise geschürt
       wurde. Die  Unterdrückung Irlands  und der  anderen Kolonien, be-
       tonte Marx, sei ein ungeheures Hindernis für die fortschrittliche
       Entwicklung Englands  selbst. "Das Volk, das ein anderes Volk un-
       terjocht, schmiedet  seine eigenen  Ketten" - so formulierte Marx
       das wichtigste  Prinzip  des  proletarischen  Internationalismus.
       (Siehe vorl. Band, S. 389.)
       Im Abschnitt  "Aus dem handschriftlichen Nachlaß" werden erstmals
       Marx' Handschriften "Entwurf einer nicht gehaltenen Rede zur iri-
       schen Frage"  vom November  1867 und "Entwurf eines Vertrages zur
       irischen Frage,  gehalten im Deutschen Bildungsverem für Arbeiter
       in London  am 16.  Dezember 1867" sowie die Handschrift einer un-
       vollendeten Arbeit  von Engels  über "Die Geschichte Irlands" und
       einige von  ihm stammende Fragmente zum gleichen Thema veröffent-
       licht. Diese Handschriften zeugen deutlich davon, daß die Begrün-
       der des  Marxismus ihre  Schlußfolgerungen in  der irischen Frage
       auf der  Grundlage eines  allseitigen Studiums der Geschichte Ir-
       lands und der englisch-irischen Beziehungen zogen.
       In dem  "Entwurf einer  nicht gehaltenen Rede zur irischen Frage"
       gibt Marx  eine tiefgründige  Analyse der sozialökonomischen Pro-
       zesse in  Irland und  zeichnet ein  Bild der entsetzlichen Leiden
       der Volksmassen  in der ersten englischen Kolonie. Auf der Grund-
       lage dieser Analyse charakterisiert Marx in klassischer Weise die
       Bewegung der  Fenier, die eine neue Etappe des nationalen Befrei-
       ungskampfes der Iren bildete.
       In dem  "Entwurf eines Vertrages zur irischen Frage", der auf dem
       obigen Entwurf aufbaute, charakterisiert Marx die wichtigsten ge-
       schichtlichen Etappen  der kolonialen  Versklavung Irlands  durch
       England. Er  zeigt, welch  verderbliche Ergebnisse  die englische
       Herrschaft für das irische Volk hatte, wie die Keime der irischen
       Industrie in einem stetigen Prozeß vernichtet wurden und sich das
       Land in  ein landwirtschaftliches Anhängsel der Metropole verwan-
       delte. In  beiden Entwürfen setzt sich Marx mit der Kolonialpoli-
       tik der  herrschenden Klassen  Englands und  den  Methoden  ihrer
       Wirtschaftsführung in  den unterdrückten  Ländern auseinander und
       enthüllt anschaulich  und eindringlich  die räuberische Natur der
       Umwälzung der  irischen Agrarverhältnisse.  Diese  Umwälzung  ge-
       schah, wie Marx nachweist, im Interesse der englischen Großgrund-
       besitzer und  führte zur Enteignung der irischen Bauern, zu ihrer
       massenhaften Vertreibung von Grund und Boden.
       
       #XXVI# Vorwort
       -----
       Die im  vorliegenden Band  veröffentlichte Handschrift  "Die  Ge-
       schichte Irlands"  widerspiegelt Engels'  Arbeit an einem von ihm
       geplanten Buche, das die Geschichte Irlands von den ältesten Zei-
       ten bis 1870 umfassen sollte. Nach den uns überlieferten Auszügen
       und Fragmenten beabsichtigte Engels, in diesem Buch ein umfassen-
       des Bild  von der Unterjochung Irlands durch die englischen Kolo-
       nisatoren und  dem jahrhundertelangen  Kampf des  irischen Volkes
       gegen seine  Unterdrücker zu geben und gleichzeitig den bürgerli-
       chen Apologeten  der englischen Kolonialherrschaft, den Verteidi-
       gern der  reaktionären Rassen-  und Kolonialideen einen Schlag zu
       versetzen. Im  Kapitel "Naturbedingungen" wendet sich Engels ent-
       schieden gegen  die Versuche  englischer Geographen, Ökonomen und
       Historiker, das  geographische Milieu zum bestimmenden Faktor der
       Geschichte zu erheben und mit Hilfe pseudowissenschaftlicher geo-
       graphischer Argumente  zu beweisen,  daß England berufen sei, Ir-
       land zu unterwerfen. (Siehe vorl. Band, S, 462.) Engels gibt eine
       ausführliche Beschreibung des Klimas und der Bodenverhältnisse in
       Irland, um  damit die lügnerischen Vorwände bürgerlicher Schrift-
       steller zu entlarven, die die Vertreibung der irischen Bauern von
       Grund und Boden damit zu rechtfertigen suchten, daß "Irland durch
       sein Klima  verurteilt sei, nicht Irländer mit Brot, sondern Eng-
       länder mit Fleisch und Butter zu versorgen" (siehe vorl. Band, S.
       476). Im Kapitel "Altirland" tritt Engels dem unkritischen Heran-
       gehen an  die Frühperioden  der irischen Geschichte und ihrer na-
       tionalistischen Ausschmückung entgegen, richtet aber gleichzeitig
       den Hauptstoß  seiner Kritik  gegen die chauvinistischen Versuche
       englischer bürgerlicher  Historiker (Goldwyn Smith u.a.), die al-
       ten Iren als ein rückständiges Volk darzustellen, das nicht fähig
       gewesen sei,  eine eigene  Kultur und  Zivilisation zu  schaffen,
       diese vielmehr  nur von  den eingewanderten Normannen und Englän-
       dern entlehnt hätte.
       In seiner  Arbeit und  den dazugehörigen  Fragmenten weist Engels
       nach, daß  die Geschichte des alten Irlands von der Eigenständig-
       keit und  Begabung des  irischen Volkes zeugt. Die geschichtliche
       Vergangenheit dieses  Landes kennt,  wie Engels hervorhebt, viele
       heroische Episoden  des Kampfes  gegen die fremdländischen Erobe-
       rer. Bei  der Kritik an Arbeiten englischer bürgerlicher Histori-
       ker über  Irland deckt  Engels einige  Grundzüge der bürgerlichen
       Geschichtsschreibung überhaupt  auf. Er entlarvt den bürgerlichen
       Objektivismus und betont, daß die vielberufene "Objektivität" nur
       eine Maskierung  ist, mit der bürgerliche Geschichtsschreiber den
       apologetischen Charakter  ihrer Schriften verdecken wollen. Diese
       Historiker seien  im Interesse  der Bourgeoisie  bereit, die  ge-
       schichtliche Wirklichkeit
       
       #XXVII# Vorwort
       -----
       zu verfälschen und die Geschichtswissenschaft in eine vorteilhaft
       zu verkaufende Ware zu verwandeln.
       Große Bedeutung  haben Engels" Schlußfolgerungen über den Charak-
       ter der  sogenannten normannischen Eroberung einer Reihe europäi-
       scher Länder  in der  Periode des frühen Mittelalters. Engels wi-
       derlegt die  reaktionären Normannentheorien, wonach die Normannen
       die Gründer vieler europäischer Staaten waren, und zeigt die wah-
       ren Folgen  der normannischen  Einfalle in Irland und andere Län-
       der. Er  kennzeichnet diese  Einfalle als  "Raubzüge"  und  weist
       nach,  daß  deren  Vorteil  für  die  geschichtliche  Entwicklung
       "verschwindend klein  sei gegen  die ungeheuren  und  selbst  für
       Skandinavien fruchtlosen  Störungen, die  sie angerichtet" (siehe
       vorl. Band, S. 493).
       Bei der  Abrechnung mit  der grausamen englischen Kolonialpolitik
       in Irland  entwickelt Engels den Gedanken, daß diese gewalttätige
       Assimilationspolitik zum  Untergang verurteilt ist. Er zeigt, daß
       es den herrschenden Klassen Englands nicht gelungen sei und trotz
       aller Anstrengungen  auch niemals  gelingen werde, die nationalen
       Traditionen des irischen Volkes auszumerzen und es mit der engli-
       schen Herrschaft zu versöhnen. Engels' Arbeit ist von heißem Mit-
       gefühl für  das unterdrückte Volk und vom Haß gegen das kapitali-
       stische Kolonialsystem durchdrungen. Sie bildet eine Ergänzung zu
       dem Auftreten von Marx in der irischen Frage und ist ein Beispiel
       für die  Verteidigung der proletarischen Prinzipien in der natio-
       nalen Frage.  "Die Politik  von Marx  und Engels  in der irischen
       Frage hat ein höchst bedeutsames Beispiel, das bis auf den heuti-
       gen Tag  gewaltige   p r a k t i s c h e   Bedeutung bewahrt hat,
       dafür gegeben,  wie sich  das Proletariat der unterdrückenden Na-
       tionen zu nationalen Bewegungen zu verhalten hat..." (W.I. Lenin,
       Werke, Band 20, Berlin 1961, S. 447.)
       Die wahrhaft  proletarische,  internationalistische  Haltung  von
       Marx und Engels in der irischen Frage rief den erbitterten Wider-
       stand der  chauvinistisch gesinnten  Führer der  Trade-Unions wie
       auch des neuen Gegners des Marxismus - des Bakunismus - hervor.
       Verschiedene der  im vorliegenden  Band veröffentlichten  Artikel
       und Dokumente spiegeln den unversöhnlichen Kampf von Marx und En-
       gels sowohl gegen Bakunins theoretische Anschauungen als auch ge-
       gen seine  desorganisierende Wühlarbeit in der Internationale wi-
       der.
       Das von  Marx verfaßte Dokument "Die Internationale Arbeiterasso-
       ziation und  die Allianz der sozialistischen Demokratie" enthüllt
       die Absicht  Bakunins und seiner Anhänger, die Allianz der sozia-
       listischen Demokratie  als besondere  internationale Organisation
       mit ihrem Programm, ihrem organisatorischen
       
       #XXVIII# Vorwort
       -----
       Aufbau und  ihren leitenden  Organen in die Internationale Arbei-
       terassoziation zu  bringen, um,  gestützt auf diese Organisation,
       von der  Internationale Besitz  zu ergreifen und sie dem anarchi-
       stischen Einfluß  der Allianz  zu unterwerfen. Im Brief des Gene-
       ralrats an  das Zentralbüro der Allianz der sozialistischen Demo-
       kratie vom  9. März 1869 richtet sich die Kritik gegen den Haupt-
       punkt des Programms der Bakunisten - gegen die Forderung nach der
       "politischen,  ökonomischen   und  sozialen      G l e i c h m a-
       c h u n g   der  K l a s s e n".  Marx wies darauf hin, daß diese
       Forderung ihrem  eigentlichen Wesen nach auf die bürgerliche Pre-
       digt der  "Harmonie von  Arbeit  und  Kapital"  hinauslaufe,  und
       schrieb:  "Nicht     d i e     G l e i c h m a c h u n g    d e r
       K l a s s e n   - ein  logischer Widersinn,  unmöglich zu  reali-
       sieren -,  sondern vielmehr   d i e  A b s c h a f f u n g  d e r
       K l a s s e n,   dieses wahre  Geheimnis der proletarischen Bewe-
       gung, bildet  das große  Ziel der  Internationalen  Arbeiterasso-
       ziation," (Siehe vorl. Band, S. 3 49.)
       Nachdem die  Aufnahme der  Allianz zu  den von den Bakunisten ge-
       stellten Bedingungen  abgelehnt worden  war, erklärten diese sich
       bereit, ihre Organisation aufzulösen; ihre Mitglieder sollten den
       örtlichen Sektionen der Internationale beitreten. In Wirklichkeit
       aber ließen  Bakunin und seine Anhänger die Allianz als Geheimor-
       ganisation weiterbestehen,  um mit  ihr den Kampf gegen den Gene-
       ralrat und seinen leitenden Kopf Marx zu führen.
       Diesen Kampf  beabsichtigten die  Bakunisten schon auf dem bevor-
       stehenden Kongreß  der Internationale  in Basel  zu entfachen, in
       dessen Tagesordnung  auf ihr  Drängen ein Punkt über die Abschaf-
       fung des Erbrechts aufgenommen wurde.
       In dem  aus Marx'  Feder stammenden  Bericht des Generalrats über
       das Erbrecht wird festgestellt, daß die von Bakunin bei Saint-Si-
       mon entlehnte  These von  der Abschaffung  des Erbrechts als Aus-
       gangspunkt einer sozialen Umgestaltung "falsch in der Theorie und
       reaktionär m  der Praxis"  sei (siehe  vorl. Band,  S. 368). Marx
       stellt die Frage des Erbrechts auf den konkreten historischen Bo-
       den und  weist nach, daß das Erbrecht von der bestehenden Gesell-
       schaftsordnung abhängt und sich mit den Veränderungen dieser Ord-
       nung ändert. "Wie jede andere bürgerliche Gesetzgebung", schreibt
       Marx, "sind  die Erbschaftsgesetze nicht die Ursache, sondern die
       Wirkung, die juristische Folge der bestehenden ökonomischen Orga-
       nisation der Gesellschaft, die auf das Privateigentum in den Mit-
       teln der  Produktion begründet  ist, d.h.  Land, Rohmaterial, Ma-
       schinen usw...  Worum es  sich hier  dreht, ist  die Ursache  und
       nicht die  Wirkung, die ökonomische Grundlage, nicht der juristi-
       sche Überbau." (Siehe vorl. Band, S. 367.) Marx zeigt,
       
       #XXIX# Vorwort
       -----
       daß die  Forderung nach Abschaffung des Erbrechts nicht nur theo-
       retisch unhaltbar,  sondern auch  in politischer Beziehung schäd-
       lich ist,  da sie  das Proletariat von seinen wirklichen Aufgaben
       nur ablenken  kann und  seine Bundesgenossen, die Bauern, von ihm
       abstoßen würde.  Anstatt den  Anfang  einer  sozialen  Revolution
       würde diese bakunistische Forderung deren Ende bedeuten.
       Auf dem  Baseler Kongreß  scheiterte der  Versuch der Bakunisten,
       die Führung in der Internationale an sich zu reißen. Dies war das
       Signal für einen offenen und pausenlosen Krieg der Bakunisten ge-
       gen den Generalrat und alle Sektionen der Internationale, die die
       Ansichten Bakunins, besonders die von ihm gepredigte völlige Ent-
       haltung von  der politischen  Tätigkeit, ablehnten.  Zentrum  der
       Wühlarbeit der Bakunisten wurde die Schweiz, wo es ihnen zeitwei-
       lig gelang, das Organ des Romanischen Föderalkomitees "L'Égalité"
       in ihr Werkzeug zu verwandeln.
       In dem  obenerwähnten Zirkular  "Konfidentielle Mitteilung"  legt
       Marx die gesamte Geschichte der Beziehungen zwischen der Interna-
       tionale und  der Allianz dar. Marx untersucht die Fragen, die den
       Bakunisten als  Anlaß für die Angriffe gegen den Generalrat dien-
       ten, und  gibt dabei  eine tiefschürfende theoretische Begründung
       der Politik des führenden Organs der Internationale, besonders in
       der irischen  Frage. Marx entlarvt die desorganisierende, doppel-
       züngige Haltung Bakunins und weist nach, daß Bakunin die Allianz,
       die er offiziell für aufgelöst erklärt hatte, als Geheimorganisa-
       tion weiterbestehen ließ.
       Im Kampf  gegen die  Bakunisten -  diese typischen  Vertreter des
       kleinbürgerlichen Rebellentums  - fand  Marx bei  der  russischen
       Sektion der  Internationale Unterstützung,  die im  Frühjahr 1870
       von russischen  politischen  Emigranten,  Schülern  N.G.  Tscher-
       nyschewskis und  N.A. Dobroljubows  in Genf, gebildet worden war.
       Die russische  Sektion schickte  Marx ihr  Programm und ihre Sta-
       tuten sowie  einen Brief,  in dem sie ihn bat, ihre Vertretung im
       Generalrat zu übernehmen. Marx zeigte besonderes Interesse an der
       revolutionären Bewegung  in Rußland,  da  sich  diese  gegen  den
       gemeinsamen Feind  der europäischen  Demokratie,  den  russischen
       Zarismus, richtete.  Als er der russischen Sektion mitteilte, daß
       er bereit  sei, sie  im  Generalrat  zu  vertreten,  schrieb  er:
       "Arbeiten wie  die von  Flerowski und  von Eurem  Lehrer  Tscher-
       nyschewski machen  Rußland wahrhaft  Ehre und  beweisen, daß Euer
       Land ebenfalls  beginnt,  an  der  allgemeinen  Bewegung  unseres
       Jahrhunderts teilzunehmen." (Siehe vorl. Band, S. 408.)
       In der Tätigkeit der russischen Sektion sah W.I. Lenin einen Ver-
       such,  "die  progressivste  und  hervorragendste  Erscheinung  im
       'europäischen
       
       #XXX# Vorwort
       ----
       Leben', die  Internationale, nach  Rußland zu  verpflanzen" (W.I.
       Lenin, Werke, Band 1, Berlin 1961, S. 280).
       Obwohl die Mitglieder der russischen Sektion ihrer Weltanschauung
       nach im  allgemeinen Anhänger  des kleinbürgerlichen  Sozialismus
       waren, war es ihr großes historisches Verdienst, daß sie der Pro-
       paganda Bakunins  gegen den politischen Kampf sowie seiner rebel-
       lenhaft-anarchistischen Taktik entgegentraten.
       Die Forderung, sich des politischen Kampfes zu enthalten, war die
       Hauptforderung, um  die die  Bakunisten damals alle antimarxisti-
       schen Strömungen  in der  Internationale zu  vereinigen  suchten.
       Deshalb schlug  Marx vor,  in die  Tagesordnung des  ordentlichen
       Kongresses der Internationale, der im Sommer 1870 in Mainz zusam-
       mentreten sollte,  folgenden Punkt  aufzunehmen: "Über den Zusam-
       menhang zwischen der politischen Aktion und der sozialen Bewegung
       der Arbeiterklasse."  (Siehe vorl.  Band, S.  435.)  Der  Kongreß
       konnte jedoch  nicht stattfinden,  da im  Juli 1870  der Deutsch-
       Französische Krieg ausbrach.
       Marx' und Engels' Tätigkeit zur Gründung und Festigung der Inter-
       nationale - der ersten internationalen revolutionären Massenorga-
       nisation des  Proletariats in der Geschichte, die nach den Worten
       Lenins "den  Grundstein zum  internationalen proletarischen Kampf
       für den  Sozialismus" legte  (W.I. Lenin,  Werke, Band 29, Berlin
       1961, S.  296) - hatte weltgeschichtliche Bedeutung. Diese Tätig-
       keit bildete  eine überaus wichtige Etappe im Kampf der Begründer
       des Marxismus  für die  proletarische Partei, für die Verbreitung
       der großen  Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus. Wie die Ma-
       terialien des  vorliegenden Bandes zeigen, erobert die revolutio-
       näre Lehre von Marx und Engels schon in den ersten Jahren der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation  feste Positionen in der Arbei-
       terbewegung, erringt der Marxismus bedeutende Siege über die ver-
       schiedenen dem  Proletariat fremden  und feindlichen  Strömungen.
       Die sich  im vorliegenden Band widerspiegelnde Periode der Inter-
       nationale, der gesamte Verlauf und die Ergebnisse des Kampfes der
       verschiedenen Strömungen  in der  Arbeiterbewegung während dieser
       Periode bereiteten den Boden für den unausbleiblichen Triumph der
       marxistischen Lehre  vor -  der mächtigen ideologischen Waffe des
       Proletariats in  seinem Kampf  für die revolutionäre Umgestaltung
       der Gesellschaft...
       In den  Beilagen zu  diesem Band werden Dokumente veröffentlicht,
       an deren Ausarbeitung oder Redigierung Marx beteiligt war, proto-
       kollarische Aufzeichnungen von Reden auf Generalratssitzungen und
       Zeitungsberichte
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       über Reden,  die wegen  der Kürze  und Unvollkommenheit  der Auf-
       zeichnung nicht  in den  Haupttext des  Bandes aufgenommen werden
       konnten. In  die Beilagen sind ferner Artikel aufgenommen worden,
       die von Marx' Frau und seiner Tochter Jenny unter seiner direkten
       Mitwirkung geschrieben wurden. Alle diese Dokumente sind außeror-
       dentlich wichtig,  um ein klares Bild von Marx' Tätigkeit bei der
       Führung der Internationale zu vermitteln...
       
       Institut für Marxismus-Leninismus
       beim ZK der KPdSU
       
                                   ---
       
       Von den  insgesamt 111  im vorliegenden Band veröffentlichten Ar-
       beiten werden  neben den  fünf im  Vorwort zur russischen Ausgabe
       dieses Bandes  genannten Manuskripten  aus dem  handschriftlichen
       Nachlaß noch  42 Artikel  von Marx  und Engels  zum erstenmal  in
       deutscher Sprache  veröffentlicht. Weitere zwei Artikel werden in
       deutscher Sprache  erstmals in authentischer Form veröffentlicht.
       28 der von Marx und Engels in deutscher Sprache verfaßten Artikel
       werden seit  ihrer Erstveröffentlichung zu Lebzeiten von Marx und
       Engels erstmals wieder in der Originalsprache zugänglich gemacht.
       Der Text  des vorliegenden Bandes wurde anhand der Originale oder
       Photokopien überprüft.  Bei jeder  Arbeit ist die für den Abdruck
       oder die Übersetzung herangezogene Quelle vermerkt.
       Die von Marx und Engels angeführten Zitate wurden ebenfalls über-
       prüft, soweit  die Quellen  zur Verfügung standen. Längere Zitate
       werden zur  leichteren Übersicht  in kleinerem Druck gebracht. Im
       Text vorkommende  fremdsprachige Zitate und fremdsprachige Wörter
       sind in Fußnoten übersetzt.
       In den deutschsprachigen Texten sind Rechtschreibung und Zeichen-
       setzung, soweit  vertretbar, modernisiert; der Lautstand der Wör-
       ter wurde nicht verändert. Alle in eckigen Klammern stehenden Ti-
       tel, Wörter  und Wortteile stammen von der Redaktion. Offensicht-
       liche Druck-  oder Schreibfehler  wurden  stillschweigend  korri-
       giert; in  Zweifelsfällen wird  in Fußnoten  die Schreibweise des
       Originals angeführt.
       Fußnoten von Marx und Engels sind durch Sternchen gekennzeichnet,
       Fußnoten der Redaktion durch eine durchgehende Linie vom Text ab-
       getrennt und durch Ziffern kenntlich gemacht.
       
       #XXXII# Vorwort
       -----
       Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
       Text durch  hochgestellte Zahlen  in eckigen Klammern hingewiesen
       wird; außerdem  sind ein Literaturverzeichnis, Daten über das Le-
       ben und  die Tätigkeit von Marx und Engels, ein Personenverzeich-
       nis, ein  Verzeichnis der literarischen und mythologischen Namen,
       eine Liste  der geographischen  Namen sowie  eine  Erklärung  der
       Fremdwörter beigefügt.
       
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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