Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875


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       #138#
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       Friedrich Engels
       
       Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie,
       vorgelegt dem Haager Kongreß im Namen des Generalrats [171]
       
       Die Allianz  der sozialistischen  Demokratie wurde gegen Ende des
       Jahres 1868  von M.  Bakunin gegründet. [2] Das war eine interna-
       tionale Gesellschaft,  die den  Anspruch erhob,  zu gleicher Zeit
       außerhalb und  innerhalb der  Internationalen Arbeiterassoziation
       zu fungieren.  Während sie sich aus Mitgliedern der letzteren zu-
       sammensetzte, die  das Recht  forderten, an allen Zusammenkünften
       der Internationale teilzunehmen, wollte sie sich jedoch das Recht
       vorbehalten, ihre  lokalen Gruppen, ihre nationalen Föderationen,
       ihre besonderen  Kongresse neben  denen der Internationale zu ha-
       ben. Die  Allianz beanspruchte  also gleich  von ihrem Beginn an,
       eine Art  Aristokratie inmitten  unserer Assoziation  zu  bilden,
       einen Elitekörper  mit einem Programm für sich und mit besonderen
       Privilegien.
       Die Korrespondenz, die damals zwischen dem Zentralkomitee der Al-
       lianz und  unserem Generalrat  geführt wurde, ist in dem Zirkular
       "Die angeblichen Spaltungen in der Internationale", Seite 7 bis 9
       1*), abgedruckt  (Belegstück Nr. 1). Der Generalrat lehnte es ab,
       die Allianz  zuzulassen, solange sie ihren abgesonderten interna-
       tionalen Charakter  beibehielte; er  versprach nur, sie unter der
       Bedingung zuzulassen, daß sie ihre spezielle internationale Orga-
       nisation auflöst,  daß sich  ihre Sektionen in einfache Sektionen
       unserer Assoziation  verwandeln und  daß der  Rat vom Ort und von
       der zahlenmäßigen Stärke jeder neuen Sektion unterrichtet wird.
       Hier folgt,  was am 22. Juni 1869 das Zentralkomitee der Allianz,
       die 2*)  in ihren  Beziehungen zum  Generalrat fortan  den  Namen
       "Sektion der  Allianz der  sozialistischen  Demokratie  in  Genf"
       führte, auf diese Forderungen antwortete:
       
       "Entsprechend den  Vereinbarungen zwischen Ihrem Rat und dem Zen-
       tralkomitee der  Allianz der sozialistischen Demokratie haben wir
       den verschiedenen Gruppen der
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       1*) Siehe vorl.  Band, S.  12-15 -  2*) in der  Handschrift folgt
       durchgestrichen: aus diesem Anlaß ihren Namen änderte
       
       #139# Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie
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       Allianz die  Frage ihrer Auflösung als eine von der Internationa-
       len Arbeiterassoziation  gesonderte Organisation  unterbreitet...
       Wir haben  das Vergnügen,  Ihnen mitzuteilen, daß die große Mehr-
       heit der Gruppen die Ansicht des Zentralkomitees geteilt hat, die
       darauf hinausläuft, die Auflösung der Internationalen Allianz der
       sozialistischen Demokratie zu beschließen. Heute ist diese Auflö-
       sung beschlossen  worden. Wir haben diesen Beschluß den verschie-
       denen Gruppen  der Allianz  mitgeteilt und  sie eingeladen,  sich
       nach unserem  Beispiel als  Sektionen der  Internationalen Arbei-
       terassoziation zu  konstituieren und  sich als  solche von  Ihnen
       oder vom  Föderalrat dieser Assoziation in ihren bezüglichen Län-
       dern anerkennen  zu lassen.  Als Bestätigung des Briefes, den Sie
       an das ehemalige Zentralkomitee der Allianz gerichtet haben, bit-
       ten wir  Sie heute,  indem wir Ihnen die Statuten unserer Sektion
       unterbreiten, uns  offiziell als Zweig der Internationalen Arbei-
       terassoziation anzuerkennen..." (gez.) Der provisorische Sekretär
       Ch. Perron (Belegstück Nr. 2).
       
       Dieses Exemplar  der Statuten der Allianz befindet sich unter den
       Belegstücken als Nr. 3.
       Die Genfer  Sektion blieb die einzige, die um ihre Aufnahme nach-
       gesucht hat.  Von den  anderen angeblichen  Sektionen der Allianz
       hörte man  nichts mehr.  Indessen mußte  man glauben,  trotz  der
       fortwährenden Intrigen  der Allianzisten, die bestrebt waren, ihr
       spezielles Programm  der ganzen  Internationale aufzuzwingen  und
       sich der  Leitung unserer Assoziation zu bemächtigen, daß die Al-
       lianz ihr  Wort gehalten  und sich aufgelöst hätte. Aber 1*) dann
       erhielt der  Generalrat ziemlich  präzise Hinweise,  aus denen er
       schließen mußte,  daß die  Allianz sich  niemals aufgelöst hatte,
       daß sie  trotz ihres feierlich gegebenen Wortes immer in Form ei-
       ner Geheimgesellschaft existiert hatte und existierte und daß sie
       diese verborgene  Organisation benutzte,  um  ihr  ursprüngliches
       Herrschaftsziel weiterzuverfolgen. Besonders in Spanien wurde ihr
       Vorhandensein immer  offensichtlicher infolge  von Spaltungen  im
       Schöße der  Allianz selbst,  deren Geschichte  wir  weiter  unten
       bringen werden.  Hier genügt  es zu  sagen, daß erst ein Zirkular
       der Mitglieder  des alten  Föderalrats dieses Landes, die gleich-
       zeitig Mitglieder des Zentralkomitees der Allianz in Spanien sind
       (siehe "Emancipacion"  Nr. 61, Seite 3, 2. Spalte, Belegstück Nr.
       4) [172]  deren Existenz  enthüllte. 2*)  Dieses Zirkular 3*) ist
       mit dem  2. Juni  1872 datiert.  [172] Es kündigt allen Sektionen
       der Allianz in Spanien an, daß die Unterzeichner sich als Sektion
       der Allianz soeben aufgelöst hätten und die
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       1*) In der  Handschrift folgt durchgestrichen: im Mai dieses Jah-
       res -  2*) in der  Handschrift folgt durchgestrichen: Da es ihnen
       jedoch nicht  möglich war,  ihre Pflichten gegenüber der Interna-
       tionale mit  ihrer Stellung  als Mitglieder einer in deren Innern
       bestehenden Geheimgesellschaft  zu vereinbaren,  wandten sie sich
       am 2. Juni - 3*) bezieht sich auf den durch gestrichenen Satz
       
       #140# Friedrich Engels
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       anderen auffordern,  ihrem Beispiel  zu folgen.  Es wurde  in der
       "Emancipacion" veröffentlicht  (Nr. 59,  Belegstück Nr. 5). Diese
       Veröffentlichung zwang  die Zeitung der Allianz, die "Federacion"
       [174] von  Barcelona (Nr. 155 vom 4. August 1872), ihrerseits die
       Statuten der  Allianz zu  veröffentlichen (Belegstück Nr. 6). Die
       Existenz dieser Gesellschaft ist also völlig erwiesen.
       Wenn man  diese Statuten der geheimen Gesellschaft mit den Statu-
       ten vergleicht,  die die Genfer Allianz dem Generalrat unterbrei-
       tet hat,  finden wir zunächst, daß die programmatische Einleitung
       der ersteren  identisch ist  mit der der anderen. Es sind nur ei-
       nige redaktionelle Veränderungen erfolgt, und zwar derart, daß in
       den Geheimstatuten das spezielle Programm Bakunins deutlicher zum
       Ausdruck kommt.
       
       Hier die genaue Übersicht:
       Der Genfer Art. 1 stimmt wörtlich mit dem Geheimartikel 5 überein
        "    "         2   "    im allge- "   "       "        1     "
                                meinen
        "    "         3   "    wörtlich  "   "       "        2     "
        "    "    4 & 5 stimmen im allge- "   "       "        3     "
                                meinen
        "    "         6 stimmt im allge- "   "       "        4     "
                                meinen
       
       Die Geheimstatuten  selbst basieren  auf denen  von Genf. So ent-
       spricht der  Geheimartikel 4 wörtlich dem Artikel 3 von Genf; die
       Genfer Artikel  8 und  9 finden  sich gekürzt im Geheimartikel 10
       wie die  Genfer Artikel  15 bis 20 im Geheimartikel 3. Der Genfer
       Artikel 7 predigt im Gegensatz zu der jetzigen Praxis der Allian-
       zisten "die  starke Organisation"  der  Internationale  und  ver-
       pflichtet alle Mitglieder der Allianz, "die Resolutionen der Kon-
       gresse und  die Macht des Generalrats aufrechtzuerhalten". Dieser
       Artikel findet  sich in den Geheimstatuten nicht, aber daß er an-
       fangs vorhanden  war, wird  dadurch bewiesen, daß er im Reglement
       der Madrider  sección de  oficios varios  1*), Artikel  15,  fast
       wörtlich wiederkehrt  (Belegstück Nr.  7), wo  sich auch das Pro-
       gramm der Allianz findet.
       Es ist  also offensichtlich,  daß wir es nicht mit zwei verschie-
       denen Gesellschaften,  sondern mit ein und derselben Gesellschaft
       zu tun  haben. Während  das Genfer  Zentralkomitee dem Generalrat
       die Auflösung der Allianz zusicherte und, im Glauben an diese Er-
       klärung, als  Sektion der  Internationale aufgenommen wurde, ver-
       stärkten die  Anführer dieses  Zentralkomitees, mit M. Bakunin an
       ihrer Spitze, die Organisation dieser selben
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       1*) Sektion verschiedener Berufe
       
       #141# Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie
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       Allianz, indem sie sie in eine Geheimgesellschaft umwandelten und
       ihr den  internationalen Charakter  wahrten, den  man versprochen
       hatte aufzugeben.  Das Vertrauen  des Generalrats  und der ganzen
       Internationale, der die Korrespondenz vorgelegt worden war, wurde
       schändlich mißbraucht.  Nachdem sie mit einer solchen Lüge begon-
       nen hatten,  hatten diese Männer keine Veranlassung mehr, sich in
       ihren Machenschaften  zu genieren, um die Internationale entweder
       zu unterwerfen oder, wenn das nicht glücken sollte, sie zu desor-
       ganisieren.
       Es folgen jetzt die hauptsächlichen Artikel der Geheimstatuten:
       
       "1. Die Allianz  der sozialistischen  Demokratie setzt  sich  aus
       Mitgliedern der  internationalen Arbeiterassoziation zusammen und
       hat die  Propaganda und  Entfaltung der  Prinzipien des Programms
       der Internationale  zum Ziele sowie das Studium aller Mittel, die
       geeignet sind,  die direkte und sofortige Befreiung der Arbeiter-
       klasse voranzutreiben.
       2. Um die  bestmöglichen Resultate  zu erlangen  und den Gang der
       sozialen Organisation nicht bloßzustellen, hat die Allianz höchst
       geheim zu sein.
       4. Niemand kann als Mitglied aufgenommen werden, ohne daß er vor-
       her vollständig  und aufrichtig  die Prinzipien des Programms ak-
       zeptiert hätte etc.
       5. Die Allianz  übt, soweit  sie das  kann, im Schoße der lokalen
       Arbeiterfäderation ihren  Einfluß aus, damit diese nicht eine re-
       aktionäre oder antirevolutionäre Entwicklung nimmt.
       9. Die Majorität  der Assoziierten  kann jedes  ihrer  Mitglieder
       ohne Angabe des Grundes aus der Allianz ausschließen."
       
       Die Allianz  ist also  eine  Geheimgesellschaft,  die  direkt  im
       Schoße der  Internationale gebildet  wurde, mit  einem speziellen
       Programm, das  keineswegs das der Internationale ist, und die die
       Propaganda dieses Programms zum Ziele hat, das sie als das einzig
       revolutionäre  betrachtet.   Sie  erlegt  ihren  Mitgliedern  die
       Pflicht auf,  im Schöße  ihrer lokalen Föderation der Internatio-
       nale dahin zu wirken, daß diese nicht eine reaktionäre oder anti-
       revolutionäre Entwicklung  nimmt, d.h.  daß sie  sich  in  keiner
       Weise vom Programm der Allianz entfernt. Das heißt, daß die Alli-
       anz bezweckt,  vermittels ihrer geheimen Organisation ihr sektie-
       rerisches Programm  der ganzen  Internationale aufzuzwingen.  Das
       wirksamste Mittel,  dahin zu  gelangen, ist, sich der lokalen und
       föderalen Räte  und des Generalrats zu bemächtigen, indem man un-
       ter Ausnutzung der durch die geheime Organisation gegebenen Macht
       Mitglieder der  Allianz in  sie hineinwählen  läßt. Das ist genau
       das, was  die Allianz  dort gemacht hat, wo sie glaubte, Erfolgs-
       aussichten zu haben; wir werden das später sehen.
       Es ist  klar, daß niemand den Allianzisten zürnen würde, wenn sie
       Propaganda für  ihr Programm betrieben hätten. Die Internationale
       setzt sich
       
       #142# Friedrich Engels
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       aus Sozialisten verschiedenster Schattierungen zusammen. Ihr Pro-
       gramm ist ziemlich breit, um sie alle zu umfassen; die bakunisti-
       sche Sekte  ist unter  denselben Bedingungen  wie alle anderen in
       sie aufgenommen worden. Was man ihr vorwirft, ist gerade, daß sie
       diese Bedingungen verletzt hat.
       Was den  geheimen Charakter  der Allianz angeht, so ist das schon
       etwas ganz  anderes. Die  Internationale weiß  sehr wohl,  daß in
       sehr vielen Ländern geheime Gesellschaften bestehen, in Polen, in
       Frankreich, in  Irland -, ein legitimes Verteidigungsmittel gegen
       den Terrorismus  der Regierungen.  Aber sie  hat auf der Londoner
       Konferenz erklärt,  daß sie sich von diesen Gesellschaften völlig
       fernhalten will  und sie  folglich nicht als Sektionen anerkennen
       wird. Doch  was die  Hauptsache ist, hier sehen wir uns einer Ge-
       heimgesellschaft gegenüber,  die geschaffen  worden ist, nicht um
       die Regierungen zu bekämpfen, sondern die Internationale selber.
       Die Organisation  einer solchen  Geheimgesellschaft ist eine fla-
       grante Verletzung  nicht nur der Verpflichtung, die gegenüber der
       Internationale übernommen worden ist, sondern auch des Buchstaben
       und des  Geistes unserer  Allgemeinen Statuten.  Unsere  Statuten
       kennen nur  eine Art von Mitgliedern der Internationale mit glei-
       chen Rechten und Pflichten; die Allianz teilt sie in zwei Kasten,
       in Eingeweihte  und Laien,  Aristokraten und  Plebejer, wobei die
       letzteren bestimmt sind, von den ersteren mittels einer Organisa-
       tion geführt zu werden, von deren Existenz sie nicht einmal etwas
       wissen. Die  Internationale  fordert  von  ihren  Anhängern,  als
       Grundlage ihres  Verhaltens die  Wahrheit, die  Gerechtigkeit und
       die Moral  anzuerkennen; die  Allianz erlegt  ihren  Adepten  als
       erste Pflicht die Lüge auf, die Verstellung und den Betrug, indem
       sie ihnen  vorschreibt, die  Laien unter den Internationalen über
       die Existenz  der verborgenen  Organisation, über die Beweggründe
       und selbst  über den  Zweck ihrer  Worte und  ihrer Handlungen zu
       täuschen. Die  Gründer der  Allianz wußten  ganz genau,  daß  die
       große Masse  der Laien  unter den  Internationalen  sich  niemals
       wissentlich einer Organisation wie der ihrigen unterwerfen würde,
       sobald sie  von deren  Existenz Kenntnis  erhalten hätte. Deshalb
       machten sie  sie "höchst geheim". Denn man muß wohl beachten, daß
       der geheime  Charakter dieser  Allianz nicht  zum Ziele  hat, die
       Wachsamkeit der  Regierungen zu  täuschen, andernfalls  hätte man
       sich gar  nicht erst  als Öffentliche  Gesellschaft konstituiert;
       dieser geheime Charakter 1*) war einzig und allein dazu bestimmt,
       die profane  Internationale zu  täuschen, wie  dies der unwürdige
       Betrug  beweist,   den  die   Allianz  gegenüber  dem  Generalrat
       angewandt hat. Es handelt sich
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       1*) In der Handschrift folgt durchgestrichen: die Tatsachen haben
       es bewiesen
       
       #143# Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie
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       um eine  richtige Verschwörung  gegen die Internationale. Zum er-
       stenmal in  der Geschichte  der Kämpfe  der Arbeiterklasse stoßen
       wir auf eine geheime Verschwörung, die angezettelt worden ist in-
       mitten dieser  Klasse selbst und dazu bestimmt ist, nicht das be-
       stehende Ausbeuterregime zu unterminieren, sondern gerade die As-
       soziation, die es aufs energischste bekämpft.
       Übrigens wäre  es lächerlich  zu behaupten, daß sich eine Gesell-
       schaft zu  einer geheimen gemacht habe, um sich gegen die Verfol-
       gungen der  jetzigen Regierungen  zu schützen, wenn diese Gesell-
       schaft überall  die zermürbende Doktrin von der absoluten Absten-
       tion in Sachen der Politik predigt und wenn sie in ihrem Programm
       (Art. 3, Einführung der Geheimstatuten) erklärt, daß sie
       
       "jede revolutionäre  Aktion ablehnt, die nicht zum sofortigen und
       direkten Ziel  den Triumph der Sache der Arbeiter gegen das Kapi-
       tal habe".
       
       Wie sah  nun die  Tätigkeit dieser  geheimen Gesellschaft  in der
       Internationale aus?
       Die Antwort  auf diese  Frage findet sich teilweise schon im ver-
       traulichen Zirkular  des Generalrats  über "Die angeblichen Spal-
       tungen" etc. Aber da der Generalrat damals noch nicht die Ausdeh-
       nung der  geheimen Organisation kannte und da seither manch wich-
       tiges Ereignis eingetreten ist, konnte diese Antwort nur sehr un-
       vollständig sein.
       Stellen wir  zunächst fest,  daß es  in der Tätigkeit der Allianz
       zwei deutlich  unterscheidbare Phasen gibt. In der ersten glaubte
       sie, sich  des Generalrats  bemächtigen zu können und dadurch der
       obersten Leitung  unserer Assoziation. Gerade damals forderte sie
       von ihren Anhängern, die "starke Organisation" der Internationale
       und "in erster Linie die Macht des Generalrats ebenso wie die des
       Föderalrats und  des Zentralkomitees" zu unterstützen; gerade da-
       mals haben  die Männer  der Allianz  auf dem Baseler Kongreß alle
       diese ausgedehnten  Vollmachten für  den Generalrat verlangt, die
       sie später mit soviel Abscheu als autoritär abgelehnt haben.
       Der Baseler Kongreß machte zumindest für einige Zeit die Hoffnun-
       gen der  Allianz zunichte  1*). Danach zettelte sie die Anschläge
       an, von  denen in den "Spaltungen" die Rede ist; im Jura, in Ita-
       lien und  in Spanien hörte sie nicht auf, ihr spezielles Programm
       an die Stelle des Programms der Internationale
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       1*) In der  Handschrift folgt  durchgestrichen: indem  er sie den
       lokalen Intrigen überließ. Sie hielt sich ziemlich ruhig, bis die
       Londoner Konferenz  durch ihre  Resolutionen über die Politik der
       Arbeiterklasse und  über die  sektiererischen Sektionen  das  ur-
       sprüngliche Programm  der Internationale  gegenüber dem  Programm
       der Allianz wiederherstellte.
       
       #144# Friedrich Engels
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       zu setzen. Die Londoner Konferenz mit ihren Resolutionen über die
       Politik der Arbeiterklasse und über die sektiererischen Sektionen
       machte diesem  qui pro quo in der Internationale ein Ende. Sofort
       regte sich die Allianz von neuem. Die Jurassische Föderation, die
       die Macht  der Allianz in der Schweiz begründete, erließ ihr Zir-
       kular von Sonvillier gegen den Generalrat, worin die starke Orga-
       nisation, die  Macht des  Generalrats, die  Baseler Resolutionen,
       die von  den Unterzeichnern dieses selben Zirkulars vorgeschlagen
       worden waren  und für die sie gestimmt hatten, als autoritär ver-
       urteilt wurden,  eine Bezeichnung,  die anscheinend hinreicht, um
       sie summarisch  zu verdammen; worin man von "dem Krieg, dem offen
       ausgebrochenen Krieg in unseren Reihen" sprach; worin man für die
       Internationale eine  Organisation forderte, die nicht den Bedürf-
       nissen des  gegenwärtigen Kampfes  angepaßt wäre,  sondern einem,
       wir wissen  nicht welchem,  Ideal der künftigen Gesellschaft etc.
       Von diesem Augenblick an wechselte man die Taktik. Die Losung war
       gegeben. Überall,  wo die  Allianz ihre  Verzweigungen hatte,  in
       Italien und  besonders in Spanien, wurden die autoritären Resolu-
       tionen von  Basel und  der Londoner Konferenz sowie der Autorita-
       rismus des  Generalrats heftig  angegriffen. Man  sprach nur noch
       von der  Autonomie der  Sektionen, von  frei föderierten Gruppen,
       von Anarchie  etc. Das  alles ist  leicht zu verstehen. Die Macht
       der Geheimgesellschaft  im Schöße der Internationale mußte natür-
       lich im gleichen Maße wachsen, wie sich die öffentliche Organisa-
       tion der Internationale lockerte und schwächte. Das große Hinder-
       nis, auf  das man stieß, war der Generalrat, und ihn griff man in
       erster Linie  an; aber wir werden sogleich sehen, daß man die Fö-
       deralräte dort,  wo man  die Gelegenheit dazu für geeignet hielt,
       in gleicher Weise behandelte.
       Das Jura-Zirkular  hatte keinerlei  Wirkung außer in den Ländern,
       wo die Internationale mehr oder weniger unter dem Einfluß der Al-
       lianz stand,  in Italien  und in Spanien. Im letzteren Land waren
       die Allianz  und die  Internationale zu  gleicher Zeit  gegründet
       worden, unmittelbar nach dem Baseler Kongreß. Die ergebensten In-
       ternationalen Spaniens ließ man glauben, daß das Programm der Al-
       lianz mit  dem der  Internationale identisch sei, daß die geheime
       Organisation überall  existiere und  daß es  beinahe eine Pflicht
       sei, in  sie einzutreten. Diese Illusion wurde zerstört durch die
       Londoner Konferenz,  wo sich der spanische Delegierte 1*), selber
       Mitglied des  Zentralkomitees der  Allianz seines Landes, vom Ge-
       genteil überzeugen konnte, und durch dasselbe Jura-Zirkular, des-
       sen wütende Angriffe und
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       1*) Anselmo Lorenzo
       
       #145# Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie
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       Verleumdungen gegen  diese Konferenz und gegen den Generalrat so-
       fort von  allen Organen  der Allianz übernommen worden waren. Die
       erste Folge  des Jura-Zirkulars in Spanien war, daß im Schöße der
       spanischen Allianz selbst eine Spaltung geschaffen wurde zwischen
       denjenigen, die  vor allem  Internationale waren, und denjenigen,
       die nur  insofern die  Internationale wünschten,  als sie von der
       Allianz beherrscht  würde. Der anfangs nur schwelende Kampf brach
       bald in  den Versammlungen der Internationale aus. Da der von der
       Konferenz von Valencia [175] (September 1871) gewählte Föderalrat
       durch seine  Handlungen bewiesen hatte, daß er die Internationale
       der Allianz  vorzog, wurde die Mehrheit seiner Mitglieder aus der
       lokalen Föderation  von Madrid,  die von  der Allianz  beherrscht
       wurde, ausgestoßen  [176]. Sie wurden durch den Kongreß von Sara-
       gossa [81]  rehabilitiert, und  zwei 1*)  von ihnen, Mora und Lo-
       renzo, wurden  in den neuen Föderalrat wiedergewählt, obwohl alle
       Mitglieder des alten Rats vorher erklärt hatten, sie nicht akzep-
       tieren zu wollen. 2*)
       Der Kongreß  von Saragossa ließ die Anführer der Allianz befürch-
       ten, daß Spanien ihren Händen zu entgleiten beginne. Sofort rich-
       tete sie  daher gegen  die Vollmachten des Spanischen Föderalrats
       dieselben Angriffe  wie sie das Jura-Zirkular gegen die sogenann-
       ten autoritären  Befugnisse des  Generalrats gerichtet  hatte. In
       Spanien wurde  von dem Kongreß von Barcelona [177] und der Konfe-
       renz von  Valencia eine völlig demokratische und gleichzeitig äu-
       ßerst vollständige  Organisation geschaffen.  Sie  zeitigte  auch
       dank der  Tätigkeit des  in Valencia  gewählten Föderalrats (eine
       Tätigkeit, die durch eine besondere Abstimmung des Kongresses an-
       erkannt wurde) die glänzenden Resultate, von denen im allgemeinen
       Bericht die  Rede gewesen  ist 3*). In Saragossa erklärte Morago,
       die Seele  der Allianz in Spanien, daß die in dieser Organisation
       dem Föderalrat  gewährten Befugnisse  autoritär wären,  man müsse
       sie einschränken  und ihm  das Recht nehmen, neue Sektionen zuzu-
       lassen oder  abzulehnen, das Recht, festzustellen, ob ihre Statu-
       ten mit  denen  der  Föderation  übereinstimmen,  man  müsse  ihn
       schließlich auf die Rolle eines einfachen Büros für Korrespondenz
       und Statistik  beschränken. Der Kongreß, der die Vorschläge Mora-
       gos zurückwies,  beschloß, die bestehende autoritäre Organisation
       beizubehalten. (Siehe
       -----
       1*) In der  Handschrift folgt  durchgestrichen: seiner  aktivsten
       Mitglieder -  2*) in der  Handschrift folgt  durchgestrichen: Der
       Kongreß wählte  den Sitz des Föderalrats in Valencia in der Hoff-
       nung, daß dies neutraler Boden sein würde und daß sich diese Zwi-
       stigkeiten nicht mehr wiederholen würden. Doch waren von den fünf
       Mitgliedern des  heuen Rats drei Anhänger der Allianz, deren Zahl
       später durch  Kooption auf  mindestens fünf  anwuchs. - 3*) siehe
       vorl. Band, S. 129-139
       
       #146# Friedrich Engels
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       "Estracto de  las actas del segundo congreso obrero" etc., S. 109
       und 110. Belegstück Nr. 8 [178]. - Zu diesem Punkt wird das Zeug-
       nis des Bürgers Lafargue, eines Delegierten zum Kongreß von Sara-
       gossa, wichtig sein.)
       Um den  neuen Föderalrat  von den in Madrid entstandenen Zwistig-
       keiten fernzuhalten, verlegte ihn der Kongreß nach Valencia. Aber
       die Ursache dieser Zwistigkeiten, der Antagonismus, der sich zwi-
       schen der  Allianz und  der Internationale  zu entwickeln begann,
       war nicht  von lokalem  Charakter. Der  Kongreß, der nicht einmal
       von der  Existenz der  Allianz wußte,  hatte den  neuen Rat  aus-
       schließlich aus Mitgliedern dieser Gesellschaft gewählt; zwei un-
       ter ihnen,  Mora und  Lorenzo, waren  deren Widersacher geworden,
       und Mora  nahm die  Wahl nicht  an. Das  Zirkular des Generalrats
       über "Die  angeblichen Spaltungen", als Antwort auf das Jura-Zir-
       kular, nötigte alle Internationalen, sich entweder für die Inter-
       nationale oder  für die Allianz zu erklären. Die Polemik zwischen
       der "Emancipacion"  einerseits und der "Federacion" von Barcelona
       und der "Razon" von Sevilla, allianzistischen Zeitungen, anderer-
       seits verschärfte sich immer mehr. Endlich, am 2. Juni, beschlos-
       sen  die   Mitglieder  des   alten  Föderalrats,  Redakteure  der
       "Emancipacion" und  Mitglieder des spanischen Zentralkomitees der
       Allianz, an alle spanischen Sektionen der Allianz ein Zirkular zu
       richten, worin  sie ihre  Auflösung als  Sektion der geheimen Ge-
       sellschaft erklärten  und die  anderen Sektionen  einluden, ihrem
       Beispiel zu  folgen. Die  Rache ließ  nicht auf  sich warten. Sie
       wurden sofort  und unter flagranter Verletzung der geltenden Ver-
       waltungsverordnungen von neuem aus der lokalen Föderation von Ma-
       drid ausgestoßen.  Sie konstituierten sich dann als Neue Madrider
       Föderation und baten den Föderalrat um ihre Anerkennung.
       Aber unterdessen  gelang es  dem allianzistischen Element im Rat,
       das sich durch Kooptionen verstärkt hatte, diesen vollständig un-
       ter seine  Herrschaft zu bringen, so daß Lorenzo sich aus ihm zu-
       rückzog. Die  Bitte der  Neuen Madrider  Föderation wurde vom Fö-
       deralrat, der  sich damals schon damit beschäftigte, die Wahl von
       Kandidaten der  Allianz als  Delegierte zum Haager Kongreß zu si-
       chern, rundweg  abgelehnt. Zu diesem Zweck richtete er an die lo-
       kalen Föderationen  ein vertrauliches  Zirkular, datiert  vom  7.
       Juli, worin er, nachdem er die Verleumdungen der "Federaeion" ge-
       gen den  Generalrat wiederholt  hat, den Föderationen vorschlägt,
       eine für ganz Spanien gemeinsame Delegation zum Kongreß zu schic-
       ken, gewählt mit der Mehrheit aller Stimmen, deren Auszählung vom
       Rat selbst  vorgenommen werden  sollte. (Belegstück  Nr. 9.)  Für
       alle diejenigen,  die die Geheimorganisation im Schöße der spani-
       schen Internationale  kennen, ist  es klar,  daß dies  hieße, die
       Herren der  Allianz zu  wählen, um  sie mit  dem Geld  der Inter-
       nationalen
       
       #147# Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie
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       zum Kongreß  zu schicken. Sowie der Generalrat, dem dieses Zirku-
       lar nicht übersandt worden war, von diesen Tatsachen Kenntnis er-
       hielt 1*),  richtete er  am 24. Juli an den Spanischen Föderalrat
       das den  Belegstücken (Nr.  10) beigefügte Schreiben 2*). Der Fö-
       deralrat 3*) antwortete am 1. August, daß er Zeit brauche, um un-
       seren französisch  geschriebenen Brief  zu übersetzen,  und am 3.
       August schrieb  er an  den Generalrat  die  in  der  "Federacion"
       (Belegstück Nr. 11) veröffentlichte ausweichende Antwort. In die-
       ser Antwort  ergriff er  für die  Allianz Partei.  Der Generalrat
       hatte gleich  nach Empfang des Briefes vom I. August diese Korre-
       spondenz in der "Emancipacion" veröffentlichen lassen.
       Fügen wir hinzu, daß man, gleich nachdem die geheime Organisation
       aufgedeckt worden  war, behauptete,  die Allianz wäre bereits auf
       dem Kongreß  von Saragossa  aufgelöst worden.  Das Zentralkomitee
       wurde indessen nicht davon benachrichtigt (Belegstück Nr. 4) 4*).
       Die Neue  Madrider Föderation  bestreitet diese  Sache,  und  sie
       müßte es  doch wissen.  Übrigens ist  es lächerlich zu behaupten,
       daß der  spanische Zweig solch einer internationalen Gesellschaft
       wie die Allianz sich auflösen könnte, ohne die anderen nationalen
       Zweige zu konsultieren.
       Unmittelbar danach  versuchte die  Allianz ihren coup d'état. Als
       sie merkte, daß es ihr nicht möglich sein wird, sich auf dem Haa-
       ger Kongreß  durch Wiederholung  der Manöver von Basel und von La
       Chaux-de-Fonds eine  künstliche Mehrheit  zu sichern  [179],  be-
       nutzte sie  die in Rimini durch die sogenannte italienische Föde-
       ration abgehaltene Konferenz, um eine offene Spaltung durchzufüh-
       ren. Die  dort versammelten  Delegierten stimmten dem einmütig zu
       (siehe Belegstück  Nr. 12). Da haben wir also den Kongreß der Al-
       lianz gegen  den der  Internationale. Indessen wurde man bald ge-
       wahr, daß  dieser Plan  keinen Erfolg versprach. Man beschloß da-
       her, nach  Den Haag  zu gehen, und so sehen wir, daß die gleichen
       italienischen Sektionen, von deren einundzwanzig eine einzige un-
       serer Assoziation  angehört, nachdem  sie den Haager Kongreß ver-
       schmäht haben,  nun die  Stirn haben,  ihre Delegierten  nach Den
       Haag zu schicken! 5*)
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       1*) In der Handschrift folgt durchgestrichen: was gerade zu jener
       Zeit geschah,  als er  die ersten unwiderlegbaren Beweise für die
       Existenz der  Geheimorganisation erlangte - 2*) siehe vorl. Band,
       S. 122-124  - 3*) in  der Handschrift folgt durchgestrichen: ver-
       suchte zunächst  Zeit zu  gewinnen, indem  er vorgab - 4*) in der
       Handschrift folgt  durchgestrichen: und  welchen Glauben kann man
       einer solchen  Versicherung schenken,  nachdem man  die Erfahrung
       von 1869 gemacht hat? Sie wird von keinerlei Beweisen bekräftigt.
       Im Gegenteil,  die Tatsachen zeigen eher, daß die geheime Organi-
       sation immer  noch besteht  - 5*) in  der Handschrift fügt Engels
       hiernach folgenden  deutschsprachigen  Vermerk  ein:  Dann  d[er]
       B[rie]f v[on] Bak[unin] und die Statuten wenn nötig.
       
       #148# Friedrich Engels
       -----
       In Erwägung:
       1. daß  die Allianz,  von M. Bakunin gegründet und geleitet, eine
       der Internationale  feindliche Gesellschaft ist, weil sie es ver-
       sucht, entweder  die Internationale  zu beherrschen  oder sie  zu
       desorganisieren;
       2. daß infolgedessen die Internationale und die Allianz unverein-
       bar sind, beschließt der Kongreß:
       1. M.  Bakunin und  alle gegenwärtigen Mitglieder der Allianz der
       sozialistischen Demokratie  sind aus  der Internationalen  Arbei-
       terassoziation ausgeschlossen. Sie können in sie erst wieder ein-
       treten, nachdem  sie von  jeder Gemeinschaft mit dieser Geheimge-
       sellschaft öffentlich abgerückt sind.
       2. Die  Jurassische Föderation als solche ist aus der Internatio-
       nale ausgeschlossen.
       Geschrieben Ende August 1872.
       Nach der Handschrift.
       
       Aus dem Französischen.

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