Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875
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Friedrich Engels
[Mitteilungen über die Tätigkeit der Internationale
auf dem Kontinent [254]]
I
["The International Herald" Nr. 41 vom 11. Januar 1873]
Wir erhalten vom Kontinent folgende Information:
Aus dem italienischen Organ der Internationale "La Plebe" war zu
ersehen, daß die italienische Regierung, die sich nirgendwo mit
den sezessionistischen Sektionen befaßt, gegen die Sektion in
Lodi, die den neuen Generalrat anerkannt und den Haager Resolu-
tionen zugestimmt hatte, einen heftigen Verfolgungsfeldzug eröff-
net hat. Die Sektion wurde aufgelöst und Haftbefehle gegen alle
Mitglieder des Komitees erlassen, von denen drei tatsächlich ins
Gefängnis geworfen wurden, während die sechs anderen entkamen.
Unter den Verhafteten befindet sich Bignami, der Redakteur der
"Plebe". Auch die Nummer dieser Zeitung, welche die Adresse des
Generalrats enthielt (veröffentlicht in Nr. 34 des - Internatio-
nal Herald") [255], wurde aus diesem Grund konfisziert, während
die wütendsten Manifeste der Sezessionisten frei zirkulieren dür-
fen. Die Gefangenen sollen wegen Hochverrats verurteilt werden.
Unsere Madrider Zeitung "La Emancipacion" stellt fest, daß die
Widerstandsbewegung gegen die sezessionistische Tätigkeit des
Spanischen Föderalrats täglich anwächst. In dem Augenblick, als
dieser Rat einen Kongreß für den 26. Dezember nach Córdoba berief
[199], um die Haager Resolutionen anzunehmen oder abzulehnen, er-
klärte die Neue Madrider Föderation, daß sich der Rat durch diese
Handlungsweise selbst außerhalb der Internationale gestellt habe,
und forderte alle Sektionen und lokalen Föderationen auf, keine
Delegierten zu dem Sezessions-Kongreß zu schicken, sondern einen
neuen provisorischen Föderalrat zu ernennen [256]. Diesem Vor-
schlag haben die lokalen Föderationen von Lérida, Toledo, Sara-
gossa, Vitoria, Alcalá de Henares, die Neue Föderation von Cádiz
und die bedeutenden Sektionen von Valencia, Denia, Pont de Vilu-
mara und
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anderen Orten zugestimmt. Außerdem hat die Föderation von Gracia
(einem Fabrikvorort von Barcelona) die Haager Resolutionen ange-
nommen und das Verhalten der spanischen Delegierten auf diesem
Kongreß getadelt [202], während die Föderation von Granada be-
schlossen hat, einen Delegierten zu dem Sezessions-Kongreß nach
Córdoba zu entsenden, aber zu diesem Zweck einen standhaften Geg-
ner der Sezessionisten gewählt hat [257]. Zweifellos wird der
Spanische Föderalrat in Córdoba seine eigenen Wege gehen, aber
das wird nur die Krisis auf die Spitze treiben.
Aus einem Brief aus Portugal war zu ersehen, daß dort die von der
Internationale organisierte Bewegung der Arbeiterklasse außerge-
wöhnliche Dimensionen annimmt. Allein in Lissabon und der Nach-
barschaft sind über fünfzehntausend Arbeiter in Gewerksvereinen
organisiert worden, und die Organisation dehnte sich schon nach
Oporto und dem Norden aus. Alle diese Vereine sind durch die In-
ternationale gebildet worden und stehen weiterhin unter ihrem di-
rekten Einfluß. Die Internationale wird jedoch durch die Gesetze
des Landes daran gehindert, sich selbst in voller Freiheit zu or-
ganisieren. Die Zeitung der Internationale, "O Pensamento So-
cial", trägt sich jetzt selbst. Wir können hinzufügen, daß es in
Portugal keine Sezessionisten gibt. Die Haager Resolutionen sind
nicht nur einstimmig bestätigt, sondern mit Begeisterung aufge-
nommen worden. Das "Pensamento" enthält in seiner Nr. 25 einen
Artikel, der den Haager Kongreß für den bedeutendsten erklärt,
der überhaupt seit Gründung der Internationale abgehalten worden
ist, und der seine Resolutionen als die Manifestation eines ge-
waltigen Fortschritts in der Entwicklung der Assoziation begrüßt.
[258]
Aus den obigen Mitteilungen wird man ersehen, daß die ehemalige
Majorität des Britischen Föderalrats in ihrer Handlungsweise
buchstäblich die des spanischen Sezessions-Rats nachgeahmt hat.
Daraus geht offenbar hervor, daß man hier und in Spanien nach dem
gleichen Plan vorgegangen und von denselben Drahtziehern geführt
worden ist. Leider hat sich in Spanien eine Anzahl echter Mit-
glieder der Internationale dem letzten Aufstand angeschlossen,
und das mag den Sezessionisten einen momentanen Vorteil verschaf-
fen. [259]
II
["The International Herald" Nr. 44 vom 1. Februar 1873]
Ein Brief des Spanischen Föderalrats lenkte unsere Aufmerksamkeit
auf die Tatsache, daß in Spanien jetzt die Lokomotivführer und
Heizer
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streiken und die Eisenbahngesellschaften dabei sind, Männer in
England, Belgien und anderen Ländern anzuwerben, um mit ihnen die
Versuche der eigenen Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lage zu ver-
eiteln. [260] Unser Rat beauftragte ein Komitee, eine Zeitungsno-
tiz über die Sache abzufassen und sie an die Zeitungen zu senden.
Das Komitee kam seinem Auftrag nach, wie durch das Erscheinen der
Notiz in den am darauffolgenden Sonnabend herausgegebenen Zeitun-
gen erwiesen ist. Weitere Schritte sind unternommen worden, um
die Lokomotivführer und Heizer Englands mit dem spanischen Streik
bekannt zu machen.
III
["The International Herald" Nr. 45 vom 8. Februar 1873]
Wir haben vom Kontinent interessante Nachrichten.
Der Bericht aus Deutschland brachte Kunde von einem großen Sieg.
Das Mitglied der Internationale, der Abgeordnete des deutschen
Reichstages, Bebel, der von einem sächsischen Gerichtshof wegen
Beleidigungen, begangen in einer Rede, zu neun Monaten Gefängnis
und zum Verlust aller aus der öffentlichen Wahl hervorgegangenen
Rechte verurteilt worden war, ist soeben, am 20. Januar, durch
eine Majorität von 10 470 Stimmen gegen 4420, die der Regierungs-
kandidat erhalten hat, wiedergewählt worden. Damit ist Bebel zum
dritten Mal in seinem Kreis gewählt worden und mit 2500 Stimmen
mehr, als er bei jeder früheren Wahl gehabt hatte. So wird Bis-
marck wieder dem einzigen Manne gegenübertreten müssen, der es im
jetzigen Reichstag wagt, ihm im Interesse seiner Wählerschaft of-
fen entgegenzutreten, und der der einzige Mann ist, vor dem er
wirklich Angst hat. Alles ist getan worden, um Bebels Wiederwahl
zu verhindern: Einschüchterung, Auflösung der Wählerversammlungen
durch die Polizei etc.; sein Gegenkandidat war fast der anstän-
digste Mann, den man auftreiben konnte, aber trotz all dieser An-
strengungen gaben die Arbeiter von Glauchau und der Nachbarschaft
Bebel beinahe drei von jeweils vier abgegebenen Stimmen, und das
ohne irgendeinen Samuel Morley, der die Unkosten bezahlt hätte.
1*)
Weitere Einzelheiten sind über den Sezessions-Kongreß in Spanien
eingegangen. Er war anscheinend in jeder Hinsicht ein Minoritäts-
kongreß. Von 101 lokalen Föderationen, die zusammen 398 Sektionen
zählen, waren
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1*) Siehe vorl. Band, S. 497/498
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nur 41 lokale Föderationen oder 57 Sektionen vertreten, so daß
die auf diesem Kongreß erfolgten Abstimmungen von Delegierten
vorgenommen worden sind, die nicht einmal ein Sechstel der in
Spanien bestehenden Sektionen vertraten. Die obigen Zahlen, dem
sezessionistischen Blatt "La Federacion" entnommen, können nicht
bestritten werden. Überrumpeln und eine Minoritätsabstimmung zur
Sanktion ihrer Handlungen zuwege bringen, das ist überall die Po-
litik der Sezessionisten; ein weiterer Beweis dafür, daß sie
überall nach denselben geheimen Instruktionen handeln.
In Frankreich sind in fast allen großen Städten zahlreiche Ver-
haftungen angeblicher Mitglieder der Internationale vorgenommen
worden. Es ist natürlich unmöglich zu erfahren, ob die wirklichen
Mitglieder der Assoziation entdeckt worden sind, und selbst wenn
es bekannt wäre, könnte es im Interesse der Verhafteten nicht
veröffentlicht werden, da es in Frankreich jetzt strafbar ist,
der Internationale anzugehören. Man weiß nur, daß die wenigen Se-
zessionisten in Frankreich ungestraft herumlaufen. Im Gegenteil,
sie stehen in so ausgezeichneten Beziehungen zur Regierung des
Herrn Thiers, daß sie, z.B. in Beziers, von einem Polizeiinspek-
tor, einem gewissen Bousquet, vertreten werden, für dessen Recht-
schaffenheit sich das Evangelium der Sezessions-Partei, das
"Bulletin Jurassien", kürzlich in größter Begeisterung verbürgt
hat.
IV
["The International Herald" Nr. 46 vom 15. Februar 1873]
Aus Portugal hören wir, daß die Portugiesische Föderation, als
sie erfuhr, daß der sogenannte spanische Kongreß zu Córdoba sich
für die Sezession erklärt hatte, sich sofort an die Neue Madrider
Föderation (der Internationale) wandte und erklärte, daß Portugal
wie ein Mann auf Seiten der Assoziation gegen die Sezessionisten
stehe, daß Versuche gemacht worden seien, der geheimen Allianz[al
Eingang in ihren Reihen zu verschaffen und daß Bakunin selbst ei-
nem von ihnen geschrieben habe, um sie zu überreden, diese ge-
heime Gesellschaft zu unterstützen; daß sie jedoch einmütig be-
schlossen hätten, Bakunin ihre ausdrückliche Mißbilligung hin-
sichtlich der Aktionen der Allianz auszudrücken. Dieser Brief an
die Neue Madrider Föderation ist von dem Sekretär Franca im Auf-
trage und im Namen der Delegierten der Sektionen geschrieben und
unterzeichnet und in der Madrider "Emancipacion" vom I. Februar
veröffentlicht worden. Die Portugiesische Föderation zählt jetzt
mehr als 15 000 Mitglieder; sie umfaßt
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allein in Lissabon 48 Sektionen, unterteilt nach Berufen, von
denen jede einen Berufsverband bildet. Soviel zu der Behauptung
der Sezessionisten, daß alle organisierten Föderationen auf ihrer
Seite seien.
Geschrieben Januar/Mitte Februar 1873.
Aus dem Englischen.
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