Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875


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       Friedrich Engels
       
       [Ergänzung der Vorbemerkung von 1870 zu
       "Der deutsche Bauernkrieg" [380]]
       
       Die vorstehenden  Zeilen 1*)  wurden vor  mehr  als  vier  Jahren
       niedergeschrieben. Sie behalten ihre Geltung auch heute noch. Was
       nach Sadowa  und der  Teilung Deutschlands richtig war, bestätigt
       sich auch  nach Sedan  und der  Errichtung des heiligen deutschen
       Reichs preußischer  Nation. So wenig vermögen "welterschütternde"
       Haupt- und  Staatsaktionen der  sogenannten großen Politik an der
       Richtung der geschichtlichen Bewegung zu ändern.
       Was dagegen  diese Haupt-  und Staatsaktionen  vermögen, das ist,
       die Geschwindigkeit  dieser Bewegung beschleunigen. Und in dieser
       Beziehung haben  die Urheber  obiger  "welterschütternden  Ereig-
       nisse" unfreiwillige  Erfolge gehabt,  die  ihnen  selbst  sicher
       höchst unerwünscht  sind, die sie aber wohl oder übel in den Kauf
       nehmen müssen.
       Schon der  Krieg von 1866 erschütterte das alte Preußen in seinen
       Grundfesten. Es hatte bereits Mühe gekostet, nach 1848 das rebel-
       lische industrielle - bürgerliche wie proletarische - Element der
       Westprovinzen wieder  unter die  alte Zucht zu bringen; indes, es
       war gelungen,  und das  Interesse der Junker aus den Ostprovinzen
       war, nächst dem der Armee, ¿wieder das herrschende im Staat. 1866
       wurde fast  ganz Nordwestdeutschland preußisch. Abgesehen von dem
       unheilbaren moralischen  Schaden, den  die preußische  Krone  von
       Gottes Gnaden  nahm, indem sie drei andere Kronen von Gottes Gna-
       den verschluckte  [381], verlegte  sich jetzt der Schwerpunkt der
       Monarchie bedeutend  nach Westen.  Die fünf Millionen Rheinländer
       und Westfalen  wurden verstärkt,  zunächst durch  die 4 Millionen
       direkt und  sodann durch  die 6  Millionen  indirekt,  durch  den
       Norddeutschen Bund,  annektierter Deutschen. [243] Und 1870 kamen
       dazu noch  die 8  Millionen Südwestdeutschen [382], so daß nun im
       "neuen Reich"  den 14 1/2  Millionen Altpreußen  (aus  den  sechs
       ostelbischen Provinzen, darunter
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       1*) Vorbemerkung zu  "Der deutsche  Bauernkrieg" (Ausgabe  1870),
       siehe Band 16 unserer Ausgabe. S. 393-400
       
       #513# Ergänzung der Vorbemerkung von 1870 zum dt. Bauernkrieg
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       obendrein 2  Millionen Polen)  an 25  Millionen gegenüberstanden,
       die dem altpreußischen Junkerfeudalismus längst entwachsen waren.
       So verschoben  gerade die  Siege der  preußischen Armee die ganze
       Grundlage des  preußischen Staatsgebäudes;  die  Junkerherrschaft
       wurde mehr  und mehr  selbst  der  Regierung  unerträglich.  Aber
       gleichzeitig hatte  die reißend schnelle industrielle Entwicklung
       den Kampf  zwischen Junkern  und Bourgeois  verdrängt  durch  den
       Kampf zwischen Bourgeois und Arbeitern, so daß auch im Innern die
       gesellschaftlichen Grundlagen  des alten Staats eine vollständige
       Umwälzung erfuhren.  Die seit  1840 langsam  verwesende Monarchie
       hatte zur Grundbedingung gehabt den Kampf zwischen Adel und Bour-
       geoisie, worin sie das Gleichgewicht erhielt; von dem Augenblick,
       wo es  darauf ankam,  nicht mehr den Adel gegen das Andrängen der
       Bourgeoisie, sondern alle besitzenden Klassen gegen das Andrängen
       der Arbeiterklasse zu schützen, mußte die alte absolute Monarchie
       völlig übergehen  in die eigens zu diesem Zweck herausgearbeitete
       Staatsform: die bonapartistische Monarchie. Ich habe diesen Über-
       gang Preußens  zum Bonapartismus bereits an einem andern Ort aus-
       einandergesetzt ("Wohnungsfrage",  2. Heft,  S. 26  ff. 1*)). Was
       ich dort  nicht zu  betonen hatte, was aber hier sehr wesentlich,
       ist, daß  dieser Übergang der größte Fortschritt war, den Preußen
       seit 1848  gemacht, so  sehr war Preußen hinter der modernen Ent-
       wicklung zurückgeblieben. Es war eben noch immer ein halbfeudaler
       Staat, und  der Bonapartismus ist jedenfalls eine moderne Staats-
       form, die  die Beseitigung des Feudalismus zur Voraussetzung hat.
       Preußen muß sich also entschließen, mit seinen zahlreichen feuda-
       len Resten  aufzuräumen, das Junkertum als solches zu opfern. Na-
       türlich geschieht dies in der mildesten Form und nach der belieb-
       ten Melodie:  Immer langsam  voran! [383]  So z.B.  in der  viel-
       berühmten Kreisordnung.  [232] Sie  hebt die feudalen Privilegien
       des einzelnen  Junkers auf  seinem Gut  auf, aber nur, um sie als
       Vorrechte der  Gesamtheit der großen Grundbesitzer für den ganzen
       Kreis wiederherzustellen.  Die Sache bleibt, nur wird sie aus dem
       feudalen in  den bürgerlichen  Dialekt übersetzt.  Man verwandelt
       den altpreußischen  Junker zwangsweise  in etwas wie einen engli-
       schen Squire,  und er  brauchte sich gar nicht so sehr dagegen zu
       sträuben, denn der eine ist so dumm wie der andere.
       Somit hat  also Preußen das sonderbare Schicksal, seine bürgerli-
       che Revolution, die es 1808-1813 begonnen und 1848 ein Stück wei-
       tergeführt, Ende  dieses Jahrhunderts  in der angenehmen Form des
       Bonapartismus zu  vollenden. Und wenn alles gut geht und die Welt
       fein ruhig bleibt und wir
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       1*) Siehe vorl. Band, S. 258-260
       
       #514# Friedrich Engels
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       alle alt  genug werden,  so können wir es vielleicht im Jahr 1900
       erleben, daß die Regierung in Preußen wirklich alle feudalen Ein-
       richtungen abgeschafft hat, daß Preußen endlich auf dem Punkt an-
       kommt, wo Frankreich 1792 stand.
       Abschaffung des  Feudalismus, positiv ausgedrückt, heißt Herstel-
       lung bürgerlicher Zustände. In demselben Maß, wie die Adelsprivi-
       legien fallen,  verbürgert sich die Gesetzgebung. Und hier stoßen
       wir auf den Kernpunkt des Verhältnisses der deutschen Bourgeoisie
       zur Regierung.  Wir sahen,  daß die Regierung genötigt ist, diese
       langsamen und  kleinlichen Reformen  einzuführen. Aber  der Bour-
       geoisie gegenüber stellt sie jede dieser kleinen Konzessionen dar
       als ein  den Bourgeois  gebrachtes Opfer,  ein der Krone mit Mühe
       und Not  abgerungenes Zugeständnis, wofür sie, die Bourgeois, nun
       auch wieder  der Regierung etwas zugestehen müßten. Und die Bour-
       geois, obwohl  ziemlich klar über den Sachverhalt, gehn auf diese
       Täuschung ein.  Daraus ist  denn jener  stillschweigende  Vertrag
       entstanden, der  die stumme  Grundlage aller Reichstags- und Kam-
       merdebatten in Berlin bildet: Einerseits reformiert die Regierung
       die Gesetze  im Schneckengalopp im Interesse der Bourgeoisie, be-
       seitigt die feudalen und aus der Kleinstaaterei entstandenen Hin-
       dernisse der  Industrie, schafft Münz-, Maß- und Gewichtseinheit,
       Gewerbefreiheit usw.,  stellt dem Kapital durch die Freizügigkeit
       die Arbeitskraft  Deutschlands zur  unbeschränkten Verfügung, be-
       günstigt Handel  und Schwindel;  andrerseits überläßt  die  Bour-
       geoisie der  Regierung alle  wirkliche politische  Macht, votiert
       Steuern, Anleihen und Soldaten und hilft alle neuen Reformgesetze
       so abfassen,  daß die  alte Polizeigewalt über mißliebige Indivi-
       duen in voller Kraft bleibt. Die Bourgeoisie erkauft ihre allmäh-
       liche gesellschaftliche  Emanzipation mit dem sofortigen Verzicht
       auf eigene  politische Macht.  Natürlich ist der Hauptbeweggrund,
       der der  Bourgeoisie einen solchen Vertrag annehmbar macht, nicht
       Furcht vor der Regierung, sondern Furcht vor dem Proletariat.
       So jämmerlich  indes unsere  Bourgeoisie auch auf politischem Ge-
       biet auftritt,  so ist nicht zu leugnen, daß sie in industrieller
       und kommerzieller Beziehung endlich einmal ihre Schuldigkeit tut.
       Der Aufschwung der Industrie und des Handels, auf den in der Ein-
       leitung zur  zweiten Ausgabe  hingewiesen wurde  1*), hat seitdem
       sich mit noch weit größerer Energie entwickelt. Was in dieser Be-
       ziehung im  rheinisch-westfälischen Industriebezirk seit 1869 ge-
       schehen, ist  für Deutschland  geradezu unerhört  und erinnert an
       den Aufschwung  in den englischen Fabrikdistrikten im Anfang die-
       ses Jahrhunderts. Und in Sachsen und Oberschlesien, in Berlin,
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       1*) Siehe Band 16 unserer Ausgabe, S. 393-400
       
       #515# Ergänzung der Vorbemerkung von 1870 zum dt. Bauernkrieg
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       Hannover und  den Seestädten  wird es ebenso sein. Wir haben end-
       lich einen  Welthandel, eine wirklich große Industrie, eine wirk-
       lich moderne Bourgeoisie; wir haben dafür aber auch einen wirkli-
       chen Krach  [384] gehabt  und  haben  ebenfalls  ein  wirkliches,
       gewaltiges Proletariat bekommen.
       Für den  zukünftigen Geschichtsschreiber  wird in  der Geschichte
       Deutschlands von 1869 bis 1874 der Schlachtendonner von Spichern,
       Mars-la-Tour und  Sedan [385],  und was  daranhängt, weit weniger
       Bedeutung haben  als die  anspruchslose, ruhig, aber stetig fort-
       schreitende Entwicklung  des deutschen  Proletariats. Gleich 1870
       trat eine  schwere Prüfung  an die  deutschen Arbeiter heran: die
       bonapartistische Kriegsprovokation  und ihre  natürliche Wirkung:
       der allgemeine  nationale Enthusiasmus  in Deutschland. Die deut-
       schen sozialistischen  Arbeiter ließen sich keinen Augenblick ir-
       remachen. Nicht  eine Regung von nationalem Chauvinismus trat bei
       ihnen hervor.  Mitten im tollsten Siegestaumel blieben sie kalt.-
       verlangten "einen billigen Frieden mit der Französischen Republik
       und keine  Annexionen" [386],  und selbst  der Belagerungszustand
       konnte sie nicht zum Schweigen bringen. Kein Schlachtenruhm, kein
       Gerede von deutscher "Reichsherrlichkeit" zog bei ihnen; ihr ein-
       ziges Ziel blieb die Befreiung des gesamten europäischen Proleta-
       riats. Man  darf wohl  sagen: einer  so schweren, so glänzend be-
       standenen Probe sind die Arbeiter keines andern Landes bisher un-
       terworfen worden.
       Auf den  Belagerungszustand des Krieges folgten die Hochverrats-,
       Majestäts- und  Beamtenbeleidigungsprozesse, die stets sich stei-
       gernden Polizeischikanen  des Friedens. Der "Volksstaat" hatte in
       der Regel drei bis vier Redakteure gleichzeitig im Gefängnis, die
       andern Blätter  im Verhältnis.  Jeder einigermaßen  bekannte Par-
       teiredner mußte mindestens einmal im Jahr vor Gericht, wo er fast
       regelmäßig verurteilt wurde. Ausweisungen, Konfiskationen, Auflö-
       sungen von Versammlungen folgten hintereinander hageldicht. Alles
       umsonst. An  die Stelle jedes Verhafteten oder Ausgewiesenen trat
       alsbald ein  anderer; für  jede aufgelöste Versammlung berief man
       zwei neue  und ermüdete  die Polizeiwillkür an einem Ort nach dem
       andern durch  Ausdauer und  genaues Einhalten  der Gesetze.  Alle
       Verfolgungen bewirkten  das Gegenteil des beabsichtigten Zweckes;
       weit entfernt,  die Arbeiterpartei  zu brechen  oder auch  nur zu
       beugen, führten  sie ihr nur stets neue Rekruten zu und befestig-
       ten die Organisation. In ihrem Kampf mit den Behörden wie mit den
       einzelnen Bourgeois zeigten sich die Arbeiter überall als die in-
       tellektuell und  moralisch Überlegenen und bewiesen namentlich in
       ihren Konflikten mit den sogenannten "Arbeitgebern", daß sie, die
       Arbeiter, jetzt  die Gebildeten  und die  Kapitalisten die Knoten
       sind. Und  dabei führen sie den Kampf vorwiegend mit einem Humor,
       der der beste
       
       #516# Friedrich Engels
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       Beweis ist,  wie sehr sie ihrer Sache sicher und ihrer Überlegen-
       heit sich  bewußt sind. Ein so geführter Kampf, auf geschichtlich
       vorbereitetem Boden, muß große Resultate liefern. Die Erfolge der
       Januarwahlen [387]  stehen bisher einzig da in der Geschichte der
       modernen Arbeiterbewegung, und das Erstaunen, das sie in ganz Eu-
       ropa hervorriefen, war vollständig gerechtfertigt.
       Die deutschen  Arbeiter haben  vor denen des übrigen Europas zwei
       wesentliche Vorteile voraus. Erstens, daß sie dem theoretischsten
       Volk Europas  angehören und  daß sie  sich den theoretischen Sinn
       bewahrt haben,  der den  sogenannten "Gebildeten" Deutschlands so
       gänzlich abhanden  gekommen ist.  Ohne Vorausgang  der  deutschen
       Philosophie, namentlich Hegels, wäre der deutsche wissenschaftli-
       che Sozialismus  - der einzige wissenschaftliche Sozialismus, der
       Je existiert hat - nie zustande gekommen. Ohne theoretischen Sinn
       unter den Arbeitern wäre dieser wissenschaftliche Sozialismus nie
       so sehr  in ihr Fleisch' und Blut übergegangen, wie dies der Fall
       ist. Und  welch ein unermeßlicher Vorzug dies ist, zeigt sich ei-
       nerseits an der Gleichgültigkeit gegen alle Theorie, die eine der
       Hauptursachen ist,  weshalb die englische Arbeiterbewegung, trotz
       aller ausgezeichneten  Organisation  der  einzelnen  Gewerke,  so
       langsam vom  Flecke kommt,  und andererseits an dem Unfug und der
       Verwirrung, die  der Proudhonismus  in seiner  ursprünglichen Ge-
       stalt bei  Franzosen und Belgiern, in seiner durch Bakunin weiter
       karikierten Form bei Spaniern und Italienern angerichtet hat.
       Der zweite  Vorteil ist der, daß die Deutschen in der Arbeiterbe-
       wegung der  Zeit nach  ziemlich zuletzt  gekommen sind.  Wie  der
       deutsche theoretische  Sozialismus nie vergessen wird, daß er auf
       den Schultern Saint-Simons, Fouriers und Owens steht, dreier Män-
       ner, die  bei aller  Phantasterei und  bei allem Utopismus zu den
       bedeutendsten Köpfen  aller Zeiten gehören und zahllose Dinge ge-
       nial antizipierten,  deren Richtigkeit wir jetzt wissenschaftlich
       nachweisen - so darf die deutsche praktische Arbeiterbewegung nie
       vergessen, daß sie auf den Schultern der englischen und französi-
       schen Bewegung  sich entwickelt  hat, ihre teuer erkauften Erfah-
       rungen sich  einfach zunutze machen, ihre damals meist unvermeid-
       lichen Fehler jetzt vermeiden konnte. Ohne den Vorgang der engli-
       schen Trade-Unions  und der  französischen politischen  Arbeiter-
       kämpfe, ohne  den riesenhaften Anstoß, den namentlich die Pariser
       Kommune gegeben, wo wären wir jetzt?
       Man muß  den deutschen  Arbeitern nachsagen, daß sie die Vorteile
       ihrer Lage mit seltnem Verständnis ausgebeutet haben. Zum ersten-
       mal, seit eine Arbeiterbewegung besteht, wird der Kampf nach sei-
       nen drei Seiten hin - nach der theoretischen, der politischen und
       der praktisch-ökonomischen  (Widerstand gegen die Kapitalisten) -
       im Einklang und Zusammenhang
       
       #517# Ergänzung der Vorbemerkung von 1870 zum dt. Bauernkrieg
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       und planmäßig  geführt. In  diesem sozusagen  konzentrischen  An-
       griffe liegt  gerade die Stärke und Unbesiegbarkeit der deutschen
       Bewegung.
       Einerseits durch  diese ihre  vorteilhafte Stellung, andererseits
       durch die insularen Eigentümlichkeiten der englischen und die ge-
       waltsame Niederhaltung  der französischen Bewegung sind die deut-
       schen Arbeiter  für den  Augenblick in  die Vorhut des proletari-
       schen Kampfes  gestellt worden.  Wie lange  die Ereignisse  ihnen
       diesen Ehrenposten  lassen werden,  läßt sich  nicht vorhersagen.
       Aber solange  sie ihn  einnehmen, werden  sie ihn  hoffentlich so
       ausfüllen, wie es sich gebührt. Dazu gehören verdoppelte Anstren-
       gungen auf  jedem Gebiet  des Kampfes  und der Agitation. Es wird
       namentlich die  Pflicht der Führer sein, sich über alle theoreti-
       schen Fragen  mehr und  mehr aufzuklären,  sich mehr und mehr von
       dem Einfluß  überkommener, der  alten Weltanschauung  angehöriger
       Phrasen zu befreien und stets im Auge zu behalten, daß der Sozia-
       lismus, seitdem er eine Wissenschaft geworden, auch wie eine Wis-
       senschaft betrieben,  d.h. studiert  werden will.  Es wird darauf
       ankommen, die  so gewonnene,  immer mehr  geklärte Einsicht unter
       den Arbeitermassen  mit gesteigertem Eifer zu verbreiten, die Or-
       ganisation der  Partei wie  der Gewerksgenossenschaften immer fe-
       ster zusammenzuschließen. Wenn auch die im Januar abgegebenen so-
       zialistischen Stimmen schon eine hübsche Armee repräsentieren, so
       machen sie doch bei weitem noch nicht die Majorität der deutschen
       Arbeiterklasse aus; und so ermutigend auch die Erfolge der Propa-
       ganda unter  der ländlichen  Bevölkerung sind, so bleibt doch ge-
       rade hier  noch unendlich  viel zu tun. Es gilt also nicht zu er-
       matten im  Kampf, es  gilt dem Feinde eine Stadt, einen Wahlkreis
       nach dem  andern zu  entreißen; vor  allem aber gilt es, sich den
       echt internationalen  Sinn zu  wahren, der  keinen  patriotischen
       Chauvinismus aufkommen  läßt und  der jeden  neuen Schritt in der
       proletarischen Bewegung mit Freuden begrüßt, einerlei von welcher
       Nation er  ausgeht. Wenn die deutschen Arbeiter so vorangehen, so
       werden sie  nicht gerade an der Spitze der Bewegung marschieren -
       es ist  gar nicht  im Interesse dieser Bewegung, daß die Arbeiter
       irgendeiner einzelnen  Nation an ihrer Spitze marschieren -, aber
       doch einen  ehrenvollen Platz in der Schlachtlinie einnehmen; und
       sie werden  gerüstet dastehen,  wenn entweder  unerwartet schwere
       Prüfungen oder  gewaltige Ereignisse  von ihnen erhöhten Mut, er-
       höhte Entschlossenheit und Tatkraft erheischen.
       Friedrich Engels
       London, den 1. Juli 1874
       Nach: "Der deutsche Bauernkrieg", Dritter Abdruck, Leipzig 1875.

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