Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875
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KARL MARX
[Konspekt von Bakunins Buch "Staatlichkeit und Anarchie" [427]]
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Geschrieben 1874 - Anfang 1875.
Nach der Handschrift.
Alle wörtlich oder annähernd wörtlich dem Text des Bakuninschen
Buches entnommenen Stellen sind im Kleindruck wiedergegeben. Die
von Marx russisch zitierten Stellen sind, sofern Marx nicht sel-
ber eine Übersetzung dafür gibt, von uns übersetzt und durch
spitze Klammern gekennzeichnet.
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Bakunin: (Staatlichkeit und Anarchie).
(Einführung, Teil 1,1873)
(Hinter dieser Überschrift auf S. 1:
Streit {??????} in der Internationalen Arbeiterassoziation.)
(VORWORT)
(In Italien fand sich ebenso wie in Rußland eine ziemlich bedeu-
tende Anzahl solcher junger Leute, unvergleichlich mehr als in
irgendeinem anderen Lande) (S. 7).
(Ja, vielleicht ist die soziale Revolution nirgends so nahe wie
in Italien) (S. 8).
(In Italien überwiegt jenes bettelarme Proletariat, über das sich
die Herren Marx und Engels und nach ihnen die ganze Schule der
Sozialdemokraten Deutschlands mit tiefster Geringschätzung äu-
ßern, und ganz zu Unrecht, denn in ihm und nur in ihm, und kei-
neswegs in der obengenannten bürgerlichen Schicht der Arbeiter-
masse, ist der ganze Verstand und die ganze Kraft der künftigen
sozialen Revolution enthalten) (S. 8).
Bei den Deutschen dagegen: wo die Regierung sich einerseits auf
gutes etc. Heer stützt, andrerseits (auf den Untertanenpatriotis-
mus, auf die grenzenlose nationale Eitelkeit und auf jenen alten,
historischen, ebenso grenzenlosen Gehorsam und die Gottes-
verehrung der Macht, durch die sich bis heute noch der deutsche
Adel, das deutsche Bürgertum) (Bourgeoisie), (die deutsche Büro-
kratie, die deutsche Kirche, die ganze Zunft der deutschen Ge-
lehrten und unter ihrem vereinten Einfluß nicht selten, o weh!,
auch das deutsche Volk selbst auszeichnen) (S. 11).
(Wie sich zeigt, hat Preußen Deutschland verschlungen. Das bedeu-
tet, solange Deutschland ein Staat bleibt, wird es) trotz aller
Scheinliberalen, konstitutionellen, demokratischen (und sogar so-
zialdemokratischen Formen notwendigerweise der erstrangige und
der wichtigste Vertreter und eine ständige Quelle aller möglichen
Gewaltherrschaften in Europa sein) (S. 11).
Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts - 1815 Hauptquelle aller
reaktionären Bewegungen Östreich (i.e. als Repräsentant Deutsch-
lands), von 1815-1848 [geteilt] zwischen östreich und Preußen mit
Vorwiegen des ersteren (Metternich) (S. 12); (seit 1815 kam zu
dieser heiligen Allianz der rein deutschen Reaktion, ungleich
mehr als Jäger, denn als Geschäftsmann, unsere tartarisch-deut-
sche, allrussisch-kaiserliche Knute hinzu) (S. 13).
#600# Karl Marx
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Um die Verantwortlichkeit von sich abzuschieben, suchen die Deut-
schen sich und andere zu überreden, daß Rußland der Hauptstifter
der Heiligen Allianz war. "Im Gegensatz zu den deutschen Sozial-
demokraten, deren Programm als erstes Ziel hinstellt die Gründung
des pangermanischen Reichs, erstreben die russischen sozialen Re-
volutionäre vor allem die völlige Auflösung unsres (des russi-
schen) Reichs" etc. (S. 13).
Der Wahrheit wegen, (nicht aus dem Wunsche heraus, die Politik
des Petersburger Kabinetts zu Verteidigen) (S. 13) gibt B. 1*)
den Deutschen folgende Antwort. (Der große Mann, nicht zu spre-
chen von der Schöpfung Preußens mit Hülfe der Russen seit Peter
I., übergeht die Allianz unter Katharina und den russischen Ein-
fluß auf Frankreich seit der Revolution bis Louis-Philippe inclu-
sive) (ditto ihre Mogeleien seit Anfang des 18.Jhd. mit England
zur Knechtung Europas). Er beginnt mit Alexander I. und Nikolaus
und stellt ihre Tätigkeit wie folgt dar:
(Alexander rannte hin und her, war sehr geschäftig und lärmte;
Nikolaus schaute finster drein und drohte. Aber das war auch al-
les. Sie taten nichts, denn sie konnten nicht, weil ihre Freunde,
die österreichischen und preußischen Deutschen, es ihnen nicht
erlaubten; ihnen wurde nur die Ehrenrolle als Vogelscheuche zuge-
teilt) (bange machen), (es handelten jedoch nur Österreich, Preu-
ßen und) "endlich unter Leitung und Einwilligung der beiden - die
französischen Bourbonen gegen Spanien" (S. 13, 14).
Rußland schritt nur einmal über die Grenzen, 1849, um östreich
vor der ungarischen Revolution zu retten. Es dämpfte außerdem in
diesem Jahrh. zweimal die polnische Revolution mit Hülfe Preu-
ßens, ebensosehr dabei interessiert wie es. Natürlich: (Ein Ruß-
land des Volkes ist undenkbar ohne die polnische Unabhängigkeit
und Freiheit) (S. 14).
Rußland hat weder durch Intelligenz, Macht noch Reichtum solche
vorwiegende Stellung in Europa, als daß seine Stimme imstande,
(Fragen zu entscheiden) (S. 14).
Rußland kann nur was tun, wenn gerufen durch eine westliche
Macht. (So hat Fried[rich] II. die Katharina zur Teilung Polens
und beinah auch Schwedens aufgefordert.)
Mit Bezug auf die revolutionäre Bewegung in Europa spielte Ruß-
land, in den Händen der preußischen Regierungsleute, Rolle der
Vogelscheuche und nicht selten des Schirms, hinter denen sie sehr
geschickt verbargen ihre eignen Eroberungs- und Reaktions-Unter-
nehmungen. Nach den neulichen Siegen haben sie das nicht mehr nö-
tig und tun's nicht mehr (S. 16).
Jetzt Berlin mit Bismarck sichtbares Haupt und Residenz der Reak-
tion in Europa (S. 16). Reaktion (römisch-katholisch) in Rom,
Versailles, z.T. in Wien und Brüssel; Knuten-Reaktion in Rußland;
aber lebendige, (kluge), wirklich (starke), konzentriert in Ber-
lin und verbreitet sich auf alle Teile Europas aus dem neuen
deutschen Reich etc. (S. 16).
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1*) Bakunin
#601# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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(Die föderale Organisation von unten nach oben der Arbeiter-Asso-
ziationen, Gruppen, Gemeinden, Amtsbezirke und schließlich der
Gebiete und Völker, diese einzige Voraussetzung der wahren und
nicht fiktiven Freiheit, ist deren 1*) Wesen ebenso entgegenge-
setzt, wie jegliche ökonomische Autonomie mit ihnen vereinbar
ist) (S. 17). Dagegen die Repräsentativ-Demokratie (????????????-
??????????????) hat zweierlei nötig zu ihrem Erfolg: (staatliche
Zentralisation und eine tatsächliche Unterordnung der Majestät
des Volkes unter eine intellektuelle, es regierende, es angeblich
vertretende und es unweigerlich ausbeutende Minderheit) (S. 17).
(Das Wesen unseres tartarisch-deutschen Imperiums) (S. 14).
Das neue deutsche Kaiserreich ist kriegerisch: muß erobern oder
erobert werden (S. 17, 18): (trägt das unabwendbare Bestreben in
sich, Weltreich zu werden) (S. 18). Die Hegemonie nur der be-
scheidne Ausdruck dieses Strebens; ihre Bedingung Schwäche und
Unterordnung soviel als möglich der umgebenden Reiche. Das letzte
französische Kaisertum hatte diese Rolle, jetzt das deutsche und:
(Der deutsche Staat ist unserer Überzeugung nach der einzige
wahre Staat in Europa) (S. 19).
(Staat) (Empire, Royaume 2*)); (Herrscher) (souverain, monarque,
empereur, roi 3*)); (Herrschen) (régner, dominer 4*)); (Herr-
scher) (souverain, empereur, monarque, roi). Im Deutschen dagegen
Reich ursprünglich nichts als ein in bestimmte Grenzen
eingeschloßnes Stück Land (groß oder klein), benannt nach dem
Volksstamm, etc., den Leuten, denen es gehört. So die Gegend am
Regen in der Oberpfalz bis Viechtach das Viechtreich; Aachner-
reich; Vrankryk (in den Niederlanden), Reich von Nimwegen, Reich
von Megen; Distrikt von Trarbach an der Mosel heute noch Cröver-
reich, andre Gegend an der Mosel Westrich.
Die (staatliche Laufbahn) Frankreichs zu Ende; wer nur etwas vom
Charakter der Franzosen kennt, weiß mit uns (Bak.), daß wenn
Frankreich lange die (dominierende Macht) sein konnte, sekundäre,
selbst gleichstarke Stellung mit andren ihm unmöglich. Es wird
sich zum neuen Krieg vorbereiten, zur Rache, zur Wiederherstel-
lung des verlornen ?????????? (ersten Rangs) (S. 19). "Aber wird
es sie erreichen? Sicher nicht... Die letzten Ereignisse haben
bewiesen, daß der Patriotismus, diese höchste Reichstugend (???
?????? ?????? ????????? ???????????) nicht mehr in Frankreich
existiert" (S. 19). Der Patriotismus der höheren Klassen nur noch
Eitelkeit, die sie aber ihren realen Interessen opfern, wie der
letzte Krieg gezeigt. Ebensowenig Patriotismus zeigte die franzö-
sische Landbevölkerung. Bauer hat aufgehört Patriot zu sein, seit
er Eigentümer geworden. Nur in Elsaß und Lothringen, zum Spott
der Deutschen, zeigte sich französischer Patriotismus. Patriotis-
mus nur noch im städtischen Proletariat. Deswegen hauptsächlich
gegen es gekehrt der Haß der besitzenden Klassen. Aber nicht Pa-
trioten
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1*) der modernen kapitalistischen Produktion und der Bankenspeku-
lation - 2*) Kaiserreich, Königreich - 3*) Souverän, Monarch,
Kaiser, König - 4*) herrschen, beherrschen
#602# Karl Marx
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im eigentlichen Sinn, weil sozialistisch (brüderlich zu den Ar-
beitern aller andern Länder). Waffneten sich nicht gegen das
deutsche Volk, sondern gegen den germanischen militärischen Des-
potismus (S. 20-22). Der Krieg begann nur 4 Jahre nach dem I.
Genfer Kongreß, und die internationale Propaganda rief wach,
(besonders) unter den Arbeitern (lateinischen Stammes), neue an-
tipatriotische Weltanschauung (S. 22). Diese zeigte sich 1868
auch auf Meeting in Wien "in Antwort auf ganze Reihe politischer
und patriotischer (Vorschläge)", gemacht von den junggermanischen
Bourgeoisdemokraten. Die Arbeiter antworteten ihnen, daß sie von
ihnen ausgebeutet, stets getäuscht und unterdrückt und daß alle
Arbeiter aller Länder ihre Brüder... Das internationale Lager der
Arbeiter ihr einziges Vaterland; die internationale Welt der Ex-
ploiteure ihre einzigen Feinde (S. 22, 23). Sandten zum Beweis
Telegramm "an die Pariser Brüder als Pioniere der (Befreiung der
Arbeiter der Welt)" (S. 23). Diese Antwort machte viel Lärm in
Deutschland; erschreckte alle Bürgerdemokraten, auch den Johann
Jacoby, und "kränkte nicht nur ihre patriotischen Gefühle, son-
dern auch den staatsreichlichen Glauben (???????????????? ????)
der Schule von Lassalle und Marx. Wahrscheinlich auf Rat des
letzteren reiste Herr Liebknecht, jetzt einer der Chefs der
Sozialdemokraten Deutschlands, aber damals noch Mitglied der bür-
gerlich-demokratischen Partei (der verstorbnen Volkspartei), so-
fort aus Leipzig nach Wien zur Verhandlung (?????????) mit den
Wiener Arbeitern über die Politische Taktlosigkeit, welche den
Anlaß zu jenem Skandal gegeben hatte. Man muß ihm die Gerechtig-
keit antun, er wirkte so erfolgreich, daß wenige Monate später,
und namentlich im August 1868, auf dem Nürnberger Kongreß der
deutschen Arbeiter, alle Vorsteher des östreichischen Proletari-
ats ohne irgendeinen Protest unterschrieben das eng-patriotische
Programm der Sozialdemokratischen Partei" (S. 23, 24). Dies
zeigte "den tiefen Unterschied zwischen der politischen Richtung
der Vorsteher, mehr oder weniger Gelehrte und Bourgeois, dieser
Partei und dem eignen revolutionären Instinkt des germanischen
oder zum mindesten des österreichischen Proletariats". Aber dies
hat sich wenig entwickelt in Deutschland und Östreich seit 1868,
aber famos in Belgien, Italien, Spanien und namentlich in
Frankreich (S. 24). Die französischen Arbeiter haben das Bewußt-
sein,daß sie als Sozial-Revolutionäre für die ganze Welt arbeiten
(S. 25) "und mehr für die Welt als für sich" (S. 25). Dieser
Traum (??? ?????) "ist zur Natur des französischen Proletariats
geworden und verjagte aus seiner Einbildung und seinem Herzen die
letzten Reste des Reichspatriotismus" (S. 26). Das französische
Proletariat, als es zu den Warfen rief, überzeugt, daß es ebenso-
sehr kämpfe für die Freiheit und das Recht des deutschen Proleta-
riats als seine eignen (S. 26). "Sie kämpften nicht für Größe und
Ehre, sondern für den Sieg über die verhaßte (Militärmacht), die
ihr Unterdrückungswerkzeug in den Händen der Bourgeoisie. Sie
haßten das deutsche Heer, nicht weil es deutsch, sondern Heer"
(S. 26). Der Aufstand der Pariser Kommune gegen die Versailler
Nationalversammlung und gegen den Retter des Vaterlands - Thiers
- offenbart vollständig die einzige Leidenschaft, die heut das
französische Proletariat bewegt, für das nur noch etc. der so-
zial-revolutionäre Krieg existiert (S. 27). In ihrer sozial-revo-
lutionären Leidenschaft "verkündeten sie die schließliche Auflö-
sung des französischen Reichs, die Zerreißung der Reichseinheit
Frankreichs, unverträglich mit der Autonomie der französischen
Kommunen
#603# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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(Gemeinden). Die Deutschen verminderten nur die Grenzen und die
Macht (????) ihres politischen Vaterlands, [sie aber] wollten es
ganz ????? (umbringen, erschlagen), und wie zur Manifestation
dieses verräterischen Endzwecks warfen sie in den Staub die Ven-
dôme-Säule, das hochverehrte Denkmal des französischen Ruhms" (S.
27).
(Folglich der Staat einerseits, die soziale Revolution anderer-
seits) (S. 29). Dieser Kampf am entschiedensten in Frankreich;
auch schon unter den Bauern, wenigstens in Südfrankreich (S. 30).
"Und dieser feindliche Gegensatz zweier jetzt unversöhnlicher
Welten bildet den zweiten Grund, warum für Frankreich unmöglich,
sich von neuem zum ersten Range, vorherrschenden (Staat) zu ma-
chen" (S. 30). Die Versailleser, Börse, Bourgeoisie etc. verloren
den Kopf, als Thiers die Räumung der preußischen Truppen ankün-
dete (S. 31). (Das heißt, der seltsame Patriotismus der französi-
schen Bourgeoisie sucht sein Heil in der schmachvollen Unterwer-
fung des Vaterlands)
(S. 31).
"Die Sympathien, heutzutage gezeigt so sichtbar durch die franzö-
sischen Arbeiter für die spanische Revolution, besonders im süd-
lichen Frankreich, wo sich kundtat sichtbares Streben des Prole-
tariats zur brüderlichen Vereinigung mit dem spanischen Prole-
tariat und selbst zur Bildung einer (Volks)-Föderation mit ihm,
gestützt auf die freie Arbeit und das Kollektiveigentum", -
?? ???, Volk, Nation (natio 1*), {nasci 2*)}, etwas Gebornes, Ge-
burt) -
"trotz aller nationalen Verschiedenheiten und Reichsgrenzen -
diese Sympathien und Bestrebungen, sage ich, beweisen, daß beson-
ders für das französische Proletariat, wie auch für die privile-
gierten Klassen, die Zeit des Reichspatriotismus vergangen ist
(S. 32).
(Wie soll denn so ein alter, unheilbar kranker Staat) (wie Frank-
reich) (gegen den jungen und bis jetzt noch gesunden deutschen
Staat kämpfen) (S. 33). Keine Reichsform, sei es noch so
demokratische Republik, kann dem Volk geben, was ihm nötig, "d.h.
freie (???????? - frei, aber auch zügellos) Organisation seiner
eignen Interessen von unten nach oben (????? ?????) ohne jede
Einmischung, Kuratel, Zwang von oben, weil jede solche Reichs-
herrschaft (???????????), selbst das republikanischste und selbst
demokratischste, selbst der sogenannte Volksstaat (?????-????????
?????? ?????), (der von Herrn Marx ausgedacht ist), stellt
(seinem Wesen nach) nichts andres dar, als die Regierung der Mas-
sen von oben nach unten vermittelst der intelligenten und deswe-
gen privilegierten Minderheit, wie wenn sie die wirklichen Inter-
essen des Volks besser begriffe als das Volk selbst" (S. 34, 35).
Da also die besitzenden Klassen der Leidenschaft und den Volksbe-
strebungen nicht genug tun können, "bleibt ihnen nur ein Mittel,
Reichs-Gewalttätigkeit (??????????????? ??????), mit einem Wort
(Staat), deswegen weil (Staat) namentlich auch bedeutet (Gewalt)
(violence, véhémence, force 3*)), (Herrschaft vermittelst der Ge-
walt, einer getarnten, wenn möglich, im äußersten Falle aber ei-
ner rücksichtslosen) etc." (S. 35).
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1*) Geburt, Geschlecht, Volk - 2*) geboren werden - 3*) Gewalt,
Heftigkeit, Kraft
#604# Karl Marx
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Gambetta kann da nicht helfen, der verzweifelte Kampf zwischen
Bourgeoisie und Proletariat (in Frankreich) "erfordert den Auf-
wand aller Regierungs(Reichs)-MitteI und Kräfte, so daß zur Er-
haltung seiner eignen auswärtigen Übermacht unter den europäi-
schen Reichen dem französischen Reich keine Mittel bleiben, keine
Kräfte. (Wie soll es sich denn mit dem Kaiserreich Bismarcks mes-
sen!) (S. 37). Frankreich muß sich unterwerfen der höheren Lei-
tung, dem freundschaftlich-vormundschaftlichen Einfluß des Deut-
schen Reichs, ganz so wie das italienische Reich sich der Politik
des französischen unterfügte (S. 37, 38).
England: Einfluß sehr verringert. Folgender Satz charakteri-
stisch:
(Noch vor dreißig Jahren hätte es nicht so ruhig weder die Erobe-
rung der Rheinprovinzen durch die Deutschen noch die Wiederher-
stellung der russischen Vorherrschaft auf dem Schwarzen Meer,
noch den Feldzug der Russen nach Chiwa hingenommen) (S. 39).
Grund dieser Nachgiebigkeit etc. der Kampf der Arbeiterwelt mit
der exploitierenden, politisch herrschenden Bourgeoiswelt (S.
39). Dort die soziale Revolution nah etc. (l.c.)
Spanien und Italien, nicht davon zu reden: werden nie drohende
und starke Reiche, nicht aus Mangel an materiellen Mitteln, son-
dern weil der (Volksgeist) sie auf ganz andre Ziele lenkt (S.
39). Bei der Gelegenheit: Spanien erwacht wieder im Volkskrieg
gegen Napoleon, der von den rohen Massen selbst ausging. Nichts
der Art in Deutschland 1812 und 1813. Rühren sich nicht, bis Na-
poleons Pech in Rußland. Nur Tirol Ausnahme (S. 40, 41).
Dazwischen:
(Wir haben gesehen, daß der Besitz von Eigentum genügte, um die
französische Bauernschaft zu korrumpieren und in ihr den letzten
Funken von Patriotismus auszulöschen) (S. 42). In Deutschland
(1812/13) die jungen Bürger oder richtiger treu-untertan
(??????????????), aufgeregt durch Philosophen und Dichter, be-
waffneten sich zum Schutz und der Wiederherstellung des Deutschen
Reichs, weil grade in jener Zeit erwachte in Deutschland die Idee
des pangermanischen Reichs. Unterdes erhob sich das spanische
Volk individuell (?????????), um zu verteidigen (????????) wider
den grausamen und mächtigen Unterdrücker die Freiheit der
(Heimat) und die Selbständigkeit des (Volkslebens) (S. 43). Alle
Regierungsformen, despotisch, konstitutionell, konservative Repu-
blik etc. dann vergeblich in Spanien versucht; auch die kleinbür-
gerliche Föderalrepublik in der Weise der Schweiz (S. 43).
"Spanien unterwarf (besaß) nicht zum Spaß der Teufel des revolu-
tionären Sozialismus. Die andalusischen und estremadurischen Bau-
ern, niemand fragend und keine Befehle erwartend, bemächtigten
sich der früheren Ländereien der Grundbesitzer. Katalonien, und
besonders Barcelona, verkünden laut ihre Unabhängigkeit, ihre
Autonomie. Das Madrider Volk proklamiert die Föderalrepublik und
erlaubt nicht zu unterwerfen die Revolution den künftigen Befeh-
len einer konstituierenden Versammlung. Sogar im Norden, sogar
dem in der Hand der Karlisten befindlichen, vollzieht
#605# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie
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sich offen die soziale Revolution: es werden die fueros 1*)
(???????) verkündet, die Unabhängigkeit der Distrikte und Gemein-
den, verbrennend alle gerichtlichen und bürgerlichen Akte; das
Heer in ganz Spanien fraternisiert mit dem Volk und verjagt seine
Offiziere. Es hat begonnen allgemeiner, öffentlicher und privater
Bankerutt - die erste Bedingung der sozial-ökonomischen Revolu-
tion" (S. 44). "Keine Finanzen mehr, kein Heer, kein Gericht,
keine Polizei; keine Regierungskräfte, kein (Staat), bleibt das
mächtige, frische (??????) Volk, aufrechterhalten jetzt nur durch
die sozial-revolutionäre Leidenschaft. Unter der kollektiven Lei-
tung der Internationalen und des Verbands der Sozial-Revolutio-
näre fügt es zusammen und organisiert seine Kraft etc." (S. 44).
Im italienischen Volk nur noch lebendig erhalten die Tradition
der absoluten Autonomie nicht nur der ???????? (Provinz, Kreis,
Distrikt), sondern der Gemeinden (??????). Zu diesem (einzigen
politischen Begriff), eigentümlich existierend (im Volke), kommt
hinzu die historisch-ethnographische (Verschiedenartigkeit) der
(Gebiete), die so verschiedne Dialekte sprechen, daß Leute eines
??????? (heißt auch, en passant, Macht, Gewalt) mit Mühe und
manchmal gar nicht verstehn die Leute andrer (Gebiete), aber Ita-
lien (gesellschaftlich) nicht veruneint. Im Gegenteil gibt's (den
gemeinsamen italienischen Charakter und Typus), wodurch unter-
scheidbar die Italiener von den Menschen jeden andren Stammes,
selbst südlichen (S. 45). Die Auflösung des neusten italienischen
(Staates) wird unfehlbar zum Resultat haben die (freie gesell-
schaftliche Vereinigung) (S. 46). All das bezieht sich nur auf
die (Volksmassen).
Dagegen in den (oberen Schichten) der italienischen Bourgeoisie,
wie auch in andern Ländern (ist mit der staatlichen Einheit auch
die soziale Einheit der Klasse der privilegierten Ausbeuter der
Arbeit des Volkes entstanden und entwickelt sich jetzt mehr und
mehr. Diese Klasse wird jetzt in Italien gekennzeichnet unter dem
Sammelnamen Consorteria: die ganze) offizielle Welt, bürokratisch
und militärisch, polizeilich und richterlich; große Grundeigentü-
mer, Industrielle, Kaufleute und Bankiers; die ganze offizielle
und offiziöse Advokatur und Literatur, das ganze Parlament (S.
46).
Aber selbst das schrecklichste Elend (Not), selbst wenn es (die
vielen Millionen des) Proletariats schlägt, ist noch nicht hin-
reichendes Pfand (?????) für die Revolution... Wenn der Mensch
(die Herde) zur Verzweiflung getrieben, wird seine Empörung schon
viel möglicher... In Verzweiflung hört selbst der Deutsche auf,
Räsoneur zu sein; doch gehört enorm viel dazu, ihn zur Verzweif-
lung zu treiben... Aber (Elend) und (Verzweiflung) sind nur fä-
hig, persönliche, höchstens örtliche (Revolten) herbeizuführen,
aber unzureichend zu ergreifen (die ganzen Volksmassen). Dazu nö-
tig (allgemeines Volksideal), das sich herausgearbeitet (immer)
historisch aus (der Tiefe des Volksinstinkts), dazu Glauben
(????) an sein Recht, (man kann sagen, religiöser Glauben an die-
ses Recht).
Dies zusammen mit Armut und Verzweiflung gibt richtiges Rezept
zur sozialen Revolution (S. 47, 48).
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1*) althergebrachten Rechte, Gerechtsame
#606# Karl Marx
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"In solcher Lage befindet sich nun namentlich das italienische
Volk" (S. 48).
Namentlich hat die Internationale (Allianz, i.e. erst seit den
letzten 2 Jahren {1872 und 1873} bedeutend wirksam in Italien)
als Geburtshelferin dieses Ideals gewirkt.
(Sie 1*) wies ihm das Ziel, das es erreichen muß, und gleichzei-
tig gab sie ihm die Mittel und Wege zur Organisation der Kraft
des Volkes) (S. 48).
"Bemerkenswert, daß in Italien wie in Spanien entschieden es
nicht glückte (gelang) dem (staatskommunistischen Programm von
Marx), sondern sie dagegen weithin und leidenschaftlich aufnahmen
das Programm der weltberühmten (????????????) Allianz oder (des
Bundes der Sozial-Revolutionäre), erklärend schonungslosen Krieg
jeder (Herrschaft, Regierungsbevormundung, Obrigkeit und Autori-
tät)" (S. 49).
"Unter solchen Bedingungen kann das Volk sich befreien, sein
eignes eigentümliches Leben (auf der weitestgehenden Freiheit)
aller und eines jeden gründen, aber durchaus nicht die Freiheit
irgend andrer Völker bedrohn" (S. 49).
Da also Italien und Spanien Bekenner des allianzistischen Pro-
gramms, nahe soziale Revolution bei ihnen, aber nichts Eroberli-
ches ist von ihrer Seite zu befürchten (S. 49).
Die kleinen Staaten - Schweiz, Belgien, Holland, Dänemark, Schwe-
den (und zwar aus denselben Ursachen) (also, weil sie das Pro-
gramm der Allianz angenommen haben!)
"hauptsächlich aber" niemandem drohend wegen ihrer "politischen
Unbedeutendheit" (S. 49), haben vielmehr viele Gründe, "Unter-
jochung von Seiten des neuen Germanischen Reichs zu befürchten"
(S. 50).
Östreich auf den Tod krank. In 2 Reiche geteilt, magyarisch-sla-
wisch und deutsch-slawisch (S. 50). Die Deutschen wollen im letz-
ten vorherrschen. "Die Deutschen, (Staatsanbeter) und Bürokraten
man kann sagen von Natur, stützen ihre Prätensionen auf ihr hi-
storisches Recht, d.h. auf das Recht der Eroberung und der
(Altherkömmlichkeit) von einer Seite und von der andern auf den
vermeinten Vorzug ihrer Kultur" (S. 52). In den letzten Jahren
die Deutschen gezwungen, selbständige (Existenz) den Magyaren zu-
zugestehn. (Von allen Stämmen), die das östreichische Reich be-
wohnen, sind die Magyaren, nach den Deutschen, (das allerstaat-
lichste Volk) (S. 52), behaupten ihr historisches Recht zur Herr-
schaft über alle übrigen Stämme, die mit ihnen das Königreich Un-
garn bewohnen, obgleich sie selbst nicht viel mehr als 1/3 (l.c.)
(nämlich 5 500 000 Magyaren, 5 000 000 Slawen, 2 700 000 Rumänen,
1 800 000 Juden und Deutsche, ungefähr 500 000 andre (Stämme),
zusammen 15 500 000) (l.c.). So das ungarisch-östreichische Kai-
sertum in 2: zisleithanisch, slawisch-deutsch mit 20 500 000
(7 200 000 Deutsche und Hebräer, 11 500 000 Slawen, etwa
1 800 000 Italiener und andre (Stämme)) und das magyarisch-sla-
wisch-rumänisch-deutsche (S. 53).
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1*) Die Propaganda der Internationale
#607# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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In Ungarn die "Mehrheit der Bevölkerung unterworfen den Magyaren,
liebt sie nicht, trägt ihr Joch unwillig, daher unaufhörlicher
Kampf" (S. 53). Magyaren fürchten Aufstand der Rumänen und Sla-
wen: daher in heimlichem Bund mit Bismarck, welcher "vorhersehend
den unvermeidlichen Krieg mit dem österreichischen Reich, dem Un-
tergang geweiht, mit den Magyaren (anbändelt)" (S. 54).
Im zisleithanischen Reich steht's nicht besser, dort wollen die
Deutschen herrschen über die slawische Majorität. "Die Deutschen
hassen die Slawen, wie der Herr gewöhnlich seine Sklaven haßt"
(S. 54), fürchten ihre Befreiung etc. "Wie alle Eroberer fremder
Erde und Unterjocher fremden Volks, hassen und verachten die
Deutschen gleichzeitig höchst (ungerechterweise) die Slawen"
(l.c.). Die preußischen Deutschen werfen der östreichischen Re-
gierung hauptsächlich vor, daß sie unfähig, die Slawen zu ver-
deutschen. "Dies, nach ihrer Überzeugung, und auch tatsächlich,
konstituiert das größte Verbrechen gegen die allgemein deutschen,
patriotischen Interessen, gegen den Pangermanismus" (S. 55) (bei
ihm großgedruckt). Im Gegensatz zu diesem Pangermanismus haben
die östreichischen Slawen, mit Ausnahme der Polen, entgegenge-
setzt den Panslawismus, ebenso "widerliche Narrheit", "freiheits-
widriges, volkstötendes Ideal" (S. 55).
Hierzu Note, worin Herr B. droht, diese Frage weitläufiger zu be-
handeln; hier fordert er nur die russische revolutionäre Jugend
auf, dagegen zu arbeiten; er gibt zu, daß russische Agenten in
diesem Sinne tätig unter den östreichischen Slawen, ihnen weisma-
chend, daß Zar ihr Land von dem deutschen Joch befreien will und
"dies zur selben Zeit, wo das Petersburger Kabinett (offenkundig)
verkauft und verrät an Bismarck ganz Böhmen mit Mähren als Lohn
für die versprochne Hülfe im Osten".
Woher kommt's nun, daß in den österreichisch-slawischen Ländern
ganze Klasse gebildeter etc. Leute, die entweder Befreiung von
russischer Seite erwarten oder gar "Stiftung slawischer Großmacht
unter Herrschaft des russischen Zar"? (S. 57).
Es zeigt dies nur, "bis zu welchem Grad dieser verfluchten deut-
schen Zivilisation, nach ihrem Wesen (bürgerlich) und daher
(staatlich), gelungen ist, in die Seele selbst der slawischen Pa-
trioten einzudringen... blieben selbst vollständige Deutsche,
wenn auch das Ziel, dem sie zustreben, antideutsch; auf deutschen
Wegen und Mitteln wollen sie, denken sie, die Slawen aus dem
deutschen Joch zu befreien. Wegen ihrer deutschen Erziehung be-
greifen sie kein andres Mittel der Befreiung außer durch Bildung
slawischer Staaten oder eines einzigen großmächtigen slawischen
Reichs. Sie stellen sich so ein rein deutsches Ziel, weil (der
neueste Staat), zentralistisch, bürokratisch, polizeilich-solda-
tisch in der Art z.B. des neuen deutschen oder (allrussischen)
Reichs, eine rein deutsche (Schöpfung); in Rußland war es früher
mit Beimischung tartarischen Elements, (aber an der tartarischen
Liebenswürdigkeit soll es auch in Deutschland jetzt wahrlich
nicht liegen)" (S. 57).
"Seiner ganzen Natur und seinem ganzen Wesen nach ist der slawi-
sche Stamm entschieden nicht politisch, d.h. nicht (staatlich).
Vergeblich erwähnen (????????)
#608# Karl Marx
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die Tschechen ihr mährisches Großreich und die Serben das Reich
des Dusan. Alles das ephemere Erscheinung oder alte Märchen. In
Wahrheit hat durch sich selbst kein einziger slawischer Stamm
einen (Staat) gegründet" (S. 57).
Polnische Monarchie-Republik, gestiftet unter dem doppelten Ein-
fluß des Germanismus und des Latinismus, nachdem das slawische
Volk (????? - Leibeigner, Knecht) ganz unterdrückt durch die
Schlachta, die nach der Meinung vieler polnischer Historiker,
z.B. des (Mickiewicz), nicht slawischen Ursprungs (S. 58).
Böhmisches Reich (tschechisches) zusammengeklebt nach Art und
Weise der Deutschen unter offnem Einfluß der Deutschen, bildete
daher auch bald organischen Teil des deutschen Reichs.
Russisches Reich: tartarische Knute, byzantinischer Segen
(?????????????) und deutsche beamtlich-soldatische und polizeili-
che Aufklärung (S. 58).
"So unzweifelhaft, daß die Slawen nie aus eigner Initiative
(Staat) gestiftet. Weil sie niemals erobernder Stamm. Nur er-
obernde Völker stiften (Staaten) und stiften sie unfehlbar sich
zum Vorteil, zum Schaden der unterjochten Völker."
"Slawen waren ganz friedliche, ackerbauende Stämme; lebten abge-
sondert und unabhängig in ihren Gemeinden, nach patriarchalischer
Art durch die (Ältesten) verwaltet (????????? auch regieren), auf
Grundlage (der Wählbarkeit), Gemeindeeigentums an der Erde, kein
Adel, keine besondere Priesterkaste, alle gleich "verwirklichend
in patriarchalischer und daher unvollkommner Art die Idee der
menschlichen Brüderlichkeit". Kein politisches Band unter den Ge-
meinden; nur Verteidigungsband bei fremden Einfällen; kein slawi-
scher (Staat); aber gesellschaftliches Band, brüderliches, zwi-
schen allen slawischen Stämmen, im höchsten Grad gastfreund-
schaftlich" (S. 58, 59). "Bei solcher Organisation schutzlos ge-
gen Einfälle und Angriffe kriegerischer Stämme, besonders der
Deutschen, die überall ihre Herrschaft zu verbreiten strebten"
(S. 59). "Slawen zum Teil ausgerottet, größtenteils unterdrückt
durch Türken, Tartaren, Magyaren und besonders Deutsche" (S. 59).
"Mit der 2ten Hälfte des 10.Jahrhunderts beginnt die qualvolle,
aber auch heroische Geschichte ihrer Sklaverei" (S. 59).
"Zum Unglück für Polen haben seine leitenden Parteien (??????????
??????), bis zu dieser Zeit noch vorzugsweise der Schlachta ange-
hörig, noch nicht ihrem (Staats)-Programm entsagt, und statt die
Befreiung und (Erneuerung) ihrer (Heimat) in der sozialen Revolu-
tion zu suchen, suchen sie, unterjocht durch alte Vorurteile,
selbe bald im Schutz irgendeines Napoleon, bald im Bund mit Je-
suiten und östreichischen Feodalen" (S. 61).
In unsrem Jahrhundert wieder erwacht auch die westlichen und süd-
lichen Slawen; Böhmen Mittelpunkt der einen, Serbien der andern
(S. 61, 62).
Letzter Ausdruck des (Staats) das pangermanische Reich: "seine
Tage gezählt und von seinem Fall erwarten alle Völker ihre
schließliche Befreiung... Beneiden die Slawen die Deutschen
darum, daß sie den Haß aller übrigen Völker Europas verdient ha-
ben?" (S. 63).
England existiert für den Mann als Kaffeehaus-Politiker nicht;
es, die wahre Spitze der bürgerlichen Gesellschaft in Europa.
#609# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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Entweder keine slawischen (Staaten), oder es gibt ein großes und
alles verschlingendes panslawisches (Sankt-Petersburger Knuten-
reich) (S. 64, 65).
Auch unmöglich, gegen die pangermanische Zentralisation, pansla-
wische Föderation in Weise der Vereinigten Staaten (S. 66). Föde-
ration in Nordamerika nur möglich, weil auf dem amerikanischen
Kontinent, in Nachbarschaft mit der großen Republik, kein groß-
mächtiger (Staat) in der Art Rußlands, Germaniens oder Frank-
reichs. So, um entgegenzuwirken auf der (staatlichen) oder
politischen Bahn des siegreichen Pangermanismus, bleibt nur ein
Mittel - einen panslawischen (Staat) zu stiften. Allgemeine sla-
wische Sklaverei unter (der allrussischen Knute) (S. 67). Aber
auch das unmöglich. Quantitativ fast 3 × mehr Slawen in Europa
als Deutsche. Dennoch wird niemals panslawisches Reich an Macht
und wirklich (staatlich-militärischer Macht) sich messen können
mit dem pangermanischen Reich. Warum? "Weil im deutschen Blut, im
deutschen Instinkt, in der deutschen Tradition ist die Leiden-
schaft der (staatlichen) Ordnung und (staatlichen) Disziplin";
bei den Slawen das Gegenteil; "deswegen, um sie zu disziplinie-
ren, muß man sie unter dem Stock halten, während jeder Deutsche
auf Überredung (? ??????????) freiwillig den Stock essen würde.
Seine Freiheit besteht eben darin, daß er (dressiert ist) und
(sich gern) vor jeder Obrigkeit (verbeugt). Zudem sind die Deut-
schen ein ernstes und arbeitsames Volk, gelehrt, sparsam,
(ordnungsliebend, sorgfältig und berechnend), was sie nicht hin-
dert, wenn es nötig und namentlich, wenn die Obrigkeit es will,
sich vorzüglich zu hauen. Sie zeigten das in den letzten Kriegen.
Zudem ihre militärische und administrative Organisation zu der
möglichsten Stufe der Vollendung geführt, die kein andres Volk je
erreichen wird. Ist es da denkbar, sich mit ihnen messen zu kön-
nen auf dem Feld (der Staatlichkeit)?" (S. 68, 69). "Die Deut-
schen suchen ihr Leben und Freiheit im (Staat): für die Slawen
ist (der Staat) das Grab. Sie suchen ihre Befreiung außerhalb
(des Staats), nicht nur im Kampf gegen den deutschen (Staat),
sondern im (allumfassenden Volksaufstand) gegen jeden (Staat) in
der sozialen Revolution" (S. 69). "Aber die (Staaten) fallen
nicht von selbst; es kann sie nur niederwerfen die allervölkliche
und allerstämmige, internationale soziale Revolution" (S. 69).
Die antistaatliche Natur, die bisher ihre 1*) Schwäche gemacht,
macht umgekehrt ihre Stärke für die jetzige Volksbewegung (S.
69). Es naht die Zeit der vollen Befreiung (der Massen der unge-
lernten Arbeiter) und "ihrer freien gesellschaftlichen Organisa-
tion (von unten nach oben), ohne jede ??????????????????
(dirigierende, regierungsmäßige) Einmischung, aus freien ökonomi-
schen, ???????? (dem Volk gehörig, öffentlich) ??????
(Verbindung, Allianz, Koalition, Bündnis), (ungeachtet) aller al-
ten staatlichen Grenzen und aller nationalen Verschiedenheiten,
auf der einzigen Grundlage der produktiven Arbeit, allgemein
menschlich und ganz solidarisch bei allen ihren Mannigfaltigkei-
ten" (S. 70).
"Die Nationalität ist kein allgemein menschliches Prinzip, son-
dern eine historische, örtliche Tatsache, habend ein unzweifel-
haftes Recht, wie alle (wirklichen) und harmlosen Tatsachen, auf
allgemeine (Anerkennung). Jedes Volk, oder selbst jedes (Völk-
chen) hat seinen eignen Charakter, seine Manier, bildendgrade
(??????) das Wesen der
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1*) der Slawen
#610# Karl Marx
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Nationalität; das Wesen des Resultats des ganzen historischen Le-
bens in allen Lebensbedingungen der Nationalität. Jedes Volk,
grade wie jede Person, ist (unfreiwillig) das, was es ist, und
hat das unzweifelhafte Recht, es selbst zu sein. Darauf läuft das
ganze sogenannte (Nationalrecht) heraus" (S. 70).
Daraus folgt aber nicht, daß der eine seine Nationalität, der an-
dre seine Individualität als (besondere) Prinzipien aufstellen
etc. "Je weniger sie an sich denken, und je mehr sie (durch-
drungen werden) mit allgemein menschlichem (Inhalt), desto mehr
beleben sich und gewinnen Gedanken die Nationalität des einen,
die Individualität des andern" (S. 71). So gewinnen auch nur die
Slawen (ihren rechtmäßigen Platz) in der Geschichte und in der
freien Bruderschaft der Völker, wenn sie sich durchdringen
zusammen mit andern mit Weltinteressen (S. 71).
"In Deutschland warf die Reform sehr rasch den Charakter (einer
Revolte) ab, unangemessen dem deutschen Temperament, und nahm an
die Form (einer friedlichen Staats)-Reform, dienend bald zur
Grundlage des (ausgeprägtesten), systematischen, gelehrten
(Staats)-Despotismus. In Frankreich, nach langem und blutigem
Kampf, dienend nicht wenig zur Entwicklung des freien Gedankens
in jenem Lande, wurden sie (die Reformbestrebungen) niederge-
schlagen durch den siegreichen Katholizismus. In Holland, in Eng-
land und danach in den Ver. St. Amerikas bildeten sie eine neue
Zivilisation ihrem Wesen nach anti-(staatlich), aber (bürgerlich-
ökonomisch) und liberal" (S. 72).
Diese Stelle sehr charakteristisch für Bakunin; der eigentlich
kapitalistische Staat für ihn antigouvernemental; zweitens die
Verschiedenheit der Entwicklung in Deutschland einerseits, Hol-
land und England andrerseits, nicht aus verändertem Welthandel,
sondern etc.
Die religiöse Reform (auch schön, daß die Renaissance bloß sub
specie 1*) der Religion betrachtet)
"brachte in der zivilisierten Menschheit 2 Hauptrichtungen her-
vor: die ökonomische und liberal-(bürgerliche), besonders Eng-
land, dann Amerika, und die despotisch-(staatliché), ihrem Wesen
nach auch (bürgerlich)" -
dies Wort bürgerlich dient ihm sowohl für den Kapitalismus als
die mittelalterlichen Spießbürger in Deutschland -
"und protestantisch, obgleich vermischt mit adligen katholischen
Elementen, die sich übrigens ganz unterwarfen dem (Staat). Die
Hauptvorsteher der Richtung waren Frankreich und Deutschland, im
Anfang das östreichische, dann das preußische" (S. 73).
"Die französische Revolution gründete ein neues allgemein men-
schliches Interesse, das Ideal der vollsten menschlichen Frei-
heit, aber ausschließlich auf politischem Gebiet; Widerspruch,
unausführbar die politische Freiheit; die Freiheit im (Staat) ist
Lüge. Brachte 2 Hauptrichtungen hervor. Systematische Exploita-
tion des Proletariats und Bereicherung der Minderheit. Auf dieser
Volksexploitation will die eine Partei die
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1*) unter dem Gesichtspunkt
#611# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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demokratische Republik gründen, die andre, konsequenter, monar-
chischen, d.h. aufrichtigen (Staats)-Despotismus" (S. 73).
Gegen alle diese Strebungen neue Richtung "direktgehend" auf Ba-
kunin (S. 74).
"Das slawische Proletariat muß also in Masse in die Internatio-
nale Arbeiterassoziation eintreten" (S. 75). "Wir hatten bereits
Gelegenheit zu erwähnen die großartige Erscheinung der interna-
tionalen Bruderschaft der Wiener Arbeiter 1868" (S. 76) gegen das
pangermanische Programm. Aber die östreichischen Arbeiter machten
nicht die nötigen weiteren Schritte, "weil sie aufgehalten
(abgehalten) wurden beim ersten Schritt durch die germanisch-pa-
triotische Propaganda der Herren Liebknecht und andrer Sozialde-
mokraten, die mit ihm nach Wien kamen, es scheint, im Juli 1868,
namentlich mit dem Zweck abzubringen (irrzuleiten) den wahren so-
zialen Instinkt der östreichischen Arbeiter von dem Weg der in-
ternationalen Revolution und ihn zu lenken auf die politische
Agitation zum Vorteil der Gründung eines (Staats), durch sie
???????? (Volksstaat) [genannt], natürlich pangermanisch - mit
einem Wort, zur Verwirklichung des patriotischen Ideals des Gra-
fen Bismarck, nur auf sozialdemokratischem Gebiet und vermittelst
der sog. legalen (Volksagitation)" (S. 76).
"Für die Slawen wäre dies, sich freiwillig dem deutschen Joch un-
terwerfen und dies (zuwider) jedem slawischen Herzen (S. 77). In-
folgedessen werden wir nicht nur nicht überreden die slawischen
Brüder, in die Reihen der sozialdemokratischen Partei der deut-
schen Arbeiter zu treten, geleitet mit diktatorischer Gewalt
durch die Herren Marx und Engels und nach ihnen durch die Herren
Bebel, Liebknecht und einige literarische Hebräer; wir, im Gegen-
teil, müssen alle Kräfte anwenden, um das slawische Proletariat
abzuwenden [von] dem selbstmörderischen (Eintritt) in den (Bund)
mit dieser Partei, die durchaus nicht (Volks)-[Partei], sondern
nach ihrer Richtung, Zielen, Mitteln rein (bürgerlich) und zudem
ausschließlich deutsch, d.h. (slawenmörderisch)" (S. 77).
Das slawische Proletariat muß sich mit dieser Partei nicht nur
nicht verbinden, sondern [sich] ihr fernhalten, dagegen um so fe-
ster [sich] an die Internationale Arbeiterassoziation anschlie-
ßen. "Durchaus nicht muß man verwechseln die deutsche sozial-
demokratische Partei mit der Internationalen (S. 77). Das poli-
tisch-patriotische Programm der ersten hat fast nichts gemein mit
dem Programm der letzteren, sondern ist ihr durchaus entgegenge-
setzt. Auf dem Haager Kongreß wollten die Marxisten es der ganzen
Internationale oktroyieren. Aber dieser Versuch rief allgemeinen
lauten Protest hervor von Italien, Spanien, Teil der Schweiz,
Frankreich, Belgien, Holland, England, sogar Teil der Vereinigten
Staaten Amerikas, so daß der ganzen Welt klar wurde, daß außer
den Deutschen niemand das deutsche Programm will" (S. 78).
"Das slawische Proletariat muß in Masse in die Internationale
treten, Sektionen stiften, und wenn es notwendig scheint, (eine
gesamtslawische Föderation)" (S. 78).
Serbien, (Serbisches Fürstentum): Serben stifteten (Staat) nach
Befreiung von den Türken, dessen Joch schwerer als das der Türken
(S. 79). Überliefert bürokratischem (Raub) und Despotismus
(l.c.). Im türkischen Serbien weder Adel noch sehr große
#612# Karl Marx
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Grundbesitzer, noch Industrielle, noch besonders reiche Kauf-
leute; gebildet neue bürokratische Aristokratie, meistenteils auf
Regierungskosten in Odessa, Moskau, Petersburg, Wien, Deutsch-
land, Schweiz, Paris erzogen (S. 79).
Die Bulgaren wollen nichts wissen von serbischem (Dusan-Zaren-
reich); ebensowenig die (Kroaten) und die (Montenegriner) und
bosnischen Serben. Für alle diese Länder nur ein Weg der Rettung
und Vereinigung - die soziale Revolution, aber keinesfalls
(Staatskrieg), der nur zu ihrer Unterjochung durch Rußland oder
Östreich oder beide führen kann (S. 86).
Im tschechischen Böhmen glücklicherweise Reich und Krone des
Wenzeslaus noch nicht hergestellt; die Wiener Obrigkeit behandelt
sie einfach als Provinz, nicht einmal mit den Privilegien Galizi-
ens, und doch in Böhmen soviel politische Parteien, wie ihrer in
dem lieben 1*) slawischen (Staat). "Ja, dieser verfluchte deut-
sche Geist der Politikerei und (Staatlichkeit), so eingedrungen
in die Bildung der tschechischen Jugend, daß sie der ernsten Ge-
fahr unterworfen ist, am Ende die Möglichkeit (einzubüßen, ihr
Volk zu verstehen) (S. 86). In allen östreichischen Städten, wo
die slawische Bevölkerung vermischt mit der deutschen, nehmen die
slawischen Arbeiter den energischsten Anteil an allen allgemeinen
Kundgebungen des Proletariats. Aber in diesen Städten existieren
fast keine andren Arbeiterassoziationen, außer denen, die aner-
kannt das Programm der Sozialdemokratie Deutschlands, so daß fak-
tisch die slawischen Arbeiter, fortgerissen durch ihren sozial-
revolutionären Instinkt, von einer Partei geworben werden, deren
direktes und laut ausgesprochnes Ziel - die Stiftung eines pan-
germanischen (Staats), d.h. enormen deutschen (Gefängnisses)" (S.
88).
Sie müssen das Programm der von B. geleiteten Internationale
annehmen (S. 89) (speziell als Anwerbungsbüro empfohlen {S. 89,
Note} in Zürich slawische Sektion, gehörend zur Jura-Föderation).
Östreich (Schluß). Reich existiert nur noch durch die berechnete
Duldung Preußens und Rußlands, die noch nicht zu seiner Teilung
schreiten wollen, weil jedes von beiden hofft auf die günstige
Gelegenheit, das größte Stück zu nehmen.
Rußland: "Eine nützliche Konstitution für das Volk gibt es nur
eine - die Auflösung des (russ.) Reichs" (S. 96).
Hat es die militärische Kraft, um sich zu messen mit dem neuen
deutschen Reich? Das gegenwärtig die einzig politische Frage in
Rußland (l.c.). "Diese Frage... gestellt mit unabwendbarer Not-
wendigkeit durch die neue Lage Deutschlands, welches über Nacht
(?? ???? ????) (zu einem riesigen und allmächtigen Staat an-
wuchs). Aber die ganze Geschichte beweist und die rationelle Lo-
gik bestätigt, daß zwei gleichstarke (Staaten) nicht zugleich ne-
beneinander bestehn können. Eins muß das andre unterwerfen" (S.
97). Dies notwendig für Deutschland. "Nach langer, langer politi-
scher Erniedrigung ist es plötzlich das mächtigste Reich auf dem
europäischen Kontinent
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1*) Bei Bakunin: jedem beliebigen
#613# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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geworden. Kann es dulden, daß neben ihm, sozusagen unter seiner
Nase, eine Macht ganz unabhängig von ihm, durch es noch nicht be-
siegt und wagend sich ihm gleichzustellen; und dazu noch die rus-
sische Macht, (die verhaßteste)!" (S. 97).
"Wir glauben, daß wenige Russen, die nicht wüßten, zu welchem
Grad die Deutschen, alle Deutschen, aber hauptsächlich die deut-
schen Bourgeois, und unter ihrem Einfluß, o weh! auch das deut-
sche Volk selbst Rußland haßt" (S. 97). Dieser Haß eine der
stärksten Nationalleidenschaften Deutschlands (S. 98).
Anfangs ehrlicher Haß deutscher Zivilisation gegen tartarische
Barbarei (S. 98). In den 20er Jahren Protest des politischen Li-
beralismus gegen politischen Despotismus (l.c.). Sie schoben die
ganze Verantwortlichkeit der Heiligen Allianz auf Rußland (I.c.).
Anfang der 30er Jahre Polensympathie, Russenhaß als Unterdrücker
des polnischen Aufstands (l.c.). Vergaßen wieder, daß Preußen
helfend bei der Unterdrückung Polens; Preußen half, weil mit pol-
nischem Sieg das ganze preußische Polen aufgestanden, was
"erstickt hätte im Keim die (entstandene Macht) der preußischen
Monarchie" (l.c.).
In der 2. Hälfte der 30er Jahre neuer Grund des Russenhasses, gab
ihm politischnationale Richtung die beginnende slawische Frage:
Bildung in Östreich und Türkei von slawischer Partei, hoffend und
erwartend Hilfe von Rußland. Panslawische republikanische Födera-
tion von den Dekabristen (Pestel, Murawjow-Apostol etc.) ange-
strebt. Nikolaus nahm das auf, aber als panslawischen, einheitli-
chen und autokratischen (Staat) unter seinem eisernen Zepter. An-
fang der 30er und 40er Jahre aus Petersburg und Moskau reisten
russische Agenten nach den slawischen Landen, einige offiziell,
andre freiwillig und unbezahlt; letztere gehörig zur Moskauer Ge-
sellschaft der Slawophilen. Griff um sich unter den südlichen und
westlichen Slawen panslawistische Propaganda. Viele Broschüren,
teils deutsch geschrieben, teils darin übersetzt. Angst des pan-
germanischen Publikums. Böhmen - russisch! - Verdarb ihnen Appe-
tit und Schlaf (S. 99). Seit dieser Zeit der größte Haß gegen
Rußland; Russen lieben ihrerseits nicht die Deutschen. Unter die-
sen Bedingungen möglich, Nachbarstaaten, das (allrussische) und
pangermanische Reich? (S. 100). Aber Gründe für beide, Frieden zu
halten, existierten und existieren noch. Erstens: Polen (l.c.).
Östreich nicht für die Teilung etc. Für es Polen Schutzmacht ge-
gen Rußland und Preußen. Zweitens: Östreich, das sie teilen wol-
len. Die Teilung Östreichs wird sie veruneinigen, aber nichts bis
dahin (S. 100-102). Drittens: [das] neue deutsche Reich von allen
gehaßt, hat keinen Bundesgenossen außer Rußland, vielleicht Ver-
einigte Staaten. Hat noch viel zu tun, um die Idee des pangerma-
nischen Reichs zu realisieren; Franzosen abzunehmen ganz Loth-
ringen; zu essen Belgien, Holland, Schweiz, Dänemark, Skandinavi-
sche Halbinsel; russische Ostseeprovinzen, um allein im Balti-
schen Meer zu schalten. Es läßt Ungarn den Magyaren, Galizien mit
der östreichischen Bukowina den Russen, behält sich vor ganz
Östreich bis Triest (incl.) und Böhmen, welches das russische Ka-
binett auch nicht denkt, ihm zu bestreiten... "Wir" (B.) "wissen
positiv, daß auf Rechnung der mehr oder minder entfernten Teilung
des östreichischen Reichs seit lange geführt Werden geheime
Unterhandlungen zwischen Petersburg und germanischen Höfen", wo-
bei sie sich natürlich wechselseitig anzuführen suchen. Preu-
ßisch-germanisches Reich isoliert nicht fähig, diese großen Pläne
durchzuführen; "daher bildet Bund mit Rußland und wird noch lange
#614# Karl Marx
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bilden (dringende Notwendigkeit)"... Dasselbe für Rußland der
Fall. "Eroberung nach allen Seiten hin und zu jedem Preis normale
Lebensbedingung des Russischen Reichs". Nach welcher Seite nun?
Westen oder Osten? Westlicher Weg der panslawische und die Ver-
bindung mit Frankreich gegen die vereinigten Kriegskräfte Preu-
ßens und Östreichs, und wahrscheinliche Neutralität Englands und
der Vereinigten Staaten. Andrer (östlicher) Weg führt nach In-
dien, Persien, Konstantinopel. Dort Feinde östreich, England,
wahrscheinlich mit ihnen Frankreich; Bundesgenossen Germanien und
die Vereinigten Staaten (S. 102-104).
Der erste Weg (panslawischer, gegen das Deutsche Reich).
Frankreichs Hilfe nichts wert; seine Einheit für immer zerrissen,
etc.; dieser Weg revolutionär; führt zur Empörung der Völker, na-
mentlich der slawischen gegen ihre gesetzlichen (Herrscher),
östreichischen und preußisch-germanischen. Nikolaus verwarf die-
sen Weg aus Instinkt, Prinzip etc. (!) Aber zudem (darf man nicht
verkennen, daß für die allrussische Staatlichkeit die Befreiung
Polens entschieden unmöglich ist). Ganze Jahrhunderte Kampf zwi-
schen beiden Formen (des Staates), (Wille der Schlachta) und za-
rische Knute. Die Polen schienen oft dem Sieg nah. Aber sobald
das Volk aufstand, 1612 in Moskau, dann Erhebung der Kleinrussen
und litauischen (Leibeigenen) unter Bogdan (Chmelnizki) - vorbei.
"Die russische Knute siegte dank dem Volk"
Dieses Geständnis S. 110.
Auf den Trümmern des schlachta-polnischen (Staats) gegründet das
(allrussische) Knutenreich. "Nehmt ihm diese Grundlagen, die Pro-
vinzen, die eingingen bis 1772 in den (Bestand) des polnischen
(Staats), und das allrussische Reich verschwindet" (S. 110). Dies
die reichsten, fruchtbarsten, bevölkertsten Provinzen; mit ihrem
Wegfall Reichtum und Macht des Russischen Reichs um die Hälfte
vermindert. Nach diesem Verlust folgt der des (Baltenlandes), und
unterstellt, das polnische Reich wirklich mit neuem Leben herge-
stellt, reißt es Rußland ab ganz Kleinrußland, welches entweder
polnische Provinz wird oder unabhängiger (Staat). Verliert damit
auch seine Grenze am Schwarzen Meer, von allen Seiten von Europa
abgeschnitten und nach Asien verjagt. Einige glauben, daß das
Russische Reich Polen wenigstens Litauen geben kann. (Nein). Die
Nachbarschaft (Moskaus) und Polens leitet den polnischen Patrio-
tismus notwendig zur Unterjochung der baltischen Provinzen und
der Ukraine. Es reicht hin, nur das jetzige Königreich Polen zu
befreien, und Warschau vereinigt sich sofort mit Wilna, Grodno,
(Minsk), Kiew, um nicht zu sprechen von Podolien und Wolhynien.
Polen so rastlos Volk, daß man ihm kein freies Plätzchen lassen
kann; wird sofort Zentrum allrevolutionären Widerstands. Russi-
sches Reich kann seine Existenz nur verlängern unter der Bedin-
gung, Polen (zu knebeln) nach dem Murawjowschen System... Das
russische Volk hat nichts gemein mit dem Russischen Reich, entge-
gengesetzte Interessen.
Bei dieser Gelegenheit macht B. folgenden, nach seinem eignen Sy-
stem blödsinnigen Satz: "Sobald das Russische Reich sich auflöst
und [das] großrussische, kleinrussische [Volk] und andre Völker
ihre Freiheit etablieren,
#615# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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werden für sie nicht (erschreckend) sein die ehrgeizigen Absich-
ten der polnischen (Staats)-Patrioten" (comment donc! 1*)). "Sie
können nur tödlich sein für das Reich" (S. III). Darum wird der
Zar freiwillig nicht auf das kleinste Stück Polen verzichten.
"Und, ohne die Polen zu befreien, kann er die Slawen aufrufen
(zum Aufstand)?" (S. 104-111).
Und zur Zeit Nikolaus' der panslawische Weg versprach noch mehr
Nutzen als jetzt. Damals noch auf Aufstand von Magyaren und Ita-
lienern gegen östreich zu rechnen. Jetzt Italien wahrscheinlich
neutral, da östreich ihm jetzt (in solchem Fall) freiwillig die
paar italienischen Reste geben würde, die es noch hat. Die Magya-
ren, in Anbetracht ihrer eignen (staatlichen) 2*) Verhältnisse zu
den Slawen, würden sich leidenschaftlich auf Seite der Deutschen
gegen Rußland stellen. Der russische Kaiser könnte nur rechnen
auf mehr oder weniger Mitwirkung der östreichischen Slawen;
wollte er auch die türkischen aufstehn machen, so neuer Feind,
England. Aber im östreichischen Reich nur 17 Mill. Slawen; davon
ab 5 Mill, für Galizien, wo die Polen die Russinen 3*) paralysie-
ren würden, bleiben 12 Mill., und davon noch die ab, die in die
östreichische Armee geworben und die nach Art jeden Heers schla-
gen würden, gegen wen es die Obrigkeit befiehlt.
Diese 12 Mill, (die bei B. lauter Männer und Erwachsene) nicht
vereint auf einem oder wenigen Punkten; zerstreut über die ganze
Ausdehnung des östreichischen Reichs, sehr verschiedne Dialekte
sprechend, vermischt mit Deutschen, Magyaren, Italienern, rumäni-
schen Völkerschaften.
"Das ist sehr viel, um in beständiger Angst zu halten die östrei-
chische Obrigkeit und im allgemeinen die Deutschen, aber sehr we-
nig, um zu leisten den russischen Heeren ernsthafte Stütze gegen
die vereinigten Kräfte des preußischen Deutschlands und Öst-
reichs." Die russische Regierung weiß das und denkt nicht dran,
panslawischen Krieg gegen Östreich zu führen, der notwendig in
Krieg gegen ganz Deutschland umschlagen würde. Dennoch führt sie
vermittelst ihrer Agenten tatsächliche panslawische Propaganda in
den östreichischen Gebieten. Es ist ihr nützlich, solche blinde
etc. Anhänger in allen östreichischen Provinzen zu haben. "Dieses
paralysiert, hindert, beunruhigt die östreichische Regierung und
verstärkt den Einfluß Rußlands nicht nur auf östreich, semdern
auf ganz Deutschland. Das kaiserliche Rußland hetzt die
östreichischen Slawen gegen Magyaren und Deutsche, sehr wohl wis-
send, daß sie zu guter Letzt sie überliefern wird an Deutsche und
Magyaren" (S. 112, 113).
Auf dem westlichen, panslawischen Weg hat Rußland zu kämpfen mit
allen Deutschen, preußischen und östreichischen, mit den Magyaren
und mit den Polen. Kann Rußland in Angriffskrieg (den es zur
scheinbaren Befreiung der Slawen führen müßte) auch nur mit dem
preußischen Deutschland fertig werden? Die russische Nation wird
an Krieg kein Interesse nehmen; wie die Völker überhaupt nicht an
rein politischen Regierungskriegen; Beispiel von letzteren in
neuster Geschichte nur Napoleon I., der
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1*) wie denn nun! - 2*) bei Bakunin: beherrschenden - 3*) Ruthe-
nen
#616# Karl Marx
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aber als Fortsetzer der Revolution galt; eigentlich nur Beispiel
der letzte preußische Krieg gegen das Zweite Kaiserreich. Das
pangermanische Interesse überwog damals jedes andre Interesse, im
Geist und Herzen aller Deutschen ohne Unterschied, und dies kon-
stituiert augenblicklich die spezielle Kraft Deutschlands... Rus-
sen zeigten für ihre Regierung nicht einmal Interesse im Krim-
krieg, "nicht Eroberungs-, sondern Defensivkrieg".
Dies S. 117; dagegen aber der Krieg mit Napoleon III. offenbar
bloßer Offensivkrieg?
Der russische Bauer weiß nicht einmal, daß er Slawe ist... für
die slawischen Völker ein Krieg gegen alle (Staaten), zunächst im
Bund mit den lateinischen, wie die Slawen bedroht von der deut-
schen Erobrungspolitik... Mit den Deutschen erst, sobald sie auch
(antistaatlich)... Aber bis zu der Zeit Allianz der Slawen mit
den Lateinern gegen die deutsche Erobrungspolitiker bleibt Not-
wendigkeit... "Étrange 1*) Beruf des deutschen Stamms! Aufregend
(aufweckend) gegen sich die allgemeine Besorgnis und den allge-
meinen Haß, vereinigen sie die Völker"... "In diesem Sinn auch
das russische Volk völlig slawisches Volk." Aber diese Feind-
schaft reißt sie 2*) nicht so weit, daß es aus eignem Entschluß
Krieg gegen sie führte; wird sich nur zeigen, wenn die Deutschen
selbst nach Rußland rücken und sich einfallen lassen, dort zu
wirtschaften, - aber kein Anteil an Offensivkrieg gegen die Deut-
schen... Reichen aber die Regierungsmittel, finanzielle und krie-
gerische, gegen Deutschland?... Im unterstellten Fall (russische
Offensive) haben sich die Deutschen bei sich zu schlagen und
(diesmal) wirklicher (allgemeiner) Aufstand aller Klassen und der
ganzen Bevölkrung Deutschlands (S. 114 bis 120).
Der russische Offizier beßrer Mensch als der deutsche... zivili-
sierte wilde Bestie... Deutsche, besonders Offiziere und Beamte,
vereinigen Bildung mit Barbarei, Gelehrsamkeit mit Bedientenhaf-
tigkeit... Aber für reguläre Armee gibt's nichts Vollkommneres
als den deutschen Offizier - sein ganzes Leben: gehorchen und
kommandieren... Der deutsche Soldat ist ditto musterhaft von Na-
tur und durch Dressur für reguläre Armee... Brechen erst den Leib
und damit den Geist der Soldaten ein... Disziplin etc.. Die deut-
sche Offizierswelt vor denen der andren Völker den Vorzug ihrer
Kenntnisse, theoretische und praktische Wissenschaft des Kriegs-
werks, glühende und ganz pedantische Hingabe dem Kriegshandwerk,
Genauigkeit, Akkuratesse, (Selbstbeherrschung), hartnäckige Aus-
dauer (????????) und dazu eine relative Ehrenhaftigkeit
(?????????). Organisation und Ausrüstung der deutschen Armee
wirklich und nicht bloß auf dem Papier, wie bei Napoleon III.,
wie es bei uns sein wird. Dazu die administrative, bürgerliche
und besonders militärische Kontrolle, so daß verlängerter Betrug
unmöglich. "Bei uns dagegen von unten nach oben und von oben nach
unten wäscht eine Hand die andre, infolgedessen Ausfindung der
Wahrheit fast unmöglich" (S. 121-128) (letzter Satz S. 128). Laßt
Rußland selbst Million Soldaten stellen, Hälfte
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1*) Sonderbarer - 2*) bei Bakunin: reicht (statt: reißt sie)
#617# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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muß im Innern zur Bewachung des geliebten Volks bleiben. Wieviel
schon nötig für Ukraine, Litauen, Polen (S. 128).
Deutschland wird wirkliche (Millionen)-Armee, nach Organisation,
(Dressur), Geist, Wissenschaft, Ausrüstung die erste der Welt.
Und hinter [sich] das ganze bewaffnete Volk, "welches wahrschein-
lich nicht aufgestanden wäre gegen die Franzosen, wenn im letzten
Krieg nicht der preußische Fritz, sondern Napoleon III. gesiegt
hätte, aber welches gegen russische (Invasion) wie ein Mann auf-
stehn wird"... Aber wo wird die russische Million sein? Auf dem
Papier... Wo die Offiziere und Ausrüstung?... Kein Geld... 5
Mill[iarden] die Deutschen von den Franzosen. Wenigstens 2 für
Kriegsrüstung... "Ja, ganz Deutschland gegenwärtig verwandelt in
drohendes, nach allen Seiten borstenartiges Arsenal." Mit eurem
ersten Schritt in Deutschland, ihr auf den Kopf geschlagen, und
euer Angriffskrieg verkehrt sich sofort in Verteidigungskrieg;
das deutsche Heer überschreitet die Grenzen des allrussischen
Reichs. Dann allgemeine Erhebung des russischen Volks? "Ja, wenn
die Deutschen russische (Gebiete) beschreiten, z.B. direkt nach
Moskau marschieren; aber wenn sie diese Dummheit nicht begehn,
sondern nordwärts nach Petersburg marschieren, durch die Balti-
schen Provinzen, in denen sie finden nicht nur unter der Bürger-
schaft, protestantischen Pastoren und Juden, unzufriednen Baronen
und ihren Kindern, Studenten, sondern auch in unsern unzähligen
ostseeischen Generalen, Offizieren, hohen und niedrigen Beamten,
die Petersburg füllen und über ganz Rußland zerstreut sind, viele
Freunde; noch mehr, sie erheben gegen das Russische Reich Polen
und Kleinrußland" (S. 128-131).
Die Polen haben keinen gefährlichren oder bösartigeren Feind als
Bismarck. "Es scheint, daß er die Aufgabe seines Lebens darin ge-
setzt, sie vom Antlitz der Erde abzuwischen (???????). Und all
das hindert ihn nicht, die Polen aufzurufen zur Empörung gegen
Rußland, wann dies verlangen die Interessen Deutschlands. Und
trotzdem, daß die Polen ihn und Preußen hassen, um nicht zu sagen
ganz Deutschland, was die Polen (sich nicht eingestehen wollen,
obgleich in der Tiefe ihrer Seele nicht Weniger als bei allen an-
deren slawischen Völkern derselbe historische Haß gegen die Deut-
schen lebt)..., werden die Polen zweifelsohne sich erheben auf
den Ruf Bismarcks" (S. 133).
"In Deutschland und in Preußen selbst existiert seit sehr lange
zahlreiche und ernsthafte politische Partei, sogar 3 Parteien,
liberal-progressive, rein demokratische und sozialdemokratische,
zusammen bildend die unzweifelhafte Mehrheit in den deutschen und
preußischen Parlamenten und noch viel entschiedner in der Gesell-
schaft selbst, Parteien, welche, vorhersehend und zum Teil wün-
schend und gleichsam hervorrufend Krieg Deutschlands gegen Ruß-
land, begriffen haben, daß der Aufstand und die Wiederherstellung
Polens (in gewissen Grenzen) notwendige Bedingung dieses Kriegs
sein wird" (S. 133). Weder Bismarck noch eine dieser Parteien
wollen Polen alle ihnen preußischerseits abgerißnen Stücke wie-
dergeben; weder Königsberg noch Danzig, noch das kleinste Stück
von Westpreußen; auch vom posenschen Herzogtum sehr wenig. Aber
sie geben ihnen ganz Galizien mit (Lwow) und Krakau, da dies al-
les jetzt östreichisch, und soviel russisches [Gebiet], als die
Polen nehmen können. Außerdem Geld, Waffen und Kriegshülfe, ver-
steht sich in der Form einer polnischen Anleihe auf deutsche
Bürgschaft... Polen werden mit Freude zugreifen... Mit geringer
Ausnahme beschäftigen
#618# Karl Marx
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sich die Polen nicht mit der slawischen Frage; ihnen (sind bei
weitem verständlicher und näher die Magyaren)... Zahlreiche Par-
teien bei den Polen; im Hintergrund immer die Wiederherstellung
des polnischen (Staats) in den Grenzen von 1772. Der Unterschied
der Parteien nur, daß den einen dieser, den andern jener Weg als
der einzig richtige zu diesem Zweck gilt... Bismarck wird von ih-
nen verlangen förmliche Verzichtleistung auf den größten Teil der
altpolnischen Länder, die jetzt preußisch... Wahr, étrange Polo-
gne 1*), wiederhergestellt unter dem Schutz des Grafen Bismarck.
Aber besser (sonderbares) Polen als keins; außerdem denken die
Polen, möglich sich später auch zu befreien von dem Schutz Bis-
marcks... Polen wird aufstehen; Litauen ditto, und ein wenig
Sturm und Kleinrußland steht auf... Die polnischen Patrioten
klägliche Sozialisten und bei sich zu Haus werden sie sich nicht
mit sozial-revolutionärer Propaganda beschäftigen; wollten sie's
auch, Bismarck würde es nicht erlauben (ziemlich nahe an Deutsch-
land)..., aber zu tun in Rußland und gegen Rußland. Nützlich den
Deutschen und Polen Bauern-(Aufstand) in Rußland, und das ihnen
nicht schwer; soviel Polen und Deutsche nun zerstreut über Ruß-
land; lauter Bundesgenossen Bismarcks und der Polen: "Stellt euch
unsre Lage vor: unsere Heere auf den Kopf geschlagen, fliehn; ih-
nen auf dem Fuß nach marschieren die Deutschen auf Petersburg,
aber in Süd und West, nach (Smolensk) und Kleinrußland marschie-
ren die Polen - und zur selben Zeit, aufgeregt durch Propaganda
von außen und innen, in Rußland, in Kleinrußland allgemeiner
siegreicher Bauernaufstand" (S. 138 dieser Satz) ... Der deutsche
(Staat) würde den russischen so ganz von Europa abschneiden.
"Wir sprechen, versteht sich, vom Reich (russischen) und nicht
vom russischen Volk, welches, wann es ihm nötig sein wird, finden
oder (sich bahnen wird) (?????????, sich brechen, durchschlagen,
percer, se faire jour) ????? ?????? (überall, allenthalben, einen
Weg)". (Dieser Satz S. 138, 139.) Also, indem das russische Volk
als Ganzes handelt und sich Wege durchschlägt, um nicht von Eu-
ropa abgeschnitten zu werden, führen diese Anarchisten politi-
schen Krieg. Und was will Bak.? Die Deutschen und Polen zertrüm-
mern das Russische Reich, aber rufen zugleich allgemeinen sieg-
reichen Bauernaufstand in Rußland hervor. Bismarck und die Polen
werden diese Bauern in keiner Weise hindern, sich "anarchistisch"
zu konstatieren. Im Gegenteil: sie machen wirksamere Propaganda
unter ihnen als die "weltberühmte" Allianz; und wenn dieser anar-
chistische Zustand erst in so großen Dimensionen hergestellt ist,
werden die lateinischen und slawischen Brüder Feuer fangen. Ob
dies nun Folge eines Kriegs, den Rußland gegen Deutschland oder
vice versa anfängt, kann nichts an der Sache ändern. Nebenbei, da
in Serbien, nach Bak., außer dem Volke nichts existiert als
"Beamtenklasse', worin soll dann die serbische soziale Revolution
bestehn.
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1*) sonderbares Polen
#619# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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außer in der Beseitigung der Beamtenklasse, die dort allein den
(Staat) konstituiert? (S. 138, 139).
Also für das allrussische Reich der Weg nach Europa jetzt ver-
sperrt; von seinen Toren hält Graf Bismarck die Schlüssel, der
sie für nichts in der Welt dem Graf Gortschakow einhändigen wird.
Aber wenn der nordwestliche Weg versperrt, dann der südliche und
südöstliche, Buchara, Persien, Afghanistan, Ostindien, schließ-
lich Konstantinopel. Schon lange russische Politiker die Frage
gestellt, ob Sitz und Schwerpunkt des Reichs nicht von Petersburg
nach Konstantinopel zu verlegen. Zwar wollten diese unersättli-
chen Patrioten beides, Baltisches Meer und Konstantinopel. Aber
gewöhnen sich, das aufzugeben; namentlich die Augen geöffnet
durch Ereignisse der letzten Jahre; nämlich "Vereinigung Schles-
wig-Holsteins und Hannovers mit dem preußischen Königreich, wel-
ches dadurch verwandelt in Nordseeische Macht" (S. 139).
"Allen bekannt das Axiom, daß kein (Staat) in der Reihe des er-
sten Rangs sein kann ohne weite Meeresgrenzen, die ihm sichern
unmittelbare Verbindung mit der ganzen Welt und ihm erlauben di-
rekte Teilnahme an der Weltbewegung, der materiellen, gesell-
schaftlichen, politisch-sittlichen (??????????-????????????)...
ohne das bald stagnant... China... Es existieren mannigfaltige
Bedingungen dazu, daß ein Volk, konsolidiert (??????????) in
einen Staat, Teil an der Weltbewegung nehmen kann; heute gehört
(???????????) dazu(natürlicher Verstand und angeborene Energie),
Bildung, Fähigkeit zu produktiver Arbeit (und weiteste innere
Freiheit, so unmöglich sie im übrigen für die Massen in einem
Staate ist). Aber zu diesen Bedingungen gehört auch unfehlbar die
Seeschiffahrt, der Seehandel, weil die Seeverbindung wegen ihrer
relativen Wohlfeilheit, Kürze und auch Freiheit, in dem Sinn, daß
das Meer niemand gehört, alle übrigen... - eingeschlossen die Ei-
senbahnen - übertrifft. Es mag sein, die Luftschiffahrt wird sich
zeigen noch tauglicher in allen Beziehungen und wird besonders
wichtig sein dadurch, daß sie schließlich nivelliert (????????)
die Bedingungen der Entwicklung und des Lebens für alle Länder."
Dies Hauptsache bei Bak. - Nivellieren, z.B. ganz Europa auf die
slowakischen Mausefallhändler......Einstweilen bleibt Seeschif-
fahrt das Hauptmittel zur Wohlfahrt (großer Fortschritt, (des Ge-
deihens der Völker)) der Völker." Dies der einzige Punkt, wo Herr
Bak. von ökonomischen Bedingungen spricht und einsieht, daß sie
von dem (Staat) unabhängige Bedingungen und Völkerunterschiede
gründen...
Wenn's nicht mehr Staaten (??????????) gibt, und sich auf den
Trümmern aller Staaten erhebt "durchaus frei und sich organisie-
rend von unten nach oben ein freier brüderlicher Verband freier
Produktiv-Assoziationen, Gemeinden und(Gebiets)-Föderationen, um-
fassend unterschiedslos, weil frei, Leute aller Sprachen und
Volkstümlichkeiten, dann wird der Weg zum Meer allen gleich ge-
öffnet sein: für die Uferbewohner unmittelbar und für die vom
Meer entfernt Wohnenden vermittelst der Eisenbahnen, vollständig
befreit [von] allen (staatlichen) ????????? (Sorge, Fürsorge,
Pflege), (Erhebungen) ('l'action de prendre'), Zöllen, Beschrän-
kungen, Schikanen, Verboten,
#620# Karl Marx
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Bewilligungen und Einmischungen. Aber auch dann werden die see-
ischen Uferbewohner eine Menge natürlicher Vorzüge haben, nicht
nur materieller, sondern auch geistig-sittlicher. Die mittelbare
1*) Berührung mit dem Weltmarkt und überhaupt der Weltbewegung
des Lebens entwickelt außerordentlich auch so nicht nivellierte
Verhältnisse; mit alledem, die inländischen Bewohner, beraubt je-
ner Vorzüge, werden leben und sich entwickeln träger und lang-
samer als die Uferbewohner. Siehe, warum so wichtig sein wird die
Luftschiffahrt... aber bis dahin... werden die Uferbewohner in
allen Beziehungen Avantgarde sein und eine Art Aristokratie in
der Menschheit bilden."
Die Bretagne z.B.!
Und der Unterschied von Flach- und Hochland, Flußgebieten, Klima,
Boden, Kohle, Eisen, erworbnen Produktivkräften, materiellen und
geistigen, Sprache, Literatur, technischen Fähigkeiten etc. etc.
Fourier geht da heroischer mit der Nivellierung zum Werk (S. 139-
142).
Bei der Gelegenheit entdeckt Bakunin, daß Deutschland (als nicht-
seeisch) in Handelsbeziehungen unter Holland steht und industri-
ell unter Belgien (S. 143).
Preußen, jetzt Verkörperung, Kopf und Hand Deutschlands, hat sich
stark gegründet (gestützt) auf der Ost- und Nordsee (S. 145).
Hamburg, Bremen, Lübeck, Mecklenburg, Oldenburg, Schleswig-Hol-
stein, alles Preußen, das mit dem französischen Geld zwei große
Flotten baut, eine in der Ostsee, andre in Nordsee, und vermit-
telst eines Schiffskanals, den sie jetzt graben zur Vereinigung
beider Meere, werden diese 2 Flotten bald nur eine bilden. Wird
bald viel stärker sein als die russisch-baltische. Dann zum Teu-
fel Riga, Rewel, Finnland, Petersburg, Kronstadt. Zum Teufel alle
Bedeutung von Petersburg. Gortschakow mußte sich das sagen am
Tag, wo das alliierte Preußen ungestraft und wie mit unsrer Ein-
stimmung unsren Bundesgenossen Dänemark plünderte.
Polnische Insurrektion, (Herr) Bak.!
"Er mußte begreifen, daß von jenem Tag, wo Preußen, stützend sich
nun auf ganz Deutschland und bildend in unauflöslicher Einheit
die letzte stärkste Kontinentalmacht; seit jener Zeit, mit einem
Wort, als das neue deutsche Reich, unter preußischem Zepter, ein-
nahm auf der Ostsee seine gegenwärtige und für alle benachbarten
Mächte so drohende Position, die Oberherrschaft des Petersburgi-
schen Rußlands auf jenem Meer ihr Ende erreicht hatte, vernichtet
die große politische Schöpfung Peters, und mit ihr zugleich ver-
nichtet die Macht des allrussischen (Staats), wenn zur Entschädi-
gung des Verlusts des freien Seewegs",
aber frei bis wohin?, s'il vous plaît? 2*) Den Engländern gegen-
über "frei" bis unter die Wälle von Kronstadt,
"im Norden sich nicht öffnet neuer Weg nach dem Süden" (S. 145-
147). Die Zugänge noch in der Hand Dänemarks; aber das erst frei-
willig Föderierte dann ganz verschlungen vom pangermanischen
Reich. Daher bald Ostsee ganz ausschließlich deutscher See und
#621# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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damit Verlust der politischen Bedeutung Petersburgs. Gortschakow
mußte das wissen, als er einstimmte zur Zerstücklung Dänemarks
und Vereinigung Schleswig-Holsteins mit Preußen. Entweder verriet
er Rußland oder erhielt förmliche Verpflichtung Bismarcks, mit
Rußland zusammenzuwirken zur Stiftung neuer Macht im Südosten.
Für Bakunin steht fest, daß Offensiv- und Defensivallianz zwi-
schen Preußen und Rußland gestiftet nach dem Pariser Frieden oder
wenigstens zur Zeit des polnischen Aufstandes 1863.
Daher die Sorglosigkeit, womit Bismarck den Krieg mit Östreich
und dem größten Teil Deutschlands begann auf Gefahr der französi-
schen Einmischung und den noch entschiedneren Krieg gegen
Frankreich. Die kleinste Demonstration Rußlands an der Grenze
hätte in diesem, und namentlich im letzten Krieg, weitere sieg-
reiche Bewegung der preußischen Armee verhindert. Ganz Deutsch-
land, namentlich nördlicher Teil Deutschlands im letzten Krieg
durchaus entblößt von Truppen; östreich hielt sich nur ruhig auf
Drohung Rußlands; Italien und England mischten sich nur deswegen
nicht ein, weil Rußland es nicht wollte. Hätte es sich nicht als
so entschiednen Bundesgenossen Preußens gezeigt, hätten die Deut-
schen nie Paris genommen. Aber Bismarck war offenbar überzeugt,
daß Rußland ihn nicht verraten würde. Worauf beruhte diese Über-
zeugung? Bismarck weiß, daß russische und preußische Interessen
ganz antagonistisch, außer in der polnischen Frage. Krieg zwi-
schen beiden unvermeidlich. Aber können Gründe zum Aufschub sein,
wo jeder hofft, bis zu dem Tag der Krise das unfreiwillige Bünd-
nis besser ausbeuten zu können. Das Deutsche Reich noch lang
nicht befestigt, weder nach innen noch außen. Im Innern noch
Masse kleiner Fürsten. Nach außen östreich und Frankreich. Gehor-
chend innerer Notwendigkeit, sinnt es auf neue Unternehmungen,
neue Kriege. Herstellung des mittelaltrigen Reichs mit den ur-
sprünglichen Grenzen, gestützt auf den patriotischen Pangermanis-
mus, der die ganze deutsche Gesellschaft beseelt; Vereinigung
ganz Östreichs außer Ungarn, aber mit Triest und Böhmen, ganze
deutsche Schweiz, Teil Belgiens, ganz Holland und Dänemark, nötig
zur Stiftung seiner Seemacht: Pläne, die bedeutenden Teil des
westlichen und südlichen Europas gegen es aufhetzen und deren
Durchführung daher ohne Zustimmung Rußlands unmöglich. Daher für
das neudeutsche Reich die russische Allianz noch nötig (S. 148-
151).
Das allrussische Reich seinerseits kann die preußisch-germanische
Allianz nicht entbehren. Es muß nach Südost gehn - statt Balti-
schen Meers das Schwarze; sonst abgeschnitten von Europa; und
dazu Konstantinopel nötig; sonst kann ihm der Zugang ins Mittel-
ländische Meer stets abgeschnitten werden, wie das auch zur Zeit
des Krimkriegs geschah. Konstantinopel also das große Ziel. Ent-
gegen den Interessen des ganzen südlichen Europas, Frankreich
eingeschlossen, entgegen den englischen Interessen und selbst
denen Deutschlands, da die uneingeschränkte Herrschaft Rußlands
im Schwarzen Meer das ganze Donau-(Ufer) in direkte Abhängigkeit
von Rußland stellt. Dennoch hat Preußen Rußland formell verspro-
chen, ihm in seiner südöstlichen Politik zu helfen; ebenso si-
cher, daß es die erste Gelegenheit benutzen wird, um sein Gelübde
zu brechen. Aber solcher Vertragbruch nicht zu erwarten jetzt, im
Anfang selbst die Erfüllung desselben.
#622# Karl Marx
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Preußen half Rußland Vernichtung der Bedingungen des Pariser
Friedens; wird es ebenso unterstützen mit Bezug auf Chiwa. Den
Deutschen dazu nützlich, daß Rußland sich soweit als möglich nach
Osten entfernt. Was ist der Zweck des russischen Kriegs gegen
Chiwa?... Indien? Denkt nicht [dar]an. China wäre viel leichter;
auch plant die russische Regierung etwas der Art. "Sie strebt auf
offne Art, von ihm Mongolei und Mandschurei wegzunehmen" ; eines
schönen Tags werden wir hören, daß das russische Heer Sieg auf
der Westgrenze (!) Chinas... Die Chinesen fühlen sich beengt in-
nerhalb ihres Landes, zu volkreich; daher Auswandrung nach Au-
stralien, Kalifornien; andre Massen können sich nach Norden und
Nordwesten bewegen. Und dann in einem Augenwink wird Sibirien,
der ganze Kreis, der sich erstreckt von der Tartarischen Meerenge
bis zum Uralgebirg und Kaspischen Meer, aufhören russisch zu
sein. In dieser riesenhaften Region, 12 200 000 Quadratkilometer,
mehr als 20 × Umfang von Frankreich (528 600 Quadratkilometer)
jetzt nur 6 Mill. Einwohner, davon nur about 1*) 2 600 000 rus-
sisch, alle andren Eingeborne, tartarischer oder finnischer
Rasse, und die Armeegröße ganz nichtig... Die Chinesen werden
noch über den Ural, bis an die Wolga kommen... Die Bevölkrungszu-
nahme macht den Chinesen fast unmöglich ihre verlängerte Existenz
innerhalb der Grenzen Chinas. Im Innern Chinas energische kriege-
rische Leute, aufgewachsen in beständigem Bürgerkrieg, wo 10 und
hundert Tausende auf einmal kaputtgemacht... In der letzten Zeit
mit europäischen Waffen und Disziplin bekannt geworden, kurz mit
der (staatlichen) Zivilisation Europas. Dabei große Barbarei;
kein Freiheitsinstinkt oder menschlicher. Es vereinigen sich
jetzt Banden von ihnen unter dem Einfluß einer Menge militäri-
scher Abenteurer, amerikanischer und europäischer, die seit dem
letzten französisch-englischen Krieg (1860) den Weg nach China
gefunden; dies große Gefahr von östlicher Seite... Mit dieser Ge-
fahr spielt unsre russische Obrigkeit, einfältig wie ein Kind...
Will Grenzen erweitern; und Rußland bis zu diesem Augenblick
nicht imstande, und wird es auch nie sein, zu bevölkern den neu-
erworbnen Amurkreis, wo auf 2 100 000 [Quadrat]kilometer, fast
4 x größer als Frankreich, mit Armee und Flotte nur 65 000 Ein-
wohner; dabei das Elend des russischen Volks, daß es zum allge-
meinen (Aufstand) getrieben [wird] ; hofft die russische Regie-
rung, ihre Macht über den ganzen asiatischen Osten auszudehnen.
Sie müßte Europa ganz den Rücken wenden, wie es Bism[arc]k auch
will, ganze Armee nach Sibirien und Zentralasien wenden und als
Tamerlan Osten erobern; aber dem Tamerlan folgte sein Volk, der
russischen Regierung nicht... Was Indien angeht, so können die
Russen nicht gegen England sich desselben bemächtigen... "Aber
wenn wir Indien nicht erobern können, können wir dort auflösen
oder wenigstens stark erschüttern die englische Herrschaft, ein-
heimische (Aufstände) gegen es ins Leben rufen, ihnen helfen, sie
aufrechthalten, wenn es nötig auch durch kriegerische Einmi-
schung." Wird uns ungeheuer viel Leute und Geld kosten...
Wozu?... "Um die Engländer ohne jeden Nutzen zu beunruhigen?
(Nein), weil die Engländer uns hinderlich sind. Wo hindern sie
uns? In Konstantinopel. Solange die Engländer ihre Macht er-
halten, werden sie nie und für nichts in der Welt zustimmen, daß
Konstantinopel in
-----
1*) etwa
#623# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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unsren Händen neue Hauptstadt würde nicht nur des allrussischen,
sondern auch des slawischen und östlichen Reichs. Darum führt die
russische Regierung den Krieg in Chiwa; daher seit altem ihr
Streben, sich Indien zu nähern. Sie sucht Punkt, wo sie England
beschädigen kann, und keinen andren findend, bedroht sie es in
Indien. So sucht sie England mit dem Gedanken auszusöhnen, daß
Konstantinopel russische Stadt werden muß"... Obergewalt im Bal-
tischen Meer unabwendlich verloren... Das Russische Reich, aufge-
baut auf Bajonett und Knute, allen Volksmassen verhaßt, mit Ein-
schluß der slawischen, zu beginnen mit dem großrussischen Volk,
demoralisiert, desorganisiert etc.. kann nicht kämpfen gegen das
neuerstandne Deutsche Reich. Also "notwendig, aufs Baltische Meer
zu verzichten und den Moment abzuwarten, wo das ganze baltische
(Gebiet) deutsche Provinz geworden. Verhindern kann das nur (eine
Volksrevolution). Aber solche Revolution für den (Staat) der Tod,
und nicht in ihr wird unsre Regierung sich Rettung suchen".
(Dieser letzte Satz S. 160.) Für sie bleibt keine andre Rettung
als im Bündnis mit Deutschland. Ostsee entsagend, muß sie im
Schwarzen Meer Entschädigung suchen, selbst für ihre politische
Existenz, und kann das nur mit deutscher Hülfe. "Die Deutschen
haben sich verpflichtet zur Hilfe. Wir sind überzeugt, formeller
Vertrag geschlossen zwischen Bism[arck] und Gortsch[akow]. Natür-
lich Deutsche denken nicht an Erfüllung. Sie können der Willkür
Rußlands nicht die Donaumündung und ihren Donauhandel anheimstel-
len; großes panslawisches Reich im Süden Europas zu errichten,
wäre selbstmörderisch von Seiten des pangermanischen Reichs. Aber
lenken und stoßen die russischen Heere nach Zentralasien, nach
Chiwa unter dem Vorwand, das sei der direkteste Weg nach Konstan-
tinopel, das ist ein andres Ding. Gortschakow und Alexander II.
geprellt von Bismarck wie weiland Nap[oleon] III. Aber geschehn,
nichts dran zu ändern. Unmöglich den russischen schwachen Kräften
(??????? ?????) umzustoßen das neue germanische Reich; das kann
nur die Revolution, und solange diese nicht siegreich in Rußland
oder Europa, wird siegen und alle überwältigen das (staatliche)
Deutschland, und die russische Regierung, wie auch alle kontinen-
talen Regierungen in Europa, werden bestehn nun nur mit seiner
Erlaubnis und (Gnade)".....Die Deutschen mehr als je zuvor sind
unsre Herren geworden, und nicht umsonst feierten alle Deutschen
in Rußland so glühend und geräuschvoll die Siege der germanischen
Heere über Frankreich; nicht umsonst empfingen alle Petersburger
Deutschen so triumphierend den neuen pangermanischen Kaiser." "In
gegenwärtiger Zeit, auf dem ganzen Kontinent Europas blieb nur
ein wahrhaft selbständiger (Staat) - dieses Deutschland... Der
Hauptgrund der (Instinkt der Öffentlichkeit), der den charakteri-
stischsten Zug des deutschen Volks bildet. Instinkt einerseits,
blinden Gehorsams vor den Stärkern, rücksichtsloser Unterdrückung
der Schwächern" (S. 151-163).
Folgt nun Übersicht der Geschichte Deutschlands der neuesten Zeit
(seit 1815 besonders) zum Beweis ihres 1*) Knechtssinns und
Unterdrückungssinns...
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1*) der Deutschen
#624# Karl Marx
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Von letztrem besonders die Slawen zu leiden, deren "historische
Bestimmung", wenigstens im Norden und Osten, nach ihrer eignen
Auffassung, Ausrottung, Versklavung und "gewaltsame Ver-
deutschung" der slawischen Stämme. "Diese lange und (traurige)
Geschichte, deren Andenken tief bewahrt in allen slawischen Her-
zen und zweifellos widerschallen wird im letzten unvermeidlichen
Kampf gegen die Deutschen, wenn die soziale Revolution sie nicht
vorher besänftigt" (S. 164).
Folgt nun Geschichte des deutschen Patriotismus seit 1815. (Sein
Material aus Prof. Müllers Geschichte von 1815-1866.)
"Der politische Bestand des preußischen Königreichs (1807) nur
geschont dank den Bitten Alexanders] I." (S. 168-169).
Fichtes Reden an die deutsche Nation: (Aber die heutigen Deut-
schen haben unter Beibehaltung der ganzen Ungeheuerlichkeit der
Ansprüche ihres patriotischen Philosophen auf seinen Humanismus
verzichtet... Ihnen ist geläufiger der Patriotismus des Fürsten
Bismarck oder des Herrn Marx) (S. 171).
Nach Napoleons Flucht (sagt B.) aus Rußland "Friedrich Wilhelm
III. mit Tränen (der Rührung und Dankbarkeit) umarmte in Berlin
seinen Retter, den allrussischen Kaiser" (l.c.).
"Es blieb daher Östreich nur eins übrig, nicht zu ersticken
Deutschland" dadurch, daß es mit allen seinen Besitzungen in
Deutschen Bund trat, wie es ursprünglich wollte, "aber gleichzei-
tig auch Preußen nicht zu erlauben, sich an die Spitze des Deut-
schen Bundes zu stellen. Diese Politik befolgend, konnte es rech-
nen auf die tatsächliche Hilfe Frankreichs und Rußlands. Die Po-
litik Rußlands bis zur letzten Zeit, d.h. bis zum Krimkrieg, be-
stand namentlich in der systematischen Aufrechterhaltung der
wechselseitigen Rivalität zwischen östreich und Preußen, so daß
keins der beiden das Übergewicht über das andre erhalte, und zur
selben Zeit in Erweckung von Mißtrauen und Angst in den kleinern
und mittlern Fürstentümern Deutschlands und in ihrem Schutz gegen
Östreich und Preußen" (S. 183). Preußens Einfluß hauptsächlich
moralisch, viel von ihm erwartet (nach 1815). Wichtig daher für
Metternich, daß es keine Konstitution (versprochne) gebe, sich
mit östreich an die Spitze der Reaktion stelle. - In diesen Be-
strebungen fand er glühendste (Unterstützung) in Frankreich, ge-
lenkt von den Bourbonen, und im Kaiser Alexander, dirigiert durch
(Araktschejew)" (S. 184).
"Die Deutschen bedürfen der Freiheit nicht. Das Leben ist für sie
einfach undenkbar ohne Obrigkeit, das heißt ohne obersten Willen,
obersten Gedanken und eiserne Hand, (die sie antreibt). Je stär-
ker diese Hand, desto stolzer sind sie und desto angenehmer ist
ihnen das Leben" (S. 192).
1830-1840. Blinde Nachahmung der Franzosen. "Die Deutschen hören
auf, Gallier zu fressen, aber dafür wenden sie allen ihren Haß
gegen Rußland" (S. 198). "Alles hing ab vom Ausgang der pol-
nischen Revolution. Wenn sie siegreich, die preußische Monarchie,
losgerissen (losgetrennt) von ihrer nordöstlichen Stütze und ge-
zwungen", wenn nicht alle, so beträchtlichen Teil [ihrer] pol-
nischen Besitzungen aufzugeben, "wäre gezwungen gewesen, neuen
Stützpunkt zu suchen in Deutschland selbst, und da es das
#625# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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damals nicht konnte auf dem Weg der Eroberung, ... so liberaler
Reformen" (S. 199). Nach der Niederlage der Polen Friedrich Wil-
helm III., der seinem Schwiegersohn, Kaiser Nikolaus, so bedeu-
tende Dienste geleistet, "warf die Maske ab" und verfolgte die
pangermanischen Patrioten heftiger als früher (S. 200).
"In der Überzeugung, daß die Volksmassen tragen in ihren mehr
oder minder durch die Geschichte entwickelten Instinkten, in ih-
ren täglichen Bedürfnissen und in ihren bewußten oder unbewußten
Bestrebungen alle Elemente ihrer normalen zukünftigen Organisa-
tion, suchen wir jenes Ideal (die gesellschaftliche Organisation)
im Volk selbst, und da jede (staatliche) Gewalt, jede Obrigkeit,
durch ihr Wesen und ihre Lage außerhalb des Volks gestellt, über
ihm, muß sie unvermeidlich danach streben, es unterzuordnen ihm
fremden Ordnungen und Zielen, darum erklären wir uns Feinde jeder
obrigkeitlichen, (staatlichen) Gewalt, Feinde der (staatlichen)
Organisation im allgemeinen, und glauben, daß das Volk nur dann
glücklich sein kann, frei, wenn es sich organisierend (von unten
nach oben), auf dem Weg selbständiger und durchaus freier Verei-
nigungen (??????????) und (frei von) jeder offiziellen Bevormun-
dung, (aber nicht frei von verschiedenen und zugleich freien Ein-
flüssen von Personen und Parteien selbst sein Leben gestalten
wird)" (S. 213). Dies die "Überzeugungen der sozialen Revolution,
und deshalb nennt man uns Anarchisten" (S. 213). "Die Idealisten
jeder Art, Metaphysiker, Positivisten, Verteidiger des Vorherr-
schens der Wissenschaft über das Leben, doktrinäre Revolutionäre,
alle zusammen, mit gleichem Eifer (?????), obgleich mit ver-
schiednen Argumenten, schützen (??????????) die Idee des
(Staates) und der (staatlichen) Gewalt, erblickend darin, sehr
logisch in ihrer Art, die einzige Rettung der Gesellschaft. Sehr
logisch deswegen, weil, nehmend an als Grundlage die (These), daß
der Gedanke vorhergeht dem Leben, die abstrakte Theorie der
gesellschaftlichen Praxis, und daß daher die soziologische Wis-
senschaft der Ausgangspunkt sein maß für die gesellschaftlichen
Umwälzungen und Umgestaltungen, kommen sie notwendig zum Schluß,
daß, da der Gedanke, die Theorie, die Wissenschaft, zum allermin-
desten in unsrer Zeit, überall nicht vielen zugänglich ist, darum
die wenigen das gesellschaftliche Leben leiten und nicht nur die
Aufwecker, sondern auch die Leiter aller Volksbewegungen sein
müssen, und daß am andern Tag der Revolution neue gesellschaftli-
che Organisation gegründet werden muß nicht durch freie Vereini-
gung volkstümlicher Organisationen, Gemeinden, (Amtsbezirke, Ge-
biete von unten nach oben), entsprechend den volkstümlichen Be-
dürfnissen und Instinkten, sondern nur durch die diktatorische
Gewalt jener gelehrten Minorität, wenn auch gewählt durch (den
Willen des gesamten Volkes)" (S. 214).
Daher die "doktrinären Revolutionäre" nie Feinde des (Staates),
sondern nur der bestehenden Regierungen, deren Platz sie als Dik-
tatoren einnehmen wollen (S. 215).
"Und dies so richtig, daß in dieser Zeit, wo in ganz Europa die
Reaktion siegt, wo alle Regierungen etc. sich vorbereiten unter
Vorstand des Grafen Bismarck auf verzweifelten Kampf gegen die
soziale Revolution; gegenwärtig, wo, schien es, alle aufrichtigen
Revolutionäre sich vereinen müßten, um Widerstand zu leisten wi-
der den verzweifelten Angriff der internationalen Reaktion, wir
sehn, im Gegenteil, daß die doktrinären Revolutionäre unter Füh-
rung des Herrn Marx überall die Seite der (Staatlichkeit)
#626# Karl Marx
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und (der Staatsanbeter) nehmen gegen (die Volksrevolution)" (S.
216). In Frankreich standen sie auf Seite des (staatlichen) repu-
blikanisch-reaktionären Gambetta gegen die revolutionäre Ligue du
Midi 1*), die nur allein Frankreich retten konnte sowohl von
deutscher Unterjochung und der noch viel gefährlichem und jetzt
siegreichen Koalition der Klerikalen, Legitimisten, Bonaparti-
sten, Orleanisten; in Spanien nahmen sie offen die Seite von Ca-
stelar, Pí y Margall und der Madrider Konstituante; endlich in
Deutschland und im Umkreis von Deutschland, in Östreich, Schweiz,
Holland, Dänemark dienen sie dem Graf Bismarck, auf den sie, nach
ihrem eignen Geständnis, als einen sehr nützlichen revolutionären
(Staatsmann) blicken, helfend ihm die Pangermanisierung aller
dieser Länder" (S. 216, 217).
(Feuerbach war noch Metaphysiker: "mußte Platz machen seinen
(rechtmäßigen) Nachfolgern, den Vorstehern der Schule der Mate-
rialisten oder Realisten, wovon großer Teil im übrigen, z.B. die
Herren Büchner, Marx und andre", sich noch nicht befreit "vom
Vorwalten des metaphysischen abstrakten Gedankens".) (S. 207.)
"Aber der Hauptpropagandist des Sozialismus in Germanien, erst
geheim und bald darauf öffentlich, war Karl Marx. Herr Marx
spielte und spielt zu wichtige Rolle in der sozialistischen Bewe-
gung des deutschen Proletariats, als daß es möglich wäre vorüber-
zugehn diese bemerkenswerte Persönlichkeit, ohne versucht zu ha-
ben, sie mit einigen wahren Zügen zu zeichnen. Seiner Abkunft
nach Herr Marx Hebräer. Er vereinigten sich, man kann es sagen,
alle Eigenschaften und alle Mängel dieses begabten Stamms. Nervös
(????????), wie einige sagen, bis zur Feigheit, ist er außeror-
dentlich ehrgeizig und eitel, zanksüchtig, intolerant und absolut
wie Jehova, der Herrgott seiner Vorfahren und, wie er, rachsüch-
tig bis zum Wahnwitz. Es gibt keine Lüge, Verleumdung, die er
nicht fähig wäre zu ersinnen gegen jeden, der das Unglück hatte,
zu erwecken seine Eifersucht oder, was ganz dasselbe, seinen Haß.
Und er bleibt vor keiner noch so (niederträchtigen) Intrige ste-
hen, wenn nur, nach seiner Meinung, die im übrigen meist irrig,
diese Intrige dienen kann zur Verstärkung seiner Position, seines
Einflusses oder seiner Gewalt. In dieser Beziehung ist er ein
durchaus politischer (Mensch). Dies sind seine negativen Eigen-
schaften. Aber auch positive sind in ihm sehr viel. Er ist sehr
(klug) und außerordentlich vielseitig - (gelehrt). Doktor der
Philosophie, war er bereits in Köln um 1840, man kann es sagen,
die Seele und das Zentrum eines sehr bedeutenden Kreises leiten-
der Hegelianer, mit welchen er anfing herauszugeben ein Oppositi-
onsjournal, bald unterdrückt auf ministeriellen Befehl. Zu diesem
Kreis gehörten die Brüder Bruno Bauer und Edgar Bauer, Marx,
Stirner und darauf in Berlin der erste Zirkel deutscher Nihili-
sten, die in ihrer zynischen Konsequenz bei weitem die eifrigsten
Nihilisten Rußlands übertrafen. 1843 oder 1844 siedelte Marx über
nach Paris. Da traf er zuerst zusammen mit Gesellschaft französi-
scher und deutscher Kommunisten und seinem Kompatrioten, dem
deutschen Hebräer Herrn Moritz 2*) Heß, der vor ihm ein gelehrter
Ökonom und Sozialist war und zu jener Zeit bedeutenden Einfluß
auf die wissenschaftliche Entwicklung des Herrn Marx hatte. Sel-
ten kann man einen Menschen finden, der so viel (wußte) und las
und (so klug) las, wie Herr Marx.
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1*) Liga des Südens - 2*) so bei Bakunin; richtig: Moses
#627# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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Ausschließlicher Gegenstand seiner Beschäftigung war bereits in
jener Zeit die ökonomische Wissenschaft. Mit besondrem Eifer stu-
dierte er die englischen Ökonomen, die alle andren übertreffen
durch die Positivität (der Erkenntnisse) und praktische Geistes-
richtung, genährt durch die englischen ökonomischen Tatsachen und
durch strenge Kritik und ehrliche Kühnheit der Konsequenzen. Aber
zu all diesem fügte Herr Marx noch zwei neue Elemente hinzu: die
abstrakteste Dialektik, (die wunderlich spitzfindigste), die er
in Hegels Schule erworben hatte und die er nicht selten (bis zur
Unartigkeit, bis zum Laster führte), und den Standpunkt der kom-
munistischen Richtung. Herr Marx las, es versteht sich, alle
französischen Sozialisten von St. Simon zu Proudhon einschließ-
lich, und den letztren, wie bekannt, haßt er, und kein Zweifel,
daß in der schonungslosen Kritik, die er gegen Proudhon richtete,
viel Wahres: Proudhon, trotz all seines Strebens, sich auf den
Boden der Realität zu stellen, bleibt Idealist und Metaphysiker.
Der Standpunkt - die abstrakte Idee des Rechts; von dem Recht
geht er zum ökonomischen fact, aber Herr Marx, im Gegensatz zu
ihm sprach aus und bewies die unzweifelhafte Wahrheit, gestützt
auf die ganze vergangne und gegenwärtige Geschichte der menschli-
chen Gesellschaft, der Völker und der Staaten, daß das ökonomi-
sche fact überall vorherging und vorhergeht dem juristischen und
politischen Recht. In der (Darlegung) und Nachweis dieser Wahr-
heit besteht namentlich eins der größten wissenschaftlichen Ver-
dienste des Herrn Marx. Aber was vor allem merkwürdig und was
Herr Marx niemals eingestanden hat, dies, daß in politischer Be-
ziehung Herr Marx direkter Schüler des Herrn Louis Blanc. Herr
Marx ist unvergleichlich (klüger) und unvergleichlich gelehrter
als dieser (kleine erfolglose) Revolutionär und Staatsmann: aber
als Deutscher, trotz (seines achtbaren Wuchses), fiel er in die
Lehre bei dem zwerghaften Franzosen. Übrigens erklärt sich diese
Sonderbarkeit einfach: der rhetorische Franzos, als Bourgeoispo-
litiker und erklärter Anhänger Robespierres, und der gelehrte
Deutsche in seiner dreifachen Eigenschaft als Hegelianer, Hebräer
und Deutscher, beide verzweifelt (Staatsanbeter) und beide predi-
gen (Staats)-Kommunismus, nur mit dem Unterschied, daß der eine
statt mit Argumenten, sich mit rhetorischen Deklamationen be-
gnügt, und der andre, wie es geziemt einem gelehrten und painsta-
king 1*) Deutschen, dasselbe ihm gleich liebe Prinzip stützt
durch alle Kunststücke der hegelschen Dialektik und allen Reich-
tum seiner vielseitigen Kenntnisse. Um 1845 stand Herr Marx an
der Spitze der deutschen Kommunisten, und darauf, zusammen mit
Herrn Engels, seinem unveränderlichen (???????????) Freund,
ebenso (klug), obgleich weniger gelehrt, aber dafür viel prakti-
scher und nicht weniger fähig zur politischen Verleumdung, Lüge
und Intrige, stiftete er eine geheime Gesellschaft deutscher Kom-
munisten oder (Staats)-Sozialisten. Ihr Zentralkomitee, dessen
Haupt er zusammen mit Herrn Engels war - es versteht sich -,
wurde bei Verjagung beider aus Paris 1846 nach Brüssel verlegt,
wo es bis 1848 blieb. Übrigens bis zu diesem Jahr blieb ihre Pro-
paganda, obgleich sich nicht wenig in ganz Deutschland verbrei-
tend, geheim (und kam daher nicht ans Tageslicht)" (S. 221-225).
Zu der Zeit (der Revolution von 1848) das städtische Proletariat
in Deutschland,
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1*) sorgfältigen
#628# Karl Marx
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wenigstens seine ungeheure Majorität, noch außerhalb des Einflus-
ses der Propaganda von Marx und außer der Organisation seiner
kommunistischen Partei. Sie hauptsächlich verbreitet in den indu-
striellen Städten von Rheinpreußen, besonders in Köln; Zweige in
Berlin, Breslau und (zu guter Letzt) in Wien, aber sehr schwache.
Instinktiv das deutsche Proletariat natürlich sozialistische Be-
strebungen, aber keine bewußten Forderungen der sozialen Umwäl-
zung 1848/49, obgleich das "Kommunistische Manifest" schon März
1848 publiziert. Es ging am deutschen Volk fast spurlos vorüber.
Das städtische revolutionäre Proletariat, noch direkt unter dem
Einfluß der politischen radikalen Partei oder höchstens der Demo-
kratie (S. 230). Damals war in Deutschland noch ein Element, das
heut nicht mehr dort existiert, revolutionäre Bauernschaft oder
mindestens bereit, es zu werden... sie damals bereit zu allem,
selbst zu (allgemeinem Aufstand). 1848 wie 1830 fürchteten die
deutschen Liberalen und Radikalen nichts mehr, als solchen
(Aufstand); ihn lieben auch nicht die Sozialisten von Marx'
Schule. Allen bekannt, daß Ferd. Lassalle, der, nach eignem Ge-
ständnis, war direkter Schüler jenes höchsten Führers der kommu-
nistischen Partei in Deutschland, was indes den Lehrer nicht ver-
hinderte, nach dem Tod Lassalles zu äußern eifersüchtige und nei-
dische (mißgünstige - ???????????) Unzufriedenheit gegen den
glänzenden Schüler, lassend hinter sich bei weitem in praktischer
Beziehung den Lehrer; allen bekannt..., daß Lassalle mehrmals den
Gedanken aussprach, daß die Niederlage des Bauernaufstands im 16.
Jahrhundert und die darauf folgende Kräftigung und Blüte des bü-
rokratischen (Staats) in Deutschland wahrer Sieg für die Revolu-
tion waren. Für die kommunistischen oder sozialistischen Demokra-
ten Deutschlands ist die Bauernschaft, jede Bauernschaft, Reak-
tion; und der (Staat), jeder (Staat), selbst der Bismarcksche,
Revolution. Man soll nur nicht glauben, daß wir sie verleumden.
Zum Beweis dessen, daß sie in der Tat so denken, werden wir zei-
gen auf ihre Reden, Broschüren, journalistischen statements 1*)
und endlich auf ihre Briefe - all das wird zu seiner Zeit dem
russischen Publikum ????????????? (zugestellt) werden. Im übrigen
können die Marxisten auch nichtanders denken; (Staatsanbeter) um
jeden Preis, müssen sie verfluchen jede volkstümliche Revolution,
namentlich bäuerliche, ihrer Natur nach bäuerlich 2*) und direkt
gerichtet auf Vernichtung des (Staats). Als alles verschlingen-
dePangermanisten müssen sie Bauernrevolution schon darum verwer-
fen, weil sie spezifisch slawische Revolution (S. 230-232).
"Nicht nur 1848, sondern auch gegenwärtig, unterwerfen sich die
deutschen Arbeiter blind ihren Führern, während die Führer, die
Organisateure der sozialdemokratischen deutschen Partei, sie we-
der zur Freiheit noch zur internationalen Brüderschaft führen,
sondern unter das Joch des pangermanistischen (Staats)" (S. 254).
Bakunin erzählt, wie Friedrich Wilhelm IV. sich vor Nikolaus
fürchtet (Antwort an die polnische Deputation, März 1848, und Ol-
mütz, November 1850) (S. 254-257).
1849-1858: Deutscher Bund gar nicht mehr berücksichtigt von den
andern Großmächten. "Preußen War mehr als je Sklave Rußlands...
Die Hingabe an die Interessen des
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1*) Darlegungen - 2*) bei Bakunin: anarchisch
#629# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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Petersburger Hofs ging so weit, daß der preußische Kriegsminister
und der preußische Gesandte am englischen Hof, Freund des Königs,
beide entlassen wurden wegen Ausdruck von Sympathie für die West-
mächte." Nikolaus wütend über Schwarzenbergs und Östreichs Un-
dank, Östreich, wegen seiner Interessen im Osten natürlicher
Feind Rußlands, nahm offen Seite Englands und Frankreichs gegen
es. "Preußen zur großen Entrüstung ganz Deutschlands blieb (treu
bis ans Ende)" (S. 259). "Manteuffel wurde erster Minister Novem-
ber 1850, um zu unterschreiben alle Bedingungen der Olmützer Kon-
ferenz, äußerst erniedrigend für Preußen, und um schließlich es
und ganz Deutschland der Hegemonie Östreichs zu unterwerfen. Sol-
ches war der Wille von Nikolaus.... solches auch die Strebungen
des größten Teils der preußischen Junkerschaft oder Adels, nicht
wollend auch nur hören von Verschmelzung Preußens mit Deutschland
und ergeben den östreichischen (?) und allrussischen Kaisern
selbst mehr als ihrem eignen König" (S. 261).
Es bildete sich in jener Zeit (1866 seqq.) die sogenannte Volks-
partei. Zentrum Stuttgart. Eine Gruppe, wollend Bund mit der re-
publikanischen Schweiz, waren die Hauptstifter der Ligue, de la
Paix et de la Liberté [19] (S. 271).
"Lassalle bildete vorzugsweis politische Partei deutscher Arbei-
ter, organisierte sie hierarchisch, unterwarf sie strenger Diszi-
plin und seiner Diktatur, mit einem Wort, er tat das, was Herr
Marx in den folgenden 3 Jahren in der Internationalen tun wollte.
Der Versuch von Marx scheiterte, aber der von Lassalle hatte
vollständigen Erfolg" (S. 275).
"Erste Tat des volkstümlichen (Staats)" (nach Lassalle) "wird
sein, Eröffnung unbegrenzten Kredits für die Produktions- und
Konsumtions-Assoziationen der Arbeiter, welche nur dann imstande
sein werden, mit dem bürgerlichen Kapital zu kämpfen und in nicht
ferner Zeit es zu besiegen und zu verschlingen. Wenn der Prozeß
des Verschlingens vollendet ist, dann beginnt die Periode der ra-
dikalen Umwandlung der Gesellschaft. Solches das Programm Lassal-
les, solches auch das Programm der sozialdemokratischen Partei.
Eigentlich gehört es nicht dem Lassalle, sondern Marx, der es
vollständig (ausgesprochen hat) im bekannten 'Manifest der Kommu-
nistischen Partei', veröffentlicht von ihm und Engels 1848.
(Unmißverständliche Andeutung) findet sich darauf selbst im er-
sten
'Manifest der Internationalen Assoziation', geschrieben von Marx
1864, in den Worten: 'die erste Pflicht der Arbeiterklassen' etc.
oder wie es im 'Kommunistischen Manifest heißt: 'der erste
Schritt in der Revolution' etc. und endend mit: alle Produktions-
mittel konzentrieren 'in den Händen (des Staats)', d.h. des Pro-
letariats, (das als herrschende Klasse 1*) organisiert)" (S. 275,
276). "Aber ist es nicht (klar), daß Lassalles Programm in nichts
sich unterscheidet vom Programm von Marx, den er als seinen Leh-
rer anerkannte. In der Broschüre gegen Schulze-Delitzsch, Las-
salle... nachdem er auseinandergesetzt seine Grundbegriffe über
die sozialpolitische Entwicklung der neuesten Gesellschaft, sagt
er direkt, daß diese Ideen selbst und auch die Terminologie nicht
ihm gehören, sondern dem Herrn Marx... Um so (seltsamer) scheint
der Protest des Herrn Marx, gedruckt nach dem Tod Lassalles in
der Vorrede
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1*) Bei Bakunin: ???????? - Stand
#630# Karl Marx
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zur Schrift über das 'Kapital'. Marx beklagt sich bitter, daß ihn
Lassalle bestohlen hat, indem er sich seine Ideen angeeignet
habe. Der Protest sehr (seltsam) von Seiten eines Kommunisten,
der das kollektive Eigentum predigt und nicht begreift, daß die
Idee, einmal ausgesprochen, aufhört, Eigentum einer Person zu
sein. Andre Sache, wenn Lassalle abgeschrieben hätte (eine oder
einige Seiten)..." (S. 276). "Im Gegensatz zu seinem Lehrer Marx,
welcher stark in der Theorie, in der hinter den Kulissen oder un-
terirdischen Intrige und dagegen jede Bedeutung oder Kraft auf
der öffentlichen Bühne verliert, war Lassalle von der Natur ge-
macht zu offnem Kampf auf praktischem Feld" (S. 277). "Die ganze
liberale und demokratische Bourgeoisie haßte ihn tief; die
(Gesinnungsgenossen), Sozialisten, Marxisten und Marx selbst,
konzentrierten auf ihn alle Kraft nicht wohlwollenden Neids
(???????). Ja, sie haßten ihn so tief wie die Bourgeoisie; so-
lange er lebte, wagten sie nicht, ihren Haß auszusprechen, weil
er für sie zu stark war" (S. 277, 278).
"Wir haben bereits unsren tiefen Widerwillen gegen die Theorie
von Lassalle und Marx ausgesprochen, [die] empfehlend den Arbei-
tern, wenn nicht als letztes Ideal, so zum mindesten als nächstes
Hauptziel - die Gründung eines Volksstaats (?????????
??????????), der, nach ihrem Ausdruck, nichts andres sein wird
als 'das Proletariat, (das als herrschende Klasse organisiert)'.
Fragt sich, wenn das Proletariat die herrschende Klasse sein
wird, dann über wen wird es herrschen? Das bedeutet (das meint -
??????), es wird noch ein andres Proletariat übrigbleiben, wel-
ches Untertan sein wird dieser neuen Herrschaft, diesem neuen
Staat (????????????)."
Das meint, solange die andren Klassen, speziell die kapitalisti-
sche noch existiert, solange das Proletariat mit ihr kämpft (denn
mit seiner Regierungsmacht sind seine Feinde und ist die alte Or-
ganisation der Gesellschaft noch nicht verschwunden), muß es ge-
waltsame Mittel anwenden, daher Regierungsmittel; ist es selbst
noch Klasse, und sind die ökonomischen Bedingungen, worauf der
Klassenkampf beruht und die Existenz der Klassen, noch nicht ver-
schwunden und müssen gewaltsam aus dem Weg geräumt oder umgewan-
delt werden, ihr Umwandlungsprozeß gewaltsam beschleunigt werden.
"Z. B. die ???????????? ?????, das gemeine Bauernvolk, der Bau-
ernpöbel, der sich bekanntermaßen des Wohlwollens der Marxisten
[nicht erfreut], und der, befindend sich auf der untersten Stufe
der Kultur, wird wahrscheinlich regiert werden durch das städti-
sche und Fabrikproletariat."
D.h., wo der Bauer massenweise als Privateigentümer existiert, wo
er sogar eine mehr oder minder beträchtliche Majorität bildet,
wie in allen Staaten des westeuropäischen Kontinents, wo er nicht
verschwunden und durch Agrikultur-Taglöhner ersetzt ist, wie in
England, treten folgende Fälle ein: entweder er verhindert, macht
scheitern jede Arbeiterrevolution, wie er das bisher in
Frankreich getan hat; oder das Proletariat (denn der besitzende
Bauer gehört nicht zum Proletariat, und da, wo er selbst seiner
Lage
#631#
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Eine Seite aus Marx' Konspekt von Bakunins Buch
Staatlichkeit und Anarchie"
#632#
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#633# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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nach dazu gehört, glaubt er, nicht dazu zu gehören) muß als Re-
gierung Maßregeln ergreifen, wodurch der Bauer seine Lage unmit-
telbar verbessert findet, die ihn also für die Revolution gewin-
nen; Maßregeln, die aber im Keim den Übergang aus dem Privatei-
gentum am Boden in Kollektiveigentum erleichtern, so daß der
Bauer von selbst ökonomisch dazu kommt; es darf aber nicht den
Bauer vor den Kopf stoßen, indem es z.B. die Abschaffung des Er-
brechts proklamiert oder die Abschaffung seines Eigentums; letzt
res nur möglich, wo der kapitalistische Pächter die Bauern ver-
drängt hat und der wirkliche Landbebauer ebensogut Proletarier,
Lohnarbeiter ist wie der städtische Arbeiter, also genau mit ihm
dieselben Interessen unmittelbar hat, nicht mittelbar; noch weni-
ger darf das Parzelleneigentum dadurch gekräftigt werden, daß die
Parzelle vergrößert wird, einfach durch Annexation der größern
Güter an die Bauern, wie im Bakuninschen Revolutionsfeldzug.
"Oder, wenn man diese Frage vom nationalen Standpunkt betrachtet,
dann, unterstellen wir, werden für die Deutschen die Slawen aus
demselben Grund zum siegreichen deutschen Proletariat in dersel-
ben sklavischen Abhängigkeit stehn, worin das letztre sich befin-
det zu seiner Bourgeoisie" (S. 278).
Schülerhafte Eselei! Eine radikale soziale Revolution ist an ge-
wisse historische Bedingungen der ökonomischen Entwicklung ge-
knüpft; letztre sind ihre Voraussetzung. Sie ist also nur mög-
lich, wo mit der kapitalistischen Produktion das industrielle
Proletariat wenigstens eine bedeutende Stellung in der Volksmasse
einnimmt. Und damit es irgendeine Chance zum Sieg habe, muß es
wenigstens fähig sein, soviel unmittelbar mutatis mutandis für
die Bauern zu tun, als die französische Bourgeoisie in ihrer Re-
volution für die damaligen französischen Bauern tat. Schöne Idee,
daß der Arbeit Herrschaft einschließt Unterdrückung der ländli-
chen Arbeit! Aber hier kommt der innerste Gedanke des Herrn Bak.
heraus. Er versteht absolut nichts von sozialer Revolution, nur
die politischen Phrasen davon; die ökonomischen Bedingungen der-
selben existieren nicht für ihn. Da nun alle bisherigen ökonomi-
schen Formen, entwickelt oder unentwickelt, Knechtschaft des Ar-
beiters (sei es in der Form des Lohnarbeiters, Bauern etc.) ein-
schließen, so glaubt er, daß in allen gleichmäßig radikale Revo-
lution möglich. Aber noch mehr! Er will, daß die auf der ökonomi-
schen Basis der kapitalistischen Produktion gegründete europäi-
sche soziale Revolution auf dem Niveau der russischen oder slawi-
schen Agrikultur- und Hirtenvölker sich vollziehe, dies Niveau
nicht übertreffe, obgleich er einsieht, daß die Meerschiffahrt
Unterschied unter den Brüdern bildet, aber auch nur die Seeschif-
fahrt, weil d[ies] auch allen Politikern bekannter Unterschied!
Der
#634# Karl Marx
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Wille, nicht die ökonomischen Bedingungen, ist die Grundlage sei-
ner sozialen Revolution.
"Wenn Staat ist (???????????), dann ist unvermeidlich Herrschaft
(??????????), folglich auch (Sklaverei); Herrschaft ohne Sklave-
rei, verborgen oder maskiert, undenkbar - deswegen sind wir
Feinde des (Staats)" (S. 278).
"Was heißt das, das Proletariat, (das als herrschende Klasse or-
ganisiert)?"
D.h., daß das Proletariat, statt im einzelnen gegen die ökono-
misch privilegierten Klassen zu kämpfen, Stärke und Organisation
genug gewonnen hat, um allgemeine Zwangsmittel im Kampf gegen sie
anzuwenden; es kann aber nur ökonomische Mittel anwenden, die
seinen eignen Charakter als salariat 1*), daher als Klasse aufhe-
ben; mit seinem völligen Sieg ist daher auch seine Herrschaft zu
Ende, weil sein Klassencharakter [verschwunden].
"Wird vielleicht das ganze Proletariat an der Spitze der Regie-
rung stehn?"
Bildet z. B. bei einer Trade-Union die ganze Union ihr Exekutiv-
komitee? Wird alle Teilung der Arbeit in der Fabrik aufhören und
die verschiednen Funktionen, die daraus entspringen? Und bei der
Bakuninschen Bildung (von unten nach oben) werden alle (oben)
sein? Dann gibt es ja kein (unten). Werden alle Mitglieder der
Gemeine 2*) zugleich die gemeinschaftlichen Interessen des
(Gebiets) verwalten? Dann kein Unterschied von Gemeine und
(Gebiet).
"Die Deutschen zählen ungefähr 40 Millionen. Werden z.B. alle 40
Millionen Glieder der Regierung sein?"
Certainly! 3*) Da die Sache mit der Selbstregierung der Gemeine
anfängt.
"Das ganze Volk wird regieren, und es wird keine Regierten ge-
ben."
Wenn ein Mensch sich selbst beherrscht, beherrscht er sich nach
diesem Prinzip nicht; denn er ist doch er selbst und kein andrer.
"Dann wird es keine Regierung geben, keinen Staat, aber wenn
Staat sein wird, wird es auch Regierende und Sklaven geben" (S.
279).
D.h. bloß: wenn die Klassenherrschaft verschwunden, und es keinen
Staat im jetzigen politischen Sinne geben [wird].
"Dies Dilemma in der Theorie der Marxisten löst sich einfach. Un-
ter Volksregierung verstehn sie" (d.h. Bak.) "die Regierung des
Volkes vermittelst einer geringen Zahl von Vorstehern, auserwählt
(gewählt) durch das Volk."
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1*) Lohnarbeiter - 2*) Marx übersetzt hier und im folgenden
?????? mit "Gemeine" oder mit "Gemeinde" - 3*) Sicherlich!
#635# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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Asine! 1*) Dies demokratische Gekohl, politische Faselei! Die
Wahl - politische Form, die in der kleinsten russischen Kommune
und im Artel. Der Charakter der Wahl hängt nicht von diesem Namen
ab, sondern von der ökonomischen Grundlage, den ökonomischen Zu-
sammenhängen der Wähler; und sobald die Funktionen aufgehört ha-
ben, politisch zu sein, existiert 1. keine Regierungsfunktion; 2.
die Verteilung der allgemeinen Funktionen ist Geschäftssache ge-
worden, die keine Herrschaft gibt; 3. die Wahl hat nichts von
heutigem politischen Charakter.
"Das allgemeine Wahlrecht durch das ganze Volk" -
so ein Ding wie das ganze Volk im jetzigen Sinne Phantasma -
"von Volksrepräsentanten und (Beherrschern des Staats) - das ist
das letzte Wort der Marxisten, wie auch der demokratischen Schule
- Lüge, unter der sich verbirgt der Despotismus der regierenden
Minderheit, um soviel gefährlicher, als sie erscheint als Aus-
druck des sogenannten Volkswillens."
Auf Kollektiveigentum verschwindet der sogenannte Volkswillen, um
den wirklichen Willen des Kooperativs Platz zu machen.
"So Resultat: Lenkung der großen Mehrheit der Volksmasse durch
privilegierte Minorität. Aber diese Minderheit, sagen die Marxi-
sten,"
wo?
"wird aus Arbeitern bestehn. Ja, mit Erlaubnis, aus gewesnen Ar-
beitern, aber die, sobald sie nur Repräsentanten oder Regierer
des Volks geworden sind, aufhören Arbeiter zu sein" -
sowenig, wie ein Fabrikant heute dadurch aufhört Kapitalist zu
sein, daß er Gemeinderat wird -
"und sehn werden auf die ganze gemeine Arbeiterwelt von der Höhe
der (Staatlichkeit); sie werden nicht mehr das Volk vertreten,
sondern sich und ihre (Ansprüche) auf die Volksregierung. Wer
daran zweifeln kann, der durchaus nicht bekannt mit der Natur der
Menschen" (S. 279).
Wäre Herr Bakunin bekannt auch nur mit der Stellung eines Mana-
gers in einer Arbeiter-Kooperativ-Fabrik, alle seine herrschaft-
lichen Träume zum Teufel. Hätte sich fragen sollen: welche Form
können Verwaltungsfunktionen auf Grundlage dieses Arbeiterstaats,
wenn er es so nennen will, annehmen?
(S. 279) "Aber diese Auserwählten werden glühend überzeugte und
daher gelehrte Sozialisten sein. Das Wort 'gelehrter Sozialis-
mus'" -
nie gebraucht worden -,
"wissenschaftlicher Sozialismus" -
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1*) Esel!
#636# Karl Marx
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gebraucht worden nur im Gegensatz zum utopistischen Sozialismus,
der neue Hirngespinste dem Volk aufheften will, statt seine Wis-
senschaft auf der Erkenntnis der vom Volk selbst gemachten sozia-
len Bewegung zu beschränken; siehe meine Schrift gegen Proudhon
-,
"welches unaufhörlich angewandt wird in den Werken und Reden der
Lassalleaner und Marxisten, zeigen durch sich selbst, daß der
sog. Volksstaat nichts andres sein wird als die sehr despotische
Lenkung der Volksmassen durch neue und sehr wenig zahlreiche Ari-
stokratie wirklicher oder angeblicher Gelehrten. Das Volk ist
nicht wissenschaftlich, das bedeutet, es wird ganz und gar be-
freit werden von der Sorge der Regierung, es wird ganz und gar
eingeschlossen werden im regierten Stall. Schöne Befreiung!" (S.
279, 280.)
"Die Marxisten fühlen diesen (!) Widerspruch und, erkennend, daß
die Regierung der Gelehrten" (quelle rêverie! 1*)) "die drückend-
ste, verhaßteste, verächtlichste der Welt, trotz aller demokrati-
schen Formen tatsächliche Diktatur sein wird, trösten sie sich
mit dem Gedanken, daß diese Diktatur nur vorübergehend und kurz
sein wird."
Non, mon cher! 2*) - Daß die Klassenherrschaft der Arbeiter über
den mit ihnen kämpfenden Schichten der alten Welt nur so lang be-
stehn kann, als die ökonomische Grundlage der Klassenexistenz
nicht vernichtet ist.
"Sie sagen, daß ihre einzige Sorge und Ziel sein wird, zu bilden
und zu erheben das Volk" (Wirtshauspolitiker!) "wie ökonomisch so
politisch auf solche Stufe, daß alle Regierung bald nutzlos wird
und der Staat allen politischen Charakter verliert, das heißt
(beherrschenden) Charakter, sich durch sich selbst verwandeln
wird in freie Organisation ökonomischer Interessen und Gemeinden.
Das offenbarer Widerspruch. Wenn ihr Staat wirklich volkstümlich
sein wird, warum ihn vernichten, und wenn seine Vernichtung not-
wendig zur wirklichen Befreiung des Volks, warum wagen sie ihn
volkstümlich zu nennen?" (S. 280.)
Abgesehn von dem Herumreiten auf dem Liebknechtschen Volksstaat,
der Blödsinn ist, gegen das kommunistische Manifest etc. gewandt,
heißt es nur: da das Proletariat während der Periode des Kampfs
zum Umsturz der alten Gesellschaft noch auf der Basis der alten
Gesellschaft agiert und daher auch noch in politischen Formen
sich bewegt, die ihr mehr oder minder angehörten, hat es seine
schließliche Konstitution noch nicht erreicht während dieser
Kampf période und wendet Mittel zur Befreiung an, die nach der
Befreiung wegfallen; daher schließt Herr B., daß es lieber gar
nichts tun soll... den Tag der allgemeinen Liquidation - des
jüngsten Gerichts - abwarten soll.
"Durch unsre Polemik" (die natürlich vor meiner Schrift gegen
Proudhon und dem "Komm. Manifest" erschien, und auch schon vor
St. Simon) "gegen sie" (schönes
-----
1*) welche Phantasterei! - 2*) Nein, mein Lieber!
#637# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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??????? ???????? 1*)) "haben wir sie zum Eingeständnis geführt,
daß Freiheit oder Anarchie" (Herr Bak. hat nur die Proudhonsche
und Stirnersche Anarchie ins wüst Tartarische übersetzt), "d.h.
die freie Organisation der arbeitenden Massen von unten nach
oben" (Blödsinn!), "das Schlußziel der gesellschaftlichen Ent-
wicklung ist und daß jeder <Staat), nicht ausgeschlossen der
Volksstaat, Joch ist, von einer Seite Despotismus erzeugt, von
der andren Sklaverei" (S. 280).
"Sie sagen, daß solch herrschaftliches Joch, die Diktatur, not-
wendiges Übergangsmittel ist zur Erreichung der vollsten Volksbe-
freiung: Anarchie oder Freiheit - Ziel, Herrschaft oder Diktatur
- Mittel. So ist es zur Befreiung der Volksmassen erst nötig, sie
zu knechten. Auf diesem Widerspruch beruht unsre Polemik. Sie
versichern, daß nur die Diktatur, schließlich ihre eigne, die
Volksfreiheit begründen kann; wir antworten, keine Diktatur kann
ein andres Ziel haben außer dem, (sich zu verewigen), und daß sie
(geeignet ist, in dem sie ertragenden Volke nur Sklaverei zu er-
zeugen und zu züchten; die Freiheit kann nur durch die Freiheit)"
(des permanenten citoyen 2*) B.) "(geschaffen werden), d.h. durch
(den Aufstand des ganzen Volkes) und die freie Organisation der
Massen von unten nach oben" (S. 281).
"Während die politisch-soziale Theorie der gegenstaatlichen So-
zialisten oder Anarchisten (unentwegt) und direkt zum vollsten
Bruch mit allen Regierungen, mit allen Arten der bürgerlichen Po-
litik führt, lassend keinen andren Ausgang, außer die soziale Re-
volution,"
lassend von der sozialen Revolution nichts als die Phrase,
"zieht und verwickelt die entgegengesetzte Theorie, die Theorie
der Staatskommunisten und der wissenschaftlichen Autorität ebenso
(unentwegt) ihre Anhänger, unter dem Vorwand politischer Taktik,
zu unaufhörlichem (Kuhhandel) mit den Regierungen und den mannig-
faltigen bürgerlich politischen Parteien; das heißt, stößt sie
direkt zur Reaktion" (S. 281).
"Bester Beweis Lassalle. Wem nicht bekannt seine Zusammenhänge
und Verabredungen mit Bismarck? Die Liberalen und Demokraten das
benutzt, um ihn der Verkäuflichkeit zu beschuldigen. Dasselbe,
obgleich nicht zu offen, (flüsterten) unter sich verschiedne 3*)
Anhänger des Herrn Marx in Deutschland" (S. 282).
Lassalle verhielt sich zu der gemeinen Arbeitermasse mehr wie ein
Arzt zum Kranken als wie ein Bruder zum Bruder... Um nichts in
der Welt würde er das Volk verraten haben (l.c.). Lassalle war in
offnem Krieg mit Liberalen, Demokraten, haßte sie, verachtete
sie. Bismarck in derselben Position zu ihnen. Dies erster Annähe-
rungspunkt zwischen den beiden: "die Hauptgrundlage dieser
(Annäherung) war eingeschlossen im politisch-sozialen Programm
Lassalles, in der kommunistischen Theorie, gestiftet durch Herrn
Marx" (S. 283).
"Der Hauptpunkt dieses Programms: Befreiung (angebliche) des Pro-
letariats vermittelst (nur eines Staates)... Zwei Mittel... Pro-
letariat muß Revolution machen, um
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1*) Verwechslung des Vorangehenden (????????) mit dem Nachfolgen-
den (???????) - 2*) Bürgers - 3*) bei Bakunin: persönliche
#638# Karl Marx
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sich den Staat zu unterwerfen - heroisches Mittel... nach der
Theorie des Herrn Marx"... muß das Volk dann alle Macht in seine
und seiner Freunde Hände geben... "sie gründen eine einzige
Staatsbank, konzentrierend in ihren Händen alle kommerziell-indu-
strielle, ländliche und selbst wissenschaftliche Produktion, und
teilen die Masse des Volks in zwei Armeen: industrielle und agri-
kole unter dem unmittelbaren Kommando von Staatsingenieuren, die
einen neuen privilegierten wissenschaftlich-politischen Stand
bilden" (S. 283, 284).
Aber Revolution machen, die Deutschen selbst glauben nicht daran.
- "Nötig, daß ein andres Volk sie anfange oder irgendeine äußere
(Kraft) sie hinreiße oder (stoße)." Folglich andres Mittel nötig,
sich des Staats zu bemächtigen. Nötig, die Sympathie von Leuten
zu gewinnen, die stehn oder stehn können an der Spitze des
Staats. Zu Lassalles Zeit wie jetzt noch stand an der Spitze des
Staats Bismarck... Lassalle hauptsächlich begabt mit praktischem
Instinkt und (Verstand), die nicht vorhanden bei Herrn Marx und
seinen Anhängern. Wie alle Theoretiker Marx unveränderlicher und
(unverbesserlicher) Träumer in der Praxis. Er zeigte dies durch
seinen unglücklichen Feldzug in der Internationalen Assoziation,
der das Ziel hatte, seine Diktatur in der Internationalen zu er-
richten und vermittelst der Internationalen über die ganze revo-
lutionäre Bewegung des Proletariats von Europa und Amerika. Man
muß entweder verrückt sein oder ganz abstrakter Gelehrter, um
sich ein solches Ziel zu setzen. Herr Marx erlitt in diesem Jahr
vollste und verdiente Niederlage, aber sie "befreit (???????) ihn
kaum von seiner ehrgeizigen Träumerei" (S. 284, 285). "Dank
dieser Traumhaftigkeit sowie dem Wunsch, Verehrer und Anhänger
unter der Bourgeoisie zu gewinnen, stieß und stößt Marx beständig
das Proletariat in Verhandlungen mit den bürgerlichen (Bourgeois)
Radikalen. Gambetta und Castelar - das seine (wahren) Ideale" (S.
284, 285). "Zu diesen Strebungen zu Mogeleien (???????) mit der
radikalen Bourgeoisie, die sich stärker kundgaben in den letzten
Jahren bei Marx, zweierlei Traum: erstens, wenn die radikale
Bourgeoisie zur Herrschaft kommt, wird sie die Möglichkeit haben,
sie zum Nutzen des Proletariats verwenden (zu wollen), und zwei-
tens wird sie imstande sein, sich zu halten gegen die Reaktion,
deren Wurzel in ihr selbst verborgen ist" (S. 285).
Lassalle als praktischer Mensch begriff das (daß die radikale
Bourgeoisie das Volk weder befreien will noch kann, sondern es
nur exploitieren will); haßte dazu die deutsche Bourgeoisie; Las-
salle kannte seine Land[s]leute auch zu gut, um von ihnen revo-
lutionäre Initiative zu erwarten. Nur Bismarck blieb ihm übrig.
"Der Punkt der Vereinigung wurde ihm durch die Marxsche Theorie
selbst gegeben: einheitlicher, gewaltsam zentralisierter Staat.
Lassalle wollte das, und Bismarck tat es. Wie sollten sie sich
nicht vereinigen?" Bismarck Feind (!) der Bourgeois. Seine gegen-
wärtige Wirksamkeit zeigt, daß er nicht Fanatiker und nicht
Sklave der adlig-feudalen Partei... "Sein Hauptwerk wie auch das
Lassalles und Marx' - der Staat. Und darum zeigte sich Lassalle
ungleich logischer und praktischer als Marx, der anerkannt den
Bismarck als Revolutionär, (natürlich auf seine Art), und von
seinem Sturz träumt, wahrscheinlich deswegen, weil er im Staat
den ersten Platz einnimmt, der nach Meinung des Herrn Marx ihm
gehören muß." Lassalle keine so große Selbstliebe, verdroß ihn
daher nicht.
#639# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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mit Bismarck in Bund zu treten. "Durchaus übereinstimmend mit dem
politischen Programm, auseinandergesetzt durch Herrn Marx und En-
gels im 'Kommunistischen Manifest', verlangte Lassalle von Bis-
marck nur eins: Eröffnung von Regierungskredit für Arbeiter-Pro-
duktiv-Gesellschaften." Und zugleich, "übereinstimmend mit dem
Programm, begann er unter den Arbeitern friedlich gesetzliche
Agitation zum Nutzen der Einführung des Wahlrechts" (S. 288-289).
Nach Lassalles Tod bildete sich neben den Arbeiterbildungsverei-
nen und dem Lass[allschen] Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein
"unter dem direkten Einfluß der Freunde und Anhänger des Herrn
Marx dritte Partei - sozialdemokratische Partei der deutschen Ar-
beiter. An ihrer Spitze Bebel, ???????????? (halber Arbeiter) und
Liebknecht, ganzer Gelehrter 1*) und Agent des Herrn Marx" (S.
289).
Wir sprachen schon von Liebknechts Wirksamkeit in Wien 1868. Re-
sultat davon der Nürnberger Kongreß (August 1868), wo die sozial-
demokratische Partei schließlich organisiert wurde. "Auf den Be-
schluß (Absicht) ihrer Stifter, handelnd unter der direkten Lei-
tung von Marx, sollte sein die pangermanische Sektion der Inter-
nationalen Arbeitergesellschaft." Aber die deutschen und speziell
preußischen Gesetze solcher Vereinigung entgegen. Daher nur ne-
benbei berührt: "Die sozialdemokratische Partei der deutschen Ar-
beiter steht im Bund mit der Internationalen Arbeiterassoziation,
soweit es die deutschen Gesetze zulassen." "Unzweifelhaft, daß
diese neue Partei in Deutschland gestiftet war mit der geheimen
Hoffnung und Hintergedanken, vermittelst ihrer einzuführen in die
Internationale das ganze Programm von Marx, entfernt durch den
ersten Genfer Kongreß ( 1866)." - Das Programm von Marx ward zum
Programm der sozialdemokratischen Partei gemacht", die
(Eroberung) der "politischen Gewalt" als "nächstes und unmittel-
barstes Ziel" mit Zufügung folgender bemerkenswerter Phrase: "Die
Eroberung der politischen Rechte (allgemeines Wahlrecht, Preß-
freiheit, Freiheit der Assoziation und der Meetings etc.) als un-
entbehrliche vorbereitende (???????????????) Bedingung der ökono-
mischen Befreiung der Arbeiter." "Diese Phrase hat die Bedeutung:
ehe zur sozialen Revolution zu schreiten, müssen die Arbeiter die
politische Revolution vollenden oder, was entsprechender der Na-
tur der Deutschen, erobern oder, noch näher, erwerben das politi-
sche Recht vermittelst friedlicher Agitation. Aber da jede poli-
tische Bewegung vor oder, was ganz dasselbe, außerhalb der sozia-
len, keine andre als Bourgeoisbewegung sein kann, so folgt auch,
daß dies Programm den deutschen Arbeitern rekommandiert, sich an-
zueignen vor allem bürgerliche Interessen und Ziele und zu voll-
enden die politische Bewegung zum Nutzen der radikalen Bour-
geoisie, welche dann zum Dank das Volk nicht befreit, sondern
neuer Gewalt unterordnet, neuer Exploitation" (S. 289-291).
"Auf Grundlage dieses Programms vollendete sich die rührende Ver-
söhnung der deutschen und östreichischen Arbeiter mit den Bour-
geoisradikalen der Volkspartei." Auf Grundlage "des Nürnberger
Kongresses begaben sich die zu diesem Zweck vom Kongreß ernannten
Delegaten nach Stuttgart, wo auch geschlossen ward zwischen den
Vorstehern der getäuschten Arbeiter und den Anführern der bürger-
lich-radikalen Partei formelles Schutz- und Trutzbündnis. Infolge
dieses Bundes erschienen sowohl
#640# Karl Marx
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diese wie andre zusammen auf dem zweiten Kongreß der Ligue de la
Paix et de la Liberté, eröffnet im September in Bern. Doch sehr
merkwürdiges Fakt. Dort Spaltung zwischen Bourgeoissozialisten
und Radikalen - und den sozialen Revolutionären, gehörig zu der
Partei der Allianz" (S. 291, 292). "In dieser Beziehung
(Sozialist und Freund des Volks sich zu nennen und gegen den
volkstümlichen Sozialismus zu sein) gab uns die Schule von Marx
viel Beispiele; und der deutsche Diktator, so gastfreundlich un-
ter der unfehlbaren Bedingung, daß man sich vor ihm beugt, so daß
er unter seiner Fahne birgt sehr große Zahl von Kopf bis Fuß bür-
gerlicher Sozialisten und Demokraten; könnte auch die Ligue de la
Paix et de la Liberté sich flüchten unter sie, wenn sie nur zu-
stimmte, ihn als den ersten Mann (???????) anzuerkennen. Wenn der
Bourgeoiskongreß so verfahren hätte, wäre die Stellung der Alli-
anzisten ungleich schwieriger gewesen; zwischen der Ligue und ih-
nen wäre dann derselbe Kampf entstanden, der jetzt besteht zwi-
schen ihnen und Marx. Aber die Ligue zeigte sich dümmer und
zugleich ehrlicher als die Marxisten; sie leugnete die Gleich-
heit" (Blödsinn!) "auf dem ökonomischen Gebiet. Riß sich vom Pro-
letariat los; starb; ließ zurück nur zwei umherirrende und sich
beklagende Schatten, Amand Goegg und den St. Simonist[ischen]
Millionär Lemonier... Andres fact auf diesem Kongreß: Die Dele-
gaten, kommend aus Nürnberg und Stuttgart, d. h. die Arbeiter,
abgeordnet durch den Nürnberger Kongreß der neuen sozial-
demokratischen Partei der deutschen Arbeiter und der bürgerlich-
schwäbischen Volkspartei, zusammen mit der Majorität der Ligue
votierten einstimmig gegen die Gleichheit... Bemerkenswert noch
andres fact, der Brüßler Kongreß der Internationalen, einige Tage
geschlossen vor dem von Bern, verwarf jede Solidarität mit dem
letzteren, und alle Marxisten, die am Brüßler Kongreß teilnahmen,
sprachen und votierten in diesem Sinn. Auf welche Weise konnten
dann andre Marxisten, handelnd wie auch die ersten unter dem
direkten Einfluß von Marx, zusammengehn in so rührender
Einstimmigkeit mit der Majorität des Berner Kongresses? Alles das
blieb Rätsel, bis zu dieser Zeit nicht gelöst. Derselbe
Widerspruch zeigte sich im Lauf des ganzen Jahres 1868 und selbst
noch 1869 im 'Volksstaat'... Manchmal darin gedruckt sehr starke
Artikel gegen die Bourgeoisligue; dann folgten unverkennbare
(Erklärungen) von Zärtlichkeit, manchmal freundschaftliche
Vorwürfe. Das Organ sozusagen flehte die Ligue, (zu bändigen)
ihre zu brennenden Kundgebungen bürgerlicher Instinkte,
kompromittierend für die Schützer der Ligue vor den Arbeitern.
Solche Schwankung dauerte fort in der Partei des Herrn Marx bis
zum September 1869, d.h. bis zum Basler Kongreß. Dieser Kongreß
macht Epoche in der Entwicklung der Internationalen" (S. 293-
296).
Zum erstenmal erschienen die Deutschen auf internationalem Kon-
greß, und zwar als Partei, organisiert auf mehr bürgerlich-poli-
tischem als volkstümlich-nationalem Programm. Votierten wie ein
Mann unter Leitung Liebknechts. Sein erstes Geschäft, versteht
sich, infolge seines Programms, politische Frage an die Spitze
aller anderen zu stellen. Deutschen entschieden geschlagen. Der
Basler Kongreß erhielt die Reinheit des internationalen Pro-
gramms, erlaubte den Deutschen nicht, es zu verstümmeln durch
Einführung ihrer Bourgeoispolitik; so entstand die Spaltung in
der Internationalen, deren Grund die Deutschen. Sie wollten der
vor allem internationalen Gesellschaft mit Gewalt ihr engbürger-
liches und national-politisches, ausschließlich deutsches, pan-
germanisches
#641# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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Programm aufdrängen. "Sie wurden auf das Haupt geschlagen, und
diese Niederlage benutzte nicht wenig der Bund der Sozial-Revolu-
tionäre, die Allianzisten. Daher der bittre Haß der Deutschen wi-
der die Allianz. Ende 1869 und erste Hälfte 1870 gefüllt mit bos-
haftem Zank und noch boshaftem und nicht selten gemeinen Verleum-
dungen der Marxisten gegen die Leute der Allianz" (S. 296).
Sieg des Napoleon III. hätte nicht so nachhaltig schlechte Folgen
gehabt wie der deutsche (S. 297).
Alle Deutschen ohne Ausnahme jubelten über den Sieg, obgleich sie
wußten, daß er die Vorherrschaft des militärischen Elements be-
siegeln würde; "nicht ein einziger, oder kaum ein Deutscher er-
schrak, alle vereinigten sich in einstimmigem Triumph". Ihre Lei-
denschaft: Herrschaft und Sklaverei (S. 298). - Und die deutschen
Arbeiter? Nun, die deutschen Arbeiter taten nichts, nicht eine
energische Kundgebung von Sympathie, von Mitgefühl für die Arbei-
ter Frankreichs. Ein paar Meetings, wo ein paar Phrasen gesagt,
worin der siegreiche nationale Stolz sozusagen verstummte vor der
Kundgebung der internationalen Solidarität. Aber weiter als zu
Phrasen ging nicht einer, und in Deutschland, ganz gesäubert von
der Armee, war es damals möglich, etwas anzufangen und zu tun.
Wahr, daß die Mehrheit der Arbeiter geworben im Heer, wo sie aus-
gezeichnet erfüllten die Pflicht der Soldaten, alles töteten etc.
auf Befehl der Obrigkeit und selbst plünderten. Einige von ihnen,
nachdem sie so ihre kriegerischen Pflichten erfüllt, schrieben
zur selben Zeit Jammerbriefe in dem 'Volksstaat' und schilderten
mit lebhaften Farben die barbarischen Verbrechen, durch die deut-
schen Heere in Frankreich vollbracht" (S. 298, 299). Unterdes ei-
nige Beispiele kühnerer Opposition: Proteste Jacobys, Liebknechts
und Bebels; dies vereinzelte und zudem sehr seltne Beispiele.
Wir können nicht vergessen Artikel, veröffentlicht September 1870
im "Volksstaat", worin offen der pangermanische Siegesjubel sich
ausspricht. Er beginnt mit den folgenden Worten: "Dank den Sie-
gen, errungen durch die deutschen Heere, ging die historische In-
itiative schließlich von Frankreich auf Deutschland über: wir
Deutsche etc." (S. 299).
"Mit einem Wort, man kann sagen ohne irgendwelche Ausnahme, daß
bei den Deutschen vorwog und vorwiegt das siegreiche Gefühl des
kriegerischen und politischen nationalen Siegs. Darauf hauptsäch-
lich gegründet die Macht des pangermanischen Reichs und seines
großen Kanzlers, des Grafen Bismarck" (S. 299).
"Und wißt ihr, welche Bestrebung jetzt im Bewußtsein oder im In-
stinkt jedes Deutschen vorherrscht? Das Streben zu verbreiten
(??????????????) (breit, weit) das Deutsche Reich" (S. 303).
Diese Leidenschaft "jetzt auch die ganze Tätigkeit der sozial-
demokratischen Partei. Und glaubt nicht, daß Bismarck ein so
glühender Feind dieser Partei sei, wie er sich verstellt
(?????????????). Er zu (klug), um nicht zu sehn, daß sie ihm
dient als Pionier, verbreitend die deutsche Staatsidee in Öst-
reich, Schweden, Dänemark, Belgien, Holland und Schweiz. In der
Verbreitung dieser germanischen Idee besteht jetzt das
Hauptstreben des Herrn Marx, der, wie wir bereits bemerkt haben,
versucht hat zu erneuern (???????????), zu seinem Vorteil, in der
Internationalen, die Bewegungen und Siege des Grafen Bismarck.
Bismarck hält in seiner Hand alle Parteien und wird sie
schließlich abgeben in die Hand des Herrn Marx" (S. 304).
#642# Karl Marx
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"Dieses Reich (pangermanisches) erklärte durch die Lippen seines
großen Kanzlers den Krieg auf Leben oder Tod der sozialen Revolu-
tion. Graf Bismarck sprach dies Todesurteil aus im Namen von 40
Millionen Deutschen, die hinter ihm stehn und ihm zur Stütze die-
nen. Marx auch, sein Konkurrent und Neider, und hinter ihm alle
Führer der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ... erklär-
ten von ihrer Seite denselben verzweifelten Krieg der sozialen
Revolution. Alles das werden wir ausführlich auseinandersetzen im
folgenden Teil" (S. 307, 308). "Bis jetzt hat sie (die soziale
Revolution) ihre Kräfte nur konzentriert auf den Süden Europas:
Italien, Spanien, Frankreich; aber bald, hoffen wir, werden unter
ihrer Fahne aufstehn auch die nordwestlichen Völker: Belgien,
Holland und hauptsächlich England, und dann endlich auch alle
slawischen Stämme" (S. 308).
NACHTRAG
"Die Hauptzüge des Ideals" des russischen Volks: 1. "die allge-
meine volkstümliche Überzeugung, daß die Erde, die ganze Erde,
dem Volk gehört, das sie mit seinem Schweiße benetzt und befruch-
tet mit seiner eignen Hände Arbeit; 2. daß das Recht auf ihre Be-
nutzung nicht der Person gehört, sondern der ganzen (Gemeinde,
der Gemeindeversammlung), die sie (auf Zeit) unter den Personen
verteilt; 3. die quasi absolute Autonomie, die gemeindliche
Selbstverwaltung und infolgedessen, das entschiedlich feindliche
Verhältnis der (Gemeinde) zum Staat" (S. 10).
"Die 3 Schattenseiten sind: 1. der Patriarchalismus; 2. die Ver-
schlingung der Person durch (die Gemeindeversammlung); 3. der
Glaube an den Zar. Man könnte 4. den christlichen Glauben dazu
rechnen, offiziell rechtgläubig oder sektiererisch (S. 10); aber
das hat in Rußland nicht soviel zu sagen wie im westlichen Eu-
ropa" (l.c.).
Punkt 2 und 3 "natürliche Resultate" aus Punkt 1, (Patriarcha-
lismus). Vater, (Gemeindeversammlung), Zar (S. 15). "Die (Gemein-
de) seine Welt. Sie nichts andres als die natürliche Erweiterung
seiner Familie, seines Geschlechts. Daher herrscht in ihr auch
das patriarchalische Prinzip Vor, derselbe abscheuliche Despo-
tismus und dieselbe gemeine Unterwürfigkeit, und daher auch die
???????? (ursprünglich, zur Wurzel gehörige) Ungerechtigkeit und
dieselbe radikale Negation jedes persönlichen Rechts, wie auch in
der Familie selbst. Die Entschließungen der (Gemeindeversamm-
lung), was sie auch sein mögen, Gesetz. ('Wer wagt es, gegen die
Gemeindeversammlung zu gehen?') - jubelt mit (Erstaunen) der
russische Bauer... In (der Gemeindeversammlung) haben Stimmrecht
nur die (Alten), die Familienhäupter... Aber über der (Gemeinde),
über allen Gemeinden steht der Zar, der (allgemeine) Patriarch
und Stammvater, der Vater von ganz Rußland. Daher seine Gewalt
unbeschränkt" (S. 15). "Jede Gemeine bildet in sich (ein ge-
schlossenes Ganzes), infolgedessen hat keine Gemeine, und fühlt
auch nicht das Bedürfnis zu haben, irgendwelches selbständiges
organisches Band mit andren Gemeinen. Sie sind untereinander nur
vereint vermittelst (Väterchen Zar), nur in seiner obersten,
väterlichen Gewalt" (S. 15, 16).
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