Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875


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       #597#
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       KARL MARX
       
       [Konspekt von Bakunins Buch "Staatlichkeit und Anarchie" [427]]
       
       #598#
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       Geschrieben 1874 - Anfang 1875.
       Nach der Handschrift.
       
       Alle wörtlich  oder annähernd  wörtlich dem Text des Bakuninschen
       Buches entnommenen  Stellen sind im Kleindruck wiedergegeben. Die
       von Marx  russisch zitierten Stellen sind, sofern Marx nicht sel-
       ber eine  Übersetzung dafür  gibt, von  uns übersetzt  und  durch
       spitze Klammern gekennzeichnet.
       
       #599#
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       Bakunin: (Staatlichkeit und Anarchie).
       (Einführung, Teil 1,1873)
       
       (Hinter dieser Überschrift auf S. 1:
       Streit {??????} in der Internationalen Arbeiterassoziation.)
       
       (VORWORT)
       (In Italien  fand sich ebenso wie in Rußland eine ziemlich bedeu-
       tende Anzahl  solcher junger  Leute, unvergleichlich  mehr als in
       irgendeinem anderen Lande) (S. 7).
       (Ja, vielleicht  ist die  soziale Revolution nirgends so nahe wie
       in Italien) (S. 8).
       (In Italien überwiegt jenes bettelarme Proletariat, über das sich
       die Herren  Marx und  Engels und  nach ihnen die ganze Schule der
       Sozialdemokraten Deutschlands  mit tiefster  Geringschätzung  äu-
       ßern, und  ganz zu  Unrecht, denn in ihm und nur in ihm, und kei-
       neswegs in  der obengenannten  bürgerlichen Schicht der Arbeiter-
       masse, ist  der ganze  Verstand und die ganze Kraft der künftigen
       sozialen Revolution enthalten) (S. 8).
       Bei den  Deutschen dagegen:  wo die Regierung sich einerseits auf
       gutes etc. Heer stützt, andrerseits (auf den Untertanenpatriotis-
       mus, auf die grenzenlose nationale Eitelkeit und auf jenen alten,
       historischen,  ebenso   grenzenlosen  Gehorsam  und  die  Gottes-
       verehrung der  Macht, durch  die sich bis heute noch der deutsche
       Adel, das  deutsche Bürgertum) (Bourgeoisie), (die deutsche Büro-
       kratie, die  deutsche Kirche,  die ganze  Zunft der deutschen Ge-
       lehrten und  unter ihrem  vereinten Einfluß nicht selten, o weh!,
       auch das deutsche Volk selbst auszeichnen) (S. 11).
       (Wie sich zeigt, hat Preußen Deutschland verschlungen. Das bedeu-
       tet, solange  Deutschland ein  Staat bleibt, wird es) trotz aller
       Scheinliberalen, konstitutionellen, demokratischen (und sogar so-
       zialdemokratischen Formen  notwendigerweise der  erstrangige  und
       der wichtigste Vertreter und eine ständige Quelle aller möglichen
       Gewaltherrschaften in Europa sein) (S. 11).
       Seit der  Mitte des  16. Jahrhunderts  - 1815  Hauptquelle  aller
       reaktionären Bewegungen  Östreich (i.e. als Repräsentant Deutsch-
       lands), von 1815-1848 [geteilt] zwischen östreich und Preußen mit
       Vorwiegen des  ersteren (Metternich)  (S. 12);  (seit 1815 kam zu
       dieser heiligen  Allianz der  rein deutschen  Reaktion,  ungleich
       mehr als  Jäger, denn  als Geschäftsmann, unsere tartarisch-deut-
       sche, allrussisch-kaiserliche Knute hinzu) (S. 13).
       
       #600# Karl Marx
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       Um die Verantwortlichkeit von sich abzuschieben, suchen die Deut-
       schen sich  und andere zu überreden, daß Rußland der Hauptstifter
       der Heiligen  Allianz war. "Im Gegensatz zu den deutschen Sozial-
       demokraten, deren Programm als erstes Ziel hinstellt die Gründung
       des pangermanischen Reichs, erstreben die russischen sozialen Re-
       volutionäre vor  allem die  völlige Auflösung  unsres (des russi-
       schen) Reichs" etc. (S. 13).
       
       Der Wahrheit  wegen, (nicht  aus dem  Wunsche heraus, die Politik
       des Petersburger  Kabinetts zu  Verteidigen) (S.  13) gibt B. 1*)
       den Deutschen  folgende Antwort.  (Der große Mann, nicht zu spre-
       chen von  der Schöpfung  Preußens mit Hülfe der Russen seit Peter
       I., übergeht  die Allianz unter Katharina und den russischen Ein-
       fluß auf Frankreich seit der Revolution bis Louis-Philippe inclu-
       sive) (ditto  ihre Mogeleien  seit Anfang des 18.Jhd. mit England
       zur Knechtung  Europas). Er beginnt mit Alexander I. und Nikolaus
       und stellt ihre Tätigkeit wie folgt dar:
       
       (Alexander rannte  hin und  her, war  sehr geschäftig und lärmte;
       Nikolaus schaute  finster drein und drohte. Aber das war auch al-
       les. Sie taten nichts, denn sie konnten nicht, weil ihre Freunde,
       die österreichischen  und preußischen  Deutschen, es  ihnen nicht
       erlaubten; ihnen wurde nur die Ehrenrolle als Vogelscheuche zuge-
       teilt) (bange machen), (es handelten jedoch nur Österreich, Preu-
       ßen und) "endlich unter Leitung und Einwilligung der beiden - die
       französischen Bourbonen gegen Spanien" (S. 13, 14).
       Rußland schritt  nur einmal  über die  Grenzen, 1849, um östreich
       vor der  ungarischen Revolution zu retten. Es dämpfte außerdem in
       diesem Jahrh.  zweimal die  polnische Revolution  mit Hülfe Preu-
       ßens, ebensosehr  dabei interessiert wie es. Natürlich: (Ein Ruß-
       land des  Volkes ist  undenkbar ohne die polnische Unabhängigkeit
       und Freiheit) (S. 14).
       Rußland hat  weder durch  Intelligenz, Macht noch Reichtum solche
       vorwiegende Stellung  in Europa,  als daß  seine Stimme imstande,
       (Fragen zu entscheiden) (S. 14).
       Rußland kann  nur was  tun, wenn  gerufen  durch  eine  westliche
       Macht. (So  hat Fried[rich]  II. die Katharina zur Teilung Polens
       und beinah auch Schwedens aufgefordert.)
       Mit Bezug  auf die  revolutionäre Bewegung in Europa spielte Ruß-
       land, in  den Händen  der preußischen  Regierungsleute, Rolle der
       Vogelscheuche und nicht selten des Schirms, hinter denen sie sehr
       geschickt verbargen  ihre eignen Eroberungs- und Reaktions-Unter-
       nehmungen. Nach den neulichen Siegen haben sie das nicht mehr nö-
       tig und tun's nicht mehr (S. 16).
       Jetzt Berlin mit Bismarck sichtbares Haupt und Residenz der Reak-
       tion in  Europa (S.  16). Reaktion  (römisch-katholisch) in  Rom,
       Versailles, z.T. in Wien und Brüssel; Knuten-Reaktion in Rußland;
       aber lebendige,  (kluge), wirklich (starke), konzentriert in Ber-
       lin und  verbreitet sich  auf alle  Teile Europas  aus dem  neuen
       deutschen Reich etc. (S. 16).
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       1*) Bakunin
       
       #601# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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       (Die föderale Organisation von unten nach oben der Arbeiter-Asso-
       ziationen, Gruppen,  Gemeinden, Amtsbezirke  und schließlich  der
       Gebiete und  Völker, diese  einzige Voraussetzung  der wahren und
       nicht fiktiven  Freiheit, ist  deren 1*) Wesen ebenso entgegenge-
       setzt, wie  jegliche ökonomische  Autonomie mit  ihnen  vereinbar
       ist) (S. 17). Dagegen die Repräsentativ-Demokratie (????????????-
       ??????????????) hat  zweierlei nötig zu ihrem Erfolg: (staatliche
       Zentralisation und  eine tatsächliche  Unterordnung der  Majestät
       des Volkes unter eine intellektuelle, es regierende, es angeblich
       vertretende und es unweigerlich ausbeutende Minderheit) (S. 17).
       (Das Wesen unseres tartarisch-deutschen Imperiums) (S. 14).
       Das neue  deutsche Kaiserreich  ist kriegerisch: muß erobern oder
       erobert werden  (S. 17, 18): (trägt das unabwendbare Bestreben in
       sich, Weltreich  zu werden)  (S. 18).  Die Hegemonie  nur der be-
       scheidne Ausdruck  dieses Strebens;  ihre Bedingung  Schwäche und
       Unterordnung soviel als möglich der umgebenden Reiche. Das letzte
       französische Kaisertum hatte diese Rolle, jetzt das deutsche und:
       (Der deutsche  Staat ist  unserer Überzeugung  nach  der  einzige
       wahre Staat in Europa) (S. 19).
       
       (Staat) (Empire,  Royaume 2*)); (Herrscher) (souverain, monarque,
       empereur, roi  3*)); (Herrschen)  (régner, dominer  4*));  (Herr-
       scher) (souverain, empereur, monarque, roi). Im Deutschen dagegen
       Reich  ursprünglich   nichts  als   ein  in   bestimmte   Grenzen
       eingeschloßnes Stück  Land (groß  oder klein),  benannt nach  dem
       Volksstamm, etc.,  den Leuten,  denen es gehört. So die Gegend am
       Regen in  der Oberpfalz  bis Viechtach  das Viechtreich; Aachner-
       reich; Vrankryk  (in den Niederlanden), Reich von Nimwegen, Reich
       von Megen;  Distrikt von Trarbach an der Mosel heute noch Cröver-
       reich, andre Gegend an der Mosel Westrich.
       
       Die (staatliche  Laufbahn) Frankreichs zu Ende; wer nur etwas vom
       Charakter der  Franzosen kennt,  weiß mit  uns (Bak.),  daß  wenn
       Frankreich lange die (dominierende Macht) sein konnte, sekundäre,
       selbst gleichstarke  Stellung mit  andren ihm  unmöglich. Es wird
       sich zum  neuen Krieg  vorbereiten, zur Rache, zur Wiederherstel-
       lung des  verlornen ?????????? (ersten Rangs) (S. 19). "Aber wird
       es sie  erreichen? Sicher  nicht... Die  letzten Ereignisse haben
       bewiesen, daß  der Patriotismus,  diese höchste Reichstugend (???
       ?????? ??????  ????????? ???????????)  nicht mehr  in  Frankreich
       existiert" (S. 19). Der Patriotismus der höheren Klassen nur noch
       Eitelkeit, die  sie aber  ihren realen Interessen opfern, wie der
       letzte Krieg gezeigt. Ebensowenig Patriotismus zeigte die franzö-
       sische Landbevölkerung. Bauer hat aufgehört Patriot zu sein, seit
       er Eigentümer  geworden. Nur  in Elsaß  und Lothringen, zum Spott
       der Deutschen, zeigte sich französischer Patriotismus. Patriotis-
       mus nur  noch im  städtischen Proletariat. Deswegen hauptsächlich
       gegen es  gekehrt der Haß der besitzenden Klassen. Aber nicht Pa-
       trioten
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       1*) der modernen kapitalistischen Produktion und der Bankenspeku-
       lation -  2*) Kaiserreich, Königreich  -  3*) Souverän,  Monarch,
       Kaiser, König - 4*) herrschen, beherrschen
       
       #602# Karl Marx
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       im eigentlichen  Sinn, weil  sozialistisch (brüderlich zu den Ar-
       beitern aller  andern Länder).  Waffneten sich  nicht  gegen  das
       deutsche Volk,  sondern gegen den germanischen militärischen Des-
       potismus (S.  20-22). Der  Krieg begann  nur 4  Jahre nach dem I.
       Genfer Kongreß,  und die  internationale  Propaganda  rief  wach,
       (besonders) unter  den Arbeitern (lateinischen Stammes), neue an-
       tipatriotische Weltanschauung  (S. 22).  Diese zeigte  sich  1868
       auch auf  Meeting in Wien "in Antwort auf ganze Reihe politischer
       und patriotischer (Vorschläge)", gemacht von den junggermanischen
       Bourgeoisdemokraten. Die  Arbeiter antworteten ihnen, daß sie von
       ihnen ausgebeutet,  stets getäuscht  und unterdrückt und daß alle
       Arbeiter aller Länder ihre Brüder... Das internationale Lager der
       Arbeiter ihr  einziges Vaterland; die internationale Welt der Ex-
       ploiteure ihre  einzigen Feinde  (S. 22,  23). Sandten zum Beweis
       Telegramm "an  die Pariser Brüder als Pioniere der (Befreiung der
       Arbeiter der  Welt)" (S.  23). Diese  Antwort machte viel Lärm in
       Deutschland; erschreckte  alle Bürgerdemokraten,  auch den Johann
       Jacoby, und  "kränkte nicht  nur ihre patriotischen Gefühle, son-
       dern auch  den staatsreichlichen  Glauben (???????????????? ????)
       der Schule  von Lassalle  und Marx.  Wahrscheinlich auf  Rat  des
       letzteren reiste  Herr Liebknecht,  jetzt  einer  der  Chefs  der
       Sozialdemokraten Deutschlands, aber damals noch Mitglied der bür-
       gerlich-demokratischen Partei  (der verstorbnen Volkspartei), so-
       fort aus  Leipzig nach  Wien zur  Verhandlung (?????????) mit den
       Wiener Arbeitern  über die  Politische Taktlosigkeit,  welche den
       Anlaß zu  jenem Skandal gegeben hatte. Man muß ihm die Gerechtig-
       keit antun,  er wirkte  so erfolgreich, daß wenige Monate später,
       und namentlich  im August  1868, auf  dem Nürnberger  Kongreß der
       deutschen Arbeiter,  alle Vorsteher des östreichischen Proletari-
       ats ohne  irgendeinen Protest unterschrieben das eng-patriotische
       Programm der  Sozialdemokratischen  Partei"  (S.  23,  24).  Dies
       zeigte "den  tiefen Unterschied zwischen der politischen Richtung
       der Vorsteher,  mehr oder  weniger Gelehrte und Bourgeois, dieser
       Partei und  dem eignen  revolutionären Instinkt  des germanischen
       oder zum  mindesten des österreichischen Proletariats". Aber dies
       hat sich  wenig entwickelt in Deutschland und Östreich seit 1868,
       aber  famos  in  Belgien,  Italien,  Spanien  und  namentlich  in
       Frankreich (S.  24). Die französischen Arbeiter haben das Bewußt-
       sein,daß sie als Sozial-Revolutionäre für die ganze Welt arbeiten
       (S. 25)  "und mehr  für die  Welt als  für sich"  (S. 25). Dieser
       Traum (???  ?????) "ist  zur Natur des französischen Proletariats
       geworden und verjagte aus seiner Einbildung und seinem Herzen die
       letzten Reste  des Reichspatriotismus"  (S. 26). Das französische
       Proletariat, als es zu den Warfen rief, überzeugt, daß es ebenso-
       sehr kämpfe für die Freiheit und das Recht des deutschen Proleta-
       riats als seine eignen (S. 26). "Sie kämpften nicht für Größe und
       Ehre, sondern  für den Sieg über die verhaßte (Militärmacht), die
       ihr Unterdrückungswerkzeug  in den  Händen der  Bourgeoisie.  Sie
       haßten das  deutsche Heer,  nicht weil  es deutsch, sondern Heer"
       (S. 26).  Der Aufstand  der Pariser  Kommune gegen die Versailler
       Nationalversammlung und  gegen den Retter des Vaterlands - Thiers
       - offenbart  vollständig die  einzige Leidenschaft,  die heut das
       französische Proletariat  bewegt, für  das nur  noch etc. der so-
       zial-revolutionäre Krieg existiert (S. 27). In ihrer sozial-revo-
       lutionären Leidenschaft  "verkündeten sie die schließliche Auflö-
       sung des  französischen Reichs,  die Zerreißung der Reichseinheit
       Frankreichs, unverträglich  mit der  Autonomie der  französischen
       Kommunen
       
       #603# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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       (Gemeinden). Die  Deutschen verminderten  nur die Grenzen und die
       Macht (????)  ihres politischen Vaterlands, [sie aber] wollten es
       ganz ?????  (umbringen, erschlagen),  und wie  zur  Manifestation
       dieses verräterischen  Endzwecks warfen sie in den Staub die Ven-
       dôme-Säule, das hochverehrte Denkmal des französischen Ruhms" (S.
       27).
       (Folglich der  Staat einerseits,  die soziale Revolution anderer-
       seits) (S.  29). Dieser  Kampf am  entschiedensten in Frankreich;
       auch schon unter den Bauern, wenigstens in Südfrankreich (S. 30).
       "Und dieser  feindliche Gegensatz  zweier  jetzt  unversöhnlicher
       Welten bildet  den zweiten Grund, warum für Frankreich unmöglich,
       sich von  neuem zum  ersten Range, vorherrschenden (Staat) zu ma-
       chen" (S. 30). Die Versailleser, Börse, Bourgeoisie etc. verloren
       den Kopf,  als Thiers  die Räumung der preußischen Truppen ankün-
       dete (S. 31). (Das heißt, der seltsame Patriotismus der französi-
       schen Bourgeoisie  sucht sein Heil in der schmachvollen Unterwer-
       fung des Vaterlands)
       (S. 31).
       "Die Sympathien, heutzutage gezeigt so sichtbar durch die franzö-
       sischen Arbeiter  für die spanische Revolution, besonders im süd-
       lichen Frankreich,  wo sich kundtat sichtbares Streben des Prole-
       tariats zur  brüderlichen Vereinigung  mit dem  spanischen Prole-
       tariat und  selbst zur  Bildung einer (Volks)-Föderation mit ihm,
       gestützt auf die freie Arbeit und das Kollektiveigentum", -
       
       ?? ???, Volk, Nation (natio 1*), {nasci 2*)}, etwas Gebornes, Ge-
       burt) -
       
       "trotz aller  nationalen Verschiedenheiten  und  Reichsgrenzen  -
       diese Sympathien und Bestrebungen, sage ich, beweisen, daß beson-
       ders für  das französische Proletariat, wie auch für die privile-
       gierten Klassen,  die Zeit  des Reichspatriotismus  vergangen ist
       (S. 32).
       
       (Wie soll denn so ein alter, unheilbar kranker Staat) (wie Frank-
       reich) (gegen  den jungen  und bis  jetzt noch gesunden deutschen
       Staat  kämpfen)  (S.  33).  Keine  Reichsform,  sei  es  noch  so
       demokratische Republik, kann dem Volk geben, was ihm nötig, "d.h.
       freie (????????  - frei,  aber auch zügellos) Organisation seiner
       eignen Interessen  von unten  nach oben  (????? ?????)  ohne jede
       Einmischung, Kuratel,  Zwang von  oben, weil  jede solche Reichs-
       herrschaft (???????????), selbst das republikanischste und selbst
       demokratischste, selbst der sogenannte Volksstaat (?????-????????
       ?????? ?????),  (der  von  Herrn  Marx  ausgedacht  ist),  stellt
       (seinem Wesen nach) nichts andres dar, als die Regierung der Mas-
       sen von  oben nach unten vermittelst der intelligenten und deswe-
       gen privilegierten Minderheit, wie wenn sie die wirklichen Inter-
       essen des Volks besser begriffe als das Volk selbst" (S. 34, 35).
       Da also die besitzenden Klassen der Leidenschaft und den Volksbe-
       strebungen nicht  genug tun können, "bleibt ihnen nur ein Mittel,
       Reichs-Gewalttätigkeit (???????????????  ??????), mit  einem Wort
       (Staat), deswegen  weil (Staat) namentlich auch bedeutet (Gewalt)
       (violence, véhémence, force 3*)), (Herrschaft vermittelst der Ge-
       walt, einer  getarnten, wenn möglich, im äußersten Falle aber ei-
       ner rücksichtslosen) etc." (S. 35).
       -----
       1*) Geburt, Geschlecht,  Volk -  2*) geboren werden - 3*) Gewalt,
       Heftigkeit, Kraft
       
       #604# Karl Marx
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       Gambetta kann  da nicht  helfen, der  verzweifelte Kampf zwischen
       Bourgeoisie und  Proletariat (in  Frankreich) "erfordert den Auf-
       wand aller  Regierungs(Reichs)-MitteI und  Kräfte, so daß zur Er-
       haltung seiner  eignen auswärtigen  Übermacht unter  den europäi-
       schen Reichen dem französischen Reich keine Mittel bleiben, keine
       Kräfte. (Wie soll es sich denn mit dem Kaiserreich Bismarcks mes-
       sen!) (S.  37). Frankreich  muß sich unterwerfen der höheren Lei-
       tung, dem  freundschaftlich-vormundschaftlichen Einfluß des Deut-
       schen Reichs, ganz so wie das italienische Reich sich der Politik
       des französischen unterfügte (S. 37, 38).
       
       England: Einfluß  sehr  verringert.  Folgender  Satz  charakteri-
       stisch:
       
       (Noch vor dreißig Jahren hätte es nicht so ruhig weder die Erobe-
       rung der  Rheinprovinzen durch  die Deutschen noch die Wiederher-
       stellung der  russischen Vorherrschaft  auf dem  Schwarzen  Meer,
       noch den  Feldzug der  Russen nach  Chiwa hingenommen)  (S.  39).
       Grund dieser  Nachgiebigkeit etc.  der Kampf der Arbeiterwelt mit
       der exploitierenden,  politisch  herrschenden  Bourgeoiswelt  (S.
       39). Dort die soziale Revolution nah etc. (l.c.)
       Spanien und  Italien, nicht  davon zu  reden: werden nie drohende
       und starke  Reiche, nicht aus Mangel an materiellen Mitteln, son-
       dern weil  der (Volksgeist)  sie auf  ganz andre  Ziele lenkt (S.
       39). Bei  der Gelegenheit:  Spanien erwacht  wieder im Volkskrieg
       gegen Napoleon,  der von  den rohen Massen selbst ausging. Nichts
       der Art  in Deutschland 1812 und 1813. Rühren sich nicht, bis Na-
       poleons Pech in Rußland. Nur Tirol Ausnahme (S. 40, 41).
       
       Dazwischen:
       
       (Wir haben  gesehen, daß  der Besitz von Eigentum genügte, um die
       französische Bauernschaft  zu korrumpieren und in ihr den letzten
       Funken von  Patriotismus auszulöschen)  (S. 42).  In  Deutschland
       (1812/13)  die   jungen  Bürger   oder  richtiger   treu-untertan
       (??????????????), aufgeregt  durch Philosophen  und Dichter,  be-
       waffneten sich zum Schutz und der Wiederherstellung des Deutschen
       Reichs, weil grade in jener Zeit erwachte in Deutschland die Idee
       des pangermanischen  Reichs. Unterdes  erhob sich  das  spanische
       Volk individuell  (?????????), um zu verteidigen (????????) wider
       den  grausamen   und  mächtigen  Unterdrücker  die  Freiheit  der
       (Heimat) und  die Selbständigkeit des (Volkslebens) (S. 43). Alle
       Regierungsformen, despotisch, konstitutionell, konservative Repu-
       blik etc. dann vergeblich in Spanien versucht; auch die kleinbür-
       gerliche Föderalrepublik in der Weise der Schweiz (S. 43).
       "Spanien unterwarf  (besaß) nicht zum Spaß der Teufel des revolu-
       tionären Sozialismus. Die andalusischen und estremadurischen Bau-
       ern, niemand  fragend und  keine Befehle  erwartend, bemächtigten
       sich der  früheren Ländereien  der Grundbesitzer. Katalonien, und
       besonders Barcelona,  verkünden laut  ihre  Unabhängigkeit,  ihre
       Autonomie. Das  Madrider Volk proklamiert die Föderalrepublik und
       erlaubt nicht  zu unterwerfen die Revolution den künftigen Befeh-
       len einer  konstituierenden Versammlung.  Sogar im  Norden, sogar
       dem in der Hand der Karlisten befindlichen, vollzieht
       
       #605# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie
       -----
       sich offen  die soziale  Revolution: es  werden  die  fueros  1*)
       (???????) verkündet, die Unabhängigkeit der Distrikte und Gemein-
       den, verbrennend  alle gerichtlichen  und bürgerlichen  Akte; das
       Heer in ganz Spanien fraternisiert mit dem Volk und verjagt seine
       Offiziere. Es hat begonnen allgemeiner, öffentlicher und privater
       Bankerutt -  die erste  Bedingung der sozial-ökonomischen Revolu-
       tion" (S.  44). "Keine  Finanzen mehr,  kein Heer,  kein Gericht,
       keine Polizei;  keine Regierungskräfte,  kein (Staat), bleibt das
       mächtige, frische (??????) Volk, aufrechterhalten jetzt nur durch
       die sozial-revolutionäre Leidenschaft. Unter der kollektiven Lei-
       tung der  Internationalen und  des Verbands der Sozial-Revolutio-
       näre fügt es zusammen und organisiert seine Kraft etc." (S. 44).
       Im italienischen  Volk nur  noch lebendig  erhalten die Tradition
       der absoluten  Autonomie nicht  nur der ???????? (Provinz, Kreis,
       Distrikt), sondern  der Gemeinden  (??????). Zu  diesem (einzigen
       politischen Begriff),  eigentümlich existierend (im Volke), kommt
       hinzu die  historisch-ethnographische (Verschiedenartigkeit)  der
       (Gebiete), die  so verschiedne Dialekte sprechen, daß Leute eines
       ??????? (heißt  auch, en  passant, Macht,  Gewalt) mit  Mühe  und
       manchmal gar nicht verstehn die Leute andrer (Gebiete), aber Ita-
       lien (gesellschaftlich) nicht veruneint. Im Gegenteil gibt's (den
       gemeinsamen italienischen  Charakter und  Typus), wodurch  unter-
       scheidbar die  Italiener von  den Menschen  jeden andren Stammes,
       selbst südlichen (S. 45). Die Auflösung des neusten italienischen
       (Staates) wird  unfehlbar zum  Resultat haben  die (freie gesell-
       schaftliche Vereinigung)  (S. 46).  All das  bezieht sich nur auf
       die (Volksmassen).
       Dagegen in  den (oberen Schichten) der italienischen Bourgeoisie,
       wie auch  in andern Ländern (ist mit der staatlichen Einheit auch
       die soziale  Einheit der  Klasse der privilegierten Ausbeuter der
       Arbeit des  Volkes entstanden  und entwickelt sich jetzt mehr und
       mehr. Diese Klasse wird jetzt in Italien gekennzeichnet unter dem
       Sammelnamen Consorteria: die ganze) offizielle Welt, bürokratisch
       und militärisch, polizeilich und richterlich; große Grundeigentü-
       mer, Industrielle,  Kaufleute und  Bankiers; die ganze offizielle
       und offiziöse  Advokatur und  Literatur, das  ganze Parlament (S.
       46).
       Aber selbst  das schrecklichste  Elend (Not), selbst wenn es (die
       vielen Millionen  des) Proletariats  schlägt, ist noch nicht hin-
       reichendes Pfand  (?????) für  die Revolution...  Wenn der Mensch
       (die Herde) zur Verzweiflung getrieben, wird seine Empörung schon
       viel möglicher...  In Verzweiflung  hört selbst der Deutsche auf,
       Räsoneur zu  sein; doch gehört enorm viel dazu, ihn zur Verzweif-
       lung zu  treiben... Aber  (Elend) und (Verzweiflung) sind nur fä-
       hig, persönliche,  höchstens örtliche  (Revolten) herbeizuführen,
       aber unzureichend zu ergreifen (die ganzen Volksmassen). Dazu nö-
       tig (allgemeines  Volksideal), das  sich herausgearbeitet (immer)
       historisch aus  (der  Tiefe  des  Volksinstinkts),  dazu  Glauben
       (????) an sein Recht, (man kann sagen, religiöser Glauben an die-
       ses Recht).
       
       Dies zusammen  mit Armut  und Verzweiflung  gibt richtiges Rezept
       zur sozialen Revolution (S. 47, 48).
       -----
       1*) althergebrachten Rechte, Gerechtsame
       
       #606# Karl Marx
       -----
       "In solcher  Lage befindet  sich nun  namentlich das italienische
       Volk" (S. 48).
       
       Namentlich hat  die Internationale  (Allianz, i.e.  erst seit den
       letzten 2  Jahren {1872  und 1873}  bedeutend wirksam in Italien)
       als Geburtshelferin dieses Ideals gewirkt.
       
       (Sie 1*)  wies ihm das Ziel, das es erreichen muß, und gleichzei-
       tig gab  sie ihm  die Mittel  und Wege zur Organisation der Kraft
       des Volkes) (S. 48).
       "Bemerkenswert, daß  in Italien  wie in  Spanien  entschieden  es
       nicht glückte  (gelang) dem  (staatskommunistischen Programm  von
       Marx), sondern sie dagegen weithin und leidenschaftlich aufnahmen
       das Programm  der weltberühmten  (????????????) Allianz oder (des
       Bundes der  Sozial-Revolutionäre), erklärend schonungslosen Krieg
       jeder (Herrschaft,  Regierungsbevormundung, Obrigkeit und Autori-
       tät)" (S. 49).
       "Unter solchen  Bedingungen kann  das Volk  sich  befreien,  sein
       eignes eigentümliches  Leben (auf  der weitestgehenden  Freiheit)
       aller und  eines jeden  gründen, aber durchaus nicht die Freiheit
       irgend andrer Völker bedrohn" (S. 49).
       
       Da also  Italien und  Spanien Bekenner  des allianzistischen Pro-
       gramms, nahe  soziale Revolution bei ihnen, aber nichts Eroberli-
       ches ist von ihrer Seite zu befürchten (S. 49).
       Die kleinen Staaten - Schweiz, Belgien, Holland, Dänemark, Schwe-
       den (und  zwar aus  denselben Ursachen)  (also, weil sie das Pro-
       gramm der Allianz angenommen haben!)
       
       "hauptsächlich aber"  niemandem drohend  wegen ihrer "politischen
       Unbedeutendheit" (S.  49), haben  vielmehr viele  Gründe, "Unter-
       jochung von  Seiten des  neuen Germanischen Reichs zu befürchten"
       (S. 50).
       Östreich auf  den Tod krank. In 2 Reiche geteilt, magyarisch-sla-
       wisch und deutsch-slawisch (S. 50). Die Deutschen wollen im letz-
       ten vorherrschen.  "Die Deutschen, (Staatsanbeter) und Bürokraten
       man kann  sagen von  Natur, stützen ihre Prätensionen auf ihr hi-
       storisches Recht,  d.h. auf  das  Recht  der  Eroberung  und  der
       (Altherkömmlichkeit) von  einer Seite  und von der andern auf den
       vermeinten Vorzug  ihrer Kultur"  (S. 52).  In den letzten Jahren
       die Deutschen gezwungen, selbständige (Existenz) den Magyaren zu-
       zugestehn. (Von  allen Stämmen),  die das östreichische Reich be-
       wohnen, sind  die Magyaren,  nach den Deutschen, (das allerstaat-
       lichste Volk) (S. 52), behaupten ihr historisches Recht zur Herr-
       schaft über alle übrigen Stämme, die mit ihnen das Königreich Un-
       garn bewohnen, obgleich sie selbst nicht viel mehr als 1/3 (l.c.)
       (nämlich 5 500 000 Magyaren, 5 000 000 Slawen, 2 700 000 Rumänen,
       1 800 000 Juden  und Deutsche,  ungefähr 500 000  andre (Stämme),
       zusammen 15 500 000)  (l.c.). So das ungarisch-östreichische Kai-
       sertum in  2:  zisleithanisch,  slawisch-deutsch  mit  20 500 000
       (7 200 000  Deutsche   und  Hebräer,   11 500 000  Slawen,   etwa
       1 800 000 Italiener  und andre  (Stämme)) und das magyarisch-sla-
       wisch-rumänisch-deutsche (S. 53).
       -----
       1*) Die Propaganda der Internationale
       
       #607# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       In Ungarn die "Mehrheit der Bevölkerung unterworfen den Magyaren,
       liebt sie  nicht, trägt  ihr Joch  unwillig, daher unaufhörlicher
       Kampf" (S.  53). Magyaren  fürchten Aufstand der Rumänen und Sla-
       wen: daher in heimlichem Bund mit Bismarck, welcher "vorhersehend
       den unvermeidlichen Krieg mit dem österreichischen Reich, dem Un-
       tergang geweiht, mit den Magyaren (anbändelt)" (S. 54).
       Im zisleithanischen  Reich steht's  nicht besser, dort wollen die
       Deutschen herrschen  über die slawische Majorität. "Die Deutschen
       hassen die  Slawen, wie  der Herr  gewöhnlich seine Sklaven haßt"
       (S. 54),  fürchten ihre Befreiung etc. "Wie alle Eroberer fremder
       Erde und  Unterjocher fremden  Volks, hassen  und  verachten  die
       Deutschen  gleichzeitig  höchst  (ungerechterweise)  die  Slawen"
       (l.c.). Die  preußischen Deutschen  werfen der östreichischen Re-
       gierung hauptsächlich  vor, daß  sie unfähig,  die Slawen zu ver-
       deutschen. "Dies,  nach ihrer  Überzeugung, und auch tatsächlich,
       konstituiert das größte Verbrechen gegen die allgemein deutschen,
       patriotischen Interessen,  gegen den Pangermanismus" (S. 55) (bei
       ihm großgedruckt).  Im Gegensatz  zu diesem  Pangermanismus haben
       die östreichischen  Slawen, mit  Ausnahme der  Polen, entgegenge-
       setzt den Panslawismus, ebenso "widerliche Narrheit", "freiheits-
       widriges, volkstötendes Ideal" (S. 55).
       
       Hierzu Note, worin Herr B. droht, diese Frage weitläufiger zu be-
       handeln; hier  fordert er  nur die russische revolutionäre Jugend
       auf, dagegen  zu arbeiten;  er gibt  zu, daß russische Agenten in
       diesem Sinne tätig unter den östreichischen Slawen, ihnen weisma-
       chend, daß  Zar ihr Land von dem deutschen Joch befreien will und
       "dies zur selben Zeit, wo das Petersburger Kabinett (offenkundig)
       verkauft und  verrät an  Bismarck ganz Böhmen mit Mähren als Lohn
       für die versprochne Hülfe im Osten".
       
       Woher kommt's  nun, daß  in den österreichisch-slawischen Ländern
       ganze Klasse  gebildeter etc.  Leute, die  entweder Befreiung von
       russischer Seite erwarten oder gar "Stiftung slawischer Großmacht
       unter Herrschaft des russischen Zar"? (S. 57).
       Es zeigt  dies nur, "bis zu welchem Grad dieser verfluchten deut-
       schen Zivilisation,  nach  ihrem  Wesen  (bürgerlich)  und  daher
       (staatlich), gelungen ist, in die Seele selbst der slawischen Pa-
       trioten einzudringen...  blieben  selbst  vollständige  Deutsche,
       wenn auch das Ziel, dem sie zustreben, antideutsch; auf deutschen
       Wegen und  Mitteln wollen  sie, denken  sie, die  Slawen aus  dem
       deutschen Joch  zu befreien.  Wegen ihrer deutschen Erziehung be-
       greifen sie  kein andres Mittel der Befreiung außer durch Bildung
       slawischer Staaten  oder eines  einzigen großmächtigen slawischen
       Reichs. Sie  stellen sich  so ein  rein deutsches Ziel, weil (der
       neueste Staat),  zentralistisch, bürokratisch, polizeilich-solda-
       tisch in  der Art  z.B. des  neuen deutschen oder (allrussischen)
       Reichs, eine  rein deutsche (Schöpfung); in Rußland war es früher
       mit Beimischung  tartarischen Elements, (aber an der tartarischen
       Liebenswürdigkeit soll  es auch  in  Deutschland  jetzt  wahrlich
       nicht liegen)" (S. 57).
       "Seiner ganzen  Natur und seinem ganzen Wesen nach ist der slawi-
       sche Stamm  entschieden nicht  politisch, d.h. nicht (staatlich).
       Vergeblich erwähnen (????????)
       
       #608# Karl Marx
       -----
       die Tschechen  ihr mährisches  Großreich und die Serben das Reich
       des Dusan.  Alles das  ephemere Erscheinung oder alte Märchen. In
       Wahrheit hat  durch sich  selbst kein  einziger slawischer  Stamm
       einen (Staat) gegründet" (S. 57).
       Polnische Monarchie-Republik,  gestiftet unter dem doppelten Ein-
       fluß des  Germanismus und  des Latinismus,  nachdem das slawische
       Volk (?????  - Leibeigner,  Knecht) ganz  unterdrückt  durch  die
       Schlachta, die  nach der  Meinung vieler  polnischer  Historiker,
       z.B. des (Mickiewicz), nicht slawischen Ursprungs (S. 58).
       Böhmisches Reich  (tschechisches) zusammengeklebt  nach  Art  und
       Weise der  Deutschen unter  offnem Einfluß der Deutschen, bildete
       daher auch bald organischen Teil des deutschen Reichs.
       Russisches  Reich:   tartarische  Knute,   byzantinischer   Segen
       (?????????????) und deutsche beamtlich-soldatische und polizeili-
       che Aufklärung (S. 58).
       "So unzweifelhaft,  daß die  Slawen  nie  aus  eigner  Initiative
       (Staat) gestiftet.  Weil sie  niemals erobernder  Stamm. Nur  er-
       obernde Völker  stiften (Staaten)  und stiften sie unfehlbar sich
       zum Vorteil, zum Schaden der unterjochten Völker."
       "Slawen waren  ganz friedliche, ackerbauende Stämme; lebten abge-
       sondert und unabhängig in ihren Gemeinden, nach patriarchalischer
       Art durch die (Ältesten) verwaltet (????????? auch regieren), auf
       Grundlage (der  Wählbarkeit), Gemeindeeigentums an der Erde, kein
       Adel, keine  besondere Priesterkaste, alle gleich "verwirklichend
       in patriarchalischer  und daher  unvollkommner Art  die Idee  der
       menschlichen Brüderlichkeit". Kein politisches Band unter den Ge-
       meinden; nur Verteidigungsband bei fremden Einfällen; kein slawi-
       scher (Staat);  aber gesellschaftliches  Band, brüderliches, zwi-
       schen allen  slawischen Stämmen,  im  höchsten  Grad  gastfreund-
       schaftlich" (S.  58, 59). "Bei solcher Organisation schutzlos ge-
       gen Einfälle  und Angriffe  kriegerischer Stämme,  besonders  der
       Deutschen, die  überall ihre  Herrschaft zu  verbreiten strebten"
       (S. 59).  "Slawen zum  Teil ausgerottet, größtenteils unterdrückt
       durch Türken, Tartaren, Magyaren und besonders Deutsche" (S. 59).
       "Mit der  2ten Hälfte  des 10.Jahrhunderts beginnt die qualvolle,
       aber auch heroische Geschichte ihrer Sklaverei" (S. 59).
       "Zum Unglück für Polen haben seine leitenden Parteien (??????????
       ??????), bis zu dieser Zeit noch vorzugsweise der Schlachta ange-
       hörig, noch  nicht ihrem (Staats)-Programm entsagt, und statt die
       Befreiung und (Erneuerung) ihrer (Heimat) in der sozialen Revolu-
       tion zu  suchen, suchen  sie, unterjocht  durch alte  Vorurteile,
       selbe bald  im Schutz  irgendeines Napoleon, bald im Bund mit Je-
       suiten und östreichischen Feodalen" (S. 61).
       In unsrem Jahrhundert wieder erwacht auch die westlichen und süd-
       lichen Slawen;  Böhmen Mittelpunkt  der einen, Serbien der andern
       (S. 61, 62).
       Letzter Ausdruck  des (Staats)  das pangermanische  Reich: "seine
       Tage gezählt  und von  seinem  Fall  erwarten  alle  Völker  ihre
       schließliche  Befreiung...  Beneiden  die  Slawen  die  Deutschen
       darum, daß  sie den Haß aller übrigen Völker Europas verdient ha-
       ben?" (S. 63).
       
       England existiert  für den  Mann als  Kaffeehaus-Politiker nicht;
       es, die wahre Spitze der bürgerlichen Gesellschaft in Europa.
       
       #609# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       Entweder keine  slawischen (Staaten), oder es gibt ein großes und
       alles verschlingendes  panslawisches (Sankt-Petersburger  Knuten-
       reich) (S. 64, 65).
       Auch unmöglich,  gegen die pangermanische Zentralisation, pansla-
       wische Föderation in Weise der Vereinigten Staaten (S. 66). Föde-
       ration in  Nordamerika nur  möglich, weil  auf dem amerikanischen
       Kontinent, in  Nachbarschaft mit  der großen Republik, kein groß-
       mächtiger (Staat)  in der  Art Rußlands,  Germaniens oder  Frank-
       reichs.  So,  um  entgegenzuwirken  auf  der  (staatlichen)  oder
       politischen Bahn  des siegreichen  Pangermanismus, bleibt nur ein
       Mittel -  einen panslawischen (Staat) zu stiften. Allgemeine sla-
       wische Sklaverei  unter (der  allrussischen Knute)  (S. 67). Aber
       auch das  unmöglich. Quantitativ  fast 3  × mehr Slawen in Europa
       als Deutsche.  Dennoch wird  niemals panslawisches Reich an Macht
       und wirklich  (staatlich-militärischer Macht)  sich messen können
       mit dem pangermanischen Reich. Warum? "Weil im deutschen Blut, im
       deutschen Instinkt,  in der  deutschen Tradition  ist die Leiden-
       schaft der  (staatlichen) Ordnung  und (staatlichen)  Disziplin";
       bei den  Slawen das  Gegenteil; "deswegen, um sie zu disziplinie-
       ren, muß  man sie  unter dem Stock halten, während jeder Deutsche
       auf Überredung  (? ??????????)  freiwillig den Stock essen würde.
       Seine Freiheit  besteht eben  darin, daß  er (dressiert  ist) und
       (sich gern)  vor jeder Obrigkeit (verbeugt). Zudem sind die Deut-
       schen  ein   ernstes  und  arbeitsames  Volk,  gelehrt,  sparsam,
       (ordnungsliebend, sorgfältig  und berechnend), was sie nicht hin-
       dert, wenn  es nötig  und namentlich, wenn die Obrigkeit es will,
       sich vorzüglich zu hauen. Sie zeigten das in den letzten Kriegen.
       Zudem ihre  militärische und  administrative Organisation  zu der
       möglichsten Stufe der Vollendung geführt, die kein andres Volk je
       erreichen wird.  Ist es da denkbar, sich mit ihnen messen zu kön-
       nen auf  dem Feld  (der Staatlichkeit)?"  (S. 68, 69). "Die Deut-
       schen suchen  ihr Leben  und Freiheit  im (Staat): für die Slawen
       ist (der  Staat) das  Grab. Sie  suchen ihre  Befreiung außerhalb
       (des Staats),  nicht nur  im Kampf  gegen den  deutschen (Staat),
       sondern im  (allumfassenden Volksaufstand) gegen jeden (Staat) in
       der sozialen  Revolution" (S.  69). "Aber  die  (Staaten)  fallen
       nicht von selbst; es kann sie nur niederwerfen die allervölkliche
       und allerstämmige,  internationale soziale  Revolution" (S.  69).
       Die antistaatliche  Natur, die  bisher ihre 1*) Schwäche gemacht,
       macht umgekehrt  ihre Stärke  für die  jetzige Volksbewegung  (S.
       69). Es  naht die Zeit der vollen Befreiung (der Massen der unge-
       lernten Arbeiter)  und "ihrer freien gesellschaftlichen Organisa-
       tion  (von   unten  nach   oben),  ohne  jede  ??????????????????
       (dirigierende, regierungsmäßige) Einmischung, aus freien ökonomi-
       schen,   ????????   (dem   Volk   gehörig,   öffentlich)   ??????
       (Verbindung, Allianz, Koalition, Bündnis), (ungeachtet) aller al-
       ten staatlichen  Grenzen und  aller nationalen Verschiedenheiten,
       auf der  einzigen Grundlage  der  produktiven  Arbeit,  allgemein
       menschlich und  ganz solidarisch bei allen ihren Mannigfaltigkei-
       ten" (S. 70).
       "Die Nationalität  ist kein  allgemein menschliches Prinzip, son-
       dern eine  historische, örtliche  Tatsache, habend ein unzweifel-
       haftes Recht,  wie alle (wirklichen) und harmlosen Tatsachen, auf
       allgemeine (Anerkennung).  Jedes Volk,  oder selbst  jedes (Völk-
       chen) hat  seinen eignen  Charakter, seine  Manier,  bildendgrade
       (??????) das Wesen der
       -----
       1*) der Slawen
       
       #610# Karl Marx
       -----
       Nationalität; das Wesen des Resultats des ganzen historischen Le-
       bens in  allen Lebensbedingungen  der Nationalität.  Jedes  Volk,
       grade wie  jede Person,  ist (unfreiwillig)  das, was es ist, und
       hat das unzweifelhafte Recht, es selbst zu sein. Darauf läuft das
       ganze sogenannte (Nationalrecht) heraus" (S. 70).
       Daraus folgt aber nicht, daß der eine seine Nationalität, der an-
       dre seine  Individualität als  (besondere) Prinzipien  aufstellen
       etc. "Je  weniger sie  an sich  denken, und  je mehr  sie (durch-
       drungen werden)  mit allgemein  menschlichem (Inhalt), desto mehr
       beleben sich  und gewinnen  Gedanken die  Nationalität des einen,
       die Individualität  des andern" (S. 71). So gewinnen auch nur die
       Slawen (ihren  rechtmäßigen Platz)  in der  Geschichte und in der
       freien  Bruderschaft  der  Völker,  wenn  sie  sich  durchdringen
       zusammen mit andern mit Weltinteressen (S. 71).
       "In Deutschland  warf die  Reform sehr rasch den Charakter (einer
       Revolte) ab,  unangemessen dem deutschen Temperament, und nahm an
       die Form  (einer friedlichen  Staats)-Reform,  dienend  bald  zur
       Grundlage  des   (ausgeprägtesten),   systematischen,   gelehrten
       (Staats)-Despotismus. In  Frankreich, nach  langem  und  blutigem
       Kampf, dienend  nicht wenig  zur Entwicklung des freien Gedankens
       in jenem  Lande, wurden  sie (die  Reformbestrebungen)  niederge-
       schlagen durch den siegreichen Katholizismus. In Holland, in Eng-
       land und  danach in  den Ver. St. Amerikas bildeten sie eine neue
       Zivilisation ihrem Wesen nach anti-(staatlich), aber (bürgerlich-
       ökonomisch) und liberal" (S. 72).
       
       Diese Stelle  sehr charakteristisch  für Bakunin;  der eigentlich
       kapitalistische Staat  für ihn  antigouvernemental; zweitens  die
       Verschiedenheit der  Entwicklung in  Deutschland einerseits, Hol-
       land und  England andrerseits,  nicht aus verändertem Welthandel,
       sondern etc.
       Die religiöse  Reform (auch  schön, daß  die Renaissance bloß sub
       specie 1*) der Religion betrachtet)
       
       "brachte in  der zivilisierten  Menschheit 2 Hauptrichtungen her-
       vor: die  ökonomische und  liberal-(bürgerliche), besonders  Eng-
       land, dann  Amerika, und die despotisch-(staatliché), ihrem Wesen
       nach auch (bürgerlich)" -
       
       dies Wort  bürgerlich dient  ihm sowohl  für den Kapitalismus als
       die mittelalterlichen Spießbürger in Deutschland -
       
       "und protestantisch,  obgleich vermischt mit adligen katholischen
       Elementen, die  sich übrigens  ganz unterwarfen  dem (Staat). Die
       Hauptvorsteher der  Richtung waren Frankreich und Deutschland, im
       Anfang das östreichische, dann das preußische" (S. 73).
       "Die französische  Revolution gründete  ein neues  allgemein men-
       schliches Interesse,  das Ideal  der vollsten  menschlichen Frei-
       heit, aber  ausschließlich auf  politischem Gebiet;  Widerspruch,
       unausführbar die politische Freiheit; die Freiheit im (Staat) ist
       Lüge. Brachte  2 Hauptrichtungen  hervor. Systematische Exploita-
       tion des Proletariats und Bereicherung der Minderheit. Auf dieser
       Volksexploitation will die eine Partei die
       -----
       1*) unter dem Gesichtspunkt
       
       #611# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       demokratische Republik  gründen, die  andre, konsequenter, monar-
       chischen, d.h. aufrichtigen (Staats)-Despotismus" (S. 73).
       Gegen alle  diese Strebungen neue Richtung "direktgehend" auf Ba-
       kunin (S. 74).
       
       "Das slawische  Proletariat muß  also in Masse in die Internatio-
       nale Arbeiterassoziation  eintreten" (S. 75). "Wir hatten bereits
       Gelegenheit zu  erwähnen die  großartige Erscheinung der interna-
       tionalen Bruderschaft der Wiener Arbeiter 1868" (S. 76) gegen das
       pangermanische Programm. Aber die östreichischen Arbeiter machten
       nicht  die  nötigen  weiteren  Schritte,  "weil  sie  aufgehalten
       (abgehalten) wurden  beim ersten Schritt durch die germanisch-pa-
       triotische Propaganda  der Herren Liebknecht und andrer Sozialde-
       mokraten, die  mit ihm nach Wien kamen, es scheint, im Juli 1868,
       namentlich mit dem Zweck abzubringen (irrzuleiten) den wahren so-
       zialen Instinkt  der östreichischen  Arbeiter von dem Weg der in-
       ternationalen Revolution  und ihn  zu lenken  auf die  politische
       Agitation zum  Vorteil der  Gründung eines  (Staats),  durch  sie
       ???????? (Volksstaat)  [genannt], natürlich  pangermanisch -  mit
       einem Wort,  zur Verwirklichung des patriotischen Ideals des Gra-
       fen Bismarck, nur auf sozialdemokratischem Gebiet und vermittelst
       der sog. legalen (Volksagitation)" (S. 76).
       "Für die Slawen wäre dies, sich freiwillig dem deutschen Joch un-
       terwerfen und dies (zuwider) jedem slawischen Herzen (S. 77). In-
       folgedessen werden  wir nicht  nur nicht überreden die slawischen
       Brüder, in  die Reihen  der sozialdemokratischen Partei der deut-
       schen Arbeiter  zu treten,  geleitet  mit  diktatorischer  Gewalt
       durch die  Herren Marx und Engels und nach ihnen durch die Herren
       Bebel, Liebknecht und einige literarische Hebräer; wir, im Gegen-
       teil, müssen  alle Kräfte  anwenden, um das slawische Proletariat
       abzuwenden [von]  dem selbstmörderischen (Eintritt) in den (Bund)
       mit dieser  Partei, die  durchaus nicht (Volks)-[Partei], sondern
       nach ihrer  Richtung, Zielen, Mitteln rein (bürgerlich) und zudem
       ausschließlich deutsch, d.h. (slawenmörderisch)" (S. 77).
       Das slawische  Proletariat muß  sich mit  dieser Partei nicht nur
       nicht verbinden, sondern [sich] ihr fernhalten, dagegen um so fe-
       ster [sich]  an die  Internationale Arbeiterassoziation anschlie-
       ßen. "Durchaus  nicht muß  man verwechseln  die deutsche  sozial-
       demokratische Partei  mit der  Internationalen (S. 77). Das poli-
       tisch-patriotische Programm der ersten hat fast nichts gemein mit
       dem Programm  der letzteren, sondern ist ihr durchaus entgegenge-
       setzt. Auf dem Haager Kongreß wollten die Marxisten es der ganzen
       Internationale oktroyieren.  Aber dieser Versuch rief allgemeinen
       lauten Protest  hervor von  Italien, Spanien,  Teil der  Schweiz,
       Frankreich, Belgien, Holland, England, sogar Teil der Vereinigten
       Staaten Amerikas,  so daß  der ganzen  Welt klar wurde, daß außer
       den Deutschen niemand das deutsche Programm will" (S. 78).
       "Das slawische  Proletariat muß  in Masse  in die  Internationale
       treten, Sektionen  stiften, und  wenn es notwendig scheint, (eine
       gesamtslawische Föderation)" (S. 78).
       
       Serbien, (Serbisches  Fürstentum): Serben  stifteten (Staat) nach
       Befreiung von den Türken, dessen Joch schwerer als das der Türken
       (S.  79).   Überliefert  bürokratischem  (Raub)  und  Despotismus
       (l.c.). Im türkischen Serbien weder Adel noch sehr große
       
       #612# Karl Marx
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       Grundbesitzer, noch  Industrielle, noch  besonders  reiche  Kauf-
       leute; gebildet neue bürokratische Aristokratie, meistenteils auf
       Regierungskosten in  Odessa, Moskau,  Petersburg, Wien,  Deutsch-
       land, Schweiz, Paris erzogen (S. 79).
       Die Bulgaren  wollen nichts  wissen von  serbischem (Dusan-Zaren-
       reich); ebensowenig  die (Kroaten)  und die  (Montenegriner)  und
       bosnischen Serben.  Für alle diese Länder nur ein Weg der Rettung
       und  Vereinigung  -  die  soziale  Revolution,  aber  keinesfalls
       (Staatskrieg), der  nur zu  ihrer Unterjochung durch Rußland oder
       Östreich oder beide führen kann (S. 86).
       Im tschechischen  Böhmen glücklicherweise  Reich  und  Krone  des
       Wenzeslaus noch nicht hergestellt; die Wiener Obrigkeit behandelt
       sie einfach als Provinz, nicht einmal mit den Privilegien Galizi-
       ens, und  doch in Böhmen soviel politische Parteien, wie ihrer in
       dem lieben  1*) slawischen (Staat).  "Ja, dieser verfluchte deut-
       sche Geist  der Politikerei  und (Staatlichkeit), so eingedrungen
       in die  Bildung der tschechischen Jugend, daß sie der ernsten Ge-
       fahr unterworfen  ist, am  Ende die  Möglichkeit (einzubüßen, ihr
       Volk zu  verstehen) (S.  86). In allen östreichischen Städten, wo
       die slawische Bevölkerung vermischt mit der deutschen, nehmen die
       slawischen Arbeiter den energischsten Anteil an allen allgemeinen
       Kundgebungen des  Proletariats. Aber in diesen Städten existieren
       fast keine  andren Arbeiterassoziationen,  außer denen, die aner-
       kannt das Programm der Sozialdemokratie Deutschlands, so daß fak-
       tisch die  slawischen Arbeiter,  fortgerissen durch ihren sozial-
       revolutionären Instinkt,  von einer Partei geworben werden, deren
       direktes und  laut ausgesprochnes  Ziel - die Stiftung eines pan-
       germanischen (Staats), d.h. enormen deutschen (Gefängnisses)" (S.
       88).
       
       Sie müssen  das Programm  der von  B.  geleiteten  Internationale
       annehmen (S.  89) (speziell  als Anwerbungsbüro empfohlen {S. 89,
       Note} in Zürich slawische Sektion, gehörend zur Jura-Föderation).
       Östreich (Schluß).  Reich existiert nur noch durch die berechnete
       Duldung Preußens  und Rußlands,  die noch nicht zu seiner Teilung
       schreiten wollen,  weil jedes  von beiden  hofft auf die günstige
       Gelegenheit, das größte Stück zu nehmen.
       
       
       Rußland: "Eine  nützliche Konstitution  für das  Volk gibt es nur
       eine - die Auflösung des (russ.) Reichs" (S. 96).
       Hat es  die militärische  Kraft, um  sich zu messen mit dem neuen
       deutschen Reich?  Das gegenwärtig  die einzig politische Frage in
       Rußland (l.c.).  "Diese Frage...  gestellt mit unabwendbarer Not-
       wendigkeit durch  die neue  Lage Deutschlands, welches über Nacht
       (?? ????  ????) (zu  einem riesigen  und allmächtigen  Staat  an-
       wuchs). Aber  die ganze Geschichte beweist und die rationelle Lo-
       gik bestätigt, daß zwei gleichstarke (Staaten) nicht zugleich ne-
       beneinander bestehn  können. Eins  muß das andre unterwerfen" (S.
       97). Dies notwendig für Deutschland. "Nach langer, langer politi-
       scher Erniedrigung  ist es plötzlich das mächtigste Reich auf dem
       europäischen Kontinent
       -----
       1*) Bei Bakunin: jedem beliebigen
       
       #613# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       geworden. Kann  es dulden,  daß neben ihm, sozusagen unter seiner
       Nase, eine Macht ganz unabhängig von ihm, durch es noch nicht be-
       siegt und wagend sich ihm gleichzustellen; und dazu noch die rus-
       sische Macht, (die verhaßteste)!" (S. 97).
       "Wir glauben,  daß wenige  Russen, die  nicht wüßten,  zu welchem
       Grad die  Deutschen, alle Deutschen, aber hauptsächlich die deut-
       schen Bourgeois,  und unter  ihrem Einfluß, o weh! auch das deut-
       sche Volk  selbst Rußland  haßt" (S.  97). Dieser  Haß  eine  der
       stärksten Nationalleidenschaften Deutschlands (S. 98).
       Anfangs ehrlicher  Haß deutscher  Zivilisation gegen  tartarische
       Barbarei (S.  98). In den 20er Jahren Protest des politischen Li-
       beralismus gegen  politischen Despotismus (l.c.). Sie schoben die
       ganze Verantwortlichkeit der Heiligen Allianz auf Rußland (I.c.).
       Anfang der  30er Jahre Polensympathie, Russenhaß als Unterdrücker
       des polnischen  Aufstands (l.c.).  Vergaßen wieder,  daß  Preußen
       helfend bei der Unterdrückung Polens; Preußen half, weil mit pol-
       nischem  Sieg   das  ganze  preußische  Polen  aufgestanden,  was
       "erstickt hätte  im Keim  die (entstandene Macht) der preußischen
       Monarchie" (l.c.).
       In der 2. Hälfte der 30er Jahre neuer Grund des Russenhasses, gab
       ihm politischnationale  Richtung die  beginnende slawische Frage:
       Bildung in Östreich und Türkei von slawischer Partei, hoffend und
       erwartend Hilfe von Rußland. Panslawische republikanische Födera-
       tion von  den Dekabristen  (Pestel, Murawjow-Apostol  etc.) ange-
       strebt. Nikolaus nahm das auf, aber als panslawischen, einheitli-
       chen und autokratischen (Staat) unter seinem eisernen Zepter. An-
       fang der  30er und  40er Jahre  aus Petersburg und Moskau reisten
       russische Agenten  nach den  slawischen Landen, einige offiziell,
       andre freiwillig und unbezahlt; letztere gehörig zur Moskauer Ge-
       sellschaft der Slawophilen. Griff um sich unter den südlichen und
       westlichen Slawen  panslawistische Propaganda.  Viele Broschüren,
       teils deutsch  geschrieben, teils darin übersetzt. Angst des pan-
       germanischen Publikums.  Böhmen - russisch! - Verdarb ihnen Appe-
       tit und  Schlaf (S.  99). Seit  dieser Zeit  der größte Haß gegen
       Rußland; Russen lieben ihrerseits nicht die Deutschen. Unter die-
       sen Bedingungen  möglich, Nachbarstaaten,  das (allrussische) und
       pangermanische Reich? (S. 100). Aber Gründe für beide, Frieden zu
       halten, existierten  und existieren  noch. Erstens: Polen (l.c.).
       Östreich nicht  für die Teilung etc. Für es Polen Schutzmacht ge-
       gen Rußland  und Preußen. Zweitens: Östreich, das sie teilen wol-
       len. Die Teilung Östreichs wird sie veruneinigen, aber nichts bis
       dahin (S. 100-102). Drittens: [das] neue deutsche Reich von allen
       gehaßt, hat  keinen Bundesgenossen außer Rußland, vielleicht Ver-
       einigte Staaten.  Hat noch viel zu tun, um die Idee des pangerma-
       nischen Reichs  zu realisieren;  Franzosen abzunehmen  ganz Loth-
       ringen; zu essen Belgien, Holland, Schweiz, Dänemark, Skandinavi-
       sche Halbinsel;  russische Ostseeprovinzen,  um allein  im Balti-
       schen Meer zu schalten. Es läßt Ungarn den Magyaren, Galizien mit
       der östreichischen  Bukowina den  Russen, behält  sich  vor  ganz
       Östreich bis Triest (incl.) und Böhmen, welches das russische Ka-
       binett auch  nicht denkt, ihm zu bestreiten... "Wir" (B.) "wissen
       positiv, daß auf Rechnung der mehr oder minder entfernten Teilung
       des östreichischen  Reichs  seit  lange  geführt  Werden  geheime
       Unterhandlungen zwischen  Petersburg und germanischen Höfen", wo-
       bei sie  sich natürlich  wechselseitig anzuführen  suchen.  Preu-
       ßisch-germanisches Reich isoliert nicht fähig, diese großen Pläne
       durchzuführen; "daher bildet Bund mit Rußland und wird noch lange
       
       #614# Karl Marx
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       bilden (dringende  Notwendigkeit)"... Dasselbe  für  Rußland  der
       Fall. "Eroberung nach allen Seiten hin und zu jedem Preis normale
       Lebensbedingung des  Russischen Reichs".  Nach welcher Seite nun?
       Westen oder  Osten? Westlicher  Weg der panslawische und die Ver-
       bindung mit  Frankreich gegen  die vereinigten Kriegskräfte Preu-
       ßens und  Östreichs, und wahrscheinliche Neutralität Englands und
       der Vereinigten  Staaten. Andrer  (östlicher) Weg  führt nach In-
       dien, Persien,  Konstantinopel. Dort  Feinde  östreich,  England,
       wahrscheinlich mit ihnen Frankreich; Bundesgenossen Germanien und
       die Vereinigten Staaten (S. 102-104).
       Der  erste   Weg  (panslawischer,   gegen  das  Deutsche  Reich).
       Frankreichs Hilfe nichts wert; seine Einheit für immer zerrissen,
       etc.; dieser Weg revolutionär; führt zur Empörung der Völker, na-
       mentlich der  slawischen  gegen  ihre  gesetzlichen  (Herrscher),
       östreichischen und  preußisch-germanischen. Nikolaus verwarf die-
       sen Weg aus Instinkt, Prinzip etc. (!) Aber zudem (darf man nicht
       verkennen, daß  für die  allrussische Staatlichkeit die Befreiung
       Polens entschieden  unmöglich ist). Ganze Jahrhunderte Kampf zwi-
       schen beiden  Formen (des Staates), (Wille der Schlachta) und za-
       rische Knute.  Die Polen  schienen oft  dem Sieg nah. Aber sobald
       das Volk  aufstand, 1612 in Moskau, dann Erhebung der Kleinrussen
       und litauischen (Leibeigenen) unter Bogdan (Chmelnizki) - vorbei.
       "Die russische Knute siegte dank dem Volk"
       
       Dieses Geständnis S. 110.
       
       Auf den  Trümmern des schlachta-polnischen (Staats) gegründet das
       (allrussische) Knutenreich. "Nehmt ihm diese Grundlagen, die Pro-
       vinzen, die  eingingen bis  1772 in  den (Bestand) des polnischen
       (Staats), und das allrussische Reich verschwindet" (S. 110). Dies
       die reichsten,  fruchtbarsten, bevölkertsten Provinzen; mit ihrem
       Wegfall Reichtum  und Macht  des Russischen  Reichs um die Hälfte
       vermindert. Nach diesem Verlust folgt der des (Baltenlandes), und
       unterstellt, das  polnische Reich wirklich mit neuem Leben herge-
       stellt, reißt  es Rußland  ab ganz Kleinrußland, welches entweder
       polnische Provinz  wird oder unabhängiger (Staat). Verliert damit
       auch seine  Grenze am Schwarzen Meer, von allen Seiten von Europa
       abgeschnitten und  nach Asien  verjagt. Einige  glauben, daß  das
       Russische Reich  Polen wenigstens Litauen geben kann. (Nein). Die
       Nachbarschaft (Moskaus)  und Polens leitet den polnischen Patrio-
       tismus notwendig  zur Unterjochung  der baltischen  Provinzen und
       der Ukraine.  Es reicht  hin, nur das jetzige Königreich Polen zu
       befreien, und  Warschau vereinigt  sich sofort mit Wilna, Grodno,
       (Minsk), Kiew,  um nicht  zu sprechen von Podolien und Wolhynien.
       Polen so  rastlos Volk,  daß man ihm kein freies Plätzchen lassen
       kann; wird  sofort Zentrum  allrevolutionären Widerstands. Russi-
       sches Reich  kann seine  Existenz nur verlängern unter der Bedin-
       gung, Polen  (zu knebeln)  nach dem  Murawjowschen System...  Das
       russische Volk hat nichts gemein mit dem Russischen Reich, entge-
       gengesetzte Interessen.
       
       Bei dieser Gelegenheit macht B. folgenden, nach seinem eignen Sy-
       stem blödsinnigen  Satz: "Sobald das Russische Reich sich auflöst
       und [das]  großrussische, kleinrussische  [Volk] und andre Völker
       ihre Freiheit etablieren,
       
       #615# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       werden für  sie nicht (erschreckend) sein die ehrgeizigen Absich-
       ten der  polnischen (Staats)-Patrioten" (comment donc! 1*)). "Sie
       können nur  tödlich sein  für das Reich" (S. III). Darum wird der
       Zar freiwillig  nicht auf  das kleinste  Stück Polen  verzichten.
       "Und, ohne  die Polen  zu befreien,  kann er  die Slawen aufrufen
       (zum Aufstand)?" (S. 104-111).
       
       Und zur  Zeit Nikolaus'  der panslawische Weg versprach noch mehr
       Nutzen als  jetzt. Damals noch auf Aufstand von Magyaren und Ita-
       lienern gegen  östreich zu  rechnen. Jetzt Italien wahrscheinlich
       neutral, da  östreich ihm  jetzt (in solchem Fall) freiwillig die
       paar italienischen Reste geben würde, die es noch hat. Die Magya-
       ren, in Anbetracht ihrer eignen (staatlichen) 2*) Verhältnisse zu
       den Slawen,  würden sich leidenschaftlich auf Seite der Deutschen
       gegen Rußland  stellen. Der  russische Kaiser  könnte nur rechnen
       auf mehr  oder  weniger  Mitwirkung  der  östreichischen  Slawen;
       wollte er  auch die  türkischen aufstehn  machen, so neuer Feind,
       England. Aber  im östreichischen Reich nur 17 Mill. Slawen; davon
       ab 5 Mill, für Galizien, wo die Polen die Russinen 3*) paralysie-
       ren würden,  bleiben 12  Mill., und davon noch die ab, die in die
       östreichische Armee  geworben und die nach Art jeden Heers schla-
       gen würden, gegen wen es die Obrigkeit befiehlt.
       
       Diese 12  Mill, (die  bei B.  lauter Männer und Erwachsene) nicht
       vereint auf  einem oder wenigen Punkten; zerstreut über die ganze
       Ausdehnung des  östreichischen Reichs,  sehr verschiedne Dialekte
       sprechend, vermischt mit Deutschen, Magyaren, Italienern, rumäni-
       schen Völkerschaften.
       
       "Das ist sehr viel, um in beständiger Angst zu halten die östrei-
       chische Obrigkeit und im allgemeinen die Deutschen, aber sehr we-
       nig, um  zu leisten den russischen Heeren ernsthafte Stütze gegen
       die vereinigten  Kräfte des  preußischen  Deutschlands  und  Öst-
       reichs." Die  russische Regierung  weiß das und denkt nicht dran,
       panslawischen Krieg  gegen Östreich  zu führen,  der notwendig in
       Krieg gegen  ganz Deutschland umschlagen würde. Dennoch führt sie
       vermittelst ihrer Agenten tatsächliche panslawische Propaganda in
       den östreichischen  Gebieten. Es  ist ihr nützlich, solche blinde
       etc. Anhänger in allen östreichischen Provinzen zu haben. "Dieses
       paralysiert, hindert,  beunruhigt die östreichische Regierung und
       verstärkt den  Einfluß Rußlands  nicht nur  auf östreich, semdern
       auf  ganz   Deutschland.  Das   kaiserliche  Rußland   hetzt  die
       östreichischen Slawen gegen Magyaren und Deutsche, sehr wohl wis-
       send, daß sie zu guter Letzt sie überliefern wird an Deutsche und
       Magyaren" (S. 112, 113).
       Auf dem  westlichen, panslawischen Weg hat Rußland zu kämpfen mit
       allen Deutschen, preußischen und östreichischen, mit den Magyaren
       und mit  den Polen.  Kann Rußland  in Angriffskrieg  (den es  zur
       scheinbaren Befreiung  der Slawen  führen müßte) auch nur mit dem
       preußischen Deutschland  fertig werden? Die russische Nation wird
       an Krieg kein Interesse nehmen; wie die Völker überhaupt nicht an
       rein politischen  Regierungskriegen; Beispiel  von  letzteren  in
       neuster Geschichte nur Napoleon I., der
       -----
       1*) wie denn  nun! - 2*) bei Bakunin: beherrschenden - 3*) Ruthe-
       nen
       
       #616# Karl Marx
       -----
       aber als  Fortsetzer der Revolution galt; eigentlich nur Beispiel
       der letzte  preußische Krieg  gegen das  Zweite Kaiserreich.  Das
       pangermanische Interesse überwog damals jedes andre Interesse, im
       Geist und  Herzen aller Deutschen ohne Unterschied, und dies kon-
       stituiert augenblicklich die spezielle Kraft Deutschlands... Rus-
       sen zeigten  für ihre  Regierung nicht  einmal Interesse im Krim-
       krieg, "nicht Eroberungs-, sondern Defensivkrieg".
       
       Dies S.  117; dagegen  aber der  Krieg mit Napoleon III. offenbar
       bloßer Offensivkrieg?
       
       Der russische  Bauer weiß  nicht einmal,  daß er Slawe ist... für
       die slawischen Völker ein Krieg gegen alle (Staaten), zunächst im
       Bund mit  den lateinischen,  wie die Slawen bedroht von der deut-
       schen Erobrungspolitik... Mit den Deutschen erst, sobald sie auch
       (antistaatlich)... Aber  bis zu  der Zeit  Allianz der Slawen mit
       den Lateinern  gegen die  deutsche Erobrungspolitiker bleibt Not-
       wendigkeit... "Étrange  1*) Beruf des deutschen Stamms! Aufregend
       (aufweckend) gegen  sich die  allgemeine Besorgnis und den allge-
       meinen Haß,  vereinigen sie  die Völker"...  "In diesem Sinn auch
       das russische  Volk völlig  slawisches Volk."  Aber diese  Feind-
       schaft reißt  sie 2*)  nicht so weit, daß es aus eignem Entschluß
       Krieg gegen  sie führte; wird sich nur zeigen, wenn die Deutschen
       selbst nach  Rußland rücken  und sich  einfallen lassen,  dort zu
       wirtschaften, - aber kein Anteil an Offensivkrieg gegen die Deut-
       schen... Reichen aber die Regierungsmittel, finanzielle und krie-
       gerische, gegen  Deutschland?... Im unterstellten Fall (russische
       Offensive) haben  sich die  Deutschen bei  sich zu  schlagen  und
       (diesmal) wirklicher (allgemeiner) Aufstand aller Klassen und der
       ganzen Bevölkrung Deutschlands (S. 114 bis 120).
       Der russische  Offizier beßrer Mensch als der deutsche... zivili-
       sierte wilde  Bestie... Deutsche, besonders Offiziere und Beamte,
       vereinigen Bildung  mit Barbarei, Gelehrsamkeit mit Bedientenhaf-
       tigkeit... Aber  für reguläre  Armee gibt's  nichts Vollkommneres
       als den  deutschen Offizier  - sein  ganzes Leben:  gehorchen und
       kommandieren... Der  deutsche Soldat ist ditto musterhaft von Na-
       tur und durch Dressur für reguläre Armee... Brechen erst den Leib
       und damit den Geist der Soldaten ein... Disziplin etc.. Die deut-
       sche Offizierswelt  vor denen  der andren Völker den Vorzug ihrer
       Kenntnisse, theoretische  und praktische Wissenschaft des Kriegs-
       werks, glühende  und ganz pedantische Hingabe dem Kriegshandwerk,
       Genauigkeit, Akkuratesse,  (Selbstbeherrschung), hartnäckige Aus-
       dauer  (????????)   und  dazu   eine   relative   Ehrenhaftigkeit
       (?????????). Organisation  und  Ausrüstung  der  deutschen  Armee
       wirklich und  nicht bloß  auf dem  Papier, wie bei Napoleon III.,
       wie es  bei uns  sein wird.  Dazu die administrative, bürgerliche
       und besonders  militärische Kontrolle, so daß verlängerter Betrug
       unmöglich. "Bei uns dagegen von unten nach oben und von oben nach
       unten wäscht  eine Hand  die andre,  infolgedessen Ausfindung der
       Wahrheit fast unmöglich" (S. 121-128) (letzter Satz S. 128). Laßt
       Rußland selbst Million Soldaten stellen, Hälfte
       -----
       1*) Sonderbarer - 2*) bei Bakunin: reicht (statt: reißt sie)
       
       #617# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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       muß im  Innern zur Bewachung des geliebten Volks bleiben. Wieviel
       schon nötig für Ukraine, Litauen, Polen (S. 128).
       Deutschland wird  wirkliche (Millionen)-Armee, nach Organisation,
       (Dressur), Geist,  Wissenschaft, Ausrüstung  die erste  der Welt.
       Und hinter [sich] das ganze bewaffnete Volk, "welches wahrschein-
       lich nicht aufgestanden wäre gegen die Franzosen, wenn im letzten
       Krieg nicht  der preußische  Fritz, sondern Napoleon III. gesiegt
       hätte, aber  welches gegen russische (Invasion) wie ein Mann auf-
       stehn wird"...  Aber wo  wird die russische Million sein? Auf dem
       Papier... Wo  die Offiziere  und Ausrüstung?...  Kein  Geld...  5
       Mill[iarden] die  Deutschen von  den Franzosen.  Wenigstens 2 für
       Kriegsrüstung... "Ja,  ganz Deutschland gegenwärtig verwandelt in
       drohendes, nach  allen Seiten  borstenartiges Arsenal." Mit eurem
       ersten Schritt  in Deutschland,  ihr auf den Kopf geschlagen, und
       euer Angriffskrieg  verkehrt sich  sofort in  Verteidigungskrieg;
       das deutsche  Heer überschreitet  die Grenzen  des  allrussischen
       Reichs. Dann  allgemeine Erhebung des russischen Volks? "Ja, wenn
       die Deutschen  russische (Gebiete)  beschreiten, z.B. direkt nach
       Moskau marschieren;  aber wenn  sie diese  Dummheit nicht begehn,
       sondern nordwärts  nach Petersburg  marschieren, durch die Balti-
       schen Provinzen,  in denen sie finden nicht nur unter der Bürger-
       schaft, protestantischen Pastoren und Juden, unzufriednen Baronen
       und ihren  Kindern, Studenten,  sondern auch in unsern unzähligen
       ostseeischen Generalen,  Offizieren, hohen und niedrigen Beamten,
       die Petersburg füllen und über ganz Rußland zerstreut sind, viele
       Freunde; noch  mehr, sie  erheben gegen das Russische Reich Polen
       und Kleinrußland" (S. 128-131).
       Die Polen  haben keinen gefährlichren oder bösartigeren Feind als
       Bismarck. "Es scheint, daß er die Aufgabe seines Lebens darin ge-
       setzt, sie  vom Antlitz  der Erde  abzuwischen (???????). Und all
       das hindert  ihn nicht,  die Polen  aufzurufen zur Empörung gegen
       Rußland, wann  dies verlangen  die Interessen  Deutschlands.  Und
       trotzdem, daß die Polen ihn und Preußen hassen, um nicht zu sagen
       ganz Deutschland,  was die  Polen (sich nicht eingestehen wollen,
       obgleich in der Tiefe ihrer Seele nicht Weniger als bei allen an-
       deren slawischen Völkern derselbe historische Haß gegen die Deut-
       schen lebt)...,  werden die  Polen zweifelsohne  sich erheben auf
       den Ruf Bismarcks" (S. 133).
       "In Deutschland  und in  Preußen selbst existiert seit sehr lange
       zahlreiche und  ernsthafte politische  Partei, sogar  3 Parteien,
       liberal-progressive, rein  demokratische und sozialdemokratische,
       zusammen bildend die unzweifelhafte Mehrheit in den deutschen und
       preußischen Parlamenten und noch viel entschiedner in der Gesell-
       schaft selbst,  Parteien, welche,  vorhersehend und zum Teil wün-
       schend und  gleichsam hervorrufend  Krieg Deutschlands gegen Ruß-
       land, begriffen haben, daß der Aufstand und die Wiederherstellung
       Polens (in  gewissen Grenzen)  notwendige Bedingung dieses Kriegs
       sein wird"  (S. 133).  Weder Bismarck  noch eine  dieser Parteien
       wollen Polen  alle ihnen  preußischerseits abgerißnen Stücke wie-
       dergeben; weder  Königsberg noch  Danzig, noch das kleinste Stück
       von Westpreußen;  auch vom  posenschen Herzogtum sehr wenig. Aber
       sie geben  ihnen ganz Galizien mit (Lwow) und Krakau, da dies al-
       les jetzt  östreichisch, und  soviel russisches [Gebiet], als die
       Polen nehmen  können. Außerdem Geld, Waffen und Kriegshülfe, ver-
       steht sich  in der  Form einer  polnischen Anleihe  auf  deutsche
       Bürgschaft... Polen  werden mit  Freude zugreifen... Mit geringer
       Ausnahme beschäftigen
       
       #618# Karl Marx
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       sich die  Polen nicht  mit der  slawischen Frage; ihnen (sind bei
       weitem verständlicher  und näher die Magyaren)... Zahlreiche Par-
       teien bei  den Polen;  im Hintergrund immer die Wiederherstellung
       des polnischen  (Staats) in den Grenzen von 1772. Der Unterschied
       der Parteien  nur, daß den einen dieser, den andern jener Weg als
       der einzig richtige zu diesem Zweck gilt... Bismarck wird von ih-
       nen verlangen förmliche Verzichtleistung auf den größten Teil der
       altpolnischen Länder,  die jetzt preußisch... Wahr, étrange Polo-
       gne 1*),  wiederhergestellt unter dem Schutz des Grafen Bismarck.
       Aber besser  (sonderbares) Polen  als keins;  außerdem denken die
       Polen, möglich  sich später  auch zu befreien von dem Schutz Bis-
       marcks... Polen  wird aufstehen;  Litauen ditto,  und  ein  wenig
       Sturm und  Kleinrußland steht  auf...  Die  polnischen  Patrioten
       klägliche Sozialisten  und bei sich zu Haus werden sie sich nicht
       mit sozial-revolutionärer  Propaganda beschäftigen; wollten sie's
       auch, Bismarck würde es nicht erlauben (ziemlich nahe an Deutsch-
       land)..., aber  zu tun in Rußland und gegen Rußland. Nützlich den
       Deutschen und  Polen Bauern-(Aufstand)  in Rußland, und das ihnen
       nicht schwer;  soviel Polen  und Deutsche nun zerstreut über Ruß-
       land; lauter Bundesgenossen Bismarcks und der Polen: "Stellt euch
       unsre Lage vor: unsere Heere auf den Kopf geschlagen, fliehn; ih-
       nen auf  dem Fuß  nach marschieren  die Deutschen auf Petersburg,
       aber in  Süd und West, nach (Smolensk) und Kleinrußland marschie-
       ren die  Polen -  und zur selben Zeit, aufgeregt durch Propaganda
       von außen  und innen,  in Rußland,  in  Kleinrußland  allgemeiner
       siegreicher Bauernaufstand" (S. 138 dieser Satz) ... Der deutsche
       (Staat) würde den russischen so ganz von Europa abschneiden.
       
       "Wir sprechen,  versteht sich,  vom Reich  (russischen) und nicht
       vom russischen Volk, welches, wann es ihm nötig sein wird, finden
       oder (sich  bahnen wird) (?????????, sich brechen, durchschlagen,
       percer, se faire jour) ????? ?????? (überall, allenthalben, einen
       Weg)". (Dieser  Satz S. 138, 139.) Also, indem das russische Volk
       als Ganzes  handelt und  sich Wege durchschlägt, um nicht von Eu-
       ropa abgeschnitten  zu werden,  führen diese  Anarchisten politi-
       schen Krieg.  Und was will Bak.? Die Deutschen und Polen zertrüm-
       mern das  Russische Reich,  aber rufen zugleich allgemeinen sieg-
       reichen Bauernaufstand  in Rußland hervor. Bismarck und die Polen
       werden diese Bauern in keiner Weise hindern, sich "anarchistisch"
       zu konstatieren.  Im Gegenteil:  sie machen wirksamere Propaganda
       unter ihnen als die "weltberühmte" Allianz; und wenn dieser anar-
       chistische Zustand erst in so großen Dimensionen hergestellt ist,
       werden die  lateinischen und  slawischen Brüder  Feuer fangen. Ob
       dies nun  Folge eines  Kriegs, den Rußland gegen Deutschland oder
       vice versa anfängt, kann nichts an der Sache ändern. Nebenbei, da
       in Serbien,  nach Bak.,  außer dem  Volke  nichts  existiert  als
       "Beamtenklasse', worin soll dann die serbische soziale Revolution
       bestehn.
       ----
       1*) sonderbares Polen
       
       #619# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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       außer in  der Beseitigung  der Beamtenklasse, die dort allein den
       (Staat) konstituiert? (S. 138, 139).
       
       Also für  das allrussische  Reich der  Weg nach Europa jetzt ver-
       sperrt; von  seinen Toren  hält Graf  Bismarck die Schlüssel, der
       sie für nichts in der Welt dem Graf Gortschakow einhändigen wird.
       Aber wenn  der nordwestliche Weg versperrt, dann der südliche und
       südöstliche, Buchara,  Persien, Afghanistan,  Ostindien, schließ-
       lich Konstantinopel.  Schon lange  russische Politiker  die Frage
       gestellt, ob Sitz und Schwerpunkt des Reichs nicht von Petersburg
       nach Konstantinopel  zu verlegen.  Zwar wollten diese unersättli-
       chen Patrioten  beides, Baltisches  Meer und Konstantinopel. Aber
       gewöhnen sich,  das aufzugeben;  namentlich  die  Augen  geöffnet
       durch Ereignisse  der letzten Jahre; nämlich "Vereinigung Schles-
       wig-Holsteins und  Hannovers mit dem preußischen Königreich, wel-
       ches dadurch verwandelt in Nordseeische Macht" (S. 139).
       "Allen bekannt  das Axiom,  daß kein (Staat) in der Reihe des er-
       sten Rangs  sein kann  ohne weite  Meeresgrenzen, die ihm sichern
       unmittelbare Verbindung  mit der ganzen Welt und ihm erlauben di-
       rekte Teilnahme  an der  Weltbewegung, der  materiellen,  gesell-
       schaftlichen,  politisch-sittlichen  (??????????-????????????)...
       ohne das  bald stagnant...  China... Es  existieren mannigfaltige
       Bedingungen dazu,  daß ein  Volk,  konsolidiert  (??????????)  in
       einen Staat,  Teil an  der Weltbewegung nehmen kann; heute gehört
       (???????????) dazu(natürlicher  Verstand und angeborene Energie),
       Bildung, Fähigkeit  zu produktiver  Arbeit (und  weiteste  innere
       Freiheit, so  unmöglich sie  im übrigen  für die  Massen in einem
       Staate ist). Aber zu diesen Bedingungen gehört auch unfehlbar die
       Seeschiffahrt, der  Seehandel, weil die Seeverbindung wegen ihrer
       relativen Wohlfeilheit, Kürze und auch Freiheit, in dem Sinn, daß
       das Meer niemand gehört, alle übrigen... - eingeschlossen die Ei-
       senbahnen - übertrifft. Es mag sein, die Luftschiffahrt wird sich
       zeigen noch  tauglicher in  allen Beziehungen  und wird besonders
       wichtig sein  dadurch, daß  sie schließlich nivelliert (????????)
       die Bedingungen der Entwicklung und des Lebens für alle Länder."
       
       Dies Hauptsache  bei Bak. - Nivellieren, z.B. ganz Europa auf die
       slowakischen Mausefallhändler......Einstweilen  bleibt  Seeschif-
       fahrt das Hauptmittel zur Wohlfahrt (großer Fortschritt, (des Ge-
       deihens der Völker)) der Völker." Dies der einzige Punkt, wo Herr
       Bak. von  ökonomischen Bedingungen  spricht und einsieht, daß sie
       von dem  (Staat) unabhängige  Bedingungen und  Völkerunterschiede
       gründen...
       
       Wenn's nicht  mehr Staaten  (??????????) gibt,  und sich  auf den
       Trümmern aller  Staaten erhebt "durchaus frei und sich organisie-
       rend von  unten nach  oben ein freier brüderlicher Verband freier
       Produktiv-Assoziationen, Gemeinden und(Gebiets)-Föderationen, um-
       fassend unterschiedslos,  weil frei,  Leute  aller  Sprachen  und
       Volkstümlichkeiten, dann  wird der  Weg zum Meer allen gleich ge-
       öffnet sein:  für die  Uferbewohner unmittelbar  und für  die vom
       Meer entfernt  Wohnenden vermittelst der Eisenbahnen, vollständig
       befreit [von]  allen (staatlichen)  ?????????  (Sorge,  Fürsorge,
       Pflege), (Erhebungen)  ('l'action de prendre'), Zöllen, Beschrän-
       kungen, Schikanen, Verboten,
       
       #620# Karl Marx
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       Bewilligungen und  Einmischungen. Aber  auch dann werden die see-
       ischen Uferbewohner  eine Menge  natürlicher Vorzüge haben, nicht
       nur materieller,  sondern auch geistig-sittlicher. Die mittelbare
       1*) Berührung  mit dem  Weltmarkt und  überhaupt der Weltbewegung
       des Lebens  entwickelt außerordentlich  auch so nicht nivellierte
       Verhältnisse; mit alledem, die inländischen Bewohner, beraubt je-
       ner Vorzüge,  werden leben  und sich  entwickeln träger und lang-
       samer als die Uferbewohner. Siehe, warum so wichtig sein wird die
       Luftschiffahrt... aber  bis dahin...  werden die  Uferbewohner in
       allen Beziehungen  Avantgarde sein  und eine  Art Aristokratie in
       der Menschheit bilden."
       
       Die Bretagne z.B.!
       Und der Unterschied von Flach- und Hochland, Flußgebieten, Klima,
       Boden, Kohle,  Eisen, erworbnen Produktivkräften, materiellen und
       geistigen, Sprache,  Literatur, technischen Fähigkeiten etc. etc.
       Fourier geht da heroischer mit der Nivellierung zum Werk (S. 139-
       142).
       Bei der Gelegenheit entdeckt Bakunin, daß Deutschland (als nicht-
       seeisch) in  Handelsbeziehungen unter Holland steht und industri-
       ell unter Belgien (S. 143).
       
       Preußen, jetzt Verkörperung, Kopf und Hand Deutschlands, hat sich
       stark gegründet  (gestützt) auf  der Ost-  und Nordsee  (S. 145).
       Hamburg, Bremen,  Lübeck, Mecklenburg,  Oldenburg, Schleswig-Hol-
       stein, alles  Preußen, das  mit dem französischen Geld zwei große
       Flotten baut,  eine in  der Ostsee, andre in Nordsee, und vermit-
       telst eines  Schiffskanals, den  sie jetzt graben zur Vereinigung
       beider Meere,  werden diese  2 Flotten bald nur eine bilden. Wird
       bald viel  stärker sein als die russisch-baltische. Dann zum Teu-
       fel Riga, Rewel, Finnland, Petersburg, Kronstadt. Zum Teufel alle
       Bedeutung von  Petersburg. Gortschakow  mußte sich  das sagen  am
       Tag, wo  das alliierte Preußen ungestraft und wie mit unsrer Ein-
       stimmung unsren Bundesgenossen Dänemark plünderte.
       
       Polnische Insurrektion, (Herr) Bak.!
       
       "Er mußte begreifen, daß von jenem Tag, wo Preußen, stützend sich
       nun auf  ganz Deutschland  und bildend  in unauflöslicher Einheit
       die letzte  stärkste Kontinentalmacht; seit jener Zeit, mit einem
       Wort, als das neue deutsche Reich, unter preußischem Zepter, ein-
       nahm auf  der Ostsee seine gegenwärtige und für alle benachbarten
       Mächte so  drohende Position, die Oberherrschaft des Petersburgi-
       schen Rußlands auf jenem Meer ihr Ende erreicht hatte, vernichtet
       die große  politische Schöpfung Peters, und mit ihr zugleich ver-
       nichtet die Macht des allrussischen (Staats), wenn zur Entschädi-
       gung des Verlusts des freien Seewegs",
       
       aber frei  bis wohin?, s'il vous plaît? 2*) Den Engländern gegen-
       über "frei" bis unter die Wälle von Kronstadt,
       
       "im Norden  sich nicht  öffnet neuer Weg nach dem Süden" (S. 145-
       147). Die Zugänge noch in der Hand Dänemarks; aber das erst frei-
       willig Föderierte  dann  ganz  verschlungen  vom  pangermanischen
       Reich. Daher bald Ostsee ganz ausschließlich deutscher See und
       
       #621# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       damit Verlust  der politischen Bedeutung Petersburgs. Gortschakow
       mußte das  wissen, als  er einstimmte  zur Zerstücklung Dänemarks
       und Vereinigung Schleswig-Holsteins mit Preußen. Entweder verriet
       er Rußland  oder erhielt  förmliche Verpflichtung  Bismarcks, mit
       Rußland zusammenzuwirken zur Stiftung neuer Macht im Südosten.
       
       Für Bakunin  steht fest,  daß Offensiv-  und Defensivallianz zwi-
       schen Preußen und Rußland gestiftet nach dem Pariser Frieden oder
       wenigstens zur Zeit des polnischen Aufstandes 1863.
       
       Daher die  Sorglosigkeit, womit  Bismarck den  Krieg mit Östreich
       und dem größten Teil Deutschlands begann auf Gefahr der französi-
       schen  Einmischung   und  den  noch  entschiedneren  Krieg  gegen
       Frankreich. Die  kleinste Demonstration  Rußlands an  der  Grenze
       hätte in  diesem, und  namentlich im letzten Krieg, weitere sieg-
       reiche Bewegung  der preußischen  Armee verhindert. Ganz Deutsch-
       land, namentlich  nördlicher Teil  Deutschlands im  letzten Krieg
       durchaus entblößt  von Truppen; östreich hielt sich nur ruhig auf
       Drohung Rußlands;  Italien und England mischten sich nur deswegen
       nicht ein,  weil Rußland es nicht wollte. Hätte es sich nicht als
       so entschiednen Bundesgenossen Preußens gezeigt, hätten die Deut-
       schen nie  Paris genommen.  Aber Bismarck war offenbar überzeugt,
       daß Rußland  ihn nicht verraten würde. Worauf beruhte diese Über-
       zeugung? Bismarck  weiß, daß  russische und preußische Interessen
       ganz antagonistisch,  außer in  der polnischen  Frage. Krieg zwi-
       schen beiden unvermeidlich. Aber können Gründe zum Aufschub sein,
       wo jeder  hofft, bis zu dem Tag der Krise das unfreiwillige Bünd-
       nis besser  ausbeuten zu  können. Das  Deutsche Reich  noch  lang
       nicht befestigt,  weder nach  innen noch  außen. Im  Innern  noch
       Masse kleiner Fürsten. Nach außen östreich und Frankreich. Gehor-
       chend innerer  Notwendigkeit, sinnt  es auf  neue Unternehmungen,
       neue Kriege.  Herstellung des  mittelaltrigen Reichs  mit den ur-
       sprünglichen Grenzen, gestützt auf den patriotischen Pangermanis-
       mus, der  die ganze  deutsche Gesellschaft  beseelt;  Vereinigung
       ganz Östreichs  außer Ungarn,  aber mit  Triest und Böhmen, ganze
       deutsche Schweiz, Teil Belgiens, ganz Holland und Dänemark, nötig
       zur Stiftung  seiner Seemacht:  Pläne, die  bedeutenden Teil  des
       westlichen und  südlichen Europas  gegen es  aufhetzen und  deren
       Durchführung daher  ohne Zustimmung Rußlands unmöglich. Daher für
       das neudeutsche  Reich die  russische Allianz noch nötig (S. 148-
       151).
       Das allrussische Reich seinerseits kann die preußisch-germanische
       Allianz nicht  entbehren. Es  muß nach Südost gehn - statt Balti-
       schen Meers  das Schwarze;  sonst abgeschnitten  von Europa;  und
       dazu Konstantinopel  nötig; sonst kann ihm der Zugang ins Mittel-
       ländische Meer  stets abgeschnitten werden, wie das auch zur Zeit
       des Krimkriegs  geschah. Konstantinopel also das große Ziel. Ent-
       gegen den  Interessen des  ganzen südlichen  Europas,  Frankreich
       eingeschlossen, entgegen  den englischen  Interessen  und  selbst
       denen Deutschlands,  da die  uneingeschränkte Herrschaft Rußlands
       im Schwarzen  Meer das ganze Donau-(Ufer) in direkte Abhängigkeit
       von Rußland  stellt. Dennoch hat Preußen Rußland formell verspro-
       chen, ihm  in seiner  südöstlichen Politik  zu helfen; ebenso si-
       cher, daß es die erste Gelegenheit benutzen wird, um sein Gelübde
       zu brechen. Aber solcher Vertragbruch nicht zu erwarten jetzt, im
       Anfang selbst die Erfüllung desselben.
       
       #622# Karl Marx
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       Preußen half  Rußland Vernichtung  der  Bedingungen  des  Pariser
       Friedens; wird  es ebenso  unterstützen mit  Bezug auf Chiwa. Den
       Deutschen dazu nützlich, daß Rußland sich soweit als möglich nach
       Osten entfernt.  Was ist  der Zweck  des russischen  Kriegs gegen
       Chiwa?... Indien?  Denkt nicht [dar]an. China wäre viel leichter;
       auch plant die russische Regierung etwas der Art. "Sie strebt auf
       offne Art,  von ihm Mongolei und Mandschurei wegzunehmen" ; eines
       schönen Tags  werden wir  hören, daß  das russische Heer Sieg auf
       der Westgrenze  (!) Chinas... Die Chinesen fühlen sich beengt in-
       nerhalb ihres  Landes, zu  volkreich; daher  Auswandrung nach Au-
       stralien, Kalifornien;  andre Massen  können sich nach Norden und
       Nordwesten bewegen.  Und dann  in einem  Augenwink wird Sibirien,
       der ganze Kreis, der sich erstreckt von der Tartarischen Meerenge
       bis zum  Uralgebirg und  Kaspischen Meer,  aufhören  russisch  zu
       sein. In dieser riesenhaften Region, 12 200 000 Quadratkilometer,
       mehr als  20 ×  Umfang von  Frankreich (528 600 Quadratkilometer)
       jetzt nur  6 Mill.  Einwohner, davon nur about 1*) 2 600 000 rus-
       sisch,  alle  andren  Eingeborne,  tartarischer  oder  finnischer
       Rasse, und  die Armeegröße  ganz nichtig...  Die Chinesen  werden
       noch über den Ural, bis an die Wolga kommen... Die Bevölkrungszu-
       nahme macht den Chinesen fast unmöglich ihre verlängerte Existenz
       innerhalb der Grenzen Chinas. Im Innern Chinas energische kriege-
       rische Leute,  aufgewachsen in beständigem Bürgerkrieg, wo 10 und
       hundert Tausende  auf einmal kaputtgemacht... In der letzten Zeit
       mit europäischen  Waffen und Disziplin bekannt geworden, kurz mit
       der (staatlichen)  Zivilisation Europas.  Dabei  große  Barbarei;
       kein Freiheitsinstinkt  oder  menschlicher.  Es  vereinigen  sich
       jetzt Banden  von ihnen  unter dem  Einfluß einer Menge militäri-
       scher Abenteurer,  amerikanischer und  europäischer, die seit dem
       letzten französisch-englischen  Krieg (1860)  den Weg  nach China
       gefunden; dies große Gefahr von östlicher Seite... Mit dieser Ge-
       fahr spielt  unsre russische Obrigkeit, einfältig wie ein Kind...
       Will Grenzen  erweitern; und  Rußland bis  zu  diesem  Augenblick
       nicht imstande,  und wird es auch nie sein, zu bevölkern den neu-
       erworbnen Amurkreis,  wo auf  2 100 000 [Quadrat]kilometer,  fast
       4 x größer  als Frankreich,  mit Armee und Flotte nur 65 000 Ein-
       wohner; dabei  das Elend  des russischen Volks, daß es zum allge-
       meinen (Aufstand)  getrieben [wird]  ; hofft die russische Regie-
       rung, ihre  Macht über  den ganzen asiatischen Osten auszudehnen.
       Sie müßte  Europa ganz  den Rücken wenden, wie es Bism[arc]k auch
       will, ganze  Armee nach  Sibirien und Zentralasien wenden und als
       Tamerlan Osten  erobern; aber  dem Tamerlan folgte sein Volk, der
       russischen Regierung  nicht... Was  Indien angeht,  so können die
       Russen nicht  gegen England  sich desselben  bemächtigen... "Aber
       wenn wir  Indien nicht  erobern können,  können wir dort auflösen
       oder wenigstens  stark erschüttern die englische Herrschaft, ein-
       heimische (Aufstände) gegen es ins Leben rufen, ihnen helfen, sie
       aufrechthalten, wenn  es nötig  auch  durch  kriegerische  Einmi-
       schung."  Wird  uns  ungeheuer  viel  Leute  und  Geld  kosten...
       Wozu?... "Um  die Engländer  ohne jeden  Nutzen  zu  beunruhigen?
       (Nein), weil  die Engländer  uns hinderlich  sind. Wo hindern sie
       uns? In  Konstantinopel. Solange  die Engländer  ihre  Macht  er-
       halten, werden  sie nie und für nichts in der Welt zustimmen, daß
       Konstantinopel in
       -----
       1*) etwa
       
       #623# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       unsren Händen  neue Hauptstadt würde nicht nur des allrussischen,
       sondern auch des slawischen und östlichen Reichs. Darum führt die
       russische Regierung  den Krieg  in Chiwa;  daher seit  altem  ihr
       Streben, sich  Indien zu  nähern. Sie sucht Punkt, wo sie England
       beschädigen kann,  und keinen  andren findend,  bedroht sie es in
       Indien. So  sucht sie  England mit  dem Gedanken auszusöhnen, daß
       Konstantinopel russische  Stadt werden muß"... Obergewalt im Bal-
       tischen Meer unabwendlich verloren... Das Russische Reich, aufge-
       baut auf  Bajonett und Knute, allen Volksmassen verhaßt, mit Ein-
       schluß der  slawischen, zu  beginnen mit dem großrussischen Volk,
       demoralisiert, desorganisiert  etc.. kann nicht kämpfen gegen das
       neuerstandne Deutsche Reich. Also "notwendig, aufs Baltische Meer
       zu verzichten  und den  Moment abzuwarten, wo das ganze baltische
       (Gebiet) deutsche Provinz geworden. Verhindern kann das nur (eine
       Volksrevolution). Aber solche Revolution für den (Staat) der Tod,
       und nicht  in ihr  wird unsre  Regierung  sich  Rettung  suchen".
       (Dieser letzte  Satz S.  160.) Für sie bleibt keine andre Rettung
       als im  Bündnis mit  Deutschland. Ostsee  entsagend, muß  sie  im
       Schwarzen Meer  Entschädigung suchen,  selbst für ihre politische
       Existenz, und  kann das  nur mit  deutscher Hülfe. "Die Deutschen
       haben sich  verpflichtet zur Hilfe. Wir sind überzeugt, formeller
       Vertrag geschlossen zwischen Bism[arck] und Gortsch[akow]. Natür-
       lich Deutsche  denken nicht  an Erfüllung. Sie können der Willkür
       Rußlands nicht die Donaumündung und ihren Donauhandel anheimstel-
       len; großes  panslawisches Reich  im Süden  Europas zu errichten,
       wäre selbstmörderisch von Seiten des pangermanischen Reichs. Aber
       lenken und  stoßen die  russischen Heere  nach Zentralasien, nach
       Chiwa unter dem Vorwand, das sei der direkteste Weg nach Konstan-
       tinopel, das  ist ein  andres Ding. Gortschakow und Alexander II.
       geprellt von  Bismarck wie weiland Nap[oleon] III. Aber geschehn,
       nichts dran zu ändern. Unmöglich den russischen schwachen Kräften
       (??????? ?????)  umzustoßen das  neue germanische Reich; das kann
       nur die  Revolution, und solange diese nicht siegreich in Rußland
       oder Europa,  wird siegen  und alle überwältigen das (staatliche)
       Deutschland, und die russische Regierung, wie auch alle kontinen-
       talen Regierungen  in Europa,  werden bestehn  nun nur mit seiner
       Erlaubnis und  (Gnade)".....Die Deutschen  mehr als je zuvor sind
       unsre Herren  geworden, und nicht umsonst feierten alle Deutschen
       in Rußland so glühend und geräuschvoll die Siege der germanischen
       Heere über  Frankreich; nicht umsonst empfingen alle Petersburger
       Deutschen so triumphierend den neuen pangermanischen Kaiser." "In
       gegenwärtiger Zeit,  auf dem  ganzen Kontinent  Europas blieb nur
       ein wahrhaft  selbständiger (Staat)  - dieses  Deutschland... Der
       Hauptgrund der (Instinkt der Öffentlichkeit), der den charakteri-
       stischsten Zug  des deutschen  Volks bildet. Instinkt einerseits,
       blinden Gehorsams vor den Stärkern, rücksichtsloser Unterdrückung
       der Schwächern" (S. 151-163).
       
       Folgt nun Übersicht der Geschichte Deutschlands der neuesten Zeit
       (seit 1815  besonders) zum  Beweis  ihres  1*)  Knechtssinns  und
       Unterdrückungssinns...
       -----
       1*) der Deutschen
       
       #624# Karl Marx
       -----
       Von letztrem  besonders die  Slawen zu leiden, deren "historische
       Bestimmung", wenigstens  im Norden  und Osten,  nach ihrer eignen
       Auffassung,  Ausrottung,   Versklavung   und   "gewaltsame   Ver-
       deutschung" der  slawischen Stämme.  "Diese lange  und (traurige)
       Geschichte, deren  Andenken tief bewahrt in allen slawischen Her-
       zen und  zweifellos widerschallen wird im letzten unvermeidlichen
       Kampf gegen  die Deutschen, wenn die soziale Revolution sie nicht
       vorher besänftigt" (S. 164).
       
       Folgt nun  Geschichte des deutschen Patriotismus seit 1815. (Sein
       Material aus Prof. Müllers Geschichte von 1815-1866.)
       
       "Der politische  Bestand des  preußischen Königreichs  (1807) nur
       geschont dank den Bitten Alexanders] I." (S. 168-169).
       Fichtes Reden  an die  deutsche Nation:  (Aber die heutigen Deut-
       schen haben  unter Beibehaltung  der ganzen Ungeheuerlichkeit der
       Ansprüche ihres  patriotischen Philosophen  auf seinen Humanismus
       verzichtet... Ihnen  ist geläufiger  der Patriotismus des Fürsten
       Bismarck oder des Herrn Marx) (S. 171).
       
       Nach Napoleons  Flucht (sagt  B.) aus  Rußland "Friedrich Wilhelm
       III. mit  Tränen (der  Rührung und Dankbarkeit) umarmte in Berlin
       seinen Retter, den allrussischen Kaiser" (l.c.).
       
       "Es blieb  daher Östreich  nur eins  übrig,  nicht  zu  ersticken
       Deutschland" dadurch,  daß es  mit allen  seinen  Besitzungen  in
       Deutschen Bund trat, wie es ursprünglich wollte, "aber gleichzei-
       tig auch  Preußen nicht zu erlauben, sich an die Spitze des Deut-
       schen Bundes zu stellen. Diese Politik befolgend, konnte es rech-
       nen auf  die tatsächliche Hilfe Frankreichs und Rußlands. Die Po-
       litik Rußlands  bis zur letzten Zeit, d.h. bis zum Krimkrieg, be-
       stand namentlich  in  der  systematischen  Aufrechterhaltung  der
       wechselseitigen Rivalität  zwischen östreich  und Preußen, so daß
       keins der  beiden das Übergewicht über das andre erhalte, und zur
       selben Zeit  in Erweckung von Mißtrauen und Angst in den kleinern
       und mittlern Fürstentümern Deutschlands und in ihrem Schutz gegen
       Östreich und  Preußen" (S.  183). Preußens  Einfluß hauptsächlich
       moralisch, viel  von ihm  erwartet (nach 1815). Wichtig daher für
       Metternich, daß  es keine  Konstitution (versprochne)  gebe, sich
       mit östreich  an die  Spitze der Reaktion stelle. - In diesen Be-
       strebungen fand  er glühendste (Unterstützung) in Frankreich, ge-
       lenkt von den Bourbonen, und im Kaiser Alexander, dirigiert durch
       (Araktschejew)" (S. 184).
       "Die Deutschen bedürfen der Freiheit nicht. Das Leben ist für sie
       einfach undenkbar ohne Obrigkeit, das heißt ohne obersten Willen,
       obersten Gedanken  und eiserne Hand, (die sie antreibt). Je stär-
       ker diese  Hand, desto  stolzer sind sie und desto angenehmer ist
       ihnen das Leben" (S. 192).
       1830-1840. Blinde  Nachahmung der Franzosen. "Die Deutschen hören
       auf, Gallier  zu fressen,  aber dafür  wenden sie allen ihren Haß
       gegen Rußland"  (S. 198).  "Alles hing  ab vom  Ausgang der  pol-
       nischen Revolution. Wenn sie siegreich, die preußische Monarchie,
       losgerissen (losgetrennt)  von ihrer nordöstlichen Stütze und ge-
       zwungen", wenn  nicht alle,  so beträchtlichen  Teil [ihrer] pol-
       nischen Besitzungen  aufzugeben, "wäre  gezwungen gewesen,  neuen
       Stützpunkt zu suchen in Deutschland selbst, und da es das
       
       #625# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       damals nicht  konnte auf  dem Weg der Eroberung, ... so liberaler
       Reformen" (S.  199). Nach der Niederlage der Polen Friedrich Wil-
       helm III.,  der seinem  Schwiegersohn, Kaiser Nikolaus, so bedeu-
       tende Dienste  geleistet, "warf  die Maske  ab" und verfolgte die
       pangermanischen Patrioten heftiger als früher (S. 200).
       "In der  Überzeugung, daß  die Volksmassen  tragen in  ihren mehr
       oder minder  durch die Geschichte entwickelten Instinkten, in ih-
       ren täglichen  Bedürfnissen und in ihren bewußten oder unbewußten
       Bestrebungen alle  Elemente ihrer  normalen zukünftigen Organisa-
       tion, suchen wir jenes Ideal (die gesellschaftliche Organisation)
       im Volk  selbst, und da jede (staatliche) Gewalt, jede Obrigkeit,
       durch ihr  Wesen und ihre Lage außerhalb des Volks gestellt, über
       ihm, muß  sie unvermeidlich  danach streben, es unterzuordnen ihm
       fremden Ordnungen und Zielen, darum erklären wir uns Feinde jeder
       obrigkeitlichen, (staatlichen)  Gewalt, Feinde  der (staatlichen)
       Organisation im  allgemeinen, und  glauben, daß das Volk nur dann
       glücklich sein  kann, frei, wenn es sich organisierend (von unten
       nach oben),  auf dem Weg selbständiger und durchaus freier Verei-
       nigungen (??????????)  und (frei von) jeder offiziellen Bevormun-
       dung, (aber nicht frei von verschiedenen und zugleich freien Ein-
       flüssen von  Personen und  Parteien selbst  sein Leben  gestalten
       wird)" (S. 213). Dies die "Überzeugungen der sozialen Revolution,
       und deshalb  nennt man uns Anarchisten" (S. 213). "Die Idealisten
       jeder Art,  Metaphysiker, Positivisten,  Verteidiger des Vorherr-
       schens der Wissenschaft über das Leben, doktrinäre Revolutionäre,
       alle zusammen,  mit gleichem  Eifer (?????),  obgleich  mit  ver-
       schiednen  Argumenten,   schützen  (??????????)   die  Idee   des
       (Staates) und  der (staatlichen)  Gewalt, erblickend  darin, sehr
       logisch in  ihrer Art, die einzige Rettung der Gesellschaft. Sehr
       logisch deswegen, weil, nehmend an als Grundlage die (These), daß
       der Gedanke  vorhergeht dem  Leben,  die  abstrakte  Theorie  der
       gesellschaftlichen Praxis,  und daß  daher die soziologische Wis-
       senschaft der  Ausgangspunkt sein  maß für die gesellschaftlichen
       Umwälzungen und  Umgestaltungen, kommen sie notwendig zum Schluß,
       daß, da der Gedanke, die Theorie, die Wissenschaft, zum allermin-
       desten in unsrer Zeit, überall nicht vielen zugänglich ist, darum
       die wenigen  das gesellschaftliche Leben leiten und nicht nur die
       Aufwecker, sondern  auch die  Leiter aller  Volksbewegungen  sein
       müssen, und daß am andern Tag der Revolution neue gesellschaftli-
       che Organisation  gegründet werden muß nicht durch freie Vereini-
       gung volkstümlicher  Organisationen, Gemeinden, (Amtsbezirke, Ge-
       biete von  unten nach  oben), entsprechend den volkstümlichen Be-
       dürfnissen und  Instinkten, sondern  nur durch  die diktatorische
       Gewalt jener  gelehrten Minorität,  wenn auch  gewählt durch (den
       Willen des gesamten Volkes)" (S. 214).
       Daher die  "doktrinären Revolutionäre"  nie Feinde des (Staates),
       sondern nur der bestehenden Regierungen, deren Platz sie als Dik-
       tatoren einnehmen wollen (S. 215).
       "Und dies  so richtig,  daß in dieser Zeit, wo in ganz Europa die
       Reaktion siegt,  wo alle  Regierungen etc. sich vorbereiten unter
       Vorstand des  Grafen Bismarck  auf verzweifelten  Kampf gegen die
       soziale Revolution; gegenwärtig, wo, schien es, alle aufrichtigen
       Revolutionäre sich  vereinen müßten, um Widerstand zu leisten wi-
       der den  verzweifelten Angriff  der internationalen Reaktion, wir
       sehn, im  Gegenteil, daß die doktrinären Revolutionäre unter Füh-
       rung des Herrn Marx überall die Seite der (Staatlichkeit)
       
       #626# Karl Marx
       -----
       und (der  Staatsanbeter) nehmen  gegen (die Volksrevolution)" (S.
       216). In Frankreich standen sie auf Seite des (staatlichen) repu-
       blikanisch-reaktionären Gambetta gegen die revolutionäre Ligue du
       Midi 1*),  die nur  allein Frankreich  retten konnte  sowohl  von
       deutscher Unterjochung  und der  noch viel gefährlichem und jetzt
       siegreichen Koalition  der Klerikalen,  Legitimisten,  Bonaparti-
       sten, Orleanisten;  in Spanien nahmen sie offen die Seite von Ca-
       stelar, Pí  y Margall  und der  Madrider Konstituante; endlich in
       Deutschland und im Umkreis von Deutschland, in Östreich, Schweiz,
       Holland, Dänemark dienen sie dem Graf Bismarck, auf den sie, nach
       ihrem eignen Geständnis, als einen sehr nützlichen revolutionären
       (Staatsmann) blicken,  helfend ihm  die  Pangermanisierung  aller
       dieser Länder" (S. 216, 217).
       (Feuerbach war  noch Metaphysiker:  "mußte  Platz  machen  seinen
       (rechtmäßigen) Nachfolgern,  den Vorstehern  der Schule der Mate-
       rialisten oder  Realisten, wovon großer Teil im übrigen, z.B. die
       Herren Büchner,  Marx und  andre", sich  noch nicht  befreit "vom
       Vorwalten des metaphysischen abstrakten Gedankens".) (S. 207.)
       "Aber der  Hauptpropagandist des  Sozialismus in  Germanien, erst
       geheim und  bald darauf  öffentlich, war  Karl  Marx.  Herr  Marx
       spielte und spielt zu wichtige Rolle in der sozialistischen Bewe-
       gung des deutschen Proletariats, als daß es möglich wäre vorüber-
       zugehn diese  bemerkenswerte Persönlichkeit, ohne versucht zu ha-
       ben, sie  mit einigen  wahren Zügen  zu zeichnen.  Seiner Abkunft
       nach Herr  Marx Hebräer.  Er vereinigten sich, man kann es sagen,
       alle Eigenschaften und alle Mängel dieses begabten Stamms. Nervös
       (????????), wie  einige sagen,  bis zur Feigheit, ist er außeror-
       dentlich ehrgeizig und eitel, zanksüchtig, intolerant und absolut
       wie Jehova,  der Herrgott seiner Vorfahren und, wie er, rachsüch-
       tig bis  zum Wahnwitz.  Es gibt  keine Lüge,  Verleumdung, die er
       nicht fähig  wäre zu ersinnen gegen jeden, der das Unglück hatte,
       zu erwecken seine Eifersucht oder, was ganz dasselbe, seinen Haß.
       Und er  bleibt vor keiner noch so (niederträchtigen) Intrige ste-
       hen, wenn  nur, nach  seiner Meinung, die im übrigen meist irrig,
       diese Intrige dienen kann zur Verstärkung seiner Position, seines
       Einflusses oder  seiner Gewalt.  In dieser  Beziehung ist  er ein
       durchaus politischer  (Mensch). Dies  sind seine negativen Eigen-
       schaften. Aber  auch positive  sind in ihm sehr viel. Er ist sehr
       (klug) und  außerordentlich vielseitig  - (gelehrt).  Doktor  der
       Philosophie, war  er bereits  in Köln um 1840, man kann es sagen,
       die Seele  und das Zentrum eines sehr bedeutenden Kreises leiten-
       der Hegelianer, mit welchen er anfing herauszugeben ein Oppositi-
       onsjournal, bald unterdrückt auf ministeriellen Befehl. Zu diesem
       Kreis gehörten  die Brüder  Bruno Bauer  und Edgar  Bauer,  Marx,
       Stirner und  darauf in  Berlin der erste Zirkel deutscher Nihili-
       sten, die in ihrer zynischen Konsequenz bei weitem die eifrigsten
       Nihilisten Rußlands übertrafen. 1843 oder 1844 siedelte Marx über
       nach Paris. Da traf er zuerst zusammen mit Gesellschaft französi-
       scher und  deutscher Kommunisten  und  seinem  Kompatrioten,  dem
       deutschen Hebräer Herrn Moritz 2*) Heß, der vor ihm ein gelehrter
       Ökonom und  Sozialist war  und zu  jener Zeit bedeutenden Einfluß
       auf die  wissenschaftliche Entwicklung des Herrn Marx hatte. Sel-
       ten kann  man einen  Menschen finden, der so viel (wußte) und las
       und (so klug) las, wie Herr Marx.
       -----
       1*) Liga des Südens - 2*) so bei Bakunin; richtig: Moses
       
       #627# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       Ausschließlicher Gegenstand  seiner Beschäftigung  war bereits in
       jener Zeit die ökonomische Wissenschaft. Mit besondrem Eifer stu-
       dierte er  die englischen  Ökonomen, die  alle andren übertreffen
       durch die  Positivität (der Erkenntnisse) und praktische Geistes-
       richtung, genährt durch die englischen ökonomischen Tatsachen und
       durch strenge Kritik und ehrliche Kühnheit der Konsequenzen. Aber
       zu all  diesem fügte Herr Marx noch zwei neue Elemente hinzu: die
       abstrakteste Dialektik,  (die wunderlich  spitzfindigste), die er
       in Hegels  Schule erworben hatte und die er nicht selten (bis zur
       Unartigkeit, bis  zum Laster führte), und den Standpunkt der kom-
       munistischen Richtung.  Herr Marx  las, es  versteht  sich,  alle
       französischen Sozialisten  von St.  Simon zu Proudhon einschließ-
       lich, und  den letztren,  wie bekannt, haßt er, und kein Zweifel,
       daß in der schonungslosen Kritik, die er gegen Proudhon richtete,
       viel Wahres:  Proudhon, trotz  all seines  Strebens, sich auf den
       Boden der  Realität zu stellen, bleibt Idealist und Metaphysiker.
       Der Standpunkt  - die  abstrakte Idee  des Rechts;  von dem Recht
       geht er  zum ökonomischen  fact, aber  Herr Marx, im Gegensatz zu
       ihm sprach  aus und  bewies die unzweifelhafte Wahrheit, gestützt
       auf die ganze vergangne und gegenwärtige Geschichte der menschli-
       chen Gesellschaft,  der Völker  und der Staaten, daß das ökonomi-
       sche fact  überall vorherging und vorhergeht dem juristischen und
       politischen Recht.  In der  (Darlegung) und Nachweis dieser Wahr-
       heit besteht  namentlich eins der größten wissenschaftlichen Ver-
       dienste des  Herrn Marx.  Aber was  vor allem  merkwürdig und was
       Herr Marx  niemals eingestanden hat, dies, daß in politischer Be-
       ziehung Herr  Marx direkter  Schüler des  Herrn Louis Blanc. Herr
       Marx ist  unvergleichlich (klüger)  und unvergleichlich gelehrter
       als dieser  (kleine erfolglose) Revolutionär und Staatsmann: aber
       als Deutscher,  trotz (seines  achtbaren Wuchses), fiel er in die
       Lehre bei  dem zwerghaften Franzosen. Übrigens erklärt sich diese
       Sonderbarkeit einfach:  der rhetorische Franzos, als Bourgeoispo-
       litiker und  erklärter Anhänger  Robespierres, und  der  gelehrte
       Deutsche in seiner dreifachen Eigenschaft als Hegelianer, Hebräer
       und Deutscher, beide verzweifelt (Staatsanbeter) und beide predi-
       gen (Staats)-Kommunismus,  nur mit  dem Unterschied, daß der eine
       statt mit  Argumenten, sich  mit rhetorischen  Deklamationen  be-
       gnügt, und der andre, wie es geziemt einem gelehrten und painsta-
       king 1*)  Deutschen, dasselbe  ihm gleich  liebe  Prinzip  stützt
       durch alle  Kunststücke der hegelschen Dialektik und allen Reich-
       tum seiner  vielseitigen Kenntnisse.  Um 1845  stand Herr Marx an
       der Spitze  der deutschen  Kommunisten, und  darauf, zusammen mit
       Herrn  Engels,   seinem  unveränderlichen  (???????????)  Freund,
       ebenso (klug),  obgleich weniger gelehrt, aber dafür viel prakti-
       scher und  nicht weniger  fähig zur politischen Verleumdung, Lüge
       und Intrige, stiftete er eine geheime Gesellschaft deutscher Kom-
       munisten oder  (Staats)-Sozialisten. Ihr  Zentralkomitee,  dessen
       Haupt er  zusammen mit  Herrn Engels  war -  es versteht  sich -,
       wurde bei  Verjagung beider  aus Paris 1846 nach Brüssel verlegt,
       wo es bis 1848 blieb. Übrigens bis zu diesem Jahr blieb ihre Pro-
       paganda, obgleich  sich nicht  wenig in ganz Deutschland verbrei-
       tend, geheim (und kam daher nicht ans Tageslicht)" (S. 221-225).
       Zu der  Zeit (der Revolution von 1848) das städtische Proletariat
       in Deutschland,
       -----
       1*) sorgfältigen
       
       #628# Karl Marx
       -----
       wenigstens seine ungeheure Majorität, noch außerhalb des Einflus-
       ses der  Propaganda von  Marx und  außer der  Organisation seiner
       kommunistischen Partei. Sie hauptsächlich verbreitet in den indu-
       striellen Städten  von Rheinpreußen, besonders in Köln; Zweige in
       Berlin, Breslau und (zu guter Letzt) in Wien, aber sehr schwache.
       Instinktiv das  deutsche Proletariat natürlich sozialistische Be-
       strebungen, aber  keine bewußten  Forderungen der sozialen Umwäl-
       zung 1848/49,  obgleich das  "Kommunistische Manifest" schon März
       1848 publiziert.  Es ging am deutschen Volk fast spurlos vorüber.
       Das städtische  revolutionäre Proletariat,  noch direkt unter dem
       Einfluß der politischen radikalen Partei oder höchstens der Demo-
       kratie (S.  230). Damals war in Deutschland noch ein Element, das
       heut nicht  mehr dort  existiert, revolutionäre Bauernschaft oder
       mindestens bereit,  es zu  werden... sie  damals bereit zu allem,
       selbst zu  (allgemeinem Aufstand).  1848 wie  1830 fürchteten die
       deutschen  Liberalen  und  Radikalen  nichts  mehr,  als  solchen
       (Aufstand); ihn  lieben auch  nicht  die  Sozialisten  von  Marx'
       Schule. Allen  bekannt, daß  Ferd. Lassalle, der, nach eignem Ge-
       ständnis, war  direkter Schüler jenes höchsten Führers der kommu-
       nistischen Partei in Deutschland, was indes den Lehrer nicht ver-
       hinderte, nach dem Tod Lassalles zu äußern eifersüchtige und nei-
       dische (mißgünstige  -  ???????????)  Unzufriedenheit  gegen  den
       glänzenden Schüler, lassend hinter sich bei weitem in praktischer
       Beziehung den Lehrer; allen bekannt..., daß Lassalle mehrmals den
       Gedanken aussprach, daß die Niederlage des Bauernaufstands im 16.
       Jahrhundert und  die darauf folgende Kräftigung und Blüte des bü-
       rokratischen (Staats)  in Deutschland wahrer Sieg für die Revolu-
       tion waren. Für die kommunistischen oder sozialistischen Demokra-
       ten Deutschlands  ist die  Bauernschaft, jede Bauernschaft, Reak-
       tion; und  der (Staat),  jeder (Staat),  selbst der Bismarcksche,
       Revolution. Man  soll nur  nicht glauben, daß wir sie verleumden.
       Zum Beweis  dessen, daß sie in der Tat so denken, werden wir zei-
       gen auf  ihre Reden,  Broschüren, journalistischen statements 1*)
       und endlich  auf ihre  Briefe -  all das  wird zu seiner Zeit dem
       russischen Publikum ????????????? (zugestellt) werden. Im übrigen
       können die  Marxisten auch nichtanders denken; (Staatsanbeter) um
       jeden Preis, müssen sie verfluchen jede volkstümliche Revolution,
       namentlich bäuerliche,  ihrer Natur nach bäuerlich 2*) und direkt
       gerichtet auf  Vernichtung des  (Staats). Als alles verschlingen-
       dePangermanisten müssen  sie Bauernrevolution schon darum verwer-
       fen, weil sie spezifisch slawische Revolution (S. 230-232).
       "Nicht nur  1848, sondern  auch gegenwärtig, unterwerfen sich die
       deutschen Arbeiter  blind ihren  Führern, während die Führer, die
       Organisateure der  sozialdemokratischen deutschen Partei, sie we-
       der zur  Freiheit noch  zur internationalen  Brüderschaft führen,
       sondern unter das Joch des pangermanistischen (Staats)" (S. 254).
       
       Bakunin erzählt,  wie Friedrich  Wilhelm IV.  sich  vor  Nikolaus
       fürchtet (Antwort an die polnische Deputation, März 1848, und Ol-
       mütz, November 1850) (S. 254-257).
       
       1849-1858: Deutscher  Bund gar  nicht mehr berücksichtigt von den
       andern Großmächten.  "Preußen War  mehr als je Sklave Rußlands...
       Die Hingabe an die Interessen des
       -----
       1*) Darlegungen - 2*) bei Bakunin: anarchisch
       
       #629# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
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       Petersburger Hofs ging so weit, daß der preußische Kriegsminister
       und der preußische Gesandte am englischen Hof, Freund des Königs,
       beide entlassen wurden wegen Ausdruck von Sympathie für die West-
       mächte." Nikolaus  wütend über  Schwarzenbergs und  Östreichs Un-
       dank, Östreich,  wegen seiner  Interessen  im  Osten  natürlicher
       Feind Rußlands,  nahm offen  Seite Englands und Frankreichs gegen
       es. "Preußen  zur großen Entrüstung ganz Deutschlands blieb (treu
       bis ans Ende)" (S. 259). "Manteuffel wurde erster Minister Novem-
       ber 1850, um zu unterschreiben alle Bedingungen der Olmützer Kon-
       ferenz, äußerst  erniedrigend für  Preußen, und um schließlich es
       und ganz Deutschland der Hegemonie Östreichs zu unterwerfen. Sol-
       ches war  der Wille  von Nikolaus.... solches auch die Strebungen
       des größten  Teils der preußischen Junkerschaft oder Adels, nicht
       wollend auch nur hören von Verschmelzung Preußens mit Deutschland
       und ergeben  den östreichischen  (?)  und  allrussischen  Kaisern
       selbst mehr als ihrem eignen König" (S. 261).
       Es bildete  sich in jener Zeit (1866 seqq.) die sogenannte Volks-
       partei. Zentrum  Stuttgart. Eine Gruppe, wollend Bund mit der re-
       publikanischen Schweiz,  waren die  Hauptstifter der Ligue, de la
       Paix et de la Liberté [19] (S. 271).
       "Lassalle bildete  vorzugsweis politische Partei deutscher Arbei-
       ter, organisierte sie hierarchisch, unterwarf sie strenger Diszi-
       plin und  seiner Diktatur,  mit einem  Wort, er tat das, was Herr
       Marx in den folgenden 3 Jahren in der Internationalen tun wollte.
       Der Versuch  von Marx  scheiterte, aber  der von  Lassalle  hatte
       vollständigen Erfolg" (S. 275).
       "Erste Tat  des volkstümlichen  (Staats)" (nach  Lassalle)  "wird
       sein, Eröffnung  unbegrenzten Kredits  für die  Produktions-  und
       Konsumtions-Assoziationen der  Arbeiter, welche nur dann imstande
       sein werden, mit dem bürgerlichen Kapital zu kämpfen und in nicht
       ferner Zeit  es zu  besiegen und zu verschlingen. Wenn der Prozeß
       des Verschlingens vollendet ist, dann beginnt die Periode der ra-
       dikalen Umwandlung der Gesellschaft. Solches das Programm Lassal-
       les, solches  auch das  Programm der sozialdemokratischen Partei.
       Eigentlich gehört  es nicht  dem Lassalle,  sondern Marx,  der es
       vollständig (ausgesprochen hat) im bekannten 'Manifest der Kommu-
       nistischen Partei',  veröffentlicht  von  ihm  und  Engels  1848.
       (Unmißverständliche Andeutung)  findet sich  darauf selbst im er-
       sten
       'Manifest der  Internationalen Assoziation', geschrieben von Marx
       1864, in den Worten: 'die erste Pflicht der Arbeiterklassen' etc.
       oder wie  es  im  'Kommunistischen  Manifest  heißt:  'der  erste
       Schritt in der Revolution' etc. und endend mit: alle Produktions-
       mittel konzentrieren  'in den Händen (des Staats)', d.h. des Pro-
       letariats, (das als herrschende Klasse 1*) organisiert)" (S. 275,
       276). "Aber ist es nicht (klar), daß Lassalles Programm in nichts
       sich unterscheidet  vom Programm von Marx, den er als seinen Leh-
       rer anerkannte.  In der  Broschüre gegen  Schulze-Delitzsch, Las-
       salle... nachdem  er auseinandergesetzt  seine Grundbegriffe über
       die sozialpolitische  Entwicklung der neuesten Gesellschaft, sagt
       er direkt, daß diese Ideen selbst und auch die Terminologie nicht
       ihm gehören,  sondern dem Herrn Marx... Um so (seltsamer) scheint
       der Protest  des Herrn  Marx, gedruckt  nach dem Tod Lassalles in
       der Vorrede
       -----
       1*) Bei Bakunin: ???????? - Stand
       
       #630# Karl Marx
       -----
       zur Schrift über das 'Kapital'. Marx beklagt sich bitter, daß ihn
       Lassalle bestohlen  hat, indem  er sich  seine  Ideen  angeeignet
       habe. Der  Protest sehr  (seltsam) von  Seiten eines Kommunisten,
       der das  kollektive Eigentum  predigt und nicht begreift, daß die
       Idee, einmal  ausgesprochen, aufhört,  Eigentum einer  Person  zu
       sein. Andre  Sache, wenn  Lassalle abgeschrieben hätte (eine oder
       einige Seiten)..." (S. 276). "Im Gegensatz zu seinem Lehrer Marx,
       welcher stark in der Theorie, in der hinter den Kulissen oder un-
       terirdischen Intrige  und dagegen  jede Bedeutung  oder Kraft auf
       der öffentlichen  Bühne verliert,  war Lassalle von der Natur ge-
       macht zu  offnem Kampf auf praktischem Feld" (S. 277). "Die ganze
       liberale  und  demokratische  Bourgeoisie  haßte  ihn  tief;  die
       (Gesinnungsgenossen), Sozialisten,  Marxisten  und  Marx  selbst,
       konzentrierten auf  ihn  alle  Kraft  nicht  wohlwollenden  Neids
       (???????). Ja,  sie haßten  ihn so  tief wie die Bourgeoisie; so-
       lange er  lebte, wagten  sie nicht, ihren Haß auszusprechen, weil
       er für sie zu stark war" (S. 277, 278).
       "Wir haben  bereits unsren  tiefen Widerwillen  gegen die Theorie
       von Lassalle  und Marx ausgesprochen, [die] empfehlend den Arbei-
       tern, wenn nicht als letztes Ideal, so zum mindesten als nächstes
       Hauptziel   -   die   Gründung   eines   Volksstaats   (?????????
       ??????????), der,  nach ihrem  Ausdruck, nichts  andres sein wird
       als 'das  Proletariat, (das als herrschende Klasse organisiert)'.
       Fragt sich,  wenn das  Proletariat die  herrschende  Klasse  sein
       wird, dann  über wen wird es herrschen? Das bedeutet (das meint -
       ??????), es  wird noch  ein andres Proletariat übrigbleiben, wel-
       ches Untertan  sein wird  dieser neuen  Herrschaft, diesem  neuen
       Staat (????????????)."
       
       Das meint,  solange die andren Klassen, speziell die kapitalisti-
       sche noch existiert, solange das Proletariat mit ihr kämpft (denn
       mit seiner Regierungsmacht sind seine Feinde und ist die alte Or-
       ganisation der  Gesellschaft noch nicht verschwunden), muß es ge-
       waltsame Mittel  anwenden, daher  Regierungsmittel; ist es selbst
       noch Klasse,  und sind  die ökonomischen  Bedingungen, worauf der
       Klassenkampf beruht und die Existenz der Klassen, noch nicht ver-
       schwunden und  müssen gewaltsam aus dem Weg geräumt oder umgewan-
       delt werden, ihr Umwandlungsprozeß gewaltsam beschleunigt werden.
       
       "Z. B.  die ????????????  ?????, das gemeine Bauernvolk, der Bau-
       ernpöbel, der  sich bekanntermaßen  des Wohlwollens der Marxisten
       [nicht erfreut],  und der, befindend sich auf der untersten Stufe
       der Kultur,  wird wahrscheinlich regiert werden durch das städti-
       sche und Fabrikproletariat."
       
       D.h., wo der Bauer massenweise als Privateigentümer existiert, wo
       er sogar  eine mehr  oder minder  beträchtliche Majorität bildet,
       wie in allen Staaten des westeuropäischen Kontinents, wo er nicht
       verschwunden und  durch Agrikultur-Taglöhner  ersetzt ist, wie in
       England, treten folgende Fälle ein: entweder er verhindert, macht
       scheitern  jede   Arbeiterrevolution,  wie   er  das   bisher  in
       Frankreich getan  hat; oder  das Proletariat (denn der besitzende
       Bauer gehört  nicht zum  Proletariat, und da, wo er selbst seiner
       Lage
       
       #631#
       -----
       Eine Seite aus Marx' Konspekt von Bakunins Buch
       Staatlichkeit und Anarchie"
       
       #632#
       -----
       
       #633# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       nach dazu  gehört, glaubt  er, nicht dazu zu gehören) muß als Re-
       gierung Maßregeln  ergreifen, wodurch der Bauer seine Lage unmit-
       telbar verbessert  findet, die ihn also für die Revolution gewin-
       nen; Maßregeln,  die aber  im Keim den Übergang aus dem Privatei-
       gentum am  Boden in  Kollektiveigentum erleichtern,  so  daß  der
       Bauer von  selbst ökonomisch  dazu kommt;  es darf aber nicht den
       Bauer vor  den Kopf stoßen, indem es z.B. die Abschaffung des Er-
       brechts proklamiert  oder die Abschaffung seines Eigentums; letzt
       res nur  möglich, wo  der kapitalistische Pächter die Bauern ver-
       drängt hat  und der  wirkliche Landbebauer ebensogut Proletarier,
       Lohnarbeiter ist  wie der städtische Arbeiter, also genau mit ihm
       dieselben Interessen unmittelbar hat, nicht mittelbar; noch weni-
       ger darf das Parzelleneigentum dadurch gekräftigt werden, daß die
       Parzelle vergrößert  wird, einfach  durch Annexation  der größern
       Güter an die Bauern, wie im Bakuninschen Revolutionsfeldzug.
       
       "Oder, wenn man diese Frage vom nationalen Standpunkt betrachtet,
       dann, unterstellen  wir, werden  für die Deutschen die Slawen aus
       demselben Grund  zum siegreichen deutschen Proletariat in dersel-
       ben sklavischen Abhängigkeit stehn, worin das letztre sich befin-
       det zu seiner Bourgeoisie" (S. 278).
       
       Schülerhafte Eselei!  Eine radikale soziale Revolution ist an ge-
       wisse historische  Bedingungen der  ökonomischen Entwicklung  ge-
       knüpft; letztre  sind ihre  Voraussetzung. Sie  ist also nur mög-
       lich, wo  mit der  kapitalistischen Produktion  das  industrielle
       Proletariat wenigstens eine bedeutende Stellung in der Volksmasse
       einnimmt. Und  damit es  irgendeine Chance  zum Sieg habe, muß es
       wenigstens fähig  sein, soviel  unmittelbar mutatis  mutandis für
       die Bauern  zu tun, als die französische Bourgeoisie in ihrer Re-
       volution für die damaligen französischen Bauern tat. Schöne Idee,
       daß der  Arbeit Herrschaft  einschließt Unterdrückung der ländli-
       chen Arbeit!  Aber hier kommt der innerste Gedanke des Herrn Bak.
       heraus. Er  versteht absolut  nichts von sozialer Revolution, nur
       die politischen  Phrasen davon; die ökonomischen Bedingungen der-
       selben existieren  nicht für ihn. Da nun alle bisherigen ökonomi-
       schen Formen,  entwickelt oder unentwickelt, Knechtschaft des Ar-
       beiters (sei  es in der Form des Lohnarbeiters, Bauern etc.) ein-
       schließen, so  glaubt er, daß in allen gleichmäßig radikale Revo-
       lution möglich. Aber noch mehr! Er will, daß die auf der ökonomi-
       schen Basis  der kapitalistischen  Produktion gegründete europäi-
       sche soziale Revolution auf dem Niveau der russischen oder slawi-
       schen Agrikultur-  und Hirtenvölker  sich vollziehe,  dies Niveau
       nicht übertreffe,  obgleich er  einsieht, daß  die Meerschiffahrt
       Unterschied unter den Brüdern bildet, aber auch nur die Seeschif-
       fahrt, weil  d[ies] auch  allen Politikern bekannter Unterschied!
       Der
       
       #634# Karl Marx
       -----
       Wille, nicht die ökonomischen Bedingungen, ist die Grundlage sei-
       ner sozialen Revolution.
       
       "Wenn Staat  ist (???????????), dann ist unvermeidlich Herrschaft
       (??????????), folglich  auch (Sklaverei); Herrschaft ohne Sklave-
       rei, verborgen  oder maskiert,  undenkbar  -  deswegen  sind  wir
       Feinde des (Staats)" (S. 278).
       "Was heißt  das, das Proletariat, (das als herrschende Klasse or-
       ganisiert)?"
       
       D.h., daß  das Proletariat,  statt im  einzelnen gegen die ökono-
       misch privilegierten  Klassen zu kämpfen, Stärke und Organisation
       genug gewonnen hat, um allgemeine Zwangsmittel im Kampf gegen sie
       anzuwenden; es  kann aber  nur ökonomische  Mittel anwenden,  die
       seinen eignen Charakter als salariat 1*), daher als Klasse aufhe-
       ben; mit  seinem völligen Sieg ist daher auch seine Herrschaft zu
       Ende, weil sein Klassencharakter [verschwunden].
       
       "Wird vielleicht  das ganze  Proletariat an der Spitze der Regie-
       rung stehn?"
       
       Bildet z.  B. bei einer Trade-Union die ganze Union ihr Exekutiv-
       komitee? Wird  alle Teilung der Arbeit in der Fabrik aufhören und
       die verschiednen  Funktionen, die daraus entspringen? Und bei der
       Bakuninschen Bildung  (von unten  nach oben)  werden alle  (oben)
       sein? Dann  gibt es  ja kein  (unten). Werden alle Mitglieder der
       Gemeine  2*)   zugleich  die  gemeinschaftlichen  Interessen  des
       (Gebiets)  verwalten?  Dann  kein  Unterschied  von  Gemeine  und
       (Gebiet).
       
       "Die Deutschen  zählen ungefähr 40 Millionen. Werden z.B. alle 40
       Millionen Glieder der Regierung sein?"
       
       Certainly! 3*)  Da die  Sache mit der Selbstregierung der Gemeine
       anfängt.
       
       "Das ganze  Volk wird  regieren, und  es wird keine Regierten ge-
       ben."
       
       Wenn ein  Mensch sich  selbst beherrscht, beherrscht er sich nach
       diesem Prinzip nicht; denn er ist doch er selbst und kein andrer.
       
       "Dann wird  es keine  Regierung geben,  keinen Staat,  aber  wenn
       Staat sein  wird, wird  es auch Regierende und Sklaven geben" (S.
       279).
       
       D.h. bloß: wenn die Klassenherrschaft verschwunden, und es keinen
       Staat im jetzigen politischen Sinne geben [wird].
       
       "Dies Dilemma in der Theorie der Marxisten löst sich einfach. Un-
       ter Volksregierung  verstehn sie"  (d.h. Bak.) "die Regierung des
       Volkes vermittelst einer geringen Zahl von Vorstehern, auserwählt
       (gewählt) durch das Volk."
       -----
       1*) Lohnarbeiter -  2*) Marx  übersetzt  hier  und  im  folgenden
       ?????? mit "Gemeine" oder mit "Gemeinde" - 3*) Sicherlich!
       
       #635# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       Asine! 1*)  Dies demokratische  Gekohl, politische  Faselei!  Die
       Wahl -  politische Form,  die in der kleinsten russischen Kommune
       und im Artel. Der Charakter der Wahl hängt nicht von diesem Namen
       ab, sondern  von der ökonomischen Grundlage, den ökonomischen Zu-
       sammenhängen der  Wähler; und sobald die Funktionen aufgehört ha-
       ben, politisch zu sein, existiert 1. keine Regierungsfunktion; 2.
       die Verteilung  der allgemeinen Funktionen ist Geschäftssache ge-
       worden, die  keine Herrschaft  gibt; 3.  die Wahl  hat nichts von
       heutigem politischen Charakter.
       
       "Das allgemeine Wahlrecht durch das ganze Volk" -
       
       so ein Ding wie das ganze Volk im jetzigen Sinne Phantasma -
       
       "von Volksrepräsentanten  und (Beherrschern des Staats) - das ist
       das letzte Wort der Marxisten, wie auch der demokratischen Schule
       - Lüge,  unter der  sich verbirgt der Despotismus der regierenden
       Minderheit, um  soviel gefährlicher,  als sie  erscheint als Aus-
       druck des sogenannten Volkswillens."
       
       Auf Kollektiveigentum verschwindet der sogenannte Volkswillen, um
       den wirklichen Willen des Kooperativs Platz zu machen.
       
       "So Resultat:  Lenkung der  großen Mehrheit  der Volksmasse durch
       privilegierte Minorität.  Aber diese Minderheit, sagen die Marxi-
       sten,"
       
       wo?
       
       "wird aus  Arbeitern bestehn. Ja, mit Erlaubnis, aus gewesnen Ar-
       beitern, aber  die, sobald  sie nur  Repräsentanten oder Regierer
       des Volks geworden sind, aufhören Arbeiter zu sein" -
       
       sowenig, wie  ein Fabrikant  heute dadurch  aufhört Kapitalist zu
       sein, daß er Gemeinderat wird -
       
       "und sehn  werden auf die ganze gemeine Arbeiterwelt von der Höhe
       der (Staatlichkeit);  sie werden  nicht mehr  das Volk vertreten,
       sondern sich  und ihre  (Ansprüche) auf  die Volksregierung.  Wer
       daran zweifeln kann, der durchaus nicht bekannt mit der Natur der
       Menschen" (S. 279).
       
       Wäre Herr  Bakunin bekannt  auch nur mit der Stellung eines Mana-
       gers in  einer Arbeiter-Kooperativ-Fabrik, alle seine herrschaft-
       lichen Träume  zum Teufel.  Hätte sich fragen sollen: welche Form
       können Verwaltungsfunktionen auf Grundlage dieses Arbeiterstaats,
       wenn er es so nennen will, annehmen?
       
       (S. 279)  "Aber diese  Auserwählten werden glühend überzeugte und
       daher gelehrte  Sozialisten sein.  Das Wort  'gelehrter Sozialis-
       mus'" -
       
       nie gebraucht worden -,
       
       "wissenschaftlicher Sozialismus" -
       -----
       1*) Esel!
       
       #636# Karl Marx
       -----
       gebraucht worden  nur im Gegensatz zum utopistischen Sozialismus,
       der neue  Hirngespinste dem Volk aufheften will, statt seine Wis-
       senschaft auf der Erkenntnis der vom Volk selbst gemachten sozia-
       len Bewegung  zu beschränken;  siehe meine Schrift gegen Proudhon
       -,
       
       "welches unaufhörlich  angewandt wird in den Werken und Reden der
       Lassalleaner und  Marxisten, zeigen  durch sich  selbst, daß  der
       sog. Volksstaat  nichts andres sein wird als die sehr despotische
       Lenkung der Volksmassen durch neue und sehr wenig zahlreiche Ari-
       stokratie wirklicher  oder angeblicher  Gelehrten. Das  Volk  ist
       nicht wissenschaftlich,  das bedeutet,  es wird  ganz und gar be-
       freit werden  von der  Sorge der  Regierung, es wird ganz und gar
       eingeschlossen werden  im regierten Stall. Schöne Befreiung!" (S.
       279, 280.)
       "Die Marxisten  fühlen diesen (!) Widerspruch und, erkennend, daß
       die Regierung der Gelehrten" (quelle rêverie! 1*)) "die drückend-
       ste, verhaßteste, verächtlichste der Welt, trotz aller demokrati-
       schen Formen  tatsächliche Diktatur  sein wird,  trösten sie sich
       mit dem  Gedanken, daß  diese Diktatur nur vorübergehend und kurz
       sein wird."
       
       Non, mon  cher! 2*) - Daß die Klassenherrschaft der Arbeiter über
       den mit ihnen kämpfenden Schichten der alten Welt nur so lang be-
       stehn kann,  als die  ökonomische Grundlage  der  Klassenexistenz
       nicht vernichtet ist.
       
       "Sie sagen,  daß ihre einzige Sorge und Ziel sein wird, zu bilden
       und zu erheben das Volk" (Wirtshauspolitiker!) "wie ökonomisch so
       politisch auf  solche Stufe, daß alle Regierung bald nutzlos wird
       und der  Staat allen  politischen Charakter  verliert, das  heißt
       (beherrschenden) Charakter,  sich durch  sich  selbst  verwandeln
       wird in freie Organisation ökonomischer Interessen und Gemeinden.
       Das offenbarer  Widerspruch. Wenn ihr Staat wirklich volkstümlich
       sein wird,  warum ihn vernichten, und wenn seine Vernichtung not-
       wendig zur  wirklichen Befreiung  des Volks,  warum wagen sie ihn
       volkstümlich zu nennen?" (S. 280.)
       
       Abgesehn von  dem Herumreiten auf dem Liebknechtschen Volksstaat,
       der Blödsinn ist, gegen das kommunistische Manifest etc. gewandt,
       heißt es  nur: da  das Proletariat während der Periode des Kampfs
       zum Umsturz  der alten  Gesellschaft noch auf der Basis der alten
       Gesellschaft agiert  und daher  auch noch  in politischen  Formen
       sich bewegt,  die ihr  mehr oder  minder angehörten, hat es seine
       schließliche Konstitution  noch  nicht  erreicht  während  dieser
       Kampf période  und wendet  Mittel zur  Befreiung an, die nach der
       Befreiung wegfallen;  daher schließt  Herr B.,  daß es lieber gar
       nichts tun  soll... den  Tag der  allgemeinen Liquidation  -  des
       jüngsten Gerichts - abwarten soll.
       
       "Durch unsre  Polemik" (die  natürlich vor  meiner Schrift  gegen
       Proudhon und  dem "Komm.  Manifest" erschien,  und auch schon vor
       St. Simon) "gegen sie" (schönes
       -----
       1*) welche Phantasterei! - 2*) Nein, mein Lieber!
       
       #637# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       ??????? ????????  1*)) "haben  wir sie zum Eingeständnis geführt,
       daß Freiheit  oder Anarchie"  (Herr Bak. hat nur die Proudhonsche
       und Stirnersche  Anarchie ins  wüst Tartarische übersetzt), "d.h.
       die freie  Organisation der  arbeitenden Massen  von  unten  nach
       oben" (Blödsinn!),  "das Schlußziel  der gesellschaftlichen  Ent-
       wicklung ist  und daß  jeder <Staat),  nicht  ausgeschlossen  der
       Volksstaat, Joch  ist, von  einer Seite  Despotismus erzeugt, von
       der andren Sklaverei" (S. 280).
       "Sie sagen,  daß solch  herrschaftliches Joch, die Diktatur, not-
       wendiges Übergangsmittel ist zur Erreichung der vollsten Volksbe-
       freiung: Anarchie  oder Freiheit - Ziel, Herrschaft oder Diktatur
       - Mittel. So ist es zur Befreiung der Volksmassen erst nötig, sie
       zu knechten.  Auf diesem  Widerspruch beruht  unsre Polemik.  Sie
       versichern, daß  nur die  Diktatur, schließlich  ihre eigne,  die
       Volksfreiheit begründen  kann; wir antworten, keine Diktatur kann
       ein andres Ziel haben außer dem, (sich zu verewigen), und daß sie
       (geeignet ist,  in dem sie ertragenden Volke nur Sklaverei zu er-
       zeugen und zu züchten; die Freiheit kann nur durch die Freiheit)"
       (des permanenten citoyen 2*) B.) "(geschaffen werden), d.h. durch
       (den Aufstand  des ganzen  Volkes) und die freie Organisation der
       Massen von unten nach oben" (S. 281).
       "Während die  politisch-soziale Theorie  der gegenstaatlichen So-
       zialisten oder  Anarchisten (unentwegt)  und direkt  zum vollsten
       Bruch mit allen Regierungen, mit allen Arten der bürgerlichen Po-
       litik führt, lassend keinen andren Ausgang, außer die soziale Re-
       volution,"
       
       lassend von der sozialen Revolution nichts als die Phrase,
       
       "zieht und  verwickelt die  entgegengesetzte Theorie, die Theorie
       der Staatskommunisten und der wissenschaftlichen Autorität ebenso
       (unentwegt) ihre  Anhänger, unter dem Vorwand politischer Taktik,
       zu unaufhörlichem (Kuhhandel) mit den Regierungen und den mannig-
       faltigen bürgerlich  politischen Parteien;  das heißt,  stößt sie
       direkt zur Reaktion" (S. 281).
       "Bester Beweis  Lassalle. Wem  nicht bekannt  seine Zusammenhänge
       und Verabredungen  mit Bismarck? Die Liberalen und Demokraten das
       benutzt, um  ihn der  Verkäuflichkeit zu  beschuldigen. Dasselbe,
       obgleich nicht  zu offen, (flüsterten) unter sich verschiedne 3*)
       Anhänger des Herrn Marx in Deutschland" (S. 282).
       Lassalle verhielt sich zu der gemeinen Arbeitermasse mehr wie ein
       Arzt zum  Kranken als  wie ein  Bruder zum Bruder... Um nichts in
       der Welt würde er das Volk verraten haben (l.c.). Lassalle war in
       offnem Krieg  mit Liberalen,  Demokraten, haßte  sie,  verachtete
       sie. Bismarck in derselben Position zu ihnen. Dies erster Annähe-
       rungspunkt  zwischen   den  beiden:  "die  Hauptgrundlage  dieser
       (Annäherung) war  eingeschlossen im  politisch-sozialen  Programm
       Lassalles, in  der kommunistischen Theorie, gestiftet durch Herrn
       Marx" (S. 283).
       "Der Hauptpunkt dieses Programms: Befreiung (angebliche) des Pro-
       letariats vermittelst  (nur eines Staates)... Zwei Mittel... Pro-
       letariat muß Revolution machen, um
       -----
       1*) Verwechslung des Vorangehenden (????????) mit dem Nachfolgen-
       den (???????) - 2*) Bürgers - 3*) bei Bakunin: persönliche
       
       #638# Karl Marx
       -----
       sich den  Staat zu  unterwerfen -  heroisches Mittel...  nach der
       Theorie des  Herrn Marx"... muß das Volk dann alle Macht in seine
       und seiner  Freunde Hände  geben...  "sie  gründen  eine  einzige
       Staatsbank, konzentrierend in ihren Händen alle kommerziell-indu-
       strielle, ländliche  und selbst wissenschaftliche Produktion, und
       teilen die Masse des Volks in zwei Armeen: industrielle und agri-
       kole unter  dem unmittelbaren Kommando von Staatsingenieuren, die
       einen  neuen  privilegierten  wissenschaftlich-politischen  Stand
       bilden" (S. 283, 284).
       Aber Revolution machen, die Deutschen selbst glauben nicht daran.
       - "Nötig,  daß ein andres Volk sie anfange oder irgendeine äußere
       (Kraft) sie hinreiße oder (stoße)." Folglich andres Mittel nötig,
       sich des  Staats zu  bemächtigen. Nötig, die Sympathie von Leuten
       zu gewinnen,  die stehn  oder stehn  können  an  der  Spitze  des
       Staats. Zu  Lassalles Zeit wie jetzt noch stand an der Spitze des
       Staats Bismarck...  Lassalle hauptsächlich begabt mit praktischem
       Instinkt und  (Verstand), die  nicht vorhanden bei Herrn Marx und
       seinen Anhängern.  Wie alle Theoretiker Marx unveränderlicher und
       (unverbesserlicher) Träumer  in der  Praxis. Er zeigte dies durch
       seinen unglücklichen  Feldzug in der Internationalen Assoziation,
       der das  Ziel hatte, seine Diktatur in der Internationalen zu er-
       richten und  vermittelst der Internationalen über die ganze revo-
       lutionäre Bewegung  des Proletariats  von Europa und Amerika. Man
       muß entweder  verrückt sein  oder ganz  abstrakter Gelehrter,  um
       sich ein  solches Ziel zu setzen. Herr Marx erlitt in diesem Jahr
       vollste und verdiente Niederlage, aber sie "befreit (???????) ihn
       kaum von  seiner ehrgeizigen  Träumerei"  (S.  284,  285).  "Dank
       dieser Traumhaftigkeit  sowie dem  Wunsch, Verehrer  und Anhänger
       unter der Bourgeoisie zu gewinnen, stieß und stößt Marx beständig
       das Proletariat in Verhandlungen mit den bürgerlichen (Bourgeois)
       Radikalen. Gambetta und Castelar - das seine (wahren) Ideale" (S.
       284, 285).  "Zu diesen  Strebungen zu Mogeleien (???????) mit der
       radikalen Bourgeoisie,  die sich stärker kundgaben in den letzten
       Jahren bei  Marx, zweierlei  Traum: erstens,  wenn  die  radikale
       Bourgeoisie zur Herrschaft kommt, wird sie die Möglichkeit haben,
       sie zum  Nutzen des Proletariats verwenden (zu wollen), und zwei-
       tens wird  sie imstande  sein, sich zu halten gegen die Reaktion,
       deren Wurzel in ihr selbst verborgen ist" (S. 285).
       Lassalle als  praktischer Mensch  begriff das  (daß die  radikale
       Bourgeoisie das  Volk weder  befreien will  noch kann, sondern es
       nur exploitieren will); haßte dazu die deutsche Bourgeoisie; Las-
       salle kannte  seine Land[s]leute  auch zu gut, um von ihnen revo-
       lutionäre Initiative  zu erwarten.  Nur Bismarck blieb ihm übrig.
       "Der Punkt  der Vereinigung  wurde ihm durch die Marxsche Theorie
       selbst gegeben:  einheitlicher, gewaltsam  zentralisierter Staat.
       Lassalle wollte  das, und  Bismarck tat  es. Wie sollten sie sich
       nicht vereinigen?" Bismarck Feind (!) der Bourgeois. Seine gegen-
       wärtige Wirksamkeit  zeigt, daß  er  nicht  Fanatiker  und  nicht
       Sklave der  adlig-feudalen Partei... "Sein Hauptwerk wie auch das
       Lassalles und  Marx' -  der Staat. Und darum zeigte sich Lassalle
       ungleich logischer  und praktischer  als Marx,  der anerkannt den
       Bismarck als  Revolutionär, (natürlich  auf seine  Art), und  von
       seinem Sturz  träumt, wahrscheinlich  deswegen, weil  er im Staat
       den ersten  Platz einnimmt,  der nach  Meinung des Herrn Marx ihm
       gehören muß."  Lassalle keine  so große  Selbstliebe, verdroß ihn
       daher nicht.
       
       #639# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       mit Bismarck in Bund zu treten. "Durchaus übereinstimmend mit dem
       politischen Programm, auseinandergesetzt durch Herrn Marx und En-
       gels im  'Kommunistischen Manifest',  verlangte Lassalle von Bis-
       marck nur  eins: Eröffnung von Regierungskredit für Arbeiter-Pro-
       duktiv-Gesellschaften." Und  zugleich, "übereinstimmend  mit  dem
       Programm, begann  er unter  den Arbeitern  friedlich  gesetzliche
       Agitation zum Nutzen der Einführung des Wahlrechts" (S. 288-289).
       Nach Lassalles  Tod bildete sich neben den Arbeiterbildungsverei-
       nen und  dem Lass[allschen]  Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein
       "unter dem  direkten Einfluß  der Freunde  und Anhänger des Herrn
       Marx dritte Partei - sozialdemokratische Partei der deutschen Ar-
       beiter. An ihrer Spitze Bebel, ???????????? (halber Arbeiter) und
       Liebknecht, ganzer  Gelehrter 1*)  und Agent  des Herrn Marx" (S.
       289).
       Wir sprachen  schon von Liebknechts Wirksamkeit in Wien 1868. Re-
       sultat davon der Nürnberger Kongreß (August 1868), wo die sozial-
       demokratische Partei  schließlich organisiert wurde. "Auf den Be-
       schluß (Absicht)  ihrer Stifter, handelnd unter der direkten Lei-
       tung von  Marx, sollte sein die pangermanische Sektion der Inter-
       nationalen Arbeitergesellschaft." Aber die deutschen und speziell
       preußischen Gesetze  solcher Vereinigung  entgegen. Daher nur ne-
       benbei berührt: "Die sozialdemokratische Partei der deutschen Ar-
       beiter steht im Bund mit der Internationalen Arbeiterassoziation,
       soweit es  die deutschen  Gesetze zulassen."  "Unzweifelhaft, daß
       diese neue  Partei in  Deutschland gestiftet war mit der geheimen
       Hoffnung und Hintergedanken, vermittelst ihrer einzuführen in die
       Internationale das  ganze Programm  von Marx,  entfernt durch den
       ersten Genfer  Kongreß ( 1866)." - Das Programm von Marx ward zum
       Programm   der    sozialdemokratischen   Partei   gemacht",   die
       (Eroberung) der  "politischen Gewalt" als "nächstes und unmittel-
       barstes Ziel" mit Zufügung folgender bemerkenswerter Phrase: "Die
       Eroberung der  politischen Rechte  (allgemeines Wahlrecht,  Preß-
       freiheit, Freiheit der Assoziation und der Meetings etc.) als un-
       entbehrliche vorbereitende (???????????????) Bedingung der ökono-
       mischen Befreiung der Arbeiter." "Diese Phrase hat die Bedeutung:
       ehe zur sozialen Revolution zu schreiten, müssen die Arbeiter die
       politische Revolution  vollenden oder, was entsprechender der Na-
       tur der Deutschen, erobern oder, noch näher, erwerben das politi-
       sche Recht  vermittelst friedlicher Agitation. Aber da jede poli-
       tische Bewegung vor oder, was ganz dasselbe, außerhalb der sozia-
       len, keine  andre als Bourgeoisbewegung sein kann, so folgt auch,
       daß dies Programm den deutschen Arbeitern rekommandiert, sich an-
       zueignen vor  allem bürgerliche Interessen und Ziele und zu voll-
       enden die  politische Bewegung  zum Nutzen  der  radikalen  Bour-
       geoisie, welche  dann zum  Dank das  Volk nicht  befreit, sondern
       neuer Gewalt unterordnet, neuer Exploitation" (S. 289-291).
       "Auf Grundlage dieses Programms vollendete sich die rührende Ver-
       söhnung der  deutschen und  östreichischen Arbeiter mit den Bour-
       geoisradikalen der  Volkspartei." Auf  Grundlage "des  Nürnberger
       Kongresses begaben sich die zu diesem Zweck vom Kongreß ernannten
       Delegaten nach  Stuttgart, wo  auch geschlossen ward zwischen den
       Vorstehern der getäuschten Arbeiter und den Anführern der bürger-
       lich-radikalen Partei formelles Schutz- und Trutzbündnis. Infolge
       dieses Bundes erschienen sowohl
       
       #640# Karl Marx
       -----
       diese wie  andre zusammen auf dem zweiten Kongreß der Ligue de la
       Paix et  de la  Liberté, eröffnet im September in Bern. Doch sehr
       merkwürdiges Fakt.  Dort Spaltung  zwischen  Bourgeoissozialisten
       und Radikalen  - und  den sozialen Revolutionären, gehörig zu der
       Partei  der   Allianz"  (S.   291,  292).  "In  dieser  Beziehung
       (Sozialist und  Freund des  Volks sich  zu nennen  und gegen  den
       volkstümlichen Sozialismus  zu sein)  gab uns die Schule von Marx
       viel Beispiele;  und der deutsche Diktator, so gastfreundlich un-
       ter der unfehlbaren Bedingung, daß man sich vor ihm beugt, so daß
       er unter seiner Fahne birgt sehr große Zahl von Kopf bis Fuß bür-
       gerlicher Sozialisten und Demokraten; könnte auch die Ligue de la
       Paix et  de la  Liberté sich flüchten unter sie, wenn sie nur zu-
       stimmte, ihn als den ersten Mann (???????) anzuerkennen. Wenn der
       Bourgeoiskongreß so  verfahren hätte, wäre die Stellung der Alli-
       anzisten ungleich schwieriger gewesen; zwischen der Ligue und ih-
       nen wäre  dann derselbe  Kampf entstanden, der jetzt besteht zwi-
       schen ihnen  und Marx.  Aber die  Ligue zeigte  sich  dümmer  und
       zugleich ehrlicher  als die  Marxisten; sie  leugnete die Gleich-
       heit" (Blödsinn!) "auf dem ökonomischen Gebiet. Riß sich vom Pro-
       letariat los;  starb; ließ  zurück nur zwei umherirrende und sich
       beklagende Schatten,  Amand Goegg  und den  St.  Simonist[ischen]
       Millionär Lemonier...  Andres fact  auf diesem Kongreß: Die Dele-
       gaten, kommend  aus Nürnberg  und Stuttgart,  d. h. die Arbeiter,
       abgeordnet  durch   den  Nürnberger  Kongreß  der  neuen  sozial-
       demokratischen Partei  der deutschen Arbeiter und der bürgerlich-
       schwäbischen Volkspartei,  zusammen mit  der Majorität  der Ligue
       votierten einstimmig  gegen die  Gleichheit... Bemerkenswert noch
       andres fact, der Brüßler Kongreß der Internationalen, einige Tage
       geschlossen vor  dem von  Bern, verwarf  jede Solidarität mit dem
       letzteren, und alle Marxisten, die am Brüßler Kongreß teilnahmen,
       sprachen und  votierten in  diesem Sinn. Auf welche Weise konnten
       dann andre  Marxisten, handelnd  wie auch  die ersten  unter  dem
       direkten  Einfluß   von  Marx,   zusammengehn  in   so  rührender
       Einstimmigkeit mit der Majorität des Berner Kongresses? Alles das
       blieb  Rätsel,   bis  zu   dieser  Zeit  nicht  gelöst.  Derselbe
       Widerspruch zeigte sich im Lauf des ganzen Jahres 1868 und selbst
       noch 1869  im 'Volksstaat'... Manchmal darin gedruckt sehr starke
       Artikel gegen  die  Bourgeoisligue;  dann  folgten  unverkennbare
       (Erklärungen)  von   Zärtlichkeit,   manchmal   freundschaftliche
       Vorwürfe. Das  Organ sozusagen  flehte die  Ligue, (zu  bändigen)
       ihre   zu   brennenden   Kundgebungen   bürgerlicher   Instinkte,
       kompromittierend für  die Schützer  der Ligue  vor den Arbeitern.
       Solche Schwankung  dauerte fort  in der Partei des Herrn Marx bis
       zum September  1869, d.h.  bis zum Basler Kongreß. Dieser Kongreß
       macht Epoche  in der  Entwicklung der  Internationalen" (S.  293-
       296).
       Zum erstenmal  erschienen die  Deutschen auf internationalem Kon-
       greß, und  zwar als Partei, organisiert auf mehr bürgerlich-poli-
       tischem als  volkstümlich-nationalem Programm.  Votierten wie ein
       Mann unter  Leitung Liebknechts.  Sein erstes  Geschäft, versteht
       sich, infolge  seines Programms,  politische Frage  an die Spitze
       aller anderen  zu stellen.  Deutschen entschieden geschlagen. Der
       Basler Kongreß  erhielt die  Reinheit  des  internationalen  Pro-
       gramms, erlaubte  den Deutschen  nicht, es  zu verstümmeln  durch
       Einführung ihrer  Bourgeoispolitik; so  entstand die  Spaltung in
       der Internationalen,  deren Grund  die Deutschen. Sie wollten der
       vor allem  internationalen Gesellschaft mit Gewalt ihr engbürger-
       liches und  national-politisches, ausschließlich  deutsches, pan-
       germanisches
       
       #641# Konspekt von Bakunins "Staatlichkeit und Anarchie"
       -----
       Programm aufdrängen.  "Sie wurden  auf das  Haupt geschlagen, und
       diese Niederlage benutzte nicht wenig der Bund der Sozial-Revolu-
       tionäre, die Allianzisten. Daher der bittre Haß der Deutschen wi-
       der die Allianz. Ende 1869 und erste Hälfte 1870 gefüllt mit bos-
       haftem Zank und noch boshaftem und nicht selten gemeinen Verleum-
       dungen der Marxisten gegen die Leute der Allianz" (S. 296).
       Sieg des Napoleon III. hätte nicht so nachhaltig schlechte Folgen
       gehabt wie der deutsche (S. 297).
       Alle Deutschen ohne Ausnahme jubelten über den Sieg, obgleich sie
       wußten, daß  er die  Vorherrschaft des militärischen Elements be-
       siegeln würde;  "nicht ein  einziger, oder kaum ein Deutscher er-
       schrak, alle vereinigten sich in einstimmigem Triumph". Ihre Lei-
       denschaft: Herrschaft und Sklaverei (S. 298). - Und die deutschen
       Arbeiter? Nun,  die deutschen  Arbeiter taten  nichts, nicht eine
       energische Kundgebung von Sympathie, von Mitgefühl für die Arbei-
       ter Frankreichs.  Ein paar  Meetings, wo ein paar Phrasen gesagt,
       worin der siegreiche nationale Stolz sozusagen verstummte vor der
       Kundgebung der  internationalen Solidarität.  Aber weiter  als zu
       Phrasen ging  nicht einer, und in Deutschland, ganz gesäubert von
       der Armee,  war es  damals möglich,  etwas anzufangen und zu tun.
       Wahr, daß die Mehrheit der Arbeiter geworben im Heer, wo sie aus-
       gezeichnet erfüllten die Pflicht der Soldaten, alles töteten etc.
       auf Befehl der Obrigkeit und selbst plünderten. Einige von ihnen,
       nachdem sie  so ihre  kriegerischen Pflichten  erfüllt, schrieben
       zur selben  Zeit Jammerbriefe in dem 'Volksstaat' und schilderten
       mit lebhaften Farben die barbarischen Verbrechen, durch die deut-
       schen Heere in Frankreich vollbracht" (S. 298, 299). Unterdes ei-
       nige Beispiele kühnerer Opposition: Proteste Jacobys, Liebknechts
       und Bebels; dies vereinzelte und zudem sehr seltne Beispiele.
       Wir können nicht vergessen Artikel, veröffentlicht September 1870
       im "Volksstaat",  worin offen der pangermanische Siegesjubel sich
       ausspricht. Er  beginnt mit  den folgenden Worten: "Dank den Sie-
       gen, errungen durch die deutschen Heere, ging die historische In-
       itiative schließlich  von Frankreich  auf Deutschland  über:  wir
       Deutsche etc." (S. 299).
       "Mit einem  Wort, man  kann sagen ohne irgendwelche Ausnahme, daß
       bei den  Deutschen vorwog  und vorwiegt das siegreiche Gefühl des
       kriegerischen und politischen nationalen Siegs. Darauf hauptsäch-
       lich gegründet  die Macht  des pangermanischen  Reichs und seines
       großen Kanzlers, des Grafen Bismarck" (S. 299).
       "Und wißt  ihr, welche Bestrebung jetzt im Bewußtsein oder im In-
       stinkt jedes  Deutschen vorherrscht?  Das Streben  zu  verbreiten
       (??????????????) (breit,  weit) das  Deutsche  Reich"  (S.  303).
       Diese Leidenschaft  "jetzt auch  die ganze  Tätigkeit der sozial-
       demokratischen Partei.  Und glaubt  nicht, daß  Bismarck  ein  so
       glühender  Feind   dieser  Partei  sei,  wie  er  sich  verstellt
       (?????????????). Er  zu (klug),  um nicht  zu sehn,  daß sie  ihm
       dient als  Pionier, verbreitend  die deutsche  Staatsidee in Öst-
       reich, Schweden,  Dänemark, Belgien,  Holland und Schweiz. In der
       Verbreitung  dieser   germanischen   Idee   besteht   jetzt   das
       Hauptstreben des  Herrn Marx, der, wie wir bereits bemerkt haben,
       versucht hat zu erneuern (???????????), zu seinem Vorteil, in der
       Internationalen, die  Bewegungen und  Siege des  Grafen Bismarck.
       Bismarck  hält   in  seiner  Hand  alle  Parteien  und  wird  sie
       schließlich abgeben in die Hand des Herrn Marx" (S. 304).
       
       #642# Karl Marx
       -----
       "Dieses Reich  (pangermanisches) erklärte durch die Lippen seines
       großen Kanzlers den Krieg auf Leben oder Tod der sozialen Revolu-
       tion. Graf  Bismarck sprach  dies Todesurteil aus im Namen von 40
       Millionen Deutschen, die hinter ihm stehn und ihm zur Stütze die-
       nen. Marx  auch, sein  Konkurrent und Neider, und hinter ihm alle
       Führer der  sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ... erklär-
       ten von  ihrer Seite  denselben verzweifelten  Krieg der sozialen
       Revolution. Alles das werden wir ausführlich auseinandersetzen im
       folgenden Teil"  (S. 307,  308). "Bis  jetzt hat sie (die soziale
       Revolution) ihre  Kräfte nur  konzentriert auf den Süden Europas:
       Italien, Spanien, Frankreich; aber bald, hoffen wir, werden unter
       ihrer Fahne  aufstehn auch  die nordwestlichen  Völker:  Belgien,
       Holland und  hauptsächlich England,  und dann  endlich auch  alle
       slawischen Stämme" (S. 308).
       
       NACHTRAG
       "Die Hauptzüge  des Ideals"  des russischen Volks: 1. "die allge-
       meine volkstümliche  Überzeugung, daß  die Erde,  die ganze Erde,
       dem Volk gehört, das sie mit seinem Schweiße benetzt und befruch-
       tet mit seiner eignen Hände Arbeit; 2. daß das Recht auf ihre Be-
       nutzung nicht  der Person  gehört, sondern  der ganzen (Gemeinde,
       der Gemeindeversammlung),  die sie  (auf Zeit) unter den Personen
       verteilt; 3.  die  quasi  absolute  Autonomie,  die  gemeindliche
       Selbstverwaltung und  infolgedessen, das entschiedlich feindliche
       Verhältnis der (Gemeinde) zum Staat" (S. 10).
       "Die 3  Schattenseiten sind: 1. der Patriarchalismus; 2. die Ver-
       schlingung der  Person durch  (die Gemeindeversammlung);  3.  der
       Glaube an  den Zar.  Man könnte  4. den christlichen Glauben dazu
       rechnen, offiziell  rechtgläubig oder sektiererisch (S. 10); aber
       das hat  in Rußland  nicht soviel  zu sagen wie im westlichen Eu-
       ropa" (l.c.).
       Punkt 2  und 3  "natürliche Resultate"  aus Punkt 1, (Patriarcha-
       lismus). Vater, (Gemeindeversammlung), Zar (S. 15). "Die (Gemein-
       de) seine  Welt. Sie nichts andres als die natürliche Erweiterung
       seiner Familie,  seines Geschlechts.  Daher herrscht  in ihr auch
       das patriarchalische  Prinzip Vor,  derselbe abscheuliche  Despo-
       tismus und  dieselbe gemeine  Unterwürfigkeit, und daher auch die
       ???????? (ursprünglich,  zur Wurzel gehörige) Ungerechtigkeit und
       dieselbe radikale Negation jedes persönlichen Rechts, wie auch in
       der Familie  selbst. Die  Entschließungen  der  (Gemeindeversamm-
       lung), was  sie auch sein mögen, Gesetz. ('Wer wagt es, gegen die
       Gemeindeversammlung zu  gehen?') -  jubelt  mit  (Erstaunen)  der
       russische Bauer...  In (der Gemeindeversammlung) haben Stimmrecht
       nur die (Alten), die Familienhäupter... Aber über der (Gemeinde),
       über allen  Gemeinden steht  der Zar,  der (allgemeine) Patriarch
       und Stammvater,  der Vater  von ganz  Rußland. Daher seine Gewalt
       unbeschränkt" (S.  15). "Jede  Gemeine bildet  in sich  (ein  ge-
       schlossenes Ganzes),  infolgedessen hat  keine Gemeine, und fühlt
       auch nicht  das Bedürfnis  zu haben,  irgendwelches selbständiges
       organisches Band  mit andren Gemeinen. Sie sind untereinander nur
       vereint vermittelst  (Väterchen Zar),  nur  in  seiner  obersten,
       väterlichen Gewalt" (S. 15, 16).

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