Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875
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D. Aufzeichnungen und Dokumente
(April 1872 - September 1873)
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I
Polizeiterror in Irland
Erklärung des Generalrats der
Internationalen Arbeiterassoziation [433]
Der nationale Widerspruch zwischen englischen und irischen Arbei-
tern in England ist bisher eins der Haupthindernisse auf dem Wege
jeder Bewegung gewesen, die die Befreiung der Arbeiterklasse an-
strebt, und daher eine der Hauptstützen der Klassenherrschaft
sowohl in England als auch in Irland. Das Wachstum der Interna-
tionale in Irland und die Bildung irischer Zweige in England
drohten diesem Stand der Dinge ein Ende zu machen. Es war daher
ganz natürlich, daß die britische Regierung versuchen würde, den
Aufbau der Internationale in Irland im Keime zu ersticken, indem
sie die ganze polizeiliche Schikane praktizierte, die die
Ausnahmegesetzgebung und der praktisch permanente Belagerungszu-
stand ihr dort auszuüben ermöglichten. Wie Irland unter der soge-
nannten Freien Britischen Konstitution in wahrhaft preußischer
Weise regiert wird, zeigen folgende Tatsachen:
Auf einem Meeting der Internationale in Dublin hatten ein Ser-
geant und ein Gemeiner der Polizei in voller Uniform an der Tür
des Versammlungslokals Posten bezogen; auf die Frage des Eigentü-
mers, ob sie offiziell geschickt worden wären, bejahte der Ser-
geant dies und begründete es damit, daß die Internationale einen
gefürchteten Namen habe.
In Cork wurde derselbe Kniff angewandt. Zwei Kónstabler der Royal
Irish Constabulary 1*) sind am Tage gegenüber der Haustür des Se-
kretärs der lokalen Föderation postiert und vier nach Einbruch
der Dunkelheit, und der Name eines jeden, der ihn aufsucht, wird
von ihnen notiert. Ein Unterinspektor hat kürzlich verschiedene
Personen aufgesucht, bei denen Mitglieder der Corker Sektion be-
schäftigt waren, und die Adressen der letzteren gefordert, und
viele Personen sind von der "Polizei" gewarnt worden, daß ihre
Namen, falls man sie mit dem Sekretär sprechen sieht, dem
"Castle" [434] mitgeteilt werden - ein Name des Schreckens für
die Arbeiterklasse Irlands. In derselben Stadt haben einem
eingegangenen Brief zufolge
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1*) Königlich Irischen Polizei
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"die Behörden verschiedene Sondersitzungen abgehalten, Polizei
ist verstärkt herangezogen worden, und am Ostersonntag standen
alle Konstabler unter Waffen mit je zehn Schuß scharfen Patronen.
Man erwartete, daß wir ein Meeting im Park abhalten würden; die
Behörden versuchen alles, um einen Aufstand zu provozieren."
Wenn die britische Regierung auf diese Weise fortfährt, kann sie
sicher sein, daß ihr die letzten Fetzen der Maske des Liberalis-
mus vom Gesicht gerissen werden. In den Zeitungen der Internatio-
nale der ganzen Welt wird der Name des Herrn Gladstone Woche für
Woche mit den Namen von Sagasta, Lanza, Bismarck und Thiers zu-
sammen genannt werden.
Im Auftrage des Generalrats :
R. Applegarth, M. Barry, M.J. Boon, F.Bradnick, G.H. Buttery, E.
Delahaye, Eugène Dupont, W. Hales, G. Harris, Hurliman, Jules
Johannard, C. Keen, Harriet Law, F. Leßner, Lochner, C. Longuet,
C. Martin, Zévy Maurice, H.Mayo, G. Milner, Ch. Murray. Pfänder,
J. Roach, Rühl, Sadler, Cowell Stepney, A. Taylor, W. Townshend,
É. Vaillant, J. Weston, Yarrow.
Korrespondierende Sekretäre:
Leo Frankel für Österreich und Ungarn; A. Herman, Belgien; T.
Mottershead, Dänemark; A. Serraillier, Frankreich; Karl Marx,
Deutschland und Rußland; C. Rochat, Holland; J.P. Mac Donnel, Ir-
land; F. Engels, Italien und Spanien; Walery Wróblewski, Polen;
Hermann Jung, Schweiz; J.G. Eccarius, Vereinigte Staaten; Le
Moussu für die französischen Zweige der Vereinigten Staaten; J.
Hales, Generalsekretär.
Nach dem Flugblatt.
Aus dem Englischen.
2
[Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels über
die Lage der Internationale in Italien und Spanien]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 12. März 1872]
Bürger Engels erklärte, daß der veröffentlichte Bericht über die
Sitzung der vergangenen Woche völlig falsch wiedergäbe, was er
über Italien gesagt habe. [435] Während er diesen Bericht
richtigstellte, ergriff er gleichzeitig die Gelegenheit, seine
Darlegungen über die Situation der Internationale
#679# Aufzeichnungen und Dokumente
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in Italien zu vervollständigen. Bisher hatten alle Berichte, die
aus diesem Lande eingegangen waren, ob durch die Korrespondenz
des Rats oder durch die Zeitungen der italienischen Internatio-
nale, letztere so dargestellt, als würde sie einmütig die Lehre
von der völligen Enthaltung von politischer Tätigkeit unterstüt-
zen und die Konferenz-Resolution über diese Frage ablehnen. Dabei
durfte aber nicht vergessen werden, daß bisher sowohl die Korre-
spondenz als auch die Zeitungen nicht in den Händen von Arbeitern
selbst lagen, sondern von Männern bürgerlicher Herkunft: Advo-
katen, Ärzte, Journalisten etc. Tatsächlich bestand die große
Schwierigkeit für den Rat darin, direkte Verbindungen mit den
italienischen Arbeitern selbst herzustellen. Dies geschah jetzt
in ein oder zwei Orten, und nun stellte sich heraus, daß diese
Arbeiter, weit davon entfernt, für die Enthaltung von der Politik
begeistert zu sein, im Gegenteil sehr erfreut waren zu hören, daß
der Generalrat als Kopf der großen Masse der Internationale die-
ser Lehre keinesfalls anhängt. So ist zu hoffen, daß auch in die-
ser Frage sich die italienischen Arbeiter bald in Übereinstimmung
mit denen des übrigen Europas und den Vereinigten Staaten befin-
den. In Spanien war die Internationale in derselben Position. Die
Regierung versagte ihren Mitgliedern das Recht zu öffentlichen
Versammlungen, mischte sich aber ansonsten nicht ein. Anderer-
seits machten ihnen die bürgerlichen Republikaner die dringend-
sten Anerbieten, sich ihnen in einer Erhebung gegen die Regierung
und die neue Dynastie anzuschließen. Aber die Mitglieder der In-
ternationale waren entschlossen, für ihr eigenes Programm zu
kämpfen, wenn sie überhaupt kämpfen sollten.
Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.
3
[Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels
über die Lage der Internationale in Spanien [436]]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 26. März 1872]
Bürger Engels verlas eine Mitteilung, aus der hervorging, daß der
Spanische Föderalrat am Vorabend des Ablaufs seiner Amtsperiode
dem Generalrat einen ausführlichen Bericht über den Fortschritt
und die gegenwärtige Lage der Internationale in Spanien gesandt
hatte. Die Assoziation, die in diesem Lande 1869 eingeführt
wurde, organisierte sich im Juni 1870 auf einem in Barcelona ab-
gehaltenen Kongreß [177]. Sie war damals noch
#680# Beilagen
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schwach; aber die Revolution der Pariser Kommune und die begin-
nenden Verfolgungen durch die Regierung ließen sie bald an Stärke
zunehmen, und auf der im September 1871 in Valencia abgehaltenen
Konferenz [175] waren bereits dreizehn lokale Föderationen ver-
treten, und jetzt, am Vorabend des Kongresses der spanischen In-
ternationalen, der am 7. April in Saragossa [81] abgehalten wer-
den soll, zählt die Assoziation über siebzig organisierte lokale
Föderationen, während in mehr als hundert Orten ein oder mehr
Zweige noch damit beschäftigt sind, ihre lokale Organisation zu
vervollständigen. Es gibt acht Berufszweige, die Berufsverbände
besitzen, welche über ganz Spanien ausgedehnt sind und der Inter-
nationale angehören, und augenblicklich sind Verhandlungen im
Gange über den Eintritt des großen Verbandes der Fabrikarbeiter,
der zwischen 40 000 und 50 000 Mitglieder zählt, in unsere Asso-
ziation. Die Propaganda ist sehr aktiv, das Manifest des Föderal-
rats wird im ganzen Lande gelesen. Seit der Diskussion über die
Internationale im spanischen Parlament druckt die bürgerliche
Presse jedes von der Gesellschaft herausgegebene Dokument ab, und
das unterstützt wesentlich die sieben oder acht spanischen Zei-
tungen, die der Internationale angehören und ihre Prinzipien ver-
teidigen. Das hat die spanische Regierung mit all den Verfolgun-
gen erreicht, denen sie die Mitglieder unserer Assoziation unter-
worfen hat, und jetzt, da Verfolgung und Behinderung zur Regel
geworden sind, geht die spanische Internationale daran, trotz der
Regierung ihren zweiten öffentlichen Kongreß in Saragossa abzu-
halten.
Die Mitglieder wissen kaum, wieviel Marken benötigt würden, da
ihre Mitgliedsbeiträge monatlich bezahlt werden. Sie befürchte-
ten, es würde schwierig sein, sie zu verwenden; es hätte ihnen
gepaßt, wären monatlich Marken herausgegeben worden.
Der Föderalrat legte ebenfalls eine Adresse an die verschiedenen
Föderalräte bei und ersuchte diese und den Generalrat, ihm zur
Eröffnung seines Kongresses Telegramme zu übersenden als Zeichen
der Solidarität, die die Assoziation zur Pflicht macht.
Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.
#681# Aufzeichnungen und Dokumente
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4
[Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels
über den Kongreß in Saragossa [437]]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 7. Mai 1872]
["The Eastern Post" Nr. 189 vom 12. Mai 1872]
Der Kongreß der spanischen Internationalen zu Saragossa [81], der
Anfang April stattfand, aber dessen Protokolle erst jetzt veröf-
fentlicht werden, endete mit der völligen Niederlage jener klei-
nen, aber aktiven Fraktion, die unter der Führerschaft Bakunins
während der letzten vier Jahre niemals aufgehört hatte, in den
Reihen unserer Assoziation Zwietracht hervorzurufen. Diese Frak-
tion, die in einer internationalen Gesellschaft vereinigt ist,
welche sich Allianz der sozialistischen Demokratie [2] nennt,
hatte sich bei ihrer Aufnahme in die Internationale Arbeiterasso-
ziation feierlich verpflichtet, ihre separate Organisation aufzu-
lösen und ganz in die Internationale aufzugehen. Aber trotz die-
ser feierlichen Verpflichtung existierte die Allianz weiter, als
eine geheime Gesellschaft innerhalb der Internationale; das erste
Beispiel einer geheimen Gesellschaft, die sich nicht gegen die
herrschenden Klassen und ihre Regierungen richtete, sondern gegen
eben dieselbe proletarische Organisation, in der aufzugehen sie
versprochen hatte. In Spanien war es dieser geheimen Gesellschaft
eine Zeitlang gelungen, die Internationale zu leiten, aber kurz
vor der Konferenz von Valencia (September 1871) [175] entstanden
Streitereien in ihren Reihen. Diejenigen ihrer Mitglieder, denen
das Interesse der Internationale wirklich mehr am Herzen lag als
das einer winzigen sektiererischen Clique, wurden von den Fana-
tikern und Intriganten der Sekte angegriffen, und der Streit
sollte endlich durch den Kongreß von Saragossa beigelegt werden.
Hier rückten die treuen Anhänger der Allianz mit einem Plan auf
Revision der Statuten heraus, der den Spanischen Föderalrat
ebenso behandelte wie es das Zirkular ihrer Bundesgenossen, der
Sektierer im Schweizer Jura, gegenüber dem Generalrat getan
hatte: beide Räte, und überhaupt alle Räte, sollten aller Attri-
bute der Autorität beraubt und auf bloße Büros für Korrespondenz
und Statistik reduziert werden; die Zweigstellen und lokalen Fö-
derationen sollten das Recht haben, solche Satzungen, die sie für
gut befanden, anzunehmen, ohne irgendeine Kontrolle seitens des
Föderalrats, nur der Zustimmung des nächsten Kongresses unterwor-
fen. Die absolute Autonomie aller Zweigstellen, ihr Recht, alles
zu tun, was ihnen beliebte, ihr Recht, alle Statuten und Satzun-
gen zu mißachten, das sollte eingeführt werden;
#682# Beilagen
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in Wirklichkeit sollte die ganze Assoziation praktisch aufgelöst,
ihre Organisation als politische Partei völlig vernichtet, ihre
Tätigkeit lahmgelegt werden; und das in einem Augenblick, wo die
Internationale in Spanien unter dem Druck der Regierung stand,
ihre Versammlungen verboten, die öffentlichen Sitzungen eben die-
ses Kongresses mit Gewalt unterdrückt wurden und die karlisti-
schen Agitatoren mit der Waffe in der Hand nur auf einen Vorwand
lauerten, um die Internationale für einen Aufstand in Saragossa
auszunutzen, der in letzter Instanz ihren Zwecken dienen sollte!
Überdies wurden solche Vorschläge in einem Augenblicke gemacht,
wo die wirklich ausgezeichnete Organisation, welche die Konferenz
von Valencia geschaffen hatte, die unerwartetsten Früchte trug,
wo die Zahl der offiziell konstituierten lokalen Föderationen von
fünfzehn auf fünfundfünfzig angewachsen war, außer den neunzehn,
deren Organisation nicht ganz abgeschlossen war, und den vierund-
neunzig Orten, wo es Zweigstellen, aber noch keine vollständig
organisierten lokalen Föderationen gab. Wenn solche Ergebnisse
zugunsten der Statuten, die in Valencia angenommen worden waren,
und zugunsten des Föderalrats, der sie in Kraft gesetzt hatte,
aufzuweisen waren, was für eine Chance hätten dann die Verfechter
eines Systems, das durch die Wiederherstellung eines völlig chao-
tischen Zustands alles zunichte machen würde, was getan worden
war, und jedem Regierungs- oder Polizeiagenten oder jeder belie-
bigen Anzahl bürgerlicher Verräter die Türen der Assoziation öff-
nen würde? Der Kongreß erklärte einmütig - nur zwei oder drei De-
legierte enthielten sich der Stimme -, daß die Statuten, wie sie
in Valencia angenommen worden sind, voll in Kraft bleiben sollen,
und somit scheiterte der Versuch vollständig, die Internationale
in Spanien unter dem Vorwand zu vernichten, sie vollkommener zu
organisieren. Dieses Resultat ist von großer Bedeutung für unsere
ganze Assoziation. Es beweist wieder einmal, daß man nur an den
starken gesunden Menschenverstand der Arbeiterklasse, in Spanien
so gut wie anderswo, appellieren muß, um die Kniffe und sektiere-
rischen Schliche falscher Reorganisatoren und Pseudo-Propheten zu
vereiteln. Bakunin und seine Anhänger hielten Spanien für ihr
Bollwerk, weil sie einige Jahre hindurch die Propaganda in diesem
Lande bestimmt hatten. Aber kaum hatte die proletarische Bewegung
ganz Spanien ergriffen, als die spanischen Arbeiter es ablehnten,
durch die engen Dogmen einer Sekte gefesselt zu werden und die
Organisation, die sie sich selber geschaffen und vervollkommnet
hatten, den privaten Zwecken einiger Intriganten zu opfern, die
in ihren oft wiederholten Versuchen, die Internationale zu ihrem
Werkzeug zu machen, vernichtet worden waren und jetzt alles tun,
was in ihrer Macht steht, um sie praktisch aufzulösen. Es ist
sehr wohl bekannt, daß die Föderation des Schweizer Jura - die
alles in allem neun Zweigstellen zählt, von denen sich die mei-
sten im Zustande völliger Auflösung befinden - im vergangenen De-
zember die sofortige Einberufung eines außerordentlichen all-
gemeinen
#683# Aufzeichnungen und Dokumente
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Kongresses vorschlug, um die Internationale allgemein nach eben
denselben Prinzipien zu reorganisieren, die nun mit solch vielsa-
gender Wirkung dem Kongreß zu Saragossa vorlagen. Von allen loka-
len Föderationen in Spanien erklärte sich nur eine, und zwar die
von Palma auf Mallorca, für diesen außerordentlichen Kongreß. Und
jetzt erklärt in Saragossa der Delegierte eben dieser lokalen Fö-
deration von Palma, daß er ausdrückliche Anweisungen von seinen
Wählern habe, gegen diese ganze angebliche Reorganisation und für
die einfache Aufrechterhaltung der bestehenden Statuten zu stim-
men! Die Abstimmung auf dem Kongreß zu Saragossa bestätigt daher,
indem sie die dem Spanischen Föderalrat erteilten Vollmachten be-
stätigt, indirekt die analogen Vollmachten, die der Baseler Kon-
greß dem Generalrat der Assoziation übertragen hatte, und die
kürzlich in dem Zirkular der Jurassier als unterdrückend und dik-
tatorisch angegriffen wurden.
In Italien werden die Versuche der Aristokratie und der Bour-
geoisie, sich als die wahren Repräsentanten der Arbeiterklasse
hinzustellen, mit unverminderter Unverschämtheit fortgesetzt. In
den letzten Apriltagen wurde ein sogenannter Arbeiterkongreß in
Rom in einem der angesehensten Theater der Stadt abgehalten.
[438] Den Vorsitz führte Fürst Teano. Die Delegierten waren Für-
sten, Herzöge, Marquis, Grafen und ähnliche "Hochgeborene", Ban-
kiers, Fabrikanten, Mitglieder des Parlaments und einige Krämer.
Von wirklichen Arbeitern waren nur acht vertreten. Den Kongreß,
der unter dem Beistand und dem besonderen Schutz der Regierung
abgehalten wurde, hinderte das nicht, große Reden im Namen der
italienischen Arbeiter zu schwingen, einen Haufen Beschlüsse zu
fassen und zu erklären, daß die Arbeiter außerordentlich zufrie-
den und ihren "Vornehmeren" sehr dankbar wären für das, was diese
für sie zu tun sich freundlicherweise herabgelassen hätten; und
wenn sie nur ein wenig mehr Kredit und Kooperativgesellschaften
erhielten, würden ihre höchsten Wünsche mehr als erfüllt sein.
Unglücklicherweise beschlossen die wirklichen Arbeiter Roms, zu-
sammenzukommen und die Berechtigung dieses Kongresses, die ita-
lienische Arbeiterklasse zu vertreten, zu diskutieren. Obgleich
die Regierung die Erlaubnis verweigerte, die Plakate, die diesen
Kongreß einberiefen, an die Mauern kleben zu lassen, kamen große
Mengen zusammen und protestierten gegen die Beschlüsse dieses
Schandkongresses und erklärten, daß nur die italienischen Arbei-
ter selber in Übereinstimmung mit denen der übrigen Welt zustän-
dig wären, alle sozialen Fragen, die sie angingen, zu lösen.
Bürger Engels berichtet noch, daß er soeben einen Brief aus Mai-
land erhalten habe, der über die Angelegenheit, die in der vori-
gen Woche mitgeteilt worden ist, vollständigere Einzelheiten ent-
halte. Darin würde noch mitgeteilt, daß die Sektion wegen der
Verhaftung einiger Mitglieder gezwungen worden war, die Heraus-
gabe ihrer Zeitung einzustellen. Bürger
#684# Beilagen
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Engels habe die Statuten der Ferraraer Assoziation geprüft und
mit Rücksicht auf die Erklärung über die völlige Übereinstimmung,
die zusammen mit den Statuten einging, mache er den Vorschlag,
diese zu bestätigen. Es seien klare und praktische Statuten.
Aus dem Englischen.
5
[Aufzeichnung der Rede von Karl Marx über die Einberufung
des Haager Kongresses und über die Vollmachten des Generalrats]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 11. Juni 1872]
Bürger Marx sagte dann, daß zweifellos die Organisationsfrage der
Hauptgegenstand sein würde, der vor den Kongreß gebracht würde.
Die Kämpfe, die stattgefunden hätten, hätten dies zur Genüge ge-
zeigt. Bei der Behandlung dieser Frage wäre es gut, das Thema in
Abschnitte zu teilen, die einmal den Generalrat, zum anderen die
Föderalräte beträfen. Der Vorschlag Bakunins würde einfach den
Generalrat in ein statistisches Büro verwandeln, wofür es keines
Rats bedürfe. Die Zeitungen könnten alle Informationen erteilen,
die gesammelt werden könnten, und es müsse daran erinnert werden,
daß bis jetzt noch keine Statistiken zusammengetragen worden
sind, obwohl der Generalrat den Sektionen von Zeit zu Zeit drin-
gend die Notwendigkeit vor Augen geführt habe, etwas in dieser
Hinsicht zu tun.
Der Vorschlag des Belgischen Föderalrats sei logisch, denn er
ging darauf hinaus, den Generalrat abzuschaffen, da er nicht mehr
notwendig wäre. Es würde behauptet, daß die Föderalräte alles
Notwendige tun könnten. Föderalräte, wurde behauptet, wären und
würden in allen Ländern errichtet, und sie könnten die Geschäfts-
führung in ihre eigenen Hände nehmen. Die "Emancipacion" von Spa-
nien sagte in ihrer Kritik dieses Vorschlages, daß dies den Tod
der Assoziation bedeuten würde, er wäre nicht einmal folgerich-
tig, da logischerweise die Föderalräte zu gleicher Zeit abge-
schafft werden müßten. Trotzdem würde er sich nicht widersetzen,
den Vorschlag sowohl als Alternative als auch als Experiment zu
akzeptieren. Obgleich er gewiß sei, daß es nur die absolute Not-
wendigkeit der Wiedereinsetzung des Generalrats demonstrieren
würde; wenn die Politik der Stärkung der Macht des Generalrats
abgelehnt werden sollte, würde er bereit sein, darauf
#685# Aufzeichnungen und Dokumente
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einzugehen - aber unter keinen Umständen würde er den Vorschlag
Bakunins akzeptieren, den Generalrat beizubehalten und ihn zu ei-
nem Nichts zu machen.
Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.
6
[Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
über das Mandat Barrys [439]]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
Internationalen Arbeiterassoziation vom 3. September 1872]
Marx sagt, es gehe niemand etwas an, wen eine Sektion wähle; üb-
rigens gereiche es Barry zur Ehre, nicht zu den sogenannten Füh-
rern der englischen Arbeiter zu gehören, da diese Leute mehr oder
weniger von der Bourgeoisie und der Regierung gekauft seien;
Barry werde nur angegriffen, weil er Haies nicht als Werkzeug
dienen wolle.
Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.
7
[Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
über das Mandat Shukowskis [440]]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
Internationalen Arbeiterassoziation vom 3. September 1872]
Marx sagt, die Allianz [2] sei anerkannt worden, weil man anfangs
ihren geheimen Charakter nicht kannte; der Generalrat wußte wohl,
daß die Allianz trotz ihrer offiziellen Auflösungserklärung vom
6. August 1871 [35] noch fortbestand, die Londoner Konferenz
konnte jedoch nichts tun, als die bekannten Beschlüsse fassen
1*); er spreche nicht gegen geheime Gesellschaften
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1*) Siehe Band 17 unserer Ausgabe, S. 424/425
#686# Beilagen
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als solche, denn er selbst habe dergleichen angehört, sondern ge-
gen geheime Gesellschaften, die der IAA feindlich und schädlich
seien. Der Romanische Föderalrat habe heftig gegen Zulassung der
fraglichen Sektion protestiert, und infolgedessen habe der Gene-
ralrat sie statutengemäß zurückgewiesen. In Brüssel sei es an-
ders. Die dortige französische Sektion schrieb dem Generalrat,
daß der Belgische Föderalrat der Ansicht sei, ihr Eintritt in die
belgische Organisation würde sie der Polizei in die Hände lie-
fern, der Generalrat konnte daher nicht umhin, diese Sektion als
unabhängige anzuerkennen und mit der zweiten ebenfalls in Brüssel
existierenden französischen Sektion ebenso zu verfahren.
Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.
8
[Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
über das Mandat Wests [441]]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
Internationalen Arbeiterassoziation vom 4. September 1872]
Marx beantragte im Namen des Komitees die Annullierung des West-
schen Mandates, weil er 1. Mitglied der suspendierten Sektion Nr.
12 1*) sei; 2. Mitglied des Philadelphia-Kongresses und 3. Mit-
glied des Prince-Street-Councils gewesen sei. Das Mandat Wests
sei außerdem unterzeichnet von Victoria Woodhull, welche auf die
Präsidentschaft der Vereinigten Staaten schon seit Jahren speku-
liert, Präsidentin der Spiritisten ist, freie Liebe predigt, ein
Bankgeschäft hat etc. etc. Sektion 12, gegründet von Victoria]
Woodhull, bestand anfangs aus fast lauter Bourgeois, agitierte
besonders für das Frauenstimmrecht und erließ den famosen Aufruf
[128] an die englischredenden Bürger der Vereinigten Staaten,
worin die IAA mit allerlei Zeug belastet wurde und auf Grund des-
sen sich verschiedene ähnliche Sektionen im Lande bildeten; unter
anderem war darin die Rede von persönlicher Freiheit, sozialer
Freiheit (freier Liebe), Kleiderordnung, Frauenstimmrecht, Uni-
versalsprache usw. Sie erklärten am 28. Oktober, daß "die Emanzi-
pation der Arbeiterklasse durch sie selbst" nur bedeute, die
Emanzipation der Arbeiterklasse dürfe nicht gegen den Willen der
Arbeiter selbst vollzogen werden. Sie stellten die Frauenfrage
der Arbeiterfrage voran und
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1*) Siehe vorl. Band, S. 53/54
#687# Aufzeichnungen und Dokumente
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verwahren sich gegen die Annahme, daß die IAA eine Arbeiterorga-
nisation sei. Sektion 1 protestierte gegen dieses Vorgehen der
Sektion 12 und verlangte, daß jede Sektion aus wenigstens 2/3
Lohnarbeitern bestehen müßte, weil in Amerika bis jetzt noch jede
Arbeiterbewegung durch die Bourgeoisie ausgebeutet worden sei.
Sektion 12 verwahrte sich gegen die 2/3 Lohnarbeiter mit der höh-
nischen Frage: ob es denn ein Verbrechen sei, frei und kein
Lohnsklave zu sein? Beide Parteien riefen dann die Entscheidung
des Generalrats an, welcher dieselbe am 5. und 12. März gab, d.h.
Sektion 12 suspendierte. Aus diesen Gründen könne West nicht zu-
gelassen werden. Trotz der Entscheidung des Generalrats erkannte
Sektion 12 diese nicht an. West war auch Mitglied des Philadel-
phia-Kongresses und des Prince-Street-Councils, welche dem Gene-
ralrat ihre Anerkennung verweigerten und mit der Jura-Föderation
in Verbindung standen, welche letztere ihnen laut Zeitungsbericht
anrieten, dem Generalrat die Zahlungen zu verweigern und ihn so
auf das Trockne zu setzen.
Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.
9
[Aufzeichnung der Rede von Karl Marx
über die Vollmachten des Generalrats]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
Internationalen Arbeiterassoziation vom 6. September 1872]
Wir verlangen diese Befugnisse nicht für uns, sondern für den
künftigen Generalrat; wir wollen den Generalrat lieber abschaf-
fen, als nach der Idee Brismées einen Briefkasten daraus machen;
in solchem Falle würden auch Journalisten, d.h. Nichtarbeiter,
die Leitung der Assoziation in die Hände bekommen. Er wundert
sich, wie die Jura-Föderation und die andern Abstentionisten Sek-
tion 12 1*) unterstützen konnten, da diese Sektion aus der IAA
ein Mittel zur Unterstützung einer Bourgeoispolitik machen
wollte; wenn man ungläubig über Polizeisektionen lächle, so möge
man wissen, daß solche in Frankreich, Österreich u.a. L[ändern]
gebildet worden seien, und der Generalrat sei von Österreich aus
angegangen worden, keine Sektion anzuerkennen, die nicht durch
Delegierte des Generalrats oder die dortige Organisation gegrün-
det sei. Vésinier und Genossen, kürzlich aus der französischen
Flüchtlingsschaft exkludiert, seien natürlich für die Jura-
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1*) Siehe vorl. Band. S. 53/54
#688# Beilagen
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Föderation; der Belgische Föderalrat sei beim Generalrat so arg
verklagt worden wegen seiner Anschuldigungen, Willkürlichkeiten,
Nepotismus etc. wie kein anderer Föderalrat, und zwar von belgi-
schen Arbeitern, worüber die Briefe vorlägen. Burschen wie Vési-
nier, Landeck u.a. bilden meinetwegen zuerst einen Föderalrat,
dann hinterher eine Föderation und Sektionen; Bismarcksche Agen-
ten könnten dasselbe tun; der Generalrat muß daher das Recht ha-
ben, einen Föderalrat und eine Föderation aufzulösen oder zu sus-
pendieren; dann kommt die Berufung an die Sektionen, die manchmal
nicht angemessen sein mag, um zu entscheiden durch des Volkes
Stimme, ob ein Föderalrat noch der Ausdruck des Volkswillens sei;
in Österreich bilden Schreier, Ultramontane, Radikale und provo-
cateurs Sektionen, um die IAA zu kompromittieren; in Frankreich
bildete ein Polizeikommissär eine Sektion; trotzdem ist die Orga-
nisation die beste, wo die I[nternationale] verboten ist, weil
Verfolgungen stets dies Resultat haben. Der Generalrat könnte
schon jetzt eine ganze Föderation suspendieren, indem er eine
Sektion nach der andern suspendierte; im Falle der Suspension ei-
nes Föderalrats oder einer Föderation setzt sich der Generalrat
unmittelbar nachher einer Zurechtweisung, einem Tadel aus und
wird daher das Recht einer solchen Suspension nur im äußersten
Falle ausüben; ob wir aber dem Generalrat das Recht eines Neger-
fürsten oder des russischen Zars zugestehen, seine Macht ist doch
illusorisch, sobald der Generalrat aufhört, der Ausdruck der
Mehrheit der IAA zu sein; der Generalrat hat keine Armee, kein
Budget, sondern er ist nur eine moralische Macht und er wird
stets ohnmächtig, wenn er nicht die Zustimmung der ganzen Asso-
ziation hat.
Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.
10
[Aufzeichnung der Rede von Friedrich Engels
über den Sitz des Generalrats]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
Internationalen Arbeiterassoziation vom 6. September 1872]
Engels nimmt das Wort für seinen Antrag, den Generalrat nach New
York zu verlegen. Der Generalrat sei bisher immer in London gewe-
sen, weil er dort allein international und seine Papiere sowie
seine Mitglieder sicher sein konnten. In New York sind unsere Pa-
piere aber so sicher wie in London, während sie an keinem Platze
auf dem Kontinente sicher sind,
#689# Aufzeichnungen und Dokumente
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nicht einmal in Brüssel und Genf, wie man an den dortigen Poli-
zeiaffären gesehen hat. Die Parteizwistigkeiten seien in London
so arg geworden, daß der Sitz verlegt werden müsse. Außerdem
seien die Anklagen gegen den Generalrat so heftig und unausge-
setzt geworden, daß seine meisten früheren Mitglieder dessen
überdrüssig und entschlossen sind, keine Stelle mehr darin anzu-
nehmen. Bestimmt könne er dies erklären für Marx und sich selbst,
auch sei der bisherige Generalrat durchaus nicht immer einmütig
gewesen, was alle Mitglieder desselben bezeugen könnten. Der Ge-
neralrat sei jetzt 8 Jahre lang an einem Orte gewesen, und man
müsse einmal wechseln, um einer zu fürchtenden Verknöcherung vor-
zubeugen. Marx habe aus ähnlichen Gründen schon 1870 beantragt,
den Generalrat nach Brüssel zu verlegen, aber alle Föderationen
hätten sich damals für das Verbleiben in London ausgesprochen.
Wohin solle man nun den Generalrat verlegen? Nach Brüssel? Die
Belgier selbst erklären, daß das nicht angehe, weil keine Garan-
tien für Sicherheit der Personen noch der Papiere geboten sei.
Nach Genf? Die Genfer verwahren sich entschieden dagegen, teil-
weise aus demselben Grunde wie die Belgier, und weisen auf die
Hinwegnahme der Utinschen Papiere hin. Es bleibt daher kein ande-
rer Ort als New York, dort sind unsere Papiere sicher, wir haben
dort eine starke, neue Organisation, dort ist unsere Partei echt
international wie an keinem andern Orte in der Welt. Man sehe
sich den New-Yorker Föderalrat an, der aus Irländern, Franzosen,
Italienern, Schweden, Deutschen und bald auch aus Amerikanern be-
stehen werde. Der Einwand, daß New York zu fern liege, ist nicht
stichhaltig, denn dies wird ein gewisser Vorteil sein für die eu-
ropäischen Föderationen, welche eifersüchtig gegen Einmischungen
des Generalrats in ihre inneren Angelegenheiten sind, da eben die
räumliche Entfernung solche Einmischungen erschwert und verhin-
dern wird, daß einzelne Föderationen einen zu großen Einfluß im
Generalrat erlangen; außerdem hat ja der Generalrat das Recht und
sogar die Pflicht, für gewisse Fälle und Länder Vollmachten in
Europa auszustellen, wie er dies ja bisher immer getan hat.
Nach der von Cuno angefertigten
Kopie des Protokolls.
11
[Vollmacht für Karl Marx,
erteilt vom Generalrat in New York]
Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
Karl Marx, wohnhaft Nr. 1, Maitland Park Road, N. W., London,
England, wird hierdurch ermächtigt und beauftragt, alles Eigen-
tum, was es auch sein möge, des alten Generalrats der IAA einzu-
ziehen und es zur Verfügung des Generalrats zu halten.
#690# Beilagen
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Alle ehemaligen Mitglieder und Angestellten des alten Generalrats
der IAA in London oder anderswo werden gebeten und ersucht, die-
sen Auftrag zu respektieren und besagtem Karl Marx alle Bücher,
Papiere etc., kurz alles, was dem früher in London befindlichen
Generalrat gehört oder gehört hat, auszuliefern.
Im Auftrage und im Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F.A. Sorge
New York, 30. Dezember 1872
Nach der Handschrift.
Aus dem Englischen.
12
[Mandat für Friedrich Engels,
erteilt vom Generalrat in New York]
Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
Mandat
Friedrich Engels, wohnhaft Nr. 122, Regent's Park Road, London,
ist vorläufig zum Vertreter des Generalrats der Internationalen
Arbeiterassoziation für Italien ernannt. Er ist ermächtigt und
beauftragt, im Namen des Generalrats entsprechend den Instruktio-
nen, die er von Zeit zu Zeit erhalten wird, zu handeln.
Im Auftrage und im Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F.A. Sorge
New York, 5. Januar 1873
Nach der Handschrift.
Aus dem Englischen.
13
Instruktion für den Vertreter des Generalrats für Italien, Fried-
rich Engels, London
1. Der Vertreter des Generalrats für Italien hilft mit allen sei-
nen Kräften der Organisation der Internationale in Italien ent-
sprechend den Allgemeinen Statuten und Verwaltungsverordnungen
und den Instruktionen des Generalrats;
#691# Aufzeichnungen und Dokumente
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2. er wacht über den Arbeitercharakter der Bewegung in Italien;
3. in dringenden Fällen entscheidet er provisorisch strittige
Fragen in bezug auf die Organisation und die Verwaltung unserer
Assoziation in Italien vorbehaltlich einer Appellation an den Ge-
neralrat, dem er sofort seinen entsprechenden Bericht zu erstat-
ten hat;
4. ebenso kann er ein Mitglied oder irgendeine Organisation in
Italien suspendieren bis zum Eintreffen der Entscheidung des Ge-
neralrats, dem er die getroffenen Maßnahmen unter Beifügung der
Beweisstücke unverzüglich mitteilt; aber er kann einen direkt vom
Generalrat ernannten Bevollmächtigten nicht suspendieren, ohne
zuvor vom Generalrat diesbezügliche besondere Instruktionen an-
gefordert und erhalten zu haben;
5. er hat das Recht, befristete und provisorische Mandate an Per-
sonen in Italien auszugeben, deren Vollmachten niemals diejenigen
der direkt vom Generalrat ernannten Bevollmächtigten überschrei-
ten dürfen, und es ist selbstverständlich, daß alle Mandate und
Vollmachten dem Generalrat zur endgültigen Bestätigung vorgelegt
werden müssen, durch den sie jederzeit annulliert und widerrufen
werden können;
6. er wacht über die regelmäßige Kassierung der Mitgliedsbeiträge
und ihre Überweisung an den Generalrat;
7. er hält den Generalrat durch regelmäßige Mitteilungen über die
Ereignisse auf dem laufenden und schickt ihm allmonatlich einen
ausführlichen Bericht.
Im Auftrage und im Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F.A. Sorge
New York, den 5. Januar 1873
Nach der Handschrift.
Aus dem Französischen.
14
An alle Mitglieder der Internationalen Arbeiter-Assoziation
Beschluß des Generalrats vom 26. Januar 1873 [442]
["Der Volksstaat" Nr. 26 vom 29. März 1873]
In Erwägung, daß laut Artikel 3 der Statuten "der allgemeine Kon-
greß die gemeinsamen Bestrebungen der Arbeiterklasse verkündet,
die für das
#692# Beilagen
-----
erfolgreiche Wirken der Internationalen Assoziation notwendigen
Maßregeln ergreift und den Generalrat der Gesellschaft ernennt"
1*);
daß laut Kapitel II, § 2 der Verwaltungsverordnungen "der Gene-
ralrat gehalten ist, die Kongreßbeschlüsse auszuführen" 2*);
daß laut Kapitel V, § I der Verwaltungsverordnungen "die Sonder-
statuten einer der IAA angehörenden Gesellschaft nichts den All-
gemeinen Statuten und Verwaltungsverordnungen Widersprechendes
enthalten dürfen" 3*);
in Erwägung, daß keine Gesellschaft oder Person einer Organisa-
tion angehören kann, deren Gesetze sie verwirft, also nicht zu
gleicher Zeit innerhalb und außerhalb der Organisation stehen
kann;
daß im Falle erlittenen Unrechts oder vermeintlichen Schadens
jede der IAA angehörige Gesellschaft oder Person das Recht hat,
auf dem nächsten allgemeinen Kongreß den Widerruf zu beantragen;
in fernerer Erwägung, daß laut dem Grundsatz der IAA "keine
Pflichten ohne Rechte, keine Rechte ohne Pflichten" 4*) jede das
Recht der Beschlußfassung ausübende Gesellschaft oder Person auch
die Pflicht der Ausführung der gefaßten Beschlüsse hat;
aus diesen Gründen erklärt der Generalrat:
"Gesellschaften oder Personen, welche sich weigern, die Kongreß-
beschlüsse anzuerkennen, oder wissentlich die durch die Statuten
und Verwaltungsverordnungen auferlegten Pflichten verabsäumen,
stellen sich selbst außerhalb der Internationalen Arbeiter-
Assoziation und hören auf, Mitglieder derselben zu sein."
Der Generalrat:
F.J. Bertrand, Fr. Bolte, C. Carl, S. Dereure, Fornaccieri, S.
Kavanagh, C.F. Laurel, E. Levièle, F.A. Sorge, C. Speyer, E.P.
Saint-Clair
Der Generalsekretär:
F. A. Sorge
New York, 26. Januar 1873
-----
1*) Vgl. Band 17 unserer Ausgabe, S. 441 - 2*) ebenda, S. 445 -
3*) ebenda, S. 447 - 4*) ebenda, S. 441
#693# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
15
Der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
an alle Mitglieder derselben
["Der Volksstaat" Nr. 51 vom 25. Juni 1873]
In Anbetracht, daß der Kongreß der Belgischen Föderation, abge-
halten zu Brüssel am 25. und 26. Dezember 1872, beschlossen hat,
die Beschlüsse des 5. allgemeinen Kongresses zu verwerfen 1*);
in Anbetracht, daß der Kongreß eines Teils der Spanischen Födera-
tion, abgehalten zu Córdoba vom 25. Dezember 1872 bis zum 2. Ja-
nuar 1873, beschlossen hat, die Beschlüsse des 5. allgemeinen
Kongresses zu verwerfen und die Beschlüsse einer antiinternatio-
nalen Versammlung [200] anzunehmen;
in Anbetracht, daß eine Versammlung zu London am 26. Januar 1873
beschloß, die Handlungen des 5. allgemeinen Kongresses im Haag zu
verwerfen,
erklärt der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation in
Beobachtung der Statuten und Verwaltungsregeln und in Überein-
stimmung mit seinem Beschluß vom 26. Januar 1873 2*):
Alle an den oben erwähnten Kongressen und Versammlungen zu Brüs-
sel, Córdoba und London Beteiligten und deren Beschlüsse anerken-
nenden nationalen und lokalen Föderationen, Sektionen und Indivi-
duen haben sich selbst außerhalb der Internationalen Arbeiteras-
soziation gestellt und aufgehört, Mitglieder derselben zu sein.
Der Generalrat:
F.J. Bertrand, F. Bolte, C. Carl, S. Kavanagh, S. Dereure, C.F.
Laurel, F.A. Sorge, C. Speyer
Der Generalsekretär:
F.A. Sorge
New York, 30. Mai 1873
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1*) In der "Arbeiter-Zeitung": null und nichtig zu erklären -
2*) siehe vorl. Band, S. 691/692
#694# Beilagen
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16
Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
[Erklärung über die italienischen Sektionen der Internationale]
["Der Volksstaat" Nr. 51 vom 25. Juni 1873]
Der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation macht
hiermit bekannt, daß eine italienische Landesföderation der In-
ternationalen Arbeiterassoziation nicht besteht, da keine solchen
Titel beanspruchende Organisation jemals irgendeine derjenigen
Bedingungen erfüllt hat, welche laut Statuten und Verwaltungsre-
geln der Aufnahme und Anerkennung vorausgehen müssen.
Dagegen bestehen in verschiedenen Teilen Italiens Sektionen der
Internationalen Arbeiterassoziation, welche sich in Ordnung und
Verbindung mit dem Generalrat befinden.
Im Auftrag und Namen des Generalrats
Der Generalsekretär:
F.A. Sorge
New York, 30. Mai 1873
17
An die Bürger Delegierten des 6. Kongresses
der Internationalen Arbeiterassoziation [443]
London, 3.September 1873
Bürger,
Da der New-Yorker Generalrat dem Kongreß die volle Freiheit las-
sen wollte, die Verwaltungstätigkeit des Generalrats während des
Jahres 1872/1873 zu beurteilen, hatte er beschlossen, keine Dele-
gierten aus seinen Reihen zu schicken, sondern einen Bevollmäch-
tigten in Europa zu wählen und ihn zu beauftragen, dem Kongreß
den offiziellen und den internen Bericht, die durch die Statuten
vorgeschrieben sind, zu unterbreiten und ihm die Resolutionen zu
den auf der Tagesordnung stehenden Fragen vorzulegen. Nachdem ich
von den Dokumenten, die mir vom Generalrat übermittelt worden wa-
ren, Kenntnis genommen hatte, nahm ich sein Mandat
#695# Aufzeichnungen und Dokumente
-----
um so lieber an, als ich seine administrativen Handlungen und
seine öffentlichen Beschlüsse völlig billige. Indessen machen es
mir die aus verschiedenen Ländern im letzten Augenblick erhalte-
nen Mitteilungen zur Pflicht, an den Arbeiten des Kongresses
nicht teilzunehmen. Die heikle Position unserer Mitglieder in
diesen Ländern verbietet mir jede ausführliche Darstellung von
Einzelheiten. Ich kann nur sagen, daß die Situation in Frankreich
- von wo ich persönliche Mandate erhalten habe - nicht gestattet,
auf direkte Delegationen zu hoffen, daß es für unsere spanischen
Mitglieder in der gegenwärtigen Krise unmöglich ist, ihr Land zu
verlassen, da dies von der Masse der Arbeiter als ein Akt der
Feigheit ausgelegt würde, daß die Rückwirkung der Ereignisse in
Spanien die Verpflichtungen unserer portugiesischen Freunde bela-
stet und ihnen keine andere Wahl läßt als eine indirekte Delega-
tion, und daß schließlich die Polizeischikanen gegen die
Internationalen in Italien, die immer neuen Verhaftungen in
Deutschland, die gewaltsame Auflösung der Zentralsektion von Ko-
penhagen und die immer stärker werdenden Repressalien, denen jed-
wede Bewegung der Arbeiter in Österreich-Ungarn begegnet, eine
wahrhaft internationale Vertretung der Arbeiter undurchführbar
machen. Ein unter solchen Umständen, die für die Assoziation viel
ernster sind als unmittelbar nach dem Fall der Pariser Kommune,
abgehaltener Kongreß würde schon durch seine Zusammensetzung
einen mehr oder weniger lokalen Charakter haben.
Andererseits hatte der Britische Föderalrat, der politisch gese-
hen wohl in der günstigsten Lage ist, um sich auf dem Genfer Kon-
greß vertreten zu lassen, schon seine Delegierten ernannt - Al-
fred Days, F. Leßner, A. Serraillier -, als er nach Kenntnisnahme
der seinem Sekretär durch den Romanischen Föderalrat übersandten
Dokumente seine Entschließung aufhob und beschloß, am Kongreß
nicht teilzunehmen und dafür die Gründe öffentlich bekanntzuge-
ben.
Selbst wenn es mir die oben dargelegten allgemeinen Gründe nicht
zur Pflicht machten, mich jeder Teilnahme an den Arbeiten des
Genfer Kongresses zu enthalten, so würden die Tatsachen, die die
Entscheidung des Britischen Föderalrats motivieren, bereits genü-
gen und mich hindern, dem Kongreß beizuwohnen, trotz der Mandate,
die ich aus Frankreich, Amerika, Portugal etc. erhalten habe.
Ich übersende Ihnen in der Anlage die Dokumente, die ich vom
Generalrat erhalten habe. [444]
Mit brüderlichem Gruß
A. Serraillier
Nach der Handschrift von Engels.
Aus dem Französischen.
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