Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875


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       #675#
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       D. Aufzeichnungen und Dokumente
       
       (April 1872 - September 1873)
       
       #676#
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       #677#
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       I
       
       Polizeiterror in Irland
       
       Erklärung des Generalrats der
       Internationalen Arbeiterassoziation [433]
       
       Der nationale Widerspruch zwischen englischen und irischen Arbei-
       tern in England ist bisher eins der Haupthindernisse auf dem Wege
       jeder Bewegung  gewesen, die die Befreiung der Arbeiterklasse an-
       strebt, und  daher eine  der Hauptstützen  der  Klassenherrschaft
       sowohl in  England als  auch in Irland. Das Wachstum der Interna-
       tionale in  Irland und  die Bildung  irischer Zweige  in  England
       drohten diesem  Stand der  Dinge ein Ende zu machen. Es war daher
       ganz natürlich,  daß die britische Regierung versuchen würde, den
       Aufbau der  Internationale in Irland im Keime zu ersticken, indem
       sie  die   ganze  polizeiliche  Schikane  praktizierte,  die  die
       Ausnahmegesetzgebung und  der praktisch permanente Belagerungszu-
       stand ihr dort auszuüben ermöglichten. Wie Irland unter der soge-
       nannten Freien  Britischen Konstitution  in wahrhaft  preußischer
       Weise regiert wird, zeigen folgende Tatsachen:
       Auf einem  Meeting der  Internationale in  Dublin hatten ein Ser-
       geant und  ein Gemeiner  der Polizei in voller Uniform an der Tür
       des Versammlungslokals Posten bezogen; auf die Frage des Eigentü-
       mers, ob  sie offiziell  geschickt worden wären, bejahte der Ser-
       geant dies  und begründete es damit, daß die Internationale einen
       gefürchteten Namen habe.
       In Cork wurde derselbe Kniff angewandt. Zwei Kónstabler der Royal
       Irish Constabulary 1*) sind am Tage gegenüber der Haustür des Se-
       kretärs der  lokalen Föderation  postiert und  vier nach Einbruch
       der Dunkelheit,  und der Name eines jeden, der ihn aufsucht, wird
       von ihnen  notiert. Ein  Unterinspektor hat kürzlich verschiedene
       Personen aufgesucht,  bei denen Mitglieder der Corker Sektion be-
       schäftigt waren,  und die  Adressen der  letzteren gefordert, und
       viele Personen  sind von  der "Polizei"  gewarnt worden, daß ihre
       Namen, falls  man  sie  mit  dem  Sekretär  sprechen  sieht,  dem
       "Castle" [434]  mitgeteilt werden  - ein  Name des Schreckens für
       die  Arbeiterklasse  Irlands.  In  derselben  Stadt  haben  einem
       eingegangenen Brief zufolge
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       1*) Königlich Irischen Polizei
       
       #678# Beilagen
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       "die Behörden  verschiedene Sondersitzungen  abgehalten,  Polizei
       ist verstärkt  herangezogen worden,  und am  Ostersonntag standen
       alle Konstabler unter Waffen mit je zehn Schuß scharfen Patronen.
       Man erwartete,  daß wir  ein Meeting im Park abhalten würden; die
       Behörden versuchen alles, um einen Aufstand zu provozieren."
       
       Wenn die  britische Regierung auf diese Weise fortfährt, kann sie
       sicher sein,  daß ihr die letzten Fetzen der Maske des Liberalis-
       mus vom Gesicht gerissen werden. In den Zeitungen der Internatio-
       nale der  ganzen Welt wird der Name des Herrn Gladstone Woche für
       Woche mit  den Namen  von Sagasta, Lanza, Bismarck und Thiers zu-
       sammen genannt werden.
       Im Auftrage des Generalrats :
       R. Applegarth,  M. Barry, M.J. Boon, F.Bradnick, G.H. Buttery, E.
       Delahaye, Eugène  Dupont, W.  Hales, G.  Harris, Hurliman,  Jules
       Johannard, C.  Keen, Harriet Law, F. Leßner, Lochner, C. Longuet,
       C. Martin,  Zévy Maurice, H.Mayo, G. Milner, Ch. Murray. Pfänder,
       J. Roach,  Rühl, Sadler, Cowell Stepney, A. Taylor, W. Townshend,
       É. Vaillant, J. Weston, Yarrow.
       Korrespondierende Sekretäre:
       Leo Frankel  für Österreich  und Ungarn;  A. Herman,  Belgien; T.
       Mottershead, Dänemark;  A. Serraillier,  Frankreich;  Karl  Marx,
       Deutschland und Rußland; C. Rochat, Holland; J.P. Mac Donnel, Ir-
       land; F.  Engels, Italien  und Spanien; Walery Wróblewski, Polen;
       Hermann Jung,  Schweiz; J.G.  Eccarius,  Vereinigte  Staaten;  Le
       Moussu für  die französischen  Zweige der Vereinigten Staaten; J.
       Hales, Generalsekretär.
       Nach dem Flugblatt.
       Aus dem Englischen.
       
       2
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels über
       die Lage der Internationale in Italien und Spanien]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 12. März 1872]
       
       Bürger Engels  erklärte, daß der veröffentlichte Bericht über die
       Sitzung der  vergangenen Woche  völlig falsch  wiedergäbe, was er
       über  Italien  gesagt  habe.  [435]  Während  er  diesen  Bericht
       richtigstellte, ergriff  er gleichzeitig  die Gelegenheit,  seine
       Darlegungen über die Situation der Internationale
       
       #679# Aufzeichnungen und Dokumente
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       in Italien  zu vervollständigen. Bisher hatten alle Berichte, die
       aus diesem  Lande eingegangen  waren, ob  durch die Korrespondenz
       des Rats  oder durch  die Zeitungen der italienischen Internatio-
       nale, letztere  so dargestellt,  als würde sie einmütig die Lehre
       von der  völligen Enthaltung von politischer Tätigkeit unterstüt-
       zen und die Konferenz-Resolution über diese Frage ablehnen. Dabei
       durfte aber  nicht vergessen werden, daß bisher sowohl die Korre-
       spondenz als auch die Zeitungen nicht in den Händen von Arbeitern
       selbst lagen,  sondern von  Männern bürgerlicher  Herkunft: Advo-
       katen, Ärzte,  Journalisten etc.  Tatsächlich bestand  die  große
       Schwierigkeit für  den Rat  darin, direkte  Verbindungen mit  den
       italienischen Arbeitern  selbst herzustellen.  Dies geschah jetzt
       in ein  oder zwei  Orten, und  nun stellte sich heraus, daß diese
       Arbeiter, weit davon entfernt, für die Enthaltung von der Politik
       begeistert zu sein, im Gegenteil sehr erfreut waren zu hören, daß
       der Generalrat  als Kopf der großen Masse der Internationale die-
       ser Lehre keinesfalls anhängt. So ist zu hoffen, daß auch in die-
       ser Frage sich die italienischen Arbeiter bald in Übereinstimmung
       mit denen  des übrigen Europas und den Vereinigten Staaten befin-
       den. In Spanien war die Internationale in derselben Position. Die
       Regierung versagte  ihren Mitgliedern  das Recht  zu öffentlichen
       Versammlungen, mischte  sich aber  ansonsten nicht  ein. Anderer-
       seits machten  ihnen die  bürgerlichen Republikaner die dringend-
       sten Anerbieten, sich ihnen in einer Erhebung gegen die Regierung
       und die  neue Dynastie anzuschließen. Aber die Mitglieder der In-
       ternationale waren  entschlossen, für  ihr  eigenes  Programm  zu
       kämpfen, wenn sie überhaupt kämpfen sollten.
       Nach dem Protokollbuch.
       Aus dem Englischen.
       
       3
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels
       über die Lage der Internationale in Spanien [436]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 26. März 1872]
       
       Bürger Engels verlas eine Mitteilung, aus der hervorging, daß der
       Spanische Föderalrat  am Vorabend  des Ablaufs seiner Amtsperiode
       dem Generalrat  einen ausführlichen  Bericht über den Fortschritt
       und die  gegenwärtige Lage  der Internationale in Spanien gesandt
       hatte. Die  Assoziation, die  in  diesem  Lande  1869  eingeführt
       wurde, organisierte  sich im Juni 1870 auf einem in Barcelona ab-
       gehaltenen Kongreß [177]. Sie war damals noch
       
       #680# Beilagen
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       schwach; aber  die Revolution  der Pariser Kommune und die begin-
       nenden Verfolgungen durch die Regierung ließen sie bald an Stärke
       zunehmen, und  auf der im September 1871 in Valencia abgehaltenen
       Konferenz [175]  waren bereits  dreizehn lokale Föderationen ver-
       treten, und  jetzt, am Vorabend des Kongresses der spanischen In-
       ternationalen, der  am 7. April in Saragossa [81] abgehalten wer-
       den soll,  zählt die Assoziation über siebzig organisierte lokale
       Föderationen, während  in mehr  als hundert  Orten ein  oder mehr
       Zweige noch  damit beschäftigt  sind, ihre lokale Organisation zu
       vervollständigen. Es  gibt acht  Berufszweige, die Berufsverbände
       besitzen, welche über ganz Spanien ausgedehnt sind und der Inter-
       nationale angehören,  und augenblicklich  sind  Verhandlungen  im
       Gange über  den Eintritt des großen Verbandes der Fabrikarbeiter,
       der zwischen  40 000 und 50 000 Mitglieder zählt, in unsere Asso-
       ziation. Die Propaganda ist sehr aktiv, das Manifest des Föderal-
       rats wird  im ganzen  Lande gelesen. Seit der Diskussion über die
       Internationale im  spanischen Parlament  druckt  die  bürgerliche
       Presse jedes von der Gesellschaft herausgegebene Dokument ab, und
       das unterstützt  wesentlich die  sieben oder acht spanischen Zei-
       tungen, die der Internationale angehören und ihre Prinzipien ver-
       teidigen. Das  hat die spanische Regierung mit all den Verfolgun-
       gen erreicht, denen sie die Mitglieder unserer Assoziation unter-
       worfen hat,  und jetzt,  da Verfolgung  und Behinderung zur Regel
       geworden sind, geht die spanische Internationale daran, trotz der
       Regierung ihren  zweiten öffentlichen  Kongreß in Saragossa abzu-
       halten.
       Die Mitglieder  wissen kaum,  wieviel Marken  benötigt würden, da
       ihre Mitgliedsbeiträge  monatlich bezahlt  werden. Sie befürchte-
       ten, es  würde schwierig  sein, sie  zu verwenden; es hätte ihnen
       gepaßt, wären monatlich Marken herausgegeben worden.
       Der Föderalrat  legte ebenfalls eine Adresse an die verschiedenen
       Föderalräte bei  und ersuchte  diese und  den Generalrat, ihm zur
       Eröffnung seines  Kongresses Telegramme zu übersenden als Zeichen
       der Solidarität, die die Assoziation zur Pflicht macht.
       Nach dem Protokollbuch.
       Aus dem Englischen.
       
       #681# Aufzeichnungen und Dokumente
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       4
       
       [Aufzeichnung einer Rede von Friedrich Engels
       über den Kongreß in Saragossa [437]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 7. Mai 1872]
       
       ["The Eastern Post" Nr. 189 vom 12. Mai 1872]
       Der Kongreß der spanischen Internationalen zu Saragossa [81], der
       Anfang April  stattfand, aber dessen Protokolle erst jetzt veröf-
       fentlicht werden,  endete mit der völligen Niederlage jener klei-
       nen, aber  aktiven Fraktion,  die unter der Führerschaft Bakunins
       während der  letzten vier  Jahre niemals  aufgehört hatte, in den
       Reihen unserer  Assoziation Zwietracht hervorzurufen. Diese Frak-
       tion, die  in einer  internationalen Gesellschaft  vereinigt ist,
       welche sich  Allianz der  sozialistischen Demokratie  [2]  nennt,
       hatte sich bei ihrer Aufnahme in die Internationale Arbeiterasso-
       ziation feierlich verpflichtet, ihre separate Organisation aufzu-
       lösen und  ganz in die Internationale aufzugehen. Aber trotz die-
       ser feierlichen  Verpflichtung existierte die Allianz weiter, als
       eine geheime Gesellschaft innerhalb der Internationale; das erste
       Beispiel einer  geheimen Gesellschaft,  die sich  nicht gegen die
       herrschenden Klassen und ihre Regierungen richtete, sondern gegen
       eben dieselbe  proletarische Organisation,  in der aufzugehen sie
       versprochen hatte. In Spanien war es dieser geheimen Gesellschaft
       eine Zeitlang  gelungen, die  Internationale zu leiten, aber kurz
       vor der  Konferenz von Valencia (September 1871) [175] entstanden
       Streitereien in  ihren Reihen. Diejenigen ihrer Mitglieder, denen
       das Interesse  der Internationale wirklich mehr am Herzen lag als
       das einer  winzigen sektiererischen  Clique, wurden von den Fana-
       tikern und  Intriganten der  Sekte angegriffen,  und  der  Streit
       sollte endlich  durch den Kongreß von Saragossa beigelegt werden.
       Hier rückten  die treuen  Anhänger der Allianz mit einem Plan auf
       Revision der  Statuten  heraus,  der  den  Spanischen  Föderalrat
       ebenso behandelte  wie es  das Zirkular ihrer Bundesgenossen, der
       Sektierer im  Schweizer  Jura,  gegenüber  dem  Generalrat  getan
       hatte: beide  Räte, und überhaupt alle Räte, sollten aller Attri-
       bute der  Autorität beraubt und auf bloße Büros für Korrespondenz
       und Statistik  reduziert werden; die Zweigstellen und lokalen Fö-
       derationen sollten das Recht haben, solche Satzungen, die sie für
       gut befanden,  anzunehmen, ohne  irgendeine Kontrolle seitens des
       Föderalrats, nur der Zustimmung des nächsten Kongresses unterwor-
       fen. Die  absolute Autonomie aller Zweigstellen, ihr Recht, alles
       zu tun,  was ihnen beliebte, ihr Recht, alle Statuten und Satzun-
       gen zu mißachten, das sollte eingeführt werden;
       
       #682# Beilagen
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       in Wirklichkeit sollte die ganze Assoziation praktisch aufgelöst,
       ihre Organisation  als politische  Partei völlig vernichtet, ihre
       Tätigkeit lahmgelegt  werden; und das in einem Augenblick, wo die
       Internationale in  Spanien unter  dem Druck  der Regierung stand,
       ihre Versammlungen verboten, die öffentlichen Sitzungen eben die-
       ses Kongresses  mit Gewalt  unterdrückt wurden  und die karlisti-
       schen Agitatoren  mit der Waffe in der Hand nur auf einen Vorwand
       lauerten, um  die Internationale  für einen Aufstand in Saragossa
       auszunutzen, der  in letzter Instanz ihren Zwecken dienen sollte!
       Überdies wurden  solche Vorschläge  in einem Augenblicke gemacht,
       wo die wirklich ausgezeichnete Organisation, welche die Konferenz
       von Valencia  geschaffen hatte,  die unerwartetsten Früchte trug,
       wo die Zahl der offiziell konstituierten lokalen Föderationen von
       fünfzehn auf  fünfundfünfzig angewachsen war, außer den neunzehn,
       deren Organisation nicht ganz abgeschlossen war, und den vierund-
       neunzig Orten,  wo es  Zweigstellen, aber  noch keine vollständig
       organisierten lokalen  Föderationen gab.  Wenn solche  Ergebnisse
       zugunsten der  Statuten, die in Valencia angenommen worden waren,
       und zugunsten  des Föderalrats,  der sie  in Kraft gesetzt hatte,
       aufzuweisen waren, was für eine Chance hätten dann die Verfechter
       eines Systems, das durch die Wiederherstellung eines völlig chao-
       tischen Zustands  alles zunichte  machen würde,  was getan worden
       war, und  jedem Regierungs- oder Polizeiagenten oder jeder belie-
       bigen Anzahl bürgerlicher Verräter die Türen der Assoziation öff-
       nen würde? Der Kongreß erklärte einmütig - nur zwei oder drei De-
       legierte enthielten  sich der Stimme -, daß die Statuten, wie sie
       in Valencia angenommen worden sind, voll in Kraft bleiben sollen,
       und somit  scheiterte der Versuch vollständig, die Internationale
       in Spanien  unter dem  Vorwand zu vernichten, sie vollkommener zu
       organisieren. Dieses Resultat ist von großer Bedeutung für unsere
       ganze Assoziation.  Es beweist  wieder einmal, daß man nur an den
       starken gesunden  Menschenverstand der Arbeiterklasse, in Spanien
       so gut wie anderswo, appellieren muß, um die Kniffe und sektiere-
       rischen Schliche falscher Reorganisatoren und Pseudo-Propheten zu
       vereiteln. Bakunin  und seine  Anhänger hielten  Spanien für  ihr
       Bollwerk, weil sie einige Jahre hindurch die Propaganda in diesem
       Lande bestimmt hatten. Aber kaum hatte die proletarische Bewegung
       ganz Spanien ergriffen, als die spanischen Arbeiter es ablehnten,
       durch die  engen Dogmen  einer Sekte  gefesselt zu werden und die
       Organisation, die  sie sich  selber geschaffen und vervollkommnet
       hatten, den  privaten Zwecken  einiger Intriganten zu opfern, die
       in ihren  oft wiederholten Versuchen, die Internationale zu ihrem
       Werkzeug zu  machen, vernichtet worden waren und jetzt alles tun,
       was in  ihrer Macht  steht, um  sie praktisch  aufzulösen. Es ist
       sehr wohl  bekannt, daß  die Föderation  des Schweizer Jura - die
       alles in  allem neun  Zweigstellen zählt, von denen sich die mei-
       sten im Zustande völliger Auflösung befinden - im vergangenen De-
       zember die  sofortige Einberufung  eines  außerordentlichen  all-
       gemeinen
       
       #683# Aufzeichnungen und Dokumente
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       Kongresses vorschlug,  um die  Internationale allgemein nach eben
       denselben Prinzipien zu reorganisieren, die nun mit solch vielsa-
       gender Wirkung dem Kongreß zu Saragossa vorlagen. Von allen loka-
       len Föderationen  in Spanien erklärte sich nur eine, und zwar die
       von Palma auf Mallorca, für diesen außerordentlichen Kongreß. Und
       jetzt erklärt in Saragossa der Delegierte eben dieser lokalen Fö-
       deration von  Palma, daß  er ausdrückliche Anweisungen von seinen
       Wählern habe, gegen diese ganze angebliche Reorganisation und für
       die einfache  Aufrechterhaltung der bestehenden Statuten zu stim-
       men! Die Abstimmung auf dem Kongreß zu Saragossa bestätigt daher,
       indem sie die dem Spanischen Föderalrat erteilten Vollmachten be-
       stätigt, indirekt  die analogen Vollmachten, die der Baseler Kon-
       greß dem  Generalrat der  Assoziation übertragen  hatte, und  die
       kürzlich in dem Zirkular der Jurassier als unterdrückend und dik-
       tatorisch angegriffen wurden.
       In Italien  werden die  Versuche der  Aristokratie und  der Bour-
       geoisie, sich  als die  wahren Repräsentanten  der Arbeiterklasse
       hinzustellen, mit  unverminderter Unverschämtheit fortgesetzt. In
       den letzten  Apriltagen wurde  ein sogenannter Arbeiterkongreß in
       Rom in  einem der  angesehensten Theater  der  Stadt  abgehalten.
       [438] Den  Vorsitz führte Fürst Teano. Die Delegierten waren Für-
       sten, Herzöge,  Marquis, Grafen und ähnliche "Hochgeborene", Ban-
       kiers, Fabrikanten,  Mitglieder des Parlaments und einige Krämer.
       Von wirklichen  Arbeitern waren  nur acht vertreten. Den Kongreß,
       der unter  dem Beistand  und dem  besonderen Schutz der Regierung
       abgehalten wurde,  hinderte das  nicht, große  Reden im Namen der
       italienischen Arbeiter  zu schwingen,  einen Haufen Beschlüsse zu
       fassen und  zu erklären, daß die Arbeiter außerordentlich zufrie-
       den und ihren "Vornehmeren" sehr dankbar wären für das, was diese
       für sie  zu tun  sich freundlicherweise herabgelassen hätten; und
       wenn sie  nur ein  wenig mehr Kredit und Kooperativgesellschaften
       erhielten, würden  ihre höchsten  Wünsche mehr  als erfüllt sein.
       Unglücklicherweise beschlossen  die wirklichen Arbeiter Roms, zu-
       sammenzukommen und  die Berechtigung  dieses Kongresses, die ita-
       lienische Arbeiterklasse  zu vertreten,  zu diskutieren. Obgleich
       die Regierung  die Erlaubnis verweigerte, die Plakate, die diesen
       Kongreß einberiefen,  an die Mauern kleben zu lassen, kamen große
       Mengen zusammen  und protestierten  gegen die  Beschlüsse  dieses
       Schandkongresses und  erklärten, daß nur die italienischen Arbei-
       ter selber  in Übereinstimmung mit denen der übrigen Welt zustän-
       dig wären, alle sozialen Fragen, die sie angingen, zu lösen.
       Bürger Engels  berichtet noch, daß er soeben einen Brief aus Mai-
       land erhalten  habe, der über die Angelegenheit, die in der vori-
       gen Woche mitgeteilt worden ist, vollständigere Einzelheiten ent-
       halte. Darin  würde noch  mitgeteilt, daß  die Sektion  wegen der
       Verhaftung einiger  Mitglieder gezwungen  worden war, die Heraus-
       gabe ihrer Zeitung einzustellen. Bürger
       
       #684# Beilagen
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       Engels habe  die Statuten  der Ferraraer  Assoziation geprüft und
       mit Rücksicht auf die Erklärung über die völlige Übereinstimmung,
       die zusammen  mit den  Statuten einging,  mache er den Vorschlag,
       diese zu bestätigen. Es seien klare und praktische Statuten.
       Aus dem Englischen.
       
       5
       
       [Aufzeichnung der Rede von Karl Marx über die Einberufung
       des Haager Kongresses und über die Vollmachten des Generalrats]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats vom 11. Juni 1872]
       
       Bürger Marx sagte dann, daß zweifellos die Organisationsfrage der
       Hauptgegenstand sein  würde, der  vor den Kongreß gebracht würde.
       Die Kämpfe,  die stattgefunden hätten, hätten dies zur Genüge ge-
       zeigt. Bei  der Behandlung dieser Frage wäre es gut, das Thema in
       Abschnitte zu  teilen, die einmal den Generalrat, zum anderen die
       Föderalräte beträfen.  Der Vorschlag  Bakunins würde  einfach den
       Generalrat in  ein statistisches Büro verwandeln, wofür es keines
       Rats bedürfe.  Die Zeitungen könnten alle Informationen erteilen,
       die gesammelt werden könnten, und es müsse daran erinnert werden,
       daß bis  jetzt noch  keine  Statistiken  zusammengetragen  worden
       sind, obwohl  der Generalrat den Sektionen von Zeit zu Zeit drin-
       gend die  Notwendigkeit vor  Augen geführt  habe, etwas in dieser
       Hinsicht zu tun.
       Der Vorschlag  des Belgischen  Föderalrats sei  logisch, denn  er
       ging darauf hinaus, den Generalrat abzuschaffen, da er nicht mehr
       notwendig wäre.  Es würde  behauptet, daß  die Föderalräte  alles
       Notwendige tun  könnten. Föderalräte,  wurde behauptet, wären und
       würden in allen Ländern errichtet, und sie könnten die Geschäfts-
       führung in ihre eigenen Hände nehmen. Die "Emancipacion" von Spa-
       nien sagte  in ihrer  Kritik dieses Vorschlages, daß dies den Tod
       der Assoziation  bedeuten würde,  er wäre nicht einmal folgerich-
       tig, da  logischerweise die  Föderalräte zu  gleicher Zeit  abge-
       schafft werden  müßten. Trotzdem würde er sich nicht widersetzen,
       den Vorschlag  sowohl als  Alternative als auch als Experiment zu
       akzeptieren. Obgleich  er gewiß sei, daß es nur die absolute Not-
       wendigkeit der  Wiedereinsetzung  des  Generalrats  demonstrieren
       würde; wenn  die Politik  der Stärkung  der Macht des Generalrats
       abgelehnt werden sollte, würde er bereit sein, darauf
       
       #685# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       einzugehen -  aber unter  keinen Umständen würde er den Vorschlag
       Bakunins akzeptieren, den Generalrat beizubehalten und ihn zu ei-
       nem Nichts zu machen.
       Nach dem Protokollbuch.
       Aus dem Englischen.
       
       6
       
       [Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
       über das Mandat Barrys [439]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
       Internationalen Arbeiterassoziation vom 3. September 1872]
       
       Marx sagt,  es gehe niemand etwas an, wen eine Sektion wähle; üb-
       rigens gereiche  es Barry zur Ehre, nicht zu den sogenannten Füh-
       rern der englischen Arbeiter zu gehören, da diese Leute mehr oder
       weniger von  der Bourgeoisie  und der  Regierung  gekauft  seien;
       Barry werde  nur angegriffen,  weil er  Haies nicht  als Werkzeug
       dienen wolle.
       Nach der von Cuno angefertigten
       Kopie des Protokolls.
       
       7
       
       [Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
       über das Mandat Shukowskis [440]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
       Internationalen Arbeiterassoziation vom 3. September 1872]
       
       Marx sagt, die Allianz [2] sei anerkannt worden, weil man anfangs
       ihren geheimen Charakter nicht kannte; der Generalrat wußte wohl,
       daß die  Allianz trotz  ihrer offiziellen Auflösungserklärung vom
       6. August  1871 [35]  noch fortbestand,  die  Londoner  Konferenz
       konnte jedoch  nichts tun,  als die  bekannten Beschlüsse  fassen
       1*); er spreche nicht gegen geheime Gesellschaften
       -----
       1*) Siehe Band 17 unserer Ausgabe, S. 424/425
       
       #686# Beilagen
       -----
       als solche, denn er selbst habe dergleichen angehört, sondern ge-
       gen geheime  Gesellschaften, die  der IAA feindlich und schädlich
       seien. Der  Romanische Föderalrat habe heftig gegen Zulassung der
       fraglichen Sektion  protestiert, und infolgedessen habe der Gene-
       ralrat sie  statutengemäß zurückgewiesen.  In Brüssel  sei es an-
       ders. Die  dortige französische  Sektion schrieb  dem Generalrat,
       daß der Belgische Föderalrat der Ansicht sei, ihr Eintritt in die
       belgische Organisation  würde sie  der Polizei  in die Hände lie-
       fern, der  Generalrat konnte daher nicht umhin, diese Sektion als
       unabhängige anzuerkennen und mit der zweiten ebenfalls in Brüssel
       existierenden französischen Sektion ebenso zu verfahren.
       Nach der von Cuno angefertigten
       Kopie des Protokolls.
       
       8
       
       [Aufzeichnung der Ausführungen von Marx
       über das Mandat Wests [441]]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
       Internationalen Arbeiterassoziation vom 4. September 1872]
       
       Marx beantragte  im Namen des Komitees die Annullierung des West-
       schen Mandates, weil er 1. Mitglied der suspendierten Sektion Nr.
       12   1*) sei; 2. Mitglied des Philadelphia-Kongresses und 3. Mit-
       glied des  Prince-Street-Councils gewesen  sei. Das  Mandat Wests
       sei außerdem  unterzeichnet von Victoria Woodhull, welche auf die
       Präsidentschaft der  Vereinigten Staaten schon seit Jahren speku-
       liert, Präsidentin  der Spiritisten ist, freie Liebe predigt, ein
       Bankgeschäft hat  etc. etc.  Sektion 12,  gegründet von Victoria]
       Woodhull, bestand  anfangs aus  fast lauter  Bourgeois, agitierte
       besonders für  das Frauenstimmrecht und erließ den famosen Aufruf
       [128] an  die englischredenden  Bürger der  Vereinigten  Staaten,
       worin die IAA mit allerlei Zeug belastet wurde und auf Grund des-
       sen sich verschiedene ähnliche Sektionen im Lande bildeten; unter
       anderem war  darin die  Rede von  persönlicher Freiheit, sozialer
       Freiheit (freier  Liebe), Kleiderordnung,  Frauenstimmrecht, Uni-
       versalsprache usw. Sie erklärten am 28. Oktober, daß "die Emanzi-
       pation der  Arbeiterklasse durch  sie selbst"  nur  bedeute,  die
       Emanzipation der  Arbeiterklasse dürfe nicht gegen den Willen der
       Arbeiter selbst  vollzogen werden.  Sie stellten  die Frauenfrage
       der Arbeiterfrage voran und
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 53/54
       
       #687# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       verwahren sich  gegen die Annahme, daß die IAA eine Arbeiterorga-
       nisation sei.  Sektion 1  protestierte gegen  dieses Vorgehen der
       Sektion 12  und verlangte,  daß jede  Sektion aus  wenigstens 2/3
       Lohnarbeitern bestehen müßte, weil in Amerika bis jetzt noch jede
       Arbeiterbewegung durch  die Bourgeoisie  ausgebeutet worden  sei.
       Sektion 12 verwahrte sich gegen die 2/3 Lohnarbeiter mit der höh-
       nischen Frage:  ob es  denn ein  Verbrechen sei,  frei  und  kein
       Lohnsklave zu  sein? Beide  Parteien riefen dann die Entscheidung
       des Generalrats an, welcher dieselbe am 5. und 12. März gab, d.h.
       Sektion 12  suspendierte. Aus diesen Gründen könne West nicht zu-
       gelassen werden.  Trotz der Entscheidung des Generalrats erkannte
       Sektion 12  diese nicht  an. West war auch Mitglied des Philadel-
       phia-Kongresses und  des Prince-Street-Councils, welche dem Gene-
       ralrat ihre  Anerkennung verweigerten und mit der Jura-Föderation
       in Verbindung standen, welche letztere ihnen laut Zeitungsbericht
       anrieten, dem  Generalrat die  Zahlungen zu verweigern und ihn so
       auf das Trockne zu setzen.
       Nach der von Cuno angefertigten
       Kopie des Protokolls.
       
       9
       
       [Aufzeichnung der Rede von Karl Marx
       über die Vollmachten des Generalrats]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
       Internationalen Arbeiterassoziation vom 6. September 1872]
       
       Wir verlangen  diese Befugnisse  nicht für  uns, sondern  für den
       künftigen Generalrat;  wir wollen  den Generalrat lieber abschaf-
       fen, als  nach der Idee Brismées einen Briefkasten daraus machen;
       in solchem  Falle würden  auch Journalisten,  d.h. Nichtarbeiter,
       die Leitung  der Assoziation  in die  Hände bekommen.  Er wundert
       sich, wie die Jura-Föderation und die andern Abstentionisten Sek-
       tion 12   1*)  unterstützen konnten, da diese Sektion aus der IAA
       ein  Mittel   zur  Unterstützung  einer  Bourgeoispolitik  machen
       wollte; wenn  man ungläubig über Polizeisektionen lächle, so möge
       man wissen,  daß solche  in Frankreich, Österreich u.a. L[ändern]
       gebildet worden  seien, und der Generalrat sei von Österreich aus
       angegangen worden,  keine Sektion  anzuerkennen, die  nicht durch
       Delegierte des  Generalrats oder die dortige Organisation gegrün-
       det sei.  Vésinier und  Genossen, kürzlich  aus der französischen
       Flüchtlingsschaft exkludiert, seien natürlich für die Jura-
       -----
       1*) Siehe vorl. Band. S. 53/54
       
       #688# Beilagen
       -----
       Föderation; der  Belgische Föderalrat  sei beim Generalrat so arg
       verklagt worden  wegen seiner Anschuldigungen, Willkürlichkeiten,
       Nepotismus etc.  wie kein anderer Föderalrat, und zwar von belgi-
       schen Arbeitern,  worüber die Briefe vorlägen. Burschen wie Vési-
       nier, Landeck  u.a. bilden  meinetwegen zuerst  einen Föderalrat,
       dann hinterher  eine Föderation und Sektionen; Bismarcksche Agen-
       ten könnten  dasselbe tun; der Generalrat muß daher das Recht ha-
       ben, einen Föderalrat und eine Föderation aufzulösen oder zu sus-
       pendieren; dann kommt die Berufung an die Sektionen, die manchmal
       nicht angemessen  sein mag,  um zu  entscheiden durch  des Volkes
       Stimme, ob ein Föderalrat noch der Ausdruck des Volkswillens sei;
       in Österreich  bilden Schreier, Ultramontane, Radikale und provo-
       cateurs Sektionen,  um die  IAA zu kompromittieren; in Frankreich
       bildete ein Polizeikommissär eine Sektion; trotzdem ist die Orga-
       nisation die  beste, wo  die I[nternationale]  verboten ist, weil
       Verfolgungen stets  dies Resultat  haben. Der  Generalrat  könnte
       schon jetzt  eine ganze  Föderation suspendieren,  indem er  eine
       Sektion nach der andern suspendierte; im Falle der Suspension ei-
       nes Föderalrats  oder einer  Föderation setzt sich der Generalrat
       unmittelbar nachher  einer Zurechtweisung,  einem Tadel  aus  und
       wird daher  das Recht  einer solchen  Suspension nur im äußersten
       Falle ausüben;  ob wir aber dem Generalrat das Recht eines Neger-
       fürsten oder des russischen Zars zugestehen, seine Macht ist doch
       illusorisch, sobald  der Generalrat  aufhört,  der  Ausdruck  der
       Mehrheit der  IAA zu  sein; der  Generalrat hat keine Armee, kein
       Budget, sondern  er ist  nur eine  moralische Macht  und er  wird
       stets ohnmächtig,  wenn er  nicht die Zustimmung der ganzen Asso-
       ziation hat.
       Nach der von Cuno angefertigten
       Kopie des Protokolls.
       
       10
       
       [Aufzeichnung der Rede von Friedrich Engels
       über den Sitz des Generalrats]
       
       [Aus dem Protokoll der Sitzung des Haager Kongresses der
       Internationalen Arbeiterassoziation vom 6. September 1872]
       
       Engels nimmt  das Wort für seinen Antrag, den Generalrat nach New
       York zu verlegen. Der Generalrat sei bisher immer in London gewe-
       sen, weil  er dort  allein international  und seine Papiere sowie
       seine Mitglieder sicher sein konnten. In New York sind unsere Pa-
       piere aber  so sicher wie in London, während sie an keinem Platze
       auf dem Kontinente sicher sind,
       
       #689# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       nicht einmal  in Brüssel  und Genf, wie man an den dortigen Poli-
       zeiaffären gesehen  hat. Die  Parteizwistigkeiten seien in London
       so arg  geworden, daß  der Sitz  verlegt werden  müsse.  Außerdem
       seien die  Anklagen gegen  den Generalrat  so heftig und unausge-
       setzt geworden,  daß seine  meisten  früheren  Mitglieder  dessen
       überdrüssig und  entschlossen sind, keine Stelle mehr darin anzu-
       nehmen. Bestimmt könne er dies erklären für Marx und sich selbst,
       auch sei  der bisherige  Generalrat durchaus nicht immer einmütig
       gewesen, was  alle Mitglieder desselben bezeugen könnten. Der Ge-
       neralrat sei  jetzt 8  Jahre lang  an einem Orte gewesen, und man
       müsse einmal wechseln, um einer zu fürchtenden Verknöcherung vor-
       zubeugen. Marx  habe aus  ähnlichen Gründen schon 1870 beantragt,
       den Generalrat  nach Brüssel  zu verlegen, aber alle Föderationen
       hätten sich  damals für  das Verbleiben  in London ausgesprochen.
       Wohin solle  man nun  den Generalrat  verlegen? Nach Brüssel? Die
       Belgier selbst  erklären, daß das nicht angehe, weil keine Garan-
       tien für  Sicherheit der  Personen noch  der Papiere geboten sei.
       Nach Genf?  Die Genfer  verwahren sich entschieden dagegen, teil-
       weise aus  demselben Grunde  wie die  Belgier, und weisen auf die
       Hinwegnahme der Utinschen Papiere hin. Es bleibt daher kein ande-
       rer Ort  als New York, dort sind unsere Papiere sicher, wir haben
       dort eine  starke, neue Organisation, dort ist unsere Partei echt
       international wie  an keinem  andern Orte  in der  Welt. Man sehe
       sich den  New-Yorker Föderalrat an, der aus Irländern, Franzosen,
       Italienern, Schweden, Deutschen und bald auch aus Amerikanern be-
       stehen werde.  Der Einwand, daß New York zu fern liege, ist nicht
       stichhaltig, denn dies wird ein gewisser Vorteil sein für die eu-
       ropäischen Föderationen,  welche eifersüchtig gegen Einmischungen
       des Generalrats in ihre inneren Angelegenheiten sind, da eben die
       räumliche Entfernung  solche Einmischungen  erschwert und verhin-
       dern wird,  daß einzelne  Föderationen einen zu großen Einfluß im
       Generalrat erlangen; außerdem hat ja der Generalrat das Recht und
       sogar die  Pflicht, für  gewisse Fälle  und Länder Vollmachten in
       Europa auszustellen, wie er dies ja bisher immer getan hat.
       Nach der von Cuno angefertigten
       Kopie des Protokolls.
       
       11
       
       [Vollmacht für Karl Marx,
       erteilt vom Generalrat in New York]
       
       Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
       Karl Marx,  wohnhaft Nr.  1, Maitland  Park Road,  N. W., London,
       England, wird  hierdurch ermächtigt  und beauftragt, alles Eigen-
       tum, was  es auch sein möge, des alten Generalrats der IAA einzu-
       ziehen und es zur Verfügung des Generalrats zu halten.
       
       #690# Beilagen
       -----
       Alle ehemaligen Mitglieder und Angestellten des alten Generalrats
       der IAA  in London oder anderswo werden gebeten und ersucht, die-
       sen Auftrag  zu respektieren  und besagtem Karl Marx alle Bücher,
       Papiere etc.,  kurz alles,  was dem früher in London befindlichen
       Generalrat gehört oder gehört hat, auszuliefern.
       Im Auftrage und im Namen des Generalrats
       Der Generalsekretär:
       F.A. Sorge
       New York, 30. Dezember 1872
       Nach der Handschrift.
       Aus dem Englischen.
       
       12
       
       [Mandat für Friedrich Engels,
       erteilt vom Generalrat in New York]
       
       Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
       
       Mandat
       Friedrich Engels,  wohnhaft Nr.  122, Regent's Park Road, London,
       ist vorläufig  zum Vertreter  des Generalrats der Internationalen
       Arbeiterassoziation für  Italien ernannt.  Er ist  ermächtigt und
       beauftragt, im Namen des Generalrats entsprechend den Instruktio-
       nen, die er von Zeit zu Zeit erhalten wird, zu handeln.
       Im Auftrage und im Namen des Generalrats
       Der Generalsekretär:
       F.A. Sorge
       New York, 5. Januar 1873
       Nach der Handschrift.
       Aus dem Englischen.
       
       13
       
       Instruktion für den Vertreter des Generalrats für Italien, Fried-
       rich Engels, London
       
       1. Der Vertreter des Generalrats für Italien hilft mit allen sei-
       nen Kräften  der Organisation  der Internationale in Italien ent-
       sprechend den  Allgemeinen Statuten  und  Verwaltungsverordnungen
       und den Instruktionen des Generalrats;
       
       #691# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       2. er wacht über den Arbeitercharakter der Bewegung in Italien;
       3. in dringenden  Fällen entscheidet  er  provisorisch  strittige
       Fragen in  bezug auf  die Organisation und die Verwaltung unserer
       Assoziation in Italien vorbehaltlich einer Appellation an den Ge-
       neralrat, dem  er sofort seinen entsprechenden Bericht zu erstat-
       ten hat;
       4. ebenso kann  er ein  Mitglied oder  irgendeine Organisation in
       Italien suspendieren  bis zum Eintreffen der Entscheidung des Ge-
       neralrats, dem  er die  getroffenen Maßnahmen unter Beifügung der
       Beweisstücke unverzüglich mitteilt; aber er kann einen direkt vom
       Generalrat ernannten  Bevollmächtigten nicht  suspendieren,  ohne
       zuvor vom  Generalrat diesbezügliche  besondere Instruktionen an-
       gefordert und erhalten zu haben;
       5. er hat das Recht, befristete und provisorische Mandate an Per-
       sonen in Italien auszugeben, deren Vollmachten niemals diejenigen
       der direkt  vom Generalrat ernannten Bevollmächtigten überschrei-
       ten dürfen,  und es  ist selbstverständlich, daß alle Mandate und
       Vollmachten dem  Generalrat zur endgültigen Bestätigung vorgelegt
       werden müssen,  durch den sie jederzeit annulliert und widerrufen
       werden können;
       6. er wacht über die regelmäßige Kassierung der Mitgliedsbeiträge
       und ihre Überweisung an den Generalrat;
       7. er hält den Generalrat durch regelmäßige Mitteilungen über die
       Ereignisse auf  dem laufenden  und schickt ihm allmonatlich einen
       ausführlichen Bericht.
       Im Auftrage und im Namen des Generalrats
       Der Generalsekretär:
       F.A. Sorge
       New York, den 5. Januar 1873
       Nach der Handschrift.
       Aus dem Französischen.
       
       14
       
       An alle Mitglieder der Internationalen Arbeiter-Assoziation
       
       Beschluß des Generalrats vom 26. Januar 1873 [442]
       
       ["Der Volksstaat" Nr. 26 vom 29. März 1873]
       In Erwägung, daß laut Artikel 3 der Statuten "der allgemeine Kon-
       greß die  gemeinsamen Bestrebungen  der Arbeiterklasse verkündet,
       die für das
       
       #692# Beilagen
       -----
       erfolgreiche Wirken  der Internationalen  Assoziation notwendigen
       Maßregeln ergreift  und den  Generalrat der Gesellschaft ernennt"
       1*);
       daß laut  Kapitel II,  § 2 der Verwaltungsverordnungen "der Gene-
       ralrat gehalten ist, die Kongreßbeschlüsse auszuführen" 2*);
       daß laut  Kapitel V, § I der Verwaltungsverordnungen "die Sonder-
       statuten einer  der IAA angehörenden Gesellschaft nichts den All-
       gemeinen Statuten  und  Verwaltungsverordnungen  Widersprechendes
       enthalten dürfen" 3*);
       in Erwägung,  daß keine  Gesellschaft oder Person einer Organisa-
       tion angehören  kann, deren  Gesetze sie  verwirft, also nicht zu
       gleicher Zeit  innerhalb und  außerhalb der  Organisation  stehen
       kann;
       daß im  Falle erlittenen  Unrechts oder  vermeintlichen  Schadens
       jede der  IAA angehörige  Gesellschaft oder Person das Recht hat,
       auf dem nächsten allgemeinen Kongreß den Widerruf zu beantragen;
       in fernerer  Erwägung, daß  laut dem  Grundsatz  der  IAA  "keine
       Pflichten ohne  Rechte, keine Rechte ohne Pflichten" 4*) jede das
       Recht der Beschlußfassung ausübende Gesellschaft oder Person auch
       die Pflicht der Ausführung der gefaßten Beschlüsse hat;
       aus diesen Gründen erklärt der Generalrat:
       "Gesellschaften oder  Personen, welche sich weigern, die Kongreß-
       beschlüsse anzuerkennen,  oder wissentlich die durch die Statuten
       und Verwaltungsverordnungen  auferlegten  Pflichten  verabsäumen,
       stellen  sich  selbst  außerhalb  der  Internationalen  Arbeiter-
       Assoziation und hören auf, Mitglieder derselben zu sein."
       Der Generalrat:
       F.J. Bertrand,  Fr. Bolte,  C. Carl,  S. Dereure, Fornaccieri, S.
       Kavanagh, C.F.  Laurel, E.  Levièle, F.A.  Sorge, C. Speyer, E.P.
       Saint-Clair
       Der Generalsekretär:
       F. A. Sorge
       New York, 26. Januar 1873
       -----
       1*) Vgl. Band  17 unserer  Ausgabe, S. 441 - 2*) ebenda, S. 445 -
       3*) ebenda, S. 447 - 4*) ebenda, S. 441
       
       #693# Aufzeichnungen und Dokumente
       -----
       15
       
       Der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
       an alle Mitglieder derselben
       
       ["Der Volksstaat" Nr. 51 vom 25. Juni 1873]
       In Anbetracht,  daß der  Kongreß der Belgischen Föderation, abge-
       halten zu  Brüssel am 25. und 26. Dezember 1872, beschlossen hat,
       die Beschlüsse des 5. allgemeinen Kongresses zu verwerfen 1*);
       in Anbetracht, daß der Kongreß eines Teils der Spanischen Födera-
       tion, abgehalten  zu Córdoba vom 25. Dezember 1872 bis zum 2. Ja-
       nuar 1873,  beschlossen hat,  die Beschlüsse  des 5.  allgemeinen
       Kongresses zu  verwerfen und die Beschlüsse einer antiinternatio-
       nalen Versammlung [200] anzunehmen;
       in Anbetracht,  daß eine Versammlung zu London am 26. Januar 1873
       beschloß, die Handlungen des 5. allgemeinen Kongresses im Haag zu
       verwerfen,
       erklärt der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation in
       Beobachtung der  Statuten und  Verwaltungsregeln und  in Überein-
       stimmung mit seinem Beschluß vom 26. Januar 1873  2*):
       Alle an  den oben erwähnten Kongressen und Versammlungen zu Brüs-
       sel, Córdoba und London Beteiligten und deren Beschlüsse anerken-
       nenden nationalen und lokalen Föderationen, Sektionen und Indivi-
       duen haben  sich selbst außerhalb der Internationalen Arbeiteras-
       soziation gestellt und aufgehört, Mitglieder derselben zu sein.
       Der Generalrat:
       F.J. Bertrand,  F. Bolte,  C. Carl, S. Kavanagh, S. Dereure, C.F.
       Laurel, F.A. Sorge, C. Speyer
       Der Generalsekretär:
       F.A. Sorge
       New York, 30. Mai 1873
       -----
       1*) In der  "Arbeiter-Zeitung": null  und nichtig  zu erklären  -
       2*) siehe vorl. Band, S. 691/692
       
       #694# Beilagen
       -----
       16
       
       Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
       [Erklärung über die italienischen Sektionen der Internationale]
       
       ["Der Volksstaat" Nr. 51 vom 25. Juni 1873]
       Der  Generalrat  der  Internationalen  Arbeiterassoziation  macht
       hiermit bekannt,  daß eine  italienische Landesföderation der In-
       ternationalen Arbeiterassoziation nicht besteht, da keine solchen
       Titel beanspruchende  Organisation jemals  irgendeine  derjenigen
       Bedingungen erfüllt  hat, welche laut Statuten und Verwaltungsre-
       geln der Aufnahme und Anerkennung vorausgehen müssen.
       Dagegen bestehen  in verschiedenen  Teilen Italiens Sektionen der
       Internationalen Arbeiterassoziation,  welche sich  in Ordnung und
       Verbindung mit dem Generalrat befinden.
       Im Auftrag und Namen des Generalrats
       Der Generalsekretär:
       F.A. Sorge
       New York, 30. Mai 1873
       
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       An die Bürger Delegierten des 6. Kongresses
       der Internationalen Arbeiterassoziation [443]
       
       London, 3.September 1873
       Bürger,
       Da der  New-Yorker Generalrat dem Kongreß die volle Freiheit las-
       sen wollte,  die Verwaltungstätigkeit des Generalrats während des
       Jahres 1872/1873 zu beurteilen, hatte er beschlossen, keine Dele-
       gierten aus  seinen Reihen zu schicken, sondern einen Bevollmäch-
       tigten in  Europa zu  wählen und  ihn zu beauftragen, dem Kongreß
       den offiziellen  und den internen Bericht, die durch die Statuten
       vorgeschrieben sind,  zu unterbreiten und ihm die Resolutionen zu
       den auf der Tagesordnung stehenden Fragen vorzulegen. Nachdem ich
       von den Dokumenten, die mir vom Generalrat übermittelt worden wa-
       ren, Kenntnis genommen hatte, nahm ich sein Mandat
       
       #695# Aufzeichnungen und Dokumente
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       um so  lieber an,  als ich  seine administrativen  Handlungen und
       seine öffentlichen  Beschlüsse völlig billige. Indessen machen es
       mir die  aus verschiedenen Ländern im letzten Augenblick erhalte-
       nen Mitteilungen  zur Pflicht,  an den  Arbeiten  des  Kongresses
       nicht teilzunehmen.  Die heikle  Position unserer  Mitglieder  in
       diesen Ländern  verbietet mir  jede ausführliche  Darstellung von
       Einzelheiten. Ich kann nur sagen, daß die Situation in Frankreich
       - von wo ich persönliche Mandate erhalten habe - nicht gestattet,
       auf direkte  Delegationen zu hoffen, daß es für unsere spanischen
       Mitglieder in  der gegenwärtigen Krise unmöglich ist, ihr Land zu
       verlassen, da  dies von  der Masse  der Arbeiter  als ein Akt der
       Feigheit ausgelegt  würde, daß  die Rückwirkung der Ereignisse in
       Spanien die Verpflichtungen unserer portugiesischen Freunde bela-
       stet und  ihnen keine andere Wahl läßt als eine indirekte Delega-
       tion,  und   daß  schließlich   die  Polizeischikanen  gegen  die
       Internationalen in  Italien,  die  immer  neuen  Verhaftungen  in
       Deutschland, die  gewaltsame Auflösung der Zentralsektion von Ko-
       penhagen und die immer stärker werdenden Repressalien, denen jed-
       wede Bewegung  der Arbeiter  in Österreich-Ungarn  begegnet, eine
       wahrhaft internationale  Vertretung der  Arbeiter  undurchführbar
       machen. Ein unter solchen Umständen, die für die Assoziation viel
       ernster sind  als unmittelbar  nach dem Fall der Pariser Kommune,
       abgehaltener Kongreß  würde  schon  durch  seine  Zusammensetzung
       einen mehr oder weniger lokalen Charakter haben.
       Andererseits hatte  der Britische Föderalrat, der politisch gese-
       hen wohl in der günstigsten Lage ist, um sich auf dem Genfer Kon-
       greß vertreten  zu lassen,  schon seine Delegierten ernannt - Al-
       fred Days, F. Leßner, A. Serraillier -, als er nach Kenntnisnahme
       der seinem  Sekretär durch den Romanischen Föderalrat übersandten
       Dokumente seine  Entschließung aufhob  und beschloß,  am  Kongreß
       nicht teilzunehmen  und dafür  die Gründe öffentlich bekanntzuge-
       ben.
       Selbst wenn  es mir die oben dargelegten allgemeinen Gründe nicht
       zur Pflicht  machten, mich  jeder Teilnahme  an den  Arbeiten des
       Genfer Kongresses  zu enthalten, so würden die Tatsachen, die die
       Entscheidung des Britischen Föderalrats motivieren, bereits genü-
       gen und mich hindern, dem Kongreß beizuwohnen, trotz der Mandate,
       die ich aus Frankreich, Amerika, Portugal etc. erhalten habe.
       Ich übersende  Ihnen in  der Anlage  die Dokumente,  die ich  vom
       Generalrat erhalten habe. [444]
       Mit brüderlichem Gruß
       A. Serraillier
       Nach der Handschrift von Engels.
       Aus dem Französischen.

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