Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875


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       #97#
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       Friedrich Engels
       
       Die Internationale in Amerika [126]
       
       ["Der Volksstaat" Nr. 57 vom 17. Juli 1872]
       Unsere Leser werden aus unsern amerikanischen Korrespondenzen be-
       reits ersehen  haben, daß  in den  Vereinigten Staaten  unter den
       Mitgliedern der Internationale eine Spaltung eingetreten ist. Was
       sich in  New York in den letzten Monaten ereignet hat, ist in der
       Tat so  neu in  der Geschichte der Internationalen, daß es im Zu-
       sammenhang dargestellt  zu werden verdient. Wir legen dabei einen
       Artikel der "Emancipacion" von Madrid (22. Juni) zugrunde und er-
       gänzen ihn aus den uns vorliegenden Originaldokumenten.
       Bekanntlich haben  in Europa  die Bourgeoisie und die Regierungen
       aus der  Internationale einen erschrecklichen Popanz gemacht, der
       auch seinen Zweck erfüllte und alle guten Bürger so entsetzt hat,
       daß niemand  zu befürchten  braucht, die  Internationale werde je
       durch einen Massenzutritt bürgerlicher Elemente ihren ursprüngli-
       chen Zwecken  entfremdet werden. In Amerika geht das ganz anders.
       Dinge, worüber  europäische Bourgeois  und Regierungen in Krämpfe
       geraten, erscheinen  dort im  Gegenteil interessant. Eine Gesell-
       schaft, die  ohne grundbesitzenden  Adel und  ohne Monarchie  auf
       rein bürgerlicher  Grundlage großgewachsen  ist, lacht  über  die
       kindischen Todesängste der europäischen Bourgeoisie, die noch im-
       mer nicht  - auch  in Frankreich  wenigstens geistig  nicht - der
       Zuchtrute der  Monarchie und  des Adels entwachsen ist. Je fürch-
       terlicher also die Internationale in Europa erschien, je ungeheu-
       erlicher die  Korrespondenten der  amerikanischen Presse sie dar-
       stellten - und niemand versteht greller zu malen als diese Herren
       -, desto  mehr fand  man in  Amerika, daß die Internationale sich
       jetzt dazu  eigne, Kapital  aus ihr herauszuschlagen, Geldkapital
       und politisches Kapital.
       Wieweit die  amerikanische Gesellschaft  der europäischen  voraus
       ist, zeigt sich schlagend an der Tatsache, daß es zwei amerikani-
       sche Damen
       
       #98# Friedrich Engels
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       waren, die  dies zuerst entdeckten und darauf ein Geschäft zu be-
       gründen versuchten.  Während die  Männer der  europäischen  Bour-
       geoisie vor der Internationalen zitterten, faßten zwei amerikani-
       sche Bourgeoisweiber,  Frau Victoria  Woodhull und ihre Schwester
       Fräulein Tenni  Claflin (Herausgeber  von "Woodhull  &  Claflin's
       Weekly" [127]) den Plan, diese Schaudergesellschaft zu exploitie-
       ren. Und beinahe wäre es ihnen gelungen.
       Diese beiden  Schwestern, Millionärinnen, Predigerinnen der Frau-
       enemanzipation und  besonders der  "freien Liebe", traten resolut
       in die  Internationale ein. Sektion Nr. 9 bildete sich unter Lei-
       tung von  Fräulein Claflin,  Sektion Nr.  12 unter  der von  Frau
       Woodhull; bald  darauf folgten neue Sektionen in den verschieden-
       sten Teilen  von Amerika,  alle gebildet  von den  Anhängern  des
       Schwesterpaars. Nach  der bestehenden Einrichtung hatte jede Sek-
       tion das Recht, einen Delegierten in das in New York tagende Zen-
       tralkomitee zu  senden. Die  Folge war,  daß sehr bald dieser ur-
       sprünglich aus  deutschen, irischen  und französischen  Arbeitern
       zusammengesetzte Föderalrat  von einer  Menge amerikanischer bür-
       gerlicher Abenteurer aller Art und beiderlei Geschlechts überflu-
       tet wurde.  Die Arbeiter  wurden in den Hintergrund gedrängt, der
       Sieg der  beiden spekulierenden  Schwestern erschien gewiß. Jetzt
       trat Sektion  Nr. 12 in den Vordergrund und erklärte den Stiftern
       der amerikanischen  Internationalen,  worum  es  sich  eigentlich
       handle.
       Am 30. August 1871 erließ Sektion 12 ihr Manifest [128], gezeich-
       net W. West, Sekretär. Darin heißt es:
       
       "Das Endziel  der Internationale  ist einfach, den männlichen und
       weiblichen Arbeiter  durch Eroberung  der  politischen  Macht  zu
       emanzipieren. Es  schließt ein:  zuerst die politische Gleichheit
       und soziale  Freiheit beider  Geschlechter. Politische Gleichheit
       bedeutet die  persönliche Teilnahme  eines jeden an der Vorberei-
       tung, Verwaltung  und Ausführung der Gesetze, nach denen alle re-
       giert werden.  Soziale Freiheit bedeutet vollständige Sicherstel-
       lung vor  aller und  jeder ungehörigen  Einmischung in  alle  An-
       gelegenheiten rein  persönlicher Natur,  als z.B. religiöse Über-
       zeugung, das  Geschlechts-Verhältnis, Kleidertracht  usw.  Ferner
       ist darin  einbegriffen die  Errichtung einer  Universalregierung
       für die  ganze Welt.  Selbstredend ist auch die Abschaffung aller
       Sprachverschiedenheit in diesem Programm einbegriffen."
       
       Damit kein  Mißverständnis möglich  sei über den Zweck, um den es
       sich handelte, wird eine Organisation verlangt, wonach
       
       "womöglich in  jedem Urwahlbezirk  eine Sektion bestehen soll für
       die Erleichterung  der politischen  Aktion... in  jeder Stadt muß
       ein städtisches  Komitee, dem  bestehenden Stadtrat entsprechend,
       existieren, in  jedem Staat  ein Staatskomitee,  entsprechend den
       gesetzgebenden Räten  des Staates,  und für  die ganze Nation ein
       Nationalkomitee, entsprechend dem Kongreß der Vereinigten Staaten
       ... Die Arbeit der Internationale
       
       #99# Die Internationale in Amerika
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       schließt nichts  Geringeres ein,  als die  Bildung, innerhalb der
       bestehenden Formen,  einer neuen Regierungsform, die die alten zu
       ersetzen bestimmt ist."
       
       Also nicht  die Grundlagen  des bestehenden  Staates  umzuwälzen,
       sondern ihn  auszubeuten war hiernach der Beruf der Internationa-
       len. Herr  West hatte  in der  Tat recht, als er ("Woodhull & Cl.
       Weekly", 2. März 1872) ausrief:
       
       "Die Erlassung  des Manifests von Sektion 12 war der Beginn einer
       neuen Ära in der Geschichte der Internationalen!"
       
       Um diese  "neue Ära"  durchzuführen, war  es vor allem nötig, die
       Fesseln der  bisher unbestritten zu Recht bestehenden Generalsta-
       tuten und  Kongreßbeschlüsse abzuschütteln. Demgemäß proklamierte
       Sektion Nr. 12 ("W. & C. Weekly", 21. Oktober 1871)
       
       "das unabhängige  Recht jeder Sektion, die Kongreßbeschlüsse, die
       Statuten und  Verordnungen des Generalrats" (soll heißen die All-
       gemeinen Statuten  und  Verwaltungsverordnungen  der  Assoziation
       1*)) "frei auszulegen, indem jede Sektion für ihr eigenes Auftre-
       ten verantwortlich ist".
       
       Der Unfug  wurde jetzt  zu arg.  Statt Arbeitersektionen bildeten
       sich Sektionen  aller möglichen  bürgerlichen Schwindler,  freier
       Liebenden, Geisterklopfer,  geisterklopfender Shakers [129] usw.,
       und so  erließ Sektion Nr. 1, die erste in Amerika gebildete Sek-
       tion der  Internationalen (Deutsche), endlich einen Aufruf, worin
       der wesentlich proletarische Charakter der Assoziation, gegenüber
       diesem Schwindel,  hervorgehoben wurde. Die amerikanische Mutter-
       sektion Nr.  12 antwortete sofort. In "W. & C. W." vom 18. Novem-
       ber 1871 erklärt sie durch ihren Sekretär West:
       
       "Die Ausdehnung  des gleichen  Bürgerrechts auf die Frauen muß in
       der ganzen Welt vorhergehen jeder allgemeinen Veränderung im Ver-
       hältnis zwischen  Kapital und  Arbeit... Die  Sektion Nr.  12 muß
       ebenfalls sich  erheben gegen die falsche Annahme, die den ganzen
       Protest" (der Sektion 1) "durchdringt, als sei die Internationale
       Arbeiter-Assoziation eine Organisation der Arbeiterklasse."
       
       Am 25.  November folgt ein neuer Protest der Sektion 12, worin es
       heißt:
       
       "Die Behauptung"  (der Generalstatuten),  "daß die Arbeiterklasse
       nur durch  sie selbst emanzipiert werden kann, ist nicht zu leug-
       nen, aber  sie ist  wahr bloß in dem Sinn, daß die Arbeiterklasse
       nicht gegen ihren eigenen Willen emanzipiert werden kann." [130]
       
       Der Krieg kam endlich zum Ausbruch zwischen den Staatsausbeutern,
       Stellenjägern, Freiliebenden, Geisterklopfern und anderen bürger-
       lichen
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       1*) Siehe Band 17 unserer Ausgabe, S. 440-455
       
       #100# Friedrich Engels
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       Schwindlern auf  der einen  Seite, und  auf der andern den Arbei-
       tern, die  in ihrer  Einfalt sich  in der Tat eingebildet hatten,
       die Internationale  Arbeiter-Assoziation sei,  auch  in  Amerika,
       eine Organisation  nicht der  Bourgeois,  sondern  der  Arbeiter-
       klasse. Die  deutsche Sektion  Nr. 1 verlangte vom Zentralkomitee
       die Entfernung  der Sektion  12 und  die Ausschließung  der Dele-
       gierten aller  Sektionen, die  nicht aus mindestens zwei Dritteln
       von Lohnarbeitern  beständen. Auf  diese Forderung  hin  spaltete
       sich das  Zentralkomitee; ein Teil der Deutschen und die Irländer
       nebst einigen  Franzosen unterstützten die Sektion 1, während die
       Amerikaner nebst  der Mehrzahl  der französischen  und zwei deut-
       schen (Schweitzerschen) Sektionen ein neues Zentralkomitee bilde-
       ten.
       Das alte Komitee (das wir Nr. I nennen) erließ am 4. Dezember ein
       Zirkular [131], worin es die Sachlage folgendermaßen schildert:
       
       "In dem  Zentralkomitee, welches  eine Abwehr  gegen alle Reform-
       schwindeleien sein  sollte, bestand schließlich die Majorität aus
       schon beinahe  in Vergessenheit geratenen Reformatoren und Volks-
       beglückern, und  so kam es, daß die Leute, die das Evangelium der
       freien Liebe  predigten, brüderlichst  neben denen  saßen, welche
       die ganze  Welt mit  einer gemeinsamen  Sprache beglücken wollen;
       Landkooperativgesellschafter, Geisterklopfer,  Atheisten und Dei-
       sten, jeder  suchte sein  Steckenpferd zu reiten. Namentlich Sek-
       tion 12 (Woodhull) ... Der erste Schritt, welcher hier getan wer-
       den muß,  um die  Bewegung zu  fördern, ist:  zu organisieren und
       gleichzeitig das  revolutionäre Element anzuregen, welches in dem
       Gegensatz der  Interessen  des  Arbeiters  und  des  Kapitalisten
       liegt... Die Delegierten der Sektionen 1, 4, 5, 7, 8, 11, 16, 21,
       23, 24,  25 und  andere Sektionen, nachdem sie gesehen, daß alles
       Bemühen, diesem  Unfug zu  steuern, vergeblich  war,  beschlossen
       deshalb nach unbestimmter Vertagung des alten Zentralkomitees (3.
       Dezember 1871)  ein neues  zu gründen, welches aus wirklichen Ar-
       beitern besteht."
       
       Inzwischen tagte  das Zentralkomitee  Nr. II (Woodhull) ebenfalls
       fort und  füllte sich mit einer Menge Delegierten von angeblichen
       neuen Sektionen,  gestiftet hauptsächlich durch Sektion 9 und 12,
       aber meist  so schwach,  daß sie kaum hinreichend Mitglieder hat-
       ten, um  nur die notdürftigsten Beamtenstellen (Sekretär, Kassie-
       rer etc.) zu besetzen.
       Beide Komitees  appellierten an  den Londoner  Generalrat. Inzwi-
       schen zogen  verschiedene Sektionen (z.B. die französische Nr. 10
       und sämtliche  irische Sektionen)  sich bis  zur Entscheidung des
       Generalrats von beiden Komitees zurück.
       Am 5.  und  12.  März  faßte  der  Generalrat  seine  bereits  im
       "Volksstaat" (Nr.  37) veröffentlichten  Beschlüsse. 1*) Sie sus-
       pendierten Sektion 12, rieten
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       1*) Siehe vorl. Band. S. 52-54
       
       #101# Die Internationale in Amerika
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       zur Vereinigung  beider Komitees bis zu einem amerikanischen Kon-
       greß, der  in der  Sache entscheiden werde, und empfahlen für die
       Zukunft die  Abweisung aller Sektionen, die nicht mindestens zwei
       Drittel Lohnarbeiter  zählten. Diese  Beschlüsse, trotz ihrer aus
       guten Gründen  fast ausschließlich empfehlenden Form, entschieden
       das Schicksal der Internationalen in Amerika. Indem sie der Sache
       nach dem  Komitee Nr. I recht gaben, machten sie es den Bourgeois
       des  Komitees   Nr.  II   unmöglich,  fernerhin   den  Namen  der
       Internationalen für ihre besondern Zwecke auszubeuten.
       Seit dem Eintritt der Spaltung hatte das Komitee Nr. II in direk-
       ter Verletzung  des Londoner  Konferenzbeschlusses Nr.  17 [132],
       welcher gebot,  alle inneren  Angelegenheiten der Assoziation nur
       innerhalb der Sektionen und Föderationen und nicht vor dem großen
       Publikum zu behandeln, die Berichterstatter der New-Yorker Presse
       zu allen  seinen Verhandlungen  zugezogen und  dafür gesorgt, daß
       die ganze Angelegenheit in den verrufensten Bourgeoisblättern be-
       sprochen wurde.  Dasselbe geschah  jetzt, als  dies Komitee gegen
       den Generalrat  losfuhr, den berückt zu haben es sich eingebildet
       hatte. Die  gemeinsten Blätter  von New  York, wie  der  "Herald"
       [133] usw.,  wurden durch Komitee Nr. II in den Stand gesetzt, zu
       erklären, die  ganze Sache  sei ein Streit zwischen Deutschen und
       Franzosen, Kommunismus  und Sozialismus  usw., und die Gegner der
       Arbeiter in New York jubelten über die angebliche Vernichtung der
       Internationalen in Amerika.
       Dabei blieb  aber das Komitee Nr. II stets besorgt, der Welt mit-
       zuteilen, daß  die Internationalen  keine Arbeiter-, sondern eine
       Bourgeoisgesellschaft sei.  Schon am  16. Dez. 1871 hatte ihr Or-
       gan, "Woodhull & Claflin's Weekly", erklärt:
       
       "Bei unserm  Komitee braucht  nicht nachgewiesen  zu werden,  daß
       zwei Drittel oder irgendwelcher Bruchteil einer Sektion Lohnskla-
       ven sind, als ob es ein Verbrechen wäre, frei zu sein";
       
       und am 4. Mai 1872 erklärt es wieder:
       
       "In dem  Dekret des  Generalrats entblödet man sich nicht zu emp-
       fehlen, daß  in Zukunft  keine amerikanische  Sektion  zugelassen
       werden soll,  die nicht  mindestens aus  zwei Drittel Lohnsklaven
       besteht. Müssen sie auch politische Sklaven sein? Das eine ist so
       gut wie  das andere.  Die Eindrängung von "Schwindelreformatoren,
       Volksbeglückern,  Bourgeoisquacksalbern   und  politischen  Scha-
       cherern' ist  gerade am  meisten  zu  befürchten  von  derjenigen
       Klasse von  Bürgern, die  von nichts  anderem zu leben haben, als
       vom Ertrag der Lohnsklaverei."
       
       Das Komitee  Nr. II  hatte hiermit,  nach einer  Seite hin,  sein
       letztes Wort  gesprochen. Nicht  nur war  es eine  Albernheit  zu
       glauben, die Internationale
       
       #102# Friedrich Engels
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       Arbeiter-Assoziation sei  eine Vereinigung  von Arbeitern  - noch
       mehr, sie kann erst ihren Zweck recht erfüllen, wenn sie alle Ar-
       beiter, alle Lohnsklaven ausschließt oder wenigstens für verdäch-
       tig erklärt.
       Und welches ist denn der Zweck der Internationalen Arbeiter-Asso-
       ziation (ohne  Arbeiter) in  Amerika? Auch  dies wird  uns  jetzt
       klargemacht. Die Wahlen für einen neuen Präsidenten der Vereinig-
       ten Staaten rückten heran.
       Das unvermeidliche  Damenblatt "W.  & C. W." vom 2.März 1872 ent-
       hält  einen  Artikel,  betitelt:  "Die  bevorstehende  vereinigte
       Konvention", worin es heißt:
       
       "Es wird  jetzt ein Vorschlag beraten von den Vertretern der ver-
       schiedenen reformatorischen  Elemente des  Landes, eine große Ge-
       samtversammlung im Mai hier abzuhalten ... In der Tat, wenn diese
       Versammlung klug  handelt, wer  weiß, ob nicht die Reste der ver-
       storbenen demokratischen"  (d.h.  sklavereifreundlichen)  "Partei
       ans Tageslicht  kommen und  daran teilnehmen  ... Alle  Radikalen
       sollten dort vertreten sein" usw.
       
       Dasselbe Blatt  enthält nun Woche auf Woche Aufrufe an alle Welt-
       verbesserer,
       
       "Arbeits-, Grundbesitz-, Friedens- und Mäßigkeitsreformer, Inter-
       nationale, Frauenstimmrechtsdoktoren  und alle,  die da  glauben,
       daß die  Zeit gekommen  ist, die  Prinzipien wahrer Moralität und
       Religion (!) auszuführen",
       
       unterzeichnet zuerst  von Victoria  Woodhull, dann  von  Th.  Ff.
       Banks, R.W.  Hume, G.R.  Allen, W.  West, G.W. Maddox, T. Millot,
       kurz von  den Hauptleuten  des Komitees  Nr. II.  In allen diesen
       Aufrufen wird ausdrücklich gesagt, daß die Delegiertenversammlung
       Kandidaten für  die Präsidentenschaft  und  Vizepräsidentenschaít
       der Vereinigten Staaten aufstellen wird.
       Endlich am  9., 10. und 11. Mai findet in der Apollo-Halle in New
       York  diese  ungeheuerliche  Delegiertenversammlung  statt.  Alle
       männlichen und  weiblichen Querköpfe  Amerikas waren  dort verei-
       nigt. Das  Komitee Nr.  II war in Masse gegenwärtig. Man beschloß
       als Kandidatin  für die  Präsidentschaft der  Vereinigten Staaten
       Frau Victoria Woodhull aufzustellen, und zwar im Namen der Inter-
       nationalen!
       Das schallende Gelächter von ganz Amerika antwortete hierauf. Die
       bei der  Sache interessierten  spekulierenden  Amerikaner  ließen
       sich dadurch natürlich nicht irremachen. Anders mit den Deutschen
       und Franzosen,  die sich  hatten hineinreiten  lassen. Sektion  2
       (französisch) setzte  ihren Delegierten zum Komitee Nr. II ab und
       unterwarf sich den Beschlüssen des
       
       #103# Die Internationale in Amerika
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       Generalrats. Sektion 6 (deutsch) setzte ebenfalls ihren Delegier-
       ten vom  selben Komitee  Nr. II,  Dr. Große, Exprivatsekretär des
       Berliner Schweitzer,  ab und  zog sich vom Komitee Nr. II zurück,
       bis es sich den Generalratsbeschlüssen unterwerfe. Am 20. Mai zo-
       gen sich  weitere acht  Sektionen -  Franzosen und Deutsche - vom
       Komitee  Nr.   II  zurück,  das  jetzt  nur  noch  die  bekannten
       zweideutigen amerikanischen  Elemente vertritt,  die in  der  Tat
       schon vor  ihrem Eintritt  in die  Internationale  zusammengehört
       hatten -  Madame Victoria  Woodhull nebst Zubehör. Diese erklären
       jetzt, daß  sie eine  aparte, ausschließlich amerikanische Inter-
       nationale stiften wollen, was ihnen natürlich freisteht.
       Inzwischen hat  der Generalrat auf die Anfrage der deutschen Sek-
       tion von  Saint Louis  und der  französischen von Neu-Orleans er-
       klärt, daß  er nur  das Komitee  Nr. I  (jetzt provisorischer Fö-
       deralrat der  Vereinigten Staaten) anerkennt [134]. Und damit hat
       der Feldzug der Madame Victoria Woodhull zur Eroberung der Inter-
       nationalen sein letztes Absehen erreicht.
       
       Die "Emancipacion" fügt hinzu:
       "Alle Unparteiischen  müssen sich  nach diesen  Tatsachen fragen:
       wann und  wie hätte  dieser Skandal  ein Ende genommen, wenn kein
       Generalrat existierte  mit der Vollmacht, die Grundprinzipien der
       Internationalen aufrechtzuerhalten und Sektionen und Föderationen
       zu suspendieren,  die die Assoziation in das Werkzeug ihrer poli-
       tischen oder persönlichen Zwecke zu verwandeln versuchten."
       
       Geschrieben um den 9. Juli 1872.

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