Quelle: MEW 18 März 1872 - Mai 1875


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       Vorwort
       
       Der achtzehnte  Band der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels
       enthält die  Arbeiten, die  von März 1872 bis Mai 1875 entstanden
       sind.
       Die Pariser  Kommune war zur Grenzscheide einer neuen Periode der
       Weltgeschichte geworden. Die weltwirtschaftlichen und weltpoliti-
       schen Veränderungen, hervorgerufen dadurch, daß der "freie" Kapi-
       talismus begonnen  hatte, in  den Imperialismus hinüberzuwachsen,
       der sich abzeichnende Verfall der bürgerlichen Demokratie und das
       Hinüberschwenken zur  Reaktion hatten eine neue Lage für die For-
       tentwicklung der  Arbeiterbewegung geschaffen und ihr neue Aufga-
       ben gestellt.  Nach der Kommune beginnt in der Geschichte der in-
       ternationalen Arbeiterbewegung  eine Periode  der Entwicklung des
       Marxismus in  die Breite,  eine Periode  der Kristallisation  und
       Konzentration der  Kräfte des Proletariats, "die Periode der Her-
       ausbildung, des Wachstums und des Reifens sozialistischer Massen-
       parteien  mit   klassenmäßiger,  proletarischer  Zusammensetzung"
       (W.I. Lenin, Werke, Berlin 1965, Band 19, S. 285/286).
       Zu Beginn der siebziger Jahre traten die bezeichnenden Wesenszüge
       der neuen Entwicklungsetappe in der internationalen Arbeiterbewe-
       gung schon  deutlich hervor.  Die Propaganda der Theorie des wis-
       senschaftlichen Kommunismus dehnte sich beträchtlich aus. Die Or-
       ganisationen der  Internationalen Arbeiterassoziation  (I. Inter-
       nationale), welche  in nahezu allen Ländern Europas, in Nord- und
       Südamerika,  in  Australien,  Neuseeland  und  Indien  bestanden,
       förderten das  Eindringen der  Theorie  in  breitere  Massen  des
       Proletariats; in  einer Reihe  von Ländern  wurden die Fundamente
       für selbständige  proletarische Parteien  gelegt. In  Deutschland
       führte diesen  Kampf die  erste marxistische  Partei,  die  Sozi-
       aldemokratische Arbeiterpartei,  an deren  Spitze Bebel und Lieb-
       knecht standen,  die Mitkämpfer von Marx und Engels. Ein weiterer
       Schritt zur Loslösung der Arbeiterklasse von der
       
       #VI# Vorwort
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       kleinbürgerlichen Demokratie  wurde getan:  Die politische  Bühne
       betrat die  junge Arbeiterbewegung  Rußlands, Italiens,  Spaniens
       und anderer  Länder. Das Wachstum des Klassenbewußtseins des Pro-
       letariats fand seine Widerspiegelung in der organisierten Abfuhr,
       welche die  in der  Internationale vereinigten  fortgeschrittenen
       Arbeiter dem Wüten der Reaktion erteilten, das der Niederlage der
       Pariser Kommune gefolgt war.
       Der geniale  Scharfblick  der  Begründer  des  wissenschaftlichen
       Kommunismus zeigte sich darin, daß sie schon zu Beginn dieser jä-
       hen geschichtlichen  Wende die objektive Situation richtig einzu-
       schätzen wußten  und in  zähem Kampf gegen verschiedene kleinbür-
       gerliche Tendenzen,  in erster  Linie gegen  den Anarchismus, die
       Aufgaben und  die Taktik der revolutionären Partei des Proletari-
       ats unter  den konkreten  Bedingungen vorzeichneten,  die sich zu
       Beginn der siebziger Jahre herausgebildet hatten. In der Erkennt-
       nis, daß  auf der  Tagesordnung die  Aufgabe  einer  sorgfältigen
       ideologisch-politischen und  organisatorischen  Vorbereitung  der
       Arbeitermassen  für  die  künftigen  proletarischen  Revolutionen
       stand, arbeiteten  Marx und  Engels weiterhin  unermüdlich an der
       Verschmelzung von  revolutionärer Theorie und revolutionärer Pra-
       xis, lehrten  sie die  Arbeiter, ihre selbständige, von der Bour-
       geoisie unabhängige  Politik zu verfolgen. Die Durcharbeitung der
       wichtigsten programmatischen,  taktischen  und  organisatorischen
       Fragen durch  Marx und  Engels in  diesen Jahren  hob die  inter-
       nationale Arbeiterbewegung  auf ein  neues,  höheres  Niveau  und
       legte das  Fundament für die spätere Bildung sozialistischer pro-
       letarischer Massenparteien in den verschiedenen Ländern.
       Marx setzte  in diesen  Jahren die Riesenarbeit an der Vollendung
       des "Kapitals"  fort: Er entwickelte seine ökonomische Lehre wei-
       ter. Zugleich  arbeitet  Marx  systematisch  daran,  daß  die  im
       "Kapital" dargelegte  Lehre möglichst  schnell zum  Gemeingut der
       breiten Massen  der Arbeiterklasse  in den  verschiedenen Ländern
       wird. Ende März 1872 erschien in Petersburg die russische Ausgabe
       des ersten  Bandes des  "Kapitals", die  erste Übersetzung dieses
       grundlegenden Werkes  des wissenschaftlichen  Kommunismus in eine
       fremde Sprache.  Im Sommer  1872 erschien  in Hamburg  die zweite
       deutsche Auflage  des ersten  Bandes des "Kapitals", und von 1872
       bis 1875  kam in Einzellieferungen auch die französische Überset-
       zung heraus.  Die deutsche,  englische, spanische  Arbeiterpresse
       veröffentlichte in  ihren Spalten einzelne Kapitel und Abschnitte
       der programmatischen Werke des Marxismus: des "Manifests der Kom-
       munistischen Partei"  und des  ersten Bandes  des "Kapitals". Die
       kolossale Arbeit, die Marx leistete bei der Vorbereitung der Aus-
       gaben des ersten Bandes des "Kapitals" in
       
       #VII# Vorwort
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       einer Reihe  europäischer Sprachen,  spielte eine große Rolle bei
       der ideologisch-theoretischen  Schulung des revolutionären Prole-
       tariats. Engels  schafft in  diesen Jahren  eine Reihe Werke über
       die wichtigsten Fragen der Theorie des Staats und der Revolution;
       er beginnt,  sich mit  philosophischen Problemen der Naturwissen-
       schaft zu  beschäftigen, was im weiteren zur Niederschrift seiner
       hervorragenden  Forschungsarbeiten   "Dialektik  der  Natur"  und
       "Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft" führt.
       Alle diese  Jahre hindurch widmen Marx und Engels größte Aufmerk-
       samkeit dem weiteren Studium und der theoretischen Verallgemeine-
       rung der  geschichtlichen Erfahrungen der Pariser Kommune, Erfah-
       rungen, die  sie ausgiebig  propagieren, um sie zum Gemeingut der
       werktätigen Massen  zu machen.  Marx und Engels lenken das Augen-
       merk des  Proletariats auf  eine der  wichtigsten Lehren, die aus
       der Erfahrung  des Heldenkampfs der Pariser Kommunarden zu ziehen
       ist: auf die Notwendigkeit, den alten Staatsapparat zu zerbrechen
       und ihn  durch einen Staat von neuem Typus, dem Typus der Pariser
       Kommune, zu ersetzen. Die praktischen Erfahrungen der Kommunarden
       boten die  Möglichkeit, die Schlußfolgerung zu ergänzen, die Marx
       aus der  Revolution von  1848/49 in seiner Arbeit "Der achtzehnte
       Brumaire des  Louis Bonaparte"  gezogen hatte.  Die  Kommune  war
       nicht nur der erste Versuch des Proletariats gewesen, den bürger-
       lichen Staatsapparat  zu zerschlagen,  sondern sie hatte zugleich
       gezeigt, wodurch  dieser zerschlagene  Apparat zu  ersetzen  sei.
       Marx und  Engels maßen dieser historischen Lehre außerordentliche
       Bedeutung bei: 1872 erachteten sie es als notwendig, im Zusammen-
       hang hiermit  das "Manifest der Kommunistischen Partei" zu ergän-
       zen. Im  Vorwort zur deutschen Neuausgabe schrieben sie: "Nament-
       lich hat  die Kommune  den  Beweis  geliefert,  daß  'die  Arbei-
       terklasse nicht die fertige Staatsmaschine einfach in Besitz neh-
       men und  sie für  ihre eigenen  Zwecke in Bewegung setzen kann'."
       (Siehe vorl. Band, S. 96.)
       Die zutiefst  wissenschaftliche Einschätzung der weltgeschichtli-
       chen Bedeutung  der Pariser  Kommune war  für Marx und Engels ein
       Mittel zur revolutionären Erziehung der Arbeiter, ein Mittel, die
       Idee der Diktatur des Proletariats zu propagieren und dem Bewußt-
       sein der proletarischen Massen einzuprägen. Unermüdlich erläuter-
       ten sie der Arbeiterklasse das historische Wesen der Pariser Kom-
       mune. Hochinteressant  sind in diesem Zusammenhang die kurzen Re-
       solutionen, die  Marx für  eine Massenkundgebung  von Mitgliedern
       der Internationale und von emigrierten Kommunarden in London ver-
       faßte, die den ersten Jahrestag der Pariser Kommune begingen. Das
       Proletariat wird die Pariser Kommune, schrieb Marx, "als
       
       #VIII# Vorwort
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       Morgenröte der großen sozialen Revolution" ansehen, "die die Men-
       schen für  immer vom  Klassenregime befreien  wird" (siehe  vorl.
       Band, S. 56).
       Während Marx  und Engels  von den Erfahrungen der Pariser Kommune
       ausgehen, wendet  sich ihr schöpferisches Denken in diesen Jahren
       immer wieder der Lehre vom Staat zu, der Durcharbeitung der Frage
       nach der  politischen Herrschaft der Arbeiterklasse, nach den Be-
       dingungen der  Machterringung, nach den Funktionen des proletari-
       schen Staats.  Unlöslich verbunden  sind mit diesen Problemen die
       Fragen der Politik, Taktik und Organisation der Arbeiterbewegung,
       die Fragen nach dem Charakter und den Aufgaben der proletarischen
       Parteien. Die  Bewertung der  Pariser Kommune wurde zum Prüfstein
       für die Klassennatur, für den wahren Charakter der einen oder an-
       dern sozialistischen  Denkrichtung. Gerade  in diesen Hauptfragen
       der revolutionären  Theorie und  Praxis, welche  für das  Los des
       Proletariats und  seiner Partei bestimmend waren, wurde der theo-
       retische Sieg  des Marxismus  in der  Arbeiterbewegung  über  die
       nichtproletarischen Formen  des Sozialismus  (den  Proudhonismus,
       das Lassalleanertum, den Bakunismus und dergleichen) errungen. In
       dem sich  in diesen  Jahren zuspitzenden Kampf gegen die Reformi-
       sten und  die anarchistischen Sektierer verfochten und entwickel-
       ten Marx  und Engels weiterhin die Ideen der proletarischen Revo-
       lution und  der Diktatur  des Proletariats als des historisch ge-
       setzmäßigen Weges  zur Liquidierung der ausbeuterischen kapitali-
       stischen Produktionsweise und zum Aufbau des Sozialismus.
       Von großer  theoretischer Bedeutung  ist die im vorliegenden Band
       veröffentlichte Arbeit  "Zur Wohnungsfrage" von Friedrich Engels,
       eines der  grundlegenden Werke  des Marxismus. Geschrieben in le-
       bendiger, polemischer  Form, richtet  sich diese Arbeit gegen die
       Versuche der  bürgerlichen und  kleinbürgerlichen Sozialreformer,
       die Geschwüre  der Bourgeoisgesellschaft irgendwie zu übertünchen
       und hierbei  deren kapitalistische  Basis hoch und heilig zu hal-
       ten. Den  utopischen und reaktionären Projekten des Proudhonisten
       Mülberger und  des Bourgeoisphilanthropen  Sax stellt  Engels das
       wirklich sozialistische  Programm des revolutionären Proletariats
       entgegen, das  sich die  radikale Umgestaltung  der  Gesellschaft
       nach den  Prinzipien des  Kollektiveigentums zum  Ziel setzt. Die
       Wohnungsnot, sagt  Engels, ist eine gesetzmäßige Folge des ganzen
       kapitalistischen Systems und wird mit der Entwicklung des Kapita-
       lismus zwangsläufig  immer größer,  und nur  das Proletariat wird
       nach seinem  Sieg, bei  der Lösung  der Grundprobleme des Aufbaus
       der sozialistischen Gesellschaft, auch die Wohnungsfrage lösen.
       
       #IX# Vorwort
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       Die Wohnungsnot ist lediglich eine Erscheinungsform der ausbeute-
       rischen Wesensart  des Kapitalismus.  Aber gerade  weil diese We-
       sensart sich  hier in der verschleiertsten Form zeigt, weil unter
       der Wohnungsnot  nicht nur  die Arbeiter, sondern auch andere Be-
       völkerungsschichten leiden,  schieben bürgerliche  Soziologen die
       Wohnungsfrage in den Vordergrund, um auf diese Weise das Proleta-
       riat vom  Klassenkampf gegen  die Grundlagen der Bourgeoisgesell-
       schaft abzulenken.  Engels enthüllt,  daß die  Abmachung zwischen
       Mieter und  Hausbesitzer dem Wesen nach ein gewöhnliches Handels-
       geschäft ist,  und zeigt,  daß dieses sich von der Abmachung zwi-
       schen Lohnarbeiter und Kapitalist wesentlich unterscheidet; hier-
       bei legt  Engels in  einer dem  Arbeiterleser faßlichen  Form die
       wichtigsten Leitsätze  aus dem ersten Band des "Kapitals" dar und
       tritt hier  wie in einer Reihe anderer Arbeiten als unermüdlicher
       Propagandist der ökonomischen Lehre von Marx auf.
       Diese Arbeit,  die Engels  gegen die Versuche, den kleinbürgerli-
       chen Sozialismus  à la  Proudhon in die deutsche Arbeiterbewegung
       hineinzutragen, verfaßt  hatte, war von größter Bedeutung für die
       ideologische Schulung  der deutschen  Sozialdemokratie im  Geiste
       des revolutionären  Marxismus. Durch seine vernichtende Kritik an
       den Artikeln Mülbergers vervollständigte Engels die 1847 von Marx
       in seiner  Arbeit "Das Elend der Philosophie" begonnene theoreti-
       sche Zerschlagung des Proudhonismus.
       Besonders interessant  sind die  von Engels  in der  Schrift "Zur
       Wohnungsfrage" geäußerten  Gedanken über die sozialistische Umge-
       staltung auf  dem Lande. Indem er die These Mülbergers widerlegt,
       daß der Gegensatz zwischen Stadt und Land etwas "Natürliches" sei
       und daß  das Bestreben,  ihn zu tilgen, in das Reich der "Utopie"
       gehöre, beweist  Engels, daß  mit der  Vernichtung der Ausbeuter-
       klassen dank  der sozialistischen Revolution diesem Gegensatz für
       alle Zeit  ein Ende  gesetzt ist.  In der sozialistischen Gesell-
       schaft reißt  die enge  innere Verbindung  zwischen industrieller
       und landwirtschaftlicher  Produktion die  Landbevölkerung aus der
       Isoliertheit und  Abstumpfung heraus, in der sie jahrtausendelang
       verharrte.
       Die mit  der sozialistischen  Umgestaltung auf  dem Lande verbun-
       denen Probleme  werden ferner von Marx in seiner Arbeit "Über die
       Nationalisierung des  Grund und  Bodens" analysiert. Diese Arbeit
       ist ein wichtiges Dokument des Marxismus zur Agrarfrage. Marx be-
       trachtet die  Lösung dieses  nach seinen  Worten sehr großen Pro-
       blems in unlöslichem Zusammenhang mit den Aufgaben der proletari-
       schen Revolution  und der sozialistischen Umgestaltung der ganzen
       Gesellschaft. Er  zeigt, daß  die ökonomische Entwicklung der Ge-
       sellschaft, das Wachstum und die Konzentration
       
       #X# Vorwort
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       der Bevölkerung naturnotwendig in Zukunft die Anwendung kollekti-
       ver, nach  sozialistischen Prinzipien organisierter Arbeit in der
       Landwirtschaft erheischen.  Das unentwegte Wachstum der landwirt-
       schaftlichen Produktion  kann nur  auf der  Grundlage umfassender
       Nutzung der  Errungenschaften moderner  Wissenschaft und  Technik
       gewährleistet werden.  Aber, betont Marx, "die wissenschaftlichen
       Kenntnisse, die  wir besitzen,  und die  technischen  Mittel  der
       Landbearbeitung, die  wir beherrschen, wie Maschinerie etc., kön-
       nen wir  nie erfolgreich  anwenden, wenn wir nicht einen Teil des
       Bodens in großem Maßstab bearbeiten" (siehe vorl. Band, S. 60).
       Indem Marx  die historische  Bedeutung der  Nationalisierung  des
       Grund und Bodens hervorhob, ging er stets von der Analyse der Be-
       sonderheiten in  der Agrarordnung  dieses oder  jenes Landes aus.
       Für England,  wo bäuerliches Grundeigentum fehlt und Großgrundbe-
       sitz vorherrscht,  ist die  Nationalisierung des Grund und Bodens
       nach einem Ausdruck von Marx zu einer "gesellschaftlichen Notwen-
       digkeit" geworden.  Zugleich widerlegt Marx die bürgerlich-refor-
       mistischen Ideen,  man könne die Agrarfrage endgültig lösen durch
       die Nationalisierung  des Bodens  im Rahmen  der kapitalistischen
       Gesellschaft. "Die  Nationalisierung des  Bodens und  seine  Ver-
       pachtung in kleinen Parzellen an Einzelpersonen oder an Arbeiter-
       genossenschaften würde  unter einer  bürgerlichen  Regierung  nur
       eine rücksichtslose  Konkurrenz unter  ihnen  auslösen  und  eine
       gewisse Steigerung  der 'Rente'  mit sich bringen und dadurch den
       Aneignern neue  Möglichkeiten bieten,  auf Kosten der Produzenten
       zu leben." (Siehe vorl. Band, S. 61.)
       Die endgültige  Lösung der  Agrarfrage ist  nur möglich  in einem
       Staat, wo  die Arbeiterklasse  an  der  Macht  ist.  Dann  werden
       "Landwirtschaft, Bergbau,  Industrie, mit  einem Wort alle Zweige
       der Produktion...  allmählich auf die nutzbringendste Art organi-
       siert werden.  Die nationale Zentralisation der Produktionsmittel
       wird die natürliche Basis einer Gesellschaft werden, die sich aus
       Assoziationen freier und gleichgestellter, nach einem gemeinsamen
       und rationellen  Plan bewußt  tätiger Produzenten  zusammensetzt"
       (siehe vorl. Band, S. 62).
       Bei der Entwicklung seiner Ideen zur Agrarfrage weist Marx darauf
       hin, daß  die Wege  zur Lösung  dieses Problems von den konkreten
       sozialökonomischen Verhältnissen  des einen  oder andern Staates,
       den Besonderheiten  der Agrarordnung,  der Lebenslage der Bauern-
       schaft, den  geschichtlichen Überlieferungen  usw. abhängen.  Für
       ein Land  wie Frankreich  mit seiner  Bauernparzelle kann der Weg
       zur sozialistischen  Umgestaltung ein anderer sein. In seinen Be-
       merkungen zu Bakunins Buch "Staatlichkeit und
       
       #XI# Vorwort
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       Anarchie" konstatiert  Marx, daß  das Proletariat,  um  sich  der
       Unterstützung der Arbeiterrevolution durch die Massen der werktä-
       tigen Bauernschaft  zu versichern,  "als Regierung  Maßregeln er-
       greifen" muß,  "wodurch der  Bauer seine Lage unmittelbar verbes-
       sert findet, die ihn also für die Revolution gewinnen; Maßregeln,
       die aber  im Keim den Übergang aus dem Privateigentum am Boden in
       Kollektiveigentum erleichtern..." (siehe vorl. Band, S. 633).
       Unermüdlich verfocht  Marx die Idee der proletarischen Revolution
       und der  Diktatur des  Proletariats; er  zeigte, wie man schöpfe-
       risch an  die Lösung  der Frage nach den Formen des Übergangs der
       verschiedenen Länder  vom Kapitalismus zum Sozialismus herangehen
       muß, indem  man die konkreten historischen Bedingungen, die Grup-
       pierung und  Wechselbeziehung der  Klassenkräfte  des  jeweiligen
       Landes untersucht  und berücksichtigt.  Auf der  Grundlage seiner
       Analyse der  sozialökonomischen und  politischen Verhältnisse  zu
       Beginn der  siebziger Jahre  des 19.  Jahrhunderts lieferte  Marx
       einen wichtigen Beitrag zur Theorie der proletarischen Revolution
       . In  der Rede,  die er am 8. September 1872 auf einer Kundgebung
       der Internationale  in Amsterdam hielt (siehe vorl. Band, S. 159-
       161), entwickelte  und begründete er die These, daß neben der re-
       volutionären Gewaltanwendung - dem Mittel, das unter jenen Bedin-
       gungen in  den weitaus  meisten Ländern unvermeidlich ist zur Er-
       richtung und  Aufrechterhaltung der  Diktatur des  Proletariats -
       das Proletariat in einigen Ländern: in England, den USA, Holland,
       infolge bestimmter  historischer Bedingungen,  die sich  in ihnen
       herausgebildet haben  (damals das Fehlen eines entwickelten büro-
       kratischen und  militaristischen Apparats), seine Herrschaft "auf
       friedlichem Wege"  errichten könne.  Dieser Gedanke, den Marx be-
       reits in  den fünfziger  Jahren im  Hinblick auf England äußerte,
       hat hier  seine Fortentwicklung  erfahren.  Gerichtet  war  diese
       These auch  gegen die  anarchistischen Sektierer, die eine unver-
       zügliche "'Abschaffung  des Staats'  durch 'revolutionäre  Spren-
       gung'" predigten,  sowie gegen  die Reformisten, die behaupteten,
       der einzige  Weg der  Arbeiterklasse zur Macht führe nur über den
       parlamentarischen Kampf.
       Lenin entlarvte  die Versuche der Opportunisten, diese Schlußfol-
       gerung von Marx im Sinne revisionistischen Verzichts auf die Idee
       der sozialistischen  Revolution und der Diktatur des Proletariats
       auszulegen. (Siehe  W.I. Lenin,  Werke, Band  28, Berlin 1959, S.
       236.) Marx'  Schlußfolgerung, neben den gewaltsamen Wegen zur Er-
       ringung der  Diktatur des  Proletariats  seien  auch  "friedliche
       Wege" möglich,  bezeugte, daß die marxistische Theorie, der jeder
       Dogmatismus fremd ist, nicht nur die Einsicht in die allgemeinen
       
       #XII# Vorwort
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       Entwicklungsgesetze der  proletarischen Revolution und der Dikta-
       tur des  Proletariats verlangt, sondern auch die Berücksichtigung
       des Besonderen, Eigenartigen, das sich aus den konkreten ökonomi-
       schen und  politischen Verhältnissen des einen oder andern Landes
       ergibt.
       Äußerst wichtige  Gedanken über den Staat, über die proletarische
       Revolution und  die Diktatur  des Proletariats, über die Wege zur
       Verwirklichung des  Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauern-
       schaft hat Marx in seinen kritischen Bemerkungen zu Bakunins Buch
       "Staatlichkeit und  Anarchie" formuliert. Als Marx 1874 diese Ba-
       kunismus-Bibel eigener Art konspektiert, macht er eine Reihe aus-
       führlicher Bemerkungen,  in denen die im Prozeß des Kampfes gegen
       den  Anarchismus  erfolgte  Weiterentwicklung  der  fundamentalen
       Leitsätze des wissenschaftlichen Kommunismus ihre Widerspiegelung
       gefunden hat. Im Gegensatz zu dem subjektivistischen und volunta-
       ristischen Gerede Bakunins über die Möglichkeit der "sozialen Re-
       volution" zu  beliebiger Zeit  und an  beliebigem Ort,  über  die
       Unumgänglichkeit, die Revolution mit der "Abschaffung des Staats"
       zu beginnen,  formuliert Marx  präzis den unmittelbaren Zusammen-
       hang der proletarischen Revolution mit bestimmten geschichtlichen
       Bedingungen der  ökonomischen Entwicklung  und des  Klassenkampfs
       des Proletariats.  Marx begründet die Unausbleiblichkeit und Not-
       wendigkeit der Diktatur des Proletariats zur Beseitigung oder Um-
       gestaltung der "ökonomischen Bedingungen, worauf der Klassenkampf
       beruht und  die Existenz der Klassen" (siehe vorl. Band, S. 630).
       Zugleich hebt  Marx den provisorischen, vorübergehenden Charakter
       der revolutionären  Gewalt hervor: "Die Klassenherrschaft der Ar-
       beiter über  den mit  ihnen kämpfenden  Schichten der alten Welt"
       kann "nur  so lang bestehn, ... als die ökonomische Grundlage der
       Klassenexistenz nicht  vernichtet ist."  (Siehe  vorl.  Band,  S.
       636.) Marx  widerlegt glänzend  die anarchistische  Kritik an der
       Diktatur des Proletariats, eine Kritik, die angeblich zum Schutze
       der "Demokratie"  geübt wurde, und er beweist, daß nur die Arbei-
       terklasse, sobald sie zur Macht gelangt, die echte Demokratie für
       die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung verwirklicht.
       Einen beträchtlichen  Teil des vorliegenden Bandes bilden die Ar-
       tikel und  die Dokumente, die mit Marx' und Engels' unmittelbarer
       Tätigkeit in  der letzten Periode des Bestehens der Internationa-
       len Arbeiterassoziation  zusammenhängen. Diese Dokumente sind ein
       Spiegelbild dessen,  wie Marx  und Engels  Tag für  Tag das ganze
       mannigfaltige Leben  der Internationale  lenkten, ein Spiegelbild
       ihres unversöhnlichen  Kampfes gegen  die dem  wissenschaftlichen
       Kommunismus feindlichen Strömungen und
       
       #XIII# Vorwort
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       Gruppen, in  erster Linie  gegen die Anarchisten, die die Leitung
       der internationalen  Arbeiterbewegung an  sich zu reißen suchten.
       Die von  Marx und  Engels verfaßten  und in den vorliegenden Band
       aufgenommenen Dokumente  der Internationale  zeigen  anschaulich,
       daß der  Kampf gegen  den Anarchismus an allen Kardinalfragen der
       Theorie und  Praxis des  revolutionären Kampfes  des Proletariats
       entbrannt war,  die die  Pariser Kommune in voller Größe gestellt
       hatte. Der  Kampf verschärfte  sich besonders  nach der  Londoner
       Konferenz von  1871; diese Konferenz und ihre Beschlüsse über die
       Notwendigkeit der  Eroberung der  politischen Macht durch die Ar-
       beiterklasse für  den Aufbau der klassenlosen sozialistischen Ge-
       sellschaft sowie  über die Notwendigkeit, im Zusammenhang hiermit
       selbständige Arbeiterparteien  zu gründen, versetzten den sektie-
       rerischen Elementen einen wuchtigen Schlag und zogen zwischen den
       Zielen und den Aufgaben der Internationale einerseits und den an-
       archistischen Prinzipien  andererseits eine  deutliche Grenze. In
       einem Rundschreiben,  das der Anarchistenkongreß in Sonvillier im
       November 1871  annahm, wurde der Idee der revolutionären Diktatur
       des Proletariats  die Bakuninsche  Doktrin der Enthaltung der Ar-
       beiter von politischer Tätigkeit entgegengestellt, und der prole-
       tarischen Parteilichkeit  setzte man die Verneinung der Disziplin
       und das Prinzip der "Autonomie" entgegen. Die Verwirklichung die-
       ser Forderungen  der Anarchisten hätte den Zerfall und die Desor-
       ganisierung der  Arbeiterverbände, die  Entwaffnung der Arbeiter-
       klasse vor  der Bourgeoisie,  die Unterwerfung der Arbeiterklasse
       unter die  bürgerliche Politik und Ideologie bedeutet. Die Unver-
       einbarkeit der  Bakuninschen Ideen mit den Zielen der Internatio-
       nale machte  in einer Periode, wo die Sammlung der Kräfte der Ar-
       beiterklasse für  künftige proletarische  Revolutionen einsetzte,
       die ideologische und organisatorische Zertrümmerung des Anarchis-
       mus in der Arbeiterbewegung zu einer unaufschiebbaren Aufgabe.
       Ein vernichtender  Schlag für den Bakunismus war das von Marx und
       Engels verfaßte  Rundschreiben des  Generalrats "Die  angeblichen
       Spaltungen in  der Internationale".  Die Bedeutung  dieser Arbeit
       besteht darin, daß Marx und Engels in ihr den Bakunismus als eine
       Erscheinungsform des  der proletarischen  Massenbewegung feindli-
       chen Sektierertums  entlarvten und  die sozialen Wurzeln des Sek-
       tierertums bloßlegten,  die in  der Einwirkung des kleinbürgerli-
       chen Milieus  auf die  Arbeiterklasse bestehen.  Marx und  Engels
       stellen fest, daß in der Periode der Herausbildung und Entstehung
       der Arbeiterbewegung  das Aufkommen  von Sekten seine historische
       Gesetzmäßigkeit hatte; aber je mehr die Arbeiterbewegung
       
       #XIV# Vorwort
       -----
       anwächst und  das Proletariat  als Klasse  sich seiner besonderen
       Lage und  seiner besonderen Aufgaben bewußt wird, desto mehr wer-
       den die  Sekten mit ihren phantastischen Projekten, mit denen sie
       die sozialen  Widersprüche auflösen  wollen, zu  einem Hemmschuh,
       der die weitere Entwicklung der proletarischen Massenbewegung be-
       hindert. Dieses  Sektierertum ist eben "die Kindheit der Proleta-
       rierbewegung..., wie die Astrologie und die Alchimie die Kindheit
       der Wissenschaft"  sind. "Damit  die Gründung der Internationalen
       zur Möglichkeit  wurde, mußte das Proletariat diese Entwicklungs-
       stufe überschritten haben." (Siehe vorl. Band, S. 34.)
       Marx und Engels enthüllten die charakteristischen Züge des Bakun-
       inschen Sektierertums:  die theoretische  Rückständigkeit und die
       Losgerissenheit von der revolutionären Massenbewegung, den Dogma-
       tismus und  das "revolutionäre"  Abenteurertum. Als  Gegengewicht
       gegen die  Sekten, so betonten Marx und Engels, muß die Arbeiter-
       klasse ihre  revolutionäre Massenorganisation besitzen. Eine sol-
       che Organisation  ist die Internationale, eine echte Kampforgani-
       sation der Proletarier aller Länder, "verbunden unter sich in ih-
       rem Kampfe  gegen die  Kapitalisten, die Grundeigentümer und ihre
       im Staate organisierte Klassenmacht" (siehe vorl. Band, S. 34).
       Marx und  Engels verfolgten die Geschichte des Kampfes der Inter-
       nationale gegen  die Bakuninsche  Organisation -  die Allianz der
       sozialistischen Demokratie  - und  zeigten, daß das Programm, das
       die Allianz  der Assoziation  aufzwingen wollte, "nur eine Anhäu-
       fung längst  überwundener Ideen...  in tönende  Phrasen verhüllt"
       (siehe vorl.  Band, S.  34) darstellt.  Bei  der  Entlarvung  des
       desorganisierenden Treibens der Allianz innerhalb der Internatio-
       nale enthüllten Marx und Engels den Sinn der Ausfälle der Allianz
       gegen den  Generalrat der Assoziation als Ausfälle gegen die lei-
       tende Körperschaft,  die berufen  war, die Einheit und Gemeinsam-
       keit der Aktionen zu sichern, die die Organisationen der Interna-
       tionale in den verschiedenen Ländern durchführten. Die Verwirkli-
       chung der Forderung der Bakuninisten, die Funktionen des General-
       rats auf die Rolle eines simplen Büros für Korrespondenz und Sta-
       tistik zu reduzieren, hätte den Verzicht des Proletariats auf die
       Schaffung seiner  eigenen disziplinierten, ideologisch einheitli-
       chen Organisation  bedeutet. Marx' und Engels' Kampf um die Klar-
       stellung und  Sicherung der  Funktionen des  Generalrats  war  im
       Grunde ein  Kampf für  die Organisationsprinzipien der proletari-
       schen Partei.
       In einer Reihe Dokumente, die als Fortsetzung zu "Die angeblichen
       Spaltungen in  der Internationale"  zu betrachten  sind, spiegelt
       sich der intensive
       
       #XV# Vorwort
       -----
       Kampf von Marx und Engels gegen die Anarchisten kurz vor der Ein-
       berufung des  Haager Kongresses wider. Im Sommer 1872 trat dieser
       Kampf innerhalb  der Internationale in eine neue Phase. Den Baku-
       nisten, die  sich innerhalb der Organisationen der Internationale
       in Italien,  in der  Schweiz und  besonders in Spanien verschanzt
       hatten, schlössen  sich die  belgischen Proudhonisten,  die gegen
       die proletarische  Parteilichkeit auftraten, die bürgerlichen Re-
       former in  den USA  und die  englischen Trade-Unionisten an; auch
       die Lassalleaner  bildeten in  ihren Ausfällen gegen die Interna-
       tionale einen Block mit den Bakunisten.
       Zur Hauptarena  des Kampfs  gegen den Anarchismus wurde im Sommer
       1872 Spanien, wo sich die Bakuninsche geheime Allianz am tiefsten
       verwurzelt hatte. Spaniens Zurückbleiben in der ökonomischen Ent-
       wicklung hatte zur Folge, daß ein bedeutender Teil der spanischen
       Arbeiterklasse mit  bürgerlichen und kleinbürgerlichen Anschauun-
       gen noch nicht resolut zu brechen vermochte. Die "revolutionären"
       Phrasen der Anarchisten fanden Anklang bei dem vom Ruin betroffe-
       nen Kleinbürgertum,  das die  Reihen des  spanischen Proletariats
       auffüllte. In  dem "Bericht an den Generalrat der Internationalen
       Arbeiterassoziation über  die Lage  der Assoziation  in  Spanien,
       Portugal und  Italien" stellte  Engels fest, daß in den von Baku-
       nisten gegründeten Sektionen "die besonderen Lehren der Allianz -
       sofortige Abschaffung  des Staates, Anarchie, Antiautoritarismus,
       Enthaltung von  jeder politischen Tätigkeit etc. - in Spanien als
       die Lehren  der Internationale  verkündet"  wurden  (siehe  vorl.
       Band, S.  182). Als  korrespondierender Sekretär  des Generalrats
       für Spanien  scharte Engels  die Besten der spanischen Mitglieder
       der Internationale  um sich  und stellte mit ihrer Hilfe die Dop-
       pelzüngigkeit der  Bakunisten bloß.  "Dieselben Männer",  schrieb
       er, "die den Generalrat des Autoritarismus beschuldigen, ohne je-
       mals imstande  gewesen zu  sein, auch nur eine einzige autoritäre
       Handlung von  seiner Seite aufzuzeigen, die bei jeder Gelegenheit
       von der  Autonomie der  Sektionen, von  der freien Föderation der
       Gruppen reden,  die den  Generalrat der  Absicht bezichtigen, der
       Internationale seine  offizielle und orthodoxe Doktrin aufzuzwin-
       gen und unsere Assoziation in eine hierarchisch konstituierte Or-
       ganisation zu verwandeln - dieselben Männer konstituieren sich in
       der Praxis  als eine  Geheimgesellschaft mit einer hierarchischen
       Organisation und unter einem nicht nur autoritären, sondern abso-
       lut diktatorischen Regime; sie treten jede Spur von Autonomie der
       Sektionen und Föderationen mit Füßen; sie streben danach, der In-
       ternationale vermittels  dieser geheimen  Organisationen die per-
       sönlichen und  orthodoxen Doktrinen  M.  Bakunins  aufzuzwingen."
       (Siehe vorl. Band, S. 117.) Vor sämtlichen
       
       #XVI# Vorwort
       -----
       Mitgliedern der  Internationale wurde  die Existenz der Geheimge-
       sellschaft mit  ihrem besonderen, den Aufgaben und den Zielen der
       Internationale  feindlichen   Programm  bloßgelegt   (siehe  Karl
       Marx/Friedrich Engels:  "An die spanischen Sektionen der Interna-
       tionalen Arbeiterassoziation",  Friedrich Engels:  "Bericht  über
       die Allianz  der sozialistischen Demokratie, vorgelegt dem Haager
       Kongreß im  Namen des  Generalrats"). "Zum  erstenmal in  der Ge-
       schichte der  Kämpfe der Arbeiterklasse", schrieb Engels, "stoßen
       wir auf eine geheime Verschwörung, die angezettelt worden ist in-
       mitten dieser  Klasse selbst und dazu bestimmt ist, nicht das be-
       stehende Ausbeuterregime zu unterminieren, sondern gerade die As-
       soziation, die es aufs energischste bekämpft." (Siehe vorl. Band,
       S. 120.)
       Die Riesenarbeit, die Engels geleistet hat, um die revolutionären
       Kräfte in der spanischen Arbeiterbewegung zusammenzuschweißen und
       zu erziehen,  um das  Wesen des Anarchismus zu entlarven, hat das
       Fundament zur  späteren Gründung einer selbständigen Arbeiterpar-
       tei Spaniens gelegt.
       Gleichzeitig mit  der Entlarvung  des dem Proletariat feindlichen
       Treibens der Bakunisten mußten Marx und Engels und ihre Mitstrei-
       ter einen Kampf für die Säuberung der Organisationen der Interna-
       tionale von  kleinbürgerlichen und bürgerlich-reformerischen Ele-
       menten führen,  die die Internationale Arbeiterassoziation zu ih-
       ren Zwecken  zu mißbrauchen  suchten. Dieser Kampf fand seine Wi-
       derspiegelung in  den von  Marx verfaßten Beschlüsse des General-
       rats vom 5. und 12. März 1872 anläßlich der Spaltung in der Nord-
       amerikanischen Föderation  der Internationale  (siehe vorl. Band,
       S. 52-54)  sowie in  Engels' Artikel  "Die Internationale in Ame-
       rika" und  in einem  Dokument des Generalrats, das verfaßt worden
       war im  Zusammenhang mit  den Versuchen  einer Gruppe  englischer
       Funktionäre und  kleinbürgerlicher französischer  Emigranten, den
       Namen und  die Autorität  des Generalrats für ihre Zwecke zu miß-
       brauchen (siehe  Karl Marx' "Erklärung des Generalrats der Inter-
       nationalen Arbeiterassoziation" im vorl. Band, S. 82-84).
       Den Kampf innerhalb der Internationale mußten Marx und Engels bei
       ununterbrochenen Angriffen  von außen führen: Angriffen bürgerli-
       cher Politiker,  korrupter Journalisten und dergleichen, die ver-
       suchten, den  Charakter und die Bedeutung der Internationalen Ar-
       beiterassoziation zu  verzerren und zu entstellen und ihre Führer
       zu diskreditieren.  Im Verlauf  dieser Arbeit,  die zu  einem Be-
       standteil des ideologischen Kampfs zwischen Proletariat und Bour-
       geoisie wurde,  enthüllten Marx  und Engels die Methoden der bür-
       gerlichen Politik,  propagierten sie  in der Presse die Ideen der
       Internationale und  deren Bedeutung. In einer Erklärung des Gene-
       ralrats, die
       
       #XVII# Vorwort
       -----
       Marx anläßlich  einer verleumderischen  Unterhausrede des  Parla-
       mentsmitglieds Cochrane  verfaßte, prangerte  Marx  mit  ätzender
       Ironie die  vereinten Bemühungen der Reaktionäre aller Länder an,
       mit allen  möglichen Mitteln die Organisation des Proletariats zu
       vernichten. "Die  Heldentaten" der  französischen und  der spani-
       schen Reaktion, bemerkt Marx, "weckten so recht in den Herzen der
       Vertreter der  oberen Zehntausend im britischen Unterhaus den ed-
       len Geist  des Nacheiferns"  (siehe vorl.  Band, S. 66). In einem
       Artikel in  der italienischen  demokratischen Zeitung "Gazzettino
       Rosa", betitelt  "Noch einmal  Stefanoni und die Internationale",
       deckt Marx die Kniffe bürgerlicher Journalisten auf, die vor kei-
       nerlei schmutzigen Mitteln zurückschraken, um die Führer des Pro-
       letariats zu verleumden.
       Eine zornige  Abfuhr erteilte  Marx dem  Vulgärökonomen Brentano,
       der  versucht  hatte,  Marx  einer  Fälschung  des  Materials  zu
       "überführen", das er bei der Abfassung der "Inauguraladresse" be-
       nutzt hatte.  In der  "Antwort auf  den ersten Artikel Brentanos"
       und der  "Antwort auf  den zweiten  Artikel Brentanos"  zerrupfte
       Marx das eigentliche Gewebe dieser Lügenmär, die in der Kette der
       Verleumdungen wieder einmal fällig gewesen war.
       Eine Reihe  von Dokumenten, die im vorliegenden Band Aufnahme ge-
       funden hat,  gibt ein Bild von der großen systematischen und tag-
       täglichen Arbeit,  die Marx  und Engels bei der Anleitung der na-
       tionalen Organisationen  der Internationale  geleistet haben. Als
       korrespondierende Sekretäre  des Generalrats  für mehrere  Länder
       waren Marx und Engels die Urheber zahlreicher offizieller Schrei-
       ben und  Dokumente an  Sektionen und einzelne Funktionäre der In-
       ternationale. In  offiziellen Schreiben (siehe Karl Marx: "An die
       streikenden Bergarbeiter  im Ruhrtal"  und Friedrich  Engels: "An
       den spanischen Föderalrat", "An die Bürger Delegierten des spani-
       schen Landeskongresses  in Saragossa",  "An  die  Arbeitergesell-
       schaft von Ferrara", "An das Komitee für die Befreiung der arbei-
       tenden Klassen  in Parma"  u.a.) erläuterten  Marx und Engels die
       organisatorische Struktur der Internationale und propagierten de-
       ren Beschlüsse.
       Der wichtigste  Teil der  ideologischen und organisatorischen Ar-
       beit, die  Marx und  Engels in  der Internationale leisteten, war
       ihr publizistisches  Wirken zur  Erziehung und Zusammenschweißung
       der revolutionären  Kräfte in  der internationalen  Arbeiterbewe-
       gung. Die Dokumente und Artikel von Marx und Engels erschienen im
       "Volksstaat" sowie  in der  deutschsprachigen  "Arbeiter-Zeitung"
       (USA), in  den englischen  Blättern "Eastern  Post" und "Interna-
       tional Herald",  in der  spanischen "Emancipacion",  im portugie-
       sischen "Pensamento Social", in den italienischen Zeitungen "Ple-
       be" und "Gazzettino Rosa" und anderwärts.
       
       #XVIII# Vorwort
       -----
       Von großer  Bedeutung für  die  Herausbildung  der  italienischen
       Arbeiterbewegung war  Engels' ständige  Mitarbeit an der soziali-
       stischen Zeitung  "Plebe" während  des Jahres  1872. Engels' Bei-
       träge über den Streik der englischen Landarbeiter, über die Reden
       irischer Mitglieder  der Internationale zur Verteidigung der ver-
       hafteten Fenier,  über die  Lage in Spanien und andere, die unter
       dem gemeinsamen  Titel "Briefe  aus London" (siehe vorl. Band, S.
       74-76, 177/178  und 188-193)  veröffentlicht wurden,  machten die
       italienischen Arbeiter  mit der  Arbeiterbewegung anderer  Länder
       vertraut und  förderten die Festigung der internationalen Verbin-
       dungen der  Arbeiterklasse Italiens,  die Ausmerzung des anarchi-
       stischen Einflusses.
       Einen wichtigen Abschnitt des Bandes bilden die Dokumente und Ar-
       tikel, die mit dem Haager Kongreß der Internationalen Arbeiteras-
       soziation zusammenhängen. Während des Sommers 1872 leisteten Marx
       und Engels  eine kolossale  Arbeit zur  Vorbereitung des nächsten
       Kongresses der Internationale, auf dem die Frage des Kampfs gegen
       die Bakunisten endgültig entschieden werden sollte. Auf Vorschlag
       Marx' und  Engels' wurde die Tagesordnung angenommen und der Kon-
       greß  nach   Den  Haag   einberufen  (siehe   Friedrich   Engels:
       "Beschlüsse des  Generalrats der Internationalen Arbeiterassozia-
       tion vom 18. Juni 1872").
       Der Haager  Kongreß vom 2. bis zum 7. September 1872 wurde ebenso
       wie die  Londoner Konferenz  von 1871  zu einer  höchst wichtigen
       Etappe in Marx' und Engels' Kampf für die ideologischen und orga-
       nisatorischen Grundlagen  der proletarischen  Partei. Dieser Kon-
       greß der  Internationale, der unter Marx' und Engels' unmittelba-
       rer Leitung und ihrer aktivsten Teilnahme verlief/bedeutete einen
       großen Sieg  des Marxismus über die kleinbürgerliche Weltanschau-
       ung der  Anarchisten. Im  Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Kon-
       gresses standen zwei miteinander unlöslich verknüpfte Fragen: Die
       Grundidee des  wissenschaftlichen Kommunismus,  die Diktatur  des
       Proletariats als  Werkzeug und Mittel zum Aufbau der klassenlosen
       Gesellschaft, wurde  offen als  programmatischer Leitsatz der In-
       ternationale anerkannt,  und die  Bildung  politischer,  von  der
       Bourgeoisie unabhängiger  Massenparteien des  Proletariats  wurde
       als leitendes Prinzip für die Entwicklung der internationalen Ar-
       beiterbewegung proklamiert.  Die Entscheidung  dieser Fragen fand
       in den Kongreßresolutionen ihre Widerspiegelung.
       Marx erstattete  auf dem  Kongreß im  Namen des  Generalrats  den
       Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Internationale (siehe
       vorl. Band,  S. 129-137);  dieser Bericht analysierte tiefgründig
       die Situation, in der die
       
       #XIX# Vorwort
       -----
       Internationale nach  der Pariser  Kommune gewirkt  hatte, und die
       qualitativen Veränderungen,  die in der Arbeiterbewegung vor sich
       gegangen waren.
       Da Marx  und Engels  der Erläuterung ihrer Ansichten große Bedeu-
       tung beimaßen  und den Zusammenschluß der revolutionären proleta-
       rischen Kräfte  sowie die  Isolierung der Anarchisten anstrebten,
       sprachen sie  auf dem  Kongreß zu  fast allen Fragen, die zur De-
       batte standen.  Die in  den Beilagen  publizierten Aufzeichnungen
       einiger Reden  von Marx und Engels veranschaulichen ihren beharr-
       lichen Kampf  für die Festigung der politischen und organisatori-
       schen Prinzipien  der Internationale  und für deren Säuberung von
       kleinbürgerlichen Elementen.
       Im vorliegenden  Band gelangen  die Resolutionen  des Haager Kon-
       gresses zum  Abdruck. Sie wurden größtenteils von Marx und Engels
       verfaßt; die  übrigen beruhten  auf Anträgen, die Marx und Engels
       bei der  Vorbereitung des  Kongresses auf den Sitzungen des Gene-
       ralrats gestellt  hatten. Im  Auftrag des  Kongresses redigierten
       Marx und Engels sämtliche Resolutionen und machten sie druckreif.
       Von großer  Bedeutung war es, daß in die Allgemeinen Statuten der
       Internationale der Hauptinhalt einer Resolution der Londoner Kon-
       ferenz von  1871 über  die politische  Wirksamkeit der  Arbeiter-
       klasse (siehe  vorl. Band,  S. 149) und in die Verwaltungsverord-
       nungen die Artikel über die Erweiterung der Vollmachten des Gene-
       ralrats aufgenommen  wurden. Das  Fazit des  Kampfes von Marx und
       Engels und ihren Anhängern gegen die Anarchisten wurde in der Re-
       solution über den Ausschluß der Bakunistenführer aus der Interna-
       tionale gezogen.  Auf Antrag  von Marx und Engels, welche von der
       realen historischen  Lage ausgingen, die sich in Europa zu Beginn
       der siebziger  Jahre herausgebildet  hatte, wurde eine Resolution
       über die Verlegung des Sitzes des Generalrats nach New York ange-
       nommen (siehe  vorl. Band,  S. 157).  Die Rede  von Engels (siehe
       vorl. Band, S. 688/689) enthält die Begründung dieses Antrags.
       In ihrer  Gesamtheit waren  die Kongreßbeschlüsse richtungweisend
       für die  Aufgaben und Perspektiven der Arbeiterbewegung unter den
       neuen historischen  Bedingungen. Sie legten das Fundament für die
       baldige Bildung  proletarischer Massenparteien  im Rahmen der Na-
       tionalstaaten.
       In unmittelbarem  Zusammenhang mit den Dokumenten des Haager Kon-
       gresses steht  eine große  Reihe Artikel, die Marx und Engels zur
       Propagierung seiner  wichtigsten Beschlüsse  in der Arbeiterbewe-
       gung verfaßten.  Zu ihnen  gehören Marx'  Rede über das Fazit des
       Kongresses auf  einer Kundgebung  der Internationale in Amsterdam
       ("Rede über  den Haager  Kongreß"), Engels'  Artikel "Der  Haager
       Kongreß (Brief  an Bignami)"  und "Nochmals  über den Haager Kon-
       greß" ("Briefe aus London · II"), publiziert
       
       #XX# Vorwort
       -----
       in der  italienischen Zeitung  "Plebe". In  dem  Presseorgan  der
       Neuen Madrider Föderation, der "Emancipacion", erschien der Arti-
       kel "Die  imperativen Mandate auf dem Haager Kongreß", in dem En-
       gels, während  er das Treiben der bakunistischen Kongreßdelegier-
       ten in Den Haag enthüllte, abermals zeigte, daß die pseudorevolu-
       tionären Phrasen  von Autonomie,  freier Föderation der Gemeinden
       und dergleichen mehr zwangsläufig den Zerfall der Arbeiterorgani-
       sationen herbeiführen.
       Das Fazit  des Kampfs  gegen die Bakunisten zogen Marx und Engels
       in dem  Bericht an alle Mitglieder der Internationale, den sie im
       Auftrag des  Kongresses verfaßten  und der  1873 unter  dem Titel
       "L'Alliance de la Démocratie Socialiste et l'Association Interna-
       tionale des Travailleurs" (siehe "Ein Komplott gegen die Interna-
       tionale Arbeiterassoziation"  im vorl.  Band) erschien. Diese Ar-
       beit, die  auf einer Menge konkret-historischer Tatsachen beruht,
       diente der  Aufgabe, die  Bakunisten in  der Internationale  end-
       gültig zu schlagen. In der Arbeit wurde an Hand zahlreicher Doku-
       mente, die  zum Teil  von den  Bakunisten selber herrühren, klipp
       und klar  bewiesen, daß innerhalb der Internationale eine Geheim-
       organisation der Anarchisten, die Allianz der sozialistischen De-
       mokratie, existierte,  und es  wurde der  direkte Gegensatz ihrer
       organisatorischen und  ideologischen Prinzipien zu den Zielen und
       den Aufgaben der Arbeiterbewegung aufgedeckt. In diesem Werk ver-
       folgten Marx  und Engels  die Zersetzungstätigkeit der Bakunisten
       in den  europäischen Ländern  und  enthüllten  den  unmittelbaren
       Zusammenhang ihres  desorganisierenden Treibens innerhalb der As-
       soziation mit  den Attacken  von außen  her, von Seiten der Reak-
       tion. Marx  und Engels zeigten, welch großen Schaden die anarchi-
       stischen Sektierer  der Arbeiterbewegung  zufügen. In dem Kapitel
       "Die Allianz in Rußland" brachten Marx und Engels das Treiben der
       Agenten Bakunins  in Rußland ans Tageslicht und unterzogen es ei-
       ner strengen  Beurteilung: Es wurden die Methoden des Betrugs und
       der Lüge,  deren sich  Netschajew, ein  Vertrauter Bakunins,  be-
       diente, bloßgelegt und gezeigt, welchen Schaden Bakunins und Net-
       schajews Abenteurerei  der russischen revolutionären Bewegung zu-
       gefügt hatte.
       Nachdem Marx  und Engels  die Enthüllung des subversiven Treibens
       der Bakunisten  und den Ausschluß ihrer Anführer aus der Interna-
       tionale durchgesetzt  hatten, führten sie weiterhin gegen die Ba-
       kunisten den  theoretischen Kampf in solchen Grundfragen des Mar-
       xismus wie  der politischen Machtergreifung durch das Proletariat
       und der Rolle der Diktatur des Proletariats.
       In der  Arbeit "Der  politische Indifferentismus"  enthüllte Marx
       die ganze theoretische Haltlosigkeit und politische Schädlichkeit
       der von den
       
       #XXI# Vorwort
       -----
       Bakunisten gepredigten  proudhonistischen Doktrin  des  Verzichts
       der Arbeiterklasse  auf den politischen Kampf und der anarchisti-
       schen Idee  einer unverzüglichen  "Abschaffung  des  Staats";  er
       legte dar, daß diese Ideen in Wirklichkeit die Arbeiter gegenüber
       der kapitalistischen Gesellschaft entwaffnen und sie zu der Rolle
       gehorsamer Diener verdammen. Bei der Kritik an diesen anarchisti-
       schen Anschauungen  begründet Marx  die historische Notwendigkeit
       der revolutionären Diktatur des Proletariats.
       Als Lenin  unmittelbar vor  der Großen  Sozialistischen  Oktober-
       revolution die  Frage des Staats, der Revolution und der Diktatur
       des Proletariats  durcharbeitete und  die  revisionistische  Ver-
       fälschung der  Marxschen Lehre  bloßlegte, erschloß  er den theo-
       retischen Gehalt und die historische Bedeutung des Auftretens von
       Marx und  Engels gegen  die Anarchisten in diesen Fragen. "Marx",
       schrieb W.I.  Lenin, "betont  absichtlich -  um einer Entstellung
       des wahren  Sinnes seines  Kampfes gegen  den Anarchismus  vorzu-
       beugen - die 'revolutionäre und vorübergehende Form' des Staates,
       den das Proletariat braucht." (W.I. Lenin, Werke, Band 25, Berlin
       1960, S. 449.)
       Eine tiefgründige  Kritik an den Anschauungen der sogenannten An-
       tiautoritarier und  eine Begründung  der marxistischen  Ansichten
       über das  Verhältnis der  proletarischen Revolution zum Staat ist
       in Engels'  Arbeit "Von  der Autorität"  dargelegt, die  Lenin im
       Kampf gegen  den Opportunismus breit auswertete. Engels enthüllte
       das unwissenschaftliche und revolutionsfeindliche Wesen der anar-
       chistischen Idee  einer "Abschaffung  des Staats"  noch  vor  dem
       Zeitpunkt, da  die sozialen Verhältnisse abgeschafft sein werden,
       die ihn  hervorgebracht haben.  Er kritisierte aufs schärfste die
       verworrenen und  rückständigen Ansichten der Anarchisten, die zur
       Vernichtung jedweder  Autorität aufforderten.  "Eine Revolution",
       schrieb Engels,  "ist gewiß  das autoritärste  Ding, das es gibt;
       sie ist  der Akt,  durch den ein Teil der Bevölkerung dem anderen
       Teil seinen  Willen vermittelst Gewehren, Bajonetten und Kanonen,
       also mit  denkbar autoritärsten  Mitteln aufzwingt; und die sieg-
       reiche Partei  muß, wenn  sie nicht  umsonst gekämpft haben will,
       dieser Herrschaft  Dauer verleihen  durch den Schrecken, den ihre
       Waffen den Reaktionären einflößen...
       Also von  zwei Dingen  eins: Entweder wissen die Antiautoritarier
       nicht, was sie sagen, und in diesem Falle säen sie nur Konfusion;
       oder sie  wissen es,  und in  diesem Falle üben sie Verrat an der
       Bewegung des  Proletariats. In dem einen wie in dem anderen Falle
       dienen sie der Reaktion." (Siehe vorl. Band, S. 308.)
       Bei der  Analyse dieser Arbeit von Engels hob W.I. Lenin den gan-
       zen prinzipiellen Unterschied zwischen der Kritik am Anarchismus,
       die Marx
       
       #XXII# Vorwort
       -----
       und Engels geübt hatten, und jener Kritik hervor, mit deren Hilfe
       die Revisionisten aus der II. Internationale ihren Verrat am Mar-
       xismus, ihr  Bestreben tarnten,  das Klassenwesen  des Bourgeois-
       staats zu vertuschen und dessen Existenz zu verewigen. "Die Sozi-
       aldemokraten, die Schüler von Engels sein wollen", schrieb Lenin,
       "haben sich  seit 1873  millionenmal mit den Anarchisten herumge-
       stritten, aber  eben nicht  so, wie Marxisten streiten können und
       sollen. Die  anarchistische Vorstellung  von der  Abschaffung des
       Staates ist  konfus und  unrevolutionär -  so stellte  Engels die
       Frage." (W.I. Lenin, Werke, Band 25, Berlin 1960, S. 452.)
       In seiner  bedeutenden Schrift "Die Bakunisten an der Arbeit" er-
       gänzte Engels  die kritische  Analyse der  fehlerhaften theoreti-
       schen Doktrinen der Anarchisten durch eine nicht weniger profunde
       Kritik an ihrer abenteuerlichen Taktik. Er schrieb seinen Artikel
       anläßlich des  völligen Scheiterns  der Versuche  der Bakunisten,
       ihre Doktrinen  während der  spanischen bürgerlich-demokratischen
       Revolution von  1873 in  die Tat  umzusetzen. Der Artikel ist ein
       Muster streng  wissenschaftlichen Herangehens  an die  Bestimmung
       der Aufgaben  für die  Arbeiterklasse, unter Berücksichtigung der
       konkret-historischen Besonderheiten  der Entwicklung  des Landes,
       der politischen  und ökonomischen  Verhältnisse, die  sich in ihm
       herausgebildet haben,  und des Entwicklungsstandes des Proletari-
       ats selbst.  Engels' Artikel  "Die Bakunisten  an der Arbeit" war
       ein wichtiger  Beitrag zur  Ausarbeitung der  marxistischen Lehre
       von der  Taktik des Proletariats in der bürgerlich-demokratischen
       Revolution, von dem bewaffneten Aufstand als einer Kunst, von der
       Ausnutzung der  revolutionären Macht  durch das  Proletariat, von
       der Ergänzung  der revolutionären Aktionen der Massen "von unten"
       durch die  Aktionen der  revolutionären Regierung "von oben". En-
       gels weist  darauf hin,  daß die Taktik des Proletariats in einem
       sozialökonomisch so  rückständigen Land wie Spanien vor allem von
       der Notwendigkeit bestimmt wird, die bürgerlich-demokratische Re-
       volution zu Ende zu führen. Die Ignorierung der Aufgaben der bür-
       gerlich-demokratischen Revolution  durch die  Bakunisten  bildet,
       wie Engels feststellt, eine der fehlerhaftesten Seiten ihrer Tak-
       tik. Engels  deckt auf,  wie die Bakunisten, denen damals ein be-
       deutender Teil des spanischen Proletariats folgte, sich bemühten,
       ihre Doktrinen zu verwirklichen, und wie sie in der Praxis unwei-
       gerlich,  trotz  all  ihrer  "ultrarevolutionären  Phrasen",  ins
       Schlepptau der  Bourgeoisie geraten  mußten. "Die  Bakunisten  in
       Spanien", sagt Engels abschließend, "haben uns ein unübertreffli-
       ches Muster davon geliefert, wie man eine Revolution nicht machen
       muß." (Siehe vorl. Band, S. 493.)
       
       #XXIII# Vorwort
       -----
       Ein Teil  der im  vorliegenden  Band  veröffentlichten  Dokumente
       steht in  Zusammenhang mit  Marx' und Engels' unmittelbarer Teil-
       nahme an  der englischen  Arbeiterbewegung in  diesen Jahren. Die
       Haltung der  Internationale, die sich mit der Pariser Kommune of-
       fen solidarisierte, sowie die Entschließungen der Londoner Konfe-
       renz von  1871 führten  zum endgültigen Bruch des Generalrats der
       Internationale  mit  den  opportunistischen  Führern  bedeutender
       Trade-Unions. Zu  einem Stützpunkt im Kampf um die breiten Massen
       der englischen  Arbeiterklasse wurde  in den Jahren 1871 bis 1873
       für Marx und Engels der Britische Föderalrat, der im Oktober 1871
       auf Beschluß  der Londoner  Konferenz gegründet  worden war.  Der
       Kampf gegen  die Opportunisten, für den Britischen Föderalrat war
       ein Teil  ihres Kampfs  für die  Verstärkung  der  revolutionären
       Richtung in  der englischen Arbeiterbewegung, gegen den liberalen
       Trade-Unionismus. Marx  und Engels halfen dem Britischen Rat, die
       Verbindungen mit den Arbeitermassen zu festigen, sie propagierten
       durch seine Mitglieder die Ideen des wissenschaftlichen Kommunis-
       mus, sie  leiteten den  Kampf gegen die reformistischen Elemente,
       die in den Rat eingedrungen waren.
       Auf jede Weise trugen Marx und Engels dazu bei, die junge irische
       Arbeiterbewegung in  die Internationale  einzureihen. Sie  unter-
       stützten die Idee der Schaffung einer selbständigen irischen Mas-
       senorganisation der Internationale, die sie als die Grundlage für
       die künftige Bildung einer von den bürgerlichen Nationalisten un-
       abhängigen irischen  Arbeiterpartei betrachteten.  Beharrlich und
       folgerichtig kämpften Marx und Engels für die Überwindung der von
       der englischen  Bourgeoisie künstlich geschürten Feindschaft zwi-
       schen englischen  und irischen  Arbeitern, und  gegen die von den
       englischen reformistischen  Führern gepredigten  chauvinistischen
       Anschauungen. Dieser  Kampf von Marx und Engels für die Erziehung
       der englischen  Arbeiter im Geiste des proletarischen Internatio-
       nalismus spiegelt  sich wider in der zum erstenmal veröffentlich-
       ten großen  Rede von  Engels auf  der Sitzung des Generalrats der
       Internationale vom 14. Mai 1872. Engels' Rede während der Diskus-
       sion "Über  die Beziehungen  zwischen den  irischen Sektionen und
       dem Britischen  Föderalrat" ist  ein glänzendes  Beispiel für die
       Bloßstellung des  Großmacht-Chauvinismus und für die Verteidigung
       der Prinzipien  des proletarischen Internationalismus. "Wenn Mit-
       glieder der  Internationale, die  einer erobernden Nation angehö-
       ren", so konstatierte Engels, "die Nation, die erobert worden ist
       und weiterhin  unterdrückt wird,  aufforderten, ihre  spezifische
       Nationalität und Lage zu vergessen, 'nationale Differenzen beizu-
       legen' usf.,  so wäre das kein Internationalismus, sondern nichts
       weiter, als ihnen Unterwerfung unter
       
       #XXIV# Vorwort
       -----
       das Joch  zu predigen, und ein Versuch, die Herrschaft des Erobe-
       rers unter dem Deckmantel des Internationalismus zu rechtfertigen
       und zu verewigen...
       In einem  Falle wie  dem der  Iren muß  wahrer Internationalismus
       notwendigerweise auf  einer selbständigen nationalen Organisation
       begründet sein." (Siehe vorl. Band, S. 80.)
       Engels stützt sich in seiner Rede auf den wichtigen theoretischen
       Leitsatz des  wissenschaftlichen Kommunismus  von der unlöslichen
       Verbundenheit des  Befreiungskampfs  der  Arbeiterklasse  in  den
       "Mutterländern" mit  der nationalen  Befreiungsbewegung  der  un-
       terdrückten Völker.
       Marx' und  Engels' unermüdliches Wirken in der Internationale zur
       Erziehung der  englischen und der irischen Arbeiter im Geiste des
       proletarischen Internationalismus  zeitigte seine Früchte. In ei-
       nem Artikel,  der im  November 1872  in der italienischen Zeitung
       "Plebe" erschien  und von  einer gemeinsamen  Kundgebung der iri-
       schen und  der englischen Mitglieder der Internationale handelte,
       die die  Freilassung der  irischen politischen Gefangenen forder-
       ten, konnte Engels erklären: "Es ist das erste Mal, daß sich eng-
       lische  und   irische  Elemente   unserer  Bevölkerung   herzlich
       zusammenschlössen. Diese  zwei Elemente der Arbeiterklasse, deren
       gegenseitige Feindschaft  vorzüglich den Interessen der Regierung
       und der  reichen Klassen diente, reichen sich nun die Hand; diese
       erfreuliche Tatsache  verdanken wir vor allem dem Einfluß des vo-
       rigen Generalrats  der Internationale,  der stets  alle seine An-
       strengungen darauf  gerichtet hatte, das Bündnis zwischen den Ar-
       beitern der beiden Nationen auf der Grundlage einer vollständigen
       Gleichheit vorzubereiten." (Siehe vorl. Band, S. 189/190.)
       Die in die Statuten der Internationale aufgenommene Entschließung
       des Haager Kongresses über die Gründung unabhängiger Arbeiterpar-
       teien versetzte  den opportunistischen  Elementen einen  schweren
       Schlag. Im  Zusammenhang hiermit verschärfte sich der Kampf gegen
       die reformistischen Elemente, die im Dezember 1872 den Britischen
       Föderalrat spalteten.  Eine Reihe Dokumente, verfaßt von Marx und
       Engels, widerspiegelt  ihren Kampf zum Zusammenschluß der revolu-
       tionären Kräfte  in der Britischen Föderation. Die einschlägigen,
       von Marx  im Namen  des Rats verfaßten Schriftstücke "Adresse des
       Britischen Föderalrats  an die Sektionen, Zweige, angeschlossenen
       Gesellschaften und Mitglieder" und "Antwort auf das neue Zirkular
       der angeblichen  Majorität des  Britischen Föderalrats" sowie der
       von Engels  herrührende Appell "Die Manchester Foreign Section an
       alle Sektionen und Mitglieder der Britischen Föderation" enthüll-
       ten die  Machenschaften der  aus der Internationale verjagten Re-
       formisten. Marx
       
       #XXV# Vorwort
       -----
       und Engels  förderten die Verankerung des Siegs über die Reformi-
       sten auf  dem Kongreß  der englischen Sektionen, der im Juni 1873
       in Manchester  stattfand. Mit ihrer Hilfe eroberte die Vorhut des
       englischen Proletariats  die Ausgangsstellungen  für den weiteren
       Kampf zur  Verbreitung der  Theorie des wissenschaftlichen Kommu-
       nismus in  der englischen  Arbeiterbewegung (siehe  vorl. Band S.
       472/473).
       Mit aller  gebührenden Anerkennung für die Erfolge der revolutio-
       nären Richtung  in der  englischen Arbeiterbewegung  deckten Marx
       und Engels  zugleich die allgemeine Entwicklungstendenz der Bewe-
       gung auf,  die durch Englands sozialökonomische Lage bedingt war.
       Eine profunde Analyse der sozialen Quellen des Opportunismus, der
       sich in der Führung der Arbeiterklasse Englands zeitweilig einni-
       stete, enthält Engels' Artikel "Die englischen Wahlen", den er im
       Februar 1874 verfaßte. Es gibt, schrieb Engels, "in England keine
       besondere politische  Arbeiterpartei  mehr...  Es  ist  dies  er-
       klärlich in  einem Lande, wo die Arbeiterklasse mehr als anderswo
       an den  Vorteilen der  ungeheuren Ausdehnung der großen Industrie
       teilgenommen hat,  wie dies  in dem  den Weltmarkt beherrschenden
       England nicht anders sein konnte" (siehe vorl. Band, S. 496). En-
       gels stellte fest, daß in letzter Zeit die englischen Arbeiter in
       ihrer Masse  am politischen Kampf teilnehmen "fast nur als äußer-
       ster linker  Flügel der  'großen liberalen  Partei'". Er betonte,
       daß dem  englischen Proletariat  die unaufschiebbare  Aufgabe ge-
       stellt ist,  eine starke,  selbständige Arbeiterpartei zu organi-
       sieren.
       Der Haager  Kongreß war  faktisch der letzte Kongreß der Interna-
       tionale. Die  neue Lage  und die  spezifischen Besonderheiten der
       Arbeiterbewegung in  den verschiedenen  Ländern erforderten  neue
       Formen der  Organisation der  Arbeiterklasse. Die  Internationale
       Arbeiterassoziation als die organisierte Form des Zusammenschlus-
       ses der  Kampfkräfte des Proletariats hatte aufgehört, der in die
       Breite wachsenden  internationalen Arbeiterbewegung  zu  entspre-
       chen. Das Leben machte zur wichtigsten Aufgabe in jedem Lande die
       Bildung und Festigung proletarischer Parteien, für deren Gründung
       die Internationale  Arbeiterassoziation die  Voraussetzungen  ge-
       schaffen hatte.
       Die fortgesetzte  Offensive der Reaktion in den europäischen Län-
       dern, die  zeitweilige Unterordnung  der englischen Arbeiterbewe-
       gung unter die Politik der liberalen Bourgeoisie und die desorga-
       nisierenden Machenschaften der Bakunisten, denen es gelungen war,
       von der  Internationalen Arbeiterassoziation einen Teil der Orga-
       nisation abzuspalten, - all das machte ein aktives Wirken der In-
       ternationale in ihrer früheren Form gleichfalls unmöglich.
       
       #XXVI# Vorwort
       -----
       Eine doktrinäre  Behandlung des  Problems der Organisationsformen
       der Bewegung  der Arbeiterklasse  lag Marx und Engels stets fern.
       Ihnen war  klar geworden,  daß die Internationale als Organisati-
       onsform sich historisch überlebt und ihre Möglichkeiten erschöpft
       hatte.
       Diese tiefreichende  und nüchterne  Analyse der Verhältnisse, die
       sich herausgebildet  hatten, spiegelt  sich in  Marx' und Engels'
       Briefen an  ihre Mitkämpfer  in den  Jahren 1873/1874 wider. Ihre
       Briefe an Sorge, Bebel, Liebknecht und andere enthalten nicht nur
       eine Situationsanalyse,  sondern weisen  auch die Wege zur Schaf-
       fung neuer  Organisationsformen, die den Aufgaben der Arbeiterbe-
       wegung in  ihrer neuen  Entwicklungsphase entsprechen. Den Gedan-
       ken, daß  es notwendig sei, sich von den entstandenen Organisati-
       onsformen der  Internationale loszusagen,  äußert Marx  in  einem
       Brief an  Sorge vom 27. September 1873, in dem er hervorhebt, daß
       der Verzicht  auf eine  solche Organisationsform wie die Interna-
       tionale keinen  Abbruch des internationalen proletarischen Zusam-
       menwirkens bedeutet. Engels resümierte die Tätigkeit der Interna-
       tionale in  seinem Brief  an Sorge vom 12.bis 17. September 1874:
       "... die alte Internationale ist vollständig abgeschlossen und zu
       Ende... in  ihrer alten  Form hat sie sich überlebt " ; die künf-
       tige Internationale,  sagt Engels  voraus, wird  ein Bündnis  der
       proletarischen Parteien aller Länder sein. Engels spricht die fe-
       ste Zuversicht  aus, daß  die Zeit kommen werde, wo eine kommuni-
       stische Internationale geschaffen sein wird, die vorbehaltlos auf
       den Prinzipien des Marxismus gegründet ist.
       Die Internationale  Arbeiterassoziation hatte bei der Entwicklung
       der internationalen  Arbeiterbewegung eine sehr bedeutende histo-
       rische Rolle  gespielt. Zum erstenmal in der Geschichte hatte die
       Arbeiterklasse die Möglichkeit, die Kraft ihrer organisierten Ak-
       tionen im  Kampf gegen die Klasse der Kapitalisten zu fühlen. Un-
       ter der  Führung von  Marx und  Engels wurde in zähem Kampf allen
       Formen des  vormarxschen, des nichtproletarischen Sozialismus ein
       vernichtender  Schlag   versetzt.  Die  Internationale  war  eine
       Schule, in  der sich  die Vorhut des internationalen Proletariats
       die Ideen  des wissenschaftlichen Kommunismus zu eigen machte, in
       der sie proletarischen Internationalismus lernte. In der Interna-
       tionale erzogen Marx und Engels die proletarischen Kader, die zur
       künftigen Gründung  nationaler Arbeiterparteien  notwendig waren.
       Die I.  Internationale legte  unter Marx' und Engels' Führung das
       Fundament des  proletarischen internationalen Kampfes für den So-
       zialismus. W.I.  Lenin  stellte  fest,  daß  "die  Tätigkeit  der
       I.Internationale der  Arbeiterbewegung aller Länder große Dienste
       erwies  und  bleibende  Spuren  hinterließ"  (W.I.  Lenin,  "Über
       Deutschland und  die deutsche  Arbeiterbewegung", Berlin 1960, S.
       163).
       
       #XXVII# Vorwort
       -----
       In ihrer  unermüdlichen Tätigkeit bei der Leitung der internatio-
       nalen Arbeiterbewegung  richteten die Begründer des Marxismus ihr
       besonderes Augenmerk  auf die  deutsche  Arbeiterklasse,  da  sie
       meinten, ihr  werde in  nächster Zeit  die Rolle  der Vorhut  des
       Weltproletariats zufallen.  Diese Rolle  bestimmten sie vor allem
       danach, daß es in Deutschland die erste marxistische Massenpartei
       im nationalen  Maßstab gab.  Marx und Engels standen in dauerndem
       Kontakt mit den Führern der deutschen Sozialdemokratischen Arbei-
       terpartei, mit  Bebel, Liebknecht  und anderen; sie halfen ihnen,
       die Fehler opportunistischer und versöhnlerischer Art zu überwin-
       den. Die  Sozialdemokratische  Arbeiterpartei  diente  ihnen  als
       Rückhalt im  Kampfe für  den  Zusammenschluß  der  revolutionären
       Kräfte des internationalen Proletariats.
       In diesem  Band werden zahlreiche Artikel veröffentlicht, die En-
       gels eigens  für das  Zentralorgan der deutschen Sozialdemokrati-
       schen Arbeiterpartei,  den "Volksstaat", verfaßte. Zu dieser Zeit
       zeichnet sich  immer deutlicher jene Arbeitsteilung zwischen Marx
       und Engels  ab, von  der Engels  selber schrieb: "... es fiel mir
       zu, unsere  Ansichten in der periodischen Presse, also namentlich
       im Kampf mit gegnerischen Ansichten, zu vertreten, damit Marx für
       die Ausarbeitung  seines großen  Hauptwerks Zeit  behielt" (siehe
       vorl. Band,  S. 649).  Gerade im  "Volksstaat" erschienen zum er-
       stenmal die von Engels 1872-1875 verfaßten glänzenden publizisti-
       schen Werke ("Zur Wohnungsfrage", "Die Bakunisten an der Arbeit",
       "Flüchtlingsliteratur" und andere).
       Der Band enthält die 1874 geschriebene Ergänzung des 1870 verfaß-
       ten Vorworts  zu "Der deutsche Bauernkrieg", die äußerst wichtige
       Bemerkungen von Engels aufweist über die Bedeutung der Theorie in
       der sozialistischen  Bewegung und  in der Arbeiterbewegung allge-
       mein. Diese  Bemerkungen charakterisierte  W.I. Lenin als "Worte,
       die er  (Engels) der praktisch und politisch erstarkten deutschen
       Arbeiterbewegung mit  auf den  Weg gibt..."  (W.I. Lenin,  Werke,
       Band 5,  Berlin 1955,  S. 381). Engels formuliert hier den tiefen
       Gedanken, daß  die proletarische  Partei ihre historische Aufgabe
       nur lösen kann, wenn sie mit einer revolutionären Theorie gewapp-
       net ist.  Er sieht eine Verpflichtung für die Parteiführer, stän-
       dig die  Theorie zu  studieren, den  kleinbürgerlichen Einfluß zu
       überwinden; "...  der Sozialismus  ", schrieb Engels, "seitdem er
       eine Wissenschaft geworden", will "auch wie eine Wissenschaft be-
       trieben, d.h.  studiert werden... Es wird darauf ankommen, die so
       gewonnene, immer  mehr geklärte Einsicht unter den Arbeitermassen
       mit gesteigertem Eifer zu verbreiten, die Organisation der Partei
       wie der Gewerksgenossenschaften immer fester zusammenzuschließen"
       
       #XXVIII# Vorwort
       -----
       (siehe vorl. Band, S. 517). Besonders vermerkt Engels die Notwen-
       digkeit, die Massen im Geiste des proletarischen Internationalis-
       mus zu erziehen.
       Die Ergänzung zu jenem Vorwort enthält wichtige theoretische Hin-
       weise auf  den Charakter, die Aufgaben und Formen des Kampfes der
       Arbeiterklasse und ihrer Partei. Engels bestimmt die drei mitein-
       ander unlöslich  verbundenen Richtungen,  in denen  der Kampf der
       Arbeiterklasse geführt werden muß: auf dem theoretischen, dem po-
       litischen und  dem praktisch-ökonomischen  Gebiete  (siehe  vorl.
       Band, S.  516/517). Zur erstrangigen Aufgabe der deutschen Arbei-
       terpartei erklären  Marx und  Engels die Gewinnung breiter Massen
       der Werktätigen  und im  Zusammenhang hiermit  die Notwendigkeit,
       den Einfluß  des lassalleanischen  Sektierertums  vollständig  zu
       überwinden.
       Während sie für die Überwindung der Spaltung in der deutschen Ar-
       beiterbewegung und  für den Zusammenschluß der Sozialisten zu ei-
       ner  einheitlichen   Partei  eintraten,  hoben  Marx  und  Engels
       zugleich hervor,  daß der  Zusammenschluß nur  auf  prinzipieller
       Grundlage erfolgen dürfe, ohne die geringsten ideologischen Zuge-
       ständnisse an das Lassalleanertum, dessen kleinbürgerliches Wesen
       sie weiterhin  enthüllten. Mit der Kritik an der Haltung der Las-
       salleaner zur Internationale, mit der Bloßstellung ihres verleum-
       derischen Auftretens  gegen den Haager Kongreß und gegen die neue
       Zusammensetzung des  Generalrats befassen  sich zwei  von  Engels
       geschriebene  Dokumente:  "Zu  den  Artikeln  im  'Neuen  Social-
       Demokrat' (Aus einem Brief an A. Hepner)" und "Die Internationale
       und der 'Neue'".
       "Das Reichs-Militärgesetz",  "Offiziöses Kriegsgeheul" und andere
       Artikel von  Engels waren wirkungsvolle Mittel, den deutschen Ar-
       beitern das reaktionäre Wesen des aggressiven, 1871 unter der He-
       gemonie Preußens  gegründeten Deutschen  Reichs klarzumachen. Als
       ein unermüdlicher  Kämpfer gegen den Militarismus entlarvt Engels
       das "deutsche  Reich preußischer  Nation" als eigentlichen Reprä-
       sentanten des  Militarismus, enthüllt  er das  feige, knechtische
       Benehmen der  deutschen Bourgeoisie  gegenüber der Regierung Bis-
       marck (siehe  den Artikel  "Die 'Krisis' in Preußen"). Engels er-
       klärt dabei,  daß das vorherrschende Prinzip der Bourgeoispolitik
       die Angst vor dem Proletariat ist.
       In der  Ergänzung des  Vorworts von 1870 zu "Der deutsche Bauern-
       krieg" und  in der  Arbeit "Zur  Wohnungsfrage" analysiert Engels
       den bonapartistischen  Charakter des  Deutschen  Reichs  und  be-
       zeichnet es  als Aufgabe eigener Art, die Deutschland durch seine
       historische Entwicklung  gestellt ist, "... seine bürgerliche Re-
       volution, die es 1808-1813 begonnen.... Ende
       
       #XXIX# Vorwort
       -----
       dieses Jahrhunderts  in der  angenehmen Form des Bonapartismus zu
       vollenden" (siehe vorl. Band, S. 513). Am Beispiel der preußisch-
       bismarckschen Variante  des Bonapartismus deckt Engels eine Reihe
       Besonderheiten der bonapartistischen Monarchie auf.
       An diese  Arbeiten von  Engels schließen  sich  die  "Varia  über
       Deutschland" an, die aus dem handschriftlichen Nachlaß veröffent-
       licht werden.  In ihnen  ist in  gedrängter Form die marxistische
       Konzeption der  deutschen Geschichte vom Ausgang des Mittelalters
       bis zum  Beginn des  19. Jahrhunderts dargelegt. Engels deckt die
       Ursachen der  historischen Zerstückelung  Deutschlands und seiner
       politischen und ökonomischen Rückständigkeit auf. Die volksfeind-
       liche Abenteurerpolitik  der herrschenden  Klassen der  deutschen
       Staaten, insbesondere  des junkerlichen Preußens, die Unfähigkeit
       der deutschen  Bourgeoisie, die Fragen des Kampfes gegen den Feu-
       dalismus revolutionär  zu entscheiden, führten dazu, daß Deutsch-
       land bis  zur Mitte des 19. Jahrhunderts keine bürgerlichen Umge-
       staltungen vollzog.
       Eine Reihe  im vorliegenden  Band wiedergegebener  Artikel zeugen
       von der  steten und  nicht nachlassenden  Aufmerksamkeit, mit der
       sich Marx und Engels zu Rußland und der russischen revolutionären
       Bewegung verhielten.  Die Begründer des wissenschaftlichen Kommu-
       nismus beobachteten  sorgsam alle  Erscheinungsformen der revolu-
       tionären  Bewegung   in  Rußland;   sie  vermerkten  jeden  ihrer
       Schritte. Ihr  Scharfblick sagte  der russischen  Revolution eine
       große Zukunft voraus.
       Viel Zeit  wandten Marx  und Engels auf, um die Wirtschaftsstruk-
       tur, die Agrarordnung und die gesellschaftlichen Verhältnisse des
       Rußlands nach  der Bauernreform zu erforschen und die Gruppierung
       der Klassen  zu studieren, die sich dort herausbildeten. Sie stu-
       dieren russische  Kultur und  die russische Sprache, die nach En-
       gels Worten  "sowohl um ihrer selbst willen, als einer der kraft-
       vollsten und reichsten lebenden Sprachen, wie wegen der durch sie
       aufgeschlossenen Literatur das Studium reichlich lohnt..." (siehe
       vorl. Band, S. 545).
       In der Artikelserie "Flüchtlingsliteratur", in der die neuen Ten-
       denzen der  demokratischen Bewegung und der Arbeiterbewegung cha-
       rakterisiert werden,  kennzeichnet Engels die entscheidenden Fak-
       toren für  das Herannahen  einer revolutionären Krise in Rußland:
       das Auftreten  der russischen  Arbeiterklasse auf der politischen
       Bühne und das unausbleibliche Anwachsen der bäuerlichen Massenbe-
       wegung als  Antwort auf  die Ausplünderung  der Bauernschaft nach
       der Abschaffung  der Leibeigenschaft. Wie Engels hervorhebt, sind
       für die  Tiefe und  Stärke der russischen revolutionären Bewegung
       "zwei sozialistische  Lessings" bezeichnend: Tschernyschewski und
       Dobroljubow,
       
       #XXX# Vorwort
       -----
       die überragenden  Vorkämpfer des revolutionären Rußlands. In die-
       sen Artikeln  offenbart sich der Glaube der Begründer des wissen-
       schaftlichen Kommunismus  an den unausbleiblichen Sieg der russi-
       schen Revolution. In der Arbeit "Flüchtlingsliteratur", Teil III,
       IV und  besonders V ("Soziales aus Rußland"), sind die Hauptrich-
       tungen der russischen Volkstümlerbewegung zu Beginn der siebziger
       Jahre kritisiert und zwar in der Person solcher Volkstümler-Ideo-
       logen wie P. Lawrow und P. Tkatschow. Engels weist die den Volks-
       tümlern eigene  idealistische, voluntaristische Geschichtsauffas-
       sung nach, ihr Unverständnis für die materialistischen Grundlagen
       der gesellschaftlichen  Entwicklung. Die  allgemeine Analyse  der
       sozialen Verhältnisse  in Rußland  nach 1861  führt Engels zu dem
       Schluß, daß  sich der  Kapitalismus in diesem Lande immer stärker
       entwickeln und  hieraus die  Zersetzung des Gemeindeeigentums auf
       dem Lande  resultieren wird.  Scharf kritisiert er die Idealisie-
       rung der  Bauerngemeinde durch  die Volkstümler,  er spottet dar-
       über, wie  sie den  engen Zusammenhang  zwischen dem zaristischen
       Absolutismus und  den materiellen  Interessen der  Gutsherren und
       der Kapitalisten ignorieren.
       Diese kritischen  Bemerkungen von  Engels waren  grundlegend  für
       jene in  der marxistischen  Literatur geübte allseitige Kritik an
       der russischen Volkstümlerei, die in den neunziger Jahren des 19.
       Jahrhunderts von Lenin vollendet wurde und ihren völligen ideolo-
       gisch-theoretischen Zusammenbruch herbeiführte.
       In unmittelbarem  Zusammenhang mit  den Aufgaben und Perspektiven
       der russischen  Revolution betrachtet  Engels auch die Fragen der
       Zukunft Polens.  In der  Arbeit "Flüchtlingsliteratur" und in den
       Reden von  Marx und Engels auf einer Kundgebung zum Jahrestag des
       polnischen Aufstands  von 1863 (siehe vorl. Band, S. 572-575) ist
       die bedeutsame Fragestellung enthalten, wieweit der Kampf der Ar-
       beiterklasse gegen  die Ausbeutergesellschaft  mit dem  Kampf der
       unterdrückten Völker  für ihre nationale Befreiung verknüpft ist.
       In der  Arbeit "Flüchtlingsliteratur"  formuliert Engels abermals
       den wichtigen  Leitsatz des  wissenschaftlichen Kommunismus: "Ein
       Volk, das  andere unterdrückt,  kann sich nicht selbst emanzipie-
       ren." (Siehe  vorl. Band,  S. 527).  Die Befreiung des polnischen
       Volkes von  der sozialen  und nationalen  Unterdrückung verbanden
       Marx und  Engels mit  dem Kampf  der russischen Volksmassen gegen
       die zaristische Selbstherrschaft.
       Die im  achtzehnten Band  enthaltenen Dokumente  und  Materialien
       charakterisieren die  Hauptrichtung der theoretischen und politi-
       schen Tätigkeit  Marx' und  Engels' von Anfang 1872 bis Mai 1875;
       sie zeigen,  wie Marx  und Engels die Grundfragen der Theorie und
       Praxis des revolutionären
       
       #XXXI# Vorwort
       -----
       Kampfes des  Proletariats im  Hinblick auf die neuen historischen
       Bedingungen  schöpferisch   ausgearbeitet  haben.  Im  Laufe  des
       Kampfes gegen den Opportunismus und das anarchistische Sektierer-
       tum lehrten  Marx und  Engels die  proletarische Vorhut, in ihrer
       Tätigkeit revolutionäre  Prinzipientreue mit nüchterner Einschät-
       zung der sich herausbildenden historischen Bedingungen zu verbin-
       den; sie wappneten die rasch anwachsende Arbeiterbewegung mit der
       Einsicht in ihre revolutionären Aufgaben und Perspektiven ...
       In den  Beilagen zu  diesem Band werden Dokumente veröffentlicht,
       an deren Abfassung oder Redaktion Marx und Engels beteiligt gewe-
       sen sind,  sowie die protokollarischen Aufzeichnungen ihrer Reden
       auf den Sitzungen des Generalrats und des Haager Kongresses; fer-
       ner Dokumente des Generalrats, die Marx' und Engels' leitende Tä-
       tigkeit in der Internationale bezeugen...
       Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der KPdSU
       
       Der vorliegende achtzehnte Band enthält gegenüber dem achtzehnten
       Band der  russischen Ausgabe als Beilagen zusätzlich folgende Ar-
       beiten von  Friedrich Engels: "Vorwort zur zweiten durchgesehenen
       Auflage 'Zur  Wohnungsfrage'", "Vorbemerkung (1894) zu 'Die Baku-
       nisten an der Arbeit. Denkschrift über den Aufstand in Spanien im
       Sommer 1873'" und "Nachwort (1894) zu 'Soziales aus Rußland'".
       Der Text  des vorliegenden  Bandes wird  nach den  Originalen ge-
       bracht. Bei  jeder Arbeit  ist die für den Abdruck oder die Über-
       setzung herangezogene Quelle vermerkt. Der größte Teil der fremd-
       sprachigen Arbeiten  wurde neu  übersetzt und  wird erstmalig  in
       deutscher Sprache  veröffentlicht. Frühere  Übersetzungen  wurden
       nochmals sorgfältig mit dem Originaltext verglichen.
       In den deutschsprachigen Texten sind Rechtschreibung und Zeichen-
       setzung, soweit  vertretbar, modernisiert; der Lautstand der Wör-
       ter ist  nicht verändert worden. Alle in eckigen Klammern stehen-
       den Titel, Wörter und Wortteile stammen von der Redaktion. Offen-
       sichtliche Druck- und Schreibfehler in Eigennamen, geographischen
       Bezeichnungen, Daten  usw. sind an Hand von Tatsachen geprüft und
       korrigiert; in  Zweifels fällen wird in Fußnoten die Schreibweise
       des Originals  angeführt. Die Wiedergabe russischer Personennamen
       erfolgt nach der Duden-Transkription, während die von
       
       #XXXII# Vorwort
       -----
       Marx und  Engels bei  russischen Buch-  und Zeitungstiteln  ange-
       wandte Transliteration  beibehalten worden  ist. Wo  sich ein von
       diesen Regeln  abweichendes Verfahren als zweckmäßig erwies, wird
       dies in  Anmerkungen oder  anderen redaktionellen  Hinweisen  er-
       klärt.
       Die von Marx und Engels angeführten Zitate wurden ebenfalls über-
       prüft, soweit  die Quellen  zur Verfügung standen. Längere Zitate
       werden zur leichteren Übersicht in kleinerem Druck gebracht.
       Im Text vorkommende fremdsprachige Zitate und fremdsprachige Wör-
       ter sind in Fußnoten übersetzt. Fußnoten von Marx und Engels wer-
       den durch  Sternchen gekennzeichnet,  Fußnoten der Redaktion sind
       durch eine  durchgehende Linie vom Text abgetrennt und durch Zif-
       fern kenntlich gemacht.
       Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
       Text durch  hochgestellte Zahlen  in eckigen Klammern hingewiesen
       wird; außerdem  sind ein Literaturverzeichnis, Daten über das Le-
       ben und  die Tätigkeit von Marx und Engels, ein Personenverzeich-
       nis, ein Verzeichnis der literarischen, biblischen und mythologi-
       schen Namen, eine Liste der geographischen Namen, ein Verzeichnis
       der Gewichte,  Maße und Münzen sowie eine Erklärung der Fremdwör-
       ter, der  fremdsprachigen und  seltenen Ausdrücke  und der  nicht
       allgemein gebräuchlichen Abkürzungen beigefügt.
       Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED

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