Quelle: MEW 20 Anti-Dühring, Dialektik der Natur

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       Grundformen der Bewegung [207]
       
       Bewegung in  dem allgemeinsten Sinn, in dem sie als Daseinsweise,
       als inhärentes Attribut der Materie gefaßt wird, begreift alle im
       Universum vorgehenden Veränderungen und Prozesse in sich, von der
       bloßen Ortsveränderung  bis zum Denken. Die Untersuchung über die
       Natur der  Bewegung mußte  selbstredend von den niedrigsten, ein-
       fachsten Formen  dieser Bewegung ausgehn und diese begreifen ler-
       nen, ehe sie in der Erklärung der höheren und verwickelten Formen
       etwas leisten  konnte. So  sehen wir,  wie in der geschichtlichen
       Entwicklung der  Naturwissenschaften die  Theorie  der  einfachen
       Ortsveränderung, die  Mechanik der  Weltkörper wie  der irdischen
       Massen, zuerst  ausgebildet wird; ihr folgt die Theorie der Mole-
       kularbewegung, die  Physik, und gleich hinter, fast neben ihr und
       stellenweise ihr  voraus, die  Wissenschaft von  der Bewegung der
       Atome, die Chemie. Erst nachdem diese verschiednen Zweige der Er-
       kenntnis der  die leblose  Natur  beherrschenden  Bewegungsformen
       einen hohen  Grad der  Ausbildung erreicht,  konnte die Erklärung
       der den  Lebensprozeß darstellenden  Bewegungsvorgänge mit Erfolg
       angefaßt werden.  Sie schritt  fort im  Verhältnis, wie Mechanik,
       Physik, Chemie  fortschritten. Während  also die  Mechanik  schon
       seit längerer Zeit imstande war, im tierischen Körper die Wirkun-
       gen der  durch Muskelzusammenziehung  in Bewegung  gesetzten Kno-
       chenhebel genügend  auf ihre auch in der unbelebten Natur gelten-
       den Gesetze  zurückzuführen, steht die physikalisch-chemische Be-
       gründung der  übrigen Lebenserscheinungen noch so ziemlich am An-
       fang ihrer  Laufbahn. Wenn  wir hier  also die Natur der Bewegung
       untersuchen, so sind wir gezwungen, die organischen Bewegungsfor-
       men aus dem Spiel zu lassen. Wir beschränken uns daher notgedrun-
       gen -  dem Stand der Wissenschaft gemäß - auf die Bewegungsformen
       der unbelebten Natur.
       Alle Bewegung  ist mit  irgendwelcher Ortsveränderung  verbunden,
       sei es nun Ortsveränderung von Weltkörpern, von irdischen Massen,
       von Molekülen,
       
       #355# Grundformen der Bewegung
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       Atomen oder  Ätherteilchen. Je höher die Bewegungsform, desto ge-
       ringer wird  diese Ortsveränderung.  Sie erschöpft  die Natur der
       betreffenden Bewegung  in keiner  Weise, aber  sie ist untrennbar
       von ihr. Sie ist also vor allen Dingen zu untersuchen.
       Die ganze  uns zugängliche Natur bildet ein System, einen Gesamt-
       zusammenhang von  Körpern, und  zwar verstehn wir hier unter Kör-
       pern alle materiellen Existenzen vom Gestirn bis zum Atom, ja bis
       zum Ätherteilchen,  soweit dessen  Existenz zugegeben. Darin, daß
       diese Körper  in einem Zusammenhang stehn, liegt schon einbegrif-
       fen, daß  sie aufeinander  einwirken, und diese ihre gegenseitige
       Einwirkung ist  eben die  Bewegung. Es zeigt sich hier schon, daß
       Materie undenkbar  ist ohne Bewegung. Und wenn uns weiter die Ma-
       terie gegenübersteht  als etwas  Gegebnes, ebensosehr Unerschaff-
       bares wie  Unzerstörbares, so folgt daraus, daß auch die Bewegung
       so unerschaffbar  wie unzerstörbar ist. Diese Folgerung wurde un-
       abweisbar, sobald  einmal das  Universum als  ein System, als ein
       Zusammenhang von Körpern erkannt war. Und da diese Erkenntnis von
       der Philosophie  gewonnen wurde, lange bevor sie in der Naturwis-
       senschaft wirksame  Geltung gewann,  so ist  es erklärlich, warum
       die Philosophie  volle 200  Jahre vor  der Naturwissenschaft  den
       Schluß auf  die Unerschaffbarkeit  und Unzerstörbarkeit der Bewe-
       gung zog.  Selbst die  Form, in  der sie es tat, ist der heutigen
       naturwissenschaftlichen Formulierung  noch immer  überlegen.  Der
       Descartessche Satz, daß die Menge der im Universum vorhandnen Be-
       wegung stets  dieselbe sei  [37], fehlt nur formell in der Anwen-
       dung eines endlichen Ausdrucks auf eine unendliche Größe. Dagegen
       gelten in  der Naturwissenschaft  jetzt zwei  Ausdrücke desselben
       Gesetzes: der Helmholtzsche von der Erhaltung der  K r a f t  und
       der neuere,  präzisere von der Erhaltung der  E n e r g i e,  wo-
       von der eine, wie wir sehn werden, das grade Gegenteil vom andern
       besagt und wovon zudem jeder nur die eine Seite des Verhältnisses
       ausspricht.
       Wenn zwei  Körper aufeinander wirken, so daß eine Ortsveränderung
       eines derselben oder beider die Folge ist, so kann diese Ortsver-
       änderung nur  bestehn in  einer Annäherung oder einer Entfernung.
       Entweder ziehen  sie einander  an, oder  sie stoßen  einander ab.
       Oder, wie sich die Mechanik ausdrückt, die zwischen ihnen wirksa-
       men Kräfte  sind zentral, wirken in der Richtung der Verbindungs-
       linie ihrer Mittelpunkte. Daß dies geschieht, stets und ausnahms-
       los im Universum geschieht, so kompliziert auch manche Bewegungen
       erscheinen, gilt  uns heutzutage als selbstverständlich. Es würde
       uns widersinnig  vorkommen anzunehmen,  daß zwei aufeinander wir-
       kende Körper, deren gegenseitiger Einwirkung kein Hindernis oder
       
       #356# Dialektik der Natur
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       keine Einwirkung  dritter Körper  entgegensteht, diese Einwirkung
       anders ausüben  sollten als  auf dem  kürzesten  und  direktesten
       Wege, in  der Richtung der ihre Mittelpunkte verbindenden Geraden
       1*). Bekanntlich  hat aber Helmholtz ("Erhaltung der Kraft", Ber-
       lin 1847, Abschn. I und II) auch den mathematischen Beweis gelie-
       fert, daß  zentrale Wirkung und Unveränderlichkeit der Bewegungs-
       menge [209] sich gegenseitig bedingen, und daß die Annahme andrer
       als zentraler  Wirkungen zu  Resultaten führt, bei denen Bewegung
       entweder erschaffen  oder vernichtet werden könnte. Die Grundform
       aller Bewegung  ist hiernach Annäherung und Entfernung, Zusammen-
       ziehung und  Ausdehnung -  kurz, der  alte polare  Gegensatz  von
       A t t r a k t i o n  und  R e p u l s i o n.
       Ausdrücklich zu  merken: Attraktion  und  Repulsion  werden  hier
       nicht gefaßt  als sogenannte  "K r ä f t e",  sondern als  e i n-
       f a c h e   F o r m e n   d e r  B e w e g u n g.  Wie denn schon
       Kant die Materie aufgefaßt hat als die Einheit von Attraktion und
       Repulsion. Was  es mit  den "Kräften"  auf sich  hat,  wird  sich
       seinerzeit zeigen.
       In dem Wechselspiel von Attraktion und Repulsion besteht alle Be-
       wegung. Sie  ist aber  nur möglich, wenn jede einzelne Attraktion
       kompensiert wird  durch eine  entsprechende Repulsion  an  andrer
       Stelle. Sonst  müßte die  eine Seite mit der Zeit das Übergewicht
       erhalten über die andre, und damit hörte die Bewegung schließlich
       auf. Also  müssen sich  alle Attraktionen und alle Repulsionen im
       Universum gegenseitig aufwiegen. Das Gesetz von der Unzerstörbar-
       keit und  Unerschaffbarkeit der  Bewegung erhält hiermit den Aus-
       druck, daß  jede  Attraktionsbewegung  im  Universum  durch  eine
       gleichwertige Repulsionsbewegung  ergänzt werden  muß, und  umge-
       kehrt; oder,  wie die  ältere Philosophie  - lange vor der natur-
       wissenschaftlichen Aufstellung des Gesetzes von der Erhaltung der
       Kraft, resp.  Energie -  dies  aussprach:  daß  die  Summe  aller
       Attraktionen im Weltall gleich ist der Summe aller Repulsionen.
       Hier scheinen indes zwei Möglichkeiten noch immer offen, daß alle
       Bewegung einmal  aufhöre, nämlich entweder dadurch, daß Repulsion
       und Attraktion  sich endlich einmal tatsächlich ausgleichen, oder
       dadurch, daß  die gesamte  Repulsion sich eines Teils der Materie
       endgültig bemächtigt  und  die  gesamte  Attraktion  des  übrigen
       Teils. Für die dialektische Auffassung können diese Möglichkeiten
       von vornherein nicht existieren. Sobald
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       1*) Am Rande  des Manuskripts findet sich hier folgende mit Blei-
       stift geschriebene  Notiz: "Kant [sagt], p. 22, daß die 3 Raumdi-
       mensionen dadurch  bedingt sind, daß diese Attraktion oder Repul-
       sion nach  dem umgekehrten  Quadrat  der  Entfernung  geschieht."
       [208]
       
       #357# Grundformen der Bewegung
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       die Dialektik  einmal aus  den Resultaten  unserer bisherigen Na-
       turerfahrung nachgewiesen  hat, daß alle polaren Gegensätze über-
       haupt bedingt  sind durch  das wechselnde Spiel der beiden entge-
       gengesetzten Pole  aufeinander, daß die Trennung und Entgegenset-
       zung dieser  Pole nur besteht innerhalb ihrer Zusammengehörigkeit
       und Vereinigung,  und umgekehrt  ihre Vereinigung  nur  in  ihrer
       Trennung, ihre  Zusammengehörigkeit nur in ihrer Entgegensetzung,
       kann weder  von einer  endgültigen Ausgleichung von Repulsion und
       Attraktion, noch von einer endgültigen Verteilung der einen Bewe-
       gungsform auf die eine, der andren auf die andre Hälfte der Mate-
       rie, also weder von der gegenseitigen Durchdringung 1*), noch von
       der absoluten  Scheidung beider  Pole die Rede sein. Es wäre ganz
       dasselbe, als  wollte man  im ersten  Fall verlangen, der Nordpol
       und der  Südpol eines Magnets sollten sich gegen- und durcheinan-
       der ausgleichen,  und im zweiten Fall, die Durchfeilung eines Ma-
       gnets in  der Mitte  zwischen beiden  Polen solle hier eine Nord-
       hälfte ohne  Südpol, dort eine Südhälfte ohne Nordpol herstellen.
       Wenn aber  auch die Unzulässigkeit solcher Annahmen schon aus der
       dialektischen Natur  des polaren  Gegensatzes  folgt,  so  spielt
       doch,  dank   der  herrschenden   metaphysischen  Denkweise   der
       Naturforscher wenigstens die zweite Annahme in der physikalischen
       Theorie eine  gewisse Rolle.  Hiervon wird an seinem Ort die Rede
       sein.
       Wie stellt  sich nun  die Bewegung  dar in der Wechselwirkung von
       Attraktion und  Repulsion? Dies  untersuchen wir am besten an den
       einzelnen Formen der Bewegung selbst. Das Fazit wird sich dann am
       Schluß ergeben.
       Nehmen wir  die Bewegung  eines Planeten um seinen Zentralkörper.
       Die gewöhnliche  Schulastronomie erklärt  die beschriebne Ellipse
       mit Newton  aus der Zusammenwirkung zweier Kräfte, der Attraktion
       des Zentralkörpers  und einer  den Planeten  normal zur  Richtung
       dieser Attraktion  forttreibenden Tangentialkraft. Sie nimmt also
       außer der  zentral vor  sich gehenden Bewegungsform noch eine an-
       dre, senkrecht  zur Verbindungslinie  der Mittelpunkte erfolgende
       Bewegungsrichtung oder  sogenannte "Kraft" an. Sie setzt sich da-
       mit in  Widerspruch mit dem oben erwähnten Grundgesetz, wonach in
       unserm Universum  alle Bewegung  nur in  der Richtung der Mittel-
       punkte der  aufeinander  einwirkenden  Körper  stattfinden  kann,
       oder, wie man sich ausdrückt, nur durch zentral wirkende "Kräfte"
       verursacht wird.  Sie bringt  eben damit  ein Bewegungselement in
       die Theorie,  das, wie  wir ebenfalls  sahen, notwendig  auf  die
       Erschaffung und  Vernichtung von  Bewegung hinausläuft  und daher
       auch einen Schöpfer voraussetzt. Es kam
       
       #358# Dialektik der Natur
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       also darauf  an, diese  geheimnisvolle Tangentialkraft  auf  eine
       zentral vor  sich gehende  Bewegungsform zu  reduzieren, und dies
       tat die  Kant-Laplacesche kosmogonische Theorie. Bekanntlich läßt
       diese Auffassung  das ganze  Sonnensystem aus  einer rotierenden,
       äußerst verdünnten  Gasmasse  durch  allmähliche  Zusammenziehung
       entstehn, wobei  am Äquator dieses Gasballs die Rotationsbewegung
       selbstredend am stärksten ist und einzelne Gasringe von der Masse
       losreißt, die  sich dann  zu Planeten, Planetoiden etc. zusammen-
       ballen und  den Zentralkörper  in der Richtung der ursprünglichen
       Rotation umkreisen. Diese Rotation selbst wird gewöhnlich erklärt
       aus der  Eigenbewegung der einzelnen Gasteilchen, die in den ver-
       schiedensten Richtungen erfolgt, wobei aber schließlich ein Über-
       schuß in  einer bestimmten  Richtung sich  durchsetzt und  so die
       drehende Bewegung  verursacht, die mit dem Fortschritt der Zusam-
       menziehung des  Gasballs immer  stärker werden  muß. Welche Hypo-
       these man  aber auch  über den Ursprung der Rotation annimmt, mit
       einer jeden  ist die Tangentialkraft beseitigt, aufgelöst in eine
       besondre Erscheinungsform einer in zentraler Richtung erfolgenden
       Bewegung. Wenn  das eine,  direkt zentrale  Element der Planeten-
       bewegung durch  die Schwere,  die Attraktion zwischen ihm und dem
       Zentralkörper, dargestellt wird, so erscheint nun das andre, tan-
       gentielle Element  als ein Rest, in übertragner oder verwandelter
       Form, der  ursprünglichen Repulsion  der einzelnen  Teilchen  des
       Gasballs. Der  Daseinsprozeß eines  Sonnensystems stellt sich nun
       dar als ein Wechselspiel von Attraktion und Repulsion, in welchem
       die Attraktion  allmählich mehr und mehr die Oberhand dadurch be-
       kommt, daß  die Repulsion  in der  Form von Wärme in den Weltraum
       ausgestrahlt wird, dem System also mehr und mehr verlorengeht.
       Man sieht  auf den  ersten Blick, daß die Bewegungsform, die hier
       als Repulsion gefaßt ist, dieselbe ist, die von der modernen Phy-
       sik als  "Energie" bezeichnet wird. Durch die Zusammenziehung des
       Systems und  die daraus  folgende Sonderung der einzelnen Körper,
       aus denen  es heute  besteht, hat  das System "Energie" verloren,
       und zwar  beträgt dieser  Verlust nach der bekannten Rechnung von
       Helmholtz jetzt  schon 453/454  der ganzen  ursprünglich darin in
       der Form von Repulsion vorhandenen Bewegungsmenge.
       Nehmen wir  ferner eine körperliche Masse auf unsrer Erde selbst.
       Sie ist  mit der  Erde verbunden  durch die Schwere, wie die Erde
       ihrerseits mit  der Sonne;  aber ungleich  der Erde ist sie einer
       freien planetarischen  Bewegung unfähig. Sie kann nur bewegt wer-
       den durch Anstoß von außen, und auch dann, sobald der Anstoß auf-
       hört, kommt  ihre Bewegung  bald zum Stillstand, sei es durch die
       Wirkung der Schwere allein, sei es durch sie in
       
       #359# Grundformen der Bewegung
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       Verbindung mit  dem Widerstand  des Mittels,  in dem sie sich be-
       wegt. Auch  dieser Widerstand ist in letzter Instanz eine Wirkung
       der Schwere,  ohne die die Erde kein widerstehendes Mittel, keine
       Atmosphäre an  ihrer Oberfläche  haben würde. Wir haben [es] also
       in der  rein mechanischen  Bewegung auf  der Erdoberfläche zu tun
       mit einer  Lage, in  der die  Schwere, die Attraktion entschieden
       vorherrscht, wo also die Herstellung von Bewegung die beiden Pha-
       sen zeigt:  zuerst der  Schwere entgegenzuwirken,  und  dann  die
       Schwere wirken  zu lassen  - in einem Worte: heben und fallenlas-
       sen.
       Wir haben  also wieder  die Wechselwirkung zwischen der Anziehung
       auf der  einen, und einer in entgegengesetzter Richtung zur ihri-
       gen erfolgenden, also repellierenden Bewegungsform auf der andern
       Seite.  Nun  kommt  aber  innerhalb  des  Gebiets  der  irdischen
       r e i n e n   Mechanik (die mit Massen von  g e g e b n e n,  für
       sie unveränderlichen  Aggregat- und  Kohäsionszuständen  rechnet)
       diese repeliierende  Bewegungsform nicht  in der  Natur vor.  Die
       physikalischen und  chemischen Bedingungen, unter denen ein Fels-
       block sich  von der  Bergkuppe losreißt oder unter denen ein Was-
       sergefälle möglich wird, liegen außerhalb ihres Bereichs. Die re-
       pellierende, hebende  Bewegung muß  also in  der irdischen reinen
       Mechanik künstlich  erzeugt werden:  durch  Menschenkraft,  Tier-
       kraft, Wasserkraft,  Dampfkraft usw.  Und dieser  Umstand,  diese
       Notwendigkeit, die  natürliche Anziehung  künstlich zu bekämpfen,
       ruft bei  den Mechanikern  die Anschauung  hervor, daß die Anzie-
       hung, die Schwere, oder wie sie sagen, die  Schwer k r a f t  die
       wesentlichste, ja die Grundbewegungsform in der Natur ist.
       Wenn z.B. ein Gewicht gehoben wird und durch seinen direkten oder
       indirekten Fall  andren Körpern Bewegung mitteilt, so ist es nach
       der üblichen  mechanischen Auffassung nicht die  H e b u n g  des
       Gewichts, die  diese Bewegung mitteilt, sondern die  S c h w e r-
       k r a f t.  So läßt z.B. Helmholtz
       
       "die uns  am besten  bekannte und  einfachste Kraft, die Schwere,
       als Triebkraft  wirken... z.B.  in denjenigen  Wanduhren,  welche
       durch ein  Gewicht getrieben werden. Das Gewicht... kann dem Zuge
       der Schwere  nicht folgen,  ohne das ganze Uhrwerk in Bewegung zu
       setzen." Aber  es kann das Uhrwerk nicht in Bewegung setzen, ohne
       selbst zu  sinken, und  sinkt endlich so weit, bis die Schnur, an
       der es  hängt, ganz  abgewickelt ist. "Dann bleibt die Uhr stehn,
       dann ist  die Leistungsfähigkeit  ihres  Gewichts  vorläufig  er-
       schöpft. Seine  Schwere ist  nicht verloren  oder vermindert,  es
       wird nach  wie vor  in gleichem Maße von der Erde angezogen, aber
       die Fähigkeit  dieser Schwere,  Bewegungen  hervorzubringen,  ist
       verlorengegangen... Wir  können die  Uhr aber aufziehen durch die
       Kraft unsres  Arms, wobei  das Gewicht  wieder emporgehoben wird.
       Sowie das  geschehn ist,  hat es seine frühere Leistungsfähigkeit
       wieder erlangt,  und kann  die Uhr  wieder in Bewegung erhalten."
       (Helmholtz, "Populäre Vorträge", II, [S.] 144 bis 145.)
       
       #360# Dialektik der Natur
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       Nach Helmholtz  ist es also nicht die aktive Bewegungsmitteilung,
       das Heben  des Gewichts,  die die  Uhr in Bewegung setzt, sondern
       die passive Schwere des Gewichts, obwohl diese selbe Schwere erst
       durch das Heben aus ihrer Passivität herausgerissen wird und auch
       nach Ablauf  der Gewichtsschnur wieder in ihre Passivität zurück-
       tritt. War  also nach  der neueren Auffassung, wie wir soeben sa-
       hen,   E n e r g i e   nur ein  andrer Ausdruck  für   R e p u l-
       s i o n,   so erscheint  hier  in  der  älteren,  Helmholtzschen,
       K r a f t   als ein  andrer Ausdruck für das Gegenteil der Repul-
       sion, für   A t t r a k t i o n.  Wir konstatieren dies einstwei-
       len.
       Wenn nun  der Prozeß  der irdischen  Mechanik sein  Ende erreicht
       hat, wenn  die schwere  Masse zuerst  gehoben und  dann wieder um
       dieselbe Höhe gefallen ist, was wird aus der Bewegung, die diesen
       Prozeß ausmachte?  Sie ist  für die  reine Mechanik verschwunden.
       Aber wir wissen jetzt, daß sie keineswegs vernichtet ist. Sie ist
       zum kleineren  Teil in  Schallwellenschwingung der Luft, zum weit
       größeren in  Wärme umgesetzt worden - Wärme, die teils der wider-
       stehenden Atmosphäre,  teils dem  fallenden Körper  selbst, teils
       endlich dem Aufschlagsboden mitgeteilt wurde. Auch das Uhrgewicht
       hat seine Bewegung in der Form von Reibungswärme an die einzelnen
       Triebräder des  Uhrwerks nach  und nach  abgegeben. Es  ist  aber
       nicht, wie  man sich  wohl ausdrückt,  die Fallbewegung, d.h. die
       Attraktion, die in Wärme, also in eine Form der Repulsion überge-
       gangen ist.  Im Gegenteil,  die Attraktion,  die Schwere, bleibt,
       wie Helmholtz  richtig bemerkt, was sie vorher war, und wird, ge-
       nau gesprochen,  sogar größer.  Es ist vielmehr die dem gehobenen
       Körper durch die Hebung mitgeteilte Repulsion, die durch den Fall
       m e c h a n i s c h   vernichtet wird  und als  Wärme wieder ent-
       steht. Massenrepulsion ist verwandelt in Molekularrepulsion.
       Die Wärme  ist, wie  schon gesagt,  eine Form  der Repulsion. Sie
       versetzt die  Moleküle fester Körper in Schwingungen, lockert da-
       durch den  Zusammenhang der  einzelnen Moleküle,  bis endlich der
       Übergang in  den flüssigen Zustand eintritt; sie steigert auch in
       diesem, bei  fortdauernder Wärmezufuhr, die Bewegung der Moleküle
       bis zu  einem Grad,  wo diese sich von der Masse vollständig los-
       reißen und mit einer für jedes Molekül durch seine chemische Kon-
       stitution  bedingten,  bestimmten  Geschwindigkeit  einzeln  frei
       fortbewegen; bei  weiter fortgesetzter  Wärmezufuhr steigert  sie
       auch diese  Geschwindigkeit noch  weiter und repelliert damit die
       Moleküle immer mehr voneinander,
       Wärme ist aber eine Form der sogenannten "Energie"; diese erweist
       sich auch hier wieder als identisch mit der Repulsion.
       
       #361# Grundformen der Bewegung
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       Bei den  Erscheinungen der statischen Elektrizität und des Magne-
       tismus haben  wir Attraktion  und Repulsion  polarisch  verteilt.
       Welche Hypothese man auch gelten lassen möge in Beziehung auf den
       modus operandi  1*) dieser  beiden Bewegungsformen,  so  zweifelt
       doch angesichts  der Tatsachen  kein Mensch daran, daß Attraktion
       und Repulsion,  soweit sie  durch statische Elektrizität oder Ma-
       gnetismus hervorgerufen  sind und sich ungehindert entfalten kön-
       nen, einander  vollständig kompensieren, wie dies in der Tat auch
       schon aus  der Natur  der polaren  Verteilung  mit  Notwendigkeit
       folgt. Zwei Pole, deren Betätigung sich nicht vollständig kompen-
       siert, wären  eben keine  Pole, und sind bisher in der Natur auch
       nicht aufzufinden gewesen. Den Galvanismus lassen wir hier einst-
       weilen aus  dem Spiel,  weil bei  ihm der  Prozeß durch chemische
       Vorgänge bedingt und dadurch verwickelt gemacht wird. Untersuchen
       wir daher lieber die chemischen Bewegungsvorgänge selbst.
       Wenn zwei Gewichtsteile Wasserstoff sich mit 15,96 Gewichtsteilen
       Sauerstoff zu  Wasserdampf verbinden,  so entwickelt sich während
       dieses Vorgangs  eine Wärmemenge von 68,924 Wärmeeinheiten. Umge-
       kehrt, wenn  17,96 Gewichtsteile  Wasserdampf in  2 Gewichtsteile
       Wasserstoff und  15,96 Gewichtsteile  Sauerstoff  zerlegt  werden
       sollen, so ist dies nur möglich unter der Bedingung, daß dem Was-
       serdampf eine  Bewegungsmenge zugeführt wird, die mit 68,924 Wär-
       meeinheiten gleichwertig  ist -  sei es  in der  Form  von  Wärme
       selbst oder  von elektrischer  Bewegung. Dasselbe  gilt von allen
       andern chemischen  Prozessen. In  der sehr  großen  Mehrzahl  der
       Fälle wird  bei der  Zusammensetzung Bewegung  abgegeben, bei der
       Zerlegung muß Bewegung zugeführt werden. Auch hier ist die Repul-
       sion in  der Regel  die aktive, mit Bewegung begabtere oder Bewe-
       gungszufuhr heischende,  die  Attraktion  die  passive,  Bewegung
       überflüssig machende  und abgebende  Seite des  Prozesses.  Daher
       auch die  moderne Theorie  wieder erklärt,  im ganzen  und großen
       werde bei  der Vereinigung  von Elementen  Energie frei,  bei der
       Zerlegung werde  sie gebunden. Energie steht hier also wieder für
       Repulsion. Und wieder erklärt Helmholtz:
       
       "Diese Kraft"  (die chemische  Verwandtschaftskraft) "können  wir
       uns als  eine  A n z i e h u n g s k r a f t  vorstellen... Diese
       Anziehungskraft nun  zwischen den Atomen des Kohlenstoffs und des
       Sauerstoffs leistet  geradesogut Arbeit, wie die, welche die Erde
       in der  Form der Schwere auf ein gehobenes Gewicht ausübt... Wenn
       Kohlenstoff- und Sauerstoffatome aufeinander losgestürzt sind und
       sich zu  Kohlensäure vereinigt haben, so müssen die neugebildeten
       Teilchen der Kohlensäure in heftigster Molekularbewegung
       -----
       1*) die Wirkungsweise
       
       #362# Dialektik der Natur
       -----
       sein, das heißt in Wärmebewegung... Wenn sie später ihre Wärme an
       die Umgebung  abgegeben hat, so haben wir in der Kohlensäure noch
       den ganzen  Kohlenstoff, noch den ganzen Sauerstoff und auch noch
       die Verwandtschaftskraft  beider ebenso kräftig wie vorher beste-
       hend. Aber letztere äußert sich jetzt nur noch darin, daß sie die
       Kohlenstoff- und  Sauerstoffatome fest  aneinander  heftet,  ohne
       eine Trennung derselben zu gestatten." (l.c., [S.] 169[/170].)
       
       Es ist ganz wie vorhin: Helmholtz besteht darauf, daß in der Che-
       mie wie in der Mechanik die Kraft nur in der  A t t r a k t i o n
       bestehe und  also das grade Gegenteil von dem sei, was bei andern
       Physikern   Energie    heißt   und    identisch   ist   mit   der
       R e p u l s i o n.
       Wir haben  jetzt also nicht mehr die beiden einfachen Grundformen
       der Attraktion und Repulsion, sondern eine ganze Reihe von Unter-
       formen, in  denen der im Gegensatz jener beiden sich ab- und auf-
       wickelnde Prozeß  der universellen Bewegung vor sich geht. Es ist
       aber keineswegs  bloß unser  Verstand, der diese mannigfachen Er-
       scheinungsformen unter  den Einen Ausdruck der Bewegung zusammen-
       faßt. Im  Gegenteil, sie  selbst beweisen  sich durch die Tat als
       Formen einer  und derselben  Bewegung, indem  sie unter Umständen
       die eine  in die  andre übergehn. Mechanische Massenbewegung geht
       über in  Wärme, in  Elektrizität, in Magnetismus; Wärme und Elek-
       trizität gehen  über in  chemische Zersetzung; chemische Vereini-
       gung ihrerseits  entwickelt wieder  Wärme und  Elektrizität,  und
       vermittelst dieser letzteren Magnetismus; und endlich produzieren
       Wärme und  Elektrizität wiederum  mechanische Massenbewegung. Und
       zwar derart,  daß einer  bestimmten Bewegungsmenge der einen Form
       stets eine  genau bestimmte  Bewegungsmenge der  andern Form ent-
       spricht; wobei  es wieder gleichgültig ist, welcher Bewegungsform
       die Maßeinheit entlehnt ist, an der diese Bewegungsmenge gemessen
       wird: ob  sie zur Messung von Massenbewegung, von Wärme, von sog.
       elektromotorischer Kraft,  oder von  der bei chemischen Vorgängen
       umgesetzten Bewegung dient.
       Wir stehn hiermit auf dem Boden der von J.R. Mayer 1842 begründe-
       ten *)  und seitdem mit so glänzendem Erfolg international ausge-
       arbeiteten
       ---
       *) In den  "Pop. Vorles."  II, S.  113, scheint  Helmholtz, außer
       Mayer, Joule  und Colding, auch sich selbst einen gewissen Anteil
       an der  naturwissenschaftlichen  Beweisführung  für  den  Descar-
       tesschen Satz  von der quantitativen Unveränderlichkeit der Bewe-
       gung'37! zuzuschreiben.  "Ich selbst  hatte, ohne  von Mayer  und
       Colding etwas  zu wissen,  und mit  Joules Versuchen erst am Ende
       meiner  Arbeit   bekannt  geworden,    d e n s e l b e n    W e g
       b e t r e t e n;   ich bemühte  mich namentlich, alle Beziehungen
       zwischen den verschiedenen Naturprozessen aufzusuchen, welche aus
       der angegebnen  Betrachtungsweise zu  folgern waren,  und  v e r-
       ö f f e n t l i c h t e   m e i n e   U n t e r s u c h u n g e n
       1847 in einer kleinen
       
       #363# Grundformen der Bewegung
       -----
       Theorie von  der "Erhaltung der Energie" und haben nun die Grund-
       vorstellungen zu  untersuchen, mit denen diese Theorie heutzutage
       operiert. Dies  sind die Vorstellungen von "Kraft" oder "Energie"
       und von "Arbeit".
       Es hat  sich schon oben gezeigt, daß die neuere, jetzt wohl ziem-
       lich allgemein angenommene Anschauung unter Energie die Repulsion
       versteht, während  Helmholtz mit  dem Wort Kraft vorzugsweise die
       Attraktion ausdrückt. Man könnte hierin einen gleichgültigen For-
       munterschied sehn,  da ja  Attraktion und  Repulsion im Universum
       sich kompensieren, und da es demnach gleichgültig erscheint, wel-
       che Seite  des Verhältnisses  man positiv oder negativ setzt; wie
       es ja  auch an  sich gleichgültig  ist, ob man von einem Punkt in
       einer beliebigen  Linie aus  die positiven  Abszissen nach rechts
       oder nach links zählt. Dies ist indes nicht absolut der Fall.
       Es handelt  sich hier  nämlich zunächst  nicht um  das Universum,
       sondern um  Erscheinungen, die  auf der  Erde vorgehn und bedingt
       sind durch  die genau bestimmte Stellung der Erde im Sonnensystem
       und des Sonnensystems im Weltall. Unser Sonnensystem gibt aber in
       jedem Augenblick  enorme Mengen  von Bewegung an den Weltraum ab,
       und zwar Bewegung von ganz bestimmter Qualität: Sonnenwärme, d.h.
       Repulsion. Unsre  Erde selbst  aber ist belebt nur durch die Son-
       nenwärme und  strahlt ihrerseits die empfangne Sonnenwärme, nach-
       dem sie  diese  zum  Teil  in  andre  Bewegungsformen  umgesetzt,
       schließlich ebenfalls  in den  Weltraum aus.  Im Sonnensystem und
       ganz besonders auf der Erde hat also die Attraktion schon ein be-
       deutendes Übergewicht  über die  Repulsion erhalten. Ohne die uns
       von der Sonne zugestrahlte Repulsionsbewegung müßte alle Bewegung
       auf der  Erde aufhören. Wäre morgen die Sonne erkaltet, so bliebe
       die Attraktion auf der Erde bei sonst gleichbleibenden Umständen,
       was sie heute ist. Ein
       ---
       Schrift unter  dem Titel:  'Über die Erhaltung der Kraft'." 1*) -
       Aber in  dieser Schrift findet sich durchaus nichts für den Stand
       von 1847  Neues außer  der oben erwähnten mathematischen übrigens
       sehr wertvollen  Entwicklung, daß  "Erhaltung der Kraft" und zen-
       trale Wirkung der zwischen den verschiednen Körpern eines Systems
       tätigen Kräfte  nur zwei verschiedne Ausdrücke für dieselbe Sache
       sind, und ferner eine genauere Formulierung des Gesetzes, daß die
       Summe der  lebendigen und  Spannkräfte in  einem gegebnen    m e-
       c h a n i s c h e n  System konstant sei. In allen andern war sie
       seit Mayers  zweiter Abhandlung  von 1845 bereits überholt. Mayer
       behauptet schon  1842 die  "Unzerstörlichkeit der Kraft" und weiß
       über die  "Beziehungen zwischen  den verschiednen Naturprozessen"
       von seinem  neuen Standpunkt  aus 1845  weit genialere  Dinge  zu
       sagen als Helmholtz 1847. [210]
       -----
       1*) Alle Hervorhebungen von Engels
       
       #364# Dialektik der Natur
       -----
       Stein von  100 Kilogramm  würde nach  wie vor  da, wo  er  einmal
       liegt, 100 Kilogramm wiegen. Aber die Bewegung, sowohl der Massen
       wie der Moleküle und Atome, käme zu einem nach unsern Vorstellun-
       gen absoluten Stillstand. Es ist also klar: Für Prozesse, die auf
       der heutigen   E r d e  vorgehn, ist es durchaus nicht gleichgül-
       tig, ob  man die  Attraktion oder  die Repulsion  als die  aktive
       Seite der  Bewegung, also als "Kraft" oder "Energie" auffaßt. Auf
       der heutigen  Erde ist  die Attraktion im Gegenteil bereits durch
       ihr entschiednes  Übergewicht über die Repulsion  d u r c h a u s
       p a s s i v  geworden: alle aktive Bewegung verdanken wir der Zu-
       fuhr von  Repulsion durch  die Sonne.  Und daher  hat die  neuere
       Schule -  wenn sie auch über die Natur des Bewegungsverhältnisses
       im  unklaren   bleibt  -   dennoch  der   Sache  nach   und   für
       i r d i s c h e   Vorgänge, ja  für das ganze Sonnensystem, voll-
       ständig recht, wenn sie Energie als Repulsion faßt.
       Der  Ausdruck   "Energie"  spricht   zwar  keineswegs  das  ganze
       Bewegungsverhältnis richtig  aus, indem er nur die eine Seite um-
       faßt, die  Aktion, aber nicht die Reaktion. Er läßt auch noch den
       Schein zu,  als sei  "Energie" etwas der Materie Äußerliches, ihr
       Eingepflanztes. Aber  er ist dem Ausdruck "Kraft" unter allen Um-
       ständen vorzuziehn.
       Die Vorstellung  von Kraft ist, wie allerseits zugegeben (von He-
       gel bis  Helmholtz), der  Betätigung des  menschlichen Organismus
       innerhalb seiner  Umgebung entlehnt. Wir sprechen von der Muskel-
       kraft, von  der Hebungskraft  der Arme,  von der  Sprungkraft der
       Beine, von der Verdauungskraft des Magens und Darmkanals, von der
       Empfindungskraft der  Nerven, der  Ausscheidungskraft der  Drüsen
       usw. Mit  andern Worten, um uns die Angabe der wirklichen Ursache
       einer durch  eine Funktion unsres Organismus herbeigeführten Ver-
       änderung zu  ersparen, schieben  wir eine  fiktive Ursache unter,
       eine der  Veränderung entsprechende sog. Kraft. Diese bequeme Me-
       thode übertragen wir dann auch auf die Außenwelt und erfinden da-
       mit ebensoviel Kräfte, wie es verschiedne Erscheinungen gibt.
       In diesem  naiven Stadium  befand sich die Naturwissenschaft (mit
       Ausnahme etwa  der himmlischen  und irdischen  Mechanik) noch zur
       Zeit   H e g e l s,   der mit vollem Recht gegen die damalige Ma-
       nier der  Kräfteernennung losfährt  (Stelle zu  zitieren)  [211].
       Ebenso an einer andern Stelle:
       
       "Es ist  besser" (zu  sagen), "der  Magnet habe  eine  S e e l e"
       (wie Thales  sich ausdrückt),  "als er habe die Kraft anzuziehen;
       Kraft ist  eine Art  von Eigenschaft, die  v o n  d e r  M a t e-
       r i e   t r e n n b a r,   als ein  Prädikat vorgestellt  wird, -
       Seele hingegen   d i e s   B e w e g e n    s e i n e r,    m i t
       d e r   N a t u r   d e r   M a t e r i e  d a s s e l b e."  1*)
       ("Gesch. d. Phil.", I, [S.] 208.) [212]
       -----
       1*) Alle Hervorhebungen von Engels
       
       #365# Grundformen der Bewegung
       -----
       So ganz  leicht, wie  damals, machen wir es uns nun heute mit den
       Kräften nicht mehr. Hören wir Helmholtz:
       
       "Wenn wir  ein Naturgesetz  vollständig kennen,  müssen wir  auch
       Ausnahmslosigkeit seiner  Geltung fordern... So tritt uns das Ge-
       setz als  eine objektive  Macht entgegen, und demgemäß nennen wir
       es   K r a f t.   Wir objektivieren z.B. das Gesetz der Lichtbre-
       chung als eine Lichtbrechungskraft der durchsichtigen Substanzen,
       das Gesetz der chemischen Wahlverwandtschaften als eine Verwandt-
       schaftskraft der  verschiednen Stoffe zueinander. So sprechen wir
       von einer  elektrischen Kontaktkraft der Metalle, von einer Adhä-
       sionskraft, Kapillarkraft  und andern  mehr. In diesen Namen sind
       Gesetze objektiviert,  welche zunächst  erst kleinere  Reihen von
       Naturvorgängen  umfassen,     d e r e n     B e d i n g u n g e n
       n o c h   z i e m l i c h   v e r w i c k e l t  s i n d  1*) ...
       die Kraft ist nur das objektivierte Gesetz der Wirkung... Der ab-
       strakte Begriff der Kraft, den wir einschieben, fügt nur das noch
       hinzu, daß  wir dieses  Gesetz nicht willkürlich erfunden, daß es
       ein zwingendes  Gesetz der  Erscheinungen sei.  Unsere Forderung,
       die Naturerscheinungen   z u  b e g r e i f e n,  d.h. ihre  G e-
       s e t z e   zu finden,  nimmt so  eine andre Form [des Ausdrucks]
       an, die  nämlich, daß  wir die   K r ä f t e   aufzusuchen haben,
       welche die  Ursachen der  Erscheinungen sind." (l.c., S. 189-191.
       Innsbrucker Vortrag von 1869.)
       
       Erstens ist  es jedenfalls eine eigentümliche Art "zu objektivie-
       ren", wenn man in ein bereits als unabhängig von unsrer Subjekti-
       vität festgestelltes,  also schon vollkommen  o b j e k t i v e s
       Naturgesetz  die  rein    s u b j e k t i v e    Vorstellung  von
       K r a f t   hineinträgt. Dergleichen  dürfte sich  höchstens  ein
       Althegelianer von der striktesten Observanz gestatten, nicht aber
       ein Neukantianer  wie Helmholtz.  Weder dem einmal festgestellten
       Gesetz, noch  seiner Objektivität  oder derjenigen seiner Wirkung
       tritt die  geringste neue  Objektivität hinzu,  wenn wir ihm eine
       Kraft unterschieben;  was hinzutritt,  ist  unsre    s u b j e k-
       t i v e   B e h a u p t u n g,   daß es vermöge einer einstweilen
       gänzlich unbekannten  Kraft wirke.  Aber der  geheime Sinn dieser
       Unterschiebung zeigt  sich, sobald  Helmholtz uns Beispiele gibt:
       Lichtbrechung,  chemische   Verwandtschaft,  Kontaktelektrizität,
       Adhäsion, Kapillarität,  und die  diese  Erscheinungen  regelnden
       Gesetze in den "objektiven" Adelstand von  K r ä f t e n  erhebt.
       
       "In diesen  Namen sind Gesetze objektiviert, welche zunächst erst
       kleinere Reihen  von Naturvorgängen  umfassen, deren  Bedingungen
       n o c h  z i e m l i c h  v e r w i c k e l t  s i n d."
       
       Und eben hier erhält die "Objektivierung", die vielmehr Subjekti-
       vierung ist,  einen Sinn:  Nicht weil  wir das Gesetz vollständig
       erkannt haben,  sondern eben weil dies  n i c h t  der Fall, weil
       wir über  die "ziemlich verwickelten Bedingungen" dieser Erschei-
       nungen noch   n i c h t   im  klaren sind, ebendeshalb nehmen wir
       hier manchmal Zuflucht zum Worte Kraft. Wir drücken also
       -----
       1*) Hervorhebung von Engels
       
       #366# Dialektik der Natur
       -----
       damit nicht  unsre Wissenschaft,  sondern unsern  M a n g e l  an
       Wissenschaft von  der Natur des Gesetzes und seiner Wirkungsweise
       aus. In diesem Sinn, als kurzer Ausdruck eines noch nicht ergrün-
       deten Kausalzusammenhangs,  als Notbehelf  der Sprache, mag es im
       Handgebrauch passieren.  Was darüber  ist, das  ist vom Übel. Mit
       demselben Recht,  wie Helmholtz  physikalische Erscheinungen  aus
       einer sog.  Lichtbrechungskraft, elektrischen  Kontaktkraft  usw.
       erklärt, mit  demselben Recht erklärten die Scholastiker des Mit-
       telalters die  Temperaturveränderungen aus  einer vis  calorifica
       1*) und  einer vis frigifaciens 2*) und ersparten sich damit alle
       weitere Untersuchung der Wärmeerscheinungen.
       Und auch  in diesem  Sinn hat es seine Schiefheit. Es drückt näm-
       lich alles  einseitig aus.  Alle Naturvorgänge sind doppelseitig,
       beruhen auf  dem Verhältnis von mindestens zwei wirkenden Teilen,
       auf Aktion und Reaktion. Die Vorstellung von Kraft, infolge ihres
       Ursprungs aus  der Aktion des menschlichen Organismus auf die Au-
       ßenwelt und  weiterhin aus  der irdischen Mechanik, schließt aber
       ein, daß  nur der  eine Teil  aktiv, wirkend, der andre Teil aber
       passiv, empfangend  sei, statuiert  also eine  bisher nicht nach-
       weisbare Ausdehnung der Geschlechtsdifferenz auf leblose Existen-
       zen. Die Reaktion des zweiten Teils, auf den die Kraft wirkt, er-
       scheint höchstens als eine passive, als ein  W i d e r s t a n d.
       Nun ist  diese Auffassungsweise auf einer Reihe von Gebieten auch
       außerhalb der reinen Mechanik zulässig, nämlich da, wo es sich um
       einfache Übertragung  von Bewegung und deren quantitative Berech-
       nung handelt. Aber schon in den verwickelteren Vorgängen der Phy-
       sik reicht  sie nicht  mehr aus,  wie grade Helmholtz' eigne Bei-
       spiele beweisen.  Die  Lichtbrechungskraft  liegt  ebensosehr  im
       Licht selbst  wie in den durchsichtigen Körpern. Bei der Adhäsion
       und Kapillarität  liegt die "Kraft" doch sicher ebensosehr in der
       festen Oberfläche wie in der Flüssigkeit. Bei der Kontaktelektri-
       zität ist  jedenfalls soviel sicher, daß  b e i d e  Metalle dazu
       das ihrige  beitragen, und  die "chemische  Verwandtschaftskraft"
       liegt, wenn irgendwo, jedenfalls in  b e i d e n  sich verbinden-
       den Teilen.  Eine Kraft aber, die aus zwei getrennten Kräften be-
       steht, eine Wirkung, die ihre Gegenwirkung nicht hervorruft, son-
       dern in  sich selbst  faßt und trägt, ist keine Kraft im Sinn der
       irdischen Mechanik,  der einzigen  Wissenschaft, in der man wirk-
       lich weiß, was eine Kraft bedeutet. Denn die Grundbedingungen der
       irdischen Mechanik  sind erstens  die Weigerung, die Ursachen des
       Anstoßes, d.h.  die Natur  der jedesmaligen Kraft zu untersuchen,
       und zweitens die Anschauung von der Einseitigkeit der Kraft, der
       -----
       1*) wärmeerzeugenden Kraft - 2*) kälteerzeugenden Kraft
       
       #367# Grundformen der Bewegung
       -----
       eine an  jedem Ort  stets sich selbst gleiche Schwere entgegenge-
       setzt wird,  dergestalt, daß  gegenüber jedem  irdischen Fallraum
       der Erdhalbmesser = oo gilt.
       Sehen wir aber weiter, wie Helmholtz seine "Kräfte" in die Natur-
       gesetze hinein "objektiviert".
       In einer  Vorlesung von  1854 (l.c.,  S. 119) [213] untersucht er
       den "Vorrat  von Arbeitskraft",  den der Nebelball, aus dem unser
       Sonnensystem gebildet, ursprünglich enthielt.
       
       "In der Tat war ihm eine ungeheuer große Mitgift in dieser Bezie-
       hung schon  allein in  Form der allgemeinen Anziehungskraft aller
       seiner Teile zueinander mitgeteilt."
       
       Dies ist  unzweifelhaft. Ebenso unzweifelhaft aber ist, daß diese
       ganze Mitgift  von Schwere oder Gravitation im heutigen Sonnensy-
       stem noch  unverkümmert vorhanden  ist; abgerechnet  etwa das ge-
       ringe Quantum,  das mit  Materie verlorenging, die möglicherweise
       unwiederbringlich in  den Weltraum hinausgeschleudert wurde. Wei-
       ter:
       
       "Auch die  chemischen Kräfte  mußten schon vorhanden sein, bereit
       zu wirken;  aber da diese Kräfte erst bei der innigsten Berührung
       der verschiedenartigen Massen in Wirksamkeit treten können, mußte
       erst Verdichtung  eingetreten sein,  ehe ihr  Spiel  begann"  [S.
       120].
       
       Wenn  wir,  wie  Helmholtz  oben,  diese  chemischen  Kräfte  als
       Verwandtschaftskräfte, also   a l s   A n z i e h u n g,  fassen,
       so müssen  wir auch hier sagen, daß die Gesamtsumme dieser chemi-
       schen Anziehungskräfte  noch unvermindert innerhalb des Sonnensy-
       stems fortbesteht.
       Nun aber gibt Helmholtz auf derselben Seite als das Resultat sei-
       ner Berechnung an,
       
       "daß nur  noch etwa  der 454ste  Teil der ursprünglichen mechani-
       schen Kraft als solche besteht" -
       
       nämlich im  Sonnensystem. Wie ist dies zu reimen? Die Anziehungs-
       kraft, allgemeine wie chemische, ist noch unversehrt im Sonnensy-
       stem vorhanden.  Eine andre  sichere Kraftquelle  gibt  Helmholtz
       nicht an.  Allerdings haben, nach Helmholtz, jene Kräfte eine un-
       geheure Arbeit  geleistet. Aber sie haben sich dadurch weder ver-
       mehrt noch vermindert. Wie oben dem Uhrgewicht, geht es jedem Mo-
       lekül im  Sonnensystem und dem ganzen Sonnensystem selbst. "Seine
       Schwere ist  nicht verloren oder vermindert." Wie vorhin dem Koh-
       lenstoff und  dem Sauerstoff  geht es allen chemischen Elementen:
       Wir haben  die sämtliche  gegebne Menge  eines jeden  noch immer,
       auch noch  die gesamte  "Verwandtschaftskraft ebenso  kräftig wie
       vorher
       
       #368# Dialektik der Natur
       -----
       bestehend". Was  haben wir  denn verloren? Und welche "Kraft" hat
       denn die enorme Arbeit geleistet, die 453mal so groß ist als die-
       jenige, die  das Sonnensystem nach seiner Berechnung noch leisten
       kann? Soweit  gibt uns  Helmholtz keine Antwort. Aber weiter sagt
       er:
       
       "Ob noch  ein weiterer  K r a f t v o r r a t  i n  G e s t a l t
       v o n   W ä r m e   [im  Uranfange]  vorhanden  war,  wissen  wir
       nicht." 1*) [S. 120.]
       
       Mit Verlaub. Die Wärme ist eine repulsive "Kraft", wirkt also der
       Richtung der  Schwere wie  der chemischen  Anziehung   e n t g e-
       g e n,  ist minus, wenn diese plus gesetzt werden. Wenn Helmholtz
       also  seinen   ursprünglichen  Kraftvorrat  aus  allgemeiner  und
       chemischer  A n z i e h u n g  zusammensetzt, so müßte ein Vorrat
       von Wärme,  der außerdem noch vorhanden, nicht zu jenem Kraftvor-
       rat hinzugezählt,  sondern von  ihm abgezogen werden. Sonst müßte
       die Sonnenwärme  die Anziehungskraft  der  Erde    v e r s t ä r-
       k e n,   wenn sie  - ihr grade  e n t g e g e n  - Wasser verdun-
       stet und  den Dunst  in die  Höhe  hebt;  oder  die  Wärme  eines
       glühenden Eisenrohrs, durch das man Wasserdampf leitet, müßte die
       chemische  Anziehung  von  Sauerstoff  und  Wasserstoff    v e r-
       s t ä r k e n,   während sie  sie grade  außer  Tätigkeit  setzt.
       Oder, um  dieselbe Sache  in andrer  Form zu  verdeutlichen:  Wir
       nehmen  an,   der  Nebelball  von  r  Radius,  also  vom  Volumen
       4/3 pi r³, habe  die Temperatur  t. Wir  nehmen  ferner  an,  ein
       zweiter  Nebelball  von  gleicher  Masse  habe  bei  der  höheren
       Temperatur T den größeren Radius R und das Volumen 473 pi R³. Nun
       ist es einleuchtend, daß in dem zweiten Nebelball die Attraktion,
       mechanische  wie  physikalische  und  chemische,  erst  dann  mit
       gleicher Kraft  wirken kann  wie im  ersten, wenn er von Radius R
       auf Radius  r zusammengeschrumpft  ist,  d.h.  die  der  Tempera-
       turdifferenz T-t entsprechende Wärme in den Weltraum ausgestrahlt
       hat. Der  wärmere Nebelball  wird  also  später  zur  Verdichtung
       kommen als der kältere, folglich ist die Wärme, als Hindernis der
       Verdichtung, vom Helmholtzschen Standpunkt betrachtet, kein Plus,
       sondern  ein   Minus  des  "Kraftvorrats".  Indem  Helmholtz  die
       Möglichkeit eines zu  a t t r a k t i v e n  Bewegungsformen hin-
       zutretenden und  ihre Summe vermehrenden Quantums von  r e p u l-
       s i v e r   Bewegung in der Form von Wärme voraussetzt, begeht er
       also einen entschiednen Rechnungsfehler.
       Bringen wir  nun diesen  sämtlichen "Kräftevorrat", möglichen wie
       nachweisbaren, auf  dasselbe Vorzeichen, damit eine Addition mög-
       lich wird. Da
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       1*) Hervorhebung von Engels
       
       #369# Grundformen der Bewegung
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       wir vorläufig  die Wärme  noch nicht umkehren, statt ihrer Repul-
       sion die  äquivalente Attraktion  setzen können,  so  werden  wir
       diese Umkehrung bei den beiden Anziehungsformen vornehmen müssen.
       Dann haben  wir statt  der allgemeinen Anziehungskraft, statt der
       chemischen Verwandtschaftskraft und statt der außerdem möglicher-
       weise als  solcher bereits  im Anfang existierenden Wärme einfach
       zu setzen  - die  Summe der im Gasball, im Moment seiner Verselb-
       ständigung, vorhandenen Repulsionsbewegung oder sogenannten Ener-
       gie. Und  damit stimmt  denn auch die Rechnung von Helmholtz, bei
       der er "die Erwärmung" berechnen will,
       
       "welche durch  die angenommene  anfängliche Verdichtung  der Him-
       melskörper unsres  Systems aus  nebelartigem  zerstreutem  Stoffe
       entstehen mußte" [S. 134].
       
       Indem er  so den ganzen "Kraftvorrat" auf Wärme, Repulsion, redu-
       ziert, macht  er es  auch möglich,  den vermutlichen "Kraftvorrat
       von Wärme"  hinzuzuaddieren. Dann  drückt die  Rechnung aus,  daß
       453/454 aller  ursprünglich im  Gasball vorhandenen Energie, d.h.
       Repulsion, in Gestalt von Wärme in den Weltraum ausgestrahlt ist,
       oder, genau  gesprochen, daß die Summe aller Attraktion im heuti-
       gen Sonnensystem zur Summe aller darin noch vorhandenen Repulsion
       sich verhält  wie 454:1.  Dann widerspricht  sie aber gradezu dem
       Text des Vortrags, dem sie als Belegstück beigefügt ist.
       Wenn nun aber die Vorstellung der Kraft selbst bei einem Physiker
       wie Helmholtz  zu solcher  Begriffsverwirrung Anlaß  gibt, so ist
       dies der  beste Beweis,  daß sie  überhaupt wissenschaftlich  un-
       brauchbar ist  in allen Forschungszweigen, die über die rechnende
       Mechanik hinausgehn. In der Mechanik nimmt man die Bewegungsursa-
       chen als  gegeben an  und kümmert  sich nicht  um ihren Ursprung,
       sondern nur  um ihre  Wirkungen. Bezeichnet  man also  eine Bewe-
       gungsursache als  eine Kraft, so tut das der Mechanik als solcher
       keinen Abbruch;  aber man  gewöhnt sich  daran, diese Bezeichnung
       auch in  die Physik,  Chemie und Biologie zu übertragen, und dann
       ist die  Konfusion unvermeidlich. Das haben wir gesehn und werden
       es noch öfter sehn.
       Über den Begriff der Arbeit im nächsten Kapitel.
       

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