Quelle: MEW 20 Anti-Dühring, Dialektik der Natur
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Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen [255]
Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums, sagen die politischen
Ökonomen. Sie ist dies - neben der Natur, die ihr den Stoff lie-
fert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich
mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschli-
chen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem
Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.
Vor mehreren hunderttausend Jahren, während eines noch nicht fest
bestimmbaren Abschnitts jener Erdperiode, die die Geologen die
tertiäre nennen, vermutlich gegen deren Ende, lebte irgendwo in
der heißen Erdzone - wahrscheinlich auf einem großen, jetzt auf
den Grund des Indischen Ozeans versunkenen Festlande - ein Ge-
schlecht menschenähnlicher Affen von besonders hoher Entwicklung.
Darwin hat uns eine annähernde Beschreibung dieser unsrer Vorfah-
ren gegeben. Sie waren über und über behaart, hatten Barte und
spitze Ohren, und lebten in Rudeln auf Bäumen. [256]
Wohl zunächst durch ihre Lebensweise veranlaßt, die beim Klettern
den Händen andre Geschäfte zuweist als den Füßen, fingen diese
Affen an, auf ebner Erde sich der Beihülfe der Hände beim Gehen
zu entwöhnen und einen mehr und mehr aufrechten Gang anzunehmen.
Damit war d e r e n t s c h e i d e n d e S c h r i t t
g e t a n f ü r d e n Ü b e r g a n g v o m A ß e n z u m
M e n s c h e n.
Alle noch jetzt lebenden menschenähnlichen Affen können aufrecht
stehn und sich auf den beiden Füßen allein fortbewegen. Aber nur
zur Not und höchst unbehülflich. Ihr natürlicher Gang geschieht
in halbaufgerichteter Stellung und schließt den Gebrauch der
Hände ein. Die meisten stützen die Knöchel der Faust auf den Bo-
den und schwingen den Körper mit eingezogenen Beinen zwischen den
langen Armen durch, wie ein Lahmer, der auf Krücken geht. Über-
haupt können wir bei den Affen alle Übergangsstufen
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vom Gehen auf allen vieren bis zum Gang auf den beiden Füßen noch
jetzt beobachten. Aber bei keinem von ihnen ist der letztere mehr
als ein Notbehelf geworden.
Wenn der aufrechte Gang bei unsern behaarten Vorfahren zuerst Re-
gel und mit der Zeit eine Notwendigkeit werden sollte, so setzt
dies voraus, daß den Händen inzwischen mehr und mehr anderweitige
Tätigkeiten zufielen. Auch bei den Affen herrscht schon eine ge-
wisse Teilung der Verwendung von Hand und Fuß. Die Hand wird, wie
schon erwähnt, beim Klettern in andrer Weise gebraucht als der
Fuß. Sie dient vorzugsweise zum Pflücken und Festhalten der Nah-
rung, wie dies schon bei niederen Säugetieren mit den Vorderpfo-
ten geschieht. Mit ihr bauen sich manche Affen Nester in den Bäu-
men oder gar, wie der Schimpanse, Dächer zwischen den Zweigen zum
Schutz gegen die Witterung. Mit ihr ergreifen sie Knüttel zur
Verteidigung gegen Feinde oder bombardieren diese mit Früchten
und Steinen. Mit ihr vollziehen sie in der Gefangenschaft eine
Anzahl einfacher, den Menschen abgesehener Verrichtungen. Aber
grade hier zeigt sich, wie groß der Abstand ist zwischen der un-
entwickelten Hand selbst der menschenähnlichsten Affen und der
durch die Arbeit von Jahrhunderttausenden hoch ausgebildeten Men-
schenhand. Die Zahl und allgemeine Anordnung der Knochen und Mus-
keln stimmen bei beiden; aber die Hand des niedrigsten Wilden
kann Hunderte von Verrichtungen ausführen, die keine Affenhand
ihr nachmacht. Keine Affenhand hat je das rohste Steinmesser ver-
fertigt.
Die Verrichtungen, denen unsre Vorfahren im Übergang vom Affen
zum Menschen im Lauf vieler Jahrtausende allmählich ihre Hand an-
passen lernten, können daher anfangs nur sehr einfache gewesen
sein. Die niedrigsten Wilden, selbst diejenigen, bei denen ein
Rückfall in einen mehr tierähnlichen Zustand mit gleichzeitiger
körperlicher Rückbildung anzunehmen ist, stehn immer noch weit
höher als jene Übergangsgeschöpfe. Bis der erste Kiesel durch
Menschenhand zum Messer verarbeitet wurde, darüber mögen Zeit-
räume verflossen sein, gegen die die uns bekannte geschichtliche
Zeit unbedeutend erscheint. Aber der entscheidende Schritt war
getan: Die H a n d w a r f r e i g e w o r d e n und konnte
sich nun immer neue Geschicklichkeiten erwerben, und die damit
erworbene größere Biegsamkeit vererbte und vermehrte sich von
Geschlecht zu Geschlecht.
So ist die Hand nicht nur das Organ der Arbeit, s i e i s t
a u c h i h r P r o d u k t. Nur durch Arbeit, durch Anpassung
an immer neue Verrichtungen, durch Vererbung der dadurch erworbe-
nen besondern Ausbildung der Muskel, Bänder, und in längeren
Zeiträumen auch der Knochen, und durch immer erneuerte Anwendung
dieser vererbten Verfeinerung auf neue, stets verwickeltere
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Verrichtungen hat die Menschenhand jenen hohen Grad von Vollkom-
menheit erhalten, auf dem sie Raffaelsche Gemälde, Thorvaldsen-
sche Statuen, Paganinische Musik hervorzaubern konnte.
Aber die Hand stand nicht allein. Sie war nur ein einzelnes Glied
eines ganzen, höchst zusammengesetzten Organismus. Und was der
Hand zugute kam, kam auch dem ganzen Körper zugute, in dessen
Dienst sie arbeitete - und zwar in doppelter Weise.
Zuerst infolge des Gesetzes der Korrelation des Wachstums, wie
Darwin es genannt hat. Nach diesem Gesetz sind bestimmte Formen
einzelner Teile eines organischen Wesens stets an gewisse Formen
andrer Teile geknüpft, die scheinbar gar keinen Zusammenhang mit
jenen haben. So haben alle Tiere, welche rote Blutzellen ohne
Zellenkern besitzen und deren Hinterkopf mit dem ersten Rück-
gratswirbel durch zwei Gelenkstellen (Kondylen) verbunden ist,
ohne Ausnahme auch Milchdrüsen zum Säugen der Jungen. So sind bei
Säugetieren gespaltene Klauen regelmäßig mit dem mehrfachen Magen
zum Wiederkäuen verbunden. Änderungen bestimmter Formen ziehn Än-
derungen der Form andrer Körperteile nach sich, ohne daß wir den
Zusammenhang erklären können. Ganz weiße Katzen mit blauen Augen
sind immer, oder beinahe immer, taub. Die allmähliche Ver-
feinerung der Menschenhand und die mit ihr Schritt haltende Aus-
bildung des Fußes für den aufrechten Gang hat unzweifelhaft auch
durch solche Korrelation auf andre Teile des Organismus rückge-
wirkt. Doch ist diese Einwirkung noch viel zu wenig untersucht,
als daß wir hier mehr tun könnten, als sie allgemein konstatie-
ren.
Weit wichtiger ist die direkte, nachweisbare Rückwirkung der
Entwicklung der Hand auf den übrigen Organismus. Wie schon ge-
sagt, waren unsre äffischen Vorfahren gesellig; es ist augen-
scheinlich unmöglich, den Menschen, das geselligste aller Tiere,
von einem ungeselligen nächsten Vorfahren abzuleiten. Die mit der
Ausbildung der Hand, mit der Arbeit, beginnende Herrschaft über
die Natur erweiterte bei jedem neuen Fortschritt den Gesichts-
kreis des Menschen. An den Naturgegenständen entdeckte er fort-
während neue, bisher unbekannte Eigenschaften. Andrerseits trug
die Ausbildung der Arbeit notwendig dazu bei, die Gesellschafts-
glieder näher aneinanderzuschließen, indem sie die Fälle gegen-
seitiger Unterstützung, gemeinsamen Zusammenwirkens vermehrte und
das Bewußtsein von der Nützlichkeit dieses Zusammenwirkens für
jeden einzelnen klärte. Kurz, die werdenden Menschen kamen dahin,
daß sie einander e t w a s z u s a g e n h a t t e n. Das
Bedürfnis schuf sich sein Organ: Der unentwickelte Kehlkopf des
Affen bildete sich langsam aber sicher um, durch Modulation für
stets gesteigerte
#447# Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen
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Modulation, und die Organe des Mundes lernten allmählich einen
artikulierten Buchstaben nach dem andern aussprechen.
Daß diese Erklärung der Entstehung der Sprache aus und mit der
Arbeit die einzig richtige ist, beweist der Vergleich mit den
Tieren. Das wenige, was diese, selbst die höchstentwickelten,
einander mitzuteilen haben, können sie einander auch ohne artiku-
lierte Sprache mitteilen. Im Naturzustand fühlt kein Tier es als
einen Mangel, nicht sprechen oder menschliche Sprache nicht ver-
stehn zu können. Ganz anders, wenn es durch Menschen gezähmt ist.
Der Hund und das Pferd'haben im Umgang mit Menschen ein so gutes
Ohr für artikulierte Sprache erhalten, daß sie jede Sprache
leicht soweit verstehn lernen, wie ihr Vorstellungskreis reicht.
Sie haben sich ferner die Fähigkeit für Empfindungen wie Anhäng-
lichkeit an Menschen, Dankbarkeit usw. erworben, die ihnen früher
fremd waren; und wer viel mit solchen Tieren umgegangen ist, wird
sich kaum der Überzeugung verschließen können, daß es Fälle genug
gibt, wo sie j e t z t die Unfähigkeit zu sprechen als einen
Mangel empfinden, dem allerdings bei ihren allzusehr in be-
stimmter Richtung spezialisierten Stimmorganen leider nicht mehr
abzuhelfen ist. Wo aber das Organ vorhanden ist, da fällt auch
diese Unfähigkeit innerhalb gewisser Grenzen weg. Die Mundorgane
der Vögel sind sicher so verschieden wie nur möglich von denen
des Menschen, und doch sind Vögel die einzigen Tiere, die spre-
chen lernen; und der Vogel mit der abscheulichsten Stimme, der
Papagei, spricht am besten. Man sage nicht, er verstehe nicht,
was er spricht. Allerdings wird er aus reinem Vergnügen am Spre-
chen und an der Gesellschaft von Menschen stundenlang seinen gan-
zen Wortreichtum plappernd wiederholen. Aber soweit sein Vorstel-
lungskreis reicht, soweit kann er auch verstehen lernen, was er
sagt. Man lehre einen Papagei Schimpfwörter, so daß er eine Vor-
stellung von ihrer Bedeutung bekommt (ein Hauptvergnügen aus hei-
ßen Ländern zurücksegelnder Matrosen); man reize ihn, und man
wird bald finden, daß er seine Schimpfwörter ebenso richtig zu
verwerten weiß wie eine Berliner Gemüsehökerin. Ebenso beim Bet-
teln um Leckereien.
Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache - das sind die
beiden wesentlichsten Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn
eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und voll-
kommnere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der
Fortbildung des Gehirns aber ging Hand in Hand die Fortbildung
seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane. Wie schon die Spra-
che in ihrer allmählichen Ausbildung notwendig begleitet wird von
einer entsprechenden Verfeinerung des Gehörorgans, so die Ausbil-
dung des Gehirns überhaupt von der der sämtlichen Sinne. Der
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Adler sieht viel weiter als der Mensch, aber des Menschen Auge
sieht viel mehr an den Dingen als das des Adlers. Der Hund hat
eine weit feinere Spürnase als der Mensch, aber er unterscheidet
nicht den hundertsten Teil der Gerüche, die für diesen bestimmte
Merkmale verschiedner Dinge sind. Und der Tastsinn, der beim Af-
fen kaum in seinen rohsten Anfängen existiert, ist erst mit der
Menschenhand selbst, durch die Arbeit, herausgebildet worden.
Die Rückwirkung der Entwicklung des Gehirns und seiner dienstba-
ren Sinne, des sich mehr und mehr klärenden Bewußtseins, Abstrak-
tions- und Schlußvermögens auf Arbeit und Sprache gab beiden im-
mer neuen Anstoß zur Weiterbildung, einer Weiterbildung, die
nicht etwa einen Abschluß fand, sobald der Mensch endgültig vom
Affen geschieden war, sondern die seitdem bei verschiednen Völ-
kern und zu verschiednen Zeiten verschieden nach Grad und Rich-
tung, stellenweise selbst unterbrochen durch örtlichen und zeit-
lichen Rückgang, im ganzen und großen gewaltig vorangegangen ist;
einerseits mächtig vorangetrieben, andrerseits in bestimmtere
Richtungen gelenkt durch ein mit dem Auftreten des fertigen Men-
schen neu hinzutretendes Element - d i e G e s e l l-
s c h a f t.
Hunderttausende von Jahren - in der Geschichte der Erde nicht
mehr als eine Sekunde im Menschenleben *) - sind sicher vergan-
gen, ehe aus dem Rudel baumkletternder Affen eine Gesellschaft
von Menschen hervorgegangen war. Aber schließlich war sie da. Und
was finden wir wieder als den bezeichnenden Unterschied zwischen
Affenrudel und Menschengesellschaft? D i e A r b e i t. Das
Affenrudel begnügte sich damit, seinen Futterbezirk abzuweiden,
der ihm durch die geographische Lage oder durch den Widerstand
benachbarter Rudel zugeteilt war; es unternahm Wanderungen und
Kämpfe, um neues Futtergebiet zu gewinnen, aber es war unfähig,
aus dem Futterbezirk mehr herauszuschlagen, als er von Natur bot,
außer daß es ihn unbewußt mit seinen Abfällen düngte. Sobald alle
möglichen Futterbezirke besetzt waren, konnte keine Vermehrung
der Affenbevölkerung mehr stattfinden; die Zahl der Tiere konnte
sich höchstens gleichbleiben. Aber bei allen Tieren findet Nah-
rungsverschwendung in hohem Grade statt, und daneben Ertötung des
Nahrungsnachwuchses im Keime. Der Wolf schont nicht, wie der Jä-
ger, die Rehgeiß, die ihm im nächsten Jahr die Böcklein liefern
soll; die Ziegen in Griechenland, die das junge Gestrüpp abwei-
den,
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*) Eine Autorität ersten Rangs in dieser Beziehung, Sir W. Thom-
son, hat berechnet, daß nicht viel mehr als hundert Millionen
Jahre verflossen sein können seit der Zeit, wo die Erde soweit
abgekühlt war, daß Pflanzen und Tiere auf ihr leben konnten.
[257]
#449# Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen
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eh' es heranwächst, haben alle Berge des Landes kahlgefressen.
Dieser "Raubbau" der Tiere spielt bei der allmählichen Umwandlung
der Arten eine wichtige Rolle, indem er sie zwingt, andrer als
der gewohnten Nahrung sich anzubequemen, wodurch ihr Blut andre
chemische Zusammensetzung bekommt und die ganze Körperkonstitu-
tion allmählich eine andre wird, während die einmal fixierten Ar-
ten absterben. Es ist nicht zu bezweifeln, daß dieser Raubbau
mächtig zur Menschwerdung unsrer Vorfahren beigetragen hat. Bei
einer Affenrasse, die an Intelligenz und Anpassungsfähigkeit al-
len andern weit voraus war, mußte er dahin führen, daß die Zahl
der Nahrungspflanzen sich mehr und mehr ausdehnte, daß von den
Nahrungspflanzen mehr und mehr eßbare Teile zur Verzehrung kamen,
kurz, daß die Nahrung immer mannigfacher wurde und mit ihr die in
den Körper eingehenden Stoffe, die chemischen Bedingungen der
Menschwerdung. Das alles war aber noch keine eigentliche Arbeit.
Die Arbeit fängt an mit der Verfertigung von Werkzeugen. Und was
sind die ältesten Werkzeuge, die wir vorfinden? Die ältesten,
nach den vorgefundenen Erbstücken vorgeschichtlicher Menschen und
nach der Lebensweise der frühesten geschichtlichen Völker wie der
rohesten jetzigen Wilden zu urteilen? Werkzeuge der Jagd und des
Fischfangs, erstere zugleich Waffen. Jagd und Fischfang aber set-
zen den Übergang von der bloßen Pflanzennahrung zum Mitgenuß des
Fleisches voraus, und hier haben wir wieder einen wesentlichen
Schritt zur Menschwerdung. D i e F l e i s c h k o s t
enthielt in fast fertigem Zustand die wesentlichsten Stoffe, de-
ren der Körper zu seinem Stoffwechsel bedarf; sie kürzte mit der
Verdauung die Zeitdauer der übrigen vegetativen, dem Pflanzenle-
ben entsprechenden Vorgänge im Körper ab und gewann damit mehr
Zeit, mehr Stoff und mehr Lust für die Betätigung des eigentlich
tierischen (animalischen) Lebens. Und je mehr der werdende Mensch
sich von der Pflanze entfernte, desto mehr erhob er sich auch
über das Tier. Wie die Gewöhnung an Pflanzennahrung neben dem
Fleisch die wilden Katzen und Hunde zu Dienern des Menschen ge-
macht, so hat die Angewöhnung an die Fleischnahrung neben der
Pflanzenkost wesentlich dazu beigetragen, dem werdenden Menschen
Körperkraft und Selbständigkeit zu geben. Am wesentlichsten aber
war die Wirkung der Fleischnahrung auf das Gehirn, dem nun die zu
seiner Ernährung und Entwicklung nötigen Stoffe weit reichlicher
zuflössen als vorher, und das sich daher von Geschlecht zu Ge-
schlecht rascher und vollkommener ausbilden konnte. Mit Verlaub
der Herren Vegetarianer, der Mensch ist nicht ohne Fleischnahrung
zustande gekommen, und wenn die Fleischnahrung auch bei allen uns
bekannten Völkern zu irgendeiner Zeit einmal zur Menschenfresse-
rei
#450# Dialektik der Natur
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geführt hat (die Vorfahren der Berliner, die Weletaben oder Wil-
zen, aßen ihre Eltern noch im 10. Jahrhundert [258]), so kann uns
das heute nichts mehr ausmachen.
Die Fleischkost führte zu zwei neuen Fortschritten von entschei-
dender Bedeutung: zur Dienstbarmachung des Feuers und zur Zähmung
von Tieren. Die erstere kürzte den Verdauungsprozeß noch mehr ab,
indem sie die Kost schon sozusagen halbverdaut an den Mund
brachte; die zweite machte die Fleischkost reichlicher, indem sie
neben der Jagd eine neue regelmäßigere Bezugsquelle dafür eröff-
nete, und lieferte außerdem in der Milch und ihren Produkten ein
neues, dem Fleisch an Stoffmischung mindestens gleichwertiges
Nahrungsmittel. So wurden beide schon direkt neue Emanzipations-
mittel für den Menschen; auf ihre indirekten Wirkungen im ein-
zelnen einzugehn, würde uns hier zu weit führen, von so hoher
Wichtigkeit sie auch für die Entwicklung des Menschen und der Ge-
sellschaft gewesen sind.
Wie der Mensch alles Eßbare essen lernte, so lernte er auch in
jedem Klima leben. Er verbreitete sich über die ganze bewohnbare
Erde, er, das einzige Tier, das in sich selbst die Machtvollkom-
menheit dazu besaß. Die andren Tiere, die sich an alle Klimata
gewöhnt haben, haben dies nicht aus sich selbst, nur im Gefolge
des Menschen, gelernt: Haustiere und Ungeziefer. Und der Übergang
aus dem gleichmäßig heißen Klima der Urheimat in kältere Gegen-
den, wo das Jahr sich in Winter und Sommer teilte, schuf neue Be-
dürfnisse: Wohnung und Kleidung zum Schutz gegen Kälte und Nässe,
neue Arbeitsgebiete und damit neue Betätigungen, die den Menschen
immer weiter vom Tier entfernten.
Durch das Zusammenwirken von Hand, Sprachorganen und Gehirn nicht
allein bei jedem einzelnen, sondern auch in der Gesellschaft,
wurden die Menschen befähigt, immer verwickeitere Verrichtungen
auszuführen, immer höhere Ziele sich zu stellen und zu erreichen.
Die Arbeit selbst wurde von Geschlecht zu Geschlecht eine andre,
vollkommnere, vielseitigere. Zur Jagd und Viehzucht trat der Ac-
kerbau, zu diesem Spinnen und Weben, Verarbeitung der Metalle,
Töpferei, Schiffahrt. Neben Handel und Gewerbe trat endlich Kunst
und Wissenschaft, aus Stämmen wurden Nationen und Staaten. Recht
und Politik entwickelten sich, und mit ihnen das phantastische
Spiegelbild der menschlichen Dinge im menschlichen Kopf: die Re-
ligion. Vor allen diesen Gebilden, die zunächst als Produkte des
Kopfs sich darstellten und die die menschlichen Gesellschaften zu
beherrschen schienen, traten die bescheidneren Erzeugnisse der
arbeitenden Hand in den Hintergrund; und zwar um so mehr, als der
die Arbeit planende
#451# Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen
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Kopf schon auf einer sehr frühen Entwicklungsstufe der Gesell-
schaft (z.B. schon in der einfachen Familie) die geplante Arbeit
durch andre Hände ausführen lassen konnte als die seinigen. Dem
Kopf, der Entwicklung und Tätigkeit des Gehirns, wurde alles Ver-
dienst an der rasch fortschreitenden Zivilisation zugeschrieben;
die Menschen gewöhnten sich daran, ihr Tun aus ihrem Denken zu
erklären statt aus ihren Bedürfnissen (die dabei allerdings im
Kopf sich widerspiegeln, zum Bewußtsein kommen) - und so entstand
mit der Zeit jene idealistische Weltanschauung, die namentlich
seit Untergang der antiken Welt die Köpfe beherrscht hat. Sie
herrscht noch so sehr, daß selbst die materialistischsten Natur-
forscher der Darwinschen Schule sich noch keine klare Vorstellung
von der Entstehung des Menschen machen können, weil sie unter
jenem ideologischen Einfluß die Rolle nicht erkennen, die die Ar-
beit dabei gespielt hat.
Die Tiere, wie schon angedeutet, verändern durch ihre Tätigkeit
die äußere" Natur ebensogut, wenn auch nicht in dem Maße wie der
Mensch, und diese durch sie vollzogenen Änderungen ihrer Umgebung
wirken, wie wir sahen, wieder verändernd auf ihre Urheber zurück.
Denn in der Natur geschieht nichts vereinzelt. Jedes wirkt aufs
andre und umgekehrt, und es ist meist das Vergessen dieser all-
seitigen Bewegung und Wechselwirkung, das unsre Naturforscher
verhindert, in den einfachsten Dingen klarzusehn. Wir sahen, wie
die Ziegen die Wiederbewaldung von Griechenland verhindern; in
Sankt Helena haben die von den ersten Anseglern ans Land ge-
setzten Ziegen und Schweine es fertiggebracht, die alte Vegeta-
tion der Insel fast ganz auszurotten, und so den Boden bereitet,
auf dem die von späteren Schiffern und Kolonisten zugeführten
Pflanzen sich ausbreiten konnten. Aber wenn die Tiere eine dau-
ernde Einwirkung auf ihre Umgebung ausüben, so geschieht dies un-
absichtlich und ist, für diese Tiere selbst, etwas Zufälliges. Je
mehr die Menschen sich aber vom Tier entfernen, desto mehr nimmt
ihre Einwirkung auf die Natur den Charakter vorbedachter, plan-
mäßiger, auf bestimmte, vorher bekannte Ziele gerichteter Hand-
lung an. Das Tier vernichtet die Vegetation eines Landstrichs,
ohne zu wissen, was es tut. Der Mensch vernichtet sie, um in den
freigewordnen Boden Feldfrüchte zu säen oder Bäume und Reben zu
pflanzen, von denen er weiß, daß sie ihm ein Vielfaches der Aus-
saat einbringen werden. Er versetzt Nutzpflanzen und Haustiere
von einem Land ins andre und ändert so die Vegetation und das
Tierleben ganzer Weltteile. Noch mehr. Durch künstliche Züchtung
werden Pflanzen wie Tiere unter der Hand des Menschen in einer
Weise verändert, daß sie nicht wiederzuerkennen sind. Die wilden
Pflanzen, von denen unsre Getreidearten abstammen, werden noch
vergebens
#452# Dialektik der Natur
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gesucht. Von welchem wilden Tier unsre Hunde, die selbst unter
sich so verschieden sind, oder unsre ebenso zahlreichen Pferde-
rassen abstammen, ist noch immer streitig.
Es versteht sich übrigens von selbst, daß es uns nicht einfällt,
den Tieren die Fähigkeit planmäßiger, vorbedachter Handlungsweise
abzustreiten. Im Gegenteil. Planmäßige Handlungsweise existiert
im Keime schon überall; wo Protoplasma, lebendiges Eiweiß exi-
stiert und reagiert, d.h. bestimmte, wenn auch noch so einfache
Bewegungen als Folge bestimmter Reize von außen vollzieht. Solche
Reaktion findet statt, wo noch gar keine Zelle, geschweige eine
Nervenzelle, besteht. Die Art, wie insektenfressende Pflanzen
ihre Beute abfangen, erscheint ebenfalls in gewisser Beziehung
als planmäßig, obwohl vollständig bewußtlos. Bei den Tieren ent-
wickelt sich die Fähigkeit bewußter, planmäßiger Aktion im Ver-
hältnis zur Entwicklung des Nervensystems und erreicht bei den
Säugetieren eine schon hohe Stufe. Auf der englischen Fuchspar-
forcejagd kann man täglich beobachten, wie genau der Fuchs seine
große Ortskenntnis zu verwenden weiß, um seinen Verfolgern zu
entgehn und wie gut er alle Bodenvorteile kennt und benutzt, die
die Fährte unterbrechen. Bei unsern im Umgang mit Menschen höher
entwickelten Haustieren kann man tagtäglich Streiche der Schlau-
heit beobachten, die mit denen menschlicher Kinder ganz auf der-
selben Stufe stehn. Denn wie die Entwicklungsgeschichte des men-
schlichen Keims im Mutterleibe nur eine abgekürzte Wiederholung
der millionenjährigen körperlichen Entwicklungsgeschichte unsrer
tierischen Vorfahren, vom Wurm angefangen, darstellt, so die gei-
stige Entwicklung des menschlichen Kindes eine, nur noch mehr ab-
gekürzte, Wiederholung der intellektuellen Entwicklung derselben
Vorfahren, wenigstens der späteren. Aber alle planmäßige Aktion
aller Tiere hat es nicht fertiggebracht, der Erde den Stempel
ihres Willens aufzudrücken. Dazu gehörte der Mensch.
Kurz, das Tier b e n u t z t die äußere Natur bloß und bringt
Änderungen in ihr einfach durch seine Anwesenheit zustande; der
Mensch macht sie durch seine Änderungen seinen Zwecken dienstbar,
b e h e r r s c h t sie. Und das ist der letzte, wesentliche Un-
terschied des Menschen von den übrigen Tieren, und es ist wieder
die Arbeit, die diesen Unterschied bewirkt. 1*)
Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen
Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an
uns. Jeder hat in erster Linie zwar die Folgen, auf die wir ge-
rechnet, aber in zweiter und dritter Linie hat er ganz andre, un-
vorhergesehene Wirkungen, die nur zu
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1*) Am Rande des Manuskripts ist mit Bleistift vermerkt:
"Veredlung"
#453# Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen
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oft jene ersten Folgen wieder aufheben. Die Leute, die in Mesopo-
tamien, Griechenland, Kleinasien und anderswo die Wälder ausrot-
teten, um urbares Land zu gewinnen, träumten nicht, daß sie damit
den Grund zur jetzigen Verödung jener Länder legten, indem sie
ihnen mit den Wäldern die Ansammlungszentren und Behälter der
Feuchtigkeit entzogen. [259] Die Italiener der Alpen, als sie die
am Nordabhang des Gebirgs so sorgsam gehegten Tannenwälder am
Südabhang vernutzten, ahnten nicht, daß sie damit der Sennwirt-
schaft auf ihrem Gebiet die Wurzel abgruben; sie ahnten noch we-
niger, daß sie dadurch ihren Bergquellen für den größten Teil des
Jahrs das Wasser entzogen, damit diese zur Regenzeit um so wüten-
dere Flutströme über die Ebene ergießen könnten. Die Verbreiter
der Kartoffel in Europa wußten nicht, daß sie mit den mehligen
Knollen zugleich die Skrofelkrankheit verbreiteten. Und so werden
wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Na-
tur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht,
wie jemand, der außer der Natur steht - sondern daß wir mit
Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn,
und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug
vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig an-
wenden zu können.
Und in der Tat lernen wir mit jedem Tag ihre Gesetze richtiger
verstehn und die näheren und entfernteren Nachwirkungen unsrer
Eingriffe in den herkömmlichen Gang der Natur erkennen. Nament-
lich seit den gewaltigen Fortschritten der Naturwissenschaft in
diesem Jahrhundert werden wir mehr und mehr in den Stand gesetzt,
auch die entfernteren natürlichen Nachwirkungen wenigstens unsrer
gewöhnlichsten Produktionshandlungen kennen und damit beherrschen
zu lernen. Je mehr dies aber geschieht, desto mehr werden sich
die Menschen wieder als Eins mit der Natur nicht nur fühlen, son-
dern auch wissen, und je unmöglicher wird jene widersinnige und
widernatürliche Vorstellung von einem Gegensatz Zwischen Geist
und Materie, Mensch und Natur, Seele und Leib, wie sie seit dem
Verfall des klassischen Altertums in Europa aufgekommen und im
Christentum ihre höchste Ausbildung erhalten hat.
Hat es aber schon die Arbeit von Jahrtausenden erfordert, bis wir
einigermaßen lernten, die entferntem n a t ü r l i c h e n Wir-
kungen unsrer auf die Produktion gerichteten Handlungen zu be-
rechnen, so war dies noch weit schwieriger in bezug auf die ent-
fernteren g e s e l l s c h a f t l i c h e n Wirkungen dieser
Handlungen. Wir erwähnten die Kartoffel und in ihrem Gefolge die
Ausbreitung der Skrofeln. Aber was sind die Skrofeln gegen die
Wirkungen, die die Reduktion der Arbeiter auf Kartoffelnahrung
auf die Lebenslage der Volksmassen ganzer Länder hatte, gegen die
Hungersnot, die 1847 im
#454# Dialektik der Natur
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Gefolge der Kartoffelkrankheit Irland betraf, eine Million kar-
toffel- und fast nur kartoffelessender Irländer unter die Erde
und zwei Millionen über das Meer warf? Als die Araber den Alkohol
destillieren lernten, ließen sie sich nicht im Traume einfallen,
daß sie damit eins der Hauptwerkzeuge geschaffen, womit die Ur-
einwohner des damals noch gar nicht entdeckten Amerikas aus der
Welt geschafft werden sollten. Und als dann Kolumbus dies Amerika
entdeckte, wußte er nicht, daß er damit die in Europa längst
überwundne Sklaverei zu neuem Leben erweckte und die Grundlage
zum Negerhandel legte. Die Männer, die im siebzehnten und acht-
zehnten Jahrhundert an der Herstellung der Dampfmaschine arbeite-
ten, ahnten nicht, daß sie das Werkzeug fertigstellten, das mehr
als jedes andre die Gesellschaftszustände der ganzen Welt revolu-
tionieren und namentlich in Europa durch Konzentrierung des
Reichtums auf Seite der Minderzahl, und der Besitzlosigkeit auf
Seite der ungeheuren Mehrzahl, zuerst der Bourgeoisie die soziale
und politische Herrschaft verschaffen, dann aber einen Klassen-
kampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat erzeugen sollte, der
nur mit dem Sturz der Bourgeoisie und der Abschaffung aller Klas-
sengegensätze endigen kann. - Aber auch auf diesem Gebiet lernen
wir allmählich, durch lange, oft harte Erfahrung und durch Zusam-
menstellung und Untersuchung des geschichtlichen Stoffs, uns über
die mittelbaren, entfernteren gesellschaftlichen Wirkungen unsrer
produktiven Tätigkeit Klarheit zu verschaffen, und damit wird uns
die Möglichkeit gegeben, auch diese Wirkungen zu beherrschen und
zu regeln.
Um diese Regelung aber durchzuführen, dazu gehört mehr als die
bloße Erkenntnis. Dazu gehört eine vollständige Umwälzung unsrer
bisherigen Produktionsweise und mit ihr unsrer jetzigen gesamten
gesellschaftlichen Ordnung.
Alle bisherigen Produktionsweisen sind nur auf Erzielung des
nächsten, unmittelbarsten Nutzeffekts der Arbeit ausgegangen. Die
weiteren erst in späterer Zeit eintretenden, durch allmähliche
Wiederholung und Anhäufung wirksam werdenden Folgen blieben gänz-
lich vernachlässigt. Das ursprüngliche gemeinsame Eigentum am Bo-
den entsprach einerseits einem Entwicklungszustand der Menschen,
der ihren Gesichtskreis überhaupt auf das Allernächste be-
schränkte, und setzte andrerseits einen gewissen Überfluß an ver-
fügbarem Boden voraus, der gegenüber den etwaigen schlimmen Fol-
gen dieser waldursprünglichen Wirtschaft einen gewissen Spielraum
ließ. Wurde dieser Überschuß von Land erschöpft, so verfiel auch
das Gemeineigentum. Alle höheren Formen der Produktion aber sind
zur Trennung der Bevölkerung in verschiedne Klassen und damit zum
Gegensatz
#455# Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen
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von herrschenden und unterdrückten Klassen vorangegangen; damit
aber wurde das Interesse der herrschenden Klasse das treibende
Element der Produktion, soweit diese sich nicht auf den notdürf-
tigsten Lebensunterhalt der Unterdrückten beschränkte. Am voll-
ständigsten ist dies in der jetzt in Westeuropa herrschenden ka-
pitalistischen Produktionsweise durchgeführt. Die einzelnen, Pro-
duktion und Austausch beherrschenden Kapitalisten können sich nur
um den unmittelbarsten Nutzeffekt ihrer Handlungen kümmern. Ja
selbst dieser Nutzeffekt - soweit es sich um den Nutzen des er-
zeugten oder ausgetauschten Artikels handelt - tritt vollständig
in den Hintergrund; der beim Verkauf zu erzielende Profit wird
die einzige Triebfeder.
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Die Sozialwissenschaft der Bourgeoisie, die klassische politische
Ökonomie, beschäftigt sich vorwiegend nur mit den unmittelbar be-
absichtigten gesellschaftlichen Wirkungen der auf Produktion und
Austausch gerichteten menschlichen Handlungen. Dies entspricht
ganz der gesellschaftlichen Organisation, deren theoretischer
Ausdruck sie ist. Wo einzelne Kapilalisten um des unmittelbaren
Profits willen produzieren und austauschen, können in erster Li-
nie nur die nächsten, unmittelbarsten Resultate in Betracht kom-
men. Wenn der einzelne Fabrikant oder Kaufmann die fabrizierte
oder eingekaufte Ware nur mit dem üblichen Profitchen verkauft,
so ist er zufrieden, und es kümmert ihn nicht, was nachher aus
der Ware und deren Käufer wird. Ebenso mit den natürlichen Wir-
kungen derselben Handlungen. Die spanischen Pflanzer in Kuba, die
die Wälder an den Abhängen niederbrannten und in der Asche Dünger
genug für e i n e Generation höchst rentabler Kaffeebäume vor-
fanden - was lag ihnen daran, daß nachher die tropischen Regen-
güsse die nun schutzlose Dammerde herabschwemmten und nur nackten
Fels hinterließen? Gegenüber der Natur wie der Gesellschaft kommt
bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, hand-
greiflichste Erfolg in Betracht; und dann wundert man sich noch,
daß die entfernteren Nachwirkungen der hierauf gerichteten Hand-
lungen ganz andre, meist ganz entgegengesetzte sind, daß die Har-
monie von Nachfrage und Angebot in deren polaren Gegensatz um-
schlägt, wie der Verlauf jedes zehnjährigen industriellen Zyklus
ihn vorführt und wie auch Deutschland im "Krach" [260] ein klei-
nes Vorspiel davon erlebt hat; daß das auf eigne Arbeit gegrün-
dete Privateigentum sich mit Notwendigkeit fortentwickelt zur Ei-
gentumslosigkeit der Arbeiter, während aller Besitz sich mehr und
mehr in den Händen von Nichtarbeitern konzentriert; daß [...] 1*)
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1*) Hier bricht das Manuskript ab
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