Quelle: MEW 20 Anti-Dühring, Dialektik der Natur


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       #571#
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       Materialien zum "Anti-Dühring"
       
       #572#
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       #573#
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       Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring" [407]
       
       Erster Teil
       
       Zum ersten Abschnitt: Philosophie 1*)
       zu: III. Einteilung. Apriorismus
       
       [Ideen - Spiegelbilder der Wirklichkeit]
       Die Ideen  alle der  Erfahrung entlehnt,  Spiegelbilder - richtig
       oder verzerrt - der Wirklichkeit.
       
       zu: III. Einteilung. Apriorismus. S. 32-34
       
       [Materielle Welt und Denkgesetze]
       Zwei Arten  Erfahrung -  äußere, materielle  und innere - Denkge-
       setze und  Denkformen. Denkformen  auch teilweise  angeerbt durch
       Entwicklung  (Selbstverständlichkeit  z.  B.  der  mathematischen
       Axiome für  Europäer, sicher nicht für Buschmänner und Australne-
       ger).
       Wenn wir  die Voraussetzungen  richtig haben  und die Denkgesetze
       richtig auf  sie anwenden,  so muß das Resultat mit der Wirklich-
       keit stimmen,  ganz wie  eine Rechnung der analytischen Geometrie
       mit der geometrischen Konstruktion stimmen muß, obwohl beide ganz
       verschiedne Verfahrensarten.
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       1*) In diesem  Abschnitt werden die wichtigsten Fragmente aus En-
       gels' handschriftlichen  Vorarbeiten zum "Anti-Dühring" gebracht.
       Die Hinweise  auf Abschnitte  und Kapitel  des "Anti-Dühring" und
       auf die Seiten des vorliegenden Bandes, auf die sich die entspre-
       chenden Fragmente  beziehen, sowie die in eckigen Klammern einge-
       schlossenen Bezeichnungen  der Fragmente wurden von der Redaktion
       dieses Bandes gegeben
       
       #574# Materialien zum "Anti-Dühring"
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       Leider aber  fast nie  und nur  in ganz einfachen Operationen der
       Fall.
       Die Außenwelt wieder entweder Natur oder Gesellschaft.
       
       zu: III. Einteilung. Apriorismus, S. 32-34; IV. Weltschematik, S.
       38-41 und X. Moral und Gerechtigkeit, S. 88/89
       
       [Verhältnis von Denken und Sein]
       Das Denken hat zum einzigen Inhalt die Welt und die Denkgesetze.
       Die allgemeinen  Resultate der  Untersuchung der  Welt kommen  am
       Ende dieser  Untersuchung heraus,  sind also  nicht  P r i n z i-
       p i e n,   Ausgangspunkte, sondern  R e s u l t a t e,  Abschlüs-
       se. Diese  aus dem  Kopf konstruieren,  von ihnen  als  Grundlage
       ausgehn und  weiter daraus  die Welt  im Kopf  rekonstruieren ist
       I d e o l o g i e,   eine IdeoIogie,  an der  bisher  auch  jeder
       Materialismus gelitten,  weil er  über das  Verhältnis von Denken
       und Sein  wohl in  der   N a t u r   einigermaßen klar  war, aber
       nicht in  der Geschichte,  die Abhängigkeit des jedesmaligen Den-
       kens von  den historisch-materiellen  Bedingungen nicht einsah. -
       Indem Dühring  von "Prinzipien"  ausgeht statt von Tatsachen, ist
       er Ideolog,  und kann  den Ideologen nur vertuschen, indem er die
       Sätze so allgemein und leer faßt, daß sie  a x i o m a t i s c h,
       p l a t t   erscheinen, wobei  denn aber auch nichts herauszufol-
       gern, sondern nur hereinzudeuten ist. So gleich der Grundsatz vom
       e i n z i g e n   S e i n.  Die Einheit der Welt und der Blödsinn
       des Jenseits  ist Resultat der ganzen Weltuntersuchung, soll hier
       aber  a  p r i o r i  aus einem  D e n k a x i o m  bewiesen wer-
       den.  Daher   Unsinn.  -  Aber  ohne  diese  Umkehrung    e i n e
       a p a r t e  P h i l o s o p h i e  n i c h t  m ö g l i c h.
       
       zu: III. Einteilung. Apriorismus, S. 34/35
       
       [Die Welt als ein zusammenhängendes Ganzes. Erkenntnis der Welt]
       
       S y s t e m a t i k   1*) nach  Hegel unmöglich. Daß die Welt ein
       einheitliches System,  d. h.  ein zusammenhängendes  Ganzes  vor-
       stellt, ist  klar, aber  die Erkenntnis  dieses Systems setzt die
       Erkenntnis der  g a n z e n  Natur und Geschichte voraus, die die
       Menschen  n i e  erreichen. Wer also Systeme macht, muß die zahl-
       losen Lücken durch  e i g n e  E r f i n d u n g  ausfüllen, d.h.
       i r r a t i o n e l l  phantasieren, ideologisieren.
       Rationelle Phantasie - alias Kombination!
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       1*) Systematik hier im Sinne eines absoluten, vollendeten Systems
       
       #575# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
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       zu: III. Einteilung. Apriorismus, S. 35-38
       
       [Mathematische Operationen und rein logische Operationen]
       Der rechnende  Verstand -   R e c h e n m a s c h i n e!  - Komi-
       sche Verwechslung der mathematischen Operationen, die des materi-
       ellen Beweises,  der Probe fähig sind, weil sie auf unmittelbarer
       materieller Anschauung,  wenn auch  abstrakter, beruhn,  mit  den
       r e i n   logischen, die  nur des  Schlußbeweises fähig, also der
       positiven Gewißheit  unfähig sind,  die die mathematischen Opera-
       tionen haben  - und  wie viele  davon auch  falsch! Maschine  zum
       I n t e g r i e r e n,   vgl. Andrews speech 1*), "Nature" [408],
       Sept. 7, 76.
       Schema = Schablone.
       
       zu: III. Einteilung. Apriorismus, S. 35-38 und IV. Weltschematik,
       S. 38-41
       
       [Realität und Abstraktion]
       Mit dem  Satz von der Alleinzigkeit des allumfassenden Seins, den
       der Papst und der Scheik ul Islam unterschreiben können, ohne ih-
       rer Unfehlbarkeit  und Religion  etwas zu  vergeben, kann Dühring
       ebensowenig die  ausschließliche   M a t e r i a l i t ä t  alles
       Seins beweisen, wie er aus irgendwelchem mathematischen Axiom ein
       Dreieck, eine  Kugel herauskonstruieren  oder den pythagoräischen
       Lehrsatz ableiten  kann. Zu beiden gehören reelle Vorbedingungen,
       aus deren  Untersuchung erst  man zu  jenen Resultaten kommt. Die
       Gewißheit, daß  außer der materiellen Welt nicht noch eine spiri-
       tuelle separat existiert, ist das Resultat einer langen und lang-
       wierigen Untersuchung der rellen Welt, y compris 2*) die Produkte
       und Prozeduren des menschlichen Gehirns. Die Resultate der Geome-
       trie sind nichts als die natürlichen Eigenschaften der verschied-
       nen Linien,  Flächen und  Körper, resp.  deren Kombinationen, die
       großenteils schon  in der  Natur vorkamen, lange ehe die Menschen
       da waren (Radiolarien. Insekten, Kristalle usw.).
       
       zu: VI. Naturphilosophie. Kosmogonie, Physik, Chemie, S. 55 ff.
       
       [Die Bewegung - die Daseinsweise der Materie]
       D i e   B e w e g u n g   i s t   d i e   D a s e i n s w e i s e
       d e r   M a t e r i e,   also mehr als ihre bloße Eigenschaft. Es
       gibt nicht  und kann nie Materie ohne Bewegung gegeben haben. Be-
       wegung im Weltraum, mechanische Bewegung kleinerer Massen auf ei-
       nem einzelnen Weltkörper, Molekularschwingung als Wärme, elektri-
       sche
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       1*) Rede - 2*) einschließlich
       
       #576# Materialien zum "Anti-Dühring"
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       Spannung, magnetische Polarisation, chemische Zersetzung und Ver-
       bindung, organisches  Leben bis  zu seinem  höchsten Produkt, dem
       Denken hinauf  - in einer oder der andren dieser Formen der Bewe-
       gungen befindet  sich jedes  einzelne Stoffatom in jedem gegebnen
       Augenblick. Alles  Gleichgewicht ist  entweder nur  relative Ruhe
       oder selbst  Bewegung im Gleichgewicht, wie die der Planeten. Ab-
       solute Ruhe  ist nur denkbar, wo keine Materie ist. Weder die Be-
       wegung als  solche, noch  eine ihrer  Formen wie  die mechanische
       Kraft, kann also von der Materie getrennt, ihr als etwas Apartes,
       Fremdes, entgegengesetzt werden, ohne ad absurdum zu führen.
       
       zu: VII. Naturphilosophie. Organische Welt, S. 64-67
       
       [Natürliche Zuchtwahl]
       Dühring sollte  froh sein über die natural selection, da sie doch
       das beste  Exempel gibt für seine bewußte Zweck- und Mittellehre.
       - Wenn  Darwin die   F o r m  untersucht, eine natural selection,
       in der sich eine langsame Veränderung vollzieht, so verlangt Düh-
       ring, Darwin solle auch die  U r s a c h e  der Veränderung ange-
       ben, über  die Herr Dühring ebenfalls nichts weiß. Man nehme wel-
       chen Fortschritt  der Wissenschaft  man wolle,  Herr Dühring wird
       immer erklären,  es fehle  noch was  dran, und  so  hinreichenden
       Grund zur Verdrießlichkeit haben.
       
       zu: VII. Naturphilosophie. Organische Welt
       
       [Über Darwin]
       Wie groß  erscheint der  durch und  durch bescheidne  Darwin, der
       nicht nur Tausende von Tatsachen aus der gesamten Biologie zusam-
       menträgt, ordnet  und verarbeitet,  sondern auch mit Freude jeden
       Vorgänger, selbst  zur Verkleinerung seines eignen Ruhms zitiert,
       und wäre  er noch  so unbedeutend,  gegenüber dem prahlenden Düh-
       ring, der  selbst nichts  leistet, dem aber niemand genug leisten
       kann und der ...
       
       zu: VII.  Naturphilosophie. Organische  Welt, S.  65-67 und VIII.
       (Schluß), S. 73/74
       
       Dühringiana. Darwinismus p. 115 [409]
       A n p a s s u n g   der Pflanzen  eine Kombination physikalischer
       Kräfte oder  chemischer Agenzien, also keine Anpassung. Wenn "die
       Pflanze in  ihrem Wachstum  den Weg nimmt, auf dem sie das meiste
       Licht erhält", so tut sie
       
       #577# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
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       das auf verschiednen Wegen und in verschiedner Weise, die je nach
       Art und  Beschaffenheit der Pflanze verschieden ist. Die physika-
       lischen Kräfte  und chemischen Agenzien wirken aber hier in jeder
       Pflanze besonders,  und helfen der Pflanze, die doch etwas andres
       ist als  diese "chemischen  und physikalischen etc.", das ihr nö-
       tige Licht auf dem ihr durch lange Vorentwicklung eigen gewordnen
       Wege zu  erreichen. Ja,  dies Licht  wirkt wie  ein Reiz  auf die
       Pflanzenzellen und  setzt in ihnen eben diese Kräfte und Agenzien
       als Reaktion  in Bewegung.  Indem die  Sache in einem organischen
       Zellenbau vor sich geht und die Form von Reiz und Reaktion durch-
       macht, die  hier ebensogut  vorkommt wie in der Nervenvermittlung
       im menschlichen  Gehirn, ist  bei beiden derselbe Ausdruck Anpas-
       sung angebracht. Und wenn Anpassung platterdings durch Bewußtsein
       vermittelt sein  soll, wo  fängt das Bewußtsein und die Anpassung
       an, und  wo hört  sie auf? Bei der Monere [42], bei der insekten-
       fressenden Pflanze,  beim Schwamm,  bei der  Koralle, beim ersten
       Nerv? Dühring würde den Naturforschern alten Schlages einen enor-
       men Gefallen  tun, wenn er die Grenze ziehen wollte. Protoplasma-
       reiz und  Protoplasmareaktion finden  sich überall,  wo  lebendes
       Protoplasma ist  - und  indem die  Einwirkung langsam sich verän-
       dernder Reize es bedingt, daß das Protoplasma sich ebenfalls ver-
       ändert, wenn  es nicht untergehn soll, so ist der Ausdruck Anpas-
       sung   n o t w e n d i g   für alle  organischen Körper derselbe.
       1*)
       
       zu: VII. Naturphilosophie. Organische Welt, S. 65/66 ff.
       
       [Anpassung und Vererbung]
       Anpassung und  Vererbung von Haeckel als Anpassung = negativ oder
       ändernd, Vererbung  = positiv  oder erhaltend  in  Beziehung  auf
       Entwicklung der  Arten gefaßt.  Dagegen Dühring  p. 122,  daß die
       Vererbung auch  negative Resultate,   v e r ä n d e r n d  wirke.
       (Wobei schöner  Kohl von  Präformation.  [178))  Nun  ist  nichts
       leichter, wie  bei allen  solchen Gegensätzen, sie umzukehren und
       nachzuweisen, daß  die  Anpassung  grade  durch  Veränderung  der
       F o r m   das Wesentliche,  das  O r g a n  s e l b s t,  erhält,
       während die Vererbung schon durch Mischung von stets 2 andern In-
       dividuen stets  Veränderungen hervorbringt,  deren Häufung  einen
       Artwechsel nicht  ausschließt. Sie  vererbt ja auch die Resultate
       der Anpassung!  Dabei kommen  wir aber keinen Schritt weiter. Wir
       müssen den  T a t b e s t a n d  nehmen und untersuchen, wie er
       -----
       1*) Randbemerkung von  Engels: "Und  die unwillkürliche Anpassung
       auch bei Tieren die Hauptsache"
       
       #578# Materialien zum "Anti-Dühring"
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       ist, und  da findet  sich allerdings, daß Haeckel ganz recht hat,
       die Vererbung  wesentlich als die konservative, positive, die An-
       passung als  die revolutionierende,  negative Seite des Prozesses
       anzusehn. Zähmung  und Züchtung  sowie  unwillkürliche  Anpassung
       sprechen da lauter als alle "subtilen Auffassungen" Dührings.
       
       zu: VIII. Naturphilosophie. Organische Welt (Schluß), S. 73-77
       
       Dühring, p. 141.
       L e b e n.   Daß der  Stoffwechsel die wichtigste Erscheinung des
       Lebens, ist  schon seit  20 Jahren  von physiologischen Chemikern
       und chemischen  Physiologen x-mal  gesagt und hier wiederholt zur
       Definition des Lebens erhoben. Aber weder genau noch erschöpfend.
       Wir finden  Stoffwechsel auch  in  A b w e s e n h e i t  des Le-
       bens, z.B. bei einfachen chemischen Prozessen, die bei genügender
       Zufuhr von  Rohstoffen ihre eignen Bedingungen stets neu erzeugen
       und wobei  ein bestimmter  Körper Träger  des Prozesses ist (Bei-
       spiele s.  Roscoe, [S.] 102; Schwefelsäurefabrikation [410]), bei
       Endosmose und  Exosmose (toter  organischer und  selbst unorgani-
       scher Membranen?), bei den Traubeschen Kunstzellen [46] und ihrem
       Medium. Der  Stoffwechsel, der  das Leben  ausmachen soll,  müßte
       also erst  noch selbst  näher bestimmt  werden. Mit  aller tiefen
       Grundlegung, subtilen  Auffassung und  feineren Untersuchung sind
       wir also  der Sache  noch nicht auf den Grund gekommen und fragen
       noch immer, was ist Leben?
       Definitionen sind  für die Wissenschaft wertlos, weil stets unzu-
       länglich. Die  einzig reelle  Definition ist  die Entwicklung der
       Sache selbst,  und diese  ist aber  keine Definition  mehr. Um zu
       wissen und  zu zeigen,  was das Leben ist, müssen wir alle Formen
       des Lebens  untersuchen und  im Zusammenhang  darstellen. Dagegen
       kann für  den   H a n d g e b r a u c h  eine kurze Darlegung der
       allgemeinsten und  zugleich bezeichnendsten  Charaktere in  einer
       sog. Definition  oft nützlich  und sogar notwendig sein, und kann
       auch nicht schaden, wenn man von ihr nicht mehr verlangt, als sie
       eben aussprechen  kann. Versuchen wir also eine derartige Defini-
       tion des Lebens zu geben, an der sich soviel Leute die Zähne aus-
       gebissen (s. Nicholson [411]).
       Leben ist  die Daseinsweise  der Eiweißkörper  und diese Daseins-
       weise besteht wesentlich in der beständigen Erneuerung ihrer che-
       mischen Bestandteile durch Ernährung und Ausscheidung ...
       Aus dem  organischen Stoffwechsel  als wesentlicher  Funktion des
       Eiweißes und  aus der  ihm eigenen  Plastizität leiten  sich dann
       alle andern  einfachsten Lebensfunktionen  ab -  Reizbarkeit, die
       schon in der Wechseleinwirkung
       
       #579# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
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       von Nahrung  und Eiweiß  eingeschlossen liegt - Kontraktilität im
       Verzehren der  Nahrung - Wachstumsmöglichkeit, die auf der unter-
       sten Stufe  (Monere [42])  die Fortpflanzung  durch Teilung  ein-
       schließt -  innere Bewegung, ohne die weder Verschlingen noch As-
       similieren der Nahrung möglich. Wie aber der Fortschritt vom ein-
       fachen plastischen  Eiweiß zur  Zelle und  damit zur Organisation
       sich vollzieht,  das muß  die Beobachtung  erst lehren,  und eine
       derartige Untersuchung gehört auch nicht in eine einfache Handde-
       finition des  Lebens. ([Das] D[ühring]sche kennt p. 141 noch eine
       ganze Zwischenwelt,  da ohne  ein Zirkulationskanalsystem und ein
       "Keimschema" kein eigentliches Leben. Die Stelle prachtvoll.)
       
       zu: X. Moral und Recht. Gleichheit, S. 89-95
       
       Dühring - Ökonomie - Die beiden Männer
       Solange von  Moral die  Rede, kann Dühring sie als gleich setzen,
       aber sowie  die Ökonomie  anfängt, hört  das auf. Wenn z.B. diese
       beiden Männer sind ein Yankee broken in to all trades 1*) und ein
       Berliner Studiosus,  der nichts  mitbringt als sein Abiturienten-
       zeugnis und  die Wirklichkeitsphilosophie,  dabei aus Prinzip nie
       auf dem  Fechtboden gestärkte Arme, wo bleibt die Gleichheit? Der
       Yankee produziert  alles, der  Studiosus hilft  bloß hier und da,
       und nach  den Erträgen richtet sich die Verteilung, und in kurzem
       wird der  Yankee die  Mittel haben,  etwaigen Zuwachs der Kolonie
       (durch Kinder  oder Zuzug)  kapitalistisch auszubeuten. Der ganze
       moderne Zustand,  kapitalistische Produktion  und alles kann also
       leicht aus  den 2  Männern entstehn,  ohne daß  Einer einen Säbel
       braucht.
       
       zu: X. Moral und Recht. Gleichheit, S. 95-100
       
       D ü h r i n g i a n a
       G l e i c h h e i t   -   G e r e c h t i g k e i t.   - Die Vor-
       stellung, daß  die Gleichheit der Ausdruck der Gerechtigkeit, das
       Prinzip der  vollkommnen politischen oder sozialen Anordnung, ist
       ganz historisch  entstanden. Bei  den naturwüchsigen  Gemeinwesen
       existierte sie  nicht, oder  doch nur  sehr beschränkt,  für  das
       vollberechtigte Mitglied eines einzelnen Gemeinwesens und war be-
       haftet mit Sklaverei. Dito in der antiken Demokratie. Die Gleich-
       heit aller  Menschen, Griechen,  Römer und  Barbaren, Freier  und
       Sklaven, Staatsangehöriger und Fremder, Bürger und Schutzverwand-
       ter etc., war für den
       -----
       1*) mit allen Wassern gewaschener Yankee
       
       #580# Materialien zum "Anti-Dühring"
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       antiken Kopf  nicht nur verrückt, sondern verbrecherisch, und ihr
       erster Anfang  wurde im  Christentum konsequent  verfolgt.  -  Im
       Christentum zuerst  die    n e g a t i v e    G l e i c h h e i t
       a l l e r   M e n s c h e n   v o r  G o t t  a l s  S ü n d e r,
       und in  engerer Fassung  die Gleichheit  der einen wie der andren
       durch die  Gnade und  das Blut  Christi erlösten  Kinder  Gottes.
       Beide Fassungen begründet in der Rolle des Christentums als Reli-
       gion der  Sklaven, Verbannten,  Verstoßenen,  Verfolgten,  Unter-
       drückten. Mit  dem Sieg  des Christentums fiel dies Moment in den
       Hintergrund, der  Gegensatz von  Gläubigen und Heiden, Orthodoxen
       und Ketzern  wurde nächste  Hauptsache. -  Mit dem  Aufkommen der
       Städte, und  damit der mehr oder minder entwickelten Elemente der
       Bourgeoisie wie  des Proletariats,  mußte auch  die Forderung der
       Gleichheit als  Bedingung der  bürgerlichen  Existenz  allmählich
       wieder aufdämmern und sich daran die proletarische Konsequenzzie-
       herei von  der politischen  auf die  soziale Gleichheit  knüpfen.
       Dies, natürlich  in religiöser  Form, zuerst scharf ausgesprochen
       im Bauernkrieg.  - Die bürgerliche Seite zuerst scharf, aber noch
       als allgemein menschlich formuliert durch Rousseau. Wie bei allen
       Forderungen der  Bourgeoisie steht  auch hier das Proletariat als
       verhängnisvoller Schatten  daneben und  zieht seine  Konsequenzen
       (Babeuf). Dieser  Zusammenhang zwischen  bürgerlicher  Gleichheit
       und proletarischer Konsequenzzieherei näher zu entwickeln.
       Es hat  also fast  die ganze bisherige Geschichte dazu gebraucht,
       den Satz von der Gleichheit = Gerechtigkeit herauszuarbeiten, und
       erst als eine Bourgeoisie und ein Proletariat existierten, ist es
       gelungen. Der  Satz  der  Gleichheit  ist  aber  der,  daß  keine
       V o r r e c h t e   bestehen sollen,  ist also  wesentlich   n e-
       g a t i v,   erklärt die ganze bisherige Geschichte für schlecht.
       Wegen seines  Mangels an  positivem Inhalt und wegen seiner kurz-
       händigen Verwerfung  alles Frühern  eignet er sich ebensosehr für
       Aufstellung durch  eine große  Revolution, [S.]  89-96,  wie  für
       spätere systemfabrizierende  Flachköpfe. Aber  Gleichheit  =  Ge-
       rechtigkeit als  höchstes Prinzip  und letzte Wahrheit hinstellen
       zu wollen,  ist absurd.  Gleichheit besteht  bloß im Gegensatz zu
       Ungleichheit, Gerechtigkeit  zu Unrecht,  sind also  noch mit dem
       Gegensatz zur  alten bisherigen Geschichte behaftet, also mit der
       alten Gesellschaft selbst. 1*)
       Das schließt  schon aus,  daß sie  die  e w i g e  Gerechtigkeit,
       Wahrheit ausmachen sollen. Wenige Generationen gesellschaftlicher
       Entwicklung unter
       -----
       1*) Randbemerkung von Engels: "Die Gleichheitsvorstellung aus der
       Gleichheit der  allgemeinen menschlichen  Arbeit in der Warenpro-
       duktion." "Kapital",  p. 36  (siehe Band  23 unserer  Ausgabe, S.
       73/74)
       
       #581# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
       -----
       kommunistischem Regime und unter den vermehrten Hülfsmitteln müs-
       sen die  Menschen dahin  bringen, daß  dies Pochen auf Gleichheit
       und Recht ebenso lächerlich erscheint wie heute Pochen auf Adels-
       etc. Geburtsvorrechte,  daß der  Gegensatz zur alten Ungleichheit
       und zum  alten positiven  Recht, ja auch zum neuen Übergangsrecht
       aus dem praktischen Leben verschwunden ist, daß, wer auf pedanti-
       sche Aushändigung  seines gleichen und gerechten Produktenanteils
       beharrt, mit  Aushändigung des  Doppelten verhöhnt  wird.  Selbst
       Dühring wird  dies "absehbar"  finden, und  wo  bleibt  dann  die
       Gleichheit und  Gerechtigkeit, als in der Rumpelkammer der histo-
       rischen Erinnerung?  Weil dergleichen  zur Agitation  heute  vor-
       trefflich ist, ist es noch lange keine ewige Wahrheit.
       (I n h a l t   der Gleichheit  zu entwickeln.  - Beschränkung auf
       Rechte usw.)
       Übrigens ist  die abstrakte Gleichheitstheorie auch heute und für
       eine längere  Zukunft noch ein Widersinn. Es wird keinem soziali-
       stischen Proletarier  oder Theoretiker  einfallen, die  abstrakte
       Gleichheit zwischen sich und einem Buschmann oder Feuerländer, ja
       nur einem   B a u e r n  oder halbfeudalen Landtaglöhner anerken-
       nen zu  wollen; und  von dem  Moment an, wo dies nur auf europäi-
       schem Boden  überwunden ist,  ist auch der abstrakte Gleichheits-
       standpunkt überwunden.  Mit Einführung der rationellen Gleichheit
       verliert diese Gleichheit selbst alle Bedeutung. Wenn die Gleich-
       heit jetzt  gefordert wird,  so geschieht  es in Antizipation der
       damit     u n t e r    j e t z i g e n    h i s t o r i s c h e n
       V e r h ä l t n i s s e n   von selbst  folgenden intellektuellen
       und moralischen  A u s g l e i c h u n g.  Eine  e w i g e  Moral
       muß aber  zu allen Zeiten möglich gewesen sein und es  a l l e r-
       o r t s   sein. Das von der Gleichheit zu behaupten, fällt selbst
       Dühring nicht  ein, im  Gegenteil, er  macht sein Provisorium der
       Repression, gibt  also zu,  daß sie keine ewige Wahrheit, sondern
       historisches  Produkt   und  Attribut   bestimmter   historischer
       Zustände ist.
       Die Gleichheit des Bourgeois (Abschaffung der  Klassen p r i v i-
       l e g i e n)  ist  sehr  verschieden  von  der  des  Proletariers
       (Abschaffung  der   Klassen  selbst).  Weiter  als  diese  letzte
       getrieben, d.  h. abstrakt gefaßt, wird die Gleichheit Widersinn.
       Wie denn  auch Herr  Dühring schließlich  genötigt  ist,  Gewalt,
       bewaffnete wie  administrative,  richterliche  und  polizeiliche,
       durch eine Hintertür wieder einzuführen.
       So ist  die   V o r s t e l l u n g   d e r   G l e i c h h e i t
       s e l b s t   e i n   h i s t o r i s c h e s  P r o d u k t,  zu
       deren Herausarbeitung  die ganze  Vorgeschichte nötig,  die  also
       nicht von  Ewigkeit her  als Wahrheit  existierte. Daß  sie  sich
       jetzt bei  der Mehrzahl der Leute - en principe 1*)  - von selbst
       versteht, ist keine Wirkung ihrer Axiomhaftigkeit,
       -----
       1*) grundsätzlich
       
       #582# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       sondern der  V e r b r e i t u n g  d e r  I d e e n  d e s  1 8.
       J a h r h u n d e r t s.   Und wenn daher die beiden famosen Män-
       ner sich heute auf den Boden der Gleichheit stellen, so kommt das
       eben daher, daß sie als jebildete Leute des 19. Jahrhunderts vor-
       gestellt werden  und ihnen  dies   "n a t ü r l i c h"   ist. Wie
       sich   w i r k l i c h e   Leute verhalten  und verhalten  haben,
       hängt und  hing stets  von den  geschichtlichen Verhältnissen ab,
       unter denen sie lebten.
       
       zu: IX.  Moral und Recht. Ewige Wahrheiten, S. 86-88 und X. Moral
       und Recht. Gleichheit, S. 95-100
       
       [Abhängigkeit der Ideen von den gesellschaftlichen Verhältnissen]
       Die Vorstellung,  als ob    d i e    I d e e n    u n d    V o r-
       s t e l l u n g e n   d e r    M e n s c h e n    i h r e    L e-
       b e n s b e d i n g u n g e n   s c h ü f e n   und  nicht  umge-
       kehrt, wird  durch die  ganze bisherige Geschichte dementiert, in
       der stets  etwas andres als das Gewollte herauskam, meist im wei-
       teren Verlauf  sogar das Gegenteil. Erst in einer mehr oder weni-
       ger entfernten  Zukunft kann  sie sich  insofern realisieren, als
       die Menschen  die Notwendigkeit  einer durch  die sich  ändernden
       Verhältnisse gebotenen Änderung der gesellschaftlichen Verfassung
       (sit venia  verbo 1*))  vorher erkennen  und wollen, ehe sie sich
       ihnen unbewußt  und ungewollt aufzwingt. - Dies gilt auch von den
       R e c h t s vorstellungen,   also der Politik (und as far as that
       goes 2*), dieser Punkt unter der "Philosophie" zu behandeln - die
       "Gewalt" bleibt für die Ökonomie).
       
       zu: XI.  Moral und  Recht. Freiheit und Notwendigkeit, S. 106/107
       (siehe auch:  Dritter Abschnitt, V. Staat, Familie, Erziehung, S.
       294-296)
       
       Schon die  richtige  Widerspiegelung  der    N a t u r    äußerst
       schwer, Produkt  einer langen  Erfahrungsgeschichte.  Die  Natur-
       kräfte dem  ursprünglichen  Menschen  etwas  Fremdes,  Geheimnis-
       volles, Überlegnes.  Auf einer gewissen Stufe, die  a l l e  Kul-
       turvölker durchmachen,  assimiliert er  sie sich  durch  Personi-
       fikation. Dieser Personifikationstrieb schuf eben überall Götter,
       und der  consensus gentium  3*) des  Beweises vom  Dasein  Gottes
       beweist eben  nur die Allgemeinheit dieses Personifikationstriebs
       als notwendiger Durchgangsstufe, also auch der Religion. Erst die
       wirkliche Erkenntnis  der Naturkräfte  vertreibt die  Götter oder
       den Gott aus einer Position nach der andern
       -----
       1*) Entschuldigung für  das Wort  - 2*) soweit  es geht - 3*) die
       Übereinstimmung der Völker hinsichtlich
       
       #583# Aus Engels" Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
       -----
       (Secchi und  sein Sonnensystem). Dieser Prozeß jetzt so weit, daß
       er theoretisch als abgeschlossen angesehen werden kann.
       In  G e s e l l s c h a f t s a c h e n  die Widerspiegelung noch
       schwieriger. Die  Gesellschaft wird  bestimmt durch  die ökonomi-
       schen Verhältnisse,  Produktion  und  Austausch,  nebst  den  ge-
       schichtlichen Vorbedingungen.
       
       zu: XII.  Dialektik. Quantität  und Qualität,  S. 111-114  (siehe
       auch: Einleitung, S. 20-23)
       
       Gegensatz -  wenn ein Ding mit dem Gegensatz behaftet ist, so be-
       findet es  sich mit  sich selbst  im  W i d e r s p r u c h,  und
       sein Gedankenausdruck  ebenfalls. Z. B. daß ein Ding gleichzeitig
       dasselbe bleibt  und sich doch stets verändert, den Gegensatz von
       "Beharrung"   und    "Veränderung"   an   sich   hat,   ist   ein
       W i d e r s p r u c h.
       
       zu: XIII. Dialektik. Negation der Negation
       
       [Negation der Negation]
       Alle indogermanischen  Völker fangen  an mit  dem Gemeineigentum.
       Bei fast allen wird es im Verlauf der gesellschaftlichen Entwick-
       lung aufgehoben,   n e g i e r t,  durch andre Formen - Privatei-
       gentum, feudales  Eigentum, etc.  - verdrängt.  Diese Negation zu
       negieren, das  Gemeineigentum auf  einer höhern Entwicklungsstufe
       wieder herzustellen,  ist die  Aufgabe der - sozialen Revolution.
       Oder: die  antike Philosophie war ursprünglich naturwüchsiger Ma-
       terialismus. Aus diesem ging Idealismus, Spiritualismus, Negation
       des Materialismus hervor, erst in der Gestalt des Gegensatzes von
       Seele und Leib, dann in der Unsterblichkeitslehre und im Monothe-
       ismus. Vermittelst  des Christentums  wurde dieser Spiritualismus
       allgemein verbreitet.  Die Negation dieser Negation ist - die Re-
       produktion des  alten auf  höherer Stufe, der moderne Materialis-
       mus, der  im wissenschaftlichen  Sozialismus seinen theoretischen
       Abschluß, der Vergangenheit gegenüber, findet ...
       Diese natürlichen  und historischen  Prozesse haben  selbstredend
       ihren Reflex  im denkenden  Gehirn und  reproduzieren sich darin,
       wie sich  dies schon  bei den  obigen Beispielen von -a × -a etc.
       zeigt; und  grade die  höchsten dialektischen Aufgaben lösen sich
       nur vermittelst dieser Methode.
       Nun gibt's aber auch eine schlechte, unfruchtbare Negation. - Die
       wahre, natürliche,  historische und  dialektische Negation ist ja
       eben das  Treibende (formell  genommen) aller  Entwicklung -  die
       Spaltung in Gegensätze, deren Kampf und Lösung, wobei (in der Ge-
       schichte teilweise, im
       
       #584# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       Denken ganz) auf Grund der gewonnenen Erfahrung der ursprüngliche
       Ausgangspunkt, aber  auf höherer  Stufe wieder  erreicht wird.  -
       Diese unfruchtbare  Negation ist  die rein  subjektive, individu-
       elle, die nicht ein Entwicklungsstadium der Sache selbst, sondern
       eine von außen hineingetragne  M e i n u n g  ist. Und da bei ihr
       nichts herauskommen kann, muß der so Negierende sich in Unfrieden
       mit der Welt befinden, alles Vorhandene und Geschehene, die ganze
       historische Entwicklung,  griesgrämig bemängeln.  Die alten Grie-
       chen haben  zwar einiges  geleistet, aber sie kannten keine Spek-
       tralanalyse,  keine  Chemie,  keine  Differentialrechnung,  keine
       Dampfmaschine, keine Chausseen, elektrischen Telegraph und Eisen-
       bahn. Was  soll man  sich noch viel mit den Produkten solcher un-
       tergeordneten Leute  aufhalten. Alles  ist schlecht  - soweit ist
       diese Art  Negant Pessimist - bis auf Allerhöchst uns selbst, die
       wir vollkommen  sind, und  somit geht unser Pessimismus in unserm
       Optimismus auf.  Und somit haben wir selbst Negation der Negation
       begangen!
       Sogar die  Rousseausche  Vorstellungsweise  von  der  Geschichte:
       ursprüngliche Gleichheit  - Verderben  durch Ungleichheit  - Her-
       stellung der Gleichheit auf einer höhern Stufe - ist Negation der
       Negation. 1*)
       Idealismus -   i d e a l e   Auffassung etc. von Dühring fortwäh-
       rend gepredigt.  Wenn wir  aus den  bestehenden Verhältnissen die
       Konsequenz für  die Zukunft  ziehn, wenn wir die  p o s i t i v e
       Seite der  in der  laufenden Geschichte  wirksamen   n e g a t i-
       v e n   Elemente auffassen und untersuchen - und das tut sogar in
       seiner  Art  der  philisterhafteste  Fortschrittler,  selbst  der
       Idealist Lasker  - so  nennt Dühring  das "Idealismus"  und zieht
       draus für  sich das  Recht, eine  phantastische, weil  auf Unwis-
       senheit beruhende  Zukunftskonstruktion zu  machen  bis  auf  den
       Schulplan. Daß  er dabei  auch   N e g a t i o n  d e r  N e g a-
       t i o n  b e g e h t,  übersieht er.
       
       zu: XIII. Dialektik. Negation der Negation, S. 127-129
       
       Negation der Negation und Widerspruch.
       Das "Nichts"  eines Positiven ist ein bestimmtes Nichts, sagt He-
       gel. [412]
       
       "Die Differentiale  können angesehen  und  behandelt  werden  als
       w i r k l i c h e   2*)  N u l l e n,  die aber unter sich in ei-
       nem durch  den Stand der grade vorliegenden Frage bestimmten Ver-
       hältnis stehen."  Dies sei  mathematisch   k e i n   U n s i n n,
       sagt Bossut [413]
       -----
       1*) Dieser Absatz  steht am Rande des Manuskripts ohne Angabe der
       Stelle, auf die er sich bezieht - 2*) Hervorhebung von Engels
       
       #585# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
       -----
       0/0 könne einen sehr bestimmten Wert haben, wenn entstanden durch
       gleichzeitiges Verschwinden  des Zählers  und Nenners. Dito 0:0 =
       A:B, wo  0/0 = A/B, also mit dem Wert von A und B wechsle (p. 95,
       Beispiele).
       Und ist  das kein  "Widerspruch",  daß  Nullen  in  Verhältnissen
       stehn, d.h.  nicht nur  Wert überhaupt, sondern sogar verschiedne
       Werte haben könnten, die in Zahlen ausgedrückt werden können? 1:2
       = 1:2; 1 - 1:2 - 2 = 1:2; 0:0= 1:2  [414].
       Dühring sagt  selbst, daß  jene Summationen  unbeschränkt kleiner
       Größen, die  höchsten etc.  der Mathematik  sind, zu  deutsch die
       Integralrechnung. Und  wie vollzieht  sich diese?  Ich habe  2, 3
       oder mehr  variable Größen,  d. h. solche, die bei ihrer Verände-
       rung ein bestimmtes Verhältnis unter sich beobachten. Meinetwegen
       2, x und y, und soll eine bestimmte, durch gewöhnliche Mathematik
       unlösbare Aufgabe  lösen, in der x und y fungieren. Ich differen-
       ziere x und y, d. h. ich nehme x und y so unendlich klein an, daß
       sie gegen  jede noch so kleine wirkliche Größe verschwinden - daß
       von x  und y  nichts bleibt als  i h r  g e g e n s e i t i g e s
       V e r h ä l t n i s,   ohne alle  materielle Grundlage, dx/dy ist
       also 0/0,  aber 0/0  gesetzt im Verhältnis von x/y. Daß dies Ver-
       hältnis zwischen  zwei verschwundnen  Größen, der fixierte Moment
       ihres Verschwindens,  ein Widerspruch ist, kann uns nicht stören.
       Was  anders   also  habe   ich  getan,   als  daß  ich  x  und  y
       n e g i e r t   habe, aber  nicht so,  daß ich mich nicht mehr um
       sie kümmre,  sondern in der der Sache entsprechenden Weise. Statt
       x und  y habe ich ihre Negation, dx und dy, in den mir vorliegen-
       den Formeln  oder Gleichungen.  Ich rechne nun mit diesen Formeln
       wie gewöhnlich,  behandle dx  und dy  als ob sie wirkliche Größen
       wären, und an einem gewissen Punkt - negiere ich die Negation, d.
       h. integriere  die Differentialformel, setze an Stelle von dx und
       dy die  wirklichen Größen  x und  y und bin damit nicht wieder so
       weit wie  vorher, sondern  ich habe  damit die Aufgabe gelöst, an
       der sich  die gewöhnliche  Geometrie und  Algebra  vergebens  die
       Zähne ausbeißen.
       
       Zum zweiten Abschnitt: Politische Ökonomie
       
       zu: II. Gewaltstheorie
       
       S k l a v e r e i,   wo sie  Hauptform der  Produktion, macht die
       Arbeit zu  sklavischer Tätigkeit, also entehrend für Freie. Damit
       der Ausweg aus einer
       
       #586# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       solchen Produktionsweise  verschlossen, während  andrerseits  die
       entwickeltere Produktion  an der  Sklaverei ihre  Schranke findet
       und zu  deren Beseitigung  gedrängt wird.  An diesem  Widerspruch
       geht jede auf Sklaverei gegründete Produktion und die auf ihr ge-
       gründeten Gemeinwesen  zugrunde. Lösung  in  den  meisten  Fällen
       durch gewaltsame Knechtung der verkommenden Gemeinwesen durch an-
       dre, stärkere (Griechenland durch Mazedonien und später Rom); so-
       lange diese  selbst auf  Sklaverei beruhen,  wird das Zentrum nur
       verlegt und  der Prozeß  auf höherer  Stufe wiederholt  bis (Rom)
       endlich ein  Volk erobert,  das eine andre Produktionsform an die
       Stelle der  Sklaverei setzt.  Oder aber  die Sklaverei wird durch
       Zwang oder  freiwillig abgeschafft  und  dann    g e h t    d i e
       b i s h e r i g e   P r o d u k t i o n s w e i s e  z u g r u n-
       d e;   an Stelle der großen Kultur tritt Squatterparzellenbau wie
       in Amerika.  Insofern ging  auch Griechenland  an  der  Sklaverei
       zugrunde, wobei  noch Aristoteles: daß der Umgang mit Sklaven die
       Bürger demoralisiert  - abgesehn  davon, daß  sie den Bürgern das
       Arbeiten unmöglich macht. (Haussklaverei wie im Orient eine andre
       Sache: hier bildet sie nicht direkt die Grundlage der Produktion,
       sondern indirekt,  als ein  Bestandteil der Familie, und sie geht
       unmerklich in die Familie über (Haremssklavinnen).)
       
       zu: III. Gewaltstheorie (Fortsetzung)
       
       Die Dühringsche  verwerfliche Geschichte  wird beherrscht von der
       G e w a l t.   Die wirkliche,  fortschreitende [historische Bewe-
       gung wird  beherrscht] von    m a t e r i e l l e n    E r r u n-
       g e n s c h a f t e n,  die  b l e i b e n.
       
       zu: III. Gewaltstheorie (Fortsetzung)
       
       Und womit  wird die  Gewalt, die  Armee erhalten? Durch  G e l d.
       Also sofort  wieder abhängig  von  der  Produktion.  Vgl.  Athens
       Flotte und Politik. (380-340[v.u.Z.]) Die Gewalt über die Bundes-
       genossen scheiterte  am Mangel  der materiellen Mittel, lange und
       kräftige Kriege  zu führen.  Die englischen  Subsidien, durch die
       neue große Industrie geschaffen, schlugen Napoleon.
       
       zu: III. Gewaltstheorie (Fortsetzung)
       
       [Partei und militärische Ausbildung]
       Beim Kampf  ums Dasein und Dührings Deklamationen gegen Kampf und
       Waffen hervorzuheben  die Notwendigkeit,  daß eine  revolutionäre
       Partei auch  den Kampf kenne: die Revolution steht ihr möglicher-
       weise einmal bevor; aber nicht gegen den jetzigen militärisch-bü-
       rokratischen Staat, das
       
       #587# Aus Engels' Vorarbeiten mm "Anti-Dühring"
       -----
       wäre politisch ebenso wahnsinnig, wie Babeufs Versuch, vom Direk-
       torium [130] sofort in den Kommunismus zu springen, ja noch wahn-
       sinniger, denn das Direktorium war doch eine bürgerliche und bäu-
       erliche Regierung.  Aber gegen  den auf  den  jetzigen  folgenden
       Bourgeoisstaat kann  die Partei  zu revolutionären Schritten, zur
       Wahrung der von der Bourgeoisie selbst gegebnen Gesetze gezwungen
       werden. Daher  die allgemeine  Wehrpflicht in  unsren Interessen,
       und sollte  von allen benutzt werden, um den Kampf zu lernen, be-
       sonders aber  von denen,  deren Bildung  ihnen erlaubt,  als ein-
       jährige Freiwillige die militärische Bildung zum Offizier sich zu
       erwerben.
       
       zu: IV. Gewaltstheorie (Schluß)
       
       Zur "Gewalt"
       Daß die  Gewalt  auch  revolutionär  wirkt,  und  zwar  in  allen
       entscheidenden "kritischen"  Epochen wie beim Übergang zur Sozia-
       lität und  da auch  nur als  Notwehr gegen reaktionäre auswärtige
       Feinde, anerkannt.  Aber die  bei Marx dargestellte Umwälzung des
       16. Jahrhunderts  in England hatte auch ihre revolutionäre Seite,
       sie war eine Grundbedingung der Verwandlung des feudalen Grundbe-
       sitzes in  bürgerlichen und  der Entwicklung der Bourgeoisie. Die
       französische Revolution  1789 wandte  ebenfalls bedeutend  Gewalt
       an, der  4. August  sanktionierte bloß  die Gewalthandlungen  der
       Bauern und  wurde ergänzt  durch die Konfiskation der adligen und
       kirchlichen Güter.  [415] Die  Gewalteroberung der  Germanen, die
       Gründung von  Eroberungsreichen, wo  das Land und nicht die Stadt
       herrschte (wie  im Altertum), war begleitet - und eben aus diesem
       letzteren Grund  - mit Verwandlung der Sklaverei in die leichtere
       Leibeigenschaft resp.  Hörigkeit (im Altertum Latifundien beglei-
       tet von Verwandlung von Ackerland in Viehweide).
       
       zu: IV. Gewaltstheorie (Schluß)
       
       [Gewalt, Gemeineigentum, Ökonomie und Politik]
       Als die  Indogermanen nach  Europa einwanderten,  verdrängten sie
       die Urbewohner  mit   G e w a l t   und bebauten das Land mit Ge-
       meindebesitz. Bei  Kelten, Germanen und Slawen dies letztere noch
       historisch nachweisbar,  und bei Slawen, Germanen und selbst Kel-
       ten (rundale)  existiert es  noch, selbst unter der Form direkter
       (Rußland) oder  indirekter Hörigkeit  (Irland). Die  Gewalt hörte
       auf,  sobald   die  Lappen  und  Basken  vertrieben.  Nach  innen
       herrschte Gleichheit  oder resp.  freiwillig zugestandene  Bevor-
       zugung. Da, wo aus dem Gemeineigentum das Privateigentum der ein-
       zelnen
       
       #588# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       Bauern am  Boden entstand,  vollzog sich  bis zum 16. Jahrhundert
       diese Teilung  rein spontan  unter den  Gemeindegliedern, sie er-
       folgte meist  ganz allmählich  und Reste von Gemeinbesitz blieben
       sehr gewöhnlich. Von  G e w a l t  war keine Rede, diese richtete
       sich erst  gegen die  Reste (England  18.  und  19.,  Deutschland
       hauptsächlich 19.  Jahrhundert). Irland  ist ein  besondrer Fall.
       Dies Gemeineigentum hat in Indien und Rußland unter den verschie-
       densten Gewaltseroberungen  und Despotismen  ruhig  fortbestanden
       und  seine   Basis  gebildet.   Rußland  ein   Beweis,  wie   die
       Produktionsverhältnisse die  politischen Gewaltsverhältnisse  be-
       stimmen. Bis  Ende des 17. Jahrhunderts der russische Bauer wenig
       gedrückt, freizügig,  kaum hörig. Der erste Romanow band die Bau-
       ern an die Scholle. Mit Peter fing der auswärtige Handel Rußlands
       an, das  nur Ackerbauprodukte  auszuführen hatte.  D a m i t  die
       Bedrückung der  Bauern, die in demselben Verhältnis stieg wie die
       A u s f u h r,  u m  d e r e n t w i l l e n  s i e  e r f o l g-
       t e,   bis Katharina  diese Bedrückung vollständig machte und die
       Gesetzgebung abschloß. Diese Gesetzgebung erlaubte aber den Guts-
       besitzern, die  Bauern immer  mehr zu  schinden, so daß der Druck
       mehr und mehr stieg.
       
       zu: IV. Gewaltstheorie (Schluß)
       
       Wenn die  Gewalt die  Ursache der  sozialen und  politischen  Zu-
       stände, was  denn die  Ursache der  Gewalt? Die Aneignung fremder
       Arbeits p r o d u k t e  und fremder  Arbeits k r a f t.  Die Ge-
       walt konnte  den Verzehr der Produkte ändern, aber nicht die Pro-
       duktionsweise selbst,  sie konnte  nicht Fronarbeit in Lohnarbeit
       verwandeln, es  sei denn,  daß die Bedingungen dazu vorhanden und
       die Fronform eine Fessel der Produktion geworden.
       
       zu: IV. Gewaltstheorie (Schluß)
       
       Bisher Gewalt  - von  jetzt an Sozialität. Reiner frommer Wunsch,
       Forderung der  "Gerechtigkeit". Aber  schon Th.  Morus hat  diese
       Forderung vor  350 Jahren  gestellt [23],  ohne daß  sie erfüllt.
       Weshalb sollte  sie denn  jetzt erfüllt werden? Dühring hat keine
       Antwort.  In   Wirklichkeit,  die   große  Industrie  stellt  die
       Forderung  nicht   als  eine   der  Gerechtigkeit,   sondern  als
       Notwendigkeit der Produktion auf, und das ändert alles.
       
       #589# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
       -----
       Zum dritten Abschnitt: Sozialismus
       
       zu: I. Geschichtliches
       
       Fourier ("Nouveau monde industriel et sociétaire"). [418]
       
       Element der   U n g l e i c h h e i t:  "da der Mensch instinktiv
       ein Feind der Gleichheit ist" [p.] 59.
       "Dieser Betrugsmechanismus, den man Zivilisation nennt", 81.
       "Man sollte  es vermeiden, sie" (die Frauen), "wie es bei uns üb-
       lich ist,  auf undankbare  Aufgaben, auf  Bedientenrollen zu  be-
       schränken, die  ihnen von der Philosophie zugewiesen werden, wel-
       che behauptet,  daß eine  Frau nur dazu geschaffen ist, die Töpfe
       zu waschen und alte Hosen zu flicken", 141.
       "Gott hat die Arbeit in der Manufaktur mit einer Dosis von Anzie-
       hungskraft bedacht,  die nur  einem Viertel  der Zeit entspricht,
       welche der  gesellschaftliche Mensch der Arbeit widmen kann." Der
       Rest soll daher dem Ackerbau, der Viehzucht, der Küche, den indu-
       striellen Armeen gehören. 152.
       "Die zärtliche Moral, die gütige und reine Freundin des Handels",
       161. "Kritik der Moral" 162 ff.
       In der  heutigen  Gesellschaft  "im  zivilisierten  Mechanismus",
       herrscht "Doppelseitigkeit  des Handelns,  Gegensatz zwischen dem
       individuellen und kollektiven Interesse"; es ist "ein allgemeiner
       Kampf der Individuen gegen die Massen. Und da wagen es unsere po-
       litischen Wissenschaften von Aktionseinheit zu sprechen!" 172.
       "Weil die  Modernen die Theorie der Ausnahmen oder Übergänge, die
       Theorie der   B a s t a r d e  nicht kannten, sind sie überall im
       Studium der  Natur gescheitert."  (Beispiel  des  "Bastards:  die
       Quitte, die Nektarine, der Aal, die Fledermaus etc.") 191.
       
       Zweiter Teil
       
       [In seinem  zweiten Teil  besteht das  Manuskript der Vorarbeiten
       zum "Anti-Dühring" aus Auszügen, entnommen dem "Cursus der Natio-
       nal- und  Socialökonomie" von  E. Dühring.  Wir  geben  hier  nur
       einige am Rande gemachte Bemerkungen von Engels wieder mit kurzen
       Hinweisen, auf  welche Gedankengänge  bei Dühring  sie  sich  be-
       ziehen.
       Zu der  Behauptung von  Dühring, "daß die Willensbetätigung, ver-
       möge deren  die Vereinigungsgebilde  der Menschen geschaffen wer-
       den, an sich selbst unter Naturgesetzen stehen", bemerkt Engels:]
       
       Also von  h i s t o r i s c h e r  Entwicklung keine Rede. Bloßes
       ewiges Naturgesetz.  Alles ist  Psychologie und diese leider noch
       weit "rückständiger" als die Politik.
       
       #590# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       [In unmittelbarem  Zusammenhang mit den Dühringschen Ausführungen
       über Sklaverei, Lohnhörigkeit und Gewalteigentum als "sozial-öko-
       nomische   V e r f a s s u n g s f o r m e n   e c h t   p o l i-
       t i s c h e r  N a t u r"  schreibt Engels:]
       
       Immer der  Glaube, daß  die Ökonomie nur ewige Naturgesetze habe,
       alle Änderung und Fälschung durch die böse Politik gemacht.
       In der  ganzen Gewalttheorie also soviel richtig, daß bisher alle
       Gesellschaftsformen zu ihrer Erhaltung  G e w a l t  nötig hatten
       und sogar teilweise gewaltsam eingeführt worden. Diese Gewalt, in
       ihrer organisierten  Form, heißt  S t a a t.  Wir haben hier also
       die Trivialität,  daß, sowie  die Menschen sich über die rohesten
       Zustände erhoben,  überall Staaten existiert haben, und um das zu
       wissen, hat  die Welt  nicht auf Dühring gewartet. - Nun ist aber
       Staat und  Gewalt grade  das allen bisherigen Gesellschaftsformen
       G e m e i n s a m e,   und wenn ich z. B. die orientalischen Des-
       potismen, die  antiken Republiken,  die mazedonischen Monarchien,
       das römische  Kaisertum, den Feudalismus des Mittelalters dadurch
       erkläre, daß  sie alle auf  G e w a l t  beruhn, so habe ich noch
       gar nichts  erklärt. Die  verschiednen sozialen  und  politischen
       Formen müssen also nicht durch die Gewalt, die ja stets dieselbe,
       sondern durch  dasjenige erklärt  werden,    w o r a u f    d i e
       G e w a l t   a n g e w a n d t   w i r d,   auf das,  w a s  ge-
       raubt wird  - die  Produkte und  Produktivkräfte der jedesmaligen
       Epoche und  deren aus ihnen selbst hervorgehende Disposition. Und
       da würde  man finden,  daß der  orientalische Despotismus auf dem
       Gemeineigentum, die antiken Republiken auf den ackerbautreibenden
       Städten, das römische Kaiserreich auf den Latifundien, der Feuda-
       lismus auf der Herrschaft des Landes über die Stadt, die ihre ma-
       teriellen Gründe hatte, beruhn etc.
       
       [Engels zitiert folgende Ausführungen Dührings: "Die Naturgesetze
       der Wirtschaft werden in aller Strenge erst dadurch gewonnen, daß
       man die  Wirkungen der Staats- und Gesellschaftseinrichtungen (!)
       und namentlich  diejenigen des  mit Lohnhörigkeit verknüpften Ge-
       walteigentums in  Gedanken ausmerzt und sich hütet, die letzteren
       als Notwendigkeiten  der bleibenden  Natur (!) des Menschen anzu-
       sehn..."
       Auf diese  Ausführungen Dührings  beziehen sich die folgenden Be-
       merkungen:]
       
       Die Naturgesetze  der Wirtschaft  werden also  nur dann entdeckt,
       wenn man    v o n    a l l e r    b i s h e r i g e n    W i r t-
       s c h a f t   a b s t r a h i e r t,   sie haben  bisher nie  un-
       gefälscht agiert!  -  B l e i b e n d e  Natur des Menschen - vom
       Affen bis Goethe!
       Dühring soll  mit dieser  Theorie der "Gewalt" erklären, woher es
       so kommt,  daß überall  und von jeher die Majorität aus Vergewal-
       tigten, die  Minderzahl aus Gewalthabern bestand. Das ist an sich
       schon Beweis,  daß das  Gewaltsverhältnis in den ökonomischen Be-
       dingungen begründet,  die man  nicht so  einfach auf  politischem
       Wege umwerfen kann.
       
       #591# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
       -----
       Bei Dühring  wird Rente, Profit, Zins, Arbeitslohn nicht erklärt,
       sondern gesagt, die  G e w a l t  habe das so gemacht. Woher aber
       die Gewalt? Non est. 1*)
       Gewalt macht  Besitz und  Besitz ökonomische Macht. Also Gewalt =
       Macht.
       Marx hat  im "Kapital"  (Akkumulation) bewiesen,  wie die Gesetze
       der Warenproduktion  auf einer gewissen Stufe der Entwicklung die
       kapitalistische Produktion  mit allen  ihren Schikanen  notwendig
       hervorbringen, und  daß dazu  g a r  k e i n e  G e w a l t  n ö-
       t i g  i s t.  2*) [417]
       Wenn Dühring  die politische Aktion als letzte Entscheidungsmacht
       der Geschichte  ansieht und  tut, als wäre das was Neues, so sagt
       er doch  nur, was alle bisherigen Geschichtsschreiber sagten, für
       die auch  die sozialen  Formen lediglich  durch die  politischen,
       nicht durch die Produktion bestimmt werden.
       C'est trop  bon! 3*) Die ganze Freihandelsschule von Smith an, ja
       die ganze  vormarxsche Ökonomie  sieht in den ökonomischen Geset-
       zen, soweit  sie sie  verstehn, "Naturgesetze" und behauptet, daß
       deren Wirkung  vom Staat,  von den "Wirkungen der Staats- und Ge-
       sellschaftseinrichtungen" gefälscht werden!
       Übrigens diese  ganze Theorie  bloß ein  Versuch, den Sozialismus
       auf Carey  zu begründen: die Ökonomie ist an sich harmonisch, der
       Staat mit seiner Einmischung verdirbt alles.
       Komplement der  Gewalt ist  die   e w i g e    G e r e c h t i g-
       k e i t,  sie erscheint p. 282.
       
       [Die Ansichten  Dührings, die  er bei seiner Kritik an Smith, Ri-
       cardo und Carey entwickelt, werden von Engels wie folgt charakte-
       risiert: "Die Produktion sei in ihrer abstraktesten Form ganz gut
       an einem Robinson zu studieren, die Verteilung an 2 auf einer In-
       sel alleinstehenden Menschen, wobei man sich ja alle Zwischenstu-
       fen von  vollständiger Gleichheit  bis zum  vollendeten Gegensatz
       von Herr  und Sklave  denken könne..."  Engels zitiert  folgenden
       Satz Dührings:  "Der wirklich  in letzter Instanz für die Vertei-
       lungslehre maßgebende Standpunkt ist aber nur mit der  e r n s t-
       l i c h  s o z i a l e n  (!) Betrachtung zu gewinnen..."
       Dazu bemerkt Engels:]
       
       Also man  abstrahiert erst aus der wirklichen Geschichte die ver-
       schiednen Rechtsverhältnisse  und trennt sie von der historischen
       Grundlage,
       -----
       1*) Wird nicht  gesagt. -  2*) siehe vorl. Band, S. 151 - 3*) Das
       ist zuviel des Guten!
       
       #592# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       auf der  sie entstanden  sind und  allein einen  Sinn haben,  und
       überträgt sie  auf 2 Individuen: Robinson und Freitag, wo sie na-
       türlich ganz  willkürlich erscheinen.  Nachdem man sie so auf die
       reine Gewalt reduziert, überträgt man sie wieder in die wirkliche
       Geschichte und  beweist damit, daß auch hier alles auf bloßer Ge-
       walt beruht.  Daß die  Gewalt auf  ein materielles Substrat ange-
       wandt werden  muß und  es sich  grade darum handelt nachzuweisen,
       woher dies entstanden, rührt Dühring nicht.
       
       [Engels zitiert  folgende Stelle  aus Dührings "Cursus der Natio-
       nal- und Socialökonomie": "Die allen volkswirtschaftlichen Syste-
       men gemeinsame  Überlieferung sieht  in der  Verteilung nur einen
       sozusagen laufenden  Hergang, welcher  sich auf eine als fertiges
       Gesamterzeugnis vorgestellte  Produktenmasse  bezieht,  ...  eine
       t i e f e r e   Grundlegung hat vielmehr diejenige Verteilung ins
       Auge zu  fassen, welche sich auf die ökonomischen oder ökonomisch
       wirksamen   R e c h t e   selbst und nicht bloß auf die laufenden
       und sich  häufenden Konsequenzen  dieser Rechte  bezieht." Hierzu
       machte Engels folgende Bemerkungen:]
       
       E i n l e i t u n g  u n d   G e w a l t[stheorie-Kapitel in Düh-
       rings "Cursus der National- und Socialökonomie"].
       Also die Untersuchung der Verteilung der laufenden Produktion ge-
       nügt nicht.
       Bodenrente setzt Grundbesitz, Profit Kapital, Arbeitslohn besitz-
       lose Arbeiter,  Eigner bloßer  Arbeitskraft voraus. Man soll also
       untersuchen, woher  dies kommt. Soweit dies ihn anging, für Kapi-
       tal und besitzlose Arbeitskraft, hat Marx dies im I. Bande getan,
       die Untersuchung des Ursprungs des modernen Grundeigentums gehört
       zu der  der Grundrente,  also in  seinen II. Band [62] - Dührings
       Untersuchung und  geschichtliche Begründung  beschränkt sich  auf
       das eine  Wort:  G e w a l t!  Hier schon direkte mala fides 1*).
       Wie D[ühring]  das große  Grundeigentum   e r k l ä r t    siehe:
       R e i c h t u m  und  W e r t;  dies besser hierherzuziehn.
       Also die  Gewalt macht die ökonomischen, politischen etc. Lebens-
       bedingungen einer Epoche, eines Volks etc. Wer aber macht die Ge-
       walt? Die  organisierte Gewalt ist vor allem die  A r m e e.  Und
       nichts hängt  mehr von  den ökonomischen Bedingungen ab als grade
       die Zusammensetzung, Organisation, Bewaffnung, Strategie und Tak-
       tik einer  Armee. Die  Grundlage die Bewaffnung, und diese wieder
       direkt abhängig von der Produktionsstufe. Stein-, Bronze-, Eisen-
       waffen, Panzer, Reiterei, Schießpulver und nun gar die enorme Um-
       wälzung, die  die große  Industrie im  Krieg hervorgebracht durch
       gezogne Hinterlader und Artillerie - Produkte, die nur die
       -----
       1*) böswillige Absicht
       
       #593# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring'
       -----
       große Industrie  mit ihren gleichmäßig arbeitenden und fast abso-
       lut identische  Produkte erzeugenden Maschinen herstellen konnte.
       Von der Bewaffnung hängt wieder die Zusammensetzung und Organisa-
       tion, die  Strategie und Taktik ab. Letztere auch von der Wegbar-
       keit -  die Anlage und Erfolge der Schlacht bei Jena [34] bei den
       jetzigen Chausseen unmöglich - und nun gar die Eisenbahnen! Grade
       die Gewalt also steht unter der Herrschaft der vorgefundenen Pro-
       duktionsbedingungen mehr  als alles  andre, und  das  hat  selbst
       Hauptmann Jahns eingesehn. ("K[ölnische] Z[eitung]" [83], Machia-
       velli etc.)
       Dabei besonders  hervorzuheben die  moderne Kriegführung  von der
       Bajonettflinte bis auf den Hinterlader, wo nicht der Mann mit dem
       Säbel die  Sache macht,  sondern die  Waffe; Linie,  Kolonne  bei
       schlechten Truppen,  aber gedeckt  durch Tirailleure (Jena contra
       Wellington) und  endlich die allgemeine Auflösung in Schützen und
       Verwandlung des langsamen Schritts in Laufschritt.
       
       [Nach Dühring  ist "die geschickte Hand oder Kopf als ein der Ge-
       sellschaft gehöriges Produktionsmittel, als eine  M a s c h i n e
       zu betrachten, deren Produktion der  G e s e l l s c h a f t  ge-
       hört". Dazu bemerkt Engels:]
       
       Aber die  Maschine   s e t z t   n i c h t  W e r t  z u ,  d i e
       g e s c h i c k t e   H a n d  a b e r  d o c h!  Das ökonomische
       Wertgesetz wird also, quant à cela 1*), verboten, obwohl es blei-
       ben soll.
       
       [Zu Dührings  Konzeption über  die   "p o l i t i s c h  j u r i-
       s t i s c h e   G r u n d l a g e  der ganzen Sozialität" bemerkt
       Engels:]
       
       Damit gleich  der idealistische  Maßstab angelegt. Nicht die Pro-
       duktion selbst, das  R e c h t.
       
       [Über die  Dühringsche "Wirtschaftskommune"  und das in ihr herr-
       schende System der Arbeitsteilung, der Verteilung, des Austauschs
       und das Geldsystem macht Engels folgende Bemerkung:]
       
       Also auch   A b l o h n u n g   des einzelnen Arbeiters durch die
       Gesellschaft.
       Also auch  Schatzbildung, Wucher,  Kredit und alle Folgen bis zur
       Geldkrise und  Geldnot. Das Geld sprengt die wirtschaftliche Kom-
       mune ebenso  notwendig wie  es in diesem Augenblick die russische
       Kommune zu  sprengen auf dem besten Wege ist und die Familienkom-
       mune, sobald es den Verkehr der einzelnen Glieder vermittelt.
       
       [Engels zitiert folgenden Satz Dührings: "Wirkliche Arbeit in ir-
       gendeiner Form  ist also das soziale Naturgesetz gesunder Gestal-
       tungen" und  fügt in Klammern hinzu: "(wonach alle bisherigen un-
       gesund)..."
       -----
       1*) was dies anbelangt
       
       #594# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       Zu dieser Darlegung Dührings bemerkt Engels:]
       
       Entweder ist  hier Arbeit  als ökonomische,  materiell produktive
       Arbeit gefaßt,  und dann  ist der  Satz Unsinn und paßt nicht auf
       die ganze  vergangne Geschichte.  Oder Arbeit ist in einer allge-
       meineren Form gefaßt, worin jede Art der in einer Periode nötigen
       oder brauchbaren Tätigkeit, Regieren, Richten, Waffenüben, darun-
       ter verstanden  wird, und  dann ist  er wieder ein heillos aufge-
       blähter Gemeinplatz  und gehört nicht in die Ökonomie. Den Sozia-
       listen aber  mit diesem  alten Kram  imponieren wollen, indem man
       ihn "Naturgesetz" tauft, ist a trifle impudent 1*).
       
       [Zu Dührings  Schilderung über den Zusammenhang zwischen Raub und
       Reichtum bemerkt Engels folgendes:]
       
       Hier die ganze Methode. Jedes ökonomische Verhältnis zuerst unter
       dem Gesichtspunkt  der   P r o d u k t i o n  aufgefaßt, abgesehn
       von aller  geschichtlichen Bestimmung.  Daher kann  nur  das  Al-
       lerallgemeinste gesagt  werden, und  will Dühring darüber hinaus-
       gehn, so  muß er  die bestimmten  historischen Verhältnisse einer
       Epoche nehmen,  also aus  der abstrakten  Produktion herausfallen
       und Konfusion  machen. Dann  wird dasselbe ökonomische Verhältnis
       unter dem  Gesichtspunkt der   V e r t e i l u n g  gefaßt, d. h.
       die bisherige historische Gestaltung auf die Phrase:  G e w a l t
       reduziert und  sich dann  über die bösen Folgen der Gewalt entrü-
       stet. Wohin  wir damit  kommen, werden  wir bei den Naturgesetzen
       sehn.
       
       [Zu Dührings  Behauptung, daß  zur Führung  einer  Wirtschaft  in
       großem Maßstab  "Sklaverei" oder "Leibeigenschaft" notwendig sei,
       bemerkt Engels:]
       
       Also: 1.  Die Weltgeschichte  fängt mit  dem großen Grundeigentum
       an! Die  Bodenkultur auf  großen Strecken  ist identisch  mit der
       Kultur durch große Grundbesitzer! Der Boden Italiens, der von den
       Latifundiern in  Viehweide verwandelt,  lag vorher öde! Die Nord-
       staaten Amerikas  haben sich  nicht durch  freie Bauern  so enorm
       ausgedehnt, sondern durch Sklaven, Hörige etc.!
       Wieder der  mauvais calembour  2*): "Bewirtschaftung  in größeren
       Strecken"   s o l l   = Urbarmachung  derselben gelten, wird aber
       sogleich =  Bewirtschaftung auf großem Maßstabe = großes Grundei-
       gentum genommen! Und in diesem Sinn welche enorm neue Entdeckung,
       daß, wenn  einer mehr  Land besitzt,  als er  und Familie bebauen
       kann, er  ohne fremde  Arbeit es nicht alles bebauen könne! Dabei
       ist die   B e w i r t s c h a f t u n g   d u r c h   H ö r i g e
       ja nicht  die  Bewirtschaftung  größerer  Strecken,  sondern  von
       P a r z e l l e n  und die
       -----
       1*) ein  wenig   unverschämt  -   2*) (das)  schlechte  Wortspiel
       (Kalauer)
       
       #595# Aus Engels' Vorarbeiten zum "Anti-Dühring"
       -----
       Bewirtschaftung stets  älter  als  die  Hörigkeit  (Rußland,  die
       flämischen, holländischen  und friesischen Kolonien in der slawi-
       schen Mark,  s. Langethal  [418]), die ursprünglich freien Bauern
       werden hörig   g e m a c h t,    werden  es  stellenweise  selbst
       f o r m e l l  freiwillig.
       
       [Zur Behauptung  Dührings, daß  die Größe des Werts von der Größe
       des Naturhindernisses abhängig sei, das sich der Befriedigung der
       Bedürfnisse entgegenstemmt und das "sie zu größeren oder geringe-
       ren Ausgaben  an wirtschaftlicher  Kraft (!) nötigt", bemerkt En-
       gels:]
       
       Ü b e r w i n d u n g   d e s  W i d e r s t a n d e s  - aus der
       mathematischen Mechanik  herübergenommene Kategorie,  die  absurd
       wird in  der Ökonomie. Ich spinne, webe, bleiche, drucke nachein-
       ander Baumwolle,  heißt jetzt:  ich überwinde  den Widerstand der
       Baumwolle gegen das Gesponnen werden, des Garns gegen das Gewebt-
       werden, des  Gewebes gegen  das Gebleicht-und Gedrucktwerden. Ich
       mache eine Dampfmaschine, heißt: ich überwinde den Widerstand des
       Eisens gegen  die Verwandlung  in eine  Dampfmaschine. Ich drücke
       die Sache auf einem hochtrabenden Umweg aus, der nichts hinzufügt
       als Schiefheit. Aber - ich kann damit den  V e r t e i l u n g s-
       w e r t,   wo auch  angeblich ein  Widerstand zu  überwinden ist,
       hereinziehn. Drum auch!
       
       [Zu den  Worten Dührings:  "Der Verteilungswert ist rein und aus-
       schließlich nur  da vorhanden, wo die Verfügungsmacht über unpro-
       duzierte Dinge  oder (!),  gewöhnlicher geredet, diese" (unprodu-
       zierten!) "Dinge  selbst gegen Leistungen oder Sachen von wirkli-
       chem Produktionswert ausgewechselt werden", bemerkt Engels:]
       
       Was ist  ein unproduziertes  Ding? Der   m o d e r n   k u l t i-
       v i e r t e  Boden? oder soll es heißen Dinge, die der Eigentümer
       nicht  selbst   produziert  hat?  Aber  dazu  der  Gegensatz  von
       "wirklichem Produktionswert".  Der folgende  Satz zeigt,  daß  es
       wieder ein  mauvais calembour  ist. Naturgegenstände,  die  nicht
       produziert worden,  werden zusammengeworfen  mit "ohne  Gegenlei-
       stung angeeigneten Wertbestandteilen".
       
       [Dühring behauptet,  daß alle menschlichen Einrichtungen und Tat-
       sachen unverbrüchlich determiniert, aber durchaus nicht "in allen
       Hauptzügen gleich dem äußeren Naturspiel praktisch unabänderlich"
       seien. Engels bemerkt dazu:]
       
       Also Naturgesetz ist's und bleibt's.
       Daß die  Gesetze der  Ökonomie  in  aller  bisherigen  plan-  und
       zusammenhangslosen Produktion den Menschen als objektive Gesetze,
       über die  sie  keine  Macht  haben,  entgegentreten,  also    i n
       F o r m  v o n  N a t u r g e s e t z e n,  davon kein Wort.
       
       [Über Dührings  "Grundgesetz aller  Ökonomie": "Die Produktivität
       der  wirtschaftlichen   Mittel,     Natur h ü l f s q u e l l e n
       u n d  M e n s c h e n k r a f t,  w i r d  d u r c h  E r f i n-
       d u n g e n  u n d  E n t d e c k u n g e n
       
       #596# Materialien zum "Anti-Dühring"
       -----
       g e s t e i g e r t,   und zwar  geschieht dies ganz abgesehn von
       der Verteilung,  die als solche immerhin erhebliche Veränderungen
       erfahren oder  verursachen mag,  aber das  G e p r ä g e  (!) des
       Hauptergebnisses nicht bestimmt", sagt Engels:]
       
       Dieser Schlußsatz:  und zwar  etc., fügt  dem Gesetz nichts Neues
       hinzu, denn  wenn das  Gesetz wahr  ist, so  kann die  Verteilung
       nichts dran  ändern, und es ist also überflüssig zu sagen, daß es
       für jede  Verteilungsform richtig ist - sonst wäre es ja kein Na-
       turgesetz. Er  ist aber  bloß zugesetzt,  weil Dühring  sich doch
       schämte, das  ganze nackte  Gesetz so  nackt in  seiner Plattheit
       hinzustellen. Zudem  ist er widersinnig, denn wenn die Verteilung
       immerhin erhebliche  Veränderungen verursachen   m a g,   so kann
       nicht von  ihr "ganz abgesehn" werden. Wir streichen ihn also und
       erhalten dann  das Gesetz  pur und simple - das  F u n d a m e n-
       t a l g e s e t z  d e r  g a n z e n  Ö k o n o m i e.
       Dies ist aber noch nicht platt genug. Wir werden belehrt:
       
       [Engels führt  weitere Auszüge aus dem Buche Dührings "Cursus der
       National' und Socialökonomie" an.]
       [Dühring behauptet, daß der wirtschaftliche Fortschritt nicht von
       der Summe  der Produktionsmittel,  "sondern nur    v o n    d e m
       W i s s e n   u n d   d e n   a l l g e m e i n e n  t e c h n i-
       s c h e n   V e r f a h r u n g s a r t e n"   abhängig sei,  und
       dieses "zeigt sich auch sogleich" nach der Meinung Dührings, wenn
       man "das  Kapital in  seinem  n a t ü r l i c h e n  Sinn als In-
       strument der Produktion versteht". Hierzu schreibt Engels:]
       
       Die im  Nil liegenden Dampfpflüge der Khedive und die in Schuppen
       nutzlos stehenden Dreschmaschinen etc. der russischen Adligen be-
       weisen das.  Auch der Dampf etc. hat seine historischen Vorbedin-
       gungen, die  zwar verhältnismäßig  leicht zu  schaffen sind, aber
       doch geschaffen  werden müssen.  Aber Dühring ist ganz stolz dar-
       auf, daß  er damit jenen Satz, der einen ganz andern Sinn hat, so
       weit heruntergebracht  hat, daß  diese "Idee  mit unserem  an die
       Spitze gestellten  Gesetz zusammenfällt",  p.  71.  Die  Ökonomen
       dachten sich  doch noch  etwas Reelles bei diesem Gesetz. Dühring
       hat es auf die äußerste Plattheit reduziert.
       
       [Zu der  Dühringschen Formulierung des Naturgesetzes der Arbeits-
       teilung: "Die Spaltung der Berufszweige und die Zerlegung der Tä-
       tigkeiten erhöht die Produktivität der Arbeit", bemerkt Engels:]
       
       Diese Formulierung falsch, da sie nur für die bürgerliche Produk-
       tion richtig  und die  Teilung  der  Berufsarten  auch  da  schon
       Schranke der Produktion wird durch Verkrüpplung und Verknöcherung
       der Individuen,  aber künftig  ganz fortfallend.  Wir  sehn  hier
       schon, daß  diese Teilung  der Berufsarten  in    h e u t i g e r
       Weise  für   Dühring  etwas   Permanentes  ist,   auch  für   die
       S o z i a l i t ä t.

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