Quelle: MEW 20 Anti-Dühring, Dialektik der Natur
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Vorwort
Der zwanzigste Band der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels
enthält zwei größere Schriften von Engels: "Herrn Eugen Dührings
Umwälzung der Wissenschaft" ("Anti-Dühring") und "Dialektik der
Natur". Diese Arbeiten entstanden in der Zeit von 1873 bis 1883.
Einzelne Ergänzungen schrieb Engels noch nach dem Tode von Marx,
d.h. nach 1883; die wichtigste von ihnen ist das Vorwort zur
zweiten Auflage des "Anti-Dühring" von 1885.
Das Jahrzehnt von 1873 bis 1883 war die Periode einer schnellen,
jedoch verhältnismäßig friedlichen Entwicklung des Kapitalismus.
Zugleich machte sich in dieser Zeit eine wesentliche Wende in der
Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise bemerkbar. Für
die fortgeschrittenen Industrieländer Europas waren die sechziger
und siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts, wie W.I. Lenin nachge-
wiesen hat, Jahre der höchsten Stufe der Entwicklung der freien
Konkurrenz. Nach der Weltwirtschaftskrise von 1873 setzte ein
starkes Anwachsen von Monopolvereinigungen ein. Es begann die Pe-
riode des Übergangs zum Monopolkapitalismus, die am Ende des 19.
und Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Abschluß fand.
Mit der Pariser Kommune (1871), einem der größten weltgeschicht-
lichen Ereignisse, begann eine neue Periode im Befreiungskampf
des Proletariats. Die Erfahrung dieses ersten praktischen Ver-
suchs, die Diktatur des Proletariats zu errichten, hatte gezeigt,
daß eine proletarische Revolution niemals ohne eine proletari-
sche, auf den Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus ste-
hende Massenpartei erfolgreich verwirklicht werden kann. Die Auf-
gabe, in den einzelnen Ländern solche Parteien zu gründen, rückte
in den Vordergrund.
Die Pariser Kommune hatte bei den herrschenden Klassen eine töd-
liche Furcht vor der herannahenden Herrschaft des Proletariats
ausgelöst. Zudem war der beginnende Übergang zum Imperialismus
von Fäulnisprozessen
#VI# Vorwort
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der gesamten kapitalistischen Ordnung begleitet. Alles das führte
zu einer erheblichen Verschärfung der Reaktion. Während die
Arbeiterbewegung zu einer wirklichen Kraft wurde und die fort-
schrittlichen Teile der Arbeiterschaft den wissenschaftlichen So-
zialismus sich zu eigen machten, verstärkten die ideologischen
Gegner die Angriffe auf den Marxismus.
Eine besonders rasche Entwicklung des Kapitalismus und besonders
scharfe Widersprüche, hervorgerufen durch diese Entwicklung,
zeigten sich in Deutschland nach dessen Sieg im Deutsch-Französi-
schen Krieg und der darauffolgenden Gründung des preußisch-deut-
schen Kaiserreichs. Nach dem Sturz der Pariser Kommune hatte sich
das Zentrum der europäischen revolutionären Bewegung nach
Deutschland verlagert. Hier bildete sich die erste proletarische
Massenpartei heraus.
Unter den verschiedenen dem Marxismus feindlichen ideologischen
Strömungen in Deutschland begannen damals die Ansichten des
kleinbürgerlichen Ideologen Eugen Dühring sich besonders negativ
auszuwirken. Dührings Ansichten stellten ein eklektisches Sammel-
surium verschiedenartiger vulgärmaterialistischer, idealisti-
scher, positivistischer, vulgärökonomischer und pseudosozialisti-
scher Anschauungen dar. Im Gegensatz zu früheren Gegnern des Mar-
xismus, die besonders gegen seine politischen Prinzipien aufge-
treten waren, griff Dühring alle Bestandteile des Marxismus an,
wobei er den Anspruch erhob, ein neues, allumfassendes System der
Philosophie, der politischen Ökonomie und des Sozialismus ge-
schaffen zu haben.
Der Einfluß Dührings und seiner Anhänger begann schon vor 1875
sich unter einem Teil der Mitglieder der deutschen Sozialdemokra-
tischen Arbeiterpartei (den Eisenachern) auszubreiten. Nach 1875,
nach der Vereinigung der Eisenacher und der Lassalleaner in der
Sozialistischen Arbeiterpartei, die auf der Grundlage einer Reihe
prinzipieller Zugeständnisse der Eisenacher an die Lassalleaner
erfolgt war, wurde die weitere Ausbreitung des Einflusses
Dührings und seiner Anhänger besonders schädlich.
Noch meisterte die Partei nicht völlig die Prinzipien des wissen-
schaftlichen Sozialismus, noch hatte sich die Arbeiterbewegung
nicht völlig von dem Einfluß der verschiedenen Formen des vormar-
xistischen, utopischen Sozialismus freigemacht. Unter diesen Be-
dingungen konnte das Auftreten Dührings und seiner Anhänger nur
Schaden bringen. Ging es doch um die theoretischen Grundlagen der
deutschen Arbeiterpartei, um das Schicksal der führenden Abtei-
lung der internationalen Arbeiterbewegung. Es war notwendig, die
Lehre von Marx zu verteidigen, darzulegen und zu popularisieren.
#VII# Vorwort
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Engels hielt es für seine Parteipflicht, die Verteidigung und die
Propaganda der Prinzipien des Marxismus in den Reihen der jungen
Partei auf sich zu nehmen. Im Laufe von zwei Jahren (1876-1878)
schuf Engels das große Werk "Herrn Eugen Dührings Umwälzung der
Wissenschaft" ("Anti-Dühring"), in dem er die Ansichten Dührings
einer vernichtenden Kritik unterzog und gleichzeitig eine voll-
ständige Darlegung der Grundlagen der marxistischen Theorie gab.
Von Anfang 1877 bis Mitte 1878 veröffentlichte das Zentralorgan
der sozialdemokratischen Partei, der "Vorwärts", in einer Arti-
kelserie diese Arbeit. Später erklärte Engels selbst, warum ge-
rade ihm die Aufgabe, gegen Dühring und andere zu kämpfen, zuge-
fallen war: "Infolge der Teilung der Arbeit, die zwischen Marx
und mir bestand" - schrieb Engels -, "fiel es mir zu, unsere An-
sichten in der periodischen Presse, also namentlich im Kampf mit
gegnerischen Ansichten, zu vertreten, damit Marx für die Ausar-
beitung seines großen Hauptwerks Zeit behielt. Ich kam dadurch in
die Lage, unsere Anschauungsweise meist in polemischer Form, im
Gegensatz zu anderen Anschauungsweisen, darzustellen." (Siehe
Band 21 unserer Ausgabe, S. 328.)
Marx nahm unmittelbaren Anteil am Entstehen des "Anti-Dühring".
Er unterstützte nicht nur aktiv Engels' Entschluß, gegen Dühring
aufzutreten, und billigte nicht nur voll und ganz den von Engels
entworfenen Plan des ganzen Werks. Er half Engels auch, das not-
wendige Material zu sammeln, er machte sich mit dem gesamten Ma-
nuskript bekannt und schrieb selbst das Kapitel, das der Kritik
der Ansichten Dührings über die Geschichte der politischen Ökono-
mie gewidmet ist. Daher drückt der "Anti-Dühring" von Anfang bis
zum Ende den Standpunkt von beiden aus - von Engels und Marx.
Wenn auch die Ausbreitung des Einflusses der Dühring-Anhänger
eine bestimmte Gefahr darstellte, so hätten die Dühringschen An-
sichten an sich doch kaum eine solche gründliche Kritik verdient,
wie Engels sie ihnen in seinem Buche zuteil werden ließ. Zwei
Gründe veranlaßten Engels zu dieser ausführlichen Kritik. Erstens
war Dühring ein typischer Vertreter jener Pseudowissenschaft und
jenes Vulgärdemokratismus, die damals selbst unter den Soziali-
sten weit verbreitet waren und besonders unter der oppor-
tunistisch eingestellten sozialdemokratischen Intelligenz. Es war
notwendig, die Arbeiterbewegung von dieser "Kinderkrankheit" zu
heilen. Zweitens gab die Kritik an dem von Dühring in drei dicken
Bänden dargelegten "System" die Möglichkeit, diesem "System" in
systematischer Form die Grundsätze der marxistischen Theorie zu
allen Grundproblemen der Philosophie, der politischen Ökonomie
und des Sozialismus gegenüberzustellen.
#VIII# Vorwort
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"Immerhin gab mir die systematische Weitläufigkeit meines Oppo-
nenten Gelegenheit", schrieb Engels in der Einleitung zur engli-
schen Ausgabe seiner Broschüre "Die Entwicklung des Sozialismus
von der Utopie zur Wissenschaft", "in Opposition zu ihm und in
einer zusammenhängenderen Form, als dies früher geschehn war, die
von Marx und mir vertretnen Ansichten über diese große Mannigfal-
tigkeit von Gegenständen zu entwickeln." (Siehe Band 19 unserer
Ausgabe, S. 525.) Die negative Kritik an Dührings "System" ver-
wandelte sich in eine positive Darstellung des Marxismus. Dadurch
erhielten die Leser des "Anti-Dühring" die Möglichkeit, sich all-
seitig mit dem Marxismus vertraut zu machen, ihn zu studieren und
sich anzueignen.
Später stellte Engels einmal fest, und dabei hatte er diese Be-
sonderheit des "Anti-Dühring" im Auge, daß "die Langweiligkeit
der Polemik mit einem unbedeutenden Gegner also doch nicht ver-
hindert hat, daß der Versuch, eine enzyklopädistische Übersicht
unserer Auffassung der philosophischen, naturwissenschaftlichen
und geschichtlichen Probleme zu geben, gewirkt hat" (Brief von
Engels an Bernstein vom 11. April 1884).
Der "Anti-Dühring" ist tatsächlich eine wahre Enzyklopädie des
Marxismus. Hier werden alle drei Bestandteile der Lehre von Marx
und Engels: der dialektische und historische Materialismus, die
politische Ökonomie und die Theorie des wissenschaftlichen Kommu-
nismus allseitig dargelegt. In der Schrift gegen Dühring, sagte
Lenin, "werden die tiefsten Probleme der Philosophie, der Natur-
und Gesellschaftswissenschaft untersucht... Das ist ein erstaun-
lich inhaltsreiches und lehrreiches Buch" (W.I. Lenin, Werke,
Band 2, Berlin 1961, S. 11).
Das Buch von Engels ist eine einzigartige Zusammenfassung der
Entwicklung des Marxismus in drei Jahrzehnten, d.h. von seiner
Entstehung in der Mitte der vierziger Jahre bis zur Mitte der
siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Es enthält in konzentrier-
ter Form alles das, was der Marxismus auf dem Gebiete der Theorie
in dieser Zeit erreicht hatte. Meisterhaft wandte hier Engels die
von Marx und ihm ausgearbeitete Methode der materialistischen
Dialektik an. Dabei benutzte er seinen ganzen riesigen Reichtum
an Kenntnissen auf dem Gebiete der Philosophie, der politischen
Ökonomie und der Geschichte sowie seine langjährigen naturwissen-
schaftlichen und militärischen Studien und entwickelte in der Po-
lemik jene großartige Meisterschaft, in der sich Marx und Engels
seit ihrer gemeinsamen Arbeit an der "Heiligen Familie" und an
der "Deutschen Ideologie" ständig vervollkommnet hatten. In sei-
nem Buche benutzte und popularisierte Engels weitgehend das Mate-
rial des ersten Bandes des
#IX# Vorwort
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"Kapitals" sowie einzelne Leitsätze der damals noch nicht veröf-
fentlichten "Kritik des Gothaer Programms" von Marx.
Im "Anti-Dühring" verteidigte Engels nicht nur den Marxismus,
sondern er erweiterte und vertiefte ihn auch wesentlich. Er gab
hier eine klassische Formulierung grundlegender Leitsätze und ar-
beitete eine Reihe prinzipieller Fragen der marxistischen Theorie
aus.
Der "Anti-Dühring" ist vor allem ein philosophisches Werk. Sein
Hauptinhalt ist der Kampf für den konsequenten dialektischen Ma-
terialismus. Das Buch von Engels ist ein Musterbeispiel für die
Anwendung des marxistischen Prinzips der Parteilichkeit in der
Philosophie. "Entweder bis zu Ende konsequenter Materialismus
oder die Lüge und Konfusion des philosophischen Idealismus - das
ist die Fragestellung, wie sie in j e d e m A b s a t z des
'Anti-Dühring' gegeben ist." (W.I. Lenin, "Materialismus und Em-
piriokritizismus". In: Werke, Band 14, Berlin 1962, S. 342.)
Im "Anti-Dühring" "formuliert und begründet Engels die überaus
wichtige These des Materialismus, daß die "Einheit der Welt in
ihrer Materialität besteht" (siehe vorl. Band, S. 41). Bei der
ausführlichen Darlegung der dialektischen Lehre von dem untrenn-
baren Zusammenhang von Materie und Bewegung formuliert er die
klassische Definition: "Die Bewegung ist die Daseinsweise der Ma-
terie" (siehe vorl. Band, S. 55). In dieser Arbeit wird auch die
materialistische Interpretation von Raum und Zeit gegeben: "...
die Grundformen alles Seins sind Raum und Zeit" (siehe vorl.
Band, S. 48).
Hier hat Engels mit vollkommener Klarheit auch den Gegenstand der
materialistischen Dialektik als Wissenschaft begrifflich be-
stimmt: "Die Dialektik ist... die Wissenschaft von den allgemei-
nen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Menschen-
gesellschaft und des Denkens" (siehe vorl. Band, S. 131/132). In
der Einleitung zu seinem Werk legt Engels die marxistische Kon-
zeption der Hauptperioden der Geschichte der Philosophie dar; er
zeigt die Gesetzmäßigkeit in der Ablösung der verschiedenen Me-
thoden, die in den Hauptetappen der Entwicklung der Philosophie
geherrscht haben: die naive Dialektik des Altertums, die Metaphy-
sik des 17. bis 18. Jahrhunderts, die idealistische Dialektik der
klassischen deutschen Philosophie, die materialistische Dialektik
des Marxismus. Engels löste prinzipiell die Frage nach dem Ver-
hältnis zwischen formaler Logik und Dialektik; er legte ausführ-
lich die Grundgesetze der Dialektik dar; er arbeitete ein so au-
ßerordentlich wichtiges Problem der Erkenntnistheorie aus wie das
Verhältnis zwischen absoluter und relativer Wahrheit und umriß
auch die ersten Ideen der Widerspiegelungstheorie, die später Le-
nin zu einer geschlossenen Theorie entwickelt hat.
#X# Vorwort
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An einem riesigen Tatsachenmaterial zeigt Engels, daß die Anwen-
dung der dialektisch-materialistischen Methode die Lösung der
kompliziertesten Probleme der Naturwissenschaften und Gesell-
schaftswissenschaften sichert. Engels, der die dialektisch-mate-
rialistische Natur- und Geschichtsauffassung wesentlich berei-
cherte, untersuchte solche Probleme wie das Wesen, die Entstehung
und die Entwicklung des Lebens, das Verhältnis zwischen Ökonomie
und Politik, die Rolle der Gewalt in der Geschichte, die Ent-
stehung der Klassen, das Problem der sozialen Gleichheit, den
wechselseitigen Zusammenhang von Freiheit und Notwendigkeit, den
Ursprung und das Wesen des Staates, die Moral und das Recht als
Formen des Überbaus, den Ursprung und das Wesen der Religion, die
materiellen Grundlagen des Kriegswesens und viele andere Fragen.
In dem ökonomischen Teil des "Anti-Dühring" gibt Engels eine aus-
führliche Definition des Gegenstandes der politischen Ökonomie;
er legt den Unterschied zwischen der politischen Ökonomie im en-
geren und im weitesten Sinne dar; er zeigt den historischen Cha-
rakter dieser Wissenschaft auf und entwickelt bei Hervorhebung
des Primats der Produktion die Ideen von Marx über die Dialektik
von Produktion, Austausch und Verteilung der Produkte. Engels
gibt hier einen Abriß der ökonomischen Lehre von Marx und arbei-
tet besonders die marxistische Auffassung vom Wert, von der ein-
fachen und der zusammengesetzten Arbeit, von Kapital und Mehrwert
heraus. In dem von Marx geschriebenen Kapitel werden einige wich-
tige Probleme der Geschichte der politischen Ökonomie beleuchtet
und insbesondere der Sinn des "Tableau économique" von François
Quesnay erschöpfend erklärt.
Im Zusammenhang mit der Kritik der pseudosozialistischen Ansich-
ten Dührings deckt Engels den vollständigen ökonomischen, politi-
schen und geistigen Bankrott der Bourgeoisie auf; er weist nach,
daß ihre Herrschaft zu einem unüberwindlichen Hindernis für die
Weiterentwicklung der Produktivkräfte geworden ist, und entlarvt
die Versuche, die Erscheinungen des Staatskapitalismus zu ideali-
sieren, sie als sozialistische Erscheinungen hinzustellen. Engels
kennzeichnet die Wesenszüge der Ökonomie der kommunistischen Ge-
sellschaft, wobei er besondere Aufmerksamkeit ihrer Planmäßigkeit
schenkt, und formuliert das ökonomische Grundgesetz der kom-
munistischen Gesellschaft: "Die Verteilung... wird sich regeln
durch das Interesse der Produktion, und die Produktion wird ge-
fördert am meisten durch eine Verteilungsweise, die a l l e n
Gesellschaftsgliedern erlaubt, ihre Fähigkeiten möglichst allsei-
tig auszubilden, zu erhalten und auszuüben" (siehe vorl. Band, S.
186). Er enthüllt den Mechanismus der Produktion
#XI# Vorwort
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und der Verteilung im Kommunismus und begründet die Unvermeid-
lichkeit des Übergangs von ihrer indirekten Regulierung durch den
Wert zur direkten Regulierung durch die Berechnung der für die
Herstellung des einen oder anderen Produkts notwendigen Zeit. En-
gels zeigt die Notwendigkeit der rationellen Verteilung der Pro-
duktivkräfte und der Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land
auf. Schließlich analysiert er hier ausführlich den Charakter der
Arbeit im Kommunismus.
Im "Anti-Dühring" weist Engels nach, daß die materialistische Ge-
schichtsauffassung und die dialektische Methode die theoretischen
Voraussetzungen für die Erforschung und Erkenntnis der Gesetze
der kapitalistischen Produktionsweise sind, daß die von Marx be-
gründete materialistische Geschichtsauffassung und die Mehrwerts-
theorie das Fundament des wissenschaftlichen Kommunismus bilden
und daß durch diese Entdeckungen sich die Verwandlung des Sozia-
lismus von der Utopie zur Wissenschaft vollzogen hat. Im dritten
Teil seiner Arbeit gibt Engels eine gründliche Darlegung der Ge-
schichte und der Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus.
Engels legt hier ausführlich die marxistische These dar, daß der
wissenschaftliche Kommunismus der theoretische Ausdruck der pro-
letarischen Bewegung ist, und gibt, fußend auf den vom Marxismus
erzielten Ergebnissen der Untersuchung der in der kapitalisti-
schen Gesellschaft herrschenden Antagonismen, die wissenschaftli-
che Begründung für den Zusammenbruch des Kapitalismus und für den
Sieg der sozialistischen Revolution. Sich auf die materialisti-
sche Geschichtsauffassung stützend, deckt Engels den Grund-
widerspruch des Kapitalismus auf - den Widerspruch zwischen den
Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen, zwischen der
gesellschaftlichen Produktion und der privaten Aneignung. Dieser
Widerspruch stellt sich dar als Gegensatz zwischen der Organisa-
tion der Produktion in jedem einzelnen Unternehmen und der Anar-
chie der Produktion in der ganzen Gesellschaft; er stellt sich
dar als Antagonismus zwischen dem Proletariat und der Bour-
geoisie. Er findet seine Lösung in der proletarischen Revolution.
Das Proletariat nimmt die Macht in seine Hände und verwandelt die
Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum.
Engels enthüllt die Gesetzmäßigkeiten des Übergangs vom
Kapitalismus zum Kommunismus und begründet wissenschaftlich eine
Reihe von Grundzügen der künftigen kommunistischen Gesellschaft.
Er betont, daß mit dem Übergang der Produktionsmittel in das Ei-
gentum des sozialistischen Staates und mit der Herstellung neuer,
die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ausschließender
Produktionsverhältnisse die Anarchie in der
#XII# Vorwort
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Produktion abgelöst wird von der planmäßigen Organisation der
Produktion im Maßstabe der ganzen Gesellschaft. Es wird eine un-
unterbrochene, sich ständig beschleunigende Entwicklung der Pro-
duktivkräfte einsetzen. Auf dieser Grundlage wird die den Men-
schen verkrüppelnde Arbeitsteilung verschwinden. Alle Mitglieder
der Gesellschaft werden an der produktiven Arbeit teilhaben, und
die Arbeit wird sich aus einer schweren Last in das erste Lebens-
bedürfnis verwandeln. Es wird der Gegensatz zwischen geistiger
und körperlicher Arbeit, zwischen Stadt und Land verschwinden.
Die Klassenunterschiede werden beseitigt werden, und der Staat
wird absterben. An die Stelle der Regierung über Menschen wird
die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozes-
sen treten. In grundlegender Weise wird sich die Familie umge-
stalten. Die Erziehung wird mit der Arbeit verbunden sein. Die
Religion wird verschwinden. Die Menschen werden wirkliche und be-
wußte Herren der Gesellschaft und damit zugleich Herren der Natur
(vgl. vorl. Band, S. 620). Die Menschheit wird den Sprung aus dem
Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit vollziehen. En-
gels sieht für die Zukunft einen nie dagewesenen wissenschaftli-
chen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt voraus. En-
gels, der diesen Gedanken auch in der "Dialektik der Natur" ent-
wickelte, sagte voraus, daß in der neuen Geschichtsepoche "die
Menschen selbst, und mit ihnen alle Zweige ihrer Tätigkeit, na-
mentlich auch die Naturwissenschaft, einen Aufschwung nehmen wer-
den, der alles Bisherige in tiefen Schatten stellt" (siehe vorl.
Band, S. 324).
Der in Engels' Werk enthaltene ungewöhnliche Reichtum an Gedanken
über die künftige kommunistische Gesellschaft erlangt in unserer
Epoche, in der der Sozialismus zur bestimmenden Kraft der
gesellschaftlichen Entwicklung wird, eine besondere, für die Pra-
xis maßgebende Bedeutung.
Die Ideen des "Anti-Dühring" haben weiteste Verbreitung gefunden
und einen ungeheuren Einfluß ausgeübt sowie eine hervorragende
Rolle in der Geschichte des Marxismus und der revolutionären Ar-
beiterbewegung gespielt. Der "Anti-Dühring" wurde zu einem der
"Handbücher jedes klassenbewußten Arbeiters" (W.I. Lenin, Werke,
Band 19, Berlin 1962, S. 4).
Die Arbeit von Engels wurde als Artikelserie im Zentralorgan der
sozialdemokratischen Partei, im "Vorwärts" veröffentlicht. Dort
haben sie Tausende von fortschrittlichen Arbeitern gelesen.
Briefe vieler Personen an Marx und Engels zeugen von dem mächti-
gen Widerhall, den die Veröffentlichung des "Anti-Dühring" schon
damals hatte. Unmittelbar nach dem Abschluß der Veröffentlichung
im "Vorwärts" erschien der "Anti-Dühring"
#XIII# Vorwort
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zuerst als Sonderabdruck in zwei Teilen, daraufhin als Buch und
wurde als solches von Engels noch zweimal neu herausgegeben. Drei
Kapitel des Buches arbeitete Engels um zu einer Broschüre unter
dem Titel "Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur
Wissenschaft". Diese Broschüre, die Marx als "eine E i n-
f ü h r u n g i n d e n w i s s e n s c h a f t l i c h e n
S o z i a l i s m u s" bezeichnete (siehe Band 19 unserer Aus-
gabe, S. 185), wurde noch bei Lebzeiten von Engels in alle wich-
tigen europäischen Sprachen übersetzt; auf diese Weise wurde der
ideologische Inhalt des "Anti-Dühring" den breitesten Massen zu
eigen gemacht.
Die Veröffentlichung des "Anti-Dühring" rief bei den Feinden des
Marxismus eine wütende Reaktion hervor. Im Jahre 1877 versuchten
die Dühring-Anhänger auf dem Kongreß der Sozialistischen Arbei-
terpartei in Gotha, ein Verbot der Veröffentlichung der Arbeit
von Engels zustande zu bringen. 1878, unter dem Sozialistenge-
setz, wurde das Buch von Engels in Deutschland verboten. Aber al-
len Widerständen zum Trotz erfüllte der "Anti-Dühring" seine
große geschichtliche Aufgabe-er trug zum theoretischen Sieg des
Marxismus in der Arbeiterbewegung bei.
Der "Anti-Dühring" ist eine mächtige theoretische Waffe der
marxistischen Parteien. Lenin wertete dieses Buch in seinem
Kampfe gegen die Volkstümler, die "legalen Marxisten" und die Ma-
chisten weitgehend aus. In Lenins Werk "Materialismus und Empi-
riokritizismus" wurde nicht nur der theoretische Inhalt des Bu-
ches von Engels weiterentwickelt, sondern auch die polemische
Meisterschaft, mit der es geschrieben ist.
Das geniale Werk von Engels behält seine unvergängliche Bedeutung
sowohl als unerschöpfliche Schatzkammer der marxistischen Theorie
als auch als ideologische Waffe gegen die heutigen Feinde des
Marxismus: die verschiedenen Arten von Revisionisten, Eklektikern
und Pseudo-Sozialisten, die von Positionen ausgehen, die mehr
oder weniger jenen ähneln, die von Engels im "Anti-Dühring"
zerschlagen wurden.
Einige Jahre bevor Engels den "Anti-Dühring" zu schreiben begann,
hatte er schon seine große Arbeit "Dialektik der Natur" in An-
griff genommen. Im Laufe von drei Jahren (1873 bis 1876) sammelte
Engels beträchtliches Material und schrieb in dieser Zeit die
Einleitung zu diesem Werk. Nach dem Abschluß seines "Anti-Düh-
ring" begann Engels erneut, an der "Dialektik der Natur" zu ar-
beiten. Es begann die entscheidende Etappe in der Ausarbeitung
der dialektisch-materialistischen Naturauffassung, eine Etappe,
die das Fazit des langjährigen Studiums von Marx und Engels auf
dem Gebiete der Naturwissenschaften zog.
Während mehrerer Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hatte die
Entwicklung
#XIV Vorwort
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der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer Produktivkräfte
zu einer stürmischen Entwicklung der Technik und der Naturwissen-
schaften geführt. Besonders zeigte sich das bei jenen Zweigen der
Naturwissenschaft, die mehr oder weniger unmittelbar mit den Be-
dürfnissen der Produktion verbunden waren.
Der Anfang und besonders die Mitte des 19. Jahrhunderts sind
durch eine ganze Reihe hervorragender Entdeckungen und Leistungen
auf dem Gebiete der Mathematik, der Astronomie, der Physik, der
Chemie und der Biologie gekennzeichnet. Neue Tatsachen wurden
festgestellt und neue Gesetze aufgestellt, neue Hypothesen und
Theorien wurden geschaffen und neue Zweige der Wissenschaft ent-
standen.
Die hervorragendsten Meilensteine dieses Triumphzugs der Natur-
wissenschaften waren - wie Engels darlegte - drei große Entdec-
kungen: die Entdeckung der organischen Zelle, des Gesetzes von
der Erhaltung und Umwandlung der Energie und der Entwicklungs-
theorie durch Darwin. In den Jahren 1838 bis 1839 stellten
Matthias Jakob Schleiden und Theodor Schwann die Identität der
pflanzlichen und tierischen Zellen fest; sie wiesen nach, daß die
Zelle die Grundform und die strukturelle Einheit des Organismus
bildet und schufen eine geschlossene Zellulartheorie des Aufbaus
der Organismen; dadurch wurde die Einheit der gesamten organi-
schen Welt bewiesen. In den Jahren 1842 bis 1847 entdeckten und
begründeten Robert Mayer, James Prescott Joule, William Robert
Grove, Ludwig August Colding und Hermann von Helmholtz das Gesetz
von der Erhaltung und Umwandlung der Energie; dadurch stellte
sich die Natur als ein ununterbrochener Prozeß der Verwandlung
von einer Form der universellen Bewegung der Materie in eine an-
dere dar. Im Jahre 1859 erschien das Hauptwerk von Charles Darwin
"The origin of species by means of natural selection ...", das
die Entwicklung der evolutionären Ideen eines ganzen Jahrhunderts
vollendete und zum Fundament der ganzen neueren Biologie wurde.
Die philosophische Bedeutung dieser Entdeckungen bestand darin,
daß sie in konzentriertester Form den dialektischen Charakter der
Naturprozesse aufzeigten. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an
nahm die Entwicklung der Naturwissenschaften einen echt revolu-
tionären Charakter an. Jedoch wurde sie erschwert durch den Wi-
derspruch zwischen der dialektischen Natur des neuen naturwissen-
schaftlichen Materials und der bei den Naturforschern vorherr-
schenden metaphysischen Methode.
Es war notwendig, die wichtigsten Ergebnisse der Naturwissen-
schaft im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts philosophisch zu
verallgemeinern und die dialektisch-materialistische Naturauffas-
sung zu entwickeln.
#XV# Vorwort
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Da Marx die Arbeit an seinem Hauptwerk, dem "Kapital", völlig in
Anspruch nahm, ging Engels an die Lösung dieser durch den Verlauf
der Entwicklung der Naturwissenschaften gestellten neuen theore-
tischen Aufgaben. Die praktischen Möglichkeiten hierzu entstan-
den, nachdem Engels sich von seiner Arbeit in der Baumwollspinne-
rei Ermen & Engels in Manchester frei gemacht hatte und nach Lon-
don übergesiedelt war. Jedoch konnte er wegen des Deutsch-Franzö-
sischen Krieges, der Pariser Kommune und der Tätigkeit in der In-
ternationale erst vom Beginn des Jahres 1873 an den theoretischen
Untersuchungen seine Hauptaufmerksamkeit schenken.
Das Interesse von Marx und Engels an den Problemen der Natur-
wissenschaften war weder zufällig noch zeitweilig. Angefangen mit
dem Brief des jungen Marx an seinen Vater (vom 10. November
1837), worin er ihm von seinen naturwissenschaftlichen Studien
Mitteilung machte, bis zu den letzten Jahren seines Lebens, in
denen Marx selbständige Arbeiten über die Mathematik schrieb,
kann man verfolgen, wie sich seine naturwissenschaftlichen Stu-
dien erweiterten und vertieften. Eine analoge Entwicklung ist
auch bei Engels zu beobachten.
Die Begründer des Marxismus, die eine geschlossene Weltanschauung
geschaffen haben, verarbeiteten nicht nur kritisch das, was die
ihnen vorausgegangene Philosophie und die politische Ökonomie
geleistet sowie die sozialistischen und kommunistischen Lehren
hervorgebracht hatten, sie mußten unausbleiblich auch die wesent-
lichen Ergebnisse der Naturwissenschaft ihrer Zeit verallgemei-
nern, denn ohne eine solche Verallgemeinerung war es unmöglich,
dem Materialismus die neue dialektische Form zu geben. "Marx und
ich", schrieb Engels im Vorwort zur zweiten Ausgabe des "Anti-
Dühring", "waren wohl ziemlich die einzigen, die aus der deut-
schen idealistischen Philosophie die bewußte Dialektik in die
materialistische Auffassung der Natur und Geschichte hinüberge-
rettet haben. Aber zu einer dialektischen und zugleich materiali-
stischen Auffassung der Natur gehört Bekanntschaft mit der Mathe-
matik und der Naturwissenschaft" (siehe vorl. Band, S. 10).
Wie hoch Marx die Rolle der Naturwissenschaften einschätzte, er-
sieht man aus seiner Bemerkung in den Vorarbeiten zum "Kapital"
aus dem Jahre 1863, daß die Naturwissenschaft die Grundlage jedes
Wissens bildet.
Marx und Engels zeigten in gleichem Maße tiefes Interesse für die
Naturwissenschaften. Aber zwischen ihnen bestand eine einzigar-
tige Arbeitsteilung. Marx war ein gründlicher Kenner der Mathema-
tik, wie auch der Geschichte der Technik und der Agrochemie;
gleichzeitig beschäftigte
#XVI# Vorwort
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er sich mit Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Anatomie und Phy-
siologie; zum Unterschied von Engels befaßte er sich mehr mit der
Mathematik und mit den angewandten Naturwissenschaften. Engels
war ein gründlicher Kenner der Physik und Biologie, gleichzeitig
beschäftigte er sich mit Mathematik, Astronomie, Chemie, Anatomie
und Physiologie; zum Unterschied von Marx befaßte er sich mehr
mit den theoretischen Naturwissenschaften.
Bereits in den Arbeiten von Marx und Engels aus der Zeit der
Herausbildung des Marxismus, d.h. vor 1848, finden sich zahlrei-
che Tatsachen, die bezeugen, daß sie der Entwicklung und den Er-
rungenschaften der Naturwissenschaft und der Technik große Auf-
merksamkeit schenkten. In dieser Periode beschäftigten sich Marx
und Engels jedoch noch nicht speziell mit den Naturwissenschaf-
ten.
Ein solches spezielles Studium begann Marx zum erstenmal 1851.
Nachdem er zuvor seine Untersuchungen auf dem Gebiete der politi-
schen Ökonomie wieder aufgenommen hatte, ging er daran, mit dem
Ziel eines eingehenden Studiums der Technologie und Agronomie,
sich besonders mit der Geschichte der Technik und der Agrochemie
zu beschäftigen. Später wurden die Ergebnisse dieser Studien in
dem Kapitel über die Maschinen im ersten Band des "Kapitals" und
bei der Ausarbeitung der Theorie der Grundrente im dritten Band
des "Kapitals" verwertet. In den fünfziger Jahren begann auch En-
gels, sich mit einzelnen Problemen der Naturwissenschaften zu be-
fassen.
Im Verlaufe der Arbeit an der ersten Variante seines Werkes "Das
Kapital" kam Marx zu dem Schluß, daß es notwendig sei, sich be-
sonders mit Mathematik zu befassen. 1858 begann er mit dem Stu-
dium der Algebra; der Algebra folgte die analytische Geometrie,
dann die Differential- und Integralrechnung. Später gewann dieses
Studium selbständige Bedeutung, in derselben Zeit beschäftigte
sich Engels mit Physik und Physiologie, um die Errungenschaften
dieser Wissenschaften, insbesondere die Zellentheorie und die
Lehre von der Umwandlung der Energie für die Weiterentwicklung
der Dialektik auszuwerten. Ein mächtiger Antrieb für das Studium
der Naturwissenschaften war für Marx und Engels das Erscheinen
des grundlegenden Werks von Darwin Ende 1859. Engels las das Buch
von Darwin gleich in den ersten Tagen nach seinem Erscheinen.
Marx, der es Ende 1860 las, gab in seinem Briefe an Engels vom
19. Dezember 1860 eine klassische Einschätzung der Bedeutung,
welche die große Entdeckung Darwins für den Marxismus hatte:
"Obgleich grob englisch entwickelt, ist dies das Buch, das die
naturhistorische Grundlage für unsere Ansicht enthält". In den
folgenden Jahren erweiterte sich der Kreis der naturwissenschaft-
lichen
#XVII# Vorwort
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Interessen von Marx und Engels beträchtlich. Sie befaßten sich
mit Biologie, Anatomie, Physiologie, Astronomie, Physik, Chemie
und mit anderen Wissenschaften.
Die wichtigste Etappe in den naturwissenschaftlichen Studien von
Marx und Engels begann 1873 und dauerte bis zum Tode von Marx im
Jahre 1883. In dieser Periode gingen Marx und Engels unter fort-
gesetzter Erweiterung und Vertiefung ihrer naturwissenschaftli-
chen Untersuchungen an die Schaffung selbständiger Arbeiten. Marx
schuf den wichtigsten Teil seiner mathematischen Manuskripte,
worin er sich die Aufgabe stellte, eine dialektische Begründung
der Differentialrechnung zu geben. Aber eine entscheidende Rolle
auf dem Gebiete der Naturwissenschaften kommt in dieser Periode
den Arbeiten von Engels, d.h. seiner "Dialektik der Natur", zu.
Nach dem Tode von Marx verblieb Engels keine Möglichkeit mehr,
sich systematisch mit der Naturwissenschaft zu beschäftigen. Je-
doch wertete er in einer Reihe seiner Arbeiten aus dieser letzten
Periode sowohl die Ergebnisse seiner früheren Untersuchungen als
auch die neuen Feststellungen der Naturwissenschaften aus.
So konnte Engels, nachdem er 1878 mit Dühring reinen Tisch ge-
macht hatte und an die Niederschrift der Kapitel der "Dialektik
der Natur" ging, sich schon auf eine langjährige Erfahrung in dem
Studium eines ganzen Komplexes der Naturwissenschaften stützen.
Die Aufgabe, die sich Engels bei der Arbeit an der "Dialektik der
Natur" gestellt hatte, formulierte er im Vorwort zur zweiten Aus-
gabe des "Anti-Dühring": "Es handelte sich bei dieser meiner Re-
kapitulation der Mathematik und der Naturwissenschaften selbstre-
dend darum, mich auch im einzelnen zu überzeugen - woran im all-
gemeinen kein Zweifel für mich war -, daß in der Natur dieselben
dialektischen Bewegungsgesetze im Gewirr der zahllosen Verände-
rungen sich durchsetzen, die auch in der Geschichte die schein-
bare Zufälligkeit der Ereignisse beherrschen; ... es konnte sich
für mich nicht darum handeln, die dialektischen Gesetze in die
Natur hineinzukonstruieren, sondern sie in ihr aufzufinden und
aus ihr zu entwickeln" (siehe vorl. Band, S. 11/12). Die Aufgabe
bestand also darin, die objektive Dialektik in der Natur aufzu-
decken und dadurch die Notwendigkeit der bewußten Anwendung der
materialistischen Dialektik in der Naturwissenschaft zu begrün-
den, den Idealismus, die Metaphysik und den Agnostizismus sowie
auch den Vulgärmaterialismus aus ihr zu vertreiben, eine
dialektisch-materialistische Verallgemeinerung der wichtigsten
Ergebnisse der Entwicklung der Naturwissenschaften zu geben und
dadurch die Allgemeingültigkeit der Grundgesetze der materiali-
stischen Dialektik nachzuweisen.
#XVIII# Vorwort
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Zu diesem Zweck machte Engels ein ungeheures Tatsachenmaterial
lebendig. Er wertete insgesamt etwa hundert Arbeiten der größten
Naturforscher aus, darunter über Mathematik das Buch von Charles
Bossut, über die Astronomie die Bücher von Johann Heinrich von
Mädler und Angelo Secchi, über die Physik die Arbeiten von Robert
Mayer, Hermann von Helmholtz, William Robert Grove, William Thom-
son, Rudolf Clausius, James Clerk Maxwell, Gustav Wiedemann und
Thomas Thomson, über die Chemie die Schriften von Alexander Nau-
mann, Henry Enfield Roscoe und Carl Schorlemmer, über die Biolo-
gie die Arbeiten von Charles Darwin, Ernst Haeckel und Henry Al-
leyne Nicholson; außerdem wertete er die Zeitschrift "Nature"
aus. Leider konnte Engels aus einer ganzen Reihe von Umständen
nicht solche damals zwar weniger bekannte, aber dennoch ge-
schichtlich nicht minder wichtige Untersuchungen auswerten wie
die Werke von Lomonossow, Lobatschewski, Riemann, Butlerow sowie
die Arbeiten von Maxwell über die Theorie des elektromagnetischen
Feldes.
Ungeachtet dessen, daß die "Dialektik der Natur" unvollendet
geblieben ist und einzelne ihrer Teile den Charakter vorläufiger
Entwürfe und fragmentarischer Notizen haben, stellt dieses Werk
ein zusammenhängendes Ganzes dar, das durch die allgemeinen Grun-
dideen und einen einheitlichen, harmonischen Plan in sich verbun-
den ist.
In der "Dialektik der Natur" hat Engels an Hand eines umfangrei-
chen Materials der Geschichte der Naturwissenschaft, besonders
aus der Zeit von der Renaissance bis zur Mitte des 19. Jahrhun-
derts, gezeigt, daß die Entwicklung der Naturwissenschaften in
letzter Instanz bedingt ist durch die Bedürfnisse der Praxis, der
Produktion. Zum erstenmal in der Geschichte des Marxismus wird
hier von Engels allseitig die Wechselbeziehung von Philosophie
und Naturwissenschaft untersucht, ihr untrennbarer Zusammenhang
aufgezeigt und bewiesen, daß "in der Naturwissenschaft durch ihre
eigene Entwicklung die metaphysische Auffassung unmöglich gewor-
den" ist, die "Rückkehr zur Dialektik sich unbewußt, daher
widerspruchsvoll und langsam" vollzieht und die Dialektik, von
dem Hegelschen Mystizismus befreit, "eine absolute Notwendigkeit
für die Naturwissenschaft" wird (siehe vorl. Band, S. 309 und
476). Hier wird von Engels den Naturwissenschaftlern die Aufgabe
gestellt, sich bewußt die dialektische Methode zu eigen zu ma-
chen.
Engels entwickelt die grundlegenden Thesen des dialektischen
Materialismus über Materie und Bewegung, Raum und Zeit; er kon-
kretisiert die Definition der Dialektik, formuliert die drei
Grundgesetze der Dialektik
#XIX# Vorwort
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und zeigt, "daß die dialektischen Gesetze wirkliche Entwicklungs-
gesetze der Natur, also auch für die theoretische Naturforschung
gültig sind" (siehe vorl. Band, S. 349).
Die Grundidee der "Dialektik der Natur" ist die Klassifizierung
der Bewegungsformen der Materie und dementsprechend die Klassifi-
zierung der Wissenschaften, die diese Bewegungsformen erforschen.
Die niedere Form der Bewegung ist die einfache Ortsveränderung,
die höchste das Denken. Die Grundformen der Bewegung, die von den
Naturwissenschaften studiert werden, sind die mechanische, die
physikalische, die chemische und die biologische Bewegungsform.
Jede niedrigere Bewegungsform geht durch einen dialektischen
Sprung in eine höhere Form über. Jede höhere Bewegungsform ent-
hält in sich als untergeordnetes Moment eine niedrigere Form,
läßt sich aber nicht auf sie zurückführen. Auf der Grundlage die-
ser Lehre von den Bewegungsformen der Materie baute Engels die
dialektisch-materialistische Klassifizierung der Naturwissen-
schaften auf, "von denen jede eine einzelne Bewegungsform oder
eine Reihe zusammengehöriger und ineinander übergehender Bewe-
gungsformen analysiert" (siehe vorl. Band, S. 514).
Sich auf diese Grundidee stützend, untersuchte Engels folgerich-
tig den dialektischen Inhalt der Mathematik, der Mechanik, der
Physik, der Chemie und der Biologie. Hierbei wählte er in der Ma-
thematik das Problem der scheinbaren Apriorität der mathemati-
schen Abstraktionen, in der Astronomie das Problem der Entstehung
und Entwicklung des Sonnensystems, in der Physik die Lehre von
der Umwandlung der Energie, in der Chemie das Problem der Atomi-
stik, in der Biologie das Problem der Entstehung und des Wesens
des Lebens, die Zellentheorie und den Darwinismus. Den Übergang
von der Naturwissenschaft zur Geschichte der Gesellschaft bildet
die hier von Engels ausgearbeitete Theorie von der Arbeit als die
Grundbedingung für die Entwicklung des Menschen.
Bei der Untersuchung aller dieser Probleme begnügte sich Engels
nicht damit, einfach diese oder jene naturwissenschaftliche Ent-
deckung festzustellen, sondern er interpretierte unter Anwendung
der dialektisch-materialistischen Methode auf neue Art die wich-
tigsten Ergebnisse der Naturforschung. So unterstreicht Engels
zum Beispiel dort, wo er von der Bedeutung der Entdeckung Robert
Mayers und anderer Gelehrter spricht, die das Gesetz von der Er-
haltung der Energie festgestellt haben, daß das spezifisch Neue
an dieser Entdeckung gerade die Formulierung des absoluten Natur-
gesetzes war: Jede Form der Bewegung ist befähigt und gezwungen,
in jede andere Form der Bewegung umzuschlagen. Engels
#XX# Vorwort
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bereicherte das Verständnis des Gesetzes von der Erhaltung der
Energie durch die These, daß die Energie nicht nur in quantita-
tiver, sondern auch in qualitativer Beziehung unzerstörbar ist
und daß im unendlichen Universum keine der Bewegungsformen, wenn
sie in andere Bewegungsformen umschlagen, vollständig als solche
verschwinden können. Oder, bei der Darstellung der weltgeschicht-
lichen Bedeutung der Entdeckung Darwins kritisiert Engels
zugleich mit dem Hinweis, daß Darwin von den Ursachen für die
Veränderung der Organismen abstrahierte, die einseitige Vorstel-
lung, die den "Kampf ums Dasein" als absolut hinstellt, und hebt
die Rolle der Umwelt in der Entwicklung der Organismen und die
Rolle des Stoffwechsels als ihre bestimmenden Funktionen hervor.
Engels löste durch die Anwendung der dialektisch-materialisti-
schen Methode eine Reihe von Problemen der Naturwissenschaft sei-
ner Zeit; er zeigte die Wege der weiteren Entwicklung der Wissen-
schaft auf und nahm einige ihrer späteren Errungenschaften vor-
weg. So löste Engels z.B. das Problem der zwei Maße der Bewegung;
und als er die Widersprüche der Elektrizitätslehre seiner Zeit
analysierte, nahm er die Theorie der elektrolytischen Dissozia-
tion vorweg.
Zum Unterschied von den meisten Gelehrten seiner Zeit verteidigte
und entwickelte Engels den Gedanken von dem komplizierten Aufbau
der Atome: "Nun aber gelten die Atome keineswegs für einfach oder
überhaupt für die kleinsten bekannten Stoffteilchen" (siehe vorl.
Band, S. 532). Engels sah genial die Existenz von Teilchen
voraus, die analog sind den mathematischen und unendlich kleinen
Größen verschiedener Grade. Die moderne Lehre von der Struktur
der Materie bestätigte und bestätigt die Ansichten von Engels in
bezug auf den komplizierten Aufbau des Atoms und seine
Unerschöpflichkeit. Genauso wies Engels, als er die Auffassung
von der Materie als Einheit von Attraktion und Repulsion
darlegte, auf die prinzipielle Möglichkeit der Existenz einer
solchen Form der Materie hin, die - um in der Sprache der
modernen Physik zu sprechen - keine Ruhmasse hat, was die
Entdeckungen des 20. Jahrhunderts gleichfalls bestätigt haben.
In der "Dialektik der Natur" formulierte Engels zum erstenmal
seine Definition des Lebens: "Das Leben ist die Daseinsweise der
Eiweißkörper" (siehe vorl. Band, S. 559). Diese Definition war
der Ausgangspunkt für die Erforschung der Entstehung und des
Wesens des Lebens.
Eins der größten Verdienste von Engels ist die Ausarbeitung der
Theorie von der Rolle der Arbeit für die Entstehung des Menschen.
In der glänzenden Skizze "Anteil der Arbeit an der Menschwerdung
des Affen" klärt
#XXI# Vorwort
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Engels in unübertroffener Meisterschaft die entscheidende Rolle
der Arbeit, der Herstellung von Werkzeugen, bei der Bildung des
werdenden Menschen und bei der Entstehung der menschlichen Ge-
sellschaft und weist nach, wie aus dem affenähnlichen Vorfahren
im Ergebnis eines langen historischen Prozesses sich das von ihm
qualitativ verschiedene Wesen - der Mensch - entwickelte.
In allen Wissenschaftszweigen unterstützte Engels die fort-
schrittlichen Anschauungen und Theorien, rückte sie in den Vor-
dergrund und entwickelte sie weiter. Insbesondere schätzte er die
wissenschaftliche Tat des großen russischen Gelehrten Dmitri Iwa-
nowitsch Mendelejew sehr hoch, der das periodische System der
chemischen Elemente geschaffen hatte. Zugleich kämpfte Engels
entschieden gegen jene Vorstellungen, die nicht mehr den neuesten
Errungenschaften der Wissenschaft entsprachen und den weiteren
Fortschritt der Forschung hemmten. So unterzog er z.B. die Hypo-
these von Rudolf Clausius, William Thomson und Joseph Loschmidt
über den sogenannten "Wärmetod" des Weltalls einer gründlichen
Kritik. Engels zeigte, daß diese Mode-Hypothese dem richtig ver-
standenen Gesetz von der Erhaltung und Umwandlung der Energie wi-
derspricht. Die grundlegenden Leitsätze von Engels über die Un-
zerstörbarkeit der Bewegung nicht nur in quantitativem, sondern
auch in qualitativem Sinne und damit zusammenhängend über die Un-
möglichkeit des "Wärmetods" des Weltalls zeichneten den Weg auf,
auf dem die weitere Entwicklung der fortschrittlichen Naturfor-
schung vor sich ging.
Engels, der die Dialektik der Natur aufdeckte, führte während
seiner ganzen Arbeit einen unversöhnlichen Kampf gegen die
verschiedenartigen unwissenschaftlichen Tendenzen unter den
Naturwissenschaftlern - gegen den Vulgärmaterialismus, die Meta-
physik, den Idealismus und den Agnostizismus, gegen den einseiti-
gen Empirismus und Mechanismus, gegen den Spiritismus und andere
Einflüsse der religiösen Ideologie.
Es versteht sich von selbst, daß in den vergangenen Jahrzehnten
einer stürmischen und revolutionären Entwicklung aller Naturwis-
senschaften einzelne Details der "Dialektik der Natur" und vor
allem jenes Tatsachenmaterial, auf das sich Engels stützte, über-
holt sind. So ist z.B. die Kant-Laplacesche Kosmogonie-Hypothese,
von der Engels ausging, überholt. Endgültig verworfen ist die me-
chanistische Ätherhypothese. Es wurde festgestellt, daß die Ge-
schwindigkeit des elektrischen Stroms nicht die Lichtgeschwindig-
keit übersteigen kann. Alles das jedoch berührt nicht das Wesen
der "Dialektik der Natur". Die allgemeine Methodologie und die
allgemeine
#XXII# Vorwort
-----
Konzeption dieses Werkes, behalten ihre unvergängliche Bedeutung.
Das Wesentlichste in der "Dialektik der Natur" ist die Methode,
die materialistische Dialektik. Engels zeigt hier mit ungewöhnli-
chem Nachdruck die Rolle des theoretischen Denkens, die Rolle der
Methode in der Erkenntnis der Welt. "Man verachtet in der Tat die
Dialektik nicht ungestraft. Man mag noch soviel Geringschätzung
hegen für alles theoretische Denken, so kann man doch nicht zwei
Naturtatsachen in Zusammenhang bringen oder ihren bestehenden Zu-
sammenhang einsehn ohne theoretisches Denken", und die Dialektik
ist "die einzige ihr in höchster Instanz angemeßne Denkmethode"
(siehe vorl. Band, S. 346 und 482).
In der "Dialektik der Natur" sind vollständiger als in anderen
Werken der Begründer des Marxismus solche Probleme und Kategorien
der Dialektik ausgearbeitet, wie Kausalität, Notwendigkeit und
Zufall, die Klassifikation der Urteilsformen, das Verhältnis von
Induktion und Deduktion, die Rolle der Hypothese als Entwick-
lungsform der Naturwissenschaft und viele andere.
Selbst in seiner unvollendeten Gestalt setzt dieses geniale Werk
durch den Reichtum und die Tiefe seines theoretischen Gehalts in
Erstaunen. Die "Dialektik der Natur" stellt eine neue Etappe in
der Entwicklung des dialektischen Materialismus dar. Hier erwei-
terte und vertiefte Engels wesentlich den Materialismus und die
Dialektik und wies den Weg zur Lösung der grundlegenden Probleme
der Naturwissenschaft seiner Zeit.
Engels gelang es nicht, die Arbeit an der "Dialektik der Natur"
zu beenden. Nach dem Tode von Marx oblag ihm die Herausgabe der
Manuskripte von Marx und die Leitung der internationalen Arbei-
terbewegung. Nach dem Tode von Engels lag das Manuskript der
"Dialektik der Natur" dreißig Jahre lang in den Archiven der
deutschen Sozialdemokratie verborgen. Zum erstenmal wurde es 1925
in der Sowjetunion herausgegeben.
Einige Leitsätze der "Dialektik der Natur" sind dem Leser schon
im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts dadurch bekannt geworden,
daß Engels sie in einer Reihe seiner veröffentlichten Schriften
benutzt hat. Vor allem geschah das im "Anti-Dühring", in "Ludwig
Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie"
und in der Einleitung zu der englischen Ausgabe der Broschüre
"Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissen-
schaft".
Die Ideen des "Anti-Dühring" und der "Dialektik der Natur" wurden
in W.I. Lenins Werk "Materialismus und Empiriokritizismus"
weiterentwickelt, in der Schrift, in der jenes ungeheure
naturwissenschaftliche
#XXIII# Vorwort
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Material, das sich bis zum Beginn des 20.Jahrhunderts angehäuft
hatte, philosophisch verallgemeinert ist. Diese Ideen wurden fer-
ner in den "Philosophischen Heften" Lenins und in seinem program-
matischen Aufsatz "Über die Bedeutung des streitbaren Materialis-
mus" weiterentwickelt. Lenin hat die "Dialektik der Natur" nicht
gekannt, aber auf den von Marx und Engels geschaffenen dialekti-
schen Materialismus gestützt, kam er in einer ganzen Reihe prin-
zipieller Fragen zu den gleichen Schlußfolgerungen und entwic-
kelte jene Leitsätze weiter, die Engels in der "Dialektik der Na-
tur" formuliert hatte.
Die Entwicklung der Naturwissenschaften im 20. Jahrhundert bestä-
tigte und bereicherte die von Marx und Engels geschaffene
dialektisch-materialistische Naturauffassung. Auf dem Gebiete der
Physik waren die Entdeckungen von Max Planck, Niels Bohr und
Louis-Victor de Broglie die naturwissenschaftliche Begründung der
dialektischen These von der Einheit von Kontinuität und Diskonti-
nuität der Materie. Einsteins Relativitätstheorie konkretisierte
die Thesen von Engels über Materie, Bewegung, Raum und Zeit. Die
moderne Theorie von den Elementarteilchen rechtfertigt glänzend
die Thesen von Engels und Lenin über die Unerschöpflichkeit des
Atoms und des Elektrons. Mit demselben Erfolg wurden die Schluß-
folgerungen des dialektischen Materialismus auf dem Gebiete der
Biologie bestätigt. Am Beispiel der Kybernetik und vieler neu
entstandener Zweige der Naturwissenschaft, wie der physikalischen
Chemie, der Biochemie, der Geophysik, der kosmischen Biologie
u.a. bestätigt sich voll und ganz die Voraussage von Engels, daß
gerade in den verschiedenen Grenzwissenschaften die größten Er-
gebnisse zu erwarten sind.
Das sind die Resultate der historischen Prüfung der marxistischen
Methodologie - der dialektisch-materialistischen Methode. Die
vergangenen Jahrzehnte haben die ganze Tiefe des Gedankens von
Engels und Lenin über die Notwendigkeit der Vereinigung von Phi-
losophie und Naturwissenschaft, der Philosophen und der Naturwis-
senschaftler gezeigt. Und in noch größerem Maße wird die Zukunft
die Bedeutung dieser Forderung herausstellen.
Der theoretische Gehalt des "Anti-Dühring" und der "Dialektik der
Natur" wird durch den ganzen Verlauf der Geschichte während fast
eines ganzen Jahrhunderts bestätigt und unaufhörlich durch neue-
ste Errungenschaften der Wissenschaft und Technik und durch die
ganze Praxis des Kampfes für den Kommunismus bereichert. Die un-
sterblichen Ideen dieser genialen Arbeiten von Engels werden auch
fernerhin die Entwicklungswege der Wissenschaft in der Epoche der
Atomenergie, der kybernetischen Maschinen und der Beherrschung
des Kosmos erleuchten; sie werden auch
#XXIV# Vorwort
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fernerhin die Entwicklungswege der Gesellschaft in die große Epo-
che des Kommunismus erleuchten.
Die in dem vorliegenden Band enthaltenen Arbeiten von Engels wer-
den im wesentlichen so wie in den Einzelausgaben des "Anti-Düh-
ring" (1945 bis 1947) und der "Dialektik der Natur" (1941-1955)
gebracht. Zum Unterschied von früheren Ausgaben des "Anti-Düh-
ring", wo in den Text in eckigen Klammern die Ergänzungen einge-
fügt wurden, die Engels für die Broschüre "Die Entwicklung des
Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft" verfaßt, aber nicht
in den "Anti-Dühring" aufgenommen hat, werden diese Ergänzungen
in dem vorliegenden Band am Ende des Buches in dem Abschnitt
"Materialien zum 'Anti-Dühring'" gebracht. Aus dem "Anhang" zum
"Anti-Dühring" sind die Teile ausgeschlossen worden, die Engels
selbst in das 2. Konvolut der "Dialektik der Natur" aufgenommen
hat; sie werden nur im Text der "Dialektik der Natur" wieder-
gegeben. Der ganze übrige Text des "Anhangs" ist in dem Abschnitt
"Materialien zum 'Anti-Dühring'" enthalten.
Am Ende des Textes der "Dialektik der Natur" werden die von En-
gels verfaßten Titel und Inhaltsverzeichnisse der Konvolute, in
denen uns das Manuskript dieser Arbeit vorliegt, gebracht.
Bei der Arbeit am Text des "Anti-Dühring" wurden einige Druck-
und Schreibfehler festgestellt und berichtigt, die sich in die
dritte deutsche Ausgabe dieses Werks eingeschlichen hatten.
Bei der Arbeit am Text der "Dialektik der Natur" wurde die
Entzifferung des Manuskripts von Engels an einzelnen Stellen prä-
zisiert, und an einer Stelle wurden dank einer dem Institut für
Marxismus-Leninismus zur Verfügung gestellten vollständigen und
genauen Photokopie des Fragments "Der geozentrische Gesichts-
punkt..." die beiden letzten Zeilen dieses Fragments wiederherge-
stellt, die in der alten Photokopie fehlen.
Der Anhang und das Register des Bandes wurden gegenüber den
Einzelausgaben des "Anti-Dühring" und der "Dialektik der Natur"
bedeutend ergänzt und erweitert.
Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU
Zur Textüberprüfung des "Anti-Dührìng" wurden sowohl die im
"Vorwärts" veröffentlichten Artikel wie auch der Sonderabdruck
und die Erstausgabe dieses Buches mit herangezogen und aufgefun-
dene Druckfehler und Textentstellungen danach korrigiert.
#XXV# Vorwort
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Alle im vorliegenden Band angeführten Zitate sind nach den Origi-
nalen überprüft worden. Längere Zitate werden zur leichteren
Übersicht in kleinerem Druck gebracht.
Die im Manuskript der "Dialektik der Natur" vorkommenden fremd-
sprachigen Zitate werden im Text in der Übersetzung und der Ori-
ginaltext in Anmerkungen wiedergegeben. Eine Ausnahme bildet ein
längeres Zitat aus Thomas Thomsons Buch "An outline of the scien-
ces of heat and electricity", das zum großen Teil von Engels
selbst übersetzt wurde. Die eingestreuten englischen Worte, Satz-
teile und Sätze sind in Fußnoten übersetzt. Das gleiche gilt für
fremdsprachige Wörter und Satzteile, die vor allem in der
"Dialektik der Natur" vorkommen.
Rechtschreibung und Zeichensetzung sind, soweit vertretbar,
modernisiert. Der Laut- und Silbenstand der Wörter wurde nicht
verändert, resp. gegenüber früheren Einzelausgaben wiederherge-
stellt. Alle in eckigen Klammern stehenden Wörter und Wortteile
stammen von der Redaktion.
Fußnoten von Engels sind durch Sternchen gekennzeichnet, Fußnoten
der Redaktion durch eine durchgehende Linie vom Text abgetrennt
und durch Ziffern kenntlich gemacht.
Zur Erläuterung ist der Band mit Anmerkungen versehen, auf die im
Text durch hochgestellte Zahlen in eckigen Klammern hingewiesen
wird; außerdem sind ein Inhaltsverzeichnis der Konvolute der
"Dialektik der Natur", ein chronologisches Verzeichnis der Frag-
mente und Artikel der "Dialektik der Natur", ein Literaturver-
zeichnis, ein Personenverzeichnis, ein Sachregister und eine Er-
klärung der Fremdwörter beigefügt.
Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung Berlin
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