Quelle: MEW 21 Mai 1883 - Dezember 1889


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       #229#
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       Wie man Marx nicht übersetzen soll [212]
       
       Der erste  Band des Marxschen "Kapitals" ist Allgemeinbesitz, so-
       weit es Übersetzungen in andere Sprachen betrifft. Deshalb hätte,
       obwohl es in englischen sozialistischen Kreisen recht gut bekannt
       ist, daß eine Übersetzung vorbereitet und in Kürze unter der Ver-
       antwortlichkeit der literarischen Testamentsvollstrecker von Marx
       veröffentlicht werden wird, niemand ein Recht, etwas dagegen ein-
       zuwenden, wenn  dieser Übersetzung  eine andere  vorausginge, so-
       lange der Text treu und ebenso gut wiedergegeben würde.
       Die ersten  Seiten solch  einer Übersetzung  von John  Broadhouse
       sind in  der Oktober-Nummer des "To-day" veröffentlicht. Ich sage
       ausdrücklich, daß  sie sehr  weit davon  entfernt ist, eine treue
       Textwiedergabe zu  sein, und  dies deshalb,  weil Herr Broadhouse
       keine der  von einem  Marx-Übersetzer geforderten Fähigkeiten be-
       sitzt.
       Um solch  ein Buch  zu übersetzen,  genügt nicht allein eine gute
       Kenntnis der deutschen Literatursprache. Marx gebraucht gern All-
       tagsausdrücke und  mundartliche Redewendungen; er prägt neue Wör-
       ter, er  nimmt seine  Erläuterungen aus  jedem Zweig  der Wissen-
       schaft, seine  Anspielungen aus den Literaturen von einem Dutzend
       Sprachen; um  ihn zu verstehen, muß einer tatsächlich ein Meister
       der deutschen Sprache in Wort und Schrift sein und muß auch etwas
       vom deutschen Leben kennen.
       Hierzu ein Beispiel. Als einige Oxford-Studenten in einem Vierer-
       boot über die Straße von Dover ruderten, hieß es in den Zeitungs-
       berichten, daß  einer von ihnen "caught a crab" 1*). Der Londoner
       Korrespondent der  "Kölnischen Zeitung" nahm das wörtlich und be-
       richtete getreulich  seinem Blatt,  daß "ein  Krebs mit dem Ruder
       eines der Studenten in Kollision gekommen
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       1*) wörtlich: "einen  Krebs fing";  in der  Sprache der  Ruderer:
       durch zu tiefes Eintauchen der Ruder aus dem Takt geriet
       
       #230# Wie man Marx nicht übersetzen soll
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       sei". Wenn  ein Mann,  der schon jahrelang mitten in London lebt,
       imstande ist,  solch einen  lächerlichen Schnitzer zu machen, so-
       bald er  auf Fachausdrücke  eines ihm  unbekannten Gebiets stößt,
       was kann  man da  von jemandem  erwarten, der  nur eine leidliche
       Kenntnis des  Schriftdeutschen hat  und  es  unternimmt,  den  am
       schwersten übersetzbaren  deutschen Schriftsteller in eine andere
       Sprache zu übertragen? Und tatsächlich werden wir sehen, daß Herr
       Broadhouse außerordentlich geschickt im "Krebse fangen" ist.
       Aber hierfür  wird noch  etwas mehr  verlangt. Marx ist einer der
       kraftvollsten, sich am prägnantesten und bündigsten ausdrückenden
       Schriftsteller unserer  Zeit. Um  ihn richtig  wiederzugeben, muß
       man ein  Meister nicht nur der deutschen, sondern auch der engli-
       schen Sprache sein. Herr Broadhouse jedoch, obwohl offensichtlich
       ein Mann  von beachtenswerten  journalistischen Fähigkeiten,  be-
       herrscht nur  soweit Englisch,  als es sich im Rahmen der konven-
       tionellen literarischen Respektabilität hält. Hier bewegt er sich
       gewandt; aber  diese Art  Englisch ist  nicht die Sprache, in die
       "Das Kapital"  jemals übersetzt  werden kann. Kraftvolles Deutsch
       verlangt zu seiner Wiedergabe kraftvolles Englisch; alle Ressour-
       cen der Sprache müssen ausgeschöpft werden; neu geprägte deutsche
       Ausdrücke erfordern  entsprechende neue  Ausdrücke im Englischen.
       Aber sobald  Herr Broadhouse  einer solchen  Schwierigkeit gegen-
       übersteht, verlassen ihn nicht nur seine Ressourcen, sondern auch
       sein Mut.  Die geringste Erweiterung seines begrenzten Wortschat-
       zes, die  geringste Neuerung  im  üblichen  konventionellen  All-
       tagsenglisch erschreckt  ihn, und  ehe er  eine  solche  Ketzerei
       wagt, gibt  er lieber  das schwierige  deutsche Wort  durch einen
       mehr oder  weniger unbestimmten  Ausdruck wieder,  der  sein  Ohr
       nicht beleidigt,  der aber die Meinung des Verfassers verdunkelt;
       oder, was noch schlimmer ist, er übersetzt es, wenn es wiederholt
       vorkommt, durch eine ganze Reihe verschiedener Ausdrücke und ver-
       gißt dabei, daß ein Fachausdruck immer mit ein und demselben ent-
       sprechenden Wort wiedergegeben werden muß. So übersetzt er gleich
       in der  Überschrift des ersten Abschnitts  W e r t g r ö ß e  1*)
       mit "extent  of value", ohne zu beachten, daß  G r ö ß e  2*) ein
       genau bestimmter  mathematischer Ausdruck  ist, gleichwertig  mit
       "magnitude" oder  einer bestimmten  Quantität,  während  "extent"
       noch vieles andere bedeuten kann. So ist selbst die einfache Neu-
       bildung "labour-time"  für  A r b e i t s z e i t  3*) zuviel für
       ihn; er  übersetzt es  durch 1. "time-labour", das bedeutet, wenn
       überhaupt etwas, Arbeit, die nach Zeit bezahlt wird, oder Arbeit,
       die jemand verrichtet
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       1*) Wertgröße: in  "The Commonweal" deutsch - 2*) ebenso: Größe -
       3*) ebenso: Arbeitszeit
       
       #231# Wie man Marx nicht übersetzen soll
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       richtet, der  seine  Straf z e i t  bei  Zwangs a r b e i t  "ab-
       dient" ; 2. "time of labour" 1*); 3. "labour-time" und 4. "period
       of labour"   (A r b e i t s p e r i o d e  2*)), worunter Marx im
       zweiten Band  etwas ganz anderes versteht. Nun ist aber, wie wohl
       bekannt, die "Kategorie" Arbeitszeit eine der fundamentalsten des
       ganzen Buches,  und sie  durch  vier  verschiedene  Ausdrücke  in
       weniger  als   zehn  Seiten  zu  übersetzen,  ist  mehr  als  un-
       verzeihlich.
       Marx beginnt  mit der  Analyse der Ware. Der erste Gesichtspunkt,
       unter dem sich eine Ware darbietet, ist der eines Gebrauchsgegen-
       stands; als solcher kann sie entweder in Hinblick auf ihre Quali-
       tät oder auf ihre Quantität betrachtet werden.
       
       "Any such  thing is  a whole in itself, the sum of many qualities
       or properties,  and may therefore be useful in different ways. To
       discover these  different ways  and therefore the various uses to
       which a thing may be put, is the  a c t  o f  h i s t o r y.  So,
       too, is  the finding  and fixing  of  s o c i a l l y  r e c o g-
       n i s e d  s t a n d a r d s  o f  m e a s u r e for the quantity
       of useful  things.  The  diversity  of  the  modes  of  measuring
       commodities arises partly from the diversity of the nature of the
       objects to be measured, partly from convention."
       
       ["Jedes solches Ding ist ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann
       daher nach  verschiedenen Seiten  nützlich sein.  Diese verschie-
       denen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge
       zu entdecken,  ist   g e s c h i c h t l i c h e   T a t.  So die
       Findung   g e s e l l s c h a f t l i c h e r   M a ß e   für die
       Quantität der nützlichen Dinge. Die Verschiedenheit der Warenmaße
       entspringt teils aus der verschiedenen Natur der zu messenden Ge-
       genstände, teils aus Konvention." (Siehe Band 23 unserer Ausgabe,
       S. 49/50.)]
       
       Das wird von Herrn Broadhouse wie folgt wiedergegeben:
       
       "To discover  these various  ways, and  consequently the multifa-
       rious modes in which an object may be of use, is  a  w o r k  o f
       t i m e.   So,   c o n s e q u e n t l y,   i s  the  finding  of
       t h e   s o c i a l   m e a s u r e   for the  quantity of useful
       things. The  diversity in  the   b u l k   of commodities  arises
       partly from the different nature" etc.
       
       ["Diese verschiedenen  Seiten zu  entdecken und folglich die man-
       nigfachen Arten,  in denen  ein Gegenstand  nützlich sein könnte,
       ist   e i n  W e r k  d e r  Z e i t.  Genauso,  f o l g l i c h,
       das Finden   d e s   g e s e l l s c h a f t  l i c h e n    M a-
       ß e s   für die  Quantität der  nützlichen Dinge.  Die  Verschie-
       denheit in  der Masse  von Waren  entsteht teilweise aus der ver-
       schiedenen Natur" usw.]
       
       Bei Marx  bildet das  Herausfinden der  verschiedenen  nützlichen
       Seiten der  Dinge einen  wesentlichen  Teil  des  geschichtlichen
       Fortschritts; bei
       -----
       1*) "Zeit der  Arbeit" -  2*) Arbeitsperiode: in "The Commonweal"
       deutsch
       
       #232# Wie man Marx nicht übersetzen soll
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       Herrn Broadhouse ist es bloß ein Werk der Zeit. Bei Marx wird die
       gleiche Einschätzung  auf  die  Festsetzung  allgemeiner  gesell-
       schaftlicher Maße  angewandt. Bei Herrn B[roadhouse] besteht noch
       ein "Werk der Zeit" in dem "Finden  d e s  gesellschaftlichen Ma-
       ßes für  die Quantität der nützlichen Dinge", um eine Art Maß, um
       das sich  Marx sicherlich  niemals bemüht  hat. Und dann schließt
       Broadhouse  damit,   daß  er  fälschlicherweise    M a ß e    1*)
       (m e a s u r e s)   für   M a s s e  2*)  (b u l k)  Hält und da-
       durch Marx  einen der schönsten Krebse anhängt, die jemals gefan-
       gen wurden.
       Weiter sagt Marx:
       
       "Use-values form  the material  out of  which wealth  is made up,
       w h a t e v e r   m a y   b e   t h e   s o c i a l  f o r m  o f
       t h a t  w e a l t h"
       
       ["Gebrauchswerte bilden  den stofflichen  Inhalt  des  Reichtums,
       w e l c h e s   i m m e r   s e i n e    g e s e l l s c h a f t-
       l i c h e  F o r m  s e i"  (Ebenda, S. 50.)]
       
       (die spezifische Form der Aneignung, in der er in Besitz genommen
       und verteilt wird).
       Herr Broadhouse übersetzt:
       
       "Use values constitute the actual basis of wealth  w h i c h  i s
       a l w a y s  t h e i r  s o c i a l  f o r m",
       
       ["Gebrauchswerte bilden die wirkliche Basis des Reichtums,  d e r
       i m m e r  i h r e  s o  z i a l e  F o r m  i s t"]
       
       was entweder eine anmaßende Plattheit oder barer Unsinn ist.
       Der zweite Gesichtspunkt, unter dem eine Ware sich darbietet, ist
       ihr Tauschwert. Daß alle Waren in bestimmten, ständig wechselnden
       Proportionen gegeneinander austauschbar sind, daß sie Tauschwerte
       haben, diese  Tatsache schließt ein, daß sie etwas enthalten, was
       ihnen allen  gemeinsam ist.  Ich übergehe die liederliche Art, in
       der Herr Broadhouse hier eine der feinsten Analysen in Marx' Buch
       wiedergibt, und gehe gleich zu der Stelle über, wo Marx sagt:
       
       "This something  common to  all commodities cannot be a geometri-
       cal, physical,  chemical or other natural property. In fact their
       material properties  come into  consideration only  in so  far as
       they make  them useful, that is, in so far as they turn them into
       use-values."
       
       ["Dies Gemeinsame  kann nicht  eine geometrische,  physikalische,
       chemische oder  sonstige natürliche  Eigenschaft der  Waren sein.
       Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht,
       soweit  selbe  sie  nutzbar  machen,  also  zu  Gebrauchswerten."
       (Ebenda, S. 51.)]
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       1*) Maße: in "The Commonweal" deutsch - 2*) ebenso: Masse
       
       #233# Wie man Marx nicht übersetzen soll
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       Und er fährt fort:
       
       "But it  is the very act  o f  m a k i n g  a b s t r a c t i o n
       f r o m  t h e i r  u s e - v a l u e s  which  e v i d e n t l y
       is the  characteristic point  of the   exchange - r e l a t i o n
       of commodities.   W i t h i n  t h i s  r e l a t i o n, one use-
       value is  equivalent to  any other,  so long as it is provided in
       s u f f i c i e n t  proportion."
       
       ["Andererseits aber  ist  es  grade  die    A b s t r a k t i o n
       v o n   i h r e n   G e b r a u c h s w e r t e n,  was das  Aus-
       tausch v e r h ä l t n i s   der  Waren    a u g e n s c h e i n-
       l i c h   charakterisiert.   I n n e r h a l b  d e s s e l b e n
       gilt ein  Gebrauchswert grade soviel wie jeder andre, wenn er nur
       in   g e h ö r i g e r   Proportion vorhanden  ist." (Ebenda,  S.
       51/52.)]
       
       Nun Herr Broadhouse:
       
       "But on  the other  hand, it  is precisely   t h e s e    u s e -
       v a l u e s  i n  t h e  a b s t r a c t  which  a p p a r e n t-
       l y   characterise the  exchange-ratio of  the commodities.   I n
       i t s e l f,   one use-value  is worth just as much as another if
       it exists in the  s a m e  proportion."
       
       ["Aber andererseits  sind es  gerade   d i e s e   a b s t r a k-
       t e n   G e b r a u c h s w e r t e,   die  o f f e n s i c h t -
       l i c h  die Austauschproportion der Waren charakterisieren.  A n
       s i c h   i s t   ein Gebrauchswert  genausoviel wert wie ein an-
       derer, wenn  er in  der   g l e i c h e n   Proportion  vorhanden
       ist."]
       
       Auf diese Weise läßt Herr Broadhouse, von kleineren Fehlern abge-
       sehen, Marx  genau das  Gegenteil von  dem sagen, was er wirklich
       sagt. Bei Marx ist das Charakteristische des Austauschverhältnis-
       ses von  Waren die Tatsache, daß von ihren Gebrauchswerten völlig
       abstrahiert wird,  daß sie angesehen werden, als hätten sie über-
       haupt keinen  Gebrauchswert. Sein Dolmetscher läßt ihn sagen, daß
       das Charakteristische der Austauschproportion (von der hier nicht
       die Rede  ist) genau ihr Gebrauchswert sei, nur "abstrakt" genom-
       men! Und  dann, einige  Zeilen weiter,  gibt er den Satz von Marx
       wieder: "Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner
       Qualität, als  Tauschwerte können  sie nur verschiedner Quantität
       sein, enthalten  also kein  Atom Gebrauchswert", weder abstrakten
       noch konkreten.  Wir dürfen wohl fragen: "Verstehest du auch, was
       du liesest?"
       Auf diese  Frage kann  man unmöglich bejahend antworten, wenn wir
       feststellen, daß  Herr  Broadhouse  dieselbe  falsche  Auffassung
       ständig aufs  neue wiederholt. Nach dem eben zitierten Satz fährt
       Marx fort:
       
       "Now, if  we leave  out of  c o n s i d e r a t i o n"  (that is,
       make abstraction  from) "the use-values of the commodities, there
       remains   t o   t h e m  but one property: that of being the pro-
       ducts
       
       ["S i e h t   m a n   nun vom  Gebrauchswert der Warenkörper  ab"
       (das heißt,  davon abstrahieren), "so bleibt  i h n e n  nur noch
       eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten.
       
       #234# Wie man Marx nicht übersetzen soll
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       of labour.  But even this product of labour has already undergone
       a change  In our  hands. If  we make  abstraction  f r o m  i t s
       u s e - v a l u e,   we also  make abstraction   f r o m    t h e
       b o d i l y   c o m p o n e n t s   and forms which  m a k e  i t
       i n t o  a use-value."
       
       Jedoch ist  uns auch  das Arbeitsprodukt bereits in der Hand ver-
       wandelt. Abstrahieren wir  v o n  s e i n e m  G e b r a u c h s-
       w e r t,   so abstrahieren  wir auch   v o n  d e n  k ö r p e r-
       l i c h e n   B e s t a n d t e i l e n  und  Formen,  die    e s
       z u m  Gebrauchswert  m a c h e n."  (Ebenda, S. 52.)]
       
       Dies wird von Herrn Broadhouse wie folgt englisch wiedergegeben:
       
       "If we  s e p a r a t e  use-values  f r o m  the actual material
       of the commodities, there remains" (where? with the use-values or
       with the  actual material?)  "one property only, that of the pro-
       duct of  labour. But  the product of labour is already transmuted
       in our  hands. If  we abstract   f r o m   i t   i t s    u s e -
       v a l u e,   we   a b s t r a c t   a l s o  t h e  s t a m i n a
       a n d  f o r m  which  c o n s t i t u t e  i t s  use-value."
       
       ["Wenn wir Gebrauchswerte  v o n  dem wirklichen Material der Wa-
       ren  t r e n n e n,  da bleibt" (wo? bei den Gebrauchswerten oder
       bei dem  wirklichen Material?) "nur eine Eigenschaft, die des Ar-
       beitsprodukts. Aber  das Arbeitsprodukt ist schon in unseren Hän-
       den verwandelt.  Wenn wir   v o n    i h m    s e i n e n    G e-
       b r a u c h s w e r t    abstrahieren,    a b s t r a h i e r e n
       wir   a u c h  s e i n e  S u b s t a n z  u n d  d i e  F o r m,
       die seinen Gebrauchswert  a u s m a c h e n."]
       
       Marx wiederum:
       
       "In the  exchange-relation of  commodities, their  exchange-value
       presented itself  to us  as something  perfectly  independent  of
       their use-values.  Now, if  we actually make abstraction  f r o m
       t h e  u s e - v a l u e  of the products of labour, we arrive at
       their value, as  p r e v i o u s l y  determined by us."
       
       ["Im   Austausch v e r h ä l t n i s   der Waren  selbst erschien
       uns ihr  Tauschwert als  etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus
       Unabhängiges.  Abstrahiert   man  nun   wirklich    v o m    G e-
       b r a u c h s w e r t   der Arbeitsprodukte,  so erhält man ihren
       Wert, wie er  e b e n  bestimmt ward." (Ebenda, S. 53.)]
       
       Das lautet bei Herrn Broadhouse wie folgt:
       
       "In the   exchange - r a t i o  of commodities their exchange-va-
       lue appears  to us  as something  altogether independent of their
       use-value. If we now in effect abstract  t h e  u s e - v a l u e
       f r o m  t h e  l a b o u r - p r o d u c t s,  we have their va-
       lue as it is  t h e n  determined."
       
       ["In der   Austausch p r o p o r t i o n  von Waren erscheint uns
       ihr Tauschwert  als etwas  von ihrem Gebrauchswert gänzlich Unab-
       hängiges. Wenn  wir nun  tatsächlich   d e n   G e b r a u c h s-
       w e r t   v o n   d e n  A r b e i t s p r o d u k t e n  abstra-
       hieren, haben wir ihren Wert, wie er  d a n n  bestimmt wird."]
       
       #235# Wie man Marx nicht übersetzen soll
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       Darüber besteht  kein Zweifel.  Herr Broadhouse  hat niemals  von
       irgendwelchen anderen  Arten der  Abstraktion als  von dinglichen
       gehört, wie  etwa die  Abstraktion von  Geld aus einer Kasse oder
       einem Safe.  Abstraktion und  Subtraktion gleichzusetzen, das ist
       für einen Marx-Übersetzer unverzeihlich.
       Noch ein Beispiel für die Verdrehung von deutschem Sinn in engli-
       schen Unsinn.  Eine der  vortrefflichsten Untersuchungen von Marx
       ist die  Aufdeckung des  Doppelcharakters der Arbeit. Die Arbeit,
       als Erzeugerin von Gebrauchswert betrachtet, ist von anderem Cha-
       rakter und  hat andere Eigenschaften als dieselbe Arbeit, als Er-
       zeugerin von Wert. Die eine ist Arbeit spezifischer Art: Spinnen,
       Weben, Pflügen  etc.; die andere ist der allen gemeinsame Charak-
       ter der  menschlichen produktiven Tätigkeit, die dem Spinnen, We-
       ben, Pflügen  etc. eigen ist und sie alle unter dem einen gemein-
       samen Begriff Arbeit zusammenfaßt. Die eine ist konkrete, die an-
       dere abstrakte  Arbeit. Die  eine ist Arbeit im technischen Sinn,
       die andere  im ökonomischen.  Kurz -  denn die  englische Sprache
       h a t   Ausdrücke für  beide -  die eine ist  w o r k  zum Unter-
       schied von  labour; die  andere  l a b o u r  zum Unterschied von
       work. Nach dieser Analyse fährt Marx fort:
       
       "Originally a  commodity presented  itself to us as something du-
       plex: use-value  and exchange-value.  Further on  we saw that la-
       bour, too,  as far  as it  is expressed  in value,   d o e s  n o
       l o n g e r   p o s s e s s  t h e  s a m e  c h a r a c t e r i-
       s t i c s   which belong  to it  in its  capacity as a creator of
       use-value."
       
       ["Ursprünglich erschien  uns die  Ware als  ein Zwieschlächtiges,
       Gebrauchswert und  Tauschwert. Später  zeigte sich,  daß auch die
       Arbeit, soweit  sie im  Wert ausgedrückt ist,  n i c h t  m e h r
       d i e s e l b e n   M e r k m a l e   b e s i t z t,  die ihr als
       Erzeugerin von Gebrauchswerten zukommen." (Ebenda, S. 56.)]
       
       Herr Broadhouse  will unbedingt  beweisen, daß  er nicht ein Wort
       der Marxschen  Analyse verstanden  hat, und  übersetzt den obigen
       Satz wie folgt:
       
       "We saw  the commodity at first as a  c o m p o u n d  of use-va-
       lue and  exchange-value. Then we saw that labour, so far as it is
       expressed in  value,  o n l y  p o s s e s s e s  t h a t  c h a-
       r a c t e r  s o  f a r  a s  it is a generator of use-value."
       
       ["Wir sahen  die Ware  anfangs als  eine   Z u s a m m e n s e t-
       z u n g   von Gebrauchswert  und Tauschwert.  Dann sahen wir, daß
       Arbeit, soweit  sie in  Wert ausgedrückt  ist,   n u r   i n s o-
       w e i t   d i e s e n  C h a r a k t e r  b e s i t z t,  als sie
       Erzeugerin von Gebrauchswert ist."]
       
       Wenn Marx  "Weiß" sagt, sieht Herr Broadhouse nicht ein, warum er
       nicht "Schwarz" übersetzen sollte.
       
       #236# Wie man Marx nicht übersetzen soll
       -----
       Aber genug  davon. Wir  wollen zu  etwas Amüsanterem kommen. Marx
       sagt: "In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht die  f i c t i o
       j u r i s   1*), daß  jeder Mensch  als Warenkäufer eine enzyklo-
       pädische Warenkenntnis  besitzt." Obgleich nun der Ausdruck Civil
       Society 2*)  durch und  durch englisch ist und Fergusons "History
       of Civil Society" mehr als hundert Jahre alt, ist Herr Broadhouse
       diesem Ausdruck  nicht gewachsen.  Er übersetzt  ihn mit "amongst
       ordinary people"  3*) und verkehrt so den Satz in Unsinn. Denn es
       sind genau die "ordinary people", die ständig darüber murren, daß
       sie vom Kleinhändler betrogen werden etc., weil sie die Natur und
       den Wert der Waren, die sie kaufen müssen, nicht kennen.
       Die   P r o d u k t i o n  (H e r s t e l l u n g  4*)) eines Ge-
       brauchswerts  wird   wiedergegeben  durch  "the    e s t a b l i-
       s h i n g   of a use-value" 5*). Wenn Marx sagt: "Gelingt es, mit
       wenig Arbeit  Kohle in  Diamant zu  verwandeln, so kann sein Wert
       unter  den   von  Ziegelsteinen  fallen."  Herr  Broadhouse,  dem
       anscheinend nicht bekannt ist, daß der Diamant eine allotropische
       Form des  Kohlenstoffs ist,  verwandelt   K o h l e  in  K o k s.
       Ähnlich verwandelt  er die  "total yield of the Brazilian diamond
       mines" 6*)  in "the   e n t i r e   p r o f i t s   of  the whole
       yield" 7*). "The primitive communities of India" 8*) werden unter
       seinen Händen  "v e n e r a b l e  communities" 9*).
       Marx sagt:
       
       "In the  use-value of  a commodity  is contained"   (s t e c k t,
       which had better be translated: For the production of the use-va-
       lue of  a commodity  there nas  been  spent)  "a    c e r t a i n
       p r o d u c t i v e   a c t i v i t y,   adapted to  the peculiar
       purpose, or a certain useful labour."
       
       ["In dem Gebrauchswert jeder Ware steckt"  (s t e c k t,  was man
       besser übersetzen  sollte: Für  die Produktion des Gebrauchswerts
       einer  Ware  ist  verausgabt  worden)  "eine    b e s t i m m t e
       z w e c k m ä ß i g     p r o d u k t i v e     T ä t i g k e i t
       o d e r  nützliche Arbeit."] (Ebenda, S. 57.)]
       
       Herr Broadhouse muß sagen:
       
       "In  the   use-value  of  a  commodity  is  contained  a  certain
       q u a n t i t y   o f   p r o d u c t i v e  p o w e r  or useful
       labour",
       
       ["In  dem   Gebrauchswert  einer   Ware  steckt   eine  bestimmte
       M e n g e  P r o d u k t i v k r a f t  oder nützliche Arbeit"]
       
       und verkehrt  so nicht nur Qualität in Quantität, sondern produk-
       tive Tätigkeit, die verausgabt wurde, in Produktivkraft, die erst
       verausgabt werden soll.
       -----
       1*) Rechtsfiktion - 2*) bürgerliche Gesellschaft - 3*) "unter ge-
       wöhnlichen Menschen"  -  4*)  Herstellung:  in  "The  Commonweal"
       deutsch -  5*) "die Festsetzung  eines Gebrauchswerts" - 6*) "Ge-
       samtausbeute der  brasilischen Diamantgruben"  - 7*) "die Gesamt-
       profite der ganzen Ausbeute" - 8*) "Die altindischen Gemeinden" -
       9*) "ehrwürdige Gemeinden"
       
       #237# Wie man Marx nicht übersetzen soll
       -----
       Aber genug.  Ich könnte  das Zehnfache  der angeführten Beispiele
       bringen, um zu zeigen, daß Herr Broadhouse in keiner Hinsicht ein
       zum Übersetzen  von Marx fähiger und geeigneter Mann ist, und be-
       sonders deshalb,  weil er  überhaupt nicht zu wissen scheint, was
       wirklich gewissenhafte wissenschaftliche Arbeit ist. *)
       Friedrich Engels
       Geschrieben Oktober 1885.
       Nach: "The Commonweal", Vol. I, Nr. 10 vom November 1885.
       
       Aus dem Englischen.
       ---
       *) Aus dem  Obengesagten ist ersichtlich, daß "Das Kapital" nicht
       zu den  Büchern gehört,  die auf  Vertragsbasis übersetzt  werden
       können. Die Übersetzungsarbeit liegt in den besten Händen; jedoch
       ist es den Übersetzern nicht möglich, ihre gesamte Zeit darauf zu
       verwenden. Das  sind die Ursachen für die Verzögerung der Heraus-
       gabe. Aber  wenn auch  der genaue Zeitpunkt des Erscheinens nicht
       angegeben werden  kann, so  dürfen wir  mit Gewißheit  sagen, daß
       sich die  englische Ausgabe  im Laufe  des nächsten Jahres in den
       Händen des Publikums befinden wird.

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