Quelle: MEW 21 Mai 1883 - Dezember 1889
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[Zum 15. Jahrestag der Pariser Kommune [242]]
["Le Socialiste" Nr. 31 vom 27. März 1886]
Heute abend feiern die Arbeiter der ganzen Welt gemeinsam mit
euch den Jahrestag der glorreichsten und tragischsten Etappe in
der Entwicklung des Proletariats. Im Jahre 1871 ergriff die Ar-
beiterklasse zum ersten Male in ihrer Geschichte in einer großen
Hauptstadt die politische Macht. Aber leider ging alles vorüber
wie ein Traum! Auf der einen Seite bedrängt von den Söldnern des
französischen Ex-Kaiserreichs, auf der anderen von den Preußen,
wurde die Kommune schnell in einem Blutbad ohnegleichen erstickt,
das nie vergessen werden wird. Die siegreiche Reaktion kannte
keine Grenzen mehr; der Sozialismus schien im Blute ertränkt und
das Proletariat zur ewigen Sklaverei verurteilt.
Fünfzehn Jahre sind seit dieser Niederlage verflossen. In dieser
Zeit ist in allen Ländern die Macht, die im Dienste der Herren
des Bodens und des Kapitals steht, vor nichts zurückgeschreckt,
um auch den letzten aufrührerischen Regungen der Arbeiter den
Garaus zu machen. Und was hat man erreicht?
Blickt um euch. Der revolutionäre Arbeitersozialismus, lebendiger
denn je, ist heute eine Macht, vor der die Herrschenden überall
zittern, die französischen Radikalen ebenso wie Bismarck, die
Börsenkönige Amerikas ebenso wie der Zar aller Reußen.
Aber das ist nicht alles.
Wir sind an dem Punkt angelangt, wo alle unsere Gegner, was sie
auch tun mögen, wider ihren Willen für uns arbeiten.
Sie haben geglaubt, die Internationale zu töten - aber heute ist
der internationale Bund der Proletarier, die Bruderschaft der re-
volutionären Arbeiter der verschiedenen Länder, tausendmal stär-
ker und umfassender als vor der Kommune. Die Internationale be-
darf keiner Organisation im eigentlichen
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Sinne mehr; sie lebt und erstarkt durch das spontane und leiden-
schaftliche Zusammenwirken der Arbeiter Europas und Amerikas.
In Deutschland hat Bismarck alle Mittel, bis zu den niederträch-
tigsten, erschöpft, um die Arbeiterbewegung zu zerschlagen. Er-
gebnis: vor der Kommune hatte er es mit vier sozialdemokratischen
Abgeordneten zu tun; seine Verfolgungen haben bewirkt, daß jetzt
fünfundzwanzig gewählt wurden. Und die deutschen Proletarier la-
chen über den großen Kanzler, der keine bessere revolutionäre
Propaganda machen könnte, wenn er dafür bezahlt würde.
In Frankreich hat man euch die Listenwahl [243] aufgezwungen,
eine Bourgeoiswahl par excellence, eigens erfunden, um zu si-
chern, daß ausschließlich Advokaten, Journalisten und andere po-
litische Abenteurer, Wortführer des Kapitals, gewählt werden. Und
was hat dieses Wahlsystem der Reichen der Bourgeoisie einge-
bracht? Es hat im Schöße des französischen Parlaments eine revo-
lutionäre sozialistische Arbeiterpartei geschaffen, deren bloßes
Erscheinen auf dem Schauplatz genügt hat, Verwirrung in die Rei-
hen aller bürgerlichen Parteien zu tragen.
Da stehen wir also. Alles, was geschieht, schlägt zu unseren Gun-
sten aus. Die ausgetüfteltsten Maßnahmen, um das Voranschreiten
des Proletariats zu hemmen, beschleunigen nur seinen Sieges-
marsch. Der Feind selbst kämpft und ist dazu verurteilt, für uns
zu kämpfen. Und das hat er so reichlich und so gut besorgt, daß
heute, am 18. März 1886, aus der Brust Tausender Arbeiter, von
den Bergwerksproletariern Kaliforniens und des Aveyron bis zu den
Zwangsarbeitern in den Bergwerken Sibiriens, der Ruf erklingt:
"Es lebe die Kommune! Es lebe der internationale Bund der Arbei-
ter!"
Geschrieben an 15. März 1886.
Aus dem Französischen.
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