Quelle: MEW 21 Mai 1883 - Dezember 1889
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Ludwig Feuerbach und der Ausgang der
klassischen deutschen Philosophie [244]
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Geschrieben Anfang 1886.
Erstmalig veröffentlicht in:
"Die Neue Zeit", Vierter Jahrgang, Nr. 4 und 5, 1886.
Nach dem revidierten Sonderabdruck Stuttgart 1888.
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Titelblatt des revidierten Sonderabdrucks der Schrift "Ludwig
Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie"
Stuttgart 1888
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[Vorbemerkung]
In der Vorrede von "Zur Kritik der Politischen Ökonomie", Berlin
1859, erzählt Karl Marx, wie wir beide 1845 in Brüssel uns daran-
machten, "den Gegensatz unsrer Ansicht" - der namentlich durch
Marx herausgearbeiteten materialistischen Geschichtsauffassung
"gegen die ideologische der deutschen Philosophie gemeinschaft-
lich auszuarbeiten, in der Tat mit unserm ehemaligen philosophi-
schen Gewissen abzurechnen. Der Vorsatz wurde ausgeführt in der
Form einer Kritik der nachhegelschen Philosophie. Das Manuskript
[245], zwei starke Oktavbände, war längst an seinem Verlagsort in
Westfalen angelangt, als wir die Nachricht erhielten, daß verän-
derte Umstände den Druck nicht erlaubten. Wir überließen das Ma-
nuskript der nagenden Kritik der Mäuse um so williger, als wir
unsern Hauptzweck erreicht hatten - Selbstverständigung." 1*)
Seitdem sind über vierzig Jahre verflossen, und Marx ist gestor-
ben, ohne daß sich einem von uns Gelegenheit geboten hätte, auf
den Gegenstand zurückzukommen. Über unser Verhältnis zu Hegel ha-
ben wir uns stellenweise geäußert, doch nirgends in umfassendem
Zusammenhang. Auf Feuerbach, der doch in mancher Beziehung ein
Mittelglied zwischen der Hegelschen Philosophie und unsrer Auf-
fassung bildet, sind wir nie wieder zurückgekommen.
Inzwischen hat die Marxsche Weltanschauung Vertreter gefunden
weit über Deutschlands und Europas Grenzen hinaus und in allen
gebildeten Sprachen der Welt. Andrerseits erlebt die klassische
deutsche Philosophie im Ausland eine Art Wiedergeburt, namentlich
in England und Skandinavien, und selbst in Deutschland scheint
man die eklektischen Bettelsuppen
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1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 10
#264# Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klass. dt. Philosophie
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satt zu bekommen, die dort an den Universitäten ausgelöffelt wer-
den unter dem Namen Philosophie.
Unter diesen Umständen erschien mir eine kurze, zusammenhängende
Darlegung unsres Verhältnisses zur Hegelschen Philosophie, unsres
Ausgangs wie unsrer Trennung von ihr, mehr und mehr geboten. Und
ebenso erschien mir eine volle Anerkennung des Einflusses, den
vor allen andern nachhegelschen Philosophen Feuerbach, während
unsrer Sturm- und Drangperiode, auf uns hatte, als eine unabge-
tragene Ehrenschuld. Ich ergriff also gern die Gelegenheit, als
die Redaktion der "Neuen Zeit" mich um eine kritische Besprechung
des Starckeschen Buchs über Feuerbach bat. Meine Arbeit wurde im
4. und 5. Heft 1886 jener Zeitschrift veröffentlicht und er-
scheint hier in revidiertem Sonderabdruck.
Ehe ich diese Zeilen in die Presse schicke, habe ich das alte Ma-
nuskript von 1845/46 nochmals herausgesucht und angesehn. Der Ab-
schnitt über Feuerbach ist nicht vollendet. Der fertige Teil be-
steht in einer Darlegung der materialistischen Geschichtsauffas-
sung, die nur beweist, wie unvollständig unsre damaligen Kennt-
nisse der ökonomischen Geschichte noch waren. Die Kritik der Feu-
erbachschen Doktrin selbst fehlt darin; für den gegenwärtigen
Zweck war es also unbrauchbar. Dagegen habe ich in einem alten
Heft von Marx die im Anhang abgedruckten elf Thesen über Feuer-
bach 1*) gefunden. Es sind Notizen für spätere Ausarbeitung,
rasch hingeschrieben, absolut nicht für den Druck bestimmt, aber
unschätzbar als das erste Dokument, worin der geniale Keim der
neuen Weltanschauung niedergelegt ist.
London, 21. Februar 1888
Friedrich Engels
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1*) Siehe Band 3 unserer Ausgabe, S. 5-7 und 533-535
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