Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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ELFTES KAPITEL
Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital.
Ricardo
Ricardo fährt den Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem
Kapital nur auf, um die Ausnahmen der Wertregel darzustellen,
nämlich solche Fälle, wo die Rate des Arbeitslohns auf die Preise
wirkt. Darauf kommen wir erst in Buch III zu sprechen. 1*)
Die ursprüngliche Unklarheit zeigt sich aber von vornherein in
der gleichgültigen Nebeneinanderstellung:
"Dieser Unterschied im Grad der Dauerhaftigkeit des fixen Kapi-
tals, und dieser Wechsel in den Verhältnissen, worin beide Kapi-
talarten kombiniert sein können." 25)
Fragen wir nun, welches die beiden Kapitalarten sind, so hören
wir:
"Ebenfalls die Verhältnisse, worin das Kapital, das die Arbeit
unterhalten soll, und das Kapital, das in Werkzeugen, Maschinerie
und Gebäuden ausgelegt ist, verschieden kombiniert sein können."
26)
Also fixes Kapital = Arbeitsmitteln, und zirkulierendes Kapital =
Kapital, das in Arbeit ausgelegt ist. Kapital, das die Arbeit un-
terhalten soll, ist schon ein abgeschmackter, aus A. Smith her-
übergenommener Ausdruck. Das zirkulierende Kapital wird hier ei-
nerseits zusammengeworfen mit dem variablen Kapital, d.h. mit dem
in Arbeit ausgelegten Teil des produktiven Kapitals. Andrerseits
aber, weil der Gegensatz nicht aus dem Verwertungsprozeß ge-
schöpft ist - konstantes und variables Kapital -, sondern aus dem
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25) "This difference in the degree of durability of fixed capi-
tal, a n d this variety in the proportions in which the two
sorts of capital may be combined." - "Principles", p. 25.
26) The proportions, too, in which the capital that is to support
labour, and the capital that is invested in tools, machinery, and
buildings, may be variously combined. l.c.
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1*) Siehe Band 25 unserer Ausgabe, 11. Kapitel
#218# 11. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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Zirkulationsprozeß (die alte Smithsche Konfusion), kommen doppelt
falsche Bestimmungen heraus.
Erstens: Die Differenzen im Grad der Dauerhaftigkeit des fixen
Kapitals und die Verschiedenheiten der Kapitalzusammensetzung aus
konstantem und variablem Kapital werden als gleichwertig gefaßt.
Der letztre Unterschied aber bestimmt den Unterschied in der Pro-
duktion des Mehrwerts; der erste dagegen, soweit der Verwertungs-
prozeß in Betracht kommt, bezieht sich nur auf die Art und Weise,
wie ein gegebner Wert vom Produktionsmittel auf das Produkt über-
tragen wird; soweit der Zirkulationsprozeß in Betracht kommt, be-
trifft er nur die Periode der Erneuerung des ausgelegten Kapi-
tals, oder anders betrachtet, die Zeit, für welche es vorgeschos-
sen ist. Wenn man, statt das innere Getriebe des kapitalistischen
Produktionsprozesses zu durchschauen, sich auf den Standpunkt der
fertigen Phänomene stellt, so fallen diese Unterschiede in der
Tat zusammen. Bei der Verteilung des gesellschaftlichen Mehrwerts
unter die in verschiednen Betriebszweigen angelegten Kapitale
wirken Differenzen in den verschiednen Zeiträumen, wofür Kapital
vorgeschossen wird (also z.B. die verschiedne Lebensdauer bei
fixem Kapital), und verschiedne organische Zusammensetzungen des
Kapitals (also auch die verschiedne Zirkulation von konstantem
und variablem Kapital) gleichmäßig mit bei Ausgleichung der all-
gemeinen Profitrate und bei Verwandlung der Werte in Produktions-
preise.
Zweitens: Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses stehn auf der
einen Seite die Arbeitsmittel: fixes Kapital, auf der andern
Seite Arbeitsmaterial und Arbeitslohn: flüssiges Kapital. Dagegen
vom Standpunkt des Arbeits- und Verwertungsprozesses steht auf
der einen Seite: Produktionsmittel (Arbeitsmittel und Arbeitsma-
terial), konstantes Kapital; auf der andern Seite Arbeitskraft,
variables Kapital. Für die organische Zusammensetzung (Buch I,
Kap. XXIII, 2, p. 647 1*)) des Kapitals ist es ganz gleichgültig,
ob dasselbe Wertquantum konstantes Kapital aus viel Arbeitsmit-
teln und wenig Arbeitsmaterial oder aus viel Arbeitsmaterial und
wenig Arbeitsmitteln besteht, während alles abhängt vom Verhält-
nis des in Produktionsmitteln ausgelegten zu dem in Arbeitskraft
ausgelegten Kapital. Umgekehrt: Vom Standpunkt des Zirkulations-
prozesses, des Unterschieds von fixem und zirkulierendem Kapital,
ist es ebenso gleichgültig, in welchen Verhältnissen ein gegebnes
Wertquantum zirkulierenden Kapitals sich in Arbeitsmaterial und
Arbeitslohn teilt. Von dem einen Standpunkt rangiert
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. S. 640
#219# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
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das Arbeitsmaterial in derselben Kategorie mit den Arbeitsmit-
teln, im Gegensatz zu dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapital-
wert. Von dem andern Standpunkt rangiert der in Arbeitskraft aus-
gelegte Kapitaltell zusammen mit dem in Arbeitsmaterial ausgeleg-
ten, im Gegensatz zu dem in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapi-
talteil.
Daher erscheint bei Ricardo der in Arbeitsmaterial (Roh- und
Hilfsstoffen) ausgelegte Wertteil des Kapitals auf keiner Seite.
Er verschwindet ganz. Er paßt nämlich nicht auf die Seite des fi-
xen Kapitals, weil er in seiner Zirkulationsweise ganz mit dem in
Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteil zusammenfällt. Und er darf
andrerseits nicht auf Seite des zirkulierenden Kapitals gestellt
werden, weil damit die von A. Smith übertragne und stillschwei-
gend durchlaufende Gleichstellung des Gegensatzes: fixes und zir-
kulierendes Kapital, mit dem Gegensatz: konstantes und variables
Kapital, sich selbst aufhöbe. Ricardo hat zu viel logischen In-
stinkt, um das nicht zu fühlen, und daher verschwindet ihm dieser
Kapitalteil ganz und gar.
Es ist hier zu bemerken, daß der Kapitalist das in Arbeitslohn
ausgelegte Kapital in verschiednen Terminen, in der Sprachweise
der politischen Ökonomie, vorschießt, je nachdem er diesen Lohn
z.B. wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich zahlt. In der Tat
verhält sich die Sache umgekehrt. Der Arbeiter schießt dem Kapi-
talisten seine Arbeit auf eine Woche, einen Monat, drei Monate
vor, je nachdem er wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich be-
zahlt wird. K a u f t e der Kapitalist die Arbeitskraft, statt
sie zu bezahlen, zahlte er also dem Arbeiter den Arbeitslohn per
Tag, Woche, Monat und drei Monate voraus, so könnte von einem
Vorschuß für diese Termine gesprochen werden. Da er aber zahlt,
nachdem die Arbeit Tage, Wochen, Monate gedauert h a t, statt
sie zu kaufen und zu zahlen für den Termin, den sie dauern
s o l l, so ist das Ganze ein kapitalistisches Quidproquo, und
der Vorschuß, der dem Kapitalisten vom Arbeiter in Arbeit gegeben
wird, wird in einen Vorschuß verwandelt, den der Kapitalist in
Geld dem Arbeiter gibt. Es ändert durchaus nichts an der Sache,
daß der Kapitalist das Produkt selbst oder dessen Wert - je nach
der verschiednen Zeitdauer, die seine Herstellung erfordert, oder
auch nach der verschiednen für seine Zirkulation erforderlichen
Zeitdauer - nur in kurzem oder längern Terminen (zusammen mit dem
ihm einverleibten Mehrwert) aus der Zirkulation zurückerhält oder
realisiert. Was der Käufer einer Ware mit der selben anfangen
will, ist dem Verkäufer durchaus gleichgültig. Der Kapitalist er-
hält eine Maschine nicht wohlfeiler, weil er ihren ganzen Wert
auf einmal vorschießen muß, während ihm derselbe Wert nur allmäh-
lich und stückweis aus der Zirkulation zurückströmt; noch zahlt
er die Baumwolle
#220# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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deswegen teurer, weil ihr Wert ganz in den Wert des aus ihr ver-
fertigten Produkts eingeht und daher ganz und auf einmal durch
den Verkauf des Produkts ersetzt wird.
Kehren wir zu Ricardo zurück.
1. Das Charakteristische des variablen Kapitals ist, daß ein be-
stimmter, gegebner (also als solcher konstanter) Kapitalteil,
eine gegebne Wertsumme (angenommen gleich dem Wert der Arbeits-
kraft, obgleich es hier gleichgültig ist, ob der Arbeitslohn
gleich, größer oder kleiner als der Wert der Arbeitskraft), aus-
getauscht wird gegen eine sich verwertende, wertschaffende Kraft
- die Arbeitskraft, welche nicht nur ihren vom Kapitalisten be
zahlten Wert reproduziert, sondern zugleich einen Mehrwert produ-
ziert, einen vorher nicht vorhandnen und durch kein Äquivalent
erkauften Wert. Diese charakteristische Eigenschaft des in Ar-
beitslohn ausgelegten Kapitalteils, die es als variables Kapital
von dem konstanten Kapital toto coelo 1*) unterscheidet, ver-
schwindet, sobald der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil bloß
vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses betrachtet wird und so
als zirkulierendes Kapital erscheint gegenüber dem in Arbeitsmit-
teln ausgelegten fixen Kapital. Es geht dies schon daraus hervor,
daß es dann unter einer Rubrik - der des zirkulierenden Kapitals
- zusammen mit einem Bestandteil des konstanten Kapitals, dem in
Arbeitsmaterial ausgelegten, gegenübergestellt wird einem andern
Bestandteil des konstanten Kapitals, dem in Arbeitsmitteln ausge-
legten. Vom Mehrwert, also gerade von dem Umstand, der die ausge-
legte Wertsumme in Kapital verwandelt, wird dabei ganz abgesehn.
Ebenso wird davon abgesehn, daß der Wertteil, den das in Arbeits-
lohn ausgelegte Kapital dem Produkt zusetzt, neu produziert (also
auch wirklich reproduziert ist), während der Wertteil, den das
Rohmaterial dem Produkt zusetzt, nicht neu produziert, nicht
wirklich reproduziert, sondern nur im Produktwert erhalten, kon-
serviert ist, und daher als Wertbestandteil des Produkts nur wie-
dererscheint. Der Unterschied, wie er sich vom Gesichtspunkt des
Gegensatzes von flüssigem und fixem Kapital jetzt darstellt, be-
steht nur darin: der Wert der zur Produktion einer Ware angewand-
ten Arbeitsmittel geht nur teliweis in den Wert der Ware ein und
wird daher durch den Verkauf der Ware auch nur tellweis ersetzt,
wird daher überhaupt nur stückweis und allmählich ersetzt.
Andrerseits: der Wert der zur Produktion einer Ware verwandten
Arbeitskraft und Arbeitsgegenstände (Rohstoffe etc.) geht ganz in
die Ware ein und wird daher ganz durch ihren Verkauf ersetzt.
Insofern stellt sich mit Bezug auf den Zirkulationsprozeß
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1*) in jeder Beziehung
#221# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital.
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der eine Teil des Kapitals als fix, der andre als flüssig oder
zirkulierend dar. Es handelt sich in beiden Fällen um eine Über-
tragung gegebner, vorgeschoßner Werte auf das Produkt und um ih-
ren Wiederersatz durch den Verkauf des Produkts. Der Unterschied
besteht jetzt nur darin, ob die Wertübertragung, und daher der
Wertersatz, stückweis und allmählich oder auf einmal vor sich
geht. Damit ist der alles entscheidende Unterschied zwischen va-
riablem und konstantem Kapital ausgelöscht, also das ganze Ge-
heimnis der Mehrwertbildung und der kapitalistischen Produktion,
die Umstände, die gewisse Werte und die Dinge, worin sie sich
darstellen, in Kapital verwandeln, ausgelöscht. Alle Bestandteile
des Kapitals unterscheiden sich nur noch durch die Zirkulations-
weise (und die Zirkulation der Ware hat es natürlich nur mit be-
reits vorhandnen, gegebnen Werten zu tun); und eine besondre Zir-
kulationsweise ist dem in Arbeitslohn ausgelegten Kapital gemein-
sam mit dem in Rohmaterialien, Halbfabrikaten, Hilfsstoffen aus-
gelegten Kapitalteil im Gegensatz zu dem in Arbeitsmitteln ausge-
legten Kapitalteil.
Man begreift daher, wanun die bürgerliche politische Ökonomie
A.Smiths Konfusion der Kategorien "konstantes und variables Kapi-
tal" mit den Kategorien "fixes und zirkulierendes Kapital" in-
stinktmäßig festhielt und kritiklos ein Jahrhundert durch von Ge-
neration zu Generation nachplapperte. Der im Arbeitslohn ausge-
legte Kapitalteil unterscheidet sich bei ihr gar nicht mehr von
dem in Rohstoff ausgelegten Kapitalteil, und unterscheidet sich
nur formell - ob er stückweis oder ganz durch das Produkt zirku-
liert wird - vom konstanten Kapital. Damit ist die Grundlage für
das Verständnis der wirklichen Bewegung der kapitalistischen Pro-
duktion, und daher der kapitalistischen Exploitation, mit einem
Schlage verschüttet. Es handelt sich nur um das Wiedererscheinen
vorgeschoßner Werte.
Bei Ricardo ist die unkritische Aufnahme der Smithschen Konfusion
störender, nicht nur als bei den spätern Apologetikern, bei denen
die Begriffskonfusion vielmehr das Nichtstörende ist, sondern als
bei A. Smith selbst, weil Ricardo im Gegensatz zu diesem konse-
quenter und schärfer Wert und Mehrwert entwickelt, in der Tat den
esoterischen A. Smith gegen den exoterischen A. Smith behauptet.
Bei den Physiokraten findet sich nichts von dieser Konfusion. Der
Unterschied zwischen avances annuelles 1*) und avances primitives
2*) bezieht sich nur auf die verschiednen Reproduktionsperioden
der verschiednen
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1*) jährlichen Vorschüssen 2*) ursprünglichen Vorschüssen
#222# II. Abschnitt - Der Umgang des Kapitals
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Bestandteile des Kapitals, speziell des agrikolen Kapitals; wäh-
rend ihre Ansichten von der Produktion des Mehrwerts einen von
diesen Unterscheidungen unabhängigen Teil ihrer Theorie bilden,
und zwar das, was sie als Pointe der Theorie herauswenden. Die
Bildung des Mehrwerts wird nicht aus dem Kapital als solchem er-
klärt, sondern nur einer bestimmten Produktionssphäre des Kapi-
tals, der Agrikultur, vindiziert.
2. Das Wesentliche bei der Bestimmung des variablen Kapitals -
und daher für die Verwandlung irgendeiner beliebigen Wertsumme in
Kapital ist, daß der Kapitalist eine bestimmte, gegebne (und in
diesem Sinn konstante) Wertgröße austauscht gegen wertschöpferi-
sche Kraft; eine Wertgröße gegen Wertproduktion, Selbstverwer-
tung. Ob der Kapitalist den Arbeiter in Geld oder in Lebensmit-
teln zahlt, ändert an dieser wesentlichen Bestimmung nichts. Es
ändert nur die Existenzweise des von ihm vorgeschoßnen Werts, der
das eine Mal in der Form von Geld existiert womit der Arbeiter
sich selbst auf dem Markt seine Lebensmittel kauft, das andre Mal
in der Form von Lebensmitteln, die er direkt verzehrt. Die ent-
wickelte kapitalistische Produktion unterstellt in der Tat, daß
der Arbeiter in Geld gezahlt wird, wie sie überhaupt den durch
den Zirkulationsprozeß vermittelten Produktionsprozeß, also die
Geldwirtschaft, unterstellt. Aber die Schöpfung des Mehrwerts -
daher die Kapitalisierung der vorgeschoßnen Wertsumme - ent-
springt weder aus der Geldform noch aus der Naturalform des Ar-
beitslohns oder des im Ankauf der Arbeitskraft ausgelegten Kapi-
tals. Sie entspringt aus dem Austausch von Wert gegen wertschaf-
fende Kraft, aus der Umsetzung einer konstanten in eine variable
Größe.
Die größre oder geringre Etat der Arbeitsmittel hängt ab von dem
Grad ihrer Dauerhaftigkeit, also von einer physischen Eigen-
schaft. Je nach dem Grad ihrer Dauerhaftigkeit werden sie, unter
sonst gleichbleibenden Umständen, rascher oder langsamer ver-
schleißen, also länger oder kurzer als fixes Kapital fungieren.
Aber es ist keineswegs bloß diese physische Eigenschaft der Dau-
erhaftigkeit, infolge deren sie als fixes Kapital fungieren. Der
Rohstoff in Metallfabriken ist ebenso dauerhaft wie die Maschi-
nen, womit fabriziert wird, und dauerhafter als manche Bestand-
teile dieser Maschinen, Leder, Holz etc. Nichtsdestoweniger bil-
det das als Rohstoff dienende Metall einen Teil des zirkulieren-
den Kapitals, und das vielleicht aus demselben Metall aufgebaute,
fungierende Arbeitsmittel einen Teil des fixen Kapitals. Es ist
also nicht die stoffliche physische Natur, nicht seine größre
oder geringre Vergänglichkeit, wodurch dasselbe Metall das eine
Mal der Rubrik des fixen und das andte Mal der Rubrik des zirku-
lierenden Kapitals untergeordnet wird. Dieser Unterschied ent-
springt vielmehr aus
#223# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
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der Rolle, die es im Produktionsprozeß spielt, das eine Mal als
Arbeitsgegenstand, das andre Mal als Arbeitsmittel.
Die Funktion des Arbeitsmittels im Produktionsprozeß erheischt im
Durchschnitt, daß es während längrer oder kürzrer Periode stets
von neuem in wiederholten Arbeitsprozessen dient. Durch seine
Funktion ist daher eine größre oder geringre Dauerhaftigkeit sei-
nes Stoffs vorgeschrieben. Aber die Dauerhaftigkeit des Stoffs,
aus dem es gemacht wird, macht es nicht an und für sich zum fixen
Kapital. Derselbe Stoff, wenn Rohmaterial, wird zirkulierendes
Kapital, und bei den Ökonomen, die den Unterschied von Warenkapi-
tal und produktivem Kapital mit dem Unterschied von zirkulieren-
dem und fixem Kapital verwechseln, ist derselbe Stoff, dieselbe
Maschine, zirkulierendes Kapital als Produkt, fixes Kapital als
Arbeitsmittel. Obgleich nun nicht der dauerhafte Stoff, aus dem
das Arbeitsmittel gemacht ist, es zum fixen Kapital macht, so
erheischt doch seine Rolle als Arbeitsmittel, daß es aus einem
relativ dauerhaften Material bestehe.
Die Dauerhaftigkeit seines Stoffs ist also eine Bedingung seiner
Funktion als Arbeitsmittel, daher auch materielle Grundlage der
Zirkulationsweise, die es zum fixen Kapital macht. Unter sonst
gleichbleibenden Umständen drückt die größre oder geringre Ver-
gänglichkeit seines Stoffs ihm in niedrigrem oder höherem Grad
den Stempel der Fixität auf, ist also sehr wesentlich verwachsen
mit seiner Qualität als fixes Kapital.
Wird der in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil nun ausschließ-
lich unter dem Gesichtspunkt von zirkulierendem Kapital betrach-
tet, also im Gegensatz zum fixen Kapital; werden daher auch die
Unterschiede von konstantem und variablem Kapital mit den Unter-
schieden von fixem und zirkulierendem Kapital zusaengeworfen, so
ist es natürlich, wie die stoffliche Realität des Arbeitsmittels
eine wesentliche Grundlage seines Charakters als fixes Kapital
bildet, so nun im Gegensatz zu demselben aus der stofflichen Re-
alität des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals seinen Charakter
als zirkulierendes Kapital herzuleiten, und dann wieder das zir-
kulierende Kapital zu bestimmen durch die stoffliche Realität des
variablen Kapitals.
Der wirkliche Stoff des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals ist
die Arbeit selbst, die sich betätigende, wertschaffende Arbeits-
kraft, lebendige Arbeit, die der Kapitalist gegen tote, vergegen-
ständlichte Arbeit austauscht und seinem Kapital einverleibt hat,
wodurch erst der in seiner Hand befindlichen Wert sich in einen
sich selbst verwertenden Wert verwandelt. Aber diese Selbstver-
wertungskraft verkauft der Kapitalist nicht. Sie bildet stets nur
Bestandteil seines produktiven Kapitals, wie seine Arbeitsmittel,
nie seines
#224# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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Warenkapitals, wie z.B. das fertige Produkt, das er verkauft. In-
nerhalb des Produktionsprozesses, als Bestandteile des produkti-
ven Kapitals, stehn die Arbeitsmittel der Arbeitskraft nicht als
fixes Kapital gegenüber, ebensowenig wie Arbeitsmaterial und
Hilfsstoffe als zirkulierendes Kapital mit ihr zusammenfallen;
beiden steht die Arbeitskraft als persönlicher Faktor gegenüber,
während jene die sachlichen Faktoren sind - dies vom Standpunkt
des Arbeitsprozesses. Beide stehn der Arbeitskraft, dem variablen
Kapital, als konstantes Kapital gegenüber - dies vom Standpunkt
des Verwertungsprozesses. Oder, wenn hier von einer stofflichen
Verschiedenheit, soweit sie auf den Zirkulationsprozeß einwirkt,
die Rede sein soll, ist es nur diese: aus der Natur des Werts,
der nichts ist als vergegenständilchte Arbeit, und aus der Natur
der sich betätigenden Arbeitskraft, die nichts ist als sich ver-
gegenständlichende Arbeit, folgt, daß die Arbeitskraft während
ihrer Funktionsdauer beständig Wert und Mehrwert schafft; daß
das, was auf ihrer Seite sich als Bewegung, als Wertschöpfung,
sich auf Seite ihres Produkts in ruhender Form, als geschaffner
Wert darstellt. Hat die Arbeitskraft gewirkt, so besteht das Ka-
pital nicht länger aus Arbeitskraft auf der einen Seite, aus Pro-
duktionsmitteln auf der andern. Der Kapitalwert, der in Arbeits-
kraft ausgelegt war, ist jetzt Wert, der (+ Mehrwert) dem Produkt
zugesetzt worden. Um den Prozeß zu wiederholen, muß das Produkt
verkauft und mit dem aus ihm gelösten Geld beständig von neuem
die Arbeitskraft gekauft und dem produktiven Kapital einverleibt
werden. Dies gibt dann dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapi-
talteil, ebenso wie dem in Arbeitsmaterial usw. ausgelegten, den
Charakter von zirkulierendem Kapital im Gegensatz zu dem in den
Arbeitstteln fixiert bleibenden Kapital.
Wird dagegen die sekundäre und ihm mit einem Teil des konstanten
Kapitals (den Roh- und Hilfsstoffen) gemeinsame Bestimmung des
zirkulierenden Kapitals zur wesentlichen Bestimmung des in Ar-
beitskraft ausgelegten Kapitalteils gemacht - nämlich daß der in
ihm ausgelegte Wert sich ganz auf das Produkt überträgt, in des-
sen Produktion es konsumiert wird, und nicht allmählich und
stückweis, wie beim fixen Kapital, daß er daher auch ganz durch
den Verkauf des Produkts ersetzt werden muß -, so muß auch der in
Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil stofflich nicht aus sich betä-
tigender Arbeitskraft bestehn, sondern aus den stofflichen Ele-
menten, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, also aus dem Teil
des gesellschaftlichen Warenkapitals, der in den Konsum des Ar-
beiters eingeht - aus Lebensmitteln. Das fixe Kapital besteht
dann aus den langsamer vergänglichen und daher langsamer zu er-
setzenden Arbeitstteln, das in Arbeitskraft ausgelegte Kapital
aus den rascher zu ersetzenden Lebensmitteln.
#225# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
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Die Grenzen der raschern oder langsamem Vergänglichkeit verwi-
schen sich jedoch.
"Die Nahrung und Kleidung, die der Arbeiter konsumiert, die Ge-
bäude, worin er arbeitet, die Werkzeuge, die bei seiner Arbeit
mitwirken, sind alle vergeblicher Natur. Es besteht aber ein ge-
waltiger Unterschied in der Zeit, während welcher diese ver-
schiednen Kapitale vorhalten; eine Dampfmaschine dauert länger
als ein Schiff, ein Schiff länger als die IGeidung des Arbeiters,
die Kleidung des Arbeiters wieder als die Nahrung, die er ver-
zehrt." 27)
Wobei Ricardo vergißt das Haus, worin der Arbeiter wohnt, seine
Möbel, seine Konsumtionswerkzeuge, wie Messer, Cabeln, Gefäße
etc., die alle denselben Charakter der Dauerhaftigkeit besitzen,
wie die Arbeitsmittel. Dieselben Dinge, dieselben Klassen von
Dingen erscheinen hier als Konsumtionsmittel, dort als Arbeits-
mittel.
Der Unterschied, wie Ricardo ihn ausspricht, ist dieser:
"Je nachdem Kapital rasch vergänglich ist und oft reproduziert
werden muß, oder je nachdem es langsam konsumiert wird, klassifi-
ziert man es unter das zirkulierende
oder unter das fixe Kapital." 28)
Dazu macht er die Note:
"Eine unwesentliche Einteilung, in welcher zudem die Scheidelinie
nicht genau mogen werden kann." 29)
So sind wir wieder glücklich bei den Physiokraten angekommen, wo
der Unterschied zwischen avances annuelles und avances primitives
ein Unterschied war in der Zeit der Konsumtion und daher auch in
der verschiednen Reproduktionszeit des angewandten Kapitals. Nur,
was bei ihnen ein für die gesellschaftliche Produktion Wichtiges
Phänomen ausdrückt und im Tableau économique auch im Zusammenhang
mit dem Zirkulationsprozeß
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27) "The food and clothing consumed by the labourer, the buil-
dings in which he works, the implements with which his labour is
assisted, are all of a perishable nature. There is, however, a
vast difference in the time for which these different capitals
will endure: a steam-engine will last longer than a ship, a ship
than the clothing of the labourer, and the clothing of the labou-
rer longer than the food which he consumes." - Ricardo, etc., p.
26.
28) "According as capital is rapidly perishable and requires to
be frequently reproduced, or is of slow consumption, it is clas-
sed under the heads of circulating, or fixed capital."
29) "A division not essential, and in which the line of demarca-
tion cannot be accurately drawn."
#226# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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dargestellt ist, wird hier zu einer subjektiven, und wie Ricardo
selbst sagt, überflüssigen Unterscheidung.
Sobald der in Arbeit ausgelegte Kapitalteil sich nur durch seine
Reproduktionsperiode und daher seinen Zirkulationstermin von dem
in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil unterscheidet, sobald
der eine Teil aus Lebensmitteln besteht, wie der andre aus Ar-
beitsmitteln, so daß die erstern sich von den letztern 1*) nur
durch raschern Grad der Vergänglichkeit unterscheiden, wie er-
stere ja selbst verschiedne Grade der Vergänglichkeit besitzen -
ist natürlich alle differentia spezifica 2*) zwischen dem in Ar-
beitskraft und dem in Produktionsmitteln ausgelegten Kapital aus-
gelöscht. Dies widerspricht ganz Ricardos Lehre vom Wert, sowie
seiner Profittheorie, die tatsächlich Mehrwerttheorie ist. Er be-
trachtet überhaupt den Unterschied von fixem und zirkulierendem
Kapital nur insoweit verschiedne Proportionen von beiden, bei
gleich großen Kapitalen, in verschiednen Geschäftszweigen, das
Gesetz des Werts beeinflussen, und zwar, inwieweit eine Erhöhung
oder Senkung des Arbeitslohns infolge dieser Umstände die Preise
affiziert. Doch selbst innerhalb dieser beschränkten Untersuchung
begeht er, infolge der Verwechslung von fixem und zirkulierendem
Kapital mit konstantem und variablem, die größten Irrtümer und
geht in der Tat von einer ganz falschen Basis der Untersuchung
aus. Es werden also 1. soweit der in Arbeitskraft ausgelegte
Wertteil des Kapitals unter die Rubrik des zirkullerenden Kapi-
tals zu subsumieren ist, die Bestimmungen des zirkulierenden Ka-
pitals selbst falsch entwickelt und speziell die Umstände, die
den in Arbeit ausgelegten Kapitalteil unter diese Rubrik subsu-
mieren. 2. Es findet Verwechslung statt zwischen der Bestimmung,
wonach der in Arbeit ausgelegte Kapitalteil variabel, und derje-
nigen, wonach er zirkulierend im Gegensatz zum fixen Kapital ist.
Es ist von vornherein klar, daß die Bestimmung des in Arbeits-
kraft ausgelegten Kapitals als zirkulierend oder flüssig eine se-
kundäre Bestimmung ist, worin seine differentia specifica im Pro-
duktionsprozeß ausgelöscht ist; denn in dieser Bestimmung sind
einerseits die in Arbeit und die in Rohstoffen etc. ausgelegten
Kapitale gleichwertig; eine Rubrik, die einen Teil des konstanten
Kapitals identifiziert mit dem variablen Kapital, hat es nicht
mit der differentia specifica des variablen Kapitals im Gegensatz
zum konstanten zu tun. Andrerseits werden zwar die in Arbeit und
die in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteile einander entgegen-
gesetzt, aber keineswegs mit Bezug darauf, daß sie in ganz ver-
schiedner Weise in die Produktion
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1*) 1. und 2. Auflage: letztem sich von den erstern - 2*) jeder
kennzeichnende Unterschied
#227# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
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des Werts eingehn, sondern mit Bezug darauf, daß von Beiden ihr
gegebner Wert auf das Produkt übertragen wird, nur in verschied-
nen Zeit räumen.
Es handelt sich in allen diesen Fällen darum, wie ein gegebner
Wert, der im Produktionsprozeß der Ware ausgelegt wird, sei es
Arbeitslohn, Preis des Rohstoffs oder Preis der Arbeitsmittel,
auf das Produkt übertragen, daher durch das Produkt zirkuliert
und durch seinen Verkauf zu seinem Ausgangspunkt zurückgeführt
oder ersetzt wird. Der einzige Unterschied besteht hier in dem
"wie", in der besondren Art und Weise der Übertragung und daher
auch der Zirkulation dieses Werts.
Ob der in jedem Fall kontraktlich vorher bestimmte Preis der Ar-
beitskraft in Geld oder Lebensmitteln gezahlt wird, ändert nichts
an seinem Charakter, ein bestimmter gegebner Preis zu sein. Indes
ist bei dem in Geld gezahlten Arbeitslohn evident, daß nicht das
Geld selbst in den Produktionsprozeß eingeht, in derselben Weise,
wie nicht nur der Wert, sondern auch der Stoff der Produktions-
mittel in den Produktionsprozeß eingeht. Werden dagegen die Le-
bensmittel, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, direkt als
stoffliche Gestalt des zirkulierenden Kapitals mit den Rohstoffen
etc. unter eine Rubrik und den Arbeitsnitteln entgegen gestellt,
so gibt dies der Sache einen andern Schein. Wenn der Wert dieser
Dinge, der Produktionsmittel, im Arbeitsprozeß auf das Produkt
übertragen wird, so erscheint der Wert jener andern Dinge, der
Lebensmittel, in der Arbeitskraft, die sie verzehrt, wieder und
wird durch Betätigung derselben ebenfalls auf das Produkt über-
tragen. Es handelt sich in allem diesem gleichmäßig um das bloße
Wiedererscheinen der während der Produktion vorgeschoßnen Werte
im Produkt. (Die Physiokraten nahmen dies ernsthaft und leugneten
daher, daß die industrielle Arbeit Mehrwert schaffe.) So in der
bereits zitierten Stelle 1*) von Wayland:
"Es kommt nicht darauf an, in welcher Form das Kapital wieder er-
scheint... die verschiednen Arten der Nahrung, Kleidung und Woh-
nung, die für das Dasein und Wohl, befinden des Menschen nötig
sind, werden auch verändert. Sie werden im Lauf der Zeit ver-
zehrt, und ihr Wert erscheint wieder etc." ("Elements of Pol.
Econ.", p. 31, 32.)
Die der Produktion in Gestalt von Produktionsmitteln und Lebens-
mitteln vorgeschoßnen Kapitalwerte erscheinen hier gleichmäßig im
Wert des Produkts wieder. Damit ist denn die Verwandlung des ka-
pitalistischen Produktionsprozesses in ein vollständiges Myste-
rium glücklich vollbracht und
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 222
#228# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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der Ursprung des im Produkt vorhandnen Mehrwerts gänzlich dem
Blick entrückt.
Ferner vollendet sich damit der der bürgerlichen Ökonomie eigen-
tümliche Fetischismus, der den gesellschaftlichen, ökonomischen
Charakter, welchen Dinge im gesellschaftlichen Produktionsprozeß
aufgeprägt erhalten, in einen natürlichen, aus der stofflichen
Natur dieser Dinge entspringenden Charakter verwandelt. Z.B. Ar-
beitsmittel sind fixes Kapital - eine scholastische Bestimmung,
die zu Widersprüchen und Konfusion führt. Ganz wie beim Arbeits-
prozeß (Buch I, Kap. V) nachgewiesen wurde, daß es ganz von der
jedesmaligen Rolle abhängt, welche die gegenständlichen Bestand-
teile in einem bestimmten Arbeitsprozeß spielen, von ihrer Funk-
tion, ob sie als Arbeitsmittel, Arbeitsmaterial oder Produkt fun-
gieren, - ganz ebenso sind Arbeitsmittel nur da fixes Kapital, wo
der Produktionsprozeß über haupt kapitalistischer Produktionspro-
zeß und daher die Produktionsmittel überhaupt Kapital sind, die
ökonomische Bestimmtheit, den gesellschaftlichen Charakter von
Kapital besitzen; und zweitens sind sie fixes Kapital nur, wenn
sie ihren Wert in einer besondern Weise auf das Produkt übertra-
gen. Wenn nicht, bleiben sie Arbeitsmittel, ohne fixes Kapital zu
sein. Ebenso Hilfsstoffe, wie Dünger, wenn sie in derselben be-
sondern Art Wert abgeben, wie der größte Teil der Arbeitsmittel,
werden fixes Kapital, obgleich sie keine Arbeitsmittel sind. Es
handelt sich hier nicht um Definitionen, unter welchen die Dinge
subsumiert werden. Es handelt sich um bestimmte Funktionen, wel-
che in bestimmten Kategorien ausgedrückt werden.
Gilt es für eine den Lebensmitteln an sich, unter allen Umständen
zukommende Eigenschaft, in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital zu
sein, so wird es auch Charakter dieses "zirkulierenden" Kapitals,
"die Arbeit zu erhalten", to support labour (Ricardo, p. 25). Wä-
ren die Lebensmittel nicht "Kapital", so würden sie also nicht
die Arbeitskraft erhalten; während ihr Kapitalcharakter ihnen ge-
rade die Eigenschaft gibt, das K a p i t a l zu erhalten durch
fremde Arbeit.
Sind Lebensmittel an sich zirkulierendes Kapital - nachdem dieses
verwandelt in Arbeitslohn -, so ergibt sich ferner, daß die Größe
des Arbeitslohns abhängt von dem Verhältnis der Arbeiterzahl zu
der gegebnen Masse des zirkulierenden Kapitals - ein beliebter
ökonomischer Satz -, während in der Tat die Masse der Lebensmit-
tel, die der Arbeiter dem Markt entzieht, und die Masse der Le-
bensmittel, worüber der Kapitalist zu seinem Konsum verfügt, ab-
hängt vom Verhältnis des Mehrwerts zum Preis der Arbeit.
#229# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
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Ricardo, wie Barton 29[a], verwechselt überall das Verhältnis des
variablen Kapitals zum konstanten mit dem Verhältnis des zirku-
lierenden Kapitals zum fixen. Wir werden später 2*) sehn, wie
dies seine Untersuchung über die Profitrate verfälscht.
Ricardo setzt ferner die Unterschiede, die im Umschlag aus andren
Gründen entspringen als aus dem Unterschied von fixem und zirku-
lierendem Kapital, mit diesem gleich:
"Es ist ferner zu bemerken, daß das zirkulierende Kapital in sehr
ungleichen Zeitriumen zirkulieren oder seinem Anwender zurück-
fließen kann. Der von einem Pächter zur Aussaat gekaufte Weizen
ist ein fixes Kapital verglichen mit dem von einem Bäcker zur
Verwandlung in Brot gekauften Weizen. Der eine läßt ihn im Boden,
und kann erst nach einem Jahr einen Rückfluß erhalten; der andre
kann ihn zu Mehl vermahlen lassen und als Brot an seine Kunden
verkaufen, so daß er innerhalb einer Woche sein Kapital wieder
frei hat, um dieselbe Operation von neuem oder irgendeine andre
damit zu beginnen." 30)
Hier ist charakteristisch, daß Weizen, obgleich er als Saatkorn,
nicht als Lebensmittel, sondern als Rohmaterial dient, erstens
zirkulierendes Kapital ist, weil an sich Lebensmittel, und zwei-
tens fixes Kapital, weil sein Rückfluß sich über ein Jahr er-
streckt. Es ist aber nicht nur der langsamere oder schnellere
Rückfluß, der ein Produktionsmittel zu fixem Kapital macht, son-
dern die bestimmte Art und Weise der Wertabgabe an das Produkt.
Die von A. Smith angerichtete Konfusion hat zu folgenden Resulta-
ten geführt:
1. Der Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital wird ver
wechselt mit dem Unterschied von produktivem Kapital und Warenka-
pital. So ist z.B. dieselbe Maschine zirkulierendes Kapital, wenn
sie sich als Ware auf dem Markt befindet, und fixes Kapital, wenn
sie dem Produktionsprozeß
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29[a] "Observations on the Circumstances which influence the Con-
dition of the Labouring of Society." London 1817. Eine einschlä-
gige Stelle ist zitiert Buch I, S. 655 1*), Note 79.
30) "It is to be observed that the circulating capital may circu-
late, or be returned to its employer, in very unequal times. The
wheat bought by a farmer to sow is comparatively a fixed capital
to the wheat purchased by a baker to make into loaves. The one
leaves it in the ground, and can obtain no return for a year; the
other can get it ground into flour, sell it as bread to his cu-
stomers, and have bis capital free, to renew the same, or com-
mence any other employment in a week." (p. 26, 27.)
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 660, Note 79 - 2*) siehe
Band 25 unserer Ausgabe, 1. bis 3. Kapitel
#230# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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einverleibt ist. Dabei ist absolut nicht abzusehn, warum eine be-
stimmte Art Kapital mehr fix oder mehr zirkulierend sein soll als
die andre.
2. Alles zirkulierende Kapital wird identifiziert mit in Arbeits-
lohn ausgelegtem oder auszulegendem Kapital. So bei J. St. Mill
[16] u.a.
3. Der Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital, der
schon bei Barton, Ricardo u.a. mit dem von zirkulierendem und
fixem verwechselt, wird endlich ganz auf diesen reduziert, wie
z.B. bei Ramsay [17], wo alle Produktionsmittel, Rohstoffe etc.
sowohl wie Arbeitsmittel, fixes Kapital und nur das in Arbeits-
lohn ausgelegte Kapital zirkulierendes Kapital ist. Weil aber die
Reduktion in dieser Form geschieht, wird der wirkliche Unter-
schied von konstantem und variablem Kapital nicht begriffen.
4. Bei den neuesten englischen, besonders schottischen Ökonomen,
die alles vom unsäglich bornierten Standpunkt des Bankierkommis
betrachten, wie Macleod [18], Patterson [19] u.a., verwandelt
sich der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital in den
von money at call und money not at call (Depositengeld, das ohne
Kündigung oder nur nach vorheriger Kündigung zurückgezogen werden
kann).
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