Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band

       zurück

       #217#
       -----
       ELFTES KAPITEL
       Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital.
       Ricardo
       
       Ricardo fährt  den Unterschied  zwischen fixem und zirkulierendem
       Kapital nur  auf, um  die Ausnahmen  der Wertregel  darzustellen,
       nämlich solche Fälle, wo die Rate des Arbeitslohns auf die Preise
       wirkt. Darauf kommen wir erst in Buch III zu sprechen. 1*)
       Die ursprüngliche  Unklarheit zeigt  sich aber  von vornherein in
       der gleichgültigen Nebeneinanderstellung:
       
       "Dieser Unterschied  im Grad  der Dauerhaftigkeit des fixen Kapi-
       tals, und  dieser Wechsel in den Verhältnissen, worin beide Kapi-
       talarten kombiniert sein können." 25)
       
       Fragen wir  nun, welches  die beiden  Kapitalarten sind, so hören
       wir:
       
       "Ebenfalls die  Verhältnisse, worin  das Kapital,  das die Arbeit
       unterhalten soll, und das Kapital, das in Werkzeugen, Maschinerie
       und Gebäuden  ausgelegt ist, verschieden kombiniert sein können."
       26)
       
       Also fixes Kapital = Arbeitsmitteln, und zirkulierendes Kapital =
       Kapital, das in Arbeit ausgelegt ist. Kapital, das die Arbeit un-
       terhalten soll,  ist schon  ein abgeschmackter, aus A. Smith her-
       übergenommener Ausdruck.  Das zirkulierende Kapital wird hier ei-
       nerseits zusammengeworfen mit dem variablen Kapital, d.h. mit dem
       in Arbeit  ausgelegten Teil des produktiven Kapitals. Andrerseits
       aber, weil  der Gegensatz  nicht aus  dem  Verwertungsprozeß  ge-
       schöpft ist - konstantes und variables Kapital -, sondern aus dem
       ---
       25) "This  difference in  the degree of durability of fixed capi-
       tal,   a n d   this variety  in the  proportions in which the two
       sorts of capital may be combined." - "Principles", p. 25.
       26) The proportions, too, in which the capital that is to support
       labour, and the capital that is invested in tools, machinery, and
       buildings, may be variously combined. l.c.
       -----
       1*) Siehe Band 25 unserer Ausgabe, 11. Kapitel
       
       #218# 11. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       Zirkulationsprozeß (die alte Smithsche Konfusion), kommen doppelt
       falsche Bestimmungen heraus.
       Erstens: Die  Differenzen im  Grad der  Dauerhaftigkeit des fixen
       Kapitals und die Verschiedenheiten der Kapitalzusammensetzung aus
       konstantem und  variablem Kapital werden als gleichwertig gefaßt.
       Der letztre Unterschied aber bestimmt den Unterschied in der Pro-
       duktion des Mehrwerts; der erste dagegen, soweit der Verwertungs-
       prozeß in Betracht kommt, bezieht sich nur auf die Art und Weise,
       wie ein gegebner Wert vom Produktionsmittel auf das Produkt über-
       tragen wird; soweit der Zirkulationsprozeß in Betracht kommt, be-
       trifft er  nur die  Periode der  Erneuerung des ausgelegten Kapi-
       tals, oder anders betrachtet, die Zeit, für welche es vorgeschos-
       sen ist. Wenn man, statt das innere Getriebe des kapitalistischen
       Produktionsprozesses zu durchschauen, sich auf den Standpunkt der
       fertigen Phänomene  stellt, so  fallen diese  Unterschiede in der
       Tat zusammen. Bei der Verteilung des gesellschaftlichen Mehrwerts
       unter die  in verschiednen  Betriebszweigen  angelegten  Kapitale
       wirken Differenzen  in den verschiednen Zeiträumen, wofür Kapital
       vorgeschossen wird  (also z.B.  die verschiedne  Lebensdauer  bei
       fixem Kapital),  und verschiedne organische Zusammensetzungen des
       Kapitals (also  auch die  verschiedne Zirkulation  von konstantem
       und variablem  Kapital) gleichmäßig mit bei Ausgleichung der all-
       gemeinen Profitrate und bei Verwandlung der Werte in Produktions-
       preise.
       Zweitens: Vom  Standpunkt des Zirkulationsprozesses stehn auf der
       einen Seite  die Arbeitsmittel:  fixes Kapital,  auf  der  andern
       Seite Arbeitsmaterial und Arbeitslohn: flüssiges Kapital. Dagegen
       vom Standpunkt  des Arbeits-  und Verwertungsprozesses  steht auf
       der einen  Seite: Produktionsmittel (Arbeitsmittel und Arbeitsma-
       terial), konstantes  Kapital; auf  der andern Seite Arbeitskraft,
       variables Kapital.  Für die  organische Zusammensetzung  (Buch I,
       Kap. XXIII, 2, p. 647 1*)) des Kapitals ist es ganz gleichgültig,
       ob dasselbe  Wertquantum konstantes  Kapital aus viel Arbeitsmit-
       teln und  wenig Arbeitsmaterial oder aus viel Arbeitsmaterial und
       wenig Arbeitsmitteln  besteht, während alles abhängt vom Verhält-
       nis des  in Produktionsmitteln ausgelegten zu dem in Arbeitskraft
       ausgelegten Kapital.  Umgekehrt: Vom Standpunkt des Zirkulations-
       prozesses, des Unterschieds von fixem und zirkulierendem Kapital,
       ist es ebenso gleichgültig, in welchen Verhältnissen ein gegebnes
       Wertquantum zirkulierenden  Kapitals sich  in Arbeitsmaterial und
       Arbeitslohn teilt. Von dem einen Standpunkt rangiert
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. S. 640
       
       #219# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
       -----
       das Arbeitsmaterial  in derselben  Kategorie mit  den Arbeitsmit-
       teln, im  Gegensatz zu  dem in  Arbeitskraft ausgelegten Kapital-
       wert. Von dem andern Standpunkt rangiert der in Arbeitskraft aus-
       gelegte Kapitaltell zusammen mit dem in Arbeitsmaterial ausgeleg-
       ten, im  Gegensatz zu  dem in  Arbeitsmitteln  ausgelegten  Kapi-
       talteil.
       Daher erscheint  bei Ricardo  der in  Arbeitsmaterial  (Roh-  und
       Hilfsstoffen) ausgelegte  Wertteil des Kapitals auf keiner Seite.
       Er verschwindet ganz. Er paßt nämlich nicht auf die Seite des fi-
       xen Kapitals, weil er in seiner Zirkulationsweise ganz mit dem in
       Arbeitskraft ausgelegten  Kapitalteil zusammenfällt.  Und er darf
       andrerseits nicht  auf Seite des zirkulierenden Kapitals gestellt
       werden, weil  damit die  von A. Smith übertragne und stillschwei-
       gend durchlaufende Gleichstellung des Gegensatzes: fixes und zir-
       kulierendes Kapital,  mit dem Gegensatz: konstantes und variables
       Kapital, sich  selbst aufhöbe.  Ricardo hat zu viel logischen In-
       stinkt, um das nicht zu fühlen, und daher verschwindet ihm dieser
       Kapitalteil ganz und gar.
       Es ist  hier zu  bemerken, daß  der Kapitalist das in Arbeitslohn
       ausgelegte Kapital  in verschiednen  Terminen, in der Sprachweise
       der politischen  Ökonomie, vorschießt,  je nachdem er diesen Lohn
       z.B. wöchentlich,  monatlich oder dreimonatlich zahlt. In der Tat
       verhält sich  die Sache umgekehrt. Der Arbeiter schießt dem Kapi-
       talisten seine  Arbeit auf  eine Woche,  einen Monat, drei Monate
       vor, je  nachdem er wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich be-
       zahlt wird.   K a u f t e  der Kapitalist die Arbeitskraft, statt
       sie zu  bezahlen, zahlte er also dem Arbeiter den Arbeitslohn per
       Tag, Woche,  Monat und  drei Monate  voraus, so  könnte von einem
       Vorschuß für  diese Termine  gesprochen werden. Da er aber zahlt,
       nachdem die  Arbeit Tage,  Wochen, Monate gedauert  h a t,  statt
       sie zu  kaufen und  zu zahlen  für den  Termin,  den  sie  dauern
       s o l l,   so ist  das Ganze ein kapitalistisches Quidproquo, und
       der Vorschuß, der dem Kapitalisten vom Arbeiter in Arbeit gegeben
       wird, wird  in einen  Vorschuß verwandelt,  den der Kapitalist in
       Geld dem  Arbeiter gibt.  Es ändert durchaus nichts an der Sache,
       daß der  Kapitalist das Produkt selbst oder dessen Wert - je nach
       der verschiednen Zeitdauer, die seine Herstellung erfordert, oder
       auch nach  der verschiednen  für seine Zirkulation erforderlichen
       Zeitdauer - nur in kurzem oder längern Terminen (zusammen mit dem
       ihm einverleibten Mehrwert) aus der Zirkulation zurückerhält oder
       realisiert. Was  der Käufer  einer Ware  mit der  selben anfangen
       will, ist dem Verkäufer durchaus gleichgültig. Der Kapitalist er-
       hält eine  Maschine nicht  wohlfeiler, weil  er ihren ganzen Wert
       auf einmal vorschießen muß, während ihm derselbe Wert nur allmäh-
       lich und  stückweis aus  der Zirkulation zurückströmt; noch zahlt
       er die Baumwolle
       
       #220# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       deswegen teurer,  weil ihr Wert ganz in den Wert des aus ihr ver-
       fertigten Produkts  eingeht und  daher ganz  und auf einmal durch
       den Verkauf des Produkts ersetzt wird.
       Kehren wir zu Ricardo zurück.
       1. Das  Charakteristische des variablen Kapitals ist, daß ein be-
       stimmter, gegebner  (also als  solcher  konstanter)  Kapitalteil,
       eine gegebne  Wertsumme (angenommen  gleich dem Wert der Arbeits-
       kraft, obgleich  es hier  gleichgültig ist,  ob  der  Arbeitslohn
       gleich, größer  oder kleiner als der Wert der Arbeitskraft), aus-
       getauscht wird  gegen eine sich verwertende, wertschaffende Kraft
       - die  Arbeitskraft, welche  nicht nur  ihren vom Kapitalisten be
       zahlten Wert reproduziert, sondern zugleich einen Mehrwert produ-
       ziert, einen  vorher nicht  vorhandnen und  durch kein Äquivalent
       erkauften Wert.  Diese charakteristische  Eigenschaft des  in Ar-
       beitslohn ausgelegten  Kapitalteils, die es als variables Kapital
       von dem  konstanten Kapital  toto coelo  1*) unterscheidet,  ver-
       schwindet, sobald  der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil bloß
       vom Standpunkt  des Zirkulationsprozesses  betrachtet wird und so
       als zirkulierendes Kapital erscheint gegenüber dem in Arbeitsmit-
       teln ausgelegten fixen Kapital. Es geht dies schon daraus hervor,
       daß es  dann unter einer Rubrik - der des zirkulierenden Kapitals
       - zusammen  mit einem Bestandteil des konstanten Kapitals, dem in
       Arbeitsmaterial ausgelegten,  gegenübergestellt wird einem andern
       Bestandteil des konstanten Kapitals, dem in Arbeitsmitteln ausge-
       legten. Vom Mehrwert, also gerade von dem Umstand, der die ausge-
       legte Wertsumme  in Kapital verwandelt, wird dabei ganz abgesehn.
       Ebenso wird davon abgesehn, daß der Wertteil, den das in Arbeits-
       lohn ausgelegte Kapital dem Produkt zusetzt, neu produziert (also
       auch wirklich  reproduziert ist),  während der  Wertteil, den das
       Rohmaterial dem  Produkt zusetzt,  nicht  neu  produziert,  nicht
       wirklich reproduziert,  sondern nur im Produktwert erhalten, kon-
       serviert ist, und daher als Wertbestandteil des Produkts nur wie-
       dererscheint. Der  Unterschied, wie er sich vom Gesichtspunkt des
       Gegensatzes von  flüssigem und fixem Kapital jetzt darstellt, be-
       steht nur darin: der Wert der zur Produktion einer Ware angewand-
       ten Arbeitsmittel  geht nur teliweis in den Wert der Ware ein und
       wird daher  durch den Verkauf der Ware auch nur tellweis ersetzt,
       wird  daher  überhaupt  nur  stückweis  und  allmählich  ersetzt.
       Andrerseits: der  Wert der  zur Produktion  einer Ware verwandten
       Arbeitskraft und Arbeitsgegenstände (Rohstoffe etc.) geht ganz in
       die Ware  ein und  wird daher  ganz durch  ihren Verkauf ersetzt.
       Insofern stellt sich mit Bezug auf den Zirkulationsprozeß
       -----
       1*) in jeder Beziehung
       
       #221# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital.
       -----
       der eine  Teil des  Kapitals als  fix, der andre als flüssig oder
       zirkulierend dar.  Es handelt sich in beiden Fällen um eine Über-
       tragung gegebner,  vorgeschoßner Werte auf das Produkt und um ih-
       ren Wiederersatz  durch den Verkauf des Produkts. Der Unterschied
       besteht jetzt  nur darin,  ob die  Wertübertragung, und daher der
       Wertersatz, stückweis  und allmählich  oder auf  einmal vor  sich
       geht. Damit  ist der alles entscheidende Unterschied zwischen va-
       riablem und  konstantem Kapital  ausgelöscht, also  das ganze Ge-
       heimnis der  Mehrwertbildung und der kapitalistischen Produktion,
       die Umstände,  die gewisse  Werte und  die Dinge,  worin sie sich
       darstellen, in Kapital verwandeln, ausgelöscht. Alle Bestandteile
       des Kapitals  unterscheiden sich nur noch durch die Zirkulations-
       weise (und  die Zirkulation der Ware hat es natürlich nur mit be-
       reits vorhandnen, gegebnen Werten zu tun); und eine besondre Zir-
       kulationsweise ist dem in Arbeitslohn ausgelegten Kapital gemein-
       sam mit  dem in Rohmaterialien, Halbfabrikaten, Hilfsstoffen aus-
       gelegten Kapitalteil im Gegensatz zu dem in Arbeitsmitteln ausge-
       legten Kapitalteil.
       Man begreift  daher, wanun  die bürgerliche  politische  Ökonomie
       A.Smiths Konfusion der Kategorien "konstantes und variables Kapi-
       tal" mit  den Kategorien  "fixes und  zirkulierendes Kapital" in-
       stinktmäßig festhielt und kritiklos ein Jahrhundert durch von Ge-
       neration zu  Generation nachplapperte.  Der im Arbeitslohn ausge-
       legte Kapitalteil  unterscheidet sich  bei ihr gar nicht mehr von
       dem in  Rohstoff ausgelegten  Kapitalteil, und unterscheidet sich
       nur formell  - ob er stückweis oder ganz durch das Produkt zirku-
       liert wird  - vom konstanten Kapital. Damit ist die Grundlage für
       das Verständnis der wirklichen Bewegung der kapitalistischen Pro-
       duktion, und  daher der  kapitalistischen Exploitation, mit einem
       Schlage verschüttet.  Es handelt sich nur um das Wiedererscheinen
       vorgeschoßner Werte.
       Bei Ricardo ist die unkritische Aufnahme der Smithschen Konfusion
       störender, nicht nur als bei den spätern Apologetikern, bei denen
       die Begriffskonfusion vielmehr das Nichtstörende ist, sondern als
       bei A.  Smith selbst,  weil Ricardo im Gegensatz zu diesem konse-
       quenter und schärfer Wert und Mehrwert entwickelt, in der Tat den
       esoterischen A. Smith gegen den exoterischen A. Smith behauptet.
       Bei den Physiokraten findet sich nichts von dieser Konfusion. Der
       Unterschied zwischen avances annuelles 1*) und avances primitives
       2*) bezieht  sich nur  auf die verschiednen Reproduktionsperioden
       der verschiednen
       -----
       1*) jährlichen Vorschüssen 2*) ursprünglichen Vorschüssen
       
       #222# II. Abschnitt - Der Umgang des Kapitals
       -----
       Bestandteile des  Kapitals, speziell des agrikolen Kapitals; wäh-
       rend ihre  Ansichten von  der Produktion  des Mehrwerts einen von
       diesen Unterscheidungen  unabhängigen Teil  ihrer Theorie bilden,
       und zwar  das, was  sie als  Pointe der Theorie herauswenden. Die
       Bildung des  Mehrwerts wird nicht aus dem Kapital als solchem er-
       klärt, sondern  nur einer  bestimmten Produktionssphäre des Kapi-
       tals, der Agrikultur, vindiziert.
       2. Das  Wesentliche bei  der Bestimmung  des variablen Kapitals -
       und daher für die Verwandlung irgendeiner beliebigen Wertsumme in
       Kapital ist,  daß der  Kapitalist eine bestimmte, gegebne (und in
       diesem Sinn  konstante) Wertgröße austauscht gegen wertschöpferi-
       sche Kraft;  eine Wertgröße  gegen Wertproduktion,  Selbstverwer-
       tung. Ob  der Kapitalist  den Arbeiter in Geld oder in Lebensmit-
       teln zahlt,  ändert an  dieser wesentlichen Bestimmung nichts. Es
       ändert nur die Existenzweise des von ihm vorgeschoßnen Werts, der
       das eine  Mal in  der Form  von Geld existiert womit der Arbeiter
       sich selbst auf dem Markt seine Lebensmittel kauft, das andre Mal
       in der  Form von  Lebensmitteln, die er direkt verzehrt. Die ent-
       wickelte kapitalistische  Produktion unterstellt  in der Tat, daß
       der Arbeiter  in Geld  gezahlt wird,  wie sie überhaupt den durch
       den Zirkulationsprozeß  vermittelten Produktionsprozeß,  also die
       Geldwirtschaft, unterstellt.  Aber die  Schöpfung des Mehrwerts -
       daher die  Kapitalisierung der  vorgeschoßnen  Wertsumme  -  ent-
       springt weder  aus der  Geldform noch aus der Naturalform des Ar-
       beitslohns oder  des im Ankauf der Arbeitskraft ausgelegten Kapi-
       tals. Sie  entspringt aus dem Austausch von Wert gegen wertschaf-
       fende Kraft,  aus der Umsetzung einer konstanten in eine variable
       Größe.
       Die größre  oder geringre Etat der Arbeitsmittel hängt ab von dem
       Grad ihrer  Dauerhaftigkeit, also  von  einer  physischen  Eigen-
       schaft. Je  nach dem Grad ihrer Dauerhaftigkeit werden sie, unter
       sonst gleichbleibenden  Umständen, rascher  oder  langsamer  ver-
       schleißen, also  länger oder  kurzer als fixes Kapital fungieren.
       Aber es  ist keineswegs bloß diese physische Eigenschaft der Dau-
       erhaftigkeit, infolge  deren sie als fixes Kapital fungieren. Der
       Rohstoff in  Metallfabriken ist  ebenso dauerhaft wie die Maschi-
       nen, womit  fabriziert wird,  und dauerhafter als manche Bestand-
       teile dieser  Maschinen, Leder, Holz etc. Nichtsdestoweniger bil-
       det das  als Rohstoff dienende Metall einen Teil des zirkulieren-
       den Kapitals, und das vielleicht aus demselben Metall aufgebaute,
       fungierende Arbeitsmittel  einen Teil  des fixen Kapitals. Es ist
       also nicht  die stoffliche  physische Natur,  nicht seine  größre
       oder geringre  Vergänglichkeit, wodurch  dasselbe Metall das eine
       Mal der  Rubrik des fixen und das andte Mal der Rubrik des zirku-
       lierenden Kapitals  untergeordnet wird.  Dieser Unterschied  ent-
       springt vielmehr aus
       
       #223# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
       -----
       der Rolle,  die es  im Produktionsprozeß spielt, das eine Mal als
       Arbeitsgegenstand, das andre Mal als Arbeitsmittel.
       Die Funktion des Arbeitsmittels im Produktionsprozeß erheischt im
       Durchschnitt, daß  es während  längrer oder kürzrer Periode stets
       von neuem  in wiederholten  Arbeitsprozessen dient.  Durch  seine
       Funktion ist daher eine größre oder geringre Dauerhaftigkeit sei-
       nes Stoffs  vorgeschrieben. Aber  die Dauerhaftigkeit des Stoffs,
       aus dem es gemacht wird, macht es nicht an und für sich zum fixen
       Kapital. Derselbe  Stoff, wenn  Rohmaterial, wird  zirkulierendes
       Kapital, und bei den Ökonomen, die den Unterschied von Warenkapi-
       tal und  produktivem Kapital mit dem Unterschied von zirkulieren-
       dem und  fixem Kapital  verwechseln, ist derselbe Stoff, dieselbe
       Maschine, zirkulierendes  Kapital als  Produkt, fixes Kapital als
       Arbeitsmittel. Obgleich  nun nicht  der dauerhafte Stoff, aus dem
       das Arbeitsmittel  gemacht ist,  es zum  fixen Kapital  macht, so
       erheischt doch  seine Rolle  als Arbeitsmittel,  daß es aus einem
       relativ dauerhaften Material bestehe.
       Die Dauerhaftigkeit  seines Stoffs ist also eine Bedingung seiner
       Funktion als  Arbeitsmittel, daher  auch materielle Grundlage der
       Zirkulationsweise, die  es zum  fixen Kapital  macht. Unter sonst
       gleichbleibenden Umständen  drückt die  größre oder geringre Ver-
       gänglichkeit seines  Stoffs ihm  in niedrigrem  oder höherem Grad
       den Stempel  der Fixität auf, ist also sehr wesentlich verwachsen
       mit seiner Qualität als fixes Kapital.
       Wird der  in Arbeitskraft  ausgelegte Kapitalteil nun ausschließ-
       lich unter  dem Gesichtspunkt von zirkulierendem Kapital betrach-
       tet, also  im Gegensatz  zum fixen Kapital; werden daher auch die
       Unterschiede von  konstantem und variablem Kapital mit den Unter-
       schieden von  fixem und zirkulierendem Kapital zusaengeworfen, so
       ist es  natürlich, wie die stoffliche Realität des Arbeitsmittels
       eine wesentliche  Grundlage seines  Charakters als  fixes Kapital
       bildet, so  nun im Gegensatz zu demselben aus der stofflichen Re-
       alität des  in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals seinen Charakter
       als zirkulierendes  Kapital herzuleiten, und dann wieder das zir-
       kulierende Kapital zu bestimmen durch die stoffliche Realität des
       variablen Kapitals.
       Der wirkliche  Stoff des  in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals ist
       die Arbeit  selbst, die sich betätigende, wertschaffende Arbeits-
       kraft, lebendige Arbeit, die der Kapitalist gegen tote, vergegen-
       ständlichte Arbeit austauscht und seinem Kapital einverleibt hat,
       wodurch erst  der in  seiner Hand befindlichen Wert sich in einen
       sich selbst  verwertenden Wert  verwandelt. Aber diese Selbstver-
       wertungskraft verkauft der Kapitalist nicht. Sie bildet stets nur
       Bestandteil seines produktiven Kapitals, wie seine Arbeitsmittel,
       nie seines
       
       #224# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       Warenkapitals, wie z.B. das fertige Produkt, das er verkauft. In-
       nerhalb des  Produktionsprozesses, als Bestandteile des produkti-
       ven Kapitals,  stehn die Arbeitsmittel der Arbeitskraft nicht als
       fixes Kapital  gegenüber,  ebensowenig  wie  Arbeitsmaterial  und
       Hilfsstoffe als  zirkulierendes Kapital  mit ihr  zusammenfallen;
       beiden steht  die Arbeitskraft als persönlicher Faktor gegenüber,
       während jene  die sachlichen  Faktoren sind - dies vom Standpunkt
       des Arbeitsprozesses. Beide stehn der Arbeitskraft, dem variablen
       Kapital, als  konstantes Kapital  gegenüber - dies vom Standpunkt
       des Verwertungsprozesses.  Oder, wenn  hier von einer stofflichen
       Verschiedenheit, soweit  sie auf den Zirkulationsprozeß einwirkt,
       die Rede  sein soll,  ist es  nur diese: aus der Natur des Werts,
       der nichts  ist als vergegenständilchte Arbeit, und aus der Natur
       der sich  betätigenden Arbeitskraft, die nichts ist als sich ver-
       gegenständlichende Arbeit,  folgt, daß  die Arbeitskraft  während
       ihrer Funktionsdauer  beständig Wert  und Mehrwert  schafft;  daß
       das, was  auf ihrer  Seite sich  als Bewegung, als Wertschöpfung,
       sich auf  Seite ihres  Produkts in ruhender Form, als geschaffner
       Wert darstellt.  Hat die Arbeitskraft gewirkt, so besteht das Ka-
       pital nicht länger aus Arbeitskraft auf der einen Seite, aus Pro-
       duktionsmitteln auf  der andern. Der Kapitalwert, der in Arbeits-
       kraft ausgelegt war, ist jetzt Wert, der (+ Mehrwert) dem Produkt
       zugesetzt worden.  Um den  Prozeß zu wiederholen, muß das Produkt
       verkauft und  mit dem  aus ihm  gelösten Geld beständig von neuem
       die Arbeitskraft  gekauft und dem produktiven Kapital einverleibt
       werden. Dies  gibt dann  dem in  Arbeitskraft  ausgelegten  Kapi-
       talteil, ebenso  wie dem in Arbeitsmaterial usw. ausgelegten, den
       Charakter von  zirkulierendem Kapital  im Gegensatz zu dem in den
       Arbeitstteln fixiert bleibenden Kapital.
       Wird dagegen  die sekundäre und ihm mit einem Teil des konstanten
       Kapitals (den  Roh- und  Hilfsstoffen) gemeinsame  Bestimmung des
       zirkulierenden Kapitals  zur wesentlichen  Bestimmung des  in Ar-
       beitskraft ausgelegten  Kapitalteils gemacht - nämlich daß der in
       ihm ausgelegte  Wert sich ganz auf das Produkt überträgt, in des-
       sen Produktion  es konsumiert  wird,  und  nicht  allmählich  und
       stückweis, wie  beim fixen  Kapital, daß er daher auch ganz durch
       den Verkauf des Produkts ersetzt werden muß -, so muß auch der in
       Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil stofflich nicht aus sich betä-
       tigender Arbeitskraft  bestehn, sondern  aus den stofflichen Ele-
       menten, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, also aus dem Teil
       des gesellschaftlichen  Warenkapitals, der  in den Konsum des Ar-
       beiters eingeht  - aus  Lebensmitteln. Das  fixe Kapital  besteht
       dann aus  den langsamer  vergänglichen und daher langsamer zu er-
       setzenden Arbeitstteln,  das in  Arbeitskraft ausgelegte  Kapital
       aus den rascher zu ersetzenden Lebensmitteln.
       
       #225# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
       -----
       Die Grenzen  der raschern  oder langsamem  Vergänglichkeit verwi-
       schen sich jedoch.
       
       "Die Nahrung  und Kleidung,  die der Arbeiter konsumiert, die Ge-
       bäude, worin  er arbeitet,  die Werkzeuge,  die bei seiner Arbeit
       mitwirken, sind  alle vergeblicher Natur. Es besteht aber ein ge-
       waltiger Unterschied  in der  Zeit, während  welcher  diese  ver-
       schiednen Kapitale  vorhalten; eine  Dampfmaschine dauert  länger
       als ein Schiff, ein Schiff länger als die IGeidung des Arbeiters,
       die Kleidung  des Arbeiters  wieder als  die Nahrung, die er ver-
       zehrt." 27)
       
       Wobei Ricardo  vergißt das  Haus, worin der Arbeiter wohnt, seine
       Möbel, seine  Konsumtionswerkzeuge, wie  Messer,  Cabeln,  Gefäße
       etc., die  alle denselben Charakter der Dauerhaftigkeit besitzen,
       wie die  Arbeitsmittel. Dieselben  Dinge, dieselben  Klassen  von
       Dingen erscheinen  hier als  Konsumtionsmittel, dort als Arbeits-
       mittel.
       Der Unterschied, wie Ricardo ihn ausspricht, ist dieser:
       
       "Je nachdem  Kapital rasch  vergänglich ist  und oft reproduziert
       werden muß, oder je nachdem es langsam konsumiert wird, klassifi-
       ziert man es unter das zirkulierende
       oder unter das fixe Kapital." 28)
       
       Dazu macht er die Note:
       
       "Eine unwesentliche Einteilung, in welcher zudem die Scheidelinie
       nicht genau mogen werden kann." 29)
       
       So sind  wir wieder glücklich bei den Physiokraten angekommen, wo
       der Unterschied zwischen avances annuelles und avances primitives
       ein Unterschied  war in der Zeit der Konsumtion und daher auch in
       der verschiednen Reproduktionszeit des angewandten Kapitals. Nur,
       was bei  ihnen ein für die gesellschaftliche Produktion Wichtiges
       Phänomen ausdrückt und im Tableau économique auch im Zusammenhang
       mit dem Zirkulationsprozeß
       ---
       27) "The  food and  clothing consumed  by the labourer, the buil-
       dings in  which he works, the implements with which his labour is
       assisted, are  all of  a perishable  nature. There is, however, a
       vast difference  in the  time for  which these different capitals
       will endure:  a steam-engine will last longer than a ship, a ship
       than the clothing of the labourer, and the clothing of the labou-
       rer longer  than the food which he consumes." - Ricardo, etc., p.
       26.
       28) "According  as capital  is rapidly perishable and requires to
       be frequently  reproduced, or is of slow consumption, it is clas-
       sed under the heads of circulating, or fixed capital."
       29) "A  division not essential, and in which the line of demarca-
       tion cannot be accurately drawn."
       
       #226# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       dargestellt ist,  wird hier zu einer subjektiven, und wie Ricardo
       selbst sagt, überflüssigen Unterscheidung.
       Sobald der  in Arbeit ausgelegte Kapitalteil sich nur durch seine
       Reproduktionsperiode und  daher seinen Zirkulationstermin von dem
       in Arbeitsmitteln  ausgelegten Kapitalteil  unterscheidet, sobald
       der eine  Teil aus  Lebensmitteln besteht,  wie der andre aus Ar-
       beitsmitteln, so  daß die  erstern sich  von den letztern 1*) nur
       durch raschern  Grad der  Vergänglichkeit unterscheiden,  wie er-
       stere ja  selbst verschiedne Grade der Vergänglichkeit besitzen -
       ist natürlich  alle differentia spezifica 2*) zwischen dem in Ar-
       beitskraft und dem in Produktionsmitteln ausgelegten Kapital aus-
       gelöscht. Dies  widerspricht ganz  Ricardos Lehre vom Wert, sowie
       seiner Profittheorie, die tatsächlich Mehrwerttheorie ist. Er be-
       trachtet überhaupt  den Unterschied  von fixem und zirkulierendem
       Kapital nur  insoweit verschiedne  Proportionen von  beiden,  bei
       gleich großen  Kapitalen, in  verschiednen Geschäftszweigen,  das
       Gesetz des  Werts beeinflussen, und zwar, inwieweit eine Erhöhung
       oder Senkung  des Arbeitslohns infolge dieser Umstände die Preise
       affiziert. Doch selbst innerhalb dieser beschränkten Untersuchung
       begeht er,  infolge der Verwechslung von fixem und zirkulierendem
       Kapital mit  konstantem und  variablem, die  größten Irrtümer und
       geht in  der Tat  von einer  ganz falschen Basis der Untersuchung
       aus. Es  werden also  1. soweit  der in  Arbeitskraft  ausgelegte
       Wertteil des  Kapitals unter  die Rubrik des zirkullerenden Kapi-
       tals zu  subsumieren ist, die Bestimmungen des zirkulierenden Ka-
       pitals selbst  falsch entwickelt  und speziell  die Umstände, die
       den in  Arbeit ausgelegten  Kapitalteil unter diese Rubrik subsu-
       mieren. 2.  Es findet Verwechslung statt zwischen der Bestimmung,
       wonach der  in Arbeit ausgelegte Kapitalteil variabel, und derje-
       nigen, wonach er zirkulierend im Gegensatz zum fixen Kapital ist.
       Es ist  von vornherein  klar, daß  die Bestimmung des in Arbeits-
       kraft ausgelegten Kapitals als zirkulierend oder flüssig eine se-
       kundäre Bestimmung ist, worin seine differentia specifica im Pro-
       duktionsprozeß ausgelöscht  ist; denn  in dieser  Bestimmung sind
       einerseits die  in Arbeit  und die in Rohstoffen etc. ausgelegten
       Kapitale gleichwertig; eine Rubrik, die einen Teil des konstanten
       Kapitals identifiziert  mit dem  variablen Kapital,  hat es nicht
       mit der differentia specifica des variablen Kapitals im Gegensatz
       zum konstanten  zu tun. Andrerseits werden zwar die in Arbeit und
       die in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteile einander entgegen-
       gesetzt, aber  keineswegs mit  Bezug darauf, daß sie in ganz ver-
       schiedner Weise in die Produktion
       -----
       1*) 1.  und 2.  Auflage: letztem sich von den erstern - 2*) jeder
       kennzeichnende Unterschied
       
       #227# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
       -----
       des Werts  eingehn, sondern  mit Bezug darauf, daß von Beiden ihr
       gegebner Wert  auf das Produkt übertragen wird, nur in verschied-
       nen Zeit räumen.
       Es handelt  sich in  allen diesen  Fällen darum, wie ein gegebner
       Wert, der  im Produktionsprozeß  der Ware  ausgelegt wird, sei es
       Arbeitslohn, Preis  des Rohstoffs  oder Preis  der Arbeitsmittel,
       auf das  Produkt übertragen,  daher durch  das Produkt zirkuliert
       und durch  seinen Verkauf  zu seinem  Ausgangspunkt zurückgeführt
       oder ersetzt  wird. Der  einzige Unterschied  besteht hier in dem
       "wie", in  der besondren  Art und Weise der Übertragung und daher
       auch der Zirkulation dieses Werts.
       Ob der  in jedem Fall kontraktlich vorher bestimmte Preis der Ar-
       beitskraft in Geld oder Lebensmitteln gezahlt wird, ändert nichts
       an seinem Charakter, ein bestimmter gegebner Preis zu sein. Indes
       ist bei  dem in Geld gezahlten Arbeitslohn evident, daß nicht das
       Geld selbst in den Produktionsprozeß eingeht, in derselben Weise,
       wie nicht  nur der  Wert, sondern auch der Stoff der Produktions-
       mittel in  den Produktionsprozeß  eingeht. Werden dagegen die Le-
       bensmittel, die  der Arbeiter  mit seinem  Lohn kauft, direkt als
       stoffliche Gestalt des zirkulierenden Kapitals mit den Rohstoffen
       etc. unter  eine Rubrik und den Arbeitsnitteln entgegen gestellt,
       so gibt  dies der Sache einen andern Schein. Wenn der Wert dieser
       Dinge, der  Produktionsmittel, im  Arbeitsprozeß auf  das Produkt
       übertragen wird,  so erscheint  der Wert  jener andern Dinge, der
       Lebensmittel, in  der Arbeitskraft,  die sie verzehrt, wieder und
       wird durch  Betätigung derselben  ebenfalls auf das Produkt über-
       tragen. Es  handelt sich in allem diesem gleichmäßig um das bloße
       Wiedererscheinen der  während der  Produktion vorgeschoßnen Werte
       im Produkt. (Die Physiokraten nahmen dies ernsthaft und leugneten
       daher, daß  die industrielle  Arbeit Mehrwert schaffe.) So in der
       bereits zitierten Stelle 1*) von Wayland:
       
       "Es kommt nicht darauf an, in welcher Form das Kapital wieder er-
       scheint... die  verschiednen Arten der Nahrung, Kleidung und Woh-
       nung, die  für das  Dasein und  Wohl, befinden des Menschen nötig
       sind, werden  auch verändert.  Sie werden  im Lauf  der Zeit ver-
       zehrt, und  ihr Wert  erscheint wieder  etc." ("Elements  of Pol.
       Econ.", p. 31, 32.)
       
       Die der  Produktion in Gestalt von Produktionsmitteln und Lebens-
       mitteln vorgeschoßnen Kapitalwerte erscheinen hier gleichmäßig im
       Wert des  Produkts wieder. Damit ist denn die Verwandlung des ka-
       pitalistischen Produktionsprozesses  in ein  vollständiges Myste-
       rium glücklich vollbracht und
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 222
       
       #228# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       der Ursprung  des im  Produkt vorhandnen  Mehrwerts gänzlich  dem
       Blick entrückt.
       Ferner vollendet  sich damit der der bürgerlichen Ökonomie eigen-
       tümliche Fetischismus,  der den  gesellschaftlichen, ökonomischen
       Charakter, welchen  Dinge im gesellschaftlichen Produktionsprozeß
       aufgeprägt erhalten,  in einen  natürlichen, aus  der stofflichen
       Natur dieser  Dinge entspringenden Charakter verwandelt. Z.B. Ar-
       beitsmittel sind  fixes Kapital  - eine scholastische Bestimmung,
       die zu  Widersprüchen und Konfusion führt. Ganz wie beim Arbeits-
       prozeß (Buch  I, Kap.  V) nachgewiesen wurde, daß es ganz von der
       jedesmaligen Rolle  abhängt, welche die gegenständlichen Bestand-
       teile in  einem bestimmten Arbeitsprozeß spielen, von ihrer Funk-
       tion, ob sie als Arbeitsmittel, Arbeitsmaterial oder Produkt fun-
       gieren, - ganz ebenso sind Arbeitsmittel nur da fixes Kapital, wo
       der Produktionsprozeß über haupt kapitalistischer Produktionspro-
       zeß und  daher die  Produktionsmittel überhaupt Kapital sind, die
       ökonomische Bestimmtheit,  den gesellschaftlichen  Charakter  von
       Kapital besitzen;  und zweitens  sind sie fixes Kapital nur, wenn
       sie ihren  Wert in einer besondern Weise auf das Produkt übertra-
       gen. Wenn nicht, bleiben sie Arbeitsmittel, ohne fixes Kapital zu
       sein. Ebenso  Hilfsstoffe, wie  Dünger, wenn sie in derselben be-
       sondern Art  Wert abgeben, wie der größte Teil der Arbeitsmittel,
       werden fixes  Kapital, obgleich  sie keine Arbeitsmittel sind. Es
       handelt sich  hier nicht um Definitionen, unter welchen die Dinge
       subsumiert werden.  Es handelt sich um bestimmte Funktionen, wel-
       che in bestimmten Kategorien ausgedrückt werden.
       Gilt es für eine den Lebensmitteln an sich, unter allen Umständen
       zukommende Eigenschaft,  in Arbeitslohn  ausgelegtes  Kapital  zu
       sein, so wird es auch Charakter dieses "zirkulierenden" Kapitals,
       "die Arbeit zu erhalten", to support labour (Ricardo, p. 25). Wä-
       ren die  Lebensmittel nicht  "Kapital", so  würden sie also nicht
       die Arbeitskraft erhalten; während ihr Kapitalcharakter ihnen ge-
       rade die  Eigenschaft gibt, das  K a p i t a l  zu erhalten durch
       fremde Arbeit.
       Sind Lebensmittel an sich zirkulierendes Kapital - nachdem dieses
       verwandelt in Arbeitslohn -, so ergibt sich ferner, daß die Größe
       des Arbeitslohns  abhängt von  dem Verhältnis der Arbeiterzahl zu
       der gegebnen  Masse des  zirkulierenden Kapitals  - ein beliebter
       ökonomischer Satz  -, während in der Tat die Masse der Lebensmit-
       tel, die  der Arbeiter  dem Markt entzieht, und die Masse der Le-
       bensmittel, worüber  der Kapitalist zu seinem Konsum verfügt, ab-
       hängt vom Verhältnis des Mehrwerts zum Preis der Arbeit.
       
       #229# 11. Kapitel - Theorien über fixes und zirkul. Kapital
       -----
       Ricardo, wie Barton 29[a], verwechselt überall das Verhältnis des
       variablen Kapitals  zum konstanten  mit dem Verhältnis des zirku-
       lierenden Kapitals  zum fixen.  Wir werden  später 2*)  sehn, wie
       dies seine Untersuchung über die Profitrate verfälscht.
       Ricardo setzt ferner die Unterschiede, die im Umschlag aus andren
       Gründen entspringen  als aus dem Unterschied von fixem und zirku-
       lierendem Kapital, mit diesem gleich:
       
       "Es ist ferner zu bemerken, daß das zirkulierende Kapital in sehr
       ungleichen Zeitriumen  zirkulieren oder  seinem Anwender  zurück-
       fließen kann.  Der von  einem Pächter zur Aussaat gekaufte Weizen
       ist ein  fixes Kapital  verglichen mit  dem von  einem Bäcker zur
       Verwandlung in Brot gekauften Weizen. Der eine läßt ihn im Boden,
       und kann  erst nach einem Jahr einen Rückfluß erhalten; der andre
       kann ihn  zu Mehl  vermahlen lassen  und als Brot an seine Kunden
       verkaufen, so  daß er  innerhalb einer  Woche sein Kapital wieder
       frei hat,  um dieselbe  Operation von neuem oder irgendeine andre
       damit zu beginnen." 30)
       
       Hier ist  charakteristisch, daß Weizen, obgleich er als Saatkorn,
       nicht als  Lebensmittel, sondern  als Rohmaterial  dient, erstens
       zirkulierendes Kapital  ist, weil an sich Lebensmittel, und zwei-
       tens fixes  Kapital, weil  sein Rückfluß  sich über  ein Jahr er-
       streckt. Es  ist aber  nicht nur  der langsamere  oder schnellere
       Rückfluß, der  ein Produktionsmittel zu fixem Kapital macht, son-
       dern die bestimmte Art und Weise der Wertabgabe an das Produkt.
       Die von A. Smith angerichtete Konfusion hat zu folgenden Resulta-
       ten geführt:
       1. Der  Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital wird ver
       wechselt mit dem Unterschied von produktivem Kapital und Warenka-
       pital. So ist z.B. dieselbe Maschine zirkulierendes Kapital, wenn
       sie sich als Ware auf dem Markt befindet, und fixes Kapital, wenn
       sie dem Produktionsprozeß
       ---
       29[a] "Observations on the Circumstances which influence the Con-
       dition of  the Labouring of Society." London 1817. Eine einschlä-
       gige Stelle ist zitiert Buch I, S. 655 1*), Note 79.
       30) "It is to be observed that the circulating capital may circu-
       late, or  be returned to its employer, in very unequal times. The
       wheat bought  by a farmer to sow is comparatively a fixed capital
       to the  wheat purchased  by a  baker to make into loaves. The one
       leaves it in the ground, and can obtain no return for a year; the
       other can  get it  ground into flour, sell it as bread to his cu-
       stomers, and  have bis  capital free,  to renew the same, or com-
       mence any other employment in a week." (p. 26, 27.)
       -----
       1*) Siehe  Band 23  unserer Ausgabe,  S. 660, Note 79 - 2*) siehe
       Band 25 unserer Ausgabe, 1. bis 3. Kapitel
       
       #230# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       einverleibt ist. Dabei ist absolut nicht abzusehn, warum eine be-
       stimmte Art Kapital mehr fix oder mehr zirkulierend sein soll als
       die andre.
       2. Alles zirkulierende Kapital wird identifiziert mit in Arbeits-
       lohn ausgelegtem  oder auszulegendem  Kapital. So bei J. St. Mill
       [16] u.a.
       3. Der Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital, der
       schon bei  Barton, Ricardo  u.a. mit  dem von  zirkulierendem und
       fixem verwechselt,  wird endlich  ganz auf  diesen reduziert, wie
       z.B. bei  Ramsay [17],  wo alle Produktionsmittel, Rohstoffe etc.
       sowohl wie  Arbeitsmittel, fixes  Kapital und nur das in Arbeits-
       lohn ausgelegte Kapital zirkulierendes Kapital ist. Weil aber die
       Reduktion in  dieser Form  geschieht, wird  der wirkliche  Unter-
       schied von konstantem und variablem Kapital nicht begriffen.
       4. Bei  den neuesten englischen, besonders schottischen Ökonomen,
       die alles  vom unsäglich  bornierten Standpunkt des Bankierkommis
       betrachten, wie  Macleod [18],  Patterson [19]  u.a.,  verwandelt
       sich der  Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital in den
       von money  at call und money not at call (Depositengeld, das ohne
       Kündigung oder nur nach vorheriger Kündigung zurückgezogen werden
       kann).
       

       zurück