Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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DREIZEHNTES KAPITEL
Die Produktionszeit
Die Arbeitszeit ist immer Produktionszeit, d.h. Zeit, während de-
ren das Kapital in die Produktionssphäre gebannt ist. Aber umge-
kehrt ist nicht alle Zeit, während deren das Kapital sich im Pro-
duktionsprozeß befindet, deswegen notwendig auch Arbeitszeit.
Es handelt sich hier nicht um Unterbrechungen des Arbeitsprozes-
ses, welche durch die Naturschranken der Arbeitskraft selbst be-
dingt sind, obgleich sich gezeigt hat, wie sehr der bloße Um-
stand, daß das fixe Kapital, Fabrikgebäude, Maschinerie usw.,
während der Pausen des Arbeitsprozesses brachliegt, eins der Mo-
tive wurde zur unnatürlichen Verlängrung des Arbeitsprozesses und
zur Tag- und Nachtarbeit. 1*) Es handelt sich hier von einer, von
der Länge des Arbeitsprozesses unabhängigen, durch die Natur des
Produkts und seiner Herstellung selbst bedingten Unterbrechung,
während deren der Arbeitsgegenstand kürzer oder länger dauernden
Naturprozessen unterworfen ist, physikalische, chemische, physio-
logische Veränderungen durchmachen muß, während deren der Ar-
beitsprozeß ganz oder teilweise suspendiert ist.
So muß gekelterter Wein erst eine Zeitlang die Gärung durchmachen
und dann wieder eine Zeitlang liegen, um einen bestimmten Grad
der Vollkommenheit zu erreichen. In vielen Industriezweigen muß
das Produkt eine Trocknung durchmachen, wie in der Töpferei, oder
gewissen Umständen ausgesetzt sein, um seine chemische Beschaf-
fenheit zu ändern, wie in der Bleicherei. Winterkorn braucht
vielleicht neun Monate zur Reife. Zwischen Saat- und Erntezeit
ist der Arbeitsprozeß fast ganz unterbrochen. In der Holzzucht,
nachdem die Aussaat und die dabei nötigen Vorarbeiten beendet,
braucht der Same vielleicht 100 Jahre, um in fertiges Produkt
verwandelt zu werden; während dieser ganzen Zeit braucht er rela-
tiv nur sehr unbedeutende Einwirkung von Arbeit.
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 271-278
#242# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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In allen diesen Fällen wird während eines großen Teils der Pro-
duktionszeit nur stellenweis zuschüssige Arbeit zugesetzt. Das im
vorigen Kapitel beschriebne Verhältnis, wo dem bereits im Produk-
tionsprozeß festgelegten Kapital zuschüssiges Kapital und Arbeit
zugesetzt werden muß, findet hier nur mit längern oder kürzern
Unterbrechungen statt.
In allen diesen Fällen besteht also die Produktiönszeit des vor-
geschoßnen Kapitals aus zwei Perioden: Einer Periode, worin das
Kapital sich im Arbeitsprozeß befindet; einer zweiten Periode,
worin seine Existenzform die von unfertigem Produkt - dem Walten
von Naturprozessen überlassen ist, ohne sich im Arbeitsprozeß zu
befinden. Ob diese beiden Zeiträume sich stellenweis durchkreuzen
und zwischeneinanderschieben, ändert nichts an der Sache. Ar-
beitsperiode und Produktionsperiode decken sich hier nicht. Die
Produktionsperiode ist größer als die Arbeitsperiode. Aber erst
nach Zurücklegung der Produktionsperiode ist das Produkt fertig,
reif, also aus der Form von produktivem Kapital verwandelbar in
die von Warenkapital. Je nach der Länge der nicht aus Arbeitszeit
bestehenden Produktionszeit verlängert sich also auch seine Um-
schlagsperiode. Soweit die über die Arbeitszeit überschüssige
Produktionszeit nicht durch ein für allemal gegebne Naturgesetze
bestimmt ist, wie beim Reifen des Korns, dem Wuchs der Eiche
usw., kann die Umschlagsperlode oft mehr oder minder verkürzt
werden durch künstliche Abkürzung der Produktionszeit. So durch
Einführung der chemischen Bleicherei statt der Wiesenbleicherei,
durch wirksamere Trockenapparate in Trocknungsprozessen. So in
der Gerberei, wo das Eindringen der Gerbsäure in die Häute nach
der alten Methode 6 bis 18 Monate wegnahm, nach der neuen, worin
die Luftpumpe angewandt wird, nur anderthalb bis zwei Monate. (J.
G. Courcelle-Seneuil, "Traité théorique et pratique des entrepri-
ses industrielles etc.", Paris 1857, 2. éd. [p. 49].) Das großar-
tigste Beispiel von künstlicher Abkürzung der durch Naturprozesse
ausgefüllten bloßen Produktionszeit liefert die Geschichte der
Eisenproduktion und namentlich die Verwandlung von Roheisen in
Stahl in den letzten 100 Jahren, von dem um 1780 entdeckten Pudd-
ling bis zu dem modernen Bessemerprozeß und den seitdem einge-
führten neuesten Verfahrungsweisen. Die Produktionszeit ist enorm
abgekürzt worden, aber in demselben Maß auch die Anlage von fixem
Kapital vergrößert.
Ein eigentümliches Beispiel für die Abweichung der Produktions-
zeit von der Arbeitszeit liefert die amerikanische Fabrikation
von Schuhleisten.
Hier entsteht ein bedeutender Teil der Unkosten daraus, daß das
Holz bis zu 18 Monaten zur Austrocknung lagern muß, damit der
fertige Leisten sich nachher nicht zieht, seine Form verändert.
Während dieser Zeit macht das
#243# 13. Kapitel - Die Produktionszeit
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Holz keinen andern Arbeitsprozeß durch. Die Umschlagsperiode des
angelegten Kapitals ist daher nicht nur bestimmt durch die zur
Ieistenfabrikation selbst erheischte Zeit, sondern auch durch die
Zeit, während deren es im austrocknenden Holz brachliegt. Es be-
findet sich 18 Monate im Produktionsprozeß, bevor es in den ei-
gentlichen Arbeitsprozeß eintreten kann. Dies Beispiel zeigt
zugleich, wie die Umschlagszeiten verschiedner Teile des zirku-
lierenden Gesamtkapitals verschieden sein können infolge von Um-
ständen, die nicht innerhalb der Zirkulationssphäre, sondern aus
dem Produktionsprozeß entspringen.
Besonders deutlich tritt der Unterschied von Produktionszeit und
Arbeitszeit hervor in der Landwirtschaft. In unsern gemäßigten
Klimaten trägt das Land einmal jährlich Korn. Die Abkürzung oder
Verlängrung der Produktionsperiode (für Wintersaat durchschnitt-
lich neun Monate) ist selbst wieder vom Wechsel guter oder
schlechter Jahre abhängig, daher nicht genau vorher bestimmbar
und kontrollierbar wie in der eigentlichen Industrie. Nur Neben-
produkte, Milch, Käse etc., sind fortlaufend in kürzern Perioden
produzierbar und verkaufbar. Dagegen stellt sich die Arbeitszeit
wie folgt:
"Die Zahl der Arbeitstage wird in den verschiednen Gegenden von
Deutschland mit Rücksicht auf die klimatischen und übrigen ein-
wirkenden Verhältnisse die drei Hauptarbeitsperioden anzunehmen
sein: Für die Frühjahrsperiode von Mitte März oder Anfang April
bis Mitte Mai auf 50-60; für die Sommeriode von Anfang Juni bis
Ende August auf 65-80; und für die Herbstperiode von Anfang Sep-
tember bis Ende Oktober oder Mitte oder Ende November auf 55-75
Arbeitstage. Für den Winter sind bloß die darin zu verrichtenden
Arbeiten, wie Dünger, Holz-, Markt-, Baufuhren usw. zu bemerken."
(F. Kirchhof, "Handbuch der landwirthschaftlichen Betriebslehre",
Dessau 1852, S. 160.)
Je ungünstiger daher das Klima, desto mehr drängt sich die Ar-
beitsperiode der Landwirtschaft, und daher die Auslage in Kapital
und Arbeit, auf kurzem Zeitraum zusammen. Z.B. Rußland. Dort ist
in einigen nördlichen Gegenden Feldarbeit nur möglich während
130-150 Tagen im Jahr. Man begreift, welchen Verlust Rußland er-
leiden würde, wenn 50 aus den 65 Millionen seiner europäischen
Bevölkrung ohne Beschäftigung blieben während der sechs oder acht
Winterrnonate, wo alle Feldarbeit aufhören muß. Außer den 200 000
Bauern, welche in den 10 500 Fabriken Rußlands arbeiten, haben
sich überall auf den Dörfern eigne Hausindustrien entwickelt. So
gibt es Dörfer, worin alle Bauern seit Generationen Weber, Ger-
ber, Schuhmacher, Schlosser, Messerschmiede etc. sind; besonders
ist dies der Fall in den Gouvernements Moskau, Wladimir, Kaluga,
Kostroma und Petersburg. Beiläufig wird diese Hausindustrie schon
mehr und mehr
#244# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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in den Dienst der kapitalistischen Produktion gepreßt; den Webern
z.B. Kette und Einschlag von Kaufleuten direkt oder durch Ver-
mittlung von Faktoren geliefert. (Abgekürzt nach: "Reports by
H.M. Secretaries of Embassy and ation, on the Manufactures, Com-
merce etc.", Nr. 8, 1865, p. 86, 87.) Man sieht hier, wie das
Auseinanderfallen von Produktionsperiode und Arbeitsperiode, wel-
che letztre nur einen Teil der erstren bildet, die natürliche
Grundlage der Vereinigung der Agrikultur mit ländlicher Nebenin-
dustrie bildet, wie andrerseits letztre wieder Anhaltspunkt wird
für den Kapitalisten, der sich zunächst als Kaufmann dazwischen-
drängt. Indem die kapitalistische Produktion dann später die
Scheidung zwischen Manufaktur und Agrikultur vollzieht, wird der
Landarbeiter immer mehr von bloß zufälliger Nebenbeschäftigung
abhängig und seine Lage dadurch verschlechtert. Für das Kapital,
wie man später sehn wird, gleichen sich alle Verschiedenheiten im
Umschlag aus. Für den Arbeiter nicht.
Während in den meisten Zweigen der eigentlichen Industrie, des
Bergbaus, des Transports usw. der Betrieb ein gleichmäßiger ist,
gleichmäßige Arbeitszeit jahraus, jahrein gearbeitet wird und,
von Preisschwankungen, Geschäftsstörungen etc. als von anormalen
Unterbrechungen abgesehn, die Auslagen für das in den täglichen
Zirkulationsprozeß eingehende Kapital sich gleichmäßig verteilen;
während ebenfalls, bei sonst gleichbleibenden Marktverhältnissen,
auch der Rückfluß des zirkullerenden Kapitals oder seine Erneue-
rung das Jahr hindurch in gleichmäßige Perioden sich verteilt -
findet in den Kapitalauslagen, wo die Arbeitszeit nur einen Teil
der Produktionszeit bildet, im Laufe der verschiednen Perioden
des Jahrs die größte Ungleichmäßigkeit in der Auslage von zirku-
lierendem Kapital statt, indes der Rückfluß nur auf einmal zu der
durch Naturbedingungen fixierten Zeit erfolgt. Bei gleicher Stu-
fenleiter des Geschäfts, d.h. bei gleicher Größe des vorgeschoß-
nen zirkulierenden Kapitals, muß es daher in größten Massen auf
einmal und auf längre Zeit vorgeschossen werden als in den Ge-
schäften mit kontinuierlichen Arbeitsperioden. Die Lebensdauer
des fixen Kapitals unterscheidet sich hier auch bedeutender von
der Zeit, worin es wirklich produktiv fungiert. Mit der Differenz
von Arbeitszeit und Produktionszeit wird natürlich auch die Ge-
brauchszeit des angewandten fixen Kapitals auf längre oder kürzre
Zeit fortwährend unterbrochen, wie z.B. im Ackerbau bei Arbeits-
vieh, Geräten und Maschinen. Soweit dies fixe Kapital aus Ar-
beitstieren besteht, erheischt es fortwährend dieselben oder fast
dieselben Ausgaben in Futter etc. wie während der Zeit, worin es
arbeitet. Bei töten Arbeitsmitteln verursacht auch der Nichtge-
brauch eine gewisse Entwertung. Es findet also überhaupt Verteue-
rung des Produkts statt, indem die Wertabgabe
#245# 13. Kapitel - Die Produktionszeit
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an das Produkt sich berechnet nicht nach der Zeit, worin das fixe
Kapital fungiert, sondern nach der Zeit, worin es Wert verliert.
In diesen Produktionszweigen bildet das Brachliegen des fixen Ka-
pitals, ob noch mit laufenden Kosten verbunden oder nicht, ebenso
eine Bedingung seiner normalen Anwendung wie z.B. der Verlust ei-
nes gewissen Quantums von Baumwolle bei der Spinnerei; und ebenso
zählt bei jedem Arbeitsprozeß die unter den normalen technischen
Bedingungen unproduktiv, aber unvermeidlich, verausgabte Arbeits-
kraft geradesogut wie die produktive. Jede Verbeßrung, die unpro-
duktive Verausgabung von Arbeitsmitteln, Rohstoff und Arbeits-
kraft vermindert, vermindert auch den Wert des Produkts.
In der Landwirtschaft vereinigt sich beides, die längre Dauer der
Arbeitsperiode und die große Differenz zwischen Arbeitszeit und
Produktionszeit. Hodgskin bemerkt darüber richtig:
"Der Unterschied in der Zeit", {obgleich er hier nicht zwischen
Arbeitszeit und Produktionszeit unterscheidet} die erforderlich
ist, um die Produkte der Landwirtschaft fertigzumachen, und der
von andern Arbeitszweigen, ist die Hauptursache der großen Abhän-
gigkeit der Landwirte. Sie kennen ihre Waren nicht in kürzrer
Zeit zu Markte bringen als in einem Jahr. Während dieses ganzen
Zeitraums müssen sie borgen vom Schuhmacher, Schneider, Schmied,
Wagenmacher und den verschiednen andren Produzenten, von denen
sie Produkte brauchen, und welche Produkte in wenig Tagen oder
Wochen fertig werden. Infolge dieses natürlichen Umstands, und
infolge der raschern Reichtumsvermehrung in den andern Arbeits-
zweigen, sind die Grundbesitzer, die den Boden des ganzen Reichs
monopolisiert haben, obgleich sie außer, dem sich das Monopol der
Gesetzgebung angeeignet haben, dennoch unfähig, sich und ihre
Diener, die Pächter, vor dem Schicksal zu retten, die abhängig-
sten Leute im Lande zu werden." (Thomas Hodgskin, "Popular Poli-
tical Economy", London 1827, p. 147, Note.)
Alle Methoden, wodurch teilweis die Ausgaben in Arbeitslohn und
Arbeitsmitteln in der Agrikultur gleichmäßiger über das ganze
Jahr verteilt werden, teilweis der Umschlag verkürzt wird, indem
verschiedenartigere Produkte erzeugt und so verschiedne Ernten
während des Jahres möglich werden, erheischen Vergrößrung des in
der Produktion vorgeschoßnen, in Arbeitslohn, Dünger, Samen etc.
ausgelegten zirkulierenden Kapitals. So beim Übergang von der
Dreifelderwirtschaft mit Brache zur Fruchtwechselwirtschaft ohne
Brache. So bei den cultures dérobées 1*) in Flandern.
"Man nimmt die Wurzelgewächse in culture dérobée; dasselbe Feld
trägt zuerst Getreide, Flachs, Raps, für die Bedürfnisse der Men-
schen, und nach der Ernte werden Wurzelkräuter gesät zur Erhal-
tung des Viehs. Dies System, wobei das Hornvieh fort-
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1*) dem Zwfruchtanbau
#246# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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während im Stall bleiben kann, ergibt eine beträchtliche Anhäu-
fung von Dünger und wird so der Angelpunkt der Wechselwirtschaft.
Mehr als ein Drittel der bebauten Oberfläche wird in den Sandge-
genden auf die cultures dérobées verwandt; es ist gerade so, als
ob man die Ausdehnung des bebauten Landes um ein Drittel vermehrt
hätte."
Neben Wurzelgewächsen wird hierzu auch Klee und andre Futterkräu-
ter verwandt.
"Der Ackerbau, so auf einen Punkt eben, wo er in Gartenbau über-
geht, erfordert begreiflicherweise ein verhältnismäßig beträcht-
liches Anlagekapital. In England rechnet man 250 Franken Anlage-
kapital auf die Hektare. In Flandern werden unsre Bauern ein An-
lagekapital von 500 Franken per Hektare wahrscheinlich viel zu
niedrig finden." ("Essais sur l'Économie Rurale de la Belgique",
par Émile de Laveleye. Bruxelles 1863, p. 59, 60, 63.)
Nehmen wir schließlich die Holzzucht. -
"Die Holzproduktion unterscheidet sich von den meisten übrigen
Produktionen wesentlich dadurch, daß bei ihr die Naturkraft selb-
ständig wirkt und bei natürlicher Verjüngung der Menschen- und
Kapitalkraft nicht bedarf. Übrigens ist auch selbst da, wo die
Wälder künstlich verjüngt werden, der Aufwand von Menschen- und
Kapitalkraft neben dem Wirken der Naturkräfte nur gering. Außer-
dem findet der Wald noch auf Bodenarten und in Lagen Gedeihen, wo
das Getreide nicht mehr fortkommt oder des sen Produktion doch
nicht mehr lohnt. Der Waldbau erfordert aber auch, zu einer re-
gelmäßigen Wirtschaft, einen größren Flächenraum als die Getrei-
dekultur, indem bei kleinren Parzellen keine forstwirtschaftliche
Schlagführung ausführhar ist, die Nebennutzungen meist verloren
gehn, der Forstschutz schwerer zu handhaben ist. usw. Der Produk-
tionsprozeß ist aber auch an so lange Zeiträume gebunden, daß er
über die Pläne einer Privatwirtschaft, einzeln sogar über die
Zeit eines Menschenlebens hinausgeht. Das für Erwerbung des Wald-
bodens 1*) angelegte Kapital"
{bei Gemeinproduktion fällt dieses Kapital fort und ist die Frage
nur, wieviel Boden die Gemeinde für Waldproduktion dem Acker- und
Weideboden entziehen kann}
"trägt nämlich erst nach langer Zeit lohnende Früchte und schlägt
nur teilweise, vollständig aber erst bei manchen Holzarten in
Fristen 2*) bis zu 150 Jahren um. Außerdem erfordert die nachhal-
tige Holzproduktion selbst einen Vorrat lebendigen Holzes, wel-
cher das zehn- bis vierzigfache der jährlichen Nutzung betrug.
Wer daher nicht noch andres Einkommen hat und bedeutende Wald-
strecken besitzt, kann keine regelmäßige Waldwirtschaft führen."
(Kirchhof, p. 58.)
Die lange Produktionszeit (die einen relativ nur geringen Umfang
der Arbeitszeit einschließt), daher die Länge ihrer Umschlagspe-
rioden, macht
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1*) 1. und 2. Auflage: Landbodens - 2*) 1. und 2. Auflage: For-
sten
#247# 13. Kapitel - Die Produktionszeit
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die Waldzucht zu einem ungünstigen Privat- und daher kapitalisti-
schen Betriebszweig, welcher letztre wesentlich Privatbetrieb
ist, auch wenn statt des einzelnen Kapitalisten der assoziierte
Kapitalist auftritt. Die Entwicklung der Kultur und Industrie
überhaupt hat sich von jeher so tätig in der Zerstörung der Wal-
dungen gezeigt, daß dagegen alles, was sie umgekehrt zu deren Er-
haltung und Produktion getan hat, eine vollständig verschwindende
Größe ist.
Besonders bemerkenswert in dem Zitat von Kirchhof ist folgende
Stelle:
"Außerdem erfordert die nachhaltige Holzproduktion selbst einen
Vorrat lebendigen Holzes, welcher das zehn- bis vierzigfache der
jährlichen Nutzung beträgt."
Also einmaliger Umschlag in zehn bis vierzig und mehr Jahren.
Ebenso bei der Viehzucht. Ein Teil der Herde (Viehvorrat) bleibt
im Produktionsprozeß, während ein andrer Teil derselben als jähr-
liches Produkt verkauft wird. Nur ein Teil des Kapitals schlägt
hier jährlich um, ganz wie bei dem fixen Kapital, Maschinerie,
Arbeitsvieh etc. Obgleich dies Kapital für längre Zeit im Produk-
tionsprozeß fixiertes Kapital ist, und so den Umschlag des Ge-
samtkapitals verlängert, bildet es nicht fixes Kapital im katego-
rischen Sinn.
Was hier Vorrat genannt wird - ein bestimmtes Quantum lebendigen
Holzes oder Viehs - befindet sich relativ im Produktionsprozeß
(zugleich als Arbeitsmittel und als Arbeitsmaterial); nach den
Naturbedingungen seiner Reproduktion, bei geregelter Wirtschaft,
muß sich stets ein bedeutender Teil in dieser Form befinden.
Ähnlich auf den Umschlag wirkt eine andre Art des Vorrats, die
nur potentielles produktives Kapital bildet, aber infolge der Na-
tur der Wirtschaft in größren oder geringren Massen angehäuft
sein, daher für längre Zeit der Produktion vorgeschossen sein
muß, obgleich sie nur nach und nach in den aktiven Produktions-
prozeß eingeht. Dazu gehört z.B. der Dünger, bevor er aufs Feld
geführt wird, ebenso Korn, Heu etc. und solche Lebensmittelvor-
räte, die in die Produktion des Viehs eingehn.
"Ein beträchtlicher Teil des Betriebskapitals ist in den Vorräten
der Wirtschaft enthalten. Diese können aber in ihrem Wert mehr
oder weniger verlieren, sobald die für ihre gute Erhaltung erfor-
derlichen Vorsichtsmaßregeln nicht gehörig in Anwendung gebracht
werden; ja es kann durch Mangel an Aufsicht selbst ein Teil der
Produktenvorräte für die Wirtschaft gänzlich verlorengehn. Es
wird daher in dieser Beziehung vorzugsweis eine sorgfältige Auf-
sicht über die Scheunen, Futter- und Getreideböden und Keller er-
forderlich, sowie die Vorratsräume stets gehörig zu verschließen,
außerdem aber reinlich zu halten, auszulüften sind usw.; das Ge-
treide und andre zur Aufbewahrung gebrachte Früchte messen von
Zeit zu Zeit gehörig gewendet, Kartoffeln
#248# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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und Rüben sowohl gegen Frost als gegen Wasser und Fäulnis 1*) ge-
schützt werden." (Kirchhof, p. 292.) "Bei Berechnung des eignen
Bedarfs, besonders für die Viehhaltung, wobei die Verteilung nach
Maßgabe des Erzeugnisses und des Zwecks vorzunehmen ist, muß man
nicht nur auf die Deckung des Bedürfnisses, sondern außerdem auch
noch darauf Rücksicht nehmen, daß für unvorhergesehne Fälle auch
noch ein verhältnismäßiger Vorrat übrigbleibe. Sobald sich nun
hierbei ergibt, daß der Bedarf durch das eigne Erzeugnis nicht
vollständig gedeckt werden kann, so hat man zunächst in Betracht
zu ziehn, ob man nicht durch andre Erzeugnisse (Ersatzmittel)
diesen Mangel decken oder doch solche statt der fehlenden wohl-
feiler anschaffen könne. Wenn z.B. sich ein Mangel an Heu heraus-
stellen sollte, so läßt sich dieser durch Wurzelwerk mit Stroh-
zusatz decken. Überhaupt muß man hierbei den Sachwert und den
Marktpreis der verschiednen Erzeugnisse stets im Auge behalten
und die Bestimmungen für die Konsumtion danach treffen; ist z.B.
der Hafer teurer, während Erbsen und Roggen verhältnismäßig nied-
rig stehn, so wird man mit Vorteil einen Teil des Hafers bei
Pferden durch Erbsen oder Roggen ersetzen und den hierdurch erüb-
rigten Hafer verkaufen." (ibidem, p. 300.)
Es ist früher bei Betrachtung der Vorratbildung 2*) bereits be-
merkt worden, daß ein bestimmtes größtes oder kleinres Quantum
von potentiellem produktivem Kapital erfordert ist, d.h. von für
die Produktion bestimmten Produktionsmitteln, die in größten oder
kleinren Massen vorrätig sein müssen, um nach und nach in den
Produktionsprozeß einzugehn. Es ist dabei bemerkt worden, daß bei
einer gegebnen Geschäftsunternehmung oder einem Kapitalbetrieb
von bestimmtem Umfang die Größe dieses Produktionsvorrats abhängt
von der größten oder geringren Schwierigkeit seiner Erneuerung,
relativer Nähe der Bezugsmärkte, Entwicklung der Transport- und
Kommunikationsmittel etc. Alle diese Umstände wirken ein auf das
Minimum von Kapital, das in der Form von produktivem Vorrat vor-
handen sein muß, also auf die Zeitlänge, wofür Kapitalvorschüsse
zu machen, und auf den Umfang der auf einmal vorzuschießenden Ka-
pitalmasse. Dieser Umfang, der also auch auf den Umschlag wirkt,
wird bedingt durch die längre oder kürzre Zeit, für welche zirku-
lierendes Kapital in der Form von produktivem Vorrat als bloß po-
tentielles produktives Kapital festliegt. Andrerseits, soweit
diese Stauung von größter oder geringrer Möglichkeit des raschen
Ersatzes, von Marktverhältnissen usw. abhängt, entspringt sie
selbst wieder aus der Umlaufszeit, aus Umständen, die der Zirku-
lationssphäre angehören.
"Ferner müssen alle solche Inventarienstücke oder Zutaten, wie
Handarbeitsgeräte Siebe, Körbe, Stricke, Wagenschmiere, Nägel
usw., um so mehr zum augenblicklichen
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1*) 1. und 2. Auflage: Feuer - 2*) siehe vorl. Band, S. 139-145
#249# 13. Kapitel - Die Produktionszeit
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Ersatze im Vorrat vorhanden sein, je weniger man die Gelegenheit
in der Nihe hat, solche schnell anschaffen zu können. Endlich
soll jährlich das ganze Gerätinventar im Winter sorgfältig nach-
gesehn und für die hierbei sich notwendig machende Ergänzung und
Instandsetzung sofort gesorgt werden. Ob man sich nun aber im
allgemeinen größte oder kleinre Vorräte zum Bedarf des Inventars
halten soll, wird hauptsächlich durch die Lokalverhältnisse be-
stimmt. Wo Handwerksleute und Kaufläden nicht in der Nähe sind,
da muß man auf größte Vorräte halten als dort, wo man solche im
Orte oder doch sehr nahe findet. Wenn man aber unter sonst glei-
chen Verhältnissen die bedürfenden Vorräte in größten Mengen auf
einmal anschafft, gewinnt man in der Regel den Vorteil des billi-
gen Einkaufs, wenn man nur sonst hierzu einen geeigneten Zeit-
punkt gewählt hat; freilich entzieht man hierdurch aber auch dem
umlaufenden Betriebskapital eine um so größte Summe auf einmal,
welche nicht immer gut aus dem Wirtschaftsbetriebe entbehrt wer-
den kann." (Kirchhof, p. 301.)
Die Differenz von Produktions- und Arbeitszeit läßt, wie wir ge-
sehn, sehr verschiedne Fälle zu. Das zirkulierende Kapital kann
sich in der Produktionszeit befinden, ehe es in den eigentlichen
Arbeitsprozeß eingeht (Leistenfabrikation); oder es befindet sich
in Produktionszeit, nachdem es den eigentlichen Arbeitsprozeß
durchgemacht hat (Wein, Saatkorn); oder die Produktionszeit wird
stellenweis durch Arbeitszeit durchbrochen (Feldbau, Holzzucht);
ein großer Teil von zirkulationsfähigem Produkt bleibt dem akti-
ven Produktionsprozeß einverleibt, während ein viel geringrer
Teil in die jährliche Zirkulation eingeht (Holz- und Viehzucht);
die größte oder geringre Zeitlänge, für welche zirkulierendes Ka-
pital in der Form von potentiellem produktivem Kapital, also auch
die größte oder geringre Masse, worin dies Kapital auf einmal
ausgelegt werden muß, entspringt teils aus der Art des Produkti-
onsprozesses (Agrikultur) und hängt teils von der Nähe von Märk-
ten etc., kurz, von Umständen ab, die der Zirkulationssphäre an-
gehören.
Man wird später sehn (Buch III), welche widersinnige Theorien bei
MacCulloch, James Mill etc. der Versuch veranlaßt hat, die von
der Arbeitszeit abweichende Produktionszeit mit der erstren zu
identifizieren, ein Versuch, selbst wieder entspringend aus
falscher Anwendung der Werttheorie.
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Der Umschlagszyklus, den wir vorher betrachtet, ist gegeben durch
die Dauer des dem Produktionsprozeß vorgeschoßnen fixen Kapitals.
Da dieser eine größte oder geringre Reihe von Jahren umfaßt, so
auch eine Reihe jährlicher. resp. während des Jahres wiederholter
Umschläge des fixen Kapitals.
#250# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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In der Agrikultur entsteht ein solcher Umschlagszyklus aus dem
System der Fruchtfolge.
"Die Dauer der Pachtzeit darf jedenfalls nicht kürzer angenommen
werden, als die Umlaufszeit der eingeführten Fruchtfolge aussagt
1*), daher beider Dreifelderwirtschaft immer mit 3, 6, 9 gerech-
net wird. Bei angenommener Dreifelderwirtschaft mit reiner Brache
wird aber der Acker in sechs Jahren nur viermal bebaut, und in
den Baujahren mit Winter- und Sommergetreide, und erfordert oder
erlaubt es die Beschaffenheit des Bodens, auch mit Weizen und
Roggen, Gerste und Hafer gewechselt. Jede Getreideart vervielfäl-
tigt sich nun auf demselben Boden mehr oder weniger als die an-
dre, jede hat einen andren Wert und wird auch für einen andren
Preis verkauft. Deshalb fällt der Ertrag des Ackers in jedem Bau-
jahre anders aus, auch anders in der ersten Hälfte des Umlaufs"
(in den ersten drei Jahren), "anders in der zweiten. Selbst der
durchschnittliche Ertrag in der Umlaufszeit ist nicht in der
einen wie in der andern gleich groß, indem die Fruchtbarkeit
nicht allein von der Güte des Bodens, sondern auch von der Jah-
reswitterung, sowie die Preise von mancherlei Verhältnissen ab-
hängen. Berechnet man nun den Ertrag 2*) des Ackers nach mittlern
Fruchtjahren der ganzen Umlauf auf sechs Jahre und nach den
Durchschnittspreisen derselben, so hat man den Gesamtertrag auf
ein Jahr sowohl in der einen als in der andern Umlaufszeit gefun-
den. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn der Ertrag nur für die
Hälfte der Umlaufszeit, also für drei Jahre berechnet wird, indem
alsdann der Gesamte ungleich ausfallen würde. Hieraus geht her-
vor, daß die Dauer der Pachtzeit bei der Dreifelderwirtschaft
mindestens auf sechs Jahre bestimmt werden muß. Weit wünschenmwr-
ter aber für Pächter und Verpächter bleibt es aber immer, wenn
die Pachtzeit ein Vielfaches der Pachtzeit" (sic!) 3*) "ausmacht,
und also bei der Dreifelderwirtschaft anstatt auf 6 auf 12, 18
und noch mehr Jahre, bei Siebenfelderbchaft aber anstatt auf 7
auf 14, 28 Jahre gestellt ist." (Kirchhof, p. 117, 118.)
{Hier steht im Manuipt: "Die englische Fruchtwechselwirtschaft.
Hier Note zu machen.")
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1*) 1. und 2. Auflage Fruchtfolgeaussat - 2*) 1. und 2. Auflage:
betrag - 3*) so steht es wörtlich da!
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