Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band


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       FÜNFZEHNTES KAPITEL
       Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe des Kapitalvorschusses
       
       In diesem  und dem  nächstfolgenden sechzehnten Kapitel behandeln
       wir den  Einfluß der  Umschlagszeit auf  die Verwertung des Kapi-
       tals.
       Nehmen wir das Warenkapital, welches das Produkt einer Arbeitspe-
       riode ist,  z.B. von  neun Wochen. Sehn wir einstweilen ab sowohl
       von dem  Wertteil des  Produkts, der ihm durch den Durchschnitts-
       verschleiß des  fixen Kapitals zugesetzt ist, wie von dem während
       des Produktionsprozesses  ihm zugesetzten  Mehrwert, so  ist  der
       Wert dieses  Produkts gleich  dem Wert  des zu  seiner Produktion
       vorgeschoßnen flüssigen  Kapitals, d.h.  des Arbeitslohns und der
       in seiner  Produktion aufgezehrten  Roh- und  Hilfsstoffe. Dieser
       Wert sei  = 900 Pfd.St., so daß die Wochenauslage 100 Pfd.St. be-
       trägt. Die  periodische Produktionszeit,  welche hier mit der Ar-
       beitsperiode zusammenfällt,  beträgt also  9 Wochen. Es ist dabei
       gleichgültig, ob  man annimmt,  es handle  sich hier  um eine Ar-
       beitsperiode für ein kontinuierliches Produkt oder um eine konti-
       nuierliche Arbeitsperiode  für ein  diskretes Produkt, sofern nur
       das Quantum  von diskretem  Produkt, welches auf einmal zu Markte
       geschafft wird,  9 Wochen  Arbeit kostet. Die Umlaufszeit daure 3
       Wochen. Die  ganze Umschlagsperiode  daure also  12 Wochen.  Nach
       Verlauf von  9 Wochen  ist das vorgeschoßne produktive Kapital in
       Warenkapital verwandelt,  aber es  haust nun  drei Wochen  in der
       Zirkulationsperiode. Der  neue Produktionstermin  kann also  erst
       wieder beginnen Anfang der 13. Woche, und die Produktion wäre für
       drei Wochen  stillgesetzt oder  für ein  Viertel der  ganzen  Um-
       schlagsperiode. Es  ist wieder  gleichgültig, ob man voraussetzt,
       es daure  im Durchschnitt so lange bis die Ware verkauft ist oder
       es sei  diese Zeit  durch die  Entfernung des Markts bedingt oder
       durch die  Zahlungstermine für  die verkaufte  Ware. Während je 3
       Monaten stände  die Produktion  3 Wochen  still, also während des
       Jahres 4  x 3  = 12  Wochen =  3 Monaten = 1/4 der jährlichen Um-
       schlagsperiode.
       
       #261# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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       Soll die  Produktion daher kontinuierlich sein und Woche aus, Wo-
       che ein  auf demselben Maßstab betrieben werden, so ist nur zwei-
       erlei möglich.
       Entweder muß  der Maßstab  der Produktion verkürzt werden, so daß
       also die  900 Pfd.St.  reichen, um  die Arbeit in Gang zu halten,
       sowohl während  der Arbeitriode  wie während  der Umlaufszeit des
       ersten Umschlags.  Mit der  10. Woche  wird dann  eine zweite Ar-
       beitsperiode, also auch Umschlagsperiode, eröffnet, bevor die er-
       ste Umschlagsperiode  beendet ist,  denn die Umschlagsperiode ist
       zwölfwöchentlich, die  Arbeitsperiode neun. wöchentlich. 900 Pfd.
       St. auf  12 Wochen verteilt gibt 75 Pfd.St. wöchentlich. Zunächst
       ist klar,  daß eine  solche verkürzte  Stufenleiter des Geschäfts
       veränderte Dimensionen  des fixen  Kapitals, also  überhaupt eine
       verkürzte Geschäftsanlage  voraussetzt. Zweitens ist es fraglich,
       ob diese  Verkürzung überhaupt  stattfinden kann, da der Entwick-
       lung der Produktion in den verschiednen Geschäften gemäß ein Nor-
       malminimum der  Kapitalanlage besteht,  unterhalb dessen das ein-
       zelne Geschäft  konkurrenzunfähig wird. Dies Normalminimum selbst
       wächst beständig mit der kapitalistischen Entwicklung der Produk-
       tion, ist also kein fixes. Zwischen dem jedesmal gegebnen Normal-
       minimum und  dem sich  stets ausdehnenden  Norrnalmaximum  finden
       aber zahlreiche  Zwischenstufen statt - eine Mitte, die sehr ver-
       schiedne Grade  der Kapitalanlage  zuläßt. Innerhalb  der Grenzen
       dieser Mitte kann daher auch Verkürzung stattfinden, deren Grenze
       das jedesmalige  Normalminimum selbst ist. - Bei Hemmung der Pro-
       duktion, Überfüllung  der Märkte, Teurung des Rohstoffs etc. fin-
       det Beschränkung  der normalen Auslage von zirkulierendem Kapital
       bei gegebner  Grundlage des  fixen Kapitals statt durch Beschrän-
       kung der  Arbeitszeit, indem z.B. nur halbe Tage gearbeitet wird;
       wie ebenso  in Zeiten  der Prosperität auf gegebner Grundlage des
       fixen Kapitals  anormale Ausdehnung  des zirkulierenden  Kapitals
       stattfindet, teils durch Verlängrung der Arbeitszeit, teils durch
       Intensifikation derselben. Bei Geschäften, die von vornherein auf
       solche Schwankungen  berechnet sind,  hilft man  sich teils durch
       die obigen  Mittel, teils durch die gleichzeitige Anwendung einer
       größeren Arbeiteranzahl, verbunden mit Anwendung von Reserve-Fix-
       kapital, z.B.  Reservelokomotiven bei  der Eisenbahn  etc. Solche
       anormalen Schwankungen bleiben aber hier, wo wir normale Verhält-
       nisse voraussetzen, außer Betracht.
       Um die  Produktion kontinuierlich  zu machen,  ist also  hier die
       Ausgabe desselben  zirkulierenden Kapitals über eine größre Zeit-
       länge verteilt,  über 12  Wochen statt  über 9. In jedem gegebnen
       Zeitabschnitt fungiert  also ein  verkürztes produktives Kapital;
       der flüssige  Teil des  produktiven Kapitals ist verkürzt von 100
       auf 75 oder um ein Viertel. Die Gesamtsumme, um welche
       
       #262# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       das während  der Arbeitsperiode  von 9 Wochen fungierende produk-
       tive Kapital  verkürzt wird, ist = 9 x 25 = 225 Pfd.St., oder 1/4
       von 900Pfd.St.  Aber  das  Verhältnis  der  Umlaufszeit  zur  Um-
       schlagsperiode ist ebenfalls 3/12 = 1/4. Es folgt daher: Soll die
       Produktion nicht  unterbrochen werden während der Umlaufszeit des
       in Warenkapital verwandelten produktiven Kapitals, soll sie viel-
       mehr gleichzeitig  und kontinuierlich Woche für Woche fortgesetzt
       werden, und ist hierfür kein besondres zirkulierendes Kapital ge-
       geben, so  kann dies  nur erreicht  werden durch  Vermindrung des
       Produktionsbetriebs, durch  Verkürzung des flüssigen Bestandteils
       des fungierenden  produktiven Kapitals. Der so für die Produktion
       während der Umlaufszeit freigesetzte flüssige Kapitalteil verhält
       sich zum  vorgeschoßnen flüssigen  Gesamtkapital wie die Umlaufs-
       zeit zur Umschlagsperlode. Es gilt dies, wie bereits bemerkt, nur
       für Produktionszweige,  in denen der Arbeitsprozeß Woche ein, Wo-
       che aus,  auf derselben  Stufenleiter ausgeführt  wird,  wo  also
       nicht zu  verschiednen Arbeitsperioden  wechselnde  Kapitalsummen
       auszulegen sind, wie in der Agrikultur.
       Nehmen wir  aber umgekehrt an, die Anlage des Geschäfts schließen
       eine Verkürzung  der Stufenleiter  der Produktion  und daher auch
       des wöchentlich  vorzuschießenden flüssigen Kapitals aus, so kann
       die Kontinuität  der Produktion nur erreicht werden durch ein zu-
       schüssiges flüssiges Kapital, im obigen Fall von 300 Pfd.St. Wäh-
       rend der  Umschlagsperiode von  12 Wochen  werden sukzessive 1200
       Pfd.St. vorgeschossen,  davon 300  der vierte  Teil, wie 3 Wochen
       von 12.  Nach der Arbeitsperiode von 9 Wochen ist der Kapitalwert
       von 900  Pfd.St. aus der Form von produktivem Kapital in die Form
       von Warenkapital  verwandelt. Seine  Arbeitsperiode ist beschlos-
       sen, aber  sie kann  nicht mit demselben Kapital erneuert werden.
       Während der drei Wochen, worin es die Zirkulationssphäre behaust,
       als Warenkapital  fungiert, befindet  es sich  mit Bezug  auf den
       Produktionsprozeß in  demselben Zustand,  als wenn  es  überhaupt
       nicht existierte.  Es wird hier von allen Kreditverhältnissen ab-
       gesehn und  daher unterstellt,  daß der Kapitalist nur mit eignem
       Kapital wirtschaftet. Während aber das für die erste Arbeitsperi-
       ode vorgeschoßne  Kapital, nach  vollbrachtem  Produktionsprozeß,
       sich während 3 Wochen im Zirkulationsprozeß aufhält, fungiert ein
       zuschüssig ausgelegtes Kapital von 300 Pfd.St., so daß die Konti-
       nuität der Produktion nicht unterbrochen wird. Es ist nun hierbei
       folgendes zu  bemerken: Erstens:  Die Arbeitsperiode  des  zuerst
       vorgeschoßnen Kapitals von 900 Pfd.St. ist beendet nach 9 Wochen,
       und es  fließt zurück nicht vor 3 Wochen, also erst im Beginn der
       13. Woche. Aber eine neue Arbeitsperiode
       
       #263# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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       wird sofort  wieder eröffnet mit dem zuschüssigen Kapital von 300
       Pfd.St. Eben  dadurch ist  die Kontinuität  der Produktion herge-
       stellt. Zweitens:  Die Funktionen des ursprünglichen Kapitals von
       900 Pfd.St. und des am Schluß der ersten Arbeitriode von 9 Wochen
       neu zugeschoßnen  Kapitals von  300 Pfd.St.,  das die  zweite Ar-
       beitsperiode nach  Schluß der ersten ohne Unterbrechung eröffnet,
       sind in der ersten Umschlagsperiode genau geschieden, oder können
       es wenigstens  sein, während  sie dagegen  im Verlauf der zweiten
       Umschlagsperiode einander durchkreuzen.
       Stellen wir uns die Sache sinnlich vor.
       Erste Umsch6gsperiode  von 12  Wochen. Erste Arbeitsperiode von 9
       Wochen; der Umschlag des hier vorgeschoßnen Kapitals wird vollen-
       det im  Anfang der  13. Woche.  Während der letzten 3 Wochen fun-
       giert du  zusätzliche Kapital  von 300  Pfd.St. und  eröffnet die
       zweite Arbeitsperiode von 9 Wochen.
       Zweite Umschlagsperiode.  Anfang der  13. Woche  sind 900 Pfd.St.
       zurückgeflossen und fähig, einen neuen Umschlag zu beginnen. Aber
       die zweite  Arbeitsperiode ist bereits durch die zuschüssigen 300
       Pfd.St. in der 10. Woche eröffnet worden; im Beginn der 13. Woche
       ist durch dasselbe bereits ein Drittel der Arbeitsperiode vollen-
       det, 300  Pfd.St. aus  produktivem Kapital in Produkt verwandelt.
       Da nur  noch 6  Wochen zur  Beendigung der zweiten Arbeitsperiode
       nötig, können  nur zwei  Drittel des zurückgefloßnen Kapitals von
       900 Pfd.St.,  nämlich nur  600 Pfd.St.,  in den Produktionsprozeß
       der zweiten  Arbeitsperiode eingehn. 300 Pfd.St. sind freigesetzt
       von den ursprünglichen 900 Pfd.St., um dieselbe Rolle zu spielen,
       welche du  zugeschoßne Kapital  von 300 Pfd.St. in der ersten Ar-
       beitsperiode spielte.  Ende der 6. Woche der zweiten Umschlagspe-
       riode ist die zweite Arbeitsperiode absolviert. Das in ihr ausge-
       legte Kapital  von 900  Pfd.St. fließt zurück nach 3 Wochen, also
       Ende der  9. Woche der zweiten zwölfwöchentlichen Umwschlagsperi-
       ode. Während  der 3 Wochen seiner Umlaufszeit tritt ein das frei-
       gesetzte Kapital  von 300  Pfd.St. Damit  beginnt die  dritte Ar-
       beitsperiode eines  Kapitals von  900 Pfd.St. in der 7. Woche der
       zweiten Umschlagsperiode oder der 19. Jahreswoche.
       Dritte Umschlagsperiode.  Ende  der  9.  Woche  der  zweiten  Um-
       schlagsperiode neuer Rückfluß von 900 Pfd.St. Aber die dritte Ar-
       beitsperiode hat bereits begonnen in der 7. Woche der vorigen Um-
       schlagsperiode, und  6 Wochen sind bereits zurückgelegt. Sie dau-
       ert also  nur noch  3 Wochen. Von den zurückgefloßnen 900 Pfd.St.
       gehn also  nur 300  Pfd.St. in  den  Produktionsprozeß  ein.  Die
       vierte Arbeitsperiode füllt die übrigen 9 Wochen
       
       #264# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       dieser Umschlagsperiode aus, und so beginnt mit der 37. Woche des
       Jahres gleichzeitig  die vierte  Umschlagsperiode und  die fünfte
       Arbeitspetiode.
       Um den Fall für die Berechnung zu vereinfachen, wollen wir anneh-
       men: Arbeitsperiode  5 Wochen,  Umlaufszeit 5  Wochen,  also  Um-
       schlagspetiode von  10 Wochen-,  das Jahr zu 50 Wochen gerechnet,
       Kapitalauslage per Woche 100 Pfd.St. Die Arbeitsperiode erfordert
       also ein  flüssiges Kapital  von 500 Pfd.St., und die Umlaufszeit
       ein zuschüssiges  Kapital von fernern 500 Pfd.St. Arbeitsperioden
       und Umschlagszeiten stellen sich dann wie folgt:
       
       Arbeitsperiode    Woche     Pfd.St. Ware    retourniert
       1.                1.- 5.    500           Ende der 10. Woche
       2.                6.-10.    500            "    "  15.  "
       3.               11.-15.    500            "    "  20.  "
       4.               16.-20.    500            "    "  25.  "
       5.               21.-25.    500            "    "  30.  "
                                                              usw.
       
       Wenn die  Umlaufszeit =  0, die  Umschlagsperiode also gleich der
       Arbeitsperiode, so ist die Anzahl der Umschläge gleich der Anzahl
       der Arbeitsperioden im Jahr. Bei fünfwöchentlicher Arbeitspetiode
       also 50/5  Wochen =  10, und  der Wert des umgeschlagnen Kapitals
       wäre = 500 x 10 = 5000. In der Tabelle, wo eine Umlaufszeit von 5
       Wochen angenommen,  werden jährlich  ebenfalls Waren zum Wert von
       5000 Pfd.St. produziert, wovon aber 1/10 = 500 Pfd.St. sich stets
       in Gestalt  von Warenkapital  befindet und erst nach 5 Wochen zu-
       rückfließt. Am  Ende des  Jahrs hat  dann das Produkt der zehnten
       Arbeitsperiode (46.-50. Arbeitswoche) seine Umschlagszeit nur zur
       Hälfte vollendet,  indem deren Umlaufszeit in die ersten 5 Wochen
       des nächsten Jahres fällt.
       Wir wollen noch ein drittes Beispiel nehmen: Arbeitsperiode 6 Wo-
       chen, Umlaufszeit 3 Wochen, wöchentlicher Vorschuß im Arbeitspro-
       zeß 100 Pfd.St.
       1. Arbeitsperiode: 1.-6. Woche. Am Ende der 6. Woche ein Warenka-
       pital von 600 Pfd.St., retourniert Ende der 9. Woche.
       2. Arbeitsperiode:  7.-12. Woche.  Während der  7.-9.  Woche  300
       Pfd.St. zuschüssiges  Kapital vorgeschossen.  Ende der  9.  Woche
       Rückfluß von  600 Pfd.St.  Davon 10.-12.  Woche vorgeschossen 300
       Pfd.St., am  Ende der  12. Woche also flüssig 300 Pfd.St., am Wa-
       renkapital vorhanden 600 Pfd.St., retourniert am Ende der 15. Wo-
       che.
       
       #265# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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       3. Arbeitsperiede: 13.-18. Woche. 13.-15. Woche Vorschuß der obi-
       gen 300 Pfd.St., dann Rückfluß von 600 Pfd.St., wovon 300 Pfd.St.
       vorgeschossen für  16.-18. Woche.  Am  Ende  der  18.  Woche  300
       Pfd.St. flüssig  in Geld;  600 Pfd.St. in Warenkapital vorhanden,
       das Ende der 21. Woche zurückfließt. (Siehe die eingehendere Dar-
       stellung dieses Falls unter II weiter unten.)
       Es werden  also in 9 Arbeitsperioden (= 54 Wochen) 600 x 9 = 5400
       Pfd.St. Ware  produziert. Am  Ende der neunten Arbeitsperiode be-
       sitzt der Kapitalist 300 Pfd.St. in Geld und 600 Pfd.St. in Ware,
       die ihre Umlaufszeit noch nicht zurückgelegt hat.
       Bei Vergleichung  dieser drei  Beispiele finden  wir erstens, daß
       nur beim zweiten Beispiel eine sukzessive Ablösung des Kapitals I
       von 500  Pfd.St. und  des Zuschußkapitals  II von  ebenfalls  500
       Pfd.St. stattfindet, so daß diese zwei Kapitalteile sich getrennt
       voneinander bewegen,  und zwar  nur deswegen,  weil hier die ganz
       ausnahmsweise Unterstellung  gemacht ist,  daß Arbeitsperiode und
       Umlaufszeit zwei  gleiche Hälften der Umschlagsperiode bilden. In
       allen andern Fällen, welches auch immer die Ungleichheit zwischen
       den beiden  Perioden der  Umschlagsperlode sei, durchkreuzen sich
       die Bewegungen  der beiden  Kapitale, wie  in Beispiel I und III,
       schon von der zweiten Umschlagsperiode an. Es bildet dann das zu-
       schüssige Kapital  II zusammen  mit einem Teil des Kapitals I das
       in der  zweiten Umschlagsperiode fungierende Kapital, während der
       Rest des  Kapitals I  für die ursprüngliche Funktion des Kapitals
       Il freigesetzt  wird. Das  während der Umlaufszeit des Warenkapi-
       tals tätige Kapital ist hier nicht identisch mit dem ursprünglich
       für diesen Zweck vorgeschoßnen Kapital II, aber es ist ihm gleich
       an Wert  und bildet dieselbe Aliquote des vorgeschoßnen Gesamtka-
       pitals.
       Zweitens: Das  Kapital, welches  während der  Arbeitsperiode fun-
       giert hat,  liegt während  der Umlaufszeit brach. Im zweiten Bei-
       spiel fungiert  das Kapital  während 5  Wochen Arbeitsperiode und
       liegt brach  während 5 Wochen Umlaufszeit. Die gesamte Zeit also,
       während deren  Kapital I  hier im  Verlauf des Jahres brachliegt,
       beträgt ein halbes Jahr. Für diese Zeit tritt dann das Zuschußka-
       pital II  ein, das also im vorliegenden Fall seinerseits auch ein
       halbes Jahr  brachliegt. Aber  das zuschüssige Kapital, erforder-
       lich, um  die Kontinuität  der Produktion während der Umlaufszeit
       zu bewirken,  ist nicht  bestimmt durch  den Gesamtumfang,  resp.
       durch die  Summe der  Umlaufszeiten innerhalb des Jahres, sondern
       nur durch  das Verhältnis  der Umlaufszeit  zur Umschlagsperiode.
       (Es ist hier natürlich vorausgesetzt, daß sämtliche Umschläge un-
       ter denselben Bedingungen
       
       #266# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       vorgehn.) Es  sind daher im Beispiel 11 500 Pfd.St. Zusatzkapital
       nötig, nicht  2500 Pfd.St.  Es rührt  dies einfach daher, daß das
       Zusatzkapitai ebensogut  in den  Umschlag eintritt,  wie das  ur-
       sprünglich vorgeschoßne,  und also ganz wie dieses durch die Zahl
       seiner Umschläge seine Muse ersetzt.
       Drittens: Ob  die Produktionszeit länger ist als die Arbeitszeit,
       ändert an  den hier  betrachteten Umständen nichts. Es werden da-
       durch allerdings  die Gesamtumchlagsperioden verlängert, aber we-
       gen dieses  verlängerten Umschlags wird kein zuschüssiges Kapital
       für den  Arbeitsprozeß erheischt. Das zuschüssige Kapital hat nur
       den Zweck,  die durch  die Umlaufszeit entstehenden Lücken im Ar-
       beitsprozeß auszufallen  es soll also die Produktion nur vor Stö-
       rungen schützen,  die aus der Umlaufszeit entspringen; Störungen,
       die aus  den eignen  Bedingungen der  Produktion entshn, sind auf
       andre, hier  nicht zu  betrachtende Weise, auszugleichen. Es gibt
       dagegen Geschäfte, in denen nur stoßweise auf Bestellung gearbei-
       tet wird,  wo also schen den Arbeitsperioden Unterbrechungen ein-
       treten können.  Bei solchen fällt die Notwendigkeit des zusätzli-
       chen Kapitals  pro tanto weg. Andrerseits ist in den meisten Fäl-
       len von  Saisonarbeit auch  eine gewisse  Grenze für die Zeit des
       Rückflusses gegeben.  Dieselbe Arbeit  kann mit demselben Kapital
       nächstes Jahr nicht erneuert werden, wenn inzwischen die Zirkula-
       tionszeit dieses  Kapitals nicht abgelaufen. Dagegen kann die Um-
       laufszeit auch kürzer sein als der Abstand von einer Produktions-
       periode bis zur nächsten. In diesem Fall liegt das Kapital brach,
       wenn es nicht inder Zwischenzeit anderweitig angewandt wird.
       Viertens: Das  für eine Arbeitsperiode vorgeschoßne Kapital, z.B.
       die 600  Pfd.St. im Beispiel III, werden teils in Roh- und Hilfs-
       stoffen ausgelegt,  in produktivem Vorrat fur die Arbeitsperiode,
       in konstantem  zirkulierendem Kapital,  teils in variablem zirku-
       lierendem Kapital,  in Zahlung der Arbeit selbst. Der in konstan-
       tem zirkulierendem Kapital ausgelegte Teil mag nicht für dieselbe
       Zeitlänge in der Form von produktivem Vorrat existieren, z.B. das
       Rohmatirial nicht für die ganze Arbeitsperiode daliegen, die Koh-
       len nur alle zwei Wochen beschafft werden. Indes - da hier Kredit
       noch ausgeschlossen  - muß  dieser Teil  des Kapitals,  soweit er
       nicht in  Form von produktivem Vorrat disponibel ist, in der Form
       von Geld disponibel bleiben, um nach Bedarf in produktiven Vorrat
       verwandelt zu  werden. Es ändert dies nichts an der Größe des für
       6 Wochen  vorgeschoßnen konstanten  zirkulierenden  Kapitalwerts.
       Dagegen - abgesehn von dem Geldvorrat für unvorhergesehene Ausga-
       ben, dem eigentlichen Reservefonds zur Ausgleichung von Störungen
       - wird der Arbeitslohn in kaum
       
       #267# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit
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       Perioden, meist wöchentlich gezahlt. Falls also nicht der Kapita-
       list den  Arbeiter zwingt, ihm längre Vorschüsse seiner Arbeit zu
       machen, muß  das für  Arbeitslohn nötige Kapital in Geldform vor-
       handen sein.  Beim Rückfluß  des Kapitals  muß also  ein Teil  in
       Geldform festgehalten  werden zur Zahlung der Arbeit, während der
       andre Teil in produktiven Vorrat ver wandelt werden kann.
       Das Zuschußkapital teilt sich ein ganz wie das ursprüngliche. Was
       es aber  von Kapital I unterscheidet, ist, daß es (von Kreditver-
       hältnissen abgesehn),  um für seine eigne Arbeitsperiode disponi-
       bel zu  sein, vorgeschossen  sein muß  schon während  der  ganzen
       Dauer der  ersten Arbeitsperiode  von Kapital  I, in die es nicht
       eingeht. Während dieser Zeit kann es, teilweise wenigstens, schon
       in konstantes  zirkulierendes Kapital  verwandelt werden, das für
       die ganze  Umschlagsperiode vorgeschossen  ist. Wieweit  es diese
       Form annimmt oder wieweit es in der Form von zuschüssigem Geldka-
       pital verharrt,  bis zum  Moment, wo  diese Verwandlung notwendig
       wird, wird  abhängen teils von den besondren Produktionsbedingun-
       gen bestimmter  Geschäftszweige, teils  von Lokalumständen, teils
       von Preisschwankungen  der Rohstoffe  etc. Das  gesellschaftliche
       Gesamtkapital betrachtet,  wird sich  stets ein  mehr oder minder
       bedeutender Teil  dieses zuschüssigen Kapitals für längre Zeit im
       Zustand des Geldkapitals befinden. Was dagegen den in Arbeitslohn
       vorzuschießenden Teil  des Kapitals II betrifft, so wird er stets
       erst allmählich  in Arbeitskraft  verwandelt im  Maß, wie kleinre
       Arbeitsperioden ablaufen  und bezahlt werden. Dieser Teil des Ka-
       pitals II  ist also für die ganze Dauer der Arbeitsperiode in der
       Form des  Geldkapitals vorhanden, bis er durch Verwandlung in Ar-
       beitskraft in die Funktion des produktiven Kapitals eingeht.
       Dies Hereinkommen des zur Verwandlung der Umlaufszeit von Kapital
       I in  Produktionszeit erheischten  Zuschußkapitals vermehrt  also
       nicht nur  die Größe des vorgeschoßnen Kapitals und die Länge der
       Zeit, wofür  das Gesamtkapital notwendig vorgeschossen wird, son-
       dern es vermehrt auch spezifisch den Teil des vorgeschoßnen Kapi-
       tals, der  als Geldvorrat  existiert, also  sich im  Zustand  von
       Geldkapital befindet  und die  Form von  potentiellem Geldkapital
       besitzt.
       Dies findet  ebenso statt  - sowohl, was den Vorschuß in der Form
       von produktivem Vorrat wie in der Form von Geldvorrat betrifft -,
       wenn die  durch die  Umlaufszeit erheischte Spaltung des Kapitals
       in zwei Teile: Kapital für die erste Arbeitsperiode und Ersatzka-
       pital für  die Umlaufszeit, nicht durch Vergrößrung des ausgeleg-
       ten Kapitals,  sondern durch  Verrnindrung der  Stufenleiter  der
       Produktion hervorgebracht ist. Im Verhältnis
       
       #268# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       zur Stufenleiter der Produktion wächst hier eher noch die Zunahme
       des in Geldform gebannten Kapitals.
       Was durch diese Verteilung des Kapitals in ursprünglich produkti-
       ves und  Zuschußkapital überhaupt  erreicht ist, ist die ununter-
       brochne  Aufeinanderfolge  der  Arbeitsperioden,  die  beständige
       Funktion eines  gleichgroßen Teils des vorgeschoßnen Kapitals als
       produktives Kapital.  Sehn wir  uns Beispiel II an. Das beständig
       im Produktionsprozeß  befindliche Kapital  ist 500 Pfd.St. Da die
       Arbeitsperiode =  5 Wochen,  arbeitet es  während 50  Wochen (als
       Jahr angenommen)  zehnmal. Das  Produkt beträgt daher auch, abge-
       sehn vom Mehrwert, 10 x 500 = 5000 Pfd.St. Vom Standpunkt des un-
       mittelbar und ununterbrochen im Produktionsprozeß arbeitenden Ka-
       pitals -  eines Kapitalwerts von 500 Pfd.St. - erscheint also die
       Umlaufszeit als  gänzlich ausgelöscht. Die Umschlagsperiode fällt
       en mit der Arbeitsperiode; die Umlaufszeit ist = 0 gesetzt.
       Wäre dagegen  das Kapital  von 500  Pfd.St. in seiner produktiven
       Tätigkeit regelmäßig  durch die Umlaufszeit von 5 Wochen gehemmt,
       so daß  es erst  wieder prodüktionsfähig wäre nach Beendigung der
       ganzen Umschlagsperiode  von 10  Wochen, so  hätten wir in den 50
       Jahreswochen 5  zehn wöchentliche Umschläge; darin 5 fünfwöchent-
       liche Produktionsperioden, also zusammen 25 Produktionswochen mit
       einem Gesamtprodukt  von 5 x 500 = 2500 Pfd.St.; 5 fünfwöchentli-
       che Umlaufszeiten,  also Gesamtumlaufszeit  ebenfalls 25  Wochen.
       Sagen wir  hier: Das Kapital von 500 Pfd.St. hat fünfmal im Jahre
       umgeschlagen, so  ist sichtbar  und klar,  daß während der Hälfte
       jeder Umschlagsperiode dies Kapital von 500 Pfd.St. gar nicht als
       produktives Kapital  fungiert hat  und daß, alles zusammengerech-
       net, es nur während eines halben Jahres fungiert hat, während des
       andern Halbjahrs aber gar nicht.
       In unserm  Beispiel tritt für die Dauer dieser fünf Umlaufszeiten
       das Ersatzkapital  von 500  Pfd.St. ein, und dadurch wird der Um-
       schlag von  2500 auf  5000 Pfd.St.  erhöht. Aber das vorgeschoßne
       Kapital ist  nun auch  1000 Pfd.St.  statt 500 Pfd.St. 5000 divi-
       diert durch  1000 ist  gleich 5.  Also statt  der zehn  Umschläge
       fünf. So  wird denn auch in der Tat gerechnet. Aber indem es dann
       heißt, das  Kapital von  1000 Pfd.St.  hat fünfmal  im Jahr umge-
       schlagen, verschwindet in den hohlen Kapitalistenschädeln die Er-
       innerung an  die Umlaufszeit, und eine konfuse Vorstellung bildet
       sich, als  ob dies Kapital während der sukzessiven fünf Umschläge
       beständig im  Produktionsprozeß fungiert  habe. Sagen  wir  aber,
       dies Kapital  von 1000  Pfd.St. hat  fünfmal umgeschlagen, so ist
       darin sowohl Umlaufszeit wie Produktionszeit
       
       #269# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
       -----
       eingeschlossen. In  der Tat,  wären wirklich 1000 Pfd.St. im Pro-
       duktionsprozeß fortwährend  tätig gewesen,  so müßte  das Produkt
       unter unsern  Voraussetzungen 10000  Pfd.St. statt  5000 sein. Um
       aber 1000 Pfd.St. fortwährend im Produktionsprozeß zu haben, müß-
       ten dann auch 2000 Pfd.St. überhaupt vorgeschossen sein. Die Öko-
       nomen, bei denen überhaupt nichts Klares über den Mechanismus des
       Umschlags zu  finden, übersehn  fortwährend dies Hauptmoment, daß
       stets nur ein Teil des industriellen Kapitals tatsächlich im Pro-
       duktionsprozeß engagiert  sein kann, wenn die Produktion ununter-
       brochen vorangen  soll. Während der eine Teil sich in der Produk-
       tionsperiode, muß stets ein andrer Teil sich in der Zirkulations-
       perlode befinden.  Oder mit andern Worten, der eine Teil kann nur
       als produktives  Kapital fungieren  unter der  Bedingung, daß ein
       andrer Teil in der Form von Waren- oder Geldkapital der eigentli-
       chen Produktion  entzogen bleibt.  Indem dies übersehn wird, wird
       überhaupt die Bedeutung und Rolle des Geldkapitals übersehn.
       Wir haben  jetzt zu  untersuchen, welche  Verschiedenheit im  Um-
       schlag sich  herausstellt, je  nachdem die  beiden Abschnitte der
       Umschlagsperiode Arbeitsperiode  und Zirkulationsperlode - einan-
       der gleich  sind, oder die Arbeitsperiode größer oder kleiner als
       die Zirkulationsperiode ist, und ferner, wie dies auf die Bindung
       von Kapital in der Form Geldkapital wirkt.
       Wir nehmen an, daß das wöchentlich vorzuschießende Kapital in al-
       len Fällen  100 Pfd.St.  und die  Umschlagsperiode 9  Wochen sei,
       also das  für jede Umschlagsperiode vorzuschießende Kapital = 900
       Pfd.St.
       
       I. Arbeitsperiode gleich der Zirkulationsperiode
       
       Dieser Fall, obgleich in der Wirklichkeit nur zufällige Ausnahme,
       muß als  Ausgangspunkt für  die Betrachtung dienen, weil hier die
       Verhältnisse sich  am einfachsten  und handgreiflichsten darstel-
       len.
       Die zwei  Kapitale (Kapital  I, das  für die erste Arbeitsperiode
       vorgeschossen, und  Zusatzkapital II,  das während der Zirkulati-
       onsperiode von Kapital I fungiert) lösen sich in ihren Bewegungen
       ab, ohne  sich zu  durchkreuzen. Mit  Ausnahme der ersten Periode
       ist daher  auch jedes der beiden Kapitale nur für seine eigne Um-
       schlagsperiode vorgeschossen.  Die Umschlagsperiode  sei, wie  in
       den folgenden  Beispielen, 9  Wochen, Arbeitsperiode und Urnlauf-
       speriode also  je 4  1/2 Woche.  Dann haben wir folgendes Jahres-
       schema:
       
       #270# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
                                Tabelle 1
                                Kapital I
       
                Umschlags-  Arbeitsperioden  Vorschuß  Zirkulations-
                perioden    Woche            Pfd.St.   perioden
                Woche                                  Woche
         I.      1. -  9.    1. -  4 1/2      450      4 1/2. -  9.
        II.     10. - 18.   10. - 13 1/2.     450     13 1/2. - 18.
       III.     19. - 27.   19. - 22 1/2.     450     22 1/2. - 27.
        IV.     28. - 36.   28. - 31 1/2.     450     31 1/2. - 36.
         V.     37. - 45.   37. - 40 1/2.     450     40 1/2. - 45.
        VI.     46. -(54.)  46. - 49 1/2.     450     49 1/2. -(54.) 31)
       
                                Kapital II
       
                Umschlags-  Arbeitsperioden  Vorschuß  Zirkulations-
                perioden    Woche            Pfd.St.   perioden
                Woche                                  Woche
         I.  4 1/2.-13 1/2.    4 1/2.- 9.     450     10.-13 1/2.
        II. 13 1/3.-22 1/2.   13 1/2.-18.     450     19.-22 1/2.
       III. 22 1/2.-31 1/2.   22 1/2.-27.     450     28.-31 1/2.
        IV. 31 1/2.-40 1/2.   31 1/2.-36.     450     37.-40 1/2.
         V. 40 1/2.-49 1/2    40 1/2.-45.     450     46.-49 1/2.
        VI. 49 1/2.-(58 1/2.) 49 1/2-(54.)    450    (55.-58 1/2.)
       
       Innerhalb der  51 Wochen, die wir hier als Jahr annehmen, hat Ka-
       pital I  sechs volle Arbeitsperioden absolviert, also für 6 x 450
       = 2700 Pfd.St., und Kapital II in fünf vollen Arbeitsperioden für
       5 x  450 =  2250 Pfd.St. Waren produziert. Dazu hat Kapital II in
       den letzten  1/2 Wochen des Jahrs (Mitte der 50. bis Ende der 51.
       Woche) noch  für 150  Pfd.St. produziert  Gesamtprodukt in 51 Wo-
       chen: 5100 Pfd.St. In bezug auf unmittelbare Produktion von Mehr-
       wert, der  nur während  der Arbeitsperiode produziert wird, hätte
       das Gesamtkapital  von 900 Pfd.St. also 5 2/3 mal umgeschlagen (5
       2/3 x  900 = 5100 Pfd.St.). Aber wenn wir den wirklichen Umschlag
       betrachten, so  hat Kapital  I 5  2/3 mal  umgeschlagen, da es am
       Ende der  5 1. Woche noch 3 Wochen seiner sechsten Umschlagsperi-
       ode zu  absolvieren hat;  5 2/3 x 450 = 2550 Pfd.St.; und Kapital
       II 5 1/6 mal, da es erst 1 1/2 Woche seiner sechsten Umschlagspe-
       riode vollendet hat, also noch 7 1/2 Woche davon ins nächste Jahr
       fallen; 5/6  x 450  = 2325  Pfd. St.; wirklicher Gesamtumschlag =
       4875 Pfd.St.
       ---
       31) Die  in das  zweite Umschlagsjahr  fallenden Wochen  sind  in
       Klammern gesetzt.
       
       #271# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
       -----
       Betrachten wir  Kapital I  und Kapital  II als zwei gegeneinander
       ganz selbständige  Kapitale. In  ihren Bewegungen  sind sie  ganz
       selbständig; diese  Bewegungen ergänzen  sich nur,  weil ihre Ar-
       beits- und Zirkulationsperioden einander direkt ablösen. Sie kön-
       nen als zwei ganz unabhängige, verschiednen Kapitalisten gehörige
       Kapitale betrachtet werden.
       Das Kapital I hat fünf vollständige und zwei Drittel seiner sech-
       sten Umschlagsperlode  zurückgelegt. Es befindet sich am Ende des
       Jahres in  der Form  von Warenkapital, dem zu seiner normalen Re-
       alisierung noch  3 Wochen  erforderlich sind. Während dieser Zeit
       kann es  nicht in  den Produktionsprozeß eingehn. Es fungiert als
       Warenkapital: es  zirkuliert. Von seiner letzten Umschlagsperiode
       hat es nur 2/3 zurückgelegt. Dies wird so ausgedrückt: es hat nur
       2/3 mal  umgeschlagen, nur  2/3 seines  Gesamtwerts  haben  einen
       vollständigen Umschlag zurückgelegt. Wir sagen: 450 Pfd.St. legen
       ihren Umschlag  in 9 Wochen zurück, also 300 Pfd.St. in 6 Wochen.
       Bei dieser  Ausdrucksweise werden  die  organischen  Verhältnisse
       zwischen den beiden spezifisch verschiednen Bestandteilen der Um-
       schlagszeit vernachlässigt. Der exakte Sinn davon, daß das vorge-
       schoßne Kapital von 450 Pfd.St. 5 2/3 Umschläge gemacht, ist nur,
       daß es  fünf Umschläge ganz und vom sechsten nur 2/3 zurückgelegt
       hat. Dagegen  hat der  Ausdruck, daß das umgeschlagne Kapital = 5
       2/3 mal  das vorgeschoßne  Kapital, also im obigen Fall = 5 2/3 x
       450 Pfd.St.  = 2550 Pfd.St., das Richtige, daß, wenn dies Kapital
       von 450  Pfd.St. nicht  ergänzt wäre durch ein andres Kapital von
       450 Pfd.St., in der Tat ein Teil davon sich im Produktionsprozeß,
       ein andrer  im Zirkulationsprozeß  befinden müßte.  Soll die  Um-
       schlagszeit in  der Masse  des umgeschlagnen Kapitals ausgedrückt
       werden, so  kann sie immer nur in einer Masse von vorhandnem Wert
       (in der  Tat von  fertigem Produkt)  ausgedrückt werden.  Der Um-
       stand, daß  das vorgeschoßne  Kapital sich nicht in einem Zustand
       befindet, worin es den Produktionsprozeß von neuem eröffnen kann,
       druckt sich  darin aus,  daß nur ein Teil davon sich im produkti-
       onsfähigen Zustand  befindet, oder daß, um sich im Zustand konti-
       nuierlicher Produktion  zu befinden,  das Kapital  geteilt werden
       müßte in einen Teil, der sich beständig in der Produktionsperiode
       und einen  andern Teil, der sich beständig in der Zirkulationspe-
       riode befände, je nach dem Verhältnis dieser Perioden zueinander.
       Es ist  dasselbe Gesetz, das die Masse des beständig fungierenden
       produktiven Kapitals  bestimmt durch  das Verhältnis der Umlaufs-
       zeit zur Umschlagszeit.
       Von Kapital  II sind  Ende der  51. Jahreswoche, die wir hier als
       Jahresschluß annehmen,  vorgeschossen 150  Pfd.St. in der Produk-
       tion von  unfertigem Produkt.  Ein fernerer Teil befindet sich in
       der Form von flüssigem
       
       #272# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
       -----
       konstantem Kapital  - Rohstoff  etc. -, d.h. in einer Form, worin
       es als  produktives Kapital  im Produktionsprozeß fungieren kann.
       Aber ein dritter Teil befindet sich in Geldform, nämlich zum min-
       desten der  Betrag des Arbeitslohns für den Rest der Arbeitsperi-
       ode (3  Wochen), der aber erst Ende jeder Woche bezahlt wird. Ob-
       gleich nun  dieser Teil  des Kapitals  am Anfang des neuen Jahrs,
       also eines neuen Umschlagszyklus, sich nicht in der Form von pro-
       duktivem Kapital befindet, sondern in der von Geldkapital, in der
       es nicht  in den Produktionsprozeß eingehn kann, so befindet sich
       dennoch bei Eröffnung des neuen Umschlags flüssiges variables Ka-
       pital, d.h.  lebendige Arbeitskraft,  im Produktionsprozeß tätig.
       Diese Erscheinung  kommt daher,  daß die Arbeitskraft zwar am An-
       fang der  Arbeitsperiode, sage per Woche, gekauft und verbraucht,
       aber erst  Ende der  Woche gezahlt  wird. Das Geld wirkt hier als
       Zahlungsmittel. Es  befindet sich  daher einerseits als Geld noch
       in der  Hand des  Kapitalisten, während  andrerseits die Arbeits-
       kraft, die Ware, worin es umgesetzt wird, sich schon im Produkti-
       onsprozeß tätig  befindet, derselbe Kapitalwert hier also doppelt
       erscheint
       Betrachten wir bloß die Arbeitsperioden, so hat
       
       Kapital I  produziert   6     x 450 = 2700 Pfd.St.
         "     II     "        5 1/3 x 450 = 2400  "  "
                               ---------------------------
       also zusammen           5 2/3 x 900 = 5100 Pfd.St.
       
       Das vorgeschoßne Gesamtkapital von 900 Pfd.St. hat also 5 2/3 mal
       im Jahr als produktives Kapital fungiert. Ob stets 450 Pfd.St. im
       Produktionsprozeß und stets 450 Pfd.St. im Zirkulationsprozeß ab-
       wechselnd, oder ob 900 Pfd.St. während je 4 1/2 Wochen im Produk-
       tionsprozeß und  während der folgenden 4 1/2 Wochen im Zirkulati-
       onsprozeß fungieren,  ist für  die Produktion von Mehrwert einer-
       lei.
       Betrachten wir dagegen die Umschlagsperioden, so hat
       
                   Kapital I  5 2/3  x 450 = 2550 Pfd.St.
                     "     II 5 1/6  x 450 = 2325  "  "
                              ---------------------------
       also das Gesamtkapital 5 5/12 x 900 = 4875 Pfd.St.
       
       umgeschlagen. Denn der Umschlag des Gesamtkapitals ist gleich der
       Summe der von I und II umgeschlagnen Beträge, dividiert durch die
       Summe von  I und  II. Es  ist zu  bemerken, daß Kapital I und II,
       wenn sie  selbständig gegeneinander  wären, doch  nur verschiedne
       selbständige Teile des in derselben
       
       #273# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit
       -----
       Produktionssphäre vorgeschoßnen  gesellschaftlichen Kapitals bil-
       den würden. Bestände also das gesellschaftliche Kapital innerhalb
       dieser Produktionssphäre  nur aus  I und II, so würde für den Um-
       schlag des  gesellschaftlichen Kapitals in dieser Sphäre dieselbe
       Rechnung gelten,  die hier  für die  beiden Bestandteile I und II
       desselben Privatkapitals  gilt. Weiter  ausgedehnt kann  jeder in
       einer besondern Produktionssphäre angelegte Teil des gesamten Ge-
       sellschaftskapitals so berechnet werden. Schließlich aber ist die
       Umschlagszahl des gesamten gesellschaftlichen Kapitals gleich der
       Summe des  in den  verschiednen Produktionssphären  umgeschlagnen
       Kapitals, dividiert  durch die  Summe des  in diesen Produktions-
       sphären vorgeschoßnen  Kapitals. Es  ist ferner zu bemerken, daß,
       wie hier in demselben Privatgeschäft die Kapitale I und II, genau
       genommen, verschiedne  Umschlagsjahre haben (indem der Umschlags-
       zyklus von  Kapital II 4 1/2 Woche später beginnt als der von Ka-
       pital I,  das Jahr von I daher 4 1/2 Woche früher abläuft als das
       von II),  so auch  die verschiednen  Privatkapitale in  derselben
       Produktionssphäre ihre  Geschäfte in  ganz  verschiednen  Zeitab-
       schnitten beginnen  und ihren  Jahresumschlag daher  auch zu ver-
       schiednen Zeiten  im Jahr  vollenden. Dieselbe Durchschnittsrech-
       nung, die  wir oben für I und II anwandten, reicht auch hier aus,
       um die  Umschlagsjahre der  verschiednen selbständigen  Teile des
       gesellschaftlichen Kapitals  auf ein  einheitliches Umschlagsjahr
       zu reduzieren.
       

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