Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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FÜNFZEHNTES KAPITEL
Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe des Kapitalvorschusses
In diesem und dem nächstfolgenden sechzehnten Kapitel behandeln
wir den Einfluß der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapi-
tals.
Nehmen wir das Warenkapital, welches das Produkt einer Arbeitspe-
riode ist, z.B. von neun Wochen. Sehn wir einstweilen ab sowohl
von dem Wertteil des Produkts, der ihm durch den Durchschnitts-
verschleiß des fixen Kapitals zugesetzt ist, wie von dem während
des Produktionsprozesses ihm zugesetzten Mehrwert, so ist der
Wert dieses Produkts gleich dem Wert des zu seiner Produktion
vorgeschoßnen flüssigen Kapitals, d.h. des Arbeitslohns und der
in seiner Produktion aufgezehrten Roh- und Hilfsstoffe. Dieser
Wert sei = 900 Pfd.St., so daß die Wochenauslage 100 Pfd.St. be-
trägt. Die periodische Produktionszeit, welche hier mit der Ar-
beitsperiode zusammenfällt, beträgt also 9 Wochen. Es ist dabei
gleichgültig, ob man annimmt, es handle sich hier um eine Ar-
beitsperiode für ein kontinuierliches Produkt oder um eine konti-
nuierliche Arbeitsperiode für ein diskretes Produkt, sofern nur
das Quantum von diskretem Produkt, welches auf einmal zu Markte
geschafft wird, 9 Wochen Arbeit kostet. Die Umlaufszeit daure 3
Wochen. Die ganze Umschlagsperiode daure also 12 Wochen. Nach
Verlauf von 9 Wochen ist das vorgeschoßne produktive Kapital in
Warenkapital verwandelt, aber es haust nun drei Wochen in der
Zirkulationsperiode. Der neue Produktionstermin kann also erst
wieder beginnen Anfang der 13. Woche, und die Produktion wäre für
drei Wochen stillgesetzt oder für ein Viertel der ganzen Um-
schlagsperiode. Es ist wieder gleichgültig, ob man voraussetzt,
es daure im Durchschnitt so lange bis die Ware verkauft ist oder
es sei diese Zeit durch die Entfernung des Markts bedingt oder
durch die Zahlungstermine für die verkaufte Ware. Während je 3
Monaten stände die Produktion 3 Wochen still, also während des
Jahres 4 x 3 = 12 Wochen = 3 Monaten = 1/4 der jährlichen Um-
schlagsperiode.
#261# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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Soll die Produktion daher kontinuierlich sein und Woche aus, Wo-
che ein auf demselben Maßstab betrieben werden, so ist nur zwei-
erlei möglich.
Entweder muß der Maßstab der Produktion verkürzt werden, so daß
also die 900 Pfd.St. reichen, um die Arbeit in Gang zu halten,
sowohl während der Arbeitriode wie während der Umlaufszeit des
ersten Umschlags. Mit der 10. Woche wird dann eine zweite Ar-
beitsperiode, also auch Umschlagsperiode, eröffnet, bevor die er-
ste Umschlagsperiode beendet ist, denn die Umschlagsperiode ist
zwölfwöchentlich, die Arbeitsperiode neun. wöchentlich. 900 Pfd.
St. auf 12 Wochen verteilt gibt 75 Pfd.St. wöchentlich. Zunächst
ist klar, daß eine solche verkürzte Stufenleiter des Geschäfts
veränderte Dimensionen des fixen Kapitals, also überhaupt eine
verkürzte Geschäftsanlage voraussetzt. Zweitens ist es fraglich,
ob diese Verkürzung überhaupt stattfinden kann, da der Entwick-
lung der Produktion in den verschiednen Geschäften gemäß ein Nor-
malminimum der Kapitalanlage besteht, unterhalb dessen das ein-
zelne Geschäft konkurrenzunfähig wird. Dies Normalminimum selbst
wächst beständig mit der kapitalistischen Entwicklung der Produk-
tion, ist also kein fixes. Zwischen dem jedesmal gegebnen Normal-
minimum und dem sich stets ausdehnenden Norrnalmaximum finden
aber zahlreiche Zwischenstufen statt - eine Mitte, die sehr ver-
schiedne Grade der Kapitalanlage zuläßt. Innerhalb der Grenzen
dieser Mitte kann daher auch Verkürzung stattfinden, deren Grenze
das jedesmalige Normalminimum selbst ist. - Bei Hemmung der Pro-
duktion, Überfüllung der Märkte, Teurung des Rohstoffs etc. fin-
det Beschränkung der normalen Auslage von zirkulierendem Kapital
bei gegebner Grundlage des fixen Kapitals statt durch Beschrän-
kung der Arbeitszeit, indem z.B. nur halbe Tage gearbeitet wird;
wie ebenso in Zeiten der Prosperität auf gegebner Grundlage des
fixen Kapitals anormale Ausdehnung des zirkulierenden Kapitals
stattfindet, teils durch Verlängrung der Arbeitszeit, teils durch
Intensifikation derselben. Bei Geschäften, die von vornherein auf
solche Schwankungen berechnet sind, hilft man sich teils durch
die obigen Mittel, teils durch die gleichzeitige Anwendung einer
größeren Arbeiteranzahl, verbunden mit Anwendung von Reserve-Fix-
kapital, z.B. Reservelokomotiven bei der Eisenbahn etc. Solche
anormalen Schwankungen bleiben aber hier, wo wir normale Verhält-
nisse voraussetzen, außer Betracht.
Um die Produktion kontinuierlich zu machen, ist also hier die
Ausgabe desselben zirkulierenden Kapitals über eine größre Zeit-
länge verteilt, über 12 Wochen statt über 9. In jedem gegebnen
Zeitabschnitt fungiert also ein verkürztes produktives Kapital;
der flüssige Teil des produktiven Kapitals ist verkürzt von 100
auf 75 oder um ein Viertel. Die Gesamtsumme, um welche
#262# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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das während der Arbeitsperiode von 9 Wochen fungierende produk-
tive Kapital verkürzt wird, ist = 9 x 25 = 225 Pfd.St., oder 1/4
von 900Pfd.St. Aber das Verhältnis der Umlaufszeit zur Um-
schlagsperiode ist ebenfalls 3/12 = 1/4. Es folgt daher: Soll die
Produktion nicht unterbrochen werden während der Umlaufszeit des
in Warenkapital verwandelten produktiven Kapitals, soll sie viel-
mehr gleichzeitig und kontinuierlich Woche für Woche fortgesetzt
werden, und ist hierfür kein besondres zirkulierendes Kapital ge-
geben, so kann dies nur erreicht werden durch Vermindrung des
Produktionsbetriebs, durch Verkürzung des flüssigen Bestandteils
des fungierenden produktiven Kapitals. Der so für die Produktion
während der Umlaufszeit freigesetzte flüssige Kapitalteil verhält
sich zum vorgeschoßnen flüssigen Gesamtkapital wie die Umlaufs-
zeit zur Umschlagsperlode. Es gilt dies, wie bereits bemerkt, nur
für Produktionszweige, in denen der Arbeitsprozeß Woche ein, Wo-
che aus, auf derselben Stufenleiter ausgeführt wird, wo also
nicht zu verschiednen Arbeitsperioden wechselnde Kapitalsummen
auszulegen sind, wie in der Agrikultur.
Nehmen wir aber umgekehrt an, die Anlage des Geschäfts schließen
eine Verkürzung der Stufenleiter der Produktion und daher auch
des wöchentlich vorzuschießenden flüssigen Kapitals aus, so kann
die Kontinuität der Produktion nur erreicht werden durch ein zu-
schüssiges flüssiges Kapital, im obigen Fall von 300 Pfd.St. Wäh-
rend der Umschlagsperiode von 12 Wochen werden sukzessive 1200
Pfd.St. vorgeschossen, davon 300 der vierte Teil, wie 3 Wochen
von 12. Nach der Arbeitsperiode von 9 Wochen ist der Kapitalwert
von 900 Pfd.St. aus der Form von produktivem Kapital in die Form
von Warenkapital verwandelt. Seine Arbeitsperiode ist beschlos-
sen, aber sie kann nicht mit demselben Kapital erneuert werden.
Während der drei Wochen, worin es die Zirkulationssphäre behaust,
als Warenkapital fungiert, befindet es sich mit Bezug auf den
Produktionsprozeß in demselben Zustand, als wenn es überhaupt
nicht existierte. Es wird hier von allen Kreditverhältnissen ab-
gesehn und daher unterstellt, daß der Kapitalist nur mit eignem
Kapital wirtschaftet. Während aber das für die erste Arbeitsperi-
ode vorgeschoßne Kapital, nach vollbrachtem Produktionsprozeß,
sich während 3 Wochen im Zirkulationsprozeß aufhält, fungiert ein
zuschüssig ausgelegtes Kapital von 300 Pfd.St., so daß die Konti-
nuität der Produktion nicht unterbrochen wird. Es ist nun hierbei
folgendes zu bemerken: Erstens: Die Arbeitsperiode des zuerst
vorgeschoßnen Kapitals von 900 Pfd.St. ist beendet nach 9 Wochen,
und es fließt zurück nicht vor 3 Wochen, also erst im Beginn der
13. Woche. Aber eine neue Arbeitsperiode
#263# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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wird sofort wieder eröffnet mit dem zuschüssigen Kapital von 300
Pfd.St. Eben dadurch ist die Kontinuität der Produktion herge-
stellt. Zweitens: Die Funktionen des ursprünglichen Kapitals von
900 Pfd.St. und des am Schluß der ersten Arbeitriode von 9 Wochen
neu zugeschoßnen Kapitals von 300 Pfd.St., das die zweite Ar-
beitsperiode nach Schluß der ersten ohne Unterbrechung eröffnet,
sind in der ersten Umschlagsperiode genau geschieden, oder können
es wenigstens sein, während sie dagegen im Verlauf der zweiten
Umschlagsperiode einander durchkreuzen.
Stellen wir uns die Sache sinnlich vor.
Erste Umsch6gsperiode von 12 Wochen. Erste Arbeitsperiode von 9
Wochen; der Umschlag des hier vorgeschoßnen Kapitals wird vollen-
det im Anfang der 13. Woche. Während der letzten 3 Wochen fun-
giert du zusätzliche Kapital von 300 Pfd.St. und eröffnet die
zweite Arbeitsperiode von 9 Wochen.
Zweite Umschlagsperiode. Anfang der 13. Woche sind 900 Pfd.St.
zurückgeflossen und fähig, einen neuen Umschlag zu beginnen. Aber
die zweite Arbeitsperiode ist bereits durch die zuschüssigen 300
Pfd.St. in der 10. Woche eröffnet worden; im Beginn der 13. Woche
ist durch dasselbe bereits ein Drittel der Arbeitsperiode vollen-
det, 300 Pfd.St. aus produktivem Kapital in Produkt verwandelt.
Da nur noch 6 Wochen zur Beendigung der zweiten Arbeitsperiode
nötig, können nur zwei Drittel des zurückgefloßnen Kapitals von
900 Pfd.St., nämlich nur 600 Pfd.St., in den Produktionsprozeß
der zweiten Arbeitsperiode eingehn. 300 Pfd.St. sind freigesetzt
von den ursprünglichen 900 Pfd.St., um dieselbe Rolle zu spielen,
welche du zugeschoßne Kapital von 300 Pfd.St. in der ersten Ar-
beitsperiode spielte. Ende der 6. Woche der zweiten Umschlagspe-
riode ist die zweite Arbeitsperiode absolviert. Das in ihr ausge-
legte Kapital von 900 Pfd.St. fließt zurück nach 3 Wochen, also
Ende der 9. Woche der zweiten zwölfwöchentlichen Umwschlagsperi-
ode. Während der 3 Wochen seiner Umlaufszeit tritt ein das frei-
gesetzte Kapital von 300 Pfd.St. Damit beginnt die dritte Ar-
beitsperiode eines Kapitals von 900 Pfd.St. in der 7. Woche der
zweiten Umschlagsperiode oder der 19. Jahreswoche.
Dritte Umschlagsperiode. Ende der 9. Woche der zweiten Um-
schlagsperiode neuer Rückfluß von 900 Pfd.St. Aber die dritte Ar-
beitsperiode hat bereits begonnen in der 7. Woche der vorigen Um-
schlagsperiode, und 6 Wochen sind bereits zurückgelegt. Sie dau-
ert also nur noch 3 Wochen. Von den zurückgefloßnen 900 Pfd.St.
gehn also nur 300 Pfd.St. in den Produktionsprozeß ein. Die
vierte Arbeitsperiode füllt die übrigen 9 Wochen
#264# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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dieser Umschlagsperiode aus, und so beginnt mit der 37. Woche des
Jahres gleichzeitig die vierte Umschlagsperiode und die fünfte
Arbeitspetiode.
Um den Fall für die Berechnung zu vereinfachen, wollen wir anneh-
men: Arbeitsperiode 5 Wochen, Umlaufszeit 5 Wochen, also Um-
schlagspetiode von 10 Wochen-, das Jahr zu 50 Wochen gerechnet,
Kapitalauslage per Woche 100 Pfd.St. Die Arbeitsperiode erfordert
also ein flüssiges Kapital von 500 Pfd.St., und die Umlaufszeit
ein zuschüssiges Kapital von fernern 500 Pfd.St. Arbeitsperioden
und Umschlagszeiten stellen sich dann wie folgt:
Arbeitsperiode Woche Pfd.St. Ware retourniert
1. 1.- 5. 500 Ende der 10. Woche
2. 6.-10. 500 " " 15. "
3. 11.-15. 500 " " 20. "
4. 16.-20. 500 " " 25. "
5. 21.-25. 500 " " 30. "
usw.
Wenn die Umlaufszeit = 0, die Umschlagsperiode also gleich der
Arbeitsperiode, so ist die Anzahl der Umschläge gleich der Anzahl
der Arbeitsperioden im Jahr. Bei fünfwöchentlicher Arbeitspetiode
also 50/5 Wochen = 10, und der Wert des umgeschlagnen Kapitals
wäre = 500 x 10 = 5000. In der Tabelle, wo eine Umlaufszeit von 5
Wochen angenommen, werden jährlich ebenfalls Waren zum Wert von
5000 Pfd.St. produziert, wovon aber 1/10 = 500 Pfd.St. sich stets
in Gestalt von Warenkapital befindet und erst nach 5 Wochen zu-
rückfließt. Am Ende des Jahrs hat dann das Produkt der zehnten
Arbeitsperiode (46.-50. Arbeitswoche) seine Umschlagszeit nur zur
Hälfte vollendet, indem deren Umlaufszeit in die ersten 5 Wochen
des nächsten Jahres fällt.
Wir wollen noch ein drittes Beispiel nehmen: Arbeitsperiode 6 Wo-
chen, Umlaufszeit 3 Wochen, wöchentlicher Vorschuß im Arbeitspro-
zeß 100 Pfd.St.
1. Arbeitsperiode: 1.-6. Woche. Am Ende der 6. Woche ein Warenka-
pital von 600 Pfd.St., retourniert Ende der 9. Woche.
2. Arbeitsperiode: 7.-12. Woche. Während der 7.-9. Woche 300
Pfd.St. zuschüssiges Kapital vorgeschossen. Ende der 9. Woche
Rückfluß von 600 Pfd.St. Davon 10.-12. Woche vorgeschossen 300
Pfd.St., am Ende der 12. Woche also flüssig 300 Pfd.St., am Wa-
renkapital vorhanden 600 Pfd.St., retourniert am Ende der 15. Wo-
che.
#265# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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3. Arbeitsperiede: 13.-18. Woche. 13.-15. Woche Vorschuß der obi-
gen 300 Pfd.St., dann Rückfluß von 600 Pfd.St., wovon 300 Pfd.St.
vorgeschossen für 16.-18. Woche. Am Ende der 18. Woche 300
Pfd.St. flüssig in Geld; 600 Pfd.St. in Warenkapital vorhanden,
das Ende der 21. Woche zurückfließt. (Siehe die eingehendere Dar-
stellung dieses Falls unter II weiter unten.)
Es werden also in 9 Arbeitsperioden (= 54 Wochen) 600 x 9 = 5400
Pfd.St. Ware produziert. Am Ende der neunten Arbeitsperiode be-
sitzt der Kapitalist 300 Pfd.St. in Geld und 600 Pfd.St. in Ware,
die ihre Umlaufszeit noch nicht zurückgelegt hat.
Bei Vergleichung dieser drei Beispiele finden wir erstens, daß
nur beim zweiten Beispiel eine sukzessive Ablösung des Kapitals I
von 500 Pfd.St. und des Zuschußkapitals II von ebenfalls 500
Pfd.St. stattfindet, so daß diese zwei Kapitalteile sich getrennt
voneinander bewegen, und zwar nur deswegen, weil hier die ganz
ausnahmsweise Unterstellung gemacht ist, daß Arbeitsperiode und
Umlaufszeit zwei gleiche Hälften der Umschlagsperiode bilden. In
allen andern Fällen, welches auch immer die Ungleichheit zwischen
den beiden Perioden der Umschlagsperlode sei, durchkreuzen sich
die Bewegungen der beiden Kapitale, wie in Beispiel I und III,
schon von der zweiten Umschlagsperiode an. Es bildet dann das zu-
schüssige Kapital II zusammen mit einem Teil des Kapitals I das
in der zweiten Umschlagsperiode fungierende Kapital, während der
Rest des Kapitals I für die ursprüngliche Funktion des Kapitals
Il freigesetzt wird. Das während der Umlaufszeit des Warenkapi-
tals tätige Kapital ist hier nicht identisch mit dem ursprünglich
für diesen Zweck vorgeschoßnen Kapital II, aber es ist ihm gleich
an Wert und bildet dieselbe Aliquote des vorgeschoßnen Gesamtka-
pitals.
Zweitens: Das Kapital, welches während der Arbeitsperiode fun-
giert hat, liegt während der Umlaufszeit brach. Im zweiten Bei-
spiel fungiert das Kapital während 5 Wochen Arbeitsperiode und
liegt brach während 5 Wochen Umlaufszeit. Die gesamte Zeit also,
während deren Kapital I hier im Verlauf des Jahres brachliegt,
beträgt ein halbes Jahr. Für diese Zeit tritt dann das Zuschußka-
pital II ein, das also im vorliegenden Fall seinerseits auch ein
halbes Jahr brachliegt. Aber das zuschüssige Kapital, erforder-
lich, um die Kontinuität der Produktion während der Umlaufszeit
zu bewirken, ist nicht bestimmt durch den Gesamtumfang, resp.
durch die Summe der Umlaufszeiten innerhalb des Jahres, sondern
nur durch das Verhältnis der Umlaufszeit zur Umschlagsperiode.
(Es ist hier natürlich vorausgesetzt, daß sämtliche Umschläge un-
ter denselben Bedingungen
#266# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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vorgehn.) Es sind daher im Beispiel 11 500 Pfd.St. Zusatzkapital
nötig, nicht 2500 Pfd.St. Es rührt dies einfach daher, daß das
Zusatzkapitai ebensogut in den Umschlag eintritt, wie das ur-
sprünglich vorgeschoßne, und also ganz wie dieses durch die Zahl
seiner Umschläge seine Muse ersetzt.
Drittens: Ob die Produktionszeit länger ist als die Arbeitszeit,
ändert an den hier betrachteten Umständen nichts. Es werden da-
durch allerdings die Gesamtumchlagsperioden verlängert, aber we-
gen dieses verlängerten Umschlags wird kein zuschüssiges Kapital
für den Arbeitsprozeß erheischt. Das zuschüssige Kapital hat nur
den Zweck, die durch die Umlaufszeit entstehenden Lücken im Ar-
beitsprozeß auszufallen es soll also die Produktion nur vor Stö-
rungen schützen, die aus der Umlaufszeit entspringen; Störungen,
die aus den eignen Bedingungen der Produktion entshn, sind auf
andre, hier nicht zu betrachtende Weise, auszugleichen. Es gibt
dagegen Geschäfte, in denen nur stoßweise auf Bestellung gearbei-
tet wird, wo also schen den Arbeitsperioden Unterbrechungen ein-
treten können. Bei solchen fällt die Notwendigkeit des zusätzli-
chen Kapitals pro tanto weg. Andrerseits ist in den meisten Fäl-
len von Saisonarbeit auch eine gewisse Grenze für die Zeit des
Rückflusses gegeben. Dieselbe Arbeit kann mit demselben Kapital
nächstes Jahr nicht erneuert werden, wenn inzwischen die Zirkula-
tionszeit dieses Kapitals nicht abgelaufen. Dagegen kann die Um-
laufszeit auch kürzer sein als der Abstand von einer Produktions-
periode bis zur nächsten. In diesem Fall liegt das Kapital brach,
wenn es nicht inder Zwischenzeit anderweitig angewandt wird.
Viertens: Das für eine Arbeitsperiode vorgeschoßne Kapital, z.B.
die 600 Pfd.St. im Beispiel III, werden teils in Roh- und Hilfs-
stoffen ausgelegt, in produktivem Vorrat fur die Arbeitsperiode,
in konstantem zirkulierendem Kapital, teils in variablem zirku-
lierendem Kapital, in Zahlung der Arbeit selbst. Der in konstan-
tem zirkulierendem Kapital ausgelegte Teil mag nicht für dieselbe
Zeitlänge in der Form von produktivem Vorrat existieren, z.B. das
Rohmatirial nicht für die ganze Arbeitsperiode daliegen, die Koh-
len nur alle zwei Wochen beschafft werden. Indes - da hier Kredit
noch ausgeschlossen - muß dieser Teil des Kapitals, soweit er
nicht in Form von produktivem Vorrat disponibel ist, in der Form
von Geld disponibel bleiben, um nach Bedarf in produktiven Vorrat
verwandelt zu werden. Es ändert dies nichts an der Größe des für
6 Wochen vorgeschoßnen konstanten zirkulierenden Kapitalwerts.
Dagegen - abgesehn von dem Geldvorrat für unvorhergesehene Ausga-
ben, dem eigentlichen Reservefonds zur Ausgleichung von Störungen
- wird der Arbeitslohn in kaum
#267# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit
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Perioden, meist wöchentlich gezahlt. Falls also nicht der Kapita-
list den Arbeiter zwingt, ihm längre Vorschüsse seiner Arbeit zu
machen, muß das für Arbeitslohn nötige Kapital in Geldform vor-
handen sein. Beim Rückfluß des Kapitals muß also ein Teil in
Geldform festgehalten werden zur Zahlung der Arbeit, während der
andre Teil in produktiven Vorrat ver wandelt werden kann.
Das Zuschußkapital teilt sich ein ganz wie das ursprüngliche. Was
es aber von Kapital I unterscheidet, ist, daß es (von Kreditver-
hältnissen abgesehn), um für seine eigne Arbeitsperiode disponi-
bel zu sein, vorgeschossen sein muß schon während der ganzen
Dauer der ersten Arbeitsperiode von Kapital I, in die es nicht
eingeht. Während dieser Zeit kann es, teilweise wenigstens, schon
in konstantes zirkulierendes Kapital verwandelt werden, das für
die ganze Umschlagsperiode vorgeschossen ist. Wieweit es diese
Form annimmt oder wieweit es in der Form von zuschüssigem Geldka-
pital verharrt, bis zum Moment, wo diese Verwandlung notwendig
wird, wird abhängen teils von den besondren Produktionsbedingun-
gen bestimmter Geschäftszweige, teils von Lokalumständen, teils
von Preisschwankungen der Rohstoffe etc. Das gesellschaftliche
Gesamtkapital betrachtet, wird sich stets ein mehr oder minder
bedeutender Teil dieses zuschüssigen Kapitals für längre Zeit im
Zustand des Geldkapitals befinden. Was dagegen den in Arbeitslohn
vorzuschießenden Teil des Kapitals II betrifft, so wird er stets
erst allmählich in Arbeitskraft verwandelt im Maß, wie kleinre
Arbeitsperioden ablaufen und bezahlt werden. Dieser Teil des Ka-
pitals II ist also für die ganze Dauer der Arbeitsperiode in der
Form des Geldkapitals vorhanden, bis er durch Verwandlung in Ar-
beitskraft in die Funktion des produktiven Kapitals eingeht.
Dies Hereinkommen des zur Verwandlung der Umlaufszeit von Kapital
I in Produktionszeit erheischten Zuschußkapitals vermehrt also
nicht nur die Größe des vorgeschoßnen Kapitals und die Länge der
Zeit, wofür das Gesamtkapital notwendig vorgeschossen wird, son-
dern es vermehrt auch spezifisch den Teil des vorgeschoßnen Kapi-
tals, der als Geldvorrat existiert, also sich im Zustand von
Geldkapital befindet und die Form von potentiellem Geldkapital
besitzt.
Dies findet ebenso statt - sowohl, was den Vorschuß in der Form
von produktivem Vorrat wie in der Form von Geldvorrat betrifft -,
wenn die durch die Umlaufszeit erheischte Spaltung des Kapitals
in zwei Teile: Kapital für die erste Arbeitsperiode und Ersatzka-
pital für die Umlaufszeit, nicht durch Vergrößrung des ausgeleg-
ten Kapitals, sondern durch Verrnindrung der Stufenleiter der
Produktion hervorgebracht ist. Im Verhältnis
#268# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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zur Stufenleiter der Produktion wächst hier eher noch die Zunahme
des in Geldform gebannten Kapitals.
Was durch diese Verteilung des Kapitals in ursprünglich produkti-
ves und Zuschußkapital überhaupt erreicht ist, ist die ununter-
brochne Aufeinanderfolge der Arbeitsperioden, die beständige
Funktion eines gleichgroßen Teils des vorgeschoßnen Kapitals als
produktives Kapital. Sehn wir uns Beispiel II an. Das beständig
im Produktionsprozeß befindliche Kapital ist 500 Pfd.St. Da die
Arbeitsperiode = 5 Wochen, arbeitet es während 50 Wochen (als
Jahr angenommen) zehnmal. Das Produkt beträgt daher auch, abge-
sehn vom Mehrwert, 10 x 500 = 5000 Pfd.St. Vom Standpunkt des un-
mittelbar und ununterbrochen im Produktionsprozeß arbeitenden Ka-
pitals - eines Kapitalwerts von 500 Pfd.St. - erscheint also die
Umlaufszeit als gänzlich ausgelöscht. Die Umschlagsperiode fällt
en mit der Arbeitsperiode; die Umlaufszeit ist = 0 gesetzt.
Wäre dagegen das Kapital von 500 Pfd.St. in seiner produktiven
Tätigkeit regelmäßig durch die Umlaufszeit von 5 Wochen gehemmt,
so daß es erst wieder prodüktionsfähig wäre nach Beendigung der
ganzen Umschlagsperiode von 10 Wochen, so hätten wir in den 50
Jahreswochen 5 zehn wöchentliche Umschläge; darin 5 fünfwöchent-
liche Produktionsperioden, also zusammen 25 Produktionswochen mit
einem Gesamtprodukt von 5 x 500 = 2500 Pfd.St.; 5 fünfwöchentli-
che Umlaufszeiten, also Gesamtumlaufszeit ebenfalls 25 Wochen.
Sagen wir hier: Das Kapital von 500 Pfd.St. hat fünfmal im Jahre
umgeschlagen, so ist sichtbar und klar, daß während der Hälfte
jeder Umschlagsperiode dies Kapital von 500 Pfd.St. gar nicht als
produktives Kapital fungiert hat und daß, alles zusammengerech-
net, es nur während eines halben Jahres fungiert hat, während des
andern Halbjahrs aber gar nicht.
In unserm Beispiel tritt für die Dauer dieser fünf Umlaufszeiten
das Ersatzkapital von 500 Pfd.St. ein, und dadurch wird der Um-
schlag von 2500 auf 5000 Pfd.St. erhöht. Aber das vorgeschoßne
Kapital ist nun auch 1000 Pfd.St. statt 500 Pfd.St. 5000 divi-
diert durch 1000 ist gleich 5. Also statt der zehn Umschläge
fünf. So wird denn auch in der Tat gerechnet. Aber indem es dann
heißt, das Kapital von 1000 Pfd.St. hat fünfmal im Jahr umge-
schlagen, verschwindet in den hohlen Kapitalistenschädeln die Er-
innerung an die Umlaufszeit, und eine konfuse Vorstellung bildet
sich, als ob dies Kapital während der sukzessiven fünf Umschläge
beständig im Produktionsprozeß fungiert habe. Sagen wir aber,
dies Kapital von 1000 Pfd.St. hat fünfmal umgeschlagen, so ist
darin sowohl Umlaufszeit wie Produktionszeit
#269# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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eingeschlossen. In der Tat, wären wirklich 1000 Pfd.St. im Pro-
duktionsprozeß fortwährend tätig gewesen, so müßte das Produkt
unter unsern Voraussetzungen 10000 Pfd.St. statt 5000 sein. Um
aber 1000 Pfd.St. fortwährend im Produktionsprozeß zu haben, müß-
ten dann auch 2000 Pfd.St. überhaupt vorgeschossen sein. Die Öko-
nomen, bei denen überhaupt nichts Klares über den Mechanismus des
Umschlags zu finden, übersehn fortwährend dies Hauptmoment, daß
stets nur ein Teil des industriellen Kapitals tatsächlich im Pro-
duktionsprozeß engagiert sein kann, wenn die Produktion ununter-
brochen vorangen soll. Während der eine Teil sich in der Produk-
tionsperiode, muß stets ein andrer Teil sich in der Zirkulations-
perlode befinden. Oder mit andern Worten, der eine Teil kann nur
als produktives Kapital fungieren unter der Bedingung, daß ein
andrer Teil in der Form von Waren- oder Geldkapital der eigentli-
chen Produktion entzogen bleibt. Indem dies übersehn wird, wird
überhaupt die Bedeutung und Rolle des Geldkapitals übersehn.
Wir haben jetzt zu untersuchen, welche Verschiedenheit im Um-
schlag sich herausstellt, je nachdem die beiden Abschnitte der
Umschlagsperiode Arbeitsperiode und Zirkulationsperlode - einan-
der gleich sind, oder die Arbeitsperiode größer oder kleiner als
die Zirkulationsperiode ist, und ferner, wie dies auf die Bindung
von Kapital in der Form Geldkapital wirkt.
Wir nehmen an, daß das wöchentlich vorzuschießende Kapital in al-
len Fällen 100 Pfd.St. und die Umschlagsperiode 9 Wochen sei,
also das für jede Umschlagsperiode vorzuschießende Kapital = 900
Pfd.St.
I. Arbeitsperiode gleich der Zirkulationsperiode
Dieser Fall, obgleich in der Wirklichkeit nur zufällige Ausnahme,
muß als Ausgangspunkt für die Betrachtung dienen, weil hier die
Verhältnisse sich am einfachsten und handgreiflichsten darstel-
len.
Die zwei Kapitale (Kapital I, das für die erste Arbeitsperiode
vorgeschossen, und Zusatzkapital II, das während der Zirkulati-
onsperiode von Kapital I fungiert) lösen sich in ihren Bewegungen
ab, ohne sich zu durchkreuzen. Mit Ausnahme der ersten Periode
ist daher auch jedes der beiden Kapitale nur für seine eigne Um-
schlagsperiode vorgeschossen. Die Umschlagsperiode sei, wie in
den folgenden Beispielen, 9 Wochen, Arbeitsperiode und Urnlauf-
speriode also je 4 1/2 Woche. Dann haben wir folgendes Jahres-
schema:
#270# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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Tabelle 1
Kapital I
Umschlags- Arbeitsperioden Vorschuß Zirkulations-
perioden Woche Pfd.St. perioden
Woche Woche
I. 1. - 9. 1. - 4 1/2 450 4 1/2. - 9.
II. 10. - 18. 10. - 13 1/2. 450 13 1/2. - 18.
III. 19. - 27. 19. - 22 1/2. 450 22 1/2. - 27.
IV. 28. - 36. 28. - 31 1/2. 450 31 1/2. - 36.
V. 37. - 45. 37. - 40 1/2. 450 40 1/2. - 45.
VI. 46. -(54.) 46. - 49 1/2. 450 49 1/2. -(54.) 31)
Kapital II
Umschlags- Arbeitsperioden Vorschuß Zirkulations-
perioden Woche Pfd.St. perioden
Woche Woche
I. 4 1/2.-13 1/2. 4 1/2.- 9. 450 10.-13 1/2.
II. 13 1/3.-22 1/2. 13 1/2.-18. 450 19.-22 1/2.
III. 22 1/2.-31 1/2. 22 1/2.-27. 450 28.-31 1/2.
IV. 31 1/2.-40 1/2. 31 1/2.-36. 450 37.-40 1/2.
V. 40 1/2.-49 1/2 40 1/2.-45. 450 46.-49 1/2.
VI. 49 1/2.-(58 1/2.) 49 1/2-(54.) 450 (55.-58 1/2.)
Innerhalb der 51 Wochen, die wir hier als Jahr annehmen, hat Ka-
pital I sechs volle Arbeitsperioden absolviert, also für 6 x 450
= 2700 Pfd.St., und Kapital II in fünf vollen Arbeitsperioden für
5 x 450 = 2250 Pfd.St. Waren produziert. Dazu hat Kapital II in
den letzten 1/2 Wochen des Jahrs (Mitte der 50. bis Ende der 51.
Woche) noch für 150 Pfd.St. produziert Gesamtprodukt in 51 Wo-
chen: 5100 Pfd.St. In bezug auf unmittelbare Produktion von Mehr-
wert, der nur während der Arbeitsperiode produziert wird, hätte
das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. also 5 2/3 mal umgeschlagen (5
2/3 x 900 = 5100 Pfd.St.). Aber wenn wir den wirklichen Umschlag
betrachten, so hat Kapital I 5 2/3 mal umgeschlagen, da es am
Ende der 5 1. Woche noch 3 Wochen seiner sechsten Umschlagsperi-
ode zu absolvieren hat; 5 2/3 x 450 = 2550 Pfd.St.; und Kapital
II 5 1/6 mal, da es erst 1 1/2 Woche seiner sechsten Umschlagspe-
riode vollendet hat, also noch 7 1/2 Woche davon ins nächste Jahr
fallen; 5/6 x 450 = 2325 Pfd. St.; wirklicher Gesamtumschlag =
4875 Pfd.St.
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31) Die in das zweite Umschlagsjahr fallenden Wochen sind in
Klammern gesetzt.
#271# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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Betrachten wir Kapital I und Kapital II als zwei gegeneinander
ganz selbständige Kapitale. In ihren Bewegungen sind sie ganz
selbständig; diese Bewegungen ergänzen sich nur, weil ihre Ar-
beits- und Zirkulationsperioden einander direkt ablösen. Sie kön-
nen als zwei ganz unabhängige, verschiednen Kapitalisten gehörige
Kapitale betrachtet werden.
Das Kapital I hat fünf vollständige und zwei Drittel seiner sech-
sten Umschlagsperlode zurückgelegt. Es befindet sich am Ende des
Jahres in der Form von Warenkapital, dem zu seiner normalen Re-
alisierung noch 3 Wochen erforderlich sind. Während dieser Zeit
kann es nicht in den Produktionsprozeß eingehn. Es fungiert als
Warenkapital: es zirkuliert. Von seiner letzten Umschlagsperiode
hat es nur 2/3 zurückgelegt. Dies wird so ausgedrückt: es hat nur
2/3 mal umgeschlagen, nur 2/3 seines Gesamtwerts haben einen
vollständigen Umschlag zurückgelegt. Wir sagen: 450 Pfd.St. legen
ihren Umschlag in 9 Wochen zurück, also 300 Pfd.St. in 6 Wochen.
Bei dieser Ausdrucksweise werden die organischen Verhältnisse
zwischen den beiden spezifisch verschiednen Bestandteilen der Um-
schlagszeit vernachlässigt. Der exakte Sinn davon, daß das vorge-
schoßne Kapital von 450 Pfd.St. 5 2/3 Umschläge gemacht, ist nur,
daß es fünf Umschläge ganz und vom sechsten nur 2/3 zurückgelegt
hat. Dagegen hat der Ausdruck, daß das umgeschlagne Kapital = 5
2/3 mal das vorgeschoßne Kapital, also im obigen Fall = 5 2/3 x
450 Pfd.St. = 2550 Pfd.St., das Richtige, daß, wenn dies Kapital
von 450 Pfd.St. nicht ergänzt wäre durch ein andres Kapital von
450 Pfd.St., in der Tat ein Teil davon sich im Produktionsprozeß,
ein andrer im Zirkulationsprozeß befinden müßte. Soll die Um-
schlagszeit in der Masse des umgeschlagnen Kapitals ausgedrückt
werden, so kann sie immer nur in einer Masse von vorhandnem Wert
(in der Tat von fertigem Produkt) ausgedrückt werden. Der Um-
stand, daß das vorgeschoßne Kapital sich nicht in einem Zustand
befindet, worin es den Produktionsprozeß von neuem eröffnen kann,
druckt sich darin aus, daß nur ein Teil davon sich im produkti-
onsfähigen Zustand befindet, oder daß, um sich im Zustand konti-
nuierlicher Produktion zu befinden, das Kapital geteilt werden
müßte in einen Teil, der sich beständig in der Produktionsperiode
und einen andern Teil, der sich beständig in der Zirkulationspe-
riode befände, je nach dem Verhältnis dieser Perioden zueinander.
Es ist dasselbe Gesetz, das die Masse des beständig fungierenden
produktiven Kapitals bestimmt durch das Verhältnis der Umlaufs-
zeit zur Umschlagszeit.
Von Kapital II sind Ende der 51. Jahreswoche, die wir hier als
Jahresschluß annehmen, vorgeschossen 150 Pfd.St. in der Produk-
tion von unfertigem Produkt. Ein fernerer Teil befindet sich in
der Form von flüssigem
#272# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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konstantem Kapital - Rohstoff etc. -, d.h. in einer Form, worin
es als produktives Kapital im Produktionsprozeß fungieren kann.
Aber ein dritter Teil befindet sich in Geldform, nämlich zum min-
desten der Betrag des Arbeitslohns für den Rest der Arbeitsperi-
ode (3 Wochen), der aber erst Ende jeder Woche bezahlt wird. Ob-
gleich nun dieser Teil des Kapitals am Anfang des neuen Jahrs,
also eines neuen Umschlagszyklus, sich nicht in der Form von pro-
duktivem Kapital befindet, sondern in der von Geldkapital, in der
es nicht in den Produktionsprozeß eingehn kann, so befindet sich
dennoch bei Eröffnung des neuen Umschlags flüssiges variables Ka-
pital, d.h. lebendige Arbeitskraft, im Produktionsprozeß tätig.
Diese Erscheinung kommt daher, daß die Arbeitskraft zwar am An-
fang der Arbeitsperiode, sage per Woche, gekauft und verbraucht,
aber erst Ende der Woche gezahlt wird. Das Geld wirkt hier als
Zahlungsmittel. Es befindet sich daher einerseits als Geld noch
in der Hand des Kapitalisten, während andrerseits die Arbeits-
kraft, die Ware, worin es umgesetzt wird, sich schon im Produkti-
onsprozeß tätig befindet, derselbe Kapitalwert hier also doppelt
erscheint
Betrachten wir bloß die Arbeitsperioden, so hat
Kapital I produziert 6 x 450 = 2700 Pfd.St.
" II " 5 1/3 x 450 = 2400 " "
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also zusammen 5 2/3 x 900 = 5100 Pfd.St.
Das vorgeschoßne Gesamtkapital von 900 Pfd.St. hat also 5 2/3 mal
im Jahr als produktives Kapital fungiert. Ob stets 450 Pfd.St. im
Produktionsprozeß und stets 450 Pfd.St. im Zirkulationsprozeß ab-
wechselnd, oder ob 900 Pfd.St. während je 4 1/2 Wochen im Produk-
tionsprozeß und während der folgenden 4 1/2 Wochen im Zirkulati-
onsprozeß fungieren, ist für die Produktion von Mehrwert einer-
lei.
Betrachten wir dagegen die Umschlagsperioden, so hat
Kapital I 5 2/3 x 450 = 2550 Pfd.St.
" II 5 1/6 x 450 = 2325 " "
---------------------------
also das Gesamtkapital 5 5/12 x 900 = 4875 Pfd.St.
umgeschlagen. Denn der Umschlag des Gesamtkapitals ist gleich der
Summe der von I und II umgeschlagnen Beträge, dividiert durch die
Summe von I und II. Es ist zu bemerken, daß Kapital I und II,
wenn sie selbständig gegeneinander wären, doch nur verschiedne
selbständige Teile des in derselben
#273# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit
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Produktionssphäre vorgeschoßnen gesellschaftlichen Kapitals bil-
den würden. Bestände also das gesellschaftliche Kapital innerhalb
dieser Produktionssphäre nur aus I und II, so würde für den Um-
schlag des gesellschaftlichen Kapitals in dieser Sphäre dieselbe
Rechnung gelten, die hier für die beiden Bestandteile I und II
desselben Privatkapitals gilt. Weiter ausgedehnt kann jeder in
einer besondern Produktionssphäre angelegte Teil des gesamten Ge-
sellschaftskapitals so berechnet werden. Schließlich aber ist die
Umschlagszahl des gesamten gesellschaftlichen Kapitals gleich der
Summe des in den verschiednen Produktionssphären umgeschlagnen
Kapitals, dividiert durch die Summe des in diesen Produktions-
sphären vorgeschoßnen Kapitals. Es ist ferner zu bemerken, daß,
wie hier in demselben Privatgeschäft die Kapitale I und II, genau
genommen, verschiedne Umschlagsjahre haben (indem der Umschlags-
zyklus von Kapital II 4 1/2 Woche später beginnt als der von Ka-
pital I, das Jahr von I daher 4 1/2 Woche früher abläuft als das
von II), so auch die verschiednen Privatkapitale in derselben
Produktionssphäre ihre Geschäfte in ganz verschiednen Zeitab-
schnitten beginnen und ihren Jahresumschlag daher auch zu ver-
schiednen Zeiten im Jahr vollenden. Dieselbe Durchschnittsrech-
nung, die wir oben für I und II anwandten, reicht auch hier aus,
um die Umschlagsjahre der verschiednen selbständigen Teile des
gesellschaftlichen Kapitals auf ein einheitliches Umschlagsjahr
zu reduzieren.
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