Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band


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       #287# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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       V. Wirkung von Preiswechsel
       
       Wir haben  eben unterstellt  gleichbleibende Preise,  gleichblei-
       bende Stufenleiter  der Produktion  auf der einen Seite, Kontrak-
       tion oder  Expansion der  Zirkulationszeit auf der andern. Unter-
       stellen wir jetzt dagegen gleichbleibend Größe der Umschlagsperi-
       ode, gleichbleibende  Stufenleiter der  Produktion, aber  auf der
       andern Seite  Preiswechsel, d.h.  Fall oder  Steigen im Preis von
       Rohmaterialen, Hilfsstoffen  und Arbeit  oder der  beiden  ersten
       dieser Elemente.  Gesetzt, der  Preis von  Roh- und Hilfsstoffen,
       sowie der Arbeitslohn, falle um die Hälfte. Es wären dann also in
       unserm Beispiel  wöchentlich 50 Pfd.St. statt 100 Pfd.St. und für
       die  neunwöchentliche  Umschlagsperiode  450  Pfd.St.  statt  900
       Pfd.St. vorgeschoßnes  Kapital nötig. 450 Pfd.St. des vorgeschoß-
       nen Kapitalwerts  werden ausgeschieden zu nächst als Geldkapital,
       aber der  Produktionsprozeß auf  derselben Stufenleiter  und  mit
       derselben Umschlagsperiode  und der  hern Teilung derselben werde
       fortgesetzt. Auch  die jährliche  Produktmasse  bleibt  dieselbe,
       aber ihr  Wert ist um die Hälfte gefallen. Weder eine Beschleuni-
       gung im
       
       #288# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       Umlauf, noch eine Änderung in der Masse des zirkulierenden Geldes
       hat diesen  Wechsel hervorgebracht, der auch von einem Wechsel in
       Angebot und  Nachfrage von  Geldkapital begleitet ist. Umgekehrt.
       Der Fall im Wert, resp. Preis, der Elemente des produktiven Kapi-
       tals um  die Hälfte  hätte zuerst  die Wirkung,  daß ein  um  die
       Hälfte verminderter Kapitalwert für das nach wie vor auf gleicher
       Stufenleiter fortgeführte Geschäft X vorgeschossen, also auch nur
       die Hälfte  Geld von seiten des Geschäfts X auf den Markt zu wer-
       fen wäre,  da das  Geschäft X  diesen Kapitalwert zunächst in der
       Form von  Geld, d.h. als Geldkapital vorschießt. Die, in Zirkula-
       tion geworfne  Geldmasse hätte  abgenommen, weil  die Preise  der
       Produktionselemente gefallen. Dies wäre die erste Wirkung.
       Zweitens aber: Die Hälfte des ursprünglich vorgeschoßnen Kapital-
       werts von  900 Pfd.St. = 450 Pfd.St., die a) abwechselnd die Form
       von Geldkapital,  produktivem Kapital und Warenkapital durchlief,
       b) sich gleichzeitig beständig nebeneinander zum Teil in der Form
       von Geldkapital,  zum Teil in der von produktivem Kapital und zum
       Teil in  der von Warenkapital befand, würde ausgeschieden aus dem
       Kreislauf des  Geschäfts X und daher als zuschüssiges Geldkapital
       auf den  Geldmarkt treten,  als zuschüssiger  Bestandteil auf ihn
       wirken. Diese freigesetzten 450 Pfd.St. Geld wirken als Geldkapi-
       tal, nicht  weil sie  zur Betreibung des Geschäfts X überschüssig
       gewordnes Geld  sind, sondern  weil sie Bestandteil des Original-
       Kapitalwerts sind,  daher als  Kapital fortwirken  und nicht  als
       bloi3es Zirkulationsmittel  verausgabt werden sollen. Die nächste
       Form, sie  als Kapital wirken zu lassen, ist, sie als Geldkapital
       auf den  Geldmarkt zu werfen. Andrerseits könnte auch die Stufen-
       leiter der  Produktion (abgesehn  vom fixen  Kapital)  verdoppelt
       werden. Mit demselben vorgeschoßnen Kapital von 900 Pfd.St. würde
       dann ein Produktionsprozeß von doppeltem Umfang betrieben.
       Stiegen andrerseits die Preise der flüssigen Elemente des produk-
       tiven Kapitals um die Hälfte, so wären statt 100 Pfd.St. wöchent-
       lich 150 Pfd.St. nötig, also statt 900 Pfd.St. vielmehr 1350 Pfd.
       St. 450  Pfd.St. zuschüssiges Kapital wäre nötig, um das Geschäft
       auf derselben  Stufenleiter zu  betreiben,  und  dies  würde  pro
       tanto, je  nach dem  Stand des Geldmarkts, einen größern oder ge-
       ringem Druck auf ihn ausüben. Wäre alles auf ihm disponible Kapi-
       tal schon  verlangt, so  entstände erhöhte Konkurrenz um disponi-
       bles Kapital.  Läge ein  Teil desselben  brach, so  würde er  pro
       tanto in Aktivität gerufen.
       Aber es kann auch drittens, bei gegebner Stufenleiter der Produk-
       tion, gleichbleibender  Umschlagsgeschwindigkeit und  gleichblei-
       bendem Preise  der Elemente  des flüssigen  produktiven Kapitals,
       der Preis der Produkte des
       
       #289# 15. Kapital - Wirkung der Umschlagszeit...
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       Geschäfts X fallen oder steigen. Fällt der Preis der vom Geschäft
       X gelieferten  Waren, so sinkt der Preis seines Warenkapitals von
       600 Pfd.St.,  die es  beständig in Zirkulation warf, z.B. auf 500
       Pfd.St. Ein  Sechstl vom  Wert des  vorgeschoßnen Kapitals fließt
       also nicht aus dem Zirkulationsprozeß zurück (der im Warenkapital
       steckende Mehrwert bleibt hier außer Frage); es geht in demselben
       verloren. Aber  da der Wert, resp. Preis, der Produktionselemente
       derselbe bleibt,  reicht dieser Rückfluß von 500 Pfd.St. nur hin,
       um 5/6  des beständig im Produktionsprozeß beschäftigten Kapitals
       von 600  Pfd.St. zu ersetzen. Es müßten also 100 Pfd.St. zuschüs-
       siges Geldkapital  verausgabt werden,  um die Produktion auf der-
       selben Stufenleiter fortzusetzen.
       Umgekehrt: Stiege  der Preis der Produkte des Geschäfts X, so der
       Preis des Warenkapitals von 600 Pfd.St. auf z. B. 700 Pfd.St. Ein
       Siebentel seines  Preises =  100 Pfd.St. kommt nicht aus dem Pro-
       duktionsprozeß her,  ist nicht  in ihm vorgeschossen worden, son-
       dern fließt  aus dem Zirkulationsprozeß her. Es sind aber nur 600
       Pfd.St. nötig,  um die  produktiven Elermnte  zu  ersetzen;  also
       Freisetzung von  100 Pfd.St. Die Untersuchung der Ursachen, warum
       im ersten Fall die Umschlagsperiode sich abkürzt oder verlängert,
       im zweiten Fall die Preise von Rohmaterial und Arbeit, im dritten
       Fall die Preise der gelieferten Produkte steigen oder fallen, ge-
       hört nicht  in den  Kreis der  bisherigen Untersuchung.  Was aber
       wohl hierher gehört ist dies:
       
       I Fall. Gleichbleibende Produktionsleiter, gleichbleibende Preise
       der Produktionselemmte und Produkte, Wechsel in der Zirkulations-
       und daher der Umschlagsperiode.
       
       Nach Voraussetzung  unsers Beispiels  wird durch  Verkürzung  der
       Zirkulationsperiode 1/9  weniger vorgeschoßnes  Gesamtkapital nö-
       tig, das  letztre daher von 900 Pfd.St. auf 800 Pfd.St. reduziert
       und 100 Pfd.St. Geldkapital ausgeschieden.
       Das Geschäft  X liefert  nach wie  vor dasselbe sechswöchentliche
       Produkt mit demselben Wert von 600 Pfd.St., und da das ganze Jahr
       hindurch ununterbrochen  gearbeitet wird, liefert es in 51 Wochen
       dieselbe Masse  Produkt zum  Wert von 5100 Pfd. St. Also in bezug
       auf die  Massen und  den Preis  des Produkts, den das Geschäft in
       die Zirkulation  wirft, besteht  keine Verändrung,  auch nicht in
       bezug auf  die Terrmine,  in welchen es das Produkt auf den Markt
       wirft. Aber es sind 100 Pfd.St. ausgeschieden, weil durch Verkür-
       zung der  Zirkulationsperiode der  Prozeß mit nur 800 Pfd.St Vor-
       schußkapital gesättigt  ist, statt vorher nut 900 Pfd.St. Die 100
       Pfd.St
       
       #290# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       ausgeschiednes Kapital  existieren in  der Form  von Geldkapital.
       Sie repräsentieren aber keineswegs den Teil des vorgeschoßnen Ka-
       pitals, der  beständig in  der  Form  von  Geldkapital  fungieren
       müßte. Unterstellen  wir, von dem vorgeschoßnen flüssigen Kapital
       I =  600 Pfd.St.  wurden 4/5, beständig in Produktionsmaterialien
       ausgelegt, =  480 Pfd.St.,  und 1/5 = 120 Pfd.St. in Arbeitslohn.
       Also wöchentlich  80 Pfd.St. in Produktionsstoffen, 20 Pfd.St. in
       Arbeitslohn. Kapital  II = 300 Pfd.St. muß also ebenfalls geteilt
       werden in  4/5 =  240 Pfd.St.  für Produktionsstoffe und 1/5 = 60
       Pfd.St. für  Arbeitslohn. Das  in Arbeitslohn  ausgelegte Kapital
       muß stets  in Geldform vorgeschossen werden. Sobald das Warenpro-
       dukt zum  Wertbetrag von  600 Pfd.St. in Geldform rückverwandelt,
       verkauft ist,  können davon  480 Pfd.St. in Produktionsstoffe (in
       produktiven Vorrat)  verwandelt werden, aber 120 Pfd.St. behalten
       ihre Geldform,  um zur  Zahlung des  Arbeitslohns für 6 Wochen zu
       dienen. Diese  120 Pfd.St.  sind das Minimum des zurückfließenden
       Kapitals von 600 Pfd.St., welches stets in der Form von Geldkapi-
       tal erneuert  und ersetzt werden, und daher stets als in Geldform
       fungierender Teil des vorgeschoßnen Kapitals vorhanden sein muß.
       Wenn nun  von dem  periodisch für  drei Wochen freigesetzten, und
       ebenfalls in  240 Pfd.St.  produktiven Vorrat  und 60 Pfd.St. Ar-
       beitslohn spalt. baren, 300 Pfd.St. durch Verkürzung der Umlaufs-
       zeit 100  Pfd.St. in der Form von Geldkapital ausgeschieden, ganz
       aus dem  Mechanismus des  Umschlags herausgeworfen  werden  -  wo
       konunt das  Geld für  diese 100  Pfd.St. Geldkapital her? Nur zum
       fünften Teil  bestehn sie  aus periodisch innerhalb der Umschläge
       freigesetztem Geldkapital. Aber 4/5 = 80 Pfd.St. sind bereits er-
       setzt durch  zuschüssigen Produktionsvorrat zu demselben Wert. In
       welcher Weise  wird dieser  zuschüssige Produktionsvorrat in Geld
       verwandelt, und wo kommt das Geld zu diesem Umsatz her?
       Ist die  Verkürzung der Umlaufszeit einmal eingetreten, so werden
       von den  obigen 600  Pfd.St. statt 480 Pfd.St. nur 400 Pfd.St. in
       Produktionsvorrat rückverwandelt.  Die übrigen  80 Pfd.St. werden
       in ihrer  Geldform festgehalten  und bilden  mit  den  obigen  20
       Pfd.St. für  Arbeitlohn die  100 Pfd.St.  ausgeschiednes Kapital.
       Obgleich diese  100 Pfd.St. vermittelst des Kaufs der 600 Pfd.St.
       Warenkapital aus der Zirkulation herkommen und ihr jetzt entzogen
       werden, indem  sie nicht wieder in Arbeitslohn und Prduktionsele-
       menten ausgelegt  werden, so  ist nicht  zu vergessen, daß sie in
       Geldform wieder in derselben Form sind, worin sie ursprünglich in
       die Zirkulation  geworfen wurden.  Anfänglich wurden  900 Pfd.St.
       Geld in Produktionsvorrat und Arbeitslohn ausgelegt. Um denselben
       Produktionsprozeß auszuführen,  sind jetzt  nur noch  800 Pfd.St.
       nötig. Die hiermit in Geldform
       
       #291# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit
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       ausgeschiednen 100 Pfd.St. bilden jetzt ein neues, Anlage suchen-
       des Geldkapital,  einen neuen Bestandteil des Geldmarkts. Sie be-
       fanden sich  zwar periodisch schon früher in der Form von freige-
       setztem Kreditkapital und von zuschüssigem Produktivkapital, aber
       diese latenten  Zustände selbst  waren Bedingung  für die Ausfüh-
       rung, weil  für die  Kontinuität, des Produktionsprozesses. Jetzt
       sind sie  nicht mehr dazu nötig und bilden des, wegen neues Geld-
       kapital und einen Bestandteil des Geldmarkts, obgleich sie durch-
       aus weder ein zuschüssiges Element des vorhandnen gesellschaftli-
       chen Geldvorrats bilden (denn sie existierten beim Beginn des Ge-
       schäfts und  wurden durch  es in  die Zirkulation  geworfen) noch
       einen neuakkumulierten  Schatz. Diese  100 Pfd.St.  sind jetzt in
       der Tat  der Zirkulation entzogen, soweit sie ein Teil des vorge-
       schoßnen Geldkapitals  sind, der nicht mehr in demselben Geschäft
       angewandt wird.  Aber diese  Entziehung ist nur möglich, weil die
       Verwandlung des Warenkapitals in Geld und dieses Geldes produkti-
       ves Kapital,  W'-G-W, um  eine Woche  beschleunigt, also auch der
       Umlauf des  in diesem Prozeß tätigen Geldes beschleunigt ist. Sie
       sind ihr  entzogen, weil sie nicht mehr zum Umschlag des Kapitals
       X nötig.  Es ist  hier angenommen,  daß das  vorgeschoßne Kapital
       seinem Anwender  gehört. Wäre  es geborgt, so änderte das nichts.
       Mit der Verkürzung der Umlaufszeit hätte er statt 900 Pfd.St. nur
       noch 800  Pfd.St. geborgtes Kapital nötig. 100 Pfd.St. dem Borger
       zurückgegeben, bilden nach wie vor 100 Pfd.St. neues Geldkapital,
       nur in  der Hand von Y statt in der Hand von X. Erhält ferner Ka-
       pitalist X  seine Produktionsstoffe  zum Wert von 480 Pfd.St. auf
       Kredit, so  daß er nur 120 Pfd.St. in Geld für Arbeitslohn selbst
       vorzuschießen hat,  so würde er jetzt für 80 Pfd.St. weniger Pro-
       duktionsstoffe auf Kredit zu beziehn haben, diese also überschüs-
       siges Warenkapital  für den  Kredit gebenden Kapitalisten bilden,
       während Kapitalist  X 20 Pfd.St. in Geld ausgeschieden hätte. Der
       zuschüssige Produktionsvorrat ist jetzt reduziert um 1/3. Er war,
       als 4/5  von 300  Pfd.St., dem  zuschüssigen Kapital  II,  =  240
       Pfd.St., er  ist jetzt nur = 160 Pfd.St.; d. h. zuschüssiger Vor-
       rat für  2 Wochen statt für 3. Er wird jetzt alle 2 Wochen erneu-
       ert statt  alle 3,  aber auch  nur für  2 Wochen statt für 3. Die
       Einkäufe, z.B.  auf dem Baumwollmarkt, wiederholen sich so häufi-
       ger und  in kleinern  Portionen. Dieselbe  Portion Baumwolle wird
       dem Markt  entzogen, denn  die Masse  des Produkts bleibt gleich.
       Aber die  Entziehung verteilt  sich anders  in der  Zeit und über
       mehr Zeit.  Nehmen wir z.B. an, es handle sich um 3 Monate und um
       2; der  Jahreskonsum an Baumwolle sei 1200 Ballen. Im ersten Fall
       werden verkauft:
       
       #292# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       1. Januar  300 Ballen, bleiben auf Lager 900 Ballen
       1. April   300   "       "      "    "   600   "
       1. Juli    300   "       "      "    "   300   "
       1. Oktober 300   "       "      "    "     0   "
       
       Dagegen im zweiten Fall:
       1. Januar  verkauft 200, auf Lager 1000 Ballen
       1. März       "     200,  "    "    800   "
       1. Mai        "     200,  "    "    600   "
       1. Juli       "     200,  "    "    400   "
       1. September  "     200,  "    "    200   "
       1. November   "     200,  "    "      0   "
       
       Also fließt das in Baumwolle angelegte Geld erst einen Monat spä-
       ter vollständig  zurück, im  November statt im Oktober. Wenn also
       durch die  Ver kürzung  der Umlaufszeit, und damit des Umschlags,
       1/9 des  vorgeschoßnen Kapitals  = 100 Pfd.St. ausgeschieden wird
       in der  Form von Geldkapital, und wenn diese 100 Pfd.St. sich zu-
       sammensetzten aus  20 Pfd.St. periodisch überschüssigem Geldkapi-
       tal für Zahlung des Wochenlohns und aus 80 Pfd.St., die als peri-
       odisch überschüssiger  Produktionsvorrat für eine Woche existier-
       ten -  so entspricht, mit Bezug auf diese 80 Pfd.St., dem verrin-
       gerten überschüssigen Produktionsvorrat auf Seite des Fabrikanten
       der vergrößerte  Warenvorrat auf Seite des Baumwollhändlers. Die-
       selbe Baumwolle  liegt ebensoviel  länger auf  seinem  Lager  als
       Ware, als  sie kürzer auf dem Lager des Fabrikanten als Produkti-
       onsvorrat liegt.
       Bisher nahmen  wir an, die Verkürzung der Umlaufszeit im Geschäft
       X rühre daher, daß X seine Ware rascher verkauft oder bezahlt er-
       hält, resp.  bei Kredit  der Zahlungstermin  verkürzt wird. Diese
       Verkürzung ist  also abgeleitet aus einer Verkürzung des Verkaufs
       der Ware,  der Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital, W'-G,
       der ersten  Phase des Zirkulationsprozesses. Sie könnte auch ent-
       springen aus  der zweiten  Phase G-W und daher aus gleichzeitiger
       Ändrung, sei  es in der Arbeitsperiode, sei es in der Umlaufszeit
       der Kapitale  Y, Z etc., die dem Kapitalisten X die Produktionse-
       lemente seines flüssigen Kapitals liefern.
       Z.B. wenn  Baumwolle, Kohle etc. bei dem alten Transport 3 Wochen
       auf Reisen  sind von  ihrem Produktions- oder Stapelplatz bis zum
       Sitz der Produktionsstätte des Kapitalisten X, so muß das Minimum
       des Produktionsvorrats von X bis zur Ankunft neuer Vorräte wenig-
       stens für  3 Wochen reichen. Solange Baumwolle und Kohle sich auf
       Reisen befinden,  können sie  nicht als Produktionsmittel dienen.
       Sie bilden jetzt vielmehr einen
       
       #293# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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       Arbeitsgegenstand der  Transportindustrie und  des darin beschäf-
       tigten Kapitals und in seiner Zirkulation befindliches Warenkapi-
       tal für  den Kohlenproduzenten  oder den Baumwollenverkäufer. Bei
       verbessertem Transport  reduziere sich die Reise auf 2 Wochen. So
       kann der  Produktionsvorrat aus  einem dreiwöchentlichen  sich in
       einen zweiwöchentlichen verwandeln. Damit wird das hierfür vorge-
       schoßne Zuschußkapital  von 80 Pfd.St. freigesetzt und ebenso das
       von 20 Pfd.St. für Arbeitslohn, weil das umgeschlagne Kapital von
       600 Pfd.St. eine Woche früher zurückfließt.
       Andrerseits, wenn  z.B. die  Arbeitsperiode des  Kapitals das den
       Rohstoff liefert,  sich verkürzt  (wovon Beispiele in den vorigen
       Kapiteln gegeben), also auch die Möglichkeit, den Rohstoff zu er-
       neuern, kann  der produktive Vorrat sich vermindern, der Zeitraum
       von einer Erneuerungsperiode bis zur andern sich verkürzen.
       Wenn umgekehrt  die Umlaufszeit  und daher  die  Umschlagsperiode
       sich verlängert,  so ist Vorschuß von zuschüssigem Kapital nötig.
       Aus der  Tasche des Kapitalisten selbst, wenn er zuschüssiges Ka-
       pital besitzt.  Dies wird  dann aber in irgendeiner Form angelegt
       sein, als Teil des Geldmarkts; um es disponibel zu machen, muß es
       aus der  alten Form  losgeschält, z.B. Aktien verkauft, Depositen
       entzogen werden, so daß auch hier indirekte Wirkung auf den Geld-
       markt eintritt. Oder er muß es aufnehmen. Was den für Arbeitslohn
       nötigen Teil  des zuschüssigen Kapitals betrifft, so ist er unter
       normalen Umständen stets als Geldkapital vorzuschießen, und hier-
       für übt  der Kapitalist  X seinen  Anteil direkten Drucks auf den
       Geldmarkt aus.  Für den  in Produktionsstoffen  anzulegenden Teil
       ist dies  nur dann  unerläßlich, wenn er sie bar zahlen muß. Kann
       er sie  auf Kredit  erhalten, so übt dies keinen direkten Einfluß
       auf den  Geldmarkt, da  das zuschüssige  Kapital dann  direkt als
       Produktionsvorrat und  nicht in  erster Instanz  als  Geldkapital
       vorgeschossen wird.  Sofern sein  Kreditgeber etwa  den von X er-
       haltnen Wechsel  wieder direkt  auf den Geldmarkt wirft, ihn dis-
       kontieren läßt  etc., würde  dies indirekt, durch zweite Hand auf
       den Geldmarkt  wirken. Benutzt  er aber  diesen Wechsel, um damit
       z.B. eine später abzutragende Schuld zu decken, so wirkt dies zu-
       schüssig vorgeschoßne  Kapital weder direkt noch indirekt auf den
       Geldmarkt.
       
       II. Fall.  Preiswechsel der  Produktionsstoffe, alle  andren  Um-
       stände unverändert.
       
       Wir nahmen  eben an, daß das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. ausge-
       legt wird zu 4/5 = 720 Pfd.St. in Produktionsstoffen und zu 1/5 =
       180 Pfd.St. in Arbeitslohn.
       
       #294# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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       Fallen die  Produktionsstoffe um die Hälfte, so erfordern sie für
       die sechswöchentliche  Arbeitsperiode nur  240 Pfd. St. statt 480
       Pfd.St. und  für das  Zusatzkapital Nr.  II nur 120 Pfd.St. statt
       240 Pfd.St. Kapital I wird also reduziert von 600 Pfd.St. auf 240
       + 120 = 360 Pfd.St. und Kapital II von 300 Pfd.St. auf 120 + 60 =
       180 Pfd.St. Das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. auf 360 + 180 = 540
       Pfd.St. Es  werden also  ausgeschieden 360  Pfd.St.  Dies  ausge-
       schiedne und  jetzt unbeschäftigte, daher auf dem Geldmarkt iwage
       suchende Kapital,  Geldkapital, ist  nichts als ein Stück des ur-
       sprünglich  als   Geldkapital  vorgeschoßnen   Kapitals  von  900
       Pfd.St., das  durch den  Preisfall der Produktionselemente, worin
       es periodisch  rückverwandelt, überflüssig geworden ist, soll das
       Geschäft nicht  erweitert, sondern  auf  der  alten  Stufenleiter
       fortgesetzt werden.  Wäre dieser  Preisfall nicht  zufälligen Um-
       ständen geschuldet  (besonders reicher  Ernte, Überzufuhr  etc.),
       sondern einer Vermehrung der Produktivkraft in dem Zweig, der den
       Rohstoff liefert,  so wäre dies Geldkapital ein absoluter Zuschuß
       zum Geldmarkt,  überhaupt zu dem in der Form von Geldkapital dis-
       poniblen Kapital,  weil es  keinen integrierenden Bestandteil des
       bereits angewandten Kapitals mehr bildete.
       
       III. Fall. Preiswechsel im Marktpreis des Profits selbst.
       
       Hier geht bei Fall des Preises ein Teil des Kapitals verloren und
       muß daher  durch neuen  Vorschuß von  Geldkapital ersetzt werden.
       Dieser Verlust des Verkäufers mag wiedergewonnen werden durch den
       Käufer. Direkt, wenn das Produkt nur durch zufällige Konjunkturen
       in seinem  Marktpreis gefallen und nachher wieder auf seinen nor-
       malen Preis  steigt. Indirekt,  wenn der Preiswechsel durch Wert-
       wechsel hervorgebracht  ist, der  auf das  alte Produkt reagiert,
       und wenn dies Produkt wieder als Produktionselement in eine andre
       Produktionssphäre eingeht  und hier  pro tanto Kapital freisetzt.
       In beiden  Fällen kann das für X verlorne Kapital, für dessen Er-
       satz er  auf den  Geldmarkt drückt,  von seinen Geschäftsfreunden
       als neues zuschüssiges Kapital zugeführt sein. Es findet dann nur
       Übertragung statt.
       Steigt umgekehrt der Preis des Produkts, so wird ein Kapitalteil,
       der nicht  vorgeschossen war,  aus der Zirkulation angeeignet. Es
       ist kein  organischer Teil des im Produktionsprozeß vorgeschoßnen
       Kapitals und  bildet daher,  wenn die Produktion nicht ausgedehnt
       wird, ausgeschiednes  Geldkapital. Da  hier angenommen,  daß  die
       Preise der  Elemente des Produkts gegeben waren, bevor es als Wa-
       renkapital auf  den Markt  trat, so  könnte hier  ein  wirklicher
       Wertwechsel die  Preiserhöhung verursacht  haben, soweit  er  re-
       troaktiv wirkte,  z.B. die  Rohmaterialien nachträglich gestiegen
       wären. In diesem Falle gewänne der Kapitalist X an seinem als Wa-
       renkapital zirkulierenden
       
       #295# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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       Produkt und an seinem vorhandnen Produktionsvorrat. Dieser Gewinn
       würde ihm ein Zuschußkapital liefern, das bei den neuen, erhöhten
       Preisen der  Produktionselemente zum Fortbetrieb seines Geschäfts
       jetzt nötig wird.
       Oder aber  die Preiserhöhung ist nur vorrübergehend. Was dann auf
       Seite des  Kapitalisten X  als zuschüssiges  Kapital nötig  wird,
       fällt auf andrer Seite als freigesetztes aus, soweit sein Produkt
       ein Produktionselement  für andre Geschäftszweige bildet. Was der
       eine verloren, hat der andre gewonnen.

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