Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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#287# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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V. Wirkung von Preiswechsel
Wir haben eben unterstellt gleichbleibende Preise, gleichblei-
bende Stufenleiter der Produktion auf der einen Seite, Kontrak-
tion oder Expansion der Zirkulationszeit auf der andern. Unter-
stellen wir jetzt dagegen gleichbleibend Größe der Umschlagsperi-
ode, gleichbleibende Stufenleiter der Produktion, aber auf der
andern Seite Preiswechsel, d.h. Fall oder Steigen im Preis von
Rohmaterialen, Hilfsstoffen und Arbeit oder der beiden ersten
dieser Elemente. Gesetzt, der Preis von Roh- und Hilfsstoffen,
sowie der Arbeitslohn, falle um die Hälfte. Es wären dann also in
unserm Beispiel wöchentlich 50 Pfd.St. statt 100 Pfd.St. und für
die neunwöchentliche Umschlagsperiode 450 Pfd.St. statt 900
Pfd.St. vorgeschoßnes Kapital nötig. 450 Pfd.St. des vorgeschoß-
nen Kapitalwerts werden ausgeschieden zu nächst als Geldkapital,
aber der Produktionsprozeß auf derselben Stufenleiter und mit
derselben Umschlagsperiode und der hern Teilung derselben werde
fortgesetzt. Auch die jährliche Produktmasse bleibt dieselbe,
aber ihr Wert ist um die Hälfte gefallen. Weder eine Beschleuni-
gung im
#288# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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Umlauf, noch eine Änderung in der Masse des zirkulierenden Geldes
hat diesen Wechsel hervorgebracht, der auch von einem Wechsel in
Angebot und Nachfrage von Geldkapital begleitet ist. Umgekehrt.
Der Fall im Wert, resp. Preis, der Elemente des produktiven Kapi-
tals um die Hälfte hätte zuerst die Wirkung, daß ein um die
Hälfte verminderter Kapitalwert für das nach wie vor auf gleicher
Stufenleiter fortgeführte Geschäft X vorgeschossen, also auch nur
die Hälfte Geld von seiten des Geschäfts X auf den Markt zu wer-
fen wäre, da das Geschäft X diesen Kapitalwert zunächst in der
Form von Geld, d.h. als Geldkapital vorschießt. Die, in Zirkula-
tion geworfne Geldmasse hätte abgenommen, weil die Preise der
Produktionselemente gefallen. Dies wäre die erste Wirkung.
Zweitens aber: Die Hälfte des ursprünglich vorgeschoßnen Kapital-
werts von 900 Pfd.St. = 450 Pfd.St., die a) abwechselnd die Form
von Geldkapital, produktivem Kapital und Warenkapital durchlief,
b) sich gleichzeitig beständig nebeneinander zum Teil in der Form
von Geldkapital, zum Teil in der von produktivem Kapital und zum
Teil in der von Warenkapital befand, würde ausgeschieden aus dem
Kreislauf des Geschäfts X und daher als zuschüssiges Geldkapital
auf den Geldmarkt treten, als zuschüssiger Bestandteil auf ihn
wirken. Diese freigesetzten 450 Pfd.St. Geld wirken als Geldkapi-
tal, nicht weil sie zur Betreibung des Geschäfts X überschüssig
gewordnes Geld sind, sondern weil sie Bestandteil des Original-
Kapitalwerts sind, daher als Kapital fortwirken und nicht als
bloi3es Zirkulationsmittel verausgabt werden sollen. Die nächste
Form, sie als Kapital wirken zu lassen, ist, sie als Geldkapital
auf den Geldmarkt zu werfen. Andrerseits könnte auch die Stufen-
leiter der Produktion (abgesehn vom fixen Kapital) verdoppelt
werden. Mit demselben vorgeschoßnen Kapital von 900 Pfd.St. würde
dann ein Produktionsprozeß von doppeltem Umfang betrieben.
Stiegen andrerseits die Preise der flüssigen Elemente des produk-
tiven Kapitals um die Hälfte, so wären statt 100 Pfd.St. wöchent-
lich 150 Pfd.St. nötig, also statt 900 Pfd.St. vielmehr 1350 Pfd.
St. 450 Pfd.St. zuschüssiges Kapital wäre nötig, um das Geschäft
auf derselben Stufenleiter zu betreiben, und dies würde pro
tanto, je nach dem Stand des Geldmarkts, einen größern oder ge-
ringem Druck auf ihn ausüben. Wäre alles auf ihm disponible Kapi-
tal schon verlangt, so entstände erhöhte Konkurrenz um disponi-
bles Kapital. Läge ein Teil desselben brach, so würde er pro
tanto in Aktivität gerufen.
Aber es kann auch drittens, bei gegebner Stufenleiter der Produk-
tion, gleichbleibender Umschlagsgeschwindigkeit und gleichblei-
bendem Preise der Elemente des flüssigen produktiven Kapitals,
der Preis der Produkte des
#289# 15. Kapital - Wirkung der Umschlagszeit...
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Geschäfts X fallen oder steigen. Fällt der Preis der vom Geschäft
X gelieferten Waren, so sinkt der Preis seines Warenkapitals von
600 Pfd.St., die es beständig in Zirkulation warf, z.B. auf 500
Pfd.St. Ein Sechstl vom Wert des vorgeschoßnen Kapitals fließt
also nicht aus dem Zirkulationsprozeß zurück (der im Warenkapital
steckende Mehrwert bleibt hier außer Frage); es geht in demselben
verloren. Aber da der Wert, resp. Preis, der Produktionselemente
derselbe bleibt, reicht dieser Rückfluß von 500 Pfd.St. nur hin,
um 5/6 des beständig im Produktionsprozeß beschäftigten Kapitals
von 600 Pfd.St. zu ersetzen. Es müßten also 100 Pfd.St. zuschüs-
siges Geldkapital verausgabt werden, um die Produktion auf der-
selben Stufenleiter fortzusetzen.
Umgekehrt: Stiege der Preis der Produkte des Geschäfts X, so der
Preis des Warenkapitals von 600 Pfd.St. auf z. B. 700 Pfd.St. Ein
Siebentel seines Preises = 100 Pfd.St. kommt nicht aus dem Pro-
duktionsprozeß her, ist nicht in ihm vorgeschossen worden, son-
dern fließt aus dem Zirkulationsprozeß her. Es sind aber nur 600
Pfd.St. nötig, um die produktiven Elermnte zu ersetzen; also
Freisetzung von 100 Pfd.St. Die Untersuchung der Ursachen, warum
im ersten Fall die Umschlagsperiode sich abkürzt oder verlängert,
im zweiten Fall die Preise von Rohmaterial und Arbeit, im dritten
Fall die Preise der gelieferten Produkte steigen oder fallen, ge-
hört nicht in den Kreis der bisherigen Untersuchung. Was aber
wohl hierher gehört ist dies:
I Fall. Gleichbleibende Produktionsleiter, gleichbleibende Preise
der Produktionselemmte und Produkte, Wechsel in der Zirkulations-
und daher der Umschlagsperiode.
Nach Voraussetzung unsers Beispiels wird durch Verkürzung der
Zirkulationsperiode 1/9 weniger vorgeschoßnes Gesamtkapital nö-
tig, das letztre daher von 900 Pfd.St. auf 800 Pfd.St. reduziert
und 100 Pfd.St. Geldkapital ausgeschieden.
Das Geschäft X liefert nach wie vor dasselbe sechswöchentliche
Produkt mit demselben Wert von 600 Pfd.St., und da das ganze Jahr
hindurch ununterbrochen gearbeitet wird, liefert es in 51 Wochen
dieselbe Masse Produkt zum Wert von 5100 Pfd. St. Also in bezug
auf die Massen und den Preis des Produkts, den das Geschäft in
die Zirkulation wirft, besteht keine Verändrung, auch nicht in
bezug auf die Terrmine, in welchen es das Produkt auf den Markt
wirft. Aber es sind 100 Pfd.St. ausgeschieden, weil durch Verkür-
zung der Zirkulationsperiode der Prozeß mit nur 800 Pfd.St Vor-
schußkapital gesättigt ist, statt vorher nut 900 Pfd.St. Die 100
Pfd.St
#290# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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ausgeschiednes Kapital existieren in der Form von Geldkapital.
Sie repräsentieren aber keineswegs den Teil des vorgeschoßnen Ka-
pitals, der beständig in der Form von Geldkapital fungieren
müßte. Unterstellen wir, von dem vorgeschoßnen flüssigen Kapital
I = 600 Pfd.St. wurden 4/5, beständig in Produktionsmaterialien
ausgelegt, = 480 Pfd.St., und 1/5 = 120 Pfd.St. in Arbeitslohn.
Also wöchentlich 80 Pfd.St. in Produktionsstoffen, 20 Pfd.St. in
Arbeitslohn. Kapital II = 300 Pfd.St. muß also ebenfalls geteilt
werden in 4/5 = 240 Pfd.St. für Produktionsstoffe und 1/5 = 60
Pfd.St. für Arbeitslohn. Das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital
muß stets in Geldform vorgeschossen werden. Sobald das Warenpro-
dukt zum Wertbetrag von 600 Pfd.St. in Geldform rückverwandelt,
verkauft ist, können davon 480 Pfd.St. in Produktionsstoffe (in
produktiven Vorrat) verwandelt werden, aber 120 Pfd.St. behalten
ihre Geldform, um zur Zahlung des Arbeitslohns für 6 Wochen zu
dienen. Diese 120 Pfd.St. sind das Minimum des zurückfließenden
Kapitals von 600 Pfd.St., welches stets in der Form von Geldkapi-
tal erneuert und ersetzt werden, und daher stets als in Geldform
fungierender Teil des vorgeschoßnen Kapitals vorhanden sein muß.
Wenn nun von dem periodisch für drei Wochen freigesetzten, und
ebenfalls in 240 Pfd.St. produktiven Vorrat und 60 Pfd.St. Ar-
beitslohn spalt. baren, 300 Pfd.St. durch Verkürzung der Umlaufs-
zeit 100 Pfd.St. in der Form von Geldkapital ausgeschieden, ganz
aus dem Mechanismus des Umschlags herausgeworfen werden - wo
konunt das Geld für diese 100 Pfd.St. Geldkapital her? Nur zum
fünften Teil bestehn sie aus periodisch innerhalb der Umschläge
freigesetztem Geldkapital. Aber 4/5 = 80 Pfd.St. sind bereits er-
setzt durch zuschüssigen Produktionsvorrat zu demselben Wert. In
welcher Weise wird dieser zuschüssige Produktionsvorrat in Geld
verwandelt, und wo kommt das Geld zu diesem Umsatz her?
Ist die Verkürzung der Umlaufszeit einmal eingetreten, so werden
von den obigen 600 Pfd.St. statt 480 Pfd.St. nur 400 Pfd.St. in
Produktionsvorrat rückverwandelt. Die übrigen 80 Pfd.St. werden
in ihrer Geldform festgehalten und bilden mit den obigen 20
Pfd.St. für Arbeitlohn die 100 Pfd.St. ausgeschiednes Kapital.
Obgleich diese 100 Pfd.St. vermittelst des Kaufs der 600 Pfd.St.
Warenkapital aus der Zirkulation herkommen und ihr jetzt entzogen
werden, indem sie nicht wieder in Arbeitslohn und Prduktionsele-
menten ausgelegt werden, so ist nicht zu vergessen, daß sie in
Geldform wieder in derselben Form sind, worin sie ursprünglich in
die Zirkulation geworfen wurden. Anfänglich wurden 900 Pfd.St.
Geld in Produktionsvorrat und Arbeitslohn ausgelegt. Um denselben
Produktionsprozeß auszuführen, sind jetzt nur noch 800 Pfd.St.
nötig. Die hiermit in Geldform
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ausgeschiednen 100 Pfd.St. bilden jetzt ein neues, Anlage suchen-
des Geldkapital, einen neuen Bestandteil des Geldmarkts. Sie be-
fanden sich zwar periodisch schon früher in der Form von freige-
setztem Kreditkapital und von zuschüssigem Produktivkapital, aber
diese latenten Zustände selbst waren Bedingung für die Ausfüh-
rung, weil für die Kontinuität, des Produktionsprozesses. Jetzt
sind sie nicht mehr dazu nötig und bilden des, wegen neues Geld-
kapital und einen Bestandteil des Geldmarkts, obgleich sie durch-
aus weder ein zuschüssiges Element des vorhandnen gesellschaftli-
chen Geldvorrats bilden (denn sie existierten beim Beginn des Ge-
schäfts und wurden durch es in die Zirkulation geworfen) noch
einen neuakkumulierten Schatz. Diese 100 Pfd.St. sind jetzt in
der Tat der Zirkulation entzogen, soweit sie ein Teil des vorge-
schoßnen Geldkapitals sind, der nicht mehr in demselben Geschäft
angewandt wird. Aber diese Entziehung ist nur möglich, weil die
Verwandlung des Warenkapitals in Geld und dieses Geldes produkti-
ves Kapital, W'-G-W, um eine Woche beschleunigt, also auch der
Umlauf des in diesem Prozeß tätigen Geldes beschleunigt ist. Sie
sind ihr entzogen, weil sie nicht mehr zum Umschlag des Kapitals
X nötig. Es ist hier angenommen, daß das vorgeschoßne Kapital
seinem Anwender gehört. Wäre es geborgt, so änderte das nichts.
Mit der Verkürzung der Umlaufszeit hätte er statt 900 Pfd.St. nur
noch 800 Pfd.St. geborgtes Kapital nötig. 100 Pfd.St. dem Borger
zurückgegeben, bilden nach wie vor 100 Pfd.St. neues Geldkapital,
nur in der Hand von Y statt in der Hand von X. Erhält ferner Ka-
pitalist X seine Produktionsstoffe zum Wert von 480 Pfd.St. auf
Kredit, so daß er nur 120 Pfd.St. in Geld für Arbeitslohn selbst
vorzuschießen hat, so würde er jetzt für 80 Pfd.St. weniger Pro-
duktionsstoffe auf Kredit zu beziehn haben, diese also überschüs-
siges Warenkapital für den Kredit gebenden Kapitalisten bilden,
während Kapitalist X 20 Pfd.St. in Geld ausgeschieden hätte. Der
zuschüssige Produktionsvorrat ist jetzt reduziert um 1/3. Er war,
als 4/5 von 300 Pfd.St., dem zuschüssigen Kapital II, = 240
Pfd.St., er ist jetzt nur = 160 Pfd.St.; d. h. zuschüssiger Vor-
rat für 2 Wochen statt für 3. Er wird jetzt alle 2 Wochen erneu-
ert statt alle 3, aber auch nur für 2 Wochen statt für 3. Die
Einkäufe, z.B. auf dem Baumwollmarkt, wiederholen sich so häufi-
ger und in kleinern Portionen. Dieselbe Portion Baumwolle wird
dem Markt entzogen, denn die Masse des Produkts bleibt gleich.
Aber die Entziehung verteilt sich anders in der Zeit und über
mehr Zeit. Nehmen wir z.B. an, es handle sich um 3 Monate und um
2; der Jahreskonsum an Baumwolle sei 1200 Ballen. Im ersten Fall
werden verkauft:
#292# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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1. Januar 300 Ballen, bleiben auf Lager 900 Ballen
1. April 300 " " " " 600 "
1. Juli 300 " " " " 300 "
1. Oktober 300 " " " " 0 "
Dagegen im zweiten Fall:
1. Januar verkauft 200, auf Lager 1000 Ballen
1. März " 200, " " 800 "
1. Mai " 200, " " 600 "
1. Juli " 200, " " 400 "
1. September " 200, " " 200 "
1. November " 200, " " 0 "
Also fließt das in Baumwolle angelegte Geld erst einen Monat spä-
ter vollständig zurück, im November statt im Oktober. Wenn also
durch die Ver kürzung der Umlaufszeit, und damit des Umschlags,
1/9 des vorgeschoßnen Kapitals = 100 Pfd.St. ausgeschieden wird
in der Form von Geldkapital, und wenn diese 100 Pfd.St. sich zu-
sammensetzten aus 20 Pfd.St. periodisch überschüssigem Geldkapi-
tal für Zahlung des Wochenlohns und aus 80 Pfd.St., die als peri-
odisch überschüssiger Produktionsvorrat für eine Woche existier-
ten - so entspricht, mit Bezug auf diese 80 Pfd.St., dem verrin-
gerten überschüssigen Produktionsvorrat auf Seite des Fabrikanten
der vergrößerte Warenvorrat auf Seite des Baumwollhändlers. Die-
selbe Baumwolle liegt ebensoviel länger auf seinem Lager als
Ware, als sie kürzer auf dem Lager des Fabrikanten als Produkti-
onsvorrat liegt.
Bisher nahmen wir an, die Verkürzung der Umlaufszeit im Geschäft
X rühre daher, daß X seine Ware rascher verkauft oder bezahlt er-
hält, resp. bei Kredit der Zahlungstermin verkürzt wird. Diese
Verkürzung ist also abgeleitet aus einer Verkürzung des Verkaufs
der Ware, der Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital, W'-G,
der ersten Phase des Zirkulationsprozesses. Sie könnte auch ent-
springen aus der zweiten Phase G-W und daher aus gleichzeitiger
Ändrung, sei es in der Arbeitsperiode, sei es in der Umlaufszeit
der Kapitale Y, Z etc., die dem Kapitalisten X die Produktionse-
lemente seines flüssigen Kapitals liefern.
Z.B. wenn Baumwolle, Kohle etc. bei dem alten Transport 3 Wochen
auf Reisen sind von ihrem Produktions- oder Stapelplatz bis zum
Sitz der Produktionsstätte des Kapitalisten X, so muß das Minimum
des Produktionsvorrats von X bis zur Ankunft neuer Vorräte wenig-
stens für 3 Wochen reichen. Solange Baumwolle und Kohle sich auf
Reisen befinden, können sie nicht als Produktionsmittel dienen.
Sie bilden jetzt vielmehr einen
#293# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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Arbeitsgegenstand der Transportindustrie und des darin beschäf-
tigten Kapitals und in seiner Zirkulation befindliches Warenkapi-
tal für den Kohlenproduzenten oder den Baumwollenverkäufer. Bei
verbessertem Transport reduziere sich die Reise auf 2 Wochen. So
kann der Produktionsvorrat aus einem dreiwöchentlichen sich in
einen zweiwöchentlichen verwandeln. Damit wird das hierfür vorge-
schoßne Zuschußkapital von 80 Pfd.St. freigesetzt und ebenso das
von 20 Pfd.St. für Arbeitslohn, weil das umgeschlagne Kapital von
600 Pfd.St. eine Woche früher zurückfließt.
Andrerseits, wenn z.B. die Arbeitsperiode des Kapitals das den
Rohstoff liefert, sich verkürzt (wovon Beispiele in den vorigen
Kapiteln gegeben), also auch die Möglichkeit, den Rohstoff zu er-
neuern, kann der produktive Vorrat sich vermindern, der Zeitraum
von einer Erneuerungsperiode bis zur andern sich verkürzen.
Wenn umgekehrt die Umlaufszeit und daher die Umschlagsperiode
sich verlängert, so ist Vorschuß von zuschüssigem Kapital nötig.
Aus der Tasche des Kapitalisten selbst, wenn er zuschüssiges Ka-
pital besitzt. Dies wird dann aber in irgendeiner Form angelegt
sein, als Teil des Geldmarkts; um es disponibel zu machen, muß es
aus der alten Form losgeschält, z.B. Aktien verkauft, Depositen
entzogen werden, so daß auch hier indirekte Wirkung auf den Geld-
markt eintritt. Oder er muß es aufnehmen. Was den für Arbeitslohn
nötigen Teil des zuschüssigen Kapitals betrifft, so ist er unter
normalen Umständen stets als Geldkapital vorzuschießen, und hier-
für übt der Kapitalist X seinen Anteil direkten Drucks auf den
Geldmarkt aus. Für den in Produktionsstoffen anzulegenden Teil
ist dies nur dann unerläßlich, wenn er sie bar zahlen muß. Kann
er sie auf Kredit erhalten, so übt dies keinen direkten Einfluß
auf den Geldmarkt, da das zuschüssige Kapital dann direkt als
Produktionsvorrat und nicht in erster Instanz als Geldkapital
vorgeschossen wird. Sofern sein Kreditgeber etwa den von X er-
haltnen Wechsel wieder direkt auf den Geldmarkt wirft, ihn dis-
kontieren läßt etc., würde dies indirekt, durch zweite Hand auf
den Geldmarkt wirken. Benutzt er aber diesen Wechsel, um damit
z.B. eine später abzutragende Schuld zu decken, so wirkt dies zu-
schüssig vorgeschoßne Kapital weder direkt noch indirekt auf den
Geldmarkt.
II. Fall. Preiswechsel der Produktionsstoffe, alle andren Um-
stände unverändert.
Wir nahmen eben an, daß das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. ausge-
legt wird zu 4/5 = 720 Pfd.St. in Produktionsstoffen und zu 1/5 =
180 Pfd.St. in Arbeitslohn.
#294# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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Fallen die Produktionsstoffe um die Hälfte, so erfordern sie für
die sechswöchentliche Arbeitsperiode nur 240 Pfd. St. statt 480
Pfd.St. und für das Zusatzkapital Nr. II nur 120 Pfd.St. statt
240 Pfd.St. Kapital I wird also reduziert von 600 Pfd.St. auf 240
+ 120 = 360 Pfd.St. und Kapital II von 300 Pfd.St. auf 120 + 60 =
180 Pfd.St. Das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. auf 360 + 180 = 540
Pfd.St. Es werden also ausgeschieden 360 Pfd.St. Dies ausge-
schiedne und jetzt unbeschäftigte, daher auf dem Geldmarkt iwage
suchende Kapital, Geldkapital, ist nichts als ein Stück des ur-
sprünglich als Geldkapital vorgeschoßnen Kapitals von 900
Pfd.St., das durch den Preisfall der Produktionselemente, worin
es periodisch rückverwandelt, überflüssig geworden ist, soll das
Geschäft nicht erweitert, sondern auf der alten Stufenleiter
fortgesetzt werden. Wäre dieser Preisfall nicht zufälligen Um-
ständen geschuldet (besonders reicher Ernte, Überzufuhr etc.),
sondern einer Vermehrung der Produktivkraft in dem Zweig, der den
Rohstoff liefert, so wäre dies Geldkapital ein absoluter Zuschuß
zum Geldmarkt, überhaupt zu dem in der Form von Geldkapital dis-
poniblen Kapital, weil es keinen integrierenden Bestandteil des
bereits angewandten Kapitals mehr bildete.
III. Fall. Preiswechsel im Marktpreis des Profits selbst.
Hier geht bei Fall des Preises ein Teil des Kapitals verloren und
muß daher durch neuen Vorschuß von Geldkapital ersetzt werden.
Dieser Verlust des Verkäufers mag wiedergewonnen werden durch den
Käufer. Direkt, wenn das Produkt nur durch zufällige Konjunkturen
in seinem Marktpreis gefallen und nachher wieder auf seinen nor-
malen Preis steigt. Indirekt, wenn der Preiswechsel durch Wert-
wechsel hervorgebracht ist, der auf das alte Produkt reagiert,
und wenn dies Produkt wieder als Produktionselement in eine andre
Produktionssphäre eingeht und hier pro tanto Kapital freisetzt.
In beiden Fällen kann das für X verlorne Kapital, für dessen Er-
satz er auf den Geldmarkt drückt, von seinen Geschäftsfreunden
als neues zuschüssiges Kapital zugeführt sein. Es findet dann nur
Übertragung statt.
Steigt umgekehrt der Preis des Produkts, so wird ein Kapitalteil,
der nicht vorgeschossen war, aus der Zirkulation angeeignet. Es
ist kein organischer Teil des im Produktionsprozeß vorgeschoßnen
Kapitals und bildet daher, wenn die Produktion nicht ausgedehnt
wird, ausgeschiednes Geldkapital. Da hier angenommen, daß die
Preise der Elemente des Produkts gegeben waren, bevor es als Wa-
renkapital auf den Markt trat, so könnte hier ein wirklicher
Wertwechsel die Preiserhöhung verursacht haben, soweit er re-
troaktiv wirkte, z.B. die Rohmaterialien nachträglich gestiegen
wären. In diesem Falle gewänne der Kapitalist X an seinem als Wa-
renkapital zirkulierenden
#295# 15. Kapitel - Wirkung der Umschlagszeit...
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Produkt und an seinem vorhandnen Produktionsvorrat. Dieser Gewinn
würde ihm ein Zuschußkapital liefern, das bei den neuen, erhöhten
Preisen der Produktionselemente zum Fortbetrieb seines Geschäfts
jetzt nötig wird.
Oder aber die Preiserhöhung ist nur vorrübergehend. Was dann auf
Seite des Kapitalisten X als zuschüssiges Kapital nötig wird,
fällt auf andrer Seite als freigesetztes aus, soweit sein Produkt
ein Produktionselement für andre Geschäftszweige bildet. Was der
eine verloren, hat der andre gewonnen.
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