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#345# 17. Kapitel - Die Zirkulation des Mehrwerts
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II. Akkumulation und enveiterte Reproduktion
Soweit die Akkumulation in der Form von Reproduktion auf erwei-
terter Stufenleiter stattfindet, ist es klar, daß sie kein neues
Problem mit Bezug auf die Geldzirkulation bietet.
Was zunächst das zuschüssige Geldkapital betrifft, erheischt zur
Funktion des wachsenden produktiven Kapitals, so wird es gelie-
fert durch den Teil des realisierten Mehrwerts, der als Geldkapi-
tal, statt als Geldform der Revenue, von den Kapitalisten in Zir-
kulation geworfen wird. Das Geld ist bereits in der Hand der Ka-
pitalisten. Bloß seine Anwendung ist verschieden.
Nun wird aber infolge des zuschüssigen produktiven Kapitals, als
sein Produkt, eine zuschüssige Warenmasse in Zirkulation gewor-
fen. Mit dieser zuschüssigen Warenmasse wurde zugleich ein Teil
des zu ihrer Realisation nötigen zuschüssigen Gelds in Zirkula-
tion geworfen, soweit nämlich der Wert dieser Warenrnasse gleich
ist dem Wert des in ihrer Produktion verzehrten produktiven Kapi-
tals. Diese zuschüssige Geldmasse ist gerade als zuschüssiges
Geldkapital vorgeschossen worden und fließt daher zum Kapitali-
sten zurück durch den Umschlag seines Kapitals. Hier tritt wieder
#346# II. Abschnitt - Der Umschlag des Kapitals
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dieselbe Frage auf wie oben. Wo kommt das zuschüssige Geld her,
um den jetzt in Warenform vorhandnen zuschüssigen Mehrwert zu re-
alisieren?
Die allgemeine Antwort ist wieder dieselbe. Die Preissumme der
zirkulierenden Waremnasse ist vermehrt, nicht, weil die Preise
einer gegebnen Warenmasse gestiegen, sondern weil die Masse der
jetzt zirkulierenden Waren größer ist als die der früher zirku-
lierenden Waren, ohne daß dies durch einen Fall der Preise ausge-
glichen wäre. Das zur Zirkulation dieser größern Warenmasse von
größrem Wert erforderte zuschüssige Geld muß beschafft werden
entweder durch erhöhte Ökonomisierung der zirkulierenden Geld-
masse - sei es durch Ausgleichung der Zahlungen etc., sei es
durch Mittel, welche den Umlauf derselben Geldstücke beschleuni-
gen - oder aber durch Verwandlung von Geld aus der Schatzform in
die zirkulierende Form. Letztres schließt nicht nur ein, daß
brachliegendes Geldkapital in Funktion tritt als Kauf- oder Zah-
lungsmittel; oder auch, daß bereits als Reservefonds fungierendes
Geldkapital, während es seinem Eigner die Funktion des Reser-
vefonds vollzieht, für die Gesellschaft aktiv zirkuliert (wie bei
Depositen in Banken, die beständig ausgeliehen werden), also dop-
pelte Funktion vollzieht -, sondern auch, daß die stagnierenden
Reservefonds von Münze ökonomisiert werden.
"Damit das Geld als Münze beständig fließt, muß die Münze bestän-
dig zu Geld gerinnen. Der beständige Umlauf der Münze ist bedingt
durch ihre beständige Stockung in größern oder kleinern Portio-
nen, in allseitig innerhalb der Zirkulation ebensowohl entsprin-
genden als sie bedingenden Reservefonds von Münze, deren Bildung,
Verteilung, Auflösung und Wiederbildung stets wechselt, deren Da-
sein beständig verschwindet, deren Verschwinden beständig da ist.
A. Smith hat diese unaufhörliche Verwandlung der Münze in Geld
und des Geldes in Münze so ausgedruckt, daß jeder Warenbesitzer
neben der besondren Ware, die er verkauft, eine gewisse Summe der
allgemeinen Ware, womit er kauft, stets vorrätig haben müsse. Wir
sahen, daß in der Zirkulation W-G-W das zweite Glied G-W sich be-
ständig in eine Reihe Käufe zersplittert, die sich nicht auf ein-
mal, sondern sukzessiv in der Zeit vollziehn, so daß eine Portion
von G als Münze umläuft, während die andre als Geld ruht. Das
Geld ist hier in der Tat nur suspendierte imünze, und die einzel-
nen Bestandteile der umlaufenden Münzmasse erscheinen stets wech-
selnd, bald in der einen, bald in der andren Form. Diese erste
Verwandlung des Zirkulationsmittels in Geld stellt daher ein nur
technisches Moment des Geldumlaufs selbst dar." (Karl Marx, "Zur
Kritik der Politischen Oekonomie", 1859, S. 105, 106. 1*) -
"Münze" im Gegensatz
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1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 104
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zu Geld wird hier gebraucht zur Bezeichnung des Geldes in seiner
Funktion als bloßes Zirkulationsmittel im Gegensatz zu seinen Üb-
rigen Funktionen.)
Soweit alle diese Mittel nicht hinreichen, muß zuschüssige Gold-
produktion stattfinden, oder, was auf dasselbe herauskommt, ein
Teil des zuschüssigen Produkts wird gegen Gold - das Produkt der
Länder der Edelmetallproduktion - direkt oder indirekt ausge-
tauscht.
Die ganze Summe der Arbeitskraft und der gesellschaftlichen Pro-
duktionsmittel, die in der jährlichen Produktion von Gold und
Silber als Instrumenten der Zirkulation verausgabt wird, bildet
einen schweren Posten der faux frais der kapitalistischen, über-
haupt der auf Warenproduktion gegründeten Produktionsweise. Sie
entzieht der gesellschaftlichen Ausnutzung eine entsprechende
Summe möglicher, zuschüssiger Mittel der Produktion und Konsum-
tion, d.h. des wirklichen Reichtums. Soweit bei gleichbleibender
gegebner Stufenleiter der Produktion oder bei gegebnem Grad ihrer
Ausdehnung die Kosten dieser teuren Zirkulationsmaschinerie ver-
mindert werden, soweit wird dadurch die Produktivkraft der ge-
sellschaftlichen Arbeit gesteigert. Soweit also die mit dem Kre-
ditwesen sich entwickelnden Aushilfsmittel diese Wirkung haben,
vermehren sie direkt den kapitalistischen Reichtum, sei es, daß
ein großer Teil des gesellschaftlichen Produktions- und Arbeits-
prozesses dadurch ohne alle Intervention von wirklichem Geld
vollzogen, sei es, daß die Funktionsfähigkeit der wirklich fun-
gierenden Geldmasse gesteigert wird.
Es erledigt sich damit auch die abgeschmackte Frage, ob die kapi-
talistische Produktion in ihrem jetzigen Umfang ohne das Kredit-
wesen (selbst nur von diesem Standpunkt betrachtet) möglich wäre,
d.h. mit bloß metallischer Zirkulation. Es ist dies offenbar
nicht der Fall. Sie hätte vielmehr Schranken gefunden an dem Um-
fang der Edelmetallproduktion. Andrerseits muß man sich keine my-
stischen Vorstellungen machen über die produktive Kraft des Kre-
ditwesens, soweit es Geldkapital zur Verfügung stellt oder flüs-
sig macht. Die weitre Entwicklung hierüber gehört nicht hierher.
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Es ist nun der Fall zu betrachten, wo nicht wirkliche Akkumula-
tion, d.h. unmittelbare Erweitrung der Produktionsleiter statt-
findet, sondern ein Teil des realisierten Mehrwerts für längre
oder kürzre Zeit als Geldreservefonds aufgehäuft wird, um später
in produktiver Kapital verwandelt zu werden.
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Soweit das sich so akkumullerende Geld zuschüssig, ist die Sache
selbst verständlich. Es kann nur Teil des aus den Gold produzie-
renden Ländern zugeführten überschüssigen Goldes sein. Es ist da-
bei zu merken, daß das nationale Produkt, wogegen dies Gold ein-
geführt, nicht länger im Lande existiert. Es ist ins Ausland weg-
gegeben gegen Gold.
Wird dagegen unterstellt, daß nach wie vor dieselbe Masse Geld im
Land, so ist das aufgehäufte und sich aufhäufende Geld aus der
Zirkulation hergeflossen; bloß seine Funktion ist verwandelt. Aus
zirkulierendem Geld ist es in sich allmählich bildendes, latentes
Geldkapital verwandelt. Das Geld, das hier aufgehäuft wird, ist
die Geldform von verkaufter Ware, und zwar von dem Teile ihres
Werts, der für ihren Besitzer Mehrwert darstellt. (Das Kreditwe-
sen wird hier als nicht existierend vorausgesetzt.) Der Kapita-
list, der dies Geld aufgehäuft, hat pro tanto verkauft, ohne zu
kaufen.
Stellt man sich diesen Vorgang partiell vor, so ist nichts daran
zu erklären. Ein Teil der Kapitalisten behält einen Teil des aus
dem Verkauf seines Produkts gelösten Geldes, ohne dafür Produkt
dem Markt zu entziehn. Ein andrer Teil dagegen verwandelt, mit
Ausnahme des beständig rekurrierenden, für den Produktionsbetrieb
nötigen Geldkapitals, sein Geld ganz in Produkt. Ein Teil des als
Träger von Mehrwert auf den Markt geworfnen Produkts besteht aus
Produktionsmitteln oder aus den realen Elementen des variablen
Kapitals, notwendigen Lwebensmitteln. Es kann also sofort zur Er-
weiterung der Produktion dienen. Denn es ist keineswegs unter-
stellt, daß ein Teil der Kapitalisten Geldkapital aufhäuft, wäh-
rend der andre seinen Mehrwert ganz verzehrt, sondern nur, daß
der eine Teil seine Akkumula, tion in Geldform vollzieht, laten-
tes Geldkapital bildet, während der andre wirklich akkumuliert,
d.h. die Produktionsleiter erweitert, sein produktives Kapital
wirklich ausdehnt. Die vorhandne Geldmasse bleibt hinreichend für
die Bedürfnisse der Zirkulation, selbst wenn abwechselnd ein Teil
der Kapitalisten Geld aufhäuft, während der andre die Produkti-
onsleiter erweitert, und umgekehrt. Die Geldaufhäufung auf der
einen Seite kann zudem auch ohne bares Geld durch bloße Aufhäu-
fung von Schuldforderungen vor sich gehn.
Aber die Schwierigkeit kommt dann, wenn wir nicht partielle, son-
dern allgemeine Akkumulation von Geldkapital in der Kapitalisten-
klasse voraussetzen. Außer dieser Klasse gibt es nach unsrer Un-
terstellung - allgemeine und ausschließliche Herrschaft der kapi-
talistischen Produktion überhaupt keine andre Klasse als die Ar-
beiterklasse. Alles, was die Arbeiterklasse kauft, ist gleich der
Summe ihres Arbeitslohns, gleich der Summe des
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von der gesamten Kapitalistenklasse vorgeschoßnen variablen Kapi-
tals. Dies Geld strömt der letztren zurück durch den Verkauf
ihres Produkts an die Arbeiterklasse. Ihr variables Kapital er-
hält dadurch wieder seine Geldform. Die Summe des variablen Kapi-
tals sei = x x 100 Pfd.St., d.h. die Sunune nicht des im Jahre
vorgeschoßnen, sondern angewandten variablen Kapitals; mit wie
viel oder wenig Geld, je nach Umschlagsgeschwindigkeit, dieser
variable Kapitalwert während des Jahrs vorgeschon wird, ändert an
der jetzt betrachteten Frage nichts. Mit diesen x x 100 Pfd.St.
Kapital kauft die Kapitalistenklasse eine gewisse Masse Arbeits-
kraft, oder zahlt ihn an eine gewisse Zahl Arbeiter - erste
Transaktion. Die Arbeiter kaufen mit derselben Summe ein Quantum
Waren von den Kapitalisten, damit fließt die Summe von x x 100
Pfd.St. in die Hände der Kapitalisten zurück - zweite Transak-
tion. Und dies wiederholt sich beständig. Die Summe von x x 100
Pfd.St. kann also nie die Arbeiterklasse befähigen, den Teil des
Produkts zu kaufen, worin sich das konstante Kapital, geschweige
den Teil, worin sich der Mehrwert der Kapitalistenklasse dar-
stellt. Die Arbeiter können mit den x x 100 Pfd.St. immer nur
einen Wertteil des gesellschaftlichen Produkts kaufen, der gleich
ist dem Wertteil, worin sich der Wert des vorgeschoßnen variablen
Kapitals darstellt.
Abgesehn von dem Fall, worin diese allseitige Geldakkumulation
nichts ausdrückt als die Verteilung des zuschüssig eingeführten
Edelmetalls, in welcher Proportion immer, unter die verschiednen
einzelnen Kapitalisten wie soll da also die gesamte Kapitalisten-
klasse Geld akkumulieren?
Sie müßten alle einen Teil ihres Produkts verkaufen, ohne wieder
zu kaufen. Daß sie alle einen bestimmten Geldfonds besitzen, den
sie als Zirkulationsmittel für ihre Konsumtion in Zirkulation
werfen, und wovon jedem wieder ein gewisser Teil aus der Zirkula-
tion zurückfließt, ist durchaus nichts Mysteriöses. Aber dieser
Geldfonds besteht dann gerade als Zirkulationsfonds durch die
Versilberung des Mehrwerts, keineswegs aber als latentes Geldka-
pital.
Betrachtet man die Sache, wie sie sich in der Wirklichkeit er-
eignet, so besteht das latente Geldkapital, das zu spätrern Ge-
brauch aufgehäuft wird:
1. Aus Depositen in Banken; und es ist eine verhältnismäßig ge-
ringe Geldsumme, worüber die Bank wirklich verfügt. Es ist hier
nur nominell Geldkapital aufgehäuft. Was wirklich aufgehäuft ist,
sind Geldfordrungen, die nur deswegen versilberbar sind (soweit
sie je versilbert werden), weil ein Gleichgewicht zwischen dem
zurückgeforderten und dem eingelegten Geld stattfindet. Was sich
als Geld in den Händen der Bank befindet, ist relativ nur eine
kleine Sunune.
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2. Aus Staatspapieren. Diese sind überhaupt kein Kapital, sondern
bloße Schuldforderungen auf das jährliche Produkt der Nation.
3. Aus Aktien. Soweit kein Schwindel, sind sie Besitztitel auf
einer Korporation gehöriges wirkliches Kapital und Anweisung auf
den daraus jährlich fließenden Mehrwert.
In allen diesen Fällen besteht keine Aufhäufung von Geld, son-
dern, was auf der einen Seite als Aufhäufung von Geldkapital, er-
scheint auf der andren als beständige, wirkliche Verausiabung von
Geld. Ob das Geld von dem verausgabt wird, dem es gehört, oder
von andren, seinen Schuldnern, ändert nichts an der Sache.
Auf Grundlage der kapitalistischen Produktion ist die Schatzbil-
dung als solche nie Zweck, sondern Resultat entweder einer Stoc-
kung der Zirkulation - indem größre Geldmassen als gewöhnlich die
Schatzform annehmen - oder der durch den Umschlag bedingten An-
häufungen, oder endlich: der Schatz ist nur Bildung von Geldkapi-
tal, einstweilen in latenter Form, bestimmt, als produktives Ka-
pital zu fungieren.
Wenn daher auf der einen Seite ein Teil des in Geld realisierten
Mehrwerts der Zirkulation entzogen und als Schatz aufgehäuft
wird, so wird gleichzeitig beständig ein andrer Teil des Mehr-
werts in produktives Kapital verwandelt. Mit Ausnahme der Vertei-
lung zuschüssigen Edelmetalls unter die Kapitalistenklasse findet
die Aufhäufung in Geldform nie gleichzeitig an allen Punkten
statt.
Von dem Teil des jährlichen Produkts, der Mehrwert in Warenform
darstellt, gilt ganz dasselbe, was von dem andren Teil des jähr-
lichen Produkts. Zu seiner Zirkulation ist eine gewisse Geldsumme
erheischt. Diese Geldsumme gehört ebensowohl der Kapitalisten-
klasse wie die jährlich produzierte Warenrmsse, die Mehrwert dar-
stellt. Sie wird ursprünglich von der Kapitalistnklasse selbst in
Zirkulation geworfen. Sie verteilt sich beständig von neuem unter
sie durch die Zirkulation selbst. Wie bei der Zirkulation der
Münze überhaupt, stockt ein Teil dieser Masse an beständig wech-
selnden Punkten, während ein andrer Teil beständig zirkuliert. Ob
ein Teil dieser Anhäufung absichtlich ist, um Geldkapital zu bil-
den, ändert an der Sache nichts.
Es ist hier abgesehn worden von den Abenteuern der Zirkulation,
wodurch ein Kapitalist ein Stück vom Mehrwert und selbst vom Ka-
pital des andern an sich reißt und daher eine einseitige Akkumu-
lation und Zentralisation sowohl für Geldkapital wie produktives
Kapital eintritt. So kann z.B. Teil des erbeuteten Mehrwerts, den
A als Geldkapital aufhäuft, ein Stück vom Mehrwert des B sein,
das nicht zu ihm zurückfließt.
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