Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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#354# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation...
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II. Die Rolle des Geldkapitals
{Obgleich das Folgende erst in den spätern Teil dieses Abschnitts
gehört, so wollen wir es gleich untersuchen, nämlich: das Geldka-
pital als Bestandtell des gesellschaftlichen Gesamtkapitals be-
trachtet.}
Bei Betrachtung des Umschlags des individuellen Kapitals hat sich
das Geldkapital von zwei Seiten gezeigt.
Erstens: Es bildet die Form, worin jedes individuelle Kapital auf
die Bühne tritt, seinen Prozeß als Kapital eröffnet. Es erscheint
daher als primus motor 1*), anstoßgebend dem ganzen Prozeß.
Zweitens: Je nach der verschiednen Länge der Umschlagsperiode und
dem verschiednen Verhältnis ihrer beiden Bestandteile - Ar-
beitsperiode und Zirkulationsperiode - ist der Bestandteil des
vorgeschoßnen Kapitalwerts, der beständig in Geldform vorgeschos-
sen und erneuert werden muß, verschieden im Verhältnis zu dem
produktiven Kapital, das er in Bewegung setzt, d.h. im Verhältnis
zur kontinuierlichen Produktionsleiter. Welches aber immer dies
Verhältnis sei, unter allen Umständen ist der Teil des prozessie-
renden Kapitalwerts, der beständig als produktives Kapital fun-
gieren kann, beschränkt durch den Teil des vorgeschoßnen Kapital-
werts, der beständig neben dem produktiven Kapital in Geldform
existieren muß. Es handelt sich hier nur um den normalen Um-
schlag, einen abstrakten Durchschnitt.
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1*) erste Triebkraft
#355# 18. Kapitel - Einleitung
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Es ist dabei abgesehn von zuschüssigem Geldkapital zur Ausglei-
chung von Zirkulationsstockungen.
Zum ersten Punkt. Die Warenproduktion unterstellt die Warenzirku-
lation, und die Warenzirkulation unterstellt die Darstellung der
Ware als Geld, die Geldzirkulation; die Verdopplung der Ware in
Ware und Geld ist ein Gesetz der Darstellung des Produkts als
Ware. Ebenso unterstellt die kapitalistische Warenproduktion -
gesellschaftlich sowohl wie individuell betrachtet - das Kapital
in Geldform oder das Geldkapital als primus motor für jedes neu
beginnende Geschäft und als kontinuierlichen Motor. Das zirkulie-
rende Kapital speziell unterstellt das in kürzern Zeiträumen be-
ständig wiederholte Auftreten des Geldkapitals als Motor. Der
ganze vorgeschoßne Kapitalwert, d.h. alle Bestandteile des Kapi-
tals, die aus Waren bestehn, Arbeitskraft, Arbeitsttel und Pro-
dahonsstoffe müssen beständig mit Geld gekauft und wieder gekauft
werden. Was hier für das individuelle Kapital, gilt für das ge-
sellschaftliche Kapital, das nur in der Form vieler individuellen
Kapitale fungiert. Aber wie schon im Buch I gezeigt, folgt daraus
keineswegs, daß das Funktionsfeld des Kapitals, die Stufenleiter
der Produktion, selbst auf kapitalistischer Grundlage, ihren ab-
soluten Schranken nach abhängt von dem Umfang des fungierenden
Geldkapitals. Dem Kapital sind Produktionselemente einverleibt,
deren Dehnung, innerhalb gewisser Grenzen, von der Größe des vor-
geschoßnen Geldkapitals unabhängig ist. Bei gleicher Zahlung der
Arbeitskraft kann sie extensiv oder intensiv stärker ausgebeutet
werden. Wird das Geldkapital mit dieser stärkern Ausbeutung ver-
mehrt (d.h. der Arbeitslohn erhöht), so nicht verhältnismäßig,
also pro tanto gar nicht.
Der produktiv ausgebeutete Naturstoff - der kein Wertelement des
Kapitals bildet -, Erde, Meer, Erze, Waldungen usw., wird mit
größrer Spannung derselben Anzahl von Arbeitskräften intensiv
oder extensiv stärker ausgebeutet, ohne vermehrten Vorschuß von
Geldkapital. Die realen Elemente des produktiven Kapitals werden
so vermehrt, ohne Notwendigkeit eines Zuschusses von Geldkapital.
Soweit dieser nötig wird für zuschüssige Hilfsstoffe, wird das
Geldkapital, worin der Kapitalwert vorgeschossen wird, nicht ver-
hältnismäßig zur Erweiterung der Wirksamkeit des produktiven Ka-
pitals vermehrt, also pro tanto gar nicht.
Dieselben Arbeitsttel, also dasselbe fixe Kapital, kann sowohl in
der Verlängrung seiner täglichen Gebrauchszeit wie in der Inten-
sität seiner Anwendung wirksamer vernutzt werden ohne zuschüssige
Geldauslage für fixes Kapital. Es findet dann nur raschrer Um-
schlag des fixen Kapitals statt, aber auch die Elemente seiner
Reproduktion werden rascher geliefert.
#356# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation...
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Von dem Naturstoff abgesehn, können Naturkräfte, die nichts ko-
sten, als Agenten dem Produktionsprozeß mit stärkrer oder
schwächrer Wirksamkeit einverleibt werden. Der Grad ihrer Wirk-
samkeit hängt von Methoden und wissenschaftlichen Fortschritten
ab, die dem Kapitalisten nichts kosten.
Dasselbe gilt von der gesellschaftlichen Kombination der Arbeits-
kraft im Produktionsprozeß und von der gehäuften Geschicklichkeit
der individuellen Arbeiter. Carey rechnet heraus, daß der Grund-
eigentümer nie genug erhält, weil ihm nicht alles Kapital, resp.
Arbeit gezahlt wird, die seit Menschengedenken in den Boden ge-
steckt worden, um ihm seine jetzige Produktionsfähigkeit zu ge-
ben. (Von der Produktionsfähigkeit, die ihm genommen wird, ist
natürlich nicht die Rede.) Danach müßte der einzelne Arbeiter ge-
zahlt werden nach der Arbeit, die es das ganze Menschengeschlecht
gekostet hat, um aus einem Wilden einen modernen Mechaniker her-
auszuarbeiten. Man sollte umgekehrt meinen: Berechnet man alle
unbezahlte, aber durch Grundeigentümer und Kapitalisten versil-
berte Arbeit, die im Boden steckt, so ist das sämtliche in den
Boden gesteckte Kapital aber und abermals mit Wucherzinsen zu-
rückgezahlt, also das Grundeigentum längst von der Gesellschaft
aber und abermals zurückgekauft worden. Die Erhöhung der Produk-
tivkräfte der Arbeit, soweit sie keine zuschüssige Auslage von
Kapitalwerten voraussetzt, erhöht zwar in erster Instanz nur die
Masse des Produkts, nicht seinen Wert; außer soweit sie befähigt,
mehr konstantes Kapital mit derselben Arbeit zu reproduzieren,
also seinen Wert zu erhalten. Aber sie bildet zugleich neuen Ka-
pitalstoff, also die Basis vermehrter Akkumulation des Kapitals.
Soweit die Organisation der gesellschaftlichen Arbeit selbst, da-
her die Erhöhung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Ar-
beit, verlangt, daß auf großer Stufenleiter produziert und daher
Geldkapital vom Einzelkapitalisten in großen Massen vorgeschossen
wird, ist bereits in Buch II gezeigt, daß dies zum Teil durch
Zentralisation der Kapitale in wenigen Händen geschieht, ohne daß
der Umfang der fungierenden Kapitalwerte und daher auch der Um-
fang des Geldkapitals, worin sie vorgeschossen werden, absolut zu
wachsen braucht. Die Größe der Einzelkapitale kann durch Zentra-
lisation in wenigen Händen wachsen, ohne daß ihre gesellschaftli-
che Sun-une wächst. Es ist nur veränderte Teilung der Einzelkapi-
tale.
Es ist endlich im vorigen Abschnitt gezeigt worden, daß Verkür-
zung der Umschlagsperiode erlaubt, entweder mit weniger Geldkapi-
tal dasselbe
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 652-657, 790
#357# 18. Kapitel - Einleitung
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produktive Kapital oder mit demselben Geldkapital mehr produkti-
ves Kapital in Bewegung zu setzen.
Dies alles hat offenbar jedoch mit der eigentlichen Frage des
Geldkapitals nichts zu tun. Es zeigt nur, daß das vorgeschoßne
Kapital - eine gegebne Wertsumme, die in ihrer freien Form, in
ihrer Wertform, aus einer gewissen Geldsumme besteht - nach sei-
ner Verwandlung in produktives Kapital produktive Potenzen ein-
schließt, deren Schranken nicht durch seine Wertschranken gegeben
sind, sondern die innerhalb eines gewissen Spielraums extensiv
oder intensiv verschieden wirken können. Die Preise der Produkti-
onselemente - der Produktionsmittel und der Arbeitskraft gegeben,
ist die Größe des Geldkapitals bestimmt, die nötig ist, um ein
bestinuntes Quantum dieser als Waren vorhandnen Produktionsele-
mente zu kaufen. Oder die Wertgröße des vorzuschießenden Kapitals
ist bestimmt. Aber der Umfang, worin dies Kapital als Wert- und
Produktbildner wirkt, ist elastisch und variabel.
Zum zweiten Punkt. Daß der Teil der gesellschaftlichen Arbeit und
Produktionsrnittel, der jährlich zur Produktion oder zum Ankauf
von Geld verausgabt werden muß, um verschlißne Münze zu ersetzen,
pro tanto ein Abbruch am Umfang der gesellschaftlichen Produktion
ist, ist selbstverständlich. Was aber den Geldwert angeht, der
teils als Umlaufsmittel, teils als Schatz fungiert, so ist er
einmal da, erworben, er ist da neben der Arbeitskraft, den produ-
zierten Produktionsmitteln und den natürlichen Quellen des Reich-
tums. Er kann nicht als Schranke derselben betrachtet werden.
Durch seine Verwandlung in Produktionselemente, durch Austausch
mit andren Völkern, könnte die Produktionsleiter erweitert wer-
den. Dies unterstellt jedoch, daß das Geld nach wie vor seine
Rolle als Weltgeld spielt.
Je nach der Größe der Umschlagsperiode ist größre oder geringre
Masse von Geldkapital nötig, um das produktive Kapital in Bewe-
gung zu setzen. Ebenso haben wir gesehn, daß die Teilung der Um-
schlagsperiode in Arbeitszeit und Zirkulationszeit eine Vermeh-
rung des in Geldform latenten oder suspendierten Kapitals be-
dingt.
Soweit die Umschlagsperiode durch die Länge der Arbeitsperlode
bestimmt wird, wird sie bestimmt, unter sonst gleichbleibenden
Bedingungen, durch die materielle Natur des Produktionsprozesses,
also nicht durch den spezifischen gesellschaftlichen Charakter
dieses Produktionsprozesses. Auf Basis der kapitalistischen Pro-
duktion jedoch bedingen ausgedehntere Operationen von längrer
Dauer größre Vorschüsse von Geldkapital für längre Zeit. Die Pro-
duktion in solchen Sphären ist also abhängig von den Grenzen, in-
nerhalb deren der einzelne Kapitalist über Geldkapital verfügt.
Diese
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Schranke wird durchbrochen durch Kreditwesen und damit zusammen-
hängende Assoziation, z.B. Aktiengesellschaften. Störungen im
Geldmarkt setzen daher solche Geschäfte still, während diese sel-
ben Geschäfte ihrerseits Störungen im Geldmarkt hervorrufen.
Auf Basis gesellschaftlicher Produktion ist zu bestimmen der Maß-
stab, worin diese Operationen, die während längrer Zeit Arbeits-
kraft und Produktionsmittel entziehn, ohne während dieser Zeit
ein Produkt als Nutz effekt zu liefern, ausgeführt werden können,
ohne die Produktionszweige zu schädigen, die kontinuierlich oder
mehrmals während des Jahrs nicht nur Arbeitskraft und Produkti-
onsmittel entziehn, sondern auch Lebensmittel und Produktionsmit-
tel liefern. Bei gesellschaftlicher ebenso wie bei kapitalisti-
scher Produktion werden nach wie vor die Arbeiter in Geschäfts-
zweigen von kürzem Arbeitsperioden nur für kürzre Zeit Produkte
entziehn, ohne Produkte wieder zu geben; während die Geschäfts-
zweige mit langen Arbeitsperioden für längre Zeit fortwährend
entzlehn, bevor sie zurückgeben. Dieser Umstand entspringt also
aus den sachlichen Bedingungen des betreffenden Arbeitsprozesses,
nicht aus seiner gesellschaftlichen Form. Das Geldkapital fällt
bei gesellschaftlicher Produktion fort. Die Gesellschaft verteilt
Arbeitskraft und Produktionsttel in die verschiednen Geschäfts-
zweige. Die Produzenten mögen meinetwegen papierne Anweisungen
erhalten, wofür sie den gesellschaftlichen Konsumtionsvorräten
ein ihrer Arbeitszeit entsprechendes Quantum entziehn. Diese An-
weisungen sind kein Geld. Sie zirkulieren nicht.
Man sieht, daß soweit das Bedürfnis für Geldkapital aus der Länge
der Arbeitsperiode entspringt, dies durch zwei Umstände bedingt
wird: Erstens, daß überhaupt Geld die Form ist, worin jedes indi-
viduelle Kapital (vom Kredit abgesehn) auftreten muß, um sich in
produktives Kapital zu verwandeln; dies geht hervor aus dem Wesen
der kapitalistischen Produktion, überhaupt der Warenproduktion. -
Zweitens, die Größe des nötigen Geldvorschusses entspringt aus
dem Umstand, daß während längrer Zeit beständig Arbeitskraft und
Produktionsmittel der Gesellschaft entzogen werden, ohne daß ihr
während dieser Zeit ein in Geld rückverwandelbares Produkt zu-
rückgegeben wird. Der erste Umstand, daß das vorzuschießende Ka-
pital in Geldform vorgeschossen werden muß, wird nicht aufgehoben
durch die Form dieses Geldes selbst, ob es Metallgeld, Kredit-
geld, Wertzeichen etc. Der zweite Umstand wird in keiner Weise
dadurch affiziert, durch welches Geldmedium oder durch welche
Form der Produktion Arbeit, Lebensmittel und Produktionsmittel
entzogen werden, ohne ein Äquivalent in die Zirkulation zurückzu-
werfen.
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