Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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#388# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation...
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III. Die Späteren 41)
Ricardo reproduziert ziemlich wörtlich A. Smiths Theorie:
"Man muß darüber einverstanden sein, daß alle Produkte eines Lan-
des konsumiert werden, aber es macht den denkbar größten Unter-
schied, ob sie konsumiert werden
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41) Von hier an bis Ende des Kapitels Zusatz, am Manuskript II.
#389# 19. Kapitel - Frühere Darstellungen des Gegenstandes
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durch solche, die einen andern Wert reproduzieren, oder durch
solche, die dies nicht tun. Wenn wir sagen, Revenue wird aufge-
spart und zum Kapital geschlagen, so meinen wir damit, daß der
zum Kapital geschlagne Teil der Revenue durch produktive Arbeiter
konsumiert wird statt durch unproduktive." ("Principles" p. 163.)
In der Tat hat Ricardo A. Smiths Theorie über die Auflösung des
Warenpreises in Arbeitslohn und Mehrwert (oder variables Kapital
und Mehrwert) völlig akzeptiert. Worüber er mit ihm streitet ist
1. über die Bestandteile des Mehrwerts: er eliminiert die Grund-
rente als notwendiges Element desselben; 2.Ricardo
z e r f ä l l t den Warenpreis in diese Bestandteile. Die Wert-
größe ist also das Prius. Die Summe der Bestandteile ist als ge-
gebne Größe vorausgesetzt, von ihr wird ausgegangen, nicht wie A.
Smith oft umgekehrt und im Gegensatz zu seiner eignen tiefern
Einsicht tut, die Wertgröße der Ware post festum durch Addition
der Bestandteile hervorgebracht.
Ramsay bemerkt gegen Ricardo:
"Ricardo vergißt, daß du ganze Produkt nicht nur zwischen Ar-
beitslohn und Profit sich verteilt, sondern daß auch ein Teil nö-
tig ist zum Ersatz des fixen Kapitals." ("An Essay on the Distri-
bution of Wealth", Edinburgh 1836, p. 174.)
Ramsay versteht unter fixem Kapital dasselbe, was ich unter kon-
stantem verstehe:
"Fixes Kapital existiert in einer Form, in der es zwar zur Her-
stellung der in Arbeit begriffnen Ware beiträgt, aber nicht zum
Unterhalt der Arbeiter." (p. 59.)
A. Smith sträubte sich gegen die notwendige Konsequenz seiner
Auflösung des Warenwerts, also auch des Werts des gesellschaftli-
chen Jahresprodukts, in Arbeitslohn und Mehrwert, also in bloße
Revenue: die Konsequenz, daß alsdann das ganze Jahresprodukt ver-
zehrt werden könne. Es sind nie die originellen Denker, welche
die absurden Konsequenzen ziehn. Sie überlassen das den Says und
MacCullochs.
Say macht sich die Sache in der Tat leicht genug. Was für den
einen Kapitalvorschuß, ist für den andern Revenue und Nettopro-
dukt oder war es; der Unterschied zwischen Brutto- und Nettopro-
dukt ist rein subjektiv, und
"so hat sich der Gesamtwert aller Produkte in der Gesellschaft
als Revenue verteilt". (Say, Traité d'écon. Pol.", 1817, II, p.
64.) "Der Gesamtwert eines jeden Produkts setzt sich zusammen aus
den Profiten der Grundbesitzer, der Kapitalisten und der Gewerb-
fleißigen" {der Arbeitslohn figuriert hier als profits des indu-
strieux 1*)}, die zu seiner, Herstellung beigetragen haben. Dies
macht, daß die Revenue der Gesellschaft
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1*) Profite der Gewerbfleißigen
#390# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation...
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gleich ist dem p r o d u z i e r t e n B r u t t o w e r t,
nicht wie die Sekte der Ökonomisten" (die Physiokraten) meinten,
nur gleich dem Nettoprodukt des Bodens." (p. 63.)
Diese Entdeckung Says hat u.a. auch Proudhon sich angeeignet.
Storch, der ebenfalls A. Smiths Doktrin im Prinzip akzeptiert,
findet jedoch, daß Says Nutzanwendung nicht haltbar ist.
"Wenn man zugibt, daß die Revenue einer Nation ihrem Bruttopro-
dukt gleich ist, d.h. kein Kapital" {soll heißen kein konstantes
Kapital} in Abzug zu bringen ist, so muß man auch zugeben, daß
diese Nation den ganzen Wert ihres jährlichen Produkts unproduk-
tiv verzehren kann, ohne ihrer künftigen Revenue den geringsten
Abbruch zu tun... Die Produkte, die das" {konstante} Kapital ei-
ner Nation ausmachen, sind nicht konsumabel." (Storch, Considéra-
tions sur la nature du revenu national", Paris 1824, p. 147,
150.)
Wie aber die Existenz dieses konstanten Kapitalteils mit der von
ihm angenommenen Smithschen Preisanalyse stimmt, wonach der Wa-
renwert nur Arbeitslohn und Mehrwert, aber keinen konstanten Ka-
pitalteil enthält, hat Storch vergessen zu sagen. Es wird ihm nur
vermittelst Say klar, daß diese Preisanalyse zu absurden Resulta-
ten führt, und sein eignes letztes Wort hierüber lautet:
"daß es unmöglich ist, den notwendigen Preis in seine einfachsten
Elemente aufzulösen". ("Cours d'écon. Pol.", Pétersbourg 1815,
II, p. 141.)
Sismondi, der sich besonders mit dem Verhältnis von Kapital und
Revenue zu schaffen und in der Tat die besondre Fassung dieses
Verhältnisses zur differentia specifica 1*) seiner "Nouveaux
Principes" macht, hat nicht ein wissenschaftliches Wort gesagt,
nicht ein Atom zur Klärung des Problems beigetragen.
Barton, Ramsay und Cherbuliez machen Versuche, über die Smithsche
Fassung hinauszugehn. Sie scheitern, weil sie von vornherein das
Problem einseitig stellen, indem sie den Unterschied von konstan-
tem und variablem Kapitalwert nicht klar abschälen von dem Unter-
schied von fixem und zirkullerendem Kapital.
Auch John Stuart Mill reproduziert mit gewohnter WichtiMerei die
von A.Smith auf seine Nachfolger vererbte Doktrin.
Resultat: Die Smithsche Gedankenwirre existiert fort bis zur
Stunde, und sein Dogma bildet orthodoxen Glaubensartikel der po-
litischen Ökonomie.
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1*) zum kennzeichnenden Unterschied
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