Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band


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       Zweites Buch
       Der Zirkulationsprozeß des Kapitals
       
       #31#
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       Erster Abschnitt
       Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf
       
       ERSTES KAPITEL
       Der Kreislauf des Geldkapitals
       
       Der Kreislaufsprozeß  1) des  Kapitals geht vor sich in drei Sta-
       dien, welche,  nach der  Darstellung des  ersten Bandes, folgende
       Reihe bilden:
       Erstes Stadium:  Der Kapitalist  erscheint auf dem Warenmarkt und
       Arbeitsmarkt als  Käufer; sein  Geld wird  in Ware umgesetzt oder
       macht den Zirkulationsakt G-W durch.
       Zweites Stadium:  Produktive Konsumtion der gekauften Waren durch
       den Kapitalisten.  Er wirkt  als kapitalistischer Warenproduzent;
       sein Kapital macht den Produktionsprozeß durch. Das Resultat ist:
       Ware von mehr Wert als dem ihrer Produktionselemente.
       Drittes Stadium:  Der Kapitalist  kehrt zum Markt zurück als Ver-
       käufer; seine Ware wird in Geld umgesetzt oder macht den Zirkula-
       tionsakt W-G durch.
       Die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals ist also:
       G-W... P... W'- G', wo die Punkte andeuten, daß der Zirkulations-
       prozeß unterbrochen  ist, und  W' wie  G' ein durch Mehrwert ver-
       mehrtes W und G bezeichnen.
       Das erste  und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur erörtert,
       soweit dies  nötig für  das Verständnis des zweiten Stadiums, den
       Produktionsprozeß des  Kapitals. Die  verschiednen Formen,  worin
       das Kapital  in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die
       es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blie-
       ben daher  unberücksichtigt. Sie bilden jetzt den nächsten Gegen-
       stand der Untersuchung.
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       1) Aus Ms. II.
       
       #32# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       Um die  Formen rein  aufzufassen, ist zunächst von allen Momenten
       zu abstrahieren,  die mit dem Formwechsel und der Formbildung als
       solchen nichts  zu tun  haben. Daher  wird hier angenommen, nicht
       nur, daß die Waren zu ihren Werten verkauft werden, sondern auch,
       daß dies unter gleichbleibenden Umständen geschieht. Es wird also
       auch abgesehn  von den  Wertveränderungen, die während des Kreis-
       laufsprozesses eintreten können.
       
       I. Erstes Stadium. G-W 2)
       
       G-W stellt  den Umsatz  einer Geldsumme  in eine  Summe von Waren
       dar; für  den Käufer  Verwandlung seines  Geldes in Ware, für die
       Verkäufer Verwandlung ihrer Waren in Geld. Was aus diesem Vorgang
       der allgemeinen  Warenzirkulation zugleich  einen funktionell be-
       stimmten Abschnitt im selbständigen Kreislauf eines individuellen
       Kapitals macht, ist zunächst nicht die Form des Vorgangs, sondern
       sein stofflicher  Gehalt, der  spezifische Gebrauchscharakter der
       Waren, welche  den Platz  mit dem  Gelde wechseln. Es sind einer-
       seits Produktionsmittel,  andrerseits Arbeitskraft, sachliche und
       persönliche Faktoren  der Warenproduktion, deren besondre Art na-
       türlich der  Sorte des  herzustellenden Artikels entsprechen muß.
       Nennen wir  die Arbeitskraft  A, die Produktionsmittel Pm, so ist
       die zu kaufende Warensumme W = A + Pm. oder kürzer
          A
       W <
          Pm
       G-W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also dar als
           A
       G-W<    ;
           Pm
       d.h. G-W  zerfällt in  G-A und G-Pm; die Geldsumme G spaltet sich
       in zwei  Teile, wovon  der eine Arbeitskraft, der andre Produkti-
       onsmittel kauft.  Diese eiden  Reihen von Käufen gehören ganz und
       gar verschiednen  Märkten an,  die eine  dem eigentlichen  Waren-
       markt, die andre dem Arbeitsmarkt.
       Außer dieser  qualitativen Spaltung der Warensumme, worin G umge-
       setzt wird, stellt
           A
       G-W<
           Pm
       aber noch  ein höchst charakteristisches quantitatives Verhältnis
       dar.
       Wir wissen,  daß der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft ihrem In-
       haber, der sie als Ware feilhält, in der Form von Arbeitslohn be-
       zahlt wird,  d.h. als  Preis einer  Arbeitssumme, die  Mehrarbeit
       enthält; so  daß, wenn  z.B. der  Tageswert der  Arbeitskraft = 3
       Mark, dem  Produkt fünfstündiger  Arbeit diese  Summe in dem Kon-
       trakt zwischen  Käufer und Verkäufer figuriert als der Preis oder
       Lohn, sage  für zehnstündige  Arbeit. Wurde  ein solcher Kontrakt
       z.B. mit 50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem Käu-
       fer
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       2) Von hier an Ms. VII, angefangen 2. Juli 1878.
       
       #33# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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       während eines  Tages 500  Arbeitsstunden zu  liefern,  wovon  die
       Hälfte, 250  Arbeitsstunden = 25 zehnstündigen Arbeitstagen, bloß
       aus Mehrarbeit  besteht. Quantum wie Umfang der zu kaufenden Pro-
       duktionsmittel müssen  hinreichen zur  Anwendung dieser  Arbeits-
       masse.
           A
       G-W<
           Pm
       drückt also  nicht nur  das qualitative  Verhältnis aus, daß eine
       bestimmte Geldsumme, z.B. 422 Pfd. St., in einander entsprechende
       Produktionsmittel und  Arbeitskraft umgesetzt  wird, sondern auch
       ein quantitatives  Verhältnis zwischen  den in Arbeitskraft A und
       den in  Produktionstteln Pm  ausgelegten Teilen  des Geldes,  ein
       Verhältnis, von vornherein bestimmt durch die Summe der von einer
       bestimmten Arbeiterzahl  zu verausgabenden überschüssigen Mehrar-
       beit.
       Wenn also  z.B. in einer Spinnerei der Wochenlohn der 50 Arbeiter
       50 Pfd.St. beträgt, müssen 372 Pfd.St. in Produktionsmitteln ver-
       ausgabt werden, falls dies der Wert der Produktionsmittel, welche
       die Wochenarbeit von 3000 Stunden, wovon 1500 Stunden Mehrarbeit,
       in Garn verwandelt.
       Wieweit in verschiednen Industriezweigen die Anwendung zuschüssi-
       ger Arbeit  einen Wertzuschuß in der Form von Produktionsrnitteln
       bedingt, ist  hier ganz  gleichgültig. Es handelt sich nur darum,
       daß unter  allen Umständen  der in Produktionsmitteln verausgabte
       Teil des  Geldes - die in G-Pm gekauften Produktionsmittel - hin-
       reichen, also  von vornherein darauf berechnet, in entsprechender
       Proportion beschafft sein müssen. Oder die Masse der Produktions-
       mittel muß  hinreichen, um  die Arbeitsmasse  zu absorbieren,  um
       durch sie  in Produkt  verwandelt zu  werden. Wären nicht hinrei-
       chend Produktionsmittel  vorhanden, so wäre die überschüssige Ar-
       beit, über  die der Käufer verfügt, nicht verwendbar; sein Verfü-
       gungsrecht darüber führte zu nichts. Wären mehr Produktionsmittel
       vorhanden als  verfügbare Arbeit,  so blieben sie ungesättigt mit
       Arbeit, würden nicht in Produkt verwandelt.
       Sobald
           A
       G-W<
           Pm
       vollzogen, verfügt  der Käufer  nicht nur über die zur Produktion
       eines nützlichen  Artikels nötigen Produktionsmittel und Arbeits-
       kraft. Er  verfügt Über  eine größere Flüssigmachung der Arbeits-
       kraft, oder größeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des Werts der
       Arbeitskraft nötig,  und  zugleich  über  die  Produktionsmittel,
       erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenständlichung dieser Ar-
       beitssumme: er  verfügt also über die Faktoren der Produktion von
       Artikeln von  größerem Wert  als dem  ihrer  Produktionselemente,
       oder einer Mehrwert enthaltenden Warenmasse. Der von ihm in Geld-
       form vorgeschoßne Wert befindet sich also jetzt in einer Natural-
       form, worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert
       verwirklicht werden  kann. In  andern Worten: er befindet sich in
       dem
       
       #34# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       Zustand oder  der Form von  p r o d u k t i v e m  K a p i t a l,
       welches die  Fähigkeit hat,  als Wert  und Mehrwert  schaffend zu
       fungieren. Kapital in dieser Form heiße P.
       Der Wert  von P ist aber = Wert von A + Pm, dem in A und Pm umge-
       setzten G.  G ist derselbe Kapitalwert wie P, nur in verschiedner
       Existenzweise, nämlich Kapitalwert in Geldzustand oder Geldform -
       G e l d k a p i t a l.
           A
       G-W<    ,
           Pm
       oder seiner  allgemeinen Form  nach G-W,  Summe von  Warenkäufen,
       dieser  Vorgang   der  allgemeinen   Warenzirkulation  ist  daher
       zugleich, als  Stadium im selbständigen Kreislaufprozeß des Kapi-
       tals, Verwandlung  des Kapitalwerts  aus seiner Geldform in seine
       produktive     Form,      oder     kürzer     Verwandlung     von
       G e l d k a p i t a l   in  p r o d u k t i v e s  K a p i t a l.
       In der  hier zunächst betrachteten Figur des Kreislaufs erscheint
       also Geld  als der erste Träger des Kapitalwerts, daher Geldkapi-
       tal als die Form, worin das Kapital vorgeschossen wird.
       Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geld-
       funktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktio-
       nen des  allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmit-
       tels. (Letztres,  sofern die  Arbeitskraft zwar  zuerst  gekauft,
       aber erst  gezahlt wird, nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Pro-
       duktionsmittel nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst
       zu bestellen  sind, wirkt  das Geld  bei G-Pm  ebenfalls als Zah-
       lungsmittel.) Diese  Fähigkeit entspringt  nicht daraus,  daß das
       Geldkapital Kapital, sondern daraus, daß es Geld ist.
       Andrerseits kann  der Kapitalwert  im Geldzustand  auch nur Geld-
       funktionen, und  keine andern,  verrichten. Was diese letztren zu
       Kapitanktionen macht,  ist ihre  bestimmte Rolle  in der Bewegung
       des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin sie
       erscheinen, mit  den andern  Stadien seines  Kreislaufs. Z.B.  im
       Fall, der  uns zunächst  vorliegt, wird  Geld umgesetzt in Waren,
       deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals bildet,
       die also  latent, der  Möglichkeit nach, bereits das Resultat des
       kapitalistischen Produktionsprozesses in sich birgt. Ein Teil des
       Geldes, welches in
           A
       G-W<
           Pm
       die Funktion  von Geldkapital verrichtet, geht durch die Vollzie-
       hung dieser  Zirkulation selbst in eine Funktion über, worin sein
       Kapitaicharakter verschwindet  und sein Geldcharakter bleibt. Die
       Zirkulation des Geldkapitals G zerfällt in G-Pm und G-A, Kauf von
       Produktionsmitteln und  Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den
       Letztem Vorgang  für sich.  G-A ist Kauf von Arbeitskraft seitens
       des Kapitalisten;  es ist  Verkauf der  Arbeitskraft - wir können
       hier sagen der Arbeit, da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt
       - von  seiten des  Arbeiters, des  Inhabers der Arbeitskraft. Was
       für den Käufer G-W (= G-A), ist hier, wie bei jedem Kauf, für den
       Verkäufer (den Arbeiter) A-G (= W-G),
       
       #35# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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       Verkauf seiner  Arbeitskraft. Dies ist das erste Zirkulationssta-
       dium oder  die erste Metamorphose der Ware (Buch I, Kap. III 2a);
       es ist,  seitens des  Verkäufers der  Arbeit, Verwandlung  seiner
       Ware in ihre Geldform. Das so erhaltne Geld verausgabt der Arbei-
       ter nach und nach in einer Summe von Waren, die seine Bedürfnisse
       befriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesamtzirkulation seiner
       Ware stellt sich also dar als A-G-W, d.h. erstens A-G (= W-G) und
       zweitens G-W,  also in  der allgemeinen Form der einfachen Waren-
       zirkulation W-G-W,  wo das Geld als bloßes verschwindendes Zirku-
       lationsmittel, als  bloßer Vermittler des Umsatzes von Ware gegen
       Ware figuriert.
       G-A ist  das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldka-
       pital in  produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedingung,
       damit der in Geldform vorgeschoßne Wert sich wirklich in Kapital,
       in Mehrwert  produzierenden Wert  verwandle. G-Pm ist nur notwen-
       dig, um  die durch  G-A gekaufte Arbeitsmasse zu realisieren. G-A
       wurde daher  von diesem  Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I,
       Abschn. II,  Verwandlung von  Geld in Kapital. Die Sache ist hier
       noch von  einem andern  Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit spe-
       ziellem Bezug  auf das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapi-
       tals.
       G-A wird  allgemein als charakteristisch angesehn für die kapita-
       listische Produktionsweise.  Aber keineswegs  aus dem  angegebnen
       Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin
       die Lieferung  eines größern  Quantums Arbeit  bedungen wird, als
       zum Ersatz  des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, nötig
       ist; also  Lieferung von  Mehrarbeit, die  Grundbedingung für die
       Kapitalisation des  vorgeschoßnen Werts,  oder was  dasselbe, für
       Produktion von  Mehrwert. Sondern  vielmehr seiner  Form  halber,
       weil in der Form des Arbeitslohns  m i t  G e l d  Arbeit gekauft
       wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirtschaft.
       Hier ist  es wieder  nicht das Irrationelle der Form, welches für
       charakteristisch gilt.  Dies Irrationelle wird vielmehr übersehn.
       Das Irrationelle  besteht darin, daß die Arbeit als wertbildendes
       Element selbst  keinen Wert  besitzen, also  auch ein  bestimmtes
       Quantum Arbeit  keinen Wert  haben kann, der sich in ihrem Preise
       ausdrückt, in ihrer Äquivalenz mit einem bestimmten Quantum Geld.
       Aber wir  wissen, daß  der Arbeitslohn bloß eine verkleidete Form
       ist, eine  Form, worin  z.B. der Tagespreis der Arbeitskraft sich
       als Preis der während eines Tages von dieser Arbeitskraft flüssig
       gemachten Arbeit darstellt, so daß also etwa der in 6 Stunden Ar-
       beit von  dieser Arbeitskraft  produzierte Wert  als  Wert  ihrer
       zwölfstündigen Funktion oder Arbeit ausgckt wird.
       
       #36# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       G-A gilt  als das  Charakteristische, als  die Signatur  der sog.
       Geldwirtschaft, weil die Arbeit hier als Ware ihres Besitzers er-
       scheint, das  Geld daher als Käufer - also wegen des Geldverhält-
       nisses (d.h.  Kauf und  Verkauf von  menschlicher Tätigkeit). Nun
       aber erscheint  das Geld  schon sehr  früh als Käufer sogenannter
       Dienste, ohne daß G sich in Geldkapital verwandelte oder der all-
       gemeine Charakter der Wirtschaft umgewälzt würde.
       Dem Geld  ist es durchaus gleichgültig, in welche Sorte von Waren
       es verwandelt  wird. Es  ist die  allgemeine Äquivalentform aller
       Waren, die in ihren Preisen schon zeigen, daß sie ideell eine be-
       stimmte Geldsumme  darstellen, ihre Verwandlung in Geld erwarten,
       und nur  durch ihren  Stellenwechsel mit  Geld die Form erhalten,
       worin sie  in Gebrauchswerte  für ihre  Besitzer umsetzbar  sind.
       Findet sich  also auf  dem Markt die Arbeitskraft einmal als Ware
       ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der Zahlung für
       Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohns, so stellt ihr Kauf
       und Verkauf  nichts Auffallenderes  dar als  der Kauf und Verkauf
       jeder andern Ware. Nicht, daß die Ware Arbeitskraft käuflich ist,
       sondern daß  die Arbeitskraft als Ware erscheint, ist das Charak-
       teristische.
       Durch
           A
       G-W<    ,
           Pm
       die Verwandlung  von Geldkapital  in produktives Kapital, bewirkt
       der Kapitalist  die Verbindung der gegenständlichen und persönli-
       chen Faktoren der Produktion, soweit diese Faktoren aus Waren be-
       stehn. Wird  Geld zum  ersten Mal  in produktives Kapital verwan-
       delt, oder  fungiert es  für seinen  Besitzer zum  ersten Mal als
       Geldkapital, so  muß er  erst die  Produktionsmittel kaufen,  Ar-
       beitsgebäude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft kauft; denn
       sobald letztre in seine Botmäßigkeit übergeht, müssen die Produk-
       tionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu können.
       So stellt sich die Sache von seiten des Kapitalisten dar.
       Von seiten  des Arbeiters:  Die produktive  Betätigung seiner Ar-
       beitskraft wird  erst möglich  von dem Augenblick, wo sie infolge
       ihres Verkaufs  in Verbindung  mit den Produktionsmitteln gesetzt
       wird. Sie existiert also vor dem Verkauf getrennt von den Produk-
       tionsmitteln, von  den gegenständlichen Bedingungen ihrer Betäti-
       gung. In  diesem Zustand  der Trennung kann sie weder direkt ver-
       wandt werden  zur Produktion von Gebrauchswerten für ihren Besit-
       zer, noch  zur Produktion von Waren, von deren Verkauf dieser le-
       ben könnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung mit
       den Produktionsmitteln  gesetzt ist, bildet sie einen Bestandteil
       des produktiven Kapitals ihres Käufers, ebensogut wie die Produk-
       tionsmittel.
       Obgleich daher in dem Akt G-A Geldbesitzer und Arbeitskraftbesit-
       zer sich  nur als  Käufer und Verkäufer zueinander verhalten, als
       Geldbesitzer
       
       #37# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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       und Warenbesitzer einander gegenübertreten, sich also nach dieser
       Seite hin  in bloßem  Geldverhältnis zueinander  befinden,  -  so
       tritt doch  der Käufer  von vornherein  zugleich als Besitzer der
       Produktionsmittel auf,  welche die  gegenständlichen  Bedingungen
       der produktiven  Verausgabung der Arbeitskraft durch ihren Besit-
       zer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel treten dem
       Besitzer der Arbeitskraft gegenüber als fremdes Eigentum. Andrer-
       seits steht  der Verkäufer  der Arbeit ihrem Käufer gegenüber als
       fremde Arbeitskraft,  die in  seine Botmäßigkeit übergehn, seinem
       Kapital einverleibt werden muß, damit dies wirklich als produkti-
       ves Kapital sich betätige. Das Klassenverhältnis zwischen Kapita-
       list und  Lehnarbeiter ist  also schon vorhanden, schon vorausge-
       setzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G-A (A-G von seiten
       des Arbeiters)  sich gegenübertreten.  Es ist  Kauf und  Verkauf,
       Geldverhältnis, aber  ein Kauf und Verkauf, wo der Käufer als Ka-
       pitalist und  der Verkäufer  als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird,
       und dies  Verhältnis ist  damit gegeben,  daß die Bedingungen zur
       Verwirklichung der  Arbeitskraft -  Lebensmittel und Produktions-
       mittel getrennt  sind als  fremdes Eigentum  von dem Besitzer der
       Arbeitskraft.
       Wie diese Trennung entsteht, beschäftigt uns hier nicht. Sie exi-
       stiert, sobald  G-A vollzogen  wird. Was  uns hier  interessiert,
       ist: Wenn  G-A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint, oder
       Geld hier als Existenzform des Kapitals, so keineswegs bloß, weil
       das Geld  hier auftritt  als Zahlungsmittel  für eine menschliche
       Tätigkeit, die  einen Nutzeffekt hat, für einen Dienst; also kei-
       neswegs durch  die Funktion  des Geldes  als Zahlungsmittel.  Das
       Geld kann in dieser Form nur verausgabt werden, weil die Arbeits-
       kraft  im  Zustand  der  Trennung  von  ihren  Produktionsmitteln
       (einschließlich der  Lebensmittel als  Produktionsmittel der  Ar-
       beitskraft selbst) sich befindet; und weil diese Trennung nur da-
       durch aufgehoben  wird, daß  die Arbeitskraft  an den Inhaber der
       Produktionsmittel verkauft wird; daß also auch die Flüssigmachung
       der Arbeitskraft,  deren Grenzen  keineswegs nut  den Grenzen der
       zur Reproduktion ihres eignen Preises nötigen Arbeitsmasse zusam-
       menfallen, dem  Käufer gehört.  Das Kapitalverhältnis während des
       Produktionsprozesses kommt  nur heraus, weil es an sich im Zirku-
       lationsakt existiert, in den unterschiednen ökonomischen Grundbe-
       dingungen, worin  Käufer und  Verkäufer sich  gegenübertreten, in
       ihrem Klassenverhältnis.  Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur
       das Verhältnis  gegeben ist;  es ist  vielmehr das  Dasein dieses
       Verhältnisses, eine  bloße Geldfunktion  in eine  Kapitalfunktion
       verwandeln kann.
       Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einstweilen
       nur zu  tun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns hier
       gegenübertritt)
       
       #38# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       laufen gewöhnlich  zwei Irrtümer  neben- oder  durcheinander. Er-
       stens: Die  Funktionen, die  der Kapitalwert als Geldkapital ver-
       richtet, und  die er  eben verrichten kann, weil er sich in Geld-
       form befindet,  werden irrtümlich aus seinem Kapitalcharakter ab-
       geleitet, während  sie nur  dem Geldzustand  des Kapitalwerts ge-
       schuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens um-
       gekehrt:  Der   spezifische  Gehalt  der  Geldfunktion,  der  sie
       zugleich zu  einer Kapitalfunktion  macht, wird aus der Natur des
       Geldes hergeleitet  (Geld daher mit Kapital verwechselt), während
       sie gesellschaftliche  Bedingungen voraussetzt, wie hier in Voll-
       ziehung von G-A, die in bloßer Waren- und entsprechender Geldzir-
       kulation keineswegs  gegeben sind.  Auch der Kauf und Verkauf von
       Sklaven ist  seiner Form  nach Warenkauf  und -verkauf. Ohne Exi-
       stenz der  Sklaverei kann  Geld aber  nicht diese  Funktion voll-
       ziehn. Ist  Sklaverei da, so kann Geld im Ankauf von Sklaven aus-
       gelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in der Hand des Käufers kei-
       nes Wegs hin, um Sklaverei zu ermöglichen.
       Daß der Verkauf der eignen Arbeitskraft (in der Form des Verkaufs
       der eignen  Arbeit oder des Arbeitslohns) nicht als isolierte Er-
       scheinung, sondern  als gesellschaftlich maßgebende Voraussetzung
       der Produktion von Waren sich darstelle, daß also das Geldkapital
       auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete Funktion
           A
       G-W<
           Pm
       vollziehe, -  dies unterstellt historische Prozesse, durch welche
       die ursprüngliche  Verbindung der  Produktionsmittel mit  der Ar-
       beitskraft aufgelöst wurde; Prozesse, infolge deren die Masse des
       Volks, die  Arbeiter, als  Nichteigentümer und  die Nichtarbeiter
       als Eigentümer  dieser Produktionsmittel sich gegenüberstehn. Wo-
       bei es  nichts zur Sache tut, ob die Verbindung vor ihrer Zerset-
       zung die  Form besaß, daß der Arbeiter selbst als Produktionsmit-
       tel zu  den andern  Produktionsmitteln gehörte,  oder ob er deren
       Eigner war.
       Der Tatbestand, der hier also dem Akt
           A
       G-W<
           Pm
       zugrunde liegt,  ist die  Verteilung; nicht die Verteilung im ge-
       wöhnlichen Sinn als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die
       Verteilung der  Elemente der Produktion selbst, von denen die ge-
       genständlichen Faktoren  auf der  einen Seite  konzentriert sind,
       die Arbeitskraft davon isoliert auf der andern.
       Die Produktionsmittel,  der gegenständliche  Teil des produktiven
       Kapitals, müssen  also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital
       gegenüberstehn, bevor  der Akt  G-A ein allgemein gesellschaftli-
       cher Akt  werden kann. Wir haben früher 1*) gesehn, daß die kapi-
       talistische Produktion,  einmal etabliert,  in ihrer  Entwicklung
       nicht nur diese Trennung reproduziert,
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. 7. Abschnitt, S. 589-802
       
       #39# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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       sondern sie auf stets größem Umfang erweitert, bis sie der allge-
       mein herrschende  gesellschaftliche Zustand  geworden. Die  Sache
       bietet aber  noch eine  andre Seite  dar. Damit  das Kapital sich
       bilden und sich der Produktion bemächtigen kann, ist eine gewisse
       Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also auch der Waren-
       zirkulation und  damit der  Warenproduktion; denn es können nicht
       Artikel als  Waren in  die Zirkulation  eingehn, sofern sie nicht
       für den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als normaler,
       herrschender Charakter  der Produktion erscheint die Warenproduk-
       tion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion.
       Die russischen  Grundeigentümer, die infolge der sog. Bauerneman-
       zipation ihre  Landwirtschaft jetzt  mit Lohnarbeitern  statt mit
       leibeignen Zwangsarbeitern  betreiben, klagen über zweierlei: Er-
       stens über Mangel an Geldkapital. So heißt es z.B.: Bevor man die
       Ernte verkauft, habe man Lohnarbeitern in größerem Umfang zu zah-
       len, und  da fehle  es an der ersten Bedingung, an Barem. Kapital
       in der  Form von Geld muß gerade zur Zahlung des Arbeitslohns be-
       ständig vorhanden  sein, um  die Produktion kapitalistisch zu be-
       treiben. Doch  darüber mögen  sich die Grundbesitzer trösten. Mit
       der Zeit  pflückt man Rosen, und verfügt der industrielle Kapita-
       list nicht  nur über sein eignes Geld, sondern auch über l'argent
       des autres 1*).
       Charakteristischer aber  ist die zweite Klage, nämlich: daß, wenn
       man auch  Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu be-
       liebiger Zeit  die zu  kaufenden Arbeitskräfte  disponibel finde,
       indem der  russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums der
       Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht völlig von seinen Pro-
       duktionsmitteln getrennt,  daher noch  kein "freier Lohnarbeiter"
       im vollen  Sinne des Wortes ist. Aber das Vorhandensein des letz-
       tren auf  gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerläßliche Bedin-
       gung, damit  G-W, Verwandlung  von Geld  in Ware, als Verwandlung
       von Geldkapital in produktives Kapital, darstellbar sei.
       Es versteht  sich daher von selbst, daß die Formel für den Kreis-
       lauf des Geldkapitals: G-W... P... W'-G' selbstverständliche Form
       des Kapitalkreislaufs  nur auf Grundlage schon entwickelter kapi-
       talistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohn-
       arbeiterklasse auf  gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die ka-
       pitalistische Produktion,  wie wir  gesehn, produziert  nicht nur
       Ware und Mehrwert; sie reproduziert, und in stets erweitertem Um-
       fang, die  Klasse der  Lohnarbeiter und  verwandelt die ungeheure
       Majorität der  unmittelbaren Produzenten  in Lohnarbeiter. G-W...
       P... W'-G',  da die  erste Voraussetzung  seines Verlaufs das be-
       ständige Vorhandensein
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       1*) das Geld der anderen
       
       #40# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       der Lohnarbeiterklasse,  unterstellt daher  schon das  Kapital in
       der Form  des produktiven Kapitals, und daher die Form des Kreis-
       laufs des produktiven Kapitals.
       

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