Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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Zweites Buch
Der Zirkulationsprozeß des Kapitals
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Erster Abschnitt
Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf
ERSTES KAPITEL
Der Kreislauf des Geldkapitals
Der Kreislaufsprozeß 1) des Kapitals geht vor sich in drei Sta-
dien, welche, nach der Darstellung des ersten Bandes, folgende
Reihe bilden:
Erstes Stadium: Der Kapitalist erscheint auf dem Warenmarkt und
Arbeitsmarkt als Käufer; sein Geld wird in Ware umgesetzt oder
macht den Zirkulationsakt G-W durch.
Zweites Stadium: Produktive Konsumtion der gekauften Waren durch
den Kapitalisten. Er wirkt als kapitalistischer Warenproduzent;
sein Kapital macht den Produktionsprozeß durch. Das Resultat ist:
Ware von mehr Wert als dem ihrer Produktionselemente.
Drittes Stadium: Der Kapitalist kehrt zum Markt zurück als Ver-
käufer; seine Ware wird in Geld umgesetzt oder macht den Zirkula-
tionsakt W-G durch.
Die Formel für den Kreislauf des Geldkapitals ist also:
G-W... P... W'- G', wo die Punkte andeuten, daß der Zirkulations-
prozeß unterbrochen ist, und W' wie G' ein durch Mehrwert ver-
mehrtes W und G bezeichnen.
Das erste und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur erörtert,
soweit dies nötig für das Verständnis des zweiten Stadiums, den
Produktionsprozeß des Kapitals. Die verschiednen Formen, worin
das Kapital in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die
es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blie-
ben daher unberücksichtigt. Sie bilden jetzt den nächsten Gegen-
stand der Untersuchung.
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1) Aus Ms. II.
#32# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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Um die Formen rein aufzufassen, ist zunächst von allen Momenten
zu abstrahieren, die mit dem Formwechsel und der Formbildung als
solchen nichts zu tun haben. Daher wird hier angenommen, nicht
nur, daß die Waren zu ihren Werten verkauft werden, sondern auch,
daß dies unter gleichbleibenden Umständen geschieht. Es wird also
auch abgesehn von den Wertveränderungen, die während des Kreis-
laufsprozesses eintreten können.
I. Erstes Stadium. G-W 2)
G-W stellt den Umsatz einer Geldsumme in eine Summe von Waren
dar; für den Käufer Verwandlung seines Geldes in Ware, für die
Verkäufer Verwandlung ihrer Waren in Geld. Was aus diesem Vorgang
der allgemeinen Warenzirkulation zugleich einen funktionell be-
stimmten Abschnitt im selbständigen Kreislauf eines individuellen
Kapitals macht, ist zunächst nicht die Form des Vorgangs, sondern
sein stofflicher Gehalt, der spezifische Gebrauchscharakter der
Waren, welche den Platz mit dem Gelde wechseln. Es sind einer-
seits Produktionsmittel, andrerseits Arbeitskraft, sachliche und
persönliche Faktoren der Warenproduktion, deren besondre Art na-
türlich der Sorte des herzustellenden Artikels entsprechen muß.
Nennen wir die Arbeitskraft A, die Produktionsmittel Pm, so ist
die zu kaufende Warensumme W = A + Pm. oder kürzer
A
W <
Pm
G-W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also dar als
A
G-W< ;
Pm
d.h. G-W zerfällt in G-A und G-Pm; die Geldsumme G spaltet sich
in zwei Teile, wovon der eine Arbeitskraft, der andre Produkti-
onsmittel kauft. Diese eiden Reihen von Käufen gehören ganz und
gar verschiednen Märkten an, die eine dem eigentlichen Waren-
markt, die andre dem Arbeitsmarkt.
Außer dieser qualitativen Spaltung der Warensumme, worin G umge-
setzt wird, stellt
A
G-W<
Pm
aber noch ein höchst charakteristisches quantitatives Verhältnis
dar.
Wir wissen, daß der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft ihrem In-
haber, der sie als Ware feilhält, in der Form von Arbeitslohn be-
zahlt wird, d.h. als Preis einer Arbeitssumme, die Mehrarbeit
enthält; so daß, wenn z.B. der Tageswert der Arbeitskraft = 3
Mark, dem Produkt fünfstündiger Arbeit diese Summe in dem Kon-
trakt zwischen Käufer und Verkäufer figuriert als der Preis oder
Lohn, sage für zehnstündige Arbeit. Wurde ein solcher Kontrakt
z.B. mit 50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem Käu-
fer
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2) Von hier an Ms. VII, angefangen 2. Juli 1878.
#33# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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während eines Tages 500 Arbeitsstunden zu liefern, wovon die
Hälfte, 250 Arbeitsstunden = 25 zehnstündigen Arbeitstagen, bloß
aus Mehrarbeit besteht. Quantum wie Umfang der zu kaufenden Pro-
duktionsmittel müssen hinreichen zur Anwendung dieser Arbeits-
masse.
A
G-W<
Pm
drückt also nicht nur das qualitative Verhältnis aus, daß eine
bestimmte Geldsumme, z.B. 422 Pfd. St., in einander entsprechende
Produktionsmittel und Arbeitskraft umgesetzt wird, sondern auch
ein quantitatives Verhältnis zwischen den in Arbeitskraft A und
den in Produktionstteln Pm ausgelegten Teilen des Geldes, ein
Verhältnis, von vornherein bestimmt durch die Summe der von einer
bestimmten Arbeiterzahl zu verausgabenden überschüssigen Mehrar-
beit.
Wenn also z.B. in einer Spinnerei der Wochenlohn der 50 Arbeiter
50 Pfd.St. beträgt, müssen 372 Pfd.St. in Produktionsmitteln ver-
ausgabt werden, falls dies der Wert der Produktionsmittel, welche
die Wochenarbeit von 3000 Stunden, wovon 1500 Stunden Mehrarbeit,
in Garn verwandelt.
Wieweit in verschiednen Industriezweigen die Anwendung zuschüssi-
ger Arbeit einen Wertzuschuß in der Form von Produktionsrnitteln
bedingt, ist hier ganz gleichgültig. Es handelt sich nur darum,
daß unter allen Umständen der in Produktionsmitteln verausgabte
Teil des Geldes - die in G-Pm gekauften Produktionsmittel - hin-
reichen, also von vornherein darauf berechnet, in entsprechender
Proportion beschafft sein müssen. Oder die Masse der Produktions-
mittel muß hinreichen, um die Arbeitsmasse zu absorbieren, um
durch sie in Produkt verwandelt zu werden. Wären nicht hinrei-
chend Produktionsmittel vorhanden, so wäre die überschüssige Ar-
beit, über die der Käufer verfügt, nicht verwendbar; sein Verfü-
gungsrecht darüber führte zu nichts. Wären mehr Produktionsmittel
vorhanden als verfügbare Arbeit, so blieben sie ungesättigt mit
Arbeit, würden nicht in Produkt verwandelt.
Sobald
A
G-W<
Pm
vollzogen, verfügt der Käufer nicht nur über die zur Produktion
eines nützlichen Artikels nötigen Produktionsmittel und Arbeits-
kraft. Er verfügt Über eine größere Flüssigmachung der Arbeits-
kraft, oder größeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des Werts der
Arbeitskraft nötig, und zugleich über die Produktionsmittel,
erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenständlichung dieser Ar-
beitssumme: er verfügt also über die Faktoren der Produktion von
Artikeln von größerem Wert als dem ihrer Produktionselemente,
oder einer Mehrwert enthaltenden Warenmasse. Der von ihm in Geld-
form vorgeschoßne Wert befindet sich also jetzt in einer Natural-
form, worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert
verwirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in
dem
#34# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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Zustand oder der Form von p r o d u k t i v e m K a p i t a l,
welches die Fähigkeit hat, als Wert und Mehrwert schaffend zu
fungieren. Kapital in dieser Form heiße P.
Der Wert von P ist aber = Wert von A + Pm, dem in A und Pm umge-
setzten G. G ist derselbe Kapitalwert wie P, nur in verschiedner
Existenzweise, nämlich Kapitalwert in Geldzustand oder Geldform -
G e l d k a p i t a l.
A
G-W< ,
Pm
oder seiner allgemeinen Form nach G-W, Summe von Warenkäufen,
dieser Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation ist daher
zugleich, als Stadium im selbständigen Kreislaufprozeß des Kapi-
tals, Verwandlung des Kapitalwerts aus seiner Geldform in seine
produktive Form, oder kürzer Verwandlung von
G e l d k a p i t a l in p r o d u k t i v e s K a p i t a l.
In der hier zunächst betrachteten Figur des Kreislaufs erscheint
also Geld als der erste Träger des Kapitalwerts, daher Geldkapi-
tal als die Form, worin das Kapital vorgeschossen wird.
Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geld-
funktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktio-
nen des allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmit-
tels. (Letztres, sofern die Arbeitskraft zwar zuerst gekauft,
aber erst gezahlt wird, nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Pro-
duktionsmittel nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst
zu bestellen sind, wirkt das Geld bei G-Pm ebenfalls als Zah-
lungsmittel.) Diese Fähigkeit entspringt nicht daraus, daß das
Geldkapital Kapital, sondern daraus, daß es Geld ist.
Andrerseits kann der Kapitalwert im Geldzustand auch nur Geld-
funktionen, und keine andern, verrichten. Was diese letztren zu
Kapitanktionen macht, ist ihre bestimmte Rolle in der Bewegung
des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin sie
erscheinen, mit den andern Stadien seines Kreislaufs. Z.B. im
Fall, der uns zunächst vorliegt, wird Geld umgesetzt in Waren,
deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals bildet,
die also latent, der Möglichkeit nach, bereits das Resultat des
kapitalistischen Produktionsprozesses in sich birgt. Ein Teil des
Geldes, welches in
A
G-W<
Pm
die Funktion von Geldkapital verrichtet, geht durch die Vollzie-
hung dieser Zirkulation selbst in eine Funktion über, worin sein
Kapitaicharakter verschwindet und sein Geldcharakter bleibt. Die
Zirkulation des Geldkapitals G zerfällt in G-Pm und G-A, Kauf von
Produktionsmitteln und Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den
Letztem Vorgang für sich. G-A ist Kauf von Arbeitskraft seitens
des Kapitalisten; es ist Verkauf der Arbeitskraft - wir können
hier sagen der Arbeit, da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt
- von seiten des Arbeiters, des Inhabers der Arbeitskraft. Was
für den Käufer G-W (= G-A), ist hier, wie bei jedem Kauf, für den
Verkäufer (den Arbeiter) A-G (= W-G),
#35# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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Verkauf seiner Arbeitskraft. Dies ist das erste Zirkulationssta-
dium oder die erste Metamorphose der Ware (Buch I, Kap. III 2a);
es ist, seitens des Verkäufers der Arbeit, Verwandlung seiner
Ware in ihre Geldform. Das so erhaltne Geld verausgabt der Arbei-
ter nach und nach in einer Summe von Waren, die seine Bedürfnisse
befriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesamtzirkulation seiner
Ware stellt sich also dar als A-G-W, d.h. erstens A-G (= W-G) und
zweitens G-W, also in der allgemeinen Form der einfachen Waren-
zirkulation W-G-W, wo das Geld als bloßes verschwindendes Zirku-
lationsmittel, als bloßer Vermittler des Umsatzes von Ware gegen
Ware figuriert.
G-A ist das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldka-
pital in produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedingung,
damit der in Geldform vorgeschoßne Wert sich wirklich in Kapital,
in Mehrwert produzierenden Wert verwandle. G-Pm ist nur notwen-
dig, um die durch G-A gekaufte Arbeitsmasse zu realisieren. G-A
wurde daher von diesem Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I,
Abschn. II, Verwandlung von Geld in Kapital. Die Sache ist hier
noch von einem andern Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit spe-
ziellem Bezug auf das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapi-
tals.
G-A wird allgemein als charakteristisch angesehn für die kapita-
listische Produktionsweise. Aber keineswegs aus dem angegebnen
Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin
die Lieferung eines größern Quantums Arbeit bedungen wird, als
zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, nötig
ist; also Lieferung von Mehrarbeit, die Grundbedingung für die
Kapitalisation des vorgeschoßnen Werts, oder was dasselbe, für
Produktion von Mehrwert. Sondern vielmehr seiner Form halber,
weil in der Form des Arbeitslohns m i t G e l d Arbeit gekauft
wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirtschaft.
Hier ist es wieder nicht das Irrationelle der Form, welches für
charakteristisch gilt. Dies Irrationelle wird vielmehr übersehn.
Das Irrationelle besteht darin, daß die Arbeit als wertbildendes
Element selbst keinen Wert besitzen, also auch ein bestimmtes
Quantum Arbeit keinen Wert haben kann, der sich in ihrem Preise
ausdrückt, in ihrer Äquivalenz mit einem bestimmten Quantum Geld.
Aber wir wissen, daß der Arbeitslohn bloß eine verkleidete Form
ist, eine Form, worin z.B. der Tagespreis der Arbeitskraft sich
als Preis der während eines Tages von dieser Arbeitskraft flüssig
gemachten Arbeit darstellt, so daß also etwa der in 6 Stunden Ar-
beit von dieser Arbeitskraft produzierte Wert als Wert ihrer
zwölfstündigen Funktion oder Arbeit ausgckt wird.
#36# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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G-A gilt als das Charakteristische, als die Signatur der sog.
Geldwirtschaft, weil die Arbeit hier als Ware ihres Besitzers er-
scheint, das Geld daher als Käufer - also wegen des Geldverhält-
nisses (d.h. Kauf und Verkauf von menschlicher Tätigkeit). Nun
aber erscheint das Geld schon sehr früh als Käufer sogenannter
Dienste, ohne daß G sich in Geldkapital verwandelte oder der all-
gemeine Charakter der Wirtschaft umgewälzt würde.
Dem Geld ist es durchaus gleichgültig, in welche Sorte von Waren
es verwandelt wird. Es ist die allgemeine Äquivalentform aller
Waren, die in ihren Preisen schon zeigen, daß sie ideell eine be-
stimmte Geldsumme darstellen, ihre Verwandlung in Geld erwarten,
und nur durch ihren Stellenwechsel mit Geld die Form erhalten,
worin sie in Gebrauchswerte für ihre Besitzer umsetzbar sind.
Findet sich also auf dem Markt die Arbeitskraft einmal als Ware
ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der Zahlung für
Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohns, so stellt ihr Kauf
und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und Verkauf
jeder andern Ware. Nicht, daß die Ware Arbeitskraft käuflich ist,
sondern daß die Arbeitskraft als Ware erscheint, ist das Charak-
teristische.
Durch
A
G-W< ,
Pm
die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, bewirkt
der Kapitalist die Verbindung der gegenständlichen und persönli-
chen Faktoren der Produktion, soweit diese Faktoren aus Waren be-
stehn. Wird Geld zum ersten Mal in produktives Kapital verwan-
delt, oder fungiert es für seinen Besitzer zum ersten Mal als
Geldkapital, so muß er erst die Produktionsmittel kaufen, Ar-
beitsgebäude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft kauft; denn
sobald letztre in seine Botmäßigkeit übergeht, müssen die Produk-
tionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu können.
So stellt sich die Sache von seiten des Kapitalisten dar.
Von seiten des Arbeiters: Die produktive Betätigung seiner Ar-
beitskraft wird erst möglich von dem Augenblick, wo sie infolge
ihres Verkaufs in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt
wird. Sie existiert also vor dem Verkauf getrennt von den Produk-
tionsmitteln, von den gegenständlichen Bedingungen ihrer Betäti-
gung. In diesem Zustand der Trennung kann sie weder direkt ver-
wandt werden zur Produktion von Gebrauchswerten für ihren Besit-
zer, noch zur Produktion von Waren, von deren Verkauf dieser le-
ben könnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung mit
den Produktionsmitteln gesetzt ist, bildet sie einen Bestandteil
des produktiven Kapitals ihres Käufers, ebensogut wie die Produk-
tionsmittel.
Obgleich daher in dem Akt G-A Geldbesitzer und Arbeitskraftbesit-
zer sich nur als Käufer und Verkäufer zueinander verhalten, als
Geldbesitzer
#37# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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und Warenbesitzer einander gegenübertreten, sich also nach dieser
Seite hin in bloßem Geldverhältnis zueinander befinden, - so
tritt doch der Käufer von vornherein zugleich als Besitzer der
Produktionsmittel auf, welche die gegenständlichen Bedingungen
der produktiven Verausgabung der Arbeitskraft durch ihren Besit-
zer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel treten dem
Besitzer der Arbeitskraft gegenüber als fremdes Eigentum. Andrer-
seits steht der Verkäufer der Arbeit ihrem Käufer gegenüber als
fremde Arbeitskraft, die in seine Botmäßigkeit übergehn, seinem
Kapital einverleibt werden muß, damit dies wirklich als produkti-
ves Kapital sich betätige. Das Klassenverhältnis zwischen Kapita-
list und Lehnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausge-
setzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G-A (A-G von seiten
des Arbeiters) sich gegenübertreten. Es ist Kauf und Verkauf,
Geldverhältnis, aber ein Kauf und Verkauf, wo der Käufer als Ka-
pitalist und der Verkäufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird,
und dies Verhältnis ist damit gegeben, daß die Bedingungen zur
Verwirklichung der Arbeitskraft - Lebensmittel und Produktions-
mittel getrennt sind als fremdes Eigentum von dem Besitzer der
Arbeitskraft.
Wie diese Trennung entsteht, beschäftigt uns hier nicht. Sie exi-
stiert, sobald G-A vollzogen wird. Was uns hier interessiert,
ist: Wenn G-A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint, oder
Geld hier als Existenzform des Kapitals, so keineswegs bloß, weil
das Geld hier auftritt als Zahlungsmittel für eine menschliche
Tätigkeit, die einen Nutzeffekt hat, für einen Dienst; also kei-
neswegs durch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Das
Geld kann in dieser Form nur verausgabt werden, weil die Arbeits-
kraft im Zustand der Trennung von ihren Produktionsmitteln
(einschließlich der Lebensmittel als Produktionsmittel der Ar-
beitskraft selbst) sich befindet; und weil diese Trennung nur da-
durch aufgehoben wird, daß die Arbeitskraft an den Inhaber der
Produktionsmittel verkauft wird; daß also auch die Flüssigmachung
der Arbeitskraft, deren Grenzen keineswegs nut den Grenzen der
zur Reproduktion ihres eignen Preises nötigen Arbeitsmasse zusam-
menfallen, dem Käufer gehört. Das Kapitalverhältnis während des
Produktionsprozesses kommt nur heraus, weil es an sich im Zirku-
lationsakt existiert, in den unterschiednen ökonomischen Grundbe-
dingungen, worin Käufer und Verkäufer sich gegenübertreten, in
ihrem Klassenverhältnis. Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur
das Verhältnis gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses
Verhältnisses, eine bloße Geldfunktion in eine Kapitalfunktion
verwandeln kann.
Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einstweilen
nur zu tun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns hier
gegenübertritt)
#38# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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laufen gewöhnlich zwei Irrtümer neben- oder durcheinander. Er-
stens: Die Funktionen, die der Kapitalwert als Geldkapital ver-
richtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich in Geld-
form befindet, werden irrtümlich aus seinem Kapitalcharakter ab-
geleitet, während sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerts ge-
schuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens um-
gekehrt: Der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie
zugleich zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des
Geldes hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), während
sie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzt, wie hier in Voll-
ziehung von G-A, die in bloßer Waren- und entsprechender Geldzir-
kulation keineswegs gegeben sind. Auch der Kauf und Verkauf von
Sklaven ist seiner Form nach Warenkauf und -verkauf. Ohne Exi-
stenz der Sklaverei kann Geld aber nicht diese Funktion voll-
ziehn. Ist Sklaverei da, so kann Geld im Ankauf von Sklaven aus-
gelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in der Hand des Käufers kei-
nes Wegs hin, um Sklaverei zu ermöglichen.
Daß der Verkauf der eignen Arbeitskraft (in der Form des Verkaufs
der eignen Arbeit oder des Arbeitslohns) nicht als isolierte Er-
scheinung, sondern als gesellschaftlich maßgebende Voraussetzung
der Produktion von Waren sich darstelle, daß also das Geldkapital
auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete Funktion
A
G-W<
Pm
vollziehe, - dies unterstellt historische Prozesse, durch welche
die ursprüngliche Verbindung der Produktionsmittel mit der Ar-
beitskraft aufgelöst wurde; Prozesse, infolge deren die Masse des
Volks, die Arbeiter, als Nichteigentümer und die Nichtarbeiter
als Eigentümer dieser Produktionsmittel sich gegenüberstehn. Wo-
bei es nichts zur Sache tut, ob die Verbindung vor ihrer Zerset-
zung die Form besaß, daß der Arbeiter selbst als Produktionsmit-
tel zu den andern Produktionsmitteln gehörte, oder ob er deren
Eigner war.
Der Tatbestand, der hier also dem Akt
A
G-W<
Pm
zugrunde liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im ge-
wöhnlichen Sinn als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die
Verteilung der Elemente der Produktion selbst, von denen die ge-
genständlichen Faktoren auf der einen Seite konzentriert sind,
die Arbeitskraft davon isoliert auf der andern.
Die Produktionsmittel, der gegenständliche Teil des produktiven
Kapitals, müssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital
gegenüberstehn, bevor der Akt G-A ein allgemein gesellschaftli-
cher Akt werden kann. Wir haben früher 1*) gesehn, daß die kapi-
talistische Produktion, einmal etabliert, in ihrer Entwicklung
nicht nur diese Trennung reproduziert,
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. 7. Abschnitt, S. 589-802
#39# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
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sondern sie auf stets größem Umfang erweitert, bis sie der allge-
mein herrschende gesellschaftliche Zustand geworden. Die Sache
bietet aber noch eine andre Seite dar. Damit das Kapital sich
bilden und sich der Produktion bemächtigen kann, ist eine gewisse
Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also auch der Waren-
zirkulation und damit der Warenproduktion; denn es können nicht
Artikel als Waren in die Zirkulation eingehn, sofern sie nicht
für den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als normaler,
herrschender Charakter der Produktion erscheint die Warenproduk-
tion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion.
Die russischen Grundeigentümer, die infolge der sog. Bauerneman-
zipation ihre Landwirtschaft jetzt mit Lohnarbeitern statt mit
leibeignen Zwangsarbeitern betreiben, klagen über zweierlei: Er-
stens über Mangel an Geldkapital. So heißt es z.B.: Bevor man die
Ernte verkauft, habe man Lohnarbeitern in größerem Umfang zu zah-
len, und da fehle es an der ersten Bedingung, an Barem. Kapital
in der Form von Geld muß gerade zur Zahlung des Arbeitslohns be-
ständig vorhanden sein, um die Produktion kapitalistisch zu be-
treiben. Doch darüber mögen sich die Grundbesitzer trösten. Mit
der Zeit pflückt man Rosen, und verfügt der industrielle Kapita-
list nicht nur über sein eignes Geld, sondern auch über l'argent
des autres 1*).
Charakteristischer aber ist die zweite Klage, nämlich: daß, wenn
man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu be-
liebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskräfte disponibel finde,
indem der russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums der
Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht völlig von seinen Pro-
duktionsmitteln getrennt, daher noch kein "freier Lohnarbeiter"
im vollen Sinne des Wortes ist. Aber das Vorhandensein des letz-
tren auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerläßliche Bedin-
gung, damit G-W, Verwandlung von Geld in Ware, als Verwandlung
von Geldkapital in produktives Kapital, darstellbar sei.
Es versteht sich daher von selbst, daß die Formel für den Kreis-
lauf des Geldkapitals: G-W... P... W'-G' selbstverständliche Form
des Kapitalkreislaufs nur auf Grundlage schon entwickelter kapi-
talistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohn-
arbeiterklasse auf gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die ka-
pitalistische Produktion, wie wir gesehn, produziert nicht nur
Ware und Mehrwert; sie reproduziert, und in stets erweitertem Um-
fang, die Klasse der Lohnarbeiter und verwandelt die ungeheure
Majorität der unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. G-W...
P... W'-G', da die erste Voraussetzung seines Verlaufs das be-
ständige Vorhandensein
-----
1*) das Geld der anderen
#40# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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der Lohnarbeiterklasse, unterstellt daher schon das Kapital in
der Form des produktiven Kapitals, und daher die Form des Kreis-
laufs des produktiven Kapitals.
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