Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band

       zurück

       #43# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
       -----
       III. Drittes Stadium. W'-G'
       
       Ware wird  Warenkapital als unmittelbar aus dem Produktionsprozeß
       selbst entsprungene  funktionelle Daseinsform des bereits verwer-
       teten Kapitalwerts. Würde die Warenproduktion in ihrem ganzen ge-
       sellschaftlichen Umfang  kapitalistisch betrieben,  so wäre  alle
       Ware von  Haus aus  Element eines  Warenkapitals, bestehe sie nun
       aus Roheisen oder Brüsseler Spitzen, Schwefelsäure oder Zigarren.
       Das Problem,  welche Sorten des Warenheers durch ihre Beschaffen-
       heit zum  Kapitalrang bestimmt, welche andere zum gemeinen Waren-
       dienst, ist eins der selbstgeschaffnen holden Drangsale der scho-
       lastischen Ökonomie.
       In einer  Warenform muß das Kapital Warenfunktion verrichten. Die
       Artikel, woraus  es besteht,  von Haus  aus für  den Markt produ-
       ziert, müssen verkauft, in Geld verwandelt werden, also die Bewe-
       gung W-G durchlaufen.
       
       #44# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
       -----
       Die Ware  des Kapitalisten  bestehe aus  10 000 Pfund Baumwollen-
       garn. Wurden  im Spinnprozeß  Produktionsmittel zum  Wert von 372
       Pfd.St. verzehrt  und ein  Neuwert von 128 Pfd.St. geschaffen, so
       hat das  Garn einen Wert von 500 Pfd.St., welchen es ausdrückt in
       seinem gleichnamigen  Preise. Dieser Preis werde realisiert durch
       den Verkauf  W-G. Was macht diesen einfachen Vorgang aller Waren-
       zirkulation gleichzeitig zu einer Kapitalfunktion? Keine Verände-
       rung, die sich innerhalb desselben ereignet, sei es mit Bezug auf
       ihren Gebrauchscharakter,  denn als  Gebrauchsgegenstand geht die
       Ware an  den Käufer  über, sei  es mit Bezug auf ihren Wert, denn
       dieser erleidet keinen Größenwechsel, sondern nur einen Formwech-
       sel. Erst  existierte er  in Garn, jetzt existiert er in Geld. So
       tritt ein  wesentlicher Unterschied  hervor zwischen  dem  ersten
       Stadium G-W  1*) und  dem letzten  Stadium W-G. Dort fungiert das
       vorgeschoßne Geld  als Geldkapital,  weil es sich vermittelst der
       Zirkulation in Waren von spezifischem Gebrauchswert umsetzt. Hier
       kann die  Ware nur  als Kapital fungieren, sofern sie diesen Cha-
       rakter schon  fertig aus  dem Produktionsprozeß  mitbringt, bevor
       ihre Zirkulation  beginnt. Während des Spinnprozesses schufen die
       Spinner Garnwert zum Belauf von 128 Pfd.St. Davon bilden, sage 50
       Pfd.St., dem  Kapitalisten bloß  ein Äquivalent für seine Auslage
       in Arbeitskraft, und 78 Pfd.St. - bei einem Exploitationsgrad der
       Arbeitskraft von  156% -  bilden Mehrwert.  Der Wert  der  10 000
       Pfund Garn enthält also erstens den Wert des aufgezehrten produk-
       tiven Kapitals P, wovon der konstante Teil = 372 Pfd.St., der va-
       riable = 50 Pfd.St., ihre Summe = 422 Pfd.St., = 8440 Pfund Garn.
       Der Wert des produktiven Kapitals P ist aber = W, dem Wert seiner
       Bildungselemente, die in dem Stadium G-W dem Kapitalisten als Wa-
       ren in  den Händen  ihrer Verkäufer  gegenüberstanden. - Zweitens
       aber enthält  der Wert  des Garns  einen Mehrwert  von 78 Pfd.St.
       1560 Pfund  Garn. W  als Wertausdruck  der 10 000  Pfund Garn ist
       also W  + delta  W, W  plus einem Inkrement von W (= 78 Pfd.St.),
       welches wir  w nennen  wollen, da  es in derselben Warenform exi-
       stiert wie  jetzt der  ursprüngliche Wert  W. Der Wert der 10 000
       Pfund Garn  = 500 Pfd.St. ist also = W + w = W'. Was W, als Wert-
       ausdruck der  10 000 Pfund Garn, zu W' macht, ist nicht seine ab-
       solute Wertgröße (500 Pfd.St.), denn sie ist wie bei allen andern
       W als  Wertausdruck irgendeiner  andern Warensumme bestimmt durch
       die Größe der in ihr vergegenständlichten Arbeit. Es ist eine re-
       lative Wertgröße,  seine Wertgröße verglichen mit dem Wert des in
       seiner Produktion aufgezehrten Kapitals P. Dieser Wert ist in ihr
       enthalten,
       -----
       1*) 1. und 2.AufIage: W-G; geändert nach der Druckvorlage von En-
       gels.
       
       #45# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
       -----
       plus dem  vom produktiven Kapital gelieferten Mehrwert. Sein Wert
       ist größer, überschüssig über diesen Kapitalwert, um diesen Mehr-
       wert w.  Die 10 000  Pfund Garn  sind Träger des verwerteten, mit
       einem Mehrwert  bereicherten Kapitalwerts, und sind dies als Pro-
       dukt des  kapitalistischen Produktionsprozesses.  W'  drückt  ein
       Wertverhältnis aus, das Verhältnis des Werts des Warenprodukts zu
       dem des  in seiner Produktion verausgabten Kapitals, also die Zu-
       sammensetzung seines  Werts aus  Kapitalwert  und  Mehrwert.  Die
       10 000 Pfund Garn sind Warenkapital, W', nur als verwandelte Form
       des produktiven  Kapitals P,  also  in  einem  Zusammenhang,  der
       zunächst nur  im Kreislauf  dieses  individuellen  Kapitals  exi-
       stiert, oder  für den  Kapitalisten, der  mit seinem Kapital Garn
       produziert hat.  Es ist sozusagen nur ein inneres, kein auswärti-
       ges Verhältnis,  das die  10 000 Pfund Garn als Wertträger zu Wa-
       renkapital macht; sie tragen ihr kapitalistisches Muttermal nicht
       in der  absoluten Größe  ihres Werts, sondern in seiner relativen
       Größe, in  ihrer Wertgröße  verglichen mit  der, die das in ihnen
       enthaltene produktive  Kapital besaß, ehe es sich in Ware verwan-
       delt. Werden  daher die  10 000 Pfund  Garn zu ihrem Wert von 500
       Pfd.St. verkauft,  so ist  dieser Zirkulationsakt,  für sich  be-
       trachtet, =  W-G, bloße  Verwandlung eines gleichbleibenden Werts
       aus Warenform  in Geldform. Aber als besonderes Stadium im Kreis-
       lauf eines  individuellen Kapitals  ist derselbe Akt Realisierung
       des von der Ware getragnen Kapitalwerts von 422 Pfd.St. + dem von
       ihr getragnen  Mehrwert von  78 Pfd.St.,  also W'-G', Verwandlung
       des Warenkapitals aus seiner Warenform in Geldform. 4)
       Die Funktion von W' ist nun die alles Warenprodukts: sich in Geld
       zu verwandeln,  verkauft zu  werden,  die  Zirkulationsphase  W-G
       durchzumachen. Solange  das jetzt  verwertete Kapital in der Form
       des Warenkapitals  verharrt, auf  dem Markt  festliegt, steht der
       Produktionsprozeß still.  Es wirkt  weder als  Produkt- noch  als
       Wertbildner. Je  nach dem  verschiednen Grad der Geschwindigkeit,
       womit das  Kapital seine Warenform abstößt und seine Geldform an-
       nimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs, wird derselbe Ka-
       pitalwert in  sehr ungleichem  Grad als  Produkt- und Wertbildner
       dienen und  die Stufenleiter der Reproduktion sich ausdehnen oder
       verkürzen. Es  wurde im ersten Buch gezeigt, daß der Wirkungsgrad
       eines gegebnen  Kapitals durch  Potenzen des Produktionsprozesses
       bedingt ist, die von seiner eignen Wertgröße in gewissem Grad un-
       abhängig sind. 1*)
       ---
       4) Bis hierher Manuskript VI. Von hier an Manuskript V.
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausg S. 629-631
       
       #46# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
       -----
       Hier zeigt  sich, daß  der Zirkulationsprozeß neue, von der Wert-
       größe des  Kapitals unabhängige  Potenzen  seines  Wirkungsgrads,
       seiner Expansion und Kontraktion in Bewegung setzt.
       Die Warentnasse W', als Träger des verwerteten Kapitals, muß fer-
       ner in  ihrem ganzen  Umfang die  Metamorphose W'-G' durchmachen.
       Die Quantität  des Verkauften  wird hier  wesentliche Bestimmung.
       Die einzelne  Ware figuriert nur noch als integrierender Teil der
       Gesamtmasse. Die  500 Pfd.St.  Wert existieren  in  10 000  Pfund
       Garn. Gelingt  es dem  Kapitalisten, nur 7440 Pfund zu ihrem Wert
       von 372  Pfd.St. zu verkaufen, so hat er nur den Wert seines kon-
       stanten Kapitals,  den Wert  der verausgabten  Produktionsmittel,
       ersetzt, wenn  Pfund, so  nur die Wertgröße des vorgeschoßnen Ge-
       samtkapitals. Er  muß mehr verkaufen, um Mehrwert zu realisieren,
       und er  muß alle 10 000 Pfund Garn verkaufen, um den ganzen Mehr-
       wert von 78 Pfd.St. (= 1560 Pfund Garn) zu realisieren. Er erhält
       also in  500 Pfd.St.  Geld nur einen Gleichwert für die verkaufte
       Ware; seine  Transaktion innerhalb  der Zirkulation ist einfaches
       W-G. Hätte  er seinen Arbeitern 64 Pfd.St. statt 50 Pfd. St. Lohn
       gezahlt, so  wäre sein  Mehrwert nur 64 Pfd.St. statt 78 Pfd.St.,
       und der  Exploitationsgrad nur 100% statt 156%; aber nach wie vor
       bliebe der Wert seines Garns unverändert, nur das Verhältnis sei-
       ner verschiednen  Teile wäre  ein andres; der Zirkulationsakt W-G
       wäre nach  wie vor Verkauf von 10 000 Pfund Garn für 500 Pfd.St.,
       ihren Wert.
       W' =  W + w (= 422 Pfd.St. + 78 Pfd.St.). - W ist gleich dem Wert
       von P  oder dem produktiven Kapital, und dies gleich dem Wert von
       G, das  in G-W,  dem Kauf  der Produktionselemente, vorgeschossen
       wurde; in  unserm Beispiel  = 422  Pfd.St. Wird die Warenmasse zu
       ihrem Wert  verkauft, so  W = 422 Pfd.St. und w = 78 Pfd.St., dem
       Wert des  Mehrprodukts von 1560 Pfund Garn. Nennen wir w, in Geld
       ausgedruckt, g,  so ist  W'-G' = (W+w) - (G+g), und der Kreislauf
       G-W... P... W'-G'in seiner expliziten Form also
            A
       G-W <A  ... P... (W+w) - (G+g).
            Pm
       Im ersten  Stadium entzieht  der Kapitalist  Gebrauchsartikel dem
       eigentlichen Warerunarkt und dem Arbeitsmarkt; im dritten Stadium
       wirft er  Ware zurück,  aber nur in einen Markt, den eigentlichen
       Warenmarkt. Wenn  er aber  durch seine  Ware dem  Markt mehr Wert
       wieder entzieht,  als er ursprünglich hineinwarf, so nur, weil er
       größern Warenwert  hineinwirft, als  er ursprünglich  entzog.  Er
       warf den  Wert G hinein und entzog den Gleichwert W; er wirft W +
       w hinein  und entzieht  den Gleichwert  G +  g. - G war in unserm
       Beispiel gleich  dem Wert  von 8440  Pfund Garn;  er  wirft  aber
       10 000 Pfund in den Markt, gibt ihm also größern Wert, als er ihm
       nahm.
       
       #47# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
       -----
       Andrerseits hat  er diesen  gewachsnen Wert  nur  hineingeworfen,
       weil er  im Produktionsprozeß  Mehrwert (als  aliquoter Teil  des
       Produkts, ausgedrückt  in Mehrprodukt) durch Exploitation der Ar-
       beitskraft produzierte.  Nur als Produkt dieses Prozesses ist die
       Warenmasse Warenkapital,  Träger  des  verwerteten  Kapitalwerts.
       Durch Vollziehung von W'-G' wird sowohl der vorgeschoßne Kapital-
       wert realisiert  wie der  Mehrwert. Die  Realisation beider fällt
       zusammen in der Reihe von Verkäufen, oder auch in dem Verkauf auf
       einen Schlag,  der gesamten Warenmasse, die W'-G' ausdrückt. Aber
       derselbe Zirkulationsvorgang  W'-G' ist  verschieden für Kapital-
       wert und  Mehrwert insofern, als er für jeden von beiden ein ver-
       schiednes Stadium ihrer Zirkulation, einen verschiednen Abschnitt
       in der  von ihnen innerhalb der Zirkulation zu durchlaufenden Me-
       tamorphosenreihe ausdrückt.  w, der  Mehrwert, kam  erst zur Welt
       innerhalb des  Produktionsprozesses. Er tritt also zum ersten Mal
       auf den  Warenmarkt, und  zwar in  Warenform; sie ist seine erste
       Zirkulationsform, daher  auch der  Akt w-g sein erster Zirkulati-
       onsakt oder  seine erste  Metamorphose, die also noch zu ergänzen
       bleibt durch den entgegengesetzten Zirkulationsakt oder die umge-
       kehrte Metamorphose g-w. 5)
       Anders verhält  es sich  t der Zirkulation, die der Kapitalwert W
       im selben  Zirkulationsakt W'-G'  vollzieht, welches  für ihn der
       Zirkulationsakt W-G ist, wo W = P, gleich dem ursprünglich vorge-
       schoßnen G. Es hat seinen ersten Zirkulationsakt als G, als Geld-
       kapital, eröffnet und kehrt durch den Akt W-G zur selben Form zu-
       rück; es  hat also die beiden entgegengesetzten Phasen der Zirku-
       lation 1)  G-W und 2) W-G durchlaufen und befindet sich wieder in
       der Form, in der es denselben Kreislaufsprozeß von neuem beginnen
       kann. Was  für den  Mehrwert erste  Verwandlung der  Warenform in
       Geldform, ist  für den  Kapitalwert Rückkehr oder Rückverwandlung
       in seine ursprüngliche Geldform.
       Durch
            A
       G-W <
            Pm
       wurde das  Geldkapital in  eine gleichwertige  Summe Waren, A und
       Pm, umgesetzt.  Diese Waren funktionieren nicht wieder als Waren,
       als Verkaufsartikel.  Ihr Wert  existiert jetzt in der Hand ihres
       Käufers, des  Kapitalisten, als  Wert seines produktiven Kapitals
       P. Und  in der Funktion von P, der produktiven Konsumtion, werden
       sie verwandelt  in eine von den Produktionsmitteln stofflich ver-
       schiedne Warensorte,  in Garn, worin ihr Wert nicht nur erhalten,
       sondern vergrößert wird, von 422 Pfd.St.
       ---
       5) Dies gilt, einerlei in welcher Weise wir Kapitalwert und Mehr-
       wert trennen. In 10 000 Pfund Garn steckt 1560 Pfund = 78 Pfd.St.
       Mehrwert, aber  in 1  Pfund Garn  = 1  Schilling steckt ebenfalls
       2,496 Unzen= 1,872 Penny Mehrwert.
       
       #48# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
       -----
       auf 500  Pfd.St. Durch diese reale Metamorphose werden die im er-
       sten Stadium  G-W dem  Markt entzognen Waren ersetzt durch stoff-
       lich und  wertlich verschiedne  Ware, die nun als Ware fungieren,
       in Geld verwandelt und verkauft werden muß. Der Produktionsprozeß
       erscheint daher  nur als  Unterbrechung des Zirkulationsprozesses
       des Kapitalwerts,  wovon bis  da. hin  nur die  erste  Phase  G-W
       durchlaufen ist. Er durchläuft die zweite und abschließende Phase
       W-G, nachdem  W stofflich und wertlich verändert. Soweit aber der
       Kapitalwert, für  sich genommen,  in Betracht  kommt, hat  er nur
       eine Veränderung seiner Gebrauchsform im Produktionsprozeß erlit-
       ten. Er existierte als 422 Pfd.St. Wert in A und Pm, er existiert
       jetzt als  422 Pfd.St.  Wert von  8440 Pfund Garn. Betrachten wir
       also bloß  die beiden  Phasen des  Zirkulationsprozesses des, von
       seinem Mehrwert  getrennt gedachten,  Kapitalwerts, so durchläuft
       er 1)  G-W und 2) W-G, wo das zweite W eine veränderte Gebrauchs-
       form, aber  denselben Wert  hat wie das erste W; also G-W-G, eine
       Zirkulationsform, die durch den doppelten Stellenwechsel der Ware
       in entgegengesetzter Richtung, Verwandlung aus Geld in Ware, Ver-
       wandlung aus  Ware in  Geld, notwendig  die Rückkehr des als Geld
       vorgeschoßnen Werts  zu seiner  Geldform bedingt:  seine Rückver-
       wandlung in Geld.
       Derselbe Zirkulationsakt W'-G', der für den in Geld vorgeschoßnen
       Kapitalwert zweite abschließende Metamorphose, Rückkehr zur Geld-
       form, ist  für den gleichzeitig vom Warenkapital mitgetragnen und
       durch seinen  Umsatz in  Geldform mitrealisierten  Mehrwert erste
       Metamorphose, Verwandlung  aus Warenform  in Geldform, W-G, erste
       Zirkulationsphase.
       Es ist hier also zweierlei zu bemerken. Erstens: Die schließliche
       Rückverwandlung des  Kapitalwerts in seine ursprüngliche Geldform
       ist eine  Funktion des  Warenkapitals. Zweitens:  Diese  Funktion
       schließt ein  die erste  Formverwandlung des Mehrwerts aus seiner
       ursprünglichen Warenform  in Geldform.  Die Geldform  spielt also
       hier doppelte  Rolle; sie  ist einerseits rückkehrende Form eines
       ursprünglich in Geld vorgeschoßnen Werts, also Rückkehr zur Wert-
       form, die den Prozeß eröffnete; sie ist andrerseits erste verwan-
       delte Form eines Werts, der ursprünglich in Warenform in die Zir-
       kulation tritt.  Werden die  Waren, woraus  das Warenkapital  be-
       steht, zu  ihrem Wert verkauft, wie hier vorausgesetzt, so wird W
       + w  verwandelt in  das gleichwerfige G + g; in dieser Form G + g
       (422 Pfd.St.  + 78  Pfd.St. =  500 Pfd.St.)  existiert das reali-
       sierte Warenkapital  jetzt in der Hand des Kapitalisten. Kapital-
       wert und Mehrwert sind jetzt als Geld vorhanden, also in der all-
       gemeinen Äquivalentform.
       Am Schluß des Prozesses befindet sich der Kapitalwert also wieder
       in derselben  Form, worin er in ihn eintrat, kann ihn also wieder
       von neuem
       
       #49# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Gelpitals
       -----
       als Geldkapital eröffnen und durchlaufen. Eben weil die Ausgangs-
       und Schlußform des Prozesses die des Geldkapitals (G), wird diese
       Form des  Kreislaufsprozesses von uns als Kreislauf des Geldkapi-
       tals bezeichnet. Nicht die Form, sondern nur die Größe des vorge-
       schoßnen Werts  ist am  Schluß verändert.  G +  g sind nichts als
       eine Geldsumme  von einer  bestimmten Größe,  in unserm  Fall 500
       Pfd.St. Aber als Resultat des Kreislaufs des Kapitals, als reali-
       siertes Warenkapital, enthält diese Geldsumme den Kapitalwert und
       den Mehrwert; und zwar sind diese nun nicht mehr miteinander ver-
       wachsen, wie im Garn; sie liegen jetzt nebeneinander. Ihre Reali-
       sation  hat  jedem  der  beiden  selbständige  Geldform  gegeben.
       221/250 davon sind der Kapitalwert, 422 Pfd.St., und 39/250 davon
       der Mehrwert  von 78 Pfd.St. Diese durch Realisation des Warenka-
       pitals bewirkte  Trennung hat nicht nur den formellen Gehalt, wo-
       von wir  gleich sprechen  werden; sie wird wichtig im Reprodukti-
       onsprozeß des  Kapitals, je  nachdem 9  ganz, teilweise  oder gar
       nicht zu  G geschlagen  wird, also  je nachdem es als Bestandteil
       des vorgeschoßnen  Kapitalwerts fortfungiert  oder nicht. g und G
       können auch ganz verschiedne Zirkulation durchlaufen.
       In G'  ist das Kapital wieder zu seiner ursprünglichen Form G zu-
       rückgekehrt, zu seiner Geldform; aber in einer Form, worin es als
       Kapital verwirklicht ist.
       Erstens ist  eine  quantitative  Differenz  da.  Es  war  G,  422
       Pfd.St., es ist jetzt G', 500 Pfd.St., und diese Differenz ausge-
       druckt in  G... G',  den quantitativ  verschiednen  Extremen  des
       Kreislaufs, dessen  Bewegung selbst nur durch die Punkte... ange-
       deutet ist. G' ist > G, G'-G = M, dem Mehrwert. - Aber als Resul-
       tat dieses Kreislaufs G... G' existiert jetzt nur noch G', es ist
       das Produkt,  worin sein  Bildungsprozeß erloschen  ist. G'  exi-
       stiert jetzt  selbständig für  sich, unabhängig von der Bewegung,
       die es  hervorbrachte. Sie  ist vergangen,  es ist  da  an  ihrer
       Stelle.
       Aber G' als G + g, 500 Pfd.St. als 422 Pfd. St. vorgeschoßnes Ka-
       pital plus  einem Inkrement  desselben  von  78  Pfd.St.,  stellt
       zugleich ein  qualitatives Verhältnis dar, obgleich dies qualita-
       tive Verhältnis selbst nur als Verhältnis der Teile einer gleich-
       namigen Summe,  also als  quantitatives Verhältnis  existiert. G,
       das vorgeschoßne  Kapital, das jetzt wieder in seiner ursprüngli-
       chen Form (422 Pfd.St.) vorhanden ist, existiert jetzt als reali-
       siertes Kapital. Es hat sich nicht nur erhalten, es hat sich auch
       als Kapital  realisiert, indem  es sich als solches unterscheidet
       von g (78 Pfd.St.), worauf es bezogen ist als auf seinen Zuwachs,
       seine Frucht, auf ein durch es selbst gehacktes Inkrement. Es ist
       als Kapital realisiert, weil als Wert, der einen
       
       #50# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
       -----
       Wert geheckt  hat. G'  existiert als  Kapitalverhältnis -,  G er-
       scheint nicht  mehr als  bloßes Geld, sondern es ist ausdrücklich
       als Geldkapital gesetzt, ausgedrückt als Wert, der sich verwertet
       hat, also  auch die  Eigenschaft besitzt, sich zu verwerten, mehr
       Wert zu hecken als er selbst hat. G ist als Kapital gesetzt durch
       sein Verhältnis zu einem andern Teil von G', als dem durch es Ge-
       setzten, aus  ihm als  Ursache Bewirktem, als der Folge, wovon es
       der Grund. So erscheint G' als in sich differenzierte, sich funk-
       tionell (begrifflich)  in sich  selbst unterscheidende, das Kapi-
       talverhältnis ausdrückende Wertsumme.
       Aber dies  ist nur ausgedruckt als Resultat, ohne die Vermittlung
       des Prozesses, dessen Resultat es ist.
       Wertteile unterscheiden  sich als solche qualitativ nicht vonein-
       ander, außer soweit sie als Werte verschiedner Artikel, konkreter
       Dinge auftreten,  also in verschiednen Gebrauchsformen, daher als
       Werte verschiedner  Warenkörper -  ein Unterschied, der nicht aus
       ihnen selbst  als bloßen Wert teilen entspringt. Im Geld ist alle
       Verschiedenheit der Waren ausgelöscht, weil es eben die ihnen al-
       len gemeinsame Äquivalentform ist. Eine Geldsumme von 500 Pfd.St.
       besteht aus  lauter gleichnamigen  Elementen von  1 Pfd.St. Da in
       dem einfachen  Dasein dieser Geldsumme die Vermittlung ihrer Her-
       kunft ausgelöscht  und von der spezifischen Differenz, welche die
       verschiednen Kapitalbestandteile  im Produktionsprozeß  besitzen,
       jede Spur verschwunden ist, so existiert der Unterschied nur noch
       in der  begrifflichen Form einer Hauptsunune (englisch principal)
       = dem  vorgeschoßnen Kapital von 422 Pfd.St. und einer überschüs-
       sigen Wertsumme  von 78  Pfd.St. G' sei z.B. = 110 Pfd.St., wovon
       100 =  G, Hauptsumme,  und 10 = M, Mehrwert. Es herrscht absolute
       Gleichartigkeit, also  begrifffiche  Unterschiedslosigkeit,  zwi-
       schen den  beiden  konstituierenden  Teilen  der  Summe  von  110
       Pfd.St. Beliebige  10 Pfd.St. sind immer 1/11 der Gesamtsumme von
       110 Pfd.St.,  ob sie  nun 1/10  der vorgeschoßnen Hauptsunune von
       100 Pfd.St.  oder der  Überschuß von  10 Pfd.  St. über dieselbe.
       Hauptsumme und  Zuwachssumme, Kapital  und Mehrsumme  sind  daher
       ausdrückbar als  Bruchteile der  Gesamtsumme; in  unserm Beispiel
       bilden 10/11 die Hauptsumme oder das Kapital, 1/11 die Mehrsumme.
       Es ist  daher begriffsloser  Ausdruck  des  Kapitalverhältnisses,
       worin hier  am Schluß seines Prozesses das realisierte Kapital in
       seinem Geldausdruck erscheint.
       Allerdings gilt  dies auch  für W' (= W + w). Aber mit dem Unter-
       schied, daß  W', worin  W und w auch nur proportionelle Wertteile
       derselben homogenen  Warenmasse, hinweist  auf seinen Ursprung P,
       dessen unmittelbares
       
       #51# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
       -----
       Produkt es ist, während in G', einer unmittelbar aus der Zirkula-
       tion herstammenden Form, direkte Beziehung zu P verschwunden ist.
       Der begriffslose  Unterschied zwischen  Haupt- und  Zuwachssumme,
       der in G' enthalten ist, soweit es das Resultat der Bewegung G...
       G'ausdrückt, verschwindet sofort, sobald es aktiv als Geldkapital
       wieder fungiert,  also nicht  umgekehrt als Geldausdruck des ver-
       werteten industriellen  Kapitals fixiert  wird. Der Kreislauf des
       Geldkapitals kann  nie mit  G' beginnen  (obgleich G' jetzt als G
       fungiert), sondern  nur mit G; d.h. nie als Ausdruck des Kapital-
       verhältnisses, sondern nur als Vorschußform des Kapitalwerts. So-
       bald die  500 Pfd.St. von neuem als Kapital vorgeschossen werden,
       um sich  von neuem  zu verwerten,  sind sie  Ausgangspunkt  statt
       Rückkehrpunkt. Statt  eines Kapitals  von 422  Pfd.St. ist  jetzt
       eins von  500 Pfd.St.  vorgeschossen, mehr  Geld als früher, mehr
       Kapitalwert, aber  das Verhältnis zwischen den zwei Bestandteilen
       ist weggefallen,  ganz wie ursprünglich die Summe von 500 Pfd.St.
       statt der von 422 Pfd.St. hätte als Kapital fungieren können.
       Es ist keine aktive Funktion des Geldkapitals, sich als G' darzu-
       stellen; seine eigne Darstellung als G'ist vielmehr eine Funktion
       von W'.  Schon in  der einfachen Warenzirkulation, 1) W1-G, 2) G-
       W2, fungiert  G erst aktiv im zweiten Akt G-W2; seine Darstellung
       als G  ist nur Resultat des ersten Akts, kraft dessen es erst als
       verwandelte Form  von W,  auftritt. Das in G' enthaltene Kapital-
       verhältnis, die Beziehung eines seiner Teile als des Kapitalwerts
       auf den andern als dessen Wertinkrement, bekommt allerdings funk-
       tionelle Bedeutung,  soweit,  bei  beständiger  Wiederholung  des
       Kreislaufs G...  G', G'sich  in zwei Zirkulationen spaltet, Kapi-
       talzirkulation und  Mehrwertzirkulation, also  die  beiden  Teile
       nicht bloß quantitativ, sondern auch qualitativ verschiedne Funk-
       tionen vollziehn,  G  andre  als  g.  Aber  an  sich  betrachtet,
       schließt die  Form G...  G' die Konsumtion des Kapitalisten nicht
       ein, sondern  ausdrücklich nur die Selbstverwertung und die Akku-
       mulation, soweit  letztre zunächst  in periodischem  Anwachs  des
       stets von neuem vorgeschoßnen Geldkapitals sich ausdrückt.
       Obgleich begriffslose  Form des Kapitals, ist G' = G + g zugleich
       erst das  Geldkapital in seiner realisierten Form, als Geld, wel-
       ches Geld  geheckt hat.  Fber ist  aber zu  unterscheiden von der
       Funktion des Geldkapitals im ersten Stadium
            A
       G-W <   .
            Pm
       G in  diesem ersten  Stadium zirkuliert als Geld. Es fungiert als
       Geldkapital nur  deshalb, weil  es nur in seinem Geldzustand eine
       Geldfunktion verrichten,  sich in die ihm als Waren gegenüberste-
       henden Elemente  von P, in A und Pm umsetzen kann. In diesem Zir-
       kulationsakt fungiert  es nur  als Geld; aber weil dieser Akt das
       erste Stadium des
       
       #52# I. Abschnitt - Die Metmorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
       -----
       prozessierenden Kapitalwerts,  ist er zugleich Funktion des Geld-
       kapitals, kraft  der spezifischen  Gebrauchsform der  Waren A und
       Pm, die  gekauft werden.  G' dagegen,  zusammengesetzt aus G, dem
       Kapitalwert, und  g, dem  durch diesen erzeugten Mehrwert, drückt
       verwerteten Kapitalwert  aus, den  Zweck und  das  Resultat,  die
       Funktion des  gesamten Kreislaufsprozesses  des Kapitals.  Daß es
       dies Resultat  in Geldform,  als  realisiertes  Geldkapital  aus-
       drückt, entspringt  nicht daraus,  daß es  Geldform des Kapitals,
       G e l d kapital   ist,   sondern   umgekehrt   daraus,   daß   es
       Geld k a p i t a l,   Kapital in Geldform ist, daß das Kapital in
       dieser Form  den Prozeß  eröffnet hat,  in Geldform vorgeschossen
       worden ist. Die Rückverwandlung in die Geldform ist eine Funktion
       des Warenkapitals W', wie wir gesehn, nicht des Geldkapitals. Was
       aber die  Differenz von  G' gegenüber  G betrifft, so ist sie (g)
       nur Geldform von w, dem Inkrement von W; G' ist nur = G + g, weil
       W' = W + w war. In W' ist also diese Differenz und das Verhältnis
       des Kapitalwerts  zu dem von ihm gehackten Mehrwert vorhanden und
       ausgedrückt, bevor  beide in  G' verwandelt,  in eine  Geldsumme,
       worin beide  Wertteile selbständig  einander gegenübertreten  und
       daher auch zu selbständigen und voneinander verschiednen Funktio-
       nen verwendbar sind.
       G' ist  nur Resultat  der Realisierung  von W'. Beide, W' wie G',
       sind nur  verschiedne Formen, Warenform und Geldform, des verwer-
       teten Kapitalwerts,  beide haben dies gemein, daß sie verwerteter
       Kapitalwert. Beide sind verwirklichtes Kapital, weil hier der Ka-
       pitalwert als solcher mitsamt dem Mehrwert als von ihm verschied-
       ner, durch ihn erhaltner Frucht existiert, obgleich dies Verhält-
       nis nur ausgedruckt ist in der begriffslosen Form des Verhältnis-
       ses zweier  Teile einer Geldsumme oder eines Warenwerts. Aber als
       Ausdrücke des Kapitals in Beziehung zu und im Unterschied von dem
       durch es  erzeugten Mehrwert,  also als Ausdrücke von verwertetem
       Wert, sind  G' und  W' dasselbe  und drücken dasselbe aus, nur in
       verschiedner Form;  sie unterscheiden  sich nicht als Geldkapital
       und Warenkapital, sondern als Geld und Ware. Sofern sie verwerte-
       ten Wert,  als Kapital betätigtes Kapital darstellen, drücken sie
       nur das  Resultat der  Funktion des produktiven Kapitals aus, der
       einzigen Funktion,  worin der Kapitalwert Wert heckt. Ihr Gemein-
       sames ist, daß sie beide, Geldkapital und Warenkapital, Existenz-
       weisen des  Kapitals sind.  Das eine ist Kapital in Geldform, das
       andre in  Warenform. Die  sie unterscheidenden spezifischen Funk-
       tionen können daher nichts andres sein, als Unterschiede zwischen
       Geldfunktion und  Warenfunktion. Das  Warenkapital, als  direktes
       Produkt des  kapitalistischen Produktionsprozesses,  erinnert  an
       diesen seinen  Ursprung und ist daher in seiner Form rationeller,
       minder begriffslos als das Geldkapital,
       
       #53#
       -----
       Eine Seite aus Marx' Manuskript des zweiten Bandes des "Kapital"
       
       #54#
       -----
       
       #55# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals
       -----
       in dem jede Spur dieses Prozesses erloschen ist, wie überhaupt im
       Geld alle  besondre Gebrauchsform der Ware erlischt. Es ist daher
       nur, wo  G' selbst als Warenkapital fungiert, wo es unmittelbares
       Produkt eines  Produktionsprozesses und  nicht  verwandelte  Form
       dieses Produkts  ist, daß  seine bizarre Form verschwindet - also
       in der  Produktion des  Geldmaterials selbst.  Für Goldproduktion
       z.B. wäre die Formel:
            A
       G-W <   ... P... G' (G + g),
            Pm
       wo G'  als Warenprodukt  figuriert, weil  P mehr Gold liefert als
       für die Produktionselemente des Goldes im ersten G, dem Geldkapi-
       tal, vorgeschossen  war. Hier  verschwindet also das Irrationelle
       des Ausdrucks  G... G'  (G +  g), wo ein Teil einer Geldsumme als
       Mutter eines andern Teils derselben Gddsumme erscheint.
       

       zurück