Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band


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       #423# 20. Kapitel - Einfache Reproduktion
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       VII. Variables Kapital und Mehrwert in beiden Abteilungen
       
       Der Gesamtwert  der jährlich  produzierten Konsumtionsmittel  ist
       also gleich  dem während des Jahrs reproduzierten variablen Kapi-
       talwert II  plus dem neuproduzierten Mehrwert II (d.h. gleich dem
       sub II  während des Jahrs produzierten Wert) plus dem während des
       Jahrs reproduzierten  variablen Kapitalwert  I und  dem neuprodu-
       zierten Mehrwert  I (also plus dem sub I während des Jahrs produ-
       zierten Wert).
       Unter Voraussetzung  einfacher Reproduktion  ist also der Gesamt-
       wert der jährlich produzierten Konsumtionsmittel gleich dem jähr-
       lichen Wertprodukt,  d.h. gleich  dem ganzen  durch  die  gesell-
       schaftliche Arbeit  während des  Jahrs produzierten Wert, und muß
       es sein, da bei einfacher Reproduktion dieser ganze Wert verzehrt
       wird.
       Der totale  gesellschaftliche Arbeitstag  zerfällt in zwei Teile:
       1. notwendige  Arbeit; sie  schafft im  Lauf des Jahrs einen Wert
       von 1500v;  2. Mehrarbeit;  sie schafft  einen zuschüssigen  Wert
       oder Mehrwert  von 1500m.  Die Summe  dieser Werte  =  3000,  ist
       gleich dem  Wert der  jährlich produzierten Konsumtionsmittel von
       3000. Der  Totalwert der während des Jahrs produzierten Konsumti-
       onsmittel ist  also gleich, dem Totalwert, den der totale gesell-
       schaftliche Arbeitstag  während des  Jahrs produziert, gleich dem
       Wert des  gesellschaftlichen variablen  Kapitals plus dem gesell-
       schaftlichen Mehrwert, gleich dem totalen jährlichen Neuprodukt.
       Aber wir  wissen, daß, obgleich diese beiden Wertgrößen sich dec-
       ken, deswegen  keineswegs der Totalwert der Waren II, der Konsum-
       tionsmittel,
       
       #424# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation...
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       in dieser  Abteilung der gesellschaftlichen Produktion produziert
       worden ist.  Sie decken  sich, weil der sub II wiedererscheinende
       konstante Kapitalwert  gleich ist  dem sub I neuproduzierten Wert
       (variablem Kapitalwert  plus Mehrwert); daher I(v+m) den Teil des
       Produkts von II kaufen kann, der für seine Produzenten (in Abtei-
       lung II)  konstanten Kapitalwert  darstellt. Es zeigt sich daher,
       warum, obgleich  für die  Kapitalisten II der Wert ihres Produkts
       zerfällt in  c + v + m, gesellschaftlich betrachtet der Wert die-
       ses Produkts  zerfällbar ist  in v  + m. Dies ist nämlich nur der
       Fall, weil  IIc hier  gleich I(v+m) und diese beiden Bestandteile
       des gesellschaftlichen  Produkts durch ihren Austausch ihre Natu-
       ralformen miteinander  austauschen, daher  nach diesem  Umsatz II
       wieder in  Produktionsmitteln, I(v+m)  dagegen in Konsumtionsmit-
       teln existiert.
       Und es  ist dieser Umstand, der A. Smith veranlaßt hat zu behaup-
       ten, der  Wert des jährlichen Produkts löse sich in v + m auf. Es
       gilt dies  1. nur für den aus Konsumtionsmitteln bestehenden Teil
       des jährlichen  Produkts, und  2. gilt  es nicht in dem Sinn, daß
       dieser Totalwert in II produziert wird und sein Produktenwert da-
       her gleich  ist dem  sub II  vorgeschoßnen variablen  Kapitalwert
       plus dem  sub II  produzierten Mehrwert. Sondern nur in dem Sinn,
       daß II(c+v+m) = II(v+m) + I(v+m) oder weil IIc = I(v+m).
       Es folgt ferner:
       Obgleich der  gesellschaftliche Arbeitstag  (d.h. die während des
       ganzen Jahrs von der gesamten Arbeiterklasse verausgabte Arbeit),
       wie jeder  individuelle Arbeitstag,  nur in  zwei Teile zerfällt,
       nämlich in  notwendige Arbeit plus Mehrarbeit, obgleich daher der
       von diesem  Arbeitstag produzierte  Wert ebenfalls  nur  in  zwei
       Teile zerfällt,  nämlich in  den variablen  Kapitalwert, d.h. den
       Wertteil, womit  der Arbeiter  seine  eignen  Reproduktionsmittel
       kauft, und  den Mehrwert, den der Kapitalist zu seiner eignen in-
       dividuellen Konsumtion  verausgaben kann  -, so wird dennoch, ge-
       sellschaftlich betrachtet,  ein Teil  des gesellschaftlichen  Ar-
       beitstages  ausschließlich  verausgabt  in    P r o d u k t i o n
       v o n  f r i s c h e m  k o n s t a n t e m  K a p i t a l,  näm-
       lich von Produkten, die ausschließlich bestimmt sind, im Arbeits-
       prozeß als  Produktionsmittel und  daher in  dem ihn begleitenden
       Verwertungsprozeß als  konstantes Kapital zu fungieren. Nach uns-
       rer Voraussetzung  stellt sich  der ganze  gesellschaftliche  Ar-
       beitstag dar  in einem Geldwert von 3000, wovon nur 1/3 = 1000 in
       der Abteilung II produziert wird, welche Konsumtionsmittel produ-
       ziert, d.h.  die Waren,  worin sich der gesamte variable Kapital-
       wert und der gesamte Mehrwert der Gesellschaft schließlich reali-
       siert. Nach  dieser Voraussetzung  werden also  2/3  des  gesell-
       schaftlichen Arbeitstags  in der  Produktion von neuem konstantem
       Kapital verwandt. Obgleich vom
       
       #425# 20. Kapitel - Einfache Reproduktion
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       Standpunkt der individuellen Kapitalisten und Arbeiter der Abtei-
       lung I diese 2/3 des gesellschaftlichen Arbeitstags bloß zur Pro-
       duktion von  variablem Kapitalwert plus Mehrwert dienen, ganz wie
       das letzte  Drittel des  gesellschaftlichen Arbeitstags in Abtei-
       lung II,  so produzieren dennoch diese 2/3 des gesellschaftlichen
       Arbeitstags, gesellschaftlich  betrachtet -  und ebenso  dem  Ge-
       brauchswert des  Produkts nach  betrachtet -,  nur Ersatz  von im
       Prozeß der  produktiven Konsumtion  begriffnem oder  aufgezehrtem
       konstantem  Kapital.  Auch  individuell  betrachtet,  produzieren
       diese 2/3  des Arbeitstags  zwar einen  Totalwert, der nur gleich
       dem variablen  Kapitalwert plus  dem Mehrwert für seine Produzen-
       ten, aber  sie produzieren  keine Gebrauchswerte solcher Art, daß
       Arbeitslohn oder  Mehrwert darin  verausgabt werden  könnten; ihr
       Produkt ist ein Produktionsmittel.
       Zunächst ist  zu bemerken,  daß kein  Teil des gesellschaftlichen
       Arbeitstags, sei  es sub  I oder sub II, dazu dient, den Wert des
       in diesen  zwei großen  Produktionssphären angewandten,  in ihnen
       fungierenden konstanten  Kapitals zu produzieren. Sie produzieren
       nur zusätzlichen  Wert, 2000 I(v+m) + 1000 II(v+m), zusätzlich zu
       dem konstanten Kapitalwert = 4000 Ic + 2000 IIc. Der Neuwert, der
       in der  Form von  Produktionsmitteln produziert  wurde, ist  noch
       nicht konstantes  Kapital. Er hat nur die Bestimmung, künftig als
       solches zu fungieren.
       Das gesamte  Produkt von  II - die Konsumtionsmittel - ist seinem
       Gebrauchswert nach,  konkret, in  seiner Naturalform  betrachtet,
       Produkt des  von II  geleisteten Drittels  des gesellschaftlichen
       Arbeitstags, es  ist Produkt der Arbeiten in ihrer konkreten Form
       als Weberarbeit,  Bäckerarbeit usw., die in dieser Abteilung ver-
       wandt worden,  dieser Arbeit,  soweit sie als das subjektive Ele-
       ment des  Arbeitsprozesses fungiert.  Was dagegen  den konstanten
       Werttell dieses Produkts II angeht, so erscheint er nur wieder in
       einem neuen  Gebrauchswert, in  einer neuen Naturalform, der Form
       von Konsumtionsmitteln, während er früher in der Form von Produk-
       tionsmitteln bestand.  Sein Wert  ist durch den Arbeitsprozeß von
       seiner alten  Naturalform auf  seine neue  Naturalform übertragen
       worden. Aber  der   W e r t  dieser 2/3 des Produktenwerts = 2000
       ist nicht in dem diesjährigen Verwertungsprozeß von II produziert
       worden.
       Ganz wie vom Standpunkt des Arbeitsprozesses betrachtet, das Pro-
       dukt II  das Resultat  neu fungierender lebendiger Arbeit und ihr
       gegebner, vorausgesetzter  Produktionsmittel ist,  in  denen  sie
       sich als  in ihren  gegenständlichen Bedingungen verwirklicht, so
       ist vom  Standpunkt des Verwertungsprozesses der Produktenwert II
       = 3000  zusammengesetzt aus  dem durch das neu zugesetzte 1/3 des
       gesellschaftlichen Arbeitstags produzierten
       
       #426# III. Abschnitt -Die Reproduktion u. Zirkulation
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       Neuwert (500v + 500m = 1000) und aus einem konstanten Wert, worin
       2/3, eines  vergangnen, vor dem hier betrachteten Produktionspro-
       zeß II  verfloßnen gesellschaftlichen  Arbeitstags vergegenständ-
       licht sind.  Dieser Wertteil  des Produkts  II stellt sich dar in
       einem Teil  des Produkts  selbst. Es  existiert in  einem Quantum
       Konsumtionsmittel zum  Wert von  2000 = 2/3 eines gesellschaftli-
       chen Arbeitstags.  Es ist  dies die  neue Gebrauchsform, worin er
       wiedererscheint. Der Austausch von einem Teil der Konsumtionsmit-
       tel =  2000 IIc gegen Produktionsmittel I = I (1000v + 1000m) ist
       also in  der Tat  Austausch von  2/3 Gesamtarbeitstag, die keinen
       Teil der diesiährigen Arbeit bilden, sondern vor diesem Jahr ver-
       flossen sind,  mit 2/3 des diesjährigen, in diesem Jahr neu zuge-
       setzten Arbeitstags.  2/3 des gesellschaftlichen Arbeitstags die-
       ses Jahrs  könnten nicht in der Produktion von konstantem Kapital
       verwandt werden  und doch  zugleich  variablen  Kapitalwert  plus
       Mehrwert für  ihre eignen Produzenten bilden, wenn sie sich nicht
       mit einem  Wertteil der  jährlich konsumierten  Konsumtionsmittel
       auszutauschen hätten,  worin 2/3 eines vor diesem Jahr, nicht in-
       nerhalb  desselben   verausgabten  und  realisierten  Arbeitstags
       steckten. Es  ist Austausch von 2/3 Arbeitstag dieses Jahrs gegen
       2/3 Arbeitstag,  die vor diesem Jahr verausgabt worden, Austausch
       zwischen diesjähriger  und vorjähriger Arbeitszeit. Dies also er-
       klärt uns  das Rätsel,  warum das  Wertprodukt des ganzen gesell-
       schaftlichen Arbeitstags sich auflösen kann in variablen Kapital-
       wert plus Mehrwert, obgleich 2/3 dieses Arbeitstags nicht veraus-
       gabt worden  in der  Produktion von Gegenständen, worin variables
       Kapital oder  Mehrwert sich  realisieren können, sondern vielmehr
       in der  Produktion von  Produktionsmitteln zum Ersatz des während
       des Jahrs  verbrauchten Kapitals. Es erklärt sich einfach daraus,
       daß 2/3  des Produktenwerts II, worin Kapitalisten und Arbeiter I
       den von  ihnen produzierten  variablen Kapitalwert  plus Mehrwert
       realisieren (und  die 2/9  des gesamten jährlichen Produktenwerts
       ausmachen), dem  Wert nach  betrachtet, das Produkt von 2/3 eines
       vor diesem Jahr vergangnen gesellschaftlichen Arbeitstags sind.
       Die Summe  des gesellschaftlichen Produkts I und II, Produktions-
       mittel und Konsumtionsmittel, sind zwar ihrem Gebrauchswert nach,
       konkret, in  ihrer Naturalform  betrachtet, das Produkt der dies-
       jährigen Arbeit,  aber nur soweit diese Arbeit selbst als nützli-
       che, konkrete  Arbeit, nicht  soweit sie als Verausgabung von Ar-
       beitskraft, als wertbildende Arbeit betrachtet wird. Und auch das
       erste nur  in dem  Sinn, daß  die Produktionsmittel nur durch die
       ihnen zugesetzte,  mit ihnen hantierende lebendige Arbeit sich in
       neues Produkt, in das diesjährige Produkt verwandelt haben. Dage-
       gen hätte  sich aber  auch umgekehrt  die diesjährige Arbeit ohne
       von ihr unabhängige
       
       #427# 20. Kapitel - Einfache Reproduktion
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       Produktionsmittel, ohne Arbeittel und Produktionsstoffe, nicht in
       Produkt verwandeln können.

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