Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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#431# 20. Kapitel - Einfache Reproduktion
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IX. Rückblick auf A. Smith, Storch und Ramsay
Der Gesamtwert des gesellschaftlichen Produkts beträgt 9000 =
6000 + 1500v + 1500m, mit andren Worten: 6000 reproduzieren den
Wert der Produktionsmittel und 3000 den Wert der Konsumtionsmit-
tel. Der Wert der gesellschaftlichen Revenue (v + m) beträgt also
nur 1/3 des Gesamtproduktenwerts, und nur zum Wertbetrag dieses
Drittels kann die Gesamtheit der Konsumenten, Arbeiter wie Kapi-
talisten, Waren, Produkte, dem gesellschaftlichen Gesamtprodukt
entziehn und ihrem Konsumtionsfonds einverleiben. Dagegen sind
6000 = 2/3 des Produktenwerts Wert des konstanten Kapitals, das
in natura ersetzt werden muß. Produktionsmittel zu diesem Betrag
müssen also dem Produktionsfonds wieder einverleibt werden. Dies
ist es, was Storch als notwendig einsieht, ohne es beweisen zu
können:
#432# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation
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"Il est clair que la valeur du produit annuel se distribue partie
en capitaux et partie en profits, et que chacune de ces parties
de la valeur du produit annuel va régulièrement acheter les pro-
duits dont la nation a besoin, tant pour entretenir son capital
que pour remplacer son fonds consommable... les produits qui con-
stituent le c a p i t a l d'une nation, n e s o n t
p o i n t consomables." 1*) (Storch. "Considérations sur la na-
ture du revenu national", Paris 1824, p. 134, 135, 150.)
A. Smith jedoch hat dieses fabelhafte Dogma aufgestellt, das ihm
bis heute geglaubt wird, nicht nur in der bereits erwähnten Form,
wonach der gesamte gesellschaftliche Produktenwert sich in Reve-
nue auflöst, in Arbeitslohn plus Mehrwert, oder wie er es aus-
drückt, in Arbeitslohn plus Profit (Zins) plus Grundrente. Son-
dern auch in der noch populäreren Form, daß die Konswnmten in
letzter Instanz (ultimately) den ganzen Produktenmarkt den Produ-
zenten zahlen müssen. Dies ist bis heute einer der bestbeglaubig-
ten Gemeinplätze oder vielmehr ewigen Wahrheiten der sogenannten
Wissenschaft der politischen Ökonomie. Dies wird in folgender
plausiblen Weise veranschaulicht. Nimm irgendeinen Artikel, z.B.
leinene Hemden. Erst hat der Spinner von Leinengarn dem Flachs-
bauer den ganzen Wert des Flachses zu zahlen, also Flachssamen,
Düngemittel, Arbeitsviehfutter etc., nebst dem Wertteil, den das
fixe Kapital des Flachsbauers, wie Baulichkeiten, Ackergeräte
usw., an dies Produkt abgibt; den in der Produktion des Flachses
gezahlten Arbeitslohn; den Mehrwert (Profit, Grunclrente), der im
Flachs steckt; endlich die Frachtkosten des Flachses von seiner
Produktionsstätte zur Spinnerei. Dann hat der Weber dem Spinner
des Leinengarns nicht nur diesen Preis des Flachses zurückzuer-
statten, sondern auch den Wertteil der Maschinerie, Baulichkeiten
etc., kurz des fixen Kapitals, der auf den Flachs übertragen
wird, ferner alle während des Spinnprozesses verzehrten Hilfs-
stoffe, Arbeitslohn der Spinner, Mehrwert etc., und so gehts wei-
ter mit dem Bleicher, den Transportkosten der fertigen Leinwand,
endlich dem Hemdenfabrikanten, der den ganzen Preis aller frühern
Produzenten bezahlt hat, die ihm nur sein Rohmaterial geliefert
haben. In seiner Hand findet nun fernerer Wertzusatz statt, durch
Wert teils des konstanten Kapitals, das in der Form von Arbeits-
mitteln, Hilfsstoffen etc. in der Hemdenfabrikation verzehrt
wird, teils durch die darin verausgabte Arbeit, die den Wert des
Arbeitslohns der Hemdenmacher plus dem Mehrwert des
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1*) "Es ist klar, daß der Wert des Jahresprodukts teils in Kapi-
tale teils in Profite zerfällt und daß jeder dieser Teile vom
Wert des Jahresprodukts regelmäßig die Produkte kauft, deren die
Nation bedarf, sowohl um ihr Kapital zu erhalten als auch um ih-
ren Konsumtionsfonds zu erneuern... die Produkte, die das
K a p i t a l einer Nation bilden, s i n d ü b e r h a u p t
n i c h t konsumierbar."
#433# 20. Kapitel - Einfache Reproduktion
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Hemdenfabrikanten zusetzt. Dies ganze Hemdenprodukt koste nun
schließlich 100 Pfd.St., und dies sei der Anteil am ganzen jähr-
lichen Produktenwert, den die Gesellschaft in Hemden verausgabt.
Die Konsumenten der Hemden zahlen die 100 Pfd.St., also den Wert
aller in den Hemden enthaltnen Produktionsmittel wie den Arbeits-
lohn plus Mehrwert des Flachs bauers, Spinners, Webers, Blei-
chers, Hemdenfabrikanten sowie sämtlicher Transporteure. Dies ist
vollständig richtig. Es ist in der Tat das, was jedes Kind sieht.
Aber dann heißt es weiter: So verhält es sich mit dem Wert aller
andern Waren. Es sollte heißen: So verhält es sich mit dem Wert
aller Konsumtionsmittel, mit dem Wert des gesellschaftlichen Pro-
duktenteils, der in den Konsumtionsfonds eingeht, also mit dem
Teil des gesellschaftlichen Produktenwerts, der als Revenue ver-
ausgabt werden kann. Die Wertsumme aller dieser Waren ist aller-
dings gleich dem Wert aller in ihnen aufgezehrten Produktionsmit-
tel (konstanten Kapitalteile) plus dem Wert, den die letzt zuge-
fügte Arbeit geschaffen hat (Arbeitslohn plus Mehrwert). Die Ge-
samtheit der Konsumenten kann also diese ganze Wertsumme zahlen,
weil zwar der Wert jeder einzelnen Ware aus c + v + m besteht,
aber die Wertsumme aller in den Konsumtionsfonds eingehenden Wa-
ren zusammengenommen, dem Maximum nach, nur gleich sein kann dem
Teil des gesellschaftlichen Produktenwerts, der sich in v + m
auflöst, d.h. gleich dem Wert, den die während des Jahrs veraus-
gabte Arbeit den vorgefundnen Produktionsmitteln - dem konstanten
Kapitalwert - zugesetzt hat. Was aber den konstanten Kapitalwert
angeht, so haben wir gesehn, daß er aus der gesellschaftlichen
Produktenmasse auf doppelte Weise ersetzt wird. Erstens durch
Austausch der Kapitalisten II, die Konsumtionsmittel produzieren,
mit den Kapitalisten I, welche die Produktionsmittel dafür produ-
zieren. Und hier ist die Quelle der Phrase, daß, was für den
einen Kapital, den andern Revenue ist. Aber so verhält sich die
Sache nicht. Die 2000 IIc, die in Konsumtionsmitteln zum Wert von
2000 existieren, bilden für die Kapitalistenklasse II konstanten
Kapitalwert. Sie können ihn also nicht selbst konsumieren, ob-
gleich das Produkt nach seiner Naturalform konsumiert werden muß.
Andrerseits sind 2000 I(v+m) der von der Kapitalisten- und Arbei-
terklasse I produzierte Arbeitslohn plus Mehrwert. Sie existieren
in der Naturalform von Produktionsmitteln, von Dingen, in denen
ihr eigner Wert nicht konsumiert werden kann. Wir haben hier also
eine Wertsumme von 4000, von denen vor wie nach dem Austausch die
Hälfte nur konstantes Kapital ersetzt und die Hälfte nur Revenue
bildet. - Zweitens aber wird das konstante Kapital der Abteilung
I in natura ersetzt, teils durch Austausch unter den Kapitalisten
I, teils durch Ersatz in natura in jedem einzelnen Geschäft.
#434# III. Abschnitt -Die Reproduktion u. Zirkulation...
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Die Phrase, daß der ganze jährliche Produktenwert schließlich von
den Konsumenten bezahlt werden muß, wäre nur dann richtig, wenn
man unter Konsumenten zwei ganz verschiedne Sorten einbegriffen
individuelle Konsumenten und produktive Konsumenten. Aber daß ein
Teil des Produkts produktiv konsumiert werden muß, heißt ja wei-
ter nichts, als daß er als Kapital fungieren muß und nicht als
R e v e n u e v e r z e h r t werden kann.
Wenn wir den Wert des Gesamtprodukts = 9000 einteilen in 6000c +
1500v + 1500m und die 3000 (v+m) nur in ihrer Eigenschaft als Re-
venue betrachten, so scheint umgekehrt das variable Kapital zu
verschwinden und das Kapital, gesellschaftlich betrachtet, nur
aus konstantem Kapital zu bestehn. Denn was ursprünglich als
1500, erschien, hat sich in einen Teil der gesellschaftlichen Re-
venue, in Arbeitslohn, Revenue der Arbeiterklasse, aufgelöst, und
sein Kapitalcharakter ist damit verschwunden. In der Tat wird
diese Folgerung von Ramsay gezogen. Nach ihm besteht, gesell-
schaftlich betrachtet, das Kapital nur aus fixem Kapital, aber
unter fixem Kapital versteht er konstantes Kapital, die in Pro-
duktionsmitteln bestehende Wertmasse, seien diese Produktionsmit-
tel nun Arbeitsmittel oder Arbeitsmaterial, wie Rohstoff, Halbfa-
brikat, Hilfsstoff etc. Er nennt das variable Kapital zirkulie-
rendes:
"Circulating capital consists only of subsistence and other ne-
cessaries advanced to the workmen, previous to the completion of
the produce of their labour.... Fixed capital alone, not circula-
ting, is properly speaking a source of national
wealth....Circulating capital is not an immediate agent in pro-
duction, nor essential to it at all, but merely a convenience
rendered necessary by the deplorable Party of the mass of the
people. ... Fixed capital alone constitutes an element of cost of
production in a national point of view." 1*) (Ramsay, l.c.p. 23-
26 passim.)
Ramsay erklärt fixes Kapital, worunter er konstantes versteht,
näher wie folgt:
"The length of time during which any portion of the product of
that labour" (nämlich labour bestowed on any commodity) has exi-
sted as fixed capital, i.e. in a form in which, though assisting
to raise the future commodity, i t d o e s n o t
m a i n t a i n l a b o u r e r s" 2*) (p. 59).
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1*) "Zirkulierendes Kapital besteht ausschließlich aus Subsi-
stenzmitteln und anderen Bedarfartikeln, die den Arbeitern vorge-
streckt werden, ehe sie das Produkt ihrer Arbeit fertiggestellt
haben.... Nur fixes Kapital, nicht das zirkulierende, ist im ei-
gentlichen Sinne eine Quelle des nationalen Reichtums.... Zirku-
lierendes Kapital wirkt nicht unmittelbar in der Produktion, noch
ist es überhaupt für sie wesentlich, sondern nur eine Bedingung,
die durch die beklagenswerte Armut der Masse des Volkes notwendig
geworden ist. ... Fixes Kapital allein bildet vom nationalen
Standpunkt ein Element der Produktionskosten. - 2*) "Die Zeit-
dauer, während der irgendein Teil des Produkts dieser Arbeit"
(nämlich Arbeit, die auf
#435# 20. Kapitel - Einfache Reproduktion
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Hier sieht man wieder das Unheil, das A. Smith angerichtet, indem
der Unterschied von konstantem und variablem Kapital bei ihm er-
tränkt ist in dem Unterschied von fixem und zirkullerendem Kapi-
tal. Das konstante Kapital Ramsays besteht aus Arbeitsmitteln,
sein zirkulierendes aus Lebensmitteln; beide sind Waren von ge-
gebnem Wert; die einen können so wenig einen Mehrwert produzieren
wie die andern.
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irgendeine Ware verwandt wird) "als fixes Kapital existiert hat,
d.h. in einer Form, in der es, obwohl es dazu beiträgt, die künf-
tige Ware zu erzeugen, k e i n e A r b e i t e r
u n t e r h ä l t."
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