Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band

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       #497# 21. Kapitel - Akkumulation und erweiterte Reproduktion
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       II. Akkumulation in Abteilung II
       
       Wir haben  bisher vorausgesetzt, daß die A, A', A'' (I) ihr Mehr-
       produkt verkaufen an die B, B', B'' etc., die derselben Abteilung
       I angehören.  Gesetzt aber, A (I) vergolde sein Mehrprodukt durch
       Verkauf an  einen B  aus Abteilung  II. Dies kann nur dadurch ge-
       schehn, daß,  nachdem A (I) an B (II) Produktionsmittel verkauft,
       er nicht  hinterher Konsumtionsmittel  kauft; also nur durch ein-
       seitigen Verkauf  seinerseits. Sofern nun IIc aus Form von Waren-
       kapital in die Naturalform von produktivem konstantem Kapital nur
       umsetzbar dadurch,  daß nicht nur Iv, sondern auch wenigstens ein
       Teil von Im sich umsetzt gegen einen Teil von IIc, welches IIc in
       Form von  Konsumtiojismitteln existiert;  nun aber  A sein Im da-
       durch vergoldet,  daß dieser Umsatz nicht vollzogen wird, unser A
       vielmehr das  im Verkauf seines Im von II gelöste Geld der Zirku-
       lation entzieht,  statt es in Kauf von Konsumtionsmitteln IIc um-
       zusetzen - so findet zwar auf Seite des A (I) Bildung von zusätz-
       lichem virtuellem  Geldkapital statt;  aber auf  der andren Seite
       liegt ein  dem Wertumfang nach gleicher Teil des konstanten Kapi-
       tals von  B (II)  fest in der Form von Warenkapital, ohne sich in
       die Naturalform  von produktivem,  konstantem Kapital umsetzen zu
       können. In andern
       
       #498# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation...
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       Worten: Ein  Teil der  Waren des B (II), und zwar prima facie 1*)
       ein Teil,  ohne dessen  Verkauf er  sein konstantes Kapital nicht
       ganz in  produktive Form  rückverwandeln kann,  ist unverkäuflich
       geworden; mit  Bezug auf  ihn findet  daher Überproduktion statt,
       welche ebenfalls  mit Bezug auf ihn die Reproduktion - selbst auf
       gleichbleibender Stufenleiter - hemmt.
       In diesem  Fall ist  also das  zusätzliche virtuelle Gelclkapital
       auf seiten  von  A  (I)  zwar  vergoldete  Form  von  Mehrprodukt
       (Mehrwert); aber  Mehrprodukt (Mehrwert)  als solches  betrachtet
       ist hier Phänomen einfacher Reproduktion, noch nicht Reproduktion
       auf erweiterter Stufenleiter. I (v+m), wo dies jedenfalls von ei-
       nem Teil  von in  gilt, muß  sich umsetzen schließlich gegen IIc,
       damit die  Reproduktion von IIc auf gleichbleibender Stufenleiter
       vor sich  gehe. A (I), durch den Verkauf seines Mehrprodukts an B
       (II), hat  diesem einen  entsprechenden Wertteil konstanten Kapi-
       tals in Naturalform geliefert, aber zugleich durch Entziehung des
       Geldes aus  der Zirkulation  - durch unterlaßne Vervollständigung
       seines Verkaufs mittelst nachfolgendem Kauf - einen dem Wert nach
       gleichen Warenteil  des B  (II) unverkäuflich gemacht. Fassen wir
       also die  gesamte gesellschaftliche  Reproduktion ins  Auge - die
       gleichmäßig die Kapitalisten I und II umschließt -, so drückt die
       Verwandlung des  Mehrprodukts von A (I) in virtuelles Geldkapital
       die Nicht-Rückverwandelbarkeit eines dem Wertumfang nach gleichen
       Warenkapitals von B (II) in produktives (konstantes) Kapital aus;
       also nicht virtuell Produktion auf erweiterter Stufenleiter, son-
       dern Hemmung der einfachen Reproduktion, also Defizit in der ein-
       fachen Reproduktion.  Da die Bildung und der Verkauf des Mehrpro-
       dukts von  A (I) selbst normale Phänomene der einfachen Reproduk-
       tion sind,  so haben  wir hier  auf Grundlage schon der einfachen
       Reproduktion folgende  einander bedingende Phänomene: Bildung von
       virtuell zuschüssigem  Geldkapital bei  Klasse I (daher Unterkon-
       sumtion vom Standpunkt von II); Festsetzung von Warenvorräten bei
       Klasse II,  die nicht  rückverwandelbar  in  produktives  Kapital
       (also relative Überproduktion bei II); überschüssiges Geldkapital
       bei I und Defizit in der Reproduktion bei II.
       Ohne bei  diesem Punkt  länger zu verweilen, bemerken wir nur: Es
       ist bei Darstellung der einfachen Reproduktion vorausgesetzt wor-
       den, daß der ganze Mehrwert I und II als Revenue verausgabt wird.
       In der  Tat aber  wird ein Teil des Mehrwerts als Revenue veraus-
       gabt, ein  andrer Teil in Kapital verwandelt. Wirkliche Akkumula-
       tion findet nur unter dieser Voraussetzung statt. Daß die Akkumu-
       lation sich auf Kosten der Konsumtion vollziehe, ist -
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       1*) auf den ersten Blick
       
       #499# 21. Kapitel - Akkumulation und erweiterte Reproduktion
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       so allgemein gefaßt - selbst eine Illusion, die dem Wesen der ka-
       pitalistischen Produktion  widerspricht, indem  sie  voraussetzt,
       daß ihr Zweck und treibendes Motiv die Konsumtion sei, nicht aber
       die Ergatterung von Mehrwert und seine Kapitalisation, d.h. Akku-
       mulation.
       
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       Betrachten wir  nun die Akkumulation in Abteilung II etwas näher.
       Die erste  Schwierigkeit mit  Bezug auf  IIc, d.h. seine Rückver-
       wandlung aus  einem Bestandteil des Warenkapitals II in die Natu-
       ralform von  konstantem Kapital  II, betrifft die einfache Repro-
       duktion. Nehmen wir das frühere Schema:
       (1000v + 1000m) I setzen sich um gegen:
       2000 IIc.
       Wird nun  z.B. die Hälfte des Mehrprodukts I, also 1000/2 in oder
       500 Im  wieder selbst als konstantes Kapital der Abteilung I ein-
       verleibt, so  kann dieser in I rückbehaltne Teil des Mehrprodukts
       keinen Teil  von IIc  ersetzen. Statt  in Konsumtionsmittel umge-
       setzt zu  werden (und  hier in  dieser Abteilung  der Zirkulation
       zwischen I  und II  findet - im Unterschied von dem durch die Ar-
       beiter I vermittelten Ersatz von 1000 IIc durch 1000 Iv - wirkli-
       cher wechselseitiger  Austausch, also doppelseitiger Stellenwech-
       sel der  Waren statt), soll es als zusätzliches Produktionsmittel
       in I  selbst dienen.  Es kann  diese Fuon nicht gleichzeitig in I
       und II  verrichten. Der  Kapitalist kann den Wert seines Mehrpro-
       dukts nicht  in Konsumtionsmitteln  verausgaben und  gleichzeitig
       das Mehrprodukt selbst produktiv konsumieren, d.h. seinem produk-
       tiven Kapital einverleiben. Statt 2000 I(v+m) sind also nur 1500,
       nämlich (1000v  + 500m) I umsetzbar in 2000 IIc; es sind also 500
       IIc aus  ihrer Warenform  nicht rückverwandelbar  in  produktives
       (konstantes) Kapital  II. Es fände also in II eine Überproduktion
       statt, ihrem  Umfang nach  genau entsprechend dem Umfang der in I
       vorgegangnen Erweiterung  der Produktion.  Die Überproduktion von
       II werde vielleicht so sehr auf I reagieren, daß selbst der Rück-
       fluß der von den Arbeitern I in Konsumtionsmittel II verausgabten
       1000 nur  teilweis stattfände,  diese 1000 also nicht in Form von
       variablem Geldkapital in die Hände der Kapitalisten I zurückkehr-
       ten. Diese  letztren fänden  sich so gehemmt selbst in der Repro-
       duktion auf  gleichbleibender Stufenleiter,  und zwar  durch  den
       bloßen Versuch,  sie zu  erweitern. Und dabei ist zu erwägen, daß
       in I  tatsächlich nur einfache Reproduktion stattgefunden und daß
       nur die Elemente, wie
       
       #500# III. Abschnitt - Die Reproduktion u. Zirkulation
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       sie sich im Schema finden, zum Behuf einer Erweiterung in der Zu-
       kunft, sage im nächsten Jahr, verschieden gruppiert sind.
       Man könnte  diese Schwierigkeit zu umgehn versuchen - so: die 500
       IIc, die auf er der Kapitalisten liegen und die nicht unmittelbar
       in produktives  Kapital urnsetzbar  sind, sind  so weit entfernt,
       Überproduktion zu sein, daß sie umgekehrt ein notwendiges Element
       der Reproduktion  darstellen, welches  wir bisher  vernachlässigt
       haben. Man  sah, daß Geldvorrat sich an vielen Punkten aufhäufen,
       also der  Zirkulation entzogen  werden muß,  teils um die Bildung
       von neuem Geldkapital innerhalb I selbst zu ermöglichen, teils um
       den Wert  des sich allmählich verzehrenden fixen Kapitals transi-
       torisch in Geldform festzuhalten. Da aber bei der Darstellung des
       Schemas alles Geld und alle Waren sich von vornherein ausschließ-
       lich in  den Händen  der Kapitalisten  I und  II befinden,  weder
       Kaufmann noch  Geldhändler, noch Bankier, noch bloß konsumierende
       und nicht  direkt in  der Warenproduktion beteiligte Klassen hier
       existieren - so ist ebenfalls die beständige Bildung von Warenla-
       gern, hier  in den  Händen ihrer  respektiven Produzenten selbst,
       unentbehrlich, um  die Maschinerie  der Reproduktion  in Gang  zu
       halten. Die  500 IIc,  die auf  Lager der Kapitalisten II liegen,
       stellen also  den Warenvorrat  an Konsumtionsmitteln dar, der die
       Kontinuität des  in die  Reproduktion eingeschloßnen Konsumtions-
       prozesses vermittelt,  hier also den Übergang eines Jahrs ins an-
       dre. Der  Konsumtionsfonds, der  hier noch  in den  Händen seiner
       Verkäufer und  zugleich Produzenten  befindlich ist,  kann  nicht
       dieses Jahr  auf Null  herabsinken, um  nächstes Jahr mit Null zu
       beginnen, so  wenig dies  beim Übergang vom heutigen Tag zum fol-
       genden der  Fall sein  kann. Da beständige Neubildung solcher Wa-
       renlager, wenn  auch in  wechselndem Umfang,  statthaben muß,  so
       müssen unsre kapitalistischen Produzenten II ein Geldreservekapi-
       tal haben,  das sie befähigt, mit ihrem Produktionsprozeß fortzu-
       fahren, obgleich  ein Teil  ihres produktiven Kapitals vorüberge-
       hend festlegt  in Warenform.  Sie verbinden  ja der Voraussetzung
       nach das ganze Kaufmannsgeschäft mit dem Produktionsgeschäft; sie
       müssen also  auch über das zusätzliche Geldkapital verfügen, das,
       bei Verselbständigung der einzelnen Funktionen des Reproduktions-
       prozesses unter  verschiedne Sorten von Kapitalisten, sich in den
       Händen der Kaufleute befindet.
       Es ist hierauf zu erwidern: 1. solche Vorratbildung und ihre Not-
       wendigkeit gilt für alle Kapitalisten, sowohl I wie II. Als bloße
       Warenverkäufer betrachtet,  unterscheiden sie  sich nur  dadurch,
       daß sie  Waren verschiedner Sorten verkaufen. Der Vorrat in Waren
       II unterstellt  einen frühern  Vorrat in Waren I. Vernachlässigen
       wir diesen Vorrat auf der einen Seite, so
       
       #501# 21. Kapitel - Akkumulation und erweiterte Reproduktion
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       müssen wir  es auch auf der andern. Ziehn wir ihn aber auf beiden
       Seiten in  Betracht, so wird am Problem nichts geändert. - 2. Wie
       dies Jahr  auf Seite  II mit  einem Warenvorrat  für nächstes ab-
       schließt, so  hat es begonnen mit einem Warenvorrat auf derselben
       Seite, überliefert  vom vorigen  Jahr. Bei Analyse der jährlichen
       Reproduktion -  auf ihren abstraktesten Ausdruck reduziert - müs-
       sen wir  ihn also beidemal streichen. Indem wir diesem Jahr seine
       ganze Produktion lassen, also auch das, was es als Warenvorrat an
       nächstes Jahr  abgibt, nehmen  wir ihm  aber auch andrerseits den
       Warenvorrat, den es vom vorigen Jahr bekommen, und haben damit in
       der Tat das Gesamtprodukt eines Durchschnittsjahrs als Gegenstand
       der Analyse  vor uns.  - 3. Der einfache Umstand, daß die Schwie-
       rigkeit, die  umgangen werden  soll, uns  nicht aufstieß  bei Be-
       trachtung der einfachen Reproduktion, beweist, daß es sich um ein
       spezifisches Phänomen  handelt, das nur der verschiednen Gruppie-
       rung (mit  Bezug auf Reproduktion) der Elemente 1 geschuldet ist,
       einer veränderten Gruppierung, ohne welche überhaupt keine Repro-
       duktion auf erweiterter Stufenleiter stattfinden könnte.
       

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