Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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#87# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals
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III. Geldakkumulation
Ob g, der vergoldete Mehrwert, sofort wieder dem prozessierenden
Kapitalwert zugeschlagen, und so, zusammen mit dem Kapital G, in
der Größe G' in den Kreislaufsprozeß eingehn kann, hängt von Um-
ständen ab, die unabhängig sind von dem bloßen Vorhandensein von
g. Soll g als Geldkapital in einem, neben dem ersten Geschäft an-
zulegenden, zweiten selbständigen Geschäft dienen, so ist klar,
daß es hierzu nur anwendbar, wenn es die zu solchem Geschäft
erheischte Minimalgröße besitzt. Soll es zur Ausdehnung des ur-
sprünglichen Geschäfts verwandt werden, so bedingen die Verhält-
nisse der stofflichen Faktoren von P und deren Wertverhältnisse
ebenfalls eine bestinunte Minimalgröße für g. Alle in diesem Ge-
schäft wirkenden Produktionsmittel haben nicht nur ein qualita-
tives, sondern ein bestimmtes quantitatives Verhältnis zueinan-
der, einen proportionellen Umfang. Diese stofflichen und die von
ihnen getragnen Wertverhältnisse der in das produktive Kapital
eingehenden Faktoren bestimmen den Minimalumfang, den g besitzen
muß, um in zuschüssige Produktionsmittel und Arbeitskraft, oder
nur in erstere, als Zuwachs des produktiven Kapitals umsetzbar zu
werden. So kann der Spinner nicht die Zahl seiner Spindeln ver-
mehren, ohne gleichzeitig die entsprechenden Kratzen und Vor-
spinnstühle anzuschaffen, abgesehn von der vermehrten Ausgabe für
Baumwolle und Arbeitslohn, die eine solche Geschäftsausdehnung
bedingt. Um diese letztre auszuführen, muß also der Mehrwert
schon eine ziemliche Summe ausmachen (1 Pfd.St. per Spindel
Neuanschaffung wird gewöhnlich gerechnet). Solange g diesen Mini-
malumfang nicht besitzt, muß der Kreislauf des Kapitals sich
mehrmals wiederholen, bis die Summe der sukzessive von ihm er-
zeugten g, mit G zusanunen, also in
A
G'-W' <
Pm
fungieren kann. Schon bloße Detailveränderungen,
#88# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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z.B. in der Spinnmaschinerie, soweit sie diese produktiver ma-
chen, erheischen größre Ausgabe in Spinnmaterial, Ausdehnung der
Vorspinnmaschinerie etc. In der Zwischenzeit wird also g ange-
häuft und seine Anhäufung ist nicht seine eigne Funktion, sondern
das Resultat wiederholter P... P. Seine eigne Funktion ist sein
Verharren im Geldzustand, bis es aus den wiederholten Verwer-
tungskreisläufen, also von außen, Zuschuß genug erhalten hat, um
die zu seiner aktiven Funktion erheischte Minimalgrüße zu errei-
chen, die Größe, in der allein es wirklich als Geldkapital, im
gegebnen Fall als akkumulierter Teil des in Funktion begriffnen
Geldkapitals G, mit in die Funktion dieses letztren eingehn kann.
In der Zwischenzeit wird es angehäuft und existiert nur in der
Form eines im Bildungsprozeß, im Wachstum begriffnen Schatzes.
Geldakkumulation, Schatzbildung, erscheint hier also als ein Pro-
zeß, der die wirkliche Akkumulation, die Ausdehnung der Stufen-
leiter, worauf das industrielle Kapital wirkt, vorübergehend be-
gleitet. Vorübergehend, denn solange der Schatz in seinem Schatz-
zustande verharrt, fungiert er nicht als Kapital, nimmt nicht
teil am Verwertungsprozeß, bleibt eine Geldsumme, die nur an-
wächst, weil ohne ihr Zutun vorhandnes Geld in denselben Kasten
geworfen wird.
Die Form des Schatzes ist nur die Form von nicht in Zirkulation
befindlichem Geld, von Geld, das in seiner Zirkulation unterbro-
chen ist und deshalb in seiner Geldform aufbewahrt wird. Was den
Prozeß des Schatzbildens selbst betrifft, so ist er aller Waren-
produktion gemein und spielt als Selbstzweck eine Rolle nur in
den unentwickelten vorkapitalistischen Formen derselben. Hier
aber erscheint der Schatz als Form des Geldkapitals und die
Schatzbildung als ein Prozeß, der die Akkumulation des Kapitals
vorübergehend begleitet, weil und sofern das Geld hier als laten-
tes Geldkapital figuriert; weil die Schatzbildung, der Schatzzu-
stand des in Geldform vorhandnen Mehrwerts ein außerhalb des
Kreislaufs des Kapitals vorgehendes, funktionell bestimmtes Vor-
bereitungsstadium für die Verwandlung des Mehrwerts in wirklich
fungierendes Kapital ist. Es ist also latentes Geldkapital durch
diese seine Bestimmung, weshalb auch der Umfang, den es erreicht
haben muß, um in den Prozeß einzutreten, durch die jedesmalige
Wertzusammensetzung des produktiven Kapitals bestimmt ist. So-
lange es aber im Schatzzustande verharrt, fungiert es noch nicht
als Geldkapital, ist noch brachliegendes Geldkapital; nicht wie
vorher in seiner Funktion unterbrochnes, sondern noch nicht zu
seiner Funktion fähiges.
Wir nehmen hier die Geldanhäufung in ihrer ursprünglichen realen
Form, als wirklichen Geldschatz. Sie kann auch existieren in der
Form von bloßen Guthaben. Schuldforderungen des Kapitalisten, der
W' verkauft hat.
#89# 2. Kapitel - Der Kreislauf des produktiven Kapitals
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Was die andren Formen betrifft, wo dies latente Geldkapital in
der Zwischenzeit selbst in Gestalt von Geld hackendem Geld exi-
stiert, z. B. als zinstragendes Depositum in einer Bank, in Wech-
seln oder Wertpapieren irgendeiner Art, so gehören sie nicht
hierher. Der in Geld realisierte Mehrwert verrichtet dann beson-
dre Kapitalfunktionen außerhalb des Kreislaufs des industriellen
Kapitals, dem er entsprungen; Funktionen, die erstens nut jenem
Kreislauf als solchem nichts zu tun haben, zweitens aber von den
.unktionen des industriellen Kapitals unterschiedne Kapitalfunk-
tionen unterstellen, die hier noch nicht entwickelt sind.
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