Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band


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       SECHSTES KAPITEL
       Die Zirkulationskosten
       
       I. Reine Zirkulationskosten
       
       1. Kauf und Verkaufszeit
       
       Die Formverwandlungen  des Kapitals aus Ware in Geld und aus Geld
       in Ware sind zugleich Händel des Kapitalisten, Akte des Kaufs und
       Verkaufs. Die  Zeit, worin  diese Formverwandlungen  des Kapitals
       sich vollziehn,  sind subjektiv, vom Standpunkt des Kapitalisten,
       Verkaufszeit und  Kaufzeit, die  Zeit, während  deren er  auf dem
       Markt als  Verkäufer und Käufer fungiert. Wie die Umlaufszeit des
       Kapitals einen  notwendigen  Abschnitt  seiner  Reproduktionszeit
       bildet, so  bildet die  Zeit, während  deren der Kapitalist kauft
       und verkauft,  sich auf  dem Markt herumtreibt, einen notwendigen
       Abschnitt seiner  Funktionszeit als Kapitalist, d.h. als personi-
       fiziertes Kapital.  Sie bildet Teil seiner Geschäftszeit. {Da an-
       genommen wurde,  daß die  Waren zu  ihren Werten gekauft und ver-
       kauft werden,  so handelt es sich bei diesen Vorgängen nur um die
       Umsetzung desselben Werts aus einer Form in die andre, aus Waren-
       form in  Geldform, und  aus Geldform  in Warenform  - um eine Zu-
       standsänderung. Werden  die Waren  zu ihren  Werten verkauft,  so
       bleibt die  Wertgröße in der Hand sowohl des Käufers wie des Ver-
       käufers unverändert;  nur seine  Daseinsform hat  sich verändert.
       Werden die  Waren nicht  zu ihren  Werten verkauft, so bleibt die
       Summe der  umgesetzten Werte unverändert; was auf der einen Seite
       plus, ist auf der andern minus.
       Die Metamorphosen W-G und G-W sind aber Händel, die zwischen Käu-
       fer und  Verkäufer vorgehn; sie brauchen Zeit, um handelseinig zu
       werden, um  so mehr, als hier ein Kampf vorgeht, worin jede Seite
       die andere zu übervortellen sucht, und sich Geschäftsleute gegen-
       überstehn, so: "when Greek meets Greek then comes the tug of war'
       [9]. Die Zustandsänderung kostet Zeit und Arbeitskrft, aber nicht
       um Wert zu schaffen, sondern um
       
       #132# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       die Umsetzung des Werts aus einer Form in die andre hervorzubrin-
       gen, wobei der wechselseitige Versuch, bei dieser Gelegenheit ein
       überschüssiges Quantum Wert sich anzueignen, nichts ändert. Diese
       Arbeit, vergrößert  durch die  beiderseitigen böswilligen Absich-
       ten, schafft  so wenig  Wert, wie  die Arbeit,  die bei einem ge-
       richtlichen Prozeß  stattfindet, die Wertgröße des streitigen Ob-
       jekts vermehrt.  Es verhält sich mit dieser Arbeit - die ein not-
       wendiges Moment des kapitalistischen Produktionsprozesses in sei-
       ner Totalität,  wo er  auch die Zirkulation einschließt, oder von
       ihr eingeschlossen wird - wie etwa mit der Verbrennungsarbeit ei-
       nes Stoffs, der zur Erzeugung von Wärme verwandt wird. Diese Ver-
       brennungsarbeit erzeugt keine Wärme, obgleich sie ein notwendiges
       Moment des Verbrennungsprozesses ist. um z.B. Kohle als Heizmate-
       rial zu  verbrauchen, muß  ich sie  mit Sauerstoff  verbinden und
       dazu sie  aus dem  festen in  den gasförmigen  Zustand überführen
       (denn im  Kohlensäuregas, dem  Resultat der  Verbrennung, ist die
       Kohle im  Gaszustand), also  eine physikalische Daseinsform- oder
       Zustandsveränderung bewirken. Die Lostrennung der Kohlenstoffole-
       küle, die  zu einem  festen Ganzen  verbunden sind,  und die Zer-
       sprengung  des  Kohlenstoffmoleküls  selbst  in  seine  einzelnen
       Atome, muß  der Neuverbindung  vorhergehn, und  dies kostet einen
       gewissen Kraftaufwand,  der sich  also nicht in Wärme verwandelt,
       sondern von dieser abgeht. Sind die Warenbesitzer daher keine Ka-
       pitalisten, sondern selbständige unmittelbare Produzenten, so ist
       die zu  Kauf und  Verkauf verwendete Zeit ein Abzug von ihrer Ar-
       beitszeit, und  suchten sie  daher stets (im Altertum wie im Mit-
       telalter) solche Operationen auf Festtage zu verlegen.
       Die Dimensionen,  die der Warenumsatz in den Händen der Kapitali-
       sten annimmt,  können natürlich  diese, keinen  Wert  schaffende,
       sondern nur  Formwechsel des  Werts vermittelnde  Arbeit nicht in
       wertschaffende verwandeln.  Ebensowenig kann  das Mirakel  dieser
       Transsubstantiation durch  eine Transposition  vorgehn, d.h.  da-
       durch, daß  die industriellen  Kapitalisten,  statt  selbst  jene
       "Verbrennungsarbeit" zu  vollziehn, sie  zum ausschließlichen Ge-
       schäft dritter von ihnen bezahlter Personen machen. Diese dritten
       Personen werden  ihnen natürlich  nicht aus  Liebe für ihre beaux
       yeux 1*)  ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Dem Rentenkol-
       lekteur eines  Grundbesitzers oder  dem Hausknecht einer Bank ist
       es ebenfalls  gleichgültig, daß  ihre Arbeit  die Wertgröße weder
       der Rente,  noch der  zu einer  andern Bank  sackweise  getragnen
       Goldstücke um einen Deut vermehrt.} 10)
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       Das Eingeklammerte aus einer Note am Schluß von Ms. VIII.
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       1*) schönen Augen
       
       #133# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten
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       Für den Kapitalisten, der andre für sich arbeiten läßt, wird Kauf
       und Verkauf eine Hauptfunktion. Da er das Produkt vieler auf grö-
       ßrem gesellschaftlichen  Maßstab aneignet,  so hat er es auch auf
       solchem zu  verkaufen und später wieder aus Geld in die Produkti-
       onselemente zurückzuverwandeln.  Nach wie  vor schafft  Kauf- und
       Verkaufszeit keinen  Wert. Eine  Illusion kommt  herein durch die
       Funktion des Kaufmannskapitals. Aber, ohne hier noch näher darauf
       einzugehn, ist  so viel  von vornherein  klar: Wenn durch Teilung
       der Arbeit  eine Funktion,  die an und für sich unproduktiv, aber
       ein notwendiges  Moment der Reproduktion ist, aus einer Nebenver-
       richtung vieler  in die  ausschließliche Verrichtung weniger ver-
       wandelt wird, in ihr besondres Geschäft, so verwandelt sich nicht
       der Charakter  der Funktion selbst. Ein Kaufmann (hier als bloßer
       Agent der  Formverwandlung der  Waren, als bloßer Käufer und Ver-
       käufer betrachtet) mag durch seine Operationen die Kauf- und Ver-
       kaufszeit für  viele Produzenten  abkürzen. Er  ist dann als eine
       Maschine zu  betrachten, die  nutzlosen  Kraftaufwand  vermindert
       oder Produktionszeit freisetzen hilft. 11)
       Wir wollen,  um die Sache zu vereinfachen (da wir erst später den
       Kaufmann als  Kapitalisten und  das Kaufmannskapital betrachten),
       annehmen, dieser Agent zum Kaufen und Verkaufen sei ein Mann, der
       seine Arbeit verkauft. Er verausgabt seine Arbeitskraft und seine
       Arbeitszeit in  diesen Operationen W-G und G-W. Und er lebt daher
       davon, wie  ein andrer z.B. vom Spinnen oder Pillendrehn. Er ver-
       richtet eine notwendige Funktion,
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       11) "Die  Kosten des  Handels müssen,  obwohl notwendig, als eine
       listige Ausgabe  betrachtet werden." (Quesnay, Analyse du Tableau
       Économique", in  Daire, "Physiocrates", Ie partie, Paris 1846, p.
       71.) -  Nach Quesnay  ist der  "Profit", den die Konkurrenz unter
       den Kaufleuten  hervorbringt, nämlich  daß sie  dieselben nötigt,
       ihr Entgelt  oder ihren  Gewinn herabzusetzen...  streng genommen
       nur ein vermiedener Verlust für den Verkäufer erster Hand und für
       den konsumierenden  Käufer. Nun  ist aber  ein an  den Kosten des
       Handels       v e r m i e d e n e r       V e r l u s t      kein
       w i r k l i c h e s  P r o d u k t  oder durch den Handel bewirk-
       ter Zuwachs  an Reichtum, mag man den Handel an und für sich ein-
       fach als  Austausch, unabhängig  von den Transportkosten, oder in
       Verbindung mit  den Transportkosten  betrachten." (p.  145, 146.)
       "Die Kosten  des Handels werden immer von den Verkäufern der Pro-
       dukte getragen,  die den  vollen Preis  bekommen werden,  den die
       Käufer zahlen,  wenn es  keinerlei Vermittlungskosten  gäbe." (p.
       163.) Die propriétaires 1*) und producteurs 2*) sind "salariants"
       3*),  die   Kaufleute  sind  "salariés"  4*)  (p.  164,  Quesnay,
       "Dialogues sur  le Commerce  et sur les Travaux des Artisans", in
       Daire, "Physiocrates", Ie partie, Paris 1846).
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       1*) Grundeigentiimer  - 2*)  Produzenten -  3*) Lohnzahler  - 4*)
       Entlohnte - 5*) 1. und 2. Auflage: "Problèmes économiques"
       
       #134# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       weil der  Reproduktionsprozeß selbt  unproduktive Funktionen ein-
       schließt. Er arbeitet so gut wie ein andrer, aber der Inhalt sei-
       ner Arbeit  schafft weder  Wert noch Produkt. Er selbst gehört zu
       den faux  frais der  Produktion. Sein Nutzen besteht nicht darin,
       eine unproduktive Funktion in eine produktive zu verwandeln, oder
       unproduktive Arbeit  in produktive. Es wäre ein Wunder, wenn der-
       gleichen Verwandlung  durch solche  Übertragung der  Funktion be-
       werkstelligt werden  könnte. Sein  Nutzen besteht vielmehr darin,
       daß ein  geringrer Teil  der Arbeitskraft und Arbeitszeit der Ge-
       sellschaft in  dieser unproduktiven  Funktion gebunden wird. Noch
       mehr. Wir  wollen annehmen, er sei bloßer Lohnarbeiter, meinetwe-
       gen besser bezahlter. Welches immer seine Zahlung, als Lohnarbei-
       ter arbeitet  er einen  Teil seiner Zeit umsonst. Er erhält viel-
       leicht täglich  das Wertprodukt  von acht Arbeitsstunden und fun-
       giert während  zehn. Die zwei Stunden Mehrarbeit, die er verrich-
       tet, produzieren  ebensowenig Wert wie seine acht Stunden notwen-
       dige Arbeit,  obgleich vermittelst  dieser letztren  ein Teil des
       gesellschaftlichen Produkts auf ihn übertragen wird. Erstens wird
       nach wie vor, gesellschaftlich betrachtet, eine Arbeitskraft wäh-
       rend zehn Stunden in dieser bloßen Zirkulationsfunktion vernutzt.
       Sie ist  für nichts  andres verwendbar,  nicht für produktive Ar-
       beit. Zweitens  aber zahlt  die Gesellschaft  diese zwei  Stunden
       Mehrarbeit nicht,  obgleich sie  von dem Individuum, das sie ver-
       richtet, verausgabt  werden. Die Gesellschaft eignet sich dadurch
       kein überschüssiges  Produkt oder Wert an. Aber die Zirkulations-
       kosten, die er repräsentiert, vermindern sich um ein Fünftel, von
       zehn Stunden auf acht. Die Gesellschaft zahlt kein Äquivalent für
       ein Fünftel  dieser aktiven Zirkulationszeit, deren Agent er ist.
       Ist es  aber der Kapitalist, der diesen Agenten anwendet, so ver-
       mindern sich  durch Nichtzahlung  der zwei Stunden die Zirkulati-
       onskosten  s e i n e s  Kapitals, die einen Abzug von seiner Ein-
       nahme bilden.  Für ihn ist es ein positiver Gewinn, weil sich die
       negative Schranke der Verwertung seines Kapitals enger zieht. So-
       lange kleine  selbständige Warenproduzenten einen Teil ihrer eig-
       nen Zeit  in Kauf  und Ver kauf verausgaben, stellt sich dies nur
       dar entweder  als Zeit,  verausgabt in den Intervallen ihrer pro-
       duktiven Funktion, oder als Abbruch an ihrer Produktionszeit.
       Unter allen  Umständen ist die hierauf verwandte Zeit eine Zirku-
       lationskost, die  den umgesetzten  Werten nichts  zuführt. Es ist
       die Kost, erforderlich, sie aus Warenform in Geldform zu überset-
       zen. Soweit  der kapitalistische Warenproduzent als Zirkulations-
       agent erscheint,  unterscheidet er  sich vom unmittelbaren Waren-
       produzenten nur dadurch, daß er auf größrer Stufenleiter verkauft
       und kauft, und daher in größrem Umfang als Zirkulationsagent
       
       #135# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten
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       fungiert. Sobald der Umfang seines Geschäfts ihn aber zwingt oder
       befähigt, eigne  Zirkulationsagenten als  Lohnarbeiter zu  kaufen
       (dingen), so ist das Phänomen der Sache nach nicht verändert. Ar-
       beitskraft und  Arbeitszeit muß zu gewissem Grad im Zirkulations-
       prozeß (soweit  er bloße Formverwandlung) verausgabt werden. Aber
       dies erscheint jetzt als zusätzliche Kapitalauslage; ein Teil des
       variablen Kapitals  muß ausgelegt  werden im Ankauf dieser nur in
       der Zirkulation  fungierenden Arbeitskräfte.  Dieser  Kapitalvor-
       schuß schafft  weder Produkt  noch Wert.  Er vermindert pro tanto
       den Umfang, worin das vorgeschoßne Kapital produktiv fungiert. Es
       ist dasselbe,  als würde  ein Teil  des Produkts in eine Maschine
       verwandelt, welche  den übrigen  Teil des Produkts kauft und ver-
       kauft. Diese  Maschine verursacht  einen Abzug  von Produkt.  Sie
       wirkt nicht  mit im  Produktionsprozeß, obgleich  sie die  in der
       Zirkulation verausgabte  Arbeitskraft etc.  vermindern kann.  Sie
       bildet bloß einen Teil der Zirkulationskosten.
       
       2. Buchführung
       
       Neben dem  wirklichen Kaufen  und Verkaufen wird Arbeitszeit ver-
       ausgabt in  der Buchführung,  in die außerdem vergegenständlichte
       Arbeit ein  geht, Feder,  Tinte, Papier, Schreibpult, Bürokosten.
       Es wird  also in  dieser Funktion einerseits Arbeitskraft veraus-
       gabt, andrerseits Arbeitsmittel. Es verhält sich hiermit ganz wie
       mit der Kauf- und Verkaufszeit.
       Als Einheit  innerhalb  seiner  Kreisläufe,  als  prozessierender
       Wert, sei  es nun  innerhalb der Produktionssphäre, sei es inner-
       halb der  beiden Phasen der Zirkulationssphäre, existiert das Ka-
       pital nur ideell in der Gestalt des Rechengelds, zunächst im Kopf
       des Warenproduzenten,  resp.  kapitalistischen  Warenproduzenten.
       Durch die  Buchführung, welche  auch die Preisbestimmung oder die
       Berechnung der  Warenpreise (Preiskalkulation)  einbegreift, wird
       diese Bewegung fixiert und kontrolliert. Die Bewegung der Produk-
       tion und  namentlich der  Verwertung -  wobei die  Waren nur  als
       Wertträger figurieren, als Namen von Dingen, deren ideelles Wert-
       dasein in Rechengeld fixiert ist - erhält so ein symbolisches Ab-
       bild in der Vorstellung. Solange der einzelne Warenproduzent ent-
       weder nur in seinem Kopf Buch führt (wie z.B. der Bauer; erst die
       kapitalistische Agrikultur produziert den Buch fahrenden Pächter)
       oder nur  nebenbei, außerhalb  seiner Produktionszeit,  ein  Buch
       über seine  Ausgaben, Einnahmen,  Zahlungstne usw. führt, solange
       ist es  handgreiflich, daß  diese seine Funktion und die Arbeits-
       mittell die  er etwa dabei verbraucht, wie Papier usw., zusätzli-
       chen Verbrauch  von Arbeitszeit  und Arbeitsznitteln  darstellen,
       die
       
       #136# I. Abschnitt - Die Metmorphoun des Kap. und ihr Kreislauf
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       notwendig sind,  aber einen  Abzug bilden sowohl an der Zeit, die
       er produktiv  verbrauchen kann, wie an den Arbeitsmitteln, die im
       wirklichen Produktionsprozeß fungieren, in die Produkt- und Wert-
       bildung eingehn. 12) Die Natur der Funktion selbst verändert sich
       nicht, weder durch den Umfang, den sie dadurch erhält, daß sie in
       der Hand  des kapitalistischen Warenproduzehten konzentriert wird
       und statt  als Funktion  vieler kleiner  Warenproduzenten als die
       e i n e s   Kapitalisten, als  Funktion innerhalb eines Produkti-
       onsprozesses auf  großer Stufenleiter  erscheint; noch durch ihre
       Losreißung von den produktiven Funktionen, von denen sie ein Bei-
       werk bildete,  und durch  ihre Verselbständigung als Funktion be-
       sondrer, ausschließlich mit ihr betrauter Agenten.
       Die Teilung  der Arbeit,  die Verselbständigung  einer  Funktion,
       macht sie  nicht produkt-  und wertbildend,  wenn sie es nicht an
       sich, also  schon vor ihrer Verselbständigung ist. Legt ein Kapi-
       talist sein  Kapital neu an, so muß er einen Teil im Ankauf eines
       Buchhalters etc. und in Mitteln der Buchführung anlegen. Ist sein
       Kapital bereits in Funktion, in seinem beständigen Reproduktions-
       prozeß begriffen, so muß er einen Teil des Warenprodukts, vermit-
       telst Verwandlung  in Geld,  beständig rückverwandeln in Buchhal-
       ter, Kommis  u. dergl. Dieser Teil des Kapitals ist dem Produkti-
       onsprozeß entzogen  und gehört zu den Zirkulationskosten, Abzugen
       am Gesamtertrag.  (Eingeschlossen die  Arbeitskraft  selbst,  die
       ausschließlich auf diese Funktion verwendet wird.)
       Es findet  jedoch ein gewisser Unterschied statt zwischen den aus
       der Buchführung  entspringenden Kosten,  resp. unproduktiven Ver-
       ausgabung von  Arbeitszeit einerseits  und denen der bloßen Kauf-
       und Verkaufszeit  andrerseits. Die  letztren entspringen  nur aus
       der bestimmten gesellschaftlichen
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       12) Im  Mittelalter finden wir die Buchführung für AgrikuItur nur
       in den Klöstern. Jedoch sah man (Buch I, p. 343 1*)), daß bereits
       in den  uraltertürnlichen indischen  Gemeinwesen  ein  Buchhalter
       über die  Agrikultur figuriert. Die Buchführung ist hier zur aus-
       schließlichen  Funktion  eines  Gemeindebeamten  verselbständigt.
       Durch diese Teilung der Arbeit werden Zeit, Mühe und Ausgaben er-
       spart, aber  die Produktion  und die Buchführung über die Produk-
       tion bleiben  ebenso verschiedne  Dinge wie die Schiffsladung und
       der Ladeschein.  Im Buchhalter  ist ein Teil der Arbeitskraft der
       Gemeinde der  Produktion entzogen, und die Kosten seiner Funktion
       werden nicht  durch seine  eigne Arbeit  ersetzt,  sondern  durch
       einen Abmg  vom Gemeindeprodukt. Wie mit dem Buchhalter der indi-
       schen Gemeinde, verhält es sich mutatis mutandis mit dem Buchhal-
       ter des Kapitalisten. (Aus Manuskript II.)
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 378
       
       #137# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten
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       Form des  Produktionsprozesses, daraus,  daß er Produktionsprozeß
       von Ware ist. Die Buchführung als Kontrolle und ideelle Zusammen-
       fassung des  Prozesses wird um so notwendiger, je mehr der Prozeß
       auf gesellschaftlicher  Stufenleiter vorgeht und den rein indivi-
       duellen akter  verliert; also notwendiger in der kapitalistischen
       Produktion als in der zersplitterten des Handwerks- und Bauernbe-
       triebs, notwendiger bei gemeinschaftlichen Produktion als bei ka-
       pitalistischer. Die  Kosten der  Buchführung reduzieren sich aber
       mit der  Konzentration der Produktion und je mehr sie sich in ge-
       sellschaftliche Buchführung  verwandelt. Es handelt sich hier nur
       um den  allgemeinen Charakter  der Zirkulations.  kosten, die aus
       der bloßen  formellen Metamorphose entspringen. Es ist hier über-
       flüssig, auf  alle ihre Detailformen einzugehn. Wie aber der rei-
       nen Formverwandlung des Werts angehörige, also aus der bestimmten
       gesellschaftlichen Form  des  Produktionsprozesses  entspringende
       Formen, die bei dem individuellen Warenproduzenten nur verschwin-
       dende und  kaum bemerkbare Momente sind, neben seinen produktiven
       Funktionen herlaufen oder sich mit ihnen verschlingen - wie diese
       als massenhafte  Zirkulationskosten die  Augen frappieren können,
       sieht man  beim bloßen Einnehmen und Ausgeben von Geld, sobald es
       als ausschließliche  Funktion von Banken etc. oder des Kassierers
       in individuellen  Geschäften, verselbständigt und auf großer Stu-
       fenleiter konzentriert ist. Was festzuhalten, ist, daß diese Zir-
       kulationskosten durch  die  veränderte  Gestalt  ihren  Charakter
       nicht ändern
       
       3. Geld
       
       Ob ein  Produkt als  Ware oder nicht als Ware produziert wird, es
       ist stets  stoffliche Gestalt  von Reichtum,  Gebrauchswert,  be-
       stimmt, in die individuelle oder produktive Konsumtion einzugehn.
       Als Ware  existiert sein  Wert ideell  im Preise,  der an  seiner
       wirklichen Gebrauchsgestalt nichts ändert. Daß aber bestimmte Wa-
       ren, wie  Gold und Silber, als Geld fungieren und als solche aus-
       schließlich den Zirkulationsprozeß behausen (auch als Schatz, Re-
       serve etc.  bleiben sie,  obwohl  latent,  in  der  Zirkulations-
       sphäre), ist ein reines Produkt der bestimmten gesellschaftlichen
       Form des  Produktionsprozesses, der  Produktionsprozeß von  Waren
       ist. Da  auf Grundlage  der kapitalistischen  Produktion Ware die
       allgemeine Gestalt  des Produkts  wird, und  die größte Masse des
       Produkts als Ware produziert wird und daher die Geldform annehmen
       muß, da  also die  Warenmasse, der  als Ware fungierende Teil des
       gesellschaftlichen Reichtums  fortwährend wächst  - so nimmt hier
       auch der  Umfang des  als Zirkulationsmittel, Zahlungsmittel, Re-
       serve etc.
       
       #138# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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       fungierenden Goldes  und Silbers  zu. Diese als Geld fungierenden
       Waren gehn  weder in die individuelle noch in die produktive Kon-
       sumtion ein.  Es ist  gesellschaftliche Arbeit, in einer Form fi-
       xiert, worin  sie als bloße Zirkulationsmaschine dient. Außerdem,
       daß ein  Teil des gesellschaftlichen Reichtums in diese unproduk-
       tive Form  gebannt ist,  erheischt der  Verschleiß des Geldes be-
       ständigen Ersatz desselben oder Umwandlung von mehr gesellschaft-
       licher Arbeit  - in  Produktform - in mehr Gold und Silber. Diese
       Ersatzkosten sind bei kapitalistisch entwickelten Nationen bedeu-
       tend, weil  überhaupt der  in Form  des Gelds  gebannte Teil  des
       Reichtums umfangreich ist. Gold und Silber, als Geldwaren, bilden
       für die  Gesellschaft Zirkulationskosten, die nur aus der gesell-
       schaftlichen Form  der Produktion entspringen. Es sind faux frais
       der Warenproduktion überhaupt, die mit der Entwicklung der Waren-
       produktion, und  besonders der kapitalistischen Produktion, wach-
       sen. Es  ist ein  Teil des  gesellschaftlichen Reichtums, der dem
       Zirkulationsprozeß geopfert werden muß. 13)
       ---
       13) "Das  in einem  Lande zirkulierende  Geld ist  ein bestimmter
       Teil des Kapitals des Landes, der produktiven Zwecken völlig ent-
       zogen ist, um die Produktivität des Restes zu erleichtern oder zu
       steigern; ein  gewisser Anteil  des Reichtums  ist deshalb ebenso
       nötig, um  Gold zum  zirkulierenden Medium zu machen, wie er not-
       wendig ist,  um eine  Maschine zu machen, die jede andere Produk-
       tion erleichtern soll," ("Economist", vol. V, p. 520.)
       

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