Quelle: MEW 24 Das Kapital - Zweiter Band
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SECHSTES KAPITEL
Die Zirkulationskosten
I. Reine Zirkulationskosten
1. Kauf und Verkaufszeit
Die Formverwandlungen des Kapitals aus Ware in Geld und aus Geld
in Ware sind zugleich Händel des Kapitalisten, Akte des Kaufs und
Verkaufs. Die Zeit, worin diese Formverwandlungen des Kapitals
sich vollziehn, sind subjektiv, vom Standpunkt des Kapitalisten,
Verkaufszeit und Kaufzeit, die Zeit, während deren er auf dem
Markt als Verkäufer und Käufer fungiert. Wie die Umlaufszeit des
Kapitals einen notwendigen Abschnitt seiner Reproduktionszeit
bildet, so bildet die Zeit, während deren der Kapitalist kauft
und verkauft, sich auf dem Markt herumtreibt, einen notwendigen
Abschnitt seiner Funktionszeit als Kapitalist, d.h. als personi-
fiziertes Kapital. Sie bildet Teil seiner Geschäftszeit. {Da an-
genommen wurde, daß die Waren zu ihren Werten gekauft und ver-
kauft werden, so handelt es sich bei diesen Vorgängen nur um die
Umsetzung desselben Werts aus einer Form in die andre, aus Waren-
form in Geldform, und aus Geldform in Warenform - um eine Zu-
standsänderung. Werden die Waren zu ihren Werten verkauft, so
bleibt die Wertgröße in der Hand sowohl des Käufers wie des Ver-
käufers unverändert; nur seine Daseinsform hat sich verändert.
Werden die Waren nicht zu ihren Werten verkauft, so bleibt die
Summe der umgesetzten Werte unverändert; was auf der einen Seite
plus, ist auf der andern minus.
Die Metamorphosen W-G und G-W sind aber Händel, die zwischen Käu-
fer und Verkäufer vorgehn; sie brauchen Zeit, um handelseinig zu
werden, um so mehr, als hier ein Kampf vorgeht, worin jede Seite
die andere zu übervortellen sucht, und sich Geschäftsleute gegen-
überstehn, so: "when Greek meets Greek then comes the tug of war'
[9]. Die Zustandsänderung kostet Zeit und Arbeitskrft, aber nicht
um Wert zu schaffen, sondern um
#132# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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die Umsetzung des Werts aus einer Form in die andre hervorzubrin-
gen, wobei der wechselseitige Versuch, bei dieser Gelegenheit ein
überschüssiges Quantum Wert sich anzueignen, nichts ändert. Diese
Arbeit, vergrößert durch die beiderseitigen böswilligen Absich-
ten, schafft so wenig Wert, wie die Arbeit, die bei einem ge-
richtlichen Prozeß stattfindet, die Wertgröße des streitigen Ob-
jekts vermehrt. Es verhält sich mit dieser Arbeit - die ein not-
wendiges Moment des kapitalistischen Produktionsprozesses in sei-
ner Totalität, wo er auch die Zirkulation einschließt, oder von
ihr eingeschlossen wird - wie etwa mit der Verbrennungsarbeit ei-
nes Stoffs, der zur Erzeugung von Wärme verwandt wird. Diese Ver-
brennungsarbeit erzeugt keine Wärme, obgleich sie ein notwendiges
Moment des Verbrennungsprozesses ist. um z.B. Kohle als Heizmate-
rial zu verbrauchen, muß ich sie mit Sauerstoff verbinden und
dazu sie aus dem festen in den gasförmigen Zustand überführen
(denn im Kohlensäuregas, dem Resultat der Verbrennung, ist die
Kohle im Gaszustand), also eine physikalische Daseinsform- oder
Zustandsveränderung bewirken. Die Lostrennung der Kohlenstoffole-
küle, die zu einem festen Ganzen verbunden sind, und die Zer-
sprengung des Kohlenstoffmoleküls selbst in seine einzelnen
Atome, muß der Neuverbindung vorhergehn, und dies kostet einen
gewissen Kraftaufwand, der sich also nicht in Wärme verwandelt,
sondern von dieser abgeht. Sind die Warenbesitzer daher keine Ka-
pitalisten, sondern selbständige unmittelbare Produzenten, so ist
die zu Kauf und Verkauf verwendete Zeit ein Abzug von ihrer Ar-
beitszeit, und suchten sie daher stets (im Altertum wie im Mit-
telalter) solche Operationen auf Festtage zu verlegen.
Die Dimensionen, die der Warenumsatz in den Händen der Kapitali-
sten annimmt, können natürlich diese, keinen Wert schaffende,
sondern nur Formwechsel des Werts vermittelnde Arbeit nicht in
wertschaffende verwandeln. Ebensowenig kann das Mirakel dieser
Transsubstantiation durch eine Transposition vorgehn, d.h. da-
durch, daß die industriellen Kapitalisten, statt selbst jene
"Verbrennungsarbeit" zu vollziehn, sie zum ausschließlichen Ge-
schäft dritter von ihnen bezahlter Personen machen. Diese dritten
Personen werden ihnen natürlich nicht aus Liebe für ihre beaux
yeux 1*) ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Dem Rentenkol-
lekteur eines Grundbesitzers oder dem Hausknecht einer Bank ist
es ebenfalls gleichgültig, daß ihre Arbeit die Wertgröße weder
der Rente, noch der zu einer andern Bank sackweise getragnen
Goldstücke um einen Deut vermehrt.} 10)
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Das Eingeklammerte aus einer Note am Schluß von Ms. VIII.
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1*) schönen Augen
#133# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten
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Für den Kapitalisten, der andre für sich arbeiten läßt, wird Kauf
und Verkauf eine Hauptfunktion. Da er das Produkt vieler auf grö-
ßrem gesellschaftlichen Maßstab aneignet, so hat er es auch auf
solchem zu verkaufen und später wieder aus Geld in die Produkti-
onselemente zurückzuverwandeln. Nach wie vor schafft Kauf- und
Verkaufszeit keinen Wert. Eine Illusion kommt herein durch die
Funktion des Kaufmannskapitals. Aber, ohne hier noch näher darauf
einzugehn, ist so viel von vornherein klar: Wenn durch Teilung
der Arbeit eine Funktion, die an und für sich unproduktiv, aber
ein notwendiges Moment der Reproduktion ist, aus einer Nebenver-
richtung vieler in die ausschließliche Verrichtung weniger ver-
wandelt wird, in ihr besondres Geschäft, so verwandelt sich nicht
der Charakter der Funktion selbst. Ein Kaufmann (hier als bloßer
Agent der Formverwandlung der Waren, als bloßer Käufer und Ver-
käufer betrachtet) mag durch seine Operationen die Kauf- und Ver-
kaufszeit für viele Produzenten abkürzen. Er ist dann als eine
Maschine zu betrachten, die nutzlosen Kraftaufwand vermindert
oder Produktionszeit freisetzen hilft. 11)
Wir wollen, um die Sache zu vereinfachen (da wir erst später den
Kaufmann als Kapitalisten und das Kaufmannskapital betrachten),
annehmen, dieser Agent zum Kaufen und Verkaufen sei ein Mann, der
seine Arbeit verkauft. Er verausgabt seine Arbeitskraft und seine
Arbeitszeit in diesen Operationen W-G und G-W. Und er lebt daher
davon, wie ein andrer z.B. vom Spinnen oder Pillendrehn. Er ver-
richtet eine notwendige Funktion,
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11) "Die Kosten des Handels müssen, obwohl notwendig, als eine
listige Ausgabe betrachtet werden." (Quesnay, Analyse du Tableau
Économique", in Daire, "Physiocrates", Ie partie, Paris 1846, p.
71.) - Nach Quesnay ist der "Profit", den die Konkurrenz unter
den Kaufleuten hervorbringt, nämlich daß sie dieselben nötigt,
ihr Entgelt oder ihren Gewinn herabzusetzen... streng genommen
nur ein vermiedener Verlust für den Verkäufer erster Hand und für
den konsumierenden Käufer. Nun ist aber ein an den Kosten des
Handels v e r m i e d e n e r V e r l u s t kein
w i r k l i c h e s P r o d u k t oder durch den Handel bewirk-
ter Zuwachs an Reichtum, mag man den Handel an und für sich ein-
fach als Austausch, unabhängig von den Transportkosten, oder in
Verbindung mit den Transportkosten betrachten." (p. 145, 146.)
"Die Kosten des Handels werden immer von den Verkäufern der Pro-
dukte getragen, die den vollen Preis bekommen werden, den die
Käufer zahlen, wenn es keinerlei Vermittlungskosten gäbe." (p.
163.) Die propriétaires 1*) und producteurs 2*) sind "salariants"
3*), die Kaufleute sind "salariés" 4*) (p. 164, Quesnay,
"Dialogues sur le Commerce et sur les Travaux des Artisans", in
Daire, "Physiocrates", Ie partie, Paris 1846).
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1*) Grundeigentiimer - 2*) Produzenten - 3*) Lohnzahler - 4*)
Entlohnte - 5*) 1. und 2. Auflage: "Problèmes économiques"
#134# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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weil der Reproduktionsprozeß selbt unproduktive Funktionen ein-
schließt. Er arbeitet so gut wie ein andrer, aber der Inhalt sei-
ner Arbeit schafft weder Wert noch Produkt. Er selbst gehört zu
den faux frais der Produktion. Sein Nutzen besteht nicht darin,
eine unproduktive Funktion in eine produktive zu verwandeln, oder
unproduktive Arbeit in produktive. Es wäre ein Wunder, wenn der-
gleichen Verwandlung durch solche Übertragung der Funktion be-
werkstelligt werden könnte. Sein Nutzen besteht vielmehr darin,
daß ein geringrer Teil der Arbeitskraft und Arbeitszeit der Ge-
sellschaft in dieser unproduktiven Funktion gebunden wird. Noch
mehr. Wir wollen annehmen, er sei bloßer Lohnarbeiter, meinetwe-
gen besser bezahlter. Welches immer seine Zahlung, als Lohnarbei-
ter arbeitet er einen Teil seiner Zeit umsonst. Er erhält viel-
leicht täglich das Wertprodukt von acht Arbeitsstunden und fun-
giert während zehn. Die zwei Stunden Mehrarbeit, die er verrich-
tet, produzieren ebensowenig Wert wie seine acht Stunden notwen-
dige Arbeit, obgleich vermittelst dieser letztren ein Teil des
gesellschaftlichen Produkts auf ihn übertragen wird. Erstens wird
nach wie vor, gesellschaftlich betrachtet, eine Arbeitskraft wäh-
rend zehn Stunden in dieser bloßen Zirkulationsfunktion vernutzt.
Sie ist für nichts andres verwendbar, nicht für produktive Ar-
beit. Zweitens aber zahlt die Gesellschaft diese zwei Stunden
Mehrarbeit nicht, obgleich sie von dem Individuum, das sie ver-
richtet, verausgabt werden. Die Gesellschaft eignet sich dadurch
kein überschüssiges Produkt oder Wert an. Aber die Zirkulations-
kosten, die er repräsentiert, vermindern sich um ein Fünftel, von
zehn Stunden auf acht. Die Gesellschaft zahlt kein Äquivalent für
ein Fünftel dieser aktiven Zirkulationszeit, deren Agent er ist.
Ist es aber der Kapitalist, der diesen Agenten anwendet, so ver-
mindern sich durch Nichtzahlung der zwei Stunden die Zirkulati-
onskosten s e i n e s Kapitals, die einen Abzug von seiner Ein-
nahme bilden. Für ihn ist es ein positiver Gewinn, weil sich die
negative Schranke der Verwertung seines Kapitals enger zieht. So-
lange kleine selbständige Warenproduzenten einen Teil ihrer eig-
nen Zeit in Kauf und Ver kauf verausgaben, stellt sich dies nur
dar entweder als Zeit, verausgabt in den Intervallen ihrer pro-
duktiven Funktion, oder als Abbruch an ihrer Produktionszeit.
Unter allen Umständen ist die hierauf verwandte Zeit eine Zirku-
lationskost, die den umgesetzten Werten nichts zuführt. Es ist
die Kost, erforderlich, sie aus Warenform in Geldform zu überset-
zen. Soweit der kapitalistische Warenproduzent als Zirkulations-
agent erscheint, unterscheidet er sich vom unmittelbaren Waren-
produzenten nur dadurch, daß er auf größrer Stufenleiter verkauft
und kauft, und daher in größrem Umfang als Zirkulationsagent
#135# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten
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fungiert. Sobald der Umfang seines Geschäfts ihn aber zwingt oder
befähigt, eigne Zirkulationsagenten als Lohnarbeiter zu kaufen
(dingen), so ist das Phänomen der Sache nach nicht verändert. Ar-
beitskraft und Arbeitszeit muß zu gewissem Grad im Zirkulations-
prozeß (soweit er bloße Formverwandlung) verausgabt werden. Aber
dies erscheint jetzt als zusätzliche Kapitalauslage; ein Teil des
variablen Kapitals muß ausgelegt werden im Ankauf dieser nur in
der Zirkulation fungierenden Arbeitskräfte. Dieser Kapitalvor-
schuß schafft weder Produkt noch Wert. Er vermindert pro tanto
den Umfang, worin das vorgeschoßne Kapital produktiv fungiert. Es
ist dasselbe, als würde ein Teil des Produkts in eine Maschine
verwandelt, welche den übrigen Teil des Produkts kauft und ver-
kauft. Diese Maschine verursacht einen Abzug von Produkt. Sie
wirkt nicht mit im Produktionsprozeß, obgleich sie die in der
Zirkulation verausgabte Arbeitskraft etc. vermindern kann. Sie
bildet bloß einen Teil der Zirkulationskosten.
2. Buchführung
Neben dem wirklichen Kaufen und Verkaufen wird Arbeitszeit ver-
ausgabt in der Buchführung, in die außerdem vergegenständlichte
Arbeit ein geht, Feder, Tinte, Papier, Schreibpult, Bürokosten.
Es wird also in dieser Funktion einerseits Arbeitskraft veraus-
gabt, andrerseits Arbeitsmittel. Es verhält sich hiermit ganz wie
mit der Kauf- und Verkaufszeit.
Als Einheit innerhalb seiner Kreisläufe, als prozessierender
Wert, sei es nun innerhalb der Produktionssphäre, sei es inner-
halb der beiden Phasen der Zirkulationssphäre, existiert das Ka-
pital nur ideell in der Gestalt des Rechengelds, zunächst im Kopf
des Warenproduzenten, resp. kapitalistischen Warenproduzenten.
Durch die Buchführung, welche auch die Preisbestimmung oder die
Berechnung der Warenpreise (Preiskalkulation) einbegreift, wird
diese Bewegung fixiert und kontrolliert. Die Bewegung der Produk-
tion und namentlich der Verwertung - wobei die Waren nur als
Wertträger figurieren, als Namen von Dingen, deren ideelles Wert-
dasein in Rechengeld fixiert ist - erhält so ein symbolisches Ab-
bild in der Vorstellung. Solange der einzelne Warenproduzent ent-
weder nur in seinem Kopf Buch führt (wie z.B. der Bauer; erst die
kapitalistische Agrikultur produziert den Buch fahrenden Pächter)
oder nur nebenbei, außerhalb seiner Produktionszeit, ein Buch
über seine Ausgaben, Einnahmen, Zahlungstne usw. führt, solange
ist es handgreiflich, daß diese seine Funktion und die Arbeits-
mittell die er etwa dabei verbraucht, wie Papier usw., zusätzli-
chen Verbrauch von Arbeitszeit und Arbeitsznitteln darstellen,
die
#136# I. Abschnitt - Die Metmorphoun des Kap. und ihr Kreislauf
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notwendig sind, aber einen Abzug bilden sowohl an der Zeit, die
er produktiv verbrauchen kann, wie an den Arbeitsmitteln, die im
wirklichen Produktionsprozeß fungieren, in die Produkt- und Wert-
bildung eingehn. 12) Die Natur der Funktion selbst verändert sich
nicht, weder durch den Umfang, den sie dadurch erhält, daß sie in
der Hand des kapitalistischen Warenproduzehten konzentriert wird
und statt als Funktion vieler kleiner Warenproduzenten als die
e i n e s Kapitalisten, als Funktion innerhalb eines Produkti-
onsprozesses auf großer Stufenleiter erscheint; noch durch ihre
Losreißung von den produktiven Funktionen, von denen sie ein Bei-
werk bildete, und durch ihre Verselbständigung als Funktion be-
sondrer, ausschließlich mit ihr betrauter Agenten.
Die Teilung der Arbeit, die Verselbständigung einer Funktion,
macht sie nicht produkt- und wertbildend, wenn sie es nicht an
sich, also schon vor ihrer Verselbständigung ist. Legt ein Kapi-
talist sein Kapital neu an, so muß er einen Teil im Ankauf eines
Buchhalters etc. und in Mitteln der Buchführung anlegen. Ist sein
Kapital bereits in Funktion, in seinem beständigen Reproduktions-
prozeß begriffen, so muß er einen Teil des Warenprodukts, vermit-
telst Verwandlung in Geld, beständig rückverwandeln in Buchhal-
ter, Kommis u. dergl. Dieser Teil des Kapitals ist dem Produkti-
onsprozeß entzogen und gehört zu den Zirkulationskosten, Abzugen
am Gesamtertrag. (Eingeschlossen die Arbeitskraft selbst, die
ausschließlich auf diese Funktion verwendet wird.)
Es findet jedoch ein gewisser Unterschied statt zwischen den aus
der Buchführung entspringenden Kosten, resp. unproduktiven Ver-
ausgabung von Arbeitszeit einerseits und denen der bloßen Kauf-
und Verkaufszeit andrerseits. Die letztren entspringen nur aus
der bestimmten gesellschaftlichen
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12) Im Mittelalter finden wir die Buchführung für AgrikuItur nur
in den Klöstern. Jedoch sah man (Buch I, p. 343 1*)), daß bereits
in den uraltertürnlichen indischen Gemeinwesen ein Buchhalter
über die Agrikultur figuriert. Die Buchführung ist hier zur aus-
schließlichen Funktion eines Gemeindebeamten verselbständigt.
Durch diese Teilung der Arbeit werden Zeit, Mühe und Ausgaben er-
spart, aber die Produktion und die Buchführung über die Produk-
tion bleiben ebenso verschiedne Dinge wie die Schiffsladung und
der Ladeschein. Im Buchhalter ist ein Teil der Arbeitskraft der
Gemeinde der Produktion entzogen, und die Kosten seiner Funktion
werden nicht durch seine eigne Arbeit ersetzt, sondern durch
einen Abmg vom Gemeindeprodukt. Wie mit dem Buchhalter der indi-
schen Gemeinde, verhält es sich mutatis mutandis mit dem Buchhal-
ter des Kapitalisten. (Aus Manuskript II.)
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 378
#137# 6. Kapitel - Die Zirkulationskosten
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Form des Produktionsprozesses, daraus, daß er Produktionsprozeß
von Ware ist. Die Buchführung als Kontrolle und ideelle Zusammen-
fassung des Prozesses wird um so notwendiger, je mehr der Prozeß
auf gesellschaftlicher Stufenleiter vorgeht und den rein indivi-
duellen akter verliert; also notwendiger in der kapitalistischen
Produktion als in der zersplitterten des Handwerks- und Bauernbe-
triebs, notwendiger bei gemeinschaftlichen Produktion als bei ka-
pitalistischer. Die Kosten der Buchführung reduzieren sich aber
mit der Konzentration der Produktion und je mehr sie sich in ge-
sellschaftliche Buchführung verwandelt. Es handelt sich hier nur
um den allgemeinen Charakter der Zirkulations. kosten, die aus
der bloßen formellen Metamorphose entspringen. Es ist hier über-
flüssig, auf alle ihre Detailformen einzugehn. Wie aber der rei-
nen Formverwandlung des Werts angehörige, also aus der bestimmten
gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses entspringende
Formen, die bei dem individuellen Warenproduzenten nur verschwin-
dende und kaum bemerkbare Momente sind, neben seinen produktiven
Funktionen herlaufen oder sich mit ihnen verschlingen - wie diese
als massenhafte Zirkulationskosten die Augen frappieren können,
sieht man beim bloßen Einnehmen und Ausgeben von Geld, sobald es
als ausschließliche Funktion von Banken etc. oder des Kassierers
in individuellen Geschäften, verselbständigt und auf großer Stu-
fenleiter konzentriert ist. Was festzuhalten, ist, daß diese Zir-
kulationskosten durch die veränderte Gestalt ihren Charakter
nicht ändern
3. Geld
Ob ein Produkt als Ware oder nicht als Ware produziert wird, es
ist stets stoffliche Gestalt von Reichtum, Gebrauchswert, be-
stimmt, in die individuelle oder produktive Konsumtion einzugehn.
Als Ware existiert sein Wert ideell im Preise, der an seiner
wirklichen Gebrauchsgestalt nichts ändert. Daß aber bestimmte Wa-
ren, wie Gold und Silber, als Geld fungieren und als solche aus-
schließlich den Zirkulationsprozeß behausen (auch als Schatz, Re-
serve etc. bleiben sie, obwohl latent, in der Zirkulations-
sphäre), ist ein reines Produkt der bestimmten gesellschaftlichen
Form des Produktionsprozesses, der Produktionsprozeß von Waren
ist. Da auf Grundlage der kapitalistischen Produktion Ware die
allgemeine Gestalt des Produkts wird, und die größte Masse des
Produkts als Ware produziert wird und daher die Geldform annehmen
muß, da also die Warenmasse, der als Ware fungierende Teil des
gesellschaftlichen Reichtums fortwährend wächst - so nimmt hier
auch der Umfang des als Zirkulationsmittel, Zahlungsmittel, Re-
serve etc.
#138# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf
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fungierenden Goldes und Silbers zu. Diese als Geld fungierenden
Waren gehn weder in die individuelle noch in die produktive Kon-
sumtion ein. Es ist gesellschaftliche Arbeit, in einer Form fi-
xiert, worin sie als bloße Zirkulationsmaschine dient. Außerdem,
daß ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums in diese unproduk-
tive Form gebannt ist, erheischt der Verschleiß des Geldes be-
ständigen Ersatz desselben oder Umwandlung von mehr gesellschaft-
licher Arbeit - in Produktform - in mehr Gold und Silber. Diese
Ersatzkosten sind bei kapitalistisch entwickelten Nationen bedeu-
tend, weil überhaupt der in Form des Gelds gebannte Teil des
Reichtums umfangreich ist. Gold und Silber, als Geldwaren, bilden
für die Gesellschaft Zirkulationskosten, die nur aus der gesell-
schaftlichen Form der Produktion entspringen. Es sind faux frais
der Warenproduktion überhaupt, die mit der Entwicklung der Waren-
produktion, und besonders der kapitalistischen Produktion, wach-
sen. Es ist ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der dem
Zirkulationsprozeß geopfert werden muß. 13)
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13) "Das in einem Lande zirkulierende Geld ist ein bestimmter
Teil des Kapitals des Landes, der produktiven Zwecken völlig ent-
zogen ist, um die Produktivität des Restes zu erleichtern oder zu
steigern; ein gewisser Anteil des Reichtums ist deshalb ebenso
nötig, um Gold zum zirkulierenden Medium zu machen, wie er not-
wendig ist, um eine Maschine zu machen, die jede andere Produk-
tion erleichtern soll," ("Economist", vol. V, p. 520.)
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