Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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ELFTES KAPITEL
Wirkungen allgemeiner Schwankungen des Arbeitslohns auf die Pro-
duktionspreise
Die Durchschnittszusammensetzung des gesellschaftlichen Kapitals
sei 80c + 20v und der Profit 20%. In diesem Fall ist die Rate des
Mehrwerts 100%. Eine allgemeine Erhöhung des Arbeitslohns, alles
andre gleichgesetzt, ist eine Erniedrigung der Rate des Mehr-
werts. Für das Durchschnittskapital fallen Profit und Mehrwert
zusammen. Der Arbeitslohn steige um 25%. Dieselbe Masse Arbeit,
die es 20 kostete in Bewegung zu setzen, kostet es jetzt 25. Wir
haben dann statt 80c + 20v + 20p einen Umschlagswert von 80c +
25v + 15p. Die vom variablen Kapital in Bewegung gesetzte Arbeit
produziert nach wie vor eine Wertsumme von 40. Steigt v von 20
auf 25, so ist der Überschuß in resp. p nur noch = 15. Der Profit
von 15 auf 105 ist 14 2/7 %, und dies wäre die neue Rate des
Durchschnittsprofits. Da der Produktionspreis der vom Durch-
schnittskapital produzierten Waren zusammenfällt mit ihrem Wert,
so hätte sich der Produktionspreis dieser Waren nicht verändert;
die Erhöhung des Arbeitslohns hätte daher wohl Erniedrigung des
Profits, aber keinen Wert- und Preiswechsel der Waren mit sich
geführt.
Früher, wo der Durchschnittsprofit = 20%, war der Produktions-
preis der in einer Umschlagsperiode produzierten Waren gleich ih-
rem Kostpreis plus einem Profit von 20% auf diesen Kostpreis,
also = k + kp' = k + 20k/100; wo k variable Größe, verschieden
nach dem Wert der Produktionsmittel, die in die Waren eingehn,
und nach dem Maße des Verschleißes, den das in ihrer Produktion
verwandte fixe Kapital an das Produkt abgibt. Jetzt betrüge der
Produktionspreis
14 2/7 k
k + --------.
100
Nehmen wir nun erst ein Kapital, dessen Zusammensetzung niedriger
als die ursprüngliche des gesellschaftlichen Durchschnittskapi-
tals 80c + 20v (die sich jetzt verwandelt hat in 76 4/21 c + 23
17/21 v); z.B. 50c + 50v. Hier betrug der Produktionspreis des
Jahresprodukts, wenn wir der Vereinfachung
#211# 11. Kapitel - Arbeitslohn und Produktionspreise
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halber annehmen, daß das ganze fixe Kapital in das jährliche Pro-
dukt als Verschleiß einging und daß die Umschlagszeit dieselbe
ist wie in Fall I, vor der Erhöhung des Arbeitslohns 50c + 50v +
20v = 120. Eine Erhöhung des Arbeitslohns um 25% gibt für das-
selbe Quantum in Bewegung gesetzter Arbeit eine Erhöhung des va-
riablen Kapitals von 50 auf 62 1/2. Würde das jährliche Produkt
zum frühern Produktionspreis von 120 verkauft, so ergäbe dies 50c
+ 62 1/2 v + 7 1/2 p, also eine Profitrate von 6 2/3 %. Die neue
Durchschnittsprofitrate ist aber 14 2/7 %, und da wir alle andren
Umstände als gleichbleibend annehmen, wird dies Kapital von 50c +
62 1/2, diesen Profit auch machen mnüssen. Ein Kapital von 112
1/2 macht aber zur Profitrate von 14 2/7 einen Profit von 16 1/14
1*). Der Produktionspreis der davon produzierten Waren ist also
jetzt 50c + 62 1/2 v + 16 1/14 p 2*) = 128 8/14 3*). Infolge der
Lohnsteigerung um 25% ist hier also der Produktionspreis dessel-
ben Quantums derselben Ware gestiegen von 120 auf 128 8/14 3*)
oder mehr als 7%.
Nehmen wir umgekehrt eine Produktionssphäre an von höherer Kompo-
sition als das Durchschnittskapital, Z.B. 92c + 8v. Der ursprüng-
liche Durchschnittsprofit ist also auch hier = 20, und wenn wir
wieder annehmen, daß das ganze fixe Kapital in das jährliche Pro-
dukt eingeht und die Umschlagszeit dieselbe ist wie in Fall I und
II, so ist der Produktionspreis der Ware auch hier = 120.
Infolge der Steigerung des Arbeitslohns um 25% wächst das va-
riable Kapital für gleichbleibende Arbeitsmenge von 8 auf 10, der
Kostpreis der Waren also von 100 auf 102, andrerseits ist die
Durchschnittsprofitrate von 20% gefallen auf 14 2/7 %. Es verhält
sich aber 100 : 14 2/7 = 102 : 14 4/7 4*). Der Profit, der nun
auf 102 fällt, ist also 14 4/7. Und daher verkauft sich das Ge-
samtprodukt zu k + kp' = 102 + 14 4/7 = 116 4/7. Der Produktions-
preis ist also gefallen von 120 auf 116 4/7 oder um 3 3/7 5*).
Infolge der Erhöhung des Arbeitslohns um 25% ist also:
1. mit Bezug auf das Kapital von gesellschaftlicher Durch-
schnittskomposition der Produktionspreis der Ware unverändert
geblieben;
2. mit Bezug auf das Kapital niederer Zusammensetzung der Produk-
tionspreis der Ware gestiegen, obgleich nicht im selben Verhält-
nis wie der Profit gefallen;
3. mit Bezug auf das Kapital höherer Zusammensetzung ist der Pro-
duktionspreis
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1*) 1. Auflage: rund 16 1/12 - 2*) 1. Auflage: 16 1/12 p - 3*) 1.
Auflage: 128 7/12 - 4*) 1. Auflage: (annähernd) 5*) 1. Auflage:
über 3 Prozent - (Änderungen in Anlehnung an das Manuskript von
Marx)
#212# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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der Ware gefallen, obgleich auch nicht in demselben Verhältnis
wie der Profit.
Da der Produktionspreis der Waren des Durchschnittskapitals der-
selbe geblieben, gleich dem Wert des Produkts, ist auch die Summe
der Produktionspreise der Produkte aller Kapitale dieselbe
geblieben, gleich der Summe der vom Gesamtkapital produzierten
Werte; die Erhöhung auf der einen, die Senkung auf der andern
Seite gleichen sich aus für das Gesamtkapital zum Niveau des ge-
sellschaftlichen Durchschnittskapitals.
Wenn der Produktionspreis der Waren in Beispiel II steigt, in III
fällt, so zeigt schon diese entgegengesetzte Wirkung, die der
Fall in der Mehrwertsrate oder das allgemeine Steigen des Ar-
beitslohns hervorbringt, daß es sich hier nicht um eine Entschä-
digung im Preise für die Erhöhung des Arbeitslohns handeln kann,
da in III das Fallen des Produktionspreises den Kapitalisten un-
möglich entschädigen kann für das Fallen des Profits und in IIdas
Steigen des Preises den Fall des Profits nicht verhindert. Viel-
mehr ist beidemal, wo der Preis steigt und wo er fällt, der Pro-
fit derselbe wie im Durchschnittskapital, wo der Preis unverän-
dert geblieben. Er ist für II wie für III derselbe, um 5/7 oder
etwas über 25% gefallne Durchschnittsprofit. Es folgt daraus,
daß, wenn der Preis in II nicht stiege und in III nicht fiele, II
unter und III über dem neuen gefallnen Durchschnittsprofit ver-
kaufen würde. Es ist an und für sich klar, daß, je nachdem 50, 25
oder 10 pro 100 des Kapitals in Arbeit ausgelegt wird, eine Loh-
nerhöhung sehr verschieden wirken muß auf den, der 1/10, und auf
den, der 1/4 oder 1/2 seines Kapitals in Arbeitslohn auslegt. Die
Erhöhung der Produktionspreise einerseits, ihre Senkung andrer-
seits, je nachdem das Kapital unter oder über der gesellschaftli-
chen Durchschnittszusammensetzung steht, wird nur bewirkt durch
die Ausgleichung zum neuen gefallnen Durchschnittsprofit.
Wie würde nun ein allgemeiner Fall des Arbeitslohns und ihm ent-
sprechendes allgemeines Steigen der Profitrate und daher der
Durchschnittsprofite wirken auf die Produktionspreise der Waren,
die das Produkt von Kapitalen, welche nach entgegengesetzten
Richtungen von der gesellschaftlichen Durchschnittszusammenset-
zung abweichen? Wir haben bloß die eben gegebne Ausführung umzu-
drehn, um das Resultat (das Ricardo nicht untersucht) zu erhal-
ten.
I. Durchschnittskapital = 80c + 20v = 100; Mehrwertsrate = 100%;
Produktionspreis = Warenwert = 80c + 20v + 20p = 120; Profitrate
= 20%. Es falle der Arbeitslohn um ein Viertel, so wird dasselbe
konstante Kapital in Bewegung gesetzt von 15, statt von 20,. Wir
haben also Warenwert = 80c + 15v + 25p = 120. Das von v produ-
zierte Quantum Arbeit bleibt
#213# 11. Kapitel - Arbeitslohn und Produktionspreise
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unverändert, nur wird der dadurch geschaffne Neuwert anders ver-
teilt zwischen Kapitalist und Arbeiter. Der Mehrwert ist gestie-
gen von 20 auf 25 und die Rate des Mehrwerts von 20/20 auf 25/15
also von 100% auf 166 2/3 %. Der Profit auf 95 ist jetzt = 25,
also die Profitrate auf 100 = 26 6/19. Die neue prozentige Zusam-
mensetzung des Kapitals ist jetzt 84 4/19 c + 15 15/19 v = 100.
II. Niedrigere Zusammensetzung. Ursprünglich 50c + 50v wie oben.
Durch den Fall des Arbeitslohnes um 1/4 wird v auf 37 1/2 v redu-
ziert und damit das vorgeschoßne Gesamtkapital auf 50c + 37 1/2v
= 87 1/2. Wenden wir hierauf die neue Profitrate von 26 6/19 %
an, so: 100 :26 6/19 = 87 1/2 : 23 1/38. Dieselbe Warenmasse, die
früher 120, kostet jetzt 87 1/2 + 23 1/38 = 110 10/19; Preisfall
von beinahe 10.
III. Höhere Zusammensetzung. Ursprünglich 92c + 8v = 100. Der
Fall des Arbeitslohns um 1/4 senkt 8v auf 6v, das Gesamtkapital
auf 98. Hiernach 100 : 26 6/19 = 98 : 25 15/19. Der Produktions-
preis der Ware, früher 100 + 20 = 120, ist jetzt, nach dem Fall
des Arbeitslohnes, 98 + 25 11/19 = 123 15/19; also gestiegen fast
um 4.
Man sieht also, daß man nur dieselbe Entwicklung wie früher in
umgekehrter Richtung zu verfolgen hat mit den erforderlichen Än-
derungen; daß ein allgemeiner Fall des Arbeitslohns zur Folge hat
ein allgemeines Steigen des Mehrwerts, der Rate des Mehrwerts,
und bei sonst gleichbleibenden Umständen der Profitrate, wenn
auch in andrer Proportion ausgedrückt; einen Fall der Produkti-
onspreise für die Warenprodukte von Kapitalen niederer, und stei-
gender Produktionspreise für Warenprodukte von Kapitalen höherer
Zusammensetzung. Gerade das umgekehrte Resultat von dem, das sich
herausstellte bei allgemeinem Steigen des Arbeitslohns. 34) Es
ist in beiden Fällen - Steigen wie Fallen des Arbeitslohns vor-
ausgesetzt, daß der Arbeitstag gleichbleibt, ebenso die Preise
aller notwendigen Lebensmittel. Der Fall des Arbeitslohns ist
hier also nur möglich, wenn der Lohn entweder vorher über dem
normalen Preis der Arbeit stand oder unter ihn herabgedrückt
wird. Wie die Sache modifiziert wird, wenn das Steigen oder Fal-
len des Arbeitslohns herrührt von einem Wechsel im
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34) Es ist höchst eigentümlich, daß Ricardo [33] (der natürlich
in andrer Weise verfährt als hier geschehn, da er die Ausglei-
chung der Werte zu Produktionspreisen nicht verstand) nicht ein-
mal auf diesen Einfall kam, sondern nur den ersten Fall, das
Steigen des Arbeitslohns und seinen Einfluß auf die Produktions-
preise der Waren betrachtet hat. Und das servum pecus imitatorum
[34] ging selbst nicht so weit voran, diese höchst selbstver-
ständliche, in der Tat tautologische Nutzanwendung zu machen.
#214# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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Werte und daher im Produktionspreise der Waren, die gewöhnlich in
den Konsum des Arbeiters eingehn, wird zum Teil weiter untersucht
werden im Abschnitt über die Grundrente. Indes ist hier ein für
allemal zu bemerken: Rührt Steigen oder Fallen des Arbeitslohns
her vom Wertwechsel der notwendigen Lebensmittel, so kann nur
eine Modifikation des oben Gesagten eintreten, soweit die Waren,
deren Preisveränderung das variable Kapital erhöht oder ernied-
rigt, auch als konstituierende Elemente in das konstante Kapital
eingehn und daher nicht bloß auf den Arbeitslohn wirken. Soweit
sie aber nur das letztre tun, enthält die bisherige Entwicklung
alles, was zu sagen ist. In diesem ganzen Kapitel ist die Her-
stellung der allgemeinen Profitrate, des Durchschnittsprofits,
und also auch die Verwandlung der Werte in Produktionspreise als
gegebne Tatsache unterstellt. Es fragte sich nur, wie eine allge-
meine Erhöhung oder Senkung des Arbeitslohns auf die als gegeben
vorausgesetzten Produktionspreise der Waren wirkt. Es ist dies
eine sehr sekundäre Frage, verglichen mit den übrigen in diesem
Abschnitt behandelten wichtigen Punkten. Es ist aber die einzige
hier einschlägige Frage, die Ricardo, und selbst noch einseitig
und mangelhaft, wie man sehen wird 1*), behandelt.
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1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 2. Teil, S. 181-194
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