Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
zurück
#215#
-----
ZWÖLFTES KAPITEL
Nachträge
I. Ursachen, welche eine Änderung im Produktionspreis bedingen
Der Produktionspreis einer Ware kann nur variieren aus zwei Ursa-
chen:
Erstens. Die allgemeine Profitrate ändert sich. Dies ist nur da-
durch möglich, daß sich die Durchschnittsrate des Mehrwerts
selbst ändert oder, bei gleichbleibender durchschnittlicher Mehr-
wertsrate, das Verhältnis der Summe der angeeigneten Mehrwerte
zur Summe des vorgeschoßnen gesellschaftlichen Gesamtkapitals.
Soweit die Änderung der Rate des Mehrwerts nicht auf Herunter-
drücken des Arbeitslohns unter, oder dessen Steigen über seinen
normalen Stand beruht - und derartige Bewegungen sind nur als os-
zillatorische zu betrachten -, kann sie nur stattfinden entweder
dadurch, daß der Wert der Arbeitskraft sank oder stieg; das eine
so unmöglich wie das andre ohne Veränderung in der Produktivität
der Arbeit, die Lebensmittel produziert, also ohne Wechsel im
Wert der Waren, die in den Konsum des Arbeiters eingehn.
Oder das Verhältnis der Summe des angeeigneten Mehrwerts zum vor-
geschoßnen Gesamtkapital der Gesellschaft ändert sich. Da der
Wechsel hier nicht von der Rate des Mehrwerts ausgeht, so muß er
ausgehn vom Gesamtkapital, und zwar von seinem konstanten Teil.
Dessen Masse, technisch betrachtet, vermehrt oder vermindert sich
im Verhältnis zu der vom variablen Kapital gekauften Arbeits-
kraft, und die Masse seines Werts wächst oder fällt so mit dem
Wachstum oder der Abnahme seiner Masse selbst; sie wächst oder
fällt also ebenfalls im Verhältnis zur Wertmasse des variablen
Kapitals. Setzt dieselbe Arbeit mehr konstantes Kapital in Bewe-
gung, so ist die Arbeit produktiver geworden. Wenn umgekehrt, um-
gekehrt. Also hat Wechsel in der Produktivität der Arbeit statt-
gefunden, und ein Wechsel muß vorgegangen sein im Wert gewisser
Waren.
#216# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
-----
Für beide Fälle also gilt dies Gesetz: Wechselt der Produktions-
preis einer Ware infolge eines Wechsels in der allgemeinen Pro-
fitrate, so kann zwar ihr eigner Wert unverändert geblieben sein.
Es muß aber ein Wertwechsel mit andren Waren vorgegangen sein.
Zweitens. Die allgemeine Profitrate bleibt unverändert. Dann kann
der Produktionspreis einer Ware nur wechseln, weil ihr eigner
Wert sich verändert hat; weil mehr oder weniger Arbeit erheischt
ist, um sie selbst zu reproduzieren, sei es, daß die Produktivi-
tät der Arbeit wechselt die die Ware selbst in ihrer letzten Form
produziert, oder die, welche die Waren produziert, die in ihre
Produktion eingehn. Baumwollengarn kann im Produktionspreis fal-
len, entweder weil Rohbaumwolle wohlfeiler hergestellt wird oder
weil die Arbeit des Spinnens infolge bessrer Maschinerie produk-
tiver geworden ist.
Der Produktionspreis ist, wie früher gezeigt, k + p, gleich Kost-
preis und Profit. Dies aber ist = k + kp, wo k, der Kostpreis,
eine unbestimmte Größe, die für verschiedne Produktionssphären
wechselt und überall gleich ist dem Wert des in der Produktion
der Ware verbrauchten konstanten und variablen Kapitals, und p'
die prozentig berechnete Durchschnittsprofitrate. Ist k = 200 und
p' = 20%, so ist der Produktionspreis k + kp' = 200 + 200 20/100
= 200 + 40 = 240. Es ist klar, daß dieser Produktionspreis der-
selbe bleiben kann, obgleich der Wert der Waren sich verändert.
Alle Wechsel im Produktionspreis der Waren lösen sich auf in
letzter Instanz in einen Wertwechsel, aber nicht alle Wechsel im
Wert der Waren brauchen sich in einem Wechsel des Produktions-
preises auszudrücken, da dieser bestimmt ist nicht allein durch
den Wert der besondren Ware, sondern durch den Gesamtwert aller
Waren. Der Wechsel in Ware A kann also ausgeglichen sein durch
einen entgegengesetzten der Ware B, so daß das allgemeine Ver-
hältnis dasselbe bleibt.
zurück