Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       ZWÖLFTES KAPITEL
       Nachträge
       
       I. Ursachen, welche eine Änderung im Produktionspreis bedingen
       
       Der Produktionspreis einer Ware kann nur variieren aus zwei Ursa-
       chen:
       Erstens. Die  allgemeine Profitrate ändert sich. Dies ist nur da-
       durch möglich,  daß  sich  die  Durchschnittsrate  des  Mehrwerts
       selbst ändert oder, bei gleichbleibender durchschnittlicher Mehr-
       wertsrate, das  Verhältnis der  Summe der  angeeigneten Mehrwerte
       zur Summe des vorgeschoßnen gesellschaftlichen Gesamtkapitals.
       Soweit die  Änderung der  Rate des  Mehrwerts nicht auf Herunter-
       drücken des  Arbeitslohns unter,  oder dessen Steigen über seinen
       normalen Stand beruht - und derartige Bewegungen sind nur als os-
       zillatorische zu  betrachten -, kann sie nur stattfinden entweder
       dadurch, daß  der Wert der Arbeitskraft sank oder stieg; das eine
       so unmöglich  wie das andre ohne Veränderung in der Produktivität
       der Arbeit,  die Lebensmittel  produziert, also  ohne Wechsel  im
       Wert der Waren, die in den Konsum des Arbeiters eingehn.
       Oder das Verhältnis der Summe des angeeigneten Mehrwerts zum vor-
       geschoßnen Gesamtkapital  der Gesellschaft  ändert sich.  Da  der
       Wechsel hier  nicht von der Rate des Mehrwerts ausgeht, so muß er
       ausgehn vom  Gesamtkapital, und  zwar von seinem konstanten Teil.
       Dessen Masse, technisch betrachtet, vermehrt oder vermindert sich
       im Verhältnis  zu der  vom variablen  Kapital gekauften  Arbeits-
       kraft, und  die Masse  seines Werts  wächst oder fällt so mit dem
       Wachstum oder  der Abnahme  seiner Masse  selbst; sie wächst oder
       fällt also  ebenfalls im  Verhältnis zur  Wertmasse des variablen
       Kapitals. Setzt  dieselbe Arbeit mehr konstantes Kapital in Bewe-
       gung, so ist die Arbeit produktiver geworden. Wenn umgekehrt, um-
       gekehrt. Also  hat Wechsel in der Produktivität der Arbeit statt-
       gefunden, und  ein Wechsel  muß vorgegangen sein im Wert gewisser
       Waren.
       
       #216# II. Abschnitt - Verwandlung des Profits in Durchschnittspr.
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       Für beide  Fälle also gilt dies Gesetz: Wechselt der Produktions-
       preis einer  Ware infolge  eines Wechsels in der allgemeinen Pro-
       fitrate, so kann zwar ihr eigner Wert unverändert geblieben sein.
       Es muß aber ein Wertwechsel mit andren Waren vorgegangen sein.
       Zweitens. Die allgemeine Profitrate bleibt unverändert. Dann kann
       der Produktionspreis  einer Ware  nur wechseln,  weil ihr  eigner
       Wert sich  verändert hat; weil mehr oder weniger Arbeit erheischt
       ist, um  sie selbst zu reproduzieren, sei es, daß die Produktivi-
       tät der Arbeit wechselt die die Ware selbst in ihrer letzten Form
       produziert, oder  die, welche  die Waren  produziert, die in ihre
       Produktion eingehn.  Baumwollengarn kann im Produktionspreis fal-
       len, entweder  weil Rohbaumwolle wohlfeiler hergestellt wird oder
       weil die  Arbeit des Spinnens infolge bessrer Maschinerie produk-
       tiver geworden ist.
       Der Produktionspreis ist, wie früher gezeigt, k + p, gleich Kost-
       preis und  Profit. Dies  aber ist  = k + kp, wo k, der Kostpreis,
       eine unbestimmte  Größe, die  für verschiedne  Produktionssphären
       wechselt und  überall gleich  ist dem  Wert des in der Produktion
       der Ware  verbrauchten konstanten  und variablen Kapitals, und p'
       die prozentig berechnete Durchschnittsprofitrate. Ist k = 200 und
       p' =  20%, so ist der Produktionspreis k + kp' = 200 + 200 20/100
       = 200  + 40  = 240. Es ist klar, daß dieser Produktionspreis der-
       selbe bleiben kann, obgleich der Wert der Waren sich verändert.
       Alle Wechsel  im Produktionspreis  der Waren  lösen sich  auf  in
       letzter Instanz  in einen Wertwechsel, aber nicht alle Wechsel im
       Wert der  Waren brauchen  sich in  einem Wechsel des Produktions-
       preises auszudrücken,  da dieser  bestimmt ist nicht allein durch
       den Wert  der besondren  Ware, sondern durch den Gesamtwert aller
       Waren. Der  Wechsel in  Ware A  kann also ausgeglichen sein durch
       einen entgegengesetzten  der Ware  B, so  daß das allgemeine Ver-
       hältnis dasselbe bleibt.

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