Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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Dritter Abschnitt
Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate
DREIZEHNTES KAPITEL
Das Gesetz als solches
Bei gegebnem Arbeitslohn und Arbeitstag stellt ein variables Ka-
pital, z.B. von 100, eine bestimmte Anzahl in Bewegung gesetzter
Arbeiter vor; es ist der Index dieser Anzahl. Z.B. 100 Pfd.St.
sei der Arbeitslohn für 100 Arbeiter, sage für eine Woche. Ver-
richten diese 100 Arbeiter ebensoviel notwendige Arbeit wie Mehr-
arbeit, arbeiten sie also täglich ebensoviel Zeit für sich
selbst, d.h. für die Reproduktion ihres Arbeitslohns, wie für den
Kapitalisten, d. h. für die Produktion von Mehrwert, so wäre ihr
Gesamtwertprodukt = 200 Pfd.St. und der von ihnen erzeugte Mehr-
wert betrüge 100 Pfd.St. Die Rate des Mehrwerts m/v wäre = 100%.
Diese Rate des Mehrwerts würde sich jedoch, wie wir gesehn, in
sehr verschiednen Profitraten ausdrücken, je nach dem verschied-
nen Umfang des konstanten Kapitals c und damit des Gesamtkapitals
C, da die Profitrate m/C. Ist die Mehrwertsrate 100%:
Wenn c = 50, v = 100, so ist p' = 100/150 = 66 2/3 %.
Wenn c = 100, v = 100, so ist p' = 100/200 = 50%.
Wenn c = 200, v = 100, so ist p' = 100/300 = 33 1/3 %.
Wenn c = 300, v = 100, so ist p' = 100/400 = 25%.
Wenn c = 400, v = 100, so ist p' = 100/500 = 20%.
Dieselbe Rate des Mehrwerts, bei unverändertem Exploitationsgrad
der Arbeit, würde sich so in einer fallenden Profitrate ausdrüc-
ken, weil mit
#222# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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seinem materiellen Umfang, wenn auch nicht im selben Verhältnis,
auch der Wertumfang des konstanten und damit des Gesamtkapitals
wächst.
Nimmt man nun ferner an, daß diese graduelle Veränderung in der
Zusammensetzung des Kapitals sich nicht bloß in vereinzelten Pro-
duktionssphären zuträgt, sondern mehr oder weniger in allen oder
doch in den entscheidenden Produktionssphären, daß sie also Ver-
änderungen in der organischen Durchschnittszusammensetzung des
einer bestimmten Gesellschaft angehörigen Gesamtkapitals ein-
schließt, so muß dies allmähliche Anwachsen des konstanten Kapi-
tals, im Verhältnis zum variablen, notwendig zum Resultat haben
e i n e n g r a d u e l l e n F a l l i n d e r
a l l g e m e i n e n P r o f i t r a t e bei gleichbleibender
Rate des Mehrwerts oder gleichbleibendem Exploitationsgrad der
Arbeit durch das Kapital. Nun hat sich aber gezeigt, als ein Ge-
setz der kapitalistischen Produktionsweise, daß mit ihrer Ent-
wicklung eine relative Abnahme des variablen Kapitals im Verhält-
nis zum konstanten Kapital und damit im Verhältnis zu dem in Be-
wegung gesetzten Gesamtkapital stattfindet. Es heißt dies nur,
daß dieselbe Arbeiterzahl, dieselbe Menge Arbeitskraft, disponi-
bel gemacht durch ein variables Kapital von gegebnem Wertumfang,
infolge der innerhalb der kapitalistischen Produktion sich ent-
wickelnden eigentümlichen Produktionsmethoden, eine stets wach-
sende Masse Arbeitsmittel, Maschinerie und fixes Kapital aller
Art, Roh- und Hilfsstoffe in derselben Zeit in Bewegung setzt,
verarbeitet, produktiv konsumiert - daher auch ein konstantes Ka-
pital von stets wachsendem Wertumfang. Diese fortschreitende re-
lative Abnahme des variablen Kapitals im Verhältnis zum konstan-
ten und daher zum Gesamtkapital ist identisch mit der fortschrei-
tend höhern organischen Zusammensetzung des gesellschaftlichen
Kapitals in seinem Durchschnitt. Es ist ebenso nur ein andrer
Ausdruck für die fortschreitende Entwicklung der gesellschaftl
chen Produktivkraft der Arbeit, die sich grade darin zeigt, daß
vermittelst der wachsenden Anwendung von Maschinerie und fixem
Kapital Oberhaupt mehr Roh- und Hilfsstoffe von derselben Anzahl
Arbeiter in derselben Zeit, d.h. mit weniger Arbeit in Produkte
verwandelt werden. Es entspricht diesem wachsenden Wertumfang des
konstanten Kapitals - obgleich er nur entfernt das Wachstum in
der wirklichen Masse der Gebrauchswerte darstellt, aus denen das
konstante Kapital stofflich besteht - eine wachsende Verwohlfei-
lerung des Produkts. Jedes individuelle Produkt, für sich be-
trachtet, enthält eine geringre Summe von Arbeit als auf niedrj
gern Stufen der Produktion, wo das in Arbeit ausgelegte Kapital
in ungleich größrem Verhältnis steht zu dem in Produktionsmitteln
ausgelegten. Die im Eingang hypothetisch aufgestellte Reihe
drückt also die wirkliche
#223# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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Tendenz der kapitalistischen Produktion aus. Diese erzeugt mit
der fortschreitenden relativen Abnahme des variablen Kapitals ge-
gen das konstante eine steigend höhere organische Zusammensetzung
des Gesamtkapitals, deren unmittelbare Folge ist, daß die Rate
des Mehrwerts bei gleichbleibendem und selbst bei steigendem Ex-
ploitationsgrad der Arbeit sich in einer beständig sinkenden all-
gemeinen Profitrate ausdrückt. (Es wird sich weiter zeigen 1*),
warum dies Sinken nicht in dieser absoluten Form, sondern mehr in
Tendenz zum progressiven Fall hervortritt.) Die progressive Ten-
denz der allgemeinen Profitrate zum Sinken ist also nur e i n
d e r k a p i t a l i s t i s c h e n
P r o d u k t i o n s w e i s e e i g e n t ü m l i c h e r
A u s d r u c k für die fortschreitende Entwicklung der gesell-
schaftlichen Produktivkraft der Arbeit. Es ist damit nicht ge-
sagt, daß die Profitrate nicht auch aus andren Gründen vorüberge-
hend fallen kann, aber es ist damit aus dem Wesen der kapitali-
stischen Produktionsweise als eine selbstverständliche Notwendig-
keit bewiesen, daß in ihrem Fortschritt die allgemeine Durch-
schnittsrate des Mehrwerts sich in einer fallenden allgemeinen
Profitrate ausdrucken muß. Da die Masse der angewandten lebendi-
gen Arbeit stets abnimmt im Verhältnis zu der Masse der von ihr
in Bewegung gesetzten vergegenständlichten Arbeit, der produktiv
konsumierten Produktionsmittel, so muß auch der Teil dieser le-
bendigen Arbeit, der unbezahlt ist und sich in Mehrwert vergegen-
ständlicht, in einem stets abnehmenden Verhältnis stehn zum Wer-
tumfang des angewandten Gesamtkapitals. Dies Verhältnis der Mehr.
wertsmasse zum Wert des angewandten Gesamtkapitals bildet aber
die Profitrate, die daher beständig fallen muß.
So einfach das Gesetz nach den bisherigen Entwicklungen er-
scheint, sowenig ist es aller bisherigen Ökonomie gelungen, wie
man aus einem spätern Abschnitt 2*) sehn wird, es zu entdecken.
Sie sah das Phänomen und quälte sich in widersprechenden Versu-
chen ab, es zu deuten. Bei der großen Wichtigkeit aber, die dies
Gesetz für die kapitalistische Produktion hat, kann man sagen,
daß es das Mysterium bildet, um dessen Lösung sich die ganze po-
litische Ökonomie seit Adam Smith dreht, und daß der Unterschied
zwischen den verschiednen Schulen seit A. Smith in den verschied-
nen Versuchen zu seiner Lösung besteht. Erwägt man aber andrer-
seits, daß die bisherige politische Ökonomie um den Unterschied
von konstantem und variablem Kapital zwar herumtappte, ihn aber
nie bestimmt zu formulieren verstand; daß sie den Mehrwert nie
getrennt vom Profit und den Profit überhaupt nie rein, im Unter-
schied von seinen verschiednen gegeneinander
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1*) Siehe vorl. Band, Kapitel 14 - 2*) siehe Band 26 unserer Aus-
gabe, 2. Teil, S. 435, 541-543
#224# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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verselbständigten Bestandteilen - wie industrieller Profit, korn-
merzieller Profit, Zins, Grundrente - darstellte; daß sie nie
gründlich die Verschiedenheit in der organischen Zusammensetzung
des Kapitals, daher ebensowenig die Bildung der allgemeinen Pro-
fitrate analysiert hat - so hört es auf, rätselhaft zu sein, daß
ihr die Lösung dieses Rätsels nie gelang.
Wir stellen absichtlich dies Gesetz dar, bevor wir das Auseinan-
derfallen des Profits in verschiedne gegeneinander verselbstän-
digte Kategorien darstellen. Die Unabhängigkeit dieser Darstel-
lung von der Spaltung des Profits in verschiedne Teile, die ver-
schiednen Kategorien von Personen zufallen, beweist von vornher-
ein die Unabhängigkeit des Gesetzes in seiner Allgemeinheit von
jener Spaltung und von den gegenseitigem Verhältnissen der daraus
entspringenden Profitkategorien. Der Profit, von dem wir hier
sprechen. ist nur ein andrer Name für den Mehrwert selbst, der
nur in Be ziehung zum Gesamtkapital dargestellt ist, statt in Be-
ziehung zum variablen Kapital, aus dem er entspringt. Der Fall
der Profitrate drückt also das fallende Verhältnis des Mehrwerts
selbst zum vorgeschoßnen Gesamtkapital aus und ist daher unabhän-
gig von jeder beliebigen Verteilung dieses Mehrwerts unter ver-
schiedne Kategorien. Man hat gesehn, daß auf einer Stufe der ka-
pitalistischen Entwicklung, wo die Zusammensetzung des Kapitals
c:v wie 50:100, eine Rate des Mehrwerts von 100% sich in einer
Profitrate von 66 2/3 % ausdrückt und daß auf einer höhern Stufe,
wo c:v wie 400:100, dieselbe Rate des Mehrwerts sich ausdrückt in
einer Profitrate von nur 20%. Was von verschiednen aufeinander-
folgenden Entwicklungsstufen in einem Land, gilt von verschiednen
gleichzeitig nebeneinander bestehenden Entwicklungsstufen in ver-
schiednen Ländern. In dem unentwickelten Land, wo die erstere Zu-
sammensetzung des Kapitals den Durchschnitt bildet, wäre die all-
gemeine Profitrate = 66 2/3 %, während sie in dem Land der zwei-
ten, viel höhern Entwicklungsstufe = 20% wäre.
Der Unterschied der beiden nationalen Profitraten könnte dadurch
verschwinden und selbst sich umkehren, daß in dem minder entwic-
kelten Land die Arbeit unproduktiver wäre, daher ein größres
Quantum Arbeit sich in einem geringem Quantum derselben Ware,
größrer Tauschwert in weniger Gebrauchswert sich darstellte, also
der Arbeiter einen größren Teil seiner Zeit zur Reproduktion sei-
ner eignen Subsistenzmittel oder ihres Werts und einen kleinern
zur Erzeugung von Mehrwert aufzuwenden hätte, weniger Mehrarbeit
lieferte, so daß die Rate des Mehrwerts niedriger wäre. Arbeitete
z.B. im minder fortgeschrittnen Land der Arbeiter 2/3 des Ar-
beitstags für sich selbst und 1/3 für den Kapitalisten, so würde
unter der
#225# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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Voraussetzung des obigen Beispiels dieselbe Arbeitskraft bezahlt
mit 133 1/3 und lieferte einen Überschuß von nur 66 2/3. Dem va-
riablen Kapital von 133 1/3 entspräche ein konstantes Kapital von
50. Die Mehrwertsrate betrüge also nun 133 1/3 : 66 2/3 = 50% und
die Profitrate 183 1/3 : 66 2/3 oder ungefähr 36 1/2 %.
Da wir bisher die verschiednen Bestandteile, worin sich der Pro-
fit spaltet, noch nicht untersucht haben, sie also noch nicht für
uns existieren, so wird folgendes nur zur Vermeidung von Mißver-
ständnissen im voraus bemerkt: Bei der Vergleichung von Ländern
verschiedner Entwicklungsstufen namentlich solcher von entwickel-
ter kapitalistischer Produktion und solcher, wo die Arbeit noch
nicht förmlich unter das Kapital subsumiert ist, obgleich der Ar-
beiter in Wirklichkeit vom Kapitalisten ausgebeutet wird (z. B.
in Indien, wo der Ryot als selbständiger Bauer wirtschaftet,
seine Produktion als solche also noch nicht unter das Kapital
subsumiert ist, obgleich der Wucherer ihm unter der Form des Zin-
ses nicht nur seine ganze Mehrarbeit, sondern selbst - kapitali-
stisch gesprochen - einen Teil seines Arbeitslohns abzwacken
mag), wäre es sehr falsch, wollte man etwa an der Höhe des natio-
nalen Zinsfußes die Höhe der nationalen Profitrate messen. In
jenem Zins ist der ganze Profit und mehr als der Profit einge-
schlossen, statt daß er nur, wie in Ländern entwickelter kapita-
listischer Produktion, einen aliquoten Teil des produzierten
Mehrwerts resp. Profits ausdrückte. Andrerseits ist hier der
Zinsfuß überwiegend bestimmt durch Verhältnisse (Vorschüsse der
Wucherer an die Großen, die Besitzer der Grundrente), die gar
nichts zu tun haben mit dem Profit, vielmehr nur darstellen, in
welchem Verhältnis der Wucher sich die Grundrente aneignet.
In Ländern von verschiedner Entwicklungsstufe der kapitalisti-
schen Produktion und daher von verschiedner organischer Zusammen-
setzung des Kapitals kann die Rate des Mehrwerts (der eine Fak-
tor, der die Profitrate bestimmt) höher stehn in dem Lande, wo
der normale Arbeitstag kürzer ist, als in dem, wo er länger. Er-
stens: Wenn der englische Arbeitstag von 10 Stunden seiner höhern
Intensität wegen gleich ist einem österreichischen Arbeitstag von
14 Stunden, können bei gleicher Teilung des Arbeitstags 5 Stunden
Mehrarbeit dort einen höhern Wert auf dem Weltmarkt darstellen
als 7 Stunden hier. Zweitens aber kann dort ein größrer Teil des
Arbeitstags Mehrarbeit bilden als hier.
Das Gesetz von der fallenden Rate des Profits, worin dieselbe
oder selbst eine steigende Rate des Mehrwerts sich ausdrückt,
heißt in andern Worten: irgendein bestimmtes Quantum des gesell-
schaftlichen Durchschnittskapitals, z.B. ein Kapital von 100 ge-
nommen, stellt sich ein stets größrer
#226# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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Teil desselben in Arbeitsmitteln und ein stets geringrer Teil
desselben in lebendiger Arbeit dar. Da also die Gesamtmasse der
den Produktionsmitteln zugesetzten lebendigen Arbeit fällt im
Verhältnis zum Wert dieser Produktionsmittel, so fällt auch die
unbezahlte Arbeit und der Wertteil, worin sie sich darstellt, im
Verhältnis zum Wert des vorgeschoßnen Gesamtkapitals. Oder: Ein
stets geringter aliquoter Teil des ausgelegten Gesamtkapitals
setzt sich in lebendige Arbeit um, und dies Gesamtkapital saugt
daher, im Verhältnis zu seiner Größe, immer weniger Mehrarbeit
auf, obgleich das Verhältnis des unbezahlten Teils der angewand-
ten Arbeit zum bezahlten Teil derselben gleichzeitig wachsen mag.
Die verhältnismäßige Abnahme des variablen und Zunahme des kon-
stanten Kapitals, obgleich beide Teile absolut wachsen, ist, wie
gesagt, nur ein andrer Ausdruck für die vermehrte Produktivität
der Arbeit.
Ein Kapital von 100 bestehe aus 80c + 20v letztre = 20 Arbeitern.
Die Rate des Mehrwerts sei 100%, d.h., die Arbeiter arbeiten den
halben Tag für sich, den halben Tag für den Kapitalisten. In ei-
nem minder entwickelten Land sei das Kapital = 20c + 80v und
diese letztren = 80 Arbeitern. Aber diese Arbeiter brauchen 2/3
des Arbeitstags für sich und arbeiten nur 1/3 für den Kapitali-
sten. Alles andre gleichgesetzt, produzieren die Arbeiter im er-
sten Fall einen Wert von 40, im zweiten von 120. Das erste Kapi-
tal produziert 80c + 20v + 20m = 120; Profitrate = 20%; das
zweite Kapital 20c + 80v + 40m = 140; Profitrate 40%. Sie ist
also im zweiten Fall noch einmal so groß wie im ersten, obgleich
im ersten Fall die Rate des Mehrwerts = 100%, doppelt so groß als
im zweiten, wo sie nur 50%. Dafür eignet sich aber ein gleich
großes Kapital im ersten Fall die Mehrarbeit von nur 20 und im
zweiten von 80 Arbeitern an.
Das Gesetz des fortschreitenden Falls der Profitrate oder der re-
lativen Abnahme der angeeigneten Mehrarbeit im Vergleich mit der
von der lebendigen Arbeit in Bewegung gesetzten Masse vergegen-
ständlichter Arbeit schließt in keiner Weise aus, daß die abso-
lute Masse der vom gesellschaftlichen Kapital in Bewegung gesetz-
ten und exploitierten Arbeit, daher auch die absolute Masse der
von ihm angeeigneten Mehrarbeit wächst; ebensowenig, daß die un-
ter dem Kommando der einzelnen Kapitalisten stehenden Kapitale
eine wachsende Masse von Arbeit und daher von Mehrarbeit komman-
dieren, letztre selbst, wenn die Anzahl der von ihnen kommandier-
ten Arbeiter nicht wächst.
Nimmt man eine gegebne Arbeiterbevölkerung, z.B. von zwei Millio-
nen, nimmt man ferner, als gegeben, Länge und Intensität des
Durchschnittsarbeitstags sowie den Arbeitslohn und damit das Ver-
hältnis zwischen notwendiger
#227# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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und Mehrarbeit, so produziert die Gesamtarbeit dieser zwei Mil-
lionen und ebenso ihre Mehrarbeit, die sich in Mehrwert dar-
stellt, stets dieselbe Wertgröße. Aber es fällt mit der wachsen-
den Masse des konstanten - fixen und zirkulierenden - Kapitals,
das diese Arbeit in Bewegung setzt, das Verhältnis dieser Wert-
größe zum Wert dieses Kapitals, der mit seiner Masse, wenn auch
nicht im selben Verhältnis, wächst. Dies Verhältnis und daher die
Profitrate fällt, obgleich nach wie vor dieselbe Masse lebendiger
Arbeit kommandiert und dieselbe Masse Mehrarbeit vom Kapital auf-
gesaugt wird. Das Verhältnis ändert sich, nicht weil die Masse
der lebendigen Arbeit fällt, sondern weil die Masse der von ihr
in Bewegung gesetzten bereits vergegenständlichten Arbeit steigt.
Die Abnahme ist relativ, nicht absolut, und hat in der Tat mit
der absoluten Größe der in Bewegung gesetzten Arbeit und Mehrar-
beit nichts zu schaffen. Der Fall der Profitrate entsteht nicht
aus einer absoluten, sondern aus einer nur relativen Abnahme des
variablen Bestandteils des Gesamtkapitals, aus ihrer Abnahme,
verglichen mit dem konstanten Bestandteil.
Dasselbe nun, was von einer gegebnen Arbeitsmasse und Mehrar-
beitsmasse, gilt von einer wachsenden Arbeiteranzahl und daher,
unter den gegebnen Voraussetzungen, von einer wachsenden Masse
der kommandierten Arbeit überhaupt und ihres unbezahlten Teils,
der Mehrarbeit, insbesondre. Wenn die Arbeiterbevölkerung von
zwei auf drei Millionen steigt, wenn das ihr in Arbeitslohn aus-
gezahlte variable Kapital ebenfalls, früher zwei, jetzt drei Mil-
lionen ist und dagegen das konstante Kapital von 4 auf 15 Millio-
nen steigt, so wächst unter den gegebnen Voraussetzungen
(konstanter Arbeitstag und konstante Mehrwertsrate) die Masse der
Mehrarbeit, des Mehrwerts um die Hälfte, um 50%, von 2 Millionen
auf 3. Nichtsdestoweniger, trotz dieses Wachstums der absoluten
Masse der Mehrarbeit und daher des Mehrwerts um 50%, würde das
Verhältnis des variablen Kapitals zum konstanten von 2:4 fallen
auf 3:15 und das Verhältnis des Mehrwerts zum Gesamtkapital sich
stellen wie folgt (in Millionen):
I. 4c + 2v + 2m; C = 6, p' = 33 1/3 %.
II. 15 + 3v + 3m; C = 18, p' = 16 2/3 %.
Während die Mehrwertsmasse um die Hälfte gestiegen, ist die Pro-
fitrate auf die Hälfte der früheren gefallen. Der Profit ist aber
nur der auf das Gesellschaftskapital berechnete Mehrwert, und die
Masse des Profits, seine absolute Größe, ist daher, gesellschaft-
lich betrachtet, gleich der absoluten Größe des Mehrwerts. Die
absolute Größe des Profits, seine Gesamtmasse, wäre also um 50%
gewachsen trotz enorrner Abnahme im Verhältnis dieser
#228# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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Profitmasse zum vorgescheßnen Gesamtkapital oder trotz der enor-
men Abnahme in der allgemeinen Profitrate. Die Anzahl der vom Ka-
pital angewandten Arbeiter, also die absolute Masse der von ihm
in Bewegung gesetzten Arbeit, daher die absolute Masse der von
ihm aufgesaugten Mehrarbeit, daher die Masse des von ihm produ-
zierten Mehrwerts, daher die absolute Masse des von ihm produ-
zierten Profits k a n n also wachsen, und progressiv wachsen,
trotz des progressiven Falls der Profitrate. Dies k a n n nicht
nur der Fall sein. Es m u ß der Fall sein - vorübergehende
Schwankungen abgerechnet - auf Basis der kapitalistischen Produk-
tion.
Der kapitalistische Produktionsprozeß ist wesentlich zugleich Ak-
kumulationsprozeß. Man hat gezeigt, wie im Fortschritt der kapi-
talistischen Produktion die Wertmasse, die einfach reproduziert,
erhalten werden muß, mit der Steigerung der Produktivität der Ar-
beit steigt und wächst, selbst wenn die angewandte Arbeitskraft
konstant bliebe. Aber mit der Entwicklung der gesellschaftlichen
Produktivkraft der Arbeit wächst noch mehr die Masse der produ-
zierten Gebrauchswerte, wovon die Produktionsmittel einen Teil
bilden. Und die zusätzliche Arbeit, durch deren Aneignung dieser
zusätzliche Reichtum in Kapital rückverwandelt werden kann, hängt
nicht ab vom Wert, sondern von der Masse dieser Produktionsmittel
(Lebensmittel eingeschlossen), da der Arbeiter im Arbeitsprozeß
nicht mit dem Wert, sondern mit dem Gebrauchswert der Produkti-
onsmittel zu tun hat. Die Akkumulation selbst, und die mit ihr
gegebne Konzentration des Kapitals, ist aber selbst ein materiel-
les Mittel der Steigerung der Produktivkraft. In diesem Wachstum
der Produktionsmittel ist aber eingeschlossen das Wachstum der
Aiterbevölkerung, die Schöpfung einer dem Surpluskapital entspre-
chenden und sogar seine Bedürfnisse im ganzen und großen stets
überflutenden Bevölkerung, und daher Überbevölkerung, von Arbei-
tern. Ein momentaner Überschuß des Surpluskapitals über die von
ihm kommandierte Arbeiterbevölkerung würde in doppelter Weise
wirken. Er würde einerseits durch Steigerung des Arbeitslohns,
daher Milderung der den Nachwuchs der Arbeiter dezimlerenden,
vernichtenden Einflüsse und Erleichterung der Heiraten die Arbei-
terbevölkerung allmählich vermehren, andrerseits aber durch An-
wendung der Methoden, die den relativen Mehrwert schaffen
(Einführung und Verbesserung von Maschinerie) noch weit rascher
eine künstliche, relative Übervölkerung schaffen, die ihrerseits
wieder - da in der kapitalistischen Produktion das Elend Bevölke-
rung erzeugt - das Treibhaus einer wirklichen raschen Vermehrung
der Volkszahl ist. Aus der Natur des kapitalistischen Akkumulati-
onsprozesses - der nur ein Moment des kapitalistischen Produkti-
onsprozesses ist - folgt daher von
#229# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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selbst, daß die gesteigerte Masse der Produktionsmittel, die be-
stimmt sind, in Kapital verwandelt zu werden, eine entsprechend
gesteigerte und selbst überschüssige, explotierbare Arbeiterbe-
völkerung stets zur Hand findet. Im Fortschritt des Produktions-
und Akkumulationsprozesses m u ß also die Masse der aneignungs-
fähigen und angeeigneten Mehrarbeit und daher die absolute Masse
des vom Gesellschaftskapital angeeigneten Profits wachsen. Aber
dieselben Gesetze der Produktion und Akkumulation der steigern,
mit Masse, den Wert des konstanten Kapitals in zunehmender Pro-
gression rascher als den des variablen, gegen lebendige Arbeit
umgesetzten Kapitalteils. Dieselben Gesetze produzieren also für
das Gesellschaftskapital eine wachsende absolute Profitmasse und
eine fallende Profitrate.
Es wird hier ganz davon abgesehn, daß dieselbe Wertgröße, im
Fortschritt der kapitalistischen Produktion und der ihr entspre-
chenden Entwicklung der Produktivkraft der gesellschaftlichen Ar-
beit und Vervielfältigung der Produktionszweige und daher Pro-
dukte, eine fortschreitend steigende Masse von Gebrauchswerten
und Genüssen darstellt.
Der Entwicklungsgang der kapitalistischen Produktion und Akkumu-
lation bedingt Arbeitsprozesse auf steigend größrer Stufenleiter
und damit steigend großem Dimensionen und dementsprechend stei-
gende Kapitalvorschüsse für jedes einzelne Etablissement. Wach-
sende Konzentration der Kapitale (begleitet zugleich, doch in ge-
ringrem Maß, von wachsender Zahl der Kapitalisten) ist daher
sowohl eine ihrer materiellen Bedingungen wie eins der von ihr
selbst produzierten Resultate. Hand in Hand, in Wechselwirkung
damit, geht fortschreitende Expropriation der mehr oder minder
unmittelbaren Produzenten. So versteht es sich für die einzelnen
Kapitalisten, daß sie über wachsend große Arbeiterarmeen komman-
dieren (sosehr auch für sie das variable im Verhältnis zum kon-
stanten Kapital fällt), daß die Masse des von ihnen angeeigneten
Mehrwerts und daher Profits wächst, gleichzeitig mit und trotz
dem Fall in der Profitrate. Dieselben Ursachen, die Massen von
Arbeiterarmeen unter dem Kommando einzelner Kapitalisten konzen-
trieren, sind es ja grade, die auch die Masse des angewandten fi-
xen Kapitals wie der Roh- und Hilfsstofte in wachsender Propor-
tion anschwellen gegenüber der Masse der angewandten lebendigen
Arbeit.
Es bedarf ferner hier nur der Erwähnung, daß bei gegebner Arbei-
terbevölkerung, wenn die Mehrwertsrate wächst, sei es durch Ver-
längerung oder Intensifikation des Arbeitstags, sei es durch
Wertsenkung des Arbeitslohns infolge der Entwicklung der Produk-
tivkraft der Arbeit, die Masse des Mehrwerts und daher die abso-
lute Profitmasse wachsen muß, trotz der relativen Verminderung
des variablen Kapitals im Verhältnis zum konstanten.
#230# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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Dieselbe Entwicklung der Produktivkraft der gesellschaftlichen
Arbeit, dieselben Gesetze, welche im relativen Fall des variablen
Kapitals gegen das Gesamtkapital und der damit beschleunigten Ak-
kumulation sich darstellen, während andrerseits die Akkumulation
rückwirkend Ausgangspunkt weitrer Entwicklung der Produktivkraft
und weitrer relativer Abnahme des variablen Kapitals wird, die-
selbe Entwicklung drückt sich, von zeitweiligen Schwankungen ab-
gesehn, aus in der steigenden Zunahme der angewandten Gesamtar-
beitskraft, im steigenden Wachstum der absoluten Masse des Mehr-
werts und daher des Profits.
In welcher Form nun muß dies zwieschlächtige Gesetz der aus den-
selben Ursachen entspringenden Abnahme der Profitrate und gleich-
zeitiger Zunahme der absoluten Profitmasw sich darstellen? Ein
Gesetz, darauf begandet, daß unter den gegebnen Bedingungen die
angeeignete Masse der Mehrarbeit und daher des Mehrwerts wächst
und daß, das Gesamtkap'tal betrachtet oder das einzelne Kapital
als bloßes Stück des Gesamtkapitals betrachtet, Profit und Mehr-
wert identische Größen sind?
Nehmen wir den aliquoten Teil des Kapitals, auf den wir die Pro-
fitrate berechnen, z.B. 100. Diese 100 stellen die Durchschnitts-
zusammensetzung des Gesamtkapitals vor, sage 80c + 20v. Wir haben
im zweiten Abschnitt dieses Buchs gesehn, wie die Durch-
schnittsprofitrate in den verschiednen Produktionszweigen nicht
durch die, einem jeden besondre, Zusammensetzung des Kapitals,
sondern durch seine gesellschaftliche Durchschnittszusammenset-
zung bestimmt wird. Mit relativer Abnahme des variablen Teils ge-
gen den konstanten, und daher gegen das Gesamtkapital von 100,
fällt die Profitrate bei gleichbleibendem und selbst steigendem
Exploitationsgrad der Arbeit, fällt die relative Größe des Mehr-
werts, d.h. sein Verhältnis zum Wert des vorgeschoßnen Gesamtka-
pitals von 100. Aber nicht nur diese relative Größe sinkt. Die
Größe des Mehrwerts oder Profits, den das Gesamtkapital von 100
aufsaugt, fällt absolut. Bei einer Mehrwertstate von 100% produ-
ziert ein Kapital von 60c + 40v eine Mehrwerts- und daher Profit-
masse von 40; ein Kapital von 70c + 30v eine Profitmasse von 30;
bei einem Kapital von 80c + 20v fällt der Profit auf 20. Dies
Fallen bezieht sich auf die Masse des Mehrwerts und daher des
Profits, und folgt daher, daß, weil das Gesamtkapital von 100 we-
niger lebendige Arbeit überhaupt, es bei gleichbleibendem Ex-
ploitationsgrad auch weniger Mehrarbeit in Bewegung setzt und da-
her weniger Mehrwert produziert. Irgendeinen aliquoten Teil des
gesellschaftlichen Kapitals, also des Kapitals von gesellschaft-
licher Durchschnittszusammensetzung, als Maßeinheit genommen, wo-
ran wir den Mehrwert messen - und dies geschieht bei aller
#231# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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Profitberechnung -, ist überhaupt relatives Fallen des Mehrwerts
und sein absolutes Fallen identisch. Die Profitrate sinkt in den
obigen Fällen von 40% auf 30% und auf 20%, weil in der Tat die
vom selben Kapital produzierte Masse Mehrwert, und daher Profit,
absolut fällt von 40 auf 30 und auf 20. Da die Wertgröße des Ka-
pitals, woran der Mehrwert gemessen wird, gegeben, = 100 ist,
kann ein Fallen der Proportion des Mehrwerts zu dieser gleich-
bleibenden Größe nur ein andrer Ausdruck sein für die Abnahme der
absoluten Größe des Mehrwerts und Profits. Dies ist in der Tat
eine Tautologie. Daß aber diese Verminderung eintritt, geht aus
der Natur der Entwicklung des kapitalistischen Produktionsprozes-
ses, wie bewiesen wurde, hervor. Andrerseits aber bringen diesel-
ben Ursachen, die eine absolute Abnahme des Mehrwerts und daher
Profits auf ein gegebnes Kapital und daher auch der nach Prozen-
ten berechneten Profitrate erzeugen, ein Wachstum in der absolu-
ten Masse des vom Geselischaftskapital (d.h. von der Gesamtheit
der Kapitalisten) angeeigneten Mehrwerts und daher Profits her-
vor. Wie muß sich dies nun darstellen, wie kann es sich allein
darstellen, oder welche Bedingungen sind eingeschlossen in diesen
scheinbaren Widerspruch?
Wenn je ein aliquoter Teil = 100 des gesellschaftlichen Kapitals,
und daher je 100 Kapital von gesellschaftlicher Durchschnittszu-
sammensetzung, eine gegebne Größe ist, und daher für sie Abnahme
der Profitrate zusammenfällt mit Abnahme der absoluten Größe des
Profits, eben weil hier das Kapital, woran sie gemessen werden,
eine konstante Größe ist, so ist dagegen die Größe des gesell-
schaftlichen Gesamtkapitals, wie des in den Händen einzelner Ka-
pitalisten befindlichen Kapitals, eine variable Größe, die, um
den vorausgesetzten Bedingungen zu entsprechen, variieren muß im
umgekehrten Verhältnis zur Abnahme ihres variablen Teils. Als im
frühern Beispiel die Zusammensetzung prozentig 60c + 40v war der
Mehrwert oder Profit darauf 40 und daher die Profitrate 40% Ange-
nommen, auf dieser Stufe der Zusammensetzung sei das Gesamtkapi-
tal eine Million gewesen. So betrug der Gesamtmehrwert und daher
der Gesamtprofit 400 000. Wenn nun später die Zusammensetzung =
80c + 20v, so ist der Mehrwert oder Profit, bei gleichbleibendem
Exploitationsgrad der Arbeit, auf je 100 = 20. Da aber der Mehr-
wert oder Profit der absoluten Masse nach, wie nachgewiesen,
wächst, trotz dieser abnehmenden Profitrate oder abnehmenden Er-
zeugung von Mehrwert durch ein Kapital von je 100, z.B. wächst,
sagen wir von 400 000 auf 440 000, so ist das nur dadurch mög-
lich, daß das Gesamtkapital, das sich gleichzeitig mit dieser
#232# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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neuen Zusammensetzung gebildet hat, gewachsen ist auf 2 200 000.
Die Masse des in Bewegung gesetzten Gesamtkapitals ist gestiegen
auf 1*) 220%, während die Profitrate um 50% gefallen ist. Hätte
sich das Kapital nur verdoppelt, so hätte es zur Profitrate von
20% nur dieselbe Masse von Mehrwert und Profit erzeugen können
wie das alte Kapital von 1 000 000 zu 40%. Wäre es aufweniger als
das Doppelte gewachsen, so hätte es weniger Mehrwert oder Profit
produziert als früher das Kapital von 1 000 000, das bei seiner
frühern Zusammensetzung, um seinen Mehrwert von 400 000 auf
440 000 zu steigern, nur zu wachsen brauchte von 1 000 000 auf
1 100 000.
Es zeigt sich hier das schon früher 2*) entwickelte Gesetz, daß
mit der relativen Abnahme des variablen Kapitals, also der Ent-
wicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit eine
wachsend größre Masse Gesamtkapital nötig ist, um dieselbe Menge
Arbeitskraft in Bewegung zu setzen und dieselbe Masse Mehrarbeit
einzusaugen. Im selben Verhältnis daher, wie sich die kapitali-
stische Produktion entwickelt, entwickelt sich die Möglichkeit
einer relativ überzähligen Arbeiterbevölkerung, nicht weil die
Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit a b n i m m t,
sondern weil sie z u n i m m t, also nicht aus einem absoluten
Mißverhältnis zwischen Arbeit und Existenzmitteln oder Mitteln
zur Produktion dieser Existenzmittel, sondern aus einem Mißver-
hältnis, entspringend aus der kapitalistischen Exploitation der
Arbeit, dem Mißverhältnis zwischen dem steigenden Wachstum des
Kapitals und seinem relativ abnehmenden Bedürfnis nach wachsender
Bevölkerung.
Fällt die Profitrate um 50%, so fällt sie um die Hälfte. Soll da-
her die Masse des Profits gleichbleiben, so muß das Kapital sich
verdoppeln. Damit die Profitmasse bei abnehmender Profitrate
gleichbleiben muß der Multiplikator, der das Wachstum des Gesamt-
kapitals anzeigt, gleich sein dem Divisor, der das Fallen der
Profitrate anzeigt. Wenn die Profitrate von 40 auf 20 fällt, muß
das Gesamtkapital umgekehrt im Verhältnis von 20:40 steigen, da-
mit das Resultat dasselbe bleibe. Wäre die Profitrate gefallen
von 40 auf 8, so müßte das Kapital wachsen im Verhältnis von
8:40, d.h. auf das Fünffache. Ein Kapital von 1 000 000 zu 40%
produziert 400 000 und ein Kapital von 5 000 000 zu 8% produziert
ebenfalls 400 000. Dies gilt, damit das Resultat dasselbe bleibe.
Soll es dagegen wachsen, so muß das Kapital in größrer Proportion
wachsen, als die Profitrate fällt. In andren Worten: Damit der
variable Bestandteil des Gesamtkapitals nicht nur absolut der-
selbe bleibe, sondern absolut wachse, obgleich sein Prozentsatz
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1*) 1. Auflage: um - 2*) siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 652,
673/674
#233# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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als Teil des Gesamtkapitals fällt, muß das Gesamtkapital in stär-
krem Verhältnis wachsen, als der Prozentsatz des variablen Kapi-
tals fällt. Es muß so sehr wachsen, daß es in seiner neuen Zusam-
mensetzung nicht nur den alten variablen Kapitalteil, sondern
noch mehr als diesen zum Ankauf von Arbeitskraft bedarf. Fällt
der variable Teil eines Kapitals = 100 von 40 auf 20, so muß das
Gesamtkapital auf mehr als 200 steigen, um ein größres variables
Kapital als 40 verwenden zu können.
Selbst wenn die exploitierte Masse der Arbeiterbevölkerung kon-
stant bliebe und nur Länge und Intensität des Arbeitstags sich
vermehrten, so müßte die Masse des angewandten Kapitals steigen,
da sie sogar steigen muß, um dieselbe Masse Arbeit unter den al-
ten Exploitationsverhältnissen bei veränderter Kapitalzusammen-
setzung anzuwenden.
Also dieselbe Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft
der Arbeit drückt sich im Fortschritt der kapitalistischen Pro-
duktionsweise aus einerseits in einer Tendenz zu fortschreitendem
Fall der Profitrate und andterseits in beständigem Wachstum der
absoluten Masse des angeeigneten Mehrwerts oder Profits; so daß
im ganzen der relativen Abnahme des variablen Kapitals und Pro-
fits eine absolute Zunahme beider entspricht. Diese doppelseitige
Wirkung kann sich, wie gezeigt, nur darstellen in einem Wachstum
des Gesamtkapitals in rascherer Progression als die, worin die
Profitrate fällt. Um ein absolut angewachsnes variables Kapital
bei höherer Zusammensetzung oder relativer stärkerer Zunahme des
konstanten Kapitals anzuwenden, muß das Gesamtkapital nicht nur
im Verhältnis der höhern Komposition wachsen, sondern noch ra-
scher. Es folgt hieraus, daß, je mehr die kapitalistische Produk-
tionsweise sich entwickelt, eine immer größre Kapitalmenge nötig
ist, um dieselbe und mehr noch eine wachsende Arbeitskraft zu be-
schäftigen. Die steigende Produktivkraft der Arbeit erzeugt also,
auf kapitalistischer Grundlage, mit Notwendigkeit eine permanente
scheinbare Arbeiterübervölkerung. Bildet das variable Kapital nur
des Gesamtkapitals statt früher 1/2, so muß, um dieselbe Arbeits-
kraft zu beschäftigen, das Gesamtkapital sich verdreifachen; soll
aber die doppelte Arbeitskraft beschäftigt werden, so muß es sich
versechsfachen.
Die bisherige Ökonomie, die das Gesetz der fallenden Profitrate
nicht zu erklären wußte, bringt die steigende Profitmasse, das
Wachstum der absoluten Größe des Profits, sei es für den einzel-
nen Kapitalisten, sei es für das Gesellschaftskapital, als eine
Art Trostgrund bei, der aber auch auf bloßen Gemeinplätzen und
Möglichkeiten beruht.
Daß die Masse des Profits durch zwei Faktoren bestimmt ist, er-
stens durch die Profitrate und zweitens durch die Masse des Kapi-
tals, das zu
#234# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
-----
dieser Profitrate angewandt wird, ist nur Tautologie. Daß der
Möglichkeit nach daher die Profitmasse wachsen kann, trotzdem die
Profitrate gleichzeitig fällt, ist nur ein Ausdruck dieser Tauto-
logie, hilft keinen Schritt weiter, da es ebenso möglich ist, daß
das Kapital wächst, ohne daß die Profitmasse wächst, und daß es
sogar noch wachsen kann, während sie fällt. 100 zu 25% gibt 25,
400 zu 5% gibt nur 20. 35) Wenn aber dieselben Ursachen, die die
Profitrate fallen machen, die Akkumulation, d.h. die Bildung von
zusätzlichem Kapital fördern und wenn jedes zusätzliche Kapital
zusätzliche Arbeit in Bewegung setzt und zusätzlichen Mehrwert
produziert; wenn andrerseits das bloße Sinken der Profitrate die
Tatsache einschließt, daß das konstante Kapital und damit das ge-
samte alte Kapital gewachsen ist, so hört dieser ganze Prozeß
auf, mysteriös zu sein. Man wird später sehn, zu welchen absicht-
lichen Rechnungsfälschungen Zuflucht genommen wird, um die Mög-
lichkeit der Zunahme der Profitmasse zugleich mit Abnahme der
Profitrate wegzuschwindeln.
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35) "Wir sollten gleichfalls erwarten, daß - wenn sich auch die
Profitrate des Kapitals infolge der zusätzlichen Anlage von Kapi-
tal auf dem Boden und des Steigens der Löhne verringert - doch
die Gesamtsumme der Profite wächst. Angenommen nun, daß bei wie-
derholten Kapitalzugängen von 100 000 Pfd.St. die Profitrate von
20 auf 19, auf 18, auf 17 Prozent fiele, sich also eine ständig
fallende Rate ergäbe; man sollte erwarten, daß die Profitsumme,
die jene einander folgenden Kapitalbesitzer erhalten, immer
stiege, daß sie größer sein wurde, wenn das Kapital 200 000
Pfd.St. als wenn es 100 000 Pfd.St. beträgt, und noch größer,
wenn es 300 000 Pfd.St. ausmacht, und so weiter, trotz verminder-
ter Rate mit jeder Steigerung des Kapitals wachsend. Diese Pro-
gression stimmt jedoch nur für eine gewisse Zeit. So ist 19 Pro-
zent von 200 000 Pfd.St. mehr als 20 Prozent von 100 000Pfd.St.,
18 Prozent von 300 000 Pfd.St. ist wieder mehr als 19 Prozent von
200 000 Pfd.St. Aber nachdem das Kapital zu einer großen Summe
angewachsen ist und die Profite gefallen sind, vermindert die
weitere Akkumulation die Gesamtsumme des Profits. Angenommen
also, die Akkumulation wurde 1 000 000 Pfd.St. und der Profit 7
Prozent betragen, so wird die Gesamtsumme des Profits 70 000
Pfd.St. ausmachen. Wenn jetzt zu der Million eine Vermehrung von
100 000 Pfd.St. Kapital hinzukäme und der Profit auf 6 Prozent
fiele, dann würden die Kapitalbesitzer 66 000 Pfd.St. erhalten,
eine Verminderung von 4000 Pfd.St., obwohl die Gesamtsumme des
Kapitals von 1 000 000 Pfd. St. auf 1 100 000 Pfd.St. angestiegen
wäre." Ricardo, "Pol. Econ.", chapt. VII ("Works", ed. Mac-
Culloch, 1852, p. 68, 69). In der Tat ist hier angenommen, daß
das Kapital wächst von 1 000 000 auf 1 100 000, also um 10%, wäh-
rend die Profitrate fällt von 7 auf 6, also um 14 2/7 %. Hinc il-
lae la crimae. [36]
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1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe. 2. Teil, S. 435-466, 541-543
#235# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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Wir haben gezeigt, wie dieselben Ursachen, welche einen tenden-
ziellen Fall der allgemeinen Profitrate produzieren, eine be-
schleunigte Akkumulation des Kapitals und daher Wachstum in der
absoluten Größe oder Gesamtmasse der von ihm angeeigneten Mehrar-
beit (Mehrwert, Profit) bedingen. Wie alles in der Konkurrenz und
daher im Bewußtsein der Agenten der Konkurrenz sich verkehrt dar-
stellt, so auch dies Gesetz, ich meine dieser innere und notwen-
dige Zusammenhang zwischen zwei scheinbar sich widersprechenden.
Es ist sichtbar, daß innerhalb der oben entwickelten Proportionen
ein Kapitalist, der über großes Kapital verfügt, mehr Profitmasse
macht, als ein kleiner Kapitalist, der scheinbar hohe Profite
macht. Die oberflächlichste Betrachtung der Konkurrenz zeigt fer-
ner, daß unter gewissen Umständen, wenn der größre Kapitalist
sich Raum auf dem Markt schaffen, die kleineren verdrängen will,
wie in Zeiten der Krise, er dies praktisch benutzt, d.h. seine
Profitrate absichtlich heruntersetzt, um die kleineren aus dem
Feld zu schlagen. Namentlich auch das Kaufmannskapital, worüber
später Näheres, zeigt Phänomene, welche das Sinken des Profits
als Folge der Ausdehnung des Geschäfts und damit des Kapitals er-
scheinen lassen. Den eigentlich wissenschaftlichen Ausdruck für
die falsche Auffassung geben wir später. Ähnliche oberflächliche
Betrachtungen ergeben sich aus Vergleich der Profitraten, die in
besondren Geschäftszweigen gemacht werden, je nachdem sie dem Re-
gime der freien Konkurrenz oder des Monopols unterworfen sind.
Die ganze flache Vorstellung, wie sie in den Köpfen der Konkur-
renzagenten lebt, findet sich bei unserm Roscher, nämlich, daß
diese Herabsetzung der Profitrate "klüger und menschlicher" sei.
[37] Die Abnahme der Profitrate erscheint hier als F o l g e
der Zunahme des Kapitals und der damit verbundnen Berechnung der
Kapitalisten, daß bei kleinerer Profitrate die von ihnen einge-
steckte Profitmasse größer sein werde. Das ganze (ausgenommen bei
A. Smith, worüber später 1*)) beruht auf gänzlicher Begriffslo-
sigkeit über das, was die allgemeine Profitrate überhaupt ist,
und auf der kruden Vorstellung, daß die Preise in der Tat be-
stimmt werden durch Zuschlag eines mehr oder weniger willkürli-
chen Profitquotums über den wirklichen Wert der Waren hinaus.
Krud wie diese Vorstellungen sind, entspringen sie doch mit Not-
wendigkeit aus der verkehrten Art und Weise, worin die immanenten
Gesetze der kapitalistischen Produktion innerhalb der Konkurrenz
sich darstellen.
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1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 2. Teil, S. 214-228
#236# III. Absschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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Das Gesetz, daß der durch Entwicklung der Produktivkraft verur-
sachte Fall der Profitrate begleitet ist von einer Zunahme in der
Profitmasse, drückt sich auch darin aus, daß der Fall im Preis
der vom Kapital produzierten Waren begleitet ist von einer rela-
tiven Steigerung der in ihnen enthaltnen und durch ihren Verkauf
realisierten Profitmassen.
Da die Entwicklung der Produktivkraft und die ihr entsprechende
höhere Zusammensetzung des Kapitals ein stets größres Quantum
Produktionsmittel durch ein stets geringres Quantum Arbeit in Be-
wegung setzt, absorbiert jeder aliquote Teil des Gesamtprodukts,
jede einzelne Ware oder jedes bestimmte einzelne Warenmaß der
produzierten Gesamtmasse weniger lebendige Arbeit und enthält
ferner weniger vergegenständlichte Arbeit, sowohl im Verschleiß
des angewandten fixen Kapitals wie in den verbrauchten Roh- und
Hilfsstoffen. Jede einzelne Ware enthält also eine geringere
Summe von in Produktionsmitteln vergegenständlichter und während
der Produktion neu zugesetzter Arbeit. Der Preis der einzelnen
Ware fällt daher. Die Profitmasse, die in der einzelnen Ware ent-
halten ist, kann trotzdem zunehmen, wenn die Rate des absoluten
oder relativen Mehrwerts wächst. Sie enthält weniger neu zuge-
setzte Arbeit, aber der unbezahlte Teil derselben wächst gegen
den bezahlten Teil. Doch ist dies nur innerhalb bestimmter
Schranken der Fall. Mit der im Lauf der Produktionsentwicklung
enorm gesteigerten absoluten Abnahme der Summe der, in der ein-
zelnen Ware neu zugesetzten, lebendigen Arbeit wird auch die
Masse der in ihr enthaltnen unbezahlten Arbeit absolut abnehmen,
wie sehr sie auch relativ gewachsen sei, im Verhältnis nämlich
zum bezahlten Teil. Die Profitmasse auf jede einzelne Ware wird
sich sehr vermindern mit der Entwicklung der Produktivkraft der
Arbeit, trotz des Wachstums der Mehrwertsrate; und diese Vermin-
derung, ganz wie der Fall der Profitrate, wird nur verlangsamt
durch die Verwohlfeilerung der Elemente des konstanten Kapitals
und die andren im ersten Abschnitt dieses Buchs aufgeführten Um-
stände, die die Profitrate erhöhen bei gegebner und selbst bei
sinkender Rate des Mehrwerts.
Daß der Preis der einzelnen Waren fällt, aus deren Summe das Ge-
samtprodukt des Kapitals besteht, heißt weiter nichts, als daß
sich ein gegebnes Quantum Arbeit in einer größren Masse Waren re-
alisiert, jede einzelne Ware also weniger Arbeit als früher ent-
hält. Dies ist der Fall, selbst wenn der Preis des einen Teils
des konstanten Kapitals, Rohstoff etc. steigt. Mit Ausnahme ein-
zelner Fälle (z.B. wenn die Produktivkraft der Arbeit gleichmäßig
alle Elemente des konstanten wie des variablen Kapitals verwohl-
feilert) wird die Profitrate sinken, trotz der erhöhten Rate des
Mehrwerts,
#237# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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1. weil selbst ein größrer unbezahlter Teil der geringren Gesamt-
summe der neu zugesetzten Arbeit kleiner ist, als ein geringrer
aliquoter unbezahlter Teil der größren Gesamtsumme war, und 2.
weil die höhere Zusammensetzung des Kapitals in der einzelnen
Ware sich darin ausdrückt, daß der Wertteil derselben, worin
überhaupt neu zugesetzte Arbeit sich darstellt, fällt gegen den
Wertteil, der sich darstellt in Rohstoff, Hilfsstoff und Ver-
schleiß des fixen Kapitals. Dieser Wechsel im Verhältnis der ver-
schiednen Bestandteile des Preises der einzelnen Ware, die Ab-
nahme des Preisteils, worin sich neu zugesetzte lebendige Arbeit,
und die Zunahme der Preisteile, worin sich früher vergegenständ-
lichte Arbeit darstellt - ist die Form, worin sich im Preis der
einzelnen Ware die Abnahme des variablen Kapitals gegen das kon-
stante ausdrückt. Wie diese Abnahme absolut ist für ein gegebnes
Maß des Kapitals, z.B. 100, so ist sie auch absolut für Jede ein-
zelne Ware als aliquoten Teil des reproduzierten Kapitals. Doch
würde die Profitrate, wenn nur auf die Preiselemente der einzel-
nen Ware berechnet, sich anders darstellen als sie wirklich ist.
Und zwar aus folgendem Grund:
{Die Profitrate wird berechnet auf das angewandte Gesamtkapital,
aber für eine bestimmte Zeit, tatsächlich ein Jahr. Das Verhält-
nis des in einem Jahr gemachten und realisierten Mehrwerts oder
Profits zum Gesamtkapital, prozentig berechnet, ist die Pro-
fitrate. Sie ist also nicht notwendig gleich mit einer Pro-
fitrate, bei der nicht das Jahr, sondern die Umschlagsperiode des
fraglichen Kapitals der Berechnung zugrunde gelegt wird; nur wenn
dies Kapital gerade einmal im Jahr umschlägt, fallen beide zusam-
men. Andrerseits ist der im Lauf eines Jahrs gemachte Profit nur
die Summe der Profite auf die im auf desselben Jahres produzier-
ten und verkauften Waren. Berechnen wir nun den Profit auf den
Kostpreis der Waren, so erhalten wir eine Profitrate = p/k wo p
der im Lauf des Jahres realisierte Profit und k die Summe der
Kostpreise der in derselben Zeit produzierten und verkauften Wa-
ren ist. Es ist augenscheinlich, daß diese Profitrate p/k nur
dann mit der wirklichen Profitrate p/C, Profitmasse dividiert
durch das Gesamtkapital, zusammenfallen kann, wenn k = C, d.h.,
wenn das Kapital genau einmal im Jahr umschlägt.
Nehmen wir drei verschiedne Zustände eines industriellen Kapi-
tals.
I. Das Kapital von 8000 Pfd.St. produziert und verkauft jährlich
5000 Stück Ware, das Stück zu 30 sh., hat also einen Jahresum-
schlag von 7500 Pfd.St. Es macht auf jedesstück Ware einen Profit
von 10 sh. = 2500 Pfd.St. jährlich. In jedem Stück stecken also
20 sh. Kapitalvorschuß und 10 sh.
#238# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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Profit, also ist die Profitrate per Stück 10/20 = 50%. Auf die
umgeschlagne Summe von 7500 Pfd.St. kommen 5000 Pfd.St. Kapital-
vorschuß und 2500 Pfd.St. Profit; Profitrate auf den Umschlag,
p/k, ebenfalls = 50%. Dagegen auf das Gesamtkapital berechnet ist
die Profitrate p/C = 2500/8000 = 31 1/4 %.
II. Das Kapital steige auf 10 000 Pfd. St. Infolge vermehrter
Produktivkraft der Arbeit sei es befähigt, jährlich 10 000 Stück
Ware zum Kostpreis von je 20 sh. zu produzieren. Es verkaufe sie
mit 4 sh. Profit, also zu 24 sh. pro Stück. Dann ist der Preis
des Jahresprodukts = 12 000 Pfd.St., wovon 10 000 Pfd.St. Kapi-
talvorschuß und 2000 Pfd.St. Profit. p/k ist pro Stück 4/20, für
den Jahresumschlag = 2000/10 000, also beidemal = 20%, und da das
Gesamtkapital gleich der Summe der Kostpreise, nämlich 10 000
Pfd.St., so ist auch p/C, die wirkliche Profitrate, diesmal =20%.
III. Das Kapital steige, bei stets wachsender Produktivkraft der
Arbeit, auf 15 000 Pfd. St. und produziere jetzt jährlich 30 000
Stück Ware zum Kostpreis von je 13 sh., die mit 2 sh. Profit,
also zu 15 sh. das Stück verkauft werden. Jahresumschlag also =
30 000 x 15 sh. = 22 500 Pfd. St., wovon 19 500 Kapitalvorschuß
und 3000 Pfd.St. Profit. p/k ist also = 2/13 = 3000/15000 = 15
5/13%. Dagegen p/C = 3000/15 000 = 20%.
Wir sehn also: Nur in Fall II, wo der umgeschlagne Kapitalwert
gleich dem Gesamtkapital, ist die Profitrate aufs Stück Ware oder
auf die Umschlagssumme dieselbe wie die aufs Gesamtkapital be-
rechnete Profitrate. Im Fall I, wo die Umschlagssumme kleiner als
das Gesamtkapital, ist die Profitrate, auf den Kostpreis der Ware
berechnet, höher; im Fall III, wo das Gesamtkapital kleiner als
die Umschlagssumme, ist sie niedriger als die wirkliche, aufs Ge-
samtkapital berechnete Profitrate. Es gilt dies allgemein. In der
kaufmännischen Praxis wird der Umschlag gewöhnlich ungenau be-
rechnet. Man nimmt an, das Kapital habe einmal umgeschlagen, so-
bald die Summe der realisierten Warenpreise die Summe des ange-
wandten Gesamtkapitals erreicht. Das K a p i t a l kann aber
nur dann einen ganzen Umlauf vollenden, wenn die Summe der
K o s t p r e i s e der realisierten Waren gleich wird der Summe
des Gesamtkapitals. - F. E.}
Es zeigt sich auch hier wieder, wie wichtig es ist, bei der kapi-
talistischen Produktion nicht die einzelne Ware oder das Waren-
produkt eines beliebigen Zeitraums isoliert für sich, als bloße
Ware zu betrachten, sondern als Produkt
#239# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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des vorgeschoßnen Kapitals und im Verhältnis zum Gesamtkapital,
das diese Ware produziert.
Obgleich nun die Profitrate berechnet werden muß durch Messung
der Masse des produzierten und realisierten Mehrwerts, nicht nur
an dem konsumierten Kapitalteil, der in den Waren wiederer-
scheint, sondern an diesem Teil plus dem nicht konsumierten, aber
angewandten und in der Produktion fortdienenden Kapitaltell, so
kann die Profitmasse doch nur gleich sein der in den Waren selbst
enthaltnen und durch ihren Verkauf zu realisierenden Masse von
Profit oder Mehrwert.
Vermehrt sich die Produktivität der Industrie, so fällt der Preis
der einzelnen Ware. Es ist weniger Arbeit in ihr enthalten, weni-
ger bezahlte und unbezahlte. Dieselbe Arbeit produziere z.B. das
dreifache Produkt; es kommt dann 2/3 weniger Arbeit auf das ein-
zelne Produkt. Und da der Profit nur einen Teil dieser in der
einzelnen Ware enthaltnen Arbeitsmasse bilden kann, muß die Masse
des Profits auf die einzelne Ware abnehmen und dies auch, inner-
halb gewisser Grenzen, selbst wenn die Rate des Mehrwerts steigt.
In allen Fällen sinkt die Profitmasse auf das Gesamtprodukt nicht
unter die ursprüngliche Profitmasse, sobald das Kapital dieselbe
Masse Arbeiter wie früher bei gleichem Exploitationsgrad anwen-
det. (Dies kann auch geschehn, wenn weniger Arbeiter bei erhöhtem
Exploitationsgrad angewandt werden.) Denn in demselben Verhält-
nis, wie die Profitmasse auf das einzelne Produkt abnimmt, nimmt
die Anzahl der Produkte zu. Die Profitmasse bleibt dieselbe, nur
verteilt sie sich anders auf die Summe der Waren; es ändert dies
auch nichts an der Verteilung des durch die neu zugesetzte Arbeit
geschaffnen Wertquantums zwischen Arbeiter und Kapitalisten. Die
Profitmasse kann nur steigen, bei Anwendung derselben Masse Ar-
beit, wenn die unbezahlte Mehrarbeit wächst, oder bei gleichblei-
bendem E,xploitationsgrad der Arbeit, wenn die Anzahl der Arbei-
ter sich vermehrt. Oder wenn beides zusammenwirkt. In allen die-
sen Fällen - die aber der Voraussetzung gemäß Wachsen des kon-
stanten Kapitals gegen das variable und wachsende Größe des ange-
wandten Gesamtkapitals voraussetzen - enthält die einzelne Ware
weniger Profitmasse und sinkt die Profitrate, selbst wenn auf die
einzelne Ware berechnet; ein gegebnes Quantum zu. sätzlicher Ar-
beit stellt sich dar in einem größern Quantum Waren; der Preis
der einzelnen Ware sinkt. Abstrakt betrachtet, kann beim Fall des
Preises der einzelnen Ware infolge vermehrter Produktivkraft, und
bei daher gleichzeitiger Vermehrung der Anzahl dieser wohlfeilern
Waren, die Profitrate dieselbe bleiben, z.B. wenn die Vermehrung
der Produktivkraft gleichmäßig und gleichzeitig auf alle Bestand-
teile der Waren wirkte, so daß der
#240# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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Gesamtpreisder Ware in demselben Verhältnis fiele, wie sich die
Produktivität derArbeit vermehrte, und andrerseits das gegensei-
tige Verhältnis der verschiednen Preisbestandteile der Ware das-
selbe bliebe. Steigen könnte die Profitrate sogar, wenn mit der
Erhöhung der Rate des Mehrwerts eine bedeutende Wertverminderung
der Elemente des konstanten und namentlich des fixen Kapitals
verbunden wäre. Aber in Wirklichkeit wird die Profitrate, wie be-
reits gesehn, auf die Dauer fallen. In keinem Fall erlaubt der
Preisfall der einzelnen Ware allein einen Schluß auf die Pro-
fitrate. Es kommt alles darauf an, wie groß die Gesamtsumme des
in ihrer Produktion beteiligten Kapitals. Fällt z.B. der Preis
einer Elle Gewebe von 3 sh. auf 1 2/3 sh.; wenn man weiß, daß
darin vor dem Preisfall für 1 2/3 sh. konstantes Kapital, Garn
etc., 2/3 sh. Arbeitslohn, 2/3 sh. Profit waren, nach dem Preis-
fall dagegen für 1 sh. konstantes Kapital, 1/3 sh. Arbeitslohn
und 1/3 sh. Profit ist, so weiß man nicht, ob die Profitrate die-
selbe geblieben ist oder nicht. Es hängt dies davon ab, ob und um
wieviel das vorgeschoßne Gesamtkapital gewachsen ist und wieviel
Ellen mehr es in gegebner Zeit produziert.
Das aus der Natur der kapitalistischen Produktionsweise hervorge-
hende Phänomen, daß bei wachsender Produktivität der Arbeit der
Preis der einzelnen Ware oder eines gegebnen Warenquotums sinkt,
die Anzahl der Waren steigt, die Profitmasse auf die einzelne
Ware und die Profitrateauf die Warensumme sinkt, die Profitmasse
aber auf die Gesamtsumme der Waren steigt - dies Phänomen stellt
auf der Oberfläche nur dar: Fallen der Profitmasse auf die ein-
zelne Ware, Fallen ihres Preises, Wachsen der Profitmasse auf die
vermehrte Gesamtzahl der Waren, die das Gesamtkapital der Gesell-
schaft oder auch der einzelne Kapitalist produziert. Es wird dies
dann so aufgefaßt, daß der Kapitalist aus freiem Belieben weniger
Profit auf die einzelne Ware schlägt, aber sich entschädigt durch
die größre Anzahl Waren, die er produziert. Diese Anschauung be-
ruht auf der Vorstellung des Veräußerungsprofits (profit upon
alienation [38]), die ihrerseits wieder abstrahiert ist aus der
Anschauung des Kaufmannskapitals.
Man hat früher, im vierten und siebenten Abschnitt des ersten
Buchs, gesehn, daß die mit der Produktivkraft der Arbeit wach-
sende Warenmasse und Verwohlfellerung der einzelnen Ware als sol-
che (soweit diese Waren nicht bestimmend in den Preis der Ar-
beitskraft eingehn) das Verhältnis von bezahlter und unbezahlter
Arbeit in der einzelnen Ware nicht affiziert, trotz des sinkenden
Preises.
Da in der Konkurrenz sich alles falsch darstellt, nämlich ver-
kehrt, so kann sich der einzelne Kapitalist einbilden: 1. daß er
seinen Profit auf die
#241# 13. Kapitel - Das Gesetz als solches
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einzelne Ware durch ihre Preissenkung herabsetzt, aber größere
Profit macht wegen der größern Warenmasse, die er verkauft; 2.
daß er den Preis der einzelnen Waren festsetzt und durch Multi-
plikation den Preis des Gesamtprodukts bestimmt, während der ur-
sprüngliche Prozeß der der Division ist (s. Buch 1, Kap. X, S.
314/323 1*)) und die Multiplikation nur zweiter Hand, auf Voraus-
setzung jener Division richtig ist. Der Vulgärökonom tut in der
Tat nichts als die sonderbaren Vorstellungen der in der Konkur-
renz befangnen Kapitalisten in eine scheinbar mehr theoretische,
verallgemeinernde Sprache zu übersetzen und sich abzumühn, die
Richtigkeit dieser Vorstellungen zu Konstruieren.
In der Tat ist das Fallen der Warenpreise und das Steigen der
Profitmasse auf die gewachsne Masse der verwohlfellerten Waren
nur ein andrer Ausdruck für das Gesetz von fallender Profitrate
bei gleichzeitig steigender Masse des Profits.
Die Untersuchung, wieweit fallende Profitrate mit steigenden
Preisen zusammenfallen kann, gehört ebensowenig hierher, wie der
früher, Buch I, S. 314/323 1*), beim relativen Mehrwert erörterte
Punkt. Der Kapitalist, der verbesserte, aber noch nicht verallge-
meinerte Produktionsweisen anwendet, verkauft unter dem Markt-
preis, aber über seinem individuellen Produktionspreis; so steigt
die Profitrate für ihn, bis die Konkurrenz dies ausgeglichen;
eine Ausgleichungsperiode, während deren Verlauf das zweite Re-
quisit, das Wachstum des ausgelegten Kapitals sich einfindet; je
nach dem Grad dieses Wachstums wird der Kapitalist nun imstande
sein, einen Teil der früher beschäftigten Arbeitermasse, ja viel-
leicht die ganze oder eine größre Arbeitermasse unter den neuen
Bedingungen zu beschäftigen, also dieselbe oder eine höhere Pro-
fitmasse zu produzieren.
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 335
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