Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       #261# 15. Kapitel - Entfaltung der innern Widersprüche...
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       III. Überfluß an Kapital bei Überfluß an Bevölkerung
       
       Mit dem Fall der Profitrate wächst das Kapitalminimum, das in der
       Hand des einzelnen Kapitalisten zur produktiven Anwendung der Ar-
       beit erheischt  ist; erheischt sowohl zu ihrer Exploitation über-
       haupt, als  dazu, daß  die angewandte Arbeitszeit die zur Produk-
       tion der  Waren notwendige  Arbeitszeit sei,  daß sie  den Durch-
       schnitt der zur Produktion der Waren gesellschaftlich notwendigen
       Arbeitszeit nicht  überschreite. Und gleichzeitig wächst die Kon-
       zentration, weil  jenseits gewisser  Grenzen großes  Kapital  mit
       kleiner Profitrate  rascher akkumuliert  als kleines  mit großer.
       Diese wachsende  Konzentration führt  ihrerseits wieder auf einer
       gewissen Höhe  einen neuen  Fall der Profitrate herbei. Die Masse
       der kleinen zersplitterten Kapitale wird dadurch auf die Bahn der
       Abenteuer gedrängt:  Spekulation, Kreditschwindel,  Aktienschwin-
       del, Krisen.  Die sog.  Plethora des  Kapitals bezieht sich immer
       wesentlich auf  die Plethora  von Kapital,  für das  der Fall der
       Profitrate nicht  durch seine Masse aufgewogen wird und dies sind
       immer die  neu sich  bildenden frischen Kapitalableger - oder auf
       die Plethora, welche diese, für sich selbst zur eignen Aktion un-
       fähigen Kapitale  den Leitern  der großen  Geschäftszweige in der
       Form des  Kredits zur  Verfügung stellt. Diese Plethora des Kapi-
       tals erwächst  aus denselben Umständen, die eine relative Überbe-
       völkerung hervorrufen,  und ist  daher eine  diese letztre ergän-
       zende Erscheinung,  obgleich beide  auf  entgegengesetzten  Polen
       stehn, unbeschäftigtes Kapital auf der einen und un. beschäftigte
       Arbeiterbevölkerung auf der andren Seite.
       Überproduktion von  Kapital, nicht von einzelnen Waren - obgleich
       die Überproduktion  von Kapital  stets Überproduktion  von  Waren
       einschließt -, heißt daher weiter nichts als Überakkumulation von
       Kapital. Um zu verstehn, was diese Überakkumulation ist (ihre nä-
       here Untersuchung folgt weiter unten), hat man sie nur absolut zu
       setzen. Wann  wäre die  Überproduktion des  Kapitals absolut? Und
       zwar eine  Überproduktion, die  sich nicht  auf dieses oder jenes
       oder auf  ein paar  bedeutende Gebiete  der Produktion erstreckt,
       sondern in  ihrem Umfang selbst absolut wäre, also sämtliche Pro-
       duktionsgebiete einschlösse?
       Es wäre  eine absolute  Überproduktion von Kapital vorhanden, so-
       bald das  zusätzliche Kapital  für den Zweck der kapitalistischen
       Produktion =  0. Der  Zweck der  kapitalistischen Produktion  ist
       aber Verwertung des Kapitals, d.h. Aneignung von Mehrarbeit, Pro-
       duktion von Mehrwert, von Profit. Sobald also das Kapital gewach-
       sen wäre  in einem  Verhältnis zur Arbeiterbevölkerung, daß weder
       die absolute Arbeitszeit, die diese Bevölkerung
       
       #262# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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       liefert, ausgedehnt,  noch die relative Mehrarbeitszeit erweitert
       werden könnte  (das letztere  wäre ohnehin  nicht tubar  in einem
       Fall, wo  die Nachfrage  nach Arbeit  so stark,  also Tendenz zum
       Steigen der Löhne); wo also das gewachsene Kapital nur ebensoviel
       oder selbst  weniger Mehrwertsmasse  produziert  als  vor  seinem
       Wachstum, so  fände  eine  absolute  Überproduktion  von  Kapital
       statt; d.h., das gewachsene Kapital C + delta C produzierte nicht
       mehr Profit,  oder gar weniger Profit, als das Kapital C vor sei-
       ner Vermehrung  durch delta  C. In  beiden Fällen  fände auch ein
       starker und plötzlicher Fall in der allgemeinen Profitrate statt,
       diesmal aber  wegen eines Wechsels in der Zusammensetzung des Ka-
       pitals, der  nicht der  Entwicldung der Produktivkraft geschuldet
       wäre, sondern  einem Steigen  im Geldwert  des variablen Kapitals
       (wegen der  gestiegnen Löhne)  und der ihr entsprechenden Abnahme
       im Verhältnis der Mehrarbeit zur notwendigen Arbeit.
       In der  Wirklichkeit würde  sich die Sache so darstellen, daß ein
       Teil des  Kapitals ganz oder teilweis brachläge (weil es erst das
       schon fungierende  Kapital aus  seiner Position verdrängen müßte,
       um sich  Oberhaupt zu  verwerten) und  der andre  Teil durch  den
       Druck des unbeschäftigten oder halbbeschäftigten Kapitals sich zu
       niedrer Rate des Profits verwerten wurde. Es wäre hierbei gleich-
       gültig, daß  ein Teil des zusätzlichen Kapitals an die Stelle von
       altem träte  und dieses  so eine Stelle im zusätzlichen einnähme.
       Wir hätten  immer auf  der einen Seite die alte Kapitalsumme, auf
       der andern  die zusätzliche. Der Fall der Profitrate wäre diesmal
       begleitet von  einer absoluten  Abnahme der Profitmasse, da unter
       unsern Voraussetzungen  die Masse  der  angewandten  Arbeitskraft
       nicht vermehrt  und die Mehrwertsrate nicht gesteigert, also auch
       die Masse  des Mehrwerts  nicht vermehrt  werden könnte.  Und die
       verminderte Profitmasse  wäre zu  berechnen auf  ein vergrößertes
       Gesamtkapital. -  Aber gesetzt  auch,  das  beschäftigte  Kapital
       führe fort,  sich zur  alten Profitrate zu verwerten, die Profit-
       masse bliebe also dieselbe, so berechnete sie sich immer noch auf
       ein gewachsnes  Gesamtkapital, und  auch dies schließt einen Fall
       der Profitrate  ein. Wenn ein Gesamtkapital von 1000 einen Profit
       von 100  abwarf und nach seiner Vermehrung auf 1500 ebenfalls nur
       100 abwirft,  so wirft  im zweiten  Fall 1000 nur noch 66 2/3 ab.
       Die Verwertung  des alten  Kapitals hätte absolut abgenommen. Das
       Kapital =  1000 würde unter den neuen Umständen nicht mehr abwer-
       fen als früher ein Kapital = 666 2/3.
       Es ist aber klar, daß diese tatsächliche Entwertung des alten Ka-
       pitals nicht  ohne Kampf stattfinden, daß das zusätzliche Kapital
       von delta  C nicht  ohne Kampf  als Kapital fungieren könnte. Die
       Profitrate würde  nicht sinken wegen Konkurrenz infolge der Über-
       produktion von Kapital. Sondern umgekehrt,
       
       #263# 15. Kapitel - Entfaltung der innem Widersprüche...
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       weil die  gesunkne Profitrate  und die Überproduktion von Kapital
       aus denselben  Umständen entspringen, würde jetzt der Konkurrenz-
       kampf eintreten. Den Teil von delta C, der sich in den Händen der
       alten fungierenden Kapitalisten befände, würden sie mehr oder we-
       niger brachliegen  lassen, um ihr Originalkapital nicht selbst zu
       entwerten und  seinen Platz innerhalb des Produktionsfeldes nicht
       zu verengern,  oder sie  würden es anwenden, um selbst mit momen-
       tanem Verlust  die Brachlegung  des zusätzlichen Kapitals auf die
       neuen F-indringlinge  und  überhaupt  auf  ihre  Konkurrenten  zu
       schieben.
       Der Teil  von delta  C, der  sich in  neuen Händen befände, würde
       seinen Platz auf Kosten des alten Kapitals einzunehmen suchen und
       dies teilweise fertigbringen, indem er einen Teil des alten Kapi-
       tals brachlegte,  es zwänge,  ihm den alten Platz einzuräumen und
       selbst den  Platz des  nur teilweise oder gar nicht beschäftigten
       Zusatzkapitals einzunehmen.  Eine Brachlegung  von einem Teil des
       alten Kapitals  müßte unter  allen  Umständen  stattfinden,  eine
       Brachlegung in  seiner Kapitaleigenschaft,  soweit es als Kapital
       fungieren und sich verwerten soll. Welchen Teil diese Brachlegung
       besonders träfe,  entschiede der  Konkurrenzkampf. Solange  alles
       gut geht,  agiert die  Konkurrenz, wie  sich bei der Ausgleichung
       der allgemeinen  Profitrate gezeigt,  als praktische Brüderschaft
       der Kapitalistenklasse, so daß sie sich gemeinschaftlich, im Ver-
       hältnis zur  Größe des  von jedem  eingesetzten Loses, in die ge-
       meinschaftliche Beute  teilt. Sobald  es sich  aber nicht mehr um
       Teilung des  Profits handelt,  sondern um  Teilung des Verlustes,
       sucht jeder  soviel wie möglich sein Quantum an demselben zu ver-
       ringern und  dem andern auf den Hals zu schieben. Der Verlust ist
       unvermeidlich für  die Klasse.  Wieviel aber jeder einzelne davon
       zu tragen, wieweit er überhaupt daran teilzunehmen hat, wird dann
       Frage der  Macht und der List, und die Konkurrenz verwandelt sich
       dann in  einen Kampf  der feindlichen  Brüder. Der Gegensatz zwi-
       schen dem  Interesse jedes einzelnen Kapitalisten und dem der Ka-
       pitalistenklasse macht  sich dann  geltend, ebenso wie vorher die
       Identität dieser  Interessen sich  durch die Konkurrenz praktisch
       durchsetzte.
       Wie würde sich nun dieser Konflikt wieder ausgleichen und die der
       'gesunden' Bewegung  der kapitalistischen Produktion entsprechen-
       den Verhältnisse  sich wieder  herstellen? Die Weise der Ausglei-
       chung ist  schon enthalten  in dem  bloßen Aussprechen  des  Kon-
       flikts, um dessen Ausgleichung es sich handelt. Sie schließt eine
       Brachlegung und  selbst eine  teilweise Vernichtung  von  Kapital
       ein, zum  Wertbetrag des  ganzen Zusatzkapitals delta C oder doch
       eines Teils davon. Obgleich, wie schon aus der Darstellung des
       
       #264# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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       Konflikts hervorgeht,  die Verteilung  dieses Verlusts  in keiner
       Weise sich  gleichmäßig auf  die einzelnen  Sonderkapitalien  er-
       streckt, sondern sich in einem Konkurrenzkampf entscheidet, worin
       je nach den besondren Vorteilen oder bereits errungnen Positionen
       der Verlust sich sehr ungleich und in sehr verschiedner Form ver-
       teilt, so  daß ein  Kapital brachgelegt,  ein  andres  vernichtet
       wird, ein  drittes nur  relativen Verlust hat oder nur vorüberge-
       hende Entwertung erfährt usw.
       Unter allen  Umständen aber würde sich das Gleichgewicht herstel-
       len durch Brachlegung und selbst Vernichtung von Kapital in größ-
       rem oder  geringrem Umfang.  Dies würde  sich erstrecken zum Teil
       auf die  materielle Kapitalsubstanz;  d.h. ein Teil der Produkti-
       onsmittel, fixes  und zirkulierendes Kapital, wurde nicht fungie-
       ren, nicht als Kapital wirken; ein Teil begonnener Produktionsbe-
       triebe würde  stillgesetzt werden.  Obgleich, nach  dieser Seite,
       die Zeit  alle Produktionsmittel (den Boden ausgenommen) angreift
       und verschlechtert, fände hier infolge der Funktionsstockung weit
       stärkere wirkliche  Zerstörung von  Produktionsmitteln statt. Die
       Hauptwirkung nach dieser Seite hin wäre jedoch, daß diese Produk-
       tionsmittel aufhörten,  als Produktionsmittel tätig zu sein; eine
       kürzere oder  längere Zerstörung  ihrer Funktion als Produktions-
       mittet. Die  Hauptzerstörung, und  mit dem  akutesten  Charakter,
       fände statt  mit Bezug auf das Kapital, soweit es Werteigenschaft
       besitzt, mit Bezug auf die Kapital w e r t e.  Der Teil des Kapi-
       talwerts, der  bloß in  der Form von Anweisungen auf künftige An-
       teile am  Mehrwert, am  Profit steht,  in der  Tat lauter Schuld-
       scheine auf die Produktion unter verschiednen Formen, wird sofort
       entwertet mit  dem Fall  der Einnahmen, auf die er berechnet ist.
       Ein Teil des baren Goldes und Silbers liegt brach, fungiert nicht
       als Kapital.  Ein Teil  der auf dem Markt befindlichen Waren kann
       seinen Zirkulations-  und Reproduktionsprozeß nur vollziehn durch
       ungeheure Kontraktion  seiner Preise,  also durch  Entwertung des
       Kapitals, das  er darstellt. Ebenso werden die Elemente des fixen
       Kapitals mehr  oder minder  entwertet. Es  kommt hinzu,  daß  be-
       stimmte, vorausgesetzte Preisverhältnisse den Reproduktionsprozeß
       bedingen, dieser  daher durch  den allgemeinen Preisfall in Stoc-
       kung und Verwirrung gerät. Diese Störung und Stockung paralysiert
       die rm't  der Entwicklung  des Kapitals gleichzeitig gegebne, auf
       jenen vorausgesetzten  Preisverhältnissen beruhende  Funktion des
       Geldes als  Zahlungsmittel, unterbricht  an hundert  Stellen  die
       Kette der  Zahlungsobligationen an bestimmten Terminen, wird noch
       verschärft durch das damit gegebne Zusammenbrechen des gleichzei-
       tig mit  dem Kapital  entwickelten Kreditsystems  und führt so zu
       heftigen akuten Krisen, plötzlichen
       
       #265# 15. Kapitel - Entfaltung der innern Widersprüche...
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       gewaltsamen Entwertungen  und wirklicher Stockung und Störung des
       Reproduktionsprozesses und damit zu wirklicher Abnahme der Repro-
       duktion.
       Gleichzeitig aber  wären andre  Agentien im  Spiel  gewesen.  Die
       Stockung der  Produktion  hätte  einen  Teil  der  Arbeiterklasse
       brachgelegt und  dadurch den  beschäftigten Teil  in Verhältnisse
       gesetzt, worin  er sich eine Senkung des Arbeitslohns, selbst un-
       ter den  Durchschnitt, gefallen lassen müßte; eine Operation, die
       für das  Kapital ganz  dieselbe Wirkung hat, als wenn beim Durch-
       schnittslohn der  relative oder  absolute Mehrwert  erhöht worden
       wäre. Die Prosperitätszeit hätte die Ehen unter den Arbeitern be-
       günstigt und  die Dezimation der Nachkommenschaft vermindert, Um-
       stände, die - wie sehr sie eine wirkliche Vermehrung der Bevölke-
       rung einschließen mögen - keine Vermehrung der wirklich arbeiten-
       den Bevölke  rung einschließen,  aber im  Verhältnis der Arbeiter
       zum Kapital  ganz so  wirken, als ob sich die Anzahl der wirklich
       fungierenden Arbeiter  vermehrt hätte. Der Preisfall und der Kon-
       kurrenzkampf hätten  andrerseits jedem Kapitalisten einen Stachel
       gegeben, den  individuellen Wert  seines Gesamtprodukts durch An-
       wendung  neuer  Maschinen,  neuer  verbesserter  Arbeitsmethoden,
       neuer Kombinationen unter dessen allgemeinen Wert zu senken, d.h.
       die Produktivkraft  eines gegebnen  Quantums Arbeit  zu steigern,
       das Verhältnis  des variablen  Kapitals zum  konstanten zu senken
       und damit  Arbeiter freizusetzen, kurz eine künstliche Überbevöl-
       kerung zu  schaffen. Ferner würde die Entwertung der Elemente des
       konstanten Kapitals  selbst ein  Element sein,  das Erhöhung  der
       Profitrate einschlösse.  Die Masse des angewandten konstanten Ka-
       pitals, gegen  das variable, wäre gewachsen, aber der Wert dieser
       Masse könnte  gefallen sein. Die eingetretne Stockung der Produk-
       tion hätte  eine spätere  Erweiterung der  Produktion - innerhalb
       der kapitalistischen Grenzen - vorbereitet.
       Und so würde der Zirkel von neuem durchlaufen. Ein Teil des Kapi-
       tals, das durch Funktionsstockung entwertet war, wurde seinen al-
       ten Wert wiedergewinnen. Im übrigen würde mit erweiterten Produk-
       tionsbedingungen, mit  einem erweiterten  Markt und  mit erhöhter
       Produktivkraft derselbe fehlerhafte Kreislauf wieder durchgemacht
       werden.
       Selbst aber  unter der  gemachten äußersten Voraussetzung ist die
       absolute Überproduktion von Kapital keine absolute Überproduktion
       überhaupt, keine  absolute Überproduktion von Produktionsmitteln.
       Sie ist  nur eine  Überproduktion von  Produktionsmitteln, soweit
       diese  a l s  K a p i t a l
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       1*) 1.  Auflage: Sturz;  geändert nach  dem Manuskript von Marx -
       2*) 1. Auflage: über dessen allgemeinen Wert zu erhöhen
       
       #266# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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       f u n g i e r e n  und daher im Verhältnis zu dem mit ihrer ange-
       schwollnen Masse  geschwollnen Wert  eine Verwertung dieses Werts
       einschließen, einen zusätzlichen Wert erzeugen sollen.
       Es wäre  aber trotzdem  Überproduktion, weil  das Kapital unfähig
       würde, die  Arbeit in  einem Exploitationsgrad  auszubeuten,  der
       durch die  "gesunde", "normale"  Entwicklung des kapitalistischen
       Produktionsprozesses bedingt ist, in einem Exploitationsgrad, der
       wenigstens die  Masse des  Profits vermehrt  mit  der  wachsenden
       Masse des  angewandten Kapitals;  der also  ausschließt, daß  die
       Profitrate im selben Maß sinkt, wie das Kapital wächst, oder gar,
       daß die Profitrate rascher sinkt, als das Kapital wächst.
       Überproduktion von Kapital heißt nie etwas andres als Überproduk-
       tion von  Produktionsmitteln -  Arbeits- und Lebensmitteln -, die
       als Kapital  fungieren können,  d.h. zur Ausbeutung der Arbeit zu
       einem gegebnen  Exploitationsgrad angewandt  werden können; indem
       das Fallen  dieses Exploitationsgrads  unter einen gegebnen Punkt
       Störungen und  Stockungen des kapitalistischen Produktionsprozes-
       ses, Krisen,  Zerstörung von  Kapital hervorruft. Es ist kein Wi-
       derspruch, daß diese Überproduktion von Kapital begleitet ist von
       einer mehr  oder minder großen relativen Überbevölkerung. Diesel-
       ben Umstände, die die Produktivkraft der Arbeit erhöht, die Masse
       der Warenprodukte  vermehrt, die Märkte ausgedehnt, die Akkumula-
       tion des  Kapitals, sowohl der Masse wie dem Wert nach, beschleu-
       nigt und  die Profitrate  gesenkt haben, dieselben Umstände haben
       eine relative Überbevölkerung erzeugt und erzeugen sie beständig,
       eine Überbevölkerung  von Arbeitern, die vom überschüssigen Kapi-
       tal nicht  angewandt wird  wegen des niedrigen Exploitationsgrads
       der Arbeit,  zu dem  sie allein angewandt werden könnte, oder we-
       nigstens wegen  der niedern  Profitrate, die sie bei gegebnem Ex-
       ploitationsgrad abwerfen  würde. Wird  Kapital  ins  Ausland  ge-
       schickt, so  geschieht es  nicht, weil es absolut nicht im Inland
       beschäftigt werden  könnte. Es geschieht, weil es zu höherer Pro-
       fitrate im  Auslande beschäftigt  werden kann.  Dies Kapital  ist
       aber absolut  überschüssiges Kapital  für die beschäftigte Arbei-
       terbevölkerung und  für das  gegebne Land überhaupt. Es existiert
       als solches  neben der  relativ überschüssigen  Bevölkerung,  und
       dies ist  ein Beispiel,  wie die  beiden nebeneinander existieren
       und sich wechselseitig bedingen.
       Andrerseits bringt  der mit  der Akkumulation  verbundne Fall der
       Profitrate notwendig  einen Konkurrenzkampf hervor. Die Kompensa-
       tion des  Falls der Profitrate durch die steigende Masse des Pro-
       fits gilt  nur für das Gesamtkapital der Gesellschaft und für die
       großen, fertig eingerichteten Kapitalisten. Das neue, selbständig
       fungierende Zusatzkapital findet keine
       
       #267# 15. Kapitel - Entfaltung der innern Widersprüche...
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       solche Ersatzbedingungen  vor, es muß sie sich erst erringen, und
       so ruft  der Falls  der Profitrate  den Konkurrenzkampf unter den
       Kapitalen hervor, nicht umgekehrt. Dieser Konkurrenzkampf ist al-
       lerdings begleitet  von vorübergehendem  Steigen des Arbeitslohns
       und einer  hieraus entspringenden  ferneren zeitweiligen  Senkung
       der Profitrate. Dasselbe zeigt sich in der Überproduktion von Wa-
       ren, der  Oberfüllung der  Märkte. Da  nicht Befriedigung der Be-
       dürfnisse, sondern  Produktion von Profit Zweck des Kapitals, und
       da es diesen Zweck nur durch Methoden erreicht, die die Produkti-
       onsmasse nach  der Stufenleiter  der Produktion einrichten, nicht
       um, gekehrt,  so muß  beständig ein  Zwiespalt eintreten zwischen
       den beschränkten  Dimensionen der Konsumtion auf kapitalistischer
       Basis und  einer Produktion,  die beständig über diese ihre imma-
       nente Schranke  hinausstrebt. Übrigens besteht das Kapital ja aus
       Waren, und  daher schließt die Überproduktion von Kapital die von
       Waren ein. Daher das sonderbare Phänomen, daß dieselben Ökonomen,
       die die  Überproduktion von  Waren leugnen, die von Kapital zuge-
       ben. Wird  gesagt, daß  nicht allgemeine  Überproduktion, sondern
       Disproportion innerhalb der verschiednen Produktionszweige statt-
       finde, so heißt dies weiter nichts, als daß innerhalb der kapita-
       listischen Produktion  die Proportionalität der einzelnen Produk-
       tionszweige sich als beständiger Prozeß aus der Disproportionali-
       tät darstellt,  indem hier  der Zusammenhang der gesamten Produk-
       tion als  blindes Gesetz  den Produktionsagenten  sich aufzwingt,
       nicht als  von ihrem  assoziierten Verstand  begriffnes und damit
       beherrschtes Gesetz  den Produktionsprozeß ihrer gemeinsamen Kon-
       trolle unterworfen  hat. Es  wird weiter damit verlangt, daß Län-
       der, wo die kapitalistische Produktionsweise nicht entwickelt, in
       einem Grad konsumieren und produzieren sollen, wie er den Ländern
       der kapitalistischen  Produktionsweise paßt. Wird gesagt, daß die
       Überproduktion nur  relativ, so  ist dies  ganz richtig; aber die
       ganze kapitalistische Produktionsweise ist eben nur eine relative
       Produktionsweise, deren  Schranken nicht  absolut, aber  für sie,
       auf ihrer  Basis, absolut  sind. Wie könnte es sonst an Nachfrage
       für dieselben  Waren fehlen, deren die Masse des Volks ermangelt,
       und wie  wäre es  möglich, diese  Nachfrage im  Ausland suchen zu
       müssen, auf fernern Märkten, um den Arbeitern zu Hause das Durch-
       schnittsmaß der  notwendigen Lebensmittel  zahlen zu können? Weil
       nur in  diesem spezifischen,  kapitalistischen  Zusammenhang  das
       überschüssige Produkt eine Form erhält, worin sein Inhaber es nur
       dann der  Konsumtion zur  Verfügung stellen  kann, sobald es sich
       für ihn  in Kapital  rückverwandelt. Wird  endlich gesagt daß die
       Kapitalisten ja  selbst nur  unter sich  ihre Waren auszutauschen
       und aufzuessen haben, so wird der
       
       #268# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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       ganze Charakter  der kapitalistischen  Produktion  vergessen  und
       vergessen, daß  es sich  um die  Verwertung des Kapitals handelt,
       nicht um  seinen Verzehr. Kurz, alle die Einwände gegen die hand-
       greiflichen Erscheinungen  der Überproduktion (Erscheinungen, die
       sich nicht  um diese  Einwände kümmern) laufen darauf hinaus, daß
       die Schranken  der   k a p i t a l i s t i s c h e n   Produktion
       keine Schranken der  P r o d u k t i o n  ü b e r h a u p t  sind
       und daher auch keine Schranken dieser spezifischen, der kapitali-
       stischen Produktionsweise.  Der Widetspruch  dieser  kapitalisti-
       schen Produktionsweise  besteht aber  gerade in ihrer Tendenz zur
       absoluten Entwicklung  der Produktiv k r ä f t e,   die beständig
       in   Konflikt    gerät    mit    den    spezifischen    Produkti-
       ons b e d i n g u n g e n,  worin sich das Kapital bewegt und al-
       lein bewegen kann.
       Es werden  nicht zuviel Lebensmittel produziert im Verhältnis zur
       vorhandnen Bevölkerung.  Umgekehrt. Es werden zuwenig produziert,
       um der Masse der Bevölkerung anständig und menschlich zu genügen.
       Es werden  nicht zuviel  Produktionsmittel produziert, um den ar-
       beitsfähigen Teil  der Bevölkerung zu beschäftigen. Umgekehrt. Es
       wird erstens  ein zu  großer Teil der Bevölkerung produziert, der
       tatsächlich nicht arbeitsfähig, der durch seine Umstände auf Aus-
       beutung der  Arbeit andrer  angewiesen ist oder auf Arbeiten, die
       nur innerhalb einer miserablen Produktionsweise als solche gelten
       können. Es  werden zweitens  nicht genug Produktionsmittel produ-
       ziert, damit  die ganze  arbeitsfähige Bevölkerung unter den pro-
       duktivsten Umständen arbeite, also ihre absolute Arbeitszeit ver-
       kürzt würde  durch die Masse und Effektivität des während der Ar-
       beitszeit angewandten konstanten Kapitals.
       Aber es  werden periodisch  zuviel Arbeitsmittel und Lebensmittel
       produziert, um  sie als Exploitationsmittel der Arbeiter zu einer
       gewissen Rate  des Profits  fungieren zu lassen. Es werden zuviel
       Waren produziert,  um den in ihnen enthaltnen Wert und darin ein-
       geschloßnen Mehrwert  unter den durch die kapitalistische Produk-
       tion gegebnen Vertellungsbedingungen und KonsumtionsverhäItnissen
       realisieren und  in neues  Kapital rückverwandeln zu können, d.h.
       um diesen Prozeß ohne beständig wiederkehrende Explosionen auszu-
       führen.
       Es wird nicht zuviel Reichtum produziert. Aber es wird periodisch
       zuviel Reichtum  in seinen kapitalistischen, gegensätzlichen For-
       men produziert.
       Die Schranke der kapitalistischen Produktionsweise tritt hervor:
       1. Darin,  daß die  Entwicklung der  Produktivkraft der Arbeit im
       Fall der Profitrate ein Gesetz erzeugt, das ihrer eignen Entwick-
       lung auf  einen gewissen Punkt feindlichst gegenübertritt und da-
       her beständig durch Krisen überwunden werden muß.
       
       #269# 15. Kapitel - Entfaltung der innern Widersprüche...
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       2. Darin,  daß die Aneignung unbezahlter Arbeit, und das Verhält-
       nis dieser  unbezahlten Arbeit  zur  vergegenständlichten  Arbeit
       überhaupt, oder,  kapitalistisch ausgedrückt,  daß der Profit und
       das Verhältnis  dieses Profits zum angewandten Kapital, also eine
       gewisse Höhe der Profitrate über Ausdehnung oder Beschränkung der
       Produktion entscheidet, statt des Verhältnisses der Produktion zu
       den gesellschaftlichen  Bedürfnissen, zu den Bedürfnissen gesell-
       schaftlich entwickelter  Menschen. Es  treten daher Schranken für
       sie ein schon auf einem Ausdehnungsgrad der Produktion, der umge-
       kehrt unter  der  andren  Voraussetzung  weitaus  ungenügend  er-
       schiene. Sie  kommt zum Stillstand, nicht wo die Befriedigung der
       Bedürfnisse, sondem wo die Produktion und Realisierung von Profit
       diesen Stillstand gebietet.
       Sinkt die  Profitrate, so einerseits Anspannung des Kapitals, da-
       mit der einzelne Kapitalist durch beßre Methoden etc. den indivi-
       duellen Wert  seiner einzelnen  Waren unter ihren gesellschaftli-
       chen Durchschnittswert  herabdrückt und  so, bei  gegebnem Markt-
       preis, einen  Extraprofit macht; andrerseits Schwindel und allge-
       meine Begünstigung  des Schwindels durch leidenschaftliche Versu-
       che in  neuen Produktionsinethoden,  neuen Kapitalanlagen,  neuen
       Abenteuern, um irgendeinen Extraprofit zu sichern, der vom allge-
       meinen Durchschnitt unabhängig ist und sich über ihn erhebt.
       Die Profitrate,  d.h. der verhältnismäßige Kapitalzuwachs ist vor
       allem wichtig  für alle neuen, sich selbständig gruppierenden Ka-
       pitalableger. Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die
       Hände einiger  wenigen, fertigen  Großkapitale fiele, für die die
       Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende
       Feuer der Produktion erloschen. Sie würde einschlummern. Die Pro-
       fitrate ist  die treibende  Macht in der kapitalistischen Produk-
       tion, und  es wird  nur produziert,  was und soweit es mit Profit
       produziert werden  kann. Daher  die Angst der englischen Ökonomen
       über die  Abnahme der  Profitrate. Daß  die bloße Möglichkeit Ri-
       cardo beunruhigt, zeigt gerade sein tiefes Verständnis der Bedin-
       gungen der kapitalistischen Produktion. Was ihm vorgeworfen wird,
       daß er,  um die Menschen unbekümmert, bei Betrachtung der kapita-
       listischen Produktion  nur die Entwicklung der Produktivkräfte im
       Auge hat - mit welchen Opfern an Menschen und Kapitalwerten immer
       erkauft -,  ist gerade das Bedeutende an ihm. Die Entwicklung der
       Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit ist die historische
       Aufgabe und  Berechtigung des Kapitals. Eben damit schafft es un-
       bewußt die  materiellen Bedingungen einer höhern Produktionsform.
       Was Ricardo  beunruhigt, ist, daß die Profitrate, der Stachel der
       kapitalistischen Produktion  und Bedingung, wie Treiber der Akku-
       mulation, durch die
       
       #270# III. Abschnitt - Gesetz des tendenziellen Falls...
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       Entwicklung der Produktion selbst gefährdet wird. Und das quanti-
       tativ, Verhältnis  ist hier alles. Es liegt in der Tat etwas Tie-
       feres zugrunde,  das er nur ahnt. Es zeigt sich hier in rein öko-
       nomischer Weise,  d.h.  vom  Bourgeoisstandpunkt,  innerhalb  der
       Grenzen des kapitalistischen Verstandes, vom Standpunkt der kapi-
       talistischen Produktion  selbst, ihre Schranke, ihre Relativität,
       daß sie  keine absolute,  sondern nur eine historische, einer ge-
       wissen beschränkten  Entwicklungsepoche der materiellen Produkti-
       onsbedingungen entsprechende Produktionsweise ist.

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