Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       Vierter Abschnitt
       Verwandlung von Warenkapital und Geldkapital in Warenhandlungska-
       pital und Geldhandlungskapital (kaufmännisches Kapital)
       
       SECHZEHNTES KAPITEL
       Das Warenhandlungskapital
       
       Das kaufmännische  oder Handelskapital  zerfällt in  zwei  Formen
       oder Unterarten,  Warenhandlungskapital und Geldhandlungskapital,
       die wir  jetzt näher  charakterisieren werden, soweit es zur Ana-
       lyse des Kapitals in seiner Kernstruktur nötig ist. Und es ist um
       so nötiger,  als die moderne Ökonomie, selbst in ihren besten Re-
       präsentanten, das Handelskapital direkt mit dem industriellen Ka-
       pital zusammenwirft und seine charakterisen Eigentümlichkeiten in
       der Tat ganz übersieht.
       
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       Die Bewegung des Warenkapitals ist in Buch II 1*) analysiert wor-
       den. Das Gesamtkapital der Gesellschaft betrachtet, befindet sich
       stets ein Teil desselben, obgleich aus stets andren Elementen zu-
       sammengesetzt und  selbst von wechselnder Größe, als Ware auf dem
       Markt, um  in Geld  überzugehn; ein  andrer Teil  in Geld auf dem
       Markt, um in Ware überzugehn. Es ist stets in der Bewegung dieses
       Übergehns, dieser  formellen Metamorphose begriffen. Sofern diese
       Funktion des im Zirkulationsprozeß befindhchen Kapitals überhaupt
       als besondre  Funktion eines  besondren Kapitals  verselbständigt
       wird, sich  fixiert als  eine durch  die Teilung der Arbeit einer
       besondren Gattung von Kapitalisten zugewiesene Funktion, wird das
       Warenkapital zum  Warenhandlungskapital oder  kommerziellen Kapi-
       tal.
       Es ist  (Buch II,  Kap. VI, die Zirkulationskosten, 2 und 3) aus-
       einandergesetzt worden,  wieweit Transportindustrie, Aufbewahrung
       und Verteilung
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       1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 91-103
       
       #279# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       der Waren in einer distributablen Form als Produktionsprozesse zu
       betrachten sind, die innerhalb des Zirkulationsprozesses fortdau-
       ern. Diese Zwischenfälle der Zirkulation des Warenkapitals werden
       zum Teil  verwechselt mit den eigentümlichen Funktionen des kauf-
       männischen oder  Warenhandlungskapitals; zum Teil finden sie sich
       mit dessen  eigentümfichen spezifischen  Funktionen in der Praxis
       verbunden, obgleich  mit der  Entwicklung der  gesellschaftlichen
       Teilung der  Arbeit die  Funktion des Kaufmannskapitals sich auch
       rein herausarbeitet,  d.h. geschieden von jenen realen Funktionen
       und selbständig gegen sie. Für unsern Zweck, wo es gilt, die spe-
       zifische Differenz  dieser besondren  Gestalt des Kapitals zu be-
       stimmen, ist  von jenen  Funktionen also  zu abstrahieren. Soweit
       das bloß  im Zirkulationsprozeß fungierende Kapital, speziell das
       Warenhandlungskapital, zum  Teil jene  Funktionen mit  den seinen
       verbindet, tritt  es nicht in seiner reinen Form hervor. Nach der
       Abstreifung und  Entfernung jener  Funktionen haben wir die reine
       Form desselben.
       Man hat  gesehn, daß das Dasein des Kapitals als Warenkapital und
       die Metamorphose,  die es  innerhalb der  Zirkulationssphäre, auf
       dem Markt,  als Warenkapital  durchläuft - eine Metamorphose, die
       sich in  Kaufen und Verkaufen auflöst, Verwandlung von Warenkapi-
       tal in  Geldkapital und  von Geldkapital  in Warenkapital -, eine
       Phase des  Reproduktionsprozesses des industriellen Kapitals bil-
       det, also seines Gesamtproduktionsprozesses; daß es sich zugleich
       aber in  dieser seiner  Funktion als Zirkulationskapital von sich
       selbst als produktivem Kapital unterscheidet. Es sind zwei geson-
       derte, unterschiedne  Existenzformen desselben Kapitals. Ein Teil
       des gesellschaftlichen  Gesamtkapitals befindet  sich fortwährend
       in dieser  Existenzform als Zirkulationskapital auf dem Markt, im
       Prozeß dieser Metamorphose begriffen, obgleich für jedes einzelne
       Kapital sein  Dasein als  Warenkapital und seine Metamorphose als
       solches nur  einen beständig verschwindenden und beständig erneu-
       erten Durchgangspunkt, ein Durchgangsstadium der Kontinuität sei-
       nes Produktionsprozesses  bildet und  obgleich daher die Elemente
       des auf  dem Markt befindlichen Warenkapitals beständig wechseln,
       indem sie  beständig dem  Warenmarkt entzogen  und ihm ebenso be-
       ständig als  neues Produkt des Produktionsprozesses zurückgegeben
       werden.
       Das Warenhandlungskapital nun ist nichts als die verwandelte Form
       eines Teils  dieses beständig  auf dem Markt befindlichen, in dem
       Prozeß der Metamorphose befindlichen und stets von der Zirkulati-
       onssphäre umfangenen Zirkulationskapitals. Wir sagen eines Teils,
       weil ein  Teil des Warenverkaufs und -kaufs beständig direkt zwi-
       schen den  industriellen Kapitalisten  selbst vorgeht. Von diesem
       Teil abstrahieren wir ganz in dieser
       
       #280# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       Untersuchung, da  er zur  Begriffsbestimmung, zur Einsicht in die
       spezifische Natur  des Kaufmannskapitals nicht beiträgt und ande-
       rerseits für  unsern Zweck  erschöpfend bereits im Buch II darge-
       stellt worden.
       Der Warenhändler,  als Kapitalist  überhaupt, tritt  zunächst auf
       den Markt  als Repräsentant  einer gewissen Geldsumme, die er als
       Kapitalist vorschießt,  d.h., die  er aus  x (dem  ursprünglichen
       Wert der  Summe) in x + delta x (diese Summe plus dem Profit dar-
       aus verwandeln  will. Aber  für ihn  nicht nur  als  Kapitalisten
       überhaupt, sondern speziell als Warenhändler ist es selbstredend,
       daß sein  Kapital ursprünglich  in der  Form des Geldkapitals auf
       dem Markt erscheinen muß, denn er produziert keine Waren, sondern
       handelt nur mit ihnen, vermittelt ihre Bewegung, und um mit ihnen
       zu handeln, muß er sie zuerst kaufen, also Besitzer von Geldkapi-
       tal sein.
       Gesetzt, ein  Warenhändler besitze 3000 Pfd.St., die er als Hand-
       lungskapital verwertet.  Er kauft  mit diesen  3000 Pfd.St. z. B.
       30 000 Ellen  Leinwand vom Leinwandfabrikanten, die Elle zu 2 sh.
       Er  verkauft  diese  30 000  Ellen.  Wenn  die  jährliche  Durch-
       schnittsprofitrate =  10% und er nach Abzug aller Nebenkosten 10%
       jährlichen Profit  macht, so  hat er  am Ende  des Jahrs die 3000
       Pfd. St.  in 3300 Pfd.St. verwandelt. Wie er diesen Profit macht,
       ist eine  Frage, die  wir erst  später behandeln. Hier wollen wir
       zunächst die  bloße Form der Bewegung seines Kapitals betrachten.
       Er kauft mit den 3000 Pfd.St. beständig Leinwand und verkauft be-
       ständig diese  Leinwand; wiederholt beständig diese Operation des
       Kaufens, um zu verkaufen, G-W-G', die einfache Form des Kapitals,
       wie es ganz in den Zirkulationsprozeß gebannt ist, ohne durch das
       Intervall des  Produktionsprozesses, der  außerhalb seiner eignen
       Bewegung und Funktion liegt, unterbrochen zu werden.
       Welches ist  nun das Verhältnis dieses Warenhandlungskapitals zum
       Warenkapital als  einer bloßen Existenzform des industriellen Ka-
       pitals? Was  den Leinwandfabrikanten  betrifft, so hat er mit dem
       Geld des Kaufmanns den Wert seiner Leinwand realisiert, die erste
       Phase der  Metamorphose seines  Warenkapitals, dessen Verwandlung
       in Geld,  vollzogen und  kann nun, bei sonst gleichbleibenden Um-
       ständen, das  Geld rückverwandeln  in  Garn,  Kohle,  Arbeitslohn
       etc., andrerseits  in Lebensmittel  etc. zum Verzehr seiner Reve-
       nue; also,  abgesehn von der Revenueausgabe, im Reproduktionspro-
       zeß fortfahren.
       Aber obgleich  für ihn,  den Produzenten der Leinwand, ihre Meta-
       morphose in  Geld, ihr  Verkauf stattgefunden  hat, hat  sie noch
       nicht stattgefunden  für die  Leinwand selbst.  Sie befindet sich
       nach wie vor auf dem
       
       #281# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       Markt als  Warenkapital mit  der Bestimmung,  ihre erste Metamor-
       phose zu  vollziehn, verkauft  zu werden. Mit dieser Leinwand hat
       sich nichts zugetragen als ein Wechsel in der Person ihres Besit-
       zers. Ihrer  eignen Bestimmung  nach, ihrer  Stellung  im  Prozeß
       nach, ist  sie nach  wie vor Warenkapital, verkäufliche Ware; nur
       daß sie  jetzt in der Hand des Kaufmanns, statt früher des Produ-
       zenten ist. Die Funktion, sie zu verkaufen, die erste Phase ihrer
       Metamorphose zu  vermitteln, ist  dem Produzenten durch den Kauf-
       mann abgenommen und in sein besondres Geschäft verwandelt worden,
       während es  früher eine Funktion war, die dem Produzenten zu ver-
       richten blieb, nachdem er die Funktion, sie zu produzieren, erle-
       digt hatte.
       Gesetzt, es  gelinge dem Kaufmann nicht, die 30 000 Ellen zu ver-
       kaufen während des Intervalls, das der Leinwandproduzent braucht,
       um von neuem 30 000 Ellen zum Wert von 3000 Pfd.St. auf den Markt
       zu werfen.  Der Kaufmann kann sie nicht von neuem kaufen, weil er
       noch die 30 000 unverkauften Ellen auf Lager hat und sie ihm noch
       nicht rückverwandelt  sind in Geldkapital. Es tritt dann Stockung
       ein, Unterbrechung der Reproduktion. Der Leinwandproduzent könnte
       allerdings zuschüssiges  Geldkapital zur Verfügung haben, das er,
       unabhängig vom Verkauf der 30 000 Ellen, fähig wäre, in produkti-
       ves Kapital zu verwandeln und so den Produktionsprozeß fortzufah-
       ren. Aber  diese Unterstellung ändert an der Sache nichts. Soweit
       das in  den 30 000  Ellen vorgeschoßne Kapital in Betracht kommt,
       ist und  bleibt  dessen  Reproduktionsprozeß  unterbrochen.  Eher
       zeigt es  sich also in der Tat handgreiflich, daß die Operationen
       des Kaufmanns  weiter nichts  sind als die Operationen, die über-
       haupt verrichtet werden müssen, um das Warenkapital des Produzen-
       ten in Geld zu verwandeln, die Operationen, welche die Funktionen
       des Warenkapitals  im Zirkulations-  und Reproduktionsprozeß ver-
       mitteln. Wenn  statt eines unabhängigen Kaufmanns ein bloßer Kom-
       mis des  Produzenten sich  ausschließlich mit diesem Verkauf, und
       außerdem mit  dem Einkauf, zu beschäftigen hätte, wäre dieser Zu-
       sammenhang keinen Augenblick versteckt.
       Das Warenhandlungskapital ist also durchaus nichts andres als das
       Warenkapital des  Produzenten, das  den Prozeß seiner Verwandlung
       in Geld  durchzumachen, seine  Funktion als  Warenkapital auf dem
       Markt zu verrichten hat, nur daß diese Funktion statt als beiläu-
       fige Operation  des Produzenten nun als ausschließliche Operation
       einer besondren  Gattung von  Kapitalisten, der Warenhändler, er-
       scheint, verselbständigt  wird als Geschäft einer besondren Kapi-
       talanlage.
       
       #282# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       Übrigens zeigt sich dies auch in der spezifischen Form der Zirku-
       lation des  Warenhandlungskapitals. Der  Kaufmann kauft  die Ware
       und verkauft  sie dann: G-W-G'. In der einfachen Warenzirkulation
       oder selbst in der Warenzirkulation, wie sie als Zirkulationspro-
       zeß des industriellen Kapitals erscheint, W'-G-W, wird die Zirku-
       lation dadurch  vermittelt, daß jedes Geldstück zweimal die Hände
       wechselt. Der  Leinwandproduzent verkauft  seine Ware,  die Lein-
       wand, verwandelt  sie in Geld; das Geld des Käufers geht in seine
       Hand über.  Mit diesem  selben Geld  kauft er Garn, Kohle, Arbeit
       etc., gibt  dasselbe Geld  wieder aus,  um den  Wert der Leinwand
       rückzuverwandeln in  die Waren,  die die  Produktionselemente der
       Leinwand bilden. Die Ware, die er kauft, ist nicht dieselbe Ware,
       nicht Ware  derselben Art,  wie die, die er verkauft. Er hat Pro-
       dukte verkauft  und Produktionsmittel  gekauft. Aber  es  verhält
       sich anders  in der Bewegung des Kaufrnannskapitals. Mit den 3000
       Pfd.St. kauft  der Leinwandhändler 30 000 Ellen Leinwand; er ver-
       kauft dieselben  30 000 Ellen  Leinwand, um das Geldkapital (3000
       Pfd.St. nebst  Profit) aus  der Zirkulation  zurückzuziehn.  Hier
       wechseln also  nicht dieselben  Geldstücke, sondern dieselbe Ware
       zweimal die  Stelle; sie  geht aus der Hand des Verkäufers in die
       des Käufers  und aus  der Hand des Käufers, der nun Verkäufer ge-
       worden, in  die eines  andren Käufers über. Sie wird zweimal ver-
       kauft und  kann noch mehr mals verkauft werden bei Zwischenschle-
       ben einer Reihe von Kaufleuten; und gerade erst durch diesen wie-
       derholten Verkauf, den zweimaligen Stellenwechsel derselben Ware,
       wird das  im Ankauf  der Ware vorgeschoßne Geld vom ersten Käufer
       zurückgezogen, der  Rückfluß desselben  zu ihm vermittelt. In dem
       einen Fall  W'-G-W vermittelt  der zweimalige Stellenwechsel des-
       selben Geldes,  daß Ware  in einer Gestalt veräußert und in einer
       andren Gestalt angeeignet wird. In dem andren Fall G-W-G' vermit-
       telt der zweimalige Stellenwechsel derselben Ware, daß das vorge-
       schoßne Geld  wieder aus  der Zirkulation  zurückgezogen wird. Es
       zeigt sich eben darin, daß die Ware noch nicht endgültig verkauft
       wird, sobald  sie aus  der Hand  des Produzenten in die des Kauf-
       manns übergegangen,  daß der letztre die Operation des Verkaufs -
       oder die  Vermittlung der Funktion des Warenkapitals - nur weiter
       fortführt. Es  zeigt sich  aber zugleich  darin, daß, was für den
       produktiven Kapitalisten W-G, eine bloße Funktion seines Kapitals
       in seiner vorübergehenden Gestalt als Warenkapital, für den Kauf-
       mann G-W-G',  eine besondre  Verwertung des von ihm vorgeschoßnen
       Geldkapitals ist.  Eine Phase  der Warenmetamorphose  zeigt  sich
       hier, mit  Bezug auf den Kaufmann, als G-W-G', also als Evolution
       einer eignen Sorte von Kapital.
       
       #283# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       Der Kaufmann  verkauft definitiv  die Ware, also die Leinwand, an
       den Konsumenten,  ob dies nun ein produktiver Konsument sei (z.B.
       ein Bleicher)  oder ein individueller, der die Leinwand zu seinem
       Privatgebrauch vernutzt. Dadurch kehrt ihm das vorgeschoßne Kapi-
       tal (mit  Profit) zurück, und er kann die Operation von neuem be-
       ginnen. Hätte  beim Kauf  der Leinwand das Geld nur als Zahlungs-
       mittel fungiert, so daß er erst sechs Wochen nach Abnahme zu zah-
       len brauchte, und hätte er vor dieser Zeit verkauft, so könnte er
       den Leinwandproduzenten  zahlen, ohne  selbst Geldkapital  vorge-
       schossen zu  haben. Hätte  er sie nicht verkauft, so müßte er die
       3000 Pfd.St.  bei Verfall,  statt sogleich  bei  Ablieferung  der
       Leinwand an  ihn, vorschießen; und hätte er wegen eines Falls der
       Marktpreise sie unter dem Einkaufspreis verkauft, so müßte er den
       fehlenden Teil aus seinem eignen Kapital ersetzen.
       Was gibt  nun dem Warenhandlungskapital den Charakter eines selb-
       ständig fungierenden Kapitals, während es in der Hand des selbst-
       verkaufenden Produzenten  augenscheinlich nur  als eine  besondre
       Form seines  Kapitals in einer besondren Phase seines Reprodukti-
       onsprozesses, während  seines Aufenthalts  in  der  Zirkulations-
       sphäre, erscheint?
       Erstens: Daß  das Warenkapital in der Hand eines, von seinem Pro-
       duzenten verschiednen,  Agenten seine  definitive Verwandlung  in
       Geld, also  seine erste  Metamorphose, seine ihm qua Warenkapital
       zukommende Funktion  auf dem  Markt vollzieht und daß diese Funk-
       tion des  Waren. kapitals  vermittelt ist durch die Operation des
       Kaufmanns, durch  sein Kaufen  und Verkaufen, so daß diese Opera-
       tion als eignes, von den übrigen Funktionen des industriellen Ka-
       pitals getrenntes  und daher verselbständig tes Geschäft sich ge-
       staltet. Es ist eine besondre Form der gesellschaftlichen Teilung
       der Arbeit,  so daß  ein Teil  der sonst in einer besondren Phase
       des Reproduktionsprozesses des Kapitals, hier der Zirkulation, zu
       verrichtenden Funktion  als die  ausschließliche  Funktion  eines
       eignen, vom  Produzenten unterschiednen  Zirkulationsagenten  er-
       scheint. Aber damit erschiene dies besondre Geschäft noch keines-
       wegs als  die Funktion  eines besondren, von dem in seinem Repro-
       duktionsprozeß begriffnen industriellen Kapital verschiednen, und
       gegen es selbständigen Kapitals; wie es denn in der Tat nicht als
       solches da  erscheint, wo  der Warenhandel  betrieben wird  durch
       bloße Handelsreisende  oder andre direkte Agenten des industriel-
       len Kapitalisten.  Es muß  also noch ein zweites Moment hinzukom-
       men.
       Zweitens: Dies  kommt dadurch herein, daß der selbständige Zirku-
       lationsagent, der  Kaufmann, Geldkapital (eignes oder geliehenes)
       in dieser Position vorschießt.  Was für das in seinem Reprodukti-
       onsprozeß befindliche industrielle
       
       #284# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       Kapital sich  einfach als  W-G, Verwandlung  des Warenkapitals in
       Geldkapital oder  bloßen Verkauf  darstellt, stellt  sich für den
       Kaufmann dar  als G-W-G', als Kauf und Verkauf derselben Ware und
       daher als  Rückfluß des  Geldkapitals, das  sich im  Kauf von ihm
       entfernt, zu ihm zurück durch den Verkauf.
       Es ist  immer W-G, die Verwandlung des Warenkapitals in Geldkapi-
       tal, das sich für den Kaufmann als G-W-G darstellt, sofern er Ka-
       pital vorschießt, im Kauf der Ware von den Produzenten; immer die
       erste Metamorphose  des Warenkapitals,  obgleich derselbe Akt für
       einen Produzenten  oder für das in seinem Reproduktionsprozeß be-
       findliche industrielle  Kapital sich als G-W, Rückverwandlung des
       Gelds in  Ware (die  Produktionsmittel) oder als zweite Phase der
       Metamorphose darstellen  mag. Für den Leinwandproduzenten war W-G
       die erste  Metamorphose, Verwandlung des Warenkapitals in Geldka-
       pital. Dieser  Akt stellt sich für den Kaufmann dar als G-W, Ver-
       wandlung seines Geldkapitals in Warenkapital. Verkauft er nun die
       Leinwand an  den Bleicher, so stellt dies für den Bleicher dar G-
       W, Verwandlung  von Geldkapital  in produktives  Kapital oder die
       zweite Metamorphose  seines Warenkapitals;  für den Kaufmann aber
       W-G, den  Verkauf der  von ihm gekauften Leinwand. In der Tat ist
       aber erst  jetzt das  Warenkapital, das der Leinwandfabrikant fa-
       briziert hat,  endgültig verkauft,  oder dies G-W-G des Kaufmanns
       stellt nur  einen vermittelnden  Prozeß dar  für das W-G zwischen
       zwei Produzenten. Oder nehmen wir an, der Leinwandfabrikant kauft
       mit einem  Teil des  Werts der verkauften Leinwand Garn von einem
       Garnhändler. So  ist dies für ihn G-W. Aber für den Kaufmann, der
       das Garn  verkauft, ist  es W-G,  Wiederverkauf des Garns; und in
       bezug auf  das Garn selbst, als Warenkapital, ist es nur sein de-
       finitiver Verkauf,  womit es  aus der  Zirkulationssphäre in  die
       Konsumtionssphäre übertritt;  W-G, der endgültige Abschluß seiner
       ersten Metamorphose. Ob der Kaufmann also vom industriellen Kapi-
       talisten kauft  oder an  ihn verkauft,  sein G-W-G, der Kreislauf
       des Kaufmannskapitals,  drückt immer  nur aus,  was mit Bezug auf
       das Warenkapital  selbst, als Durchgangsform des sich reproduzie-
       renden industriellen Kapitals bloß W-G, bloß die Vollziehung sei-
       ner ersten  Metamorphose ist.  Das G-W  des Kaufmannskapitals ist
       nur für  den industriellen  Kapitalisten zugleich W-G, nicht aber
       für das von ihm 1*) produzierte Warenkapital: es ist nur Übergang
       des Warenkapitals  aus der Hand des Industriellen in die des Zir-
       kulationsagenten; erst  das W-  G des  Kaufmannskapitals ist  das
       end-
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       1*) 1. Auflage: für ihn; geändert nach dem Manuskript von Marx
       
       #285# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       gültige W-G  des fungierenden  Warenkapitals. G-W-G sind nur zwei
       W-G desselben  Warenkapitals, zwei sukzessive Verkäufe desselben,
       die seinen  letzten und  definitiven Verkauf  nur vermitteln. Das
       Warenkapital nimmt  also im Warenhandlungskapital dadurch die Ge-
       stalt einer  selbständigen Sorte von Kapital an, daß der Kaufmann
       Geldkapital vorschießt,  das sich  nur als Kapital verwertet, nur
       als Kapital  fungiert, indem  es ausschließlich damit beschäftigt
       ist, die  Metamorphose des  Warenkapitals, seine Funktion als Wa-
       renkapital, d.h.  seine Verwandlung in Geld zu vermitteln, und es
       tut dies  durch beständigen  Kauf und Verkauf von Waren. Dies ist
       seine ausschließliche Operation; diese den Zirkulationsprozeß des
       industriellen Kapitals vermittelnde Tätigkeit ist die ausschließ-
       liche Funktion  des Geldkapitals,  womit der  Kaufmann  operiert.
       Durch diese  Funktion verwandelt  er sein  Geld  in  Geldkapital,
       stellt sein  G dar als G-W-G', und durch denselben Prozeß verwan-
       delt er das Warenkapital in Warenhandlungskapital.
       Das Warenhandlungskapital,  sofern und solange es in der Form des
       Warenkapitals existiert  - den  Reproduktionsprozeß  des  gesell-
       schaftlichen Gesamtkapitals  betrachtet  -,  ist  augenscheinlich
       nichts andres  als der  noch auf dem Markt befindliche, im Prozeß
       seiner Metamorphose  begriffene Teil  des industriellen Kapitals,
       der jetzt  als Warenkapital  existiert und  fungiert. Es ist also
       nur das vom Kaufmann vorgeschoßne Geldkapital, das ausschließlich
       zum Kauf  und Verkauf  bestimmt ist, daher nie andre Form als die
       des Warenkapitals und Geldkapitals, nie die des produktiven Kapi-
       tals annimmt  und stets  in der  Zirkulationssphäre des  Kapitals
       eingepfercht bleibt  - es  ist nur dies Geldkapital, was jetzt zu
       betrachten ist mit Bezug auf den gesamten Reproduktionsprozeß des
       Kapitals.
       Sobald der  Produzent, der  Leinwandfabrikant, seine 30 000 Ellen
       an den  Kaufmann für  3000 Pfd.St. verkauft hat, kauft er mit dem
       so gelösten  Geld die nötigen Produktionsmittel, und sein Kapital
       geht wieder  in den Produktionsprozeß ein; sein Produktionsprozeß
       kontinuiert, geht  ununterbrochen fort.  Für ihn hat die Verwand-
       lung seiner  Ware in  Geld stattgefunden.  Aber für  die Leinwand
       selbst hat die Verwandlung, wie wir sahen, noch nicht stattgefun-
       den. Sie  ist noch  nicht endgültig  in Geld rückverwandelt, noch
       nicht als  Gebrauchswert, sei es in die produktive, sei es in die
       individuelle Konsumtion  eingegangen. Der  Leinwandhändler reprä-
       sentiert jetzt auf dem Markt dasselbe Warenkapital, das der Lein-
       wand. Produzent  dort ursprünglich repräsentierte. Für diesen ist
       der Prozeß  der Metamorphose  abgekürzt, aber nur, um in der Hand
       des Kaufmanns fortzudauern.
       
       #286# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       Müßte der  Leinwandproduzent warten,  bis seine Leinwand wirklich
       aufgehört hat,  Ware zu  sein, bis sie an den letzten Käufer, den
       produktiven oder  individuellen Konsumenten  übergegangen ist, so
       wäre sein  Reproduktionsprozeß unterbrochen. Oder um ihn nicht zu
       unterbrechen, hätte  er seine  Operationen  einschränken  müssen,
       einen geringem Teil seiner Leinwand in, Kohlen, Arbeit etc., kurz
       in die  Elemente des  produktiven Kapitals  verwandeln und  einen
       gräßern Teil  davon als Geldreserve bei sich behalten müssen, da-
       mit, während ein Teil seines Kapitals sich als Ware auf dem Markt
       befindet, ein andrer Teil den Produktionsprozeß fortsetzen könne,
       so daß,  wenn dieser als Ware auf den Markt tritt, jener in Geld-
       form zurückfließt.  Diese Teilung  seines Kapitals wird durch die
       Dazwischenkunft des  Kaufmanns nicht beseitigt. Aber ohne letztre
       müßte der  in Form  von Geldreserve vorhandne Teil des Zirkulati-
       onskapitals stets  größer sein  im Verhältnis  zu dem in Form von
       produktivem Kapital  beschäftigten Teil  und dementsprechend  die
       Stufenleiter der  Reproduktion beschränkt  werden.  Statt  dessen
       kann der Produzent nun einen größern Teil seines Kapitals bestän-
       dig im  eigentlichen Produktionsprozeß  anwenden, einen  geringem
       als Geldreserve.
       Dafür befindet  sich aber nun ein andrer Teil des gesellschaftli-
       chen Kapitals,  in der  Form des Kaufmannskapitals, beständig in-
       nerhalb der  Zirkulationssphäre. Er  ist stets  nur angewandt, um
       Ware zu  kaufen und  zu verkaufen.  Es scheint so nur ein Wechsel
       der Personen  vorgegangen zu  sein, die  dies Kapital in der Hand
       haben.
       Wendete der  Kaufmann, statt für 3000 Pfd.St. Leinwand zu kaufen,
       in der  Absicht, sie  wieder zu  verkaufen,  diese  3000  Pfd.St.
       selbst produktiv  an, so  wäre das produktive Kapital der Gesell-
       schaft vergrößert.  Allerdings müßte  dann der  Leinwandproduzent
       einen bedeutendem  Teil seines  Kapitals als Geldreserve festhal-
       ten, und  ebenso der  jetzt in  einen industriellen  Kapitalisten
       verwandelte Kaufmann.  Andrerseits, wenn  der  Kaufmann  Kaufmann
       bleibt, so  spart der  Produzent Zeit  im Verkaufen,  die er  zur
       Überwachung des  Produktionsprozesses anwenden  kann, während der
       Kaufmann seine ganze Zeit im Verkaufen verwenden muß.
       Falls das  Kaufmannskapital nicht  seine notwendigen Proportionen
       überschreitet, ist anzunehmen:
       1. daß  infolge der Teilung der Arbeit das Kapital, das sich aus-
       schließlich mit  Kaufen und  Verkaufen beschäftigt (und es gehört
       hierzu außer  dem Geld  zum Ankauf von Waren das Geld, das ausge-
       legt werden  muß in  der zum Betrieb des kaufmännischen Geschäfts
       notwendigen Arbeit, im konstanten Kapital des Kaufmanns, Lagerge-
       bäuden, Transport etc.), kleiner
       
       #287# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       ist, als  es wäre,  wenn der  industrielle Kapitalist  den ganzen
       kaufmännischen Teil seines Geschäfts selbst betreiben müßte;
       2. daß, weil der Kaufmann ausschließlich mit diesem Geschäft sich
       befaßt, nicht  nur für  den Produzenten seine Ware früher in Geld
       verwandelt wird,  sondern das  Warenkapital selbst  rascher seine
       Metamorphose durchmacht,  als es  in der Hand des Produzenten tun
       wurde;
       3. daß,  das gesamte Kaufmannskapital im Verhältnis zum industri-
       ellen Kapital  betrachtet,  ein  Umschlag  des  Kaufmannskapitals
       nicht nur  die Umschläge  vieler Kapitale  in einer  Produktions-
       sphäre, sondern  die Umschläge einer Anzahl von Kapitalen in ver-
       schiednen Produktionssphären vorstellen kann. Das erstere ist der
       Fall, wenn  z.B. der  Leinwandhändler, nachdem er mit seinen 3000
       Pfd.St. das  Produkt eines Leinwandproduzenten gekauft und wieder
       verkauft hat,  bevor derselbe  Produzent dasselbe  Quantum  Waren
       wieder auf  den Markt wirft, das Produkt eines andren oder mehre-
       rer Leinwandproduzenten  kauft und  dies wieder  verkauft, so die
       Umschläge verschiedner  Kapitale in  derselben  Produktionssphäre
       vermittelnd. Das zweite, wenn der Kaufmann, z.B. nach dem Verkauf
       der Leinwand,  nun Seide  kauft, also den Umschlag eines Kapitals
       in einer andern Produktionssphäre vermittelt.
       Im allgemeinen  ist zu  bemerken: Der  Umschlag des industriellen
       Kapitals ist  nicht nur durch die Umlaufszeit, sondern auch durch
       die Produktionszeit  beschränkt. Der  Umschlag des Kaufmannskapi-
       tals, soweit  es nur mit einer bestimmten Warensorte handelt, ist
       beschränkt nicht durch den Umschlag eines industriellen Kapitals,
       sondern durch  den aller industriellen Kapitale in demselben Pro-
       duktionszweig. Nachdem  der Kaufmann  die Leinwand des einen gek-
       auft und  verkauft, kann  er die des andren kaufen und verkaufen,
       bevor der  erste wieder  eine Ware  auf den Markt wirft. Dasselbe
       Kaufmannskapital kann  also  nacheinander  die  verschiednen  Um-
       schläge der in einem Produktionszweig angelegten Kapitale vermit-
       teln; so daß sein Umschlag nicht identisch ist mit den Umschlägen
       eines einzelnen  industriellen Kapitals  und daher nicht bloß die
       eine Geldreserve  ersetzt, die dieser einzelne industrielle Kapi-
       talist in  petto haben  müßte. Der Umschlag des Kaufmannskapitals
       in einer  Produktionssphäre ist  natürlich durch deren Gesamtpro-
       duktion beschränkt.  Aber er ist nicht beschränkt durch die Gren-
       zen der  Produktion oder die Umschlagszeit des einzelnen Kapitals
       derselben Sphäre,  soweit diese Umschlagszeit durch die Produkti-
       onszeit gegeben ist. Gesetzt, A liefre eine Ware, die drei Monate
       zu ihrer Produktion braucht. Nachdem der Kaufmann sie gekauft und
       verkauft, sage in einem Monat, kann er dasselbe Produkt eines an-
       dren Produzenten kaufen
       
       #288# IV.Abschnitt - Da kufmännische Kapital
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       und verkaufen.  Oder nachdem  er z.B. das Getreide eines Pächters
       verkauft, kann  er mit  demselben Geld das des zweiten kaufen und
       verkaufen usw.  Der Umschlag  seines Kapitals  ist begrenzt durch
       die Masse  Getreide, die  er nacheinander in einer gegebnen Zeit,
       z.B. einem  Jahr, kaufen und verkaufen kann, während der Umschlag
       des Pächterkapitals, abgesehn von der Umlaufszeit, beschränkt ist
       durch die Produktionszeit, die ein Jahr dauert. Der Umschlag des-
       selben Kaufmannskapitals  kann aber  ebensogut die  Umschläge von
       Kapitalen in  verschiednen Produktionszweigen  vermitteln. Soweit
       dasselbe Kaufmannskapital  in verschiednen Umschlägen dazu dient,
       verschiedne Warenkapitale  sukzessive in  Geld zu verwandeln, sie
       also der Reihe nach kauft und verkauft, verrichtet es als Geldka-
       pital dieselhe  Funktion gegenüber dem Warenkapital, die das Geld
       überhaupt durch die Anzahl seiner Umläufe in einer gegebnen Peri-
       ode gegenüber den Waren verrichtet.
       Der Umschlag  des Kaufmannskapitals  ist nicht  identisch mit dem
       Umschlag oder der einmaligen Reproduktion eines gleich großen in-
       dustriellen Kapitals,  er ist  vielmehr gleich  der Summe der Um-
       schläge einer  Anzahl solcher  Kapitale, sei es in derselben, sei
       es in  verschiednen Produktionssphären. Je rascher das Kaufmanns-
       kapital umschlägt,  um so  kleiner, je langsamer es umschlägt, um
       so größer  ist der  Teil des gesamten Geldkapitals, das als Kauf-
       mannskapital figuriert.  Je unentwickelter  die Produktion, desto
       größer die  Summe des  Kaufmannskapitals im  Verhältnis zur Summe
       der überhaupt  in Zirkulation geworfnen Waren, desto kleiner aber
       ist es  absolut oder verglichen mit entwickeltem Zuständen. Umge-
       kehrt, umgekehrt.  In solchen  unentwickelten Zuständen  befindet
       sich daher  der größte  Teil des eigentlichen Geldkapitals in den
       Händen der  Kaufleute, deren Vermögen so den andren gegenüber das
       Geldvermögen bildet.
       Die Geschwindigkeit  der Zirkulation des vom Kaufmann vorgeschoß-
       nen Geldkapitals hängt ab: 1. von der Geschwindigkeit, womit sich
       der Produktionsprozeß  erneuert und die verschiednen Produktions-
       prozesse ineinandergreifen;  2. von  der Geschwindigkeit der Kon-
       sumtion.
       Es ist  nicht nötig,  daß das  Kaufmannskapital bloß den oben be-
       trachteten Umschlag durchmacht, für seinen ganzen Wertumfang erst
       Ware zu  kaufen und  sie dann  zu verkaufen. Sondern der Kaufmann
       macht gleichzeitig  beide Bewegungen  durch. Sein  Kapital  teilt
       sich dann  in zwei  Teile. Der  eine besteht aus Warenkapital und
       der andre  aus Geldkapital.  Er kauft  hier und  verwandelt damit
       sein Geld  in Ware.  Er verkauft  dort und verwandelt damit einen
       andren Teil des Warenkapitals in Geld. Auf der einen Seite strömt
       ihm sein Kapital als Geldkapital zurück. während auf der
       
       #289# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       andren ihm  Warenkapital zufließt. Je größer der Teil, der in der
       einen Form,  desto kleiner der, der in der andren existiert. Dies
       wechselt ab  und gleicht  1 ionssich  aus. Verbindet sich mit der
       Anwendung des  Geldes als Zirkulationsmittel die als Zahlungsmit-
       tel und  das darauf  erwachsende Kreditsystem, so vermindert sich
       noch ferner der Geldkapitalteil des Kaufmannskapitals im Verhält-
       nis zur  Größe der  Transaktionen, die dies Kaufmannskapital ver-
       richtet. Kaufe  ich für  1000 Pfd.St. Wein auf 3 Monate Ziel, und
       habe ich den Wein verkauft gegen bar, vor Ablauf der drei Monate,
       so ist für diese Transaktion kein Heller vorzuschießen. In diesem
       Fall ist auch sonnenklar, daß das Geldkapital, das hier als Kauf-
       mannskapital figuriert,  durchaus nichts ist als das industrielle
       Kapital selbst in seiner Form als Geldkapital, in seinem Rückfluß
       zu sich  in der Form des Geldes. (Daß der Produzent, der für 1000
       Pfd.St. Ware  auf 3  Monate Ziel  verkauft hat, den Wechsel, d.h.
       Schuldschein, dafür beim Bankier diskontieren kann, ändert nichts
       an der  Sache und hat nichts mit dem Kapital des Warenhändlers zu
       schaffen.) Fielen  die Marktpreise  der Ware  in der Zwischenzeit
       vielleicht um  1/10, so  erhielte der  Kaufmann nicht  nur keinen
       Profit, sondern  überhaupt nur 2700 Pfd.St. zurück statt 3000. Er
       müßte 300  Pfd.St. zulegen,  um zu zahlen. Diese 300 Pfd.St. fun-
       gierten nur als Reserve zur Ausgleichung der Preisdifferenz. Aber
       dasselbe gilt  für den  Produzenten. Hätte er selbst verkauft, zu
       fallenden Preisen, so hätte er ebenfalls 300 Pfd.St. verloren und
       könnte die Produktion auf derselben Stufenleiter nicht wieder be-
       ginnen ohne Reservekapital.
       Der Leinwandhändler kauft für 3000 Pfd.St. Leinwand vom Fabrikan-
       ten; dieser  zahlt von  diesen 3000 Pfd.St. z.B. 2000, um Garn zu
       kaufen; er  kauft dies  Garn vom Garnhändler. Das Geld, womit der
       Fabrikant den Garnhändler zahlt, ist nicht das Geld des Leinwand-
       händlers; denn  dieser hat Ware zum Belauf dieser Summe dafür er-
       halten. Es  ist Geldform  seines eignen Kapitals. In der Hand des
       Garnhändlers erscheinen  diese 2000 Pfd.St. nun als zurückgefloß-
       nes Geldkapital; aber wieweit sind sie es, als unter schieden von
       diesen 2000  Pfd.St., als der abgestreiften Geldform der Leinwand
       und der  angenommnen Geldform  des Garns? Hat der Garnhändler auf
       Kredit gekauft  und hat  er gegen bar verkauft vor Verfall seiner
       Zahlungsfrist, so steckt in diesen 2000 Pfd.St. kein Heller Kauf-
       mannskapital als  unterschieden von  der Geldform,  die das indu-
       strielle Kapital  selbst in  seinem Kreislaufsprozeß annimmt. Das
       Warenhandlungskapital, soweit  es also nicht bloße Form des indu-
       striellen Kapitals  ist, das sich in der Gestalt von Warenkapital
       oder Geldkapital  in der  Hand des Kaufmanns befindet, ist nichts
       als der Teil des Geldkapitals, der dem Kaufmann selbst gehört
       
       #290# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       und im  Kauf und  Verkauf von Waren umgetrieben wird. Dieser Teil
       stellt auf reduziertem Maßstab den Teil des zur Produktion vorge-
       schoßnen Kapitals  vor, der  sich  als  Geldreserve,  Kaufmittel,
       stets in  der Hand  des Industriellen  befinden und stets als ihr
       Geldkapital zirkulieren  müßte. Dieser  Teil befindet sich jetzt,
       reduziert, in  der Hand von kaufmännischen Kapitalisten; als sol-
       cher stets  fungierend im Zirkulationsprozeß. Es ist der Teil des
       Gesamtkapitals, der,  abgesehn von Revenueausgaben, beständig als
       Kaufmittel auf  dem Markt zirkulieren muß, um die Kontinuität des
       Reproduktionsprozesses in Gang zu halten. Er ist um so kleiner im
       Verhältnis zum  Gesamtkapital, je rascher der Reproduktionsprozeß
       und je  entwickelter die  Funktion des Geldes als Zahlungsmittel,
       d.h. des Kreditsystems. 38)
       Das Kaufmannskapital  ist nichts  als innerhalb der Zirkulations-
       sphäre fungierendes  Kapital.  Der  Zirkulationsprozeß  ist  eine
       Phase des  gesamten Reproduktionsprozesses. Aber im Zirkulations-
       prozeß wird kein Wert produziert,
       ---
       38) Um das Kaufmannskapiial als Produktionskapital klassifizieren
       zu können,  verwechselt Ramsay  es mit der Transportindustrie und
       nennt den  Handel: "den Transport der Waren von einem Ort zum an-
       deren". ("An  Essay on  the Distribution of Wealth." p. 19.) Die-
       selbe Verwechslung  schon bei Verri ("Meditazioni sull' Ec. Pol.,
       § 4,  [p. 32].)  und Say ("Traité' d' Éc. Pol.', I, p. 14, 15). -
       In seinen  "Elements of  Pol. Ec.",  (Andover und  New York 1835)
       sagt S. P. Newman: "Bei den bestehenden wirtschaftlichen Einrich-
       tungen der Gesellschaft ist die eigentliche Verrichtung des Kauf-
       manns, nämlich  zwischen dem  Produzenten und  dem Konsumenten zu
       stehen, dem  ersten Kapital vorzuschießen und Produkte als Gegen-
       leistung zu  erhalten, diese  Produkte dem anderen zu übermitteln
       und dafür  Kapital zurückzuerhalten, eine Transaktion, die sowohl
       den ökonomischen Prozeß der Gemeinschaft erleichtert als auch den
       Produkten, mit denen sie vollzogen wird, Wert zusetzt." (p. 174.)
       Produzent und  Konsument sparen so Geld und Zeit durch die Dazwi-
       schenkunft des  Kaufmanns. Dieser  Dienst erfordert  Vorschuß von
       Kapital und  Arbeit und  muß belohnt  werden, da er den Produkten
       Wert zusetzt, denn dieselben Produkte sind in den Händen der Kon-
       sumenten mehr wert als in den Händen der Produzenten". Und so er-
       scheint ihm  der Handel,  ganz wie  Herrn Say, als strenggenommen
       ein Produktionsakt"  (p. 175).  Diese Ansicht  Newmans ist grund-
       falsch. Der  Gebrauchswert einer  Ware ist größer in der Hand des
       Konsumenten als  in der  Hand des Produzenten, weil er hier über-
       haupt erst realisiert wird. Denn de Gebrauchswert einer Ware wird
       erst realisiert, tritt in Funktion, sobald die Ware in die Sphäre
       der Konsurntion  übertritt. In der Hand des Produzenten existiert
       er nur  in potentieller  Form. Aber  man bezahlt  eine Ware nicht
       zweimal, erst  ihren Tauschwert und dann ihren Gebrauchswert noch
       extra. Dafür, daß ich ihren Tauschwert zahle, eigne ich ihren Ge-
       brauchswert mir  an. Und  der Tauschwert erhält nicht den gering-
       sten Zuwachs  dadurch, daß  die Ware aus der Hand des Produzenten
       oder Zwischenhändlers in die des Konsumenten übergeht.
       
       #291# 16. Kapitel - Das Warenhandlungskapital
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       also auch  kein Mehrwert. Es gehn nur Formveränderungen derselben
       Wertmasse vor. Es geht in der Tat nichts vor als die Metamorphose
       der Waren,  die als solche mit Wertschöpfung oder Wertveränderung
       nichts zu  tun hat.  Wird beim  Verkauf der produzierten Ware ein
       Mehrwert realisiert,  so, weil  dieser bereits  in ihr existiert;
       bei dem  zweiten Akt,  dem Rückaustausch  des Geldkapitals  gegen
       Ware (Produktionselemente), wird daher auch vom Käufer kein Mehr-
       wert realisiert,  sondern hier nur durch Austausch des Geldes ge-
       gen Produktionsmittel  und Arbeitskraft  die Produktion des Mehr-
       werts eingeleitet.  Im Gegenteil. Soweit diese Metamorphosen Zir-
       kulationszeit kosten  - eine  Zeit, innerhalb  deren das  Kapital
       überhaupt nicht,  also auch keinen Mehrwert produziert -, ist sie
       Beschränkung der  Wertschöpfung, und  der Mehrwert  wird sich als
       Profitrate gerade  im umgekehrten Verhältnis zur Dauer der Zirku-
       lationszeit ausdrücken.  Das Kaufmannskapital schafft daher weder
       Wert noch  Mehrwert, d.h.  nicht direkt.  Sofern es zur Abkürzung
       der Zirkulationszeit beiträgt, kann es indirekt den vom industri-
       ellen Kapitalisten produzierten Mehrwert vermehren helfen. Soweit
       es den  Markt ausdehnen hilft und die Teilung der Arbeit zwischen
       den Kapitalen  vermittelt, also das Kapital befähigt, auf größrer
       Stufenleiter zu  arbeiten, befördert seine Funktion die Produkti-
       vität des  industriellen Kapitals und dessen Akkumulation. Soweit
       es die  Umlaufszeit abkürzt,  erhöht es  das Verhältnis des Mehr-
       werts zum  vorgeschoßnen Kapital,  also die Profitrate. Soweit es
       einen geringem  Teil des Kapitals als Geldkapital in die Zirkula-
       tionssphäre einbannt,  vermehrt es  den direkt  in der Produktion
       angewandten Teil des Kapitals.

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