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SIEBZEHNTES KAPITEL
Der kommerzielle Profit
Man hat in Buch II 1*) gesehn, daß die reinen Funktionen des Ka-
pitals in der Zirkulationssphäre - die Operationen, die der indu-
strielle Kapitalist vornehmen muß, um erstens den Wert seiner Wa-
ren zu realisieren und zweitens diesen Wert in die Produktionse-
lemente der Ware rückzuverwandeln, die Operationen zur Vermitt-
lung der Metamorphosen des Warenkapitals W'-G-W, also die Akte
des Verkaufens und Kaufens - weder Wert noch Mehrwert erzeugen.
Umgekehrt zeigte es sich, daß die Zeit, die hierfür erheischt,
objektiv mit Bezug auf die Waren und subjektiv mit Bezug auf den
Kapitalisten, Grenzen erzeugt für die Bildung von Wert und Mehr-
wert. Was von der Metamorphose des Warenkapitals an sich gilt,
wird natürlich in keiner Weise dadurch geändert, daß ein Teil
desselben die Gestalt des Warenhandlungskapitals annimmt oder daß
die Operationen, wodurch die Metamorphose des Warenkapitals ver-
mittelt wird, als das besondre Geschäft einer besondren Abteilung
von Kapitalisten oder als ausschließliche Funktion eines Teils
des Geldkapitals erscheint. Wenn das Verkaufen und Kaufen von Wa-
ren - und darin löst sich die Metamorphose des Warenkapitals W'-
G-W auf - durch die industriellen Kapitalisten selbst keine Wert
oder Mehrwert schaffenden Operationen sind, so werden sie es un-
möglich dadurch, daß sie statt von diesen, von andren Personen
verrichtet werden. Wenn ferner der Teil des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals, der beständig als Geldkapital disponibel sein
muß, damit der Reproduktionsprozeß nicht durch den Zirkulations-
prozeß unterbrochen werde, sondern kontinuierlich sei - wenn dies
Geldkapital weder Wert noch Mehrwert schafft, so kann es diese
Eigenschaften nicht dadurch erwerben, daß es, statt vom industri-
ellen Kapitalisten, von einer andern Abteilung Kapitalisten, zur
Verrichtung derselben Funktionen, beständig in Zirkulation gewor-
fen wird.
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1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 124-128
#293# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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Wieweit das Kaufmannskapital indirekt produktiv sein kann, ist
bereits angedeutet und wird später noch weiter erörtert werden.
Das Warenhandlungskapital also - abgestreift alle heterogenen
Funkti,nen, wie Aufbewahren, Spedieren, Transportieren, Eintei-
len, Detaillieren, die damit verknüpft sein mögen, und beschränkt
auf seine wahre Funktion des Kaufens, um zu verkaufen - schafft
weder Wert noch Mehrwert, sondern vermittelt nur ihre Realisation
und damit zugleich den wirklichen Austausch der Waren, ihr Über-
gehn aus einer Hand in die andre, den gesellschaftlichen Stoff-
wechsel. Dennoch, da die Zirkulationsphase des industriellen Ka-
pitals ebensosehr eine Phase des Reproduktionsprozesses bildet
wie die Produktion, muß das im Zirkulationsprozeß selbständig
fungierende Kapital ebensosehr den jährlichen Durchschnittsprofit
abwerfen wie das in den verschiednen Zweigen der Produktion fun-
gierende Kapital. Würfe das Kaufmannskapital einen höhern prozen-
tigen Durchschnittsprofit ab als das industrielle Kapital, so
würde sich ein Teil des industriellen Kapitals in Kaufmannskapi-
tal verwandeln. Würfe es einen niedrigem DurchschnittsProfit ab,
so fände der umgekehrte Prozeß statt. Ein Teil des Kaufmannskapi-
tals würde sich in industrielles verwandeln. Keine Kapitalgattung
hat größre Leichtigkeit, ihre Bestimmung, ihre Funktion zu än-
dern, als das Kaufmannskapital.
Da das Kaufmannskapital selbst keinen Mehrwert erzeugt, so ist
klar, daß der Mehrwert, der in der Form des Durchschnittsprofits
auf es fällt, einen Teil des von dem gesamten produktiven Kapital
erzeugten Mehrwerts bildet. Aber die Frage ist nun die: Wie zieht
das Kaufmannskapital den ihm zufallenden Teil des vom produktiven
Kapital erzeugten Mehrwerts oder Profits an sich?
Es ist nur Schein, daß der merkantile Profit bloßer Zuschlag, no-
minelle Erhöhung des Preises der Waren über ihren Wert.
Es ist klar, daß der Kaufmann seinen Profit nur aus dem Preis der
von ihm verkauften Waren beziehn kann, und noch mehr, daß dieser
Profit, den er beim Verkauf seiner Waren macht, gleich sein muß
der Differenz zwischen seinem Kaufpreis und seinem Verkaufspreis,
gleich dem Überschuß des erstern über den letztern.
Es ist möglich, daß nach dem Kauf der Ware und vor ihrem Verkauf
zusätzliche Kosten (Zirkulationskosten) in sie eingehn, und es
ist ebenso möglich, daß dies nicht der Fall. Gehn solche Kosten
ein, so ist klar, daß der Überschuß des Verkaufspreises über den
Kaufpreis nicht bloß Profit vorstellt. Um die Untersuchung zu
vereinfachen, unterstellen wir zunächst, daß keine solchen Kosten
eingehn.
#294# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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Bei dem industriellen Kapitalisten ist der Unterschied zwischen
dem Verkaufspreis und dem Kaufpreis seiner Waren gleich dem Un-
terschied zwischen ihrem Produktionspreis und ihrem Kostpreis,
oder wenn wir das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachten,
gleich dem Unterschied zwischen dem Wert der Waren und ihrem
Kostpreis für die Kapitalisten, was sich wieder auflöst in dem
Unterschied des Gesamtquantums der in ihnen vergegenständlichten
Arbeit über das Quantum der in ihnen vergegenständlichten bezahl-
ten Arbeit. Bevor die von dem industriellen Kapitalisten gekauf-
ten Waren wieder als verkaufbare Waren auf den Markt zurückgewor-
fen werden, machen sie den Produktionsprozeß durch, in welchem
der später als Profit zu realisierende Bestandteil ihres Preises
erst produziert wird. Aber mit dem Warenhändler verhält es sich
anders. Die Waren befinden sich nur in seiner Hand, solange sie
sich in ihrem Zirkulationsprozeß befinden. Er setzt nur ihren vom
produktiven Kapitalisten begonnenen Verkauf, die Realisierung
ihres Preises fort und läßt sie daher keinen Zwischenprozeß
durchmachen, worin sie von neuem Mehrwert einsaugen könnten. Wäh-
rend der industrielle Kapitalist in der Zirkulation den bisher
produzierten Mehrwert oder Profit nur realisiert, soll der Kauf-
mann dagegen in der Zirkulation und durch sie seinen Profit nicht
nur realisieren, sondern erst machen. Dies scheint nur dadurch
möglich zu sein, daß er die ihm vom industriellen Kapitalisten zu
ihren Produktionspreisen, oder wenn wir das gesamte Warenkapital
betrachten, zu ihren Werten verkauften Waren über ihren Produkti-
onspreisen verkauft, einen nominellen Zuschlag zu ihren Preisen
macht, also, das gesamte Warenkapital betrachtet, es über seinem
Wert verkauft und diesen Überschuß ihres Nominalwerts über ihren
Realwert einkassiert, in einem Wort, sie teurer verkauft, als sie
sind.
Diese Form des Zuschlags ist sehr einfach zu verstehn, z.B. eine
Elle Leinwand kostet 2 sh. Soll ich 10% Profit aus dem Wiederver-
kauf machen, so muß ich 1/10 auf den Preis schlagen, also die
Elle zu 2 sh. 2 2/5 d. verkaufen. Die Differenz zwischen ihrem
wirklichen Produktionspreis und ihrem Verkaufspreis ist dann = 2
2/5 d., und dies ist auf die 2 sh. ein Profit von 10%. In der Tat
verkaufe ich dem Käufer dann die Elle zu einem Preis, der wirk-
lich der Preis für 1 1/10 Elle ist. Oder was auf dasselbe hinaus-
kommt: Es ist ganz, als verkaufte ich dem Käufer 1*) nur 10/11
Ellen für 2 sh. und behielte 1/11 Elle für mich. In der Tat kann
ich mit 2 2/5 d. 1/11 Elle zurückkaufen, den Preis der Elle zu 2
sh. 2 2/5 d. gerechnet. Es wäre dies also nur ein Umweg, um an
dem Mehrwert und Mehrprodukt teilzunehmen durch nominelle Prei-
serhöhung der Waren.
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1*) 1. Auflage: Verkäufez; geändert nach dem Manuskript von Marx
#295# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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Dies ist die Realisierung des merkantilen Profits durch Preisauf-
schlag der Waren, wie sie sich zunächst in der Erscheinung dar-
bietet. Und in der Tat ist die ganze Vorstellung vom Entspringen
des Profits aus einer nonellen Preiserhöhung der Waren oder aus
dem Verkauf derselben über ihren Wert aus der Anschauung des mer-
kantilen Kapitals entsprungen.
Näher betrachtet zeigt sich jedoch bald, daß dies bloßer Schein
ist. Und daß, die kapitalistische Produktionsweise als die herr-
schende vorausgesetzt, der kommerzielle Profit sich nicht in die-
ser Weise realisiert. (Es handelt sich hier immer nur um den
Durchschnitt, nicht um einzelne Fälle.) Warum unterstellen wir,
daß der Warenhändler einen Profit von sage 10% auf seine Waren
nur realisieren kann, indem er sie um 10% über ihren Produktions-
preisen verkauft? Weil wir angenommen haben, daß der Produzent
dieser Waren, der industrielle Kapitalist (der als Personifika-
tion des industriellen Kapitals der Außenwelt gegenüber immer als
"der Produzent" figuriert), sie dem Kaufmann zu ihrem Produkti-
onspreis verkauft hat. Wenn die vom Warenhändler gezahlten Kauf-
preise der Waren gleich ihren Produktionspreisen, in letzter In-
stanz gleich ihren Werten, so daß also der Produktionspreis, in
letzter Instanz der Wert der Waren den Kostpreis für den Kaufmann
darstellt, so muß in der Tat der Überschuß seines Verkaufspreises
über seinen Kaufpreis - und nur diese Differenz bildet die Quelle
seines Profits - ein Überschuß ihres merkantilen Preises über ih-
ren Produktionspreis sein und in letzter Instanz der Kaufmann
alle Waren über ihren Werten verkaufen. Aber warum wurde angenom-
men, daß der industrielle Kapitalist dem Kaufmann die Waren zu
ihren Produktionspreisen verkauft? Oder vielmehr, was war in die-
ser Annahme vorausgesetzt? Daß das merkantile Kapital (hier haben
wir es mit demselben nur noch als Warenhandlungskapital zu tun)
nicht in die Bildung der allgemeinen Profitrate eingeht. Wir gin-
gen notwendig von dieser Voraussetzung aus bei Darstellung der
allgemeinen Profitrate, erstens, weil das merkantile Kapital als
solches damals für uns noch nicht existierte; und zweitens, weil
der Durchschnittsprofit, und daher die allgemeine Profitrate,
zunächst notwendig zu entwickeln war als Ausgleichung der Profite
oder Mehrwerte, die von den industriellen Kapitalen der ver-
schiednen Produktionssphären wirklich produziert werden. Bei dem
Kaufmannskapital haben wir es dagegen mit einem Kapital zu tun,
das am Profit teilnimmt, ohne an seiner Produktion teilzunehmen.
Es ist also jetzt nötig, die frühere Darstellung zu ergänzen.
Gesetzt, das während des Jahres vorgeschoßne industrielle Gesamt-
kapital sei = 720c+ 180v = 900 (etwa Millionen Pfd.St.) und m' =
100%. Das Produkt also = 720c + 180v + 180m. Nennen wir dann dies
Produkt
#296# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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oder das produzierte Warenkapital W, so ist sein Wert oder Pro-
duktionspreis (da beide für die Totalität der Waren zusammenfal-
len) = 1080 und die Rate des Profits für das gesamte Kapital von
900 = 20 %. Diese 20% sind nach dem früher Entwickelten die
Durchschnittsprofitrate, da der Mehrwert hier nicht auf dieses
oder jenes Kapital von besondrer Zusammensetzung, sondern auf das
gesamte industrielle Kapital mit seiner Durchschnittszusammenset-
zung berechnet ist. Also W = 1080 und die Profitrate = 20%. Wir
wollen aber nun annehmen, daß außer diesen 900 Pfd.St. industri-
elles Kapital noch 100 Pfd.St. Kaufmannskapital hinzukommt, wel-
ches pro rata seiner Größe denselben Anteil am Profit hat wie je-
nes. Nach der Voraussetzung ist es 1/10 des Gesamtkapitals von
1000. Es beteiligt sich also mit 1/10 am Gesamtmehrwert von 180
und erhält so einen Profit zur Rate von 18%. In der Tat also ist
der zwischen den andren 9/10 des Gesamtkapitals zu verteilende
Profit nur noch = 162 oder auf das Kapital von 900 ebenfalls =
18%. Der Preis also, wozu W von den Besitzern des industriellen
Kapitals von 900 an die Warenhändler verkauft wird, ist = 720c +
180v + 162m = 1062. Schlägt der Kaufmann also auf sein Kapital
von 100 den Durchschnittsprofit von 18%, so verkauft er die Waren
zu 1062 + 18 = 1080, d. h. zu ihrem Produktionspreis oder, das
gesamte Warenkapital betrachtet, zu ihrem Wert, obgleich er sei-
nen Profit nur in der Zirkulation und durch sie macht und nur
durch den Überschuß seines Verkaufspreises über seinen Kaufpreis.
Aber dennoch verkauft er die Waren nicht über ihrem Wert oder
nicht über ihrem Produktionspreis, eben weil ihrem Wert oder un-
ter ihrem Produktionspreis, eben weil er sie unter ihrem Wert
oder unter ihrem Produktionspreis von den industriellen Kapitali-
sten gekauft hat.
In die Bildung der allgemeinen Profitrate geht also das Kauf-
mannskapital bestimmend ein pro rata des Teils, den es vom Ge-
samtkapital bildet. Wenn also im angegebnen Fall gesagt wird: die
Durchschnittsprofitrate ist = 18% so wäre sie 20%, wenn nicht
1/10 des Gesamtkapitals Kaufmannskapital wäre und dadurch die
allgemeine Profitrate um 1/10 herabgesetzt worden. Es tritt damit
auch eine nähere, einschränkende Bestimmung des Produktionsprei-
ses ein. Unter Produktionspreis ist nach wie vor zu verstehn der
Preis der Ware ihren Kosten (dem Wert des in ihr enthaltnen kon-
stanten + variablen Kapitals) + dem Durchschnittsprofit darauf.
Aber dieser Durchschnittsprofit ist jetzt anders bestimmt. Er ist
bestimmt durch den Gesamtprofit, den das totale produktive Kapi-
tal erzeugt; aber nicht berechnet auf dies produktive Totalkapi-
tal, so daß, wenn dies wie oben = 900 und der Profit = 180, die
Durchschnittsprofitrate = 180/900 = 20% wäre,
#297# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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sondern berechnet auf das totale produktive + Handelskapital, so
daß, wenn 900 produktives und 100 Handelskapital, die Durch-
schnittsprofit 180/1000 = 18% ist. Der Produktionspreis ist also
= k (den Kosten) + 18, statt k + 20. In der Durchschnittspro-
fitrate ist bereits der auf das Handelskapital fallende Teil des
Gesamtprofits eingerechnet. Der wirkliche Wert oder Produktions-
preis des gesamten Warenkapitals ist daher = k + p + h (wo h der
kommerzielle Profit). Der Produktionspreis oder der Preis, wozu
der industrielle Kapitalist als solcher verkauft, ist also klei-
ner als der wirkliche Produktionspreis der Ware; oder, wenn wir
die Gesamtheit der Waren betrachten, so sind die Preise, wozu die
industrielle Kapitalistenkjasse sie verkauft, kleiner als ihre
Werte. So im obigen Fall. 900 (Kosten) + 18% auf 900 oder 900 +
162 = 1062. Indem nun der Kaufmann Ware, die ihm 100 kostet, zu
118 verkauft, schlägt er allerdings 18% auf; aber da die Ware,
die er zu 100 gekauft hat, 118 wert ist, verkauft er sie deswegen
nicht über ihrem Wert. Wir wollen den Ausdruck Produktionspreis
in dem oben entwickelten nähern Sinn beibehalten. Es ist dann
klar, daß der Profit des industriellen Kapitalisten gleich dem
Überschuß des Produktionspreises der Ware über ihren Kostpreis
und daß, im Unterschied von diesem industriellen Profit, der kom-
merzielle Profit gleich dem Überschuß des Verkaufspreises über
den Produktionspreis der Ware, welcher ihr Kaufpreis für den
Kaufmann ist; daß aber der wirkliche Preis der Ware = ihrem Pro-
duktionspreise + dem merkantilen (kommerziellen) Profit ist. Wie
das industrielle Kapital nur Profit realisiert, der als Mehrwert
schon im Wert der Ware steckt, so das Handelskapital nur, weil
der ganze Mehrwert oder Profit noch nicht realisiert ist in dem
vom industriellen Kapital realisierten Preis der Ware. 39) Der
Verkaufspreis des Kaufmanns steht so über dem Einkaufspreis,
nicht weil jener über, sondern weil dieser unter dem Totalwert
steht.
Das Kaufmannskapital geht also ein in die Ausgleichung des Mehr-
werts zum Durchschnittsprofit, obgleich nicht in die Produktion
dieses Mehrwerts. Daher enthält die allgemeine Profitrate bereits
den Abzug vom Mehrwert, der dem Kaufmannskapital zukommt, also
einen Abzug vom Profit des industriellen Kapitals.
Es folgt aus dem Bisherigen:
1. je größer das Kaufmannskapital im Verhältnis zum industriellen
Kapital, desto kleiner die Rate des industriellen Profits und um-
gekehrt. 2. Wenn es sich im ersten Abschnitt zeigte, daß die Pro-
fitrate immer eine
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39) John Bellers. [41]
#298# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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kleinere Rate ausdrückt als die Rate des wirklichen Mehrwerts,
d.h. den Exploitationsgrad der Arbeit immer zu klein ausdrückt,
z.B. im obigen Fall 720c + 180v + 180m, eine Rate des Mehrwerts
von 100%, als eine Profitrate von nur 20%, so weicht dies Ver-
hältnis noch mehr ab, soweit nun die Durchschnittsprofitrate
selbst, bei Einrechnung des dem Kaufmannskapital zufallenden An-
teils, wieder kleiner erscheint, hier als 18% statt 20%. Die
Durchschnittsrate des Profits des direkt exploitierenden Kapita-
listen drückt also die Rate des Profits kleiner aus, als sie
wirklich ist.
Alle andren Umstände gleichbleibend vorausgesetzt, wird der rela-
tive Umfang des Kaufmannskapitals (wobei aber das der Kleinhänd-
ler, eine Zwittergattung, Ausnahme bildet) in umgekehrtem Ver-
hältnis stehn zur Geschwindigkeit seines Umschlags, also im umge-
kehrten Verhältnis zur Energie des Reproduktionsprozesses über-
haupt. Im Gang der wissenschaftlichen Analyse erscheint die Bil-
dung der allgemeinen Profitrate als ausgehend von den industriel-
len Kapitalen und ihrer Konkurrenz und erst später berichtigt,
ergänzt und modifiziert durch die Dazwischenkunft des Kaufmanns-
kapitals. Im Gang der historischen Entwicklung verhält sich die
Sache geradezu umgekehrt. Es ist das kommerzielle Kapital, das
zuerst die Preise der Waren mehr oder minder durch ihre Werte be-
stimmt, und es ist die Sphäre der den Reproduktionsprozeß vermit-
telnden Zirkulation, worin zuerst eine allgemeine Profitrate sich
bildet. Der kommerzielle Profit bestimmt ursprünglich den indu-
striellen Profit. Erst sobald die kapitalistische Produktions-
weise durchgedrungen und der Produzent selbst Kaufmann geworden,
wird der merkantile Profit reduziert auf den aliquoten Teil des
Gesamtmehrwerts, der dem Handelskapital als einem aliquoten Teil
des im gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß beschäftigten Ge-
samtkapitals zukommt.
In der ergänzenden Ausgleichung der Profite durch die Dazwischen-
kunft des Kaufmannskapitals zeigte sich, daß in den Wert der Ware
kein zusätzliches Element eingeht für das vorgeschoßne Geldkapi-
tal des Kaufmanns, daß der Zuschlag auf den Preis, wodurch der
Kaufmann seinen Profit macht, nur gleich ist dem Wertteil der
Ware, den das produktive Kapital im Produktionspreis der Ware
nicht berechnet, weggelassen hat. Es verhält sich nämlich mit
diesem Geldkapital wie mit dem fixen Kapital des industriellen
Kapitalisten, soweit es nicht aufgezehrt ist, sein Wert daher
kein Element des Werts der Ware ausmacht. Nämlich in seinem Kauf-
preis des Warenkapitals ersetzt er dessen Produktionspreis, = G,
in Geld. Sein Verkaufspreis, wie früher entwickelt, ist = G +
delta G, welches delta G den durch die allgemeine Profitrate be-
stimmten Zusatz zum Warenpreis ausdrückt.
#299# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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Verkauft er also die Ware, so fließt ihm außer AG das ursprüngfi-
che Geldkapital zurück, das er im Ankauf der Waren vorgeschossen.
Es tritt hier wieder hervor, daß sein Geldkapital überhaupt
nichts ist als das in Geldkapital verwandelte Warenkapital des
industriellen Kapitalisten, das ebensowenig die Wertgröße dieses
Warenkapitals affizieren kann, als wenn letztres statt an den
Kaufmann direkt an den letzten Konsumenten verkauft wäre. Es an-
tizipiert tatsächlich bloß die Zahlung durch den letztern. Dies
ist jedoch nur richtig, wenn wie bisher angenommen wird, daß der
Kaufmann keine Unkosten hat oder daß er außer dem Geldkapital das
er vorschießen muß, um die Ware vom Produzenten zu kaufen, kein
andres Kapital, zirkulierendes oder fixes, im Prozeß der Metamor-
phose der Waren, des Kaufens und Verkaufens vorzuschießen hat.
Dem ist jedoch nicht so, wie man gesehn hat bei Betrachtung der
Zirkulatiönskosten (Buch Il, Kap. VI). Und diese Zirkulationsko-
sten stellen sich dar, teils als Kosten, die der Kaufmann zu re-
klamieren hat von andren Zirkulationsagenten, teils als Kosten,
die direkt aus seinem spezifischen Geschäft hervorgehn.
Welcher Art immer diese Zirkulationskosten sein mögen; ob sie aus
dem rein kaufmännischen Geschäft als solchem entspringen, also zu
den spezifischen Zirkulationskosten des Kaufmanns gehören; oder
ob sie Posten vorstellen, die aus nachträglichen, innerhalb des
Zirkulationsprozesses hinzukommenden Produktionsprozessen, wie
Spedition, Transport, Aufbewahrung etc. entspringen: sie unter-
stellen auf Seite des Kaufmanns, außer dem im Warenkauf vorge-
schoßnen Geldkapital, stets ein zusätzliches Kapital, das in An-
kauf und Zahlung dieser Zirkulationsmittel vorgeschossen war. So-
weit dies Kostenelement aus zirkulierendem Kapital besteht, geht
es ganz, soweit aus fixem Kapital, geht es nach Maßgabe seines
Verschleißes als Zusatzelement in den Verkaufspreis der Waren
ein; aber als ein Element, das einen nominellen Wert bildet,
selbst wenn es keinen wirklichen Wertzusatz der Ware bildet, wie
die rein kaufmännischen Zirkulationskosten. Ob aber zirkulierend
oder fix, dies ganze zusätzliche Kapital geht ein in die Bildung
der allgemeinen Profitrate.
Die rein kaufmännischen Zirkulationskosten (also mit Ausschluß
der Kosten für Spedition, Transport, Aufbewahrung etc.) lösen
sich auf in die Kosten, die nötig sind, um den Wert der Ware zu
realisieren, ihn, sei es aus Ware in Geld oder aus Geld in Ware
zu verwandeln, ihren Austausch zu vermitteln. Es wird dabei gänz-
lich abgesehn von etwaigen Produktionsprozessen, die während des
Zirkulationsakts fortdauern und von denen das kaufmännische Ge-
schäft ganz getrennt existieren kann; wie in der Tat z.B. die
wirkliche Transportindustrie und die Spedition vom Handel ganz
#300# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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verschiedne Industriezweige sein können und sind, auch die zu
kaufenden und zu verkaufenden Waren in Docks 1*) und andren öf-
fentlichen Räumen lagern mögen und die hieraus entspringenden Ko-
sten dem Kaufmann von dritten Personen berechnet werden, sofern
er sie vorzuschießen hat. Alles dies findet sich im eigentlichen
Großhandel, wo das kaufmännische Kapital am reinsten und am we-
nigsten verquickt mit andren Funktionen erscheint. Der Fuhrunter-
nehmer, der Eisenbahndirigent, der Schiffsreeder sind keine
"Kaufleute". Die Kosten, die wir hier betrachten, sind die des
Kaufens und die des Verkaufens. Es ist schon früher bemerkt wor-
den, daß sie sich auflösen in Rechnen, Buchführen, Markten, Kor-
respondenz etc. Das konstante Kapital, das dazu erfordert ist,
besteht in Kontor, Papier, Porto etc. Die andren Kosten lösen
sich auf in variables Kapital, das in Anwendung merkantiler Lohn-
arbeiter vorgeschossen wird. (Speditionsspesen, Transportkosten,
Vorschüsse von Zöllen etc. können z.T. so betrachtet werden, daß
der Kaufmann sie im Ankauf der Waren vorschießt und daß sie für
ihn daher in den Kaufpreis eingehn.)
Diese sämtlichen Kosten werden nicht gemacht in der Produktion
des Gebrauchswerts der Waren, sondern in der Realisation ihres
Werts; sie sind reine Zirkulationskosten. Sie gehn nicht ein in
den unmittelbaren Produktionsprozeß, aber in den Zirkulationspro-
zeß, daher in den Gesamtprozeß der Reproduktion.
Der einzige Teil dieser Kosten, der uns hier interessiert, ist
der in variablem Kapital ausgelegte. (Außerdem wäre zu untersu-
chen: Erstens, wie das Gesetz, daß nur notwendige Arbeit in den
Wert der Ware eingeht, sich im Zirkulationsprozeß geltend macht.
Zweitens, wie die Akkumulation beim Kaufmannskapital erscheint.
Drittens, wie das Kaufmannskapital im wirklichen Gesamtreproduk-
tionsprozeß der Gesellschaft fungiert.)
Diese Kosten gehn aus der ökonomischen Form des Produkts als Ware
hervor.
Wenn die Arbeitszeit, die die industriellen Kapitalisten selbst
verlieren, um einander ihre Waren direkt zu verkaufen - also ob-
jektiv gesprochen, die Umlaufszeit der Waren -, diesen Waren
durchaus keinen Wert zusetzt, so ist es klar, daß diese Arbeits-
zeit keinen andren Charakter dadurch erhält, daß sie auf den
Kaufmann statt auf den industriellen Kapitalisten fällt. Die Ver-
wandlung von Ware (Produkt) in Geld und von Geld in Ware
(Produktionsmittel) ist notwendige Funktion des industriellen Ka-
pitals und daher notwendige Operation des Kapitalisten, der in
der Tat nur das personifizierte,
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1*) Lagerhäusern
#301# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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mit eignem Bewußtsein und Willen begabte Kapital ist. Aber diese
Funktionen vermehren weder den Wert, noch schaffen sie Mehrwert.
Der Kaufmann, indem er diese Operationen vollzieht oder die Funk-
tionen des Kapitals in der Zirkulationssphäre weiter vermittelt,
nachdem der produktive Kapitalist aufgehört hat, dies zu tun,
tritt bloß an die Stelle des industriellen Kapitalisten. Die Ar-
beitszeit, die diese Operationen kosten, wird verwandt auf not-
wendige Operationen im Reproduktionsprozeß des Kapitals, aber sie
setzt keinen Wert zu. Wenn der Kaufmann diese Operationen nicht
verrichtete (also auch nicht die dafür erheischte Arbeitszeit an-
wendete), so würde er sein Kapital nicht anwenden als Zirkulati-
onsagent des industriellen Kapitals; er setzte nicht die abge-
brochne Funktion des industriellen Kapitalisten weiter fort und
hätte daher auch nicht als Kapitalist, pro rata seines vorge-
schoßnen Kapitals, an der Profitmasse teilzunehmen, die von der
industriellen Kapitalistenklasse produziert wird. Um an der Mehr-
wertsmasse teilzunehmen, um seinen Vorschuß als Kapital zu ver-
werten, braucht daher der kaufmännische Kapitalist keine Lohnar-
beiter anzuwenden. Wenn sein Geschäft und sein Kapital klein ist,
mag er selbst der einzige Arbeiter sein, den er anwendet. Wodurch
er bezahlt wird, ist der Teil des Profits, der ihm aus der Diffe-
renz zwischen dem Kaufpreis der Waren und dem wirklichen Produk-
tionspreis erwächst.
Andrerseits mag denn auch, bei kleinem Umfang des vom Kaufmann
vorgeschoßnen Kapitals, der Profit, den er realisiert, durchaus
nicht größer oder kann selbst kleiner sein als der Arbeitslohn
eines der besser bezahlten geschickten Lohnarbeiter. In der Tat,
neben ihm fungieren direkte kommerzielle Agenten des produktiven
Kapitalisten, Einkäufer, Verkäufer, Reisende, die dasselbe oder
mehr Einkommen beziehn, sei es in der Form des Arbeitslohns oder
in der Form einer Anweisung auf den Profit (Provision, Tantieme),
der auf jeden Verkauf gemacht wird. Im ersten Fall kassiert. der
Kaufmann den merkantilen Profit als selbständiger Kapitalist ein;
im andren Fall wird dem Kommis, dem Lohnarbeiter des industriel-
len Kapitalisten, ein Teil des Profits, sei es in der Form des
Arbeitslohns, sei es in der Form eines proportionellen Anteils am
Profit des industriellen Kapitalisten, dessen direkter Agent er
ist, ausgezahlt, und sein Prinzipal sackt in diesem Fall sowohl
den industriellen wie kommerziellen Profit ein. Aber in allen
diesen Fällen, obgleich dem Zirkulationsagenten selbst seine Ein-
nahme als bloßer Arbeitslohn erscheinen mag, als Zahlung für die
von ihm verrichtete Arbeit, und obgleich, wo sie nicht so er-
scheint, der Umfang seines Profits nur dem Arbeitslohn eines bes-
ser bezahlten Arbeiters gleichkommen mag, entspringt seine Ein-
nahme nur aus dem merkantilen Profit.
#302# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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Dies geht daraus hervor, daß seine Arbeit nicht wertschaffende
Arbeit ist.
Die Verlängerung der Zirkulationsoperation stellt für den indu-
striellen Kapitalisten dar 1. Zeitverlust persönlich, soweit er
dadurch gehindert wird, seine Funktion als Dirigent des Produkti-
onsprozesses selbst zu verrichten; 2. verlängerten Aufenthalt
seines Produkts, in Geld- oder Warenform, im Zirkulationsprozeß,
also in einem Prozeß, worin es sich nicht verwertet und worin der
unmittelbare Produktionsprozeß unterbrochen wird. Soll dieser
nicht unterbrochen werden, so muß entweder die Produktion be-
schränkt werden, oder es ist zusätzliches Geldkapital vorzuschie-
ßen, damit der Produktionsprozeß stets auf derselben Stufenleiter
fortdauert. Dies kommt jedesmal darauf hinaus, daß entweder mit
dem bisherigen Kapital kleinerer Profit gemacht wird oder daß zu-
sätzliches Geldkapital vorzuschießen ist, um den bisherigen Pro-
fit zu machen. Dies bleibt nun alles dasselbe, wenn an die Stelle
des industriellen Kapitalisten der Kaufmann tritt. Statt daß je-
ner mehr Zeit im Zirkulationsprozeß verwendet, verwendet sie der
Kaufmann; statt daß er Zusatzkapital für die Zirkulation vor-
schießen muß, schießt es der Kaufmann vor; oder was auf dasselbe
hinauskommt: statt daß ein grüßrer Teil des industriellen Kapi-
tals sich beständig im Zirkulationsprozeß herumtreibt, ist das
Kapital des Kaufmanns gänzlich darin eingepfercht; und statt daß
der industrielle Kapitalist geringem Profit macht, muß er einen
Teil seines Profits gänzlich an den Kaufmann abtreten. Soweit das
Kaufmannskapital auf die Grenzen beschränkt bleibt, in denen es
notwendig ist, ist der Unterschied nur der, daß durch diese Tei-
lung der Funktion des Kapitals weniger Zeit ausschließlich auf
den Zirkulationsprozeß verwendet, weniger Zusatzkapital dafür
vorgeschossen wird und der Verlust am Gesamtprofit, der sich in
der Gestalt des merkantilen Profits zeigt, kleiner ist, als er
sonst wäre. Wenn im obigen Beispiel 720c + 180v + 180m neben ei-
nem Kaufmannskapital von 100 dem industriellen Kapitalisten einen
Profit von 162 oder 18% läßt, also einen Abzug von 18 verursacht,
so betrüge das nötige Zuschußkapital ohne diese Verselbständigung
vielleicht 200, und wir hätten dann als Gesamtvorschuß der indu-
striellen Kapitalisten statt 900 1100, also auf einen Mehrwert
von 180 eine Profitrate von nur 16 4/11 %.
Hat der industrielle Kapitalist, der sein eigner Kaufmann ist,
nun außer dem Zusatzkapital, womit er neue Ware kauft, ehe sein
in Zirkulation befindliches Produkt in Geld rückverwandelt ist,
außerdem noch Kapital (Bürokosten und Lohn für kommerzielle Ar-
beiter) vorgeschossen für die Realisierung des Werts seines Wa-
renkapitals, also für den Zirkulationsprozeß,
#303# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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so bilden diese zwar zusätzliches Kapital, aber keinen Mehrwert.
Sie müssen aus dem Wert der Waren ersetzt werden; denn ein Wert-
teil dieser Waren muß sich wieder umsetzen in diese Zirkulations-
kosten; aber hierdurch wird kein zusätzlicher Mehrwert gebildet.
Mit Bezug auf das Gesarntkapital der Gesellschaft kommt dies
tatsächlich darauf hinaus, daß ein Teil desselben für sekundäre
Operationen erheischt ist, die nicht in den Verwertungsprozeß
eingehn, und daß dieser Teil des gesellschaftlichen Kapitals be-
ständig für diese Zwecke reproduziert werden muß. Für den einzel-
nen Kapitalisten und für die ganze industrielle Kapitalisten-
klasse wird dadurch die Profitrate vermindert, ein Resultat, das
aus jeder Hinzufügung von Zusatzkapital folgt, soweit dies erfor-
derlich ist, um dieselbe Masse variablen Kapitals in Bewegung zu
setzen.
Soweit diese mit dem Zirkulationsgeschäft selbst verbundnen Zu-
satzkosten dem industriellen Kapitalisten nun abgenommen werden
vom kaufmännischen, findet diese Verminderung der Profitrate auch
statt, nur in geringerm Grade und auf anderm Wege. Die Sache
stellt sich jetzt so dar, daß der Kaufmann mehr Kapital vor-
schießt als nötig wäre, wenn diese Kosten nicht existierten, und
daß der Profit auf dies Zusatzkapital die Summe des merkantilen
Profits erhöht, also das Kaufmannskapital in größrem Umfang in
die Ausgleichung der Durchschnittsprofitrate mit dem industriel-
len Kapital eingeht, also der Durchschnittsprofit fällt. Wenn in
unserm obigen Beispiel außer den 100 Kaufmannskapital noch 50 Zu-
satzkapital für die fraglichen Kosten vorgeschossen werden, so
verteilt sich der Gesamtmehrwert von 180 nun auf ein produktives
Kapital von 900 plus einem Kaufmannskapital von 150, zusammen =
1050. Die Durchschnittsprofitrate sinkt also auf 17 1/7 %. Der
industrielle Kapitalist verkauft die Waren an den Kaufmann zu 900
+ 154 2/7 = 1054 2/7, und der Kaufmann verkauft sie zu 1130 (1080
+ 50 für Kosten, die er wieder ersetzen muß). Im übrigen muß an-
genommen werden, daß mit der Teilung zwischen kaufmännischem und
industriellem Kapital Zentralisation der Handelskosten und daher
Verringerung derselben verbunden ist.
Es fragt sich jetzt: Wie verhält es sich mit den kommerziellen
Lohnarbeitern, die der kaufmännische Kapitalist. hier der Waren-
händler, beschäftigt?
Nach einer Seite hin ist ein solcher kommerzieller Arbeiter Lohn-
arbeiter wie ein andrer. Erstens, insofern die Arbeit gekauft
wird vom variablen Kapital des Kaufmanns, nicht von dem als Reve-
nue verausgabten Geld, und daher auch nur gekauft wird nicht für
Privatbedienung, sondern zum Zweck der Selbstverwertung des darin
vorgeschoßnen Kapitals. Zweitens,
#304# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
-----
sofern der Wert seiner Arbeitskraft und daher sein Arbeitslohn
bestimmt ist, wie bei allen andren Lohnarbeitern, durch die Pro-
duktions- und Reproduktionskosten seiner spezifischen Arbeits-
kraft, nicht durch das Produkt seiner Arbeit.
Aber es muß zwischen ihm und den direkt vom industriellen Kapital
beschäftigten Arbeitern derselbe Unterschied stattfinden, der
zwischen dem industriellen Kapital und dem Handelskapital und da-
her zwischen dem industriellen Kapitalisten und dem Kaufmann
stattfindet. Da der Kaufmann als bloßer Zirkulationsagent weder
Wert noch Mehrwert produziert (denn der Zusatzwert, den er den
Waren durch seine Unkosten zusetzt, löst sich auf in Zusatz vor-
her existierenden Werts, obgleich sich hier die Frage aufdrängt,
wie erhält, konserviert er diesen Wert seines konstanten Kapi-
tals?), so können auch die von ihm in denselben Funktionen be-
schäftigten merkantilen Arbeiter unmöglich unmittelbar Mehrwert
für ihn schaffen. Hier, wie bei den produktiven Arbeitern unter-
stellen wir, daß der Arbeitslohn durch den Wert der Arbeitskraft
bestimmt ist, also der Kaufmann sich nicht bereichert durch Abzug
am Lohn, so daß er in seiner Kostenberechnung nicht einen Vor-
schuß für Arbeit ansetzt, den er nur zum Teil bezahlte, mit and-
ren Worten, daß er sich nicht bereichert, indem er seine Kommis
etc. prellt.
Was Schwierigkeiten macht mit Bezug auf die merkantilen Lohnar-
beiter, ist keineswegs, zu erklären, wie sie direkt für ihren Be-
schäftiger Profit produzieren, obgleich sie nicht direkt Mehrwert
(wovon der Profit bloß eine verwandelte Form) produzieren. Diese
Frage ist in der Tat schon gelöst durch die allgemeine Analyse
des merkantilen Profits. Ganz wie das industrielle Kapital da-
durch Profit macht, daß es in den Waren steckende und realisierte
Arbeit verkauft, für die es kein Äquivalent bezahlt hat, so das
merkantlie Kapital dadurch, daß es dem produktiven Kapital die
unbezahlte Arbeit, die in der Ware steckt (in der Ware, soweit
das in ihrer Produktion ausgelegte Kapital als aliquoter Teil des
gesamten industriellen Kapitals fungiert), nicht ganz zahlt, da-
gegen beim Verkauf der Waren diesen noch in den Waren steckenden
und von ihm unbezahlten Teil sich zahlen läßt. Das Verhältnis des
Kaufmannskapitals zum Mehrwert ist ein andres als das des indu-
striellen Kapitals. Das letztere produziert den Mehrwert durch
direkte Aneignung unbezahlter fremder Arbeit. Das erstere eignet
sich einen Teil dieses Mehrwerts an, indem es diesen Teil vom in-
dustriellen Kapital auf sich übertragen läßt.
Es ist nur durch seine Funktion der Realisierung der Werte, daß
das Handelskapital im Reproduktionsprozeß als Kapital fungiert
und daher,
#305# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
-----
als fungierendes Kapital, aus dem vom Gesamtkapital erzeugten
Mehrwert zieht. Die Masse seines Profits hängt ab für den einzel-
nen Kaufmann von der Masse Kapital, die er in diesem Prozeß an-
wenden kann, und er kann um so mehr davon anwenden, im Kaufen und
Verkaufen, je größer die unbezahlte Arbeit seiner Kommis. Die
Funktion selbst, kraft deren sein Geld Kapital ist, läßt der
kaufmännische Kapitalist großenteils durch seine Arbeiter ver-
richten. Die unbezahlte Arbeit dieser Kommis, obgleich sie nicht
Mehrwert schafft, schafft ihm aber Aneignung von Mehrwert, was
für dies Kapital dem Resultat nach ganz dasselbe; sie ist also
für es Quelle des Profits. Das kaufmännische Geschäft könnte
sonst nie auf großer Stufenleiter, nie kapitalistisch betrieben
werden.
Wie die unbezahlte Arbeit des Arbeiters dem produktiven Kapital
direkt Mehrwert, schafft die unbezahlte Arbeit der kommerziellen
Lohnarbeiter dem Handelskapital einen Anteil an jenem Mehrwert.
Die Schwierigkeit ist diese: Da die Arbeitszeit und Arbeit des
Kaufmanns selbst keine wertschaffende Arbeit ist, obgleich sie
ihm Anteil an bereits erzeugtem Mehrwert schafft, wie verhält es
sich mit dem variablen Kapital, das er auslegt im Ankauf von kom-
merzieller Arbeitskraft? Ist dies variable Kapital als Kostenaus-
lage zuzurechnen zum vorgeschoßnen Kaufmannskapital? Wenn nicht,
scheint dies zu widersprechen dem Gesetz der Ausgleichung der
Profitrate; welcher Kapitalist würde 150 vorschießen, wenn er nur
100 als vorgeschoßnes Kapital berechnen könnte? Wenn doch, so
scheint es dem Wesen des Handelskapitals zu widersprechen, da
diese Kapitalsorte nicht dadurch als Kapital fungiert, daß sie,
wie das industrielle Kapital, fremde Arbeit in Bewegung setzt,
sondern dadurch, daß sie selbst arbeitet, d.h. die Funktionen des
Kaufens und Verkaufens vollzieht, und gerade nur dafür und da-
durch einen Teil des vom industriellen Kapital erzeugten Mehr-
werts auf sich überträgt.
(Es sind also folgende Punkte zu untersuchen: das variable Kapi-
tal des Kaufmanns; das Gesetz der notwendigen Arbeit in der Zir-
kulation; wie die Kaufmannsarbeit den Wert ihres konstanten Kapi-
tals forterhält; die Rolle des Kaufmannskapitals im gesamten Re-
produktionsprozeß; endlich die Verdoppelung in Warenkapital und
Geldkapital einerseits und in Warenhandlungskapital und Geldhand-
lungskapital andrerseits.)
Besäße jeder Kaufmann nur soviel Kapital, als er persönlich fähig
ist, durch seine eigne Arbeit umzuschlagen, so fände eine unend-
liche Zersplitterung des Kaufmannskapitals statt; diese Zersplit-
terung müßte im selben Maß wachsen, wie das produktive Kapital im
Fortgang der kapitalistischen
#306# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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Produktionsweise auf größrer Stufenleiter produziert und mit grö-
ßren Massen operiert. Also steigendes Mißverhältnis beider. Im
selben Maß, wie sich das Kapital in der Produktionssphäre zentra-
lisierte, dezentralisierte es sich in der Zirkulationssphäre. Das
rein kaufmännische Geschäft des industriellen Kapitalisten, und
damit seine rein kaufmännischen Ausgaben würden sich dadurch un-
endlich erweitern, indem er statt mit je 100, mit je 1000 Kauf-
leuten zu tun hätte. Damit ginge ein großer Teil des Vorteils der
Verselbständigung des Kaufmannskapitals verloren; außer den rein
kaufmännischen wüchsen auch die andren Zirkulationskosten, Sor-
tierung, Spedierung etc. Dies, was das industrielle Kapital be-
trifft. Betrachten wir nun das Kaufmannskapital. Erstens, was die
rein kaufmännischen Arbeiten betrifft. Es kostet nicht mehr Zeit,
mit großen als mit kleinen Zahlen zu rechnen. Es kostet zehnmal
soviel Zeit, 10 Einkäufe für 100 Pfd.St. wie einen Einkauf für
1000 Pfd.St. zu machen. Es kostet zehnmal soviel Korrespondenz,
Papier, Briefporto, mit 10 kleinen Kaufleuten wie mit einem
großen zu korrespondieren. Die beschränkte Teilung der Arbeit in
der kommerziellen Werkstatt, wo der eine Bücher führt, der andre
die Kasse, ein dritter korrespondiert, dieser einkauft, jener
verkauft, dieser reist etc., erspart Arbeitszeit in ungeheuren
Massen, so daß die im Großhandel verwandte Zahl von kaufmänni-
schen Arbeitern in gar keinem Verhältnis steht zu der vergleichs-
mäßigen Größe des Geschäfts. Es ist dies der Fall, weil im Handel
viel mehr als in der Industrie dieselbe Funktion, ob im großen
oder kleinen verrichtet, gleich viel Arbeitszeit kostet. Daher
zeigt sich auch die Konzentration im Kaufmannsgeschäft historisch
früher als in der industriellen Werkstatt. Ferner nun die Ausga-
ben an konstantem Kapital. 100 kleine Kontors kosten unendlich
mehr als ein großes, 100 kleine Warenlager als ein großes etc.
Die Transportkosten, die wenigstens als vorzuschießende Kosten in
das Kaufmannsgeschäft eingehn, wachsen mit der Zersplitterung.
Der industrielle Kapitalist müßte mehr Arbeit und Zirkulationsko-
sten im kommerziellen Teil seines Geschäfts verausgaben. Dasselbe
Kaufmannskapital, wenn auf viele kleine Kaufleute verteilt, würde
wegen dieser Zersplitterung viel mehr Arbeiter zur Vermittlung
seiner Funktionen erheischen, und es wäre außerdem größres Kauf-
mannskapital erheischt, um dasselbe Warenkapital umzuschlagen.
Nennen wir das sämtliche direkt im Kauf und Verkauf von Waren an-
gelegte Kaufmannskapital B und das entsprechende variable, in
Zahlung kommerzieller Hilfsarbeiter ausgelegte Kapital b, so ist
B + b kleiner als das gesamte Kaufmannskapital B sein müßte, wenn
jeder Kaufmann sich
#307# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
-----
ohne Gehilfen durchschlüge, wenn also nicht ein Teil in b ange-
legt wäre. Indes sind wir immer noch nicht mit der Schwierigkeit
fertig.
Der Verkaufspreis der Waren muß hinreichen, 1. um den Durch-
schnittsprofit auf B + b zu zahlen. Dies ist schon dadurch er-
klärt, daß B + b eine Verkürzung des ursprünglichen B überhaupt
ist, ein kleineres Kaufmannskapital darstellt, als ohne b notwen-
dig wäre. Aber dieser Verkaufspreis muß 2. hinreichen, um außer
dem nun zusätzlich erscheinenden Profit auf b auch den gezahlten
Arbeitslohn, das variable Kapital des Kaufmanns = b selbst zu er-
setzen. Dies letztre macht die Schwierigkeit. Bildet b einen
neuen Bestandteil des Preises, oder ist es bloß ein Teil des mit
B + b gemachten Profits, der nur mit Bezug auf den merkantilen
Arbeiter als Arbeitslohn erscheint und mit Bezug auf den Kaufmann
selbst als bloßes Ersetzen seines variablen Kapitals? In letztrem
Fall wäre der vom Kaufmann gemachte Profit auf sein vorgeschoßnes
Kapital B + b nur gleich dem Profit, der nach der allgemeinen
Rate auf B fällt, plus b, welches letztre er in der Form von Ar-
beitslohn bezahlt, welches aber selbst keinen Profit abwürfe.
Es kommt in der Tat darauf an, die Grenzen (im mathematischen
Sinn) von b zu finden. Wir wollen erst die Schwierigkeit genau
festsetzen. Nennen wir das direkt im Kauf und Verkauf von Waren
ausgelegte Kapital B, das konstante Kapital, das in dieser Funk-
tion verbraucht wird (die sachlichen Handlungsunkosten) K und das
variable Kapital, das der Kaufmann auslegt, b.
Der Ersatz von B bietet durchaus keine Schwierigkeit. Es ist für
den Kaufmann nur der realisierte Einkaufspreis oder der Produkti-
onspreis für den Fabrikanten. Diesen Preis zahlt der Kaufmann,
und beim Wiederverkauf erhält er B zurück als Teil seines Ver-
kaufspreises; außer diesem B den Profit auf B, wie früher er-
klärt. Z.B. die Ware kostet 100 Pfd.St. Der Profit darauf sei
10%. So wird die Ware verkauft zu 110. Die Ware kostete schon
vorher 100; das Kaufmannskapital von 100 setzt ihr nur 10 zu.
Nehmen wir ferner K, so ist dies höchstens ebenso groß, in der
Tat aber geringer als der Teil des konstanten Kapitals, den der
Produzent im Verkauf und Einkauf verbrauchen würde; der aber
einen Zusatz zu dem konstanten Kapital bilden würde, das er di-
rekt in der Produktion braucht. Nichtsdestoweniger muß dieser
Teil beständig aus dem Preis der Ware ersetzt werden, oder was
dasselbe ist, ein entsprechender Teil der Ware muß in dieser Form
beständig verausgabt, muß - das Gesamtkapital der Gesellschaft
betrachtet - in dieser Form beständig reproduziert werden. Dieser
Teil des vorgeschoßnen konstanten Kapitals würde ebensowohl wie
die
#308# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
-----
ganze Masse desselben, die direkt in der Produktion angelegt ist,
auf die Profitrate beschränkend wirken. Soweit der industrielle
Kapitalist den kommerziellen Teil seines Geschäfts dem Kaufmann
überläßt, braucht er diesen Kapitaltell nicht vorzuschießen.
Statt seiner schießt ihn der Kaufmann vor. Dies ist insofern nur
nominell; der Kaufmann produziert weder, noch reproduziert er das
von ihm vernutzte konstante Kapital (die sachlichen Handlungsun-
kosten). Die Produktion desselben erscheint also als eignes Ge-
schäft oder wenigstens als Teil des Geschäfts gewisser industri-
eller Kapitalisten, die so dieselbe Rolle spielen, wie die, wel-
che das konstante Kapital denen liefern, die Lebensmittel produ-
zieren. Der Kaufmann erhält also erstens dies ersetzt und zwei-
tens den Profit hierauf. Durch beides findet also Verringerung
des Profits für den industriellen Kapitalisten statt. Aber, wegen
der mit der Teilung der Arbeit verbundnen Konzentration und Öko-
nomie, in geringeren Maß, als wenn er selbst dies Kapital vorzu-
schießen hätte. Die Verminderung der Profitrate ist geringer,
weil das so vorgeschoßne Kapital geringer ist.
Bisher besteht also der Verkaufspreis aus B + K + dem Profit auf
B + K. Dieser Teil desselben bietet nach dem Bisherigen keine
Schwierigkeit. Aber nun kommt b hinein oder das vom Kaufmann vor-
geschoßne variable Kapital.
Der Verkaufspreis wird dadurch B + K + b + dem Profit auf B + K,
+ dem Profit auf b.
B ersetzt nur den Kaufpreis, fügt aber außer dem Profit auf B
diesem Preis keinen Teil zu. K fügt nicht nur den Profit auf K
zu, sondern K selbst; aber K + Profit auf K, der in Form von kon-
stantem Kapital vorgeschoßne Teil der Zirkulationskosten + dem
entsprechenden Durchschnittsprofit, wäre größer in der Hand des
industriellen Kapitalisten als in der Hand des kaufmännischen.
Die Verringerung des Durchschnittsprofits erscheint in der Form,
daß der volle Durchschnittsprofit - nach Abzug von B + K vom vor-
geschoßnen industriellen Kapital - berechnet, der Abzug vom
Durchschnittsprofit für B + K aber an den Kaufmann gezahlt wird,
so daß dieser Abzug als Profit eines besondren Kapitals, des
Kaufmannskapitals erscheint.
Aber mit b + dem Profit auf b, oder im gegebnen Fall, da die Pro-
fitrate unterstellt ist = 10%, mit b + 1/10 b, verhält es sich
anders. Und hier liegt die wirkliche Schwierigkeit.
Was der Kaufmann mit b kauft, ist der Unterstellung nach bloß
kaufmännische Arbeit, also Arbeit, notwendig, um die Funktionen
der Kapitalzirkulation, W-G und G-W zu vermitteln. Aber die kauf-
männische Arbeit ist die Arbeit, die überhaupt notwendig ist, da-
mit ein Kapital als
#309# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
-----
Kaufmannskapital fungiere, damit es die Verwandlung von Ware in
Geld und Geld in Ware vermittle. Es ist Arbeit, die Werte reali-
siert, aber keine Werte schafft. Und nur sofern ein Kapital diese
Funktionen verrichtet also ein Kapitalist diese Operationen,
diese Arbeit mit seinem Kapital verrichtet -, fungiert dies Kapi-
tal als kaufmännisches Kapital und nimmt es teil an der Regelung
der allgemeinen Profitrate, d.h. zieht es seine Dividende aus dem
Gesamtprofit. In (b + Profit auf b) scheint aber erstens die Ar-
beit bezahlt zu werden (denn ob der industrielle Kapitalist sie
dem Kaufmann für seine eigne Arbeit bezahlt oder für die des vom
Kaufmann bezahlten Kommis, ist dasselbe) und zweitens der Profit
auf Zahlung dieser Arbeit, die der Kaufmann selbst verrichten
müßte. Das Kaufmannskapital erhält erstens die Rückzahlung von b
und zweitens den Profit darauf; dies entspringt also daraus, daß
es sich erstens die Arbeit zahlen läßt, wodurch es als
k a u f m ä n n i s c h e s Kapital fungiert, und daß es zwei-
tens sich den Profit zahlen läßt, weil es als K a p i t a l
fungiert, d.h. weil es die Arbeit verrichtet, die ihm im Profit
als fungierendem Kapital gezahlt wird. Dies also ist die Frage,
die zu lösen ist.
Nehmen wir an B = 100, b = 10 und die Profitrate = 10%. Wir set-
zen K = 0, um dies nicht hierher gehörige und bereits erledigte
Element des Kaufpreises nicht wieder unnötig in Rechnung zu brin-
gen. So wäre der Verkaufspreis = B + p + b + p (= B + Bp' + b +
bp', wo p' die Profitrate) = 100 + 10 + 10 + 1 = 121.
Würde aber b nicht in Arbeitslohn vom Kaufmann ausgelegt - da b
nur bezahlt wird für kaufmännische Arbeit, also für Arbeit, nötig
zur Realisierung des Werts des Warenkapitals, das das industri-
elle Kapital in den Markt wirft -, so stände die Sache so: Um für
B = 100 zu kaufen oder zu verkaufen, gäbe der Kaufmann seine Zeit
hin, und wir wollen annehmen, daß dies die einzige Zeit ist, über
die er verfügt. Die kaufmännische Arbeit, die durch b oder 10 re-
präsentiert ist, wenn sie nicht durch Arbeitslohn, sondern durch
Profit bezahlt wäre, unterstellt ein andres kaufmännisches Kapi-
tal 100, da dies zu 10% = b = 10 ist. Dies zweite B = 100 würde
nicht zusätzlich in den Preis der Ware eingehn, aber wohl die
10%. Es würden daher zwei Operationen zu 100, = 200, Waren kaufen
für 200 + 20 = 220.
Da das Kaufmannskapital absolut nichts ist als eine verselbstän-
digte Form eines Teils des im Zirkulationsprozeß fungierenden in-
dustriellen Kapitals, so müssen alle auf dasselbe bezüglichen
Fragen dadurch gelöst werden, daß man sich das Problem zunächst
in der Form stellt, worin die dem kaufmännischen Kapital eigen-
tümlichen Phänomene noch nicht selbständig
#310# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
-----
erscheinen, sondern noch in direktem Zusammenhang mit dem indu-
striellen Kapital, als dessen Zweig. Als Kontor, im Unterschied
von Werkstatt, fungiert das merkantile Kapital fortwährend im
Zirkulationsprozeß. Hier ist also das jetzt in Frage stehende b
zunächst zu untersuchen; im Kontor des industriellen Kapitalisten
selbst.
Von vornherein ist dies Kontor immer verschwindend klein gegen
die industrielle Werkstatt. Im übrigen istklar: Im Maß, wie sich
die Produktionsstufe erweitert, vermehren sich die kommerziellen
Operationen, die beständig zur Zirkulation des industriellen Ka-
pitals auszuführen sind, sowohl um das in Gestalt des Warenkapi-
tals vorhandne Produkt zu verkaufen, wie das gelöste Geld wieder
in Produktionsmittel zu verwandeln und Rechnung über das Ganze zu
führen. Preisberechnung, Buchführung, Kassenführung, Korrespon-
denz gehört alles hierher. Je entwickelter die Produktionsleitet,
desto größer, wenn auch keineswegs im Verhältnis, sind die kauf-
männischen Operationen des industriellen Kapitals, also auch die
Arbeit und die sonstigen Zirkulationskosten für die Realisierung
des Werts und Mehrwerts. Es wird dadurch Anwendung kommerzieller
Lohnarbeiter nötig, die das eigentliche Kontor bilden. Die Aus-
lage für dieselben, obgleich in Form von Arbeitslohn gemacht, un-
terscheidet sich von dem variablen Kapital, das im Ankauf der
produktiven Arbeit ausgelegt ist. Es vermehrt die Auslagen des
industriellen Kapitalisten, die Masse des vorzuschießenden Kapi-
tals, ohne direkt den Mehrwert zu vermehren. Denn es ist Auslage,
bezahlt für Arbeit, die nur in der Realisierung schon geschaffner
Werte verwandt wird. Wie jede andre Auslage dieser Art, vermin-
dert auch diese die Rate des Profits, weil das vorgeschoßne Kapi-
tal wächst, aber nicht der Mehrwert. Wenn der Mehrwert in kon-
stant bleibt, das vorgeschoßne Kapital C aber auf C + delta C
wächst, so tritt an Stelle der Profitrate m/C die kleinere Pro-
fitrate m/(C + delta C). Der industrielle Kapitalist sucht also
diese Zirkulationskosten, ganz wie seine Auslagen für konstantes
Kapital, auf ihr Minimum zu beschränken. Das industrielle Kapital
verhält sich also nicht in derselben Weise zu seinen kommerziel-
len, wie zu seinen produktiven Lohnarbeitern. Je mehr von diesen
letzteren bei sonst gleichbleibenden Umständen angewandt werden,
um so massenhafter die Produktion, um so größer der Mehrwert oder
Profit. Umgekehrt dagegen. Je größer die Stufenleiter der Produk-
tion und je größer der zu realisierende Wert und daher Mehrwert,
je größer also das produzierte Warenkapital, um so mehr wachsen
absolut, wenn auch nicht relativ, die Bürokosten, und geben zu
einer Art Teilung der Arbeit
#311# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
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Anlaß. Wie sehr der Profit die Voraussetzung dieser Ausgaben,
zeigt sich unter andrem darin, daß mit Wachsen des kommerziellen
Salairs oft ein Teil desselben durch Prozentantell am Profit ge-
zahlt wird. Es liegt in der Natur der Sache, daß eine Arbeit, die
nur in den vermittelnden Operationen besteht, welche teils mit
der Berechnung der Werte, teils mit ihrer Realisierung mit der
Wiederverwandlung des realisierten Geldes in Produktionsmittel
verbunden sind, deren Umfang also von der Größe der produzierten
und zu realisierenden Werte abhängt, daß eine solche Arbeit nicht
als Ursache, wie die direkt produktive Arbeit, sondern als Folge
der respektiven Größen und Massen dieser Werte wirkt. Ähnlich
verhält es sich mit den andren Zirkulationskosten. Um viel zu
messen, zu wiegen, zu verpacken, zu transportieren, muß viel da
sein; die Menge der Pack- und Transportarbeit etc. hängt ab von
der Masse der Waren, die Objekte ihrer Tätigkeit sind, nicht um-
gekehrt.
Der kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber
der Preis seiner Arbeit ist durch den Wert seiner Arbeitskraft,
also deren Produktionskosten, bestimmt, während die Ausübung die-
ser Arbeitskraft, als eine Anspannung, Kraftäußerung und Abnut-
zung, wie bei jedem andren Lohnarbeiter, keineswegs durch den
Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in
keinem notwendigen Verhältnis zu der Masse des Profits, die er
dem Kapitalisten realisieren hilft. Was er dem Kapitalisten ko-
stet und was er ihm einbringt, sind verschiedne Größen. Er bringt
ihm ein, nicht indem er direkt Mehrwert schafft, aber indem er
die Kosten der Realisierung des Mehrwerts vermindern hilft, so-
weit er, zum Teil unbezahlte, Arbeit verrichtet. Der eigentlich
kommerzielle Arbeiter gehört zu der besser bezahlten Klasse von
Lohnarbeitern, zu denen, deren Arbeit geschickte Arbeit ist, über
der Durchschnittsarbeit steht. Indes hat der Lohn die Tendenz zu
fallen, selbst im Verhältnis zur Durchschnittsarbeit, im Fort-
schritt der kapitalistischen Produktionsweise. Teils durch Tei-
lung der Arbeit innerhalb des Kontors; daher nur einseitige Ent-
wicklung der Arbeitsfähigkeit zu produzieren ist und die Kosten
dieser Produktion dem Kapitalisten zum Teil nichts kosten, son-
dern das Geschick des Arbeiters sich durch die Funktion selbst
entwickelt und um so rascher, je einseitiger es mit der Teilung
der Arbeit wird. Zweitens, weil die Vorbildung, Handels- und
Sprachkenntnisse usw. mit dem Fortschritt der Wissenschaft und
Volksbildung immer rascher, leichter, allgemeiner, wohlfeiler re-
produziert werden, je mehr die kapitalistische Produktionsweise
die Lehrmethoden usw. aufs Praktische richtet. Die Verallgemeine-
rung des Volksunterrichts erlaubt, diese Sorte aus Klassen zu re-
krutieren, die früher davon ausgeschlossen,
#312# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
-----
an schlechtre Lebensweise gewöhnt waren. Dazu vermehrt sie den
Zudrang und damit die Konkurrenz. Mit einigen Ausnahmen entwertet
sich daher im Fortgang der kapitalistischen Produktion die Ar-
beitskraft dieser Leute; ihr Lohn sinkt, während ihre Arbeitsfä-
higkeit zunimmt. Der Kapitalist vermehrt die Zahl dieser Arbei-
ter, wenn mehr Wert und Profit zu realisieren ist. Die Zunahme
dieser Arbeit ist stets Wirkung, nie Ursache der Vermehrung des
Mehrwerts. 39[a])
---
Es findet also eine Verdoppelung statt. Einerseits sind die Funk-
tionen als Warenkapital und Geldkapital (daher weiter bestimmt
als kommerzielles Kapital) allgemeine Formbestimmtheiten des in-
dustriellen Kapitals. Andrerseits sind besondre Kapitale, also
auch besondre Reihen von Kapitalisten, ausschließlich tätig in
diesen Funktionen; und diese Funktionen werden so zu besondren
Sphären der Kapitalverwertung.
Die kommerziellen Funktionen und Zirkulationskosten finden sich
nur verselbständigt für das merkantile Kapital. Die der Zirkula-
tion zugekehrte Seite des industriellen Kapitals existiert nicht
nur in seinem beständigen Dasein als Warenkapital und Celdkapi-
tal, sondern auch im Kontor neben der Werkstatt. Aber sie ver-
selbständigt sich für das merkantile Kapital. Für es bildet das
Kontor seine einzige Werkstatt. Der in der Form der Zirkulations-
kosten angewandte Teil des Kapitals erscheint beim Großkaufmann
viel größer als beim Industriellen, weil außer den eignen Ge-
schäftsbüros, die mit jeder industriellen Werkstatt verbunden
sind, der Teil des Kapitals, der von der ganzen Klasse der indu-
striellen Kapitalisten so verwandt werden müßte, in den Händen
einzelner Kaufleute konzentriert ist, die, wie sie die Fortset-
zung der Zirkulationsfunktionen besorgen, so die daraus erwach-
sende Fortsetzung der Zirkulationskosten.
---
39[a]) Wie diese 1865 geschriebne Prognose der Schicksale des
kommerziellen Proletariats sich seitdem bewährt hat, davon können
die Hunderte deutscher Kommis ein Liedchen singen, die, in allen
kommerziellen Operationen und in 3-4 Sprachen bewandert, in der
Londoner City vergebens ihre Dienste um 25 Schill. die Woche an-
bieten - weit unter dem Lohn eines geschickten Maschinenschlos-
sers. - Eine Lücke von zwei Seiten im Manuskript deutet an, daß
dieser Punkt noch weiter entwickelt werden sollte. Im übrigen ist
zu verweisen auf Buch II, Kap. VI (Die Zirkulationskosten), S.
105-113 1*), wo bereits verschiednes hieher Gehörige berührt ist.
- F.E.
-----
1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 131-138
#313# 17. Kapitel - Der kommerzielle Profit
-----
Dem industriellen Kapital erscheinen und sind die Zirku-
lat,onskosten Unkosten. Dem Kaufmann erscheinen sie als Quelle
seines Profits, der die allgemeine Profitrate vorausgesetzt - im
Verhältnis zur Größe derselben steht. Die in diesen Zirkulations-
kosten zu machende Auslage ist daher für das merkantile Kapital
eine produktive Anlage. Also ist auch die kommer zielle Arbeit,
die es kauft, für es unmittelbar produktiv.
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