Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       NEUNZEHNTES KAPITEL
       Das Geldhandlungskapital
       
       Die rein  technischen Bewegungen, die das Geld durchmacht im Zir-
       kulationsprozeß des  industriellen Kapitals  und, wie  wir  jetzt
       hinzusetzen können,  des Warenhandlungskapitals  (da  dies  einen
       Teil der  Zirkulationsbewegung  des  industriellen  Kapitals  als
       seine eigne  und eigentümliche  Bewegung übernimmt) - diese Bewe-
       gungen, verselbständigt  zur Funktion  eines besondren  Kapitals,
       das sie,  und nur  sie, als ihm eigentümliche Operationen ausübt,
       verwandeln dies Kapital in Geldhandlungskapital. Ein Teil des in-
       dustriellen Kapitals,  und näher auch des Warenhandlungskapitals,
       bestände nicht nur fortwährend in Geldform, als Geldkapital über-
       haupt, sondern  als Geldkapital,  das in diesen technischen Funk-
       tionen begriffen  ist. Von  dem Gesamtkapital sondert sich nun ab
       und verselbständigt  sich ein bestimmter Teil in Form von Geldka-
       pital, dessen  kapitalistische Funktion  ausschließlich darin be-
       steht, für die gesamte Klasse der industriellen und kommerziellen
       Kapitalisten diese  Operationen auszuführen.  Wie beim Warenhand-
       lungskapital trennt  sich ein  Teil des  im Zirkulationsprozeß in
       der Gestalt  von Geldkapital vorhandnen industriellen Kapitals ab
       und verrichtet  diese Operationen  des Reproduktionsprozesses für
       das gesamte  übrige Kapital.  Die Bewegungen  dieses Geldkapitals
       sind also  wiederum nur  Bewegungen eines verselbständigten Teils
       des in  seinem Reproduktionsprozeß begriffnen industriellen Kapi-
       tals.
       Nur wenn,  und insoweit, Kapital neu angelegt wird - was auch der
       Fall bei  der Akkumulation  -, erscheint  Kapital in Geldform als
       Ausgangspunkt und Endpunkt der Bewegung. Aber für jedes einmal in
       seinem Prozeß  befindliche Kapital  erscheint  Ausgangspunkt  wie
       Endpunkt nur  als Durchgangspunkt.  Soweit das industrielle Kapi-
       tal, vom  Austritt aus  der Produktionssphäre  bis zum Wiederein-
       tritt in  dieselbe, die  Metamorphose W'-G-W  durchzumachen  hat,
       ist, wie  sich schon bei der einfachen Warenzirkulation zeigte, G
       in der Tat nur das Endresultat der einen Phase
       
       #328# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       der Metamorphose, um der Ausgangspunkt der entgegengesetzten, sie
       ergänzenden zu  sein. Und obgleich für das Handelskapital das W-G
       des industriellen Kapitals stets als G-W-G sich darstellt, so ist
       doch auch  für es,  sobald es einmal engagiert ist, der wirkliche
       Prozeß fortwährend  W-G-W. Das  Handelskapital macht aber gleich-
       zeitig die  Akte W-G  und G-W  durch. D.h., nicht nur ein Kapital
       befindet sich  im Stadium  W-G, während das andre sich im Stadium
       G-W befindet,  sondern dasselbe  Kapital kauft beständig und ver-
       kauft beständig  gleichzeitig wegen der Kontinuität des Produkti-
       onsprozesses; es befindet sich fortwährend gleichzeitig in beiden
       Stadien. Während  ein Teil  desselben sich in Geld verwandelt, um
       sich später  in Ware  rückzuverwandeln, verwandelt der andre sich
       gleichzeitig in Ware, um sich in Geld rückzuverwandeln.
       Ob das  Geld hier  als Zirkulationsmittel oder als Zahlungsmittel
       fungiert, hängt  von der  Form des Warenaustausches ab. In beiden
       Fällen hat der Kapitalist beständig an viele Personen Geld auszu-
       zahlen und  beständig von vielen Personen Geld in Zahlung zu emp-
       fangen. Diese  bloß technische  Operation des Geldzahlens und des
       Geldeinkassierens bildet  Arbeit für  sich, die,  soweit das Geld
       als Zahlungsmittel  fungiert, Bilanzberechnungen,  Akte der  Aus-
       gleichung nötig  macht. Diese  Arbeit ist  eine Zirkulationskost,
       keine wertschaffende  Arbeit. Sie wird dadurch abgekürzt, daß sie
       von einer  besondren Abteilung  von Agenten oder Kapitalisten für
       die ganze übrige Kapitalistenklasse ausgeführt wird.
       Ein bestimmter Teil des Kapitals muß beständig als Schatz, poten-
       tielles Geldkapital, vorhanden sein: Reserve von Kaufmitteln, Re-
       serve von  Zahlungsmitteln, unbeschäftigtes,  in Geldform  seiner
       Anwendung harrendes Kapital; und ein Teil des Kapitals strömt be-
       ständig in  dieser Form  zurück. Dies  macht, außer Einkassieren,
       Zahlen und  Buchhalten, Aufbewahrung des Schatzes nötig, was wie-
       der eine  besondre Operation  ist. Es ist also in der Tat die be-
       ständige Auflösung  des Schatzes  in Zirkulationsmittel  und Zah-
       lungsmittel und  seine Rückbildung  aus im Verkauf erhaltnem Geld
       und fällig  gewordner Zahlung;  diese beständige Bewegung des als
       Geld existierenden  Teils des Kapitals, getrennt von der Kapital-
       funktion selbst,  diese rein technische Operation ist es, die be-
       sondre Arbeit und Kosten verursacht - Zirkulationskosten.
       Die Teilung  der Arbeit bringt es mit sich, daß diese technischen
       Operationen, die  durch die Funktionen des Kapitals bedingt sind,
       soweit möglich  für die ganze Kapitalistenklasse von einer Abtei-
       lung von Agenten oder Kapitalisten als ausschließliche Funktionen
       verrichtet werden oder sich in ihren Händen konzentrieren. Es ist
       hier, wie beim Kaufmannskapital,
       
       #329# 19. Kapitel - Das Geldhandlungskapital
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       Teilung der Arbeit in doppeltem Sinn. Es wird besondres Geschäft,
       und weil  es als  besondres Geschäft  für den Geldmechanismus der
       ganzen Klasse  verrichtet wird,  wird es konzentriert, auf großer
       Stufenleiter ausgeübt;  und nun  findet wieder Teilung der Arbeit
       innerhalb dieses besondern Geschäfts statt, sowohl durch Spaltung
       in verschiedne  voneinander unabhängige Zweige, wie durch Ausbil-
       dung der Werkstatt innerhalb dieser Zweige (große Büros, zahlrei-
       che Buchhalter und Kassierer, weitgetriebne Arbeitsteilung). Aus-
       zahlung des  Geldes, Einkassierung,  Ausgleichung  der  Bilanzen,
       Führung laufender  Rechnungen, Aufbewahren  des Geldes  etc., ge-
       trennt von den Akten, wodurch diese technischen Operationen nötig
       werden, machen  das in diesen Funktionen vorgeschoßne Kapital zum
       Geldhandlungskapital.
       Die verschiednen Operationen, aus deren Verselbstäncligung zu be-
       sondren Geschäften  der Geldhandel  entspringt, ergeben  sich aus
       den verschiednen Bestirnmtheiten des Geldes selbst und aus seinen
       Funktionen, die also auch das Kapital in der Form von Geldkapital
       durchzumachen hat.
       Ich habe  früher darauf  hingewiesen, wie das Geldwesen überhaupt
       sich ursprünglich  entwickelt im Produktenaustausch zwischen ver-
       schiednen Gemeinwesen. 42)
       Es entwickelt  sich der  Geldhandel, der Handel mit der Geldware,
       daher zunächst  aus  dem  internationalen  Verkehr.  Sobald  ver-
       schiedne Landesmünzen  existieren, haben  die Kaufleute,  die  in
       fremden Ländern einkaufen, ihre Landesmünze in die Lokalmünze um-
       zusetzen und  umgekehrt oder  auch verschiedne Münzen gegen unge-
       münztes reines  Silber oder Gold als Weltgeld. Daher das Wechsel-
       geschäft, das als eine der naturwüchsigen Grundlagen des modernen
       Geldhandels zu betrachten ist. 43)
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       42) "Zur Kritik der Pol. Oekon.", S. 27. 1*)
       43) "Schon  aus der großen Verschiedenheit der Münzen in Ansehung
       sowohl des Schrots und Korns, als des Gepräges der vielen münzbe-
       rechtigten Fürsten  und Städte,  entsprang die  Notwendigkeit  in
       Handelsgeschäften, wo  Ausgleichung vermittelst einer Münze nötig
       war, sich  überall der  örtlichen  zu  bedienen.  Zum  Behuf  von
       Barzahlungen versahen  sich die Kaufleute, wenn sie einen fremden
       Markt bereisten,  mit ungemünztem  reinem Silber,  wohl auch  mit
       Gold. Ebenso  vertauschten sie  bei Antretung  der Rückreise  die
       eingenommene Ortsmünze  in ungemünztes Silber oder Gold. Wechsel-
       geschäfte, Umsatz  ungemünzter edler Metalle gegen örtliche Münze
       und umgekehrt,  wurden daher  ein sehr verbreitetes einträgliches
       Geschäft." (Hüllmann,  Städtewesen des  Mittelalters", Bonn 1826-
       1829, I,p. 437, 438.) - "Die Wechselbank hat ihren Namen
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       1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 21. - Vgl. auch Band 23 un-
       serer Ausgabe, S. 102/103
       
       #330# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       entwickelten sich daraus Wechselbanken, wo Silber (oder Gold) als
       Weltgeld -  jetzt als  Bankgeld oder Handelsgeld - im Unterschied
       zur Kurantmünze  fungieren. Das  Wechselgeschäft, soweit es bloße
       Anweisung für  Zahlung an  Reisende von dem Wechsler eines Landes
       an andre,  hat sich schon in Rom und Griechenland aus dem eigent-
       lichen Wechslergeschäft entwickelt.
       Der Handel  mit Gold  und Silber als Waren (Rohstoffen zur Berei-
       tung für Luxusartikel) bildet die naturwüchsige Basis des Barren-
       handels (Bullion  trade) oder des Handels, der die Funktionen des
       Geldes als  Weitgeldes vermittelt.  Diese Funktionen,  wie früher
       erklärt (Buch  I, Kap. III, 3, c), sind doppelt: Hin- und Herlau-
       fen zwischen  den verschiednen nationalen Zirkulationssphären zur
       Ausgleichung der  internationalen Zahlungen  und bei  Wanderungen
       des Kapitals  zum Verzinsen;  daneben Bewegung, von den Produkti-
       onsquellen der Edelmetalle aus, über den Weltmarkt und Verteilung
       der Zufuhr unter die verschiednen nationalen Zirkulationssphären.
       In England  fungierten noch  während des  größten Teils  des  17.
       Jahrhunderts die  Goldschmiede als  Bankiers. Wie sich weiter die
       Ausgleichung der  internationalen Zahlungen im Wechselhandel etc.
       entwickelt, lassen  wir hier ganz außer acht, wie alles, was sich
       auf Geschäfte in Wertpapieren bezieht, kurz alle besondren Formen
       des Kreditwesens, das uns hier noch nichts angeht.
       Als Weltgeld  streift das Landesgeld seinen lokalen Charakter ab;
       ein Landesgeld  wird im  andern ausgedruckt und so alle reduziert
       auf ihren
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       nicht... von  dem Wechsel, Wechselbrief, sondern vom Wechseln der
       Geldsorten. Lange vor der Gründung der Amsterdamer Wechselbank im
       Jahre 1609 hatte man in den niederländischen Handelsstädten schon
       Wechsler und  Wechselhäuser, selbst Wechselbanken... Das Geschäft
       dieser Wechsler  bestand darin, daß sie die zahlreichen verschie-
       denen Münzsorten, die durch fremde Händler ins Land gebracht wur-
       den, gegen  gesetzlich gangbare  Münzen einwechselten. Allmählich
       erweiterte sich ihr Wirkungskreis... Sie wurden die Kassierer und
       Bankiers ihrerzeit.  Aber in  der Vereinigung der Kassierertätig-
       keit mit  dem Wechselgeschäft  sah die Amsterdamer Regierung eine
       Gefahr, und  um dieser Gefahr zu begegnen, beschloß man die Grün-
       dung einer  großen Anstalt,  die sowohl das Wechseln wie das Kas-
       sieren mit  öffentlicher Vollmacht besorgen sollte. Diese Anstalt
       war die  berühmte Amsterdamer Wechselbank von 1609. Ebenso hatten
       die Wechselbanken  von Venedig,  Genua, Stockholm,  Hamburg  ihre
       Entstehung der  fortwährenden Notwendigkeit  des Umwechselns  von
       Geldsorten zu  verdanken. Von  diesen allen ist die Hamburger die
       einzige, die  noch heute  besteht, weil  das Bedürfnis nach solch
       einer Einrichtung  in dieser Handelsstadt, die kein eigenes Münz-
       system hat,  sich noch  immer fühlbar  macht etc." (S. Vissering,
       "Handboek van  Praktische Staathuishoudkunde", Amsterdam 1860, I,
       p. 247, 248.)
       
       #331# 19. Kapitel - Das Geldhandlungskapital
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       Gehalt in  Gold oder Silber, während diese letztren zugleich, als
       die beiden Waren, die als Weltgeld zirkulieren, auf ihr gegensei-
       tigem Wertverhältnis  zu reduzieren sind, das beständig wechselt.
       Diese Vermittlung  macht der  Geldhändler zu seinem besondren Ge-
       schäft. Wechslergeschäft  und Barrenhandel  sind so die ursprüng-
       lichsten Formen des Geldhandels und entspringen aus den doppelten
       Funktionen des Geldes: als Landesmünze und als Weltgeld.
       Aus dem  kapitalistischen Produktionsprozeß,  wie aus  dem Handel
       überhaupt, selbst  bei vorkapitalistischer  Produktionsweise, er-
       gibt sich:
       Erstens, die  Ansammlung des  Geldes als  Schatz, d.h.  jetzt des
       Teils des Kapitals, der stets in Geldform vorhanden sein muß, als
       Reservefonds von  Zahlungs- und  Kaufmitteln. Dies  ist die erste
       Form des  Schatzes, wie  er in  der kapitalistischen Produktions-
       weise wiedererscheint und sich überhaupt bei Entwicklung des Han-
       delskapitals wenigstens für dieses bildet. Beides gilt sowohl für
       die inländische wie die internationale Zirkulation. Dieser Schatz
       ist beständig fließend, ergießt sich beständig in die Zirkulation
       und kehrt  beständig aus ihr zurück. Die zweite Form des Schatzes
       ist nun  die von  brachliegendem, augenblicklich  unbeschäftigtem
       Kapital in  Geldform, wozu auch neu akkumuliertes, noch nicht an-
       gelegtes Geldkapital gehört. Die Funktionen, die diese Schatzbil-
       dung als  solche nötig  macht, sind  zunächst seine Aufbewahrung,
       Buchführung etc.
       Zweitens aber  ist damit  verbunden Ausgeben des Geldes beim Kau-
       fen, Einnehmen  beim Verkaufen,  Zahlen und Empfangen von Zahlun-
       gen, Ausgleichung  der Zahlungen  etc. Alles  dies verrichtet der
       Geldhändler zunächst  als einfacher  Kassierer für  die Kaufleute
       und industriellen Kapitalisten. 44)
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       44) "Die  Einrichtung der Kassierer hat vielleicht nirgends ihren
       ursprünglichen, selbständigen  Charakter so  rein bewahrt  wie in
       den niederländischen  Kaufstädten (s.  über den Ursprung der Kas-
       siererei in  Amsterdam E.  Luzac, "Hollands  Rijkdom", deel III).
       Ihre Funktionen  stimmen zum Teil überein mit denen der alten Am-
       sterdamer Wechselbank. Der Kassierer empfängt von den Kaufleuten,
       die seine  Dienste anwenden, einen gewissen Betrag in Geld, wofür
       er ihnen  ein "credit"  in seinen Büchern eröffnet; ferner senden
       sie ihm  ihre Schuldforderungen,  die er für sie einzieht und sie
       dafür  kreditiert;   dagegen  macht  er  gegen  ihre  Anweisungen
       (kassiers briefies) Zahlungen und belastet ihre laufende Rechnung
       mit deren Beträgen. Für diese Eingänge und Auszahlungen berechnet
       er dann  eine geringe  Provision, die nur durch die Bedeutung der
       Umsätze, zu  denen er  es zwischen  beiden bringt, einen entspre-
       chenden Lohn  für seine Arbeit abwirft. Wenn Zahlungen auszuglei-
       chen sind  zwischen zwei Kaufleuten, die beide mit demselben Kas-
       sierer arbeiten,  so erledigen sich solche Zahlungen sehr einfach
       durch gegenseitige Buchung, während die Kassierer ihnen von
       
       #332# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       Vollständig entwickelt  ist der  Geldhandel, und  dies immer auch
       schon in  seinen ersten  Anfängen, sobald  mit  seinen  sonstigen
       Funktionen die  des Leihens  und Borgens und der Handel in Kredit
       sich verbindet.  Darüber im folgenden Abschnitt, beim zinstragen-
       den Kapital.
       Der Barrenhandel  selbst, das Überführen von Gold oder Silber aus
       einem Land  in das  andre, ist nur das Resultat des Warenhandels,
       bestimmt durch den Wechselkurs, der den Stand der internationalen
       Zahlungen und  des Zinsfußes  auf verschiednen Märkten ausdrückt.
       Der Barrenhändler als solcher vermittelt nur Resultate.
       Bei Betrachtung des Geldes, wie sich seine Bewegungen und Formbe-
       stimmheiten aus  der einfachen  Warenzirkulation entwickeln,  hat
       man gesehn (Buch I, Kap. III), wie die Bewegung der Masse des als
       Kaufmittel und  Zahlungsmittel zirkulierenden Geldes bestimmt ist
       durch die  Warenmetamorphose, durch  Umfang  und  Geschwindigkeit
       derselben, die,  wie wir  jetzt wissen, selbst nur ein Moment des
       gesamten Reproduktionsprozesses  ist.  Was  die  Beschaffung  des
       Geldmaterials -  Gold und  Silber - von seinen Produktionsquellen
       angeht, so  löst sie sich auf in unmittelbaren Warenaustausch, in
       Austausch von Gold und Silber als Ware gegen andre Ware, ist also
       selbst ebensosehr  ein Moment  des Warenaustausches  wie die  Be-
       schaffung von  Eisen oder  andren Metallen. Was aber die Bewegung
       der edlen  Metalle auf dem Weltmarkt angeht (wir sehn hier ab von
       dieser Bewegung,  soweit sie  leihweise  Kapitalübertragung  aus-
       drückt, eine  Übertragung, die  auch in der Form von Warenkapital
       vorgeht), so  ist sie  ganz so bestimmt durch den internationalen
       Warenaustausch, wie die Bewegung
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       Tag zu  Tag ihre gegenseitigem Forderungen ausgleichen. In dieser
       Vermittlung von Zahlungen besteht also das eigentliche Kassierer-
       geschäft; es  schließt also industrielle Unternehmungen, Spekula-
       tionen und  die Eröffnung  von Blankokrediten aus; denn die Regel
       muß hier  sein, daß  der Kassierer  für denienigen,  dem er  eine
       Rechnung in  seinen Büchern eröffnet hat, keine Zahlung über sein
       Guthaben hinaus  leistet." (Vissering,  l.c.p. 243,  244.) - Über
       die Kassenvereine  zu Venedig:  Durch das Bedürfnis und durch die
       Örtlichkeit von  Venedig, wo  das Herumtragen von Barschaften lä-
       stiger als  an andren Orten, führten die Großhändler dieser Stadt
       Kassenvereine ein  unter gehöriger  Sicherheit. Aufsicht und Ver-
       waltung, legten die Mitglieder eines solchen Vereins gewisse Sum-
       men nieder, auf die sie ihren Gläubigern Anweisungen ausstellten,
       worauf dann  die gezahlte  Summe auf  dem Blatt des Schuldners in
       dem darüber  geführten Buche  abgeschrieben und der Summe, welche
       der Gläubiger  darin zugut hatte, zugesetzt wurde. Die ersten An-
       fänge der  sog. Girobanken. Alt sind diese Vereine. Aber wenn man
       sie ins  12. Jahrhundert  verlegt, so verwechselt man sie mit der
       1171  eingerichteten  Staatsanleihe-Anstalt."  (Hüllmann,  l.c.p.
       453, 454.)
       
       #333# 19. Kapitel - Das Geldhandlungskapital
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       des Geldes  als inländisches  Kauf- und  Zahlungsmittel durch den
       inländischen Warenaustausch.  Die Aus- und Einwanderungen der ed-
       len Metalle aus einer nationalen Zirkulationssphäre in die andre,
       soweit sie  nur verursacht  sind durch Entwertung von Landesmünze
       oder durch  Doppelwährung, sind  der Geldzirkulation  als solcher
       fremd und  bloße Korrektion willkürlich, von Staats wegen hervor-
       gebrachter Abirrungen.  Was endlich  die Bildung von Schätzen an-
       geht, soweit sie Reservefonds von Kauf- oder Zahlungsmitteln, sei
       es für  innern oder  auswärtigen Handel, darstellt, und ebenfalls
       soweit sie bloße Form von einstweilen brachliegendem Kapital ist,
       so ist sie beidemal nur ein notwendiger Niederschlag des Zirkula-
       tions. Prozesses.
       Wie die  ganze Geldzirkulation  in ihrem Umfang, ihren Formen und
       ihren Bewegungen  bloßes Resultat  der Warenzirkulation  ist, die
       vom kapitalistischen  Standpunkt aus selbst nur den Zirkulations-
       prozeß des  Kapitals darstellt  (und darin  ist einbegriffen  der
       Austausch von  Kapital gegen  Revenue und von Revenue gegen Reve-
       nue, soweit  die Verausgabung von Revenue sich im Kleinhandel re-
       alisiert), so  versteht es sich ganz von selbst, daß der Geldhan-
       del nicht  nur das  bloße Resultat  und die Erscheinungsweise der
       Warenzirkulation, die Geldzirkulation, vermittelt. Diese Geldzir-
       kulation selbst, als ein Moment der Warenzirkulation, ist für ihn
       gegeben. Was  er vermittelt,  sind ihre  technischen Operationen,
       die er konzentriert, abkürzt und vereinfacht. Der Geldhandel bil-
       det nicht die Schätze, sondern liefert die technischen Mittel, um
       diese Schatzbildung,  soweit sie  freiwillig ist (also nicht Aus-
       druck von  unbeschäftigtem Kapital oder von Störung des Reproduk-
       tionsprozesses), auf  ihr ökonomisches Minimum zu reduzieren, in-
       dem die  Reservefonds für  Kauf- und Zahlungsmittel, wenn für die
       ganze Kapitalistenklasse  verwaltet, nicht  so groß zu sein brau-
       chen, als  wenn von  jedem Kapitalisten besonders. Der Geldhandel
       kauft nicht  die edlen  Metalle, sondern vermittelt nur ihre Ver-
       teilung, sobald  der Warenhandel  sie gekauft hat. Der Geldhandel
       erleichtert die  Ausgleichung der  Bilanzen, soweit  das Geld als
       Zahlungsmittel fungiert, und vermindert durch den künstlichen Me-
       chanismus dieser  Ausgleichungen die  dazu erheischte  Geldmasse;
       aber er bestimmt weder den Zusammenhang noch den Umfang der wech-
       selseitigen Zahlungen.  Die Wechsel und Schecks z.B., die in Ban-
       ken und  Clearing houses gegeneinander ausgetauscht werden, stel-
       len ganz  unabhängige Geschäfte  dar, sind Resultate von gegebnen
       Operationen, und es handelt sich nur um beßre technische Ausglei-
       chung dieser  Resultate. Soweit  das Geld  als Kaufmittel  zirku-
       liert, sind Umfang und Anzahl der Käufe und Verkäufe durchaus un-
       abhängig vom Geldhandel.
       
       #334# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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       Er kann  nur die technischen Operationen, die sie begleiten, ver-
       kürzen, und dadurch die Masse des zu ihrem Umschlag nötigen baren
       Geldes vermindern.
       Der Geldhandel in der reinen Form, worin wir ihn hier betrachten,
       d.h. getrennt  vom Kreditwesen,  hat es  also nur  zu tun mit der
       Technik eines  Moments der Warenzirkulation, nämlich der Geldzir-
       kulation und  den daraus  entspringenden verschiednen  Funktionen
       des Geldes.
       Dies unterscheidet den Geldhandel wesentlich vom Warenhandel, der
       die Metamorphose  der Ware und den Warenaustausch vermittelt oder
       selbst diesen Prozeß des Warenkapitals als Prozeß eines vom indu-
       striellen Kapital  gesonderten Kapitals erscheinen läßt. Wenn da-
       her das  Warenhandlungskapital eine  eigne Form  der  Zirkulation
       zeigt, G-W-G, wo die Ware zweimal die Stelle wechselt und dadurch
       das Geld zurückfließt, im Gegensatz zu W-G-W, wo das Geld zweimal
       die Hände  wechselt und dadurch den Warenaustausch vermittelt, so
       kann keine  solche besondre  Form  für  das  Geldhandlungskapital
       nachgewiesen werden.
       Soweit Geldkapital in dieser technischen Vermittlung der Geldzir-
       kulation von einer besondren Abteilung Kapitalisten vorgeschossen
       wird ein  Kapital, das  auf verjüngtem  Maßstab das Zusatzkapital
       vorstellt, das  sich die Kaufleute und industriellen Kapitalisten
       sonst selbst zu diesen Zwecken vorschießen müßten -, ist die all-
       gemeine Form  des Kapitals  G-G' auch  hier vorhanden. Durch Vor-
       schuß von  G wird  G +  delta G für den Vorschießer erzeugt. Aber
       die Vermittlung  von G-G' bezieht sich hier nicht auf die sachli-
       chen, sondern nur auf die technischen Momente der Metamorphose.
       Es ist augenscheinlich, daß die Masse des Geldkapitals, womit die
       Geldhändler zu  tun haben, das in Zirkulation befindliche Geldka-
       pital der  Kaufleute und  Industriellen ist und daß die Operatio-
       nen, die  sie vollziehn,  nur die Operationen jener sind, die sie
       vermitteln. Es  ist ebenso klar, daß ihr Profit nur ein Abzug vom
       Mehrwert ist,  da sie  nur mit  schon realisierten Werten (selbst
       wenn nur in Form von Schuldforderungen realisiert) zu tun haben.
       Wie bei  dem Warenhandel  findet hier  Verdopplung  der  Funktion
       statt. Denn  ein Teil  der mit  der  Gelclzirkulation  verbundnen
       technischen Operationen muß von den Warenhändlern und Warenprodu-
       zenten selbst verrichtet werden.

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