Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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NEUNZEHNTES KAPITEL
Das Geldhandlungskapital
Die rein technischen Bewegungen, die das Geld durchmacht im Zir-
kulationsprozeß des industriellen Kapitals und, wie wir jetzt
hinzusetzen können, des Warenhandlungskapitals (da dies einen
Teil der Zirkulationsbewegung des industriellen Kapitals als
seine eigne und eigentümliche Bewegung übernimmt) - diese Bewe-
gungen, verselbständigt zur Funktion eines besondren Kapitals,
das sie, und nur sie, als ihm eigentümliche Operationen ausübt,
verwandeln dies Kapital in Geldhandlungskapital. Ein Teil des in-
dustriellen Kapitals, und näher auch des Warenhandlungskapitals,
bestände nicht nur fortwährend in Geldform, als Geldkapital über-
haupt, sondern als Geldkapital, das in diesen technischen Funk-
tionen begriffen ist. Von dem Gesamtkapital sondert sich nun ab
und verselbständigt sich ein bestimmter Teil in Form von Geldka-
pital, dessen kapitalistische Funktion ausschließlich darin be-
steht, für die gesamte Klasse der industriellen und kommerziellen
Kapitalisten diese Operationen auszuführen. Wie beim Warenhand-
lungskapital trennt sich ein Teil des im Zirkulationsprozeß in
der Gestalt von Geldkapital vorhandnen industriellen Kapitals ab
und verrichtet diese Operationen des Reproduktionsprozesses für
das gesamte übrige Kapital. Die Bewegungen dieses Geldkapitals
sind also wiederum nur Bewegungen eines verselbständigten Teils
des in seinem Reproduktionsprozeß begriffnen industriellen Kapi-
tals.
Nur wenn, und insoweit, Kapital neu angelegt wird - was auch der
Fall bei der Akkumulation -, erscheint Kapital in Geldform als
Ausgangspunkt und Endpunkt der Bewegung. Aber für jedes einmal in
seinem Prozeß befindliche Kapital erscheint Ausgangspunkt wie
Endpunkt nur als Durchgangspunkt. Soweit das industrielle Kapi-
tal, vom Austritt aus der Produktionssphäre bis zum Wiederein-
tritt in dieselbe, die Metamorphose W'-G-W durchzumachen hat,
ist, wie sich schon bei der einfachen Warenzirkulation zeigte, G
in der Tat nur das Endresultat der einen Phase
#328# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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der Metamorphose, um der Ausgangspunkt der entgegengesetzten, sie
ergänzenden zu sein. Und obgleich für das Handelskapital das W-G
des industriellen Kapitals stets als G-W-G sich darstellt, so ist
doch auch für es, sobald es einmal engagiert ist, der wirkliche
Prozeß fortwährend W-G-W. Das Handelskapital macht aber gleich-
zeitig die Akte W-G und G-W durch. D.h., nicht nur ein Kapital
befindet sich im Stadium W-G, während das andre sich im Stadium
G-W befindet, sondern dasselbe Kapital kauft beständig und ver-
kauft beständig gleichzeitig wegen der Kontinuität des Produkti-
onsprozesses; es befindet sich fortwährend gleichzeitig in beiden
Stadien. Während ein Teil desselben sich in Geld verwandelt, um
sich später in Ware rückzuverwandeln, verwandelt der andre sich
gleichzeitig in Ware, um sich in Geld rückzuverwandeln.
Ob das Geld hier als Zirkulationsmittel oder als Zahlungsmittel
fungiert, hängt von der Form des Warenaustausches ab. In beiden
Fällen hat der Kapitalist beständig an viele Personen Geld auszu-
zahlen und beständig von vielen Personen Geld in Zahlung zu emp-
fangen. Diese bloß technische Operation des Geldzahlens und des
Geldeinkassierens bildet Arbeit für sich, die, soweit das Geld
als Zahlungsmittel fungiert, Bilanzberechnungen, Akte der Aus-
gleichung nötig macht. Diese Arbeit ist eine Zirkulationskost,
keine wertschaffende Arbeit. Sie wird dadurch abgekürzt, daß sie
von einer besondren Abteilung von Agenten oder Kapitalisten für
die ganze übrige Kapitalistenklasse ausgeführt wird.
Ein bestimmter Teil des Kapitals muß beständig als Schatz, poten-
tielles Geldkapital, vorhanden sein: Reserve von Kaufmitteln, Re-
serve von Zahlungsmitteln, unbeschäftigtes, in Geldform seiner
Anwendung harrendes Kapital; und ein Teil des Kapitals strömt be-
ständig in dieser Form zurück. Dies macht, außer Einkassieren,
Zahlen und Buchhalten, Aufbewahrung des Schatzes nötig, was wie-
der eine besondre Operation ist. Es ist also in der Tat die be-
ständige Auflösung des Schatzes in Zirkulationsmittel und Zah-
lungsmittel und seine Rückbildung aus im Verkauf erhaltnem Geld
und fällig gewordner Zahlung; diese beständige Bewegung des als
Geld existierenden Teils des Kapitals, getrennt von der Kapital-
funktion selbst, diese rein technische Operation ist es, die be-
sondre Arbeit und Kosten verursacht - Zirkulationskosten.
Die Teilung der Arbeit bringt es mit sich, daß diese technischen
Operationen, die durch die Funktionen des Kapitals bedingt sind,
soweit möglich für die ganze Kapitalistenklasse von einer Abtei-
lung von Agenten oder Kapitalisten als ausschließliche Funktionen
verrichtet werden oder sich in ihren Händen konzentrieren. Es ist
hier, wie beim Kaufmannskapital,
#329# 19. Kapitel - Das Geldhandlungskapital
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Teilung der Arbeit in doppeltem Sinn. Es wird besondres Geschäft,
und weil es als besondres Geschäft für den Geldmechanismus der
ganzen Klasse verrichtet wird, wird es konzentriert, auf großer
Stufenleiter ausgeübt; und nun findet wieder Teilung der Arbeit
innerhalb dieses besondern Geschäfts statt, sowohl durch Spaltung
in verschiedne voneinander unabhängige Zweige, wie durch Ausbil-
dung der Werkstatt innerhalb dieser Zweige (große Büros, zahlrei-
che Buchhalter und Kassierer, weitgetriebne Arbeitsteilung). Aus-
zahlung des Geldes, Einkassierung, Ausgleichung der Bilanzen,
Führung laufender Rechnungen, Aufbewahren des Geldes etc., ge-
trennt von den Akten, wodurch diese technischen Operationen nötig
werden, machen das in diesen Funktionen vorgeschoßne Kapital zum
Geldhandlungskapital.
Die verschiednen Operationen, aus deren Verselbstäncligung zu be-
sondren Geschäften der Geldhandel entspringt, ergeben sich aus
den verschiednen Bestirnmtheiten des Geldes selbst und aus seinen
Funktionen, die also auch das Kapital in der Form von Geldkapital
durchzumachen hat.
Ich habe früher darauf hingewiesen, wie das Geldwesen überhaupt
sich ursprünglich entwickelt im Produktenaustausch zwischen ver-
schiednen Gemeinwesen. 42)
Es entwickelt sich der Geldhandel, der Handel mit der Geldware,
daher zunächst aus dem internationalen Verkehr. Sobald ver-
schiedne Landesmünzen existieren, haben die Kaufleute, die in
fremden Ländern einkaufen, ihre Landesmünze in die Lokalmünze um-
zusetzen und umgekehrt oder auch verschiedne Münzen gegen unge-
münztes reines Silber oder Gold als Weltgeld. Daher das Wechsel-
geschäft, das als eine der naturwüchsigen Grundlagen des modernen
Geldhandels zu betrachten ist. 43)
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42) "Zur Kritik der Pol. Oekon.", S. 27. 1*)
43) "Schon aus der großen Verschiedenheit der Münzen in Ansehung
sowohl des Schrots und Korns, als des Gepräges der vielen münzbe-
rechtigten Fürsten und Städte, entsprang die Notwendigkeit in
Handelsgeschäften, wo Ausgleichung vermittelst einer Münze nötig
war, sich überall der örtlichen zu bedienen. Zum Behuf von
Barzahlungen versahen sich die Kaufleute, wenn sie einen fremden
Markt bereisten, mit ungemünztem reinem Silber, wohl auch mit
Gold. Ebenso vertauschten sie bei Antretung der Rückreise die
eingenommene Ortsmünze in ungemünztes Silber oder Gold. Wechsel-
geschäfte, Umsatz ungemünzter edler Metalle gegen örtliche Münze
und umgekehrt, wurden daher ein sehr verbreitetes einträgliches
Geschäft." (Hüllmann, Städtewesen des Mittelalters", Bonn 1826-
1829, I,p. 437, 438.) - "Die Wechselbank hat ihren Namen
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1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 21. - Vgl. auch Band 23 un-
serer Ausgabe, S. 102/103
#330# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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entwickelten sich daraus Wechselbanken, wo Silber (oder Gold) als
Weltgeld - jetzt als Bankgeld oder Handelsgeld - im Unterschied
zur Kurantmünze fungieren. Das Wechselgeschäft, soweit es bloße
Anweisung für Zahlung an Reisende von dem Wechsler eines Landes
an andre, hat sich schon in Rom und Griechenland aus dem eigent-
lichen Wechslergeschäft entwickelt.
Der Handel mit Gold und Silber als Waren (Rohstoffen zur Berei-
tung für Luxusartikel) bildet die naturwüchsige Basis des Barren-
handels (Bullion trade) oder des Handels, der die Funktionen des
Geldes als Weitgeldes vermittelt. Diese Funktionen, wie früher
erklärt (Buch I, Kap. III, 3, c), sind doppelt: Hin- und Herlau-
fen zwischen den verschiednen nationalen Zirkulationssphären zur
Ausgleichung der internationalen Zahlungen und bei Wanderungen
des Kapitals zum Verzinsen; daneben Bewegung, von den Produkti-
onsquellen der Edelmetalle aus, über den Weltmarkt und Verteilung
der Zufuhr unter die verschiednen nationalen Zirkulationssphären.
In England fungierten noch während des größten Teils des 17.
Jahrhunderts die Goldschmiede als Bankiers. Wie sich weiter die
Ausgleichung der internationalen Zahlungen im Wechselhandel etc.
entwickelt, lassen wir hier ganz außer acht, wie alles, was sich
auf Geschäfte in Wertpapieren bezieht, kurz alle besondren Formen
des Kreditwesens, das uns hier noch nichts angeht.
Als Weltgeld streift das Landesgeld seinen lokalen Charakter ab;
ein Landesgeld wird im andern ausgedruckt und so alle reduziert
auf ihren
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nicht... von dem Wechsel, Wechselbrief, sondern vom Wechseln der
Geldsorten. Lange vor der Gründung der Amsterdamer Wechselbank im
Jahre 1609 hatte man in den niederländischen Handelsstädten schon
Wechsler und Wechselhäuser, selbst Wechselbanken... Das Geschäft
dieser Wechsler bestand darin, daß sie die zahlreichen verschie-
denen Münzsorten, die durch fremde Händler ins Land gebracht wur-
den, gegen gesetzlich gangbare Münzen einwechselten. Allmählich
erweiterte sich ihr Wirkungskreis... Sie wurden die Kassierer und
Bankiers ihrerzeit. Aber in der Vereinigung der Kassierertätig-
keit mit dem Wechselgeschäft sah die Amsterdamer Regierung eine
Gefahr, und um dieser Gefahr zu begegnen, beschloß man die Grün-
dung einer großen Anstalt, die sowohl das Wechseln wie das Kas-
sieren mit öffentlicher Vollmacht besorgen sollte. Diese Anstalt
war die berühmte Amsterdamer Wechselbank von 1609. Ebenso hatten
die Wechselbanken von Venedig, Genua, Stockholm, Hamburg ihre
Entstehung der fortwährenden Notwendigkeit des Umwechselns von
Geldsorten zu verdanken. Von diesen allen ist die Hamburger die
einzige, die noch heute besteht, weil das Bedürfnis nach solch
einer Einrichtung in dieser Handelsstadt, die kein eigenes Münz-
system hat, sich noch immer fühlbar macht etc." (S. Vissering,
"Handboek van Praktische Staathuishoudkunde", Amsterdam 1860, I,
p. 247, 248.)
#331# 19. Kapitel - Das Geldhandlungskapital
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Gehalt in Gold oder Silber, während diese letztren zugleich, als
die beiden Waren, die als Weltgeld zirkulieren, auf ihr gegensei-
tigem Wertverhältnis zu reduzieren sind, das beständig wechselt.
Diese Vermittlung macht der Geldhändler zu seinem besondren Ge-
schäft. Wechslergeschäft und Barrenhandel sind so die ursprüng-
lichsten Formen des Geldhandels und entspringen aus den doppelten
Funktionen des Geldes: als Landesmünze und als Weltgeld.
Aus dem kapitalistischen Produktionsprozeß, wie aus dem Handel
überhaupt, selbst bei vorkapitalistischer Produktionsweise, er-
gibt sich:
Erstens, die Ansammlung des Geldes als Schatz, d.h. jetzt des
Teils des Kapitals, der stets in Geldform vorhanden sein muß, als
Reservefonds von Zahlungs- und Kaufmitteln. Dies ist die erste
Form des Schatzes, wie er in der kapitalistischen Produktions-
weise wiedererscheint und sich überhaupt bei Entwicklung des Han-
delskapitals wenigstens für dieses bildet. Beides gilt sowohl für
die inländische wie die internationale Zirkulation. Dieser Schatz
ist beständig fließend, ergießt sich beständig in die Zirkulation
und kehrt beständig aus ihr zurück. Die zweite Form des Schatzes
ist nun die von brachliegendem, augenblicklich unbeschäftigtem
Kapital in Geldform, wozu auch neu akkumuliertes, noch nicht an-
gelegtes Geldkapital gehört. Die Funktionen, die diese Schatzbil-
dung als solche nötig macht, sind zunächst seine Aufbewahrung,
Buchführung etc.
Zweitens aber ist damit verbunden Ausgeben des Geldes beim Kau-
fen, Einnehmen beim Verkaufen, Zahlen und Empfangen von Zahlun-
gen, Ausgleichung der Zahlungen etc. Alles dies verrichtet der
Geldhändler zunächst als einfacher Kassierer für die Kaufleute
und industriellen Kapitalisten. 44)
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44) "Die Einrichtung der Kassierer hat vielleicht nirgends ihren
ursprünglichen, selbständigen Charakter so rein bewahrt wie in
den niederländischen Kaufstädten (s. über den Ursprung der Kas-
siererei in Amsterdam E. Luzac, "Hollands Rijkdom", deel III).
Ihre Funktionen stimmen zum Teil überein mit denen der alten Am-
sterdamer Wechselbank. Der Kassierer empfängt von den Kaufleuten,
die seine Dienste anwenden, einen gewissen Betrag in Geld, wofür
er ihnen ein "credit" in seinen Büchern eröffnet; ferner senden
sie ihm ihre Schuldforderungen, die er für sie einzieht und sie
dafür kreditiert; dagegen macht er gegen ihre Anweisungen
(kassiers briefies) Zahlungen und belastet ihre laufende Rechnung
mit deren Beträgen. Für diese Eingänge und Auszahlungen berechnet
er dann eine geringe Provision, die nur durch die Bedeutung der
Umsätze, zu denen er es zwischen beiden bringt, einen entspre-
chenden Lohn für seine Arbeit abwirft. Wenn Zahlungen auszuglei-
chen sind zwischen zwei Kaufleuten, die beide mit demselben Kas-
sierer arbeiten, so erledigen sich solche Zahlungen sehr einfach
durch gegenseitige Buchung, während die Kassierer ihnen von
#332# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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Vollständig entwickelt ist der Geldhandel, und dies immer auch
schon in seinen ersten Anfängen, sobald mit seinen sonstigen
Funktionen die des Leihens und Borgens und der Handel in Kredit
sich verbindet. Darüber im folgenden Abschnitt, beim zinstragen-
den Kapital.
Der Barrenhandel selbst, das Überführen von Gold oder Silber aus
einem Land in das andre, ist nur das Resultat des Warenhandels,
bestimmt durch den Wechselkurs, der den Stand der internationalen
Zahlungen und des Zinsfußes auf verschiednen Märkten ausdrückt.
Der Barrenhändler als solcher vermittelt nur Resultate.
Bei Betrachtung des Geldes, wie sich seine Bewegungen und Formbe-
stimmheiten aus der einfachen Warenzirkulation entwickeln, hat
man gesehn (Buch I, Kap. III), wie die Bewegung der Masse des als
Kaufmittel und Zahlungsmittel zirkulierenden Geldes bestimmt ist
durch die Warenmetamorphose, durch Umfang und Geschwindigkeit
derselben, die, wie wir jetzt wissen, selbst nur ein Moment des
gesamten Reproduktionsprozesses ist. Was die Beschaffung des
Geldmaterials - Gold und Silber - von seinen Produktionsquellen
angeht, so löst sie sich auf in unmittelbaren Warenaustausch, in
Austausch von Gold und Silber als Ware gegen andre Ware, ist also
selbst ebensosehr ein Moment des Warenaustausches wie die Be-
schaffung von Eisen oder andren Metallen. Was aber die Bewegung
der edlen Metalle auf dem Weltmarkt angeht (wir sehn hier ab von
dieser Bewegung, soweit sie leihweise Kapitalübertragung aus-
drückt, eine Übertragung, die auch in der Form von Warenkapital
vorgeht), so ist sie ganz so bestimmt durch den internationalen
Warenaustausch, wie die Bewegung
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Tag zu Tag ihre gegenseitigem Forderungen ausgleichen. In dieser
Vermittlung von Zahlungen besteht also das eigentliche Kassierer-
geschäft; es schließt also industrielle Unternehmungen, Spekula-
tionen und die Eröffnung von Blankokrediten aus; denn die Regel
muß hier sein, daß der Kassierer für denienigen, dem er eine
Rechnung in seinen Büchern eröffnet hat, keine Zahlung über sein
Guthaben hinaus leistet." (Vissering, l.c.p. 243, 244.) - Über
die Kassenvereine zu Venedig: Durch das Bedürfnis und durch die
Örtlichkeit von Venedig, wo das Herumtragen von Barschaften lä-
stiger als an andren Orten, führten die Großhändler dieser Stadt
Kassenvereine ein unter gehöriger Sicherheit. Aufsicht und Ver-
waltung, legten die Mitglieder eines solchen Vereins gewisse Sum-
men nieder, auf die sie ihren Gläubigern Anweisungen ausstellten,
worauf dann die gezahlte Summe auf dem Blatt des Schuldners in
dem darüber geführten Buche abgeschrieben und der Summe, welche
der Gläubiger darin zugut hatte, zugesetzt wurde. Die ersten An-
fänge der sog. Girobanken. Alt sind diese Vereine. Aber wenn man
sie ins 12. Jahrhundert verlegt, so verwechselt man sie mit der
1171 eingerichteten Staatsanleihe-Anstalt." (Hüllmann, l.c.p.
453, 454.)
#333# 19. Kapitel - Das Geldhandlungskapital
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des Geldes als inländisches Kauf- und Zahlungsmittel durch den
inländischen Warenaustausch. Die Aus- und Einwanderungen der ed-
len Metalle aus einer nationalen Zirkulationssphäre in die andre,
soweit sie nur verursacht sind durch Entwertung von Landesmünze
oder durch Doppelwährung, sind der Geldzirkulation als solcher
fremd und bloße Korrektion willkürlich, von Staats wegen hervor-
gebrachter Abirrungen. Was endlich die Bildung von Schätzen an-
geht, soweit sie Reservefonds von Kauf- oder Zahlungsmitteln, sei
es für innern oder auswärtigen Handel, darstellt, und ebenfalls
soweit sie bloße Form von einstweilen brachliegendem Kapital ist,
so ist sie beidemal nur ein notwendiger Niederschlag des Zirkula-
tions. Prozesses.
Wie die ganze Geldzirkulation in ihrem Umfang, ihren Formen und
ihren Bewegungen bloßes Resultat der Warenzirkulation ist, die
vom kapitalistischen Standpunkt aus selbst nur den Zirkulations-
prozeß des Kapitals darstellt (und darin ist einbegriffen der
Austausch von Kapital gegen Revenue und von Revenue gegen Reve-
nue, soweit die Verausgabung von Revenue sich im Kleinhandel re-
alisiert), so versteht es sich ganz von selbst, daß der Geldhan-
del nicht nur das bloße Resultat und die Erscheinungsweise der
Warenzirkulation, die Geldzirkulation, vermittelt. Diese Geldzir-
kulation selbst, als ein Moment der Warenzirkulation, ist für ihn
gegeben. Was er vermittelt, sind ihre technischen Operationen,
die er konzentriert, abkürzt und vereinfacht. Der Geldhandel bil-
det nicht die Schätze, sondern liefert die technischen Mittel, um
diese Schatzbildung, soweit sie freiwillig ist (also nicht Aus-
druck von unbeschäftigtem Kapital oder von Störung des Reproduk-
tionsprozesses), auf ihr ökonomisches Minimum zu reduzieren, in-
dem die Reservefonds für Kauf- und Zahlungsmittel, wenn für die
ganze Kapitalistenklasse verwaltet, nicht so groß zu sein brau-
chen, als wenn von jedem Kapitalisten besonders. Der Geldhandel
kauft nicht die edlen Metalle, sondern vermittelt nur ihre Ver-
teilung, sobald der Warenhandel sie gekauft hat. Der Geldhandel
erleichtert die Ausgleichung der Bilanzen, soweit das Geld als
Zahlungsmittel fungiert, und vermindert durch den künstlichen Me-
chanismus dieser Ausgleichungen die dazu erheischte Geldmasse;
aber er bestimmt weder den Zusammenhang noch den Umfang der wech-
selseitigen Zahlungen. Die Wechsel und Schecks z.B., die in Ban-
ken und Clearing houses gegeneinander ausgetauscht werden, stel-
len ganz unabhängige Geschäfte dar, sind Resultate von gegebnen
Operationen, und es handelt sich nur um beßre technische Ausglei-
chung dieser Resultate. Soweit das Geld als Kaufmittel zirku-
liert, sind Umfang und Anzahl der Käufe und Verkäufe durchaus un-
abhängig vom Geldhandel.
#334# IV. Abschnitt - Das kaufmännische Kapital
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Er kann nur die technischen Operationen, die sie begleiten, ver-
kürzen, und dadurch die Masse des zu ihrem Umschlag nötigen baren
Geldes vermindern.
Der Geldhandel in der reinen Form, worin wir ihn hier betrachten,
d.h. getrennt vom Kreditwesen, hat es also nur zu tun mit der
Technik eines Moments der Warenzirkulation, nämlich der Geldzir-
kulation und den daraus entspringenden verschiednen Funktionen
des Geldes.
Dies unterscheidet den Geldhandel wesentlich vom Warenhandel, der
die Metamorphose der Ware und den Warenaustausch vermittelt oder
selbst diesen Prozeß des Warenkapitals als Prozeß eines vom indu-
striellen Kapital gesonderten Kapitals erscheinen läßt. Wenn da-
her das Warenhandlungskapital eine eigne Form der Zirkulation
zeigt, G-W-G, wo die Ware zweimal die Stelle wechselt und dadurch
das Geld zurückfließt, im Gegensatz zu W-G-W, wo das Geld zweimal
die Hände wechselt und dadurch den Warenaustausch vermittelt, so
kann keine solche besondre Form für das Geldhandlungskapital
nachgewiesen werden.
Soweit Geldkapital in dieser technischen Vermittlung der Geldzir-
kulation von einer besondren Abteilung Kapitalisten vorgeschossen
wird ein Kapital, das auf verjüngtem Maßstab das Zusatzkapital
vorstellt, das sich die Kaufleute und industriellen Kapitalisten
sonst selbst zu diesen Zwecken vorschießen müßten -, ist die all-
gemeine Form des Kapitals G-G' auch hier vorhanden. Durch Vor-
schuß von G wird G + delta G für den Vorschießer erzeugt. Aber
die Vermittlung von G-G' bezieht sich hier nicht auf die sachli-
chen, sondern nur auf die technischen Momente der Metamorphose.
Es ist augenscheinlich, daß die Masse des Geldkapitals, womit die
Geldhändler zu tun haben, das in Zirkulation befindliche Geldka-
pital der Kaufleute und Industriellen ist und daß die Operatio-
nen, die sie vollziehn, nur die Operationen jener sind, die sie
vermitteln. Es ist ebenso klar, daß ihr Profit nur ein Abzug vom
Mehrwert ist, da sie nur mit schon realisierten Werten (selbst
wenn nur in Form von Schuldforderungen realisiert) zu tun haben.
Wie bei dem Warenhandel findet hier Verdopplung der Funktion
statt. Denn ein Teil der mit der Gelclzirkulation verbundnen
technischen Operationen muß von den Warenhändlern und Warenprodu-
zenten selbst verrichtet werden.
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