Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       Drittes Buch
       Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion
       Erster Teil
       
       #33#
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       Erster Abschnitt
       Die Verwandlung  des Mehrwerts  in Profit  und der Rate des Mehr-
       werts in Profitrate
       
       ERSTES KAPITEL
       Kostpreis und Profit
       
       Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapi-
       talistische   P r o d u k t i o n s p r o z e ß,  für sich genom-
       men, darbietet, als unmittelbarer Produktionsprozeß, bei dem noch
       von allen  gekundären Einwirkungen  ihm fremder Umstände abgesehn
       wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsprozeß erschöpft nicht
       den Lebenslauf  des Kapitals.  Er wird in der wirklichen Velt er-
       gänzt durch den  Z i r k u l a t i o n s p r o z e ß,  und dieser
       bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. Hier
       zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des
       Zirkulationsprozesses als  der Vermittlung des gesellschaftlichen
       Reproduktionsprozesses, daß  der kapitalistische  Produktionspro-
       zeß, im  ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Zirkula-
       tionsprozeß ist.  Worum es  sich in  diesem dritten Buch handelt,
       kann nicht  sein, allgemeine  Reßexionen über diese Einheit anzu-
       stellen. Es  gilt vielmehr,  die konkreten Formen aufzufinden und
       darzustellen,  welche   aus  dem    B e w e g u n g s p r o z e ß
       d e s   K a p i t a l s,  a l s  G a n z e s  betrachtet, hervor-
       wachsen. In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in
       solchen konkreten Formen gegenüber, für die die Gestalt des Kapi-
       tals im  unmittelbaren Produktionsprozeß,  wie seine  Gestalt  im
       Zirkulationsprozeß, nur als besondere Momente erscheinen. Die Ge-
       staltungen des  Kapitals, wie  wir sie in diesem Buch entwickeln,
       nähern sich also schrittwels der Form, worin sie auf der Oberflä-
       che der  Gesellschaft, in  der Aktion  der verschiedenen Kapitale
       aufeinander, der  Konkurrenz, und  im gewöhnlichen Bewußtsein der
       Produktionsagenten selbst auftreten.
       
       #34# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit.
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       Der Wert jeder kapitalistisch produzierten Ware W stellt sich dar
       in der  Formel: W = c + v + m. Ziehn wir von diesem Produktenwert
       den Mehrwert  in ab, so bleibt ein bloßes Äquivalent oder ein Er-
       satzwert in Ware für den in den Produktionselementen verausgabten
       Kapitalwert c + v.
       Verursacht z.B.  die Herstellung eines gewissen Artikels eine Ka-
       pitalausgabe von  500 Pfd.St.:  20 Pfd.St. für Verschleiß von Ar-
       beitsmitteln, 380  Pfd.St. für Produktionsstoffe, 100 Pfd.St. für
       Arbeitskraft, und  beträgt die  Rate des  Mehrwertes 100%, so ist
       der Wert des Produkts = 400c + 100v + 100m = 600 Pfd.St.
       Nach Abzug des Mehrwerts von 100 Pfd.St. bleibt ein Warenwert von
       500 Pfd.St.,  und dieser  ersetzt nur das verausgabte Kapital von
       500 Pfd.St.  Dieser Wertteil der Ware, der den Preis der verzehr-
       ten Produktionsrnittel und den Preis der angewandten Arbeitskraft
       ersetzt, ersetzt  nur, was  die Ware  dem Kapitalisten selbst ko-
       stet, und bildet daher für ihn den Kostpreis der Ware.
       Was die  Ware dem Kapitalisten kostet, und was die Produktion der
       Ware selbst kostet, sind allerdings zwei ganz verschiedne Größen.
       Der aus  Mehrwert bestehende Teil des Warenwerts kostet dem Kapi-
       talisten nichts,  eben weil er dem Arbeiter unbezahlte Arbeit ko-
       stet. Da jedoch auf Grundlage der kapitalistischen Produktion der
       Arbeiter selbst,  nach seinem  Eintritt in den Produktionsprozeß,
       ein Ingrediens  des in  Funktion begriffenen und dem Kapitalisten
       zugehörigen produktiven  Kapitals bildet, der Kapitalist also der
       wirkliche Warenproduzent  ist, so  erscheint notwendig  der Kost-
       preis der  Ware für  ihn als  die wirkliche Kost der Ware selbst.
       Nennen wir  den Kostpreis k, so verwandelt sich die Formel: W = c
       + v  + m  in die  Formel: W = k + m, oder Warenwert = Kostpreis +
       Mehrwert.
       Die Zusammenfassung  der verschiednen Wertteile der Ware, die nur
       den in  ihrer Produktion verausgabten Kapitalwert ersetzen, unter
       der Kategorie  des Kostpreises drückt daher einerseits den spezi-
       fischen Charakter  der kapitalistischen Produktion aus. Die kapi-
       talistische Kost  der Ware  mißt sich  an der Ausgabe in Kapital,
       die wirkliche Kost der Ware an der Ausgabe in Arbeit. Der kapita-
       listische Kostpreis  der Ware  ist daher  quantitativ verschieden
       von ihrem  Wert oder  ihrem wirklichen  Kostpreis; er ist kleiner
       als der  Warenwert, denn da W = k + m, ist k = W - m. Andrerseits
       ist der Kostpreis der Ware keineswegs eine Rubrik, die nur in der
       kapitalistischen  Buchführung  existiert.  Die  Verselbständigung
       dieses Wertteils macht sich in der wirklichen Produktion der Ware
       fortwährend praktisch  geltend, da  er aus seiner Warenform durch
       den Zirkulationsprozeß  stets wieder  in die Form von produktivem
       Kapital rückverwandelt werden,
       
       #37# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit
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       der Kostpreis  der Ware  also beständig  die in  ihrer Produktion
       verzehrten Produktionselemente rückkaufen muß.
       Dagegen hat  die Kategorie des Kostpreises in keiner Weise zu tun
       mit der  Wertbildung der Ware oder mit dem Verweirtungsprozeß des
       Kapitals. Wenn ich weiß, daß 5/6 des Warenwerts, von 600 Pfd.St.,
       oder 500 Pfd.St. nur ein Äquivalent, einen Ersatzwert des veraus-
       gabten Kapitals von 500 Pfd.St. bilden, und daher nur hinreichen,
       die stofflichen  Elemente dieses  Kapitals rückzukaufen,  so weiß
       ich damit  weder, wie  diese 5/6  des Werts  der Ware,  die ihren
       Kostpreis bilden,  noch wie  das letzte Sechstel, das ihren Mehr-
       wert bildet, produziert worden sind. Die Untersuchung wird jedoch
       zeigen, daß  der Kostpreis  in der Kapitalwirtschaft den falschen
       Schein einer Kategorie der Wertproduktion selbst erhält.
        Kehren  wir zu unserm Beispiel zurück. Unterstellen wir, daß der
       in einem durchschnittlichen gesellschaftlichen Arbeitstag von ei-
       nem Arbeiter produzierte Wert sich in einer Geldsumme von 6 sh. =
       6 M. darstellt, so ist das vorgeschoßne Kapital von 500 Pfd.St. =
       40c0 +  100v, das Wertprodukt von 1666 2/3 zehnstündigen Arbeits-
       tagen, wovon 1333 1/3 Arbeitstage im Wert der Produktionsmittel =
       400c, 333  1/3 im  Wert der  Arbeitskraft =  100v  kristallisiert
       sind. Bei der angenommenen Mehrweirtrate von 100% kostet die Pro-
       duktion der  neu zu  bildenden Ware selbst also eine Verausgabung
       von Arbeitskraft = 100v + 100m = 666 2/3 zehnstündigen Arbeitsta-
       gen.
       Wir wissen dann (siehe Buch I, Kap. VII, p. 201/193 1*)), daß der
       Wert des  neugebildeten Produkts  von 600  Pfd.St. sich zusammen-
       setzt aus  1. dem wiedererscheinenden Wert des in Produktionsmit-
       teln verausgabten  konstanten Kapitals von 400 Pfd.St. und 2. ei-
       nem neuproduzierten Wert von 200 Pfd.St. Der Kostpreis der Ware =
       500 Pfd.St.  umschließt die  wiedererscheinenden  400c  und  eine
       Hälfte des  neuproduzierten Werts  von 200 Pfd.St. (= 100,), also
       zwei mit  Bezug auf ihre Entstehung ganz und gar verschiedne Ele-
       mente des Warenwerts.
       
       Durch den zweckgemäßen Charakter der während 6662/3 zehnstündigen
       Tagen verausgabten  Arbeit wird der Wert der verzehrten Produkti-
       onsmittel, zum Belauf von 400 Pfd.St., von diesen Produktionsmit-
       teln auf das Produkt übertragen. Dieser alte Wert erscheint daher
       wieder als Bestandteil des Produktenwerts, aber er entsteht nicht
       im Produktionsprozeß  d i e s e r  Ware. Er existiert nur als Be-
       standteil des Warenwerts, weil er vorher als Bestandteil des vor-
       geschoßnen Kapitals existierte. Das verausgabte konstante
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 226
       
       #38# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       Kapital wird  also durch  den Teil des Warenwerts ersetzt, den es
       selbst dem  Warenwert zusetzt.  Dies Element  des Kostpreises hat
       also den  zweideutigen Sinn:  Es geht einerseits in den Kostpreis
       der Ware  ein, weil  es ein  Bestandteil des  Warenwerts ist, der
       verausgabtes Kapital ersetzt; und andrerseits bildet es nur einen
       Bestandteil des Warenwerts, weil es der Wert von verausgabtem Ka-
       pital ist,  oder weil  die Produktionsmittel soundso viel kosten.
       Ganz umgekehrt  mit dem  andern Bestandteil  des Kostpreises. Die
       während der Warenproduktion verausgabten 666 2/3 Tage Arbeit bil-
       den einen  Neuwert von 200 Pfd.St. Von diesem Neuwert ersetzt ein
       Teil nur  das vorgeschoßne  variable Kapital von 100 Pfd.St. oder
       den Preis  der angewandten Arbeitskraft. Aber dieser vorgeschoßne
       Kapitalwert geht in keiner Weise in die Bildung des Neuwerts ein.
       Innerhalb  des  Kapitalvorschusses  zählt  die  Arbeitskraft  als
       W e r t,     aber   im   Produktionsprozeß   fungiert   sie   als
       W e r t b i l d n e r.  An die Stelle des Werts der Arbeitskraft,
       der innerhalb des Kapitalvorschusses figuriert, tritt im wirklich
       f u n g i e r e n d e n  produktiven Kapital die lebendige, wert-
       bildende Arbeitskraft selbst.
       Der Unterschied  zwischen diesen  verschiednen Bestandteilen  des
       Warenwerts, die  zusammen den Kostpreis bilden, springt ins Auge,
       sobald ein  Wechsel in der Wertgröße, das eine Mal des verausgab-
       ten konstanten,  das andre  Mal des  verausgabten variablen Kapi-
       talteils eintritt. Der Preis derselben Produktionsmittel oder der
       konstante Kapitaltell  steige von  400 Pfd.St.  auf 600  Pfd.St.,
       oder sinke  umgekehrt auf 200 Pfd.St. Im ersten Fall steigt nicht
       nur der  Kostpreis der Ware von 500 Pfd.St. auf 600c + 100v = 700
       Pfd.St., sondern  der Warenwert selbst steigt von 600 Pfd.St. auf
       600c +  100v + 100m = 800 Pfd.St. Im zweiten Fall sinkt nicht nur
       der Kostpreis von 500 Pfd.St. auf 200c + 100v = 300 Pfd.St., son-
       dern der Warenwert selbst von 600 Pfd. St. auf 200c + 100v + 100m
       = 400  Pfd.St. Weil das verausgabte konstante Kapital seinen eig-
       nen Wert  auf das Produkt überträgt, wächst oder fällt, bei sonst
       gleichbleibenden Umständen,  der Produktenwert  mit der absoluten
       Größe jenes  Kapitalwerts. Nimm  umgekehrt an,  bei sonst gleich-
       bleibenden Umständen  wachse der  Preis derselben  Masse Arbeits-
       kraft von  100 Pfd.St.  auf 150 Pfd.St., oder sinke umgekehrt auf
       50 Pfd.St.  Im ersten  Fall steigt  zwar der  Kostpreis  von  500
       Pfd.St. auf  400c +  150v = 550 Pfd.St. und sinkt im zweiten Fall
       von 500 Pfd.St. auf 400c + 50v = 450 Pfd.St., aber in beiden Fäl-
       len bleibt  der Warenwert unverändert = 600 Pfd.St.; das eine Mal
       = 400c  + 150v + 50m, das andre Mal = 400c + 50v + 150m. Das vor-
       geschoßne variable  Kapital setzt dem Produkt nicht seinen eignen
       Wert zu. An die Stelle seines
       
       #41# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit
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       Werts ist vielmehr im Produkt ein von der Arbeit geschaffner Neu-
       wert getreten.  Ein Wechsel  in der absoluten Wertgröße des vari-
       ablen Kapitals, soweit er nur einen Wechsel im Preis der Arbeits-
       kraft ausdrückt,  ändert daher nicht das geringste an der absolu-
       ten Größe  des Warenwerts, weil nichts an der absoluten Größe des
       Neuwerts, welchen  flüssige Arbeitskraft schafft. Solcher Wechsel
       affiziert vielmehr  nur das  Größenverhältnis der beiden Bestand-
       teile des Neuwerts, wovon der eine Mehrwert bildet, der andre das
       variable Kapital  ersetzt, und  daher in  den Kostpreis  der Ware
       eingeht.
       Gemeinsam haben beide Teile des Kostpreises, in unserm Fall 400 +
       100v, nur  das: daß sie beide Teile des Warenwerts sind, die vor-
       geschoßnes Kapital ersetzen.
       Dieser wirkliche Sachverhalt erscheint aber notwendig in verkehr-
       ter Weise vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion.
       Die kapitalistische  Produktionsweise unterscheidet  sich von der
       auf Sklaverei  gegründeten Produktionsweise unter anderm dadurch,
       daß der  Wert, resp.  Preis der  Arbeitskraft, sich darstellt als
       Wert, resp.  Preis, der Arbeit selbst oder als Arbeitslohn. (Buch
       I, Kap.  XVII.) Der  variable Wertteil des Kapitalvorschusses er-
       scheint daher  als in  Arbeitslohn verausgabtes  Kapital, als ein
       Kapitalwert, der  den Wert,  resp. Preis, aller in der Produktion
       verausgabten Arbeit  zahlt. Nehmen  wir z.B.  an, daß  ein durch-
       schnittlicher gesellschaftlicher  Arbeitstag von  10 Stunden sich
       in einer  Geldmasse von 6 sh. verkörpert, so ist der variable Ka-
       pitalvorschuß von  100 Pfd.St.  der Geldausdruck eines in 333 1/3
       zehnstündigen Arbeitstagen produzierten Werts. Dieser im Kapital-
       vorschuß figurierende  Wert der  angekauften Arbeitskraft  bildet
       aber keinen  Teil des  wirklich fungierenden  Kapitals. An  seine
       Stelle tritt  im Produktionsprozeß  selbst die lebendige Arbeits-
       kraft. Beträgt, wie in unserm Beispiel, der Exploitationsgrad der
       letztern 100%, so wird sie verausgabt während 666 2/3 zehnstündi-
       gen Arbeitstagen  und setzt  daher dem  Produkt einen Neuwert von
       200 Pfd.St.  zu. Aber  im Kapitalvorschuß  figuriert das variable
       Kapital von  100 Pfd.St.  als in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital,
       oder als  Preis der Arbeit, die während 666 2/3 zehnstündigen Ta-
       gen verrichtet wird. 100 Pfd.St. dividiert durch 666 2/3 gibt uns
       als Preis  des zehnstündigen  Arbeitstags 3  sh., das Wertprodukt
       fünfstündiger Arbeit.
       Vergleichen wir  nun Kapitalvorschuß  auf der einen Seite und Wa-
       renwert auf  der andern, so haben wir: 1. Kapitalvorschuß von 500
       Pfd.St. =  400 Pfd.St. in Produktionsmitteln verausgabtes Kapital
       (Preis der Produktionsmittel) + 100 Pfd.St. in
       
       #42# 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       Arbeit verausgabtes  Kapital (Preis von 666 2/3 Arbeitstagen oder
       Arbeitslohn für selbe).
       
       II. Warenwert  von 600  Pfd.St. =  Kostpreis von 500 Pfd.St. (400
       Pfd.St. Preis  der verausgabten  Produktionsmittel +  100 Pfd.St.
       Preis der  verausgabten 666  2/3 Arbeitstage) + 100 Pfd.St. Mehr-
       wert.
       In dieser  Formel unterscheidet sich der in Arbeit ausgelegte Ka-
       pitalteil von dem in Produktionsmitteln, z.B. Baumwolle oder Koh-
       len ausgelegten Kapitalteil nur dadurch, daß er zur Zahlung eines
       stofflich verschiednen  Produktionselements dient, aber in keiner
       Weise dadurch,  daß er  im Wertbildungsprozeß  der Ware und daher
       auch im  Verwertungsprozeß des  Kapitals  eine  funktionell  ver-
       schiedne Rolle  spielt. Im Kostpreis der Ware kehrt der Preis der
       Produktionsmittel wieder, wie er bereits im Kapitalvorschuß figu-
       rierte, und zwar weil diese Produktionsmittel zweckgemäß vernutzt
       worden sind.  Ganz ebenso  kehrt im  Kostpreis der Ware der Preis
       oder Arbeitslohn für die zu ihrer Produktion verbrauchten 666 2/3
       Arbeitstage wieder, wie er bereits im Kapitalvorschuß figurierte,
       und zwar  ebenfalls weil  diese Masse Arbeit in zweckgemäßer Form
       verausgabt wurde.  Wir sehn  nur fertige,  vorhandne Werte  - die
       Wertteile des vorgeschoßnen Kapitals, die in die Bildung des Pro-
       duktenwerts eingehn  - aber kein Neuwert schaffendes Element. Der
       Unterschied zwischen  konstantem und  variablem Kapital  ist ver-
       schwunden. Der  ganze Kostpreis  von 500 Pfd.St. erhält jetzt den
       Doppelsinn, daß er erstens der Bestandteil des Warenwerts von 600
       Pfd.St. ist, der das in der Produktion der Ware verausgabte Kapi-
       tal von 500 Pfd.St. ersetzt; und daß zweitens dieser Wertbestand-
       teil der  Ware selbst nur existiert, weil er vorher als Kostpreis
       der angewandten  Produktionselemente, der  Produktionsmittel  und
       Arbeit d.h. als Kapitalvorschuß existierte. Der Kapitalwert kehrt
       als Kostpreis der Ware wieder, weil und sofern er als Kapitalwert
       verausgabt worden ist.
       Der Umstand,  daß die  verschiednen Wertbestandteile  des  vorge-
       schoßnen Kapitals  in stofflich verschiednen Produktionselementen
       ausgelegt sind,  in Arbeitsmitteln, Roh- und Hilfsstoffen und Ar-
       beit, bedingt  nur, daß  der Kostpreis  der Ware  diese stofflich
       verschiednen Produktionselemente wieder rückkaufen muß. Mit Bezug
       auf die Bildung des Kostpreises selbst macht sich dagegen nur ein
       Unterschied geltend, der Unterschied zwischen fixem und zirkulie-
       rendem Kapital. In unserm Beispiel waren 20 Pfd.St. berechnet für
       Verschleiß der  Arbeitsmittel (400c  = 20  Pfd.St. für Verschleiß
       der Arbeitsmittel  + 380  Pfd.St. für Produktionsstoffe). War der
       Wert dieser  Arbeitsmittel vor  der Produktion  der Ware  =  1200
       Pfd.St., so existiert er nach ihrer Produktion in zwei Gestalten,
       20 Pfd.St. als Teil des Warenwerts,
       
       #43# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit
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       1200 -  20 oder 1180 Pfd.St. als resistierender Wert der nach wie
       vor im  Besitz des  Kapitalisten befindlichen Arbeitsmittel, oder
       als Wertelement  nicht seines  Warenkapitals, sondern seines pro-
       duktiven Kapitals. Im Gegensatz zu den Arbeitsmitteln werden Pro-
       duktionsstoffe und  Arbeitslohn in  der Produktion  der Ware ganz
       verausgabt, und  geht daher  auch ihr ganzer Wert in den Wert der
       produzierten Ware  ein. Wir  haben gesehn, wie diese verschiednen
       Bestandteile des  vorgeschoßnen Kapitals  mit Bezug  auf den  Um-
       schlag die Formen von fixem und zirkulierendern Kapital erhalten.
       Der Kapitalvorschuß ist also = 1680 Pfd.St.: fixes Kapital = 1200
       Pfd.St. plus  zirkulierendes Kapital = 480 Pfd.St. (= 380 Pfd.St.
       in Produktionsstoffen plus 100 Pfd.St. in Arbeitslohn). Der Kost-
       preis der Ware ist dagegen nur = 500 Pfd.St. (20 Pfd.St. für Ver-
       schleiß des  fixen Kapitals, 480 Pfd.St. für zirkulierendes Kapi-
       tal).
       Diese Differenz  zwischen Kostpreis  der Ware und Kapitalvorschuß
       bestätigt jedoch  nur, daß  der Kostpreis der Ware ausschließlich
       gebildet wird  durch das für ihre Produktion wirklich verausgabte
       Kapital. In der Produktion der Ware werden Arbeitsmittel zum Wert
       von 1200  Pfd.St. angewandt,  aber von diesem vorgeschoßnen Kapi-
       talwert gehn nur 20 Pfd.St. in der Produktion verloren. Das ange-
       wandte fixe Kapital geht daher nur teilweise in den Kostpreis der
       Ware ein,  weil es  nur teilweise  in ihrer Produktion verausgabt
       wird. Das angewandte zirkulierende Kapital geht ganz in den Kost-
       preis der  Ware ein,  weil es in ihrer Produktion ganz verausgabt
       wird. Was  beweist dies  aber, als daß die verbrauchten fixen und
       zirkulierenden Kapitaltelle,  pro rata ihrer Wertgröße, gleichmä-
       ßig in  den Kostpreis  ihrer Ware  eingehn und daß dieser Wertbe-
       standteil der Ware überhaupt nur aus dem in ihrer Produktion ver-
       ausgabten Kapital  entspringt? Wäre  dies nicht der Fall, so wäre
       nicht abzusehn,  warum das  vorgeschoßne fixe  Kapital  von  1200
       Pfd.St. dem  Produktenwert, statt  der 20 Pfd.St., die es im Pro-
       duktionsprozeß verliert, nicht auch die 1180 Pfd.St. zusetzt, die
       es nicht in ihm verliert.
       Diese Differenz  zwischen fixem und zirkulierendem Kapital in be-
       zug auf  die Berechnung  des Kostpreises  bestätigt also  nur die
       scheinbare Entstehung  des Kostpreises aus dem verausgabten Kapi-
       talwert oder dem Preis, den die verausgabten Produktionselemente,
       die Arbeit  einbegriffen, dem Kapitalisten selbst kosten. Andrer-
       seits wird  der variable,  in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil
       in bezug auf Wertbildung hier unter der Rubrik von zirkullerendem
       Kapital ausdrücklich identifiziert mit konstantem Kapital
       
       #44# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       (dem in  Produktionsstoffen bestehenden  Kapitalteil) und  so die
       Mystifikation des Verwertungsprozesses des Kapitals vollendet. 1)
       Wir haben  bisher nur  ein Element des Warenwerts betrachtet, den
       Kostpreis. Wir  müssen uns jetzt auch nach dem andern Bestandteil
       des Warenwerts  umsehn, dem Überschuß über den Kostpreis oder dem
       Mehrwert. Zunächst  ist der Mehrwert also ein Überschuß des Werts
       der Ware  über ihren  Kostpreis. Da aber der Kostpreis gleich dem
       Wert des  verausgabten Kapitals, in dessen stoffliche Elemente er
       auch beständig  rückverwandelt wird,  so ist dieser Wertüberschuß
       ein Wertzuwachs  des in  der Produktion der Ware verausgabten und
       aus ihrer Zirkulation zurückkehrenden Kapitals.
       Man sah  bereits früher,  daß, obgleich in, der Mehrwert, nur aus
       einer Wertveränderung von v, dem variablen Kapital entspringt und
       daher ursprünglich bloß ein Inkrement des variablen Kapitals ist,
       er dennoch  nach beendigtem  Produktionsprozeß  ebensosehr  einen
       Wertzuwachs von c + v, dem verausgabten Gesamtkapital bildet. Die
       Formel c  + (v+m), die andeutet, daß in produziert wird durch die
       Verwandlung des in Arbeitskraft vorgeschoßnen bestimmten Kapital-
       werts v  in eine  fließende Größe, also einer konstanten Größe in
       eine variable, stellt sich ebenso dar als (c+v) + m. Vor der Pro-
       duktion hatten  wir ein  Kapital von 500 Pfd.St. Nach der Produk-
       tion haben wir das Kapital von 500 Pfd.St. plus einem Wertzuwachs
       von 100 Pfd.St. 2)
       Der Mehrwert bildet jedoch einen Zuwachs, nicht nur zu dem in den
       Verwertungsprozeß eingehenden,  sondern auch  zu dem  nicht darin
       eingehenden Teil  des vorgeschoßnen  Kapitals; also einen Wertzu-
       wachs, nicht  nur zu  dem verausgabten Kapital, das aus dem Kost-
       preis der  Ware ersetzt  wird, sondern  zu dem  in der Produktion
       überhaupt angewandten  Kapital. Vor  dem Produktionsprozeß hatten
       wir einen  Kapitalwert von 1680 Pfd.St.: 1200 Pfd.St. in Arbeits-
       mitteln ausgelegtes fixes Kapital, wovon nur
       ---
       1) Welche  Verwirrung hieraus im Kopf des Ökonomen entstehn kann,
       wurde Buch  I, Kap. VII, 3, S. 216 / 206 ff. 1*), am Beispiel von
       N. W. Senior gezeigt.
       2) Wir wissen in der Tat bereits, daß der Mehrwert bloß Folge der
       Wertveränderung ist,  die mit  v, dem in Arbeitskraft umgesetzten
       Kapitalteil, vorgeht, daß also v + m = v + delta v (v plus Inkre-
       ment von  v) ist. Aber die wirkliche Wertveränderung und das Ver-
       hältnis, worin  sich der  Wert ändert, werden dadurch verdunkelt,
       daß infolge  des Wachstums  seines variierenden Bestandteils auch
       das vorgeschoßne  Gesamtkapital wächst.  Es war  500 und  es wird
       590." (Buch I, Kap. VII, 1, S.203/195 2*).)
       -----
       1*) Siehe  Band 23  unserer Ausgabe,  S. 237-243 - 2*) ebenda, S.
       228
       
       #45# 1. Kapitel - Kostprei, und Profit
       -----
       20 Pfd. St. für Verschleiß in den Wert der Ware eingehn, plus 480
       Pfd. St.  zirkulierendes Kapital  in Produktionsstoffen  und  Ar-
       beitslohn. Nach  dem Produktionsprozeß haben wir 1180 Pfd.St. als
       Wertbestandteil des  produktiven Kapitals plus einem Warenkapital
       von 600  Pfd.St. Addieren wir diese beiden Wertsummen, so besitzt
       der Kapitalist  jetzt einen  Wert von 1780 Pfd.St. Zieht er davon
       das vorgeschoßne Gesamtkapital von 1680 Pfd.St. ab, so bleibt ein
       Wertzuwachs von  100 Pfd.St. Die 100 Pfd.St. Mehrwert bilden also
       ebensosehr einen  Wertzuwachs zu dem angewandten Kapital von 1680
       Pfd.St., wie  zu dem  während der  Produktion verausgabten Bruch-
       stück desselben von 500 Pfd.St.
       Es ist  dem Kapitalisten nun klar, daß dieser Wertzuwachs aus den
       produktiven Vorgängen  entspringt die mit dem Kapital vorgenommen
       werden, daß  er also aus dem Kapital selbst entspringt; denn nach
       dem Produktionsprozeß  ist er  da, und  vor dem Produktionsprozeß
       war er  nicht da.  Was zunächst das in der Produktion verausgabte
       Kapital betrifft,  so scheint der Mehrwert gleichmäßig aus dessen
       verschiednen, in Produktionsmitteln und Arbeit bestehenden Werte-
       lementen zu  entspringen. Denn diese Elemente gehn gleichmäßig in
       die Bildung  des Kostpreises ein. Sie setzen gleichmäßig ihre als
       Kapitalvorschüsse vorhandnen  Werte dem  Produktenwert zu und un-
       terscheiden sich  nicht als  konstante und  variable  Wertgrößen.
       Dies wird  handgreiflich, wenn  wir einen Augenblick unterstellen
       alles verausgabte Kapital bestehe entweder ausschließlich aus Ar-
       beitslohn oder  ausschließlich aus  dem Wert  von Produktionsmit-
       teln. Wir  hätten dann im ersten Fall statt des Warenwerts 400c +
       100v +  100m den Warenwert 500v + 100m. Das in Arbeitslohn ausge-
       legte Kapital  von 500  Pfd.St. ist der Wert aller in der Produk-
       tion des  Warenwerts von 600 Pfd.St. aufgewandten Arbeit und bil-
       det ebendaher den Kostpreis des ganzen Produkts. Die Bildung die-
       ses Kostpreises,  wodurch der  Wert des verausgabten Kapitals als
       Wertbestandteil des  Produkts wiedererscheint,  ist aber der ein-
       zige uns  bekannte Vorgang  in der Bildung dieses Warenwerts. Wie
       sein Mehrwertsbestandteil  von 100 Pfd.St. entspringt, wissen wir
       nicht. Ganz  ebenso im  zweiten Fall,  wo der  Warenwert = 500c +
       100m wäre.  In beiden Fällen wissen wir, daß der Mehrwert aus ei-
       nem gegebnen  Wert entspringt,  weil dieser  Wert in der Form von
       produktivem Kapital  vorgeschossen wurde,  gleichgültig ob in der
       Form von  Arbeit oder in der Form von Produktionsmitteln. Andrer-
       seits aber  kann der  vorgeschoßne Kapitalwert den Mehrwert nicht
       aus dem  Grunde bilden,  weil er verausgabt worden ist, und daher
       den Kostpreis  der Ware  bildet. Denn  gerade soweit er den Kost-
       preis der Ware bildet, bildet er keinen Mehrwert, sondern nur ein
       Äquivalent, einen Ersatzwert des verausgabten
       
       #46# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       Kapitals. Soweit  er also Mehrwert bildet, bildet er ihn nicht in
       seiner spezifischen  Eigenschaft als  verausgabtes,  sondern  als
       vorgeschoßnes und  daher angewandtes Kapital überhaupt. Der Mehr-
       wert entspringt  daher ebensosehr  aus dem Teil des vorgeschoßnen
       Kapitals, der in den Kostpreis der Ware eingeht, wie aus dem Teil
       desselben, der  nicht in  den Kostpreis  eingeht; in  einem Wort:
       gleichmäßig aus  den fixen  und zirkulierenden  Bestandteilen des
       angewandten Kapitals.  Das Gesamtkapital dient stofflich als Pro-
       duktbildner, die  Arbeitsmittel sowohl  wie die Produktionsstoffe
       und die  Arbeit. Das  Gesamtkapital geht stofflich in den wirkli-
       chen Arbeitsprozeß  ein, wenn  auch nur ein Teil desselben in den
       Verwertungsprozeß eingeht.  Dies ist  vielleicht eben  der Grund,
       daß es  nur teilweis  zur Bildung  des Kostpreises, aber ganz zur
       Bildung des  Mehrwerts beiträgt.  Wie dem  auch  sei,  das  Fazit
       bleibt, daß  der Mehrwert gleichzeitig aus allen Teilen des ange-
       wandten Kapitals  entspringt. Die  Deduktion kann noch sehr abge-
       kürzt werden, wenn man mit Malthus ebenso derb wie einfach sagt:
       
       "Der Kapitalist  e r w a r t e t  gleichen Vorteil auf alle Teile
       des Kapitals, die er vorstreckt." 3)
       
       Als solcher  vorgestellter Abkömmling des vorgeschoßnen Gesamtka-
       pitals   erhält   der   Mehrwert   die   verwandelte   Form   des
       P r o f i t s.  Eine Wertsumme ist daher Kapital, weil sie ausge-
       legt wird,  um einen Profit zu erzeugen 4), oder der Profit kommt
       heraus, weil  eine Wertsumme  als Kapital  angewandt wird. Nennen
       wir den Profit p, so verwandelt sich die Formel W = c + v + m = k
       + m in die Formel W = k + p oder Warenwert Kostpreis + Profit.
       Der Profit,  wie wir  ihn hier  zunächst vor  uns haben, ist also
       dasselbe, was der Mehrwert ist, nur in einer mystifizierten Form,
       die jedoch  mit Notwendigkeit  aus der kapitalistischen Produkti-
       onsweise herauswächst.  Weil in der scheinbaren Bildung des Kost-
       preises kein  Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapi-
       tal zu  erkennen ist,  muß der  Ursprung der Wertveränderung, die
       während des Produktionsprozesses sich ereignet, von dem variablen
       Kapitalteil in  das Gesamtkapital  verlegt werden.  Weil auf  dem
       einen Pol der Preis der Arbeitskraft in der verwandelten Form von
       Arbeitslohn, erscheint  auf dem Gegenpol der Mehrwert in der ver-
       wandelten Form von Profit.
       ---
       3) Malthus,  "Principles of  Pol. Econ.", 2nd edit., London 1836,
       p. 268.
       4) "Capital:  that which  is expended  with a  view  to  profit."
       Malthus, "Definitions in Pol. Econ.", London 1827, p. 86.
       
       #47# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit
       -----
       Wir haben  gesehn: Der  Kostpreis der  Ware ist  kleiner als  ihr
       Wert. Da W = k + m, ist k = W - m. Die Formel W = k + m reduziert
       sich nur  auf W  = k, Warenwert = Kostpreis der Ware, wenn m = 0,
       ein Fall,  der auf Grundlage der kapitalistischen Produktion nie-
       mals eintritt,  obgleich unter  besondren  Marktkonjunkturen  der
       Verkaufspreis der  Waren auf  oder selbst  unter ihren  Kostpreis
       sinken mag.
       Wird die  Ware daher  zu ihrem  Wert verkauft, so wird ein Profit
       realisiert, der gleich dem Überschuß ihres Werts über ihren Kost-
       preis ist,  also gleich  dem ganzen im Warenwert steckenden Mehr-
       wert. Aber der Kapitalist kann die Ware mit Profit verkaufen, ob-
       gleich er  sie unter  ihrem Wert  verkauft. Solange ihr Verkaufs-
       preis über  ihrem Kostpreis,  wenn auch  unter ihrem  Wert steht,
       wird stets  ein Teil des in ihr enthaltenen Mehrwerts realisiert,
       also stets  ein Profit gemacht. In unserm Beispiel ist der Waren-
       wert =  600 Pfd.St., der Kostpreis = 500 Pfd.St. Wird die Ware zu
       510, 520,  530, 560, 590 Pfd.St. verkauft, so wird sie respektive
       zu 90,  80, 70, 40, 10 Pfd.St. unter ihrem Wert verkauft und den-
       noch ein  Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 Pfd.St. aus ihrem Ver-
       kauf herausgeschlagen. Zwischen dem Wert der Ware und ihrem Kost-
       preis ist  offenbar eine  unbestimmte Reihe  von  Verkaufspreisen
       möglich. Je größer das aus Mehrwert bestehende Element des Waren-
       werts, desto  größer der  praktische Spielraum  dieser  Zwischen-
       preise.
       Hieraus erklären  sich nicht  nur alltägliche  Erscheinungen  der
       Konkurrenz,   wie    z.B.   gewisse   Fälle   des   Unterverkaufs
       (underselling), anormale  Niedrigkeit der Warenpreise in bestimm-
       ten Industriezweigen  5) etc. Das bisher von der politischen Öko-
       nomie unbegriffne  Grundgesetz der  kapitalistischen  Konkurrenz,
       das Gesetz,  welches die  allgemeine Profitrate und die durch sie
       bestimmten sog.  Produktionspreise regelt, beruht, wie man später
       sehn wird,  auf dieser  Differenz zwischen Wert und Kostpreis der
       Ware und  der daher entspringenden Möglichkeit, die Ware mit Pro-
       fit unter ihrem Wert zu verkaufen.
       Die Minimalgrenze  des Verkaufspreises der Ware ist gegeben durch
       ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft, so kön-
       nen die  verausgabten Bestandteile des produktiven Kapitals nicht
       völlig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser Prozeß
       fort, so  verschwindet der  vorgeschoßne Kapitalwert.  Schon  von
       diesem Gesichtspunkt  aus ist  der Kapitalist  geneigt, den Kost-
       preis für den eigentlichen  i n n e r e n  Wert der
       ---
       5) Vgl. Buch I, Kap. XVIII, p. 571/561 ff. 1*)
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 571-573
       
       #48# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       Ware zu  halten, weil er der zur bloßen Erhaltung seines Kapitals
       notwendige Preis  ist. Es kommt aber hinzu, daß der Kostpreis der
       Ware der  Kaufpreis ist,  den der Kapitalist selbst für ihre Pro-
       duktion gezahlt  hat,  also  der  durch  ihren  Produktionsprozeß
       selbst bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Ware realisierte
       Wertüberschuß oder  Mehrwert erscheint dem Kapitalisten daher als
       Überschuß ihres  Verkaufspreises über ihren Wert, statt als Über-
       schuß ihres  Werts über  ihren Kostpreis,  so daß der in der Ware
       steckende Mehrwert  sich nicht  durch ihren  Verkauf  realisiert,
       sondern aus  dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese Illu-
       sion bereits näher beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Widersprüche
       der allgemeinen  Formel des Kapitals), kehren hier aber einen Au-
       genblick zu  der Form zurück, worin sie als Fortschritt der poli-
       tischen Ökonomie über Ricardo hinaus von Torrens u.a. wieder gel-
       tend gemacht wurde.
       
       "Der natürliche  Preis, der  aus der Produktionskost besteht oder
       in andren  Worten aus  der Kapitalauslage  in der Produktion oder
       Fabrikation von  Ware, kann  unmöglich den Profit einschließen...
       Wenn ein  Pächter im Anbau seiner Felder 100 Quarter Korn auslegt
       und dafür  120 Quarters  wiedererhält, bilden die 20 Quarter, als
       Überschuß des  Produkts über  die Auslage, seinen Profit; aber es
       wäre absurd,  diesen Überschuß oder Profit einen Teil seiner Aus-
       lage zu  nennen... Der  Fabrikant legt eine gewisse Quantität von
       Rohstoffen, Werkzeugen  und Subsistenzmitteln für Arbeit aus, und
       erhält dagegen  eine Quantität  fertiger Ware. Diese fertige Ware
       muß einen  hohem Tauschwert besitzen als die Rohstofie, Werkzeuge
       und Subsistenzmittel, durch deren Vorschuß sie erworben wurden."
       
       Daher schließt  Torrens, der  Überschuß des  Verkaufspreises über
       den Kostpreis oder der Profit entspringe daher, daß die Konsumen-
       ten
       
       "durch unmittelbaren  oder  vermittelten  (circultous)  Austausch
       eine gewisse  größre Portion aller Ingredienzien des Kapitals ge-
       ben, als deren Produktion kostet" 6).
       
       In der  Tat, der  Überschuß über  eine gegebne  Größe kann keinen
       Teil dieser  Größe bilden,  also kann  auch der Profit, der Über-
       schuß des  Warenwerts über  die Auslagen des Kapitalisten, keinen
       Teil dieser  Auslagen bilden.  Geht also  in die  Wertbildung der
       Ware kein  andres Element  ein als der Wertvorschuß des Kapitali-
       sten, so  ist nicht  abzusehn, wie  aus der  Produktion mehr Wert
       herauskommen soll  als in  sie einging,  oder es  werde etwas aus
       Nichts. Dieser  Schöpfung aus Nichts entrinnt Torrens jedoch nur,
       indem er sie aus der Sphäre der Warenproduktion in die Sphäre der
       Warenzirkulation verlegt.  Der Profit  kann nicht aus der Produk-
       tion herkommen, sagt Torrens, denn sonst wäre er schon in den Ko-
       sten der Produktion
       ---
       1*) R.  Tortens, "An  Essay on  the Production of Wealth", London
       1821, p. 51-53, 349.
       
       #49# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit
       -----
       enthalten, also kein Überschuß über diese Kosten. Der Profit kann
       nicht aus dem Warenaustausch herkommen, antwortet ihm Ramsay [7],
       wenn er  nicht bereits  vor dem Warenaustausch vorhanden war. Die
       Wertsumme der  ausgetauschten Produkte ändert sich offenbar nicht
       durch den  Austausch der  Produkte, deren  Wertsumme sie ist. Sie
       bleibt dieselbe  nach wie vor dem Austausch. Es sei hier bemerkt,
       daß Malthus  sich ausdrücklich  auf die Autorität von Torrens be-
       ruft 7), obgleich er selbst den Verkauf der Waren über ihren Wert
       anders entwickelt  oder vielmehr  nicht entwickelt, da alle Argu-
       mente dieser  Art, der  Sache nach,  unfehlbar auf das seinerzeit
       vielberühmte negative Gewicht des Phlogiston [8] hinauslaufen.
       Innerhalb eines durch die kapitalistische Produktion beherrschten
       Gesellschaftszustandes ist  auch der  nichtkapitalistische Produ-
       zent durch die kapitalistischen Vorstellungen beherrscht. In sei-
       nem letzten Roman, den "Paysans", stellt Balzac, überhaupt ausge-
       zeichnet durch tiefe Auffassung der realen Verhältnisse, treffend
       dar, wie  der kleine Bauer, um das Wohlwollen seines Wucherers zu
       bewahren, diesem  allerlei Arbeiten umsonst leistet und ihm damit
       nichts zu  schenken glaubt,  weil seine  eigne Arbeit  ihm selbst
       keine bare  Auslage kostet.  Der Wucherer  seinerseits schlägt so
       zwei Fliegen  mit einer  Klappe. Er  erspart bare Auslage von Ar-
       beitslohn und verstrickt den Bauer, den die Entziehung der Arbeit
       vom eignen Feld fortschreitend ruiniert, tiefer und tiefer in das
       Fangnetz der Wucherspinne.
       Die gedankenlose  Vorstellung, daß  der Kostpreis  der Ware ihren
       wirklichen Wert  ausmacht, der  Mehrwert aber aus dem Verkauf der
       Ware über ihren Wert entspringt, daß die Waren also zu ihren Wer-
       ten verkauft  werden, wenn  ihr Verkaufspreis  gleich ihrem Kost-
       preis, d.h.  gleich dem Preis der in ihnen aufgezehrten Produkti-
       onsmittel plus  Arbeitslohn, ist von Proudhon mit gewohnter, sich
       wissenschaftlich spreizender  Scharlatanerie als  neu  entdecktes
       Geheimnis des  Sozialismus ausposaunt worden. Diese Reduktion des
       Werts der  Waren auf ihren Kostpreis bildet in der Tat die Grund-
       lage seiner Volksbank [9]. Es ward früher auseinandergesetzt, daß
       sich die verschiednen Wertbestandteile des Produkts in proportio-
       nellen Teilen des Produkts selbst darstellen lassen. Beträgt z.B.
       (Buch I,  Kap. VII,  2, S.  211 /  203 1*)) der Wert von 20 Pfund
       Garn 30  sh. -  nämlich 24  sh. Produktionsmittel, 3 sh. Arbeits-
       kraft und  3 sh. Mehrwert - so ist dieser Mehrwert darstellbar in
       1/10 des Produkts = 2 Pfund Garn. Werden die 20 Pfund Garn
       ---
       7) Malthus, "Definitions in Pol. Econ.", London 1853, p. 70, 71.
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 234/235 50
       
       #50# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
       -----
       nun zu  ihrem Kostpreis verkauft, zu 27 sh., so erhält der Käufer
       2 Pfund  Garn umsonst, oder die Ware ist um 1/10 unter ihrem Wert
       verkauft, aber  der Arbeiter  hat nach  wie vor  seine Mehrarbeit
       geleistet, nur  für den Käufer des Garns, statt für den kapitali-
       stischen Gamproduzenten. Es wäre durchaus falsch, vorauszusetzen,
       daß, wenn  alle Waren  zu ihren  Kostpreisen verkauft würden, das
       Resultat tatsächlich  dasselbe wäre,  als wenn sie sich alle über
       ihren Kostpreisen,  aber zu  ihren Werten verkauften. Denn selbst
       wenn Wert der Arbeitskraft, Länge des Arbeitstags und Exploitati-
       onsgrad der Arbeit überalt gleichgesetzt werden, so sind doch die
       in den  Werten der  verschiednen Warenarten enthaltnen Massen von
       Mehrwert durchaus  ungleich, je nach der verschiednen organischen
       Zusammensetzung der  zu ihrer  Produktion vorgeschoßnen Kapitale.
       8)
       ---
       8) "Die  von verschiednen  Kapitalen produzierten Massen von Wert
       und Mehrwert  verhalten sich  bei gegebnem Wert und gleich großem
       Exploitationsgrad der  Arbeitskraft direkt wie die Größen der va-
       riahlen Bestandteile dieser Kapitale, d.h. ihrer in lebendige Ar-
       beitskraft umgesetzten Beeandteile." (Buch I, Kap. IX, S. 312/303
       1*).)
       -----
       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 325

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