Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       Fünfter Abschnitt
       Spaltung des Profits in Zins und Unternehmergewinn.
       Das zinstragende Kapital.
       
       EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL
       Das zinstragende Kapital
       
       Bei der ersten Betrachtung der allgemeinen oder Durchschnittspro-
       fitrate (Abschnitt II dieses Buchs) hatten wir diese letztre noch
       nicht in  ihrer fertigen  Gestalt vor uns, indem die Ausgleichung
       noch bloß als Ausgleichung der in verschiednen Sphären angelegten
       industriellen Kapitale  erschien. Dies  wurde ergänzt  im vorigen
       Abschnitt, wo  die Teilnahme  des Handelskapitals  an dieser Aus-
       gleichung und der merkantile Profit erörtert ward. Die allgemeine
       Profitrate und der Durchschnittsprofit stellten sich jetzt inner-
       halb engerer  Grenzen dar als vorher. Im Fortgang der Entwicklung
       ist im  Auge zu  halten, daß,  wenn wir fernerhin von allgemeiner
       Profitrate oder  Durchschnittsprofit sprechen,  dies in der letz-
       tren Fassung  geschieht, also  bloß mit Bezug auf die fertige Ge-
       stalt der  Durchschnittsrate. Da  diese nunmehr für das industri-
       elle und  merkantile Kapital dieselbe ist, ist es auch nicht wei-
       ter nötig,  soweit es sich nur um diesen Durchschnittsprofit han-
       delt, einen  Unterschied zwischen industriellem und kommerziellem
       Profit zu  machen. Ob das Kapital innerhalb der Produktionssphäre
       industriell oder in der Zirkulationssphäre merkantil angelegt, es
       wirft  pro   rata  seiner   Größe  denselben   jährlichen  Durch-
       schnittsprofit ab.
       Geld -  hier genommen als selbständiger Ausdruck einer Wertsumme,
       ob sie tatsächlich in Geld oder Waren existiere - kann auf Grund-
       lage der kapitalistischen Produktion in Kapital verwandelt werden
       und wird durch diese Verwandlung aus einem gegebnen Wert zu einem
       sich selbst  verwertenden, sich  vermehrenden Wert. Es produziert
       Profit, d.h. es befähigt den Kapitalisten, ein bestimmtes Quantum
       unbezahlter Arbeit,  Mehrprodukt und  Mehrwert, aus den Arbeitern
       herauszuziehn und sich anzueignen.
       
       #351# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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       Damit erhält  es, außer  dem Gebrauchswert,  den es  als Geld be-
       sitzt, einen zusätzlichen Gebrauchswert, nämlich den, als Kapital
       zu fungieren. Sein Gebrauchswert besteht hier eben in dem Profit,
       den es,  in Kapital verwandelt, produziert. In dieser Eigenschaft
       als mögliches  Kapital, als  Mittel zur  Produktion des  Profits,
       wird es  Ware, aber  eine Ware sui generis. Oder was auf dasselbe
       herauskommt, Kapital als Kapital wird zur Ware. 54)
       Gesetzt, die  jährliche Durchschnittsprofitrate sei 20%. Eine Ma-
       schine im  Wert von  100 Pfd.St.  würde dann,  unter  den  Durch-
       schnittsbedingungen und  mit dem  Durchschnittsverhältnis von In-
       telligenz und  zweckmäßiger Tätigkeit als Kapital verwandt, einen
       Profit von  20 Pfd.St.  abwerfen. Ein  Mann also, der 100 Pfd.St.
       zur Verfügung hat, hält in seiner Hand die Macht, aus 100 Pfd.St.
       120 zu machen oder einen Profit von 20 Pfd.St. zu produzieren. Er
       hält in  seiner Hand  ein mögliches Kapital von 100 Pfd.St. Über-
       läßt dieser  Mann für  ein Jahr die 100 Pfd.St. einem andern, der
       sie wirklich  als Kapital  anwendet, so gibt er ihm die Macht, 20
       Pfd. St.  Profit zu  produzieren, einen  Mehrwert, der ihm nichts
       kostet, wofür er kein Äquivalent zahlt. Wenn dieser Mann dem Eig-
       ner der  100 Pfd.St.  am Jahresschluß vielleicht 5 Pfd.St. zahlt,
       d.h. einen  Teil des  produzierten Profits, so zahlt er damit den
       Gebrauchswert der  100 Pfd.St.,  den Gebrauchswert ihrer Kapital-
       funktion, der  Funktion, 20  Pfd.St. Profit  zu produzieren.  Der
       Teil des  Profits, den  er ihm zahlt, heißt Zins, was also nichts
       ist als  ein besondrer  Name, eine besondre Rubrik für einen Teil
       des Profits,  den das fungierende Kapital, statt in die eigne Ta-
       sche zu stecken, an den Eigner des Kapitals wegzuzahlen hat.
       Es ist  klar, daß  der Besitz  der 100  Pfd.St. ihrem  Eigner die
       Macht gibt,  den Zins, einen gewissen Teil des durch sein Kapital
       produzierten Profits,  an sich  zu ziehn.  Gäbe er dem andern die
       100 Pfd.St. nicht, so könnte dieser den Profit nicht produzieren,
       überhaupt nicht  mit Beziehung  auf diese 100 Pfd.St. als Kapita-
       list fungieren. 55)
       Mit Gilbart  (siehe Note)  von natürlicher  Gerechtigkeit hier zu
       reden, ist  Unsinn. Die Gerechtigkeit der Transaktionen, die zwi-
       schen den Produktionsagenten
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       54) Es wären hier einige Stellen zu zitieren, wo die Ökonomen die
       Sache so  fassen. "Sie" (die Bank von England) "machen sehr große
       Geschäfte mit der  W a r e  K a p i t a l?"  wird im Zeugenverhör
       zum Report  on Bank  Acts", H.  of C.  1857 [p. 104] ein Direktor
       dieser Bank gefragt.
       55) Daß  ein Mann,  der Geld borgt, mit der Absicht, Profit davon
       zu machen,  einen Teil  des Profits dem Verleiher geben Soll, ist
       ein selbstverständliches  Prinzip der natürlichen Gerechtigkeit."
       (Gilbart, "The  History and  Principles of Banking", London 1834,
       p. 163.)
       
       #352# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       vorgehn, beruht darauf, daß diese Transaktionen aus den Produkti-
       onsverhältnissen als natürliche Konsequenz entspringen. Die juri-
       stischen Formen,  worin diese ökonomischen Transaktionen als Wil-
       lenshandlungen der  Beteiligten, als Äußerungen ihres gemeinsamen
       Willens und  als der  Einzelpartei gegenüber von Staats wegen er-
       zwingbare Kontrakte rscheinen, können als bloße Formen diesen In-
       halt selbst  nicht bestimmen. Sie drücken ihn nur aus. Dieser In-
       halt ist  gerecht, sobald er der Produktionsweise entspricht, ihr
       adäquat ist.  Er ist ungerecht, sobald er ihr widerspricht. Skla-
       verei, auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise, ist unge-
       recht; ebenso der Betrug auf die Qualität der Ware.
       Die 100  Pfd.St. produzieren  dadurch den  Profit von 20 Pfd.St.,
       daß sie als Kapital fungieren, sei es als industrielles oder mer-
       kantiles. Aber  das sine qua non dieser Funktion als Kapital ist,
       daß sie  als Kapital  verausgabt werden,  das Geld also ausgelegt
       wird im  Ankauf von  Produktionsmitteln (beim industriellen Kapi-
       tal) oder von Ware (beim merkantilen Kapital). Aber um verausgabt
       zu werden,  muß es  da sein.  Wenn A, der Eigner der 100 Pfd.St.,
       sie entweder  zu seiner Privatkonsumtion verausgabte oder sie als
       Schatz bei sich behielte, könnten sie von B, dem fungierenden Ka-
       pitalisten, nicht  als Kapital  verausgabt werden.  Er verausgabt
       nicht sein  Kapital, sondern  das von A; aber er kann das Kapital
       von A  nicht verausgaben ohne den Willen von A. In der Tat ist es
       also A,  der ursprünglich die 100 Pfd.St. als Kapital verausgabt,
       obgleich sich  auf diese Verausgabung der 100 Pfd.St. als Kapital
       seine ganze  Funktion als Kapitalist beschränkt. Soweit diese 100
       Pfd.St. in Betracht kommen, fungiert B nur als Kapitalist, weil A
       ihm die  100 Pfd.St.  überläßt und  sie daher als Kapital veraus-
       gabt. Betrachten  wir zunächst  die eigentümliche Zirkulation des
       zinstragenden Kapitals.  Es ist dann in zweiter Instanz zu unter-
       suchen die eigne Art, wie es als Ware verkauft wird, nämlich ver-
       liehen statt ein für allemal abgetreten.
       Der Ausgangspunkt  ist das  Geld, das A dem B vorschießt. Es kann
       dies mit  oder ohne Unterpfand geschehn; die erstere Form ist je-
       doch die  altertümlichere, mit  Ausnahme der Vorschüsse auf Waren
       oder auf  Schuldpapiere wie  Wechsel, Aktien etc. Diese besondren
       Formen gehn  uns hier  nichts an. Wir haben es hier mit dem zins-
       tragenden Kapital in seiner gewöhnlichen Form zu tun.
       In der  Hand von  B wird das Geld wirklich in Kapital verwandelt,
       macht die  Bewegung G-W-G'  durch und  kehrt dann als G' zu A zu-
       rück, als  G+ delta G, wo delta G den Zins vorstellt. Der Verein-
       fachung halber sehen wir hier einstweilen von dem Fall ab, wo das
       Kapital auf  längre Zeit  in der Hand von B bleibt und die Zinsen
       terminsweise gezahlt werden.
       
       #353# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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       Die Bewegung ist also,
       G-G-W-G'-G'.
       Was hier verdoppelt erscheint, ist 1. die Verausgabung des Geldes
       als Kapital,  2. sein  Rückfluß als  realisiertes Kapital, als G'
       oder G + delta G.
       In der Bewegung des Handelskapitals G-W-G' wechselt dieselbe Ware
       zweimal oder,  wenn Kaufmann  an Kaufmann  verkauft, mehrmal  die
       Hände; aber  jeder solcher  Stellenwechsel derselben  Ware  zeigt
       eine Metamorphose an, Kauf oder Verkauf der Ware, sooft sich auch
       dieser Prozeß  bis zu  ihrem definitiven  Fall in  die Konsumtion
       wiederholen mag.
       Andrerseits in  W-G-W findet zwelmallger Stellenwechsel desselben
       Geldes statt,  zeigt aber  die vollständige Metamorphose der Ware
       an, die  erst in Geld und dann aus Geld wieder in eine andre Ware
       verwandelt wird.  Dagegen bei  dem zinstragenden  Kapital ist der
       erste Stellenwechsel von G durchaus kein Moment, weder der Waren-
       metamorphose noch  der Reproduktion  des Kapitals.  Dies wird  es
       erst bei  der zweiten  Verausgabung, in der Hand des fungierenden
       Kapitalisten, der  Handel darmt treibt oder es in produktives Ka-
       pital verwandelt.  Der erste  Stellenwechsel von  G  drückt  hier
       nichts aus  als seine  Übertragung oder  Übermachung von  A an B;
       eine Übertragung, die unter gewissen juristischen Formen und Vor-
       behalten zu  geschehn pflegt.  Dieser doppelten  Verausgabung des
       Geldes als  Kapital wovon die erste bloße Übertragung von A auf B
       ist, entspricht  sein doppelter Rückfluß. Als G' oder G + delta G
       fließt es  zurück aus  der Bewegung an den fungierenden Kapitali-
       sten B.
       Dieser überträgt  es dann  wieder an  A, aber  zugleich mit einem
       Teil des  Profits, als  realisiertes Kapital, als G + delta G, wo
       delta G  nicht gleich dem ganzen Profit, sondern nur ein Teil des
       Profits, der  Zins ist.  Zu B  fließt es zurück nur als was er es
       ausgegeben hat,  als fungierendes  Kapital, aber als das Eigentum
       von A. Damit sein Rückfluß vollständig sei, hat B es daher wieder
       an A  zu übertragen. Außer der Kapitalsumme aber hat B einen Teil
       des Profits,  den er  mit dieser  Kapitalsumme gemacht hat, unter
       dem Namen Zins an A abzugeben, da dieser ihm das Geld nur gegeben
       hat als  Kapital, d.h. als Wert, der sich nicht nur erhält in der
       Bewegung, sondern seinem Eigner einen Mehrwert schafft. Es bleibt
       in der  Hand von  B nur, solange es fungierendes Kapital ist. Und
       mit seinem  Rückfluß -  nach der abgemachten Frist - hört es auf,
       als Kapital  zu fungieren.  Als nicht länger fungierendes Kapital
       aber muß  es wieder  rückübertragen werden an A, der nicht aufge-
       hört, der juristische Eigentürner desselben zu sein.
       
       #354# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Die Form  des Leihens,  die dieser Ware, dem Kapital als Ware ei-
       gentümlich ist,  übrigens auch  in andren Transaktionen vorkommt,
       statt der  Form des Verkaufens, ergibt sich schon aus der Bestim-
       mung, daß  Kapital hier als Ware auftritt oder daß Geld als Kapi-
       tal zur Ware wird.
       Man muß  hier unterscheiden.  Wir haben  gesehn (Buch II, Kap. I)
       und rufen  hier kurz  ins Gedächtnis  zurück, daß  das Kapital im
       Zirkulationsprozeß als  Warenkapital  und  Geldkapital  fungiert.
       Aber in  beiden Formen  wird das  Kapital nicht  als Kapital  zur
       Ware.
       Sobald sich  das produktive  Kapital in  Warenkapital  verwandelt
       hat, muß  es auf  den Markt  geworfen, als  Ware verkauft werden.
       Hier fungiert  es einfach als Ware. Der Kapitalist erscheint hier
       nur als  Verkäufer von  Ware, wie der Käufer als Käufer von Ware.
       Als Ware muß das Produkt im Zirkulationsprozeß, durch seinen Ver-
       kauf, seinen Wert realisieren, seine verwandelte Gestalt als Geld
       annehmen. Es  ist deswegen  auch ganz gleichgültig, ob diese Ware
       von einem  Konsumenten als  Lebensmittel oder von einem Kapitali-
       sten als Produktionsmittel, als Kapitalbestandteil, gekauft wird.
       Im Zirkulationsakt  fungiert das Warenkapital nur als Ware, nicht
       als Kapital.  Es ist  Warenkapital im  Unterschied von  einfacher
       Ware, 1.  weil es  bereits mit Mehrwert geschwängert ist, die Re-
       alisierung seines  Werts also  zugleich Realisierung von Mehrwert
       ist; dies ändert aber nichts an seinem einfachen Dasein als Ware,
       als Produkt  von bestimmtem  Preis; 2.  weil diese seine Funktion
       als Ware ein Moment seines Reproduktionsprozesses als Kapital ist
       und daher  seine Bewegung  als Ware, weil nur Tellbewegung seines
       Prozesses, zugleich seine Bewegung als Kapital ist; sie wird dies
       aber nicht durch den Akt des Verkaufens selbst, sondern nur durch
       den Zusammenhang  dieses Akts  mit der  Gesamtbewegung dieser be-
       stimmten Wertsumme als Kapital.
       Ebenso als  Geldkapital wirkt es in der Tat nur einfach als Geld,
       d.h. als Kaufmittel von Ware (den Produktionselementen). Daß dies
       Geld hier  zugleich Geldkapital, eine Form des Kapitals ist, geht
       nicht hervor  aus dem  Akt des  Kaufens, aus der wirklichen Funk-
       tion, die  es hier als Geld verrichtet; sondern aus dem Zusammen-
       hang dieses  Akts mit der Gesamtbewegung des Kapitals, indem die-
       ser Akt, den es als Geld verrichtet, den kapitalistischen Produk-
       tionsprozeß einleitet.
       Aber soweit sie wirklich fungieren, wirklich im Prozeß ihre Rolle
       spielen, wirkt  hier Warenkapital  nur als  Ware, Geldkapital nur
       als Geld.  In keinem  einzelnen Moment der Metamorphose, für sich
       betrachtet, verkauft  der Kapitalist  die Ware als Kapital an den
       Käufer, obgleich sie für ihn Kapital
       
       #355# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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       vorstellt, oder  veräußert er das Geld als Kapital an den Verkäu-
       fer. In  beiden Fällen veräußert er die Ware einfach als Ware und
       das Geld einfach als Geld, als Kaufmittel von Ware. Es ist nur in
       dem Zusammenhang  des ganzen Verlaufs, in dem Moment, wo der Aus-
       gangspunkt zugleich  als Punkt  der Rückkehr  erscheint, in  G-G'
       oder W'-W',  daß das  Kapital im  Zirkulationsprozeß als  Kapital
       auftritt (während  es im  Produktionsprozeß als  Kapital auftritt
       durch die  Unterordnung des  Arbeiters unter den Kapitalisten und
       die Produktion des Mehrwerts). In diesem Moment der Rückkehr aber
       ist die  Vermittlung verschwunden.  Was da  ist, ist  G' oder G +
       delta G  (ob die  um A  G vermehrte Wertsumme nun in der Form des
       Geldes oder  der Ware  oder der  Produktionselernente existiere),
       eine Geldsumme  gleich der  ursprünglich vorgeschoßnen  Geldsumme
       plus einem  Überschuß darüber, dem realisierten Mehrwert. Und ge-
       rade in diesem Rückkehrpunkt, wo das Kapital als realisiertes Ka-
       pital, als verwerteter Wert existiert, in dieser Form - soweit er
       als Ruhepunkt  fixiert wird,  imaginär oder  wirklich - tritt das
       Kapital nie  in Zirkulation,  sondern erscheint  vielmehr aus der
       Zirkulation zurückgezogen, als Resultat des ganzen Prozesses. So-
       bald es wieder verausgabt wird, wird es nie  a l s  K a p i t a l
       an einen dritten veräußert, sondern als einfache Ware an ihn ver-
       kauft oder  ihm als  einfaches Geld  für Ware  hingegeben. Es er-
       scheint in seinem Zirkulationsprozeß nie als Kapital, sondern nur
       als Ware oder Geld, und dies ist hier sein einziges Dasein  f ü r
       a n d r e.  Ware und Geld sind hier nur Kapital, nicht soweit die
       Ware sich in Geld, das Geld sich in Ware verwandelt, nicht in ih-
       ren wirklichen  Beziehungen zum  Käufer oder  Verkäufer,  sondern
       bloß in  ihren ideellen  Beziehungen, entweder  zum  Kapitalisten
       selbst (subjektiv betrachtet) oder als Momente des Reproduktions-
       prozesses (objektiv  betrachtet). Als Kapital existiert das Kapi-
       tal, in  der wirklichen  Bewegung, nicht  im  Zirkulationsprozeß,
       sondern nur  im Produktionsprozeß,  im Ausbeutungsprozeß  der Ar-
       beitskraft.
       Anders aber  verhält es  sich mit  dem zinstragenden Kapital, und
       grade dies  bildet seinen  spezifischen Charakter. Der Geldbesit-
       zer, der sein Geld als zinstragendes Kapital verwerten will, ver-
       äußert es an einen dritten, wirft es in Zirkulation, macht es zur
       Ware als  Kapital; nicht  nur als Kapital für ihn selbst, sondern
       auch für  andre; es ist nicht bloß Kapital für den, der es veräu-
       ßert, sondern es wird dem dritten von vornherein als Kapital aus-
       gehändigt, als  Wert, der  den Gebrauchswert  besitzt,  Mehrwert,
       Profit zu  schaffen; als  ein Wert, der sich in der Bewegung for-
       terhält und  zu seinem  ursprünglichen Ausgeber, hier dem Geldbe-
       sitzer, nachdem  er fungiert  hat, zurückkehrt, also sich nur für
       eine Zeitlang von ihm entfernt, aus dem Besitz
       
       #356# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       seines Eigentümers  nur zeitweilig in den Besitz des fungierenden
       Kapitalisten tritt,  also weder weggezahlt noch verkauft, sondern
       nur ausgeliehen  wird; nur  entäußert wird,  unter der Bedingung,
       nach einer  bestimmten Zeitfrist  erstens zu seinem Ausgangspunkt
       zurückzukehren, zweitens  aber als realisiertes Kapital zurückzu-
       kehren, so  daß es seinen Gebrauchswert, Mehrwert zu produzieren,
       realisiert hat.
       Ware, die als Kapital verliehen wird, wird nach ihrer Beschaffen-
       heit als  fixes öder  zirkulierendes Kapital  verliehen. Das Geld
       kann in  beiden Formen  verliehen werden, als fixes Kapital z.B.,
       wenn es  in der Form der Leibrente zurückgezahlt wird, so daß mit
       dem Zins  immer auch ein Stück Kap, tal zurückfließt. Gewisse Wa-
       ren können  der Natur ihres Gebrauchswerts nach immer nur als fi-
       xes Kapital verliehen werden, wie Häuser, Schiffe, Maschinen usw.
       Aber alles  verliehene Kapital,  welches immer seine Form und wie
       die Rückzahlung  durch die  Natur seines  C-ebrauchswerts modifi-
       ziert sein  mag, ist  immer nur  eine besondre Form des Geldkapi-
       tals. Denn  was hier  verliehen wird,  ist immer  eine  bestimmte
       Geldsumme, und auf diese Summe wird denn auch der Zins berechnet.
       Ist das, was ausgeliehen wird, weder Geld noch zirkulierendes Ka-
       pital, so  wird es auch zurückgezahlt in der Weise, wie fixes Ka-
       pital zurückfließt.  Der Verleiher  erhält  periodisch  Zins  und
       einen Teil  des verbrauchten Werts des fixen Kapitals selbst, ein
       Äquivalent für den periodischen Verschleiß. Und am Ende der Frist
       kehrt der  unverbrauchte Teil  des verliehenen  fixen Kapitals in
       natura zurück. Ist das verliehene Kapital zirkulierendes Kapital,
       so kehrt  es ebenfalls  dem Verleiher zurück in der Rückflußweise
       des zirkulierenden Kapitals. Die Art des Rückflusses ist also je-
       desmal bestimmt durch die wirkliche Kreisbewegung des sich repro-
       duzierenden Kapitals  und seiner  besondren Arten.  Aber für  das
       verliehene Kapital  nimmt der  Rückfluß die  Form der Rückzahlung
       an, weil  der Vorschuß,  die Entäußerung  desselben, die Form des
       Verleihens hat.
       In diesem  Kapitel behandeln wir nur das eigentliche Geldkapital,
       wovon die andren Formen des verliehenen Kapitals abgeleitet sind.
       Das ausgeliehene Kapital fließt doppelt zurück; im Reproduktions-
       prozeß kehrt  es zum  fungierenden Kapitalisten  zurück, und dann
       wiederholt sich  die Rückkehr noch einmal als Übertragung auf den
       Verleiher, den  Geldkapitalisten, als Rückzahlung an seinen wirk-
       lichen Eigentümer, seinen juristischen Ausgangspunkt.
       Im wirklichen  Zirkulationsprozeß erscheint das Kapital immer nur
       als Ware  oder Geld,  und seine  Bewegung löst sich in eine Reihe
       von Käufen  und Verkäufen  auf. Kurz, der Zirkulationsprozeß löst
       sich auf in die Metamorphose
       
       #357# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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       der Ware.  Anders, wenn  wir das Ganze des Reproduktionsprozesses
       betrachte. Gehn  wir vom  Geld aus (und es sit dasselbe, wenn wir
       von der  Ware ausgehn,  da wir  dann von  ihrem Wert ausgehn, sie
       also selbst  sub specie  1*)des Geldes  betrachten), so  ist eine
       Geldsumme ausgegeben  und kehrt  nach einer  gewissen Periode mit
       einem Inkrement zurück. Der Ersatz für die vorgeschoßne Geldsumme
       kehrt zurück  plus einem Mehrwert. Sie hat sich erhalten und ver-
       mehrt im  Durchlaufen einer gewissen Kreisbewegung. Nun wird aber
       das Geld,  soweit es  als Kapital  verliehen wird, eben als diese
       sich erhaltende  und sich  vermehrende Geldsumme ausgeliehen, die
       nach einer gewissen Periode mit Zusatz zuirückkehrt und stets von
       neuem denselben  Prozeß durchmachen  kann. Es wird weder als Geld
       noch als  Ware ausgegeben,  also weder  ausgetauscht gegen  Ware,
       wenn es  als Geld  vorgeschossen wird,  noch verkauft gegen Geld,
       wenn es  als Ware  vorgeschossen wird; sondern es wird ausgegeben
       als Kapital. Das Verhältnis zu sich selbst, als welches das Kapi-
       tal sich darstellt, wenn man den kapitalistischen Produktionspro-
       zeß als  Ganzes und  Einheit anschaut,  und worin das Kapital als
       Geld heckendes  Geld auftritt,  wird hier  ohne die  vermittelnde
       Zwischenbewegung einfach  als sein Charakter, als seine Bestimmt-
       heit ihm  einverleibt. Und  in dieser Bestimmtheit wird es veräu-
       ßert, wenn es als Geldkapital verliehen wird.
       Eine absonderliche  Auffassung der Rolle des Geldkapitals ist die
       von Proudhon ("Gratuité du Crédit. Discussion entre M. F. Bastiat
       et M.  Proudhon", Paris  1850). Leihen  scheint Proudhon deswegen
       vom Übel, weil es nicht Verkaufen ist. Das auf Zins Leihen
       
       "est la  faculté de  vendre toujours de nouveau le même objet, et
       d'en recevoir  toujours de  nouveau le  prix sans jamais ceder la
       propriété de ce qu'on vend". 2*) (p. 9.) [51]
       
       Der Gegenstand,  Geld, Haus  etc. wechselt  nicht den Eigentümer,
       wie bei  Kauf und  Verkauf. Aber  Proudhon sieht  nicht, daß beim
       Weggeben des  Geldes in Form von zinstragendem Kapital kein Äqui-
       valent dafür  zurückerhalten ist. In jedem Akt des Kaufs und Ver-
       kaufs, soweit  überhaupt Austauschprozesse  stattfinden, wird al-
       lerdings das  Objekt weggegeben.  Das Eigentum des verkauften Ge-
       genstands tritt  man immer  ab. Aber man gibt nicht den Wert weg.
       Beim Verkauf  wird die  Ware weggegeben, aber nicht ihr Wert, der
       in der  Form von  Geld oder,  was hier nur eine andre Form dafür,
       von Schuldschein oder Zahlungstitel zurückgegeben wird. Beim
       ---
       1*) in  der Cestalt - 2*) ist die Fähigkeit, denselben Gegenstand
       stets von  neuem zu verkaufen und dafür stets von neuem den Preis
       zu erhalten,  ohne jemals das Eigentum an dem Gegenstand, den man
       verkauft, abzutreten."
       
       #358# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Kauf wird  das Geld  weggegeben, aber nicht sein Wert, der in der
       Form der  Ware ersetzt wird. Während des ganzen Reproduktionspro-
       zesses hält  der industrielle Kapitalist denselben Wert in seiner
       Hand (abgesehn vom Mehrwert), nur in verschiednen Formen.
       Soweit Austausch,  d.h. Austausch  von Gegenständen  stattfindet,
       findet kein  Wertwechsel statt.  Derselbe Kapitalist  hält  immer
       denselben Wert in der Hand. Soweit aber Mehrwert vom Kapitalisten
       produziert wird,  findet kein  Austausch statt;  sobald Austausch
       stattfindet, steckt der Mehrwert bereits in den Waren. Sobald wir
       nicht die einzelnen Austauschakte betrachten, sondern den Gesamt-
       kreislauf des  Kapitals, G-W-G',  wird beständig  eine  bestimmte
       Wertsumme vorgeschossen  und diese  Wertsumme plus  dem  Mehrwert
       oder Profit  aus der  Zirkulation zurückgezogen.  Die Vermittlung
       dieses Prozesses  ist allerdings  in  den  bloßen  Austauschakten
       nicht sichtbar.  Und es  ist gerade dieser Prozeß von G als Kapi-
       tal, worauf  der Zins  des verleihenden  Geldkapitalisten beruht,
       woraus er entspringt.
       
       "In der  Tat", sagt Proudhon, der Hutmacher, der Hüte verkauft...
       erhält dafür  den Wert,  nicht mehr  und nicht  weniger. Aber der
       verleihende Kapitalist...  empfängt nicht nur sein Kapital unver-
       kürzt zurück; er empfängt mehr als das Kapital,
       mehr als  er in den Austausch wirft; er empfängt über das Kapital
       hinaus einen Zins." (p. 69.)
       
       Der Hutmacher  vertritt hier  den produktiven Kapitalisten im Ge-
       gensatz zum  verleihenden. Proudhon ist offenbar nicht hinter das
       Geheimnis gekommen,  wie der  produktive Kapitalist Ware zu ihrem
       Wert verkaufen  kann (die  Ausgleichung zu Produktionspreisen ist
       hier, für  seine Fassung,  gleichgültig) und  eben dadurch  einen
       Profit empfängt  über das Kapital hinaus, das er in den Austausch
       wirft. Gesetzt,  der Produktionspreis  von 100  Hüten sei  =  115
       Pfd.St., und dieser Produktionspreis sei zufällig gleich dem Wert
       der Hüte,  also das Kapital, das die Hüte produziert, von gesell-
       schaftlicher Durchschnittszusammensetzung.  Ist der Profit = 15%,
       so realisiert  der Hutmacher einen Profit von 15 Pfd.St. dadurch,
       daß er  die Waren  zu ihrem Wert von 115 verkauft. Ihm kosten sie
       nur 100  Pfd.St. Hat  er mit seinem eignen Kapital produziert, so
       steckt er  den Überschuß  von 15 Pfd.St. ganz in die Tasche; wenn
       mit geliehenem,  hat er  vielleicht 5 Pfd.St. davon abzugeben als
       Zins. Es  ändert dies nichts am Wert der Hüte, sondern nur an der
       Verteilung des  in diesem  Wert schon  steckenden Mehrwerts unter
       verschiedne Personen.  Da also  der Wert der Hüte durch das Zins-
       zahlen nicht  affiziert wird,  so ist  es Unsinn,  wenn  Proudhon
       sagt:
       
       "Da sich  im Handel  der Zins des Kapitals dem Lohn des Arbeiters
       hinzufügt, um  den Preis der Ware zusammenzusetzen, so ist es un-
       umgänglich, daß der Arbeiter das
       
       #359# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
       -----
       Produkt seiner eignen Arbeit zurückkaufen kann. Vivre en travail-
       lant ist  ein Prinzip, unter der Herrschaft des Zinses, einen Wi-
       derspruch einschließt." (p. 105.) 56
       
       Wie wenig  Proudhon die  Natur des Kapitals verstanden hat, zeigt
       folgender Satz,  worin er die Bewegung des Kapitals überhaupt als
       eine dem zinstragenden Kapital eigentümliche Bewegung beschreibt:
       
       "Comme,  par  l'accumulation  des  intérêts,  le  capital-argent,
       d'échange en  échange, revient  touiours à sa source, il s'ensuit
       que la  relocation toujours  faite par la même main, profite tou-
       jours au même personnage." 2*) [p. 154.]
       
       Was ist  es nun, das ihm in der eigentümlichen Bewegung des zins-
       tragenden Kapitals  rätselhaft bleibt?  Die  Kategorien:  Kaufen,
       Preis, Gegenstände  abtreten, und  die unvermittelte  Form, worin
       hier der  Mehrwert erscheint; kurz das Phänomen, daß hier Kapital
       als Kapital  zur Ware  geworden ist,  daß daher  das Verkaufen in
       Leihen, der Preis in einen Anteil am Profit sich verwandelt hat.
       Die Rückkehr  des Kapitals  zu seinem Ausgangspunkt ist überhaupt
       die charakteristische  Bewegung des  Kapitals in  seinem  Gesamt-
       kreislauf. Dies  zeichnet keineswegs nur das zinstragende Kapital
       aus. Was  es auszeichnet,  ist die  äußerliche, vom vermittelnden
       Kreislauf losgetrennte Form der Rückkehr. Der verleihende Kapita-
       list gibt sein Kapital weg, Überträgt es an den industriellen Ka-
       pitalisten, ohne  ein Äquivalent  zu erhalten.  Sein Weggeben ist
       überhaupt kein  Akt des  wirklichen Kreislaufsprozesses des Kapi-
       tals, sondern  leitet nur diesen, durch den industriellen Kapita-
       listen zu  bewirkenden Kreislauf ein. Dieser erste Stellenwechsel
       des Geldes  drückt keinen  Akt der  Metamorphose, weder Kauf noch
       Verkauf aus.  Das Eigentum  wird nicht abgetreten, weil kein Aus-
       tausch vorgeht,  kein Äquivalent empfangen wird. Die Rückkehr des
       Geldes aus der Hand des industriellen
       ---
       56) "Ein  Haus", "Geld"  etc. sollen  daher, wenn's nach Proudhon
       geht, nicht  als "Kapital"  verliehen, sondern  als "Ware...  zum
       Kostpreis" (p. 43, 44) veräußert werden. Luther stand etwas höher
       als Proudhon. Er wußte schon, daß das Profitmachen unabhängig ist
       von der Form des Leihens oder Kaufens: Machen aus dem Kaufen auch
       einen Wucher. Aber das ist jetzt zu viel auf einen Bissen. Müssen
       jetzt das  eine Stück, als vom Wucher im Leihen handeln, wenn wir
       dem haben  gesteuret (nach  dem jüngsten Tage), so wollen wir dem
       Kaucher auch  seinen Text  wol lesen." (M. Luther, "An die Pfarr-
       herrn wider den Wucher zu predigen", Wittenberg 1540. [52]
       -----
       1*) Von eigener Arbeit leben - 2*) "Daraus, daß durch die Akkumu-
       lation der  Zinsen das  Geldkapital von Tausch zu Tausch stets zu
       seiner Quelle zurückkehrt, folgt, daß die Wiederverleihung, stets
       von derselben Hand vollzogen. immer derselben Person Gewinn
       bringt."
       
       #360# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Kapitalisten in die Hand des verleihenden ergänzt bloß den ersten
       Akt des  Weggebens des Kapitals. In Geldform vorgeschossen, kehrt
       das Kapital  durch den Kreislaufsprozeß zum industriellen Kapita-
       listen wieder  in Geldform  zurück. Aber da das Kapital ihm nicht
       bei der  Ausgabe gehörte, kann es ihm nicht gehören bei der Rück-
       kehr. Der  Durchgang durch den Reproduktionsprozeß kann unmöglich
       dies Kapital  in sein Eigentum verwandeln. Er hat es also zurück-
       zuerstatten an den Verleiher. Die erste Verausgabung, die das Ka-
       pital aus der Hand des Verleihers in die des Anleihers überträgt,
       ist eine  juristische Transaktion,  die mit dem wirklichen Repro-
       duktionsprozeß des  Kapitals nichts  zu tun hat, ihn 1*) nur ein-
       leitet. Die  Rückzahlung, die  das zurückgefloßne  Kapital wieder
       aus der  Hand des  Anleihers in die des Verleihers überträgt, ist
       eine zweite  juristische Transaktion,  die Ergänzung  der ersten;
       die eine  leitet den  wirklichen Prozeß  ein, die  andre ist  ein
       nachträglicher Akt  nach demselben.  Ausgangspunkt und  Rückkehr-
       punkt, Weggabe  und Rückerstattung  des verliehenen  Kapitals er-
       scheinen also  als willkürliche,  durch juristische Transaktionen
       vermittelte Bewegungen,  die vor und nach der wirklichen Bewegung
       des Kapitals  vorgehn und mit ihr selbst nichts zu tun haben. Für
       diese wäre  es gleichgültig,  wenn das Kapital von vornherein dem
       industriellen Kapitalisten  gehörte und  als sein  Eigentum daher
       nur zu ihm zurückflösse.
       Im ersten einleitenden Akt gibt der Verleiher sein Kapital an den
       Anleiher weg.  Im zweiten  nachträglichen und  Schlußakt gibt der
       Anleiher das  Kapital an  den Verleiher  zurück. Soweit  nur  die
       Transaktion zwischer  beiden in  Betracht kommt - und einstweilen
       abgesehn vom  Zins -, soweit es sich also nur um die Bewegung des
       geliehenen Kapitals  selbst zwischen  Verleiher und Anleiher han-
       delt, umfassen  diese beiden  Akte (getrennt  durch eine  längere
       oder kürzere  Zeit, worin die wirkliche Reproduktionsbewegung des
       Kapitals fällt)  das Ganze  dieser Bewegung.  Und diese Bewegung:
       Weggeben unter  der Bedingung  der Rückerstattung,  ist überhaupt
       die Bewegung  des Verleihens  und Anleihens,  dieser spezifischen
       Form der nur bedingungsweisen Veräußerung von Geld oder Ware.
       Die charakteristische  Bewegung des Kapitals überhaupt, die Rück-
       kehr des  Geldes zum  Kapitalisten, die  Rückkehr des Kapitals zu
       seinem Ausgangspunkt,  erhält im  zinstragenden Kapital eine ganz
       äußerliche, von  der wirklichen Bewegung, deren Form sie ist, ge-
       trennte Gestalt.  A gibt  sein Geld  weg, nicht als Geld, sondern
       als Kapital.  Es geht hier keine Veränderung mit dem Kapital vor.
       Es wechselt nur die Hände. Seine wirkliche Verwandlung
       ---
       1*) 1. Auflage: sie
       
       #361# 21.Kapitel - Das zinstragende Kapital
       -----
       in Kapital  vollzieht sich erst in der Hand von B. Aber für A ist
       es Kapital  geworden durch  die bloße Weggabe an B. Der wirkliche
       Rückfluß des Kapitals aus dem Produktions- und Zirkulationsprozeß
       findet nur  statt für  B. Aber für A findet der Rückfluß statt in
       derselben Form  wie die  Veräußerung. Es  geht von der Hand von B
       wieder in die von A zurück. Weggeben, Verleihen von Geld für eine
       gewisse Zeit  und Rückempfang  desselben mit  Zins (Mehrwert) ist
       die ganze  Form der  Bewegung, die  dem zinstragenden Kapital als
       solchem zukommt.  Die wirkliche Bewegung des ausgeliehenen Geldes
       als Kapital  ist eine  Operation, die  jenseits der Transaktionen
       zwischen Verleihern  und Anleihern  liegt. In  diesen selbst  ist
       diese Vermittlung  ausgelöscht, nicht sichtbar, nicht unmittelbar
       einbegriffen. Als  Ware eigner  Art besitzt das Kapital auch eine
       eigentümliche Art der Veräußerung. Die Rückkehr drückt sich daher
       hier auch  nicht aus als Konsequenz und Resultat einer bestimmten
       Reihe ökonomischer  Vorgänge, sondern  als Folge einer speziellen
       juristischen Abmachung  zwischen Käufer  und Verkäufer.  Die Zeit
       des Rückflusses  hängt ab vom Verlauf des Reproduktionsprozesses;
       beim zinstragenden Kapital  s c h e i n t  seine Rückkehr als Ka-
       pital von der bloßen Übereinkunft zwischen Verleiher und Anleiher
       abzuhängen. So  daß der Rückfluß des Kapitals mit Bezug auf diese
       Transaktion nicht mehr als durch den Produktionsprozeß bestimmtes
       Resultat erscheint,  sondern so,  als ob  die Form des Geldes dem
       ausgeliehenen Kapital  nie verlorengegangen wäre. Allerdings sind
       tatsächlich diese  Transaktionen durch  die wirklichen Rückflüsse
       bestimmt. Aber dies erscheint nicht in der Transaktion selbst. Es
       ist auch  in der  Praxis keineswegs  stets der  Fall. Findet  der
       wirkliche Rückfluß  nicht rechtzeitig  statt, so muß der Anleiher
       zusehn, aus  welchen sonstigen  Hilfsquellen er seinen Verpflich-
       tungen gegen den Verleiher nachkommt. Die bloße  F o r m  des Ka-
       pitals -  Geld, das als Summe A ausgegeben wird und als Summe A +
       1/x A  zurückkehrt, in  einem gewissen  Zeitraum, ohne irgendeine
       andre Vermittlung, außer diesem zeitlichen Zwischenraum - ist nur
       die begriffslose Form der wirklichen Kapitalbewegung.
       In der  wirklichen Bewegung des Kapitals ist die Rückkehr ein Mo-
       ment des  Zirkulationsprozesses. Erst  wird das Geld in Produkti-
       onsmittel ver  wandelt; der  Produktionsprozeß verwandelt  es  in
       Ware; durch  den Verkauf  der Ware wird es rückverwandelt in Geld
       und kehrt in dieser Form zurück in die Hand des Kapitalisten, der
       das Kapital  zuerst in  Geldform vorgeschossen  hatte. Aber  beim
       zinstragenden Kapital  ist Rückkehr wie Weggabe bloß Resultat ei-
       ner juristischen Transaktion zwischen dem Eigentümer
       
       #362# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       des Kapitals  und einer  zweiten Person. Wir sehn nur Weggabe und
       Rückzahlung. Alles, was dazwischen vorgeht, ist ausgelöscht.
       Aber weil  das Geld,  als Kapital  vorgeschossen, die Eigenschaft
       hat, zu  seinem Vorschießer,  zu dem,  der es als Kapital veraus-
       gabt, zurückzukehren, weil G-W-G' die immanente Form der Kapital-
       bewegung ist,  grade deshalb kann der Geldbesitzer es als Kapital
       verleihen, als etwas, das die Eigenschaft besitzt, zu seinem Aus-
       gangspunkt zurückzukehren,  sich in  der Bewegung,  die es durch-
       läuft, als  Wert zu erhalten und zu vermehren. Er gibt es als Ka-
       pital weg, weil, nachdem es als Kapital verwandt, es zurückfließt
       zu seinem  Ausgangspunkt, also  vom Anleiher  nach einer gewissen
       Zeit zurückerstattet werden kann, eben weil es ihm selbst zurück-
       fließt.
       Die Verleihung  von Geld als Kapital - seine Weggabe unter Bedin-
       gung der Rückerstattung nach gewisser Zeit - hat also zur Voraus-
       setzung, daß  das Geld  wirklich als Kapital verwandt wird, wirk-
       lich zurückfließt  zu seinem  Ausgangspunkt. Die wirkliche Kreis-
       laufsbewegung des  Geldes als  Kapital ist also Voraussetzung der
       juristischen Transaktion,  wonach der  Anleiher das  Geld an  den
       Verleiher zurückzugeben hat. Legt der Anleiher das Geld nicht als
       Kapital aus,  so ist  das seine  Sache. Der Verleiher verleiht es
       als Kapital,  und als solches hat es die Kapitalfunktionen durch-
       zumachen, welche  den Kreislauf des Geldkapitals einschließen bis
       zu seinem Rückfluß, in Geldform, zu seinem Ausgangspunkt.
       Die Zirkulationsakte  G-W und  W-G', worin die Wertsumme als Geld
       oder als  Ware fungiert, sind nur vermittelnde Prozesse, einzelne
       Momente ihrer  Gesamtbewegung. Als Kapital macht sie die Totalbe-
       wegung G-G'  durch. Sie wird als Geld oder Wertsumme in irgendei-
       ner Form  vorgeschossen und  kehrt als Wertsumme zurück. Der Ver-
       leiher des Geldes verausgabt es nicht im Kauf von Ware, oder wenn
       die Wertsumme  in Ware  existiert, verkauft  er sie  nicht  gegen
       Geld, sondern  schießt sie  vor als  Kapital, als G-G', als Wert,
       der in einem bestimmten Termin wieder zu seinem Ausgangspunkt zu-
       rückkehrt. Statt  zu kaufen  oder zu verkaufen, verleiht er. Dies
       Verleihen ist  also die  entsprechende Form, um es als Kapital zu
       veräußern, statt als Geld oder Ware. Woraus keineswegs folgt, daß
       Verleihen nicht  auch Form  sein kann  für Transaktionen, die mit
       dem kapitalistischen  Reproduktionsprozeß nichts  zu schaffen ha-
       ben.
       
                                     ---
       
       Bisher   haben    wir   nur    die   Bewegung   des   verliehenen
       K a p i t a l s  zwischen seinem Eigner und dem industriellen Ka-
       pitalisten betrachtet. Jetzt ist der Zins zu untersuchen.
       
       #363# 21. Kapitel - Das Eintragen Kapital
       -----
       Der Verleher  gibt sein  Geld als Kapital aus; die Wertsumme, die
       er an einen andern veräußert, ist Kapital und fließt daher zu ihm
       zurück. Die  bloße Rückkehr  zu ihm  wäre aber nicht Rückfluß der
       verliehenen Wertsumme  als Kapital,  sondern bloße Rückerstattung
       einer verliehenen  Wertsumme. Um als Kapital zurückzufließen, muß
       die vorgeschoßne  Wertsumme sich in der Bewegung nicht nur erhal-
       ten, sondern  sich verwertet, ihre Wertgröße vermehrt haben, also
       mit einem  Mehrwert, als  G +  delta G  zurückkehren, und  dieses
       delta G ist hier der Zins oder der Teil des Durchschnittsprofits,
       der nicht  in der Hand des fungierenden Kapitalisten bleibt, son-
       dern dem Geldkapitalisten zufällt.
       Daß es  als Kapital von ihm veräußert wird, heißt, daß es ihm als
       G +  delta G zurückgegeben werden muß. Es ist nachher noch beson-
       ders die  Form zu betrachten, wo in der Zwischenzeit Zins termin-
       weise zurückfließt,  aber ohne  das Kapital,  dessen  Rückzahlung
       erst am Ende einer längem Periode erfolgt.
       Was gibt der Geldkapitalist dem Anleiher, dem industriellen Kapi-
       talisten? Was veräußert er in der Tat an ihn? Und nur der Akt der
       Veräußerung macht  das Verleihen  des Geldes  zur Veräußerung des
       Geldes als Kapital, d.h. zur Veräußerung des Kapitals als Ware.
       Es ist  nur durch den Vorgang dieser Veräußerung, daß das Kapital
       vom Geldverleiher  als Ware  oder daß  die Ware, über die er ver-
       fügt, an einen Dritten als Kapital weggegeben wird.
       Was wird  beim gewöhnlichen Verkauf veräußert? Nicht der Wert der
       verkauften Ware,  denn dieser  ändert nur  die Form. Er existiert
       als Preis ideell in der Ware, bevor er reell in der Form von Geld
       in die  Hand des  Verkäufers übergeht. Derselbe Wert und dieselbe
       Wertgröße wechseln hier nur die Form. Das eine Mal existieren sie
       in Warenform, das andre Mal in Geldform. Was wirklich vom Verkäu-
       fer veräußert  wird und  daher auch in die individuelle oder pro-
       duktive Konsurntion  des Käufers  übergeht, ist der Gebrauchswert
       der Ware, die Ware als Gebrauchswert.
       Was ist  nun der  Gebrauchswert, den  der Geldkapitalist  für die
       Zeit des  Ausleihens veräußert  und an  den produktiven Kapitali-
       sten, den Borger, abtritt? Es ist der Gebrauchswert, den das Geld
       dadurch erhält,  daß es in Kapital verwandelt werden, als Kapital
       fungieren kann,  und daß  es daher einen bestimmten Mehrwert, den
       Durchschnittsprofit (was  darüber oder  darunter  ist,  erscheint
       hier zufällig) in seiner Bewegung erzeugt, außerdem, daß es seine
       ursprüngliche Wertgröße  wahrt. Bei den übrigen Waren wird in der
       letzten Hand der Gebrauchswert konsumiert, und äamit verschwindet
       die Substanz  der Ware und mit ihr ihr Wert. Die Ware Kapital da-
       gegen
       
       #364# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       hat das  Eigentümliche, daß durch die Konsumtion ihres Gebrauchs-
       werts hr  Wert und  ihr Gebrauchswert nicht nur erhalten, sondern
       vermehrt wird.
       Diesen Gebrauchswert  des Geldes als Kapital - die Fähigkeit, den
       Durchschnittsprofit zu erzeugen - veräußert der Geldkapitalist an
       den industriellen  Kapitalisten für  die Zeit,  während deren  er
       diesem die Verfügung über das verliehne Kapital abtritt.
       Das so verliehene Geld hat insofern eine gewisse Analogie mit der
       Arbeitskraft in  ihrer Stellung gegenüber dem industriellen Kapi-
       talisten. Nur  zahlt der  letztte den Wert der Arbeitskraft, wäh-
       rend er den Wert des geliehenen Kapitals einfach zurückzahlt. Der
       Gebrauchswert der Arbeitskraft für den industriellen Kapitalisten
       ist: mehr  Wert (den  Profit) in ihrem Verbrauch zu erzeugen, als
       sie selbst  besitzt und als sie kostet. Dieser Überschuß von Wert
       ist ihr  Gebrauchswert für den industriellen Kapitalisten. Und so
       erscheint ebenfalls der Gebrauchswert des geliehenen Geldkapitals
       als seine Wert setzende und vermehrende Fähigkeit.
       Der Geldkapitalist  veräußert in der Tat einen Gebrauchswert, und
       dadurch wird das, was er weggibt, als Ware weggegeben. Und soweit
       ist die  Analogie mit  der Ware  als solcher vollständig. Erstens
       ist es  ein Wert,  der aus  einer Hand in die andre übergeht. Bei
       der einfachen Ware, der Ware als solcher, bleibt derselbe Wert in
       der Hand  des Käufers  und Verkäufers,  nur in verschiedner Form;
       sie haben beide nach wie vor denselben Wert, den sie veräußerten,
       der eine  in Warenform,  der andre  in Geldform.  Der Unterschied
       ist, daß  beim Verleihen  der Geldkapitalist der einzige ist, der
       in dieser  Transaktion Wert  fortgibt; aber  er bewahrt ihn durch
       die künftige  Rückzahlung. Es  wird beim  Verleihen nur von einer
       Seite Wert  empfangen, da  nur von  einer Seite  Wert  weggegeben
       wird. -  Zweitens wird  auf der  einen Seite  ein wirklicher  Ge-
       brauchswert veräußert  und auf  der  andren  empfangen  und  ver-
       braucht. Aber im Unterschied zur gewöhnlichen Ware ist dieser Ge-
       brauchswert selbst Wert, nämlich der Überschuß der Wertgröße, die
       durch den Gebrauch des Geldes als Kapital sich ergibt, über seine
       ursprüngliche Wertgröße. Der Profit ist dieser Gebrauchswert.
       Der Gebrauchswert  des ausgeliehenen Geldes ist: als Kapital fun-
       gieren zu können und als solches unter durchschnittlichen Umstän-
       den den Durchschnittsprofit zu produzierend 57)
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       57) Die  Berechtigung zum Zinsnehmen hängt nicht davon ab, ob je-
       mand Profit macht oder nicht, sondern von seiner" (des Geborgten)
       "Fähigkeit, Profit  zu erzeugen, wenn es richtig angewandt wird."
       ("An Essay  on the Governing Causes of the Natural Rate of Inter-
       est, wherein  the sentiments  of Sir  W. Petty  and Mr. Locke, on
       that head,  are considered",  London 1750.  p. 49.  Verfasser der
       anonymen Schrift: J. Massie.)
       
       #365# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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       Was zahlt  nun der industrielle Kapitalist, und was ist daher der
       Preis des ausgeliehenen Kapitals?
       
       "That which men pay as interest for the use of what they botrow",
       ist nach Massie "a part of the profit it is capable of producing"
       1*). 58)
       
       Was der  Käufer einer gewöhnlichen Ware kauft, ist ihr Gebrauchs-
       wert; was  er zahlt,  ist ihr  Wert. Was  der Borger  des  Geldes
       kauft, ist  ebenfalls dessen  Gebrauchswert als Kapital; aber was
       zahlt er?  Sicher nicht,  wie bei  den andren  Waren, ihren Preis
       oder Wert. Zwischen Verleiher und Borger geht nicht, wie zwischen
       Käufer und  Verkäufer, ein Formwechsel des Werts vor, so daß die-
       ser Wert  das eine  Mal in  der Form des Geldes, das andre Mal in
       der Form  der Ware  existiert. Die  Dieselbigkeit des weggegebnen
       und des  rückempfangnen Werts  zeigt sich  hier  in  ganz  andrer
       Weise. Die  Wertsumme, das  Geld wird fortgegeben ohne Äquivalent
       und wird  nach einer  gewissen Zeit  zurückgegeben. Der Verleiher
       bleibt immer  Eigentümer desselben Werts, auch nachdem dieser aus
       seiner Hand  in die  des Borgers übergegangen ist. Beim einfachen
       Warenaustausch steht  das Geld stets auf seiten des Käufers; aber
       beim Verleihen  steht das  Geld auf seiten des Verkäufers. Er ist
       es, der  das Geld  für eine  gewisse Zeit weggibt, und der Käufer
       des Kapitals  ist es,  der es  als Ware erhält. Dies ist aber nur
       möglich, soweit  das Geld  als Kapital  fungiert und daher vorge-
       schossen wird.  Der Borger  borgt das  Geld als Kapital, als sich
       verwertenden Wert.  Es ist aber nur erst Kapital an sich, wie je-
       des Kapital  in seinem  Ausgangspunkt, im  Augenblick seines Vor-
       schusses. Erst  durch seinen  Gebrauch verwertet  es sich, reali-
       siert es sich als Kapital. Aber als  r e a l i s i e r t e s  Ka-
       pital hat  der Borger es zurückzuzahlen, also als Wert plus Mehr-
       wert (Zins); und der letztre kann nur ein Teil des von ihm reali-
       sierten Profits sein. Nur ein Teil, nicht das Ganze. Denn der Ge-
       brauchswert für  den Borger  ist, daß  es ihm  Profit produziert.
       Sonst hätte  keine Veräußerung  des Gebrauchswerts von seiten des
       Verleihers stattgefunden. Andrerseits kann nicht der ganze Profit
       dem Borger  zufallen. Er  zahlte sonst nichts für die Veräußerung
       des Gebrauchswerts, und er gäbe das vorgeschoßne Geld an den Ver-
       leiher nur  als einfaches Geld zurück, nicht als Kapital, als re-
       alisiertes Kapital,  denn realisiertes Kapital ist es nur als G +
       delta G.
       ---
       58 "Die Reichen, statt ihr Geld selbst zu verwenden,... verleihen
       es an  andere Leute, damit diese Profit machen und für die Eigen-
       tümer einen  Teil der  so gemachten  Profite vorbehalten." l.c.p.
       23, 24.)
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       1*) "Das,  was man  als Zins bezahlt für den Gebrauch dessen, was
       man borgt", ist nach Massie "ein Teil des Profits, den es zu pro-
       duzieren fähig ist."
       
       #366# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Beide geben dieselbe Geldsumme als Kapital aus, der Verleiher und
       der Borger.  Aber nur  in der Hand des letzteren fungiert sie als
       Kapital. Der  Profit wird nicht verdoppelt durch das doppelte Da-
       sein derselben  Geldsumme als  Kapital für zwei Personen. Es kann
       für beide  als Kapital  nur fungieren  durch Teilung des Profits.
       Der dem Verleiheir zufallende Teil heißt Zins.
       Die ganze  Transaktion findet  nach der  Voraussetzung statt zwi-
       schen zwei  Sorten Kapitalisten, dem Geldkapitalisten und dem in-
       dustriellen oder merkantilen Kapitalisten.
       Es muß  nie vergessen  werden, daß  hier das  Kapital als Kapital
       Ware ist  oder daß die Ware, um die es sich hier handelt, Kapital
       ist. Die  sämtlichen Verhältnisse, die hier erscheinen, wären da-
       her irrationell  vom Standpunkt der einfachen Ware aus, oder auch
       vom Standpunkt  des Kapitals,  soweit es in seinem Reproduktions-
       prozeß als Warenkapital fungiert. Verleihen und Borgen, statt des
       Verkaufens und  Kaufens, ist  hier ein aus der spezifischen Natur
       der Ware  - des Kapitals - hervorgehender Unterschied. Ebenso daß
       das, was hier gezahlt wird, Zins ist, statt des Preises der Ware.
       Will man  den Zins den Preis des Geldkapitals nennen, so ist dies
       eine irrationelle  Form des  Preises, durchaus im Widerspruch mit
       dem Begriff  des Preises  der Ware.  59) Der  Preis ist  hier auf
       seine rein  abstrakte und inhaltslose Form reduziert, daß er eine
       bestimmte Geldsumme ist, die für irgend etwas, was so oder so als
       Gebrauchswert figuriert,  gezahlt wird;  während  seinem  Begriff
       nach der  Preis gleich  ist dem in Geld ausgedrückten Wert dieses
       Gebrauchswerts.
       Zins als Preis des Kapitals ist von vornherein ein durchaus irra-
       tioneller Ausdruck. Hier hat eine Ware einen doppelten Wert, ein-
       mal einen  Wert, und  dann einen  von  diesem  Wert  verschiednen
       Preis, während Preis der Geldausdruck des Wertes ist. Das Geldka-
       pital ist  zunächst nichts als eine Geldsumme oder der Wert einer
       bestimmten Warenmasse  als Geldsumme fixiert. Wird Ware als Kapi-
       tal verliehen, so ist sie nur die verkleidete Form
       ---
       59) "Der  Ausdruck Wert  (value) angewandt  auf currency  1*) hat
       drei Bedeutungen...  2. currency actually in hand 2*), verglichen
       mit demselben  Betrag von  currency, er an einem spätem Tage ein-
       gehn wird.  Dann ist ihr Wert gemessen durch den Zinsfuß, und der
       Zinsfuß bestimmt  by the ratio between the amount of loanable ca-
       pital and the demand for it" 3*). (Oberst R. Torrens, On the Ope-
       ration of  the Bank  Charter Act of 1844 etc.", 2nd ed., 1847 [p.
       5, 6].)
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       1*) Zirkulationsmittel - 2*) unmittel verfügbare Zirkulationsmit-
       tel -  3*) durch  das Verhältnis der Menge des verleihbaren Kapi-
       tals und der Nachfrage danach
       
       #367# 21. Kapitel. Das zinstragende Kapital
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       einer Geldsumme.  Denn was als Kapital verliehen wird, sind nicht
       soundso viel  Pfund Baumwolle,  sondern so  viel Geld, das in der
       Form Baumwolle  als deren  Wert existiert. Der Preis des Kapitals
       bezieht sich daher auf es als Geldsumme, wenn auch nicht als cur-
       rency, wie  Herr Torrens  meint (s.  oben Note  59). Wie soll nun
       eine Wertsumme  einen Preis haben außer ihrem eignen Preis, außer
       dem Preis,  der in  ihrer eignen  Geldform ausgedruckt ist? Preis
       ist ja  der Wert der Ware (und dies ist auch der Fall beim Markt-
       preis, dessen  Unterschied vom Wert nicht qualitativ, sondern nur
       quantitativ ist,  sich nur  auf die  Wertgröße bezieht) im Unter-
       schied von ihrem Gebrauchswert. Preis, der qualitativ verschieden
       vom Wert, ist ein absurder Widerspruch. 60)
       Das Kapital manifestiert sich als Kapital durch seine Verwertung;
       der Grad  seiner Verwertung  drückt den  quantitativen Grad  aus,
       worin es  sich als Kapital realisiert. Der von ihm erzeugte Mehr-
       wert oder  Profit -  seine Rate  oder Höhe - ist nur meßbar durch
       seine Vergleichung  mit dem  Wert des vorgeschoßnen Kapitals. Die
       größre oder  geringre Verwertung  des zinstragenden  Kapitals ist
       daher auch nur meßbar durch Vergleichung des Zinsbetrags, des ihm
       zufallenden Teils des Gesamtprofits, mit dem Wert des vorgeschoß-
       nen Kapitals.  Wenn daher  der Preis den Wert der Ware, so drückt
       der Zins  die Verwertung des Geldkapitals aus und erscheint daher
       als der  Preis, der  dem Verleiher  für dasselbe gezahlt wird. Es
       ergibt sich  hieraus, wie abgeschmackt es von vornherein ist, die
       einfachen Verhältnisse  des durch  Geld vermittelten Austausches,
       von Kauf  und Verkauf,  hierauf direkt  anwenden zu  wollen,  wie
       Proudhon tut. Die Grundvoraussetzung ist eben, daß Geld als Kapi-
       tal fungiert  und daher als Kapital an sich, als potentielles Ka-
       pital einer dritten Person Übermacht werden kann.
       Als Ware  aber erscheint  das Kapital  selbst hier, soweit es auf
       dem Markt  ausgeboten und  wirklich der  Gebrauchswert des Geldes
       als Kapital  veräußert wird.  Sein Gebrauchswert aber ist: Profit
       zu erzeugen.  Der Wert  des Geldes oder der Waren als Kapital ist
       nicht bestimmt  durch ihren  Wert als  Geld oder  Waren,  sondern
       durch das  Quantum Mehrwert, das sie für ihren Besitzer produzie-
       ren. Das Produkt des Kapitals ist der Profit. Auf
       ---
       60) "Der Doppelsinn des Ausdrucks Wert des Geldes oder des Zirku-
       lationsmittels, wenn er unterschiedslos angewandt wird, um sowohl
       Tauschwert der  Waren wie  auch Gebrauchswert des Kapitals zu be-
       zeichnen, ist  eine ständige  Quelle der Konfusion." (Tooke,. In-
       quiry into  the Currency Principle", p. 77.) - Die Hauptkonfusion
       (die in  der Sache selbst liegt), daß Wert als solcher (der Zins)
       zum Gebrauchswert des Kapitals wird, sieht Tooke nicht.
       
       #368# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Grundlage der  kapitalistischen Produktion ist es nur verschiedne
       Anwendung des  Geldes, ob es als Geld verausgabt oder als Kapital
       vorgeschossen wird. Geld, resp. Ware, ist an sich, potentiell Ka-
       pital, ganz  wie die Arbeitskraft potentiell Kapital ist. Denn 1.
       kann das  Geld in  die Produktionselemente  verwandelt werden und
       ist, wie  es ist,  bloß abstrakter Ausdruck derselben, ihr Dasein
       als Wert;  2. besitzen die stofflichen Elemente des Reichtums die
       Eigenschaft, potentiell  schon Kapital  zu sein, weil ihr sie er-
       gänzender Gegensatz,  das, was sie zu Kapital macht - die Lohnar-
       beit -, auf Basis der kapitalistischen Produktion vorhanden ist.
       Die gegensätzliche gesellschaftliche Bestimmtheit des stofflichen
       Reichtums -  sein Gegensatz  zur Arbeit als Lohnarbeit - ist, ge-
       trennt vom  Produktionsprozeß, schon  im Kapitaleigentum als sol-
       chem ausgedrückt. Dies eine Moment nun, getrennt vom kapitalisti-
       schen Produktionsprozeß selbst, dessen stetes Resultat es ist und
       als dessen  stetes Resultat  es seine  stete  Voraussetzung  ist,
       drückt sich  darin aus,  daß Geld,  und ebenso Ware, an sich, la-
       tent, potentiell, Kapital sind, daß sie als Kapital verkauft wer-
       den können und daß sie in dieser Form Kommando über fremde Arbeit
       sind, Anspruch  auf Aneignung  fremder Arbeit  geben, daher  sich
       verwertender Wert  sind. Es tritt hier auch klar hervor, daß dies
       Verhältnis der  Titel und das Mittel zur Aneignung fremder Arbeit
       ist und nicht irgendeine Arbeit als Gegenwert von Seite des Kapi-
       talisten.
       Als Ware  erscheint das  Kapital ferner,  soweit die  Teilung des
       Profits in Zins und eigentlichen Profit durch Nachfrage und Ange-
       bot, also  durch die  Konkurrenz, reguliert  wird, ganz  wie  die
       Marktpreise der  Waren. Der  Unterschied tritt  hier aber  ebenso
       schlagend hervor  wie die Analogie. Decken sich Nachfrage und An-
       gebot, so  entspricht der  Marktpreis der Ware ihrem Produktions-
       preis, d.h.  ihr Preis  erscheint dann  geregelt durch die innern
       Gesetze der  kapitalistischen Produktion, unabhängig von der Kon-
       kurrenz, da die Schwankungen von Nachfrage und Angebot nichts er-
       klären als  die Abweichungen der Marktpreise von den Produktions-
       preisen Abweichungen,  die sich wechselseitig ausgleichen, so daß
       in gewissen  längem Perioden  die Durchschnittsmarktpreise gleich
       den Produktionspreisen  sind. Sobald sie sich decken, hören diese
       Kräfte auf  zu wirken, heben einander auf, und das allgemeine Ge-
       setz der Preisbestimmung tritt dann auch als Gesetz des einzelnen
       Falls hervor;  der Marktpreis entspricht dann schon in seinem un-
       mittelbaren Dasein,  und nicht  nur als Durchschnitt der Bewegung
       der Marktpreise,  dem Produktionspreis,  der durch die immanenten
       Gesetze der Produktionsweise selbst geregelt ist. Ebens( beim Ar-
       beitslohn. Decken sich Nachfrage und Angebot, so hebt sich ihre
       
       #369# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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       Wirkung auf, und der Arbeitslohn ist gleich dem Wert der Arbeits-
       kraft. Anders  aber mit  dem Zins vom Geldkapital. Die Konkurrenz
       bestimmt hier  nicht die Abweichungen vom Gesetz, sondern es exi-
       stiert kein  Gesetz der Teilung außer dem von der Konkurrenz dik-
       tierten, weil,  wie wir noch weiter sehn werden, keine natürliche
       Rate des  Zinsfußes existiert.  Unter der  natürlichen  Rate  des
       Zinsfußes versteht  man vielmehr  die durch  die freie Konkurrenz
       festgesetzte Rate. Es gibt keine natürlichen Grenzen der Rate des
       Zinsfußes. Wo  die Konkurrenz  nicht  nur  die  Abweichungen  und
       Schwankungen bestimmt, wo also beim Gleichgewicht ihrer gegenein-
       ander wirkenden Kräfte überhaupt alle Bestimmung aufhört, ist das
       zu Bestimmende  etwas an  und für sich Gesetzloses und Willkürli-
       ches. Weiteres hierüber im nächsten Kapitel.
       Beim zinstragenden  Kapital erscheint  alles äußerlich:  der Vor-
       schuß des  Kapitals als bloße Übertragung desselben vom Verleiher
       an den  Borger; der  Rückfluß des realisierten Kapitals als bloße
       Rückübertragung, Rückzahlung, mit Zins, vom Borger an den Verlei-
       her. So  auch die der kapitalistischen Produktionsweise immanente
       Bestimmung, daß  die Profitrate  bestimmt ist nicht nur durch das
       Verhältnis des  in einem einzelnen Umschlag gemachten Profits zum
       vorgeschoßnen Kapitalwert,  sondern auch  durch die  Länge dieser
       Umschlagszeit selbst, also als Profit, den das industrielle Kapi-
       tal in  bestimmten Zeiträumen  abwirft. Auch  dies erscheint beim
       zinstragenden Kapital  ganz äußerlich so, daß für bestimmte Zeit-
       frist dem Verleiher bestimmter Zins gezahlt wird.
       Mit seiner  gewöhnlichen Einsicht  in den innern Zusammenhang der
       Dinge sagt  der romantische  Adam Müller  ("Elemente der  Staats-
       kunst", Berlin 1809, [Th. III,] S. 138):
       
       "Bei der  Bestimmung des  Preises der  Dinge wird  nicht nach der
       Zeit gefragt; für die Bestimmung des Zinses kommt die Zeit haupt-
       sächlich in Anschlag."
       
       Er sieht  nicht, wie  die Produktionszeit  und die Umlaufszeit in
       die Bestimmung  des Preises  der Waren eingeht und wie gerade da-
       durch die  Profitrate für eine gegebne Umschlagszeit des Kapitals
       bestimmt ist,  durch die  Bestimmung des Profits für eine gegebne
       Zeit aber eben die des Zinses. Sein Tiefsinn besteht hier wie im-
       mer nur  darin, die  Staubwolken der  Oberfläche zu sehn und dies
       Staubige anmaßlich  als etwas Geheimisvolles und Bedeutendes aus-
       zusprechen.

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