Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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Fünfter Abschnitt
Spaltung des Profits in Zins und Unternehmergewinn.
Das zinstragende Kapital.
EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL
Das zinstragende Kapital
Bei der ersten Betrachtung der allgemeinen oder Durchschnittspro-
fitrate (Abschnitt II dieses Buchs) hatten wir diese letztre noch
nicht in ihrer fertigen Gestalt vor uns, indem die Ausgleichung
noch bloß als Ausgleichung der in verschiednen Sphären angelegten
industriellen Kapitale erschien. Dies wurde ergänzt im vorigen
Abschnitt, wo die Teilnahme des Handelskapitals an dieser Aus-
gleichung und der merkantile Profit erörtert ward. Die allgemeine
Profitrate und der Durchschnittsprofit stellten sich jetzt inner-
halb engerer Grenzen dar als vorher. Im Fortgang der Entwicklung
ist im Auge zu halten, daß, wenn wir fernerhin von allgemeiner
Profitrate oder Durchschnittsprofit sprechen, dies in der letz-
tren Fassung geschieht, also bloß mit Bezug auf die fertige Ge-
stalt der Durchschnittsrate. Da diese nunmehr für das industri-
elle und merkantile Kapital dieselbe ist, ist es auch nicht wei-
ter nötig, soweit es sich nur um diesen Durchschnittsprofit han-
delt, einen Unterschied zwischen industriellem und kommerziellem
Profit zu machen. Ob das Kapital innerhalb der Produktionssphäre
industriell oder in der Zirkulationssphäre merkantil angelegt, es
wirft pro rata seiner Größe denselben jährlichen Durch-
schnittsprofit ab.
Geld - hier genommen als selbständiger Ausdruck einer Wertsumme,
ob sie tatsächlich in Geld oder Waren existiere - kann auf Grund-
lage der kapitalistischen Produktion in Kapital verwandelt werden
und wird durch diese Verwandlung aus einem gegebnen Wert zu einem
sich selbst verwertenden, sich vermehrenden Wert. Es produziert
Profit, d.h. es befähigt den Kapitalisten, ein bestimmtes Quantum
unbezahlter Arbeit, Mehrprodukt und Mehrwert, aus den Arbeitern
herauszuziehn und sich anzueignen.
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Damit erhält es, außer dem Gebrauchswert, den es als Geld be-
sitzt, einen zusätzlichen Gebrauchswert, nämlich den, als Kapital
zu fungieren. Sein Gebrauchswert besteht hier eben in dem Profit,
den es, in Kapital verwandelt, produziert. In dieser Eigenschaft
als mögliches Kapital, als Mittel zur Produktion des Profits,
wird es Ware, aber eine Ware sui generis. Oder was auf dasselbe
herauskommt, Kapital als Kapital wird zur Ware. 54)
Gesetzt, die jährliche Durchschnittsprofitrate sei 20%. Eine Ma-
schine im Wert von 100 Pfd.St. würde dann, unter den Durch-
schnittsbedingungen und mit dem Durchschnittsverhältnis von In-
telligenz und zweckmäßiger Tätigkeit als Kapital verwandt, einen
Profit von 20 Pfd.St. abwerfen. Ein Mann also, der 100 Pfd.St.
zur Verfügung hat, hält in seiner Hand die Macht, aus 100 Pfd.St.
120 zu machen oder einen Profit von 20 Pfd.St. zu produzieren. Er
hält in seiner Hand ein mögliches Kapital von 100 Pfd.St. Über-
läßt dieser Mann für ein Jahr die 100 Pfd.St. einem andern, der
sie wirklich als Kapital anwendet, so gibt er ihm die Macht, 20
Pfd. St. Profit zu produzieren, einen Mehrwert, der ihm nichts
kostet, wofür er kein Äquivalent zahlt. Wenn dieser Mann dem Eig-
ner der 100 Pfd.St. am Jahresschluß vielleicht 5 Pfd.St. zahlt,
d.h. einen Teil des produzierten Profits, so zahlt er damit den
Gebrauchswert der 100 Pfd.St., den Gebrauchswert ihrer Kapital-
funktion, der Funktion, 20 Pfd.St. Profit zu produzieren. Der
Teil des Profits, den er ihm zahlt, heißt Zins, was also nichts
ist als ein besondrer Name, eine besondre Rubrik für einen Teil
des Profits, den das fungierende Kapital, statt in die eigne Ta-
sche zu stecken, an den Eigner des Kapitals wegzuzahlen hat.
Es ist klar, daß der Besitz der 100 Pfd.St. ihrem Eigner die
Macht gibt, den Zins, einen gewissen Teil des durch sein Kapital
produzierten Profits, an sich zu ziehn. Gäbe er dem andern die
100 Pfd.St. nicht, so könnte dieser den Profit nicht produzieren,
überhaupt nicht mit Beziehung auf diese 100 Pfd.St. als Kapita-
list fungieren. 55)
Mit Gilbart (siehe Note) von natürlicher Gerechtigkeit hier zu
reden, ist Unsinn. Die Gerechtigkeit der Transaktionen, die zwi-
schen den Produktionsagenten
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54) Es wären hier einige Stellen zu zitieren, wo die Ökonomen die
Sache so fassen. "Sie" (die Bank von England) "machen sehr große
Geschäfte mit der W a r e K a p i t a l?" wird im Zeugenverhör
zum Report on Bank Acts", H. of C. 1857 [p. 104] ein Direktor
dieser Bank gefragt.
55) Daß ein Mann, der Geld borgt, mit der Absicht, Profit davon
zu machen, einen Teil des Profits dem Verleiher geben Soll, ist
ein selbstverständliches Prinzip der natürlichen Gerechtigkeit."
(Gilbart, "The History and Principles of Banking", London 1834,
p. 163.)
#352# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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vorgehn, beruht darauf, daß diese Transaktionen aus den Produkti-
onsverhältnissen als natürliche Konsequenz entspringen. Die juri-
stischen Formen, worin diese ökonomischen Transaktionen als Wil-
lenshandlungen der Beteiligten, als Äußerungen ihres gemeinsamen
Willens und als der Einzelpartei gegenüber von Staats wegen er-
zwingbare Kontrakte rscheinen, können als bloße Formen diesen In-
halt selbst nicht bestimmen. Sie drücken ihn nur aus. Dieser In-
halt ist gerecht, sobald er der Produktionsweise entspricht, ihr
adäquat ist. Er ist ungerecht, sobald er ihr widerspricht. Skla-
verei, auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise, ist unge-
recht; ebenso der Betrug auf die Qualität der Ware.
Die 100 Pfd.St. produzieren dadurch den Profit von 20 Pfd.St.,
daß sie als Kapital fungieren, sei es als industrielles oder mer-
kantiles. Aber das sine qua non dieser Funktion als Kapital ist,
daß sie als Kapital verausgabt werden, das Geld also ausgelegt
wird im Ankauf von Produktionsmitteln (beim industriellen Kapi-
tal) oder von Ware (beim merkantilen Kapital). Aber um verausgabt
zu werden, muß es da sein. Wenn A, der Eigner der 100 Pfd.St.,
sie entweder zu seiner Privatkonsumtion verausgabte oder sie als
Schatz bei sich behielte, könnten sie von B, dem fungierenden Ka-
pitalisten, nicht als Kapital verausgabt werden. Er verausgabt
nicht sein Kapital, sondern das von A; aber er kann das Kapital
von A nicht verausgaben ohne den Willen von A. In der Tat ist es
also A, der ursprünglich die 100 Pfd.St. als Kapital verausgabt,
obgleich sich auf diese Verausgabung der 100 Pfd.St. als Kapital
seine ganze Funktion als Kapitalist beschränkt. Soweit diese 100
Pfd.St. in Betracht kommen, fungiert B nur als Kapitalist, weil A
ihm die 100 Pfd.St. überläßt und sie daher als Kapital veraus-
gabt. Betrachten wir zunächst die eigentümliche Zirkulation des
zinstragenden Kapitals. Es ist dann in zweiter Instanz zu unter-
suchen die eigne Art, wie es als Ware verkauft wird, nämlich ver-
liehen statt ein für allemal abgetreten.
Der Ausgangspunkt ist das Geld, das A dem B vorschießt. Es kann
dies mit oder ohne Unterpfand geschehn; die erstere Form ist je-
doch die altertümlichere, mit Ausnahme der Vorschüsse auf Waren
oder auf Schuldpapiere wie Wechsel, Aktien etc. Diese besondren
Formen gehn uns hier nichts an. Wir haben es hier mit dem zins-
tragenden Kapital in seiner gewöhnlichen Form zu tun.
In der Hand von B wird das Geld wirklich in Kapital verwandelt,
macht die Bewegung G-W-G' durch und kehrt dann als G' zu A zu-
rück, als G+ delta G, wo delta G den Zins vorstellt. Der Verein-
fachung halber sehen wir hier einstweilen von dem Fall ab, wo das
Kapital auf längre Zeit in der Hand von B bleibt und die Zinsen
terminsweise gezahlt werden.
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Die Bewegung ist also,
G-G-W-G'-G'.
Was hier verdoppelt erscheint, ist 1. die Verausgabung des Geldes
als Kapital, 2. sein Rückfluß als realisiertes Kapital, als G'
oder G + delta G.
In der Bewegung des Handelskapitals G-W-G' wechselt dieselbe Ware
zweimal oder, wenn Kaufmann an Kaufmann verkauft, mehrmal die
Hände; aber jeder solcher Stellenwechsel derselben Ware zeigt
eine Metamorphose an, Kauf oder Verkauf der Ware, sooft sich auch
dieser Prozeß bis zu ihrem definitiven Fall in die Konsumtion
wiederholen mag.
Andrerseits in W-G-W findet zwelmallger Stellenwechsel desselben
Geldes statt, zeigt aber die vollständige Metamorphose der Ware
an, die erst in Geld und dann aus Geld wieder in eine andre Ware
verwandelt wird. Dagegen bei dem zinstragenden Kapital ist der
erste Stellenwechsel von G durchaus kein Moment, weder der Waren-
metamorphose noch der Reproduktion des Kapitals. Dies wird es
erst bei der zweiten Verausgabung, in der Hand des fungierenden
Kapitalisten, der Handel darmt treibt oder es in produktives Ka-
pital verwandelt. Der erste Stellenwechsel von G drückt hier
nichts aus als seine Übertragung oder Übermachung von A an B;
eine Übertragung, die unter gewissen juristischen Formen und Vor-
behalten zu geschehn pflegt. Dieser doppelten Verausgabung des
Geldes als Kapital wovon die erste bloße Übertragung von A auf B
ist, entspricht sein doppelter Rückfluß. Als G' oder G + delta G
fließt es zurück aus der Bewegung an den fungierenden Kapitali-
sten B.
Dieser überträgt es dann wieder an A, aber zugleich mit einem
Teil des Profits, als realisiertes Kapital, als G + delta G, wo
delta G nicht gleich dem ganzen Profit, sondern nur ein Teil des
Profits, der Zins ist. Zu B fließt es zurück nur als was er es
ausgegeben hat, als fungierendes Kapital, aber als das Eigentum
von A. Damit sein Rückfluß vollständig sei, hat B es daher wieder
an A zu übertragen. Außer der Kapitalsumme aber hat B einen Teil
des Profits, den er mit dieser Kapitalsumme gemacht hat, unter
dem Namen Zins an A abzugeben, da dieser ihm das Geld nur gegeben
hat als Kapital, d.h. als Wert, der sich nicht nur erhält in der
Bewegung, sondern seinem Eigner einen Mehrwert schafft. Es bleibt
in der Hand von B nur, solange es fungierendes Kapital ist. Und
mit seinem Rückfluß - nach der abgemachten Frist - hört es auf,
als Kapital zu fungieren. Als nicht länger fungierendes Kapital
aber muß es wieder rückübertragen werden an A, der nicht aufge-
hört, der juristische Eigentürner desselben zu sein.
#354# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Die Form des Leihens, die dieser Ware, dem Kapital als Ware ei-
gentümlich ist, übrigens auch in andren Transaktionen vorkommt,
statt der Form des Verkaufens, ergibt sich schon aus der Bestim-
mung, daß Kapital hier als Ware auftritt oder daß Geld als Kapi-
tal zur Ware wird.
Man muß hier unterscheiden. Wir haben gesehn (Buch II, Kap. I)
und rufen hier kurz ins Gedächtnis zurück, daß das Kapital im
Zirkulationsprozeß als Warenkapital und Geldkapital fungiert.
Aber in beiden Formen wird das Kapital nicht als Kapital zur
Ware.
Sobald sich das produktive Kapital in Warenkapital verwandelt
hat, muß es auf den Markt geworfen, als Ware verkauft werden.
Hier fungiert es einfach als Ware. Der Kapitalist erscheint hier
nur als Verkäufer von Ware, wie der Käufer als Käufer von Ware.
Als Ware muß das Produkt im Zirkulationsprozeß, durch seinen Ver-
kauf, seinen Wert realisieren, seine verwandelte Gestalt als Geld
annehmen. Es ist deswegen auch ganz gleichgültig, ob diese Ware
von einem Konsumenten als Lebensmittel oder von einem Kapitali-
sten als Produktionsmittel, als Kapitalbestandteil, gekauft wird.
Im Zirkulationsakt fungiert das Warenkapital nur als Ware, nicht
als Kapital. Es ist Warenkapital im Unterschied von einfacher
Ware, 1. weil es bereits mit Mehrwert geschwängert ist, die Re-
alisierung seines Werts also zugleich Realisierung von Mehrwert
ist; dies ändert aber nichts an seinem einfachen Dasein als Ware,
als Produkt von bestimmtem Preis; 2. weil diese seine Funktion
als Ware ein Moment seines Reproduktionsprozesses als Kapital ist
und daher seine Bewegung als Ware, weil nur Tellbewegung seines
Prozesses, zugleich seine Bewegung als Kapital ist; sie wird dies
aber nicht durch den Akt des Verkaufens selbst, sondern nur durch
den Zusammenhang dieses Akts mit der Gesamtbewegung dieser be-
stimmten Wertsumme als Kapital.
Ebenso als Geldkapital wirkt es in der Tat nur einfach als Geld,
d.h. als Kaufmittel von Ware (den Produktionselementen). Daß dies
Geld hier zugleich Geldkapital, eine Form des Kapitals ist, geht
nicht hervor aus dem Akt des Kaufens, aus der wirklichen Funk-
tion, die es hier als Geld verrichtet; sondern aus dem Zusammen-
hang dieses Akts mit der Gesamtbewegung des Kapitals, indem die-
ser Akt, den es als Geld verrichtet, den kapitalistischen Produk-
tionsprozeß einleitet.
Aber soweit sie wirklich fungieren, wirklich im Prozeß ihre Rolle
spielen, wirkt hier Warenkapital nur als Ware, Geldkapital nur
als Geld. In keinem einzelnen Moment der Metamorphose, für sich
betrachtet, verkauft der Kapitalist die Ware als Kapital an den
Käufer, obgleich sie für ihn Kapital
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vorstellt, oder veräußert er das Geld als Kapital an den Verkäu-
fer. In beiden Fällen veräußert er die Ware einfach als Ware und
das Geld einfach als Geld, als Kaufmittel von Ware. Es ist nur in
dem Zusammenhang des ganzen Verlaufs, in dem Moment, wo der Aus-
gangspunkt zugleich als Punkt der Rückkehr erscheint, in G-G'
oder W'-W', daß das Kapital im Zirkulationsprozeß als Kapital
auftritt (während es im Produktionsprozeß als Kapital auftritt
durch die Unterordnung des Arbeiters unter den Kapitalisten und
die Produktion des Mehrwerts). In diesem Moment der Rückkehr aber
ist die Vermittlung verschwunden. Was da ist, ist G' oder G +
delta G (ob die um A G vermehrte Wertsumme nun in der Form des
Geldes oder der Ware oder der Produktionselernente existiere),
eine Geldsumme gleich der ursprünglich vorgeschoßnen Geldsumme
plus einem Überschuß darüber, dem realisierten Mehrwert. Und ge-
rade in diesem Rückkehrpunkt, wo das Kapital als realisiertes Ka-
pital, als verwerteter Wert existiert, in dieser Form - soweit er
als Ruhepunkt fixiert wird, imaginär oder wirklich - tritt das
Kapital nie in Zirkulation, sondern erscheint vielmehr aus der
Zirkulation zurückgezogen, als Resultat des ganzen Prozesses. So-
bald es wieder verausgabt wird, wird es nie a l s K a p i t a l
an einen dritten veräußert, sondern als einfache Ware an ihn ver-
kauft oder ihm als einfaches Geld für Ware hingegeben. Es er-
scheint in seinem Zirkulationsprozeß nie als Kapital, sondern nur
als Ware oder Geld, und dies ist hier sein einziges Dasein f ü r
a n d r e. Ware und Geld sind hier nur Kapital, nicht soweit die
Ware sich in Geld, das Geld sich in Ware verwandelt, nicht in ih-
ren wirklichen Beziehungen zum Käufer oder Verkäufer, sondern
bloß in ihren ideellen Beziehungen, entweder zum Kapitalisten
selbst (subjektiv betrachtet) oder als Momente des Reproduktions-
prozesses (objektiv betrachtet). Als Kapital existiert das Kapi-
tal, in der wirklichen Bewegung, nicht im Zirkulationsprozeß,
sondern nur im Produktionsprozeß, im Ausbeutungsprozeß der Ar-
beitskraft.
Anders aber verhält es sich mit dem zinstragenden Kapital, und
grade dies bildet seinen spezifischen Charakter. Der Geldbesit-
zer, der sein Geld als zinstragendes Kapital verwerten will, ver-
äußert es an einen dritten, wirft es in Zirkulation, macht es zur
Ware als Kapital; nicht nur als Kapital für ihn selbst, sondern
auch für andre; es ist nicht bloß Kapital für den, der es veräu-
ßert, sondern es wird dem dritten von vornherein als Kapital aus-
gehändigt, als Wert, der den Gebrauchswert besitzt, Mehrwert,
Profit zu schaffen; als ein Wert, der sich in der Bewegung for-
terhält und zu seinem ursprünglichen Ausgeber, hier dem Geldbe-
sitzer, nachdem er fungiert hat, zurückkehrt, also sich nur für
eine Zeitlang von ihm entfernt, aus dem Besitz
#356# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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seines Eigentümers nur zeitweilig in den Besitz des fungierenden
Kapitalisten tritt, also weder weggezahlt noch verkauft, sondern
nur ausgeliehen wird; nur entäußert wird, unter der Bedingung,
nach einer bestimmten Zeitfrist erstens zu seinem Ausgangspunkt
zurückzukehren, zweitens aber als realisiertes Kapital zurückzu-
kehren, so daß es seinen Gebrauchswert, Mehrwert zu produzieren,
realisiert hat.
Ware, die als Kapital verliehen wird, wird nach ihrer Beschaffen-
heit als fixes öder zirkulierendes Kapital verliehen. Das Geld
kann in beiden Formen verliehen werden, als fixes Kapital z.B.,
wenn es in der Form der Leibrente zurückgezahlt wird, so daß mit
dem Zins immer auch ein Stück Kap, tal zurückfließt. Gewisse Wa-
ren können der Natur ihres Gebrauchswerts nach immer nur als fi-
xes Kapital verliehen werden, wie Häuser, Schiffe, Maschinen usw.
Aber alles verliehene Kapital, welches immer seine Form und wie
die Rückzahlung durch die Natur seines C-ebrauchswerts modifi-
ziert sein mag, ist immer nur eine besondre Form des Geldkapi-
tals. Denn was hier verliehen wird, ist immer eine bestimmte
Geldsumme, und auf diese Summe wird denn auch der Zins berechnet.
Ist das, was ausgeliehen wird, weder Geld noch zirkulierendes Ka-
pital, so wird es auch zurückgezahlt in der Weise, wie fixes Ka-
pital zurückfließt. Der Verleiher erhält periodisch Zins und
einen Teil des verbrauchten Werts des fixen Kapitals selbst, ein
Äquivalent für den periodischen Verschleiß. Und am Ende der Frist
kehrt der unverbrauchte Teil des verliehenen fixen Kapitals in
natura zurück. Ist das verliehene Kapital zirkulierendes Kapital,
so kehrt es ebenfalls dem Verleiher zurück in der Rückflußweise
des zirkulierenden Kapitals. Die Art des Rückflusses ist also je-
desmal bestimmt durch die wirkliche Kreisbewegung des sich repro-
duzierenden Kapitals und seiner besondren Arten. Aber für das
verliehene Kapital nimmt der Rückfluß die Form der Rückzahlung
an, weil der Vorschuß, die Entäußerung desselben, die Form des
Verleihens hat.
In diesem Kapitel behandeln wir nur das eigentliche Geldkapital,
wovon die andren Formen des verliehenen Kapitals abgeleitet sind.
Das ausgeliehene Kapital fließt doppelt zurück; im Reproduktions-
prozeß kehrt es zum fungierenden Kapitalisten zurück, und dann
wiederholt sich die Rückkehr noch einmal als Übertragung auf den
Verleiher, den Geldkapitalisten, als Rückzahlung an seinen wirk-
lichen Eigentümer, seinen juristischen Ausgangspunkt.
Im wirklichen Zirkulationsprozeß erscheint das Kapital immer nur
als Ware oder Geld, und seine Bewegung löst sich in eine Reihe
von Käufen und Verkäufen auf. Kurz, der Zirkulationsprozeß löst
sich auf in die Metamorphose
#357# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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der Ware. Anders, wenn wir das Ganze des Reproduktionsprozesses
betrachte. Gehn wir vom Geld aus (und es sit dasselbe, wenn wir
von der Ware ausgehn, da wir dann von ihrem Wert ausgehn, sie
also selbst sub specie 1*)des Geldes betrachten), so ist eine
Geldsumme ausgegeben und kehrt nach einer gewissen Periode mit
einem Inkrement zurück. Der Ersatz für die vorgeschoßne Geldsumme
kehrt zurück plus einem Mehrwert. Sie hat sich erhalten und ver-
mehrt im Durchlaufen einer gewissen Kreisbewegung. Nun wird aber
das Geld, soweit es als Kapital verliehen wird, eben als diese
sich erhaltende und sich vermehrende Geldsumme ausgeliehen, die
nach einer gewissen Periode mit Zusatz zuirückkehrt und stets von
neuem denselben Prozeß durchmachen kann. Es wird weder als Geld
noch als Ware ausgegeben, also weder ausgetauscht gegen Ware,
wenn es als Geld vorgeschossen wird, noch verkauft gegen Geld,
wenn es als Ware vorgeschossen wird; sondern es wird ausgegeben
als Kapital. Das Verhältnis zu sich selbst, als welches das Kapi-
tal sich darstellt, wenn man den kapitalistischen Produktionspro-
zeß als Ganzes und Einheit anschaut, und worin das Kapital als
Geld heckendes Geld auftritt, wird hier ohne die vermittelnde
Zwischenbewegung einfach als sein Charakter, als seine Bestimmt-
heit ihm einverleibt. Und in dieser Bestimmtheit wird es veräu-
ßert, wenn es als Geldkapital verliehen wird.
Eine absonderliche Auffassung der Rolle des Geldkapitals ist die
von Proudhon ("Gratuité du Crédit. Discussion entre M. F. Bastiat
et M. Proudhon", Paris 1850). Leihen scheint Proudhon deswegen
vom Übel, weil es nicht Verkaufen ist. Das auf Zins Leihen
"est la faculté de vendre toujours de nouveau le même objet, et
d'en recevoir toujours de nouveau le prix sans jamais ceder la
propriété de ce qu'on vend". 2*) (p. 9.) [51]
Der Gegenstand, Geld, Haus etc. wechselt nicht den Eigentümer,
wie bei Kauf und Verkauf. Aber Proudhon sieht nicht, daß beim
Weggeben des Geldes in Form von zinstragendem Kapital kein Äqui-
valent dafür zurückerhalten ist. In jedem Akt des Kaufs und Ver-
kaufs, soweit überhaupt Austauschprozesse stattfinden, wird al-
lerdings das Objekt weggegeben. Das Eigentum des verkauften Ge-
genstands tritt man immer ab. Aber man gibt nicht den Wert weg.
Beim Verkauf wird die Ware weggegeben, aber nicht ihr Wert, der
in der Form von Geld oder, was hier nur eine andre Form dafür,
von Schuldschein oder Zahlungstitel zurückgegeben wird. Beim
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1*) in der Cestalt - 2*) ist die Fähigkeit, denselben Gegenstand
stets von neuem zu verkaufen und dafür stets von neuem den Preis
zu erhalten, ohne jemals das Eigentum an dem Gegenstand, den man
verkauft, abzutreten."
#358# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Kauf wird das Geld weggegeben, aber nicht sein Wert, der in der
Form der Ware ersetzt wird. Während des ganzen Reproduktionspro-
zesses hält der industrielle Kapitalist denselben Wert in seiner
Hand (abgesehn vom Mehrwert), nur in verschiednen Formen.
Soweit Austausch, d.h. Austausch von Gegenständen stattfindet,
findet kein Wertwechsel statt. Derselbe Kapitalist hält immer
denselben Wert in der Hand. Soweit aber Mehrwert vom Kapitalisten
produziert wird, findet kein Austausch statt; sobald Austausch
stattfindet, steckt der Mehrwert bereits in den Waren. Sobald wir
nicht die einzelnen Austauschakte betrachten, sondern den Gesamt-
kreislauf des Kapitals, G-W-G', wird beständig eine bestimmte
Wertsumme vorgeschossen und diese Wertsumme plus dem Mehrwert
oder Profit aus der Zirkulation zurückgezogen. Die Vermittlung
dieses Prozesses ist allerdings in den bloßen Austauschakten
nicht sichtbar. Und es ist gerade dieser Prozeß von G als Kapi-
tal, worauf der Zins des verleihenden Geldkapitalisten beruht,
woraus er entspringt.
"In der Tat", sagt Proudhon, der Hutmacher, der Hüte verkauft...
erhält dafür den Wert, nicht mehr und nicht weniger. Aber der
verleihende Kapitalist... empfängt nicht nur sein Kapital unver-
kürzt zurück; er empfängt mehr als das Kapital,
mehr als er in den Austausch wirft; er empfängt über das Kapital
hinaus einen Zins." (p. 69.)
Der Hutmacher vertritt hier den produktiven Kapitalisten im Ge-
gensatz zum verleihenden. Proudhon ist offenbar nicht hinter das
Geheimnis gekommen, wie der produktive Kapitalist Ware zu ihrem
Wert verkaufen kann (die Ausgleichung zu Produktionspreisen ist
hier, für seine Fassung, gleichgültig) und eben dadurch einen
Profit empfängt über das Kapital hinaus, das er in den Austausch
wirft. Gesetzt, der Produktionspreis von 100 Hüten sei = 115
Pfd.St., und dieser Produktionspreis sei zufällig gleich dem Wert
der Hüte, also das Kapital, das die Hüte produziert, von gesell-
schaftlicher Durchschnittszusammensetzung. Ist der Profit = 15%,
so realisiert der Hutmacher einen Profit von 15 Pfd.St. dadurch,
daß er die Waren zu ihrem Wert von 115 verkauft. Ihm kosten sie
nur 100 Pfd.St. Hat er mit seinem eignen Kapital produziert, so
steckt er den Überschuß von 15 Pfd.St. ganz in die Tasche; wenn
mit geliehenem, hat er vielleicht 5 Pfd.St. davon abzugeben als
Zins. Es ändert dies nichts am Wert der Hüte, sondern nur an der
Verteilung des in diesem Wert schon steckenden Mehrwerts unter
verschiedne Personen. Da also der Wert der Hüte durch das Zins-
zahlen nicht affiziert wird, so ist es Unsinn, wenn Proudhon
sagt:
"Da sich im Handel der Zins des Kapitals dem Lohn des Arbeiters
hinzufügt, um den Preis der Ware zusammenzusetzen, so ist es un-
umgänglich, daß der Arbeiter das
#359# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
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Produkt seiner eignen Arbeit zurückkaufen kann. Vivre en travail-
lant ist ein Prinzip, unter der Herrschaft des Zinses, einen Wi-
derspruch einschließt." (p. 105.) 56
Wie wenig Proudhon die Natur des Kapitals verstanden hat, zeigt
folgender Satz, worin er die Bewegung des Kapitals überhaupt als
eine dem zinstragenden Kapital eigentümliche Bewegung beschreibt:
"Comme, par l'accumulation des intérêts, le capital-argent,
d'échange en échange, revient touiours à sa source, il s'ensuit
que la relocation toujours faite par la même main, profite tou-
jours au même personnage." 2*) [p. 154.]
Was ist es nun, das ihm in der eigentümlichen Bewegung des zins-
tragenden Kapitals rätselhaft bleibt? Die Kategorien: Kaufen,
Preis, Gegenstände abtreten, und die unvermittelte Form, worin
hier der Mehrwert erscheint; kurz das Phänomen, daß hier Kapital
als Kapital zur Ware geworden ist, daß daher das Verkaufen in
Leihen, der Preis in einen Anteil am Profit sich verwandelt hat.
Die Rückkehr des Kapitals zu seinem Ausgangspunkt ist überhaupt
die charakteristische Bewegung des Kapitals in seinem Gesamt-
kreislauf. Dies zeichnet keineswegs nur das zinstragende Kapital
aus. Was es auszeichnet, ist die äußerliche, vom vermittelnden
Kreislauf losgetrennte Form der Rückkehr. Der verleihende Kapita-
list gibt sein Kapital weg, Überträgt es an den industriellen Ka-
pitalisten, ohne ein Äquivalent zu erhalten. Sein Weggeben ist
überhaupt kein Akt des wirklichen Kreislaufsprozesses des Kapi-
tals, sondern leitet nur diesen, durch den industriellen Kapita-
listen zu bewirkenden Kreislauf ein. Dieser erste Stellenwechsel
des Geldes drückt keinen Akt der Metamorphose, weder Kauf noch
Verkauf aus. Das Eigentum wird nicht abgetreten, weil kein Aus-
tausch vorgeht, kein Äquivalent empfangen wird. Die Rückkehr des
Geldes aus der Hand des industriellen
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56) "Ein Haus", "Geld" etc. sollen daher, wenn's nach Proudhon
geht, nicht als "Kapital" verliehen, sondern als "Ware... zum
Kostpreis" (p. 43, 44) veräußert werden. Luther stand etwas höher
als Proudhon. Er wußte schon, daß das Profitmachen unabhängig ist
von der Form des Leihens oder Kaufens: Machen aus dem Kaufen auch
einen Wucher. Aber das ist jetzt zu viel auf einen Bissen. Müssen
jetzt das eine Stück, als vom Wucher im Leihen handeln, wenn wir
dem haben gesteuret (nach dem jüngsten Tage), so wollen wir dem
Kaucher auch seinen Text wol lesen." (M. Luther, "An die Pfarr-
herrn wider den Wucher zu predigen", Wittenberg 1540. [52]
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1*) Von eigener Arbeit leben - 2*) "Daraus, daß durch die Akkumu-
lation der Zinsen das Geldkapital von Tausch zu Tausch stets zu
seiner Quelle zurückkehrt, folgt, daß die Wiederverleihung, stets
von derselben Hand vollzogen. immer derselben Person Gewinn
bringt."
#360# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Kapitalisten in die Hand des verleihenden ergänzt bloß den ersten
Akt des Weggebens des Kapitals. In Geldform vorgeschossen, kehrt
das Kapital durch den Kreislaufsprozeß zum industriellen Kapita-
listen wieder in Geldform zurück. Aber da das Kapital ihm nicht
bei der Ausgabe gehörte, kann es ihm nicht gehören bei der Rück-
kehr. Der Durchgang durch den Reproduktionsprozeß kann unmöglich
dies Kapital in sein Eigentum verwandeln. Er hat es also zurück-
zuerstatten an den Verleiher. Die erste Verausgabung, die das Ka-
pital aus der Hand des Verleihers in die des Anleihers überträgt,
ist eine juristische Transaktion, die mit dem wirklichen Repro-
duktionsprozeß des Kapitals nichts zu tun hat, ihn 1*) nur ein-
leitet. Die Rückzahlung, die das zurückgefloßne Kapital wieder
aus der Hand des Anleihers in die des Verleihers überträgt, ist
eine zweite juristische Transaktion, die Ergänzung der ersten;
die eine leitet den wirklichen Prozeß ein, die andre ist ein
nachträglicher Akt nach demselben. Ausgangspunkt und Rückkehr-
punkt, Weggabe und Rückerstattung des verliehenen Kapitals er-
scheinen also als willkürliche, durch juristische Transaktionen
vermittelte Bewegungen, die vor und nach der wirklichen Bewegung
des Kapitals vorgehn und mit ihr selbst nichts zu tun haben. Für
diese wäre es gleichgültig, wenn das Kapital von vornherein dem
industriellen Kapitalisten gehörte und als sein Eigentum daher
nur zu ihm zurückflösse.
Im ersten einleitenden Akt gibt der Verleiher sein Kapital an den
Anleiher weg. Im zweiten nachträglichen und Schlußakt gibt der
Anleiher das Kapital an den Verleiher zurück. Soweit nur die
Transaktion zwischer beiden in Betracht kommt - und einstweilen
abgesehn vom Zins -, soweit es sich also nur um die Bewegung des
geliehenen Kapitals selbst zwischen Verleiher und Anleiher han-
delt, umfassen diese beiden Akte (getrennt durch eine längere
oder kürzere Zeit, worin die wirkliche Reproduktionsbewegung des
Kapitals fällt) das Ganze dieser Bewegung. Und diese Bewegung:
Weggeben unter der Bedingung der Rückerstattung, ist überhaupt
die Bewegung des Verleihens und Anleihens, dieser spezifischen
Form der nur bedingungsweisen Veräußerung von Geld oder Ware.
Die charakteristische Bewegung des Kapitals überhaupt, die Rück-
kehr des Geldes zum Kapitalisten, die Rückkehr des Kapitals zu
seinem Ausgangspunkt, erhält im zinstragenden Kapital eine ganz
äußerliche, von der wirklichen Bewegung, deren Form sie ist, ge-
trennte Gestalt. A gibt sein Geld weg, nicht als Geld, sondern
als Kapital. Es geht hier keine Veränderung mit dem Kapital vor.
Es wechselt nur die Hände. Seine wirkliche Verwandlung
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1*) 1. Auflage: sie
#361# 21.Kapitel - Das zinstragende Kapital
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in Kapital vollzieht sich erst in der Hand von B. Aber für A ist
es Kapital geworden durch die bloße Weggabe an B. Der wirkliche
Rückfluß des Kapitals aus dem Produktions- und Zirkulationsprozeß
findet nur statt für B. Aber für A findet der Rückfluß statt in
derselben Form wie die Veräußerung. Es geht von der Hand von B
wieder in die von A zurück. Weggeben, Verleihen von Geld für eine
gewisse Zeit und Rückempfang desselben mit Zins (Mehrwert) ist
die ganze Form der Bewegung, die dem zinstragenden Kapital als
solchem zukommt. Die wirkliche Bewegung des ausgeliehenen Geldes
als Kapital ist eine Operation, die jenseits der Transaktionen
zwischen Verleihern und Anleihern liegt. In diesen selbst ist
diese Vermittlung ausgelöscht, nicht sichtbar, nicht unmittelbar
einbegriffen. Als Ware eigner Art besitzt das Kapital auch eine
eigentümliche Art der Veräußerung. Die Rückkehr drückt sich daher
hier auch nicht aus als Konsequenz und Resultat einer bestimmten
Reihe ökonomischer Vorgänge, sondern als Folge einer speziellen
juristischen Abmachung zwischen Käufer und Verkäufer. Die Zeit
des Rückflusses hängt ab vom Verlauf des Reproduktionsprozesses;
beim zinstragenden Kapital s c h e i n t seine Rückkehr als Ka-
pital von der bloßen Übereinkunft zwischen Verleiher und Anleiher
abzuhängen. So daß der Rückfluß des Kapitals mit Bezug auf diese
Transaktion nicht mehr als durch den Produktionsprozeß bestimmtes
Resultat erscheint, sondern so, als ob die Form des Geldes dem
ausgeliehenen Kapital nie verlorengegangen wäre. Allerdings sind
tatsächlich diese Transaktionen durch die wirklichen Rückflüsse
bestimmt. Aber dies erscheint nicht in der Transaktion selbst. Es
ist auch in der Praxis keineswegs stets der Fall. Findet der
wirkliche Rückfluß nicht rechtzeitig statt, so muß der Anleiher
zusehn, aus welchen sonstigen Hilfsquellen er seinen Verpflich-
tungen gegen den Verleiher nachkommt. Die bloße F o r m des Ka-
pitals - Geld, das als Summe A ausgegeben wird und als Summe A +
1/x A zurückkehrt, in einem gewissen Zeitraum, ohne irgendeine
andre Vermittlung, außer diesem zeitlichen Zwischenraum - ist nur
die begriffslose Form der wirklichen Kapitalbewegung.
In der wirklichen Bewegung des Kapitals ist die Rückkehr ein Mo-
ment des Zirkulationsprozesses. Erst wird das Geld in Produkti-
onsmittel ver wandelt; der Produktionsprozeß verwandelt es in
Ware; durch den Verkauf der Ware wird es rückverwandelt in Geld
und kehrt in dieser Form zurück in die Hand des Kapitalisten, der
das Kapital zuerst in Geldform vorgeschossen hatte. Aber beim
zinstragenden Kapital ist Rückkehr wie Weggabe bloß Resultat ei-
ner juristischen Transaktion zwischen dem Eigentümer
#362# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
-----
des Kapitals und einer zweiten Person. Wir sehn nur Weggabe und
Rückzahlung. Alles, was dazwischen vorgeht, ist ausgelöscht.
Aber weil das Geld, als Kapital vorgeschossen, die Eigenschaft
hat, zu seinem Vorschießer, zu dem, der es als Kapital veraus-
gabt, zurückzukehren, weil G-W-G' die immanente Form der Kapital-
bewegung ist, grade deshalb kann der Geldbesitzer es als Kapital
verleihen, als etwas, das die Eigenschaft besitzt, zu seinem Aus-
gangspunkt zurückzukehren, sich in der Bewegung, die es durch-
läuft, als Wert zu erhalten und zu vermehren. Er gibt es als Ka-
pital weg, weil, nachdem es als Kapital verwandt, es zurückfließt
zu seinem Ausgangspunkt, also vom Anleiher nach einer gewissen
Zeit zurückerstattet werden kann, eben weil es ihm selbst zurück-
fließt.
Die Verleihung von Geld als Kapital - seine Weggabe unter Bedin-
gung der Rückerstattung nach gewisser Zeit - hat also zur Voraus-
setzung, daß das Geld wirklich als Kapital verwandt wird, wirk-
lich zurückfließt zu seinem Ausgangspunkt. Die wirkliche Kreis-
laufsbewegung des Geldes als Kapital ist also Voraussetzung der
juristischen Transaktion, wonach der Anleiher das Geld an den
Verleiher zurückzugeben hat. Legt der Anleiher das Geld nicht als
Kapital aus, so ist das seine Sache. Der Verleiher verleiht es
als Kapital, und als solches hat es die Kapitalfunktionen durch-
zumachen, welche den Kreislauf des Geldkapitals einschließen bis
zu seinem Rückfluß, in Geldform, zu seinem Ausgangspunkt.
Die Zirkulationsakte G-W und W-G', worin die Wertsumme als Geld
oder als Ware fungiert, sind nur vermittelnde Prozesse, einzelne
Momente ihrer Gesamtbewegung. Als Kapital macht sie die Totalbe-
wegung G-G' durch. Sie wird als Geld oder Wertsumme in irgendei-
ner Form vorgeschossen und kehrt als Wertsumme zurück. Der Ver-
leiher des Geldes verausgabt es nicht im Kauf von Ware, oder wenn
die Wertsumme in Ware existiert, verkauft er sie nicht gegen
Geld, sondern schießt sie vor als Kapital, als G-G', als Wert,
der in einem bestimmten Termin wieder zu seinem Ausgangspunkt zu-
rückkehrt. Statt zu kaufen oder zu verkaufen, verleiht er. Dies
Verleihen ist also die entsprechende Form, um es als Kapital zu
veräußern, statt als Geld oder Ware. Woraus keineswegs folgt, daß
Verleihen nicht auch Form sein kann für Transaktionen, die mit
dem kapitalistischen Reproduktionsprozeß nichts zu schaffen ha-
ben.
---
Bisher haben wir nur die Bewegung des verliehenen
K a p i t a l s zwischen seinem Eigner und dem industriellen Ka-
pitalisten betrachtet. Jetzt ist der Zins zu untersuchen.
#363# 21. Kapitel - Das Eintragen Kapital
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Der Verleher gibt sein Geld als Kapital aus; die Wertsumme, die
er an einen andern veräußert, ist Kapital und fließt daher zu ihm
zurück. Die bloße Rückkehr zu ihm wäre aber nicht Rückfluß der
verliehenen Wertsumme als Kapital, sondern bloße Rückerstattung
einer verliehenen Wertsumme. Um als Kapital zurückzufließen, muß
die vorgeschoßne Wertsumme sich in der Bewegung nicht nur erhal-
ten, sondern sich verwertet, ihre Wertgröße vermehrt haben, also
mit einem Mehrwert, als G + delta G zurückkehren, und dieses
delta G ist hier der Zins oder der Teil des Durchschnittsprofits,
der nicht in der Hand des fungierenden Kapitalisten bleibt, son-
dern dem Geldkapitalisten zufällt.
Daß es als Kapital von ihm veräußert wird, heißt, daß es ihm als
G + delta G zurückgegeben werden muß. Es ist nachher noch beson-
ders die Form zu betrachten, wo in der Zwischenzeit Zins termin-
weise zurückfließt, aber ohne das Kapital, dessen Rückzahlung
erst am Ende einer längem Periode erfolgt.
Was gibt der Geldkapitalist dem Anleiher, dem industriellen Kapi-
talisten? Was veräußert er in der Tat an ihn? Und nur der Akt der
Veräußerung macht das Verleihen des Geldes zur Veräußerung des
Geldes als Kapital, d.h. zur Veräußerung des Kapitals als Ware.
Es ist nur durch den Vorgang dieser Veräußerung, daß das Kapital
vom Geldverleiher als Ware oder daß die Ware, über die er ver-
fügt, an einen Dritten als Kapital weggegeben wird.
Was wird beim gewöhnlichen Verkauf veräußert? Nicht der Wert der
verkauften Ware, denn dieser ändert nur die Form. Er existiert
als Preis ideell in der Ware, bevor er reell in der Form von Geld
in die Hand des Verkäufers übergeht. Derselbe Wert und dieselbe
Wertgröße wechseln hier nur die Form. Das eine Mal existieren sie
in Warenform, das andre Mal in Geldform. Was wirklich vom Verkäu-
fer veräußert wird und daher auch in die individuelle oder pro-
duktive Konsurntion des Käufers übergeht, ist der Gebrauchswert
der Ware, die Ware als Gebrauchswert.
Was ist nun der Gebrauchswert, den der Geldkapitalist für die
Zeit des Ausleihens veräußert und an den produktiven Kapitali-
sten, den Borger, abtritt? Es ist der Gebrauchswert, den das Geld
dadurch erhält, daß es in Kapital verwandelt werden, als Kapital
fungieren kann, und daß es daher einen bestimmten Mehrwert, den
Durchschnittsprofit (was darüber oder darunter ist, erscheint
hier zufällig) in seiner Bewegung erzeugt, außerdem, daß es seine
ursprüngliche Wertgröße wahrt. Bei den übrigen Waren wird in der
letzten Hand der Gebrauchswert konsumiert, und äamit verschwindet
die Substanz der Ware und mit ihr ihr Wert. Die Ware Kapital da-
gegen
#364# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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hat das Eigentümliche, daß durch die Konsumtion ihres Gebrauchs-
werts hr Wert und ihr Gebrauchswert nicht nur erhalten, sondern
vermehrt wird.
Diesen Gebrauchswert des Geldes als Kapital - die Fähigkeit, den
Durchschnittsprofit zu erzeugen - veräußert der Geldkapitalist an
den industriellen Kapitalisten für die Zeit, während deren er
diesem die Verfügung über das verliehne Kapital abtritt.
Das so verliehene Geld hat insofern eine gewisse Analogie mit der
Arbeitskraft in ihrer Stellung gegenüber dem industriellen Kapi-
talisten. Nur zahlt der letztte den Wert der Arbeitskraft, wäh-
rend er den Wert des geliehenen Kapitals einfach zurückzahlt. Der
Gebrauchswert der Arbeitskraft für den industriellen Kapitalisten
ist: mehr Wert (den Profit) in ihrem Verbrauch zu erzeugen, als
sie selbst besitzt und als sie kostet. Dieser Überschuß von Wert
ist ihr Gebrauchswert für den industriellen Kapitalisten. Und so
erscheint ebenfalls der Gebrauchswert des geliehenen Geldkapitals
als seine Wert setzende und vermehrende Fähigkeit.
Der Geldkapitalist veräußert in der Tat einen Gebrauchswert, und
dadurch wird das, was er weggibt, als Ware weggegeben. Und soweit
ist die Analogie mit der Ware als solcher vollständig. Erstens
ist es ein Wert, der aus einer Hand in die andre übergeht. Bei
der einfachen Ware, der Ware als solcher, bleibt derselbe Wert in
der Hand des Käufers und Verkäufers, nur in verschiedner Form;
sie haben beide nach wie vor denselben Wert, den sie veräußerten,
der eine in Warenform, der andre in Geldform. Der Unterschied
ist, daß beim Verleihen der Geldkapitalist der einzige ist, der
in dieser Transaktion Wert fortgibt; aber er bewahrt ihn durch
die künftige Rückzahlung. Es wird beim Verleihen nur von einer
Seite Wert empfangen, da nur von einer Seite Wert weggegeben
wird. - Zweitens wird auf der einen Seite ein wirklicher Ge-
brauchswert veräußert und auf der andren empfangen und ver-
braucht. Aber im Unterschied zur gewöhnlichen Ware ist dieser Ge-
brauchswert selbst Wert, nämlich der Überschuß der Wertgröße, die
durch den Gebrauch des Geldes als Kapital sich ergibt, über seine
ursprüngliche Wertgröße. Der Profit ist dieser Gebrauchswert.
Der Gebrauchswert des ausgeliehenen Geldes ist: als Kapital fun-
gieren zu können und als solches unter durchschnittlichen Umstän-
den den Durchschnittsprofit zu produzierend 57)
---
57) Die Berechtigung zum Zinsnehmen hängt nicht davon ab, ob je-
mand Profit macht oder nicht, sondern von seiner" (des Geborgten)
"Fähigkeit, Profit zu erzeugen, wenn es richtig angewandt wird."
("An Essay on the Governing Causes of the Natural Rate of Inter-
est, wherein the sentiments of Sir W. Petty and Mr. Locke, on
that head, are considered", London 1750. p. 49. Verfasser der
anonymen Schrift: J. Massie.)
#365# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
-----
Was zahlt nun der industrielle Kapitalist, und was ist daher der
Preis des ausgeliehenen Kapitals?
"That which men pay as interest for the use of what they botrow",
ist nach Massie "a part of the profit it is capable of producing"
1*). 58)
Was der Käufer einer gewöhnlichen Ware kauft, ist ihr Gebrauchs-
wert; was er zahlt, ist ihr Wert. Was der Borger des Geldes
kauft, ist ebenfalls dessen Gebrauchswert als Kapital; aber was
zahlt er? Sicher nicht, wie bei den andren Waren, ihren Preis
oder Wert. Zwischen Verleiher und Borger geht nicht, wie zwischen
Käufer und Verkäufer, ein Formwechsel des Werts vor, so daß die-
ser Wert das eine Mal in der Form des Geldes, das andre Mal in
der Form der Ware existiert. Die Dieselbigkeit des weggegebnen
und des rückempfangnen Werts zeigt sich hier in ganz andrer
Weise. Die Wertsumme, das Geld wird fortgegeben ohne Äquivalent
und wird nach einer gewissen Zeit zurückgegeben. Der Verleiher
bleibt immer Eigentümer desselben Werts, auch nachdem dieser aus
seiner Hand in die des Borgers übergegangen ist. Beim einfachen
Warenaustausch steht das Geld stets auf seiten des Käufers; aber
beim Verleihen steht das Geld auf seiten des Verkäufers. Er ist
es, der das Geld für eine gewisse Zeit weggibt, und der Käufer
des Kapitals ist es, der es als Ware erhält. Dies ist aber nur
möglich, soweit das Geld als Kapital fungiert und daher vorge-
schossen wird. Der Borger borgt das Geld als Kapital, als sich
verwertenden Wert. Es ist aber nur erst Kapital an sich, wie je-
des Kapital in seinem Ausgangspunkt, im Augenblick seines Vor-
schusses. Erst durch seinen Gebrauch verwertet es sich, reali-
siert es sich als Kapital. Aber als r e a l i s i e r t e s Ka-
pital hat der Borger es zurückzuzahlen, also als Wert plus Mehr-
wert (Zins); und der letztre kann nur ein Teil des von ihm reali-
sierten Profits sein. Nur ein Teil, nicht das Ganze. Denn der Ge-
brauchswert für den Borger ist, daß es ihm Profit produziert.
Sonst hätte keine Veräußerung des Gebrauchswerts von seiten des
Verleihers stattgefunden. Andrerseits kann nicht der ganze Profit
dem Borger zufallen. Er zahlte sonst nichts für die Veräußerung
des Gebrauchswerts, und er gäbe das vorgeschoßne Geld an den Ver-
leiher nur als einfaches Geld zurück, nicht als Kapital, als re-
alisiertes Kapital, denn realisiertes Kapital ist es nur als G +
delta G.
---
58 "Die Reichen, statt ihr Geld selbst zu verwenden,... verleihen
es an andere Leute, damit diese Profit machen und für die Eigen-
tümer einen Teil der so gemachten Profite vorbehalten." l.c.p.
23, 24.)
-----
1*) "Das, was man als Zins bezahlt für den Gebrauch dessen, was
man borgt", ist nach Massie "ein Teil des Profits, den es zu pro-
duzieren fähig ist."
#366# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Beide geben dieselbe Geldsumme als Kapital aus, der Verleiher und
der Borger. Aber nur in der Hand des letzteren fungiert sie als
Kapital. Der Profit wird nicht verdoppelt durch das doppelte Da-
sein derselben Geldsumme als Kapital für zwei Personen. Es kann
für beide als Kapital nur fungieren durch Teilung des Profits.
Der dem Verleiheir zufallende Teil heißt Zins.
Die ganze Transaktion findet nach der Voraussetzung statt zwi-
schen zwei Sorten Kapitalisten, dem Geldkapitalisten und dem in-
dustriellen oder merkantilen Kapitalisten.
Es muß nie vergessen werden, daß hier das Kapital als Kapital
Ware ist oder daß die Ware, um die es sich hier handelt, Kapital
ist. Die sämtlichen Verhältnisse, die hier erscheinen, wären da-
her irrationell vom Standpunkt der einfachen Ware aus, oder auch
vom Standpunkt des Kapitals, soweit es in seinem Reproduktions-
prozeß als Warenkapital fungiert. Verleihen und Borgen, statt des
Verkaufens und Kaufens, ist hier ein aus der spezifischen Natur
der Ware - des Kapitals - hervorgehender Unterschied. Ebenso daß
das, was hier gezahlt wird, Zins ist, statt des Preises der Ware.
Will man den Zins den Preis des Geldkapitals nennen, so ist dies
eine irrationelle Form des Preises, durchaus im Widerspruch mit
dem Begriff des Preises der Ware. 59) Der Preis ist hier auf
seine rein abstrakte und inhaltslose Form reduziert, daß er eine
bestimmte Geldsumme ist, die für irgend etwas, was so oder so als
Gebrauchswert figuriert, gezahlt wird; während seinem Begriff
nach der Preis gleich ist dem in Geld ausgedrückten Wert dieses
Gebrauchswerts.
Zins als Preis des Kapitals ist von vornherein ein durchaus irra-
tioneller Ausdruck. Hier hat eine Ware einen doppelten Wert, ein-
mal einen Wert, und dann einen von diesem Wert verschiednen
Preis, während Preis der Geldausdruck des Wertes ist. Das Geldka-
pital ist zunächst nichts als eine Geldsumme oder der Wert einer
bestimmten Warenmasse als Geldsumme fixiert. Wird Ware als Kapi-
tal verliehen, so ist sie nur die verkleidete Form
---
59) "Der Ausdruck Wert (value) angewandt auf currency 1*) hat
drei Bedeutungen... 2. currency actually in hand 2*), verglichen
mit demselben Betrag von currency, er an einem spätem Tage ein-
gehn wird. Dann ist ihr Wert gemessen durch den Zinsfuß, und der
Zinsfuß bestimmt by the ratio between the amount of loanable ca-
pital and the demand for it" 3*). (Oberst R. Torrens, On the Ope-
ration of the Bank Charter Act of 1844 etc.", 2nd ed., 1847 [p.
5, 6].)
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1*) Zirkulationsmittel - 2*) unmittel verfügbare Zirkulationsmit-
tel - 3*) durch das Verhältnis der Menge des verleihbaren Kapi-
tals und der Nachfrage danach
#367# 21. Kapitel. Das zinstragende Kapital
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einer Geldsumme. Denn was als Kapital verliehen wird, sind nicht
soundso viel Pfund Baumwolle, sondern so viel Geld, das in der
Form Baumwolle als deren Wert existiert. Der Preis des Kapitals
bezieht sich daher auf es als Geldsumme, wenn auch nicht als cur-
rency, wie Herr Torrens meint (s. oben Note 59). Wie soll nun
eine Wertsumme einen Preis haben außer ihrem eignen Preis, außer
dem Preis, der in ihrer eignen Geldform ausgedruckt ist? Preis
ist ja der Wert der Ware (und dies ist auch der Fall beim Markt-
preis, dessen Unterschied vom Wert nicht qualitativ, sondern nur
quantitativ ist, sich nur auf die Wertgröße bezieht) im Unter-
schied von ihrem Gebrauchswert. Preis, der qualitativ verschieden
vom Wert, ist ein absurder Widerspruch. 60)
Das Kapital manifestiert sich als Kapital durch seine Verwertung;
der Grad seiner Verwertung drückt den quantitativen Grad aus,
worin es sich als Kapital realisiert. Der von ihm erzeugte Mehr-
wert oder Profit - seine Rate oder Höhe - ist nur meßbar durch
seine Vergleichung mit dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals. Die
größre oder geringre Verwertung des zinstragenden Kapitals ist
daher auch nur meßbar durch Vergleichung des Zinsbetrags, des ihm
zufallenden Teils des Gesamtprofits, mit dem Wert des vorgeschoß-
nen Kapitals. Wenn daher der Preis den Wert der Ware, so drückt
der Zins die Verwertung des Geldkapitals aus und erscheint daher
als der Preis, der dem Verleiher für dasselbe gezahlt wird. Es
ergibt sich hieraus, wie abgeschmackt es von vornherein ist, die
einfachen Verhältnisse des durch Geld vermittelten Austausches,
von Kauf und Verkauf, hierauf direkt anwenden zu wollen, wie
Proudhon tut. Die Grundvoraussetzung ist eben, daß Geld als Kapi-
tal fungiert und daher als Kapital an sich, als potentielles Ka-
pital einer dritten Person Übermacht werden kann.
Als Ware aber erscheint das Kapital selbst hier, soweit es auf
dem Markt ausgeboten und wirklich der Gebrauchswert des Geldes
als Kapital veräußert wird. Sein Gebrauchswert aber ist: Profit
zu erzeugen. Der Wert des Geldes oder der Waren als Kapital ist
nicht bestimmt durch ihren Wert als Geld oder Waren, sondern
durch das Quantum Mehrwert, das sie für ihren Besitzer produzie-
ren. Das Produkt des Kapitals ist der Profit. Auf
---
60) "Der Doppelsinn des Ausdrucks Wert des Geldes oder des Zirku-
lationsmittels, wenn er unterschiedslos angewandt wird, um sowohl
Tauschwert der Waren wie auch Gebrauchswert des Kapitals zu be-
zeichnen, ist eine ständige Quelle der Konfusion." (Tooke,. In-
quiry into the Currency Principle", p. 77.) - Die Hauptkonfusion
(die in der Sache selbst liegt), daß Wert als solcher (der Zins)
zum Gebrauchswert des Kapitals wird, sieht Tooke nicht.
#368# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
-----
Grundlage der kapitalistischen Produktion ist es nur verschiedne
Anwendung des Geldes, ob es als Geld verausgabt oder als Kapital
vorgeschossen wird. Geld, resp. Ware, ist an sich, potentiell Ka-
pital, ganz wie die Arbeitskraft potentiell Kapital ist. Denn 1.
kann das Geld in die Produktionselemente verwandelt werden und
ist, wie es ist, bloß abstrakter Ausdruck derselben, ihr Dasein
als Wert; 2. besitzen die stofflichen Elemente des Reichtums die
Eigenschaft, potentiell schon Kapital zu sein, weil ihr sie er-
gänzender Gegensatz, das, was sie zu Kapital macht - die Lohnar-
beit -, auf Basis der kapitalistischen Produktion vorhanden ist.
Die gegensätzliche gesellschaftliche Bestimmtheit des stofflichen
Reichtums - sein Gegensatz zur Arbeit als Lohnarbeit - ist, ge-
trennt vom Produktionsprozeß, schon im Kapitaleigentum als sol-
chem ausgedrückt. Dies eine Moment nun, getrennt vom kapitalisti-
schen Produktionsprozeß selbst, dessen stetes Resultat es ist und
als dessen stetes Resultat es seine stete Voraussetzung ist,
drückt sich darin aus, daß Geld, und ebenso Ware, an sich, la-
tent, potentiell, Kapital sind, daß sie als Kapital verkauft wer-
den können und daß sie in dieser Form Kommando über fremde Arbeit
sind, Anspruch auf Aneignung fremder Arbeit geben, daher sich
verwertender Wert sind. Es tritt hier auch klar hervor, daß dies
Verhältnis der Titel und das Mittel zur Aneignung fremder Arbeit
ist und nicht irgendeine Arbeit als Gegenwert von Seite des Kapi-
talisten.
Als Ware erscheint das Kapital ferner, soweit die Teilung des
Profits in Zins und eigentlichen Profit durch Nachfrage und Ange-
bot, also durch die Konkurrenz, reguliert wird, ganz wie die
Marktpreise der Waren. Der Unterschied tritt hier aber ebenso
schlagend hervor wie die Analogie. Decken sich Nachfrage und An-
gebot, so entspricht der Marktpreis der Ware ihrem Produktions-
preis, d.h. ihr Preis erscheint dann geregelt durch die innern
Gesetze der kapitalistischen Produktion, unabhängig von der Kon-
kurrenz, da die Schwankungen von Nachfrage und Angebot nichts er-
klären als die Abweichungen der Marktpreise von den Produktions-
preisen Abweichungen, die sich wechselseitig ausgleichen, so daß
in gewissen längem Perioden die Durchschnittsmarktpreise gleich
den Produktionspreisen sind. Sobald sie sich decken, hören diese
Kräfte auf zu wirken, heben einander auf, und das allgemeine Ge-
setz der Preisbestimmung tritt dann auch als Gesetz des einzelnen
Falls hervor; der Marktpreis entspricht dann schon in seinem un-
mittelbaren Dasein, und nicht nur als Durchschnitt der Bewegung
der Marktpreise, dem Produktionspreis, der durch die immanenten
Gesetze der Produktionsweise selbst geregelt ist. Ebens( beim Ar-
beitslohn. Decken sich Nachfrage und Angebot, so hebt sich ihre
#369# 21. Kapitel - Das zinstragende Kapital
-----
Wirkung auf, und der Arbeitslohn ist gleich dem Wert der Arbeits-
kraft. Anders aber mit dem Zins vom Geldkapital. Die Konkurrenz
bestimmt hier nicht die Abweichungen vom Gesetz, sondern es exi-
stiert kein Gesetz der Teilung außer dem von der Konkurrenz dik-
tierten, weil, wie wir noch weiter sehn werden, keine natürliche
Rate des Zinsfußes existiert. Unter der natürlichen Rate des
Zinsfußes versteht man vielmehr die durch die freie Konkurrenz
festgesetzte Rate. Es gibt keine natürlichen Grenzen der Rate des
Zinsfußes. Wo die Konkurrenz nicht nur die Abweichungen und
Schwankungen bestimmt, wo also beim Gleichgewicht ihrer gegenein-
ander wirkenden Kräfte überhaupt alle Bestimmung aufhört, ist das
zu Bestimmende etwas an und für sich Gesetzloses und Willkürli-
ches. Weiteres hierüber im nächsten Kapitel.
Beim zinstragenden Kapital erscheint alles äußerlich: der Vor-
schuß des Kapitals als bloße Übertragung desselben vom Verleiher
an den Borger; der Rückfluß des realisierten Kapitals als bloße
Rückübertragung, Rückzahlung, mit Zins, vom Borger an den Verlei-
her. So auch die der kapitalistischen Produktionsweise immanente
Bestimmung, daß die Profitrate bestimmt ist nicht nur durch das
Verhältnis des in einem einzelnen Umschlag gemachten Profits zum
vorgeschoßnen Kapitalwert, sondern auch durch die Länge dieser
Umschlagszeit selbst, also als Profit, den das industrielle Kapi-
tal in bestimmten Zeiträumen abwirft. Auch dies erscheint beim
zinstragenden Kapital ganz äußerlich so, daß für bestimmte Zeit-
frist dem Verleiher bestimmter Zins gezahlt wird.
Mit seiner gewöhnlichen Einsicht in den innern Zusammenhang der
Dinge sagt der romantische Adam Müller ("Elemente der Staats-
kunst", Berlin 1809, [Th. III,] S. 138):
"Bei der Bestimmung des Preises der Dinge wird nicht nach der
Zeit gefragt; für die Bestimmung des Zinses kommt die Zeit haupt-
sächlich in Anschlag."
Er sieht nicht, wie die Produktionszeit und die Umlaufszeit in
die Bestimmung des Preises der Waren eingeht und wie gerade da-
durch die Profitrate für eine gegebne Umschlagszeit des Kapitals
bestimmt ist, durch die Bestimmung des Profits für eine gegebne
Zeit aber eben die des Zinses. Sein Tiefsinn besteht hier wie im-
mer nur darin, die Staubwolken der Oberfläche zu sehn und dies
Staubige anmaßlich als etwas Geheimisvolles und Bedeutendes aus-
zusprechen.
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