Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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#370#
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ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL
Teilung des Profits. Zinsfuß. "Natürliche" Rate des Zinsfußes
Der Gegenstand dieses Kapitels, sowie überhaupt alle später zu
behandelnden Erscheinungen des Kredits, können hier nicht im ein-
zelnen untersucht werden. Die Konkurrenz zwischen Verleihern und
Borgern und die daher resultierenden kürzern Schwankungen des
Geldmarkts fallen außerhalb des Bereichs unsrer Betrachtung. Der
Kreislauf, den die Zinsrate während des industriellen Zyklus
durchläuft, unterstellt zu seiner Darstellung die Darstellung
dieses Zyklus selbst, die ebenfalls hier nicht gegeben werden
kann. Dasselbe gilt für die größere oder geringere, annähernde
Ausgleichung des Zinsfußes auf dem Weltmarkt. Wir haben es hier
nur damit zu tun, die selbständige Gestalt des zinstragenden Ka-
pitals und die Verselbständigung des Zinses gegen den Profit zu
entwickeln.
Da der Zins bloß ein Teil des Profits ist, der nach unsrer bishe-
rigen Voraussetzung vom industriellen Kapitalisten an den Geldka-
pitalisten zu zahlen ist, so erscheint als Maximalgrenze des Zin-
ses der Profit selbst, wo der Teil, der dem fungierenden Kapita-
listen zufiele, = 0 wäre. Abgesehn von einzelnen Fällen, wo der
Zins tatsächlich größer als der Profit sein, dann aber auch nicht
aus dem Profit gezahlt werden kann, könnte man vielleicht als Ma-
ximalgrenze des Zinses betrachten den ganzen Profit minus dem
später unten zu entwickelnden Teil desselben, der in Aufsichts-
lohn (wages of superintendence) auflösbar. Die Minimalgrenze des
Zinses ist ganz und gar unbestimmbar. Er kann zu jeder beliebigen
Tiefe fallen. Indessen treten dann immer wieder gegenwirkende Um-
stände ein und heben ihn über dies relative Minimum.
"Das Verhältnis zwischen der Summe, bezahlt für den Gebrauch ei-
nes Kapitals, und diesem Kapital selbst, drückt die Rate des
Zinsfußes aus, gemessen in Geld." - "Die Zinsrate hängt ab 1. von
der Profitrate; 2. von dem Verhältnis, worin der Gesamtprofit ge-
teilt wird zwischen Verleiher und Borger." ("Economist" [53], 22.
Januar 1853.)
#371# 22. Kapitel - Teilung des Profits. Zinsfuß usw.
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"Da das, was man als Zins bezahlt, für den Gebrauch dessen, was
man borgt, ein Teil des Profits ist, den das Geborgte zu produ-
zieren fähig ist, so muß dieser Zins stets reguliert sein duch
jenen Profit." (Massie, l.c.p. 49.)
Wir wollen zuerst annehmen, es existiere ein fixes Verhältnis
zwischen dem Gesamtprofit und dem Teil desselben, der als Zins an
den Geldkapitalisten wegzuzahlen ist. Dann ist es klar, daß der
Zins steigen oder fallen wird wie der Gesamtprofit, und dieser
ist bestimmt durch die all gemeine Profitrate und ihre Schwankun-
gen. Wäre z.B. die Durchschnittsprofitrate = 20% und der Zins =
1/4 des Profits, so der Zinsfuß = 5%; wenn jene = 16%, so der
Zins = 4%. Bei einer Profitrate von 20% könnte der Zins auf 8%
steigen, und der industrielle Kapitalist würde immer noch densel-
ben Profit machen wie bei einer Profitrate = 16% und Zinsfuß =
4%, nämlich 12%. Stiege der Zins nur auf 6 oder 7%, so würde er
immer noch einen größern Teil des Profits behalten. Wäre der Zins
gleich einem konstanten Quotum des Durchschnittsprofits, so
folgte, daß je höher die allgemeine Profitrate, um so größer die
absolute Differenz zwischen dem Gesamtprofit und dem Zins, um so
größer also der Teil des Gesamtprofits, der dem fungierenden Ka-
pitalisten zufällt, und umgekehrt. Gesetzt, der Zins sei 1/5 des
Durchschnittsprofits. 1/5 von 10 ist 2; Differenz zwischen dem
Gesamtprofit und dem Zins = 8. 1/5 von 20 ist = 4; Differenz = 20
- 4 = 16; 1/5 von 25 = 5; Differenz = 25 - 5 = 20; 1/5 von 30 =
6; Differenz = 30 - 6 = 24; 1/5 von 35 = 7; Differenz = 35 - 7 =
28. Die verschiednen Zinsraten von 4, 5, 6, 7% würden hier immer
nur 1/5 oder 20% vom Gesamtprofit ausdrücken. Sind also die Pro-
fitraten verschieden, so können verschiedne Zinsraten dieselben
aliquoten Teile des Gesamtprofits oder denselben Prozentanteil am
Gesamtprofit ausdrucken. Bei solch konstantem Verhältnis des Zin-
ses wäre der industrielle Profit (die Differenz zwischen dem Ge-
samtprofit und dem Zins) um so größer, je höher die allgemeine
Profitrate, und umgekehrt.
Alle andern Umstände gleichgesetzt, d.h., das Verhältnis zwischen
Zins und Gesamtprofit als mehr oder weniger konstant angenommen,
wird der fungierende Kapitalist fähig und willig sein, höhern
oder niedern Zins zu zahlen im direkten Verhältnis zur Höhe der
Profitrate. 61) Da man gesehn, daß die Höhe der Profitrate im um-
gekehrten Verhältnis steht zur Entwicklung der kapitalistischen
Produktion, so folgt daher, daß der höhere oder niedre Zinsfuß in
einem Lande in demselben umgekehrten Verhältnis zur
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61) "Die natürliche Zinsrate wird reguliert durch die Profite der
Unternehmungen der einzelnen." (Massie, l.c.p. 51.)
#372# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Höhe der industriellen Entwicklung steht, soweit nämlich die Ver-
schiedenheit des Zinsfußes wirklich Verschiedenheit der Profitra-
ten ausdrückt. Man wird später sehn, daß dies keineswegs stets
der Fall zu sein braucht. in diesem Sinn kann man sagen, daß der
Zins reguliert wird durch den Profit, näher durch die allgemeine
Profitrate. Und diese Art seiner Regulierung gilt selbst für sei-
nen Durchschnitt.
Jedenfalls ist die Durchschnittsrate des Profits als die endgül-
tig bestimmende Maximalgrenze des Zinses zu betrachten.
Den Umstand, daß der Zins auf den Durchschnittsprofit zu beziehn,
werden wir gleich näher betrachten. Wo ein gegebnes Ganze, wie
der Profit, zwischen zweien zu teilen ist, kommt es natürlich
zunächst auf die Größe des zu teilenden Ganzen an, und diese, die
Größe des Profits, ist bestimmt durch seine Durchschnittsrate.
Die allgemeine Profitrate, also die Größe des Profits für ein Ka-
pital von gegebner Größe, sage = 100, als gegeben vorausgesetzt,
stehn die Variationen des Zinses offenbar im umgekehrten Verhält-
nis zu denen des Profitteils, der dem fungierenden, aber mit ge-
borgtem Kapital arbeitenden Kapitalisten bleibt. Und die Um-
stände, welche die Größe des zu verteilenden Profits, des Wert-
produkts unbezahlter Arbeit, bestimmen, sind sehr verschieden von
denen, die seine Verteilung unter diese beiden Sorten Kapitali-
sten bestimmen, und wirken oft nach ganz entgegengesetzten Sei-
ten. 62)
Wenn man die Umschlagszyklen betrachtet, worin sich die moderne
Industrie bewegt - Zustand der Ruhe, wachsende Belebung, Prospe-
rität, Überproduktion, Krach, Stagnation, Zustand der Ruhe etc.,
Zyklen, deren weitere Analyse außerhalb unserer Betrachtung fällt
-, so wird man finden, daß meist niedriger Stand des Zinses den
Perioden der Prosperität oder des Extraprofits entspricht, Stei-
gen des Zinses der Scheide zwischen der Prosperität und ihrem Um-
schlag, Maximum des Zinses bis zur äußersten Wucherhöhe aber der
Krisis. 63) Vom Sommer 1843 an trat entschiedne
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62) Hier findet sich folgende Bemerkung im Manuskript: "Aus dem
Gang dieses Kapitels ergibt sich, daß es doch besser ist, bevor
die Gesetze der Verteilung des Profits untersucht werden,
zunächst zu entwickeln, wie die quantitative Teilung eine quali-
tative wird. Es ist, um den rgang vom vorigen Kapitel dazu zu ma-
chen, nichts nötig, als zunächst den Zins als irgendeinen nicht
näher bestimmten Teil des Profits zu unterstellen."
63) In der ersten Periode, unmittelbar nach einer Zeit des
Drucks, ist Geld reichlich ohne Spekulation, in der zweiten Peri-
ode ist Geld reichlich und die Spekulation üppig; in der dritten
Periode beginnt die Spekulation nachzulassen und Celd ist ge-
sucht; in der vierten Periode ist Geld rar und der Druck tritt
ein." (Gilbart, l.c., I, p. 149.)
#373# 22. Kapitel - Teilung des Profits. Zinsfuß usw.
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Prosperität ein; der Zinsfuß, im Frühling 1842 noch 4 1/2 %, fiel
im Frühling und Sommer 1843 auf 2% 64); im September selbst auf 1
1/2 % (Gilbart, ["A practical treatise on banking", 5. Ausg.,
London 1849], I, p. 166); dann während der Krise 1847 stieg er
auf 8% und mehr.
Allerdings kann andrerseits niedriger Zins mit Stockung, und mä-
ßig Steigender Zins mit wachsender Belebung zusammengehn.
Der Zinsfuß erreicht seine äußerste Höhe während der Krisen, wo
geborgt werden muß, um zu zahlen, was es auch koste. Es ist dies
zugleich, da dem Steigen des Zinses ein Fallen im Preise der
Wertpapiere entspricht, eine sehr artige Gelegenheit für Leute
mit disponiblem Geldkapital, um sich zu Spottpreisen solcher
zinstragenden Papiere zu bemächtigen, die, im regelmäßigen Ver-
lauf der Dinge, mindestens ihren Durchschnittspreis wieder errei-
chen müssen, sobald der Zinsfuß wieder fällt. 65)
Es existiert aber auch eine Tendenz zum Fallen des Zinsfußes,
ganz unabhängig von den Schwankungen der Profitrate. Und zwar aus
zwei Hauptursachen:
I. "Unterstellen wir selbst, Kapital würde nie anders aufgenommen
als für produktive Anlagen, so ist es dennoch möglich, daß der
Zinsfuß wechselt ohne irgendwelchen Wechsel in der Rate des Brut-
toprofits. Denn, wie ein Volk fortschreitet in der Entwicklung
des Reichtums, entsteht und wächst immer mehr eine Klasse von
Leuten, die durch die Arbeiten ihrer Vorfahren sich im Besitz von
Fonds befinden, von deren bloßem Zins sie leben können. Viele,
auch die in der Jugend und Mannheit aktiv im Geschäft beteiligt,
ziehn sich zurück, um im Alter ruhig vom Zins der akkumulierten
Summen zu leben. Diese beiden Klassen haben eine Tendenz, mit dem
wachsenden Reichtum des Landes sich zu vermehren; denn die, die
schon mit einem mittelmäßigen Kapital anfangen, bringen es leich-
ter zu einem unabhängigen Vermögen, als die mit wenigem anfangen.
In alten und reichen Ländern macht daher der Teil des Nationpi-
tals, dessen Eigentümer ihn nicht selbst anwenden wollen,
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64) Tooke erklärt dies "durch die Akkumulation von Surpluskapi-
tal, einer notwendigen Begleiterscheinung des Mangels profitabler
Anlage in vorhergehenden Jahren, durch Inumlaufsetzen von Schät-
zen und durch die Wiederbelebung des Vertrauens auf die Entwick-
lung des Geschäfts". ("History of Prices from 1839 to 1847", Lon-
don 1848, p. 54.)
65) "Einem alten Kunden eines Bankiers wurde die Beleihung eines
Papiers in Höhe von 200 000 Pfd.St. verweigert; im Begriff wegzu-
gehen, um seine Zahlungseinstellung bekanntzumachen, wurde ihm
gesagt, daß keine Notwendigkeit zu diesem Schritt vorliege, unter
den gegebenen Umständen würde der Bankier das Wertpapier zu
150 000 Pfd.St. kaufen. - ([H. Roy,] "The Theory of the Exchan-
ges. The Bank Charter Act of 184 etc.", London 1864, p. 80.)
#374# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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ein größeres Verhältnis aus zum gesamten produktiven Kapital der
Gesellschaft als in neu angebauten und armen Ländern. Wie zahl-
reich ist nicht die Klasse der Rentier, in England! Im Verhältnis
wie die Klasse der Rentiers wächst, wächst auch die der Kapital-
verleiher, denn sie sind beides dieselben." (Ramsay. "Essay on
the Distribution of Wealth", p. 201, 202.)
II. Die Entwicklung des Kreditsystems und die damit beständig
wachsende, durch die Bankiers vermittelte, Verfügung der Indu-
striellen und Kaufleute über alle Geldersparnisse aller Klassen
der Gesellschaft und die fortschreitende Konzentration dieser Er-
sparnisse zu den Massen, worin sie als Geldkapital wirken können,
muß ebenfalls auf den Zinsfuß drücken. Mehr hierüber später.
Mit Bezug auf Bestimmung der Zinsrate sagt Ramsay, daß sie
"abhängt zum Teil von der Rate des Bruttoprofits, zum Teil von
der Proportion, worin dieser geteilt wird in Zins und Unterneh-
mergewinn (Profits of enterprise). Diese Proportion hängt ab von
der Konkurrenz zwischen Verleihern und Borgern von Kapital, diese
Konkurrenz wird beeinflußt, aber nicht ausschließlich reguliert
durch die voraussichtliche Rate des Bruttoprofits. 66) Die Kon-
kurrenz wird nicht ausschließlich hierdurch reguliert, weil auf
der einen Seite viele borgen, ohne irgendwelche Absicht produkti-
ver Anlage, und weil andterseits die Größe des gesamten leihbaren
Kapitals wechselt mit dem Reichtum des Landes, unabhängig von ir-
gendwelchem Wechsel im Bruttoprofit." (Ramsay, l.c.p. 206, 207.)
Um die Durchschnittsrate des Zinses zu finden, ist 1. der Durch-
schnitt des Zinsfußes während seiner Variationen in den großen
industriellen Zyklen zu berechnen; 2. der Zinsfuß in solchen An-
lagen,wo Kapital für längere Zeit ausgeliehen wird.
Die in einem Lande herrschende Durchschnittstate des Zinses - im
Unterschied von den beständig schwankenden Marktraten - ist
durchaus durch kein Gesetz bestimmbar. Es gibt in dieser Art
keine natürliche Rate des Zinses in dem Sinn, wie die Ökonomen
von einer natürlichen Profitrate und einer natürlichen Rate des
Arbeitslohns sprechen. Schon Massie bemerkt hier mit vollem Recht
(p. 49):
"The only thing which any man can be in deubt about on this occa-
sion, is, what proportion of these profits do of right belong to
the borrower, and what to the lender;
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66) Da der Zinsfuß im ganzen bestimmt ist durch die Durch-
schnittsprofitrate, kann sehr oft außerordentlicher Schwindel mit
niedrigem Zinsfuß verbunden sein. Z.B. beim Eisenbahnschwindel im
Sommer 1844. Der Zinsfuß der Bank von England wurde erst auf 3%
erhöht 16. Oktober 1844.
#375# 22. Kapitel - Teilung des Profits. Zinsfuß usw.
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and this there is no other method of determining than by the opi-
nions of borrowers and lenders in general; for right and wrong,
in this respect, are only what common consent rnakes so." 1*)
Das Decken der Nachfrage und Zufuhr - die Durchschnittsprofitrate
als gegeben vorausgesetzt - heißt hier durchaus nichts. Wo sonst
zu dieser Formel Zuflucht genommen wird (und dies ist dann auch
praktisch richtig), dient sie als eine Formel, um die von der
Konkurrenz unabhängige und vielmehr sie bestimmende Grundregel
(die regulierenden Grenzen oder die begrenzenden Größen) zu fin-
den; namentlich als eine Formel für die in der Praxis der Konkur-
renz, in ihren Erscheinungen und den daraus sich entwickelnden
Vorstellungen Befangnen, um zu einer, wenn auch selbst wieder
oberflächlichen Vorstellung eines innerhalb der Konkurrenz sich
darstellenden innern Zusammenhangs der ökonomischen Verhältnisse
zu gelangen. Es ist eine Methode, um von den die Konkurrenz be-
gleitenden Variationen zu den Grenzen dieser Variationen zu kom-
men. Dies ist nicht der Fall bei dem Durchschnittszinsfuß. Es ist
durchaus kein Grund vorhanden, warum die mittleren Konkurrenzver-
hältnisse, das Gleichgewicht zwischen Ausleiher und Anleiher, dem
Ausleiher einen Zinsfuß von 3, 4, 5%, etc. auf sein Kapital oder
aber einen bestimmten Prozentanteil, 20% oder 50% vom Bruttopro-
fit, geben sollten. Wo hier die Konkurrenz als solche entschei-
det, ist die Bestimmung an und für sich zufällig, rein empirisch,
und nur Pedanterie oder Phantasterei kann diese Zufälligkeit als
etwas Notwendiges entwickeln wollen. 67) Nichts ist amüsanter in
den Parlaments-
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67) So macht z.B. J. G. Opdyke: "A Treatise on Pol. Econ.", New
York 1851, einen höchst mißlungenen Versuch, die Allgemeinheit
des Zinsfußes von 5% aus ewigen Gesetzen zu erklären. Ungleich
naiver Herr Karl Arnd in: "Die naturgemäße Volkswirthschaft ge-
genüber dem Monopoliengeist und dem Kommunismus etc.", Hanau
1845. Hier steht zu lesen: "In dem natürlichen Gange der Güterer-
zeugung gibt es nur eine Erscheinung, welche - in ganz angebauten
Ländern - den Zinsfuß einigermaßen zu regulieren bestimmt
scheint; es ist dies das Verhältnis, in welchem die Holzmassen
der europäischen Wälder durch ihren jährlichen Nachwuchs zuneh-
men. Dieser folgt, ganz unabhängig von ihrem Tauschwert" (wie ko-
misch von den Nachwuchs Bäumen, ihren Nachwuchs unabhängig von
ihrem Tauschwert einzurichten!) "in dem Verhältnisse 3 bis 4 zu
100. Hernach wäre also" (da der Nachwuchs der Bäume nämlich
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1*) Das einzige, worüber hier jemand im Zweifel sein kann, ist,
welcher Anteil an diesem Profit von Rechts wegen dem Borger und
welcher dem Verleiher zukommt; und es gibt keine andere Methode,
dies zu bestimmen, als durch die Meinungen der ärger und Verlei-
her im allgemeinen; denn Recht oder Unrecht ist in dieser Hin-
sicht nur, was die allgeeinem Zustimmung dazu macht."
#376# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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berichten von 1857 und 1858 über die Bankgesetzgebung und die
Handelskrise, als Direktoren der Bank von England, Londoner Ban-
kiers, Provinzial-Bankiers und professionelle Theoretiker hin und
her schwatzen zu hören über die "real rate produced" 1*), ohne
daß sie es je weiter brächten als zu Gemeinplätzen, wie z.B., daß
der Preis, der von verleihbarern Kapital bezahlt wird, mit dem
Angebot dieses Kapitals wechseln dürfte", daß hohe Zinsrate und
niedrige Profitrate auf die Dauer nicht nebeneinander bestehn
können und andre solche Plattheiten. 68) Gewohnheit, gesetzliche
Tradition etc. haben ebensosehr, wie die Konkurrenz selbst, zu
tun mit der Bestimmung des mittlern Zinsfußes, soweit dieser
nicht nur als Durchschnittszahl, sondern als faktische Größe exi-
stiert. Ein mittlerer Zinsfuß muß schon in vielen Rechtsstreitig-
keiten, wo Zinsen zu berechnen, als legal angenommen werden.
Fragt man nun weiter, warum die Grenzen des mittlern Zinsfußes
nicht aus allgemeinen Gesetzen abzuleiten sind, so liegt die Ant-
wort einfach in der Natur des Zinses. Er ist bloß ein Teil des
Durchschnittsprofits. Dasselbe Kapital erscheint in doppelter Be-
stimmung, als leihbares Kapital in der Hand des Verleihers, als
industrielles oder kommerzielles Kapital in den Händen des fun-
gierenden Kapitalisten. Aber es fungiert nur einmal und produ-
ziert selbst den Profit nur einmal. Im Produktionsprozeß selbst
spielt der Charakter des Kapitals als verleihbares keine Rolle.
Wie sich die beiden Personen darin teilen, die Ansprüche auf die-
sen Profit haben, ist an und für sich eine ebenso rein empiri-
sche, dem Reich des Zufälligen angehörige Tatsache wie die Tei-
lung der Prozentanteile des gemeinschaftlichen Profits eines Kom-
paniegeschäfts unter die verschiednen Teilhaber. Bei der Teilung
zwischen Mehrwert und Arbeitslohn,
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von ihrem Tauschwert ganz unabhängig ist, sosehr ihr Tauschwert
von ihrem Nachwuchs abhängen mag) "ein Herabsinken unter den
Stand, welchen er" (der Zinsfuß) "gegenwärtig in den reichsten
Ländern hat, nicht zu erwarten." (p. 124, 125.) - Dies verdient,
der "waldursprüngliche Zinsfuß" genannt zu werden, und sein Ent-
decker macht sich im selben Werk noch weiter um "unsere Wissen-
schaft" verdient als "Philosoph der Hundesteuer" [p. 420, 421.]
68) Die Bank von England erhöht und senkt die Rate ihres Diskon-
tos, obgleich natürlich immer mit Berücksichtigung der im offnen
Markt herrschenden Rate, nach dem Zufluß und Abfluß des Goldes.
Dadurch ist das Spekulieren im Wechseldiskont durch Vorwegnahme
der Veränderungen der Bankrate jetzt zum halben Geschäft der
großen Häupter des Geldzentrums geworden" - d.h. des Londoner
GeIdmarkts. ([H. Roy,] "The Theory of the Exchanges etc.", p.
113.)
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1*) "tatsächlich hervorgebrachte Zinsrate"
#377# 22. Kapitel - Teilung des Profits. Zinsfuß usw.
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worauf die Bestimmung der Profitrate wesentlich beruht, wirken
zwei ganz verschiedne Elemente, Arbeitskraft und Kapital, bestim-
mend ein; es sind Funktionen zweier unabhängigen Variablen, die
sich gegenseitig Grenzen setzen; und aus ihrem
q u a l i t a t i v e n U n t e r s c h i e d geht die
q u a n t i t a t i v e T e i l u n g des produzierten Werts
hervor. Man wird später sehn, daß dasselbe stattfindet bei der
Teilung des Mehrwerts zwischen Rente und Profit. Bei dem Zins
findet nichts Derartiges statt. Hier geht die
q u a l i t a t i v e U n t e r s c h e i d u n g, wie wir
gleich sehn werden, umgekehrt aus der rein
q u a n t i t a t i v e n T e i l u n g desselben Stücks des
Mehrwerts hervor.
Aus dem bisher Entwickelten ergibt sich, daß es keine
"natürliche" Zinsrate gibt. Wenn aber auf der einen Seite im Ge-
gensatz zur allgemeinen Profitrate der mittlere Zinsfuß oder die
Durchschnittsrate des Zinses, im Unterschied von den beständig
schwankenden Marktraten des Zinses, in seinen Grenzen durch kein
allgemeines Gesetz feststellbar ist, weil es sich nur um Teilung
des Bruttoprofits zwischen zwei Besitzern des Kapitals, unter
verschiednen Titeln, handelt, erscheint umgekehrt der Zinsfuß,
sei es der mittlere, sei es die jedesmalige Marktrate, ganz an-
ders als eine gleichmäßige, bestimmte und handgreifliche Größe
als dies bei der allgemeinen Profitrate der Fall ist. 69)
Der Zinsfuß verhält sich zur Profitrate ähnlich wie der Markt-
preis der Ware zu ihrem Wert. Soweit der Zinsfuß durch die Pro-
fitrate bestimmt ist, ist es stets durch die allgemeine Pro-
fitrate, nicht durch die spezifischen Profitraten, die in beson-
dern Industriezweigen herrschen mögen, und noch weniger durch den
Extraprofit, den der einzelne Kapitalist in einer besondren Ge-
schäftssphäre machen mag." 70) Die allgemeine Profitrate er
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69) "Der Preis der Waren schwankt beständig; sie sind alle für
verschiedne Arten von Gebrauch bestimmt, das Geld dient für jeden
Zweck. Die Waren, selbst derselben Art, unterscheiden sich nach
der Güte, das bare Geld ist immer vom selben Wert oder soll es
doch sein. Daher kommt es, daß der Preis des Geldes, den wir mit
dem Wort Zins bezeichnen, eine größre Festigkeit und Gleichmäßig-
keit besitzt als der jeder andern Sache." (J. Steuart,
"Principles of Pol. Econ.", Franz. Übers., 1789, IV, p. 27.)
70) "Diese Regel der Teilung des Profits ist jedoch nicht anzu-
wenden auf jeden Verleiher und Borger im einzelnen, sondern auf
Verleiher und Borger im allgemeinen... Bemerkenswert große oder
kleine Gewinne sind das Entgelt der Geschicklichkeit oder des
Mangels an Ceschäftskenntnis, womit die Verleiher überhaupt
nichts zu tun haben; denn da sie durch diesen nicht Schaden lei-
den, brauchen sie aus jener nicht Vorteil zu ziehen. Was von ein-
zelnen Leuten in demselben Geschäft gesagt, ist auch auf ver-
schiedene Arten des Geschäfts anwendbar; weryn die in irgendeinem
Geschäftszweig tätigen Kaufleute und Gewerbetreibenden durch das
von ihnen geborgte Geld
#378# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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scheint daher in der Tat als empirisches, gegebnes Faktum wieder
in der Durchschnittszinsrate, obgleich die letztre kein reiner
oder zuverlässiger Ausdruck der erstern.
Es ist zwar richtig, daß die Zinsrate selbst, je nach den Klassen
der von den Borgern gegebnen Sicherheiten und nach der Zeitdauer
der Anleihe beständig verschieden ist; aber für jede dieser Klas-
sen ist sie in einern gegebnen Moment uniform. Dieser Unterschied
beeinträchtigt also nicht die fixe und uniforme Gestalt des Zins-
fußes. 71)
Der mittlere Zinsfuß erscheint in jedem Lande für längre Epochen
als konstante Größe, weil die allgemeine Profitrate - trotz des
beständigen Wechsels der besondren Profittaten, wo aber der Wech-
sel in einer Sphäre durch entgegengesetzten in der andern sich
ausgleicht - nur in längern Epochen wechselt. Und ihre relative
Konstanz erscheint eben in diesem mehr oder minder konstanten
Charakter des mittlern Zinsfußes (average rate or common rate of
interest).
Was aber die beständig fluktuierende Marktrate des Zinses be-
trifft, so ist sie in jedem Moment als fixe Größe gegeben, wie
der Marktpreis der Waren, weil auf dem Geldmarkt beständig alles
leihbare Kapital als
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mehr verdienen als den gewöhnlichen Profit, der von anderen Kauf-
leuten und Gewerbetreibenden desselben Undes gemacht wird, so ge-
hört der Extragewinn ihnen, obwohl nur gewöhnliche Geschicklich-
keit und Geschäftskenntnis nötig war, um ihn zu machen; und er
gehört nicht dem Verleiher, der sie mit Geld versorgt hat... denn
die Verleiher würden ihr Geld zum Betreiben irgendeines Ge-
schäftszweigs nicht zu Bedingungen verliehen haben, die eine Zah-
lung unter der allgemeinen Zinsrate zulassen; daher aber brauchen
sie auch nicht mehr als diese zu erhalten, welcher Vorteil immer
aus ihrem Geld gezogen wurde." (Massie, l.c. p. 50, 51.)
71) Bankrate 5 Prozent
Marktrate, 60-Tage-Wechsel 3 5/8 Prozent
dito, 3-Monats-Wechsel 3 1/2 Prozent
dito, 6-Monats-Wechsel 3 5/16 Prozent
Darlehen an Wechselmakler, täglich kündbar 1-2 Prozent
dito, für eine Woche 3 Prozent
Letzte Rate für 14 Tage, Darlehen an
Effektenmakler 4 3/4 - 5 Prozent
Depositenzinsen (Banken) 3 1/2 Prozent
dito, (Diskonthäuser) 3 - 3 1/4 Prozent
Wie groß dieser Unterschied an einem und demselben Tage sein
kann, beweist obige Aufstellung der Zinsrate des Londoner Geld-
markts am 9. Dez. 1889, aus dem City-Artikel der "Daily News"
[54] vom 10. Dez. Das Minimum ist 1%, das Maximum 5%. [F. E.]
#379# 22. Kapitel - Teilung des Profits. Zinsfuß usw.
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Gesamtmasse dem fungierenden Kapital gegenübersteht, also das
Verhältnis des Angebots von leihbarern Kapital auf der einen
Seite, die Nachfrage darnach auf der andern den jedesmaligen
Marktstand des Zinses entscheidet. Dies ist um so mehr der Fall,
je mehr die Entwicklung und damit verbundne Konzentration des
Kreditwesens dem leihbaren Kapital einen allgemein gesellschaft-
lichen Charakter gibt und es auf einmal, gleichzeitig, auf den
Geldmarkt wirft. Dagegen existiert die allgemeine Profitrate be-
ständig nur als Tendenz, als Bewegung der Ausgleichung der beson-
dren Profitraten. Die Konkurrenz der Kapitalisten - die selbst
diese Bewegung der Ausgleichung ist - besteht hier darin, daß sie
den Sphären, wo dier Profit auf längre Zeit unter dem Durch-
schnitt, allmählich Kapital entziehn und den Sphären, wo er dar-
über, ebenso allmählich Kapital zuführen; oder auch, daß sich Zu-
satzkapital nach und nach in verschiednen Proportionen zwischen
diese Sphären verteilt. Es ist beständige Variation der Zufuhr
und der Entziehung von Kapital, diesen verschiednen Sphären ge-
genüber, nie gleichzeitige Massenwirkung wie bei der Bestimmung
des Zinsfußes.
Man hat gesehn, daß, obgleich eine von der Ware absolut ver-
schiedne Kategorie, das zinstragende Kapital, zur Ware sui gene-
ris und deshalb der Zins sein Preis wird, der, wie bei der ge-
wöhnlichen Ware ihr Marktpreis, jedesmal durch Nachfrage und An-
gebot fixiert wird. Die Marktrate des Zinses, obgleich beständig
schwankend, erscheint daher in jedem gegebnen Moment ebenso be-
ständig fixiert und uniform wie der jedesmalige Marktpreis der
Ware. Die Geldkapitalisten führen diese Ware zu, und die fungie-
renden Kapitalisten kaufen sie, bilden die Nachfrage dafür. Dies
findet bei der Ausgleichung zur allgemeinen Profitrate nicht
statt. Stehn die Preise der Waren in einer Sphäre unter oder über
dem Produktionspreis (wobei von den, jedem Geschäft eignen und
mit den verschiednen Phasen des industriellen Zyklus zusammenhän-
genden Schwankungen abgesehn wird), so findet Ausgleichung statt
durch Erweiterung oder Einengung der Produktion, d.h. Ausdehnung
oder Verkürzung der von den industriellen Kapitalen auf den Markt
geworfenen Warenmassen, vermittelt durch Einoder Auswanderung von
Kapital mit Bezug auf die besondren ProduktionsSphären. Durch die
so herbeigeführte Ausgleichung der durchschnittlichen Marktpreise
der Waren zu Produktionspreisen ist es, daß die Abweichungen der
besondren Profitraten von der allgemeinen oder Durchschnittspro-
fitrate korrigiert werden. Dieser Prozeß erscheint nie so und
kann nie so erscheinen, daß das industrielle oder merkantile Ka-
pital a l s s o l c h e s Ware gegenüber einem Käufer ist, wie
das zinstragende Kapital. Soweit er erscheint, erscheint er nur
in den Schwankungen und Ausgleichungen der
#380# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Marktpreise der Waren zu Produktionspreisen; nicht als direkte
Festsetzung des Durchschnittsprofits. Die allgemeine Profitrate
ist in der Tat bestimmt 1. durch den Mehrwert, den das Gesamtka-
pital produziert, 2. durch das Verhältnis dieses Mehrwerts zum
Wert des Gesamtkapitals, und 3. durch die Konkurrenz, aber nur
soweit, als diese die Bewegung ist, wodurch die in besondren Pro-
duktionssphären angelegten Kapitale gleiche Dividenden aus diesem
Mehrwert, im Verhältnis zu ihren relativen Größen zu ziehn su-
chen. Die allgemeine Profitrate schöpft also in der Tat ihre Be-
stimmung aus ganz andren und viel komplizierteren Gründen, als
die durch das Verhältnis von Nachfrage und Angebot direkt und un-
mittelbar bestimmte Marktrate des Zinses, und ist daher kein
handgreifliches und gegebnes Faktum in der Art, wie es der Zins-
fuß ist. Die besondren Profitraten in den verschiednen Produkti-
onssphären sind selbst mehr oder minder unsicher; aber soweit sie
erscheinen, ist es nicht ihre Uniformität, sondern ihre Verschie-
denheit, die erscheint. Die allgemeine Profitrate selbst aber er-
scheint nur als Minimalgrenze des Profits, nicht als empirische,
direkt sichtbare Gestalt der wirklichen Profitrate.
Indem wir diesen Unterschied zwischen der Zinsrate und der Pro-
fitrate hervorheben, sehn wir selbst ab von folgenden beiden, die
Konsolldation des Zinsfußes begünstigenden Umständen: 1. der hi-
storischen Präexistenz des zinstragenden Kapitals und der Exi-
stenz eines traditionell überlieferten allgemeinen Zinsfußes; 2.
dem viel größern unmittelbaren Einfluß, den der Weltmarkt, unab-
hängig von den Produktionsbedingungen eines Landes, auf die Fest-
stellung des Zinsfußes ausübt, verglichen mit seinem Einfluß auf
die Profitrate.
Der Durchschnittsprofit erscheint nicht als unmittelbar gegebne
Tatsache, sondern als erst durch die Untersuchung festzustellen-
des Endresultat der Ausgleichung entgegengesetzter Schwankungen.
Anders mit dem Zinsfuß. Er ist in seiner, wenigstens lokalen,
Allgemeingültigkeit ein täglich fixiertes Faktum, ein Faktum, das
dem industriellen und merkantilen Kapital sogar als Voraussetzung
und Posten in der Kalkulation bei seinen Operationen dient. Es
wird ein allgemeines Vermögen jeder Geldsumme von 100 Pfd.St., 2,
3, 4, 5% abzuwerfen. Meteorologische Berichte zeichnen nicht ge-
nauer den Stand von Barometer und Thermometer auf, als Börsenbe-
richte den Stand des Zinsfußes, nicht für dieses oder jenes Kapi-
tal, sondern für das auf dem Geldmarkt befindliche, d.h. über-
haupt verleihbare Kapital.
Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber.
Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des
Kapitals,
#381# 22. Kapitel - Teilung des Profits. Zinsfuß usw.
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je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulati-
onssphären, sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der un-
terschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen
Werts, des Geldes. Die Konkurrenz der gleichen besondren Sphären
hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und
das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch
gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung
ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und
Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als a n
s i c h g e m e i n s a m e s K a p i t a l der Klasse, tritt
es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot
von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem
Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element,
gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die ver-
schiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach
den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt
hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital
mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom ein-
zelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder
jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern
als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders
als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesell-
schaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß
sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapi-
tal die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot
angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.
Dies sind einige der Gründe, warum die allgemeine Profitrate als
ein verschwimmendes Nebelbild erscheint neben dem bestimmten
Zinsfuß, der zwar seiner Größe nach schwankt, aber dadurch, daß
er gleichmäßig für alle Borger schwankt, ihnen stets als fixer,
gegebner gegenübertritt. Ganz wie die Wertwechsel des Geldes es
nicht hindern, allen Waren gegenüber gleichen Wert zu haben. Ganz
wie die Marktpreise der Waren täglich schwanken, was sie nicht
hindert, täglich in den Berichten notiert zu werden. Ganz so der
Zinsfuß, der ebenso regelmäßig als Preis des Geldes notiert wird.
Es ist, weil hier das Kapital selbst in Geldform als Ware angebo-
ten wird; die Fixation seines Preises daher Fixierung seines
Marktpreises wie bei allen andern Waren ist; der Zinsfuß sich da-
her stets als allgemeiner Zinsfuß, als so viel für so viel Geld,
als quantitativ bestimmt darstellt. Die Profitrate dagegen kann
selbst innerhalb derselben Sphäre, bei gleichen Marktpreisen der
Ware, verschieden sein, je nach den verschied. nen Bedingungen,
worin die einzelnen Kapitale dieselbe Ware produzieren; denn die
Profitrate für das Einzelkapital wird bestimmt nicht durch den
Marktpreis der Ware, sondern durch die Differenz zwischen Markt-
preis
#382# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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und Kostpreis. Und diese verschiednen Profitraten, erst innerhalb
derselben Sphäre und dann zwischen den verschiednen Sphären
selbst, können sich nur durch beständige Schwankungen ausglei-
chen.
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(Notiz für spätere Ausarbeitung.) Eine besondre Form des Kredits:
Man weiß, daß, wenn das Geld als Zahlungsmittel statt als Kauf-
mittel fungiert, die Ware veräußert, aber ihr Wert erst später
realisiert wird. Findet die Zahlung erst statt, nachdem die Ware
wieder verkauft ist, so erscheint dieser Verkauf nicht als Folge
des Kaufs, sondern es ist durch den Verkauf, daß der Kauf reali-
siert wird. Oder der Verkauf wird ein Mittel des Kaufens. - Zwei-
tens: Schuldtitel, Wechsel etc., werden Zahlungsmittel für den
Gläubiger. - Drittens: die Kompensation der Schuldtitel ersetzt
das Geld.
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