Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL
       Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses in der Form des zinstra-
       genden Kapitals
       
       Im zinstragenden Kapital erreicht das Kapitalverhältnis seine äu-
       ßerlichste und  fetischartigste Form.  Wir haben hier G-G', Geld,
       das mehr  Geld erzeugt,  sich selbst  verwertenden Wert, ohne den
       Prozeß, der  die beiden  Extreme vermittelt. Im Kaufmannskapital,
       G-W-G', ist  wenigstens die  allgemeine Form der kapitalistischen
       Bewegung vorhanden,  obgleich sie  sich nur  in der Zirkulations-
       sphäte hält,  der Profit  daher als bloßer Veräußerungsprofit er-
       scheint; aber  immerhin stellt  er sich dar als ein Produkt eines
       gesellschaftlichen Verhältnisses,  nicht als Produkt eines bloßen
       Dings. Die  Form des  Kaufmannskapitals stellt  immer noch  einen
       Prozeß dar,  die Einheit entgegengesetzter Phasen, eine Bewegung,
       die in  zwei entgegengesetzte Vorgänge zerfällt, in Kauf und Ver-
       kauf von  Waren. Dies ist ausgelöscht in G-G', der Form des zins-
       tragenden Kapitals. Wenn z. B. 1000 Pfd.St. vom Kapitalisten aus-
       geliehen werden, und der Zinsfuß ist 5%, so ist der Wert von 1000
       Pfd.St. als Kapital für 1 Jahr = C + Cz', wo C das Kapital und z'
       der Zinsfuß,  also hier  5% =  5/100 = 1/20, 1000 + 1000 x 1/20 =
       1050 Pfd.St.  Der Wert  von 1000  Pfd.St. als  Kapital  ist  1050
       Pfd.St., d.h.  das Kapital  ist keine einfache Größe. Es ist Grö-
       ßenverhältnis, Verhältnis  als Hauptsumme,  als gegebner Wert, zu
       sich selbst als sich verwertendem Wert, als Hauptsumme, die einen
       Mehrwert produziert  hat. Und wie man gesehn, stellt sich das Ka-
       pital als  solches dar,  als dieser  unmittelbar sich verwertende
       Wert, für  alle aktiven  Kapitalisten, ob sie mit eignem oder ge-
       borgtem Kapital fungieren.
       G-G': Wir  haben hier  den ursprünglichen Ausgangspunkt des Kapi-
       tals, das  Geld in der Formel G-W-G' reduziert auf die beiden Ex-
       treme G-G',  wo G '= G + delta G, Geld, das mehr Geld schafft. Es
       ist die ursprüngliche und allgemeine Formel des Kapitals, auf ein
       sinnloses Resumé  zusammengezogen. Es  ist das  fertige  Kapital,
       Einheit von Produktionsprozeß
       
       #405# 24. Kapitel - Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses usw.
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       und und  Zirkulationsprozeß, und  daher in bestimmter Zeitperiode
       bestimmten Mehrwert  abwerfend. In der Form des zinstragenden Ka-
       pitals erscheint  dies unmittelbar,  unvermittelt durch Produkti-
       onsprozeß und  zirkulationsprozeß. Das  Kapital erscheint als my-
       steriöse und selbstschöpferische Quelle des Zinses, seiner eignen
       Vermehrung. Das  Ding (Geld,  Ware, Wert) ist nun als bloßes Ding
       schon Kapital, und das Kapital erscheint als bloßes Ding; das Re-
       sultat des  gesamten Reproduktionsprozesses  erscheint als  eine,
       einem Ding von selbst zukommende Eigenschaft; es hängt ab von dem
       Besitzer des  Geldes, d.h. der Ware in ihrer stets austauschbaren
       Form, ob  er es  als Geld  verausgaben oder als Kapital vermieten
       will. Im  Zinstragenden Kapital ist daher dieser automatische Fe-
       tisch rein  herausgearbeitet, der  sich selbst  verwertende Wert,
       Geld hackendes  Geld, und  trägt es  in dieser  Form keine Narben
       seiner Entstehung  mehr.  Das  gesellschaftliche  Verhältnis  ist
       vollendet als Verhältnis eines Dings, des Geldes, zu sich selbst.
       Statt der  wirklichen Verwandlung  von Geld in Kapital zeigt sich
       hier nur  ihre inhaltlose Form. Wie bei der Arbeitskraft wird der
       Gebrauchswert des  Geldes hier  der, Wert  zu  schaffen,  größren
       Wert, als  der in  ihm selbst enthalten ist. Das Geld als solches
       ist bereits  potentiell sich  verwertender Wert und wird als sol-
       cher verliehen, was die Form des Verkaufens für diese eigentümli-
       che Ware  ist. Es  wird ganz  so Eigenschaft  des Geldes, Wert zu
       schaffen, Zins  abzuwerfen, wie  die eines  Birnbaums, Birnen  zu
       tragen. Und  als solches zinstragendes Ding verkauft der Geldver-
       leiher sein Geld. Damit nicht genug. Das wirklich fungierende Ka-
       pital, wie  gesehn, stellt  sich selbst  so dar,  daß es den Zins
       nicht als  fungierendes Kapital, sondern als Kapital an sich, als
       Geldkapital abwirft.
       Es verdreht  sich auch  dies: Während  der Zins  nur ein Teil des
       Profits ist,  d.h. des  Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist
       dem Arbeiter auspreßt, erscheint jetzt umgekehrt der Zins als die
       eigentliche Frucht  des Kapitals,  als das ursprüngliche, und der
       Profit, nun  in die  Form des  Unternehmergewinns verwandelt, als
       bloßes im  Reproduktionsprozeß hinzukommendes Accessorium und Zu-
       tat. Hier ist die Fetischgestalt des Kapitals und die Vorstellung
       vom Kapitalfetisch  fertig. In  G-G' haben  wir die  begriffslose
       Form des  Kapitals, die Verkehrung und Versachlichung der Produk-
       tionsverhältnisse in  der höchsten  Potenz: zinstragende Gestalt,
       die einfache  Gestalt des Kapitals, worin es seinem eignen Repro-
       duktionsprozeß vorausgesetzt ist; Fähigkeit des Geldes, resp. der
       Ware, ihren  eignen Wert  zu verwerten, unabhängig von der Repro-
       duktion - die Kapitalmystifikation in der grellsten Form.
       Für die  Vulgärökonomie, die  das Kapital als selbständige Quelle
       des
       
       #406# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Werts, der  Wertschöpfung, darstellen  will, ist  natürlich diese
       Form ein  gefundnes Fressen, eine Form, worin die Quelle des Pro-
       fits nicht  mehr erkenntlich und worin das Resultat des kapitali-
       stischen Produktionsprozessesgetrennt  vom Prozeß  selbst  -  ein
       selbständiges Dasein erhält.
       Erst im Geldkapital ist das Kapital zur Ware geworden, deren sich
       selbst verwertende  Qualität einen fixen Preis hat, der im jedes-
       mallgen Zinsfuß notiert ist.
       Als zinstragendes  Kapital, und zwar in seiner unmittelbaren Form
       als zinstragendes  Geldkapital (die andren Formen des zinstragen-
       den Kapitals,  die uns hier nichts angehn, sind wieder von dieser
       Form abgeleitet  und unterstellen  sie) erhält  das Kapital seine
       reine Fetischform,  G-G' als  Subjekt, verkaufbares Ding. Erstens
       durch sein  fortwährendes Dasein  als Geld, eine Form, worin alle
       Bestimmtheiten desselben  ausgelöscht und  seine realen  Elemente
       unsichtbar sind.  Geld ist  ja grade  die Form,  worin der Unter-
       schied der  Waren als  Gebrauchswerte ausgelöscht ist, daher auch
       der Unterschied  der industriellen Kapitale, die aus diesen Waren
       und ihren  Produktionsbedingungen bestehn; es ist die Form, worin
       Wert - und hier Kapital - als selbständiger Tauschwert existiert.
       Im Reproduktionsprozeß  des Kapitals  ist die  Geldform eine ver-
       schwindende, ein bloßes Durchgangsmoment. Auf dem Geldmarkt dage-
       gen existiert  das Kapital  stets in dieser Form. - Zweitens, der
       von ihm  erzeugte Mehrwert,  hier wieder  in der Form des Geldes,
       erscheint ihm  als solchem zukommend. Wie das Wachsen den Bäumen,
       so scheint  das Geldzeugen (????? 1*)) dem Kapital in dieser Form
       als Geldkapital eigen.
       Im zinstragenden  Kapital ist die Bewegung des Kapitals ins Kurze
       zusammengezogen; der  vermittelnde Prozeß ist weggelassen, und so
       ist ein Kapital 1000 fixiert als ein Ding, das an sich = 1000 2*)
       ist und  in einer  gewissen Periode  sich in 1100 verwandelt, wie
       der Wein  im Keller  nach einer  gewissen Zeit  auch  seinen  Ge-
       brauchswert verbessert. Das Kapital ist jetzt Ding, aber als Ding
       Kapital. Das  Geld hat  jetzt Lieb' im Leibe. Sobald es verliehen
       ist oder  auch im  Reproduktionspirozeß angelegt (insofern es dem
       fungierenden Kapitalisten als seinem Eigentümer Zins abwirft, ge-
       trennt vom  Unternehmergewinn), wächst  ihm der  Zins an,  es mag
       schlafen oder wachen, sich zu Hause oder auf Reisen befinden, bei
       Tag und bei Nacht. So ist im zinstragenden Geldkapital (und alles
       Kapital ist  seinem Wertausdruck nach Geldkapital oder gilt jetzt
       als der  Ausdruck des Geldkapitals) der fromme Wunsch des Schatz-
       bildners realisiert.
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       1*) Zins; Geborenes - 2 *) 1. Auflage: 1100
       
       #407# 24. Kapitel - Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses usw.
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       Es ist dies Eingewachsensein des Zinses in das Geldkapital als in
       ein Ding (wie hier die Produktion des Mehrwerts durch das Kapital
       erscheint), was Luther in seiner naiven Polterei gegen den Wucher
       so sehr  beschäftigt. Nachdem  er entwickelt,  daß Zins  verlangt
       werden könne, wenn aus der nichterfolgten Rückzahlung am bestimm-
       ten Termin dem Verleiher, der seinerseits zu zahlen hat, Unkosten
       erwachsen oder wenn ihm ein Profit, den er durch Kaufen, z.B. ei-
       nes Gartens,  habe machen können, aus diesem Grunde verlorengeht,
       fährt er fort:
       
       "Nu ich  dir sie  (100 Gülden)  geliehen habe,  machest mir einen
       Zwilling aus  dem Schadewacht,  dass hie  nicht bezalen, und dort
       nicht kaufen kann, und also zu beiden Teilen muss Schaden leiden,
       das heisst  man duplex  interesse, damni emergentis et lucri ces-
       santis 1*)...  nachdem sie gehöret, dass Hans mit seinen verlieh-
       nen Hundert  Gülden hat  Schaden gelitten  und billige Erstattung
       seines Schadens  fordert, faren  sie plumps  einhin, und schlahen
       auf ein  jeglich Hundert  Gülden,  n a t ü r l i c h  s o l c h e
       z w e e n   S c h a d e w a c h t   a n g e w a c h s e n,   näm-
       lich, des  Bezalens Unkost,  und des versäumten Gartens Kauf, ge-
       rade als  weren den Hundert Gülden natürlich solche zween Schade-
       wacht angewachsen,  dass, wo  Hundert Gülden  vorhanden sind, die
       thun sie  aus, und  rechnen darauf  solche zween Schaden, die sie
       doch nicht  erlitten haben...  Darum bist du ein Wucherer, der du
       selber deinen  errichten Schaden  von deines  Nähesten Gelde büs-
       sest, den  dir doch  Niemand getan hat, und kannst ihn auch nicht
       beweisen, noch  berechnen. Solchen  Schaden heissen die Juristen,
       non verum  sed phantasticum  interesse 2*).  Ein Schaden, den ein
       jeglicher ihm  selber ertreumet...  es gilt  nicht also sagen, Es
       könnten die  Schaden geschehn, dass ich nicht habe können bezalen
       noch kaufen. Sonst heisst's, Ex contingente necessariums, aus dem
       das nicht  ist, machen  das, das sein müsse, aus dem das ungewiss
       ist, eitel  gewiss Ding  machen. Solt'  solcher Wucher  nicht die
       Welt auffressen  in kurzen Jahren... es ist zufällig Unglück, das
       dem Leiher  widerfaret, ohne  seinen Willen, dass er sich erholen
       muss, aber in den Handeln ist's umgekehrt und gar das Widerspiel,
       da suchet und errichtet man Schaden, auf den benetigten Nehesten,
       will damit  sich neren  und reich werden, faul und müssig prassen
       und prangen  von ander  Leut Arbeit, sonder Sorge, Fahr und Scha-
       den; dass  ich sitze hinter dem Ofen und lasse meine Hundert Gül-
       den für mich auf dem Lande werben, und doch weil es geliehen Geld
       ist, gewiss  im Beutel  behalte, ohne all Fahr und Sorge, Lieber,
       wer möchte  das nicht?"  (M. Luther,  An die Pfarrherrn wider den
       Wucher zu predigen etc.", Wittenberg 1540. [52])
       
       Die Vorstellung  vom Kapital als sich selbst reproduzierendem und
       in der  Reproduktion vermehrendem  Wert, kraft seiner eingebornen
       Eigenschaft als  ewig währender  und wachsender Wert - also kraft
       der verborgnen
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       1*) doppelten  Schaden, der des entstehenden Verlusts und der des
       versäumten Gewinns keinen wirklichen, sondern eingebildeten Scha-
       den - 2*) Aus dem Zufälligen das Notwendige machen
       
       #408# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Qualität der Scholastiker -, hat zu den fabelhaften Einfällen des
       Dr. Price,  geleitet, die  bei weitem die Phantasien der Alchimi-
       sten hinter sich lassen; Einfällen, an die Pitt ernsthaft glaubte
       und die  er in seinen Gesetzen über den sinking fund [58] zu Säu-
       len seiner Finanzwirtschaft machte.
       
       "Geld, das  Zinseszinsen trägt,  wächst anfangs  langsam; da aber
       die Rate  des Wachstums  sich fortwährend  beschleunigt, wird sie
       nach einiger Zeit so rasch, daß sie jeder Einbildung spottet. Ein
       Penny, ausgeliehen  bei der Geburt unsers Erlösers auf Zinseszin-
       sen zu  5%, wurde schon jetzt zu einer größren Summe herangewach-
       sen sein, als enthalten wäre in 150 Millionen Erden, alle von ge-
       diegnem Gold.  Aber ausgelegt  auf einfache  Zinsen, würde  er in
       derselben Zeit  nur angewachsen sein auf 7 sh. 4 1/2 d. Bis jetzt
       hat unsre  Regierung vorgezogen, ihre Finanzen auf diesem letzte-
       ren, statt auf dem ersteren Weg zu verbessern." 80)
       
       Noch höher fliegt er in seinen "Observations on reversionary pay-
       ments etc.", London 1772:
       
       "1 sh.,  ausgelegt bei  der Geburt unsers Erlösers" (also wohl im
       Tempel von Jerusalem) "zu 6% Zinzinsen, würde angewachsen sein zu
       einer  großem  Summe  als  das  ganze  Sonnensystem  einbegreifen
       könnte, wenn  in eine  Kugel  verwandelt  von  einem  Durchmesser
       gleich dem  der Bahn  des Saturn."  - "Ein Staat braucht deswegen
       sich nie  in Schwierigkeiten  zu befinden; denn mit den kleinsten
       Ersparnissen kann er
       ---
       80) Richard Price, "An Appeal to the Public on the subject of the
       National Debt", London 1772, p. 19. Er macht den naiven Witz: Man
       muß Geld  borgen zu  einfachen Zinsen,  um es auf Zinzeszinsen zu
       vermehren." (R.Hamilton,  "An Inquiry  into the Rise and Progress
       of the  National Debt  of Great Britain", 2,d ed., Edinburgh 1814
       [p. 133.]) Darnach wäre Pumpen überhaupt das sicherste Mittel der
       Bereicherung auch  für Private. Aber wenn ich z.B. 100 Pfd.St. zu
       5% jährlichem Zins aufnehme, habe ich Ende des Jahrs 5 Pfd.St. zu
       zahlen, und  gesetzt, dieser  Vorschuß daure 100 Millionen Jahre,
       so habe  ich in  der Zwischenzeit  in jedem  Jahr immer  nur  100
       Pfd.St. auszuleihen  und ebenso  in jedem Jahre 5 Pfd.St. zu zah-
       len. Ich  komme durch  diesen Prozeß nie dazu, 105 Pfd.St. auszu-
       leihen, dadurch, daß ich 100 Pfd.St. aufnehme. Und wovon soll ich
       die 5%  zahlen? Durch neue Anleihen, oder wenn ich der Staat bin,
       durch Steuern.  Nimmt aber  der industrielle Kapitalist Geld auf,
       so hat  er bei  einem Profit von sage 15%, 5% zu zahlen als Zins,
       5% zu  verzehren (obgleich  sein Appetit  wächst mit  seiner Ein-
       nahme) und  5% zu  kapitalisieren. Es  sind also schon 15% Profit
       vorausgesetzt, um  beständig 5% Zins zu zahlen. Dauert der Prozeß
       fort, so fällt die Profitrate aus den schon entwickelten Gründen,
       sage von  15% auf  10%. Aber Price vergißt ganz, daß der Zins von
       5% eine  Profitrate von  15% voraussetzt,  und läßt diese mit der
       Zirkulation des  Kapitals fortdauern. Er hat überhaupt nichts mit
       dem wirklichen Zirkulationsprozeß zu tun, sondern nur Geld auszu-
       leihen, damit  es mit  Zinseszinsen zurückfließe.  Wie es das an-
       fängt, ist  ihm ganz gleichgültig, da dies ja die eingeborne Qua-
       lität des zinstragenden Kapitals ist.
       
       #409# 24. Kapitel - Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses usw.
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       die größte  Schuld abzahlen  in einer so kurzen Zeit wie sein In-
       teresse erfordern mag." (p. XIII, XIV.)
       
       Welche hübsche  theoretische Einleitung  zur  englischen  Staats-
       schuld!
       Price wurde  einfach geblendet  durch die  Ungeheuerlichkeit  der
       Zahl, die aus geometrischer Progression entsteht. Da er das Kapi-
       tal, ohne  Rücksicht auf die Bedingungen der Reproduktion und der
       Arbeit, als  selbsttätigen Automaten betrachtete, als eine bloße,
       sich selbst  vermehrende Zahl  (ganz konnte  wie Malthus den Men-
       schen in  seiner geometrischen  Progression er wähnen, das Gesetz
       seines Wachstums gefunden zu haben in der Formel
                    n
       s = c (1 + z) ,
       wo s  = Summe von Kapital + Zinseszins, c = dem vorgeschoßnen Ka-
       pital, z  = dem Zinsfuß (in aliquoten Teilen von 100 ausgedrückt)
       und n die Reihe der Jahre, worin der Prozeß vorgeht.
       Pitt nimmt die Mystifikation des Dr. Price ganz ernst. 1786 hatte
       das Haus der Gemeinen beschlossen, es solle 1 Million Pfd.St. er-
       hoben werden für den öffentlichen Nutzen. Nach Price, an den Pitt
       glaubte, war  natürlich nichts besser, als das Volk besteuern, um
       die so  erhobne Summe  zu "akkumulieren"  und so die Staatsschuld
       durch das Mysterium des Zinseszinses wegzuhexen. jener Resolution
       des Hauses  der Gemeinen folgte bald ein von Pitt veranlagtes Ge-
       setz, das die Akkumulation von 250 000 Pfd. St. anordnete,
       
       "bis daß,  mit den  verfallnen Librenten, der Fonds auf 4 000 000
       Pfd.St. jährlich  angewachsen sei".  (Act 26 Georg III., Kap. 31.
       [60])
       
       In seiner  Rede von 1792, worin Pitt die dem Tilgungsfonds gewid-
       mete Summe  zu vermehren  vorschlug, führte er an unter den Ursa-
       chen des  kommerziellen Übergewichts  Englands: Maschinen, Kredit
       etc., aber als
       
       "die ausgedehnteste  und dauerhafteste  Ursache die Akkumulation.
       Dies Prinzip  sei nun  vollständig entwickelt und hinreichend er-
       klärt in dem Werk Smiths, dieses Genies... diese Akkumulation der
       Kapitale bewirke  sich, indem man mindestens einen Teil des jähr-
       lichen Profits zurücklege, um die Hauptsumme zu vermehren, die in
       derselben Weise  im nächsten  Jahr zu  verwenden sei und so einen
       kontinuierlichen Profit gebe."
       
       Vermittelst des  Dr. Price  verwandelt Pitt so Smiths Akkumulati-
       onstheorie in die Bereicherung eines Volks durch Akkumulation von
       Schulden und  kommt in  den angenehmen Progreß ins Unendliche der
       Anleihen, Anleihen, um Anleihen zu zahlen.
       Wir finden  schon bei  Josias Child,  dem Vater des modernen Ban-
       kiertums, daß
       
       #410# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       "100 Pfd.St.  zu 10%  in 70  Jahren, bei  Zins von  Zins, 102 400
       Pfd.St. produzieren wurden." ("Traité sur le commerce etc. par J.
       Child, traduit etc.", Amsterdam et Berlin 1754, p. 115. Geschrie-
       ben 1669.)
       
       Wie die Anschauung des Dr. Price bei der modernen Ökonomie gedan-
       kenlos unterläuft, zeigt der "Economist" in folgender Stelle:
       
       "Capital, with  compound interest on every portion of capital sa-
       ved, is  so allengrossing  that all  the wealth in the worid from
       which income  is derived, has long ago become the interest of ca-
       pital... all rent is now the payment of interest Ort capital pre-
       viously invested in the land." 1*) ("Economist", 19 July 1851.)
       
       In seiner  Eigenschaft als zinstragendes Kapital gehört dem Kapi-
       tal aller  Reichtum, der überhaupt je produziert werden kann, und
       alles, was  es bisher  erhalten hat,  ist nur Abschlagszahlung an
       seinen all-engrossing  Appetit. Nach  seinen eingebornen Gesetzen
       gehört ihm alle Surplusarbeit, die das Menschengeschlecht je lie-
       fern kann. Moloch.
       Schließlich noch folgender Galimathias des "romantischen" Müller:
       
       "Des Dr. Price ungeheurer Anwachs des Zinseszinses, oder der sich
       selbst beschleunigenden Kräfte der Menschen, setzt, wenn er diese
       ungeheuren Wirkungen hervorbringen soll, eine ungeteilte oder un-
       gebrochne gleichförmige  Ordnung durch  mehrere Jahrhunderte vor-
       aus. Sobald  das Kapital  zerteilt, in  mehrere einzelne, in sich
       fortwachsende Ableger zerschnitten wird, fängt der gesamte Prozeß
       der Akkumulation von Kräften von neuem an. Die Natur hat die Pro-
       gression der  Kraft auf  eine Laufbahn von etwa 20 bis 25 Jahren,
       die im Durchschnitt etwa jedem einzelnen Arbeiter (!) zuteil wer-
       den, verteilt. Nach Ablauf dieser Zeit verläßt der Arbeiter seine
       Laufbahn, und  muß er nun das durch den Zinseszins der Arbeit ge-
       wonnene Kapital  einem neuen Arbeiter übertragen, meistenteils es
       unter mehrere  Arbeiter oder  Länder verteilen.  Diese müssen das
       ihnen zufallende  Kapital, ehe  sie eigentlichen Zinseszins davon
       ziehn können,  erst beleben und anwenden lernen. Ferner wird eine
       ungeheure Menge  des Kapitals,  das die  bürgerliche Gesellschaft
       gewinnt, auch  selbst in den bewegtesten Gemeinwesen, lange Jahre
       hindurch allmählich aufgehäuft und nicht zur unmittelbaren Erwei-
       terung der Arbeit verwendet, vielmehr, sobald eine namhafte Summe
       zusammengebracht ist,  einem andern  Individuum, einem  Arbeiter,
       einer Bank,  Staat, unter  der Benennung  Anleihe übertragen,  wo
       dann der  Empfänger, indem  er das  Kapital in wirkliche Bewegung
       setzt, aus demselben Zinseszins zieht, und sich leicht anheischig
       machen kann,  dem Darbringer einfache Zinsen zu bezahlen. Endlich
       reagiert gegen jene ungeheuren Progressionen, in welchen sich die
       Kräfte der Menschen
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       1*) Kapital  mit Zinseszins auf jeden Teil des gesparten Kapitals
       reißt so sehr alles an sich, daß aller Reichtum der Welt, aus dem
       man Einkommen  zieht, längst  zu Zins von Kapital geworden ist...
       alle Rente  ist ietzt  die Zinszahlung auf Kapital, das früher im
       Boden angelegt wurde."
       
       #411# 24.Kapitel - Veräußerlichung des Kapitalverhältnisses usw.
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       und ihr Produkt vermehren möchten, wenn das Gesetz der Produktion
       oder der Sparsamkeit allein gelten sollen, das Gesetz des Verzeh-
       rens, Begehren,  Verschwendung." (A.  Müller, l.c.  III., p. 147-
       149.)
       
       Es ist  unmöglich, in  wenigen Zeilen mehr haarsträubenden Unsinn
       zusammenzufaseln. Nicht  zu erwähnen  der drolligen  Verwechslung
       von Arbeiter  und Kapitalist,  von Wert der Arbeitskraft und Zins
       von Kapital  usw., soll die Abnahme des Zinseszinses u. a. daraus
       erklärt werden,  daß Kapital "ausgeliehen" wird, wo es "dann Zin-
       seszins" bringt. Das Verfahren unsers Müller ist für die Romantik
       in allen  Fächern charakteristisch.  Ihr Inhalt  besteht aus All-
       tagsvorurteilen, abgeschöpft von dem oberflächlichsten Schein der
       Dinge. Dieser  falsche und  triviale Inhalt  soll dann durch eine
       mystifizierende Ausdrucksweise "erhöht" und poetisiert werden.
       Der Akkumulationsprozeß  des Kapitals kann insofern als Akkumula-
       tion von  Zinseszins aufgefaßt  werden, als  der Teil des Profits
       (Mehrwerts), der in Kapital rückverwandelt wird, d.h. zur Aufsau-
       gung von neuer Mehrarbeit dient, Zins genannt werden kann. Aber:
       1. Von  allen zufälligen Störungen abgesehn, wird im Lauf des Re-
       produktionsprozesses beständig ein großer Teil des vorhandnen Ka-
       pitals mehr  oder weniger  entwertet, weil der Wert der Waren be-
       stimmt ist  nicht durch  die Arbeitszeit, die ihre Produktion ur-
       sprünglich kostet, sondern durch die Arbeitszeit, die ihre Repro-
       duktion kostet,  und diese  infolge der  Entwicklung der  gesell-
       schaftlichen Produktivkraft  der Arbeit  fortwährend abnimmt. Auf
       einer höhern Entwicklungsstufe der gesellschaftlichen Produktivi-
       tät erscheint daher alles vorhandne Kapital, statt als das Resul-
       tat eines  langen Prozesses der Kapitalaufsparung, als das Resul-
       tat einer verhältnismäßig sehr kurzen Reproduktionszeit. 81)
       2) Wie  im Abschnitt  III dieses  Buchs bewiesen,  nimmt die Pro-
       fitrate ab im Verhältnis zur steigenden Akkumulation des Kapitals
       und der ihr entsprechenden steigernden Produktivkraft der gesell-
       schaftlichen Arbeit,  die sich gerade in der wachsenden relativen
       Abnahme des  variablen Kapitaltells,  gegenüber  dem  konstanten,
       ausdrückt. Um  dieselbe Profitrate  hervorzubringen, wenn das von
       einem Arbeiter  in Bewegung  gesetzte konstante Kapital sich ver-
       zehnfacht, müßte die Mehrarbeitszeit sich verzehnfachen, und bald
       würde die  ganze Arbeitszeit,  ja die  24 Stunden  des Tages dazu
       nicht hinreichen,  selbst wenn  ganz vom  Kapital angeeignet. Die
       Vorstellung, daß die Profitrate sich nicht verringert, liegt aber
       der Priceschen Progression
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       81) Sieh Mill und Carey, und Roschers mißverständlichen Kommentar
       dazu. [61]
       
       #412# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       zugrunde und  Oberhaupt dem all-engrossing capital, with compound
       interest" 1*). 82)
       Durch die  Identität des  Mehrwerts mit  der Mehrarbeit  ist eine
       qualitative Grenze für die Akkumulation des Kapitals gesetzt: der
       G e s a m t a r b e i t s t a g,  die jedesmal vorhandne Entwick-
       lung der  Produktivkräfte und  der Bevölkerung, welche die Anzahl
       der gleichzeitig exploitierbaren Arbeitstage begrenzt. Wird dage-
       gen der  Mehrwert in der begriffslosen Form des Zinses gefaßt, so
       ist die  Grenze nur  quantitativ und  spottet jeder Phantasie. In
       dem zinstragenden Kapital ist aber die Vorstellung vom Kapitalfe-
       tisch  vollendet,  die  Vorstellung,  die  dem  aufgehäuften  Ar-
       beitsprodukt, und  noch dazu  fixiert als  Geld,  die  Kraft  zu-
       schreibt, durch  eine eingeborne geheime Qualität, als reiner Au-
       tomat, in  geometrischer Progression Mehrwert zu erzeugen, so daß
       dies aufgehäufte Arbeitsprodukt, wie der "Economist" meint, allen
       Reichtum der  Welt für alle Zeiten als ihm von Rechts wegen gehö-
       rig und  zufallend schon längst diskontiert hat. Das Produkt ver-
       gangner Arbeit,  die vergangne Arbeit selbst, ist hier an und für
       sich geschwängert  mit einem Stück gegenwärtiger oder zukünftiger
       lebendiger Mehrarbeit.  Man weiß  dagegen, daß in der Tat die Er-
       haltung, und  insoweit auch  die Reproduktion  des Werts der Pro-
       dukte vergangner  Arbeit nur  das Resultat ihres Kontakts mit der
       lebendigen Arbeit  ist; und  zweitens: daß  das Kommando der Pro-
       dukte vergangner  Arbeit über  lebendige Mehrarbeit  grade nur so
       lange dauert, wie das Kapitalverhältnis dauert, das bestimmte so-
       ziale Verhältnis,  worin die  vergangne  Arbeit  selbständig  und
       übermächtig der lebendigen gegenübertritt.
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       82) "Es  ist klar,  daß keine  Arbeit,  keine  Produvkraft,  kein
       Scharfsinn und  keine Kunst  den überwältigenden  Ansprüchen  des
       Zinseszinses Genüge  tun kann.  Aber alle  Ersparnis wird von der
       Revenue des Kapitalisten gemacht, so daß wirklich diese Ansprüche
       dauernd gestellt  werden und  die Produktivkraft  der Arbeit sich
       ebenso dauernd weigert, sie zu befriedigen. Es wird daher bestän-
       dig eine  Art Ausgleichung geschaffen." ("Labour defended against
       the Claims of Capital", p. 23. - Von Hodgskin.)
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       1*) "Kapital mit Zinseszins, das alles an sich reißt"

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