Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL
       Akkumulation von Geldkapital, ihr Einfluß auf den Zinsfuß
       
       "In England  findet eine beständige Akkumulation von zuschüssigem
       Reichtum statt,  die die  Tendenz hat, schließlich Geldform anzu-
       nehmen. Nach  dem Wunsch,  Geld zu erwerben, ist aber der nächst-
       dringliche Wunsch der, sich seiner wieder zu entledigen durch ir-
       gendeine Art  Anlage, die  Zins oder Profit bringt; denn Geld als
       Geld bringt nichts ein. Wenn daher nicht, gleichzeitig mit diesem
       steten Zufluß  von überschüssigem  Kapital, eine  allmähliche und
       hinreichende Ausdehnung  des Beschäftigungsfeldes dafür stattfin-
       det, so müssen wir periodischen Akkumulationen von Anlage suchen-
       dem Geld  ausgesetzt sein,  die je nach den Umständen von größrer
       oder geringrer  Bedeutung sind.  Für eine  lange Reihe von Jahren
       war die  Staatsschuld das große Aufsaugemittel des überschüssigen
       Reichtums von  England. Seitdem sie mit 1816 ihr Maximum erreicht
       hat und  nicht länger aufsaugend wirkt, fand sich jedes Jahr eine
       Summe von  mindestens 27  Millionen, die  andre Anlagegelegenheit
       suchte. Zudem  fanden verschiedne  Kapitalrückzahlungen  statt...
       Unternehmungen, die  zu ihrer  Ausführung großes Kapital bedürfen
       und von  Zeit zu  Zeit den  Überschuß von unbeschäftigtem Kapital
       ableiten... sind wenigstens in unserm Lande absolut notwendig, um
       die periodischen Anhäufungen des überschüssigen Reichtums der Ge-
       sellschaft abzufahren, die in den gewöhnlichen Anlagezweigen kei-
       nen Raum  finden können." ("The Currency Theory Reviewed", London
       1845, p. 32-34.).
       
       Vom Jahre 1845 heißt es ebendaselbst:
       
       "Innerhalb einer sehr kurzen Periode sind die Preise vom niedrig-
       sten Punkt  der Depression  emporgeschnellt... die dreiprozentige
       Staatsschuld steht  fast pari... das Gold in den Kellern der Bank
       von England  überragt jeden  früher dort aufgespeicherten Betrag.
       Aktien aller  Art stehn auf Preisen, die fast in jedem Fall uner-
       hört sind,  und der Zinsfuß ist so gesunken, daß er fast nominell
       ist... Alles  Beweise, daß jetzt wieder einmal eine schwere Akku-
       mulation von  unbeschäftigtem Reichtum  in England vorhanden ist,
       daß wieder  einmal eine Periode spekulativer Überhitzung uns nahe
       bevorsteht." (ibid., p. 36.)
       
       "Obgleich die  Einfuhr von  Gold kein sichres Zeichen ist von Ge-
       winn im auswärtigen Handel, so repräsentiert doch prima facie ein
       Teil dieser Goldeinfuhr, in
       
       #430# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Abwesenheit einer andren Erklärungsweise, solchen Profit." (J. G.
       Hubbard,. "The  Currency and  the Country",  London 1843,  p. 40,
       41.) Gesetzt, in einer Periode mit stetig gutem Geschäft, lohnen-
       den Preisen  und wohlgefülltem  Geldumlauf, gäbe  eine  schlechte
       Ernte Anlaß zu einer Ausfuhr von 5 Millionen Gold und zur Einfuhr
       von Korn  zum selben  Betrag. Die  Zirkulation" {soll heißen, wie
       sich gleich  zeigen wird,  nicht Zirkulationsmittel,  sondern das
       unbeschäftigte Geldkapital.  F. E.} "wird vermindert um denselben
       Betrag. Die  Privatleute mögen noch ebensoviel Zirkulationsmittel
       besitzen, aber  die Depositen der Kaufleute bei ihren Banken, die
       Saldos der Banken bei ihren Geldmaklern und die Reserven in ihren
       Kassen werden  alle vermindert  sein, und  die unmittelbare Folge
       dieser Venderung im Betrag des unbeschäftigten Kapitals wird eine
       Erhöhung des  Zinsfußes sein,  z.B. von 4% auf 6. Da das Geschäft
       gesund ist, wird das Vertrauen nicht erschüttert, aber der Kredit
       wird höher  geschätzt werden." (ibid., p. 42.) "Fallen die Waren-
       preise allgemein,  so fließt  das überschüssige  Geld in Form von
       vermehrten Depositen  zu den Banken zurück, der Überfluß an unbe-
       schäftigtem Kapital senkt den Zinsfuß auf ein Minimum, und dieser
       Stand der  Dinge dauert, bis entweder höhere Preise oder ein leb-
       hafteres Geschäft  das schlummernde Geld in Dienst treten lassen,
       oder bis  es absorbiert ist durch Anlage in ausländischen Wertpa-
       pieren oder ausländischen Waren." (p. 68.)
       
       Die folgenden  Auszüge sind wieder aus dem Parlamentsbericht über
       "Commercial Distress",  1847/48. -  Infolge der Mißernte und Hun-
       gersnot 1846/47 wurde große Einfuhr von Nahrungsmitteln nötig.
       
       "Daher großer Überschuß der Einfuhr über die Ausfuhr... Daher be-
       trächtlicher Geldüberfluß  bei den  Banken und vermehrter Zudrang
       zu den  Diskontomaklern von  Leuten, die  Wechsel zu diskontieren
       hatten; die Makler fingen an, den Wechseln genauer auf die Finger
       zu sehn. Die bisher bewilligte Akkommodation wurde sehr ernstlich
       eingeschränkt, und  unter schwachen Häusern gab es Falliten. Die-
       jenigen, die  sich ganz  auf den  Kredit verließen, gingen in die
       Brüche. Dies  vermehrte die  schon früher  gefühlte Beunruhigung;
       Bankiers und andre fanden, daß sie nicht mit derselben Sicherheit
       wie früher darauf rechnen konnten, ihre Wechsel und andre Wertpa-
       piere in  Banknoten zu verwandeln, um ihren Verpflichtungen nach-
       zukommen; sie beschränkten die Akkommodation noch mehr und schlu-
       gen sie  häufig rund  ab; sie  schlossen in  vielen  Fällen  ihre
       Banknoten ein, für künftige Deckung ihrer eignen Verpflichtungen;
       sie gaben  sie lieber gar nicht weg. Unruhe und Verwirrung nahmen
       täglich zu,  und ohne Lord John Russells Brief war der allgemeine
       Bankrott da." (p. 74, 75.)
       
       Der Brief  Russells suspendierte  den Bankakt. - Der obenerwähnte
       Charles Turner sagt aus:
       
       "Manche Häuser hatten große Mittel, aber sie waren nicht flüssig.
       Ihr ganzes  Kapital stak fest in Grundbesitz in Mauritius oder in
       Indigo- oder  Zuckerfabriken. Nachdem  sie einmal Verpflichtungen
       für 500 000 - 600 000 Pfd.St. eingegangen, hatten sie keine flüs-
       sigen Mittel, die Wechsel dafür zu zahlen, und schließlich zeigte
       sich, daß
       
       #431# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
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       sie ihre Wechsel nur zahlen konnten vermittelst ihres Kredits und
       soweit dieser reichte." (p. 81.)
       
       Der erwähnte S. Gurney:
       
       [1664.] "Gegenwärtig"  (1848) "herrscht eine Beschränkung der Um-
       sätze und  ein großer Überfluß von Geld." - Nr. 1763. "Ich glaube
       nicht, daß Mangel an Kapital es war, das den Zinsfuß so hoch hin-
       auftrieb; es  war der  Schrecken (the  alarm), die Schwierigkeit,
       Banknoten zu bekommen."
       
       1847 zahlte  England wenigstens  9 Millionen  Pfd.St. in Gold ans
       Ausland für eingeführte Nahrungsmittel. Davon 7 1/2 Millionen aus
       der Bank  von England  und 1  1/2 aus andern Quellen. (p. 301.) -
       Morris, Gouverneur der Bank von England:
       
       "Am 23.  Oktober 1847 waren die öffentlichen Fonds und die Kanal-
       und Eisenbahnaktien schon depreziiert um 114 752 225 Pfd.St." (p.
       312.)
       
       Derselbe Morris, befragt von Lord G. Bentinck:
       
       [3846.] "Ist  Ihnen nicht bekannt. daß alles in Papieren und Pro-
       dukten aller  Art angelegte  Kapital in derselben Weise entwertet
       war, daß  Rohstoffe, Baumwolle,  Seide, Wolle  nach dem Kontinent
       gesandt wurden zu denselben Schleuderpreisen und daß Zucker, Kaf-
       fee und Tee in Zwangsverkäufen losgeschlagen wurden? - Es war un-
       vermeidlich, daß  die Nation ein beträchtliches Opfer brachte, um
       dem Goldabfluß  entgegenzuwirken, den die enorme Einfuhr von Nah-
       rungsmitteln verursacht  hatte. - Glauben Sie nicht, es wäre bes-
       ser gewesen, die 8 Millionen Pfd.St. anzuzapfen, die in den Geld-
       schränken der  Bank lagen,  statt zu versuchen, das Gold mit sol-
       chen Opfern  zurückzubekommen? -    D a s    g l a u b e    i c h
       n i c h t."
       
       Nun den  Kommentar zu diesem Heroismus. Disraeli examiniert Herrn
       W. Cotton,  Direktor und  ehemaligen Gouverneur der Bank von Eng-
       land.
       
       "Was war  die Dividende,  die die Bankaktionäre 1844 erhielten? -
       Sie war  7% für  das Jahr.  - Und die Dividende für 1847? - 9%. -
       Bezahlt die  Bank die  Einkommensteuer für ihre Aktionäre im lau-
       fenden Jahr?  - Jawohl. - Tat sie das auch 1844? Nein. 83) - Dann
       hat dieser Bankakt" (von 1844) "also sehr im Interesse der Aktio-
       näre gewirkt...  Das Resultat  ist also,  daß seit der Einführung
       des neuen  Akts die Dividende der Aktionäre von 7% auf 9% gestie-
       gen ist und die Einkommensteuer jetzt außerdem
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       83) D.h. früher wurde erst die Dividende festgesetzt und dann von
       dieser dem  einzelnen Aktionär  bei der Auszahlung die Einkommen-
       steuer abgezogen;  nach 1844  aber wurde  erst die Steuer vom Ge-
       samtprofit der  Bank bezahlt  und dann die Dividende "free of In-
       come Tax"  1*) verteilt.  Dieselben nominellen  Prozente sind  im
       letzteren Fall also höher um den Betrag der Steuer. - F.E.
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       1*) "frei von Einkommensteuer"
       
       #432# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       von der  Bank gezahlt wird, während sie vorher von den Aktionären
       bezahlt werden  mußte? -   D a s  i s t  g a n z  r i c h t i g."
       (Nr. 4356 - 4361.)
       
       Über Schatzbildung bei den Banken während der Krise von 1847 sagt
       Mr. Pease, ein Provinzialbankier:
       
       4605. Da die Bank genötigt war, ihren Zinsfuß immer mehr zu stei-
       gern, wurden die Befürchtungen allgemein; die Landbanken vermehr-
       ten die  Geldbeträge in ihrem Besitz und ebenso die Notenbeträge;
       und viele von uns, die gewöhnlich vielleicht nur ein paar hundert
       Pfund in  Gold oder Banknoten zu führen pflegten, speicherten so-
       fort Tausende  in Geldschränken und Pulten auf, da große Ungewiß-
       heit herrschte wegen des Diskontos und wegen der Umlaufsfähigkeit
       von Wechseln  im Markt; und so er. folgte eine allgemeine Schatz-
       anhäufung."
       
       Ein Ausschußmitglied bemerkt:
       
       4691. "Demzufolge,  was auch  die Ursache  während der letzten 12
       Jahre gewesen  sein mag,  so war das Resultat jedenfalls mehr zu-
       gunsten des  Juden und des Geldhändlers als zugunsten der produk-
       tiven Klasse überhaupt."
       
       Wie sehr  der Geldhändler  eine Zeit  der Krisis  ausbeutet, sagt
       Tooke aus:
       
       "Im Metallwarengeschäft  von Wackshire  und Staffordshire  wurden
       1847 sehr viele Aufträge auf Waren zurückgewiesen, weil der Zins-
       fuß, den  der Fabrikant  für D'ISkontierung seiner Wechsel zu be-
       zahlen hatte,  seinen ganzen  Profit mehr als verschluckt hätte."
       (Nr. 5451.)
       
       Nehmen wir  jetzt einen andern schon vorher zitierten Parlaments-
       bericht: "Report  of Select  Committee on Bank Acts, communicated
       from the Commons to the Lords, 1857" (zitiert weiter unten als B.
       C., 1857).  Darin wird Herr Norman, Direktor der Bank von England
       und ein  Hauptlicht unter den Leuten vom Currency principle [68],
       verhört wie folgt:
       
       3635. "Sie sagten, Sie sind der Ansicht, daß der Zinsfuß abhängt,
       nicht von  der Masse der Banknoten, sondern von Nachfrage und An-
       gebot von Kapital. Wollen Sie angeben, was Sie unter Kapital ein-
       begreifen, außer Banknoten und Hartgeld? - Ich glaube die gewöhn-
       liche Definition  von Kapital  ist: Waren oder Dienste, gebraucht
       in Produktion." - 3636. "Schließen Sie alle Waren in das Wort Ka-
       pital ein, wenn Sie vom Zinsfuß sprechen? - Alle Waren, gebraucht
       in der  Produktion." -  3637. "Sie begreifen das alles ein in das
       Wort Kapital, wenn Sie vom Zinsfuß sprechen? - Jawohl. Nehmen wir
       an, ein  Baumwollfabrikant braucht Baumwolle für seine Fabrik, so
       wird er  vermutlich sie  sich dadurch  verschaffen, daß  er einen
       Vorschuß von  seinem Bankier  erhält, und  mit den  so  erhaltnen
       Banknoten geht  er nach  Liverpool und  kauft.  Was  er  wirklich
       braucht, ist  die Baumwolle;  er braucht  die Banknoten  oder das
       Gold nicht,  außer als Mittel, die Baumwolle zu erhalten. Oder er
       braucht die Mittel, um seine Arbeiter zu
       
       #433# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
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       bezahlen; dann  borgt er  wieder Noten  und zahlt den Lohn seiner
       Arbeiter mit  diesen Noten;  und die Arbeiter ihrerseits brauchen
       Nahrung und  Wohnung, und  das Geld ist das Mittel, dafür zu zah-
       len." -  3638. "Aber  für das Geld wird Zins gezahlt? - Gewiß, in
       erster Instanz; aber nehmen Sie einen andern Fall. Angenommen, er
       kauft die Baumwolle auf Kredit, ohne Vorschuß bei der Bank zu ho-
       len; dann ist die Differenz zwischen dem Preis für Barzahlung und
       dem Preis auf Kredit bei Verfallzeit der Maßstab des Zinses. Zins
       würde existieren, auch wenn es überhaupt kein Geld gäbe."
       
       Dieser selbstgefällige  Kohl ist ganz würdig dieses Stützpfeilers
       des  Currency  principle.  Zuerst  die  geniale  Entdeckung,  daß
       Banknoten oder Gold Mittel sind, etwas zu kaufen, und daß man sie
       nicht ihrer  selbst wegen  pumpt. Und daraus soll folgen, daß der
       Zinsfuß geregelt  ist durch  was? Durch  die Nachfrage und Zufuhr
       von Waren,  wovon man  bisher nur  wußte, daß sie die Marktpreise
       der Waren  regeln. Mit  gleichbleibenden Marktpreisen  der  Waren
       sind aber ganz verschiedne Zinsraten verträglich. Aber nun weiter
       die Schlauheit.  Auf die  richtige Bemerkung:  "Aber für das Geld
       wird Zins  gezahlt", die natürlich die Frage einschließt: Was hat
       der Zins, den der Bankier erhält, der gar nicht in Waren handelt,
       zu tun  mit diesen Waren? Und erhalten nicht Fabrikanten Geld zum
       gleichen Zinsfuß, die dies Geld in ganz verschiednen Märkten aus-
       legen, also in Märkten, wo ganz verschiednes Verhältnis von Nach-
       frage  und  Angebot  der  in  der  Produktion  gebrauchten  Waren
       herrscht? - Auf diese Frage bemerkt dieses feierliche Genie, daß,
       wenn der  Fabrikant Baumwolle auf Kredit kauft, dann ist die Dif-
       ferenz zwischen dem Preis für Barzahlung und dem Preis auf Kredit
       bei Verfallzeit  der Maßstab  des Zinses".  Umgekehrt. Die beste-
       hende Rate  des Zinses,  deren Regulierung  Genie Norman erklären
       soll, ist  der Maßstab  der  Differenz  zwischen  dem  Preis  für
       Barzahlung und dem Preis auf Kredit bis Verfallzeit. Erst ist die
       Baumwolle zu  verkaufen zu ihrem Preis bei Barzahlung, und dieser
       ist bestimmt durch den Marktpreis, der selbst durch den Stand von
       Nachfrage und  Zufuhr reguliert  ist. Sage  der Preis  ist = 1000
       Pfd.St. Damit  ist das  Geschäft zwischen dem Fabrikanten und dem
       Baumwollmakler abgemacht,  soweit es  Kauf und  Verkauf betrifft.
       Nun kommt  ein zweites  Geschäft hinzu.  Dies ist  eins  zwischen
       Verielher und  Borger. Der  Wert von 1000 Pfd.St. wird dem Fabri-
       kanten in  Baumwolle vorgeschossen,  und er hat ihn, sage in drei
       Monaten, in  Geld zurückzuzahlen. Und die Zinsen für 1000 Pfd.St.
       für drei  Monate, bestimmt durch die Marktrate des Zinses, bilden
       dann den  Aufschlag auf  und über  den Preis  für Barzahlung. Der
       Preis der Baumwolle ist bestimmt durch Nachfrage und Zufuhr. Aber
       der Preis des Vorschusses des Baum. wollenwerts, der 1000 Pfd.St.
       für drei Monate, ist bestimmt durch die
       
       #434# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Zinsrate. Und  dies, daß  die Baumwolle  selbst so in Geldkapital
       verwandelt wird, beweist Herrn Norman, daß Zins existieren würde,
       auch wenn  es überhaupt  kein Geld  gäbe. Wenn  es überhaupt kein
       Geld gäbe, gäbe es jedenfalls keine allgemeine Zinsrate.
       Es ist erstens die pöbelhafte Vorstellung von Kapital als "Waren,
       gebraucht in  der Produktion". Soweit diese Waren als Kapital fi-
       gurieren, drückt  sich ihr  Wert als   K a p i t a l,   im Unter-
       schied von ihrem Wert als  W a r e n,  aus in dem Profit, der aus
       ihrer produktiven  oder merkantilen  Verwendung gemacht wird. Und
       die Profitrate  hat unbedingt  immer etwas  zu tun mit dem Markt-
       preis der  gekauften Waren  und ihrer  Nachfrage und Zufuhr, wird
       aber noch  durch ganz  andre Umstände bestimmt. Und daß die Zins-
       rate im allgemeinen ihre Grenze hat an der Profitrate, kein Zwei-
       fel. Aber  Herr Norman soll uns grade sagen, wie diese Grenze be-
       stimmt wird.  Und sie  wird bestimmt  durch Nachfrage und Angebot
       von Geldkapital  in seinem  Unterschied von den andern Formen des
       Kapitals. Nun  könnte weiter  gefragt werden:  Wie wird Nachfrage
       und Angebot  von Geldkapital bestimmt? Daß eine stille Verbindung
       besteht zwischen dem Angebot von sachlichem Kapital und dem Ange-
       bot von Geldkapital, kein Zweifel, und ebensowenig, daß die Nach-
       frage der  industriellen Kapitalisten  nach Geldkapital durch die
       Umstände der  wirklichen Produktion bestimmt ist. Statt uns hier-
       über aufzuklären,  debitiert uns  Norman die  Weisheit, daß Nach-
       frage nach  Geldkapital nicht  identisch ist  mit Nachfrage  nach
       Geld als solchem; und diese Weisheit nur, weil bei ihm, Overstone
       und den andern Currency-Propheten immer das böse Gewissen im Hin-
       tergrund steht,  daß sie  durch künstliche legislatorische Einmi-
       schung aus  dem Zirkulationsmittel  als solchem Kapital zu machen
       und den Zinsfuß zu erhöhen bestrebt sind.
       Nun zu  Lord Overstone,  alias Samuel Jones Loyd, wie er erklären
       muß, warum  er 10%  für sein  "Geld" nimmt, weil das "Kapital" im
       Lande so rar ist.
       
       3653. "Die Schwankungen in der Zinsrate entspringen aus einer von
       zwei Ursachen: aus einer Veränderung im Wert des Kapitals"
       
       (vortrefflich! Wert  des Kapitals,  allgemein gesprochen,  ist ja
       gerade der  Zinsfuß! Die  Änderung in  der Rate  des Zinses  ent-
       springt hier  also aus  einer Änderung  in der  Rate des  Zinses.
       "Wert des Kapitals" wird theoretisch, wie wir früher gezeigt, nie
       anders gefaßt.  Oder aber: versteht Herr Overstone unter Wert des
       Kapitals die  Profitrate, so  kommt der tiefsinnige Denker darauf
       zurück, daß die Zinsrate reguliert wird durch die Profitrate!)
       
       "oder aus  einer Veränderung in der Summe des im Lande vorhandnen
       Geldes. Alle großen Schwankungen des Zinsfußes, groß entweder der
       Dauer oder der Ausdehnung
       
       #435# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
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       der Schwankung nach, lassen sich deutlich zurückführen auf Verän-
       derungen im  Wert des Kapitals. Schlagendere praktische Illustra-
       tionen dieser  Tatsache kann  es nicht  geben als das Steigen des
       Zinsfußes 1847 und wiederum in den letzten zwei Jahren (1855/56);
       die geringeren  Schwankungen des Zinsfußes, die aus einem Wechsel
       in der  Summe des  vorhandnen Geldes  entstehn, sind klein sowohl
       ihrer Ausdehnung  wie ihrer  Dauer nach.  Sie sind häufig, und je
       häufiger, desto wirksamer für ihren Zweck."
       
       Nämlich die  Bankiers à la Overstone zu bereichern. Freund Samuel
       Gurney drückt  sich darüber  sehr naiv  aus vor  dem Committee of
       Lords, C. D., 1848[1857]:
       
       1324. "Sind  Sie der  Ansicht, daß  die großen  Schwankungen  des
       Zinsfußes, die  im vorigen  Jahre stattgefunden, den Bankiers und
       Geldhändlern vorteilhaft  waren oder nicht? - Ich glaube, sie wa-
       ren den Geldhändlern vorteilhaft. Alle Schwankungen des Geschäfts
       sind vorteilhaft  für den,  der Bescheid  weiß  (to  the  knowing
       man)." - 1325. "Sollte nicht der Bankier schließlich doch bei dem
       hohen Zinsfuß  verlieren infolge der Verarmung seiner besten Kun-
       den? -  Nein, ich bin nicht der Ansicht, daß diese Wirkung in be-
       merkbarem Grade besteht."
       
       Voilà ce que parler veut dire. 1*)
       
       Auf die  Beeinflussung des Zinsfußes durch die Summe des vorhand-
       nen Geldes  werden wir zurückkommen. Aber man muß schon jetzt be-
       merken, daß  Overstone hier  wieder ein  Quidproquo  begeht.  Die
       Nachfrage nach  Geldkapital 1847 (vor Oktober bestand keine Sorge
       wegen Geldknappheit, "Quantität des vorhandnen Geldes", wie er es
       oben nannte)  nahm zu  aus  verschiednen  Gründen.  Kornteuerung,
       steigende Baumwollpreise,  Unverkäuflichkeit  des  Zuckers  wegen
       Überproduktion, Eisenbahnspekulation  und Krach,  Überfüllung der
       auswärtigen  Märkte   mit  Baumwollwaren,  die  oben  beschriebne
       Zwangsausfuhr nach  und Zwangseinfuhr von Indien zum Zweck bloßer
       Wechselreiterei. Alle  diese Dinge, die Überproduktion in der In-
       dustrie so  gut wie  die Unterproduktion  im Ackerbau,  also ganz
       verschiedne Ursachen,  verursachten Steigerung der Nachfrage nach
       Geldkapital, d.h. nach Kredit und Geld. Die gesteigerte Nachfrage
       nach Geldkapital  hatte ihre Ursachen im Gang des Produktionspro-
       zesses selbst.  Aber, welches immer die Ursache, es war die Nach-
       frage nach   G e l d kapital, die den Zinsfuß, den Wert des Geld-
       kapitals steigen  machte. Will  Overstone sagen, daß der Wert des
       Geldkapitals stieg,   w e i l   er stieg, so ist dies Tautologie.
       Versteht er  aber unter  Wert des  Kapitals hier Steigen der Pro-
       fitrate als  Ursache des Steigens des Zinsfußes, so wird sich die
       Sache gleich als falsch
       -----
       1*) Das nenn' ich reden.
       
       #436# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       herausstellen. Die Nachfrage nach Geldkapital und daher der "Wert
       des Kapitals" kann steigen, obgleich der Profit fällt; sobald das
       relative Angebot  von Geldkapital  fällt, steigt sein "Wert". Was
       Overstone nachweisen  will, ist,  daß die  Krise von 1847 und die
       hohe Zinsrate,  die sie  begleitete, nichts  zu tun hatte mit der
       Quantität des  vorhandnen Geldes",  d.h. mit den Bestimmungen des
       von ihm  inspirierten Bankakts von 1844 [64]; obgleich sie in der
       Tat damit zu tun hatte, soweit die Furcht vor der Erschöpfung der
       Bankreserve -  einer Schöpfung von Overstone - eine Geldpanik der
       Krise von  1847/48 hinzufügte. Aber das ist hier nicht der Frage-
       punkt. Es war vorhanden eine Geldkapitalnot, verursacht durch die
       übermäßige Größe  der Operationen,  verglichen mit den vorhandnen
       Mitteln, und  zum Ausbruch  gebracht durch die Störung des Repro-
       duktionsprozesses infolge  von rniß ratener Ernte, von Überanlage
       von Eisenbahnen,  von Überproduktion namentlich in Baumwollwaren,
       von indischem  und chinesischem  Schwindel geschäft, Spekulation,
       Übereinfuhr von Zucker etc. Was den Leuten, die Korn gekauft hat-
       ten, als  es 120 sh. per Quarter stand, fehlte, als es auf 60 sh.
       gefallen war,  waren die  60 sh.  die sie zuviel bezahlt, und der
       entsprechende Kredit  dafür im  Lombardvorschuß auf  das Korn. Es
       war durchaus  nicht Mangel  an Banknoten, der sie daran hinderte,
       ihr Korn  zum alten  Preis von  120 sh.  in Geld zu konvertieren.
       Ebenso bei denen, welche Zucker übereingeführt hatten, und dieser
       dann fast  unverkäuflich wurde.  Ebenso bei  den Herren,  die ihr
       Zirkulationskapital (floating  capital) in Eisenbahnen festgelegt
       und sich  für den  Ersatz desselben in ihrem "legitimen" Geschäft
       auf Kredit verlassen hatten. Alles dies drückt sich für Overstone
       aus in  einem moralischen  Gewahrwerden des erhöhten ertes seines
       Geldes (a  moral sense of the enhanced value of bis money)". Aber
       diesem erhöhten  Wert des  Geldkapitals entsprach  auf der andern
       Seite  direkt   der  gefallne   Geldwert  des   realen   Kapitals
       (Warenkapitals und  produktiven Kapitals).  Der Wert des Kapitals
       in der einen Form stieg, weil der Wert des Kapitals in der andern
       sank. Overstone  sucht aber diese beiden Werte verschiedner Kapi-
       talsorten in  einem einzigen Wert des Kapitals überhaupt zu iden-
       tifizieren, und zwar dadurch, daß er beide einem Mangel an Zirku-
       lationsmittel, an  vorhandnem Geld  gegenüherstellt. Derselbe Be-
       trag von  Geldkapital kann  aber mit sehr verschiednen Massen von
       Zirkulationsmitteln verliehen werden.
       Nehmen wir nun sein Beispiel von 1847. Der offizielle Bankzinsfuß
       stand: Januar  3- 3  1/2 %.  Februar 4  - 4 1/2 %. März meist 4%.
       April (Panik)  4 -  7 1/2 %. Mai  5 - 5 1/2 %. Juni im ganzen 5%.
       Juli 5%. August 5 - 5 1/2 %. September 5% mit kleinen Variationen
       von 5 1/4, 5 1/2, 6%. Oktober 5, 5 1/2,
       
       #437# 26. Kapitel - Akkumulation... Geldkapital usw.
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       7%. November 7 - 10%. Dezember 7 - 5%. - In diesem Fall stieg der
       Zins, weil die Profite abnahmen und die Geldwerte der Waren enorm
       fielen. Wenn  also Overstone  hier sagt,  daß  der  Zinsfuß  1847
       stieg, weil  der Wert  des Kapitals  stieg, so kann er unter Wert
       des Kapitals hier nur den Wert des Geldkapitals verstehn, und der
       Wert des  Geldkapitals ist  eben der  Zinsfuß und  nichts andres.
       Aber später kommt der Fuchsschwanz heraus, und der Wert des Kapi-
       tals wird identifiziert mit der Profitrate. Was den hohen Zinsfuß
       angeht, der  1856 gezahlt  wurde, so  wußte Overstone  in der Tat
       nicht, daß  dieser zum  Teil ein Symptom davon war, daß die Sorte
       Kreditritter obenauf kam, die den Zins nicht aus dem Profit, son-
       dern aus  fremdem Kapital  zahlt; er behauptete, nur ein paar Mo-
       nate vor  der Krise  von 1857,  daß "das Geschäft durchaus gesund
       sei".
       
       Er sagt ferner aus:
       
       3722. "Die  Vorstellung, daß der Geschäftsprofit durch Steigerung
       des Zinsfußes  zerstört wird,  ist höchst irrtümlich. Erstens ist
       eine Erhöhung  des Zinsfußes  seiten von  langer Dauer; zweitens,
       wenn sie von langer Dauer und bedeutend ist, so ist sie der Sache
       nach ein  Steigen im Wert des Kapitals, und warum steigt der Wert
       des Kapitals? Weil die Profitrate gestiegen ist."
       
       Hier erfahren  wir also endlich, welchen Sinn der "Wert des Kapi-
       tals" hat.  Übrigens kann  die Profitrate  für längere  Zeit hoch
       bleiben, aber  der Unternehmergewinn fallen und der Zinsfuß stei-
       gen, so daß der Zins den größten Teil des Profits verschlingt.
       
       3724. "Die  Erhöhung des  Zinsfußes ist  eine Folge  gewesen  der
       enormen Ausdehnung im Geschäft unsers Landes und der großen Erhö-
       hung der Profitrate, und wenn geklagt wird, daß der erhöhte Zins-
       fuß die beiden selben Dinge zerstört, die seine eigne Ursache ge-
       wesen sind,  so ist  das eine  logische Absurdität,  von der  man
       nicht weiß, was man davon sagen soll."
       
       Dies ist  gerade so logisch, als sagte er: Die erhöhte Profitrate
       ist die Folge gewesen der Steigerung der Warenpreise durch Speku-
       lation, und wenn geklagt wird, daß die Preissteigerung ihre eigne
       Ursache zerstört,  nämlich die Spekulation, so ist das eine logi-
       sche Absurdität etc. Daß ein Ding seine eigne Ursache schließlich
       zerstören kann,  ist nur  für den in den hohen Zinsfuß verliebten
       Wucherer eine  logische Absurdität.  Die Größe  der Römer war die
       Ursache ihrer  Eroberungen, und  ihre Eroberungen zerstörten ihre
       Größe. Reichtum  ist die  Ursache von Luxus, und Luxus wirkt zer-
       störend auf  den Reichtum.  Dieser Pfiffikus!  Der Idiotismus der
       jetzigen Bürgerwelt kann nicht besser gezeichnet werden als durch
       den Respekt,
       
       #438# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       den die  "Logik" des Millionärs, dieses dung-hill aristocrat 1*),
       ganz England  einflößte. Übrigens,  wenn hohe  Profitrate und Ge-
       schäftsausdehnung Ursachen  hohes Zinsfußes sein können, ist des-
       wegen hoher  Zinsfuß keineswegs Ursache von hohem Profit. Und die
       Frage ist  gerade, ob  dieser hohe  Zins (wie  sich in  der Krise
       wirklich herausstellte)  nicht fortgedauert oder gar erst auf die
       Spitze getrieben,  nachdem die hohe Profitrate längst den Weg al-
       les Fleisches gegangen.
       
       3718. "Was  eine große Erhöhung der Diskontorate betrifft, so ist
       das ein Umstand, der ganz und gar aus dem vermehrten Wert des Ka-
       pitals entspringt,  und die  Ursache dieses  vermehrten Werts des
       Kapitals kann,  glaube ich,  jedermann mit vollständiger Klarheit
       entdecken. Ich  habe bereits  die Tatsache erwähnt, daß in den 13
       Jahren, während deren dieser Bankakt in Wirksamkeit war, der Han-
       del von  England von  45 auf 120 Millionen Pfd.St. gewachsen ist.
       Man denke  nach über alle die Ereignisse, die diese kurze Zahlen-
       angabe einschließt;  man bedenke  die enorme Nachfrage nach Kapi-
       tal, die  eine so riesige Vermehrung des Handels mit sich bringt,
       und bedenke  zugleich, daß  die natürliche  Quelle der Zufuhr für
       diese große  Nachfrage, nämlich  die jährlichen  Ersparnisse  des
       ndes, während der letzten drei oder vier Jahre in der unprofitab-
       len Auslage  für Kriegszwecke  verzehrt worden  ist. Ich gestehe,
       ich bin  überrascht, daß  der Zinsfuß  nicht noch viel höher ist;
       oder in  andern Worten, ich bin überrascht, daß die Kapitalklemme
       infolge dieser riesigen Operationen nicht noch viel heftiger ist,
       als Sie sie schon gefunden haben."
       
       Welche wunderbare  Durcheinanderwerfung von Worten unsers Wucher-
       logikers! Hier ist er wieder mit seinem gestiegnen Wert des Kapi-
       tals! Er  scheint sich einzubilden, daß auf der einen Seite diese
       enorme Ausdehnung  des Reproduktionsprozesses vorging, also Akku-
       mulation von wirklichem Kapital, und daß auf der andern Seite ein
       "Kapital" stand,  nach welchem  "enorme Nachfrage"  entsprang, um
       diese so riesige Vermehrung des Handels fertigzubringen! War denn
       diese riesige  Vermehrung der Produktion nicht selbst die Vermeh-
       rung des  Kapitals, und wenn sie Nachfrage schuf, schuf sie nicht
       zugleich auch die Zufuhr und nicht auch zugleich selbst eine ver-
       mehrte Zufuhr  von Geldkapital?  Stieg der  Zinsfuß sehr hoch, so
       doch nur,  weil die Nachfrage nach Geldkapital noch rascher wuchs
       als die  Zufuhr, was in andern Worten sich darin auflöst, daß mit
       der Ausdehnung  der industriellen Produktion ihre Führung auf Ba-
       sis des  Kreditsystems sich  ausdehnte. Mit  andern  Worten,  die
       wirkliche industrielle Expansion verursachte eine vermehrte Nach-
       frage nach  "Akkommodation", und diese letztere Nachfrage ist au-
       genscheinlich das, was unser Bankier unter der "enormen Nachfrage
       nach Kapital" versteht. Es ist sicher nicht die Ausdehnung
       -----
       1*) Emporkömmlings
       
       #439# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
       -----
       der bloßen  Nachfrage nach  Kapital, die  den Exporthandel von 45
       auf 120  Millionen hob.  Und was versteht Overstone weiter darun-
       ter, wenn  er sagt, daß die vom Krimkrieg aufgefreßnen jährlichen
       Ersparnisse des  ndes die  natürliche Quelle der Zufuhr für diese
       große Nachfrage  bilden? Erstens, womit akkumulierte denn England
       von 1792-1815, was ein ganz andrer Krieg war als der kleine Krim-
       krieg? Zweitens, wenn die natürliche Quelle vertrocknet, aus wel-
       cher Quelle  floß denn das Kapital? England hat bekanntlich nicht
       bei fremden  Nationen Vorschüsse genommen. Wenn es aber neben der
       natürlichen Quelle noch eine künstliche gibt, so wäre das ja eine
       allerliebste Methode  für eine  Nation, die  natürliche Quelle im
       Krieg und  die künstliche  Quelle im  Geschäft zu verwenden. Wenn
       aber nur  das alte Geldkapital vorhanden war, konnte es durch ho-
       hen Zinsfuß  seine Wirksamkeit  verdoppeln? Herr Overstone glaubt
       offenbar, daß  die jährlichen Ersparnisse des Landes (die aber in
       diesem Fall angeblich konsumiert wurden) sich bloß in Geldkapital
       verwandeln. Wenn  aber keine wirkliche Akkumulation, d.h. Steige-
       rung der  Produktion und  Vermehrung der Produktionsmittel statt-
       fände, was  würde die  Akkumulation von Schuldansprüchen in Geld-
       form auf diese Produktion nützen?
       Die Steigerung des "Werts des Kapitals", die aus hoher Profitrate
       folgt, wirft  Overstone zusammen mit der Steigerung, die aus ver-
       mehrter Nachfrage  nach Geldkapital  folgt. Diese  Nachfrage  mag
       steigen aus  Ursachen, die  ganz unabhängig  von  der  Profitrate
       sind. Er selbst führt als Beispiel an, daß sie 1847 stieg infolge
       von Entwertung  des Realkapitals. je nachdem es ihm paßt, bezieht
       er den Wert des Kapitals auf Realkapital oder auf Geldkapital.
       Die Unredlichkeit  unsers Banklords, zusammen mit seinem bornier-
       ten Bankierstandpunkt,  den er  didaktisch zuspitzt,  zeigt  sich
       weiter in folgendem:
       
       3728. (Frage.)  Sie sagten,  daß nach Ihrer Ansicht die Diskonto-
       rate für den Kaufmann von keiner wesentlichen Bedeutung ist; wol-
       len Sie gütigst sagen, was Sie als die gewöhnliche Profitrate an-
       sehn?"
       
       Dies zu beantworten erklärt Herr Overstone für "unmöglich."
       
       3729. "Angenommen,  die Durchschnittsprofitrate sei 7-10%; so muß
       eine Änderung  in der  Diskontorate von 2% auf 7 oder 8% die Pro-
       fitrate wesentlich affizieren, nicht wahr?"
       
       (Die Frage  selbst wirft  die Rate des Unternehmergewinns und die
       Profitrate zusammen und übersieht, daß die Profitrate die gemein-
       same Quelle von Zins und Unternehmergewinn. Die Zinsrate kann die
       Profitrate
       
       #440# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       unberührt lassen,  aber  nicht  den  Unternehmeirgewinn.  Antwort
       Overstones:)
       
       "Erstens werden  Geschäftsleute nicht eine Diskontorate bezahlen,
       die ihren  Profit wesentlich  vorwegnimmt; sie  werden lieber ihr
       Geschäft einstellen."
       
       (Jawohl, wenn  sie können,  ohne sich  zu ruinieren.  Solange ihr
       Profit hoch, zahlen sie den Diskonto, weil sie wollen, und sobald
       er niedrig, weil sie müssen.)
       
       "Was bedeutet  Diskonto? Warum  diskontiert  jemand  einen  Wech-
       sel?... Weil er ein größres Kapital zu erlangen wünscht";
       
       (halte-là! 1*) weil er den Geldrückfluß seines festgelegten Kapi-
       tals zu  antizipieren und den Stillstand seines Geschäfts zu ver-
       meiden wünscht.  Weil er  fällige Zahlung  decken muß. Vermehrtes
       Kapital verlangt  er nur, wenn das Geschäft gut geht oder wenn er
       auf fremdes  Kapital spekuliert, selbst während es schlecht geht.
       Der Diskonto  ist keineswegs  bloß Mittel  zur Ausdehnung des Ge-
       schäfts.)
       
       "Und warum  will er das Kommando über ein größeres Kapital erhal-
       ten? Weil  er dies  Kapital anwenden will; und warum will er dies
       Kapital anwenden?  Weil dies  profitlich ist;  es wäre aber nicht
       profitlich für ihn, wenn der Diskonto seinen Profit verschlänge."
       
       Dieser selbstgefällige  Logiker unterstellt, daß Wechsel nur dis-
       kontiert werden,  um das  Geschäft auszudehnen,  und daß  das Ge-
       schäft ausgedehnt wird, weil es profitlich ist. Die erste Voraus-
       setzung ist falsch. Der gewöhnliche Geschäftsmann diskontlert, um
       die Geldform  seines Kapitals zu antizipieren und dadurch den Re-
       produktionsprozeß im Fluß zu erhalten; nicht um das Geschäft aus-
       zudehnen oder  Zusatzkapital aufzubringen, sondern um den Kredit,
       den er  gibt, auszugleichen  durch den  Kredit, den er nimmt. Und
       wenn er  sein Geschäft  auf Kredit  ausdehnen will,  wird ihm das
       Diskontleren von  Wechseln wenig  nutzen, das  ja bloß ein Umsatz
       von schon  in seiner Hand befindlichem Geldkapital aus einer Form
       in eine  andre ist; er wird lieber eine feste Anleihe auf längere
       Zeit aufnehmen.  Der Kreditritter allerdings wird seine Reitwech-
       sel diskontieren  lassen, um  sein Geschäft  auszudehnen, um  ein
       faules Geschäft durch das andre zu decken; nicht um Profit zu ma-
       chen, sondern um sich in Besitz von fremdem Kapital zu setzen.
       Nachdem Herr  Overstone so den Diskonto identifiziert mit Anleihe
       von Zusatzkapital  (statt mit Verwandlung von Wechseln, die Kapi-
       tal repräsentieren,
       -----
       1*) halt mal!
       
       #441# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
       -----
       in bares Geld), zieht er sich sofort zurück, sobald ihm die Daum-
       schrauben angesetzt werden.
       
       3730. (Frage:)  "Müssen nicht Kaufleute, einmal im Geschäft enga-
       giert, ihre  Operationen für  einen gewissen  Zeitraum fortfahren
       trotz   einer   zeitweiligen   Steigerung   des   Zinsfußes?"   -
       (Overstone:) "Es  ist kein Zweifel, daß bei irgendeiner einzelnen
       Transaktion, wenn jemand Veng über Kapital erhalten kann zu einem
       niedrigem Zinsfuß  statt zu  einem hohen  Zinsfuß, die  Sache von
       diesem beschränkten Gesichtspunkt genommen, daß das für ihn ange-
       nehm ist."
       
       Dagegen ist  es ein unbeschränkter Gesichtspunkt, wenn Herr Over-
       stone unter "Kapital" nun plötzlich nur sein Bankierskapital ver-
       steht und  daher den  Mann, der  bei ihm Wechsel diskontiert, als
       einen Mann  ohne Kapital  betrachtet, weil sein Kapital in Waren-
       form existiert oder die Geldform seines Kapitals ein Wechsel ist,
       den Herr Overstone in andre Geldform übersetzt.
       
       3732. "Mit  Beziehung auf  den Bankakt von 1844, können Sie ange-
       ben, was  das ungefähre  Verhältnis des Zinsfußes zur Goldreserve
       der Bank  war, ist  es richtig,  daß, wenn das Gold in der Bank 9
       oder 10  Millionen betrug, der Zinsfuß 6 oder 7% war, und wenn es
       16 Millionen war, der Zinsfuß auf etwa 3 bis 4% stand?"
       
       (Der Fragesteller will ihn zwingen, den Zinsfuß, soweit er beein-
       flußt durch die Menge des Goldes in der Bank, zu erklären aus dem
       Zinsfuß, soweit er beeinflußt durch den Wert des Kapitals.)
       
       "Ich sage  nicht, daß  das der  Fall ist... aber wenn dem so ist,
       dann müssen  wir meiner  Ansicht nach noch schärfre Maßregeln er-
       greifen als  die von  1844; denn wenn es wahr sein sollte, daß je
       größer der  Goldschatz, desto  niedriger der Zinsfuß, dann müßten
       wir an  die Arbeit  gehn, nach  dieser Ansicht der Sache, und den
       Goldschatz bis  auf einen  unbegrenzten Betrag  erhöhen, und dann
       würden wir den Zins auf 0 herabbringen."
       
       Der Fragesteller  Cayley, ungerührt durch diesen schlechten Witz,
       fährt fort:
       
       3733. "Wenn  dem so  wäre, angenommen, es würden 5 Millionen Gold
       der Bank  zurückgegeben, so  würde im Lauf der nächsten sechs Mo-
       nate der  Goldschatz etwa  16 Millionen betragen, und angenommen,
       der Zinsfuß fiele so auf 3 bis 4%, wie könnte dann behauptet wer-
       den, daß der Fall im Zinsfuß von einer großen Abnahme im Geschäft
       herrührte? -  Ich sagte,  die neuliche große Erhöhung des Zinsfu-
       ßes, nicht  der Fall  des Zinsfußes,  sei eng  verknüpft mit  der
       großen Ausdehnung des Geschäfts."
       
       Aber was  Cayley sagt,  ist dies: Wenn Steigen des Zinsfußes, zu-
       sammen mit  Kontraktion des  Goldschatzes, Zeichen der Ausdehnung
       des Geschäfts ist, so muß Fallen des Zinsfußes, zusammen mit Aus-
       dehnung des Goldschatzes,
       
       #442# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Zeichen der  Abnahme des  Geschäfts sein.  Hierauf hat Overstorie
       keine Antwort.
       
       3736. {Frage:} "Ich bemerke, Sie" (im Text steht immer Your Lord-
       ship 1*)) "sagten, daß Geld das Instrument sei, um Kapital zu er-
       halten."
       
       (Dies ist  eben die Verkehrtheit, es als Instrument zu fassen; es
       ist  F o r m  des Kapitals.)
       
       "Bei Abnahme  des Goldschatzes"  (der Bank  von England) "besteht
       nicht   die    große   Schwierigkeit    umgekehrt   darin,    daß
       K a p i t a l i s t e n     kein   Geld   erhalten   können?'   -
       {Overstone:} "Nein,  es sind  nicht die Kapitalisten, es sind die
       Nichtkapitalisten, die  Geld zu erlangen suchen, und warum suchen
       sie Geld zu erlangen?... Weil vermittelst des Geldes sie das Kom-
       mando über das Kapital des Kapitalisten erlangen, um das Geschäft
       von Leuten zu führen, die keine Kapitalisten sind."
       
       Hier erklärt er geradezu, daß Fabrikanten und Kaufleute keine Ka-
       pitalisten sind  und daß das Kapital des Kapitalisten nur Geldka-
       pital ist.
       
       3737. "Sind  denn die  Leute, die  Wechsel ziehn, keine Kapitali-
       sten? -  Die Leute, die Wechsel ziehn sind möglicherweise Kapita-
       listen und möglicherweise auch nicht."
       
       Hier sitzt er fest.
       Er wird nun gefragt, ob die Wechsel der Kaufleute nicht die Waren
       repräsentieren, die  sie verkauft oder verschafft haben. Er leug-
       net, daß diese Wechsel den Wert der Waren ganz so repräsentieren,
       wie die  Banknote das  Gold. (3740,  3741.) Dies ist etwas unver-
       schämt.
       
       3742. "Ist  nicht der  Zweck des  Kaufmanns, Geld  zu erhalten? -
       Nein; Geld  zu erhalten ist nicht der Zweck beim Ziehen des Wech-
       sels; Geld  zu erhalten ist der Zweck beim Diskontieren des Wech-
       sels."
       
       Wechselziehen ist  Verwandlung von  Ware in eine Form von Kredit-
       geld wie  Wechseldiskontieren Verwandlung  dieses Kreditgelds  in
       andres, nämlich  Banknoten. Jedenfalls  gibt Herr  Overstone hier
       zu, daß der Zweck des Diskontierens ist, Geld zu erhalten. Vorher
       ließ er  nur diskontieren, nicht um Kapital aus einer Form in die
       andre zu verwandeln, sondern um Zusatzkapital zu erhalten.
       
       3743. "Was  ist der  große Wunsch  der Geschäftswelt,  unter  dem
       Druck einer Panik, wie sie nach Ihrer Aussage 1825, 1837 und 1839
       vorgekommen ist;  ecken sie  in den  Besitz von Kapital zu kommen
       oder von  gesetzmäßigem Zahlungsgeld?  - Sie  bezwecken, das Kom-
       mando über Kapital zu erhalten, um ihr Geschäft fortzuführen."
       
       Ihr Zweck  ist, Zahlungsmittel  für verfallende  Wechsel auf  sie
       selbst zu  erhalten, wegen des eingetretnen Kreditmangels, und um
       nicht ihre Waren
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       1*) Eure Lordschaft
       
       #443# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
       -----
       unter dem Preis losschlagen zu müssen. Haben sie selbst überhaupt
       kein Kapital,  so erhalten  sie mt  den Zahlungsmitteln natürlich
       zugleich Kapital,  weil sie  Wert ohne  Äquivalent erhalten.  Das
       Verlangen nach  Geld als solchem besteht stets nur in dem Wunsch,
       Wert aus  der Form  von Ware oder Schuldforderung in die Form von
       Geld umzusetzen.  Daher auch  abgesehn von  den Krisen, der große
       Unterschied zwischen  Kapitalaufnahme und Diskonto, der bloß Ver-
       wandlung von Geldforderungen aus einer Form in die andre, oder in
       wirkliches Geld, zuwege bringt.
       {Ich - der Herausgeber - erlaube mir hier eine Zwischenbemerkung.
       Bei Norman  wie bei Loyd-Overstone steht der Bankier immer da als
       jemand, der  Kapital vorschießt",  und sein  Kunde als derjenige,
       der "Kapital"  von ihm  verlangt. So  sagt Overstone, jemand läßt
       durch ihn Wechsel diskontieren, weil er  K a p i t a l  zu erlan-
       gen wünscht" (3729), und es sei angenehm für denselben Mann, wenn
       er   "V e r f ü g u n g  ü b e r  K a p i t a l  erhalten kann zu
       niedrigem  Zinsfuß"   (3730).  Geld   ist  das   Instrument,   um
       K a p i t a l   zu erhalten"  (3736), und  in einer Panik ist der
       große Wunsch  der Geschäftsweit, Kommando über  K a p i t a l  zu
       erhalten" (3743).  Bei aller Verwirrung Loyd-Overstones über das,
       was Kapital  ist, geht  doch soviel  klar hervor, daß er das, was
       der Bankier dem Geschäftskunden gibt, als Kapital bezeichnet, als
       ein vom  Kunden vorher  nicht besessenes, ihm vorgeschoßnes Kapi-
       tal, das  zusätzlich ist  zu dem,  worüber der  Kunde bisher ver-
       fügte.
       Der Bankier  hat sich  so sehr  daran gewöhnt, als Verteiler - in
       Form des Verleihens - des in Geldform disponiblen gesellschaftli-
       chen Kapitals zu figurieren, daß ihm jede Funktion, wobei er Geld
       weggibt, als ein Verleihen vorkommt. Alles Geld, das er auszahlt,
       erscheint ihm  als ein  Vorschuß. Ist das Geld direkt auf Anleihe
       ausgelegt, so  ist dies  wörtlich richtig.  Ist es im Wechseldis-
       konto angelegt,  so ist es in der Tat für ihn selbst Vorschuß bis
       zum Verfall  des Wechsels.  So befestigt  sich in seinem Kopf die
       Vorstellung, daß  er keine  Zahlungen machen kann, die nicht Vor-
       schüsse sind.  Und zwar  Vorschüsse, nicht etwa bloß in dem Sinn,
       daß jede Geldanlage zum Zweck des Zins- oder Profitmachens ökono-
       misch als ein Vorschuß betrachtet wird, den der betreffende Geld-
       besitzer in seiner Eigenschaft als Privatmann sich selbst in sei-
       ner Eigenschaft  als Unternehmer macht. Sondern Vorschüsse in dem
       bestimmten Sinn,  daß der Bankier dem Kunden eine Summe leihweise
       übergibt, die das dem letzteren zur Verfügung stehende Kapital um
       ebensoviel vermehrt.
       Es ist  diese Vorstellung, die, aus dem Bankkontor in die politi-
       sche Ökonomie  übertragen, die verwirrende Streitfrage geschaffen
       hat, ob das, was der Bankier seinen Geschäftskunden in barem Geld
       zur Verfügung stellt,
       
       #444# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Kapital ist  oder bloß  Geld,  Zirkulationsmittel,  Currency?  Um
       diese -  im Grunde  einfache - Streitfrage zu entscheiden, müssen
       wir uns  auf den Standpunkt des Bankkunden stellen. Es kommt dar-
       auf an, was dieser verlangt und erhält.
       Bewilligt die  Bank dem  Geschäftskunden eine Anleihe einfach auf
       seinen persönlichen Kredit, ohne Sicherheitsstellung seinerseits,
       so ist die Sache klar. Er erhält unbedingt einen Vorschuß von be-
       stimmter Wertgröße  als Zusatz zu seinem bisher angewandten Kapi-
       tal. Er erhält ihn in Geldform; also nicht nur Geld, sondern auch
       Geld k a p i t a l.
       Erhält er den Vorschuß geleistet gegen Verpfändung von Wertpapie-
       ren etc.,  so ist  es Vorschuß  in dem Sinn, daß ihm Geld gezahlt
       worden ist  unter Vorbehalt  der Rückzahlung. Aber nicht Vorschuß
       von Kapital.  Denn die  Wertpapiere repräsentieren  auch Kapital,
       und zwar einen höheren Betrag als der Vorschuß. Der Empfänger er-
       hält also weniger Kapitalwert, als er in Pfand gibt; dies ist für
       ihn durchaus  keine Akquisition  von Zusatzkapital.  Er macht das
       Geschäft nicht, weil er Kapital braucht - das hat er ja in seinen
       Wertpapieren -,  sondern weil  er Geld  braucht. Hier  liegt also
       Vorschuß von  G e l d  vor, aber nicht von Kapital.
       Wird der  Vorschuß geleistet gegen Diskonto von Wechseln, so ver-
       schwindet auch  die   F o r m   des Vorschusses. Es liegt vor ein
       reiner Kauf  und Verkauf. Der Wechsel geht durch Endossement über
       in das  Eigentum der Bank, das Geld dagegen ins Eigentum der Kun-
       den; von  Rückzahlung seinerseits  ist keine Rede. Wenn der Kunde
       mit einem Wechsel oder ähnlichen Kreditinstrument bar Geld kauft,
       so ist das nicht mehr oder nicht minder ein Vorschuß, als wenn er
       das bare  Geld mit seiner sonstigen Ware, Baumwolle, Eisen, Korn,
       gekauft hätte. Und am allerwenigsten kann hier von einem Vorschuß
       von   K a p i t a l   die Rede  sein. Jeder Kauf und Verkauf zwj-
       schen Händler  und Händler ist eine Übertragung von Kapital. Aber
       ein Vorschuß  kommt nur  da vor,  wo die  Übertragung von Kapital
       nicht wechselseitig ist, sondern einseitig und auf Zeit. Kapital-
       vorschuß durch  Wechseldiskonto kann  also nur da stattfinden, wo
       der Wechsel  ein Reitwechsei  ist, der gar keine verkauften Waren
       repräsentiert, und  den nimmt kein Bankier, sobald er ihn für das
       erkennt, was er ist. Im regelmäßigen Diskontogeschäft erhält also
       der Bankkunde  keinen Vorschuß,  weder in  Kapital noch  in Geld,
       sondern er erhält Geld für verkaufte Ware.
       Die Fälle, wo der Kunde von der Bank Kapital verlangt und erhält,
       sind also  sehr deutlich unterschieden von denen, wo er bloß Geld
       vorgeschossen erhält  oder bei  der Bank kauft. Und da namentlich
       Herr Loyd-Overstone nur in den allerseltensten Fällen seine Fonds
       ohne Deckung vorzuschießen
       
       #445# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
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       pflegte (er  war der  Bankier meiner Firma in Manchester), so ist
       ebenfalls klar,  daß seine  schönen Schilderungen  von den Massen
       Kapital, die die großmütigen Bankiers den kapitalentbehrenden Fa-
       brikanten vorschießen, arge Flunkerei sind.
       Im Kapitel  XXXII 1*)  sagt Marx  übrigens in der Hauptsache das-
       selbe: "Die  Nachfrage nach  Zahlungsmitteln ist  bloße Nachfrage
       nach   U m s e t z b a r k e i t  i n  G e l d,  soweit die Kauf-
       leute und  Produzenten gute Sicherheiten bieten können; ist Nach-
       frage nach   G e l d k a p i t a l,   soweit  dies nicht der Fall
       ist; soweit also ein Vorschuß von Zahlungsmitteln ihnen nicht nur
       die   G e l d f o r m   gibt, sondern  auch das  ihnen  mangelnde
       Äquivalent, in welcher Form es sei, zum Zahlen." - Ferner in Kap.
       XXXIII 2*):  "Bei entwickeltem  Kreditwesen, wo  sich das Geld in
       den   Händen    der   Banken    konzentriert,   sind    sie   es,
       w e n i g s t e n s  n o m i n e l l,  die es vorschießen. Dieser
       Vorschuß bezieht  sich nur 3*) auf das in Zirkulation befindliche
       Geld. Es ist Vorschuß von  Z i r k u l a t i o n,  nicht Vorschuß
       der Kapitale,  die diese zirkuliert." - Auch Herr Chapman, der es
       wissen muß,  bestätigt obige  Auffassung  des  Diskontogeschäfts,
       B.C., 1857:
       
       "Der  Bankier   hat  den   Wechsel,  der   Bankier  hat     d e n
       W e c h s e l  g e k a u f t."  Evid. Frage 5139.
       
       Wir kommen  übrigens im Kap. XXVIII 4*) nochmals auf dieses Thema
       zurück. - F. E.}
       
       3744. "Wollen  Sie gefälligst beschreiben, was Sie unter dem Aus-
       druck Kapital wirklich verstehn? - {Antwort Overstones:} "Kapital
       besteht aus verschiednen Waren, vermittelst deren das Geschäft in
       Gang gehalten  wird (capital  consists of  various commodities by
       the means  of which  trade is carried on); es gibt fixes Kapital,
       und es  gibt zirkulierendes  Kapital. Ihre  Schiffe, Ihre  Docks,
       Ihre Werften  sind fixes Kapital, Ihre Lebensmittel, Ihre Kleider
       usw. sind zirkulierendes Kapital."
       
       3745. "Hat  der Abfluß  des Goldes  ins Ausland schädliche Folgen
       für England? - Nicht, solange man mit diesem Wort einen rationel-
       len Sinn verbindet."
       
       (Nun kommt die alte Ricardosche Geldtheorie.)
       
       ... "Im  natürlichen Zustand der Dinge verteilt sich das Geld der
       Welt auf  die verschiednen Länder der Welt in gewissen Proportio-
       nen; diese  Proportionen sind  der. art,  daß bei solcher Vertei-
       lung" des  {Geldes} der Verkehr zwischen irgendeinem Lande einer-
       seits und  allen andren  Ländern der  Welt andrerseits ein bloßer
       Tauschverkehr ist;  aber es  gibt störende  Einflüsse, die  diese
       Verteilung von  Zeit zu Zeit affizieren, und wenn diese Einflüsse
       entstehn, fließt ein Teil des Geldes eines gegebnen
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 531 - 2*) siehe vorl. Band, S. 547 - 3*)
       1. Auflage: nicht - 4*) siehe vorl. Band, S. 472/473
       
       #446# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Landes in  andre Länder  ab." -  3746. "Sie  gebrauchen jetzt den
       Ausdruck: Geld.  Wenn ich  Sie früher  recht verstand, so nannten
       Sie das einen Verlust von Kapital. - Was nannte ich einen Verlust
       von Kapital?"  - 3747.  "Den Goldabfluß.  - Nein,  das sagte  ich
       nicht. Wenn  Sie Gold als Kapital behandeln, so ist es ohne Zwei-
       fel ein  Verlust von  Kapital; es ist Weggabe einer gewissen Pro-
       portion des  Edelmetalls, woraus  das Weltgeld  besteht." - 3748.
       "Sagten Sie nicht vorher, daß ein Wechsel in der Rate des Diskon-
       tos ein bloßes Anzeichen sei eines Wechsels im Wert des Kapitals?
       - Jawohl."  3749. "Und  daß die Rate des Diskontos im allgemeinen
       wechselt mit  der Goldreserve  in der Bank von England? - Jawohl;
       aber ich habe bereits gesagt, daß die Schwankungen des Zinsfußes,
       die aus einem Wechsel in der Quantität des Geldes" (also darunter
       versteht er  hier die  Quantität des  wirklichen Goldes) in einem
       Lande entspringen, sehr geringfügig sind..."
       3750. "Wollen Sie also sagen, daß eine Kapitalabnahme stattgefun-
       den hat,  wenn eine  längre, aber doch nur zeitweilige Steigerung
       des Diskontos  über den  gewöhnlichen Satz  stattgefunden hat?  -
       Eine Abnahme  in einem  gewissen Sinn  des Worts.  Das Verhältnis
       zwischen dem  Kapital und  der Nachfrage  danach hat  gewechselt;
       möglicherweise aber  durch vermehrte  Nachfrage, nicht durch eine
       Abnahme in der Quantität des Kapitals."
       
       (Aber es  war ja  eben Kapital  = Geld oder Gold, und es war noch
       etwas früher  die Steigerung des Zinsfußes erklärt durch die hohe
       Profitrate, die  aus der  Ausdehnung, nicht der Einschränkung des
       Geschäfts oder Kapitals entsprang.)
       
       3751. "Was ist das für ein Kapital, das Sie hier speziell im Auge
       haben? -  Das kommt  ganz darauf an, was das für ein Kapital ist,
       das jeder  einzelne nötig hat. Es ist das Kapital, das die Nation
       zu ihrer  Vegung hat, um ihr Geschäft fortzufahren, und wenn dies
       Geschäft sich  verdoppelt, so muß eine große Zunahme eintreten in
       der Nachfrage  nach dem  Kapital,  womit  es  fortgeführt  werden
       soll."
       
       (Dieser pfiffige  Bankier verdoppelt  erst das  Geschäft und dann
       hinterher die  Nachfrage nach  dem Kapital,  womit es  verdoppelt
       werden soll. Er sieht immer nur seinen Kunden, der bei Herrn Loyd
       ein größres Kapital verlangt, um sein Geschäft zu verdoppeln.)
       
       "Das Kapital  ist wie  jede andre Ware"; (aber das Kapital ist ja
       nach Herrn  Loyd eben nichts andres als die Gesamtheit der Waren)
       "es wechselt  in seinem  Preise" (die Waren wechseln also doppelt
       im Preis,  einmal qua  Waren, das andre Mal qua Kapital) "je nach
       Nachfrage und Angebot."
       3752. "Die Schwankungen in der Rate des Diskontos stehn im allge-
       meinen im  Zusammenhang mit  den Schwankungen des Goldbetrages in
       der Schatzkammer  der Bank. Ist dies das Kapital, das Sie meinen?
       - Nein." - 3753. "Können Sie ein Beispiel angeben, wo in der Bank
       von England  ein großer  Kapitalvorrat aufgehäuft war und gleich-
       zeitig die  Rate des Diskontos hoch stand? - In der Bank von Eng-
       land wird nicht
       
       #447# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
       -----
       Kapital aufgehäuft,  sondern Geld."  - 3754. "Sie sagten aus, daß
       der Zinsfuß abhängt von der Menge des Kapitals; wollen Sie gefäl-
       ligst angeben, was für Kapital Sie meinen und ob Sie ein Beispiel
       anführen können,  wo ein  großer Goldvorrat  in der  Bank lag und
       gleichzeitig der  Zinsfuß hoch  stand? -  Es ist sehr wahrschein-
       lich", (aha!)  "daß die  Anhäufung von Gold in der Bank zusammen-
       fallen mag  mit einem niedrigen Zinsfuß, weil eine Periode gerin-
       gerer Nachfrage nach Kapital" (nämlich Geldkapital; die Zeit, von
       der hier  die Rede ist, 1844 und 1845, waren Zeiten der Prosperi-
       tät) "eine Periode ist, während deren natürlicherweise das Mittel
       oder Werkzeug, vermöge dessen man über Kapital kommandiert, akku-
       mulieren kann."  - 3755. "Sie glauben also, daß kein Zusammenhang
       existiert zwischen  der Rate  des Diskontos  und  der  Masse  des
       Goldes im  Bankschatz? - Es mag ein Zusammenhang existieren, aber
       es ist  kein prinzipieller  Zusammenhang"; (sein Bankakt von 1844
       macht es aber grade zum Prinzip der Bank von England, den Zinsfuß
       zu regulieren  nach dermasse  des in  ihrem  Besitz  befindlichen
       Goldes) sie  mögen gleichzeitig stattfinden (there may be a coin-
       cidence of  time).- 3758.  "Beabsichtigen Sie  also zu sagen, daß
       die Schwierigkeit  bei den Kaufleuten hierzulande, in geldknapper
       Zeit, infolge hoher Rate des Diskontos, darin besteht, Kapital zu
       bekommen, und  nicht darin,  Geld zu  bekommen? - Sie werfen zwei
       Dinge zusammen,  die ich nicht in dieser Form zusammenbringe; die
       Schwierigkeit besteht darin, Kapital zu bekommen, und die Schwie-
       rigkeit ist  ebenfalls, Geld  zu bekommen...  Die  Schwierigkeit,
       Geld zu  bekommen, und die Schwierigkeit, Kpital zu bekommen, ist
       dieselbe Schwierigkeit,  betrachtet auf  zwei verschiednen Stufen
       ihres Verlaufs."
       
       Hier sitzt  der Fisch  wieder fest.  Die erste Schwierigkeit ist,
       einen Wechsel  zu diskontieren oder einen Vorschuß auf Warenpfand
       zu erhalten. Es ist Schwierigkeit, Kapital oder ein kommerzielles
       Wertzeichen für  Kapital in Geld zu verwandeln. Und diese Schwie-
       rigkeit drückt  sich aus,  unter andrem, im hohen Zinsfuß. Sobald
       aber das  Geld empfangen  ist,  worin  besteht  dann  die  zweite
       Schwierigkeit? Wenn es sich nur ums Zahlen handelt, findet jemand
       Schwierigkeit, sein Geld loszuwerden? Und wenn es sich ums Kaufen
       handelt, wo  hat ie  jemand in  Zeiten der Krisis Schwierigkeiten
       gefunden, um  einzukaufen? Und gesetzt auch, dies bezöge sich auf
       den besondren  Fall einer  Teurung in  Korn, Baumwolle  etc.,  so
       könnte diese  Schwierigkeit sich  doch nur  zeigen, nicht  in dem
       Wert des Geldkapitals, d.h. dem Zinsfuß, sondern in dem Preis der
       Ware; und  diese Schwierigkeit ist ja dadurch überwunden, daß un-
       ser Mann jetzt das Geld hat, sie zu kaufen.
       
       3760. "Aber  eine höhere  Rate des  Diskontos ist  doch eine ver-
       mehrte Schwierigkeit,  Geld zu erhalten? - Sie ist eine vermehrte
       Schwierigkeit, Geld  zu erhalten, aber es ist nicht das Geld, auf
       dessen Besitz  es ankommt;  es ist nur die Form", (und diese Form
       bringt Profit  in die  Tasche des  Bankiers) worin  die vermehrte
       Schwierigkeit, Kapital zu erhalten, sich in den komplizierten Be-
       ziehungen eines zivilisierten Zustandes darbietet."
       
       #448# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       
       3763. {Antwort  Overstones:} Der  Banker ist der Mittelsmann, der
       auf der  einen Seite  Depositen empfängt und auf der andren Seite
       diese Depositen  anwendet, indem  er sie,   i n   d e r   F o r m
       v o n  K a p i t a l,  anvertraut in die Hinde von Personen, wel-
       che etc."
       
       Hier haben wir endlich, was er unter Kapital versteht. Er verwan-
       delt das  Geld in  Kapital, indem er es "anvertraut", weniger eu-
       phemistisch, indem er es auf Zinsen ausleiht.
       Nachdem Herr  Overstone vorher  gesagt, daß  Änderung in der Rate
       des Diskontos  nicht im wesentlichen Zusammenhang stehe mit Ände-
       rung im  Betrag des Goldschatzes der Bank oder der Menge des vor-
       handnen Geldes,  sondern höchstens im Zusammenhang der Gleichzei-
       tigkeit, wiederholt er:
       
       3805. "Wenn  das Celd  im nde  durch Abfluß  vermindert wird,  so
       steigt sein  Wert, und die Bank von England muß sich diesem Wech-
       sel im Wert des Geldes anpassen."
       
       (Also in  dem Wert  des Geldes   a l s  K a p i t a l,  in andren
       Worten, im Zinsfuß, denn der Wert des Geldes als  G e l d,  verg-
       lichen mit Waren, bleibt derselbe.)
       
       "Was man technisch so ausdrückt, daß sie den Zinsfuß erhöht."
       3819. "Ich werfe die beiden nie durcheinander."
       
       Nämlich Geld  und Kapital,  aus dem einfachen Grunde, weil er sie
       nie unterscheidet.
       3834. "Die  sehr große  Summe, die' (für Korn im Jahre 1847). für
       den notwendigen  Lebensunterhalt  des  Landes  weggezahlt  werden
       mußte und die  i n  d e r  T a t  K a p i t a l  w a r."
       3841. "Die  Schwankungen in  der Rate des Diskontos haben unzwei-
       felhaft eine  sehr nahe  Beziehung zu  dem Stand der Goldreserve"
       {der Bank  von England},  "denn der Stand der Reserve ist der An-
       zeiger der  Zunahme oder  Abnahme der  im Lande  vorhandnen Geld-
       menge; und  im Verhältnis, wie das Geld im Lande zunimmt oder ab-
       nimmt, fällt  oder steigt  der Wert  des Geldes, und die Bankrate
       des Diskontos wird sich dem anpassen."
       
       Hier gibt  er also das zu, was er in Nr. 3755 ein für allemal ab-
       leugnete.
       
       3842. "Es findet ein enger Zusammenhang zwischen beiden statt."
       
       Nämlich der  Menge des Goldes im issue department und der Reserve
       von Noten  im banking  department. Hier erklärt er den Wechsel im
       Zinsfuß aus  dem Wechsel  in der  Quantität des Geldes. Dabei ist
       falsch, was  er sagt.  Die Reserve kann abnehmen, weil das zirku-
       lierende Geld  im Grunde zunimmt. Dies ist der Fall, wenn das Pu-
       blikum mehr  Noten nimmt und der Metallschatz nicht abnimmt. Aber
       dann steigt  der Zinsfuß,  weil dann das Bankkapital der Bank von
       England nach dem Gesetz von 1844 [64] limitiert
       
       #449# 26. Kapitel - Akkumulation von Geldkapital usw.
       -----
       ist. Davon  darf er aber nicht sprechen, da infolge dieses Geset-
       zes die  zwei Departements der Bank nichts miteinander gemein ha-
       ben.
       
       3859. "Eine  hohe Profitrate wird stets eine große Nachfrage nach
       Kapital erzeugen;  eine große  Nachfrage nach Kapital wird seinen
       Wert steigern."
       
       Hier also  endlich der Zusammenhang zwischen hoher Profitrate und
       Nachfrage nach  Kapital, wie  Overstone sich  ihn vorstellt.  Nun
       herrschte z.B.  1844/45 in  der Baumwollindustrie  eine hohe Pro-
       fitrate, weil  bei starker Nachfrage für Baumwollenwaren Rohbaum-
       wolle wohlfeil war und wohlfeil blieb. Der Wert des Kapitals (und
       nach einer  frühern Stelle nennt Overstone Kapital dasjenige, was
       jeder in  seinem Geschäft  braucht), also  hier der Wert der Roh-
       baumwolle, wurde  nicht erhöht  für den  Fabrikanten. Nun mag die
       hohe Profitrate  manchen Baumwollfabrikanten veranlaßt haben, zur
       Erweiterung seines  Geschäfts Geld  auf zunehmen.  Dadurch  stieg
       seine Nachfrage für  G e l d kapital und für sonst nichts.
       
       3889. "Gold  kann Geld  sein oder  auch nicht,  gerade wie Papier
       eine Banknote sein kann oder auch nicht."
       3896. "Verstehe ich Sie also richtig dahin, daß Sie den Satz auf-
       geben, den Sie 1840 anwandten: daß die Schwankungen in den zirku-
       lierenden Noten  der Bank  von England  sich richten sollten nach
       den Schwankungen im Betrag des Goldschatzes? - Ich gebe ihn inso-
       fern auf...  daß nach dem heutigen Stand unsrer Kenntnisse wir zu
       den zirkulierenden Noten noch diejenigen Noten hinzuaddieren müs-
       sen, welche in der Bankreserve der Bank von England liegen."
       
       Dies ist  superlativ. Die  willkürliche Bestimmung,  daß die Bank
       soviel Papiernoten  macht, wie sie Gold im Schatz hat und 14 Mil-
       lionen mehr,  bedingt natürlich,  daß ihre  Notenausgabe schwankt
       mit den Schwankungen des Goldschatzes. Da aber "der heutige Stand
       unsrer Kenntnise"  klar zeigte, daß die Masse Noten, die die Bank
       hiernach fabrizieren  kann (und die das issue department dem ban-
       king department  überträgt) -  daß diese mit den Schwankungen des
       Goldschatzes schwankende  Zirkulation zwischen  den beiden Abtei-
       lungen der  Bank von England die Schwankungen der Zirkulation der
       Banknoten außerhalb  der Mauern  der Bank  von England  nicht be-
       stimmt, so wird die letztre, die wirkliche Zirkulation, jetzt für
       die Bankverwaltung gleichgültig, und die Zirkulation zwischen den
       zwei Abteilungen  der Bank,  deren Unterschied von der wirklichen
       sich in  der Reserve zeigt, wird allein entscheidend. Für die Au-
       ßenwelt ist sie nur sofern wichtig, weil die Reserve anzeigt, in-
       wieweit die Bank sich dem gesetzlichen Maximum ihrer Notenausgabe
       nähert und  wieviel die  Kunden der Bank noch aus dem banking de-
       partment erhalten können.
       
       #450# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Von der mala fides 1*) Overstones folgendes brillante Exempel:
       
       4243. "Schwankt nach Ihrer Ansicht die Menge des Kapitals vor ei-
       nem Monat  zum andern  in einem  solchen Grade, daß sein Wert da-
       durch verändert wird in der Art, wie wir es in den letzten Jahren
       in den  Schwankungen der  Rate des  Diskontos gesehn haben? - Das
       Verhältnis zwischen  Nachfrage und  Angebot von  Kapital kann un-
       zweifelhaft  selbst   in  kurzen   Zeiträumen  schwanken...  Wenn
       Frankreich morgen anzeigt, daß es eine sehr große Anleihe aufneh-
       men will,  so wird  das unzweifelhaft  sofort eine große Änderung
       verursachen   i n   d e m   W e r t   d e s   G e l d e s,  d a s
       h e i ß t   i n   d e m   W e r t   d e s   K a p i t a l s   i n
       E n g l a n d."
       
       4245. Wenn  Frankreich anzeigt,  daß es plötzlich für irgendeinen
       Zweck für  30 Millionen  Waren braucht,  so wird eine große Nach-
       frage entstehn nach Kapital, um den wissenschaftlicheren und ein-
       facheren  Ausdruck   zu  gebrauchen."   4246.  Das  Kapital,  das
       Frankreich mit  seiner Anleihe machte kaufen wollen, ist eine Sa-
       che; das Geld, womit Frankreich dies kauft, ist eine andre Sache;
       ist es  das Geld, was seinen Wert ändert oder nicht? - Wir kommen
       wieder auf die alte Frage, und die glaube ich, ist geeigneter für
       das Studierzimmer eines Gelehrten als für dies Komiteezimmer."
       
       Und hiermit  zieht er  sich zurück, aber nicht ins Studierzimmer.
       84)
       ---
       84) Weiteres über die Begriff Owrstones in Sachen des Kapitals am
       Schluß von Kap. XXXII. [F. E.]
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       1*) Unehrlichkeit

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