Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       ACHTUNDZWANZIGSTES KAPITEL
       Umlaufsmittel und Kapital.
       Tookes und Fullartons Auffassung
       
       Der Unterschied  zwischen Zirkulation  und Kapital, wie ihn Tooke
       [89], Wilson  und andre  machen, und  wobei die Unterschiede zwi-
       schen Zirkulationsmittel als Geld, als Geldkapital überhaupt, und
       als zinstragendes  Kapital (moneyed  capital im  englischen Sinn)
       kunterbunt durcheinandergeworfen  werden,  kommen  auf  zweierlei
       hinaus.
       Das  Zirkulationsmittel  zirkuliert  einerseits  als    M ü n z e
       (Geld), soweit  es  V e r a u s g a b u n g  v o n  R e v e n u e
       vermittelt, also den Verkehr zwischen den individuellen Konsumen-
       ten und den Kleinhändlem, unter welche Kategorie
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       89) Wir geben hier die bezügliche, auf S. 390 1*) deutsch im Aus-
       zug zitierte  Stelle aus Tooke im Original: "The business of ban-
       kers, setting  aside the issue of promissory notes payable on de-
       mand, may  be divided  into two  branches, corresponding with the
       distinction pointed  out by  Dr. (Adam) Smith of the transactions
       between dealers  and deaiers,  and between dealers and consumers.
       One branch  of the bankers' business is to collect  c a p i t a l
       from those  who have not immediate employment for it, and to dis-
       tribute or  transfer it to those who have. The other branch is to
       receive deposits  of the   i n c o m e s  of their customers, and
       to pay  out the  amount, as  it is  wanted for expenditure by the
       latter in  the objects of their consumption... the former being a
       circulation of   c a p i t a l,  the latter of  c u r r e n c y."
       2*) (Tooke,  "Inquiry into  the Curtency  Principle", p. 36.) Das
       erstere ist "the concentration of capital on the one hand and the
       distribution of it
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       1*) Siehe  vorl. Band,  S. 417  - 2*)  Wenn man  die Ausgabe  von
       Banknoten, die  auf Verlangen  zahlbar sind,  außer acht läßt, so
       haben die  Bankiers ein  doppeltes Geschäft,  was auch der Unter-
       scheidung desselben  durch Dr.  (Adam) Smith  in Umsätze zwischen
       Händlern und  Händlern und zwischen Händlern und Konsumenten ent-
       spricht. Ein Zweig des Bankiergeschäfts besteht darin, Kapital zu
       sammeln von denen, die keine unmittelbare Verwendung dafür haben,
       und es  zu verteilen  und zu Vertragen an jene, die es gebrauchen
       können.  Der   andere  Zweig   besteht   darin,   Depositen   vom
       E i n k o m m e n   ihrer Kunden  zu empfangen und diesen den Be-
       trag auszuzahlen, je nachdem sie ihn zu Konsumtionsauslagen brau-
       chen. Das  erstere ist Zirkulation von  K a p i t a l,  das letz-
       tere Zirkulation von  G e l d."
       
       #459# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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       alle Kaufleute  zu rechnen sind, die an die Konsumenten verkaufen
       - an die individuellen Konsumenten im Unterschied von den produk-
       tiven Konsurnenten  oder Produzenten. Hier zirkuliert das Geld in
       der Funktion  der Münze,  obgleich es  beständig    K a p i t a l
       e r s e t z t.   Ein gewisser  Teil des Geldes in einem Lande ist
       beständig dieser  Funktion gewidmet, obgleich dieser Teil aus be-
       ständig wechselnden  einzelnen Geldstücken  besteht. Dagegen, so-
       weit das  Geld  Ü b e r t r a g u n g  v o n  K a p i t a l  ver-
       mittelt, sei  es als  Kaufmittel (Zirkulationsmittel), sei es als
       Zahlungsmittel, ist  es Kapital.  Es ist  also weder die Funktion
       als Kaufmittel, noch die als Zahlungsmittel, die es von der Münze
       unterscheidet, denn auch zwischen Händler und Händler kann es als
       Kaufmittel fungieren,  soweit sie  gegen bar  voneinander kaufen,
       und auch  zwischen Händler und Konsument kann es als Zahlungsmit-
       tel figurieren,  soweit Kredit  gegeben und die Revenue erst ver-
       zehrt und dann bezahlt wird. Der Unterschied ist also der, daß im
       zweiten Fall  dies Geld nicht nur Kapital für die eine Seite, den
       Verkäufer, ersetzt,  sondern auch  von der andern Seite, vom Käu-
       fer, als  Kapital verausgabt, vorgeschossen wird. Der Unterschied
       ist  also   in  der   Tat  der   von     G e l d f o r m    d e r
       R e v e n u e  und  G e l d f o r m  des Kapitals, aber nicht der
       von Zirkulation  und Kapital,  denn als  Vermittler zwischen  den
       Händlern, ebensogut  wie als  Vermittler zwischen Konsumenten und
       Händlern,   z i r k u l i e r t  ein seiner Menge nach bestimmter
       Teil des Geldes, und  Z i r k u l a t i o n  ist es demzufolge in
       b e i d e n  Funktionen gleichmäßig. Es kommt nun bei der Auffas-
       sung Tookes Konfusion verschiedner Art herein:
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       on the  other" 1*),  das zweite ist administering the circulation
       for local  purposu of the district" 2*) (ibid. p. 37.) - Weit nä-
       her der  richtigen Auffassung kommt Kinnear, in folgender Stelle:
       Geld wird  gebraucht, um  zwei wesentlich verschiedne Operationen
       zu vollziehn.  Als Austauschmittel  zwischen Händler  und Händler
       ist es  das Instrument, wodurch Übertragungen von Kapital bewirkt
       werden; d.h.  der Austausch eines stimmten Kapitalbetrags in Geld
       für einen gleichen Kapitalbetrag in Waren. Aber Geld ausgelegt in
       Zahlung von  Arbeitslohn und in Kauf und Verkauf zwischen Händler
       und Konsument  ist nicht  Kapital, sondern  Revenue; der Teil der
       Revenue der  Gesamtheit, der auf tägliche Ausgaben verwandt wird.
       Dies Geld  zirkuliert in  fortwährendem täglichem  Gebrauch,  und
       dies ist  es allein,  das  im  strengen  Sinn  Zirkulationsmittel
       (currency) genannt  werden kann.  Kapitalvorschüsse  hängen  aus-
       schließlich ab  von dem Willen der Bank oder andrer Kapitalbesit-
       zer - denn Borger finden sich immer; aber der Betrag des Zirkula-
       tionsmittels hängt  ab von  den Bedürfnissen der Gesamtheit, inn-
       nerhalb deren  das Geld  zum Zweck  täglicher Verausgabung zirku-
       liert." (J.  G. Kinnear,  "The Crisis  and the  Currency", London
       1847, [p. 3, 4].)
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       1*) "Konzentration des Kapitals auf der einen und Verteilung des-
       selben auf der andern Seite" - 2*) Verwaltung der Zirkulation für
       die Lokalzwecke der Umgegend"
       
       #460# V. Abschnitt - Daß zinstragende Kapital
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       1.Durch die Verwechslung der funktionellen Bestimmungen; 2. durch
       die Einmischung der Frage über die Quantität des, in beiden Funk-
       tionen zusammengenommen, zirkulierenden Geldes;
       3. durch  Einmischung der  Frage über  die relativen Verhältnisse
       der in  beiden Funktionen, und daher in beiden Sphären des Repro-
       duktionsProzesses, zirkulierenden  Mengen von Umlaufsmitteln, zu-
       einander.
       Ad 1.  Die Verwechslung  der funktionellen  Bestimmungen, daß das
       Geld in  der einen  Form Zirkulation (currency) und in der andern
       Form Kapital  ist. Soweit das Geld in der einen oder andern Funk-
       tion dient, sei es zur Realisierung von Revenue oder zur Übertra-
       gung von  Kapital, fungiert es im Kauf und Verkauf oder im Zahlen
       als Kaufmittel  oder Zahlungsmittel und im weitern Sinn des Worts
       als Zirkulationsmittel.  Die weitere  Bestimmung, die  es in  der
       Rechnung seines Ausgebers oder Empfängers hat, daß es ihm Kapital
       oder Revenue  vorstellt, ändert  hieran absolut  nichts,  und  es
       zeigt sich  dies auch  doppelt. Obgleich  die Geldsorten,  die in
       beiden Sphären  zirkulieren, verschieden  sind, so  geht dasselbe
       Geldstück, z.B.  eine Fünfpfundnote,  aus der einen Sphäre in die
       andre über  und vollzieht abwechselnd beide Funktionen; was schon
       deswegen unvermeidlich  ist, weil der Kleinhändler seinem Kapital
       die Geldform  allein geben kann in der Form der Münze, die er von
       seinen Käufern  erhält. Man  kann annehmen,  daß die  eigentliche
       Scheidemünze ihren  Zirkulationsschwerpunkt im  Gebiet des Klein-
       handels hat;  der Kleinhändler braucht sie beständig zum Auswech-
       seln und  erhält sie  beständig in  Zahlung von seinen Kunden zu-
       rück. Er  erhält aber  auch Geld,  d.h. Münze  in dem Metall, das
       Wertmesser ist, also in England Pfundstücke und selbst Banknoten,
       namentlich Noten  zu niedrigen  Beträgen, also  z.B. von 5 und 10
       Pfund. Diese  Goldstücke und  Noten,  nebst  etwa  überschüssiger
       Scheidemünze, deponiert  er jeden  Tag oder jede Woche bei seiner
       Bank und  zahlt damit,  durch Anweisung  auf sein  Bankdepositum,
       seine Einkäufe. Aber dieselben Goldstücke und Noten werden ebenso
       beständig vom  ganzen Publikum,  in seiner Eigenschaft als Konsu-
       ment, als  Geldform seiner Revenue, den Banken wieder direkt oder
       indirekt (z.B.  Kleingeld durch Fabrikanten zur Lohnzahlung) ent-
       zogen und  fließen beständig  den IGeinhändlern zurück, denen sie
       so einen  Teil ihres Kapitals, aber gleichzeitig auch ihrer Reve-
       nue aufs  neue realisieren.  Dieser letztere  Umstand ist wichtig
       und wird von Tooke ganz übersehn. Nur sobald das Geld als Geldka-
       pital ausgelegt  wird, am Anfang des Reproduktionsprozesses (Buch
       II, Abschnitt I) existiert der Kapitalwert rein als solcher. Denn
       in der  produzierten Ware  steckt nicht nur Kapital, sondern auch
       schon der Mehrwert; sie ist nicht nur Kapital an sich, sondern
       
       #461# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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       schon gewordenes Kapital, Kapital mit der ihm einverleibten Reve-
       nuequelle. Was  der Kleinhändler für das ihm zurückfließende Geld
       weggibt, seine  Ware, ist also für ihn Kapital plus Profit, Kapi-
       tal plus Revenue.
       Ferner aber,  indem das  zirkulierende Geld  dem Kleinhändler zu-
       rückfließt, stellt es die Geldform seines Kapitals wieder her.
       Den Unterschied  zwischen der Zirkulation als Zirkulation von Re-
       venue und  als Zirkulation  von Kapital in einen Unterschied zwi-
       schen eben  Zirkulation und Kapital verwandeln, ist also durchaus
       verkehrt. Diese  Redeweise entspringt  bei Tooke  daraus, daß  er
       sich einfach  auf den  Standpunkt des  Bankiers stellt, der eigne
       Banknoten ausgibt.  Der Betrag  seiner Noten,  der sich beständig
       (wenn auch  stets aus andern Noten bestehend) in der Hand des Pu-
       blikums befindet und als Zirkulationsrnittel fungiert, kostet ihm
       nichts außer  Papier und  Druck. Es  sind auf  ihn selbst  ausge-
       stellte zirkulierende  Schuldscheine (Wechsel), die ihm aber Geld
       einbringen und  so als  ein Mittel zur Verwertung seines Kapitals
       dienen. Sie  sind aber  von seinem  Kapital verschieden, sei dies
       nun eignes  oder aufgenommnes.  Daher entspringt für ihn ein spe-
       zieller Unterschied von Zirkulation und Kapital, der aber mit den
       Begriffsbestimmungen als  solchen nichts zu tun hat, am wenigsten
       mit den eben von Tooke gemachten.
       Die verschiedne  Bestimmtheit -  ob es  als Geldform  der Revenue
       oder des  Kapitals fungiert  - ändert zunächst nichts an dem Cha-
       rakter des Geldes als Zirkulationsmittel; diesen Charakter behält
       es, ob es die eine oder die andre Funktion verrichtet. Allerdings
       fungiert das  Geld, wenn  es als  Geldform der  Revenue auftritt,
       mehr als eigentliches Zirkulationsmittel (Münze, Kaufmittel), we-
       gen der  Zersplitterung dieser  Käufe und  Verkäufe, und weil die
       Mehrzahl der Revenue-Ausgebenden, die Arbeiter, relativ wenig auf
       Kredit kaufen  können; während im Verkehr der Handelswelt, wo das
       Umlaufsmittel Geldform  des Kapitals ist, teils wegen der Konzen-
       tration, teils  wegen des vorherrschenden Kreditsystems, das Geld
       hauptsächlich als  Zahlungsmittel fungiert.  Aber der Unterschied
       des  Geldes   als  Zahlungsmittel   vom   Geld   als   Kaufmittel
       (Zirkulationsmittel) ist  eine dem  Geld selbst zukommende Unter-
       scheidung; nicht  ein Unterschied zwischen Geld und Kapital. Weil
       im Kleinhandel  mehr Kupfer  und Silber, im großen mehr Gold zir-
       kullert, ist  der Unterschied  zwischen Silber und Kupfer auf der
       einen und  von Gold  auf der  andren Seite, nicht der Unterschied
       von Zirkulation und Kapital.
       Ad 2.  Einmischung der  Frage über  die Quantität  des in  beiden
       Funktionen zusammen zirkulierenden Geldes: Soweit das Geld zirku-
       liert, sei  es als Kaufmittel, sei es als Zahlungsmittel - einer-
       lei, in welcher der beiden
       
       #462# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Sphären und  unabhängig von seiner Funktion, Revenue oder Kapital
       zu realisieren  -, gelten für die Quantität seiner zirkulierenden
       Masse die früher, bei Betrachtung der einfachen Warenzirkulation,
       Buch I, Kap. III, 2b, entwickelten Gesetze. Der Grad der Zirkula-
       tionsgeschwindigkeit, also  die Anzahl der Wiederholungen dersel-
       ben Funktion  als Kauf-  und Zahlungsttel  durch dieselben  Geld-
       stücke in  einem gegebnen  Zeitraum, die Masse der gleichzeitigen
       Käufe und Verkäufe, resp. Zahlungen, die Preissumme der zirkulie-
       renden Waren, endlich die Zahlungsbilanzen, die in derselben Zeit
       zu saldieren  sind, bestimmen in beiden Fällen die Masse des zir-
       kullerenden Geldes,  der currency. Ob das so fungierende Geld für
       Zahler oder Empfänger Kapital oder Revenue vorstellt, ist gleich-
       gültig, ändert  absolut nichts an der Sache. Seine Masse wird be-
       stimmt einfach durch seine Funktion als Kauf- und Zahlungsmittel.
       Ad 3.  Zur Frage  über die  relativen Verhältnisse  der in beiden
       Funktionen, und  daher in beiden Sphären des Reproduktionsprozes-
       ses zirkulierenden Mengen von Umlaufsmitteln. Beide Zirkulations-
       sphären stehn  in einem innern Zusammenhang, indem einerseits die
       Masse der  zu verausgabenden  Revenuen den  Umfang der Konsumtion
       und andrerseits  die Größe der in Produktion und Handel zirkulie-
       renden Kapitalmassen  den Umfang  und die Geschwindigkeit des Re-
       produktionsprozesses ausdrucken.  Trotzdem wirken  dieselben  Um-
       stände verschieden, und selbst in entgegengesetzter Richtung, auf
       die Quanta  der in  beiden Funktionen oder Sphären zirkulierenden
       Geldmassen oder auf die Quantitäten der Zirkulation, wie die Eng-
       länder dies  bankmäßig ausdrucken.  Und dies  gibt neuen Anlaß zu
       der abgeschmackten  Distinktion Tookes  von Zirkulation und Kapi-
       tal. Der  Umstand, daß  die Herren  von der Currency-Theorie [68]
       zwei disparate Dinge verwechseln, ist durchaus kein Grund, um sie
       als Begriffsunterschiede darzustellen. In Zeiten der Prosperität,
       großer Expansion,  Beschleunigung und  Energie des Reproduktions-
       prozesses, sind  die Arbeiter  voll beschäftigt. Meist tritt auch
       Steigen des  Lohns ein und gleicht das Fallen desselben unter das
       Durchschnittsniveau in  den andem  Perioden des kommerziellen Zy-
       klus einigermaßen  aus. Gleichzeitig wachsen die Revenuen der Ka-
       pitalisten bedeutend. Die Konsumtion steigt allgemein. Die Waren-
       preise steigen  ebenfalls regelmäßig,  wenigstens in verschiednen
       entscheidenden Geschäftszweigen. Infolgedessen wächst das Quantum
       des zirkullerenden  Geldes wenigstens innerhalb gewisser Grenzen,
       indem die  größere Umlaufsgeschwindigkeit  dem Wachsen  der Masse
       des umlaufenden  Mittels ihrerseits  Schranken setzt. Da der Teil
       der gesellschaftlichen Revenue, der aus
       
       #463# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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       Arbeitslohn besteht,  ursprünglich vom industriellen Kapitalisten
       in der  Form von  variablem Kapital  und stets in Geldform vorge-
       schossen wird,  bedarf er  in Zeiten der Prosperität mehr Geld zu
       seiner Zirkulation.  Aber wir  dürfen dies  nicht zweimal rechnen
       einmal als  Geld, nötig  zur Zirkulation  des variablen Kapitals,
       und noch  einmal als  Geld, nötig zur Zirkulation der Revenue der
       Arbeiter. Das  den Arbeitern  als Lohn  ausgezahlte Geld  wird im
       Kleinverkehr verausgabt und kehrt so ziemlich wöchentlich als De-
       positum der  Kleinhändler zu  den Banken  zurück, nachdem  es  in
       kleinern Kreisläufen  noch allerlei  Zwischengeschäfte vermittelt
       hat. In  Zeiten der  Prosperität wickelt  sich der  Rückfluß  des
       Geldes für die industriellen Kapitalisten glatt ab, und so steigt
       ihr Bedürfnis  für Geldakkommodation  nicht dadurch, daß sie mehr
       Arbeitslohn zu  zahlen haben, mehr Geld zur Zirkulation ihres va-
       riablen Kapitals bedürfen.
       Das Gesamtresultat ist, daß in Perioden der Prosperität die Masse
       der Umlaufsmittel,  die zur  Verausgabung von Revenue dient, ent-
       schieden wächst.
       Was nun  die Zirkulation  betrifft, die zum Übertrag von Kapital,
       also nur zwischen den Kapitalisten selbst nötig ist, so ist diese
       flotte Geschäftszeit  zugleich die  Periode des elastischsten und
       leichtesten Kredits. Die Geschwindigkeit der Zirkulation zwischen
       Kapitalist und  Kapitalist ist direkt durch den Kredit reguliert,
       und die  Masse des  Zirkulationsmittels, die  zur Saldierung  der
       Zahlungen und  selbst zu Barkäufen erheischt ist, nimmt also ver-
       hältnismäßig ab.  Sie mag  sich absolut ausdehnen, aber sie nimmt
       unter allen  Umständen relativ  ab, verglichen  mit der Expansion
       des Reproduktionsprozesses.  Einerseits werden größere Massenzah-
       lungen ohne  alle Dazwischenkunft  von Geld  liquidiert;  andrer-
       seits, bei  der großen  Lebendigkeit des  Prozesses, herrscht ra-
       schere Bewegung  derselben Geldquanta,  sowohl als  Kauf- wie als
       Zahlungsmittel. Dieselbe  Geldmasse vermittelt den Rückfluß einer
       größern Anzahl von Einzelkapitalen.
       Im ganzen  erscheint in  solchen Perioden  der Geldumlauf vollge-
       füllt (full),  obgleich Teil  II (Kapitalübertragung) sich wenig-
       stens relativ  kontrahiert, während  Teil I (Revenueausgabe) sich
       absolut ausdehnt.
       Die Rückflüsse  drücken die  Rückverwandlung des Warenkapitals in
       Geld aus,  G-W-G', wie  man bei Betrachtung des Reproduktionspro-
       zesses, Buch  II, Abschnitt  1, gesehn  hat. Der Kredit macht den
       Rückfluß in  Geldform unabhängig  vom  Zeitpunkt  des  wirklichen
       Rückflusses, sei  es für  den industriellen  Kapitalisten, sei es
       für den  Kaufmann. Jeder  von beiden  verkauft auf  Kredit; seine
       Ware ist  also veräußert, bevor sie sich für ihn in Geld rückver-
       wandelt, also zu ihm selbst in Geldform zurückgeflossen ist.
       
       #464# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Andrerseits kauft  er auf Kredit, und so hat sich der Wert seiner
       Ware für  ihn rückverwandelt,  sei es in produktives Kapital, sei
       es in Warenkapital, schon bevor dieser Wert wirklich in Geld ver-
       wandelt worden,  bevor der  Warenpreis verfallen und bezahlt ist.
       In solchen  Zeiten der  Prosperität  wickelt  sich  der  Rückfluß
       leicht und  glatt ab.  Der Kleinhändler  zahlt mit Sicherheit dem
       Großhändler, dieser  dem Fabrikanten,  dieser dem  Importeur  des
       Rohstoffs etc.  Der Schein  rascher und  sicherer Rückflüsse hält
       sich immer  für längre  Zeit, nachdem  deren Wirklichkeit vorbei,
       durch den Kredit, der einmal im Gang ist, da die Kreditrückflüsse
       die wirklichen vertreten. Die Banken fangen an, Lunte zu riechen,
       sobald ihre  Kunden mehr  Wechsel als  Geld einzahlen.  Siehe die
       obige Aussage des Liverpooler Bankdirektors, S. 398 1*).
       Hier noch  einzuschalten, was ich früher bemerkt: In Epochen vor-
       herrschenden Kredits  wächst die  Geschwindigkeit des Geldumlaufs
       schneller als  die Preise der Waren; während mit abnehmendem Kre-
       dit die Preise der Waren langsamer fallen als die Geschwindigkeit
       der Zirkulation.  ("Zur Kritik  d. Pol. Oekon.", 1859, p. 83, 84.
       2*))
       In der  Periode der  Krise verhält es sich umgekehrt. Zirkulation
       Nr. I  kontrahiert sich,  die Preise  fallen, ebenso die Arbeits-
       löhne; die  Zahl der  beschäftigten Arbeiter  wird eingeschränkt,
       die Masse  der Umsätze  nimmt ab.  Dagegen in  Zirkulation Nr. II
       wächst mit  abnehmendem Kredit  das Bedürfnis  für Geldakkommoda-
       tion, ein Punkt, auf den wir gleich näher eingehn.
       Es unterliegt  durchaus keinem  Zweifel, daß  bei der Abnahme des
       Kredits, die  mit Stockung  des Reproduktionsprozesses  zusammen-
       fällt, die  Zirkulationsmasse, die  für  Nr.  1,  Revenueausgabe,
       erheischt ist,  abnimmt, während  die für Nr. II, Kapitalübertra-
       gung, steigt.  Es ist  aber zu  untersuchen, wieweit  dieser Satz
       identisch ist mit dem von Fullarton und andren aufgestellten:
       
       "Eine Nachfrage  für Kapital  auf Anleihe  und eine Nachfrage für
       zusätzliche Zirkulationsmittel  sind ganz  verschiedne Dinge  und
       kommen nicht oft zusammen vor." 90
       
       "A demand  for capital on loan and a demand for additional circu-
       lation are  quite distinct  things, and  not often found associa-
       ted." (Fullarton,  l.c.p. 82, Überschrift zu ch. 5.) - "Es ist in
       der Tat  ein großer  Irrtum, sich vorzustellen, daß die Nachfrage
       nach Kreditgewährung (d.h. nach Verleihung von Kapital) mit einer
       Nachfrage nach  zusätzlichen  Zirkulationsmitteln  identisch  ist
       oder selbst, daß die beiden häufig zusammen vorkommen. Jede Nach-
       frage entsteht unter sie besonders bestimmenden Umständen,
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 427/428 - 2*) siehe Band 13 unserer Aus-
       gabe, S. 85
       
       #465# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
       -----
       Zunächst ist  klar, daß  im ersten  der beiden  obigen Fälle, zur
       Zeit der  Prosperität, wo  die Masse  des zirkullerenden  Medlums
       wachsen muß, die Nachfrage dafür wächst. Aber es ist ebenso klar,
       daß, wenn  ein Fabrikant  von seinem Guthaben bei einer Bank mehr
       in Gold oder Banknoten herauszieht, weil er mehr Kapital in Geld-
       form zu  verausgaben hat,  deswegen seine  Nachfrage für  Kapital
       nicht wächst,  sondern nur  seine Nachfrage  für  diese  besendre
       Form, worin  er sein  Kapital verausgabt.  Die Nachfrage  bezieht
       sich nur  auf die  technische Form,  worin er sein Kapital in die
       Zirkulation wirft.  Wie ja  bei verschiedner Entwicklung des Kre-
       ditwesens z.B. dasselbe
       die voneinander  sehr verschieden  sind. Wenn  alles blühend aus-
       sieht, die  Löhne hoch sind, die Preise im Steigen und die Fabri-
       ken beschäftigt, dann wird gewöhnlich eine zusätzliche Zufuhr von
       Zirkulatiommitteln benötigt,  um die  zusätzlichen Funktionen  zu
       verrichten, die  von der  Notwendigkeit der Vergrößerung und Ver-
       mehrung der  Zahlungen untrennbar sind, es ist aber hauptsächlich
       auf einer  fortgeschrittenem Stufe des kommerziellen Zyklus, wenn
       sich Schwierigkeiten  zu zeigen  beginnen, wenn  die Märkte über-
       füllt sind und die Rückflüsse sich verzögern, daß der Zins steigt
       und ein  Druck auf  die Bank  entsteht, Kapital vorzuschießen. Es
       stimmt, daß  die Bank  durch kein  anderes Mittel  Kapital vorzu-
       schießen pflegt  als durch ihre Banknoten und daß daher Verweige-
       rung der  Notenausgabe Verweigerung der Kreditgewährung bedeutet.
       Ist aber  die Kreditgewährung  einmal bewilligt, dann ordnet sich
       alles den  Erfordernissen des  Marktes gemäß; die Anleihe bleibt,
       und das  Zirkulationsmittel, wenn  nicht gebraucht, findet seinen
       Weg zum  Ausgeber zurück. Demnach kann schon eine ganz oberfläch-
       liche Prüfung  der Parlamentsberichte  jeden überzeugen,  daß die
       Menge der  Wertpapiere im Besitz der Bank von England sich häufi-
       ger in einer der Menge ihrer zirkulierenden Noten entgegengesetz-
       ten Ibchtung  bewegt als in Übereinstimmung mit ihr und daß daher
       das Beispiel  dieser großen  Anstalt keine Ausnahme von dem Lehr-
       satz bildet,  auf den die Provinzbankiers so großen Nachdruck le-
       gen, nämlich  daß keine Bank die Menge ihrer zirkulierenden Noten
       vergrößern kann,  wenn diese bereits den gewöhnlichen Zwecken ei-
       nes Banknotenumlaufs  entspricht, sondern daß nach Überschreitung
       jener Grenze  jede Vermehrung  ihrer Vorschüsse von ihrem Kapital
       gemacht und  beschafft werden muß durch den Verkauf einiger ihrer
       in Reserve gehaltenen Wertpapiere oder durch Verzicht auf weitere
       Anlagen in solchen. Die aus den Parlamentsberichten für den Zeit-
       raum von  1833 bis  1840 zusammengestellte  Tabelle, auf  die ich
       mich auf einer vorhergehenden Seite bezogen habe, liefert fortge-
       setzt Beispiele  für diese  Wahrheit; aber  schon zwei  von ihnen
       sind so  kennzeichnend, daß  es für  mich ganz unnötig wäre, über
       sie hinauszugehen.  Als am 3. Januar 1837 die Geldmittel der Bank
       aufs äußerste  angespannt waren, um den Kredit aufrechtzuerhalten
       und den  Schwierigkeiten des  Geldmarkts zu  begegnen, finden wir
       ihre Vorschüsse  für Anleihen und Diskont auf die ungeheure Summe
       von 17 022 000 Pfd.St. hinaufgetrieben, einen Betrag, wie man ihn
       seit dem Kriege kaum mehr kannte, und der fast gleich war der Ge-
       samtheit der ausgegebenen Noten, die währenddessen unverändert
       
       #466# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       variable Kapital, dieselbe Menge Arbeitslohn, in einem Lande eine
       größre Masse  Umlaufsmittel erfordert  als im  andern; in England
       z.B. mehr  als in Schottland, in Deutschland mehr als in England.
       Ebenso erheischt in der Landwirtschaft dasselbe im Reproduktions-
       prozeß tätige  Kapital zu  verschiednen Jahreszeiten  verschiedne
       Mengen von Geld zur Verrichtung seiner Funktion.
       Aber der  Gegensatz, wie Fullarton ihn stellt, ist nicht richtig.
       Es ist  keineswegs, wie  er sagt, die starke Nachfrage für Anlei-
       hen, was die Periode der Stockung von der Prosperität unterschei-
       det, sondern  die Leichtigkeit, womit diese Nachfrage zur Prospe-
       ritätszeit und  die Schwierigkeit,  womit sie  nach  eingetretner
       Stockung befriedigt wird. Es ist ja gerade die ungeheure Entwick-
       lung des  Kreditsystems während  der Prosperitätszeit,  also auch
       die enorme  Steigerung der Nachfrage nach Leihkapital und die Be-
       reitwilligkeit, womit  das Angebot  sich ihr  in solchen Perioden
       zur Verfügung  stellt, welche  die Kreditklemme  während der Zeit
       der Stockung  herbeiführt. Es  ist also  nicht der Unterschied in
       der Größe  der Nachfrage für Anleihen, der beide Perioden charak-
       terisiert.
       Wie schon  früher  bemerkt,  unterscheiden  sich  beide  Perioden
       zunächst auf einem so niedrigen Stand wie 17 076 000 Pfd.St. ver-
       harrte. Auf der andern Seite finden wir am 4. Juni 1833 einen No-
       tenumlauf von 18 892 000 Pfd.St., verbunden mit einem Bankausweis
       über vegbare  private Wertpapiere  von  nicht  mehr  als  972 000
       Pfd.St., also  fast dem niedrigsten, wenn nicht dem allerniedrig-
       sten Stand im letzten halben Jahrhundert." (Fullatton, l.c.p. 97,
       98.) -  Daß ein demand for pecuniary accommodation 1*) keineswegs
       identisch zu sein braucht mit einem demand for gold 2*) (was Wil-
       son, Tooke u.a. Kapital nennen), sieht man aus folgenden Aussagen
       des Herrn Weguelln, Gouverneurs der Bank von England: Das Diskon-
       tieren von  Wechseln bis  zu diesem Belauf" (eine Million täglich
       drei Tage  hintereinander) würde  die  Reserve"  (von  Banknoten)
       nicht verringern,  falls nicht  das Publikum  einen großem Betrag
       aktiver Zirkulation  verlangte. Die beim Wechseldiskontieren aus-
       gegebnen Noten  würden zurückfließen durch Vermittlung von Banken
       und durch  Depositen. Falls nicht jene Transaktionen die Goldaus-
       fuhr zum  Zweck haben  oder falls  nicht  im  Inland  eine  Panik
       herrscht, derart,  daß das  Publikum  seine  Banknoten  festhält,
       statt sie  an die Banken einzuzahlen, würde die Reserve nicht be-
       rührt werden  durch so gewaltige Umsätze. - Die Bank kann täglich
       anderthalb Millionen  diskontieren, und  dies geschieht  fortwäh-
       rend, ohne daß ihre Reserve im geringsten berührt wird. Die Noten
       kommen zurück als Depositen, und die einzige Änderung, die statt-
       findet, ist die bloße Übertragung von einem Konto auf das andre."
       ("Report on  Bank Acts,  1857", Evidence Nr. 241, 500.) Die Noten
       dienen hier also nur als Mittel der Überblick von Krediten.
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       1*) eine  Nachfrage nach  Kreditgewährung -  2*) einer  Nachfrage
       nach Gold
       
       #467# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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       dadurch, daß  in der Prosperitätszeit die Nachfrage nach Umlaufs-
       mitteln zwischen  Konsumenten und  Händlern, in  der Periode  des
       Rückschlags die  Nachfrage nach Umlaufsmittein zwischen Kapitali-
       sten vorherrscht.  In der Periode der Geschäftsstockung nimmt die
       erstere ab,  die zweite zu. Was nun Fullarton und andren als ent-
       scheidend wichtig auffällt, ist das Phänomen, daß in solchen Zei-
       ten, wo  die securities  - die  Leihpfänder und  Wechsel - in der
       Hand der Bank von England zunehmen, ihre Notenzirkulation abnimmt
       und umgekehrt. Die Höhe der securities drückt aber den Umfang der
       Geldakkommodation aus,  der diskontlerten  Wechsel und  der  Vor-
       schüsse auf  gangbare Wertpapiere. So sagt Fullarton in der oben,
       Note 90,  S. 436 angeführten Stelle. Die Wertpapiere (securities)
       im Besitz  der Bank  von England  variieren meist  in umgekehrter
       Richtung wie  ihre Notenzirkulation,  und dies  bestätigt den bei
       den Privatbanken altbewährten Satz, daß keine Bank ihre Notenaus-
       gabe über  einen gewissen,  durch das  Bedürf nis ihres Publikums
       bestimmten Betrag hinaus steigern kann; will sie aber über diesen
       Betrag hinaus Vorschüsse machen, so muß sie diese aus ihrem Kapi-
       tal machen, also entweder Wertpapiere flüssigmachen oder Geldein-
       gänge dazu  verwenden, die  sie sonst  in  Wertpapieren  angelegt
       hätte. Hier  zeigt sich  aber auch,  was Fullarton  unter Kapital
       versteht. Was  heißt hier  Kapital? Daß die Bank nicht länger die
       Vorschüsse machen  kann mit  ihren eignen Banknoten, Zahlungsver-
       sprechen, die  ihr natürlich  nichts kosten. Aber womit macht sie
       dann Vorschüsse?  Mit dem Erlös aus dem Verkauf von securities in
       reserve 2, d.h. von Staatspapieren, Aktien und andren zinstragen-
       den Wertpapieren.  Aber wofür  verkauft sie  diese  Papiere?  Für
       Geld, Gold  oder Banknoten, soweit letztre gesetzliches Zahlungs-
       mittel, wie  die der  Bank von  England. Was sie also vorschießt,
       ist unter allen Umständen Geld. Dies Geld konstituiert aber jetzt
       einen Teil  ihres Kapitals. Wenn sie Gold vorschießt, so ist dies
       handgreiflich. Wenn  Noten, so  stellen jetzt diese Noten Kapital
       vor, weil  sie einen  wirklichen Wert, die zinstragenden Papiere,
       dafür veräußert  hat. Bei  den Privatbanken können die Noten, die
       ihnen durch Verkauf der Wertpapiere zufließen, der Masse nach nur
       Noten der  Bank von  England oder  ihre  eignen  sein,  da  andre
       schwerlich in  Zahlung von Wertpapieren angenommen werden. Ist es
       aber die  Bank von England selbst, so kosten ihr dann ihre eignen
       Noten, die  sie rückerhält,  Kapital, d.h.  zinstragendes Papier.
       Außerdem entzieht  sie dadurch ihre eignen Noten der Zirkulation.
       Gibt sie  diese Noten  wieder aus oder statt ihrer neue Noten zum
       selben Betrag, so stellen sie also jetzt Kapital vor.
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 465 - 2*) Wertpapieren aus der Reserve
       
       #468# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       Und zwar  stellen sie  Kapital vor,  ebensogut, wenn  sie zu Vor-
       schüssen an  Kapitalisten, wie  wenn sie  später, bei Abnahme der
       Nachfrage nach  solcher Geldakkommodation, zu Neuanlagen in Wert-
       papieren verwandt  werden. Unter  allen diesen  Umständen ist das
       Wort Kapital  hier nur  im Bankiersinn gebraucht, wo es bedeutet,
       daß der  Bankier mehr  als seinen  bloßen Kredit zu verleihen ge-
       zwungen ist.
       Bekanntlich macht  die Bank  von England  alle ihre Vorschüsse in
       ihren Noten.  Wenn nun trotzdem in der Regel die Notenzirkulation
       der Bank abnimmt im Verhältnis, wie die diskontlerten Wechsel und
       Leihpfänder in ihrer Hand, also die von ihr gemachten Vorschüsse,
       zunehmen -  was wird aus den in Umlauf gesetzten Noten, wie flie-
       ßen sie der Bank zurück?
       Zunächst, wenn  die Nachfrage für Geldakkommodation aus einer un-
       günstigen nationalen  Zahlungsbilanz entspringt  und daher  einen
       Goldabfluß vermittelt,  ist die  Sache sehr  einfach. Die Wechsel
       werden diskontiert  in Banknoten.  Die Banknoten  werden bei  der
       Bank selbst, im issue department ausgetauscht gegen Gold, und das
       Gold wird  exportiert. Es  ist dasselbe,  als ob  die Bank direkt
       Gold zahlte, ohne Vermittlung von Noten, gleich beim Diskontieren
       der Wechsel. Eine solche steigende Nachfrage die 7 bis 10 Millio-
       nen Pfund  Sterling in  gewissen Fällen erreicht - fügt natürlich
       der innern Zirkulation des Landes keine einzige Fünfpfundnote zu.
       Sagt man nun, daß die Bank hier Kapital vorschießt und nicht Zir-
       kulationsmittel, so  hat dies  einen doppelten Sinn. Erstens, daß
       sie nicht  Kredit, sondern wirklichen Wert vorschießt, einen Teil
       ihres eignen oder des bei ihr deponierten Kapitals. Zweitens, daß
       sie nicht  Geld für inländische Zirkulation, sondern für interna-
       tionale Zirkulation  vorschießt, Weltgeld;  und für  diesen Zweck
       muß das  Geld immer existieren in seiner Form als Schatz, in sei-
       ner metallischen  Leiblichkeit; in  der Form,  worin es nicht nur
       Form des  Werts, sondern  selbst gleich dem Wert, dessen Geldform
       es ist.  Obgleich dies  Gold nun  sowohl für die Bank wie für den
       exportierenden Goldhändler Kapital vorstellt, Bankierkapital oder
       Kaufmannskapital, so  entsteht die  Nachfrage nicht  nach ihm als
       Kapital, sondern  als der  absoluten Form  des Geldkapitals.  Sie
       entsteht gerade  in dem  Augenblick, wo  die ausländischen Märkte
       mit unrealisierbarem  englischem Warenkapital vollgepfropft sind.
       Was also  verlangt wird,  ist Kapital  nicht als   K a p i t a l,
       sondern Kapital als  G e l d,  in der Form, worin das Geld allge-
       meine Weltmarktsware;  und dies  ist seine ursprüngliche Form als
       edles Metall.  Die Goldabflüsse  sind also  nicht, wie Fullarton,
       Tooke etc. sagen, a mere question of capital 1*).
       -----
       1*) eine reine Kapitalfrage
       
       #469# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
       -----
       Sondern a  question of money 1*), wenn auch in einer spezifischen
       Funktion. Daß es keine Frage der  i n l ä n d i s c h e n  Zirku-
       lation ist,  wie die  Leute von der Currency-Theorie dies behaup-
       ten, beweist  durchaus nicht, wie Fullarton und andre meinen, daß
       es eine  bloße question of capital. Es ist a question of money in
       der Form, worin Geld internationales Zahlungsmittel.
       
       "Whether that  capital" (der  Kaufpreis für die Millionen Quarter
       ausländischen Weizens nach einer Mißernte im Inland) is transmit-
       ted in  merchandize or  in specie, is a point which in no way af-
       fects the  nature of  the transaction."  2*)  (Fullarton,  l.c.p.
       131.)
       
       Aber es  affiziert sehr  bedeutend die  Frage, ob  ein Goldabfluß
       stattfindet oder  nicht. Das  Kapital wird in Form von Edelmetall
       übermittelt, weil es gar nicht oder nicht ohne die größten Verlu-
       ste in Form von Waren übermittelt werden kann. Die Angst, die das
       moderne Banksystem  vor dem Goldabfluß hat, übertrifft alles, was
       das Monetarsystem,  dem Edelmetall der einzig wahre Reichtum ist,
       wie erträumt  hat. Nehmen  wir z.B.  folgendes Verhör des Gouver-
       neurs der  Bank von  England, Morris,  vor dem  Parlamentskomitee
       über die Krise von 1847/48:
       
       3846. (Frage:) "Wenn ich von Entwertung von Vorräten (stocks) und
       fixem Kapital spreche, ist Ihnen nicht bekannt, daß alles in Vor-
       räten und  Produkten aller  Art angelegte  Kapital  in  derselben
       Weise entwertet  war; daß  Rohbaumwolle, Rohseide,  Rohwolle nach
       dem Kontinent  geschickt wurde zu denselben Schleuderpreisen, und
       daß Zucker,  Kaffee und Tee mit großen Opfern verkauft wurden wie
       bei Zwangsverkäufen?  - Es  war unvermeidlich,  daß das  Land ein
       b e t r ä c h t l i c h e s   O p f e r   bringen mußte,  um  dem
       G o l d a b f l u ß  zu begegnen, der stattgefunden hatte infolge
       der massenhaften  Einführung von  Nahrungsmitteln." - 3848. "Sind
       Sie nicht  der Ansicht, daß es besser gewesen wäre, die 8 Millio-
       nen Pfd.St.  anzugreifen, die in der Schatzkammer der Bank lagen,
       als zu  suchen, das  Gold zurückzubekommen  mit  solchen  Opfern?
       Nein,  d e r  M e i n u n g  b i n  i c h  n i c h t."
       
       Es ist Gold, was hier als der einzig wirkliche Reichtum gilt.
       Die von Fullarton zitierte Entdeckung Tookes, daß
       
       "with only  one or  two exceptions, and those admitting of satis-
       factory explanation,  every remarkable fall of the exchange, fol-
       lowed by  a drain  of gold, that has occured during the last half
       century, has  been coincident throughout with a comparatively low
       state of  the circulating medium, and vice versa" 3*) (Fullarton,
       p. 121) -
       -----
       1*) eine  Geldfrage -  2*) Ob  dies Kapital...  in Waren  oder in
       barem Geld  übertragen wird, ist ein Punkt, der das Wesen des Ge-
       schäfts überhaupt  nicht berührt."  - 3*)  "mit nur ein oder zwei
       Ausnahmen, die  eine befriedigende  Erklärung zulassen, jeder be-
       merkenswerte Fall  des Wechselkurses,  gefolgt von  einem Goldab-
       fluß, der  sich während  des letzten halben Jahrhunderts ereignet
       hat, stets mit einem verhältnismäßig niedrigen Stand des Zirkula-
       tionsmittels zusammengefallen ist und umgekehrt"
       
       #470# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       beweist, daß diese Goldabflüsse meistens eintreten nach einer Pe-
       riode der Aufregung und Spekulation als
       
       "a signal  of a  collapse already  commenced... an  indication of
       overstocked markets, of a cessation of the foreign demand for our
       productions, of  delayed returns, and, as the necessary sequel of
       all these,  of commercial  discredit, manufactories  shut up, ar-
       tisans stag,  and a  general stagnation  of industry  and  enter-
       prise". 1*) (p. 129.)
       
       Dies ist  zugleich natürlich die beste Widerlegung der Behauptung
       der Currency-Leute, daß
       
       "a full  circulation drives out bullion and a low circulation at-
       tracts it" 2*)
       
       Dagegen, obgleich  eine starke  Goldreserve der  Bank von England
       meist in  der Prosperitätszeit  da ist, bildet sich dieser Schatz
       immer in  der lustlosen und stagnierenden Zeit, die auf den Sturm
       folgt.
       Die ganze  Weisheit, mit  Bezug auf  die Goldabflüsse, läuft also
       darauf hinaus, daß die Nachfrage für  i n t e r n a t i o n a l e
       Zirkulations- und  Zahlungsmittel verschieden  ist von  der Nach-
       frage für   i n l ä n d i s c h e  Zirkulations- und Zahlungsmit-
       tel (weswegen auch von selbst folgt, daß the existence of a drain
       does not  necessarily imply any diminution of the internal demand
       for circulation"  3*), wie  Fullatton p.  112 sagt);  und daß das
       Heraussenden der  edlen Metalle aus dem Land, ihr Hineinwerfen in
       die internationale  Zirkulation, nicht  identisch ist mit Hinein-
       werfen von Noten oder Münze in die inländische Zirkulation. Übri-
       gens habe  ich schon  früher 4*)  gezeigt, daß  die Bewegung  des
       Schatzes, der  als Reservefonds für internationale Zahlungen kon-
       zentriert ist, an und für sich nichts zu tun hat mit der Bewegung
       des Geldes  als Zirkulationsmittel. Allerdings kommt eine Kompli-
       kation dadurch hinein, daß die verschiednen Funktionen des Schat-
       zes, die  ich aus  der Natur  des Geldes  entwickelt habe:  seine
       Funktion als  Reservefonds für  Zahlungsmittel, fällige Zahlungen
       im Innern;  als Reservefonds  des Umlaufsmittels; endlich als Re-
       servefonds des  Weltgelds - einem einzigen Reservefonds aufgebür-
       det werden;  woraus auch  folgt, daß unter gewissen Umständen ein
       Goldabfluß von  der Bank  ins Inland sich mit dem Abfluß ins Aus-
       land kombinieren  kann. Eine weitere Komplikation kommt aber noch
       herein durch  die diesem Schatz ganz willkürlich aufgeladene fer-
       nere
       -----
       1*) "ein  Signal eines bereits begonnenen Krachs... ein Anzeichen
       überfüllter Märkte,  aufhörender Auslandsnachfrage  nach  unseren
       Produkten, verzögerter Rückflüsse und der notwendigen Folge alles
       dessen, wie  Mißtrauen im  Handel, Schließung  von Fabriken, hun-
       gernde Arbeiter  und eine allgemeine Stagnation von Industrie und
       Geschäft" -  2*) "eine  volle Zirkulation  das Gold hinaustreibt,
       eine niedrige  es anzieht" - 3*) die Tatsache eines Goldabflusses
       nicht notwendig eine Verminderung des Bedarfs an Zirkulationsmit-
       teln im Inlande einschließt" - 4*) siehe Band 23 unserer Ausgabe,
       S. 158/159
       
       #471# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
       -----
       Funktion, als  Garantiefonds für Konvertibilität von Banknoten zu
       dienen, in  Ländern, wo  das Kreditsystem und das Kreditgeld ent-
       wickelt ist.  Zu alledem kommt dann schließlich 1. die Konzentra-
       tion des  nationalen Reservefonds in einer einzigen Hauptbank, 2.
       seine Reduktion  auf das möglichste Minimum. Daher auch die Klage
       Fullartons (p. 143).
       
       "One cannot  contemplate the  perfect silence  and facility  with
       which variations  of the exchange usually pass off in continental
       countries, compared  with the  state of  feverish  clisquiet  and
       alarm always  produced in  England whenever  the treasure  in the
       bank seems  to be at all approaching to exhaustion, without being
       struck with  the great advantage in this respect which a metallic
       currency possesses." 1*)
       
       Sehn wir nun aber ab vom Goldabfluß, wie kann dann eine Bank, die
       Banknoten ausgibt, also z.B. die Bank von England, den Betrag der
       von ihr  geleisteten Geldakkommodation  vermehren ohne Vermehrung
       ihrer Notenausgabe?
       Alle Noten außerhalb der Mauern der Bank, ob sie zirkulieren oder
       in Privatschätzen  schlummern, befinden sich, was die Bank selbst
       betrifft, in  Zirkulation, d.h.  außerhalb ihres  Besitzes. Dehnt
       also die Bank ihre Diskontos und Lombardgeschäfte, die Vorschüsse
       auf securities 2*) aus, so müssen die dafür ausgegebnen Banknoten
       wieder zu ihr zurückfließen, denn sonst vergrößern sie den Betrag
       der Zirkulation,  was eben nicht der Fall sein soll. Dieser Rück-
       fluß kann auf doppelte Weise geschehn.
       Erstens: Die  Bank zahlt  dem A  Noten gegen Wertpapiere; A zahlt
       damit fällige  Wechsel an B, und B deponiert die Noten wieder bei
       der Bank.  Die Zirkulation  dieser Noten  ist damit zu Ende, aber
       die Anleihe bleibt.
       
       ("The loan  remains, and  the currency,  if not wanted, finds its
       way back to the issuer." Fullarton, p. 97.)
       
       Die Noten, die die Bank dem A vorschoß, sind jetzt zu ihr zurück.
       gekehrt; dagegen ist sie Gläubigerin von A oder dem Bezogenen des
       von A diskontlerten Wechsels, Schuldnerin von B für die in diesen
       Noten ausgedrückte Wertsumme, und B verfügt damit über einen ent-
       sprechenden Teil des Kapitals der Bank.
       -----
       1*) Die völlige Ruhe und Richtigkeit, mit denen Veränderungen des
       Wechselkurses in den Ländern des Kontinents gewöhnlich vorüberge-
       hen, verglichen  mit dem  Zustand von fieberhafter Unruhe und Be-
       stürzung, der  in England stets eintritt, wenn der Goldschatz der
       Bank sich seiner völligen Erschöpfung zu nähern scheint, kann man
       nicht beobachten,  ohne von  dem großen  Vorteil  beeindruckt  zu
       sein, den  in dieser Hnsicht eine metallische Zirkulation hat." -
       2*) Wertpapiere - 3*) "Die Anleihe bleibt, und das Zirkulationet-
       tel findet,  wenn nicht  gebraucht, seinen  Weg zum  Ausgeber zu-
       rück."
       
       #472# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
       -----
       Zweitens: A  zahlt an B, und B selbst oder C, an den er die Noten
       weiter fortzahlt,  zahlt mit  diesen Noten fällige Wechsel an die
       Bank, direkt oder indirekt. In diesem Fall wurde die Bank mit ih-
       ren eignen Noten bezahlt. Hiermit ist dann die Transaktion fertig
       (bis auf die Rückzahlung des A an die Bank).
       Inwiefern ist nun der Vorschuß der Bank an A als Vorschuß von Ka-
       pital oder als bloßer Vorschuß von Zahlungsmitteln zu betrachten?
       91)
       {Dies kommt  auf die Natur des Vorschusses selbst an. Es sind da-
       bei drei Fälle zu untersuchen.
       Erster Fall.  - A erhält von der Bank die Vorschußsummen auf sei-
       nen persönlichen  Kredit hin,  ohne irgendwelche Deckung dafür zu
       geben. In diesem Fall hat er nicht nur Zahlungsmittel vorgeschos-
       sen erhalten,  sondern auch  unbedingt ein  neues Kapital, das er
       bis zur  Rückzahlung in seinem Geschäft als Zusatzkapital verwen-
       den und verwerten kann.
       Zweiter Fall.  - A  hat der Bank Wertpapiere, Staatsschuldscheine
       oder Aktien,  verpfändet und darauf Barvorschuß, sage bis zu zwei
       Dritteln des Tageswerts, erhalten. In diesem Fall hat er die Zah-
       lungsmittel erhalten, die er brauchte, aber kein zusätzliches Ka-
       pital, denn  er hat  der Bank  einen größeren  Kapitalwert in die
       Hand gegeben,  als er  von ihr erhielt. Aber dieser größere Kapi-
       talwert war  einerseits für  seine  augenblicklichen  Bedürfnisse
       Zahlungsmittel -  nicht verwendbar,  weil er  in einer bestimmten
       Form zinstragend  angelegt war; andrerseits hatte A seine Gründe,
       ihn nicht  durch Verkauf  direkt in Zahlungsmittel zu verwandeln.
       Seine Wertpapiere  hatten unter andern die Bestimmung, als Reser-
       vekapital zu  fungieren, und  als solche  hat er  sie in Funktion
       treten lassen.  Es hat also zwischen A und der Bank eine zeitwei-
       lige, gegenseitige  Kapitalübertragung stattgefunden,  so  daß  A
       kein zusätzliches Kapital erhalten hat (im Gegenteil!), wohl aber
       die benötigten  Zahlungsmittel. Dagegen  für die Bank war das Ge-
       schäft eine  zeitweilige Festlegung von Geldkapital in Form einer
       Anleihe, eine  Verwandlung von Geldkapital aus einer Form in eine
       andre, und  diese Verwandlung  ist grade die wesentliche Funktion
       des Bankgeschäfts.
       Dritter Fall.  - A  hat bei  der Bank  einen Wechsel diskontieren
       lassen und dafür, nach Abzug des Diskontos, den Betrag in bar er-
       halten. In diesem
       ---
       91) Die nun folgende Stelle des Originals ist im Zusammenhang un-
       verständlich und  bis zum  Schluß der  Kammer vom Herausgeber neu
       bearbeitet. In  andrem Zusammenhang  ist dieser  Punkt bereits in
       Kap. XXVI 1*) berührt worden. - F.E.
       -----
       1*) Siehe vorl. Band, S. 443-445
       
       #473# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
       -----
       Fall hat  er eine nicht flüssige Form von Geldkapital an die Bank
       verkauft gegen den Wertbetrag in flüssiger Form; den noch laufen-
       den Wechsel  gegen bares Geld. Der Wechsel ist jetzt Eigentum der
       Bank. Daran  ändert es  nichts, daß  bei Mangel  an  Zahlung  der
       letzte Indossent A der Bank für den Betrag haftet; diese Haftbar-
       keit teilt  er mit  den andern Indossenten und dem Aussteller, an
       die er  seinerzeit Regreß  hat. Hier liegt also gar kein Vorschuß
       vor, sondern  ein ganz gewöhnlicher Kauf und Verkauf. A hat daher
       der Bank auch nichts zurückzuzahlen, sie deckt sich durch Einkas-
       sieren des Wechsels bei Verfall. Auch hier hat gegenseitige Kapi-
       tal-Übertragung zwischen  A und  der Bank stattgefunden, und zwar
       ganz wie beim Kauf und Verkauf jeder andern Ware, und ebendeshalb
       hat A kein zusätzliches Kapital erhalten. Was er brauchte und er-
       hielt, waren  Zahlungsmittel, und er erhielt sie dadurch, daß die
       Bank ihm die eine Form seines Geldkapitals - den Wechsel - in die
       andre - das Geld - verwandelte.
       Von wirklichem  Kapitalvorschuß kann  also die Rede sein nur beim
       ersten Fall.  Im zweiten  und dritten  Fall höchstens  nur in dem
       Sinn, wie  bei jeder  Kapitalanlage man  "Kapital vorschießt". In
       diesem Sinn  schießt die  Bank dem  A Geldkapital vor; aber für A
       ist es  Geldkapital höchstens in dem Sinn, daß es ein Teil seines
       Kapitals überhaupt  ist. Und  er verlangt  und gebraucht es nicht
       speziell als  Kapital, sondern speziell als Zahlungsmittel. Sonst
       wäre auch  jeder gewöhnliche  Warenverkauf, wodurch man sich Zah-
       lungsmittel verschafft,  als ein empfangner Kapitalvorschuß anzu-
       sehn. - F. E.}
       Bei der Privatbank mit Notenausgabe besteht der Unterschied, daß,
       falls ihre  Noten weder in der Lokalzirkulation bleiben, noch ihr
       selbst zurückkehren in Form von Depositen oder für Zahlung fälli-
       ger Wechsel,  diese Noten  in die  Hände von Leuten fallen, denen
       sie Gold  oder Noten der Bank von England in Auswechslung dersel-
       ben zahlen  muß. So repräsentiert in diesem Fall der Vorschuß ih-
       rer Noten  in der  Tat Vorschuß  von Noten  der Bank von England,
       oder was  für sie dasselbe, von Gold, also einen Teil ihres Bank-
       kapitals. Dasselbe  gilt von  dem Fall,  wo die  Bank von England
       selbst oder  irgendeine andere Bank, die einem gesetzlichen Maxi-
       mum der  Notenausgabe unterworfen ist, Wertpapiere verkaufen muß,
       um ihre  eignen Noten  aus der  Zirkulation zu ziehn und sie dann
       wieder in Vorschüssen auszugeben; hier repräsentieren ihre eignen
       Noten einen  Teil ihres  mobilisierten Bankkapitals.  Selbst wenn
       die Zirkulation rein metallisch wäre, könnte gleichzeitig 1 - ein
       Goldabfluß {hier  ist offenbar ein Goldabfluß gemeint, der wenig-
       stens zum  Teil ins Ausland geht, F. E.} die Schatzkammer leeren,
       und 2., da
       
       #474# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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       das Gold  hauptsächlich von  der Bank nur zur Saldierung von Zah-
       lungen (Erledigung  vergangner Transaktionen)  verlangt würde, so
       könnte ihr  Vorschuß auf  Wertpapiere sehr  wachsen, ihr  aber in
       Form von  Depositen zurückkehren  oder  in  Rückzahlung  fälliger
       Wechsel; so daß einerseits, bei Zunahme der Wertpapiere im Porte-
       feuille der  Bank, ihr Gesamtschatz abnähme, sie andrerseits die-
       selbe Summe,  die sie  früher als  Eigentümerin hielt,  jetzt als
       Schuldnerin ihrer Depositäre halten würde und endlich die Gesamt-
       masse des zirkulierenden Mediums abnähme.
       Es ist  bisher vorausgesetzt  worden, daß die Vorschüsse in Noten
       gemacht werden,  also wenigstens  eine augenblickliche, wenn auch
       sofort wieder verschwindende Vermehrung der Notenausgabe mit sich
       führen. Dies  ist aber nicht nötig. Statt der Papiernote kann die
       Bank dem A einen Buchkredit eröffnen, wo also dieser, ihr Schuld-
       ner, zum  imaginären Depositor bei ihr wird. Er zahlt seine Gläu-
       biger mit  Schecks auf die Bank, und der Empfänger dieser Schecks
       zahlt sie  weiter an  seinen Bankier,  der sie  gegen die auf ihn
       laufenden Schecks  im Clearing  House austauscht.  In diesem Fall
       findet gar  keine Dazwischenkunft  von Noten statt, und die ganze
       Transaktion beschränkt  sich darauf, daß der Bank eine Forderung,
       die sie  zu machen  hat, mit einem Scheck auf sie selbst saldiert
       wird, und  ihre wirkliche  Rekompensation in  der Kreditforderung
       auf A besteht. In diesem Falle hat sie ihm einen Teil ihres Bank-
       kapitals, weil ihre eignen Schuldforderungen, vorgeschossen.
       Soweit diese  Nachfrage nach Geldakkommodation Nachfrage nach Ka-
       pital ist,  ist sie  dies nur für Geldkapital; Kapital vom Stand-
       punkt des  Bankiers aus,  nämlich für  Gold -  bei Goldabfluß ins
       Ausland - oder Noten der Nationalbank, die für die Privatbank nur
       durch Kauf  gegen ein Äquivalent erlangbar sind, für sie also Ka-
       pital vorstellen.  Oder endlich  handelte es sich um zinstragende
       Wertpapiere, Staatseffekten,  Aktien etc.,  die  verkauft  werden
       müssen, um  Gold oder  Noten an  sich zu  ziehn. Diese aber, wenn
       Staatspapiere, sind  Kapital bloß  für den,  der sie gekauft hat,
       dem sie  also seinen  Kaufpreis, sein in ihnen angelegtes Kapital
       repräsentieren; an  sich sind  sie kein  Kapital,  sondern  bloße
       Schuldforderungen; wenn  Hypotheken, sind  sie bloße  Anweisungen
       auf künftige  Bodenrente, und  wenn sonstige Aktien, bloße Eigen-
       tumstitel, die  zur Empfangnahme von künftigem Mehrwert berechti-
       gen. Alle  diese Dinge sind kein wirkliches Kapital, bilden keine
       Bestandteile des  Kapitals und  sind auch an sich keine Werte. Es
       kann sich  auch durch  ähnliche Transaktionen  Geld, das der Bank
       gehört, in Depositum verwandeln, so daß sie, statt Eigner Schuld-
       ner desselben  wird, es unter andrem Besitztitel hält. So wichtig
       dies für sie selbst
       
       #475# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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       ist, so  wenig ändert es an der Masse des im Lande vorrätigen Ka-
       pitals und  selbst Geldkapitals.  Kapital figuriert hier also nur
       als Geldkapital und, wenn nicht in wirklicher Geldform vorhanden,
       als bloßer  Kapitaltitel. Es ist dies sehr wichtig, da Seltenheit
       von und  dringende Nachfrage  nach   B a n k kapital  verwechselt
       wird mit  einer Verringerung  des  w i r k l i c h e n  Kapitals,
       das in  solchen Fällen  im Gegenteil, in Form von Produktionsmit-
       teln und  Produkten, im Überfluß vorhanden ist und die Märkte er-
       drückt.
       Es erklärt sich also sehr einfach, wie die Masse der von der Bank
       als Deckung  gehaltnen Wertpapiere  wachsen, also  der zunehmende
       Andrang nach  Geldakkommodation von  der Bank  befriedigt  werden
       kann, bei  gleichbleibender oder  abnehmender Gesamtmasse der Um-
       laufsmittel. Und  zwar wird  diese Gesamtmasse in doppelter Weise
       in solchen  Zeiten der Geldklemme in Schranken gehalten: 1. durch
       Goldabfluß; 2.  durch Nachfrage nach Geld als bloßem Zahlungsmit-
       tel, wo die ausgegebnen Noten sogleich zurückfließen oder wo ver-
       mittelst Buchkredit  die Transaktion  ohne alle Ausgabe von Noten
       sich abwickelt;  wo also eine bloße Kredittransaktion die Zahlun-
       gen vermittelt,  deren Erledigung der einzige Zweck des Geschäfts
       war. Es  ist das  Eigentümliche des  Geldes, daß,  wo es bloß zur
       Saldierung von  Zahlungen fungiert  (und in Zeiten der Krise wird
       Vorschuß aufgenommen,  um zu  zahlen, nicht um zu kaufen; um ver-
       gangne Geschäfte  abzuwickeln, nicht  um neue einzuleiten), seine
       Zirkulation nur  ver schwindend  ist, selbst soweit diese Saldie-
       rung nicht durch bloße Kreditoperation, ohne alle Dazwischenkunft
       von Geld stattfindet; daß also bei großem Andrang nach Geldakkom-
       modation eine  ungeheure Masse  dieser Transaktionen  stattfinden
       kann, ohne die Zirkulation zu erweitern. Die bloße Tatsache aber,
       daß die  Zirkulation der  Bank von  England  stabil  bleibt  oder
       selbst abnimmt,  gleichzeitig mit  starker, von  ihr  geleisteter
       Geldakkommodation, beweist prima facie keineswegs, wie Fullarton,
       Tooke u.a.  (infolge ihres  Irrtums, wonach Geldakkommodation ei-
       nerlei sei  mit Aufnahme von capital on loan 1*), von Zusatzkapi-
       tal) annehmen,  daß die Zirkulation des Geldes (der Banknoten) in
       seiner Funktion  als Zahlungsmittel  nicht zunimmt  und sich aus-
       dehnt. Da  die Zirkulation der Noten als Kaufmittel in Zeiten der
       Geschäftsstockung, wo  solche starke  Akkommodation erforderlich,
       abnimmt, kann  ihre Zirkulation  als Zahlungsmittel  zunehmen und
       die Gesamtsumme der Zirkulation, die Summe der als Kaufmittel und
       als Zahlungsmittel  fungierenden Noten,  dennoch  stabil  bleiben
       oder selbst  abnehmen. Die  Zirkulation, als  Zahlungsmittel, von
       Banknoten, die der
       -----
       1*) Leihkapital
       
       #476# V. Abschnitt - Das zinstrnende Kapital
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       ausgebenden Bank  sofort zurückströmen,  ist in  den Augen  jener
       Ökonomen eben keine Zirkulation.
       Nähme die Zirkulation als Zahlungsmittel in höherem Grade zu, als
       die als  Kaufmittel abnimmt, so würde die Gesamtzirkulation wach-
       sen, obgleich  das als Kaufmittel fungierende Geld der Masse nach
       bedeutend abgenommen  hätte. Und  dies tritt wirklich in gewissen
       Momenten der  Krise ein, nämlich beim vollständigen Zusammenbruch
       des Kredits, wo nicht nur die Waren und Wertpapiere unverkaufbar,
       sondern auch die Wechsel undiskontierbar geworden sind und nichts
       mehr gilt  als bare Zahlung oder wie der Kaufmann sagt: Kassa. Da
       Fullarton und  andre nicht begreifen, daß die Zirkulation der No-
       ten als  Zahlungsmittel das  Charakteristische solcher Zeiten der
       Geldnot ist, behandeln sie dies Phänomen als zufällig.
       
       "With respect  again to  those examples  of eager competition for
       the possession  of banknotes, which characterise seasons of panic
       and which  may sometimes, as at the close of 1825, lead to a sud-
       den, though only temporary, enlargement of the issues, even while
       the efflux  of bulliop is still going on, these, I apprehend, are
       not to be regarded as among the natural or necessaty concomitants
       of a  low exchange;  the demand in such cases is not for circula-
       tion" (sollte  heißen Zirkulation  als Kaufmittel)  but for hoar-
       ding, a  demand on  the part  of aiarmed  bankers and capitalists
       which arises  generally in  the last act of the crisis" (also als
       Reserve für  Zahlungsmittel) after  a long  continuation  of  the
       drain, and  is the precursor of its termination." 1*) (Fullarton,
       p. 130.)
       
       Es ist  bereits bei  Betrachtung des  Geldes  als  Zahlungsmittel
       (Buch I, Kap. III, 3, b) auseinandergesetzt worden, wie bei einer
       heftigen Unterbrechung  der Zahlungskette das Geld aus einer bloß
       idealen Form  in dingliche  und zugleich absolute Form des Werts,
       gegenüber den Waren, umschlägt. Einige Exempel davon wurden gege-
       ben ebendaselbst,  Note 100  und 101.  Diese Unterbrechung selbst
       ist teils  Wirkung, teils  Ursache der  Erschütterung des Kredits
       und der  Umstände, die letztre begleiten: Überführung der Märkte,
       Entwertung der Waren, Unterbrechung der Produktion etc.
       -----
       1*) "Im  Hinblick wiederum  auf jene Beispiele von heftigem Wett-
       kampf um  den Besitz  von Banknoten,  der Zeiten  der Panik kenn-
       zeichnet und  manchmal, wie Ende 1825, zu einer plötzlichen, wenn
       auch nur  zeitweiligen Ausdehnung  der Notenausgabe  führen kann,
       sogar während  der Goldabfluß  noch andauert,  meine ich, daß sie
       nicht als  natürliche oder notwendige Begleitumstände eines nied-
       rigen Wechselkurses  angesehen werden  können; die Nachfrage gilt
       in solchen  Fällen nicht der Zirkulation" (sollte heißen Zirkula-
       tion als  Kaufmittel), sondern  der Schatzbildung,  sie ist  eine
       Nachfrage seitens erschreckter Bankiers und Kapitalisten, die ge-
       wöhnlich im letzten Akt der Krise entsteht" (also als Reserve für
       Zahlungsmittel) "nach langer Fortdauer des Goldabflusses, und ist
       der Vorbote ihres Endes."
       
       #477# 28. Kapitel - Umlauf smittel und Kapital usw.
       -----
       Klar aber  ist, daß  Fullarton den  Unterschied zwischen Geld als
       Kaufmittel und  Geld als  Zahlungsmittel in  den falschen  Unter-
       schied zwischen  currency und  Kapital verwandelt. Es liegt dabei
       aber wieder die engherzige Bankiervorstellung von Zirkulation zu-
       grunde. -
       Es könnte  noch gefragt  werden: Was fehlt denn in-solchen Zeiten
       der Klemme,  Kapital oder  Geld in  seiner Bestimmtheit  als Zah-
       lungsmittel? Und dies ist bekanntlich eine Kontroverse.
       Zunächst, soweit  die Klemme  sich zeigt  im Goldabfluß,  ist  es
       klar, daß das, was verlangt wird, das internationale Zahlungsmit-
       tel ist.  Aber Geld,  in seiner  Bestimmtheit als internationales
       Zahlungsmittel, ist Gold in seiner metallischen Wirklichkeit, als
       selbst wertvolle  Substanz, Wertmasse.  Es ist  zugleich Kapital,
       aber Kapital nicht als Warenkapital, sondern als Geldkapital, Ka-
       pital nicht  in der Form der Ware, sondern in der Form des Geldes
       (und zwar  des Geldes  im eminenten Sinn des Worts, worin es exi-
       stiert in  der allgemeinen  Weltmarktsware). Es  liegt hier nicht
       ein Gegensatz  vor zwischen der Nachfrage nach Geld als Zahlungs-
       mittel und  der Nachfrage  nach Kapital. Der Gegensatz liegt zwi-
       schen dem  Kapital in seiner Form als Geld und in seiner Form als
       Ware; und  die Form, in der es hier verlangt wird und allein fun-
       gieren kann, ist seine Geldform.
       Abgesehn von  dieser Nachfrage nach Gold (oder Silber) kann nicht
       gesagt werden,  daß in solchen Zeiten der Krise es in irgendeiner
       Weise an  Kapital mangelt. Unter außerordentlichen Umständen, wie
       Getreideteurung, Baumwollnot etc., kann dies der Fall sein; diese
       aber sind  keineswegs notwendige  oder regelmäßige Begleiter sol-
       cher Zeiten;  und die  Existenz eines  solchen Mangels an Kapital
       kann daher  nicht von  vornherein daraus  geschlossen werden, daß
       ein Andrang  für Geldakkommodation  besteht.  Im  Gegenteil.  Die
       Märkte sind überführt, mit Warenkapital überschwemmt. Es ist also
       jedenfalls nicht  Mangel an   W a r e n kapital,  das die  Klemme
       verursacht. Wir kommen auf diese Frage später zurück.

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