Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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ACHTUNDZWANZIGSTES KAPITEL
Umlaufsmittel und Kapital.
Tookes und Fullartons Auffassung
Der Unterschied zwischen Zirkulation und Kapital, wie ihn Tooke
[89], Wilson und andre machen, und wobei die Unterschiede zwi-
schen Zirkulationsmittel als Geld, als Geldkapital überhaupt, und
als zinstragendes Kapital (moneyed capital im englischen Sinn)
kunterbunt durcheinandergeworfen werden, kommen auf zweierlei
hinaus.
Das Zirkulationsmittel zirkuliert einerseits als M ü n z e
(Geld), soweit es V e r a u s g a b u n g v o n R e v e n u e
vermittelt, also den Verkehr zwischen den individuellen Konsumen-
ten und den Kleinhändlem, unter welche Kategorie
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89) Wir geben hier die bezügliche, auf S. 390 1*) deutsch im Aus-
zug zitierte Stelle aus Tooke im Original: "The business of ban-
kers, setting aside the issue of promissory notes payable on de-
mand, may be divided into two branches, corresponding with the
distinction pointed out by Dr. (Adam) Smith of the transactions
between dealers and deaiers, and between dealers and consumers.
One branch of the bankers' business is to collect c a p i t a l
from those who have not immediate employment for it, and to dis-
tribute or transfer it to those who have. The other branch is to
receive deposits of the i n c o m e s of their customers, and
to pay out the amount, as it is wanted for expenditure by the
latter in the objects of their consumption... the former being a
circulation of c a p i t a l, the latter of c u r r e n c y."
2*) (Tooke, "Inquiry into the Curtency Principle", p. 36.) Das
erstere ist "the concentration of capital on the one hand and the
distribution of it
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1*) Siehe vorl. Band, S. 417 - 2*) Wenn man die Ausgabe von
Banknoten, die auf Verlangen zahlbar sind, außer acht läßt, so
haben die Bankiers ein doppeltes Geschäft, was auch der Unter-
scheidung desselben durch Dr. (Adam) Smith in Umsätze zwischen
Händlern und Händlern und zwischen Händlern und Konsumenten ent-
spricht. Ein Zweig des Bankiergeschäfts besteht darin, Kapital zu
sammeln von denen, die keine unmittelbare Verwendung dafür haben,
und es zu verteilen und zu Vertragen an jene, die es gebrauchen
können. Der andere Zweig besteht darin, Depositen vom
E i n k o m m e n ihrer Kunden zu empfangen und diesen den Be-
trag auszuzahlen, je nachdem sie ihn zu Konsumtionsauslagen brau-
chen. Das erstere ist Zirkulation von K a p i t a l, das letz-
tere Zirkulation von G e l d."
#459# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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alle Kaufleute zu rechnen sind, die an die Konsumenten verkaufen
- an die individuellen Konsumenten im Unterschied von den produk-
tiven Konsurnenten oder Produzenten. Hier zirkuliert das Geld in
der Funktion der Münze, obgleich es beständig K a p i t a l
e r s e t z t. Ein gewisser Teil des Geldes in einem Lande ist
beständig dieser Funktion gewidmet, obgleich dieser Teil aus be-
ständig wechselnden einzelnen Geldstücken besteht. Dagegen, so-
weit das Geld Ü b e r t r a g u n g v o n K a p i t a l ver-
mittelt, sei es als Kaufmittel (Zirkulationsmittel), sei es als
Zahlungsmittel, ist es Kapital. Es ist also weder die Funktion
als Kaufmittel, noch die als Zahlungsmittel, die es von der Münze
unterscheidet, denn auch zwischen Händler und Händler kann es als
Kaufmittel fungieren, soweit sie gegen bar voneinander kaufen,
und auch zwischen Händler und Konsument kann es als Zahlungsmit-
tel figurieren, soweit Kredit gegeben und die Revenue erst ver-
zehrt und dann bezahlt wird. Der Unterschied ist also der, daß im
zweiten Fall dies Geld nicht nur Kapital für die eine Seite, den
Verkäufer, ersetzt, sondern auch von der andern Seite, vom Käu-
fer, als Kapital verausgabt, vorgeschossen wird. Der Unterschied
ist also in der Tat der von G e l d f o r m d e r
R e v e n u e und G e l d f o r m des Kapitals, aber nicht der
von Zirkulation und Kapital, denn als Vermittler zwischen den
Händlern, ebensogut wie als Vermittler zwischen Konsumenten und
Händlern, z i r k u l i e r t ein seiner Menge nach bestimmter
Teil des Geldes, und Z i r k u l a t i o n ist es demzufolge in
b e i d e n Funktionen gleichmäßig. Es kommt nun bei der Auffas-
sung Tookes Konfusion verschiedner Art herein:
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on the other" 1*), das zweite ist administering the circulation
for local purposu of the district" 2*) (ibid. p. 37.) - Weit nä-
her der richtigen Auffassung kommt Kinnear, in folgender Stelle:
Geld wird gebraucht, um zwei wesentlich verschiedne Operationen
zu vollziehn. Als Austauschmittel zwischen Händler und Händler
ist es das Instrument, wodurch Übertragungen von Kapital bewirkt
werden; d.h. der Austausch eines stimmten Kapitalbetrags in Geld
für einen gleichen Kapitalbetrag in Waren. Aber Geld ausgelegt in
Zahlung von Arbeitslohn und in Kauf und Verkauf zwischen Händler
und Konsument ist nicht Kapital, sondern Revenue; der Teil der
Revenue der Gesamtheit, der auf tägliche Ausgaben verwandt wird.
Dies Geld zirkuliert in fortwährendem täglichem Gebrauch, und
dies ist es allein, das im strengen Sinn Zirkulationsmittel
(currency) genannt werden kann. Kapitalvorschüsse hängen aus-
schließlich ab von dem Willen der Bank oder andrer Kapitalbesit-
zer - denn Borger finden sich immer; aber der Betrag des Zirkula-
tionsmittels hängt ab von den Bedürfnissen der Gesamtheit, inn-
nerhalb deren das Geld zum Zweck täglicher Verausgabung zirku-
liert." (J. G. Kinnear, "The Crisis and the Currency", London
1847, [p. 3, 4].)
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1*) "Konzentration des Kapitals auf der einen und Verteilung des-
selben auf der andern Seite" - 2*) Verwaltung der Zirkulation für
die Lokalzwecke der Umgegend"
#460# V. Abschnitt - Daß zinstragende Kapital
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1.Durch die Verwechslung der funktionellen Bestimmungen; 2. durch
die Einmischung der Frage über die Quantität des, in beiden Funk-
tionen zusammengenommen, zirkulierenden Geldes;
3. durch Einmischung der Frage über die relativen Verhältnisse
der in beiden Funktionen, und daher in beiden Sphären des Repro-
duktionsProzesses, zirkulierenden Mengen von Umlaufsmitteln, zu-
einander.
Ad 1. Die Verwechslung der funktionellen Bestimmungen, daß das
Geld in der einen Form Zirkulation (currency) und in der andern
Form Kapital ist. Soweit das Geld in der einen oder andern Funk-
tion dient, sei es zur Realisierung von Revenue oder zur Übertra-
gung von Kapital, fungiert es im Kauf und Verkauf oder im Zahlen
als Kaufmittel oder Zahlungsmittel und im weitern Sinn des Worts
als Zirkulationsmittel. Die weitere Bestimmung, die es in der
Rechnung seines Ausgebers oder Empfängers hat, daß es ihm Kapital
oder Revenue vorstellt, ändert hieran absolut nichts, und es
zeigt sich dies auch doppelt. Obgleich die Geldsorten, die in
beiden Sphären zirkulieren, verschieden sind, so geht dasselbe
Geldstück, z.B. eine Fünfpfundnote, aus der einen Sphäre in die
andre über und vollzieht abwechselnd beide Funktionen; was schon
deswegen unvermeidlich ist, weil der Kleinhändler seinem Kapital
die Geldform allein geben kann in der Form der Münze, die er von
seinen Käufern erhält. Man kann annehmen, daß die eigentliche
Scheidemünze ihren Zirkulationsschwerpunkt im Gebiet des Klein-
handels hat; der Kleinhändler braucht sie beständig zum Auswech-
seln und erhält sie beständig in Zahlung von seinen Kunden zu-
rück. Er erhält aber auch Geld, d.h. Münze in dem Metall, das
Wertmesser ist, also in England Pfundstücke und selbst Banknoten,
namentlich Noten zu niedrigen Beträgen, also z.B. von 5 und 10
Pfund. Diese Goldstücke und Noten, nebst etwa überschüssiger
Scheidemünze, deponiert er jeden Tag oder jede Woche bei seiner
Bank und zahlt damit, durch Anweisung auf sein Bankdepositum,
seine Einkäufe. Aber dieselben Goldstücke und Noten werden ebenso
beständig vom ganzen Publikum, in seiner Eigenschaft als Konsu-
ment, als Geldform seiner Revenue, den Banken wieder direkt oder
indirekt (z.B. Kleingeld durch Fabrikanten zur Lohnzahlung) ent-
zogen und fließen beständig den IGeinhändlern zurück, denen sie
so einen Teil ihres Kapitals, aber gleichzeitig auch ihrer Reve-
nue aufs neue realisieren. Dieser letztere Umstand ist wichtig
und wird von Tooke ganz übersehn. Nur sobald das Geld als Geldka-
pital ausgelegt wird, am Anfang des Reproduktionsprozesses (Buch
II, Abschnitt I) existiert der Kapitalwert rein als solcher. Denn
in der produzierten Ware steckt nicht nur Kapital, sondern auch
schon der Mehrwert; sie ist nicht nur Kapital an sich, sondern
#461# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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schon gewordenes Kapital, Kapital mit der ihm einverleibten Reve-
nuequelle. Was der Kleinhändler für das ihm zurückfließende Geld
weggibt, seine Ware, ist also für ihn Kapital plus Profit, Kapi-
tal plus Revenue.
Ferner aber, indem das zirkulierende Geld dem Kleinhändler zu-
rückfließt, stellt es die Geldform seines Kapitals wieder her.
Den Unterschied zwischen der Zirkulation als Zirkulation von Re-
venue und als Zirkulation von Kapital in einen Unterschied zwi-
schen eben Zirkulation und Kapital verwandeln, ist also durchaus
verkehrt. Diese Redeweise entspringt bei Tooke daraus, daß er
sich einfach auf den Standpunkt des Bankiers stellt, der eigne
Banknoten ausgibt. Der Betrag seiner Noten, der sich beständig
(wenn auch stets aus andern Noten bestehend) in der Hand des Pu-
blikums befindet und als Zirkulationsrnittel fungiert, kostet ihm
nichts außer Papier und Druck. Es sind auf ihn selbst ausge-
stellte zirkulierende Schuldscheine (Wechsel), die ihm aber Geld
einbringen und so als ein Mittel zur Verwertung seines Kapitals
dienen. Sie sind aber von seinem Kapital verschieden, sei dies
nun eignes oder aufgenommnes. Daher entspringt für ihn ein spe-
zieller Unterschied von Zirkulation und Kapital, der aber mit den
Begriffsbestimmungen als solchen nichts zu tun hat, am wenigsten
mit den eben von Tooke gemachten.
Die verschiedne Bestimmtheit - ob es als Geldform der Revenue
oder des Kapitals fungiert - ändert zunächst nichts an dem Cha-
rakter des Geldes als Zirkulationsmittel; diesen Charakter behält
es, ob es die eine oder die andre Funktion verrichtet. Allerdings
fungiert das Geld, wenn es als Geldform der Revenue auftritt,
mehr als eigentliches Zirkulationsmittel (Münze, Kaufmittel), we-
gen der Zersplitterung dieser Käufe und Verkäufe, und weil die
Mehrzahl der Revenue-Ausgebenden, die Arbeiter, relativ wenig auf
Kredit kaufen können; während im Verkehr der Handelswelt, wo das
Umlaufsmittel Geldform des Kapitals ist, teils wegen der Konzen-
tration, teils wegen des vorherrschenden Kreditsystems, das Geld
hauptsächlich als Zahlungsmittel fungiert. Aber der Unterschied
des Geldes als Zahlungsmittel vom Geld als Kaufmittel
(Zirkulationsmittel) ist eine dem Geld selbst zukommende Unter-
scheidung; nicht ein Unterschied zwischen Geld und Kapital. Weil
im Kleinhandel mehr Kupfer und Silber, im großen mehr Gold zir-
kullert, ist der Unterschied zwischen Silber und Kupfer auf der
einen und von Gold auf der andren Seite, nicht der Unterschied
von Zirkulation und Kapital.
Ad 2. Einmischung der Frage über die Quantität des in beiden
Funktionen zusammen zirkulierenden Geldes: Soweit das Geld zirku-
liert, sei es als Kaufmittel, sei es als Zahlungsmittel - einer-
lei, in welcher der beiden
#462# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Sphären und unabhängig von seiner Funktion, Revenue oder Kapital
zu realisieren -, gelten für die Quantität seiner zirkulierenden
Masse die früher, bei Betrachtung der einfachen Warenzirkulation,
Buch I, Kap. III, 2b, entwickelten Gesetze. Der Grad der Zirkula-
tionsgeschwindigkeit, also die Anzahl der Wiederholungen dersel-
ben Funktion als Kauf- und Zahlungsttel durch dieselben Geld-
stücke in einem gegebnen Zeitraum, die Masse der gleichzeitigen
Käufe und Verkäufe, resp. Zahlungen, die Preissumme der zirkulie-
renden Waren, endlich die Zahlungsbilanzen, die in derselben Zeit
zu saldieren sind, bestimmen in beiden Fällen die Masse des zir-
kullerenden Geldes, der currency. Ob das so fungierende Geld für
Zahler oder Empfänger Kapital oder Revenue vorstellt, ist gleich-
gültig, ändert absolut nichts an der Sache. Seine Masse wird be-
stimmt einfach durch seine Funktion als Kauf- und Zahlungsmittel.
Ad 3. Zur Frage über die relativen Verhältnisse der in beiden
Funktionen, und daher in beiden Sphären des Reproduktionsprozes-
ses zirkulierenden Mengen von Umlaufsmitteln. Beide Zirkulations-
sphären stehn in einem innern Zusammenhang, indem einerseits die
Masse der zu verausgabenden Revenuen den Umfang der Konsumtion
und andrerseits die Größe der in Produktion und Handel zirkulie-
renden Kapitalmassen den Umfang und die Geschwindigkeit des Re-
produktionsprozesses ausdrucken. Trotzdem wirken dieselben Um-
stände verschieden, und selbst in entgegengesetzter Richtung, auf
die Quanta der in beiden Funktionen oder Sphären zirkulierenden
Geldmassen oder auf die Quantitäten der Zirkulation, wie die Eng-
länder dies bankmäßig ausdrucken. Und dies gibt neuen Anlaß zu
der abgeschmackten Distinktion Tookes von Zirkulation und Kapi-
tal. Der Umstand, daß die Herren von der Currency-Theorie [68]
zwei disparate Dinge verwechseln, ist durchaus kein Grund, um sie
als Begriffsunterschiede darzustellen. In Zeiten der Prosperität,
großer Expansion, Beschleunigung und Energie des Reproduktions-
prozesses, sind die Arbeiter voll beschäftigt. Meist tritt auch
Steigen des Lohns ein und gleicht das Fallen desselben unter das
Durchschnittsniveau in den andem Perioden des kommerziellen Zy-
klus einigermaßen aus. Gleichzeitig wachsen die Revenuen der Ka-
pitalisten bedeutend. Die Konsumtion steigt allgemein. Die Waren-
preise steigen ebenfalls regelmäßig, wenigstens in verschiednen
entscheidenden Geschäftszweigen. Infolgedessen wächst das Quantum
des zirkullerenden Geldes wenigstens innerhalb gewisser Grenzen,
indem die größere Umlaufsgeschwindigkeit dem Wachsen der Masse
des umlaufenden Mittels ihrerseits Schranken setzt. Da der Teil
der gesellschaftlichen Revenue, der aus
#463# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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Arbeitslohn besteht, ursprünglich vom industriellen Kapitalisten
in der Form von variablem Kapital und stets in Geldform vorge-
schossen wird, bedarf er in Zeiten der Prosperität mehr Geld zu
seiner Zirkulation. Aber wir dürfen dies nicht zweimal rechnen
einmal als Geld, nötig zur Zirkulation des variablen Kapitals,
und noch einmal als Geld, nötig zur Zirkulation der Revenue der
Arbeiter. Das den Arbeitern als Lohn ausgezahlte Geld wird im
Kleinverkehr verausgabt und kehrt so ziemlich wöchentlich als De-
positum der Kleinhändler zu den Banken zurück, nachdem es in
kleinern Kreisläufen noch allerlei Zwischengeschäfte vermittelt
hat. In Zeiten der Prosperität wickelt sich der Rückfluß des
Geldes für die industriellen Kapitalisten glatt ab, und so steigt
ihr Bedürfnis für Geldakkommodation nicht dadurch, daß sie mehr
Arbeitslohn zu zahlen haben, mehr Geld zur Zirkulation ihres va-
riablen Kapitals bedürfen.
Das Gesamtresultat ist, daß in Perioden der Prosperität die Masse
der Umlaufsmittel, die zur Verausgabung von Revenue dient, ent-
schieden wächst.
Was nun die Zirkulation betrifft, die zum Übertrag von Kapital,
also nur zwischen den Kapitalisten selbst nötig ist, so ist diese
flotte Geschäftszeit zugleich die Periode des elastischsten und
leichtesten Kredits. Die Geschwindigkeit der Zirkulation zwischen
Kapitalist und Kapitalist ist direkt durch den Kredit reguliert,
und die Masse des Zirkulationsmittels, die zur Saldierung der
Zahlungen und selbst zu Barkäufen erheischt ist, nimmt also ver-
hältnismäßig ab. Sie mag sich absolut ausdehnen, aber sie nimmt
unter allen Umständen relativ ab, verglichen mit der Expansion
des Reproduktionsprozesses. Einerseits werden größere Massenzah-
lungen ohne alle Dazwischenkunft von Geld liquidiert; andrer-
seits, bei der großen Lebendigkeit des Prozesses, herrscht ra-
schere Bewegung derselben Geldquanta, sowohl als Kauf- wie als
Zahlungsmittel. Dieselbe Geldmasse vermittelt den Rückfluß einer
größern Anzahl von Einzelkapitalen.
Im ganzen erscheint in solchen Perioden der Geldumlauf vollge-
füllt (full), obgleich Teil II (Kapitalübertragung) sich wenig-
stens relativ kontrahiert, während Teil I (Revenueausgabe) sich
absolut ausdehnt.
Die Rückflüsse drücken die Rückverwandlung des Warenkapitals in
Geld aus, G-W-G', wie man bei Betrachtung des Reproduktionspro-
zesses, Buch II, Abschnitt 1, gesehn hat. Der Kredit macht den
Rückfluß in Geldform unabhängig vom Zeitpunkt des wirklichen
Rückflusses, sei es für den industriellen Kapitalisten, sei es
für den Kaufmann. Jeder von beiden verkauft auf Kredit; seine
Ware ist also veräußert, bevor sie sich für ihn in Geld rückver-
wandelt, also zu ihm selbst in Geldform zurückgeflossen ist.
#464# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Andrerseits kauft er auf Kredit, und so hat sich der Wert seiner
Ware für ihn rückverwandelt, sei es in produktives Kapital, sei
es in Warenkapital, schon bevor dieser Wert wirklich in Geld ver-
wandelt worden, bevor der Warenpreis verfallen und bezahlt ist.
In solchen Zeiten der Prosperität wickelt sich der Rückfluß
leicht und glatt ab. Der Kleinhändler zahlt mit Sicherheit dem
Großhändler, dieser dem Fabrikanten, dieser dem Importeur des
Rohstoffs etc. Der Schein rascher und sicherer Rückflüsse hält
sich immer für längre Zeit, nachdem deren Wirklichkeit vorbei,
durch den Kredit, der einmal im Gang ist, da die Kreditrückflüsse
die wirklichen vertreten. Die Banken fangen an, Lunte zu riechen,
sobald ihre Kunden mehr Wechsel als Geld einzahlen. Siehe die
obige Aussage des Liverpooler Bankdirektors, S. 398 1*).
Hier noch einzuschalten, was ich früher bemerkt: In Epochen vor-
herrschenden Kredits wächst die Geschwindigkeit des Geldumlaufs
schneller als die Preise der Waren; während mit abnehmendem Kre-
dit die Preise der Waren langsamer fallen als die Geschwindigkeit
der Zirkulation. ("Zur Kritik d. Pol. Oekon.", 1859, p. 83, 84.
2*))
In der Periode der Krise verhält es sich umgekehrt. Zirkulation
Nr. I kontrahiert sich, die Preise fallen, ebenso die Arbeits-
löhne; die Zahl der beschäftigten Arbeiter wird eingeschränkt,
die Masse der Umsätze nimmt ab. Dagegen in Zirkulation Nr. II
wächst mit abnehmendem Kredit das Bedürfnis für Geldakkommoda-
tion, ein Punkt, auf den wir gleich näher eingehn.
Es unterliegt durchaus keinem Zweifel, daß bei der Abnahme des
Kredits, die mit Stockung des Reproduktionsprozesses zusammen-
fällt, die Zirkulationsmasse, die für Nr. 1, Revenueausgabe,
erheischt ist, abnimmt, während die für Nr. II, Kapitalübertra-
gung, steigt. Es ist aber zu untersuchen, wieweit dieser Satz
identisch ist mit dem von Fullarton und andren aufgestellten:
"Eine Nachfrage für Kapital auf Anleihe und eine Nachfrage für
zusätzliche Zirkulationsmittel sind ganz verschiedne Dinge und
kommen nicht oft zusammen vor." 90
"A demand for capital on loan and a demand for additional circu-
lation are quite distinct things, and not often found associa-
ted." (Fullarton, l.c.p. 82, Überschrift zu ch. 5.) - "Es ist in
der Tat ein großer Irrtum, sich vorzustellen, daß die Nachfrage
nach Kreditgewährung (d.h. nach Verleihung von Kapital) mit einer
Nachfrage nach zusätzlichen Zirkulationsmitteln identisch ist
oder selbst, daß die beiden häufig zusammen vorkommen. Jede Nach-
frage entsteht unter sie besonders bestimmenden Umständen,
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1*) Siehe vorl. Band, S. 427/428 - 2*) siehe Band 13 unserer Aus-
gabe, S. 85
#465# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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Zunächst ist klar, daß im ersten der beiden obigen Fälle, zur
Zeit der Prosperität, wo die Masse des zirkullerenden Medlums
wachsen muß, die Nachfrage dafür wächst. Aber es ist ebenso klar,
daß, wenn ein Fabrikant von seinem Guthaben bei einer Bank mehr
in Gold oder Banknoten herauszieht, weil er mehr Kapital in Geld-
form zu verausgaben hat, deswegen seine Nachfrage für Kapital
nicht wächst, sondern nur seine Nachfrage für diese besendre
Form, worin er sein Kapital verausgabt. Die Nachfrage bezieht
sich nur auf die technische Form, worin er sein Kapital in die
Zirkulation wirft. Wie ja bei verschiedner Entwicklung des Kre-
ditwesens z.B. dasselbe
die voneinander sehr verschieden sind. Wenn alles blühend aus-
sieht, die Löhne hoch sind, die Preise im Steigen und die Fabri-
ken beschäftigt, dann wird gewöhnlich eine zusätzliche Zufuhr von
Zirkulatiommitteln benötigt, um die zusätzlichen Funktionen zu
verrichten, die von der Notwendigkeit der Vergrößerung und Ver-
mehrung der Zahlungen untrennbar sind, es ist aber hauptsächlich
auf einer fortgeschrittenem Stufe des kommerziellen Zyklus, wenn
sich Schwierigkeiten zu zeigen beginnen, wenn die Märkte über-
füllt sind und die Rückflüsse sich verzögern, daß der Zins steigt
und ein Druck auf die Bank entsteht, Kapital vorzuschießen. Es
stimmt, daß die Bank durch kein anderes Mittel Kapital vorzu-
schießen pflegt als durch ihre Banknoten und daß daher Verweige-
rung der Notenausgabe Verweigerung der Kreditgewährung bedeutet.
Ist aber die Kreditgewährung einmal bewilligt, dann ordnet sich
alles den Erfordernissen des Marktes gemäß; die Anleihe bleibt,
und das Zirkulationsmittel, wenn nicht gebraucht, findet seinen
Weg zum Ausgeber zurück. Demnach kann schon eine ganz oberfläch-
liche Prüfung der Parlamentsberichte jeden überzeugen, daß die
Menge der Wertpapiere im Besitz der Bank von England sich häufi-
ger in einer der Menge ihrer zirkulierenden Noten entgegengesetz-
ten Ibchtung bewegt als in Übereinstimmung mit ihr und daß daher
das Beispiel dieser großen Anstalt keine Ausnahme von dem Lehr-
satz bildet, auf den die Provinzbankiers so großen Nachdruck le-
gen, nämlich daß keine Bank die Menge ihrer zirkulierenden Noten
vergrößern kann, wenn diese bereits den gewöhnlichen Zwecken ei-
nes Banknotenumlaufs entspricht, sondern daß nach Überschreitung
jener Grenze jede Vermehrung ihrer Vorschüsse von ihrem Kapital
gemacht und beschafft werden muß durch den Verkauf einiger ihrer
in Reserve gehaltenen Wertpapiere oder durch Verzicht auf weitere
Anlagen in solchen. Die aus den Parlamentsberichten für den Zeit-
raum von 1833 bis 1840 zusammengestellte Tabelle, auf die ich
mich auf einer vorhergehenden Seite bezogen habe, liefert fortge-
setzt Beispiele für diese Wahrheit; aber schon zwei von ihnen
sind so kennzeichnend, daß es für mich ganz unnötig wäre, über
sie hinauszugehen. Als am 3. Januar 1837 die Geldmittel der Bank
aufs äußerste angespannt waren, um den Kredit aufrechtzuerhalten
und den Schwierigkeiten des Geldmarkts zu begegnen, finden wir
ihre Vorschüsse für Anleihen und Diskont auf die ungeheure Summe
von 17 022 000 Pfd.St. hinaufgetrieben, einen Betrag, wie man ihn
seit dem Kriege kaum mehr kannte, und der fast gleich war der Ge-
samtheit der ausgegebenen Noten, die währenddessen unverändert
#466# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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variable Kapital, dieselbe Menge Arbeitslohn, in einem Lande eine
größre Masse Umlaufsmittel erfordert als im andern; in England
z.B. mehr als in Schottland, in Deutschland mehr als in England.
Ebenso erheischt in der Landwirtschaft dasselbe im Reproduktions-
prozeß tätige Kapital zu verschiednen Jahreszeiten verschiedne
Mengen von Geld zur Verrichtung seiner Funktion.
Aber der Gegensatz, wie Fullarton ihn stellt, ist nicht richtig.
Es ist keineswegs, wie er sagt, die starke Nachfrage für Anlei-
hen, was die Periode der Stockung von der Prosperität unterschei-
det, sondern die Leichtigkeit, womit diese Nachfrage zur Prospe-
ritätszeit und die Schwierigkeit, womit sie nach eingetretner
Stockung befriedigt wird. Es ist ja gerade die ungeheure Entwick-
lung des Kreditsystems während der Prosperitätszeit, also auch
die enorme Steigerung der Nachfrage nach Leihkapital und die Be-
reitwilligkeit, womit das Angebot sich ihr in solchen Perioden
zur Verfügung stellt, welche die Kreditklemme während der Zeit
der Stockung herbeiführt. Es ist also nicht der Unterschied in
der Größe der Nachfrage für Anleihen, der beide Perioden charak-
terisiert.
Wie schon früher bemerkt, unterscheiden sich beide Perioden
zunächst auf einem so niedrigen Stand wie 17 076 000 Pfd.St. ver-
harrte. Auf der andern Seite finden wir am 4. Juni 1833 einen No-
tenumlauf von 18 892 000 Pfd.St., verbunden mit einem Bankausweis
über vegbare private Wertpapiere von nicht mehr als 972 000
Pfd.St., also fast dem niedrigsten, wenn nicht dem allerniedrig-
sten Stand im letzten halben Jahrhundert." (Fullatton, l.c.p. 97,
98.) - Daß ein demand for pecuniary accommodation 1*) keineswegs
identisch zu sein braucht mit einem demand for gold 2*) (was Wil-
son, Tooke u.a. Kapital nennen), sieht man aus folgenden Aussagen
des Herrn Weguelln, Gouverneurs der Bank von England: Das Diskon-
tieren von Wechseln bis zu diesem Belauf" (eine Million täglich
drei Tage hintereinander) würde die Reserve" (von Banknoten)
nicht verringern, falls nicht das Publikum einen großem Betrag
aktiver Zirkulation verlangte. Die beim Wechseldiskontieren aus-
gegebnen Noten würden zurückfließen durch Vermittlung von Banken
und durch Depositen. Falls nicht jene Transaktionen die Goldaus-
fuhr zum Zweck haben oder falls nicht im Inland eine Panik
herrscht, derart, daß das Publikum seine Banknoten festhält,
statt sie an die Banken einzuzahlen, würde die Reserve nicht be-
rührt werden durch so gewaltige Umsätze. - Die Bank kann täglich
anderthalb Millionen diskontieren, und dies geschieht fortwäh-
rend, ohne daß ihre Reserve im geringsten berührt wird. Die Noten
kommen zurück als Depositen, und die einzige Änderung, die statt-
findet, ist die bloße Übertragung von einem Konto auf das andre."
("Report on Bank Acts, 1857", Evidence Nr. 241, 500.) Die Noten
dienen hier also nur als Mittel der Überblick von Krediten.
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1*) eine Nachfrage nach Kreditgewährung - 2*) einer Nachfrage
nach Gold
#467# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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dadurch, daß in der Prosperitätszeit die Nachfrage nach Umlaufs-
mitteln zwischen Konsumenten und Händlern, in der Periode des
Rückschlags die Nachfrage nach Umlaufsmittein zwischen Kapitali-
sten vorherrscht. In der Periode der Geschäftsstockung nimmt die
erstere ab, die zweite zu. Was nun Fullarton und andren als ent-
scheidend wichtig auffällt, ist das Phänomen, daß in solchen Zei-
ten, wo die securities - die Leihpfänder und Wechsel - in der
Hand der Bank von England zunehmen, ihre Notenzirkulation abnimmt
und umgekehrt. Die Höhe der securities drückt aber den Umfang der
Geldakkommodation aus, der diskontlerten Wechsel und der Vor-
schüsse auf gangbare Wertpapiere. So sagt Fullarton in der oben,
Note 90, S. 436 angeführten Stelle. Die Wertpapiere (securities)
im Besitz der Bank von England variieren meist in umgekehrter
Richtung wie ihre Notenzirkulation, und dies bestätigt den bei
den Privatbanken altbewährten Satz, daß keine Bank ihre Notenaus-
gabe über einen gewissen, durch das Bedürf nis ihres Publikums
bestimmten Betrag hinaus steigern kann; will sie aber über diesen
Betrag hinaus Vorschüsse machen, so muß sie diese aus ihrem Kapi-
tal machen, also entweder Wertpapiere flüssigmachen oder Geldein-
gänge dazu verwenden, die sie sonst in Wertpapieren angelegt
hätte. Hier zeigt sich aber auch, was Fullarton unter Kapital
versteht. Was heißt hier Kapital? Daß die Bank nicht länger die
Vorschüsse machen kann mit ihren eignen Banknoten, Zahlungsver-
sprechen, die ihr natürlich nichts kosten. Aber womit macht sie
dann Vorschüsse? Mit dem Erlös aus dem Verkauf von securities in
reserve 2, d.h. von Staatspapieren, Aktien und andren zinstragen-
den Wertpapieren. Aber wofür verkauft sie diese Papiere? Für
Geld, Gold oder Banknoten, soweit letztre gesetzliches Zahlungs-
mittel, wie die der Bank von England. Was sie also vorschießt,
ist unter allen Umständen Geld. Dies Geld konstituiert aber jetzt
einen Teil ihres Kapitals. Wenn sie Gold vorschießt, so ist dies
handgreiflich. Wenn Noten, so stellen jetzt diese Noten Kapital
vor, weil sie einen wirklichen Wert, die zinstragenden Papiere,
dafür veräußert hat. Bei den Privatbanken können die Noten, die
ihnen durch Verkauf der Wertpapiere zufließen, der Masse nach nur
Noten der Bank von England oder ihre eignen sein, da andre
schwerlich in Zahlung von Wertpapieren angenommen werden. Ist es
aber die Bank von England selbst, so kosten ihr dann ihre eignen
Noten, die sie rückerhält, Kapital, d.h. zinstragendes Papier.
Außerdem entzieht sie dadurch ihre eignen Noten der Zirkulation.
Gibt sie diese Noten wieder aus oder statt ihrer neue Noten zum
selben Betrag, so stellen sie also jetzt Kapital vor.
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1*) Siehe vorl. Band, S. 465 - 2*) Wertpapieren aus der Reserve
#468# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Und zwar stellen sie Kapital vor, ebensogut, wenn sie zu Vor-
schüssen an Kapitalisten, wie wenn sie später, bei Abnahme der
Nachfrage nach solcher Geldakkommodation, zu Neuanlagen in Wert-
papieren verwandt werden. Unter allen diesen Umständen ist das
Wort Kapital hier nur im Bankiersinn gebraucht, wo es bedeutet,
daß der Bankier mehr als seinen bloßen Kredit zu verleihen ge-
zwungen ist.
Bekanntlich macht die Bank von England alle ihre Vorschüsse in
ihren Noten. Wenn nun trotzdem in der Regel die Notenzirkulation
der Bank abnimmt im Verhältnis, wie die diskontlerten Wechsel und
Leihpfänder in ihrer Hand, also die von ihr gemachten Vorschüsse,
zunehmen - was wird aus den in Umlauf gesetzten Noten, wie flie-
ßen sie der Bank zurück?
Zunächst, wenn die Nachfrage für Geldakkommodation aus einer un-
günstigen nationalen Zahlungsbilanz entspringt und daher einen
Goldabfluß vermittelt, ist die Sache sehr einfach. Die Wechsel
werden diskontiert in Banknoten. Die Banknoten werden bei der
Bank selbst, im issue department ausgetauscht gegen Gold, und das
Gold wird exportiert. Es ist dasselbe, als ob die Bank direkt
Gold zahlte, ohne Vermittlung von Noten, gleich beim Diskontieren
der Wechsel. Eine solche steigende Nachfrage die 7 bis 10 Millio-
nen Pfund Sterling in gewissen Fällen erreicht - fügt natürlich
der innern Zirkulation des Landes keine einzige Fünfpfundnote zu.
Sagt man nun, daß die Bank hier Kapital vorschießt und nicht Zir-
kulationsmittel, so hat dies einen doppelten Sinn. Erstens, daß
sie nicht Kredit, sondern wirklichen Wert vorschießt, einen Teil
ihres eignen oder des bei ihr deponierten Kapitals. Zweitens, daß
sie nicht Geld für inländische Zirkulation, sondern für interna-
tionale Zirkulation vorschießt, Weltgeld; und für diesen Zweck
muß das Geld immer existieren in seiner Form als Schatz, in sei-
ner metallischen Leiblichkeit; in der Form, worin es nicht nur
Form des Werts, sondern selbst gleich dem Wert, dessen Geldform
es ist. Obgleich dies Gold nun sowohl für die Bank wie für den
exportierenden Goldhändler Kapital vorstellt, Bankierkapital oder
Kaufmannskapital, so entsteht die Nachfrage nicht nach ihm als
Kapital, sondern als der absoluten Form des Geldkapitals. Sie
entsteht gerade in dem Augenblick, wo die ausländischen Märkte
mit unrealisierbarem englischem Warenkapital vollgepfropft sind.
Was also verlangt wird, ist Kapital nicht als K a p i t a l,
sondern Kapital als G e l d, in der Form, worin das Geld allge-
meine Weltmarktsware; und dies ist seine ursprüngliche Form als
edles Metall. Die Goldabflüsse sind also nicht, wie Fullarton,
Tooke etc. sagen, a mere question of capital 1*).
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1*) eine reine Kapitalfrage
#469# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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Sondern a question of money 1*), wenn auch in einer spezifischen
Funktion. Daß es keine Frage der i n l ä n d i s c h e n Zirku-
lation ist, wie die Leute von der Currency-Theorie dies behaup-
ten, beweist durchaus nicht, wie Fullarton und andre meinen, daß
es eine bloße question of capital. Es ist a question of money in
der Form, worin Geld internationales Zahlungsmittel.
"Whether that capital" (der Kaufpreis für die Millionen Quarter
ausländischen Weizens nach einer Mißernte im Inland) is transmit-
ted in merchandize or in specie, is a point which in no way af-
fects the nature of the transaction." 2*) (Fullarton, l.c.p.
131.)
Aber es affiziert sehr bedeutend die Frage, ob ein Goldabfluß
stattfindet oder nicht. Das Kapital wird in Form von Edelmetall
übermittelt, weil es gar nicht oder nicht ohne die größten Verlu-
ste in Form von Waren übermittelt werden kann. Die Angst, die das
moderne Banksystem vor dem Goldabfluß hat, übertrifft alles, was
das Monetarsystem, dem Edelmetall der einzig wahre Reichtum ist,
wie erträumt hat. Nehmen wir z.B. folgendes Verhör des Gouver-
neurs der Bank von England, Morris, vor dem Parlamentskomitee
über die Krise von 1847/48:
3846. (Frage:) "Wenn ich von Entwertung von Vorräten (stocks) und
fixem Kapital spreche, ist Ihnen nicht bekannt, daß alles in Vor-
räten und Produkten aller Art angelegte Kapital in derselben
Weise entwertet war; daß Rohbaumwolle, Rohseide, Rohwolle nach
dem Kontinent geschickt wurde zu denselben Schleuderpreisen, und
daß Zucker, Kaffee und Tee mit großen Opfern verkauft wurden wie
bei Zwangsverkäufen? - Es war unvermeidlich, daß das Land ein
b e t r ä c h t l i c h e s O p f e r bringen mußte, um dem
G o l d a b f l u ß zu begegnen, der stattgefunden hatte infolge
der massenhaften Einführung von Nahrungsmitteln." - 3848. "Sind
Sie nicht der Ansicht, daß es besser gewesen wäre, die 8 Millio-
nen Pfd.St. anzugreifen, die in der Schatzkammer der Bank lagen,
als zu suchen, das Gold zurückzubekommen mit solchen Opfern?
Nein, d e r M e i n u n g b i n i c h n i c h t."
Es ist Gold, was hier als der einzig wirkliche Reichtum gilt.
Die von Fullarton zitierte Entdeckung Tookes, daß
"with only one or two exceptions, and those admitting of satis-
factory explanation, every remarkable fall of the exchange, fol-
lowed by a drain of gold, that has occured during the last half
century, has been coincident throughout with a comparatively low
state of the circulating medium, and vice versa" 3*) (Fullarton,
p. 121) -
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1*) eine Geldfrage - 2*) Ob dies Kapital... in Waren oder in
barem Geld übertragen wird, ist ein Punkt, der das Wesen des Ge-
schäfts überhaupt nicht berührt." - 3*) "mit nur ein oder zwei
Ausnahmen, die eine befriedigende Erklärung zulassen, jeder be-
merkenswerte Fall des Wechselkurses, gefolgt von einem Goldab-
fluß, der sich während des letzten halben Jahrhunderts ereignet
hat, stets mit einem verhältnismäßig niedrigen Stand des Zirkula-
tionsmittels zusammengefallen ist und umgekehrt"
#470# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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beweist, daß diese Goldabflüsse meistens eintreten nach einer Pe-
riode der Aufregung und Spekulation als
"a signal of a collapse already commenced... an indication of
overstocked markets, of a cessation of the foreign demand for our
productions, of delayed returns, and, as the necessary sequel of
all these, of commercial discredit, manufactories shut up, ar-
tisans stag, and a general stagnation of industry and enter-
prise". 1*) (p. 129.)
Dies ist zugleich natürlich die beste Widerlegung der Behauptung
der Currency-Leute, daß
"a full circulation drives out bullion and a low circulation at-
tracts it" 2*)
Dagegen, obgleich eine starke Goldreserve der Bank von England
meist in der Prosperitätszeit da ist, bildet sich dieser Schatz
immer in der lustlosen und stagnierenden Zeit, die auf den Sturm
folgt.
Die ganze Weisheit, mit Bezug auf die Goldabflüsse, läuft also
darauf hinaus, daß die Nachfrage für i n t e r n a t i o n a l e
Zirkulations- und Zahlungsmittel verschieden ist von der Nach-
frage für i n l ä n d i s c h e Zirkulations- und Zahlungsmit-
tel (weswegen auch von selbst folgt, daß the existence of a drain
does not necessarily imply any diminution of the internal demand
for circulation" 3*), wie Fullatton p. 112 sagt); und daß das
Heraussenden der edlen Metalle aus dem Land, ihr Hineinwerfen in
die internationale Zirkulation, nicht identisch ist mit Hinein-
werfen von Noten oder Münze in die inländische Zirkulation. Übri-
gens habe ich schon früher 4*) gezeigt, daß die Bewegung des
Schatzes, der als Reservefonds für internationale Zahlungen kon-
zentriert ist, an und für sich nichts zu tun hat mit der Bewegung
des Geldes als Zirkulationsmittel. Allerdings kommt eine Kompli-
kation dadurch hinein, daß die verschiednen Funktionen des Schat-
zes, die ich aus der Natur des Geldes entwickelt habe: seine
Funktion als Reservefonds für Zahlungsmittel, fällige Zahlungen
im Innern; als Reservefonds des Umlaufsmittels; endlich als Re-
servefonds des Weltgelds - einem einzigen Reservefonds aufgebür-
det werden; woraus auch folgt, daß unter gewissen Umständen ein
Goldabfluß von der Bank ins Inland sich mit dem Abfluß ins Aus-
land kombinieren kann. Eine weitere Komplikation kommt aber noch
herein durch die diesem Schatz ganz willkürlich aufgeladene fer-
nere
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1*) "ein Signal eines bereits begonnenen Krachs... ein Anzeichen
überfüllter Märkte, aufhörender Auslandsnachfrage nach unseren
Produkten, verzögerter Rückflüsse und der notwendigen Folge alles
dessen, wie Mißtrauen im Handel, Schließung von Fabriken, hun-
gernde Arbeiter und eine allgemeine Stagnation von Industrie und
Geschäft" - 2*) "eine volle Zirkulation das Gold hinaustreibt,
eine niedrige es anzieht" - 3*) die Tatsache eines Goldabflusses
nicht notwendig eine Verminderung des Bedarfs an Zirkulationsmit-
teln im Inlande einschließt" - 4*) siehe Band 23 unserer Ausgabe,
S. 158/159
#471# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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Funktion, als Garantiefonds für Konvertibilität von Banknoten zu
dienen, in Ländern, wo das Kreditsystem und das Kreditgeld ent-
wickelt ist. Zu alledem kommt dann schließlich 1. die Konzentra-
tion des nationalen Reservefonds in einer einzigen Hauptbank, 2.
seine Reduktion auf das möglichste Minimum. Daher auch die Klage
Fullartons (p. 143).
"One cannot contemplate the perfect silence and facility with
which variations of the exchange usually pass off in continental
countries, compared with the state of feverish clisquiet and
alarm always produced in England whenever the treasure in the
bank seems to be at all approaching to exhaustion, without being
struck with the great advantage in this respect which a metallic
currency possesses." 1*)
Sehn wir nun aber ab vom Goldabfluß, wie kann dann eine Bank, die
Banknoten ausgibt, also z.B. die Bank von England, den Betrag der
von ihr geleisteten Geldakkommodation vermehren ohne Vermehrung
ihrer Notenausgabe?
Alle Noten außerhalb der Mauern der Bank, ob sie zirkulieren oder
in Privatschätzen schlummern, befinden sich, was die Bank selbst
betrifft, in Zirkulation, d.h. außerhalb ihres Besitzes. Dehnt
also die Bank ihre Diskontos und Lombardgeschäfte, die Vorschüsse
auf securities 2*) aus, so müssen die dafür ausgegebnen Banknoten
wieder zu ihr zurückfließen, denn sonst vergrößern sie den Betrag
der Zirkulation, was eben nicht der Fall sein soll. Dieser Rück-
fluß kann auf doppelte Weise geschehn.
Erstens: Die Bank zahlt dem A Noten gegen Wertpapiere; A zahlt
damit fällige Wechsel an B, und B deponiert die Noten wieder bei
der Bank. Die Zirkulation dieser Noten ist damit zu Ende, aber
die Anleihe bleibt.
("The loan remains, and the currency, if not wanted, finds its
way back to the issuer." Fullarton, p. 97.)
Die Noten, die die Bank dem A vorschoß, sind jetzt zu ihr zurück.
gekehrt; dagegen ist sie Gläubigerin von A oder dem Bezogenen des
von A diskontlerten Wechsels, Schuldnerin von B für die in diesen
Noten ausgedrückte Wertsumme, und B verfügt damit über einen ent-
sprechenden Teil des Kapitals der Bank.
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1*) Die völlige Ruhe und Richtigkeit, mit denen Veränderungen des
Wechselkurses in den Ländern des Kontinents gewöhnlich vorüberge-
hen, verglichen mit dem Zustand von fieberhafter Unruhe und Be-
stürzung, der in England stets eintritt, wenn der Goldschatz der
Bank sich seiner völligen Erschöpfung zu nähern scheint, kann man
nicht beobachten, ohne von dem großen Vorteil beeindruckt zu
sein, den in dieser Hnsicht eine metallische Zirkulation hat." -
2*) Wertpapiere - 3*) "Die Anleihe bleibt, und das Zirkulationet-
tel findet, wenn nicht gebraucht, seinen Weg zum Ausgeber zu-
rück."
#472# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
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Zweitens: A zahlt an B, und B selbst oder C, an den er die Noten
weiter fortzahlt, zahlt mit diesen Noten fällige Wechsel an die
Bank, direkt oder indirekt. In diesem Fall wurde die Bank mit ih-
ren eignen Noten bezahlt. Hiermit ist dann die Transaktion fertig
(bis auf die Rückzahlung des A an die Bank).
Inwiefern ist nun der Vorschuß der Bank an A als Vorschuß von Ka-
pital oder als bloßer Vorschuß von Zahlungsmitteln zu betrachten?
91)
{Dies kommt auf die Natur des Vorschusses selbst an. Es sind da-
bei drei Fälle zu untersuchen.
Erster Fall. - A erhält von der Bank die Vorschußsummen auf sei-
nen persönlichen Kredit hin, ohne irgendwelche Deckung dafür zu
geben. In diesem Fall hat er nicht nur Zahlungsmittel vorgeschos-
sen erhalten, sondern auch unbedingt ein neues Kapital, das er
bis zur Rückzahlung in seinem Geschäft als Zusatzkapital verwen-
den und verwerten kann.
Zweiter Fall. - A hat der Bank Wertpapiere, Staatsschuldscheine
oder Aktien, verpfändet und darauf Barvorschuß, sage bis zu zwei
Dritteln des Tageswerts, erhalten. In diesem Fall hat er die Zah-
lungsmittel erhalten, die er brauchte, aber kein zusätzliches Ka-
pital, denn er hat der Bank einen größeren Kapitalwert in die
Hand gegeben, als er von ihr erhielt. Aber dieser größere Kapi-
talwert war einerseits für seine augenblicklichen Bedürfnisse
Zahlungsmittel - nicht verwendbar, weil er in einer bestimmten
Form zinstragend angelegt war; andrerseits hatte A seine Gründe,
ihn nicht durch Verkauf direkt in Zahlungsmittel zu verwandeln.
Seine Wertpapiere hatten unter andern die Bestimmung, als Reser-
vekapital zu fungieren, und als solche hat er sie in Funktion
treten lassen. Es hat also zwischen A und der Bank eine zeitwei-
lige, gegenseitige Kapitalübertragung stattgefunden, so daß A
kein zusätzliches Kapital erhalten hat (im Gegenteil!), wohl aber
die benötigten Zahlungsmittel. Dagegen für die Bank war das Ge-
schäft eine zeitweilige Festlegung von Geldkapital in Form einer
Anleihe, eine Verwandlung von Geldkapital aus einer Form in eine
andre, und diese Verwandlung ist grade die wesentliche Funktion
des Bankgeschäfts.
Dritter Fall. - A hat bei der Bank einen Wechsel diskontieren
lassen und dafür, nach Abzug des Diskontos, den Betrag in bar er-
halten. In diesem
---
91) Die nun folgende Stelle des Originals ist im Zusammenhang un-
verständlich und bis zum Schluß der Kammer vom Herausgeber neu
bearbeitet. In andrem Zusammenhang ist dieser Punkt bereits in
Kap. XXVI 1*) berührt worden. - F.E.
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1*) Siehe vorl. Band, S. 443-445
#473# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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Fall hat er eine nicht flüssige Form von Geldkapital an die Bank
verkauft gegen den Wertbetrag in flüssiger Form; den noch laufen-
den Wechsel gegen bares Geld. Der Wechsel ist jetzt Eigentum der
Bank. Daran ändert es nichts, daß bei Mangel an Zahlung der
letzte Indossent A der Bank für den Betrag haftet; diese Haftbar-
keit teilt er mit den andern Indossenten und dem Aussteller, an
die er seinerzeit Regreß hat. Hier liegt also gar kein Vorschuß
vor, sondern ein ganz gewöhnlicher Kauf und Verkauf. A hat daher
der Bank auch nichts zurückzuzahlen, sie deckt sich durch Einkas-
sieren des Wechsels bei Verfall. Auch hier hat gegenseitige Kapi-
tal-Übertragung zwischen A und der Bank stattgefunden, und zwar
ganz wie beim Kauf und Verkauf jeder andern Ware, und ebendeshalb
hat A kein zusätzliches Kapital erhalten. Was er brauchte und er-
hielt, waren Zahlungsmittel, und er erhielt sie dadurch, daß die
Bank ihm die eine Form seines Geldkapitals - den Wechsel - in die
andre - das Geld - verwandelte.
Von wirklichem Kapitalvorschuß kann also die Rede sein nur beim
ersten Fall. Im zweiten und dritten Fall höchstens nur in dem
Sinn, wie bei jeder Kapitalanlage man "Kapital vorschießt". In
diesem Sinn schießt die Bank dem A Geldkapital vor; aber für A
ist es Geldkapital höchstens in dem Sinn, daß es ein Teil seines
Kapitals überhaupt ist. Und er verlangt und gebraucht es nicht
speziell als Kapital, sondern speziell als Zahlungsmittel. Sonst
wäre auch jeder gewöhnliche Warenverkauf, wodurch man sich Zah-
lungsmittel verschafft, als ein empfangner Kapitalvorschuß anzu-
sehn. - F. E.}
Bei der Privatbank mit Notenausgabe besteht der Unterschied, daß,
falls ihre Noten weder in der Lokalzirkulation bleiben, noch ihr
selbst zurückkehren in Form von Depositen oder für Zahlung fälli-
ger Wechsel, diese Noten in die Hände von Leuten fallen, denen
sie Gold oder Noten der Bank von England in Auswechslung dersel-
ben zahlen muß. So repräsentiert in diesem Fall der Vorschuß ih-
rer Noten in der Tat Vorschuß von Noten der Bank von England,
oder was für sie dasselbe, von Gold, also einen Teil ihres Bank-
kapitals. Dasselbe gilt von dem Fall, wo die Bank von England
selbst oder irgendeine andere Bank, die einem gesetzlichen Maxi-
mum der Notenausgabe unterworfen ist, Wertpapiere verkaufen muß,
um ihre eignen Noten aus der Zirkulation zu ziehn und sie dann
wieder in Vorschüssen auszugeben; hier repräsentieren ihre eignen
Noten einen Teil ihres mobilisierten Bankkapitals. Selbst wenn
die Zirkulation rein metallisch wäre, könnte gleichzeitig 1 - ein
Goldabfluß {hier ist offenbar ein Goldabfluß gemeint, der wenig-
stens zum Teil ins Ausland geht, F. E.} die Schatzkammer leeren,
und 2., da
#474# V. Abschnitt - Das zinstragende Kapital
-----
das Gold hauptsächlich von der Bank nur zur Saldierung von Zah-
lungen (Erledigung vergangner Transaktionen) verlangt würde, so
könnte ihr Vorschuß auf Wertpapiere sehr wachsen, ihr aber in
Form von Depositen zurückkehren oder in Rückzahlung fälliger
Wechsel; so daß einerseits, bei Zunahme der Wertpapiere im Porte-
feuille der Bank, ihr Gesamtschatz abnähme, sie andrerseits die-
selbe Summe, die sie früher als Eigentümerin hielt, jetzt als
Schuldnerin ihrer Depositäre halten würde und endlich die Gesamt-
masse des zirkulierenden Mediums abnähme.
Es ist bisher vorausgesetzt worden, daß die Vorschüsse in Noten
gemacht werden, also wenigstens eine augenblickliche, wenn auch
sofort wieder verschwindende Vermehrung der Notenausgabe mit sich
führen. Dies ist aber nicht nötig. Statt der Papiernote kann die
Bank dem A einen Buchkredit eröffnen, wo also dieser, ihr Schuld-
ner, zum imaginären Depositor bei ihr wird. Er zahlt seine Gläu-
biger mit Schecks auf die Bank, und der Empfänger dieser Schecks
zahlt sie weiter an seinen Bankier, der sie gegen die auf ihn
laufenden Schecks im Clearing House austauscht. In diesem Fall
findet gar keine Dazwischenkunft von Noten statt, und die ganze
Transaktion beschränkt sich darauf, daß der Bank eine Forderung,
die sie zu machen hat, mit einem Scheck auf sie selbst saldiert
wird, und ihre wirkliche Rekompensation in der Kreditforderung
auf A besteht. In diesem Falle hat sie ihm einen Teil ihres Bank-
kapitals, weil ihre eignen Schuldforderungen, vorgeschossen.
Soweit diese Nachfrage nach Geldakkommodation Nachfrage nach Ka-
pital ist, ist sie dies nur für Geldkapital; Kapital vom Stand-
punkt des Bankiers aus, nämlich für Gold - bei Goldabfluß ins
Ausland - oder Noten der Nationalbank, die für die Privatbank nur
durch Kauf gegen ein Äquivalent erlangbar sind, für sie also Ka-
pital vorstellen. Oder endlich handelte es sich um zinstragende
Wertpapiere, Staatseffekten, Aktien etc., die verkauft werden
müssen, um Gold oder Noten an sich zu ziehn. Diese aber, wenn
Staatspapiere, sind Kapital bloß für den, der sie gekauft hat,
dem sie also seinen Kaufpreis, sein in ihnen angelegtes Kapital
repräsentieren; an sich sind sie kein Kapital, sondern bloße
Schuldforderungen; wenn Hypotheken, sind sie bloße Anweisungen
auf künftige Bodenrente, und wenn sonstige Aktien, bloße Eigen-
tumstitel, die zur Empfangnahme von künftigem Mehrwert berechti-
gen. Alle diese Dinge sind kein wirkliches Kapital, bilden keine
Bestandteile des Kapitals und sind auch an sich keine Werte. Es
kann sich auch durch ähnliche Transaktionen Geld, das der Bank
gehört, in Depositum verwandeln, so daß sie, statt Eigner Schuld-
ner desselben wird, es unter andrem Besitztitel hält. So wichtig
dies für sie selbst
#475# 28. Kapitel - Umlaufsmittel und Kapital usw.
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ist, so wenig ändert es an der Masse des im Lande vorrätigen Ka-
pitals und selbst Geldkapitals. Kapital figuriert hier also nur
als Geldkapital und, wenn nicht in wirklicher Geldform vorhanden,
als bloßer Kapitaltitel. Es ist dies sehr wichtig, da Seltenheit
von und dringende Nachfrage nach B a n k kapital verwechselt
wird mit einer Verringerung des w i r k l i c h e n Kapitals,
das in solchen Fällen im Gegenteil, in Form von Produktionsmit-
teln und Produkten, im Überfluß vorhanden ist und die Märkte er-
drückt.
Es erklärt sich also sehr einfach, wie die Masse der von der Bank
als Deckung gehaltnen Wertpapiere wachsen, also der zunehmende
Andrang nach Geldakkommodation von der Bank befriedigt werden
kann, bei gleichbleibender oder abnehmender Gesamtmasse der Um-
laufsmittel. Und zwar wird diese Gesamtmasse in doppelter Weise
in solchen Zeiten der Geldklemme in Schranken gehalten: 1. durch
Goldabfluß; 2. durch Nachfrage nach Geld als bloßem Zahlungsmit-
tel, wo die ausgegebnen Noten sogleich zurückfließen oder wo ver-
mittelst Buchkredit die Transaktion ohne alle Ausgabe von Noten
sich abwickelt; wo also eine bloße Kredittransaktion die Zahlun-
gen vermittelt, deren Erledigung der einzige Zweck des Geschäfts
war. Es ist das Eigentümliche des Geldes, daß, wo es bloß zur
Saldierung von Zahlungen fungiert (und in Zeiten der Krise wird
Vorschuß aufgenommen, um zu zahlen, nicht um zu kaufen; um ver-
gangne Geschäfte abzuwickeln, nicht um neue einzuleiten), seine
Zirkulation nur ver schwindend ist, selbst soweit diese Saldie-
rung nicht durch bloße Kreditoperation, ohne alle Dazwischenkunft
von Geld stattfindet; daß also bei großem Andrang nach Geldakkom-
modation eine ungeheure Masse dieser Transaktionen stattfinden
kann, ohne die Zirkulation zu erweitern. Die bloße Tatsache aber,
daß die Zirkulation der Bank von England stabil bleibt oder
selbst abnimmt, gleichzeitig mit starker, von ihr geleisteter
Geldakkommodation, beweist prima facie keineswegs, wie Fullarton,
Tooke u.a. (infolge ihres Irrtums, wonach Geldakkommodation ei-
nerlei sei mit Aufnahme von capital on loan 1*), von Zusatzkapi-
tal) annehmen, daß die Zirkulation des Geldes (der Banknoten) in
seiner Funktion als Zahlungsmittel nicht zunimmt und sich aus-
dehnt. Da die Zirkulation der Noten als Kaufmittel in Zeiten der
Geschäftsstockung, wo solche starke Akkommodation erforderlich,
abnimmt, kann ihre Zirkulation als Zahlungsmittel zunehmen und
die Gesamtsumme der Zirkulation, die Summe der als Kaufmittel und
als Zahlungsmittel fungierenden Noten, dennoch stabil bleiben
oder selbst abnehmen. Die Zirkulation, als Zahlungsmittel, von
Banknoten, die der
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1*) Leihkapital
#476# V. Abschnitt - Das zinstrnende Kapital
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ausgebenden Bank sofort zurückströmen, ist in den Augen jener
Ökonomen eben keine Zirkulation.
Nähme die Zirkulation als Zahlungsmittel in höherem Grade zu, als
die als Kaufmittel abnimmt, so würde die Gesamtzirkulation wach-
sen, obgleich das als Kaufmittel fungierende Geld der Masse nach
bedeutend abgenommen hätte. Und dies tritt wirklich in gewissen
Momenten der Krise ein, nämlich beim vollständigen Zusammenbruch
des Kredits, wo nicht nur die Waren und Wertpapiere unverkaufbar,
sondern auch die Wechsel undiskontierbar geworden sind und nichts
mehr gilt als bare Zahlung oder wie der Kaufmann sagt: Kassa. Da
Fullarton und andre nicht begreifen, daß die Zirkulation der No-
ten als Zahlungsmittel das Charakteristische solcher Zeiten der
Geldnot ist, behandeln sie dies Phänomen als zufällig.
"With respect again to those examples of eager competition for
the possession of banknotes, which characterise seasons of panic
and which may sometimes, as at the close of 1825, lead to a sud-
den, though only temporary, enlargement of the issues, even while
the efflux of bulliop is still going on, these, I apprehend, are
not to be regarded as among the natural or necessaty concomitants
of a low exchange; the demand in such cases is not for circula-
tion" (sollte heißen Zirkulation als Kaufmittel) but for hoar-
ding, a demand on the part of aiarmed bankers and capitalists
which arises generally in the last act of the crisis" (also als
Reserve für Zahlungsmittel) after a long continuation of the
drain, and is the precursor of its termination." 1*) (Fullarton,
p. 130.)
Es ist bereits bei Betrachtung des Geldes als Zahlungsmittel
(Buch I, Kap. III, 3, b) auseinandergesetzt worden, wie bei einer
heftigen Unterbrechung der Zahlungskette das Geld aus einer bloß
idealen Form in dingliche und zugleich absolute Form des Werts,
gegenüber den Waren, umschlägt. Einige Exempel davon wurden gege-
ben ebendaselbst, Note 100 und 101. Diese Unterbrechung selbst
ist teils Wirkung, teils Ursache der Erschütterung des Kredits
und der Umstände, die letztre begleiten: Überführung der Märkte,
Entwertung der Waren, Unterbrechung der Produktion etc.
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1*) "Im Hinblick wiederum auf jene Beispiele von heftigem Wett-
kampf um den Besitz von Banknoten, der Zeiten der Panik kenn-
zeichnet und manchmal, wie Ende 1825, zu einer plötzlichen, wenn
auch nur zeitweiligen Ausdehnung der Notenausgabe führen kann,
sogar während der Goldabfluß noch andauert, meine ich, daß sie
nicht als natürliche oder notwendige Begleitumstände eines nied-
rigen Wechselkurses angesehen werden können; die Nachfrage gilt
in solchen Fällen nicht der Zirkulation" (sollte heißen Zirkula-
tion als Kaufmittel), sondern der Schatzbildung, sie ist eine
Nachfrage seitens erschreckter Bankiers und Kapitalisten, die ge-
wöhnlich im letzten Akt der Krise entsteht" (also als Reserve für
Zahlungsmittel) "nach langer Fortdauer des Goldabflusses, und ist
der Vorbote ihres Endes."
#477# 28. Kapitel - Umlauf smittel und Kapital usw.
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Klar aber ist, daß Fullarton den Unterschied zwischen Geld als
Kaufmittel und Geld als Zahlungsmittel in den falschen Unter-
schied zwischen currency und Kapital verwandelt. Es liegt dabei
aber wieder die engherzige Bankiervorstellung von Zirkulation zu-
grunde. -
Es könnte noch gefragt werden: Was fehlt denn in-solchen Zeiten
der Klemme, Kapital oder Geld in seiner Bestimmtheit als Zah-
lungsmittel? Und dies ist bekanntlich eine Kontroverse.
Zunächst, soweit die Klemme sich zeigt im Goldabfluß, ist es
klar, daß das, was verlangt wird, das internationale Zahlungsmit-
tel ist. Aber Geld, in seiner Bestimmtheit als internationales
Zahlungsmittel, ist Gold in seiner metallischen Wirklichkeit, als
selbst wertvolle Substanz, Wertmasse. Es ist zugleich Kapital,
aber Kapital nicht als Warenkapital, sondern als Geldkapital, Ka-
pital nicht in der Form der Ware, sondern in der Form des Geldes
(und zwar des Geldes im eminenten Sinn des Worts, worin es exi-
stiert in der allgemeinen Weltmarktsware). Es liegt hier nicht
ein Gegensatz vor zwischen der Nachfrage nach Geld als Zahlungs-
mittel und der Nachfrage nach Kapital. Der Gegensatz liegt zwi-
schen dem Kapital in seiner Form als Geld und in seiner Form als
Ware; und die Form, in der es hier verlangt wird und allein fun-
gieren kann, ist seine Geldform.
Abgesehn von dieser Nachfrage nach Gold (oder Silber) kann nicht
gesagt werden, daß in solchen Zeiten der Krise es in irgendeiner
Weise an Kapital mangelt. Unter außerordentlichen Umständen, wie
Getreideteurung, Baumwollnot etc., kann dies der Fall sein; diese
aber sind keineswegs notwendige oder regelmäßige Begleiter sol-
cher Zeiten; und die Existenz eines solchen Mangels an Kapital
kann daher nicht von vornherein daraus geschlossen werden, daß
ein Andrang für Geldakkommodation besteht. Im Gegenteil. Die
Märkte sind überführt, mit Warenkapital überschwemmt. Es ist also
jedenfalls nicht Mangel an W a r e n kapital, das die Klemme
verursacht. Wir kommen auf diese Frage später zurück.
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