Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band
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ZWEITES KAPITEL
Die Profitrate
Die allgemeine Formel des Kapitals ist G-W-G': d.h. eine
Wertsumme wird in Zirkulation geworfen, um eine größre Wertsumme
aus ihr herauszuziehn. Der Prozeß, der diese größre Wertsumme er-
zeugt, ist die kapitalistische Produktion; der Prozeß, der sie
realisiert, ist die Zirkulation des Kapitals. Der Kapitalist pro-
duziert die Ware nicht ihrer selbst wegen, nicht ihres Gebrauchs-
werts oder seiner persönlichen Konsumtion wegen. Das Produkt, um
das es sich in der Tat für den Kapitalisten handelt, ist nicht
das handgreifliche Produkt selbst, sondern der Wertüberschuß des
Produkts über den Wert des in ihm konsumierten Kapitals. Der Ka-
pitalist schießt das Gesamtkapital vor ohne Rücksicht auf die
verschiedne Rolle, die seine Bestandteile in der Prodtiktion des
Mehrwerts spielen. Er schießt alle diese Bestandteile gleichmäßig
vor, nicht nur um das vorgeschoßne Kapital zu reproduzieren, son-
dern um einen Wertüberschuß über dasselbe zu produzieren. Er kann
den Wert des variablen Kapitals, den er vorschießt, nur in höhern
Wert verwandeln durch seinen Austausch mit lebendiger Arbeit,
durch Exploitation lebendiger Arbeit. Aber er kann die Arbeit nur
exploitieren, indem er gleichzeitig die Bedingungen für die Ver-
wirklichung dieser Arbeit, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand,
Maschinerie und Rohstoff vorschießt, d.h. indem er eine in seinem
Besitz befindliche Wertsumme in die Form von Produktionsbedingun-
gen verwandelt; wie er überhaupt nur Kapitalist ist, den Ex-
ploitationsprozeß der Arbeit überhaupt nur vornehmen kann, weil
er als Eigentümer der Arbeitsbedingungen dem Arbeiter als bloßem
Besitzer der Arbeitskraft gegenübersteht. Es hat sich schon frü-
her, im ersten Buch 1*), gezeigt, daß es grade der Besitz dieser
Produktionsmittel durch die Nichtarbeiter ist, welcher die Arbei-
ter in Lohnarbeiter, die Nichtarbeiter in Kapitalisten verwan-
delt.
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 183, 742/743
#52# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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Dem Kapitalisten ist es gleichgültig, die Sache so zu betrachten,
daß er das konstante Kapital vorschießt, um aus dem variablen Ge-
winn zu schlagen, oder das variable verschießt, um das konstante
zu verwerten; daß er Geld in Arbeitslohn auslegt, um Maschinen
und Rohmaterial höhern Wert zu geben, oder das Geld in Maschine-
rie und Rohmaterial vorschießt, um die Arbeit exploitieren zu
können. Obgleich nur der variable Teil des Kapitals Mehrwert
schafft, so schafft er ihn unter der Bedingung, daß auch die and-
ren Teile vorgeschossen werden, die Produktionsbedingungen der
Arbeit. Da der Kapitalist die Arbeit nur exploitieren kann durch
Vorschuß des konstanten Kapitals, da er das konstante Kapital nur
verwerten kann durch Vorschuß des variablen, so fallen ihm diese
in der Vorstellung alle gleichmäßig zusammen, und dies um so
mehr, als der wirkliche Grad seines Gewinns bestimmt ist nicht
durch das Verhältnis zum variablen Kapital, sondern zum Gesamtka-
pital, nicht durch die Rate des Mehrwerts, sondern durch die Rate
des Profits, die, wie wir sehn werden, dieselbe bleiben und doch
verschiedne Raten des Mehrwerts ausdrucken kann.
Zu den Kosten des Produkts gehören alle seine Wertbestandteile,
die der Kapitalist gezahlt, oder für die er ein Äquivalent in die
Produktion geworfen hat. Diese Kosten müssen ersetzt werden, da-
mit das Kapital sich einfach erhalte oder in seiner ursprüngli-
chen Größe reproduziere.
Der in der Ware enthaltne Wert ist gleich der Arbeitszeit, die
ihre Herstellung kostet, und die Summe dieser Arbeit besteht aus
bezahlter und unbezahlter. Die Kosten der Ware für den Kapitali-
sten bestehn dagegen nur aus dem Teil der in ihr vergegenständ-
lichten Arbeit, den er gezahlt hat. Die in der Ware enthaltne
Mehrarbeit kostet dem Kapitalisten nichts, obgleich sie dem Ar-
beiter, ganz so gut wie die bezahlte, Arbeit kostet, und obgleich
sie, ganz so gut wie jene Wert schafft und als wertbildendes Ele-
ment in die Ware eingeht. Der Profit des Kapitalisten kommt da-
her, daß er etwas zu verkaufen hat, das er nicht bezahlt hat. Der
Mehrwert resp. Profit besteht gerade in dem Überschuß des Waren-
werts über ihren Kostpreis, d.h. in dem Überschuß der in der Ware
enthaltnen Gesamtsumme von Arbeit über die in ihr enthaltne be-
zahlte Summe Arbeit. Der Mehrwert, woher er immer entspringe, ist
sonach ein Überschuß über das vorgeschoßne Gesamtkapital. Dieser
Überschuß steht also in einem Verhältnis zum Gesamtkapital, das
sich ausdrückt in dem Bruch wo m/C, wo C das Gesamtkapital bedeu-
tet. So erhalten wir die P r o f i t r a t e m/C = m/(c+v), im
Unterschiede von der Rate des Mehrwerts m/v.
#53# 2. Kapitel - Die Profitrate
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Die Rate des Mehrwerts gemessen am vatiablen Kapital heißt Rate
des Mehrwerts; die Rate des Mehrwerts gemessen am Gesamtkapital
heißt Profitrate. Es sind zwei verschiedne Messungen derselben
Größe, die infolge der Verschiedenheit der Maßstäbe zugleich ver-
schiedne Verhältnisse oder Beziehungen derselben Größe ausdrüc-
ken.
Aus der Verwandlung der Mehrwertsrate in Profitrate ist die Ver-
wandlung des Mehrwerts in Profit abzuleiten, nicht umgekehrt. Und
in der Tat ist die Profitrate das, wovon historisch ausgegangen
wird. Mehrwert und Rate des Mehrwerts sind, relativ, das Unsicht-
bare und das zu erforschende Wesentliche, während Profitrate und
daher die Form des Mehrwerts als Profit sich auf der Oberfläche
der Erscheinungen zeigen.
Was den einzelnen Kapitalisten angeht, so ist klar, daß das ein-
zige, was ihn interessiert, das Verhältnis des Mehrwerts oder des
Wertüberschusses, wozu er seine Waren verkauft, zu dem für die
Produktion der Ware vorgeschoßnen Gesamtkapital ist; während ihn
das bestimmte Verhältnis dieses Überschusses zu, und sein innerer
Zusammenhang mit den besondren Bestandteilen des Kapitals nicht
nur nicht interessiert, sondern es sein Interesse ist, sich
blauen Dunst über dies bestimmte Verhältnis und diesen innern Zu-
sammenhang vorzublasen.
Obgleich der Überschuß des Werts der Ware über ihren Kostpreis im
unmittelbaren Produktionsprozeß entsteht, wird er erst realisiert
im Zirkulationsprozeß, und erhält um so leichter den Schein, aus
dem Zirkulationsprozeß zu entspringen, als es in der Wirklich-
keit, innerhalb der Konkurrenz, auf dem wirklichen Markt, von
Marktverhältnissen abhängt, ob oder nicht, und zu welchem Grad,
dieser Überschuß realisiert wird. Es bedarf hier keiner Erörte-
rung, daß, wenn eine Ware über oder unter ihrem Wert verkauft
wird, nur eine andre Verteilung des Mehrwerts stattfindet, und
daß diese verschiedne Verteilung, das veränderte Verhältnis,
worin verschiedne Personen sich in den Mehrwert teilen, weder an
der Größe noch an der Natur des Mehrwerts irgend etwas ändert. Im
tatsächlichen Zirkulationsprozeß gehn nicht nur die Verwandlungen
vor, die wir in Buch II betrachtet, sondern sie fallen zusammen
mit der wirklichen Konkurrenz, mit Kauf und Verkauf der Waren
über oder unter ihrem Wert, so daß für den einzelnen Kapitalisten
der von ihm selbst realisierte Mehrwert ebensosehr von der wech-
selseitigen Übervorteilung, wie von der direkten Exploitation der
Arbeit abhängt.
Im Zirkulationsprozeß tritt neben der Arbeitszeit die Zirkulati-
onszeit in Wirksamkeit, die hiermit die Masse des in einem be-
stimmten Zeitraum realisierbaren Mehrwerts beschränkt. Es greifen
noch andre, der Zirkulation
#54# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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entspringende Momente in den unmittelbaren Produktionsprozeß be-
stimmend ein. Beide, der unmittelbare Produktionsprozeß und der
Zirkulationsprozeß, laufen beständig ineinander, durchdringen
sich und verfälschen dadurch beständig ihre charakteristischen
Unterscheidungsmerkmale. Die Produktion des Mehrwerts wie des
Werts überhaupt erhält im Zirkulationsprozeß, wie früher gezeigt,
neue Bestimmungen; das Kapital durchläuft den Kreis seiner Ver-
wandlungen; endlich tritt es sozusagen aus seinem innern organi-
schen Leben in auswärtige Lebensverhältnisse, in Verhältnisse, wo
nicht Kapital und Arbeit, sondern einerseits Kapital und Kapital,
andrerseits die Individuen auch wieder einfach als Käufer und
Verkäufer sich gegenüberstehn; Zirkulationszeit und Arbeitszeit
durchkreuzen sich in ihrer Bahn und scheinen so beide gleichmäßig
den Mehrwert zu bestimmen; die ursprüngliche Form, worin sich Ka-
pital und Lohnarbeit gegenüberstehn, wird verkleidet durch Einmi-
schung scheinbar davon unabhängiger Beziehungen; der Mehrwert
selbst erscheint nicht als Produkt der Aneignung von Arbeitszeit,
sondern als Überschuß des Verkaufspreises der Waren über ihren
Kostpreis, welcher letztre daher leicht als ihr eigentlicher Wert
(valeur intrinsque) sich darstellt, so daß der Profit als Über-
schuß des Verkaufspreises der Waren über ihren immanenten Wert
erscheint.
Allerdings tritt während des unmittelbaren Produktionsprozesses
die Natur des Mehrwerts fortwährend in das Bewußtsein des Kapita-
listen, wie seine Gier nach fremder Arbeitszeit etc. uns schon
bei Betrachtung des Mehrwerts zeigte. Allein: 1. Es ist der un-
mittelbare Produktionsprozeß selbst nur ein verschwindendes Mo-
ment, das beständig in den Zirkulationsprozeß, wie dieser in je-
nen übergeht, so daß die im Produktionsprozeß klarer oder dunkler
aufgedämmerte Ahnung von der Quelle des in ihm gemachten Gewinns,
d.h. von der Natur des Mehrwerts, höchstens als ein gleichberech-
tigtes Moment erscheint neben der Vorstellung, der realisierte
Überschuß stamme aus der vom Produktionsprozeß unabhängigen, aus
der Zirkulation selbst entspringenden, also dem Kapital unabhän-
gig von seinem Verhältnis zur Arbeit angehörigen Bewegung. Werden
diese Phänomene derzirkulation doch selbst von modernen Ökonomen,
wie Ramsey, Malthus, Senior, Tortens usw., direkt als Beweise an-
geführt, daß das Kapital in seiner bloß dinglichen Existenz, un-
abhängig von dem gesellschaftlichen Verhältnis zur Arbeit, worin
es eben Kapital ist, ein selbständiger Quell des Mehrwerts neben
der Arbeit und unabhängig von der Arbeit sei. - 2. Unter der Ru-
brik der Kosten, worunter der Arbeitslohn fällt, ebensogut wie
der Preis von Rohstoff, Verschleiß der Maschinerie etc., er-
scheint Auspressung von unbezahlter Arbeit nur als Ersparung in
der Zahlung eines der Artikel, der in
#55# 2. Kapitel - Die Profitrate
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die Kosten eingeht, nur als geringre Zahlung für ein bestimmtes
Quantum Arbeit; ganz wie ebenfalls gespart wird, wenn der Roh-
stoff wohlfeiler eingekauft, oder der Verschleiß der Maschinerie
verringert wird. So verliert die Abpressung von Mehrarbeit ihren
spezifischen Charakter; ihr spezj fisches Verhältnis zum Mehrwert
wird verdunkelt; und dies wird sehr befördert und erleichtert,
wie Buch 1, Abschn. VI 1*) gezeigt, durch die Darstellung des
Werts der Arbeitskraft in der Form des Arbeitslohns.
Indem alle Teile des Kapitals gleichmäßig als Quelle des über-
schüssigen Werts (Profits) erscheinen, wird das Kapitalverhältnis
mystifiziert.
Die Art, wie mittelst des Übergangs durch die Profitrate der
Mehrwert in die Form des Profits verwandelt wird, ist jedoch nur
die Weiterentwicklung der schon während des Produktionsprozesses
vorgehenden Verkehrung von Subjekt und Objekt. Schon hier sahen
wir sämtliche subjektiven Produktivkräfte der Arbeit sich als
Produktivkräfte des Kapitals darstellen 2*). Einerseits wird der
Wert, die vergangne Arbeit, die die lebendige beherrscht, im Ka-
pitalisten personifiziert; andrerseits erscheint umgekehrt der
Arbeiter als bloß gegenständliche Arbeitskraft, als Ware. Aus
diesem verkehrten Verhältnis entspringt notwendig schon im einfa-
chen Produktionsverhältnis selbst die entsprechende verkehrte
Vorstellung, ein transportiertes Bewußtsein, das durch die Ver-
wandlungen und Modifikationen des eigentlichen Zirkulationspro-
zesses weiterentwickelt wird.
Es ist, wie man bei der Ricardeschen Schule studieren kann, ein
ganz verkehrter Versuch, die Gesetze der Profitrate unmittelbar
als Gesetze der Mehrwertsrate oder umgekehrt darstellen zu wol-
len. In dem Kopf des Kapitalisten unterscheiden sie sich natür-
lich nicht. In dem Ausdruck m/C ist der Mehrwert gemessen am Wert
des Gesamtkapitals, das zu seiner Produktion vorgeschossen und in
dieser Produktion teilweise ganz konsumiert, teilweise nur ange-
wandt worden ist. In der Tat drückt das Verhältnis m/C den Ver-
wertungsgrad des ganzen vorgeschoßnen Kapitals aus, d.h. dem be-
grifflichen, innern Zusammenhang und der Natur des Mehrwerts ent-
sprechend gefaßt, es zeigt an, wie sich die Größe der Variation
des variablen Kapitals zur Größe des vorgeschoßnen Gesamtkapitals
verhält.
An und für sich steht die Wertgröße des Gesamtkapitals in keinem
innern Verhältnis zur Größe des Mehrwerts, wenigstens nicht un-
mittelbar. Seinen stofflichen Elementen nach besteht das Gesamt-
kapital minus das variable Kapital, besteht also das konstante
Kapital aus den stofflichen Bedingungen
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1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 557-564 - 2*) ebenda, S.
352/353
#56# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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zur Verwirklichung der Arbeit, Arbeitsmitteln und Arbeitsmate-
rial. Damit ein bestimmtes Quantum Arbeit sich in Waren verwirk-
licht, und daher auch Wert bildet, ist ein bestimmtes Quantum Ar-
beitsmaterial und Arbeitsmittel erheischt. Es findet je nach dem
besondern Charakter der zugesetzten Arbeit ein bestimmtes techni-
sches Verhältnis statt zwischen der Masse der Arbeit und der
Masse der Produktionsmittel, denen diese lebendige Arbeit zuge-
setzt werden soll. Es findet also insofern auch ein bestimmtes
Verhältnis statt zwischen der Masse des Mehrwerts oder der Mehr-
arbeit und der Masse der Produktionsmittel. Wenn z.B. die notwen-
dige Arbeit zur Produktion des Arbeitslohns 6 Stunden täglich be-
trägt, muß der Arbeiter 12 Stunden arbeiten, um 6 Stunden Mehrar-
beit zu tun, um einen Mehrwert von 100% zu erzeugen. Er ver-
braucht in den 12 Stunden doppelt soviel Produktionsmittel wie in
den 6. Aber deswegen steht der Mehrwert, den er in 6 Stunden zu-
setzt, durchaus in keinem unmittelbaren Verhältnis zu dem Wert
der in den 6 oder auch in den 12 Stunden vernutzten Produktions-
mittel. Dieser Wert ist hier ganz gleichgültig; es kommt nur auf
die technisch nötige Masse an. Ob der Rohstoff oder das Arbeits-
mittel wohlfeil oder teuer, ist ganz gleichgültig; wenn es nur
den erheischten Gebrauchswert besitzt und in der technisch vorge-
schriebnen Proportion zu der zu absorbierenden lebendigen Arbeit
vorhanden ist. Weiß ich jedoch, daß in einer Stunde x Pfund Baum-
wolle versponnen werden und a Schillinge kosten, so weiß ich na-
türlich auch, daß in 12 Stunden 12 x Pfund Baumwolle = 12 a
Schillinge versponnen werden, und ich kann dann das Verhältnis
des Mehrwerts zum Wert der 12 so gut wie zum Wert der 6 berech-
nen. Aber das Verhältnis der lebendigen Arbeit zum W e r t der
Produktionsmittel kommt hier nur herein, soweit a Schillinge als
Name für x Pfund Baumwolle dient; weil ein bestimmtes Quantum
Baumwolle einen bestimmten Preis hat und daher auch umgekehrt ein
bestimmter Preis als Index für ein bestimmtes Quantum Baumwolle
dienen kann, solange der Baumwollenpreis sich nicht ändert. Wenn
ich weiß, daß ich, um 6 Stunden Mehrarbeit anzueignen, 12 Stunden
arbeiten lassen, also Baumwolle für 12 Stunden parat haben muß
und den Preis dieses für 12 Stunden erheischten Quantums Baum-
wolle kenne, so existiert auf einem Umweg ein Verhältnis zwischen
dem Preis der Baumwolle (als Index des notwendigen Quantums) und
dem Mehrwert. Umgekehrt kann ich aber nie aus dem Preise des
Rohmaterials schließen auf die Masse des Rohmaterials, die z.B.
in einer Stunde und nicht in 6 versponnen werden kann. Es findet
also kein inneres, notwendiges Verhältnis statt zwischen dem Wert
des konstanten Kapitals, also auch nicht zwischen dem Wert des
Gesamtkapitals (=c+v) und dem Mehrwert.
#57# 2. Kapitel - Die Profitrate
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Wenn die Rate des Mehrwerts bekannt und seine Größe gegeben ist,
drückt die Profitrate nichts andres aus als das, was sie in der
Tat ist, eine andre Messung des Mehrwerts, seine Messung am Wert
des Gesamtkapitals, statt an dem Wert des Kapitaltells, aus dem
er durch dessen Austausch mit Arbeit direkt entspringt. Aber in
der Wirklichkeit (d.h. in der Erscheinungswelt) verhält sich die
Sache umgekehrt. Der Mehrwert ist gegeben, aber gegeben als Über-
schuß des Verkaufspreises der Ware über ihren Kostpreis; wobei es
mysteriös bleibt, woher dieser Überschuß stammt, aus der Ex-
ploitation der Arbeit im Produktionsprozeß, aus der Übervortei-
lung der Käufer im Zirkulationsprozeß, oder aus beiden. Was fer-
ner gegeben, ist das Verhältnis dieses Überschusses zum Wert des
Gesamtkapitals, oder die Profitrate. Die Berechnung dieses Über-
schusses des Verkaufspreises über den Kostpreis auf den Wert des
vorgeschoßnen Gesamtkapitals ist sehr wichtig und natürlich, da
hierdurch in der Tat die Verhältniszahl gefunden wird, worin sich
das Gesamtkapital verwertet hat, oder sein Verwertungsgrad. Wird
von dieser Profitrate ausgegangen, so ist also durchaus auf kein
spezifisches Verhältnis zwischen dem Überschuß und dem in Ar-
beitslohn ausgelegten Teil des Kapitals zu schließen. Man wird in
einem spätern Kapitel 1*) sehn, welche drollige Bocksprünge
Malthus macht, wenn er auf diesem Weg hinter das Geheimnis des
Mehrwerts und des spezifischen Verhältnisses desselben zum vari-
ablen Teil des Kapitals durchzudringen sucht. Was die Profitrate
als solche zeigt, ist vielmehr gleichmäßiges Verhalten des Über-
schusses zu gleich großen Teilen des Kapitals, das von diesem Ge-
sichtspunkt aus überhaupt keine inneren Unterschiede zeigt, außer
dem zwischen fixem und zirkulierendem Kapital. Und diesen Unter-
schied auch nur, weil der Überschuß doppelt berechnet wird. Näm-
lich erstens als einfache Größe: Überschuß über den Kostpreis. In
dieser seiner ersten Form geht das ganze zirkulierende Kapital in
den Kostpreis ein, während vom fixen Kapital nur der Verschleiß
in ihn eingeht. Ferner zweitens: das Verhältnis dieses Wertüber-
schusses zum Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals. Hier geht der
Wert des ganzen fixen Kapitals so gut wie der des zirkulierenden
in die Rechnung ein. Das zirkulierende Kapital geht also beidemal
in derselben Weise ein, während das fixe Kapital das eine Mal in
einer verschiednen, das andre Mal in derselben Weise wie das zir-
kulierende Kapital eingeht. So drängt sich der Unterschied zwi-
schen zirkulierendern und fixem Kapital hier als der einzige auf.
Der Überschuß also, wenn er, hegelisch gesprochen, sich aus der
Profitrate
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1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil. S. 25-28
#58# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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in sich zurückreflektiert, oder anders, der Überschuß, näher
durch die Profitrate charakterisiert, erscheint als ein Über-
schuß, den das Kapital über seinen eignen Wert hinaus jährlich,
oder in einer bestimmten Zirkulationsperiode, erzeugt.
Obgleich daher die Profitrate von der Rate des Mehrwerts nume-
risch verschieden ist, während Mehrwert und Profit in der Tat
dasselbe und auch numerisch gleich sind, so ist der Profit jedoch
eine verwandelte Form des Mehrwerts, eine Form, worin sein Ur-
sprung und das Geheimnis seines Daseins verschleiert und ausge-
löscht ist. In der Tat ist der Profit die Erscheinungsform des
Mehrwerts, welcher letztre erst durch Analyse aus der erstern
herausgeschält werden muß. Im Mehrwert ist das Verhältnis zwi-
schen Kapital und Arbeit bloßgelegt; im Verhältnis von Kapital
und Profit, d.h. von Kapital und dem Mehrwert, wie er einerseits
als im Zirkulationsprozeß realisierter Überschuß über den Kost-
preis der Ware, andrerseits als ein durch sein Verhältnis zum Ge-
samtkapital näher bestimmter Überschuß erscheint, erscheint das
Kapital als Verhältnis zu sich selbst, ein Verhältnis, worin es
sich als ursprüngliche Wertsumme von einem, von ihm selbst ge-
setzten Neuwert unterscheidet. Daß es diesen Neuwert während sei-
ner Bewegung durch den Produktionsprozeß und den Zirkulationspro-
zeß erzeugt, dies ist im Bewußtsein. Aber wie dies geschieht, das
ist nun mystifiziert und scheint von ihm selbst zukommenden, ver-
borgnen Qualitäten herzustammen.
Je weiter wir den Verwertungsprozeß des Kapitals verfolgen, um so
mehr wird sich das Kapitalverhältnis mystifizieren, und um so we-
niger das Geheimnis seines inneren Organismus bloßlegen.
In diesem Abschnitt ist die Profitrate numerisch von der Rate des
Mehrwerts verschieden; dagegen sind Profit und Mehrwert behandelt
als dieselbe numerische Größe, nur in verschiedner Form. Im fol-
genden Abschnitt werden wir sehn, wie die Veräußerlichung weiter-
geht und der Profit auch numerisch als eine vom Mehrwert ver-
schiedne Größe sich darstellt.
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