Quelle: MEW 25 Das Kapital - Dritter Band


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       ZWEITES KAPITEL
       Die Profitrate
       
       Die  allgemeine   Formel  des  Kapitals  ist  G-W-G':  d.h.  eine
       Wertsumme wird  in Zirkulation geworfen, um eine größre Wertsumme
       aus ihr herauszuziehn. Der Prozeß, der diese größre Wertsumme er-
       zeugt, ist  die kapitalistische  Produktion; der  Prozeß, der sie
       realisiert, ist die Zirkulation des Kapitals. Der Kapitalist pro-
       duziert die Ware nicht ihrer selbst wegen, nicht ihres Gebrauchs-
       werts oder  seiner persönlichen Konsumtion wegen. Das Produkt, um
       das es  sich in  der Tat  für den Kapitalisten handelt, ist nicht
       das handgreifliche  Produkt selbst, sondern der Wertüberschuß des
       Produkts über  den Wert des in ihm konsumierten Kapitals. Der Ka-
       pitalist schießt  das Gesamtkapital  vor ohne  Rücksicht auf  die
       verschiedne Rolle,  die seine Bestandteile in der Prodtiktion des
       Mehrwerts spielen. Er schießt alle diese Bestandteile gleichmäßig
       vor, nicht nur um das vorgeschoßne Kapital zu reproduzieren, son-
       dern um einen Wertüberschuß über dasselbe zu produzieren. Er kann
       den Wert des variablen Kapitals, den er vorschießt, nur in höhern
       Wert verwandeln  durch seinen  Austausch mit  lebendiger  Arbeit,
       durch Exploitation lebendiger Arbeit. Aber er kann die Arbeit nur
       exploitieren, indem  er gleichzeitig die Bedingungen für die Ver-
       wirklichung dieser  Arbeit, Arbeitsmittel  und Arbeitsgegenstand,
       Maschinerie und Rohstoff vorschießt, d.h. indem er eine in seinem
       Besitz befindliche Wertsumme in die Form von Produktionsbedingun-
       gen verwandelt;  wie er  überhaupt nur  Kapitalist ist,  den  Ex-
       ploitationsprozeß der  Arbeit überhaupt  nur vornehmen kann, weil
       er als  Eigentümer der Arbeitsbedingungen dem Arbeiter als bloßem
       Besitzer der  Arbeitskraft gegenübersteht. Es hat sich schon frü-
       her, im  ersten Buch 1*), gezeigt, daß es grade der Besitz dieser
       Produktionsmittel durch die Nichtarbeiter ist, welcher die Arbei-
       ter in  Lohnarbeiter, die  Nichtarbeiter in  Kapitalisten verwan-
       delt.
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       1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 183, 742/743
       
       #52# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       Dem Kapitalisten ist es gleichgültig, die Sache so zu betrachten,
       daß er das konstante Kapital vorschießt, um aus dem variablen Ge-
       winn zu  schlagen, oder das variable verschießt, um das konstante
       zu verwerten;  daß er  Geld in  Arbeitslohn auslegt, um Maschinen
       und Rohmaterial  höhern Wert zu geben, oder das Geld in Maschine-
       rie und  Rohmaterial vorschießt,  um die  Arbeit exploitieren  zu
       können. Obgleich  nur der  variable Teil  des  Kapitals  Mehrwert
       schafft, so schafft er ihn unter der Bedingung, daß auch die and-
       ren Teile  vorgeschossen werden,  die Produktionsbedingungen  der
       Arbeit. Da  der Kapitalist die Arbeit nur exploitieren kann durch
       Vorschuß des konstanten Kapitals, da er das konstante Kapital nur
       verwerten kann  durch Vorschuß des variablen, so fallen ihm diese
       in der  Vorstellung alle  gleichmäßig zusammen,  und dies  um  so
       mehr, als  der wirkliche  Grad seines  Gewinns bestimmt ist nicht
       durch das Verhältnis zum variablen Kapital, sondern zum Gesamtka-
       pital, nicht durch die Rate des Mehrwerts, sondern durch die Rate
       des Profits,  die, wie wir sehn werden, dieselbe bleiben und doch
       verschiedne Raten des Mehrwerts ausdrucken kann.
       Zu den  Kosten des  Produkts gehören alle seine Wertbestandteile,
       die der Kapitalist gezahlt, oder für die er ein Äquivalent in die
       Produktion geworfen  hat. Diese Kosten müssen ersetzt werden, da-
       mit das  Kapital sich  einfach erhalte oder in seiner ursprüngli-
       chen Größe reproduziere.
       Der in  der Ware  enthaltne Wert  ist gleich der Arbeitszeit, die
       ihre Herstellung  kostet, und die Summe dieser Arbeit besteht aus
       bezahlter und  unbezahlter. Die Kosten der Ware für den Kapitali-
       sten bestehn  dagegen nur  aus dem Teil der in ihr vergegenständ-
       lichten Arbeit,  den er  gezahlt hat.  Die in  der Ware enthaltne
       Mehrarbeit kostet  dem Kapitalisten  nichts, obgleich sie dem Ar-
       beiter, ganz so gut wie die bezahlte, Arbeit kostet, und obgleich
       sie, ganz so gut wie jene Wert schafft und als wertbildendes Ele-
       ment in  die Ware  eingeht. Der Profit des Kapitalisten kommt da-
       her, daß er etwas zu verkaufen hat, das er nicht bezahlt hat. Der
       Mehrwert resp.  Profit besteht gerade in dem Überschuß des Waren-
       werts über ihren Kostpreis, d.h. in dem Überschuß der in der Ware
       enthaltnen Gesamtsumme  von Arbeit  über die in ihr enthaltne be-
       zahlte Summe Arbeit. Der Mehrwert, woher er immer entspringe, ist
       sonach ein  Überschuß über das vorgeschoßne Gesamtkapital. Dieser
       Überschuß steht  also in  einem Verhältnis zum Gesamtkapital, das
       sich ausdrückt in dem Bruch wo m/C, wo C das Gesamtkapital bedeu-
       tet. So  erhalten wir die  P r o f i t r a t e  m/C = m/(c+v), im
       Unterschiede von der Rate des Mehrwerts m/v.
       
       #53# 2. Kapitel - Die Profitrate
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       Die Rate  des Mehrwerts  gemessen am vatiablen Kapital heißt Rate
       des Mehrwerts;  die Rate  des Mehrwerts gemessen am Gesamtkapital
       heißt Profitrate.  Es sind  zwei verschiedne  Messungen derselben
       Größe, die infolge der Verschiedenheit der Maßstäbe zugleich ver-
       schiedne Verhältnisse  oder Beziehungen  derselben Größe ausdrüc-
       ken.
       Aus der  Verwandlung der Mehrwertsrate in Profitrate ist die Ver-
       wandlung des Mehrwerts in Profit abzuleiten, nicht umgekehrt. Und
       in der  Tat ist  die Profitrate das, wovon historisch ausgegangen
       wird. Mehrwert und Rate des Mehrwerts sind, relativ, das Unsicht-
       bare und  das zu erforschende Wesentliche, während Profitrate und
       daher die  Form des  Mehrwerts als Profit sich auf der Oberfläche
       der Erscheinungen zeigen.
       Was den  einzelnen Kapitalisten angeht, so ist klar, daß das ein-
       zige, was ihn interessiert, das Verhältnis des Mehrwerts oder des
       Wertüberschusses, wozu  er seine  Waren verkauft,  zu dem für die
       Produktion der  Ware vorgeschoßnen Gesamtkapital ist; während ihn
       das bestimmte Verhältnis dieses Überschusses zu, und sein innerer
       Zusammenhang mit  den besondren  Bestandteilen des Kapitals nicht
       nur nicht  interessiert, sondern  es  sein  Interesse  ist,  sich
       blauen Dunst über dies bestimmte Verhältnis und diesen innern Zu-
       sammenhang vorzublasen.
       Obgleich der Überschuß des Werts der Ware über ihren Kostpreis im
       unmittelbaren Produktionsprozeß entsteht, wird er erst realisiert
       im Zirkulationsprozeß,  und erhält um so leichter den Schein, aus
       dem Zirkulationsprozeß  zu entspringen,  als es  in der Wirklich-
       keit, innerhalb  der Konkurrenz,  auf dem  wirklichen Markt,  von
       Marktverhältnissen abhängt,  ob oder  nicht, und zu welchem Grad,
       dieser Überschuß  realisiert wird.  Es bedarf hier keiner Erörte-
       rung, daß,  wenn eine  Ware über  oder unter  ihrem Wert verkauft
       wird, nur  eine andre  Verteilung des  Mehrwerts stattfindet, und
       daß diese  verschiedne  Verteilung,  das  veränderte  Verhältnis,
       worin verschiedne  Personen sich in den Mehrwert teilen, weder an
       der Größe noch an der Natur des Mehrwerts irgend etwas ändert. Im
       tatsächlichen Zirkulationsprozeß gehn nicht nur die Verwandlungen
       vor, die  wir in  Buch II betrachtet, sondern sie fallen zusammen
       mit der  wirklichen Konkurrenz,  mit Kauf  und Verkauf  der Waren
       über oder unter ihrem Wert, so daß für den einzelnen Kapitalisten
       der von  ihm selbst realisierte Mehrwert ebensosehr von der wech-
       selseitigen Übervorteilung, wie von der direkten Exploitation der
       Arbeit abhängt.
       Im Zirkulationsprozeß  tritt neben der Arbeitszeit die Zirkulati-
       onszeit in  Wirksamkeit, die  hiermit die  Masse des in einem be-
       stimmten Zeitraum realisierbaren Mehrwerts beschränkt. Es greifen
       noch andre, der Zirkulation
       
       #54# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       entspringende Momente  in den unmittelbaren Produktionsprozeß be-
       stimmend ein.  Beide, der  unmittelbare Produktionsprozeß und der
       Zirkulationsprozeß,  laufen  beständig  ineinander,  durchdringen
       sich und  verfälschen dadurch  beständig ihre  charakteristischen
       Unterscheidungsmerkmale. Die  Produktion des  Mehrwerts  wie  des
       Werts überhaupt erhält im Zirkulationsprozeß, wie früher gezeigt,
       neue Bestimmungen;  das Kapital  durchläuft den Kreis seiner Ver-
       wandlungen; endlich  tritt es sozusagen aus seinem innern organi-
       schen Leben in auswärtige Lebensverhältnisse, in Verhältnisse, wo
       nicht Kapital und Arbeit, sondern einerseits Kapital und Kapital,
       andrerseits die  Individuen auch  wieder einfach  als Käufer  und
       Verkäufer sich  gegenüberstehn; Zirkulationszeit  und Arbeitszeit
       durchkreuzen sich in ihrer Bahn und scheinen so beide gleichmäßig
       den Mehrwert zu bestimmen; die ursprüngliche Form, worin sich Ka-
       pital und Lohnarbeit gegenüberstehn, wird verkleidet durch Einmi-
       schung scheinbar  davon unabhängiger  Beziehungen;  der  Mehrwert
       selbst erscheint nicht als Produkt der Aneignung von Arbeitszeit,
       sondern als  Überschuß des  Verkaufspreises der  Waren über ihren
       Kostpreis, welcher letztre daher leicht als ihr eigentlicher Wert
       (valeur intrinsque)  sich darstellt,  so daß der Profit als Über-
       schuß des  Verkaufspreises der  Waren über  ihren immanenten Wert
       erscheint.
       Allerdings tritt  während des  unmittelbaren Produktionsprozesses
       die Natur des Mehrwerts fortwährend in das Bewußtsein des Kapita-
       listen, wie  seine Gier  nach fremder  Arbeitszeit etc. uns schon
       bei Betrachtung  des Mehrwerts  zeigte. Allein: 1. Es ist der un-
       mittelbare Produktionsprozeß  selbst nur  ein verschwindendes Mo-
       ment, das  beständig in den Zirkulationsprozeß, wie dieser in je-
       nen übergeht, so daß die im Produktionsprozeß klarer oder dunkler
       aufgedämmerte Ahnung von der Quelle des in ihm gemachten Gewinns,
       d.h. von der Natur des Mehrwerts, höchstens als ein gleichberech-
       tigtes Moment  erscheint neben  der Vorstellung,  der realisierte
       Überschuß stamme  aus der vom Produktionsprozeß unabhängigen, aus
       der Zirkulation  selbst entspringenden, also dem Kapital unabhän-
       gig von seinem Verhältnis zur Arbeit angehörigen Bewegung. Werden
       diese Phänomene derzirkulation doch selbst von modernen Ökonomen,
       wie Ramsey, Malthus, Senior, Tortens usw., direkt als Beweise an-
       geführt, daß  das Kapital in seiner bloß dinglichen Existenz, un-
       abhängig von  dem gesellschaftlichen Verhältnis zur Arbeit, worin
       es eben  Kapital ist, ein selbständiger Quell des Mehrwerts neben
       der Arbeit  und unabhängig von der Arbeit sei. - 2. Unter der Ru-
       brik der  Kosten, worunter  der Arbeitslohn  fällt, ebensogut wie
       der Preis  von Rohstoff,  Verschleiß der  Maschinerie  etc.,  er-
       scheint Auspressung  von unbezahlter  Arbeit nur als Ersparung in
       der Zahlung eines der Artikel, der in
       
       #55# 2. Kapitel - Die Profitrate
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       die Kosten  eingeht, nur  als geringre Zahlung für ein bestimmtes
       Quantum Arbeit;  ganz wie  ebenfalls gespart  wird, wenn der Roh-
       stoff wohlfeiler  eingekauft, oder der Verschleiß der Maschinerie
       verringert wird.  So verliert die Abpressung von Mehrarbeit ihren
       spezifischen Charakter; ihr spezj fisches Verhältnis zum Mehrwert
       wird verdunkelt;  und dies  wird sehr  befördert und erleichtert,
       wie Buch  1, Abschn.  VI 1*)  gezeigt, durch  die Darstellung des
       Werts der Arbeitskraft in der Form des Arbeitslohns.
       Indem alle  Teile des  Kapitals gleichmäßig  als Quelle des über-
       schüssigen Werts (Profits) erscheinen, wird das Kapitalverhältnis
       mystifiziert.
       Die Art,  wie mittelst  des Übergangs  durch die  Profitrate  der
       Mehrwert in  die Form des Profits verwandelt wird, ist jedoch nur
       die Weiterentwicklung  der schon während des Produktionsprozesses
       vorgehenden Verkehrung  von Subjekt  und Objekt. Schon hier sahen
       wir sämtliche  subjektiven Produktivkräfte  der Arbeit  sich  als
       Produktivkräfte des  Kapitals darstellen 2*). Einerseits wird der
       Wert, die  vergangne Arbeit, die die lebendige beherrscht, im Ka-
       pitalisten personifiziert;  andrerseits erscheint  umgekehrt  der
       Arbeiter als  bloß gegenständliche  Arbeitskraft, als  Ware.  Aus
       diesem verkehrten Verhältnis entspringt notwendig schon im einfa-
       chen Produktionsverhältnis  selbst  die  entsprechende  verkehrte
       Vorstellung, ein  transportiertes Bewußtsein,  das durch die Ver-
       wandlungen und  Modifikationen des  eigentlichen Zirkulationspro-
       zesses weiterentwickelt wird.
       Es ist,  wie man  bei der Ricardeschen Schule studieren kann, ein
       ganz verkehrter  Versuch, die  Gesetze der Profitrate unmittelbar
       als Gesetze  der Mehrwertsrate  oder umgekehrt darstellen zu wol-
       len. In  dem Kopf  des Kapitalisten unterscheiden sie sich natür-
       lich nicht. In dem Ausdruck m/C ist der Mehrwert gemessen am Wert
       des Gesamtkapitals, das zu seiner Produktion vorgeschossen und in
       dieser Produktion  teilweise ganz konsumiert, teilweise nur ange-
       wandt worden  ist. In  der Tat drückt das Verhältnis m/C den Ver-
       wertungsgrad des  ganzen vorgeschoßnen Kapitals aus, d.h. dem be-
       grifflichen, innern Zusammenhang und der Natur des Mehrwerts ent-
       sprechend gefaßt,  es zeigt  an, wie sich die Größe der Variation
       des variablen Kapitals zur Größe des vorgeschoßnen Gesamtkapitals
       verhält.
       An und  für sich steht die Wertgröße des Gesamtkapitals in keinem
       innern Verhältnis  zur Größe  des Mehrwerts, wenigstens nicht un-
       mittelbar. Seinen  stofflichen Elementen nach besteht das Gesamt-
       kapital minus  das variable  Kapital, besteht  also das konstante
       Kapital aus den stofflichen Bedingungen
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       1*) Siehe  Band 23  unserer Ausgabe,  S. 557-564 - 2*) ebenda, S.
       352/353
       
       #56# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       zur Verwirklichung  der Arbeit,  Arbeitsmitteln und  Arbeitsmate-
       rial. Damit  ein bestimmtes Quantum Arbeit sich in Waren verwirk-
       licht, und daher auch Wert bildet, ist ein bestimmtes Quantum Ar-
       beitsmaterial und  Arbeitsmittel erheischt. Es findet je nach dem
       besondern Charakter der zugesetzten Arbeit ein bestimmtes techni-
       sches Verhältnis  statt zwischen  der Masse  der Arbeit  und  der
       Masse der  Produktionsmittel, denen  diese lebendige Arbeit zuge-
       setzt werden  soll. Es  findet also  insofern auch ein bestimmtes
       Verhältnis statt  zwischen der Masse des Mehrwerts oder der Mehr-
       arbeit und der Masse der Produktionsmittel. Wenn z.B. die notwen-
       dige Arbeit zur Produktion des Arbeitslohns 6 Stunden täglich be-
       trägt, muß der Arbeiter 12 Stunden arbeiten, um 6 Stunden Mehrar-
       beit zu  tun, um  einen Mehrwert  von 100%  zu erzeugen.  Er ver-
       braucht in den 12 Stunden doppelt soviel Produktionsmittel wie in
       den 6.  Aber deswegen steht der Mehrwert, den er in 6 Stunden zu-
       setzt, durchaus  in keinem  unmittelbaren Verhältnis  zu dem Wert
       der in  den 6 oder auch in den 12 Stunden vernutzten Produktions-
       mittel. Dieser  Wert ist hier ganz gleichgültig; es kommt nur auf
       die technisch  nötige Masse an. Ob der Rohstoff oder das Arbeits-
       mittel wohlfeil  oder teuer,  ist ganz  gleichgültig; wenn es nur
       den erheischten Gebrauchswert besitzt und in der technisch vorge-
       schriebnen Proportion  zu der zu absorbierenden lebendigen Arbeit
       vorhanden ist. Weiß ich jedoch, daß in einer Stunde x Pfund Baum-
       wolle versponnen  werden und a Schillinge kosten, so weiß ich na-
       türlich auch,  daß in  12 Stunden  12 x  Pfund Baumwolle  = 12  a
       Schillinge versponnen  werden, und  ich kann  dann das Verhältnis
       des Mehrwerts  zum Wert  der 12 so gut wie zum Wert der 6 berech-
       nen. Aber  das Verhältnis der lebendigen Arbeit zum  W e r t  der
       Produktionsmittel kommt  hier nur herein, soweit a Schillinge als
       Name für  x Pfund  Baumwolle dient;  weil ein  bestimmtes Quantum
       Baumwolle einen bestimmten Preis hat und daher auch umgekehrt ein
       bestimmter Preis  als Index  für ein bestimmtes Quantum Baumwolle
       dienen kann,  solange der Baumwollenpreis sich nicht ändert. Wenn
       ich weiß, daß ich, um 6 Stunden Mehrarbeit anzueignen, 12 Stunden
       arbeiten lassen,  also Baumwolle  für 12  Stunden parat haben muß
       und den  Preis dieses  für 12  Stunden erheischten Quantums Baum-
       wolle kenne, so existiert auf einem Umweg ein Verhältnis zwischen
       dem Preis  der Baumwolle (als Index des notwendigen Quantums) und
       dem Mehrwert.  Umgekehrt kann  ich aber  nie aus  dem Preise  des
       Rohmaterials schließen  auf die  Masse des Rohmaterials, die z.B.
       in einer  Stunde und nicht in 6 versponnen werden kann. Es findet
       also kein inneres, notwendiges Verhältnis statt zwischen dem Wert
       des konstanten  Kapitals, also  auch nicht  zwischen dem Wert des
       Gesamtkapitals (=c+v) und dem Mehrwert.
       
       #57# 2. Kapitel - Die Profitrate
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       Wenn die  Rate des Mehrwerts bekannt und seine Größe gegeben ist,
       drückt die  Profitrate nichts  andres aus als das, was sie in der
       Tat ist,  eine andre Messung des Mehrwerts, seine Messung am Wert
       des Gesamtkapitals,  statt an  dem Wert des Kapitaltells, aus dem
       er durch  dessen Austausch  mit Arbeit direkt entspringt. Aber in
       der Wirklichkeit  (d.h. in der Erscheinungswelt) verhält sich die
       Sache umgekehrt. Der Mehrwert ist gegeben, aber gegeben als Über-
       schuß des Verkaufspreises der Ware über ihren Kostpreis; wobei es
       mysteriös bleibt,  woher dieser  Überschuß stammt,  aus  der  Ex-
       ploitation der  Arbeit im  Produktionsprozeß, aus der Übervortei-
       lung der  Käufer im Zirkulationsprozeß, oder aus beiden. Was fer-
       ner gegeben,  ist das Verhältnis dieses Überschusses zum Wert des
       Gesamtkapitals, oder  die Profitrate. Die Berechnung dieses Über-
       schusses des  Verkaufspreises über den Kostpreis auf den Wert des
       vorgeschoßnen Gesamtkapitals  ist sehr  wichtig und natürlich, da
       hierdurch in der Tat die Verhältniszahl gefunden wird, worin sich
       das Gesamtkapital  verwertet hat, oder sein Verwertungsgrad. Wird
       von dieser  Profitrate ausgegangen, so ist also durchaus auf kein
       spezifisches Verhältnis  zwischen dem  Überschuß und  dem in  Ar-
       beitslohn ausgelegten Teil des Kapitals zu schließen. Man wird in
       einem spätern  Kapitel  1*)  sehn,  welche  drollige  Bocksprünge
       Malthus macht,  wenn er  auf diesem  Weg hinter das Geheimnis des
       Mehrwerts und  des spezifischen Verhältnisses desselben zum vari-
       ablen Teil  des Kapitals durchzudringen sucht. Was die Profitrate
       als solche  zeigt, ist vielmehr gleichmäßiges Verhalten des Über-
       schusses zu gleich großen Teilen des Kapitals, das von diesem Ge-
       sichtspunkt aus überhaupt keine inneren Unterschiede zeigt, außer
       dem zwischen  fixem und zirkulierendem Kapital. Und diesen Unter-
       schied auch  nur, weil der Überschuß doppelt berechnet wird. Näm-
       lich erstens als einfache Größe: Überschuß über den Kostpreis. In
       dieser seiner ersten Form geht das ganze zirkulierende Kapital in
       den Kostpreis  ein, während  vom fixen Kapital nur der Verschleiß
       in ihn  eingeht. Ferner zweitens: das Verhältnis dieses Wertüber-
       schusses zum Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals. Hier geht der
       Wert des  ganzen fixen Kapitals so gut wie der des zirkulierenden
       in die Rechnung ein. Das zirkulierende Kapital geht also beidemal
       in derselben  Weise ein, während das fixe Kapital das eine Mal in
       einer verschiednen, das andre Mal in derselben Weise wie das zir-
       kulierende Kapital  eingeht. So  drängt sich der Unterschied zwi-
       schen zirkulierendern und fixem Kapital hier als der einzige auf.
       Der Überschuß  also, wenn  er, hegelisch gesprochen, sich aus der
       Profitrate
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       1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil. S. 25-28
       
       #58# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw.
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       in sich  zurückreflektiert, oder  anders,  der  Überschuß,  näher
       durch die  Profitrate charakterisiert,  erscheint als  ein  Über-
       schuß, den  das Kapital  über seinen eignen Wert hinaus jährlich,
       oder in einer bestimmten Zirkulationsperiode, erzeugt.
       Obgleich daher  die Profitrate  von der  Rate des Mehrwerts nume-
       risch verschieden  ist, während  Mehrwert und  Profit in  der Tat
       dasselbe und auch numerisch gleich sind, so ist der Profit jedoch
       eine verwandelte  Form des  Mehrwerts, eine  Form, worin sein Ur-
       sprung und  das Geheimnis  seines Daseins verschleiert und ausge-
       löscht ist.  In der  Tat ist  der Profit die Erscheinungsform des
       Mehrwerts, welcher  letztre erst  durch Analyse  aus der  erstern
       herausgeschält werden  muß. Im  Mehrwert ist  das Verhältnis zwi-
       schen Kapital  und Arbeit  bloßgelegt; im  Verhältnis von Kapital
       und Profit,  d.h. von Kapital und dem Mehrwert, wie er einerseits
       als im  Zirkulationsprozeß realisierter  Überschuß über den Kost-
       preis der Ware, andrerseits als ein durch sein Verhältnis zum Ge-
       samtkapital näher  bestimmter Überschuß  erscheint, erscheint das
       Kapital als  Verhältnis zu  sich selbst, ein Verhältnis, worin es
       sich als  ursprüngliche Wertsumme  von einem,  von ihm selbst ge-
       setzten Neuwert unterscheidet. Daß es diesen Neuwert während sei-
       ner Bewegung durch den Produktionsprozeß und den Zirkulationspro-
       zeß erzeugt, dies ist im Bewußtsein. Aber wie dies geschieht, das
       ist nun mystifiziert und scheint von ihm selbst zukommenden, ver-
       borgnen Qualitäten herzustammen.
       Je weiter wir den Verwertungsprozeß des Kapitals verfolgen, um so
       mehr wird sich das Kapitalverhältnis mystifizieren, und um so we-
       niger das Geheimnis seines inneren Organismus bloßlegen.
       In diesem Abschnitt ist die Profitrate numerisch von der Rate des
       Mehrwerts verschieden; dagegen sind Profit und Mehrwert behandelt
       als dieselbe  numerische Größe, nur in verschiedner Form. Im fol-
       genden Abschnitt werden wir sehn, wie die Veräußerlichung weiter-
       geht und  der Profit  auch numerisch  als eine  vom Mehrwert ver-
       schiedne Größe sich darstellt.

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